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Verfall und Triumph, Erster Teil

Herbst-Gesänge

Reading edition

I

Laubkronen schon beginnen zu entschweben, Weiß überfallen uns die Dämmerungen. Von Fäulnis ist des Himmels Schwamm durchdrungen. Wie Schnecken wir an schleimigen Straßen kleben.

Wo bliebst du Held in goldener Strahlen Panzer? Du schlafest, Gott, im Haar der Sterne Streifen. Von Dunkelheiten sind wir rings umschanzet. Geduckt. Vergangenheiten nach uns schleifen.

Der uns in Krankheit warf und Zuchthauszwang, Der niederstieß den Stock, daß klaffend sprang Der Halle Boden, und den Kopf uns schor —

Gealtert früh und vorzeitig bekümmert, Von Lampennacht und eklem Tag verschlimmert, Uns Kauernde saugt tief ein finsteres Tor.

II

Verkünderinnen großer Himmelsfreude Schwebt durch die Nacht, die schlimm Verwesung würzt, Um mich, des Herbstes dumpfen Fall und Beute, Der unheilvoll den weißen Tag mir kürzt.

Schminkt Wangen bunt mit eueren Schattenhänden, Die ihr wie Brunnen euch jetzt höher dreht! Durchbohret mich erschauernd, tiefer . . . wendet Nochmals das Antlitz her, bis bang verweht

Musik, die aufquoll von Hotelterrassen, Um die ich schleiche, matt und ausgeraubt. Vor Jener Nahn ich muß euch schnell verlassen.

Fahret empor im Winde rund als Staub, Hinstöhnend unter Rädern, die euch fassen, Als Donner kalt, der kracht die Plätze taub.

III

Ich Made in dem flimmernden Totenkleide, Das mit viel gelben Lichtern niederhängt. Die Kohlenstadt, verschmiert von Winters Kreide Begräbt der Sturm, der Meer und Himmel mengt.

Nun eingesperrt im ewigen Geklüfte, In eisiger Hölle Nimmerwiederkehr . . . Doch steigen wir auf zur Nacht als Nebellüfte Und ziehen überm weißen Flusse her.

Wir träumen Sommer nach, und was gewesen Erscheint uns warm, von besserem Stern erhellt. Uns reiben wund der fliegenden Wälder Besen.

Uns kratzet auf das böse Stoppelfeld. Uns töten bald der goldenen Strahlen Stöße. Bei blauen Küsten sinken wir, zerschellt.

IV

Ein matter Mond wie dumpfes Gong ertönt. Nicht reise du in Armut mehr und Körperfülle! Aufblitze du, o silberne Kanüle, Und schwebe Bett, aus dem du springst und stöhnst!

Von Stadt und Landschaft knieend vorgelassen —: Durchjage mich, vernichte mich, o Strahl! Im Café scheppern die entleerten Tassen, Ein Zug fällt steil wo in ein dunkles Tal.

Um einen Tag bog ich, der voller Feuer stand, Der fachte an der vorgegangenen Tage Reihe. Ein Wurm ich mich durch brennende Gegend wand.

Wann rauschet über meines Kerkers Dickicht Bläue, Wann liege ich am Meer im Sonnenbrand Und schweife aus durch Wind und Schaum ins Freie?

V

Ich bin nur Frage und Verkommenheit, Fetzen im Wind, der um Balkone fährt. Ich bin der Einspruch im entbrannten Streit, Gewicht, das eueren Höhenflug beschwert.

Wie plump, hinfällig, kalt und widerlich! O daß du Vieh dich tief im Stall verkröchest! Daß dich, der scheu um windige Ecken schlich Des Nachts —: ein Strolch, ein Strolch bald niedersteche!

Verwickele dich ins Dunkele! Pack dich ein! An Nasenhaaren baumelt grüner Stein. In deinen Augen Schimmelmond gerann.

Dein Kopf ist Schorf. Verfrorene Ohren sind Papierene Schirme, dick verklebt mit Grind. Aus stinkichtem Maule wächst dir brauner Zahn.

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