Café
Reading edition
I
Die runden Tische drehen gut im Takt. Es kollern Flöten wimmernd im Gerölle. Ein Bogenlicht in wirren Strahlen zackt. Wir schmoren ausgezehrt in lauter Hölle.
Was sind wir, daß in jenem gleichen Grau Die Schleierdame in uns Reize weckt? Ach, krochen wir aus hohler Gassen Bau In dies Gewölb, das jeden Schmerz aufdeckt?
Ach, dürften wir gesunden so in Schnelle, Uns atmen frei durch diesen trüben Dunst! Die vielen ernsten Kellner eilen schnelle. Ein finsteres Vieh, die fette Pauke, grunzt.
O, werden wir aus unserem Rausch erwachen, Kühl Morgens einmal Nüchternheit erleben? Wir schreien eingepfercht in Qual nach Rache. Es wär uns klug, nach einem Amt zu streben.
Daß uns die Zukunft anders offenbare! Daß ackere um uns toller Leiden Pflug! Daß wir das Tröstliche dereinst erfahren! Daß freudig schreiten wir gewaltigen Zugs!
Es rasseln Geigen, Geigen tödlich-schrill. Die Lärmtrompeten heulen elend-heiser. Wir schweben durch verworrene Nächte still Mit Augenaufschlag und als Wunderpreiser.
Daß du entnimmst uns in die große Stunde, Ein gütiger Geist, und schlürfst uns als Oblate. Daß wir zergehen süß in deinem Munde . . . Da schlängeln sich durchs Blut der Gifte Pfade,
Da auch Gestalten wandeln scheinumrandet Und Tote sind in weißen Linnen da. Wir aber, rings von Tönen Schlamms umbrandet, Zersetzen uns, uns manchmal trunken-nah.
II
So harren wir in allen Nächten spät, Daß unser Herz was Seltsames erfahre. Daß nur kein fremder Hauch, kein Licht uns rühre, Sonst sind zerfallen wir und ausgeweht.
Wo haben euch die Stunden hingenommen Dich blonden Nachbarn, dich, du mageres Kind? Dich Weißbierschale, Tasse und Absinth? Zu welchen Meeren seid ihr hingeschwommen?
Ists klar bei euch? Ists Frühling oder kalt? Und steigen auf verkohlter Wälder Pfähle? Ja, wenn wir uns aus diesen Hallen stehlen, Wir treten wieder müde den Asphalt.
Jetzt aber sollen uns die Wände fressen. Wir sind gelangweilt. Müssen heftig gähnen. Wir krachen unter den sehr kräftigen Zähnen Von Ungeheuern und die Hände pressend
Wir flehen wütend, flehen brünstig bang, Auf daß ein Unerhörtes uns errette! Ob es erwächst aus einem warmen Bette, Ob es ersteht beim Todesröchelklang
Der in der weiten Dämmerung erwachten, Bald schläferig abwärts schwankenden Kapelle? Es blitzt ein ewiger Tag in blutiger Helle. — Wir wollen fürder hassen und verachten.
III
Wir finden uns geängstet im Gewahrsam Von tausend Menschen, die sich kreisend ranken. Wir neigen uns demütig, leben sparsam Und treten rückwärts vor geschlossener Schranke.
Oft bricht gehässig wohl aus unserer Rede Ein Wort und manchmal wird ein Fluch geschleudert. Nun knieen wir, zur holden Magd zu beten, Derweil die Bande toller Lüste meutert.
Wer führte uns aus diesen Engbezirken, Wer höbe auf der Fenster helle Pracht? Wir wollen tiefer in uns Ekel würgen, Verzweifelt angehören stumpfer Nacht.
Sie wird erblassen. In den schwarzen Haaren Wird sich ein Silberfaden glänzend zeigen Und Strahlen werden sich rings um uns scharen, Bejubelt von dem Ablauf winziger Geigen.
O Dirigent, fach an das höllische Feuer, Treib auf die Spitze dieser Töne Schwall! Erpeitsche uns das letzte Abenteuer! Durchjage uns mit Blitz und Wasserfall!
O dröhne, dröhne Donner! Zacke Schwert! Vernichte Jubel Ohr und fetze Mund! Und, sind wir nicht der spröden Klarheit wert, Barmherziger Gott, o richte uns zugrund! —
Schon flutet wieder nieder die Empörung. Wir fuchteln nur mit Armen zuckend-wirr. Wir schlingen trüber lächelnd die Verschwörung, Da wirbeln alle Gläser mit Geklirr.