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Stille Welten

Weltspiel.

Reading edition

Ich durchblätterte einen alten Jahrgang des „Graphic“, den mir der Aktuar geliehen und es fiel mir auf, daß kaum in einer anderen mir bekannten Zeitschrift so viel Haupt- und Staatsaktionen, Regierungsakte, Völker- und Sittenbeschreibungen, Kriegsberichte, Ereignisse zu Wasser und Land in Wort und Bild berichtet und geschildert sind, als in diesem „Graphic“.

Als ich den Band, nachdem ich mir seine Illustrationen besehen und dies und jenes gelesen, beiseite legte, befand ich mich in einer ganz eigenartigen Stimmung. Und ich fühlte, wie in ihr sich eine Reihe sehr naheliegender, durch Anschauung und Lektüre angeregter Gedankengänge gleichsam bildlich verdichtete, gleichsam zu einer Vision oder vielmehr zu so etwas, was ich fast eine Vision nennen könnte... denn es war kein deutliches Bild, mit den ganz bestimmten plastischen Eigenschaften eines solchen, sondern mehr das Gefühl eines eigentlich Undefinierbaren und Unbeschreiblichen, für das sich dennoch aber ein bildliches Symbol etwa in einem unablässig fluktuierenden Kristallisationsprozeß finden ließe. —

Mir war, als wenn das alles ein höchst eigenartiges konzentrierendes Denken sei, das Alles Einzelne unwillkürlich immer zu einer Einheit führt und in einem engen Zusammenhange mit dieser Einheit erkennt, so wie der religiöse Mensch alles auf Gott zurückführt und in allem Gott erkennt und ihn etwa als ein fortwährend und beständig sich zugleich bildendes und lösendes Allcentrum anerkennt, fühlt und glaubt, ein Centrum in diesem fortwährenden Sichbilden und zugleich Sichlösen ewig und unvergänglich und mit diesen beiden parallelen Eigenschaften eine Einheit. —

Das sah ein Fühlen, das... Ja, was könnte da gesagt werden...

Nun spielt sich’s aus einer, ich möchte sagen, gleichsam mathematischen inneren Anschauung ins Menschliche, Organische, in den Bereich des Geformt-Körperlichen, kommt es näher, kommt Er näher, oder Es —, ein doppeltes in einer Einheit, eine zwiefache Einheit, das Widerspiel und Ineinanderspiel des Männlichen und Weiblichen in Einem. — —

Das Denken der Menschheit hat durch Milliarden von Generationen Gott gesucht, um immer deutlicher zu erkennen, daß sein Ziel nur die Menschheit selbst ist, und im letzten Grunde wieder das Individuum, aber nicht bloß das menschliche, sondern das Individuum überhaupt, und der Mensch als Individuum.

Und was ist das, dieses Individuum? Ein sich Bildendes, Wandelndes, dunkel Wollendes; eine — causa movens? Ein... das letzte Rätsel! — Das Unenthüllbare!...

Staatsaktionen, Herrscher, tägliches Lebensspiel ...

Wie denn nur? — Alles hat seine Würde, und alles ist doch ein Gleitendes, Fließendes.

Ich sitze immer nur vor diesem einen Strudel und sehe immer nur dieses sein Kreisen...

Ich sehe ein ungeheures Netz. Worte und Werte seine Knoten. Die ewigen dunklen festen Runen, das Geistige... Und alles, alles wird Wort, und ist...

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“...

Da ist ein Bild in meinem „Graphic“.

Unterschrift: „The expulsion of the Jesuits from France. — Inside the convent. — The Commissary of police reading the decree of expulsion before breaking open the inner door.“

Die gehalten-bestimmte, höflich-liebenswürdige Haltung der Beamten; das finstere, mürrisch-erstaunte und betroffene und doch haltungsvolle Gesicht der Patres. Die Beamten fragen und machen ihre Notizen.

Man respektiert sich und vollbringt möglichst gelassen das — Notwendige...

Fertige, alte, kluge Zeit.

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