← Table of contents
Verfall und Triumph, Erster Teil

Bordell

Reading edition

I

Wenn wir uns verlassen fühlen ganz und fremd In den Automaten und bei Anverwandten, Müssen wir berauscht, in argen Frack geklemmt, Zylinderschiffe an den kleinen Huren stranden.

An den kleinen Huren in der niederen Halle matt, Schläfrig hingesetzt auf jeden Stuhl ein Blatt, Und wir folgen ihnen in die oberen Räume. Abendrot dünkt uns der kurzen Röcke Säume.

Nein, wir legen nicht die nächtige Maske ab. Treppen steigen wir hernieder, mies und schlapp. Eine neue Nacht umstreicht uns mit Getön. Hoch in Lüften regt sich Heimat, klar und schön.

II

Meiner Jugend Nächte sind in euch verbrandet. Hingegeben ward ich langer Messer Stahl. Euerer trüben Augen Lid fleht rotumrandet, Euer Antlitz wild zerpflügt und aschenfahl.

Eine schleichet immer um, ein böses Tier, Stampfend auf und grinsend, würgend Fluch um Fluch. Zwischen umgeworfenen Stühlen tanzen wir. Lysoform ist da, und immer sauberes Tuch.

Leicht gedämpft erklingen unten Geigen. Drehen nicht die Wände mit im trunkenen Reigen. Da — ein starres Auge schreckhaft uns zerreißt. Mond hängt schief, in hohem Meere grün vereist.

III

Jetzt zu großer Stadt seid furchtbar ihr vereint, Die erhebt ihr Marterangesicht versteint. Kreuz und quer zerhackt von schlimmer Krankheit Biß, Schräg zerfetzt von wüster Morde blutigem Riß.

Gott wird betteln demütig um euere Gnade, Doch ihr bleibet unerbittlich, grausam-stumm, Löset auf euch nicht in heißer Tränen Bade, Wendet euch nicht Lächeln schöner Engel um.

Herrisch steiget auf ihr, grauer Säulen Quader, Bohrt euch, starre Dolche, in des Ewigen Brust, Daß zerplatzet seines Herzens blaue Ader. Niederklatschet steil ein Purpur-Regenguß.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings