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The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Volume 1 — DAS AUSGEHENDE MITTELALTER. (continued 2)

Reading edition

2.

Wer nit die rechte kunst[483] studiert derselb im wol die schellen[484] rürt und wurt am narrenseil[485] gefürt.

VON UNNUTZEM STUDIEREN.

Der Studenten ich ouch nit fůr[486] sie hant die kappen vor zů stůr[487], wann sie allein die streifen[488] an der zipfel[489] mag wol naher gan[490]; dan so sie solten vast studieren, so gont sie lieber bůbelieren[491]. die jugent acht all kunst gar klein; sie lerent lieber ietz allein was unnütz und nit fruchtbar ist; dasselb den meistern ouch gebrist, das sie der rechten kunst nit achten, unnütz geschwetz allein betrachten, ob es well tag sin[492] oder nacht? ob hab ein mensch ein esel gmacht, 10 ob Sortes[493] oder Plato louf? solch ler ist ietz der schůlen kouf[494]. sind das nit narren und ganz dum, die tag und nacht gant domit um und krützigen sich und ander lüt? kein bessere kunst achten sie nüt. darum Origenes von in spricht, das es sint die frösch gesin und die hundsmucken[495], die do hant gedurechtet[496] Egyptenlant. 20 domit so gat die jugent hin, so sind wir zů Lips, Erfort, Wien, zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden, kumen zů letst doch heim mit schanden. Das gelt das ist verzeret do, der truckeri[497] sint wir dan fro, und das man lert ufftragen win, darusz wurt dan ein Henselin[498]. so ist das gelt geleit wol an. studentenkapp wil schellen han! 30

JOHANN GEILER VON KAISERSBERG.

[Scherer D. 280, E. 276.]

Geboren 1445 zu Schaffhausen, studierte zu Freiburg und Basel, ward Doctor der Theologie, predigte zu Freiburg, Würzburg und Strassburg. Hier starb er 1510.

1. VON KIRCH NARREN.

Die andere schel[499] ist: gotz dienst irren[500]. Es seint ettlich, wan sie in die kirchen wöllen gon, so rüsten sie sich, als wolten sie gon beissen[501] oder jagen, und nemmen die vögel mit den schellen uff die hend, und ein huffen hünd: so klinglen da die schellen unnd beissen die hünd einander, und wird der predicant geirret, und hœrt man nit, was man im chor singt, und künnen die lüt nit betten. O brüeder, es ist nit da ein feld venandi sed veniandi, zejagen, aber zevenjen[502]. Nun wiewol es ynn allen menschen {10} straffbar ist, so stot es doch geweichten[503] leuten übeler an, dan anderen: als dann vil pfaffen thuontt, die vögel uff den henden tragen, mitt federspil[504] umbgond; dar umb das sie edel[505] seint, so wenen sie, inen zimm das und anders noch weitter (baz), den anderen priestern; wann am morgen so seint sie priester, und am andern tag ein edelman. Denen sol geantwurt werden, wie ein buer ein mal eim bischoff ein bequemliche[506] oder guote antwurt gab.

Es reit ein bischoff uff ein mal über feld mitt viertzig pferden und mit seim zug: da liess ein buer den pfluog ston und sach dem zeug zuo, und het das mul offen und die hent jn die seitten gestelt. {20} Der bischoff der sach es, reit zuo im unnd sprach: ‘meier[507], was denckstu, das du uns also zuoluogst?[508]’ Der buer sprach: ‘Her, ich hab gedacht, ob sant Martin auch also mitt eim reisigen zeug geritten sei, der auch ein bischoff was.’ Der bischoff wart rott im antlit, schamt sich und sprach: ‘Ich bin nit allein ein bischoff, ich bin auch ein weldtlicher fürst; jetz bin ich ein fürst. Wiltu aber ein bischoff sehen, so kum uff den tag in die kirchen, so würd ich das fron ampt haben.’ Der buer fieng an lachen, das er in einander hotzlet[509]. Der her fraget yn, wess er lachte. Der bur sprach: ‘herr, da lach ich, da gott vor sei: wan der teuffel den fürsten am letsten nimpt, was thet dan der bischoff dar zuo?’ Also fuor der bischoff dar von und het ein antwurt gelœsst.

2. VON PREDIG NARREN.

Die andere schel ist: nitt recht predig hœren. Und wie sol man recht hœren? In dreierlei weg: Zuo dem ersten mit fleiss. {10} Ein schuoler mit grossem fleiss loset[510] er zuo dem doctor, der siech dem artzet, und ein lantzmann[511] dem botten[512]. Also sollen wir fleisslichen zuohœren dem predicanten: der ist unser doctor und artzet und bott. Gedenck, was fleiss und ernst du an kerst, wan man dir das heilig sacrament gibt, das es nit uf das erterich fal. Selichen fleiss ker an zuo dem wort gotz, das nit minder ist, dan der leib Christi, seit sanctus Augustinus. Zuo dem anderen sol man predig hœren behaltlich, Matth. 23. Wa für wer es, das man predig horte, wan man es nit behielte. Dar umb sollen wir sein wie ein fenster, das lasst den sonnenschyn und das liecht durch sich gon; {10} aber schne, regen und hagel lasst es nit hin yn. Aber leider vil seint gleich eim sibi[513], oder eim büttel[514] und eim seythuoch[515]: da bleiben fliegen und wuost[516] darin, aber das guot laufft als da durch; also das guot an der predig ist von inen verloren, aber was lecherlich ist und spöttig und bœss, das behalten sie, und seint gleich eim hündle der edlen, wan man ym etwas guotz beut zeessen, so laufft es etwan einer mucken nach; und seint gleich eim fischen garn[517], die weil es im wasser ist, so ist es vol wasser, so bald es uss dem wasser kumpt, so ist es ler. Von denen seit der weiss (Pred. 21): eins narren hertz ist wie ein zerbrochen fass, es behalt {30} kein wyssheit, und ein zerbrochen fass kein wein.

Zuo dem dritten sol man hœren gehorsamlich, wan so dar umb prediget man, das man es sol thuon u. s. w.

THOMAS MURNER.

[Scherer, D. 263, 286, E. 257, 282.]

Geboren angeblich 1475 zu Oberehenheim bei Strassburg, besuchte die Franciskaner Schule zu Strassburg, durchzog Frankreich, Deutschland, Polen als fahrender Schüler, studierte zu Paris Theologie, 1499 zu Freiburg die Rechte; dann Guardian des Franciskaner Klosters zu Strassburg, 1506 vom Kaiser Maximilian zum Dichter gekrönt, um 1509 Doctor der Theologie in Bern. Er führte ein unstätes Leben und wurde oft von seinen Gegnern gezwungen, seinen Aufenthaltsort zu wechseln. In Strassburg veröffentlichte er 1512 sein satirisches Werk ‘die Narrenbeschwörung’ (her. von Gödeke, Leipzig 1879), eine Nachahmung von Brands ‘Narrenschiff.’ In demselben Jahre erschien seine ‘Schelmenzunft,’ welche aus Predigten entstand, die er zu Frankfurt am Main gehalten hatte (photolithographische Nachbildung her. von Scherer, Berlin 1881). Im Kirchenkampf nahm M. zunächst für Luther Partei, dann aber wurde er einer seiner heftigsten Gegner und schrieb das Schmähgedicht ‘Von dem grossen Lutherischen Narren, wie ihn Doktor M. beschworen hat’ Strassburg 1522 (her. von Kurtz, Zürich 1848). Unter den vielen Schriften, die er sonst noch verfasst hat, ist am bekanntesten seine ‘Gäuchmatt’ Basel 1519, ein derbe Satire gegen die Weiber. Er starb um 1536 zu Oberehenheim, wo er eine kleine Pfründe hatte.

DIE NARRENBESCHWÖRUNG.

Aller adel weisst im land, Wann wir schon kein erbteil hant, Wir künnen uns der armůt weren, Allein von disem sattel neren.

DIE SATTELNARUNG[518].

Wann du des sattels nerest dich, So kanstu warlich me dann ich. Es můss ein wilde narung sin, Den sattelpfenning bringen in. 10 Hat der sattel solche kraft, Das nimt ein selzam rechenschaft. ‘Ja frilich, herr, das mügt ir sagen, Solt ich min kost vom sattel nagen Und des stegreifs mich erneren, Vil böser wörter můss ich hören. Hört mir zů, ich wills üch leren, Man seit von künig Ferinand, Wie er vil nüwer inselen fand Bi dem Calecutterland, Darin man fand vil spezeri, Silber, gold was ouch dabi. 10 Inselen finden ist kein kunst, Ich habs ir manchen glert umsunst; Inselen find ich, wann ich will: Ich schrib min gsellen in der still, Die ouch ein solchen sattel haben Und in dem stegreif künnent traben. Wann man fart gen Frankfurt hin Und ich ein schiff weiss uf dem Rin, Dann zwing ichs faren zů dem land, Darin vil spezeri ich fand, Silber, gold und tůchgewand. Solch inselen find ich mit mim kunden 10 Und habens uf dem Rin gefunden, Das vor kein mensch nie hat gewist, Das spezri da gewachsen ist. Ich bin der erst, ders funden hat An der unerkanten stat; Noch schadts mir nit an miner eren, Das ich des sattels mich erneren, Erzühe min kind kurz von der hand, Als der lanssknecht uf dem land; Ich halts fürwar ein kleine schand. 20 Solt man die strassen allzit frien, Das bilger, kouflüt sicher sien, So wer doch nüt der fürsten hůt. Wir machen in ir gleit nun gůt. Wann wir ein insel funden haben, Absagent wir mit rüterknaben, Der wir keine me hont ton, Wir hetten dann den roub dar von. Es heisst bi uns das rüterspil Setz uf, der mit uns keglen will. Wir sind die nüwen insel finder Vnd lerent unser jungen kinder, 10 Von dem sattel suppen kochen Und wie man sol die puren bochen[519], Land und lüt und dörfer kriegen, Ein knebel zwischen die befzen fiegen Den stegreif halten und den zoum, Ein puren binden an ein boum, Fůssisen werfen, für inlegen, Wie man den finden gat entgegen, Das korn verwůsten, rebstöck brechen Und einen undern gul[520] abstechen, 20 Fahen, fieren und verblenden, Meisterlichen keren, wenden, Das der pur nit anders gloubt, Er si des tütschen lands beroubt; So ist er an derselben stat, Do ich in vor gefangen hatt. Der arbeit můss er uns ergetzen, So wir in fahen an zů schetzen. Dann hont wir aber etlich jor Zů brassen, als wir hattent vor. Komt uns die armůt wider an, So můss der sattel aber dran, Vnd sůchent mer der spezeri, Oder ob kein insel si Uf der Tonau, uf dem Rin, Den sattelzins zů bringen in. Hett Absolon den sattel gspart, Do er sins vaters finde ward, 10 Er wer im har nit bliben hangen, Durchrant mit so vil scharfer stangen; Do in im staken so vil spiess, Ward im die rüteri nit siess. Was darf ich vil von Juden sagen, Mir gdenkt, das wol in unseren tagen Herzog Karle von Burgund Durch rüteri gieng gar zů grund. Hannibal der hatt gross macht, Dennocht hat in der sattel bracht, Das er dran erworget ist. Der sattelnarung vil gebrist, Ja frilich heisst er rüterspil, Setz uf wer mit in spilen will, Sie kartens also wunderlich, Eins ums ander, stich um stich. 10 Nüt schedlichrs ist uf disen dingen, Dann um ein hütlin fleisch zů springen, Das rüterspil wills also han, Des setzen wirs all samen dran.’

KAISER MAXIMILIAN I (1493–1519).

[Scherer D. 263, E. 258.]

Der Theuerdank, ein allegorisch-episches Gedicht, ward von Maximilian selbst entworfen und theilweise ausgeführt. Es enthält die Darstellung seiner Brautwerbung um Maria von Burgund und anderer ritterlicher Abenteuer. Das Werk wurde von Treizsaurwein von Ehrentreiz und vom Probste Melchior Pfinzing (1481–1535) beendigt und zum Druck befördert. Es erschien zuerst 1517, in prächtiger Ausstattung, namentlich mit vorzüglichen Holzschnitten von Hans Schauffelin, dem Schüler Albrecht Dürers (Neu her. von Haltaus, Quedlinburg 1836; Gödeke, Leipzig 1878). Ein andres allegorisch-historisches Gedicht, der ‘Weisskunig’, wurde ebenfalls vom Kaiser begonnen, aber erst 1775 veröffentlicht.

THEUERDANK.

Wie Theurdannckh durch Fürwittig aber in ein geferlichait mit einem Löwen gefüert ward.

Eines tags da fürt Fürwittig den helden mit im fälschiglich umspazieren durch ein gassen darin ein leo, aus der massen gross und freissam[521] gefangen lag. Alsbald[522] den Fürwittig ersach, fiel im in seinen sinn: möcht ich zu diesem löben bringen dich in das kleine häuslein hinein, so hoffet ich, es solt in pein derselb löb bringen dich fürwar. In den gedanken kamens dar. 10 Fieng der Fürwittig an und sprach: ‘Hier, in diesem hölzen[523] gemach man ein löben gefangen hält. Warlich der möcht werden gezält für teurlich[524], freidig[525] und manhaft, der demselben löben aus kraft griff trutzlichen in seinen mund, dann er kennt zu der selben stund geleich einen freidigen man und lässt in widerum weg gan 20 von im genzlichen on alls leid. Doch so rat ichs bei meinem eid nit, das ir solt euchs underfahen; dann wurdet ir schaden empfahen, so mocht mir drin werden die schuld gegeben, dardurch ich eur huld verlür, das het ich nit geren. Wolt irs aber nit emperen, so mügt ir das tun, ob ir wellt. Aber der küngin es gefällt 30 wol, wann sie hört von einem man sagen, der sich darf understan der geleichen erlich[526] sachen. Euren namen wurdt ir machen in gar vil manchem fremden land durch solch tat mit eren bekant.’ Der Teurheld[527] zu dem löwen gieng und sich das zu tun underfieng, bedacht die sachen auch nit bass, dann er darfür hielt, alles das, so im der Fürwittig sagt vor, es bescheh on list und wär war; greif damit den löwen in schlund. Der stund vor im als ein zam hund, 10 dann er des helds mandlich[528] gemüt erkant, darum er mit nicht[529] wüt gegen im, als er vor het tan; Teurdank gieng on schaden darvon. Des wundert sich Fürwittig ser, gdacht heimlich: ich sich, das nit mer mich wellent mein ränk und anschläg helfen, ich gedenk wol der täg[530], er wär ie nit komen darvon. In den danken sach er hergon 20 gegen im den teurlichen held. Zu dem er sprach: ‘herr, euch erwält billichen mein frau zu der e, dann ich dergleichen sach nit me gehöret hab von eim sagen bei allen meinen lebtagen. Und dieweil ichs selbs hab gesehen, so mag ichs mit warheit jehen[531] und öfnen der edlen küngein, die wird darob voll freuden sein.’ 30 Mit den worten sie hin kamen widerum zu haus und namen von einander ein gute nacht. Fürwittig sich weiter bedacht, wie er möcht durch subtilig weg den held bringn, das er niderläg. Sein bosheit die lernet[532] in das, wiewol es alls[533] verloren was.

HEINRICH STEINHÖWEL.

[Scherer D. 265, E. 261.]

Geboren zu Weilderstadt an der Wirm, promovierte 1442 zu Padua in der Medicin, wurde Arzt in Esslingen und 1450 als Stadtarzt nach Ulm berufen, starb 1482. Er ist durch seine Übersetzungen aus dem Lateinischen für die deutsche Prosa wichtig. Von seinen Übersetzungen sind besonders hervorzuheben: der Roman ‘Apollonius von Tyrus’ Augsburg 1471 (her. von K. Schröder, Leipzig 1873); der ‘Äsop’ Ulm zwischen 1476–1480 (her. von Österley, Tübingen 1873); Boccaccio’s ‘de claris mulieribus’ Ulm 1473. Die Übersetzung von Boccaccio’s ‘Decameron’ (her. von von Keller, Stuttgart 1860) wird ihm mit Unrecht zugesprochen.

1. DIE VIII FABEL VON DEN FABELN VND DEN SCHAUFEN.

Ain jünger hett besondern lust, mangerlay fabeln ze hören und batte synen maister, daz er im ain lange sagen wölte. Do sprach der maister zuo im: Wartt, daz zwischen uns itt beschehe[534] als ains mals zwischen ainem künig und synem fabelsager geschahe. Der {10} jünger batte den maister im das ze sagen; do sprach der maister: Ain künig hett ainen maister der gar vil und mangerlay hystorien sagen kunde, und wann der künig ruowen wolt, so waz syn ordnung, daz er im fünff fabeln sagen solte, damit er syn müdes gemüt und krefften wider erholet[535] und erkükte[536]. Uf ain zyt als der künig abends in syn bett gienge und den vergangen tag mit mangerlay geschäfftes überladen nun müd waz, daz er nit geschlaffen kund, begeret er mer fabeln zuo hören, wann syn gewonhait was. Der maister sagt im dry ander aber gar kurcze. Do sprach der künig: Du hast gar kurcze gesagt. Ich wolte gern ain {20} lange hören; darnach liesse ich dich schlauffen. Des verfolget[537] im der maister, und fieng an ze sagen: Ain rycher pawr[538] nam zuo im tusent pfund pfenning, und zoget uff ain iarmarkt und kouffet darumb zwei tusent schauff, ietlichs umb ain halbes pfund pfenning. Do er aber die schauff von dem jarmarkt haim trib, was der bach, über den er tryben muoss, so ser gewachsen von zuofliessendem güswasser, daz er weder durch den furt[539] noch über die brucken tryben mocht. Do suochet er mangerlai weg, wie er die schauff hinüber brächte. Ze letzt fand er ain kleines schifflin, darinne er nit mer dan ains oder zway zemal mocht überfüren. Also fänge {10} der paur an die schauff überzefüren je zwei und zwei. Mit disen worten entschlieffe der maister also by dem künige. Der künig weket in bittende, daz er die fabel gar uss wolt sagen. Do sprach der sager: Herr, das wasser ist gross und ist das schifflin klain und sint die schauff one zal. Lasse den pawren die schauff vor alle hinüber füren, so will ich darnach sagen, wie es im mit den schauffen ergienge. Mit disen schimpffworten[540] stillet er den künig, daz er benügig ward und vergündet[541] dem sager[542] ze schlaffen. Darumb, lieber sun, (sprach der lerer zuo dem jünger) wilt du mich fürbas bekümern ze sagen, so würd ich dir dises byspil für heben.

2. {20} DIE XV FABEL VON DES KÜNIGES SCHNYDER UND SYNEM KNECHT.

Untrüw umb böslist iecz gemain ist, und das du dir nit beschenhen wilt, das tuo kainem andern. Des hör ein schimpffrede. Ain künig hettainen schnyder, der ieder zyt syne klaider wol kund machen, ouch iedem menschen nach synem wesen[543]. Er hette ouch vil guoter knecht, die fast wol[544] neyen[545] kunten, under denen was ainer, Nedius gehaissen, der für die andern alle der best was. Uff ain zyt als der hochzytlich tag nachnen was, berüffet der künig den selben schnyder, und sprach zuo im. Du solt mir und mynen {30} dienern uff dises fest kostliche klaider machen, und tuo das unverzogenlich[546], und dar umb daz kain verziehen dar inn beschähe, ordnet er inen ainen obmaister Eumicus gehaissen, der in uff wartet, daz sie ennlich[547] solten arbaiten, und sie mit essen und trinken wol versähe. Uff ain zyt als Nedius nit anhaimisch[548] was, gabe Eumicus den schnydern allen warmes brot und hönig zuo ander spys und sprach zuo inen: Ir söllen Nedio synen tail behalten. Do sprach der maister, Nedius ässe kain hönig, ob er ouch da wäre. Do Nedius komen was, sprach er: Ir habent on mich geessen und mir mynen tail nit behalten. Do sprach Eumicus: Dyn maister sagt, ob du wol hie gewesen waurest, dannocht hettest kain hönig geessen. Nedius schwige dar zuo, und gedacht emsiglichen[549], {10} wie er synem maister möcht widergelten. Und uff ain zyt, do der maister nit gegenwirtig was, füget sich under andern reden, daz Eumicus zuo Nedio sprach: Sag mir, Nedie, ob du ie kain bessern zuoschnyder gesehen habest, wann dyn maister ist. Antwürt Nedius: Ja, herr, er wäre fast gut, wa die krankhait in nicht so ser bschwärte. Do in Eumicus fraget, waz krankhait er an im hette, do sprach der Nedius zuo im: Ja, herr, er würt ouch etwan so wütend tobsüchtig und so gauchlingen[550], wa man nit bald dar vor wäre mit binden oder villycht mit ruotenschlahen, nieman möchte sicher by jm belyben. Do sprach Eumicus: Habt ir aber kain {20} zaichen, dar by ir kennen mügent, wann in die krankhait an wölle stossen? Nedius antwürt: Herr, ja. Wann er umb sich hin und her senhen würt und mit den füssen[551] uff die taffeln klopffen, mit den füssen strögeln[552] und synen stuol, dar uff er siczet, uff heben, so komt die tobsucht an in. Do sprach Eumicus: So will ich dester bas[553] warten, das niemand von im geleczet[554] werde. Du tuost wol dar an, sprach Nedius. Unlang dar nach, als Eumicus und syn diener by den schnydern warent, verbarg Nedius dem maister syne scher, und als er schnyden solt, und die scher nit enfand, ward er[555] umb sich senhen und uff die büny[556] klopffen mit den henden, {30} ob er die scher itt höte, und synen stuol uff heben. Do wenet Eumicus, in wolte die tobsucht an komen, und schuoff als bald, daz man in binden solt, und do er sich weret und schryen ward, schluogen sie in so lang, uncz daz sie müd wurden und er blöd[557] ward. Do er sich aber wider erholet, sprach er: O herre warum hast du mich so hart lassen schlahen? Antwürt Eumicus. Maister, ich hab das dir zenucz gethan, wann Nedius hat mir gesagt, wie du zuo ettlichen zyten tobsüchtig werdest und nieman vor dir sicher sie, und dir nit ee noch bass geholffen werden, wann durch binden und schlahen. Do sprach der maister in zorn bewegt zuo Nedio: Sag, du schalk, wa hast du erfaren, oder von wannen waist du, daz ich tobsüchtig würd? Nedius antwort und sprach: Zuo den zyten als du erfurest, daz ich warm brot und honig nit essen mocht, do ward mir dyn tobsucht kund gethan. Diser antwürt {10} lachent Eumicus und allen gesellen, und merktent, daz er syne schuld mit gelycher müncz wolte bezalen. Nach gemainem sprichwort: Ein gefatterschaft über den zon, die andern herwider. Darumb, was du dir nit beschenhen wellest, das tuo kainem andern.

EULENSPIEGEL.

[Scherer D. 266, E. 261.]

Die vielfach erweiterte Geschichte eines Menschen des Namens Eulenspiegel, der wahrscheinlich im vierzehnten Jahrhundert wirklich gelebt hat. Sie wurde 1483 in Niederdeutschland niedergeschrieben und etwa um 1500 ins Hochdeutsche übertragen und zuerst gedruckt. Herausgegeben von Lappenberg (Leipzig 1854), Neudruck (Halle 1885).

WIE VLENSPIEGEL ZU BERLIN EINEM KÜRSSNER WOLFF FÜR WOLFFSPELTZ MACHET.

Gros[558] listige leut sein die schwaben, vnnd wo die des ersten[559] hinkommen vmb narung vnnd die nicht finden, da vertirbet ein anderer gar. Doch sein jr etliche auch mehr geneiget auff den bierkrug vnnd auff das sauffen, denn auff jhr arbeit, deshalben jhre {20} werckstat wüst ligen u. s. w. Auff eine zeit[560] wonet ein kürssner[561] zu Berlin, das was ein schwab, seins handwercks seher künstreich, auch guter anschleg[562]; er was reich vnnd hielt ein gute werckstat, denn er mit seiner arbeit an jhm het den fürsten des landts, die ritterschaft vnnd viel guter leut vnnd bürger. Also begab es sich, dass der fürst des lands ein grossen hoff[563] mit rennen und stechen des winters halten wolt, darzu er sein ritterschafft vnnd andere herren beschreib[564]. Als denn keiner der hinderst sein wil, worden zu denselben zeiten viel wolffspeltz bei dem vorgemelten kürssner zu machen bestelt. Das war Vlenspiegel gewar, kam zu dem meister vnnd bat jhn vmb arbeit. Der meister bedorfft auff die zeit gesinde, was seiner zukunfft[565] fro, vnd fragt jhn, ob er auch Wolff machen künd. Vlenspiegel sagt: ja; er wer nicht der minst[566] jm Sachssen land bekant. Der kürssner sprach: ‘lieber knecht, du kömpst mir eben recht. Kom her, des lohns wollen wir vns wol vertragen.’ Vlenspiegel sagt: ‘ja, meister, ich sihe euch wol so {10} redlich an[567]. Ihr werdet selbs erkennen, wenn jhr mein arbeit sehet. Ich arbeit auch nicht bei den andern Gesellen; ich mus allein sein, so kan ich mein arbeit nach willen vnd ungeirt[568] machen.’ Also gab er jhm ein stüblein ein[569], vnd legt ihm für viel wolffsheut, die zu peltzen bereit waren, vnd gab jhm die mass von etlichen peltzen gros vnd klein. Also begund Vlenspiegel die Wolffsfell an zu gehn[570], schneid zu vnd macht aus allen den fellen eitel wolff vnd füllet die mit hew vnnd macht jhn bein von stecken, als ob sie all lebten. Da er nu die Fell all zerschnitten vnd die wolff aus gemacht hat, da sprach er: ‘meister, die Wolff sind {20} bereit. Ist auch etwas mehr zu thun?’ Der meister sprach: ‘ja, mein Knecht; nehe[571] sie als viel du das jmer thun kanst.’ Mit dem gieng er hinaus jnn die Stuben: da lagen die Wolff auf der erden, klein vnd gros; die sahe der meister an vnd sprach: ‘was sol das sein? dz dich der ritt schit[572]! was hastu mir grossen schaden gethan! ich wil dich fahen vnd strafen lassen.’ Vlenspiegel sagt: ‘meister, ist das denn mein lon? ich hab es doch nach ewrem eigen willen gemacht; jhr hiesset mich, doch Wolff machen. Hettet jhr gesagt: “mach mir Wolffs peltz;” das het ich auch gethan; und het ich das gewost[573], das ich nicht mehr {30} danck solt verdient haben, ich wolt so grossen vleis nicht gebraucht haben.’ Also schied der gut from Vlenspiegel von Berlin, vnd lies niergent guten rhum hinder jhm, auch ward jhm selten etwas gutes nach gesagt; vnd zog also gen Leipzig.

JACOB TWINGER VON KÖNIGSHOFEN.

[Scherer D. 267, E. 262.]

Geboren zu Strassburg 1346, trat in den geistlichen Stand, starb 1420 zu Königshofen. Er schrieb eine grössere Chronik, die bis auf das Jahr 1415 reichte, und eine kleinere, die bis auf das Jahr 1391 reichte. Er folgt meist der Chronik Closeners. Herausgegeben von Hegel, ‘Chroniken der deutschen Städte viii und ix’ (Leipzig 1870, 1871).

VON DER GRÔSSEN GEISCHELFART.

Dô men zalte M. CCC. xlix. jôr, viertzehen nacht nôch sungichten[574], dô kôment gên Strôsburg wol CC. geischelære[575]; die hettent leben und wîse an in alsô ich hie ein teil sagen wil. Zuom êrsten sô hettent siu gar kostbere vanen von samîttüechern und von baldeken[576], ûf[577] zehen oder acht vanen, und alsô menige gewunden kertzen: die truog men in vor wô siu in stette oder in dörfer giengent, und stürmede alle glocken gegen in. und die geischelære giengent den vanen nôch ie zwêne und zwêne mittenander, und hettent alle {10} mentelîn an und hüete ûf mit rôten criucen. zwêne sungent vor und denne die andern alle nôch. und ir leis[578] und ir gesang was alsô.

Nu ist die betevart[579] alsô hêr[580]. Crist reit selber gên Jerusalêm; er füerte ein criuce in sîner hant. nu helfe uns der heilant! Nu ist die betevart alsô guot. hilf uns, herre, durch dîn heilges bluot das du an dem criuce vergossen hest und uns in dem ellende gelôssen hest. Nu ist die strôsse alsô bereit 20 die uns zuo unser frowen treit[581], in unser lieben frowen lant. nu helfe uns der heilant! Wir sullent die buosse an uns nemen, das wir gotte deste bas gezemen[582] aldort in sîns vatter rîch. des bitten wir dich alle glîch. sô bitten wir den heilgen Crist der aller welte gewaltig ist.

Sô siu alsus in die kirchen kôment, sô kniuweten[583] siu nider und sungent:

Jhêsus der wart gelabet[584] mit gallen: des sullent wir alle an criuce vallen. 10

und dô vielent siu alle criucewys an die erden das es clapperte. und sô siu ein wîle alsus gelôgen, sô huop ir vorsenger an und sang:

Nu hebent ûf iuwer hende, das got dis grôsse sterben wende. Nu hebent ûf iuwere arme, das sich got über uns erbarme.

und denne stuondent siu ûf, und dôtend sus dristunt[585]. und denne luodent siu die liute heim zuo imbisse[586], und eins luod zweinzig, {20} eins zehen, und ieglîches nôch sînen statten, und buttentz in wol[587].

Und dis was ir regel. Wer in die bruoderschaft wolte und an die buosse tretten, der muoste xxxiiij. tage dar inne sîn und blîben, und muoste alsô vil phennige hân, das ime alle tage vier phennige an geburtent[588]: das wôrent xj. schillinge phennige und vier phennige. und dar umbe sô entorstent siu nieman heischen[589]. siu getorstent ouch keine herberge heischen noch in kein hûs komen, men lüede[590] in denne drin, und füerte siu denne ône heischen drin. siu getorstent ouch zuo keiner frowen gereden. welcher aber das brach, der kniuwete vor sînen meister und bîchtet es ime. sô satte {30} ime der meister buosse und sluog ime mit der geischeln ûf sînen rucke und sprach:

Stant ûf durch der reinen martel[591] êre, und hüete dich vor den sünden mêre.

Siu hettent ouch ein gesetzede das siu phaffen under in hettent: aber ir keiner solte meister under in sîn noch an iren heimelîchen rôt gôn.

Wenne siu nu woltent büessen: alsô nantent siu das geischeln; das was zuom tage zwürent[592], früege und spôte; sô zogetent siu zuo velde ûs: sô liute men die glocken, und giengent ie zwêne und zwêne und sungent iren leich alsô vor geseit ist. und wenne siu kôment an die geischelstat, sô zugent siu sich ûs nacket und barfuos untz an die bruoch[593] und dôtent kittele oder wîsse lînen an, und die giengen in von dem nabel untz ûf die füesse, und leitent sich nider {10} an einen wîten creis. und wie ieglîcher gesündet hette, dernôch leit er sich. was er ein meineidiger bœsewicht, sô leit er sich ûf eine sîte und rekete sîne drîe vingere ûf. was er ein êbrecher, sô leit er sich ûf den bûch. sus leitent siu sich in meniger hande wîs nôch maniger hande sünde. dô by erkante men wol was sünde ieglîcher getôn hette. sô siu sich alsus hettent geleit, sô vieng ir meister an wô er wolte und schreit über einen und rüerte in mit sîner geischeln und sprach:

Stant ûf durch der reinen martel êre, und hüete dich vor den sünden mêre.

{20} Sus schreit er über siu alle, und über welchen er schreit, der stuont ûf und schreit dem meister nôch über die vor ime lôgent, untze siu alle ûf gestuondent. und sungent denne und geischeltent sich mit riemen: die hettent vornân knöpphe und nôlden[594] dar in gestecket; und sungent maniger hande leis. die stônt in der crôniken ûf unser frowen hûs geschriben: dar umbe lôsse ich siu hie under wegen durch kürze willen. und wenne siu sich alsus gegeischeltent und gesungent, sô las einer under in einen brief; und siu sprôchent der engel hette in von himel her abe brôcht. und in dem briefe stuont wie das got erzürnet wære über der welte sünde und wolte siu hân {30} under lôssen gôn: dô wurde er gebetten von sîner muoter und von sînen engeln das er sich solte erbarmen über die welte; und vil anders dinges stuond in dem selben briefe geschriben. und wenne der brief gelesen wart, alsô zogetent siu wider in die stat singende ie zwêne und giengent iren vanen und kertzen nôch.

Ouch wenne siu sich geischeltent, sô wart gar grôs zuo loufen, und das volk weinte und hette grôsse andâht: wan das volk wônde[595] und gloupte das der brief von dem himele her abe wære komen, und alles das siu seitent, das es alles wôr wære. und wenne die phaffen sprôchent wô by men erkennen solte das die geischelvart gerecht wær und wer den brief besigelt hette, dô entwurtent siu und sprôchent wer die ewangelien besigelt hette. Sus brôchtent siu die liute das zuo, das men den geischlæren mê gloubete denne den priestern. und wô siu in die stette kôment, dô kam gar vil volkes in ire bruoderschaft, die ouch geischelære wurdent.

{10} Zuo Strôsburg kam mê denne tûsent manne in ire geselleschaft, und siu teiltent sich zuo Strôsburg: eine parte der geischelære gieng das lant abe, die ander parte das lant ûf. und kam sô vil volkes in ire bruoderschaft, das es verdrôs den bôbest und den keiser und die phafheit. und der keiser verschreip dem bôbeste das er etwas hie zuo gedæchte: anders die geischeler verkêrtent alle die welt. wan siu nôment sich grôsser heilekeit an, und sprôchent das grôsse zeichen durch siu geschæhent. und men truog zuo Strôsburg ein dôt kint umbe iren ring dô siu sich geischelten, und woltent es lebendig hân gemachet: aber es geschach niut. dise {20} geischelvart werte lenger denne ein halp jôr, das alle wuche etwie menige schar kam mit geischelern. dô nôch machtent sich ouch frowen ûf und giengent ouch after lande und geischeltent sich. dô nôch fuorent junge knaben und kint ouch after lande in der geischelvart. dô nôch woltent diu von Strôsburg niut mê gegen in stürmen[596], und men wart ir alsô müede, das men diu niut mê zuo hûse luot alsô vor. und men geriet sagen den falsch und die trugende dô mit sin umbe giengent, und das der brief ein lugener was den siu bredigetent. und ze jungest verbôt der bôbest ire vast und gebôt allen bischoven das siu in iren bistuomen soltent die geischeler {30} abe duon und verbieten. und zuo Strôsburg gebôt men ouch das kein geischeler geturste mê das komen; und wer sich geischeln wolte, der solte sich heimelîch in sîme hûse geischeln wie vil er wolte. sus nam die geischelvart in eime halben jôre ein ende: die solte nôch ire sage geweret hân xxxiiij. jôr.

DER ACKERMANN AUS BÖHMEN.

[Scherer D. 268, E. 263.]

Dialog zwischen einem Wittwer und dem Tode. Verfasst von Johannes Ackermann aus Saaz in Böhmen 1399 nach dem Tode seiner Frau Margarethe. Herausgegeben von Knieschek (Prag 1877).

Hie bitt der ackerman fur seiner frauwen sele. Die roten buchstaben, die grossen, nennent den clager. Disz capitel stet eines betes weise und ist das vier und dreisigest capitel.

Immerwachender wachter aller welte, gott aller gotter, wunderhaftiger her aller herren, almechtiger geist aller geiste, fürst aller fürstentum, brun, ausz dem alle gutheit fleusset, kroner und die kron, loner und der lon, kurfürst, in des kurfürstentum alle kure! wol im wart, wer manschaft[597] von dir empfahet. Der engel freud unde wunne, indruck der allerhosten formen, alter greiser jungeling, {10} erhore mich!

O liecht, das nicht emphahet ander liecht, liecht, das vervinstert unde verplendet alle auszwendige liecht, schein, vor dem verswindet aller ander schein, schein, zu des achtung alle lieht sint vinsternusz, zu dem alles schatt erscheinet, liecht, das in der beginnusz gesprochen hat: werde liecht, fewr, das unverloschen ewig prinnet, anefang unde ende, erhore mich!

Heil unde selde uber alles heil unde selde, weg an allen irrsal zu deme ewigen leben, bessers, ane das dann nicht bessers ist, leben, in dem alle ding leben, warheit uber alle warheit, weiszheit, die {20} umb fleusset alle weiszheit, aller sterk gewaltiger, recht und gerecht hantbeschawer[598] und widerbringer, aller bruch gantz vermugender, satung der durftigen, labung der krancken, sigel der allerhochsten majestat, besliesung des himels armonei, einiger erkenner aller menschengedenke, ungleicher bilder aller menschenantlitz, gewaltiger planete aller planeten, gantz wurkender einflusz alles gestirnes, des himelhofes gewaltiger unde wunsamer hofmeister, zwang, von dem alle himelische ordenung ausz irem geewigten angel nimmer treten mag, liehte sonne, erhore mich! Ewige lucern[599], ewiges imerliecht, recht varender marner[600], dein koke[601] unterget nimer, panerfurer, unter des paner niemant siglos wirt, der helle stifter, des erdenkloses pauwer, des meres termer[602], der luft unstetikeit mischer, des fewers hitz kreftiger, aller element tirmer[603], doners, bliczen, nebels, schauwers, snes, regens, regenbogens, miltawes[604], windes und aller irer mitprauchung einiger essemeister[605], alles himelschen heres gewaltiger hertzog, unversagenlicher keiser, allersenftigclichster, allersterkster, allerbarmhertzigister schopfer, erparme dich unde erhore mich! Schatz, von dem alle schetz {10} entsprissen, ursprung, ausz dem alle reine auszflusz fliesen, leiter, nach dem niemant ververt[606] in allen wegen, nothaft, zu dem alle gute ding als zu dem weisel der pin[607] nehen und halten, ursach aller sach, erhore mich!

Aller seuchen widerpringender artzt, meister aller meister, allein vater aller schopfung, allweg unde an allen enden gegenwertiger zuseher, ausz der muter in der erden gruft selbmugender geleiter, bilder aller formen, gruntfest aller guten werke, alte weltwarheit, hasser aller unfletigkeit, loner aller guten ding, allein rechter richter, einig ausz dem anfang aller sachen, ewigclicher nimmerweicher, {20} erhore mich!

Nothelfer in allen engsten, vester knode, den niemant aufgebinden mag, volkomens wesen, das aller volkomenheit mechtig ist, aller heimlichen niemant gewissener sachen warhaftiger erkenner, ewiger freuden spender, irdischer wunnen storer, wirt, ingesinde unde hauszgenoss aller guten leute, jeger, dem alle spur unverborgen sein, aller sinnen ein feiner ingusz, rechter und zusammenhalter aller mittel und zirkelmasz, genediger erhorer aller zu dir rufender, erhore mich!

Nahender beistendiger aller bedurftigen, traurenwender aller in {30} dich hoffender, der hungerigen widerfuller, ausz nichts icht, ausz icht nichts allein vermugender wurker, aller wesen zeitwesen unde immerwesen, gantz mechtiger erquicker, aufhalter unde vernichter des wesens, aller ding aussrichter, visirer, entwerfer und abenemer, gut uber alle gut, wurdigster ewiger herre Jesu, empfahe gutlichen die sele meiner aller liebsten frauwen! Die ewige ruwe gib ir, mit deinen gnadentawe labe sie, unter den schatten deiner flugel behalte sie, nim sie, herre, in die volkomen genuge, do genugt den minsten als den grosten; la sie, herre, von dannen sie komen ist, wonen in deinem reich bei den uberseligen geisten!

Mich rewet Margaretha, mein auszerweltes weip. Gunne ir, genadenreicher herre, in deiner almechtigen unde ewigen gotheit spigel sich ewigclichen besehen, beschawen unde erfrewen, darin sich alle engelischen kor erleuchten!

{10} Alles, das unter des ewigen fanentragers fanen gehoret, es sei welicherlei creature es sei, helfe mir ausz hertzengrunde seligclichen mit innigkeit sprechen: Amen!

NICLAS VON WYLE.

[Scherer D. 268, E. 263.]

Ein Schweizer, geboren zu Bremgarten, Schulmeister zu Zürich; 1445 Rathsschreiber zu Nürnberg, 1449 Stadtschreiber zu Esslingen, 1469 im Dienste des Grafen Eberhard zu Würtemberg, starb 1478 oder 1479. Er hat wie Steinhöwel durch seine Übersetzungen aus dem Lateinischen Bedeutung und übertrug unter andern den Roman des Äneas Silvius ‘Euriolus und Lukretia,’ die lateinischen Bearbeitungen Petrarcas und Leonardo Aretinos von Boccaccios Novellen ‘Griseldis’ und ‘Guiscard und Sigismunde.’ Seine Werke wurden vermuthlich zuerst 1478 zu Esslingen gedruckt und öfter wiederholt unter dem Titel: ‘Translatzion oder tütschungen etlicher bücher Enee Sylvij, Pogij florentini,’ etc. Herausgegeben von von Keller (Stuttgart 1861).

VORREDE.

[Im Original steht jedes Mal an Stelle des Semicolons ein Häkchen mit untergesetztem Punkt.]

Dem edeln hochgelerten vnd strengen herrn Jergen von absperg ritter vnd doctor der rechten minem lieben herren günner fründ vnd gebieter Enbütt[608] jch niclaus von wyle, des hochgebornen herren herrn Vlrichs grauen zů wirtemberg vnd zů Mümpelgarte etc., mines gnedigosten herren minster[609] cantzler vil hails. du haust (fürtreffender[610] vnd wytverrümpter mane) vor langem; als du des {20} yetz genanten mines gnedigosten herren lanthofmaister gewesen bist; min translatze vnd tütschung boecy de consolacione philosophie zů meren maulen gelopt vnd mir gerauten? die gedruckt, vsz zegeen laussen Vnd als jch das dozemaul nit tůn mocht, vrsachen halb, daz das letscht[611] bůche nit gantz zů end gebraucht was; rietest du; daz jch doch dann etlich ander miner translatzen vnd schriften; die jch in vergangen zyten vsz schwerem vnd zierlichem latine nit aune arbeit zů tütsch gebracht hett; wölt laussen trucken vnd vsgeen; vmb daz die menschen, vil klůger dingen dar Inne begriffen; vnd so zewissen gůt sint ouch antailhäftig werden möchten, vnd ir gemüt zů zyten darmit in kurtzwyle ergetzen. wie wol jch nu {10} waisz dero vil sin[612]; die dise min translaciones schelten vnd mich schumpfieren[613] werden vnd sagen; daz die an vil enden wol verstentlicher möchten worden gesetzet sin, dann von mir beschechen syg[614] noch dann[615] dinem raute vnd gůt beduncken nauch (die ich acht sin oraculum appolinis) so wil ich sölich[616] min translaciones yetz laussen vszgeen; bis vf boecium den jch noch etlicher vrsachen halb wil verhalten[617]. vnd gestee[618] disen maistern minen schumpfierern jrer schuldigung nechst gemelt[619] danne war ist, daz jch in der ersten translatze von Euriolo an den anfange in der andern epistel von Enea siluio an marianum sozimum gestellet; dise latinischen wort {20} (Sed inuenies aliquos senes amantes, amatum nullum) Also hab getütschet vnd transferyeret; du findest aber etlich alt liebhabend mane; aber liebgehapten kainen. Welche wort Ich wol verstentlicher hett mugen setzen also. du findest aber etlich alt mane die frouwen liebhabent; Aber kainen alten findst du, der von frouwen werd lieb gehept. jch waisz ouch daz mir so wyt vszlouffe[620] hier Inne erloupt gewesen wer nauch dem vnd[621] oracius flaccus in siner alten poetrye (als du waist) schribet; daz ain getrüwer tolmetsch[622] vnd transferyerer; nit sorgfeltig sin söll; ain yedes wort gegen aim andern wort zeverglychen, sunder syge[623] gnůg; daz zů zyten ain {30} gantzer sine gegen aim andern sine verglychet werd. als ich dann ouch oft vnd vil in disen nauchfolgenden translatzen an andern orten getaun han vnd etwenne[624] genötiget tůn můst; von gebruch wegen[625] tütscher worten gegen den latinischen; dero der grösser folle[626] ist, in dem latine (als wir dann oft mit ainandern von sölichen worten), etas senium senectus. vnd mens animus. felix beatus. vnd der gelychen hunderterlay geredt hant, daran vns gebruchh ist aigenlicher tütscher worten vnd darumbe man die vmbreden[627] můsz. daz Ich aber kom da hin ich wolt, vnd verstanden werd, warumb ich dise translaciones vf das genewest[628] dem latin nauch {10} gesetzet hab; vnd nit geachtet; ob dem schlechten gemainen vnd vnernieten[629] man das vnuerstentlich sin werd oder nit. das ist darumb. Ich waisz du haust gelesen daz leonardus aretinus der gröst vnd beste redner vnd dichter, so zů vnsern zyten gelept haut in ainem tractaut de studys literarum, schribet der hochgebornen vnd wolgelerten fürstin baptiste de malateste, die dann zů diser kunst wolredens vnd dichtens (die wir nennent oratoriam) entzündet waz; daz sy nit durch ützit[630] belder vnd bas zů sölicher begerter kunste komen noch die erfolgen[631] möcht; danne daz sy oft vnd vil lese in geschriften gůter vnd zierlicher gedichten vnd {20} sich darInne emsenklich[632] übte; vnd lesung grober vnd vnzierlicher gedichten vermitte[633] vnd die fluch[634] als ain dinge hieran aller grösten schaden geberende. disen raute haut ouch geben der hochgelert poet Eneas siluius dem durlüchtigen fürsten vnd herren hertzog Sigmunden von österrych zů zyten siner Jünglikait[635] in ainer epistel die in diesen minen nauchfolgenden translacionen ouch funden wirt. Vnd sagent dise bed. daz durch sölich emsig lesung gůter vnd zierlicher gedichten; dem lesenden menschen, haimlich und verborgenlich nauch vnd nach wachse, ain naigung geschicklichkait vnd arte; daz der selb mensch ouch vf sölich {30} form werd vnd müsz arten[636] zereden zeschriben vnd zedichten. füro hort ich[637] ains mauls als ich zů nüremberg rautschryber was; von dem hochgelerten wyt verrümpten redner hern gregorien haimburg beder rechten doctor; den du allain; an kunst wyshait vnd gesprechnüsz[638] yetz tůst verglychen von vns ersetzen (got syg jm barmhertzig) daz er sagt; daz ain yetklich tütsch[639], daz usz gůtem zierlichen vnd wol gesatzten latine gezogen vnd recht vnd wol getranferyeret wer; ouch gůt zierlich tütsche vnd lobes wirdig, haissen vnd sin müste, vnd nit wol verbessert werden möcht. dem allem nauch; do mir vor zyten vil wol geschickter Jüngling, erberer vnd fromer lüten kinder ouch etlich baccalary von manchen enden her zů tische in min cost wurden verdinget; die in obgemelter[640] kunste schribens vnd dichtens ze Instituwieren zeleren vnd zevnderwysen; {10} fielent mir zů; diser dryer höchstgelerter mannen rät vnd lere; die mich bewagten[641]; daz jch ye versůchen wollt; etlich costlich zierlich vnd verrümpte latinisch gedichte von den gelertesten mannen vnser zyten in diser kunste; gemachet in tütsch zebringen vnd aller maiste die; so disen minen jungern lustig vnd kurtzwylig wurden zelesen; vmb des willen daz vsz dero emsiger lesung in Inen die art wůchs dar von obgemelt ist. als bald jch aber aine oder zwo translaciones volbraucht; vnd die an den tag kament; ward ich von etlichen fürsten fürstin herren vnd frouwen gebetten wyter etliche andere ding zetranferyeren; welich bitte mir {20} wauren ain gebotte vmb nichte zeuerachten. Diser beder vrsachen halb; minen jungern zů gůt; vnd das ich disen herren vnd frouwen jrs willens ouch lebte, vnd also (wie daz sprüchwort ist) mit ainem ainigen zů gelte[642], zwo töchtern hin geben vnd usstüren möcht; hab ich sölicher translacionen etwa vil gemachet; dero ich dann als vil her nauch folgent yetz lausz vsgeen dinem raute nauch obgemelt; Nu hab ich vor etlichen Jaren die colores rethoricales ains tails getransferyeret vnd Jn ain verstentlich tütsche gebraucht; vnd wird yetz von vilen gebetten; darjnne ze volfaren[643] die vsz zemachen[644] vnd gedruckt hin nauch[645] zegeen lavssen; so sint ander gelert die {30} mir daz wider rautent; sagende; daz yemer schad were; daz mancher vngelerter grober laye; dise loblichen kunst von marco tulio cicerone vnd andern so kostlich gesetzt, erfolgen vnd vnderricht werden sölt aune arbeit; die doch vil der gelerten nit anders danne mit arbait vnd groussem flysse haben erfolget vnd zů dero verstentnisz vnd bruhe[646] komen sint; deshalb lieber herre vnd gebieter Ich hierInn hitthabe[647] vnd nit waisz was mir zetůn gebürret[648], danne daz Ich das diner hohen vernunft haim setz[649] vnd gib; Und was du ainiger hierInne rautest vnd vrtailest; dem wil ich leben vnd folg tůn vnd niemant anderm. wo du ouch daz rietest so wurd jch die exempel aller farwen vnd colorn ains tails wysen vnd laiten vf dise nachfolgenden translaciones. In welcher vnd an welchem blatte man die finden wurd. deshalb aber not gewesen ist; mich in disen translatzen by dem latin (so nechst ich {10} mocht) beliben sin, vmb daz nützit[650] der latinischen subtilitet durch grobe tütschung wurd gelöschett[651], vnd wil hiermit mich gegen disen groussen maistern minen schumpfierern gnůgsam verantwort han. dwyle[652] ich aber diner wyshait allain haim geben hab zeurtailen ob ich die colores rethoricales söll laussen ersitzen[653] oder zů ende bringen; so kum ich widerumb vf den vorgenanten doctorem gregorium hainburg; der zů minen zyten zů nürenberg von aim erbern raut daselbs minen lieben herren besöldet was; vnd uf ain maul zů mir redt; daz er in der latinischen rethorick wenig ützit fund zů zierung vnd hofflichkait loblichs gedichtes dienende; daz {20} nit in dem tütsche ouch statt haben vnd zů zierung sölicher tütscher gedichten als wol gebrucht werden möcht als in dem latine etc. daz ich nauch emsiger erfarung diser dingen sidher getaun; yetz gantz geloub vnd dir des ain mustre schick nit wyter danne an den gemainen figuren die wir nennen gramaticales dann warumb solt ich nit wol vnd recht reden oder schriben? die stat costentz das hochzyt ostern der manot[654] maye? daz jm latin haissent apposiciones vnd warumbe nit wol? jch armer schryb so du rycher růwest[655]? daz jm latine sint euocaciones. warumb nit recht? Ich vnd du louffen du vnd der schribent die da haissen concepciones {30} numeri vnd personarum. so ferre man zwüschen disen worten schriben vnd schribent louffen vnd louffent vnderschaid haben wölt in personis als etlich tůnt. Item warumb nit? Ich niclas von wyle vnd Ich Cristina sin elich huszfrouwe Bed burger zů Nüremberg etc. für burger vnd burgerin. Und Jerg rat vnd dorothea von wyle sint liebhaber gotes etc. für liebhaber vnd liebhaberin daz da sin concepciones generis. warumb nit wol vnd zierlich? Ich schryb wie du. du redest wie Ich oder der. die zů latin genennet werden zeumates oder zeume Vnd warumb nit zierlich vnd recht? dise louffent. der bald vnd der gemachh. vnd dise schribent. der wol; vnd der v̈bel. die da haissent prolempses. Item warumb solt nit wol vnd recht geredt oder geschriben sin. bescheche aber daz wir bede oder vnser ains todes abgienge etc. oder bescheche daz vnser ains oder wir bede todes abgiengent. oder bescheche, {10} daz vnser ains todes abgieng oder wir bede etc. vsz der satzung prisciani de verbi propinquioris conformacione also vnd dem gelych mugen die colores rethoricales vnd die transumciones gar nauch alle in tütschen gedichten wie in dem latine gebrucht werden; als du selbs daz bas waist danne jch dir dar von schriben könn oder mug. aber ir groussen patrone tůnt üch nützit annemen noch beladen; so klainer dingen sunder[656] allain grösser; also daz not wer (wie tulius schreibt) daz ainer zeuor ainen menschen ertötet hett der sich üwer hilf wölt gebruchen. Aber anders waisz ich sin an dir, gegenm mir; des hertze du in trüwen erkennest, vnd der du {20} waist daz nützit ain waurer fründe sinem fründe getůn mag gůtes; daz er jm nit schuldig syg; vnd darumb, so wil ich des warten diner vrteil; darInne du dich nit abfüren[657] lassen wöllest dises min langes schriben, dar usz du mich[658] nach diner wyshait merckest (waisz ich) vf wedern taile ich genaigter wer[659]. aber ich wil noch danne lieber wenig geltes[660] mangeln; danne tůn; daz von dir vnd andern hochgelerten sölt werden gescholten. jch wirt ouch noch dann nützit dester minder min translatze boecy de consolacione gedruckt laussen usgeen. wie wol mir darzů schaden komen wirt; daz nechst by vier Jauren ain andere translatze desselben boecij {30} ouch gedruckt usgangen vnd Jn werdem kouffe[661] vertriben worden ist; Vnd haben diser köffern[662] vil gewändt sölich translatze syge min gewesen; nauch dem vnd vor gesagt worden was, Das die In miner schmitten[663] leg vnd bald vsgeen sölte; das Ist aber mir dargegen zů troste; daz sölicher köffern wenig sint, die da sagent daz sy dise translatze mercken oder versten mugen etc. Ich heb aber dich edeln hochgelerten vnd wytverrümpten ritter zelang vf[664], mit disem minem langen schriben; Vnd ja wol zelangem; dan so oft Ich die federn in min hande nim; dir ützit zeschriben; so waisz Ich kain rechte form me schribens noch rechte mausz vf hörrens; Als jch doch yetz hie (gebruchh halb der zyt) stumpf[665] vf hören můsz vnd wil; Mit flysz bittende, daz du mir sölich vorgemelte vrtail vnd din gůt beduncken hierInne; fürderlich[666] vnd so {10} Erst gesin mug schicken wöllest, vnd mich gegen minen schunpfierern wo du die hören wurdest; usz obgemelten vrsachen getrülich verantworten; so ferre dich beduncken werd; das du sölichs vsz waurhait billich vnd wol tůn mugest; wil Ich das v̈brig so Ich noch wyter dir geschriben haben wolt; In der fädern stecken laussen; der hoffung, daz gelück schier fügen werd; daz wir persönlich zesamen komen vnd sölichs vnd anders muntlich vsz gerichtem. mugen Geben zů stutgarten vf dem fünften tage des aberellen[667] Anno domini. M.CCCC.LXXVIIJ.

ERASMUS.

[Scherer D. 272, E. 267.]

Geboren 1466 zu Rotterdam, gestorben 1536 zu Basel. Einer der berühmtesten Humanisten des sechzehnten Jahrhunderts. Sein ‘Lob der Narrheit,’ woraus eine Probe folgt, schloss sich an Brands Narrenschiff an und ist eine Satire auf die kirchlichen und wissenschaftlichen Zustände seiner Zeit.

DE PHILOSOPHIS.

{20} Sub hos prodeunt philosophi, barba pallioque verendi, qui se solos sapere prædicant, reliquos omnes mortales umbras volitare. Quam vero suaviter delirant, cum innumerabiles ædificant mundos, dum Solem, dum Lunam, stellas, orbes tanquam pollice filove metiuntur, dum fulminum, ventorum, eclipsium ac cæterarum inexplicabilium rerum causas reddunt, nihil usquam hæsitantes, perinde quasi naturæ rerum architectrici fuerint a secretis, quasive e deorum consilio nobis advenerint, quos interim Natura cum suis conjecturis magnifice ridet. Nam nihil apud illos esse comperti, vel illud satis magnum est argumentum, quod singulis de rebus inexplicabilis inter ipsos est digladiatio. Ii cum nihil omnino sciant, tamen {10} omnia se scire profitentur, cumque se ipsos ignorent, neque fossam aliquoties aut saxum obvium videant, vel quia lippiunt plerique, vel quia peregrinantur animi, tamen ideas, universalia, formas separatas, primas materias, quidditates, ecceitates videre se prædicant, res adeo tenues, ut neque Lynceus, opinor, possit perspicere. Tum vero præcipue prophanum vulgus aspernantur, quoties triquetris et tetragonis, circulis atque hujusmodi picturis mathematicis, aliis super alias inductis, et in labyrinthi speciem confusis, præterea literis velut in acie dispositis, ac subinde alio atque alio repetitis ordine, tenebras offundunt imperitioribus.

LOB DER THORHEIT, VERTEUTSCHT DURCH SEBASTIANUM FRANCKEN VON WÖRD.

Philosophi die weisen Narren.

Nach disen tretten herfür die Philosophi, das ist, die liebhaber der Weyssheit, mit Barth vnd Mantel eerwirdig vnd zů förchten. Welche fürgeben sie seien allein weyss, Die andern Menschen allzůmal wie einen fliegenden schatten vnd flüchtigen geist haltende. Wie sůss aber dollisieren[668] vnd narren sie, so sie vnzalbare welt bawen, so sie die Sonnen, den Mon, Stern, Welt etc. gleich als mit einem finger vnd faden abmessen. So sie der wind, blitz, finsternus, vnd anderer vnerforschlichen ding vrsach vnd grund {20} angeben, wo sie herkommen. Haben niendert kein Zweiffel, gleich als seien sie dem Bawmeister vnd erschaffer der natur der ding beisitzer vnd Secretari gewesen. Ja gleich als seien sie vns auss dem heymlichen Rath der Götter herkommen. Welche die weil die natur mit jrer kunst vnnd gegenwürffen gar dapffer verspott. Dann das dise nichts gewiss haben, ist das gnůgsam ein gross anzeygen, das von allen vnd jeden sachen ein vnaufflösslicher kampff vnd Disputatz vnder jnen selbs ist. Nun wiewol sie gar nichts wissen, wöllen sie doch alle ding wissen, so sie sich selbs nit wissen, noch gnůg erkennen. Auch zů zeiten ein grůb oder vorragenden {30} eckstein nit sehen, darumb das sie entweder schier all trieffende augen haben, oder das jn gemüt vnd sinn so spacieren geen. Doch geben sie für, wie sie sehen aller ding wesen, art, natur, seel, innwendig form, vrsprung, vnd ersts herkommen, auss was materi alle vnnd jedes ding gemacht sei, wie gross, weit, vnd dick, welcher gestalt vnd art auch die verborgen geist vnd schatten seien, wie vil würblen vnd füncklen die Sonnen von sich geb, wie gross der Mon, wie vil sands am Mör, stern im himmel, wie gross ein jeder, etc. so subtil ding, das auch Lynceus, acht ich, nit möcht durchsehen. Dann aber verachten sie fürnemlich den gemeinen Böfel, so offt sie mit jrem runden Triangel, vierecktem circkel, vnd mit der gleich Mathematischen instrument vnd Circkel einen riss über den andern ziehen, vnd so vil riss in einander werffen vnd mischen, das niemandt weyss, wo er drauss soll kommen, vnd gleich ein irrhauss, wie Labyrinthus ist gewesen, drauss machen. Darnach verordenen sie etlich bůchstaben in die spitz der riss, vnd weil sie immerdar einen fund vnd subtilitet über die andern finden, machen sie die sach den vngelerten fast schwer vnd finster, Ja ziehen jn gleichsam ein nebel vnnd fell für die ohrn, augen vnd verstandt.

EPISTOLÆ OBSCURORUM VIRORUM.

[Scherer D. 273, E. 269.]

Der erste Theil erschien 1515 und hatte Crotus Rubianus zum weite Theil, an dem Ulrich von Hutten stärker betheiligt war, erschien 1517. Die Briefe wurden veranlasst durch einen Streit Reuchlins mit den Kölner Theologen und sind eine in Küchenlatein geschriebene Satire auf den Scholasticismus und die Geistlichkeit der Zeit. Herausgegeben in Böckings ‘Hutteni opera’ (Supplement, Leipzig 1864–1869, 2 Bde.).

Lyra Buntschuchmacherius 20 ordinis prędicatorum theologus Guillermo Hackineto qui est theologorum theologissimus Salutem dicit.

Vos scripsistis mihi ex Anglia de Londino unam longam litteram pulchre latinisatam, in qua petivistis quod deberem vobis scribere unam novitatem sive bonam, sive malam, quia estis naturaliter inclinatus ad audiendum nova: sicut faciunt omnes qui sunt de complexione sanguinea, et audiunt libenter cantilenas musicales, ac in mensa sunt lętę mentis. Ego fui valde lętatus, quando accepi vestram litteram, sicut qui invenit unam preciosam margaritam, et ostendi eam dominis meis Ioanni Grocino et Linacro dicens: ‘Videte, domini mei, videte, nonne iste magister noster est formalis in latinisando et componendo dictamina, et arte epistolandi?’ Et iuraverunt quod non possunt similes epistolas componere in arte latinitatis, quamvis sunt poetę, gręci et latini. Et extulerunt vos {10} super omnes qui sunt in Anglia, Francia, Germania, et omni natione quę sub cęlo est. Ideo non esset mirum quod vos estis generalis in vestro ordine, et quod rex in Gallia diligit vos: non enim habetis similem in latinisando, disputando, et prędicando, ac scitis regem cum regina optime informare in confessione. Etiam isti duo poetę laudaverunt vos quod habetis artem rhetoricalem: verum fuit ibi unus iuvenis socius, qui intitulavit se Richardum Crocum: ille pręsumpsit contra vos, quod non scribatis secundum regulas artis rhetoricalis; verum fuit valde confusus quando debuit probare. Ipse nunc stat in Lypsi et discit logicam Petri Hispani: {20} credo quod postea erit cautior. Sed accedo ad novitates. Schwitzenses et Lanssknechti fecerunt unam magnam guerram inter se, interficientes se ad multa milia: est timendum quod nullus illorum venit in cęlum, quia faciunt propter pecuniam, et unus christianus non debet interficere alium. Sed vos ista non curatis, sunt enim leves personę et sequuntur rixas ex proposito. Alia novitas est peior, deus det quod non sit vera: scribunt de Roma, quod speculum Ioannis Reuchlin est de novo translatus de materna lingua in latinum ex mandato domini papę, et quod plus quam in ducentis locis aliter sonat in latinitate quam transtulerunt magistri nostri et {30} dominus Ioannes Pfefferkorn in Colonia; ac dicunt pro certo quod Romę publice legitur et inprimitur cum Iudęorum Talmut. Ex hoc inferunt quod magistri nostri sunt falsarii et infames, quia male transtulerunt; etiam quod sunt asini, non intelligentes latinum, vel teutonicum; ac sicut combusserunt istum librum apud sanctum Andream in Colonia, sic etiam debent comburere sententiam suam, et sentimentum Parisiense, vel ipsi met debent esse hęretici. Ego possem sanguinem flere, adeo doleo: quis vult amplius in theologia studere, et magistris nostris exhibere condebitam reverentiam qui talia audit? Omnes credent quod doctor Reuchlin est profundior quam magistri nostri; quod est impossibile. Cum hoc etiam scribunt quod post tres menses debet venire finalis sententia contra magistros nostros, necnon quod papa mandabit sub pena latissimę censurę, quod fratres ordinis prędicatorum debent propter suam protervitatem portare unum album brillum sive perspicillum in sua nigra cappa in dorso ad perpetuam memoriam et scandalum, quod fecerunt iniuriam speculo oculari domini Ioannis Reuchlin, sicut {10} iam etiam dicuntur pati unum scandalum in celebratione missali propter intoxicationem alicuius imperatoris. Ego non spero quod papa erit tam stultus quod faciet: Si faciet, volumus per universum nostrum ordinem contra ipsum legere psalmum: ‘Deus, laudem.’ Ceterum patres et magistri nostri nunc cogitant quomodo possunt obviare isto malo. Ipsi volunt a sede apostolica impetrare latissimas indulgentias, et maximam pecuniam colligere in Germania et Gallia, per quam possunt resistere illi fautori Iudęorum donec moriatur: quia est senex. Et tunc volunt eum omnino damnare. Valete, et date consilium vestrum secundum vestrum {20} posse, et promovete bonum ordinis.

Fußnoten:

Notes in this chapter

Note 1 · Wissenschaft, artes liberales.Note 2 · die Schellen der Narrenkappe.Note 3 · das Seil, an dem ein Narr die andern führt.Note 4 · feiern, übergehen.Note 5 · sie haben die Kappe, i.e. die Narrenkappe, voraus zu ihrer Aussteuer; sind Narren von Haus aus.Note 6 · anziehen.Note 7 · Zipfel der Narrenkappe.Note 8 · nachfolgen.Note 9 · sich vergnügen.Note 10 · Dubia indissolubilia aus der damaligen Scholastik.Note 11 · Sortes, einer der Hauptpersonen in den scholastischen Scheinschlüssen. Posito quod Sortes semper currat donec reperiat aliquem dicentem sibiNote 12 · das Treiben.Note 13 · Floh.Note 14 · peinigen.Note 15 · Druckerei, Anstellung bei einer Druckerei.Note 16 · wüster Gesell.Note 17 · Schelle an der Narrenkappe, Zeichen eines Narren.Note 18 · stören.Note 19 · mit Falken jagen.Note 20 · niederknien.Note 21 · ordinirt.Note 22 · Jagdvogel.Note 23 · adelig.Note 24 · passend, becoming.Note 25 · Pächter.Note 26 · anschauen, to look.Note 27 · zusammenkrümmen.Note 28 · hören.Note 29 · Landmann.Note 30 · Gerichtsbote.Note 31 · Sieb, sieve.Note 32 · Mahlbeutel.Note 33 · Tuch zum Seihen.Note 34 · Wust.Note 35 · Fischnetz.Note 36 · Strassenraub des Adels.Note 37 · mishandeln.Note 38 · Gaul.Note 39 · fürchterlich.Note 40 · sobald.Note 41 · hölzern.Note 42 · theuer, werth.Note 43 · muthig.Note 44 · ehrenvoll.Note 45 · Teurdannckh, der auf Abenteuer denkt.Note 46 · männlich.Note 47 · mit nichten.Note 48 · dieser Tage.Note 49 · sagen.Note 50 · lehrte.Note 51 · alles.Note 52 · geschehen.Note 53 · widergewinnen.Note 54 · erquicken.Note 55 · befolgen.Note 56 · Bauer.Note 57 · Furth, ford.Note 58 · Scherzwort.Note 59 · vergönnen.Note 60 · Erzähler.Note 61 · Gestalt.Note 62 · sehr gut.Note 63 · nähen.Note 64 · unverzüglich.Note 65 · eifrig.Note 66 · zu Haus.Note 67 · fleissig.Note 68 · plötzlich.Note 69 · Faust, Hand.Note 70 · stampfen.Note 71 · desto besser.Note 72 · verletzen.Note 73 · begann er.Note 74 · Bühne, Arbeitsitz.Note 75 · schwach.Note 76 · sehr.Note 77 · erst einmal.Note 78 · once upon a time.Note 79 · Kürschner.Note 80 · voll guter Anschläge.Note 81 · court.Note 82 · einlud.Note 83 · Ankunft.Note 84 · der geringste.Note 85 · ich sehe euch für so redlich an.Note 86 · ungestört.Note 87 · allein.Note 88 · in Angriff nehmen.Note 89 · nähen.Note 90 · dass dich das Fieber schüttele!Note 91 · gewusst.Note 92 · Sonnenwende.Note 93 · Geissler, Flagellant.Note 94 · Goldgewebe, i. e. baldaco, Stoff aus Bagdad.Note 95 · auf, gegen.Note 96 · Leich, Gesang, lay.Note 97 · Betfahrt.Note 98 · hehr, heilig.Note 99 · trägt, führt.Note 100 · wohlgefallen.Note 101 · knien.Note 102 · erfrischen.Note 103 · dreimal.Note 104 · Mittagessen.Note 105 · bewirtheten sie gut.Note 106 · gebühren, zukommen.Note 107 · verlangen.Note 108 · einladen.Note 109 · Martyrium.Note 110 · zweimal.Note 111 · Hosen, breeches.Note 112 · Nadel.Note 113 · wähnen, to wean.Note 114 · Glocken läuten.Note 115 · Lehnspflicht.Note 116 · Schützer mit der Hand.Note 117 · Leuchte.Note 118 · Seemann.Note 119 · Schiff.Note 120 · Begränzer.Note 121 · Schöffer.Note 122 · Melthau.Note 123 · Metallarbeiter, Verfertiger.Note 124 · irre fährt.Note 125 · Bienenkönigin.Note 126 · entbiete.Note 127 · mindester, geringster.Note 128 · vortrefflich.Note 129 · letzte.Note 130 · dass deren viele sind. Niklas v. W. verwendet die Construction des Accusativs mit Infinitiv wie andere lateinische Constructionen häufig.Note 131 · herunterreissen, schmähen.Note 132 · geschehen sei.Note 133 · dennoch.Note 134 · solche.Note 135 · zurückhalten.Note 136 · bin geständig.Note 137 · ihrer eben erwähnten Beschuldigung.Note 138 · Abweichung.Note 139 · wie.Note 140 · Dolmetscher.Note 141 · es sei.Note 142 · manchmal.Note 143 · in Ermangelung.Note 144 · Fülle.Note 145 · umschreiben.Note 146 · aufs genauste.Note 147 · unkundig, ungebildet.Note 148 · irgend etwas.Note 149 · erlangen.Note 150 · emsig.Note 151 · vermiede.Note 152 · flöhe.Note 153 · Jugend.Note 154 · gelangen.Note 155 · ferner hörte ich.Note 156 · Beredheit, eloquentia.Note 157 · jedes Deutsch.Note 158 · oben erwähnt.Note 159 · bewogen.Note 160 · Mitgift.Note 161 · fortfahren.Note 162 · vollenden.Note 163 · nachher.Note 164 · Anwendung, usus.Note 165 · vermuthlich ein verderbtes Wort.Note 166 · gebührt.Note 167 · anheimstelle.Note 168 · nichts.Note 169 · verloren gehe, exstinguatur.Note 170 · weil.Note 171 · liegen lassen, aufgeben.Note 172 · Monat.Note 173 · ruhest.Note 174 · sondern.Note 175 · beirren lassen durch.Note 176 · lateinische Construction (vorausgenommenes Subject des abhängigen Satzes).Note 177 · in welcher Hinsicht ich mich am geneigtesten mache.Note 178 · Geltung.Note 179 · im Handel.Note 180 · Käufer.Note 181 · Schmiede.Note 182 · halte auf.Note 183 · mittendrin, plötzlich.Note 184 · unverzüglich.Note 185 · April.Note 186 · tollen, toll sein.
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