← Table of contents
The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Volume 1 — WANDERNDE JOURNALISTEN.

Reading edition

DAS LUDWIGSLIED.

[Scherer D. 60, E. 54.]

Ein Lied auf den Sieg, den der westfränkische König Ludwig III, Sohn Ludwigs des Stammlers, im Jahre 881 bei Saucourt (Sathulcurtis) über die Normannen erfocht; nach dem Tode des Königs von Hucbald († 930), einem Mönche des flandrischen Klosters St. Amandus, aufgezeichnet. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 11.

Einan kuning uueiz ih, ‖ heizsit her Hluduîg, Ther gerno gode thionôt: ‖ ih uueiz her imos lônôt. Kind uuarth her faterlôs. ‖ thes uuarth imo sâr buoz: Holôda inan truhtîn, ‖ magaczogo uuarth her sîn. Gab her imo dugidî, ‖ frônisc githigini, Stual hier in Vrankôn: ‖ sô brûche her es lango! Thaz gideilder thanne ‖ sâr mit Karlemanne, Bruoder sînemo, ‖ thia czala uuunniôno. Sô thaz uuarth al gendiôt, ‖ korôn uuolda sîn god, Ob her arbeidî ‖ sô jung tholôn mahtî. Lietz her heidine man ‖ obar sêo lîdan, Thiot Vrankôno ‖ manôn sundiôno. 10 Sume sâr verlorane ‖ uuurdun sumerkorane. Haranskara tholôta ‖ ther êr misselebêta. Ther ther thanne thiob uuas, ‖ inder thanana ginas, Nam sîna vaston: ‖ sîdh uuarth her guot man. Sum uuas luginâri, ‖ sum skâchâri, Sum fol lôses, ‖ ind er gibuozta sih thes. Kuning uuas ervirrit, ‖ thaz rîchi al girrit, Uuas erbolgan Krist: ‖ leidhôr, thes ingald iz. Thoh erbarmêdes got, ‖ uuisser alla thia nôt: Hiez her Hluduîgan ‖ tharôt sâr rîtan. ‘Hluduîg, kuning mîn, ‖ hilph mînân liutin! Heigun sa Northman ‖ harto biduuungan.’ Thanne sprah Hluduîg: ‖ ‘hêrro sô duon ih, Dôt ni rette mir iz, ‖ al thaz thû gibiudist.’ Thô nam her godes urlub, ‖ huob her gundfanon ûf, Reit her thara in Vrankôn ‖ ingagan Northmannon. Gode thancôdun ‖ thê sîn beidôdun, Quâdhun al: ‘frô mîn, ‖ sô lango beidôn uuir thîn.’ 10 Thanne sprah lûto ‖ Hluduîg ther guoto: ‘Trôstet hiu, gisellion, ‖ mîne nôtstallon. Hera santa mih god ‖ joh mir selbo gibôd, Ob hiu rât thûhtî, ‖ thaz ih hier gevuhti, Mih selbon ni sparôtî, ‖ uncih hiu gineritî. Nû uuillih thaz mir volgôn ‖ alle godes holdon. Giskerit ist thiu hieruuist ‖ sô lango sô uuili Krist. Uuili her unsa hinavarth, ‖ thero habêt her giuualt. Sô uuer sô hier in ellian ‖ giduot godes uuillion, Quimit hê gisund ûz, ‖ ih gilônôn imoz; Bilîbit her thâr inne, ‖ sînemo kunnie.’ Thô nam er skild indi sper, ‖ ellianlîcho reit her; Uuolder uuâr errahchôn ‖ sînân uuidarsahchôn. Thô ni uuas iz burolang, ‖ fand her thia Northman. Gode lob sagêda, ‖ her sihit thes her gerêda. Ther kuning reit kuono, ‖ sang lioth frâno, Joh alle saman sungun: ‖ ‘kyrriêleison!’ Sang uuas gisungan, ‖ uuîg uuas bigunnan. 10 Bluot skein in uuangôn, ‖ spilôdun ther Vrankon. Thâr vaht thegeno gelîh, ‖ nichein sôsô Hluduîg Snel indi kuoni, ‖ thaz uuas imo gekunni. Suman thuruhskluog her, ‖ suman thuruhstah her. Her skancta cehanton ‖ sînân fîanton Bitteres lîdes. ‖ Sô uuê hin hio thes lîbes! Gilobôt sî thiu godes kraft: ‖ Hluduîg uuarth sigihaft; Joh allên heiligôn thanc! ‖ sîn uuarth ther sigikamf. Uuolar abur Hluduîg, ‖ kuning uuîgsâlîg. Sô garo sôser hio uuas, ‖ so uuâr sôses thurft uuas, Gihalde inan truhtîn ‖ bî sînân êrgrehtîn.

Einen König kenne ich, ‖ er heisset Ludwig, Der gern Gott dienet: ‖ ich weiss, (dass) er ihm es lohnet. (Als) Kind ward er vaterlos: ‖ des ward ihm bald Ersatz. (Es) berief ihn der Herr, ‖ sein Erzieher ward er. 20 Er gab ihm Geisteskräfte, ‖ herrliche Degenschaft, Den Thron hier in Franken: ‖ so brauche er ihn lange. Das theilte er dann ‖ bald mit Karlmann, Seinem Bruder, ‖ die Fülle der Wonnen. Da das ward all vollendet, ‖ prüfen wollte ihn Gott, Ob er Mühen ‖ so jung dulden könnte. Er liess heidnische Männer ‖ über See kommen, Das Volk der Franken ‖ zu mahnen der (seiner) Sünden, Einige bald verloren ‖ wurden, einige erkoren. Leidbescherung duldete, ‖ der früher mislebte. 30 Der, der dann Dieb war, ‖ und der von dannen sich rettete, Nahm seine Fasten. ‖ Seitdem ward er ein guter Mann. Mancher war Lügner, ‖ mancher Raubmörder, Mancher voll Zuchtlosigkeit, ‖ und er befreite sich davon. Der König war entfernet, ‖ das Reich ganz zerrüttet. Es war erzürnt Christ: ‖ leider! des entgalt es. Doch erbarmte es Gott, ‖ er wusste all die Noth, Er hiess Ludwig ‖ dahin bald reiten. 20 ‘Ludwig, mein König, ‖ hilf meinen Leuten, Es haben sie die Nordmannen ‖ hart bedrängt.’ Da sprach Ludwig: ‖ ‘Herr, so thue ich, Wenn nicht der Tod mich hindert, ‖ Alles, was du gebietest.’ Da nahm er Gottes Urlaub, ‖ er hob die Kriegsfahne auf, Er ritt dahin in Franken, ‖ entgegen den Nordmannen. Gott sagten Dank, ‖ die seiner harrten, Sie sagten alle: ‘Mein Herr, ‖ wie lange harren wir dein!’ Da sprach laut ‖ Ludwig der gute: ‘Tröstet euch, Gesellen, ‖ meine Nothgefährten. 30 Her sandte mich Gott, ‖ und mir selbst gebot, Ob es euch Rath dünkte, ‖ dass ich hier föchte, Mich selber nicht schonte, ‖ bis ich euch rettete. Nun will ich, dass mir folgen ‖ alle Gottes Getreuen. Beschert ist das Hiersein (Leben), ‖ so lange es Christ will; Will er unsere Hinfahrt, ‖ deren hat er Gewalt. Wer hier mit Kraft (Eifer) ‖ thut Gottes Willen, Kommt er gesund davon, ‖ ich lohne es ihm: 20 Bleibt er darin (im Kampfe), ‖ seinem Geschlechte.’ Da nahm er Schild und Speer, ‖ gewaltiglich ritt er. Er wollte die Wahrheit darlegen ‖ seinen Widersachern. Da war es nicht gar lange, ‖ er fand die Nordmannen. Gott sagte er Lob. ‖ Er sieht, dessen er begehrte. Der König ritt kühn, ‖ sang ein heilig Lied, Und alle zusammen sangen: ‖ ‘Kyrie eleison!’ Der Sang war gesungen, ‖ der Kampf war begonnen. Blut schien in den Wangen, ‖ es freuten des sich die Franken. Da focht der Degen jeglicher, ‖ keiner so wie Ludwig, 30 Schnell und kühn: ‖ das war ihm angeboren. Manchen durchschlug er, ‖ manchen durchstach er. Er schenkte zu Handen ‖ seinen Feinden Bitteres Trankes. ‖ So weh ihnen stets des Lebens! Gelobt sei Gottes Kraft: ‖ Ludwig ward sieghaft. Und allen Heiligen Dank! ‖ Sein ward der Siegkampf. Heil denn Ludwig, ‖ König kampfselig! So gerüstet wie er stets war, ‖ wo irgend des Noth war, Erhalte ihn der Herr ‖ bei seiner Herrlichkeit.

HÜPPE.

SANGALLER RHETORIK.

[Scherer D. 61, E. 55.]

Bruchstück eines Jagdgedichtes aus dem Capitel ‘quid sit elocutio’ der Sangallischen Rhetorik. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 26.

Der heber gât in lîtun, ‖ trégit spér in sîtun: sîn báld éllin ‖ ne lâzet ín véllin ..... Imo sínt fûoze ‖ fûodermâze, ímo sínt púrste ‖ ébenhô fórste 10 únde zéne sîne ‖ zuuélifélnîge.

Der Eber geht auf der Leite (dem Abhang), ‖ trägt einen Speer in der Seite: Seine kühne Kraft ‖ lässt ihn nicht fallen.... Er hat Füsse ‖ fudermässig (von dem Mass einer Wagenlast) Er hat Borsten ‖ ebenso hoch wie der Wald, Und seine Zähne sind ‖ zwölf Ellen lang.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings