Sechstes Kapitel.
Reading edition
Durch die mongolische Steppe.
In einem Flußbett. — Zwischen den Türmen der „Wan-li-tschang-tscheng“. — Hinaus in das grüne Meer! — Im Lager. — Mongolische Gastfreundschaft. — Der Wüste entgegen. — Pang-kiang.
„Verlassen heute Kalgan. Überschreiten soeben mongolische Grenze. 8 Uhr morgens. Prächtiges Gelände. Haben mit dem Motor das Bett des Flusses Schi-schan 25 Kilometer weit durchfahren. Überschreiten unschwer 1828 Meter Höhe. Entzückende Landschaft.“
Diese Depesche, die ich stehend in Eile auf ein Blatt meines Notizbuches geschrieben hatte, übergab ich am Morgen des 17. Juni einem jungen, liebenswürdigen Attaché der französischen Gesandtschaft, der uns zu Pferd bis zum Saume der Steppe begleitet hatte. Ich beschwor ihn, sie noch vor Abend im Telegraphenamte zu Kalgan aufzugeben. Hätte ich ihm ein Dokument überreicht, von dem die Rettung eines Heeres abgehangen hätte, so würde ich nicht weniger feierlich bei meiner Bitte und nicht weniger glühend bei meinem Danke gewesen sein.
Ein Journalist ist stets geneigt, das Abhandenkommen eines Telegramms als einen schweren Verlust zu betrachten. Er hat etwas von der Leidenschaft des Historikers an sich, und eine verlorene Depesche bedeutet für ihn eine unausfüllbare Lücke in der selbstdurchlebten Geschichte, die er schreibt. Und dann hat er eine Art Mutterliebe für seine eiligen Aufzeichnungen und begleitet sie in Gedanken auf ihrem weiten Wege; er berechnet die Stunden, die sie brauchen werden, um an den Ort ihrer Bestimmung zu gelangen, er berechnet die Zeitunterschiede zwischen den einzelnen Ländern, sieht die Depesche in der Redaktion ankommen, zur Nachtzeit, im Augenblicke der Arbeit; er verfolgt sie bis zu den auf einem großen Tische unter dem Lichte der elektrischen Lampen liegenden Papieren. Ihr Verschwinden ist ihm gleichbedeutend mit einem Verrat. Reisen, Kosten, Mühen können vergeblich werden infolge eines nichtigen Zufalls, der eine Depesche auf dem Grunde einer Tasche oder auf dem Grase eines Seitenpfades liegenbleiben läßt. Zu der Pünktlichkeit des journalistischen Dienstes tragen die mannigfachsten Umstände bei: die Geschwindigkeit eines Pferdes, die Ehrlichkeit eines Chinesen, das schöne Wetter. Die Ungewißheit über das Schicksal seiner Arbeiten ist eine der peinlichsten Qualen für einen Berichterstatter in fernen Ländern, der genötigt ist, zu jedem sich ihm bietenden Mittel zu greifen, um seine Depeschen zur nächsten Telegraphenstation zu befördern, der in die Unmöglichkeit versetzt ist, direkte Mitteilungen zu erhalten, der, abgeschnitten von jedem Verkehr, über alles im Dunkeln bleibt und dem Zweifel zum Opfer fällt.

In der mongolischen Steppe, verfolgt von einer Kavalkade mongolischer Reiter.
Ich legte unermeßlichen Wert auf die Absendung jenes kurzen Telegramms; es war mir in diesem Augenblicke, als enthielte es die wichtigste Nachricht von der Welt: „Überschreiten soeben mongolische Grenze.“
Ich wiederholte allen diese Worte mit einer Art begeisterten Staunens. Wir befanden uns in einem grasreichen Tale, zwischen schwellenden, weichen Hügeln, die die Vorstellung erweckten, als pflanze sich jene Bergkette, die wir überstiegen hatten und im Osten noch hoch emporragen sahen, in unendliche Fernen auf jener Ebene fort. An der Ausmündung des Tales bemerkten wir, wie die Steppe als gleichförmige Ebene mit dem Horizont verschwamm. Wir hatten haltgemacht, um die letzten Vorbereitungen zu treffen.
Die Morgenfahrt war herrlich gewesen. Wir hatten mit dem Aufbruch warten müssen, bis die Tore Kalgans geöffnet wurden. Einer Gewohnheit zufolge, die unzweifelhaft auf die Zeiten der Kriege und Überfälle zurückgeht, schließen die Städte Chinas allabendlich ihre Tore, an die Soldaten als Wache gestellt werden. Auf den öden Straßen waren wir bis zu einem verschlossenen Tor und einer schlafenden Wache gelangt. Die Wache wurde munter, das Tor wurde geöffnet, und beim ersten Morgengrauen fuhren wir in dem engen Tale des Schi-schan-ho im Zickzack auf dem Flußsande hin, um den Felsblöcken und den Steinen auszuweichen.
Das von steil ansteigenden Hügeln eingeschlossene Tal lag noch in tiefem Schatten, selbst als die Spitzen der Berge im rosigen Lichte der aufgehenden Sonne zu schimmern begannen. Oben herrschte bereits der Tag, die Nacht zog sich in die Tiefe zurück; sie schien sich verbergen zu wollen, um nicht besiegt zu werden, sie zögerte zu verschwinden und hüllte die Windungen der Schlucht, durch die wir mit der Geschwindigkeit von 20 Kilometern die Stunde aufwärts fuhren, in violette Halbschatten ein.
Die an den Zylindern des Motors angebrachten Auspuffrohre stießen die Verbrennungsgase unter starken Explosionen aus, die wie Karabinerschüsse klangen und so rasch und zahlreich aufeinanderfolgten, daß man hätte glauben können, neben uns sei ein Maschinengewehr in voller Tätigkeit. Das Echo dieses Getöses erfüllte das ganze Tal. Wir mußten schreien, um uns verständlich zu machen. Pietro schien vor Schreck halbtot. Wir hatten nämlich auch ihn mitgenommen; er war auf das Gepäck geklettert und hatte sich an die Seile festgebunden, um bei den Schwankungen und Stößen des Automobils nicht herunterzufallen. Hier blieb er still und ohne sich zu rühren sitzen und wünschte vielleicht in seinem Herzen, sich lieber auf dem Rücken des wildesten Pferdes von China zu befinden als da oben!
„Geht es gut, Pietro?“ fragte ihn der Fürst in aller Harmlosigkeit, während er die Maschine lenkte.
Und Pietro entgegnete mit beredtem Zögern:
„J.. J.. Ja!“
Auf einer Anhöhe erhebt sich ein großer Felsen von seltsamem Aussehen, ähnlich den Trümmern eines mittelalterlichen Kastells mit spitzen Zacken, die an die Ruinen von Türmen erinnern. Das Kastell ist durchlöchert; vom Tale aus sieht man den Himmel durch eine Öffnung des Felsens, die so regelmäßig ist, daß sie dem Bogen einer massiven Brücke gleicht. In der Morgendämmerung zeigte sich jene eigenartige Naturbildung, die sich schwarz und scharf von dem klaren Himmel abhob, in düsterer Großartigkeit. Die das Tal passierenden Mongolen betrachten sie mit fast religiöser Scheu.
Es knüpft sich eine Sage an diesen Felsen. Als Dschingis Chan, der Eroberer, der im Gedächtnis der Mongolen als Gott weiterlebt, an der Spitze eines Heeres dieselbe Straße zog, die wir im Automobil durchfuhren, machte er unter dem vom Zufall geschaffenen seltsamen Kastelle halt, und da er ihm eine kriegerische und feindliche Bedeutung beimaß, nahm er einen Pfeil aus seinem Köcher, legte ihn auf die Sehne seines Bogens und schoß ihn ab. Der Pfeil durchbohrte den Felsen in voller Länge. Die Folge dieses kaiserlichen Schusses war jenes Loch; die Brückenöffnung ist nichts anderes als die dem Felsen durch Dschingis Chan zugefügte Wunde. Allerdings ist die Wunde so groß, daß ein Mann zu Pferd und vielleicht auch im Automobil bequem hindurchkommen könnte. Wer vermag aber zu sagen, wie dick die Pfeile Dschingis Chans und wie stark sein Arm gewesen sind?
Gegen das Ende verengert sich das Tal, und das Flußbett wird zu einer tiefen Schlucht. Es begann der letzte Aufstieg. Am Fuße der Bodenerhebung erwarteten wir die Kulis, die in der Nacht von Kalgan aufgebrochen und noch nicht angelangt waren. Die übrigen Automobile waren zurückgeblieben und folgten uns langsam. Wir betrachteten soeben einen alten Tempel, der sich in der Mitte des Abhanges erhob, als wir auf dem steinigen Fußpfade ein seltsames Wesen auftauchen sahen.

Mongolische Reiter.
Es war ein riesengroßer, klapperdürrer Chinese, der einer großen ausgetrockneten Mumie glich. Sorgsam trug er eine Schale mit Eiern, eine Teekanne und Tassen und näherte sich uns, als er uns erblickt hatte, unter tiefen Bücklingen. Sein gelbes, knochiges Gesicht zeigte das breite Grinsen eines Totenkopfes. Er setzte die Schale auf die Erde, goß den Tee in die Tassen und reichte sie uns, dann bot er die Eier an und begrüßte uns. Wir verdankten dem Ta Tsum-ba die Ehre seiner Bekanntschaft. Unser guter Freund hatte den Behörden der Bezirke, durch die unser Weg führen mußte, den Befehl erteilt, uns ihre Huldigung darzubringen. Aber in jenen wüsten Gegenden gab es nur eine amtliche Persönlichkeit, und dies war eben jene wackere, grinsende Mumie, der Vorsteher einer kleinen, armen Gemeinde, die sich auf dem Gebirge eingenistet hatte. Er war bei Tagesanbruch bis zu dem kleinen Tempel herabgestiegen, wo er sich niedergelassen hatte, um das Teewasser zum Sieden zu bringen, die Eier zu kochen und uns zu erwarten. Als er uns von weitem gesehen hatte, war er mit seinen langen Beinen aufgesprungen und uns entgegengeeilt. Wir verabschiedeten uns freundlich von diesem Vertreter der hohen Obrigkeit, und der Vertreter der hohen Obrigkeit beeilte sich, uns ein Notizbuch zu reichen und uns durch Gesten anzudeuten, wir möchten uns einschreiben.
„Wie!“ riefen wir aus. „Ein Autographensammler?“
„Will Schrift,“ belehrte uns Pietro, „um Ta Tsum-ba zu zeigen, daß hat gehorcht seinem Befehle.“
„Aha, ein Zeugnis des Wohlverhaltens also!“
Und der Fürst und ich schrieben alles mögliche und erdenkliche Gute über den dürren Mann nieder, der inzwischen ruhig seine Eier aß und seinen Tee trank.
Bald darauf, nachdem die Kulis mit fünf Maultieren angekommen waren, sahen wir das Tal des Schi-schan-ho zu unseren Füßen in die Tiefe sinken und sich entfernen. Wir erklommen die Höhen der letzten Großen Mauer.
Nur die Türme der ungeheueren Wan-li-tschang-tscheng sind übriggeblieben. Zwischen je zwei Türmen dehnt sich ein langgestreckter Steinhaufen aus. Dies ist alles, was von den eingestürzten Mauern erhalten ist. Sie bestanden aus Lehm, die Türme aus Stein. Deshalb stehen diese auch nach einer Lebensdauer von 21 Jahrhunderten noch fest auf ihrem Wachtposten. Sie wurden 200 Jahre vor Christi Geburt errichtet. Seitdem sind so viele Städte vom Erdboden verschwunden, Völker sind zerstreut, Kulturen vernichtet, Reiche zerstört worden, nur diese Türme blieben; vor allem, weil sie zwecklos geworden sind. Auf der Welt hält wunderbarerweise alles das aus, was zwecklos und überflüssig ist, weil niemand Hand daran legt.

Aussicht in das Schi-Schan-ho-Tal mit den Türmen der äußersten Großen Mauer.
Diese vereinzelt stehenden Türme erscheinen, aus der Ferne gesehen, auf dem kahlen Gebirge riesenhaft groß. Sie erheben sich in solchen Zwischenräumen, daß die menschliche Stimme noch vom einen zum andern dringen kann; sie wurden so angelegt, damit der Ruf der Wachen ihre Kette entlang lief. Nachts rief ein Turm den andern an.
Das Automobil wurde von den Kulis auf einem gewundenen Pfade weitergezogen; der Fürst aber und ich stiegen die Felsen in gerader Linie zu den ersten Türmen hinauf. Oben machten wir halt, voller Bewunderung über das erhabene Schauspiel, das sich unseren Augen in der Klarheit des Morgens darbot. Wir sahen die grenzenlose mongolische Hochebene, die genügend weit entfernt war, um noch den Eindruck eines Ozeans zu machen. Im Westen stürzt sie plötzlich senkrecht auf die unter ihr liegenden Ebenen des Hoang-ho, einem ungeheueren tiefblauen Wasserfalle gleichend. Unten, uns näher, breitet sich eine seltsame Landschaft aus, wie man sie sonst nur im Traume erblickt, eine unermeßliche Anhäufung rötlicher Hügel, nach jeder Richtung hin zerschnitten, zerhackt, durchfurcht von Tausenden unfruchtbarer Schluchten, die untereinander verschieden und doch ähnlich waren wie Meereswogen; in der Ferne wurden sie blasser, bis sie die phantastische Farbe lebender Nacktheit annahmen; es war ein rosafarbenes Chaos, ein sturmgepeitschter, zu Stein gewordener Ozean. Im Osten erhob sich riesengroß das Gebirge des großen Chingan, eine gewaltige Bergreihe, die in dem grellen Lichte verschwamm und sich auflöste, und jenseits deren wir die weiten Ebenen der Mandschurei ahnten.
Nach kurzer Zeit begannen wir den Abstieg. Wir betraten den Boden der Mongolei. Es war 8 Uhr. Von der Höhe aus bemerkten wir in den benachbarten Tälern die Dächer elender Dörfer, die sich zwischen die Geländefalten schmiegten, um vor den Wüstenwinden Schutz zu suchen.
Nach Norden geht es sanft abwärts; die Steppe beginnt fast plötzlich. Die Felsenregion endet bei den Türmen. Man befindet sich jetzt in einem andern Lande. Wenn China auch auf diesen Gebirgskämmen keine Grenze mehr besitzt, so wahrt die Natur doch eifersüchtig die ihre. Wir kommen an einer Karawanenstation vorüber; etwa 50 mit Ochsen bespannte Wagen, die von Sair-ussu kommen, hielten bei einer armseligen Hütte. Die Ochsen, denen das Joch abgenommen war, weideten ringsum: kleine, schwarze Tiere mit langen Hörnern, von einer besonderen Rasse, die den Strapazen und Entbehrungen der weiten Fahrten widersteht. Aus der Hütte trat ein Chinese, wieder ein Beamter, aber ohne Eier und ohne Tee, der gemäß den Befehlen des Ta Tsum-ba gekommen war, uns seine Dienste anzubieten. Don Scipione bat ihn nur um die Gefälligkeit, uns die Kamelstraße zu zeigen.
Wir befanden uns noch auf der Straße nach Sair-ussu. Bis zur ersten Poststation mußten wir ihr folgen. Diese war daran kenntlich, daß sich eine Fahne und Soldaten dort befinden, hauptsächlich aber daran, daß im Umkreise von vielen Kilometern kein anderes Gebäude zu sehen ist. Wir liefen also keine Gefahr, den Weg zu verfehlen. Von der Station aus hatten wir einfach der Telegraphenlinie zu folgen. Der Telegraph, unser amtlicher Führer, trat in Tätigkeit.
Eine Stunde später machten wir auf einer Wiese halt. Wir befanden uns etwa 50 Kilometer von Kalgan entfernt. Gegen 11 Uhr kamen die übrigen Automobile nach. In fieberhafter Eile begannen die letzten Vorbereitungen. Die endgültige Auswahl des mitzunehmenden Gepäcks erforderte viel Zeit und Mühe; die Ballen wurden zugeschnürt und wieder aufgeschnürt; stets war etwas zuviel oder zuwenig darin. Auf dem Grase lagen Pelze, Biskuitschachteln, Säcke, Stricke bunt durcheinander. Das Überflüssige wurde den Kulis überlassen: Feldbetten, Matratzen, leere Ölkannen. Die Motoren wurden noch einmal geprüft, kontrolliert, erprobt, jeder Teil der Maschine einer genauen Revision unterzogen. Die „Itala“ wurde mit einem großen, baldachinartigen Zelte überspannt, das an den Ecken durch vier eiserne Klammern festgehalten wurde; es sollte uns nachts, in anderer Weise befestigt, als Obdach dienen.

Der chinesische Telegraphenbeamte in Pang-kiang mit seinem Töchterchen.
Eine neue Zuschauermenge hatte sich jetzt um uns versammelt: mit Gewehren bewaffnete chinesische Soldaten, die von einer aus Lehm erbauten, von Mauern mit Zinnen und Schießscharten umgebenen Festung kamen; Karawanenführer, die ihre Lasttiere verlassen hatten, um zu sehen, was sich Außergewöhnliches in der Steppe zutrug; Mongolen, die in benachbarten Jurten wohnten und samt ihren Frauen mit den runden Gesichtern und den mit Ketten geschmückten Haaren herbeigekommen waren. Diese ganze Menschenmenge füllte jedes Plätzchen: sie betrachtete die Automobile mit vorsichtiger Neugier und folgte unseren Bewegungen mit gespannter, scheuer Aufmerksamkeit, als messe sie jedem Handgriff der Fremden eine geheimnisvolle Bedeutung bei. Genau so würden sie bei der Beschwörung eines Zauberers zugesehen haben. Um die Menge fernzuhalten, beschrieb Ettore einen weiten Kreis um die „Itala“, indem er die Erde mit einem eisernen Geräte furchte. Niemand wagte es, diese furchtbare Linie zu überschreiten.
Vergebens suchten wir das Gepäck auf dem dafür bestimmten Platze unterzubringen. Außer dem Gewichte der Behälter hatten wir noch Vorräte an Öl und Benzin, Gummistreifen und Lebensmittel für zehn Tage bei uns und hielten es für unklug, auf irgend etwas zu verzichten. Das Gepäck nahm auch den Platz des Hintersitzes ein. Wir beschlossen, alle drei im vorderen Teil des Automobils zu fahren, zwei auf den Sitzen und der dritte links zu Füßen der andern auf dem Boden der Karosserie, die Beine auf den Tritt stützend. Die Stellung des Dritten war nicht besonders bequem, aber wir wollten abwechseln. Das erste Opfer war Ettore.

Eigenartiger lamaistischer Tempel in der Wüste an altägyptische Bauten erinnernd.
Es war 2 Uhr nachmittags, als wir uns auf den Weg machten, nachdem wir in aller Eile ein Frühstück aus Cornedbeef zu uns genommen hatten. Der Fürst fuhr voran; die andern Automobile folgten. Pietro war schon aufgebrochen, um vor Torschluß noch in Kalgan zu sein. Er hatte sich von uns verabschiedet und uns in seiner blumenreichen Sprache so überströmenden Herzens gedankt, als hätten wir ihm die größte Wohltat erwiesen, indem wir ihn von Peking 300 Kilometer weit mitgenommen hatten. Dann war er mit den Kulis in der Richtung auf die Große Mauer unseren Blicken entschwunden.
Wir durchfuhren das Tal bis zu seiner Mündung und gelangten auf die Ebene. Die Hügel schlossen sich mit der wachsenden Entfernung hinter uns zusammen und bildeten gleichsam ein Ufer. Wir hatten tatsächlich die lebhafte Empfindung, als stießen wir von einer Küste ab. Wir fuhren los.
Sofort machten wir eine schmerzliche Entdeckung: die allzu schwere Ladung drückte dermaßen auf die hinteren Federn, daß bei dem geringsten Stoß des Automobils das Chassis schwer auf die Achse des Differenzialwerks aufschlug. Wir mußten langsam fahren, aber das Gelände war uneben, und heftige Stöße folgten aufeinander.
„Wir zerbrechen die Federn oder das Differenzialwerk!“ rief Ettore aus, dem die Stöße ins Herz zu dringen schienen.
„Es hat keine unmittelbare Gefahr,“ erwiderte der Fürst, der sein kühles Urteil bewahrte, „aber das Automobil wird es nicht lange aushalten. Wir müssen es etwas leichter machen.“
„Sofort?“
„Nein, beim ersten Haltepunkte. Wir fahren nicht weit.“
„Was lassen wir von dem Gepäck zurück?“
„Alles, was nicht unumgänglich notwendig ist. Wir werden ja sehen.“

Alter Priester vom lamaistischen Tempel in der Wüste.
Inzwischen wurde die Straße besser. Auf einer Strecke von einigen hundert Metern konnten wir auch rascher fahren. Alle Augenblicke bekamen wir winzige chinesische Dörfer zu Gesicht, die, von Gersten- und Kao-liang(Hirse)feldern umgeben, gleich Oasen in der öden Ebene lagen. Sie stellen die chinesische Kolonisation dar.
China breitet sich langsam, aber sicher in allen sogenannten eroberten Gebieten aus, in Turkestan wie in der Mongolei. Mit kleinen Garnisonen und nur wenig Beamten beherrscht es unermeßliche Landstriche, die von einer kriegerischen, aber zerstreut wohnenden Bevölkerung bewohnt werden. In diese Gegenden strömt die chinesische Auswanderung, die die Bebauung der Felder an den Boden fesselt. Es ist der Ackerbau, der nach und nach die Gebiete der nomadischen Völkerschaften in Besitz nimmt: eine mächtigere Kraft als die der Heere, weil der Nomade das Land nicht liebt und nicht verteidigt; er zieht sich nach den freien Räumen zurück; er weicht, ohne sich dessen bewußt zu werden.
Die chinesische Bevölkerung dehnt sich gegenwärtig nach Westen hin in einer Weise aus, wie es seit Jahrhunderten nicht geschehen ist. Es ist dies eine ganz neue Bewegung, die sich in aller Stille und völlig unbemerkt im Herzen Asiens vollzieht. Die Ausbreitung Chinas, in der Richtung auf das Gelbe Meer durch die Interessen der gesamten zivilisierten Welt gehemmt, findet landwärts ein geeignetes Feld und schreitet in manchen Gegenden in je zehn Jahren um 70 bis 90 Kilometer vor. Und China hat eine furchtbare Aufsaugungskraft; es wandelt die Völker um, macht sie zu Chinesen. So gibt es in der Mongolei alte Handelszentren, in denen man nicht mehr mongolisch, sondern chinesisch spricht.
In der Nähe eines dieser Dörfer schlugen wir unser Lager auf. Bei unserem Anblick flohen die Frauen, auf ihren kleinen verkrüppelten Füßen forthüpfend, um sich zwischen den Anpflanzungen der entgegengesetzten Seite des Dorfes zu verstecken. Vielleicht trauten sie uns übermäßig galante Absichten zu. Die Männer dagegen kamen herbei und beobachteten uns, während wir das Dach des Automobils in ein großes Lagerzelt verwandelten, das, in der Mitte des Automobils befestigt, bestimmt war, uns und der Maschine Schutz zu gewähren. In kurzer Entfernung lagerten die beiden „de Dion-Bouton“, der „Spyker“ und der „Contal“ in klug ersonnener Weise: die Automobile im Kreise herum und in der Mitte die Zelte, wie es bei militärischen Expeditionen üblich ist.
Der Fürst hatte sich entschlossen, die „Itala“ um die Schutzwände, die eisernen Klammern, die den Baldachin festhielten, die Auspuffrohre, einige eiserne Stäbe, die wir mit uns führten, um sie als Hebel zu benutzen, eine Spitzhacke und die Hälfte der Lebensmittel zu erleichtern. Wir schenkten diese Gegenstände den Chinesen, die uns bei unseren Arbeiten halfen. Wer uns einen Eimer Wasser brachte, erhielt eine Schutzwand, eine Spitzhacke derjenige, der uns Eier gab. Diese braven Leute hielten uns für Narren; sie kehrten froh nach Hause zurück, Eisenstäbe schleppend oder Konservenbüchsen in einem Zipfel ihres Gewandes tragend. Dann wurden die Biwakfeuer angezündet.
Allerdings klingt der Ausdruck malerischer, als es in Wirklichkeit war. In der Mongolei fehlt es an jedem vegetabilischen Brennstoff, und die Bewohner brennen Kameldünger, der an der Sonne getrocknet wird. Wir waren also weit von lustig flackernden Lagerfeuern entfernt. Als Ersatz dafür besaßen unsere Genossen herrliche Benzinöfen. Wir hatten uns in dieser Hinsicht nicht vorgesehen, hatten keinen derartigen Apparat besorgt und nahmen in genialer Weise unsere Zuflucht zu der Lötlampe, wie sie jedes Automobil mit sich führt. So waren unsere Biwakfeuer beschaffen, um die wir uns in Hemdärmeln geschäftig hin und her bewegten. Du Taillis überwachte das Kochen einer wundervollen Suppe, die aus schokoladenähnlichen Tafeln hergestellt wurde und alle erforderlichen Nährstoffe enthielt. Ich suchte mit Hilfe der Lötlampe Wasser zum Sieden zu bringen. Die Küche war also, wie man sieht, gänzlich dem Journalismus anvertraut; aber — es tut mir der Ehre des Journalismus wegen leid, es zu gestehen — die Ergebnisse im italienischen Lager waren jammervoll. Unser Essen roch entsetzlich nach Benzin, Petroleum und ranzigem Fett.
Mit einem Male kamen drei Mongolen zu Pferde an. Wir waren ihnen einige Stunden zuvor begegnet und hatten sie überholt. Einer von ihnen, ein junger Mann von athletischen Formen, trug ein Gewand aus pfauenblauer Seide und einen spitzen Hut aus gelber gestickter Seide und machte den Eindruck eines Häuptlings. Sie sprangen aus dem Sattel, gaben ihren Pferden Futter, breiteten ihre Decken neben uns aus, zündeten ein Feuer an, und zwar mit dem erwähnten Brennmaterial, von dem die Mongolen stets einen Sack voll mit auf die Reise nehmen, und lagerten sich. Der junge in Seide gekleidete Mann näherte sich uns, begrüßte uns lächelnd durch tiefe Verbeugungen und zeigte für alles, was er sah, eine kindliche Neugierde. Er begann mit uns eine lebhafte aber geheimnisvolle Unterhaltung, während deren wir uns heldenhaft anstrengten, uns gegenseitig verständlich zu machen. Zum Glück besaß der Fürst ein wertvolles Manuskript, das einige hundert mongolische Wörter mit ihrer Übersetzung enthielt, und es gelang uns folgendes zu verstehen: daß der Sprecher wirklich ein Häuptling war, daß wir dicht an seinem Dorfe vorübergekommen waren, und daß er uns einlud, in seinem Hause zu rasten. Alles das war gut und gern einige Büchsen Cornedbeef wert, und wir überreichten sie feierlichst der erlauchten Persönlichkeit, deren Freude und Dankbarkeit unerschöpflich schienen.
In diesem Augenblicke hörten wir den Galopp eines Pferdes. Es war dunkel geworden, und wir erkannten erst dann einen chinesischen Soldaten in dem Reiter, als er einige Schritte vor uns stehenblieb und fragte:
„Po-lu-ghe-se?“
Der Fürst (was tut nicht die Gewohnheit!) erkannte in jenen Lauten die chinesische Form seines Namens und ging dem Soldaten entgegen. Dieser stieg vom Pferde und reichte ihm ein Paket Briefe. Es war die Post, die letzte Post aus Peking, die vormittags 9 Uhr in Kalgan eingetroffen war. Jener Mann hatte in elf Stunden mehr als 95 Kilometer zurückgelegt! Er hatte vom Tu-tung den Befehl erhalten, uns einzuholen, und er hatte uns eingeholt. Als er seinen Auftrag ausgeführt hatte, sprang er wieder in den Sattel, bevor wir noch daran denken konnten, ihn zurückzuhalten, und ritt davon. Was für prächtige Soldaten würden die Chinesen abgeben, wenn sie nur Mut besäßen!

Begegnung mit einer Kamelkarawane in der Wüste.
Diese unvermutete Ankunft von Nachrichten mitten in der Steppe, in der Feierlichkeit des Abends, in der Stunde, die die Einsamkeit tiefer und drückender macht, erschien uns seltsam. Es waren Briefe mit Abschiedsgrüßen, mit Wünschen für das gute Gelingen unserer Fahrt, Freundesworte, die uns hier am Saume der Wüste erreichten und uns an diesem Orte noch gehaltvoller und bedeutsamer erschienen. Als wir sie im Lichte der Dämmerung gelesen hatten, plauderten wir noch längere Zeit, auf unserem Gepäck sitzend und rauchend, während die Dinge um uns her verschwammen, in Dunkelheit versanken und unsere Gesichter sich nach und nach in Schatten hüllten und jeden Umriß verloren. Es scheint, als vergrößere die Finsternis die Entfernungen und isoliere uns; sie läßt uns schließlich verstummen, weil sie in uns die Empfindung weckt, als seien wir allein. Auch wir schwiegen, als wir in der Dunkelheit nur noch das Glimmen unserer Zigaretten und einen Schimmer weißen Papiers auf der Erde erkennen konnten. Der klare Himmel hatte sich mit Myriaden von Sternen bedeckt.
Unsere mongolischen Nachbarn waren um das erloschene Feuer eingeschlafen; es hatte sich ein Vierter zu ihnen gesellt, der auf einem Kamel angekommen war. Das bucklige Tier, zusammengekauert und unbeweglich, hob sich von dem letzten Schimmer im Westen ab und nahm eine monumentale Großartigkeit an, ähnlich jenen Riesenkamelen aus Stein, die die Gräber der Mingdynastie schmücken. In der Ferne hörte man den Hufschlag von Pferden. Die Chinesen aus dem nahen Dorfe waren verschwunden.
„Begeben wir uns zur Ruhe!“ rief Don Scipione. „Morgen müssen wir um 3 aufstehen.“
Wir machten unsere Lagerstätten unter dem Zelte zurecht und suchten dann die auf dem Rasen ringsum verstreuten Gegenstände zusammen. Plötzlich bemerkte ich das Fehlen einiger Kleinigkeiten, eines Taschenmessers, eines silbernen Bechers und eines Jagdbestecks. Und sie waren doch vorher da, ich hatte sie benutzt. Es gab hier also Räuber? Die Entdeckung dieser Diebstähle war nicht allzu ermutigend. In diesem Augenblicke fragte mich der Fürst:
„Haben Sie die Patronen an sich genommen?“
„Welche Patronen?“
„Den Vorrat an Revolverpatronen, der eben noch hier war.“
„Nein.“
„Dann sind sie gestohlen! Sie sind sämtlich verschwunden. Es bleibt uns keine andere verwendbare Waffe als eine Mauserpistole, vorausgesetzt wenigstens, daß nicht auch ...“
„Die Mauserpatronen gestohlen sind?“ fragte ich beunruhigt.
„Ja ... Nein, sie sind hier. Sie waren unter das Gepäck geraten. Wir wollen die Pistole für alle Fälle laden.“
„Und wollen gute Wache halten! Ein Patronendiebstahl ist nicht leicht zu nehmen.“
„Ettore, lege dich so, daß du die Pistole bei der Hand hast.“
Ich begab mich zu unseren französischen Nachbarn, um ihnen das Vorkommnis mitzuteilen. Auch sie machten ihre Waffen schußbereit.
Aber nie in unserem Leben verbrachten wir eine ruhigere Nacht. Die Diebe, die wahrscheinlich zu den Bewohnern des benachbarten Dorfes gehörten, begnügten sich mit dem Besitz der Patronen, des Messers und der übrigen Kleinigkeiten und hielten sich in der Ferne. Wir nahmen uns vor, Bewunderern gegenüber vorsichtiger zu sein.
Spät in der Nacht drang die schneidende Kälte durch die Pelze hindurch bis auf die Haut und weckte uns lange vor Tagesanbruch, während wir durch die Zeltöffnungen noch die Sterne am Firmament funkeln sahen.
Als wir uns erhoben, bemerkten wir, daß die Mongolen bereits aufgebrochen waren.
Zuerst verließ der dreirädrige „Contal“ das Lager. Er war am Abend zuvor mit großer Verspätung ins Lager gekommen, da er mehrmals durch die Unebenheiten der Straße aufgehalten worden war. Stellenweise war er von seinen beiden willigen, zu allem entschlossenen Führern geschoben worden, und der Motor hatte sich einigemal beim Überwinden der Geländeschwierigkeiten erhitzt. Er war daher zuerst aufgebrochen, um einen Vorsprung auf die etwa 200 Kilometer zu haben, die wir an dem Tage zurücklegen mußten. Dieses Handikap war am Abend beschlossen worden.
Ungefähr eine Stunde später fuhren die beiden „de Dion-Bouton“ und der „Spyker“ in kurzen Zwischenräumen davon. Es war 4 Uhr. Wir wurden durch das Gepäck aufgehalten, für das es uns nicht gelang, einen geeigneten Aufbewahrungsort ausfindig zu machen. Die Gepäckfrage hat uns bis zum Ende der Reise Schwierigkeiten bereitet. Sie war unsere Qual, unser Alb. Bei dem Bau und der Einrichtung der „Itala“ war alles vorgesehen, erwogen und geistreich ausgeführt worden, aber an das Gepäck hatte niemand gedacht. Es fehlte an Mitteln, es unterzubringen und zu befestigen. Wir mußten es mit Stricken festbinden, die durch die Federböcke gingen, aber die Stricke, die sich infolge der Feuchtigkeit der Nacht zusammengezogen hatten, dehnten sich in der Sonne aus, lockerten sich, das Gepäck rutschte, geriet ins Schwanken und fiel herunter. Es bedurfte vielstündiger Arbeit, um es wieder an Ort und Stelle zu bringen.
Die Sonne ging eben auf, als wir uns gegen 5 Uhr auf den Weg machten. Wir folgten den Spuren der andern Automobile in dem betauten Grase. Nachdem wir an kleinen chinesischen Niederlassungen vorübergekommen waren, fanden wir einen Pfad. Seit einer Stunde waren wir unterwegs, als wir den „Contal“ stillstehend antrafen. Pons und sein Gefährte waren abgestiegen und schienen damit beschäftigt, etwas am Motor nachzusehen. Der Fürst, welcher steuerte, hielt die Maschine an, um Hilfe zu leisten. Nachdem wir uns begrüßt hatten, erklärte Pons, wir möchten unsere Fahrt nur fortsetzen; er brauche nichts. Wir nahmen an, er warte die Abkühlung des heißgelaufenen Motors ab, und fuhren weiter. Eine halbe Stunde später holten wir die andern Automobile ein, die hintereinander fuhren. Wir grüßten und setzten unsere Fahrt fort. Der verabredete Treffpunkt war die Telegraphenstation Pang-kiang.
Die Erleichterung des Wagens zeigte ihre guten Wirkungen. Die Federn hatten sich wieder aufgerichtet, und das Chassis blieb in der richtigen Entfernung vom Differenzialwerk. Die „Itala“ lief mit einer Schnelligkeit von 30 Kilometern die Stunde.
Mit einem Male bemerkten wir, daß die Telegraphenstangen im Begriff standen, zu unserer Linken am Horizonte zu verschwinden. Wir hatten vielleicht den Weg nach dem Flusse Kerulen im Osten von Urga eingeschlagen. Quer über die Steppe weg suchten wir wieder unseren alten Pfad.

Fürst Borghese und die beiden chinesischen Telegraphisten von Udde.
Jetzt waren keine chinesischen Lager mehr zu sehen, ebensowenig Lehmhütten. Nur die öde Ebene dehnte sich vor uns aus, grün und gleichförmig. Von Zeit zu Zeit unterbrach eine niedere Gruppe zerklüfteter Felsen die Eintönigkeit des leicht gewellten Horizonts. Ringsum herrschte eine solche Einsamkeit, daß der Anblick eines Menschen ein Ereignis war, auf das wir uns gegenseitig aufmerksam machten.
„Ein Mann zu Pferde ... dort!“
„Er hat uns gesehen. Er sprengt auf uns zu.“
Ich erinnerte mich eines ähnlichen Falls an Bord während einer langen Seereise, als die Passagiere sich auf dem Verdecke zuriefen, um einander etwas Seltenes zu zeigen:
„Sehen Sie, ein Schiff ... dort!“
Wir stießen auf große Herden jener kleinen dicken, zähen mongolischen Pferde, deren wunderbare Marschleistung der tatarischen Eroberung Chinas die bewegende Kraft geliefert hatte. Eine unerklärliche Neugierde trieb diese Pferde auf uns zu. Kaum gelangte das noch nie von ihnen gehörte Geräusch des Motors, das in der großen Stille der Ebene weithin widerhallte, zu ihren Ohren, so hoben alle die Köpfe, wandten sich um, und der Anblick eines dahinrasenden Ungeheuers flößte den furchtsamen Tieren keinen Schrecken ein. Sie erkannten vielleicht in diesem schnellen Dinge etwas Verwandtes: die Geschwindigkeit. Sie langten alle zusammen in einem scharfen Galopp bei uns an. Es schien, als wollten sie uns mit ihrer furchtbaren Masse erdrücken. Sie stürmten in einem wütenden Laufe an, der wie ein Orkan vorüberjagend alles niederwirft. Aber auf zehn Meter Abstand von uns machten sie plötzlich mit steifen Beinen halt mit der Genauigkeit und Geschicklichkeit arabischer Pferde bei einer Fantasia. Dann begaben sie sich auf unsere rechte Seite und begleiteten uns im Galopp, solange sie sich nicht überholt sahen. Dann änderten sie plötzlich ihre Richtung und stürmten wieder davon, ihren Weideplätzen zu. Das Schauspiel war prächtig, namentlich als uns jene seltsame Eskorte begleitete, die an unserer Seite dahinjagte, und wir die ganze Schönheit, Gewandtheit und Kraft einer wildbewegten Pferdemasse vor Augen hatten.
Das Manöver wiederholte sich, fast jedesmal unverändert. Es war also den Tieren von einem und demselben Gedanken eingegeben worden. Welcher war es? Was ging in ihren kleinen Gehirnen vor? Sie schienen in ihren Bewegungen von der Hand unsichtbarer Reiter gelenkt zu werden, so geschult waren sie. Man hätte sagen können, daß sich durch einen weit hinaufreichenden Atavismus der kriegerische Sinn auf diese Tiere vererbt habe.
Nur wenige Hirten hielten sich in der Nähe dieser Herden auf, die im Winter, wenn die Tiere mit sehr langem ziegenähnlichem Haar bedeckt sind, auf die großen Märkte in Peking getrieben werden. Einer jener Männer hatte versucht, sich uns zu nähern, indem er sein Pferd zur Karriere anspornte; zu seiner großen Überraschung hatte er uns aber nicht einzuholen vermocht, und er hielt schließlich an, um uns regungslos nachzusehen, bis wir aus seinem Gesichtskreise verschwanden. Zuweilen konnten wir 40–50 Kilometer in der Stunde fahren. Noch nie war die Mongolei mit solcher Schnelligkeit durchquert worden. Wir hätten sogar die berühmten Kuriere Dschingis Chans hinter uns gelassen, die, die Sporen in die Flanken ihrer Pferde gedrückt, die Befehle des Herrschers und die Kunde von seinen Siegen von einem Ende seines unermeßlichen Reiches bis zum andern überbrachten.
Diese Fahrt berauschte und betäubte uns, nicht infolge der physischen Empfindung der Geschwindigkeit, nicht infolge der Freude am Dahinfliegen, die das Automobil erzeugt und die die Seele der Automobilleidenschaft ist, sondern infolge einer unsagbar tiefen, vollen geistigen Genugtuung, infolge der unaussprechlichen Wonne über den Gedanken, uns hier zu befinden. Zuweilen waren wir von einem Gefühl des Staunens wie gefesselt; die Klarheit des Denkens verdunkelte sich wie im Traum, unsinnige Zweifel zogen gleich Wolken über die deutliche Wahrnehmung der Örtlichkeiten, wir verloren die Erinnerung, um sie im selben Augenblicke wiederzugewinnen, und unterbrachen lange Pausen in der Unterhaltung, indem wir zueinander sagten:
„Wir sind in der Mongolei!“
„Ja, in der Tat!“
Einmal wandte sich der Fürst zu mir, um mir unvermutet zu sagen:
„Ich denke daran, daß wir die Wüste Gobi so durchqueren werden. Weiß Gott, ich kann es kaum glauben!“
In diesem Augenblicke hatte ich denselben Gedanken. Es erfüllte uns ein rätselhaftes Gemisch von Vertrauen, Entschlossenheit, festem Willen und zaghafter Ungläubigkeit. Es war in gewissem Grade die Empfindung dessen, der entschlossen ist zu siegen und bewaffnet fortstürmt, um dem Feinde irgendwo im Nebel zu begegnen. Wenn wir an die Beschaffenheit des Geländes, die Beständigkeit der Jahreszeit, die Vorzüge der Maschine dachten, so fühlten wir uns sicher; betrachteten wir aber mit den Augen der Phantasie den Punkt der Erdoberfläche, an dem wir uns in diesem Moment befanden, und benannten jene Länder mit ihren Namen, so geriet unsere Zuversicht ins Wanken. Es schien uns, als gehe das Problem über das rein Technische hinaus, als seien hier unberechenbare Faktoren mit im Spiele. Wir standen unter dem geheimnisvollen, furchteinflößenden Zauber Asiens. Die Wüste nahm in unserer Vorstellung menschliche Gestalt an; dieser furchtbare Feind des Menschen, dieser Mörder von Karawanen, diese gefürchtete Gottheit des Todes würde sich verteidigen. Wir dachten an sie wie an eine unbezwingliche Macht. Das Wort „Wüste“ an sich erfüllt mit Respekt.
Von Zeit zu Zeit sahen wir niedrige, runde Jurten, die Backöfen ähnelten. Diese kleinen grauen, mit Filz bedeckten Kuppeln, die Wohnstätten der Nomaden Asiens von den Kirgisen bis zu den Turkmenen, sind an den Ufern des Aralsees von gleicher Gestalt wie an denen des Irtysch und des Tola. Sie allein genügen, um die Verwandtschaft aller Völker Zentralasiens, ihre Herkunft von dem großen mongolischen Stamme zu beweisen. Auch im russischen Kriegslager bei Mukden hatte ich Jurten gesehen.
Als das Brausen des Automobils zu den Jurten drang, stürzten die Männer in Hast heraus und betrachteten uns unter Anzeichen höchsten Staunens. Mitunter sprangen sie truppweise auf die in der Nähe weidenden Pferde und verfolgten uns hartnäckig, wobei sie ihre langen Hirtenstäbe gleich Lanzen schwangen und laute Rufe ausstießen.
Es war 8 Uhr früh geworden, als wir in die Nähe einer Anzahl Jurten, eines kleinen Lagers, gelangten. Auf einer Art Gerüst standen einige Leute als Wache und schlugen Alarm. Grenzenlose Verwirrung entstand unter den Bewohnern, die auf die Straße liefen und uns Zeichen machten. Als wir näherkamen, erkannten wir unter ihnen unseren wackeren Mongolen vom Abend zuvor, gehüllt in sein prächtiges pfauenblaues Gewand; er bemühte sich, uns durch seine ausdrucksvolle Gesten halt zuzuwinken. Wir waren in seinem Dorfe, und er hatte die Absicht, uns mit seiner Gastfreundschaft zu beehren. So verbindlich und aufrichtig hatte er sich gezeigt, daß wir ihm nicht die Kränkung zufügen wollten, weiterzufahren, wozu wir große Lust hatten. Die „Itala“ fuhr daher mit einer schönen Schwenkung in die Umwallung des Nomadenlagers ein und hielt. Einen Augenblick später saßen wir im Innern der schönsten Jurte, der des Häuptlings, im Kreise herum.

Kamelkarren in der Wüste.
In der Mitte brannte das Feuer, und der scharfe, einen leichten Moschusgeruch verbreitende Rauch entwich durch die in der Mitte der Kuppel befindliche Öffnung. Ein schöner alter Mann, der Vater unseres Freundes, unterhielt uns in zeremonieller Weise mit einer an einen Oberpriester erinnernden Feierlichkeit der Gebärden, und eine alte Frau, die Mutter, setzte respektvoll Teller mit Käse vor uns nieder, Schalen mit scharfschmeckender Milch und Sahne, Tassen dampfenden Tees und Becher, die mit einer klaren, süßen, aus gegorener Milch hergestellten Flüssigkeit gefüllt waren. Die Becher, die europäischer Herkunft waren, wurden von dem alten Manne mit peinlicher Sorgfalt aus einem kleinen chinesischen Schranke, zu dem er den Schlüssel besaß, hervorgeholt. Der Schrank war der Aufbewahrungsort für die Schätze der Familie, der Geldschrank; in ihm waren auch, wie wir sahen, die von uns geschenkten Cornedbeefbüchsen untergebracht. Während wir uns gewissenhaft mit Milch anfüllten, hörten wir Worte, die uns vor Überraschung in die Höhe fahren ließen.
„Sprechen Sie deutsch?“
Ein junger Mongole, der soeben eintrat, hatte diese so einfache und doch so verblüffende Frage an uns gerichtet. Er hatte mit vortrefflicher deutscher Betonung gesprochen.
„Ja,“ erwiderte der Fürst, der aufs höchste erstaunt war, „ich spreche deutsch.“
Und der junge Mongole begann sich mit uns in der Sprache Goethes zu unterhalten. Er fragte, welches die Maximalgeschwindigkeit unseres Automobils sei, und fand sie zufriedenstellend.
„Wo haben Sie denn Deutsch gelernt?“ fragte Don Scipione.
„In Berlin. Berlin liegt weit von hier!“
„In Berlin?“
„Ja, es sind jetzt zwei Jahre her.“
„Und was taten Sie dort?“
„Ich trat als Mongole auf!“ entgegnete er würdevoll.
Wir glaubten, er scherze oder habe unsere Frage nicht verstanden.
„Was taten Sie in Berlin?“
„Ich trat als Mongole auf“, wiederholte er mit Bestimmtheit; dann fügte er hinzu: „Ich war auf einer Ausstellung, verstehen Sie? Es waren dort Leute aus allen Völkern, und es war auch ein mongolisches Jurtenlager da, mit Pferden, Hunden und Frauen; täglich besuchte uns eine große Menge Menschen und sprach mit uns, und so habe ich Deutsch gelernt.“
„Gefällt Ihnen Europa?“
„Ja. Und wie gefällt Ihnen die Mongolei?“
„Ausgezeichnet.“
Er zeigte sich außerordentlich zufrieden mit dieser Antwort, die ihm zugleich einen guten Begriff von unserem erleuchteten Urteil beibrachte.

Begegnung des Automobils mit einer Ochsenkarawane an der Grenze der Mongolei.
Als wir wieder ins Freie traten, bemerkten wir eine Anzahl Reiter, die sich um das Automobil drängten, auf dem Ettore voll heiterer Seelenruhe seine Portion Milch trank. Alle männlichen Bewohner des Lagers schickten sich an, uns zu begleiten, und stiegen in den Sattel.
Wir fuhren rasch von dannen, umgeben von dem eigenartigen malerischen Reitertrupp, unter dem schnellen Hufschlag der Pferde auf dem harten Boden und einem langgedehnten, wilden Geschrei. Um uns herum bewegten sich Zipfel buntfarbiger Röcke; die langen Bänder, die die Mongolen um ihre spitzen Hüte winden, flatterten in der Luft; Roßmähnen und Roßschweife wogten auf und nieder. Aber unsere Gastfreunde hatten sich über die Möglichkeit, uns weit zu begleiten, geirrt. Vergebens trieben sie die Pferde durch Zuruf und Reitgerte an, vergebens jagten die Armen ventre à terre dahin. Schon nach einer Minute entfloh das Automobil seiner Eskorte, deren Geräusch sich in der Ferne verlor, und befand sich allein in der grasbedeckten Wüste.
Viele jener Männer waren Lamas, wie man an ihrem geschorenen Kopfe sehen konnte; andere Abzeichen ihrer priesterlichen Würde trugen sie nicht. Es gibt so viele Lamas in der Mongolei, daß sie die Mehrzahl der männlichen Bevölkerung ausmachen. Wenn ein Vater fünf Söhne hat, so bestimmt er drei zu künftigen Lamas. Es gibt Lamas, die Hirten, Karawanenführer, Pferdehändler sind; es ist eben notwendig, daß die Mönche in den Erwerbszweigen des Volkes tätig sind, wenn sie ein Volk werden. Die Mongolei ist ein unermeßliches Kloster. Im Lamaismus ist die alte Energie der Rasse erloschen; ein Volk von Kriegern ist zu einem Volke von Philosophen geworden.
Mehrere Stunden vergingen. Das Land veränderte sich allmählich. Die Steppe hörte auf und räumte den Platz weiten, fast unfruchtbaren Strecken, die mit einzelnstehenden fetten Gräsern bewachsen waren. Auch die Bodenbeschaffenheit wechselte; wir gelangten von kiesigem Grund auf sandigen, von sandigem Grund auf die Unebenheiten kurzer steiniger Strecken; dann wieder Steppe. Aber wir erblickten keine Herden, bemerkten keine rauchenden Jurten mehr. Der Boden glühte. Wir begegneten einer Karawane von Kamelen, die an seltsame zweirädrige Wagen gespannt waren. Eine andere Karawane trafen wir bei einem Brunnen an. Selten zeigte sich ein Reiter am Horizont.
Weiterhin trafen wir nur noch in der Nähe von Brunnen Spuren von Leben. Auf unermeßliche Entfernungen hin erkannte man das Vorhandensein eines Brunnens an einer ordnungslos durcheinander gemischten Gruppe von Kamelen und blauen, weiß verzierten Zelten.
Wenn man eine gute Karte der Mongolei betrachtet, so sieht man längs des Zuges der Karawanenstraße Namen und Punkte verstreut, und man gewinnt den Eindruck, als handle es sich um Dörfer und Ortschaften. Es handelt sich jedoch nur um Brunnen. Jeder Brunnen hat seinen Namen. Er ist nichts als ein kleines Erdloch, auf dessen Grund Wasser emporquillt, und doch hat er die Bedeutung einer Stadt: er ist das Leben, das Leben der Vorüberziehenden, das heißt das Leben des Handels, das Leben von Ländern, die Tausende von Kilometern von ihm entfernt liegen und aus diesem Handelsverkehr Nutzen ziehen; er ist das Leben ferner Völkerschaften, die sich von diesem Handel ernähren. Die Reichtümer Kalgans, die Reichtümer Kiachtas haben ihre Nahrung aus jenen Brunnen gesogen, die in den Einöden der mongolischen Ebene verlorenliegen.
Die Brunnen, die Halteplätze der Karawanen, sind 30–70 Kilometer voneinander entfernt. Im Winter lagert man des Nachts an ihnen, im Sommer des Tages. Die Kamele liegen mit ihren Lasten in Reihen. Vor der ersten und vor der letzten Last sind zwei Lanzen in den Boden eingerammt, mehr als traditionelles Zeichen denn zur Drohung. Die Männer schlagen ein Lager auf und die Tiere werden frei auf die Weide gelassen, wenn ein Weideplatz vorhanden ist.
Auch wir machten bei dem Brunnen halt, um Wasser für die Maschine zu schöpfen, unseren Durst zu löschen und uns Hände und Gesicht zu kühlen. Einige Minuten verweilten wir auch in der Mitte der Karawanentreiber, die uns mit einem an Bestürzung grenzenden Respekt betrachteten. Kein Zeichen von Feindseligkeit von seiten dieser wackeren Leute. Sie riefen ihre furchtbaren, starken, zottigen Wachhunde zurück und waren uns mitunter mit ihren aus einem Schlauche und einer Stange bestehenden Geräten beim Wasserschöpfen behilflich.

Wasser aus dem Wüstenbrunnen.

Tränken des Automobils.
Mittags hätten wir glauben können, wir wären tatsächlich schon in der Wüste. Wir fuhren durch fast unfruchtbare Landstriche. Die Erde hatte eine rötliche Farbe und zeigte wellenförmige, mitunter jähe Erhebungen, die den Fürsten zu angestrengter Aufmerksamkeit zwangen, um auf den Bodenunebenheiten nicht zu stürzen, was die Maschine zertrümmert hätte. Jede Verminderung der Geschwindigkeit machte uns aber die Hitze stärker fühlbar. Wir waren müde, betäubt von der Sonnenglut und der blendenden Lichtfülle und begannen uns nach dem Schatten unseres abgenommenen Baldachins zurückzusehnen.
Beim Bewältigen einer niedrigen, aber steilen Anhöhe blieb das Automobil plötzlich stehen. Das Benzin im Behälter des Motors war aufgebraucht; er enthielt die für das Durchfahren von 200 Kilometern nötige Benzinmenge. Seit dem Morgen hatten wir also 200 Kilometer zurückgelegt, und waren noch nicht bis zur Telegraphenstation Pang-kiang gelangt, die nach unserer Berechnung etwas über 180 Kilometer von unserem letzten Lagerplatze entfernt war. Waren wir vielleicht an ihr vorübergefahren? Zuweilen hatten wir uns von der Telegraphenlinie entfernt, hatten nicht immer achtgegeben, und Pang-kiang konnte auch abseits von unserer Straße an irgendeiner Abzweigung der Drähte liegen.
Diese Probleme, die uns keineswegs heiter stimmten, beschäftigten uns, während Ettore durch sinnreiche Zusammenstellung von Hebern das Benzin aus den großen Reservebehältern umfüllte. Die Hitze war derart, daß wir die Benzindämpfe in weiten durchsichtigen Spirallinien entweichen sahen, durch die hindurch die Gegenstände in zitternden Umrissen erschienen. Als wir um das stillstehende Automobil herumgingen, bemerkten wir ein neues Unglück; es fehlte ein Teil des Gepäcks, der infolge einer Lockerung der festhaltenden Stricke ins Rutschen gekommen und heruntergefallen war.
Es fehlte gerade das persönliche Gepäck des Fürsten, das irgendwo verlorengegangen war.
Was war zu tun? Sollten wir zurückgehen, um das Gepäck und Pang-kiang zu suchen? Wir entschlossen uns im Gegenteil, unseren Weg fortzusetzen.
Wir trösteten uns damit, daß das Gepäck zweier Personen für drei ausreiche und daß, wenn wir an Pang-kiang vorübergefahren seien, wir diese Etappe auslassen und uns sofort in die Wüste wagen könnten, da wir noch den unberührten Wasservorrat, Lebensmittel für fünf Tage und Benzin für 600 Kilometer hatten. Wir bestiegen also die Maschine wieder und fuhren weiter.
Das Gelände besserte sich; auf einer Strecke von vielen Kilometern bot es vortrefflichen Fahrgrund, der die größten Geschwindigkeiten gestattete. Es erschien wieder etwas graues, vereinzeltstehendes Gras, auf dem wir die von den Kamelen ausgetretenen Pfade wiederfanden. Die Karawanen ziehen nicht eine einzige Straße entlang; sie schlagen nur annähernd die gleiche Richtung ein und treten Hunderte parallellaufender Wege aus, die nach den auf der Steppe hinterlassenen Spuren zu urteilen, auf die Tätigkeit eines uralten riesigen Pfluges schließen lassen.

Ettore beim Umgießen des Benzins.
Mit einem Male konnten wir in weiter, weiter Ferne einen dunkeln Punkt unterscheiden, der eine Hütte sein konnte. Der Punkt nahm die Gestalt eines Rechtecks an und wurde länger. Es war eine erdfarbene Mauer. Wir fuhren mit der Geschwindigkeit von 30 Kilometern und sahen bald ein Lehmdach hinter der Mauer hervorragen. Telegraphenstangen näherten sich diesem armseligen Gebäude, das viel niedriger war als sie.

Kamelkarawane mit Karren in der Wüste Gobi.
„Pang-kiang! Pang-kiang!“ riefen wir mit einem Tone aus, den der Matrose des Kolumbus ausgestoßen haben muß, als er das berühmte „Land! Land!“ rief.
Augenscheinlich hatten wir uns bei der Berechnung der Entfernung mindestens um 50 Kilometer geirrt. Pang-kiang befand sich nicht auf unserer Karte, und wir hatten einen Induktionsschluß gezogen.
„Pang-kiang? Das da?“ fragte Ettore überrascht. „Ich glaubte, Pang-kiang sei eine Ortschaft.“
„Ach was! Es ist ein Brunnen. Ein Brunnen und ein Telegraph. Nichts weiter!“
Aber wir wollten auch nichts weiter.
Hätten wir vor unseren Augen den wundervollsten Palast der Welt auftauchen sehen, wir würden keine größere Genugtuung empfunden haben.