Volume 1 — 4. KARL DER GROSSE.
Reading edition
AUS EINHARDS LEBENSBESCHREIBUNG KARLS DES GROSSEN.
[Scherer D. p. 43, E. p. 39.]
Herausgegeben von Pertz in ‘Monumenta Germaniæ historica. Scriptores’ II; Jaffé in ‘Bibliotheca rerum Germanicarum’ Bd. IV.
Cap. XXIX. Post susceptum imperiale nomen, cum adverteret multa legibus populi sui deesse (nam Franci duas habent leges, in plurimis locis valde diversas), cogitavit, quæ deerant addere et discrepantia unire, prava quoque ac perperam prolata corrigere; sed de his nihil aliud ab eo factum est, nisi quod pauca capitula, et ea imperfecta, legibus addidit. Omnium tamen nationum quæ sub eius dominatu erant iura quæ scripta non erant describere ac litteris mandari fecit. Item barbara et antiquissima carmina, quibus veterum regum actus et bella canebantur, scripsit memoriæque mandavit. {10} Inchoavit et grammaticam patrii sermonis. Mensibus etiam iuxta propriam linguam vocabula imposuit, cum ante id temporis apud Francos partim Latinis partim barbaris nominibus pronunciarentur. Item ventos duodecim propriis appellationibus insignivit, cum prius non amplius quam vix quatuor ventorum vocabula possent inveniri. Et de mensibus quidem Ianuarium Wintarmanoth, Februarium Hornung, Martium Lentzinmanoth, Aprilem Ostarmanoth, Maium Winnemanoth, Iunium Brachmanoth, Iulium Heuvimanoth, Augustum Aranmanoth, Septembrem Witumanoth, Octobrem Windumemanoth, Novembrem Herbistmanoth, Decembrem {20} Heilagmanoth appellavit. Ventis vero hoc modo nomina imposuit, ut subsolanum vocaret ostroniwint, eurum ostsundroni, euroaustrum sundostroni, austrum sundroni, austroafricum sundwestroni, africum westsundroni, zephyrum westroni, chorum westnordroni, circium nordwestroni, septemtrionem nordroni, aquilonem nordostroni, vulturnum ostnordroni.
PATERNOSTER UND SYMBOLUM APOSTOLICUM.
[Scherer D. p. 43, E. p. 39.]
Aus dem Weissenburger Katechismus in einer Handschrift des neunten Jahrhunderts, die sich in der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel befindet. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 56.
Fater unser, thû in himilom bist, giuuîhit sî namo thîn. queme rîchi thîn. uuerdhe uuilleo thîn, sama sô in himile endi in erthu. Broot unseraz emezzîgaz gib uns hiutu. endi farlâz uns sculdhî unsero, sama sô uuir farlâzzem scolôm unserêm. endi ni gileidi unsih in costunga. {10} auh arlôsi unsih fona ubile.
Fater unser, thû in himilom bist, giuuîhit sî namo thîn. Gotes namo ist simbles giuuîhit: auh thanne uuir thiz quedhem, thanne bittem uuir, thaz sîn namo in uns mannom uuerdhe giuuîhit thuruh guodiu uuerc.
{20} Queme rîchi thîn. Rîchi gotes ist simbles endi eogihuuâr: thes bittem uuir thoh, thanne uuir thiz quedem, thaz gotes rîchi sî in uns endi thes diufles giuualt uuerdhe arfirrit fona uns.
Uuerdhe uuillo thîn sama sô in himile endi in erthu. Thes sculun uuir got simbles bitten, thaz sîn uuilleo uuerdhe samalîh in erdhu in mannom, sôso her ist in himile in engilom, cithiu thaz man in erthu sînan uuilleon giuuurchen megîn sama sô engilâ in himile magun.
{10} Broot unseraz emetzîgaz gib uns hiutu. Allo mannes thurftî sintun in themo brôtes namen gameinito, thero er ci thesemo antuuerden lîbe bitharf. bithiu scal man dago gihuuelîches thiz gibet singan, sô huuer sô uuili thaz imo got gidago sînero thurfteo helphe.
{20} Indi farlâz uns sculdhî unsero sama sô uuir farlâzzem scolôm unserêm. Sô huuer sô thiz quidhit, sô bitharf thaz er sô due sô her quithit, huuanda her fluochôt imo mêr thanne her imo guodes bitte, ibu her sô ni duat sô her quidhit: huuanda sô huuer sô andhremo arbolgan ist endi thiz gibet thanne singit, {30} ther bidit imo selbemo thanne ubiles.
Indi ni gileiti unsih in costunga. Ni leitit got eomannan in ubilo thohheinaz; ûzzar thanne her then man farlâzzit, sô ist her sâr in costungôm. thaz meinit haz uuort, thaz her unsih ni farlâzze cithiu thaz uuir in ubil gileitte ni uuerdhên.
Auch arlôsi unsih fona ubile. In thesemo uuorde ist bifangan allero ubilo gihuuelîh, thero manne giterjan megi. bithiu sô huuer sô thiz gibet hlûttru muatu singit, gilouban scal her, thaz {10} inan got thanne gihôrje: huuanda her ni bitit thâr ana elljes eouuihtes, nibu thes got selbo giboot ci bittanne, endi thâr sintun thoh allo mannes thurftî ana bifangano.
Gilaubju in got fater almahtîgon scepphjon himiles enti erdâ. Endi in heilenton Christ, suno sînan einagon, truhtîn unseran. {20} Ther infanganêr ist fona heilegemo geiste, giboran fona Marîûn magadî, giuuîzzinôt bî pontisgen Pilâte, In crûci bislagan, toot endi bigraban. Nidhar steig ci hellju, in thritten dage arstuat fona tóotêm, Ûf steig ci himilom, gisaz ci cesuûn gotes fateres almahtîges: Thanan quemendi ci ardeilenne {30} quecchêm endi dóodêm. Gilaubju in âtum uuîhan, uuîha ladhunga allîcha, Heilegero gimeinidha, Ablâz sundeôno, Fleisges arstantnissi, Liib êuuîgan. Amen.
Vater unser, der du in den Himmeln bist, geheiliget sei dein Name. Es komme dein Reich. Es werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf Erden. Unser tägliches (beständiges) Brot gieb uns heute. Und erlass uns unsere Verschuldungen, so wie wir erlassen unseren Schuldnern. {10} Und nicht geleite uns in Versuchung. Sondern erlöse uns vom Uebel.
Vater unser, der du in den Himmeln bist, geheiliget sei dein Name. Gottes Name ist immer geheiligt: aber wenn wir dies sagen, so bitten wir, dass sein Name in uns Menschen werde geheiligt durch gute Werke.
{20} Es komme dein Reich. Das Reich Gottes ist immer und überall: darum bitten wir jedoch, wenn wir dies sagen, dass Gottes Reich sei in uns, und des Teufels Gewalt werde entfernt von uns.
Es werde dein Wille so wie im Himmel auch auf Erden. Darum sollen wir Gott immer bitten, dass sein Wille werde (geschehe) ganz gleich auf Erden bei den Menschen, wie er geschieht im Himmel bei den Engeln, damit die Menschen auf Erden seinen Willen zu vollbringen (wirken) vermögen, so wie die Engel im Himmel es können.
{10} Unser beständiges Brot gieb uns heute. Alle Bedürfnisse des Menschen sind mit dem Namen des Brotes gemeint, deren er zu diesem gegenwärtigen Leben bedarf. Darum soll an jeglichem Tage dies Gebet hersagen, wer immer will, dass ihm Gott täglich zu seinen Bedürfnissen verhelfe.
{20} Und erlass uns unsere Verschuldungen, so wie wir erlassen unseren Schuldnern. Wenn einer so spricht, so ist es nothwendig, dass er so thut wie er spricht, denn er ladet mehr Fluch auf sich, als er sich Gutes erbittet, wenn er nicht so thut wie er spricht: denn so einer wider anderen erzürnt ist und dies {30} Gebet zu der Zeit hersagt, der erbittet sich dann selbst Übeles.
Und geleite uns nicht in Versuchung. Nicht leitet Gott irgend jemand in ein Uebel: aber wenn er den Menschen verlässt, so ist er sofort in Versuchungen. Das bedeutet das Wort, dass er uns nicht verlassen soll, damit wir nicht in das Uebel verleitet werden.
Sondern erlöse uns vom Uebel. In diesem Worte ist die Gesammtheit aller Uebel befangen, welche dem Menschen zu schaden vermögen. Darum soll, wer dies Gebet in lautrem Gemüthe hersagt, {10} glauben, dass ihn Gott dann höre: weil er nichts anderes damit bittet, als was Gott selbst gebot zu bitten, und es sind doch alle Bedürfnisse des Menschen darin befangen.
Credo in deum patrem omnipotentem, creatorem cæli et terræ. et in Iesum Christum, filium eius unicum, dominum {20} nostrum. Qui conceptus est de spiritu sancto, natus ex Maria virgine, passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus et sepultus. descendit ad inferna, tertia die resurrexit a mortuis, ascendit ad cælos, sedet ad dexteram dei patris omnipotentis: inde venturus iudicare vivos et mortuos. Credo in spiritum {30} sanctum, sanctam ecclesiam catholicam, sanctorum communionem, remissionem peccatorum, carnis resurrectionem, vitam æternam. Amen.