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Verfall und Triumph, Erster Teil

Die Große Stunde

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I

Daß meine Schritte deinen gleicher werden, Daß deine Male meinen Körper zieren, Daß deine Leiden heftig in mich dringen, Daß mich Verlästerung und Schande treffen, Bis mich Triumph aus ekler Not verklärt! Daß ganz dein Aug aus ewig lichter Sphäre In meinen Blick, in meine Art verwachs! Ich gab mich hin, ward voll in dich gelassen, Einst aufgesprungen groß aus deinem Blut Mir deine Worte brausen jetzt vom Munde. In deinem Sinn erwidere ich der Welt. Dein Wunsch dem Jünger Fügung und Gebot.

II

Du zürn mir nicht, wenn ich berauscht umarm, Erpresse dir Tribut von Bett und Glück, Wenn ich zurück mich aus den Tagen stürz Jäh hin verzweifelt — falb an deine Brust: Zerhack mich Messer Strahl, durchzück mich Stoß! Da Körper ächzt, ein Wrack, das Hirn zerwirkt, Das Auge quillt, der rote Mund zerschleißt . . . Was soll ich Ärmster noch, wenn du mich nicht Zum Opfer annimmst, schwach und unscheinbar? Der nie noch Heimat fand, er schwankt im Sturm. Er heult auf Dächern deinen Namen weit. Dumpf wie ein Stier er brüllt und bäumt sich krumm.

III

Ich wart auf dich, wenn furchtbar schwirrt die Nacht. Wo hinterm Wald der Brünste Lohe steigt. Zu Funken stiebt den Brand dein Atemstrahl, Da auf den Berg du schwingest dich als Stern, Wo niederrutscht ins Tal der Wasser Fall. Ja überall im Dunkel schwebt dein Bild, Endlos wirkt deine Gnade, deine Güte weit, Weit wie das Meer und wenn in Abgrund taucht Mein Schiff und wirbelt um im Strudelschlund, Bleibt doch in Lüften hoch dein silberner Schrei, Dein Adlerschrei, der mich Zerschlafenen weckt, Das Steuer umreißt und den Bug hochschraubt.

IV

Ich fühlte mich im Traum mit dir vereint. Wir schlossen uns zum ewigen Bruderbund, Und schallt Trompetenschrei in grauser Nacht, Du wirst mich kämpfend dir zur Seite finden. Das Kreuz muß leuchtend sich am Himmel zeigen. Das Kreuz soll aus den Gründen flammend steigen. Das Kreuz wird als Gespenst im Nebel wanken. Das Kreuz wird dämmern aus der Meere Glast. Um das geheiligte Denkmal braust die Schlacht. Du streckest vor der Arme dünnes Schild. Die Lanzen knicken wie Schilfrohre ab. Dein Atem fegt die Höllischen hinweg.

V

Der späte Jünger sei nicht minder treu. Du hast dich herrlich um sein Schild geschrieben. Im Morgen schreiten blonde Engel aus, Die schwarzen Geister sind am Licht zerschellt. Du streifst vorbei im weißen Sonnenfluß, Du tost hinab in falbe Finsternis, Wo Weg zerschleißt, ein tückisches Gespenst. In starrer Zeit wir lernten dir vertrauen, Da Hoheit wich, Mord waltet und Verrat. Geharnischt züngeln um das Haus die Flammen. Wir tauen auf aus Haß, Verachtung. Schutt Von unserer Stirne bricht. (. . . o Lilienkranz! . . .)

VI

Gehässig zischeln auf wir. Reich die Hand! Wir dürfen singend über Trümmern schweben, Da Fels riß auf uns, Ebene rieb uns wund, Der Wald trieb ein den Stachel, Fluß grub spitz. Durch hohlen Körper drang dein weiches Licht, Auf die versengte Erde fiel dein Kuß. Du gehst behäbig still durch unsere Stadt, Du liest den Anschlag auf der Litfaßsäule, Im leichten Auto kommst du angeeilt. Schrill branden um uns Kinder Jammerschreie. Ein Weib ersäuft. Ein Arbeiter erstickt. Es schraubt die Nacht sich hoch. Tief krümmt sich Tag.

VII

Jetzt flacken wir zerknirscht vor dir im Staub. Die Helfer mögen uns nicht aufwärts raffen. Schon wandeln wir geruhig durch Ölbergs Garten, Da fern dein Kreuz sich wie ein Streitroß bäumt. Du stiebtest Retter aus Empörungsgrüften, Du schlugst des Mantels himmelblaues Tuch Um uns, trugst uns hinweg, die schwache Beute, Die Brut der Kinder aus verseuchtem Nest. Der Fels blitzt rot. Steil wächst die Mittagsstunde. Es schwillen Rufe aus der Unterwelt. Gesichter springen auf in Flammengarben, Dadurch die Engel mit Posaunen steigen . . .

VIII

So ward der Irrfahrt Ende Lob und Preis. Das Schiff schwenkt in den Hafen, froh geschmückt. Auf allen Plätzen flammt ein Feuerwerk. Der Berge Riesen springen jubelnd hoch, Die Wälder brennen und die Meere sprühen. Da regnet nieder farbenes Gefäll. Aus finsteren Schluchten tauchen Prozessionen. Es flattern Mäntel in den Lüften weiß. Gespanne sausen auf des Himmels Bogen. (Hoch wölben Strahlen über das Geklüft.) Du fährst voran dem großen Hochzeitszug. Die Erde donnert, klafft und bricht entzwei.

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