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Verfall und Triumph, Erster Teil

Toten-Messe

Reading edition

Dem Gedächtnis der Fanny Fuß

I

Die schwarze Flur, sie gleicht des Meeres Fläche, Wo rote Flecken irren tief am Grund. Es brechen durch Korallen grüne Bäche.

Wo Züge rollen schwimmen Lichter bunt Und braune Wälder in den Lüften bangen, Die wälzen Schatten über Aug und Mund . . .

Und warest du nicht schon von mir gegangen, Da wölbte sich ein ungewisser Mond? Und habest jenen Fremden nicht empfangen

Und habest nie zur Nacht mit ihm gewohnt? Und jenes Leib im Traum voraus genossen, Der dich mit Lilienküssen süß belohnt?

Schau ich bin arm und oftmals ausgegossen In viele Näpfe, ein Gefäß bald leer. Auch jener Rest ist nun zerflossen.

Es füllet nichts die hohen Krüge mehr.

II

Bald sprenget Tag die grauen Läden auf, Der mich umbraust mit Lärm und Stimmen Schall, Die Straße blitzet und der Schienen Lauf.

Ich bin Triumphzug, blühend aus Verfall. Du Bitternis zerrinnst in diesen Stunden, Da Häuser wanken bei der Pauken Schwall.

Schon tropfet Purpur aus des Himmels Wunde. Das ward mir längst zu fröhlicher Gewähr: Gefesselt wohl, doch so dem Blut verbunden.

Es jaget Morgen mildere Lüfte her, Ein Bad auf heiteren Mittag mir bereitend, Da purzelt Clown und knallet Schießgewehr

Und ich spaziere friedlich, neugekleidet, Auch tönt ein Horn, wo man die Fahne hißt, Auf dem Kamel ein roter Affe reitet.

Doch jenen Tag, fast wunschlos, ihn vergißt Nicht weicher Schlaf, der weißen Dämmer lischet. Ich darf wohl sagen, daß getröstet ist,

Wer sich mit solcher Dunkelheit vermischet.

III

Es schwingen Sternenvölker ihre Arme, Die Hacken, wirbelnd an den Sonnemond Und Lavastrom sich wälzet, der mit warmem

Strahl bohret durch papierenen Horizont Und schartige Flut die blonden Felder mähet, Der flammenden Straßenbäume starre Front . . .

Du wieder leuchtend in den Abend spähest, Du über allen Räumen weit und groß, Ersehnter Hauch, der letzte Segel blähet.

Du bist das Lächeln spitz wie Schwerter Stoß Und, Sonnenlanzen, wehen deine Haare. Du brichst als Sturm in finsteren Städten los.

Ein Vogelheer, das sich zusammenscharet Und kommet plötzlich überm Berg in Sicht, Ein Wolkenschiff, das durch die Lüfte fahret . . .

Dich überglänzet grün Laternenlicht, Dich überstimmen Ruf und Orgelpfeifen . . . Doch weiß ich, daß du schlafest nicht.

Du steigst empor in langen Achterschleifen, Du tropfest nieder als der Kerzen Flaum, Du fließest hin am Weg als heller Streifen,

Dich hängend an der schönen Kleider Saum . . . Palast mit Tanzmusik in Wüstenei — Und stellst dich ein in böser Fratzen Traum.

Wir fahren auf, ganz Schweiß, mit Schlafgeschrei.

IV

Die Katzen schreien aus der Höfe Fluchten, Naß unterm Tore glotzt des Heiligen Bild. Wir atmen heiß nach ewiger Liebe Frucht . . .

Du nahest wieder als die Mutter mild, Mit Hängebrust und gelbem Suppennapf. Gekreisch der ausgedörrten Kehlen quillt.

Die Windeln steigen aus dem Wasserschaff. Du legst den Bruder noch im Bett zurecht. — Nun bist du Mensch, das Puppe herzt im Schlaf.

Zum Ausgehn ist das Wetter dir zu schlecht, Auch hast du frei heut, brauchst nicht aufzutreten. Bös irrt ein Glanz durch schwarzen Baums Geflecht.

Es schwirren Pfeile wild verzweigter Reden Und einer nimmt dich, kaum mehr auszudenken, So fern schon: Tränengüsse der Erflehten . . .

Wir aber schliefen oft auf diesen Bänken.

V

Nun niemand mehr in dem Bezirke hungert, Der, seidener Teppich, zwischen Monden hängt Und niemand hutlos an den Ecken lungert

Und keiner bös sich in die Züge mengt — Da flüchtet Priester mit der Klingel leis, Die Dome blühen, Jahre arg beengt,

Und schlagen auf die Dächeraugen weiß, Die Glocken dröhnend, bunte Blasen, schweben Und singen im Verein des Höchsten Preis,

Derweil die Flüsse Silberarme heben Und wirre Landschaft jubelt und zerrinnt, Doch wir, erwacht von seligen Räuschen, beben

Und bleiben Tastende, verwahrlost, blind Und suchen dich, die gleichet ewigem Wald, Da wechseln Höhlen feucht mit Höhen lind.

Wir finden uns heraus als Wanderer alt.

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