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Verfall und Triumph, Erster Teil

Erscheinen des Engels

Reading edition

Dem Doktor Otto Groß gewidmet

I

Schon färbet Nacht uns. — Sieh, als heiliger Würger Stolziert er durch die Nacht mit Wohlbehagen. Er spucket Kugelköpfe, rote Bürger Und Gäule stürzt er, sanfte Trambahn-Wagen.

Er schmettert seine rauschenden Fanfaren, Er rufet Pest und Fieber, die Dämonen. Er zerret Weiber in den Fluß an Strickehaaren. Er balancieret auf bedenklichen Balkonen.

Sein Mantel hänget Haut herab in Fetzen. Die dunkle Luft ist irgendwie erschüttert. Schon dünne Nonnen durch die Straßen hetzen.

Im Arsenal die Bogenlampe zittert. Das Flammenschwert er schwinget, sich ergötzend. Es dröhnet Orgel weit das himmlische Gewitter.

II

Nun ruhend über, ach, gefallenen Säulen, Zerborstenen Theatern und Konzerten . . . Er füget Glieder an zerbrochene Leiber Und streicht mit Erde Wunden aus.

Wo Dunst aufbricht verwelkter Seuchen Und Flüsse spülen endlos blaue Leichen . . . Und jammernd kindlich über offenen Gräbern Und stößet Seufzer hell durch Blätterruß.

Sich streckend, daß dies Leid er fasse, Bis jene Ewigkeit ins Aug ihm wächst.

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