Das Rosenfest.
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Ach! Meine Moosrose ist aufgeblüht! — Über Nacht! — Meine Morgenüberraschung, wie ich aus der Kammer ins Zimmer trete.
Es ist ein trüber Tag, aber trocken. Nur die Wolken hängen so grau und schwer und ruhig. Ein beinahe winterliches Licht. — Im Ofen flackert das Feuer.
Aber wie ich mich nun, nach dem Mittagessen auf das Sofa gelegt und mir meine Cigarre angezündet habe und die Rose betrachte, ist es ein Fest, ein wahres Fest, das nichts von seiner erhebenden Wirkung einbüßt, weil es ein so stilles und einsames ist. — Man kommt dahinter, daß sie von der Art die besten sind. —
Schlank! Ein schöner schlanker Stock! — In diesem gleichmäßig ruhigen Licht, das im Zimmer herrscht. Zart und zierlich mit der reinlichen Form seiner dunkelgrünen Blätter. Und dieser feingezackte Rand! — Und vor allem die Blüte! — Schön wie ein Traum! — Diese eine Blüte mit ihrer gekräuselten Fülle, mit diesem herrlichen Gelb und seinen roten Tönungen nach dem Innern des Kelches zu. —
Die Rose!... Die Blume der schaumgeborenen Aphrodite, vom Blut des geliebten Adonis gefärbt.
Die heilige Blume der Musen und Grazien.
Die heilige Blume des Dionysos.
Lydische Flötenspielerinnen mit Rosen bekränzt.
Sie, in uralten Tschuktschengräbern gefunden, der Liebling und die Freude der Menschen schon vor mehr denn fünftausend Jahren vor unsrer Zeitrechnung! —
Was das alles für Gedankengänge anregt! —
Die Blume der Liebenden. — Die Liebe. — Die Liebe eine Krankheit. — Und der Schmerz! — —
Der Schmerz. —
Was fällt mir da ein! —
Es ist Winter und alles ist dicht verschneit. Jeder Laut ist wie von weiten dichten Teppichen gedämpft. — Es ist ein Tag nach dem Begräbnis. Die Erwachsenen sitzen still oben im Zimmer, in ihren Trauerkleidern, und hängen ihren Gedanken nach. Wir Kinder aber sind auf den Hof hinuntergegangen; diesen großen Gutshof mit seinen verschneiten Stallgebäuden und Wagenreihen. Große Kinder sind wir schon, dicht vor und nach der Konfirmation. Und wie wir nun den schönen weißen Schnee sehen, da löst sich’s uns wie ein Bann und alle Trauer ist vergessen. Hurtig bücken wir uns, und im nächsten Augenblick ist die fröhlichste Schneeballschlacht im Gange. Aber das Lachen und Rufen hat die Wirtsfrau in die Flurthür gelockt, und sie droht mit dem Finger und mahnt mit ernst-lächelnder Miene.
Wir erschraken damals und schämten uns, und einer von uns quälte sich nachher noch lange mit seinen stillen Reuegedanken und hatte seine Betrachtungen, wie schnell man vergißt und — vergessen wird...
Und doch: wie natürlich das alles war!... Und weiter: es fällt mir in seiner ganzen Bedeutsamkeit das biblische Wort ein: „So ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!“...
Heimliche Dornenwunden ihr! — — —
Ah was doch! Keine sündigere Wonne, als die Wonne an den Schmerzen!...
Ich sehe aus meiner Rose heraus ein schönes starkes Gesicht, ein Gesicht mit runden hellen Sonnenaugen, und in ihnen, zu schönem Maß gebändigt, jenen süßen Wahnsinn, der aller Freude heimlichste Energie bedeutet.
Wie ein Flötenlied prangt diese königliche Blüte, und ich bin in den Gefilden der Schönheit und der Feste und des Vergessens, im Sonnenland eines klugen Rausches...