Zwölftes Kapitel.
Reading edition
An den Ufern des Baikalsees.
Längs der Selenga. — Ein widerspenstiger Aufstieg. — Im Sumpf. — Der verödete Weg. — Die Bolschaja Rjeka. — Myssowaja. — Nutzloser Versuch. — In Erwartung einer Antwort. — Eine außergewöhnliche Vollmacht.
Am 27. Juni um 4 Uhr früh befanden wir uns von neuem auf der großen Fähre der Selenga, um auf das linke Ufer des Flusses zurückzukehren, längs dessen sich die zum Baikalsee führende Straße in Schlangenwindungen hinzieht. Diesmal fanden wir die Fähre im Begriffe, eine Menge Wagen, die vom Felde kamen, nach Werchne-Udinsk überzusetzen. Es war die Szene vom Abend zuvor, nur umgekehrt. Schon auf der Hälfte des Weges zum Flusse riefen wir den Muschiks und den Burjaten zu, sie möchten ihre Pferde gut festhalten. Wir hatten schon die unversöhnliche Abneigung der sibirischen Pferde gegen das Automobil kennen gelernt. Die Begegnung mit einem Löwen hätte bei den frommen Pferden der Landleute kein größeres Entsetzen hervorbringen können. Die armen angespannten Tiere machten verzweifelte Anstrengungen, von der Telega loszukommen; sie gingen mit heftigen Kopfbewegungen rückwärts, erhoben sich vor Furcht wiehernd auf die Hinterbeine, warfen sich heftig auf die Seite, drehten sich um und befanden sich schließlich, fast immer schnaubend und zitternd, die Schnauze gegen die Telega gepreßt, in einer für die Flucht wenig günstigen Stellung — ohne daß dabei die verwunderten Landleute auch nur einen Finger gerührt hätten, um es zu hindern. Sie hatten nur Augen für uns; sie starrten uns offenen Mundes an, grüßten häufig und ließen ihre Pferde Pferde sein. Daher warnten wir sie schon von weitem: „Haltet die Pferde! Gebt acht auf die Pferde!“
Es herrschte eine Kälte fast wie im Winter. Die Muschiks und die Burjaten hatten ihre Pelzarmiaks und die Fausthandschuhe angezogen. In der feuchten Luft dampfte der Atem der Pferde. Wir überschritten wieder die Brücken vom vorigen Abend und wandten uns dann nach Westen zu. Wir begegneten niemand mehr. Der Schmutz war klebrig, und obgleich wir langsam fuhren, glitt das Automobil doch jeden Augenblick mit den Hinterrädern seitwärts, stellte sich quer, unempfindlich gegen das Steuer, und nahm einen Gang an wie ein Pferd bei der Volte. So oft wir konnten, schoben wir die Maschine auf den Rasen, wo die Räder etwas mehr griffen, und bahnten uns einen Weg durch das Heideland. Nach einer Stunde hatten wir große Lust, umzukehren. Wir befanden uns vor einer niedrigen Anhöhe, die wir sonst, ohne es zu merken, hinaufgefahren wären, die sich jetzt aber als unersteiglich erwies.
Dieser Art von Hindernissen gegenüber erfaßte uns die Wut. Wir hätten einen Fluß, einen Berg, einen Abgrund, irgendein anderes nennenswertes Hindernis vorgezogen. Aber nein; es waren 100 Schritte Wegs, die ganz harmlos aussahen. Die Strecke war von einem glitschigen Schmutze bedeckt, auf dem selbst der Schritt des Fußgängers unsicher ist und der Fuß dahinschleicht mit unwiderstehlicher Neigung, rückwärts statt vorwärts zu gehen. Die Räder machten es wie der Fuß. Sie drehten sich im Leeren. „Fahren wir etwas zurück!“ sagten wir uns.
Wir kehrten um. Mit einem Schwunge stürzte sich die Maschine zum Angriff, blieb aber am Fuße der Anhöhe stehen, wich schleifend, trotz angezogener Bremsen, zurück, drehte sich im Kreise herum, wandte sich zur Seite und machte zuweilen kehrt wie ein furchtsames Pferd. Wir versuchten es mit langsamer Fahrt, indem der Fürst und ich schoben und Ettore steuerte. Wir hatten Stücke Holz gefunden, die wir als Keile unter die Räder legten, und versuchten, Zentimeter um Zentimeter weiterzukommen. Aber an einem bestimmten Punkte glitt das Automobil wieder zurück und riß uns und die Keile mit. Hundertmal hatten wir begonnen, bald im Zickzack, bald in gerader Richtung. Der Motor arbeitete, ließ wahre Schätze von Benzin in Rauch aufgehen, erhitzte sich und schien ebenfalls gereizter Stimmung zu sein. Es gab am Fuße der Anhöhe tatsächlich keinen Fußbreit Weges mehr, der nicht von den Rädern zerwühlt worden wäre; er sah aus wie gepflügt.
„Und wenn man bedenkt,“ riefen wir aus, den Himmel betrachtend, in der Hoffnung, ein Anzeichen des Aufklarens zu entdecken, „wenn man bedenkt, daß eine halbe Stunde Sonnenschein diesen Weg ausgezeichnet machen würde!“
Die Sonne schien all das Schlechte, das wir ihr in der Wüste nachgesagt hatten, übelgenommen zu haben. Es regnete unaufhörlich. Da kam uns ein Gedanke: die Straße mit Baumzweigen zu bedecken. Wir machten uns daran, junge Kiefern abzuschneiden, die nassen Äste herbeizuschleppen und auf den Boden zu legen. Das Automobil nahm einen Anlauf, gelangte mit zwei stürmischen Radumdrehungen auf die Zweige und warf sie zurück wie ein Hund, der die Erde mit den Hinterfüßen wegscharrt; nachdem es das Werk unserer Hände zerstört hatte, blieb es befriedigt stehen und kehrte murrend ruckweise zurück. Wir hatten all unsere Hilfsmittel erschöpft. Was nun? Nach Werchne-Udinsk zurückkehren und auf besseres Wetter warten? An Ort und Stelle kampieren? Auf die Suche nach Muschiks gehen und sie um Hilfe bitten? Wir erörterten all diese Pläne, als der Fürst einen andern in Vorschlag brachte: zuzusehen, ob es nicht möglich sei, den Übergang an einer andern Stelle auszuführen.
Links von dem Pfade befand sich dichtes Gebüsch, undurchdringliches Pflanzengewirr, zur Rechten lag etwas höher als die Straße eine kleine Wiese, und jenseit der Wiese eine Schlucht, in deren Grunde die Selenga dahinfloß. Vom Fuße der Anhöhe konnte man auf die Wiese gelangen und sie auf dem Gipfel wieder verlassen. Die Wiese senkte sich nach der Seite der Schlucht zu. Ettore führte die Maschine rasch dorthin. In der Nähe des Gipfels sahen wir sie jedoch ihren Lauf verlangsamen und sich unversehens nach rechts, nach der Schlucht zu wenden.
„Links, links!“ schrie der Fürst in schrecklicher Aufregung.

An Bord eines Fährbootes.
Doch das Automobil hatte sich schon mit einer raschen Bewegung nach links geworfen und rollte auf der Straße herab. Es hatte das gefährliche Manöver nach rechts unternommen, um Kraft zu gewinnen und das Gefälle der Wiese gegen den Straßenrand hin zu benutzen. Wir stießen einen Seufzer der Erleichterung aus, maßen die überwundene Anhöhe von oben bis unten, drohten ihr in gerechter Entrüstung mit geballten Fäusten und setzten dann unsere Fahrt längs des Ufers der Selenga fort. Bald befanden wir uns über dem Flusse, der gegen das Ende seines Laufes immer schneller dahinströmt, als beeile er sich, in der ewigen Unbeweglichkeit des Sees Ruhe zu finden, bald zogen wir dicht neben seinen weißen, schäumenden Fluten einher. Das Tal verengert sich immer mehr; die Selenga zwängt sich zwischen Hügeln hindurch, die mit dichtem Kiefern- und Birkenwald bestanden sind. Die Eisenbahn, die sich am rechten Ufer entlang zog, kam auf einer prächtigen eisernen Brücke zu uns herüber. Von diesem Augenblicke an haben wir uns stets in ihrer Nähe gehalten.
Wir fuhren in Schlangenwindungen neben der Bahnlinie, passierten zu ihren Füßen manchen überschwemmten Brückensteg, überschritten ihren Damm und verließen sie, um sie bald darauf wiederzufinden. Wir glaubten wer weiß wie weit von ihr entfernt zu sein, während ihre Signalscheiben und die roten Dächer der Bahnwärterhäuschen immer wieder vor uns auftauchten. Sie hielt treue Kameradschaft. Wir sahen in der Ferne die kleinen einsamen Stationen, überragt von dem hohen, mit Holz bekleideten Wasserbehälter, durch den der Schornstein eines Wärmeofens hindurchgeht, um im Winter das Wasser vor dem Gefrieren zu schützen. Alle Augenblicke fanden wir die Straße durch eine Schranke versperrt; wir gelangten in den Bereich irgendeines Dorfes, auf das Kollektiveigentum einer Gemeinde oder einer Kosakenstanitza. Bei jeder Schranke befand sich ein Wärter, ein alter Mann, der in einer nahegelegenen Holzhütte hauste, die oft mit Erde zugedeckt war, um sie wärmer zu machen; aber der Wärter war an die Geschwindigkeit des Automobils nicht gewöhnt und kam oft erst aus seiner Hütte, wenn wir selbst schon die rote Holzschranke geöffnet und wieder geschlossen hatten und uns rasch entfernten. Verblüfft, regungslos blieb er stehen und blickte uns nach. Mancher machte das Zeichen des Kreuzes auf Stirn und Brust. Einmal kam ein Wärter beim Klang der Hupe und auf unser Rufen angerannt und blieb wie angenagelt stehen.
„Öffne doch gefälligst!“ sagten wir, das Automobil anhaltend.
Er rieb sich lebhaft die Augen, sah uns verdutzt an und begann sich von neuem die Augen zu reiben. Er glaubte zu träumen. In der Tat sahen wir in unseren großen, mit den Haaren nach außen gekehrten Pelzen und bei dem uns bedeckenden Straßenschmutz Menschen nicht allzu ähnlich, und jener riesige Wagen, der unter solchem Getöse von selbst lief, schien auch nicht besonders geeignet, einen Muschik von unserer menschlichen Natur zu überzeugen.
„Öffne, wir bitten dich!“
Der Alte rief, wie mit sich selbst redend, aus:
„Was ist denn das? Was ist denn das?“
Die Antwort, die er sich auf diese Frage erteilte, war wohl nicht sonderlich schmeichelhaft für uns, denn mit einem Male machte er kehrt, flüchtete rasch wie ein verfolgter Hase in seine Hütte und kam nicht mehr zum Vorschein. Solche Erlebnisse bereiteten uns großen Spaß.
Noch einen andern Wärter möchte ich erwähnen, dessen Haltung uns einen Augenblick zum Lachen reizte, aber nur einen Augenblick. Es war ein junger Mann mit einem kleinen blonden Bärtchen. Er lief herzu, um mit dienstfertiger, aber unsicherer, zaudernder Bewegung zu öffnen. Als er das Getöse des nahenden Motors hörte, öffnete er rasch die Schranke, gleichsam in Furcht, er könne nicht rechtzeitig damit zustandekommen. Dann sprang er mit einem verzweifelten Satze zur Seite und drückte sich gegen den Pfosten der offenen Schranke, den er mit beiden Armen umklammert hielt, um dem unbekannten, drohenden Ungetüm den ganzen Platz freizulassen. Als wir dem Manne ins Gesicht sahen, bemerkten wir, daß er blind war. Seine weißen, glanzlosen Augen waren in instinktivem angstvollem Suchen weitgeöffnet auf uns gerichtet; auf seinem abgemagerten Gesichte malte sich das Entsetzen. Er hatte gefühlt, daß etwas Schnelles, Übermächtiges, Geheimnisvolles in seiner Nähe vorüberkam, ihn aus seiner langen, grausigen, endlosen Nacht aufstörte. Wir aber empfanden Gewissensbisse über diese tragische Furcht.
Die Dörfer sahen wohlhabend aus. Die Isbas waren fast alle neu und groß. Es fehlte uns auch nicht an der gewohnten Avantgarde davongaloppierender Rinderherden, die uns in ihrem stürmischen Laufe mit Kot bespritzten. Aber wir hatten uns mit dem Straßenschmutze schon befreundet. Die Räder wühlten ihn auf und schleuderten ihn in Klumpen auf uns. Die Luft erfüllte ein Morastregen. Wir und das Automobil waren von oben bis unten damit bedeckt; wir hatten jeden Versuch aufgegeben, uns das Gesicht abzuwischen, und fügten uns darein, eine Erdkruste als Maske zu tragen. Wir glichen Statuen aus Ton, die man zu entwerfen begonnen hatte! Unter dieser Hülle hatte unsere ernste, gelangweilte Miene etwas Komisches an sich. Wir waren aber in jenem Augenblicke wenig geneigt, dies zu würdigen und Geschmack daran zu finden. Wir sagten, wenn wir uns betrachteten: „Wir sind Clowns!“ in demselben ernsten Tone, in dem wir sagten: „Es ist kalt!“
Es war in der Tat kalt. Es wehte ein Wind, der uns eisig durchschauerte. Ich saß auf dem Trittbrette, und auf meinen Beinen sammelte sich so viel Schmutz, daß diese in riesige, unförmliche Dinger verwandelt wurden, die sich als sehr schwer fühlbar machten, wenn ich absteigen mußte, um die Schranken zu öffnen. Unter dieser Kruste nasser Erde fühlte ich mich doppelt kalt. Aber zu meinem Troste wiederholte ich mir, daß wir uns im Sommer befänden! Glücklicherweise hörte in den ersten Stunden des Nachmittags der Regen auf. Ein Ostwind zerteilte die Wolken; ab und zu kam ein Stück blauer Himmel und ein Stück Sonne zum Vorschein, die uns sofort erwärmte; der Schmutz trocknete, und wir fühlten Wohlbehagen, als ob wir mit der lauen Luft eine Herzstärkung eingesogen hätten. Wir waren fern von jeder menschlichen Wohnung, mitten in endlosen Wäldern, auf einer malerischen, grasbewachsenen Straße.

Straße im sibirischen Urwald.
Nach dem Bau der Eisenbahn verödeten jene Strecken der alten sibirischen Straße, die durch unbewohnte Gegenden führten, und die nicht dem Kleinverkehr zwischen den einzelnen Dörfern dienten. Die Natur eroberte sich die Straße schrittweise zurück und nimmt den Raum, der ihr von den Menschen geraubt worden ist, wieder in Besitz; von den Rändern aus rücken neue Pflanzen vor, breiten das junge Grün ihrer Sprossen aus, neigen ihre Zweige, die vom Gewicht des Schnees gebeugt oder abgebrochen sind, über die alte Straße, werfen ihre abgestorbenen Stämme auf sie, zertrümmern die verfaulten Pfähle, werfen die alten Einfriedigungen um und dringen von allen Seiten vor. Wir müssen jeden Augenblick den Kopf beugen, um nicht von den Zweigen getroffen zu werden. Zuerst hatte das Gras von dem Gelände Besitz ergriffen. Die Straße fing an zuzuwachsen wie eine ungeheuere, der Erde zugefügte Wunde, die unter einer Blütendecke heilt. Wir fuhren durch lauter Blumen; Büsche von Anemonen, Goldköpfchen, Ranunkeln, Primeln, Erdbeerblüten — Farben und Düfte tauchten in wunderbarer Pracht aus dem Schatten jener Bäume auf. Der sibirische Frühling nahte mit stürmischer Eile, wie um sich für die lange Verzögerung zu entschädigen, die ihm die Eismassen auferlegt haben.
Wir genossen den stillen Triumph der Pflanzen, schwelgten in dem wilden Zauber jener Gegenden, in denen sich keine Spur menschlicher Arbeit zeigte, die nicht uralt gewesen wäre. An manchen Stellen hatten Wasserläufe sich beim Tauen des Schnees gebildet, die Straße überschwemmt, sie zerstört, aufgewühlt, Steine und heruntergefallene Äste darauf gewälzt. Sie hatten das alte, ihnen von den Menschen gegrabene Bett verlassen und sich der Tyrannei der Gräben und Brücken entzogen. Die aus den Fugen gegangenen morschen Brücken erbebten und ächzten unter der Last des Automobils. Noch hatten wir nicht gelernt, sie zu fürchten.
Mitten im Walde stießen wir wieder auf die Eisenbahn, die wir vor einigen Stunden verlassen hatten. Zwischen den Bäumen erblickten wir ein Tal, hörten das Rauschen eines Wassers, und auf dem Gipfel einer niedrigen Anhöhe bot sich eine Brücke unseren Augen dar. In diesem Augenblicke hörten wir eine Stimme rufen:
„Halt, ihr Männer, halt!“
Ein Bahnwärter machte uns Zeichen. Als er uns halten sah, rief er:
„Die Brücke ist nicht mehr da! Sie ist eingestürzt.“
Wir stiegen ab. Es war in der Tat so. Von unten konnten wir nicht bemerken, daß nur der Brückenkopf stehengeblieben war. Ein breiter stürmisch brausender Fluß strömte auf dem Grunde der Schlucht dahin.
„Wie kommen wir hinüber?“ fragten wir den Wärter.
„Es gibt im Tale eine Furt. Halten Sie sich rechts und folgen Sie dem Waldwege: Sie werden schon eine finden. Es liegt eine Stanitza in der Nähe.“
„Wie tief ist das Wasser?“
„Ich weiß es nicht. Heute morgen sind Wagen durchgefahren.“
„Wie heißt dieser Fluß?“
„Bolschaja Rjeka“ (der große Fluß).
Wir folgten dem Wege, setzten mit Leichtigkeit über einen Bach mit klarem Wasser, drängten uns durch dichte malerische Gehölze, die voller umgestürzter Baumstämme lagen, und gelangten endlich an das steinige Bett der Bolschaja: der Fluß war sehr reißend und tief. Zur Zeit der Schneeschmelze muß die Bolschaja Rjeka furchtbar sein. Sehr breit und strudelreich, reißt sie Bäume und Felsblöcke vom Gebirge los, trägt sie davon, wirbelt sie im Kreise umher und zertrümmert sie. Ihr ganzes Bett war angefüllt mit riesigen Stämmen, Baumstümpfen, Ästen, die von der Wut des Wassers hierher gespült worden waren — mit einem toten, gefällten Walde, der hier in großartiger Unordnung und Verwüstung hingestreckt lag. Auf der anderen Seite des Flusses sahen wir einige Isbas. Ein junger Muschik, der eine Telega lenkte, kam auf unserer Seite aus dem Gebüsch heraus. Er hielt, betrachtete uns und grüßte.
„Wo ist die Furt?“ fragten wir ihn.
„Ich fahre soeben hinüber. Kommen Sie nur mit mir.“
Er ließ uns einen halben Kilometer zurückfahren und drang mit einem Male wieder in das Gebüsch ein. Dann kehrte er zum Flusse zurück und sagte:
„Hier ist die Furt. Passen Sie gut auf, wo ich hinüberfahre. Man muß den Fluß in schräger Richtung durchschreiten, auf jenen Punkt zu. Sie dürfen keinen Zoll breit von dieser Richtung abweichen!“
Er erteilte uns diese Belehrungen in freundlichem Tone, in jener liebenswürdigen Art, die die russischen Bauern an sich haben, und blickte uns dabei mit seinen blauen, klaren Augen an.
„Wie ist der Grund?“ fragte ihn Fürst Borghese.
„Steinig wie hier.“
„Bis wohin reicht das Wasser?“
„Es ist so hoch wie die Räder der Telega.“
Wir aber dachten an den Iro.
„Gibt es hier Ochsen?“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, es gibt hier keine.“
„Oder Pferde?“
„Jawohl; jeder hat Pferde.“
„Kannst du uns Pferde besorgen? Wir zahlen einen Rubel für jedes Pferd, und einen Rubel außerdem für dich.“
„Gut. Warten Sie hier.“
Er fuhr durch den Fluß und verschwand. Es verging eine Stunde und wir wurden schon ungeduldig, da sahen wir eine Anzahl berittener Männer auf dem andern Ufer daherkommen. Es waren unsere Leute. Sie ritten durch den Fluß, und als sie in unsere Nähe gekommen waren, grüßten sie würdevoll durch Abnehmen der Mützen. Es waren schöne kräftige Gestalten, Köpfe von blonden Heiligen auf Körpern von Riesen. Wie bei allen Muschiks fielen die Haare bis zum Halse herab; das russische Volk behielt die Haartracht der alten Krieger bei mit den dicht unterhalb des Nackens abgeschnittenen Haaren, als ob diese, wenn sie länger wären, noch heute das Tragen der Sturmhaube und des Panzers hindern könnten.
Die Männer schafften zuerst das Gepäck auf dem bloßen Rücken der Pferde hinüber; es machte den Eindruck, als ob eine Plünderung stattfände. Inzwischen hatte Ettore den Magneten, um ihn nicht herausnehmen zu müssen, mit einer undurchdringlichen wasserdichten Schicht mit Fett bestrichener Lappen umwickelt. Dann wurden die sechs Pferde vor das Automobil gespannt, und zwar mit den langen Seilen, die uns schon bei so vielen Gelegenheiten gute Dienste geleistet hatten; die Männer sprangen auf die Pferde, einer von ihnen setzte sich rittlings auf das Motorgehäuse. Ettore ergriff das Steuer, und die Maschine tauchte rüttelnd und hin und her schwankend in die Bolschaja Rjeka unter lauten Rufen, Peitschenhieben, Pferdegewieher inmitten einer Flut von Spritzern und Sprühern; wütend wurde die Maschine seitwärts vom Wasser angefallen, das mit gurgelndem Wogenschwall angeschossen kam.

Unser Publikum.
Am andern Ufer setzten wir das Automobil rasch wieder in Marschbereitschaft. Die eingestürzte Brücke hatte uns einen Zeitverlust von drei Stunden gekostet. Wir wollten noch vor Abend Myssowaja am Ostufer des Baikalsees, 160 Kilometer von Werchne-Udinsk, erreichen. Die Muschiks zeigten uns den Weg. Wir verschwanden im Walde.
Es gibt eine einzige Gegend in Europa, die an diese Landschaft erinnert: Schottland. Dieselben bewaldeten Hügel, dieselben Pflanzen, derselbe wildmalerische Charakter und in der Ferne jener nordische Nebel, der die Farben sanft in melancholischem Schleier auflöst. Gegen 5 Uhr, nach dreizehnstündiger Fahrt, sahen wir endlich zwischen spitzen schwarzen Hausgiebeln die blaue Fläche des Baikalsees hervorschimmern. Sie erschien leuchtender, da der Himmel wieder klar geworden war.
In jenem heiteren Glanze konnten wir nur mit Mühe die 50 Kilometer entfernten Gebirge des jenseitigen Ufers entdecken. Nach Norden und Süden war der Wasserhorizont unbegrenzt. Den Baikalsee nennen die Russen ein Meer. In Wahrheit ist er der Breite nach ein See, der Länge nach ein Meer. Das Asowsche Meer ist um ein Drittel kleiner. Der Name Meer kommt dem Baikalsee von alters her zu. 200 Jahre lang wurde er für ein seltsames Meer süßen Wassers gehalten, und die russische Eroberung machte an seinem Gestade halt. Dann wurde sie von der Sehnsucht nach dem andern, dem salzigen Meere, weitergetrieben und drang bis zum Stillen Ozean vor.
Die Straße führte in Wellenlinien am See entlang; sie brachte uns dem Ufer manchmal so nahe, daß wir das rhythmische Anschlagen der Wellen auf den Sand vernahmen. Mit einem Schlage hörte der Wald auf. Er war nicht gefällt worden, er war abgebrannt. Auf den kahlen Hügeln waren verkohlte Stämme stehengeblieben: aufrechtstehende Baumleichen inmitten des Wustes der Zerstörung. Das Feuer ist der Hauptfeind der sibirischen Wälder; es entsteht, man weiß nicht wie, der Wind trägt es weiter und drängt es zurück. Wir dachten an das wunderbare und dabei furchtbare Schauspiel eines Brandes am Ufer des Sees, an die feurigglänzende Verwüstung, die sechs Werst Gebüsch auffraß und die, in der Nacht vom Wasser widergespiegelt und vom Himmel zurückgestrahlt, einem Nordlichte gleich bis zu den Ufern der Angara sichtbar gewesen sein mußte. Eine Stunde darauf betraten wir Myssowaja.
Myssowaja ist wenig mehr als ein Dorf: eine Reihe weißer Holzhäuser an sehr breiten, steinigen und schmutzigen Straßen, die wie das Bett eines Bergstroms aussehen, Fußsteige aus Brettern, ein grasbewachsener Platz, eine weiße Kirche mit grünem Dache, eine Kaserne — das ist alles. Aber dieses schlummernde und beinahe verödete Dorf hat eine Zeit der Tätigkeit und der Bedeutung gesehen. Als die Eisenbahn noch nicht um das Südufer des Sees herumgeführt worden war, war Myssowaja der östliche Hafen der großen, den Baikal befahrenden Dampfer. Ich entsinne mich der Zeit vor sieben Jahren, als es von Soldaten und Beamten wimmelte, als seine Zollämter bei jeder Ankunft eines Schiffes oder eines Zuges in lebhafter Tätigkeit waren, der Bahnhof mit Waren, mit Wagen, mit Reisenden angefüllt war, der Hafen durchfurcht wurde von Barken, von Schleppdampfern und von den riesigen Trajektbooten, von welchen jedes vier Züge in seinen weiten Bauch aufnahm. Und in der Nacht leuchteten die roten und weißen Lichter der Leuchttürme und des Semaphors auf, und der kleine, in der Nähe des Bahnhofs gelegene Gasthof füllte sich mit Leuten, die essend und trinkend den Abgang der Nachtzüge abwarteten.
Jetzt ist der Ort nicht wiederzuerkennen. Der Hafendamm, der einer der größten Holzdeiche ist, die ich gesehen habe, fällt in Trümmer, die Leuchtfeuer sind gelöscht, die Schiffe legen nicht mehr an, der See ist verödet, die Hafenkais bedecken sich mit Gras, niemand verläßt hier mehr die durchgehenden Züge, alles verfällt, verrostet, stürzt zusammen, und nur wenige Einwohner sind zurückgeblieben, man weiß nicht weshalb.
In Kiachta hatte uns unser Freund Sinitzin eine Empfehlung an den Starosten, den Bürgermeister, von Myssowaja mitgegeben. Er war sein Geschäftsfreund, sein Agent, der den Teetransport über den Baikal leitete, ein Weg, der nur im Winter mit Hilfe von Schlitten über den gefrorenen See hinweg offensteht. Wir suchten daher den Starosten auf, der uns gastfreundlich in seinem Balkenhause empfing, einer Isba, die etwas größer war als die übrigen. Er erwartete uns, er hatte etwas für uns, etwas für uns außerordentlich Wertvolles, das von Irkutsk an die Adresse „Borghese“ gekommen war: Benzin, Öl und Fett! Es waren die Lebensmittel des Automobils, das beinahe zum Hungertode verurteilt gewesen war.
Der Pristaf, der Chef der Polizei, ein Mann mit einem übermäßig dicken Bauche und einem übermäßig dichten Barte, erschien feierlich in Uniform, um uns zu besuchen. Er sah unsere Pässe nach und unterzog uns einem kleinen Verhör, um die geheimnisvollen Gründe zu erfahren, warum wir nicht wie alle reichen Leute im Zuge fuhren. Dabei goß er sich ein Glas von unserem Tee ein und blieb sitzen, uns schweigend beobachtend. Dann erschien ein Gendarmerieleutnant; dieser fragte uns höflich aus, schenkte sich ein Glas Tee ein und leistete uns Gesellschaft. Nach ihm kamen der Telegraphendirektor und andere Leute mit und ohne Uniform; das Zimmer füllte sich; wir waren der Mittelpunkt einer Gesellschaft, die sich in Permanenz erklären zu wollen schien.
Die Wahrheit war, daß in Myssowaja unsere Art zu reisen den Behörden revolutionär erschienen war. Als wir vor dem Hause des Starosten eintrafen, hatten sich einige Leute versammelt, Gendarmen kamen angelaufen, und wir hörten sie zwei, drei Personen, die sie bei Namen nannten, auffordern: „Ihr macht sofort, daß ihr nach Hause kommt!“, worauf die so angeredeten Personen gesenkten Hauptes wegschlichen. Es handelte sich anscheinend um politische Verbannte, von denen die Gendarmen fürchteten, daß sie mit uns in Beziehungen treten könnten. Aber wir besaßen ein zauberkräftiges Dokument: das Schreiben des Generalpolizeidirektors des Kaiserreiches! Es brachte eine ungeheuere Wirkung hervor. Aller Verdacht verschwand wie durch Zauberschlag, und wir gewannen sofort die größte und unverdienteste Hochachtung der Behörden. Wir nutzten diesen Umstand aus, um Auskunft über die Straße zu erbitten, die um den Baikal herum geradeswegs nach Irkutsk führt. Man lächelte über den Plan, Irkutsk auf diesem Wege zu erreichen.
Auf dem Programm der Fahrt Peking–Paris war der Übergang über den Baikalsee zu Schiff vorausgesehen. Es war richtig, so wurden die Flüsse überschritten, und der Baikalsee macht eher den Eindruck einer riesigen, den Weg versperrenden Wasserader als den eines Sees. Da aber ein Weg um den See herum existierte, so wollten wir ihn einschlagen. Die Auskünfte lauteten jedoch sehr schlecht. Bereits in Werchne-Udinsk hatte man uns gesagt, daß die Brücken über die hauptsächlichsten Flüsse eingestürzt und die übrigen im Begriff seien, einzustürzen. In Myssowaja wiederholte man dasselbe. Alle aber kannten die Dinge nur vom Hörensagen; niemand hatte diese Straße seit zehn Jahren mit eigenen Augen gesehen. Wir wollten das Unternehmen jedoch nicht aufgeben, ohne es versucht zu haben.

In Myssowaja.
Ich muß gestehen, daß der Übergang über den Iro und über die Bolschaja Rjeka uns betreffs der Flüsse ein übergroßes Selbstvertrauen eingeflößt hatte. Wir glaubten nicht, daß die kleinen Flüsse im Süden des Baikalsees so bedeutend seien, daß sie nicht an einem erreichbaren Punkte ihres Laufes durchschritten werden könnten. Wir beschlossen also, am nächsten Tage auf diese hydrographische Entdeckungsreise auszuziehen. Die Maschine war in ausgezeichneter Verfassung — seit unserer Abfahrt aus Peking hatten wir nur einen einzigen Pneumatik am linken Hinterrade zu erneuern gehabt —, wir besaßen Brenn- und Schmiermaterial für 1000 Kilometer, Lebensmittel auf drei Tage; wir konnten uns daher in völlig unbewohnte Gegenden wagen.
Wir schliefen auf der Erde; denn wenn der Starost auch ein Zimmer hatte, so hatte er doch keine Betten — Betten sind in Sibirien ein Luxusartikel, da man hier im Winter auf dem warmen Ofen und im Sommer auf dem Fußboden schläft —, und am nächsten Morgen, 28. Juni, brachen wir nach einem herzlichen Abschiede von unserem Gastfreunde auf.
Wir sollten nur allzubald wieder zurückkommen!
Der Morgen war klar und kalt, wie er einem schönen Februarmorgen bei uns entspricht. Der See, der ruhig, ohne einen Wogenschlag, ohne ein Wellenkräuseln dalag, hatte die Durchsichtigkeit der Luft; er schien zu atmen. Nur der Baikalsee besitzt an sonnigen Tagen den Anschein ätherischer Leichtigkeit, eine vom Himmel zurückgestrahlte zarte Heiterkeit, die zu der grenzenlosen Ausdehnung den Eindruck unendlicher, leuchtender Tiefe hinzufügt. Das mit Wald bestandene Ufer streckte kleine Halbinseln mit üppigem Pflanzenwuchs in den See hinein; das Wasser warf ihr Spiegelbild zurück und ließ sie doppelt und schwebend erscheinen. Scharen von großen weißen Möwen schwammen auf dem See umher und machten seine Oberfläche dadurch kenntlich, daß sie sich von ihr abhoben. Unser Bewundern war von kurzer Dauer. Der Weg nahm unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, und wir vergaßen bald den Zauber der Landschaft.
Die Straße war nicht nur verödet, sie war auch zerstört. Wir überstiegen steile Anhöhen, die die Wut des Wassers während der Schneeschmelze zerrissen, ausgewaschen und ausgehöhlt hatte. Es ging bergauf und bergab über richtige Stufen. Wir kamen über manche abschüssige Stellen nur hinweg, indem wir die Maschine einen raschen Anlauf nehmen ließen. Die Maschine schnaubte und stöhnte, sprang bei den Unebenheiten des Bodens in die Höhe und erhob sich beim ersten Ruck, den die Räder erhielten, als wollte sie sich in die Lüfte schwingen. Mitunter blieb sie kraftlos stehen, wenn sie schon beinahe bis zum Gipfel gelangt war, und mußte zurückgehen, um einen neuen, längeren und anhaltenderen Anlauf zu nehmen.
An andern Stellen war der Weg mit Gras bedeckt, mit wildem Gebüsch bewachsen, voll umgestürzter Baumstämme und vertrockneter Äste, die durch irgendwelche Überschwemmung hier abgelagert worden waren. An manchen Stellen in der Nähe des Ufers haben die auf dem Baikal wütenden Stürme die Palissaden abgeschlagen, das Land weggeschwemmt, und so einen Teil der Straße zum Einstürzen gebracht. Wir fuhren vorsichtig auf dem schmalen Straßenrande weiter, wobei wir den ruhig und durchsichtig daliegenden See unter uns betrachteten.
Die früheren Poststationen waren unbewohnt, halb zerstört, mit eingestürzten oder dem Einsturz nahen Dächern, herausgerissenen Türpfosten, grasbewachsenen Zimmern. Es sah aus, als ob die Stationen nach einem Kriege, nach einer Plünderung vergessen worden seien. Eine unbeschreibliche Verwüstung herrscht auf der alten sibirischen Hauptstraße, die zu verschwinden droht, nachdem sie die russische Herrschaft bis zum Stillen Ozean getragen hat. Sie ist schon tot und verwest jetzt. Wir sahen nicht mehr als eine letzte Spur dieser alten Erobererstraße. Wir fuhren in dem ausgetrockneten Bette eines Stromes der Menschheit und des Reichtums dahin. Jene Straße hat das Heer Murawjew-Amurskijs vorüberziehen sehen, der Rußland im fernen Osten die schönste Revanche für den Krimkrieg verschaffte, sie hat die Züge der Auswanderer und Deportierten, allen Schmerz und alle Kühnheit gesehen, die in 50 Jahren ein Volk zwischen dem See und dem Meere geschaffen haben, sie hat Millionen Gold aus den Minen von Blagowjeschtschensk und Millionen Silber aus den Minen von Nertschinsk auf von berittenen Kosaken begleiteten Wagen vorüberziehen sehen! Auf dieser Arterie, die einer Welt das Leben gegeben hat, mußten wir uns jeden Augenblick den Weg mit Axt und Spaten bahnen.
Die Geländer der Brücken waren umgefallen; niemand hatte sie herausgerissen, sie lagen da, umgestürzt von dem Gewicht des Schnees und der Gewalt der Stürme. Von den Brücken selbst hätte man sagen können, daß sie nur aus alter Gewohnheit noch hielten. Wir setzten zuviel Vertrauen auf diese Gewohnheit. Bei dem Überschreiten der ersten waren wir vorsichtig; später dachten wir nicht mehr daran. Wir waren überzeugt, daß sie viel stärker waren, als es den Anschein hatte. Manche Brücke erzitterte und knarrte, ohne daß dies jedoch Folgen gehabt hätte. Wir suchten den gebrochenen Brettern auszuweichen; die andern senkten sich und schwankten auf und nieder, trugen uns aber. Ein einziges Mal bemerkten wir auf einer kleinen Brücke einen Sprung; das Automobil zauderte einen Augenblick und hielt plötzlich, dann aber machte es einen Satz vorwärts auf festen Boden, während einige Bretter hinunterstürzten; auf der Brückenbahn öffnete sich, kaum daß wir darüber weg waren, ein klaffender Spalt.
Nach drei Stunden gelangten wir an die erste der drei berüchtigten eingestürzten Brücken, die über den Mischikafluß führten. Der Fluß war breit und reißend. Die Gipfel der Anhöhen ringsherum zeigten noch weiße Schneestreifen. Wir fanden längs des Ufers einen Pfad, der sich in der Richtung auf die Mündung des Flusses zu senkte. Wir folgten ihm und gelangten zu einer kleinen Gruppe von Häusern. Dort trafen wir einen Holzfäller, der im Grase saß und damit beschäftigt war, ein gewaltiges Paar Stiefel anzuziehen.
„Guten Tag!“ sagte er, ohne daß es schien, als ob die Ankunft eines Automobils auf ihn Eindruck machte.
„Guten Tag. Wo ist die Furt?“
„Es gibt keine Furt, Väterchen. Die Mischika ist tiefer, als ich groß bin.“
„Wie machst du es denn, wenn du hinüber willst?“
„Ich benutze diese Barke hier.“
Wir blickten nach der Richtung, in der der Mann zeigte, und gewahrten eine Art Kahn, der an einen am Ufer wachsenden Strauch gebunden und dessen Boden mit Wasser bedeckt war.
„Gibt es keine andern Barken?“
„Ja, es gibt noch eine andere wie die da.“
„Und wie kommt das Vieh hinüber?“
„Schwimmend. Sehen Sie dort, jetzt!“
In der Richtung auf den See, wo die Strömung ruhiger war, schwamm eine Anzahl Pferde langsam an das linke Ufer, wobei sie ein wenig abtrieb.
„Wie könnte man es anstellen, um diesen Wagen auf die andere Seite des Flusses zu schaffen?“ fragten wir den Holzfäller.
Er überlegte einige Zeit, während der er seine Stiefel vollständig anzog; dann erhob er sich und antwortete:
„Man könnte die Brücke wieder herstellen. Die Stützbalken sind stehengeblieben, und sie sind noch gut.“
„Gibt es Arbeiter hier?“
„Wir alle sind imstande, eine Brücke zu bauen. Es gibt Menschen und Holz im Überfluß.“
„Wieviel Zeit würde die Arbeit in Anspruch nehmen?“
„Mindestens acht Tage und sechs Mann.“
Wir begannen den Plan zu erörtern. Eine Brücke wieder herzustellen, war verlockend. Acht Tage zu warten, ließ sich ertragen. Aber wir würden eine eingestürzte Brücke über die Pereemma, eine über die Aososa, eine dritte über die Vidrina antreffen, ohne die kleineren zu zählen. Wir konnten uns doch nicht daran machen, alle eingestürzten Brücken des Russischen Reiches wieder herzustellen? Dies würde über das Programm einer Automobilfahrt hinausgehen.
Mußten wir also den Plan ausgeben, die Reise um den Baikalsee herum fortzusetzen? O nein, noch nicht! Ein neuer Plan tauchte in uns auf. Über jene Flüsse führten doch noch andere Brücken, und zwar ansehnliche: die Eisenbahnbrücken. Wäre es nicht möglich, auf den Bahnkörper zu gelangen, die Schienen entlang zu fahren, die Brücken zu überschreiten und dann jenseits der unpassierbaren Flüsse wieder auf die alte Heerstraße hinunterzusteigen? Wir hatten eben eine Station in der Nähe gesehen. Warum sollten wir nicht den Versuch machen?
Wir brachen also auf, erfüllt von neuer Hoffnung, und langten auf der Station an, die wir durch die Bäume hindurch erblickt hatten. Sie schien verlassen zu sein. Wir traten in den kleinen Wartesaal, an dessen Wänden große Tafeln mit Abbildungen hingen; sie zeigten, in welcher Weise man Verwundeten die erste Hilfe leisten müsse, und waren hier von der Kriegszeit her zurückgeblieben, als alle Stationen voller Truppen lagen. Im Saale befand sich niemand; die Türen waren verschlossen. Nachdem wir uns genügend über die erste dringende Pflege der Verwundeten unterrichtet hatten, begannen wir zu rufen, in der Erwartung, daß jemand erscheinen werde. Und siehe da, es erschien ein Gendarm!

Im Hofe des Starosten von Myssowaja.
Der Gendarm fragte nach unseren Pässen, Dokumente, die gänzlich unnötig waren, wenn man ein Schreiben des Generalpolizeidirektors des Kaiserreichs in Händen hat. Dieses Schreiben händigten wir dem Beamten der öffentlichen Sicherheit ein. Es war ein ausgezeichneter Bursche, dieser Gorodowoi. Er brauchte zwar etwas viel Zeit, um das Schreiben Silbe für Silbe zu lesen, aber schließlich begriff er. Er begriff und wurde unser Freund. Wir ahnten damals nicht, daß er einige Tage später für uns von geradezu unbezahlbarem Werte sein sollte.
Als wir dem Gendarmen unseren Wunsch, die Brücken benutzen zu dürfen, mitgeteilt hatten, erwiderte der Wackere:
„Das läßt sich sehr gut ausführen. Das ist meine Sache. Ich telegraphiere jetzt sofort an meine Vorgesetzten, teile ihnen mit, wer Sie sind, und die Sache ist abgemacht.“
„Aber,“ wandte der Fürst ein, „die Eisenbahnbehörden ...“
„Was haben die Eisenbahnbehörden mit der Erlaubnis, die Eisenbahnbrücken benutzen zu dürfen, zu tun? Die Polizei hat die Oberaufsicht über die Bahnlinie; auf den Brücken stehen Schildwachen, damit Verbrecher sie nicht in die Luft sprengen, und niemand darf ohne unsere Erlaubnis die Strecke betreten.“
Der Stationsvorsteher, der inzwischen dazukam und sich erkundigte, über was wir sprächen, fand die Sache viel schwieriger.
„Für meine Person,“ erklärte er, „würde ich Ihnen alles gestatten; ich würde Ihnen sagen: Fahren Sie sofort! Aber ich vermag nichts; die Polizei ist nicht zuständig, und die Eisenbahnbehörden können nichts erlauben, was gegen die Verordnungen verstößt. Die Regierung allein hat die Entscheidung. Sie müssen den Generalgouverneur von Sibirien in Irkutsk um die Erlaubnis bitten.“
Der Mut entfiel uns. Aber wir beschlossen, es zu versuchen. Wir wollten also an den Generalgouverneur telegraphieren. Wenn binnen zwei Tagen keine zusagende Antwort eingetroffen wäre, so würden wir uns darein ergeben, zu Schiff über den See zu fahren. Nachdem wir diesen Entschluß gefaßt hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Myssowaja. Es war eine demütigende Rückkehr, niemand wird es bezweifeln.
Es gibt etwas auf der Welt, was noch schwerer zu ertragen ist als eine große Anstrengung: deren Wiederholung! Schwierigkeiten zu überwinden und dann zurückgehen müssen, ist schlimm. Dazu kommt, daß eine als schlecht bekannte Straße doppelt mühsam ist; es geht ihr der Reiz der Neuheit ab, wenigstens wenn man es nicht als etwas Neues empfinden will, daß man das auf dem Abstiege findet, was vorher auf dem Aufstiege lag, und auf dem Aufstiege, was sich vorher auf dem Abstiege befunden hatte.
Der Himmel war gleichförmig weiß geworden; er hatte sich unmerklich mit Wolken überzogen, und man hätte sagen können, daß ein tüchtiger Schneefall im Anzuge sei. Es wehte ein kalter Wind, und der See bewegte wieder seine Fluten, die so weiß waren wie der Himmel.
Die eingestürzte Brücke würde uns viel Mühe bereiten, wenn wir sie so gut wie möglich wieder instand setzen wollten, und machte uns sehr besorgt, wie wir sie passieren könnten. Aber im Grunde genommen ließ sich auch diese Schwierigkeit ziemlich leicht überwinden. In den ersten Nachmittagsstunden waren wir wieder in Myssowaja, abermals die Gäste des wackeren Starosten, der uns herzlich wie das erste Mal empfing. Wir sandten sofort das Telegramm an den Generalgouverneur von Sibirien ab, in dem wir um die Erlaubnis baten, auf der Bahnstrecke fahren zu dürfen. Es blieb uns nichts übrig, als die Antwort abzuwarten.
In Myssowaja warten müssen, heißt die Bitterkeit der Deportation kosten! Wir hatten, offengestanden, wenig Vertrauen, daß jene Antwort rasch eintreffen werde. Der Gouverneur würde erst Beamte um Rat fragen betreffs Ort und Zeit, eine Untersuchung einleiten, die Sache vielleicht nach Petersburg berichten; dort würde der Minister des Innern die Angelegenheit an das Verkehrsministerium weitergeben, in dem ein höherer Rat einen Kommissar beauftragen würde, den Fall zu studieren und Bericht darüber zu erstatten ... Wir glaubten, einer der größten Schwierigkeiten, einem ungeheueren Hindernis gegenüberzustehen, gegen das sämtliche 50 Pferdekräfte des Automobils und alle Energie, über die wir verfügen konnten, nichts auszurichten vermöchten — einer Art von endlosem, grauem, weichem Gebirge, vor dem man nichts tun kann als abzuwarten und die Zeit und die Geduld zu Hilfe zu rufen! So schätzten wir die Bureaukratie ein. Wir hatten unrecht. Die russische Bureaukratie hat auf unserer ganzen Reise von einem Zollamte des Reiches bis zum andern für uns Wunder der Schnelligkeit selbständiger Entschließung vollbracht.
Während unserer Wartezeit durchstreiften wir Myssowaja. Wir gingen am Gestade des Sees spazieren und suchten zwischen den buntfarbigen Kieseln nach kleinen Onyxen und Achaten, klassifizierten die von den Wellen ans Ufer geworfenen toten Fische, kletterten auf den verlassenen Hafendamm und blieben vor den staubigen Schaufenstern eines kleinen Ladens stehen, um die ausliegenden verschiedenartigen Gegenstände zu mustern. Diese Unterhaltung verschaffte uns die Bekanntschaft des Apothekers von Myssowaja, eines aus den baltischen Provinzen stammenden Provisors, der uns zwischen seine Büchsen zog und uns den liebenswürdigsten Empfang bereitete. Die Apotheke wurde unser Lieblingsaufenthalt; wir brachten hier lange Stunden zu, schlürften unbekannte Liköre heimischer Erfindung und Herstellung und lauschten dabei den Jagdgeschichten des Apothekers, der Gewehre, Patronengürtel und Bärenfelle dicht neben den Flaschen mit Rizinusöl aufbewahrte. Er zeigte uns das dichte, noch frische Fell eines kleinen Bären, das zum Trocknen über einen Tisch gebreitet war. Man hatte es ihm soeben gebracht. Ein Jäger hatte das Tier mit einem Messerstich erlegt. Es gab Bären drei Kilometer von der Stadt auf der Hügelkette. Warum nicht eine Jagd veranstalten? Und hier, mitten unter den Drogen, entwarfen wir den Plan zu einer Jagd.
Von der Apotheke begaben wir uns nach dem Telegraphenamte, um Nachrichten von unseren Gefährten einzuholen. Sie waren gerade in Kiachta eingetroffen, und zwar in gutem Zustand. Sie hatten einen Teil des Weges auf unseren Spuren zurückgelegt. Am Iro waren jene wackeren Mongolen, als sie sie kommen sahen, treu der erhaltenen Weisung von selbst herbeigeeilt, um ihnen Ochsen anzubieten, indem sie durch Gestikulationen die Art und Weise klarmachten, in der wir das andere Ufer gewonnen hatten. Am Nachmittag desselben Tages, des 28. Juni, waren die beiden „de Dion-Bouton“ und der „Spyker“ nach Werchne-Udinsk aufgebrochen. Am nächsten Tage erfuhren wir, daß sie vormittags 9 Uhr an der Selenga bei Nowi-Selenginsk eingetroffen waren — dort, wo wir das erste Dampfboot gesehen hatten — und nach Überschreitung des Flusses um 11 Uhr weitergefahren waren. Wir rechneten aus, daß sie am nächsten Tage, 29. Juni, früh in Werchne-Udinsk und am 1. oder 2. Juli in Myssowaja sein könnten.
Zu Hause verbrachten wir die Zeit beim Samowar und machten eine Radikalkur in Tee durch, die nur unterbrochen wurde durch das Kosten der Sakuska, der russischen Vorspeise, die aus allen möglichen pikanten Bestandteilen zusammengesetzt ist. Der Pristaf kehrte zurück, es kehrten die Honoratioren des Ortes zurück, um uns schweigend Gesellschaft zu leisten, während die Menge in respektvoller Neugier vor der Tür haltmachte. Auch das Automobil, das im Hofe ausruhte, als guter Nachbar der alten Schlitten, die das Eis des Baikalsees kannten, erhielt seine Besuche; es war unaufhörlich umgeben von langhaarigen Muschiks in Filzstiefeln, von Kosaken und Kindern. Jeder, der durch die Straße kam, trat ein und sah es sich an. Außerhalb des Hofes standen stets wartende Pferde und Wagen. Wir mußten die Ungeduld des langen Wartens zügeln, als wir durch das mit blühenden Blumen geschmückte kleine Fenster den wieder klargewordenen Himmel beobachteten. Zwischen den Ranken hindurch sandten wir sehnsüchtige Blicke zu den Isbas längs des steinigen, verödeten Weges, der jetzt an der Sonne trocknete, und betrachteten den hinter ihnen unermeßlich sich ausdehnenden funkelnden Horizont des Baikalsees. Dann setzten wir uns wieder nieder und brummten:
„Wir verlieren wundervolle Tage, und wenn wir uns wieder auf den Weg machen, regnet es sicherlich!“
Am Abend des 28. Juni ließ sich ein Kaufmann bei uns melden, der den langen schwarzen Kaftan der russischen Juden trug. Er grüßte mit Unterwürfigkeit und fragte uns:
„Sie wollen nach Irkutsk reisen?“
„Ja, am 2. Juli.“
„Ich hätte Ihnen ein ausgezeichnetes Geschäft vorzuschlagen. Ich habe einen Dampfer im Hafen liegen. Wenn Sie wollen, so setze ich Sie in sieben Stunden nach Nikolsk oder Listwinitschnoje über, für den halben Preis der Eisenbahnfahrt.“
„Wann geht Ihr Dampfer?“
„Heute abend, wenn Sie wünschen. Er hat keine Ladung einzunehmen und kann sofort wieder abfahren. Ich würde auf Sie auch warten, sogar bis morgen abend.“
„Wir können keine Entscheidung treffen. Wir warten auf eine Antwort, die sich verspäten kann.“
„Gut. Überlegen Sie es sich —“, und als er schon auf der Schwelle stand, um fortzugehen, drehte er sich noch einmal um und wiederholte: „Also bis morgen Abend. Adieu!“
Der Tag verging, ohne daß eine Nachricht aus Irkutsk eingelaufen wäre. In der Nacht wurden wir durch starke Schläge, die gegen die Außenwand der Isba geführt wurden, geweckt. In diesen Häusern braucht man nicht an die Tür zu klopfen, um sich öffnen zu lassen; man nimmt einen Stein und schlägt irgendwo an die Holzwände, bis jemand hört. Es war ein Höllenlärm. Der Starost ging schlaftrunken an die Tür und kehrte mit einem Telegraphenboten zurück, der eine Laterne trug und mit einer Flinte mit aufgepflanztem Bajonett und einem Revolver bewaffnet war. Er brachte eine Depesche.
„Weshalb all diese Waffen?“ fragte ihn Fürst Borghese, während er beim Licht der Laterne die Empfangsbescheinigung ausstellte.
„Man kann nachts nicht ohne Waffen ausgehen“, erwiderte der Bote. „Die ganze Gegend wird durch Verbrecher unsicher gemacht, die einen überfallen, morden und ausrauben. Es sind die von Sachalin.“
„Die von Sachalin?“
„Ja, die Deportierten von Sachalin, die die Insel gegen die Japaner verteidigt haben. Sie wurden nach dem Kriege nach dem Festlande zurückgebracht und in der allgemeinen Verwirrung entflohen sie. Viele waren zur Belohnung für ihre Teilnahme am Kampfe freigelassen worden. Sie haben sich im Amurlande und in Transbaikalien zerstreut, haben die Gefängnisse erbrochen und die Verbrecher befreit. Sie brechen in Banken ein, begehen Straßenraub und verschwinden dann. Man lebt hier nicht mehr ruhig.“
Jetzt begriffen wir, weshalb uns die Polizei die Erlaubnis gegeben hatte, nicht einen, sondern zwei Revolver zu tragen. Ebenso wurde uns die sonderbare Frage: „Sind Sie nicht überfallen worden?“, die wir überall hören mußten, wo wir eintrafen, verständlich. In Werchne-Udinsk hatten Polizeibeamte, die in den Gasthof kamen, uns gesagt: „Bei der ersten verdächtigen Bewegung in Ihrer Nähe, namentlich des Abends, schießen Sie, schießen Sie sofort, aber achten Sie vor allem auf eins ...“
„Auf was?“ fragten wir.
„Daß Sie gut zielen, daß der Schuß nicht fehlgeht.“ Es war dies keineswegs in scherzhaftem Tone gesprochen.
Das Telegramm kam von Irkutsk und lautete: „Der Generalgouverneur befindet sich in Krasnojarsk, wohin ihm Ihre Bitte, über die Eisenbahnbrücken fahren zu dürfen, übermittelt worden ist.“ Wir legten uns wieder auf den Fußboden und murmelten einige wenig parlamentarische Worte über die Langsamkeit der amtlichen Bestellungen in Sibirien.
Am nächsten Tage, 29. Juni, saßen wir beim Provisor im Zimmer hinter dem Laden beim Frühstück und sprachen von der berühmten Bärenjagd, als die Glocke der Haustür erklang. Unser Gastfreund kam in kurzem mit geheimnisvoller Miene zurück, schaute ringsum, als fürchtete er, beobachtet zu werden, und sagte dann mit leiser Stimme:
„Es sind Gendarmen da! Zwei Gendarmen, die nach Ihnen fragen.“
„Nach uns?“
„Ja, nach Ihnen. Sie wissen, daß Sie hier sind, und sagen, sie müßten Sie auf jeden Fall sprechen. Es gefällt mir nicht.“
Wir gingen, um zu erfahren, was die Gendarmen von uns wünschten. In der Apotheke erwarteten uns zwei Gorodowoi. Draußen versuchten zaghaft einige Neugierige, unauffällig durch das Schaufenster zu sehen. Das Erscheinen von Gendarmen ist in Sibirien nicht immer ein gutes Zeichen. Vielleicht erwartete Myssowaja bereits die Verhaftung der geheimnisvollen Reisenden, die die Welt auf einer losgekoppelten Lokomotive durchjagten. Fürst Borghese stand im Begriff, nach seinen Papieren zu greifen und das berühmte Schreiben vorzuzeigen; aber diesmal waren es die Gendarmen, die ein Papier überbrachten, wobei sie respektvoll grüßten.
Es war der Erlaubnisschein, der sehnsüchtig erwartete Erlaubnisschein des Generalgouverneurs!
Wer wagt noch, von der Bureaukratie schlecht zu sprechen! Wir waren in heller Begeisterung und spendeten ihr Worte des denkbar höchsten Lobes. In der Tat haben sich die russischen Behörden uns gegenüber von unvergeßlicher Höflichkeit, Zuvorkommenheit und Gastlichkeit gezeigt. Die Erlaubnis, die wir erhielten, war ganz außergewöhnlich und einzig in ihrer Art.
Wir wurden ermächtigt, mit dem Automobil auf der Bahnstrecke zu fahren, alle Brücken zu überschreiten und, wenn nötig, auf diese Weise bis nach Irkutsk zu gelangen.
„Was müssen wir tun? Wann können wir abfahren?“ fragten wir die Gendarmen.
„Sie können reisen, wann Sie wollen. Das Streckenpersonal ist benachrichtigt. Auf den Stationen wird man Ihnen sagen, wann die Linie frei ist.“
Wir ließen natürlich die Bären im Frieden ihrer Wälder und verbrachten den Rest des Tages mit den Vorbereitungen zu jener seltsamen Fahrt zwischen den Schienen, Weichen, Signalen von einer Station zur andern!
Wir gingen dem spannendsten Ereignis unserer ganzen Reise entgegen.