Nachtgang.
Reading edition
Abends in der Schummerstunde, wenn er eine Weile auf seinem Tafelklavier herumphantasiert hat, gute altfränkische Weisen von einer rührenden romantischen Sentimentalität, die einen wie Geistergrüße anmuten, fängt Herr Haberland wohl auch gelegentlich mal an über religiöse Dinge zu reden, so melancholisch-versonnen, nach dem Kleinkram des Tages: ich weiß nicht, es imponiert mir immer und ich komme dann unwillkürlich so halb und halb mit in seine Weise hinein. — Die Madame sitzt dann mit einem Strickstrumpf auf ihrem geflochtenen Lehnstuhl und schlummert so nach und nach vor Andacht ein.
Nun ist Herr Haberland zwar ein Freigeist, aber nicht ohne eine gute Portion Romantik. So sprachen wir gestern über Unsterblichkeit. Er glaubt daran; ja, sie ist ihm ein notwendiges Erfordernis. Man weiß, dieses Erfordernis der Vernunft: das gar zu Unausgeglichene muß in einem zukünftigen Leben notwendigerweise einen Ausgleich erfahren. — Die Armen, Unterdrückten, Leidenden wurden ja immer auf den „Himmel“, auf einen Ausgleich nach dem Tode verwiesen. — Nun, was soll man dazu sagen: aber, es ist doch sonderbar, wie einen so ein Glaube packen kann! — In einen ganz absonderlichen Zustand war ich gekommen. —
Es ist die richtige Schummerstunde. Der Tag mit allen seinen Lauten ist verebbt, und einzelne Töne und Geräusche nur regen sich aus dem Beruhigt-Friedlichen heraus, mit diesem unbeschreiblich stillenden Zauber. — Im Zimmer liegt das letzte Licht; so heimlich-heimisch. — Und nun dieser, wenn auch bescheidene, kleinbürgerliche Wohlstand, der etwas Altväterliches hat, daß sich einem allerlei Glaube und wohl auch Aberglaube anschmiegt. — So „alt“ und „klug“ man geworden: unwillkürlich läßt man es sich gefallen, und alles was in einem „Atavismus“ ist: man fühlt nicht ohne ein stillgerührtes Geltenlassen, wie es sich belebt, und man spürt dann wohl auch im Alten die Wurzeln alles dessen, was im Laufe der Jahre in einem neu geworden.
In dieser Umgebung, unter solchen Einwirkungen hört man aus einer gleichen Stimmung heraus eine derartige Meinung, die Meinung eines wenn auch in schlichter Weise nach des Tages Müh und Plage auf das Ewige und Höhere gerichteten Sinnes. —
... In unserem Gespräch ist eine lange inhaltreiche Pause eingetreten. Die ausgetauschten Gedanken wirken noch nach und sind zu einer unaussprechlichen Stimmung geworden. Der kleine blonde Herr Haberland hat sich auf seinem Ledersesselchen wieder zum Clavier herumgedreht und phantasiert in leisen Accorden. — So halb und halb ist mir: es mag wohl ein Motiv aus dem „Freischütz“ sein, das er variiert. — Halb unbewußt auch spür’ ich das bleiche Schimmern der letzten Lichter auf der sauberen Ordnung der Zimmergegenstände und den roten huschenden Wiederschein der Ofenglut. — Diese schlichte Meinung über eine persönliche Unsterblichkeit, die ich noch mit all dem intimen Zauber einer individuellen Äußerungsweise in mir empfinde, jene halb wahrgenommenen Eindrücke von diesen bleichen Lichtreflexen und diesen Gegenständen, die sich aus der hereinbrechenden Dunkelheit hervorheben: plötzlich ist mir ein Gedanke gekommen, von dem ich fühle, daß er fruchtbar werden will, in dessen unterbewußten Tiefen ich mit innerlichstem Erbeben einen ganzen mächtigen Reichtum geheimnisvoller Ideenverbindungen ahne, deren Zustandekommen klar zu legen unmöglich sein würde. — Ein Gedanke: daß die Urbewegung der Materie und die organisch-geistige, welche diese Zimmergegenstände zu Stande gebracht, die jenen Gedanken, den Herr Haberland vorhin geäußert, die diese musikalischen Phantasieen hervorbringt, nicht in einem wirklichen, sondern nur in einem gradweisen Unterschied zu einander stehen und daß sie im Grunde ein und dasselbe und ein Gleiches sind, so entgegengesetzt sie einander scheinen. — Und ich empfinde diesen so plötzlich auftauchenden Gedanken als das Glied einer unbewußten Analyse die aus einem unsagbar feinen und intimen Zusammenhang heraus das Zustandekommen jener Meinung über eine persönliche Unsterblichkeit zu begreifen, zu werten sucht, und sie bereits als eine unumstößliche Wahrheit und Gewißheit verwunderlich weiß. —
Eine gesteigerte verfeinerte Gehirnthätigkeit bringt mich in einen seltsamen Zustand, in dem ich feinere Wahrnehmungen habe, als gewöhnlich, und es ist mir, als ob nicht nur mein Denken logische Schlußfolgerungen zöge, sondern als ob auch dies seltsame verfeinerte Fühlen, diese verschärfte Thätigkeit meiner Sinne fühle, denke, beweise. — In der stillen Wonne dieses halb und halb seherischen Zustandes drängt es mich aus dem Zimmer in die Einsamkeit. Ich nehme meinen Hut und trete auf den Flur hinaus. An der gelben Wand hängt das Küchenlämpchen, das ihm eine trübe Helle giebt. Unter meinen Füßen fügen sich die roten Backsteine aneinander, mit denen der Boden gepflastert ist. — Oben schimmert ungewiß seine weißgetünchte niedrige Decke.
Ich öffne die Hausthür. Die Flurschelle bimmelt. Nun bin ich draußen...
Es ist ein wundersamer Herbstabend.
So klar ist der Himmel, daß alle Sterne strahlen. Das Gewimmel der Milchstraße zieht sich breit hindurch. Unten, am Fuße des Hügels, seh’ ich aus der Dämmerung die Masse der Häuser zwischen dem Laub der Gärten, sehe die roten Fenster und die träumerischen Firste, hohe und niedrige, mit den stillen Reflexen der Sternlichter, und ich höre dies verwehte Gekläff der Hofhunde. Eine Frische weht von dem Bergland herüber. Am Ende unsrer Häuserreihe hier oben schimmert es mit seinen runden Linien bleich, ungewiß unter der herrlich entfalteten Pracht des Sterngewimmels.
Es treibt mich an den Häuserchen entlang. Dicht streif’ ich an der traulichen Helle ihrer Fensterchen hin, vorbei an dem matten Schimmer ihrer hellbunten Tünche. Wie eine Vision empfind’ ich diese Eindrücke, wie ich gleichsam mitten in all diesen Gedanken und Halbgedanken hingehe, halb getragen von dem Rhythmus ihres seltsamen Lebens.
Ich bin über das letzte Häuschen hinaus. Das Stacket seines Hofes springt weit ins Einsame des Höhenlandes hinein. Und nun schreite ich vorwärts auf dem Saum der Höhe in die Nachtfreiheit hinaus, tauche hinein in diese Einsamkeit, in der es nichts giebt als diese endlos gewölbte Himmelspracht und unter ihr diese erstarrten Wellen des Geländes mit seinem kurzen schimmernden Rasen, der den Schall meiner Schritte dämpft wie Filz, nichts als diesen jungen dunklen Fichtenwald, und jene Anhöhe, die als höchster Gipfel rings Berg und Thal beherrscht, und der ich zustrebe, diese Einsamkeit, in der kein Laut hörbar ist, als das Winseln und Pfeifen des nächtlichen Herbstwindes mit seiner herben Frische, oder der ferne Ruf eines Käuzchen...
Durch das Rauschen der Fichtenwaldung bin ich hindurchgeschritten und finde mich nun wieder im Freien. Über Kalksteingeröll steig ich die weite Fläche hin dem Gipfel der Höhe entgegen; eine runde kahle Erhebung, überwachsen von diesem spärlichen filzigen Graswuchs mit seinen kleinen Wolfsmilchstauden, seinen wilden weißen und roten Nelken, seinem gelben Steinklee und seinem hochzackigen Distelgestrüpp. — Eine Art dieser Disteln hängen sie da unten an den Querbalken ihrer kleinen Stuben als ein Schutzmittel gegen die Fliegen. —
Auf dem obersten Gipfel laß’ ich mich nieder in das Gras, das wie ein weicher Teppich ist.
Wie herrlich es sich hier oben über allerlei nachdenken läßt!
Denn nun bin ich ein Herr dieser ganzen weiten nächtlichen Gegenden, ein einsamer Herr, und mir gehört die ganze, ganze Fülle ihrer Wunder und Geheimnisse. Die schwarzen Wälder gehören mir, die in das Thal hinabraunen, die dämmernden Tiefen mit ihren weißen Nebeln und ihrem flinkernden Bach, weit dort drüben die silberbleich geisternde Seefläche, das endlose Gewoge des Landes und alle Himmelswelten. — Das Städtchen mit seinem Vordorf ist nicht mehr zu sehen. Es ist hinter dem Wald verschwunden mit allem, was klein und eng und warm und traulich und wirrend und alltäglich ist, und was zur Klarheit seiner selbst und seiner Einheit kommen möchte, in der großen Einförmigkeit dieser Einsamkeit, mit mir und in mir...
Du hältst still, hältst diesem weiten Grauen der nächtlichen Öde mutig still, kräftig, sie zu ertragen und fühlst, was die einfachen und doch so mächtigen Akkorde dieser Linienzüge dieser Wölbungen, dieser Formen, dieser großen und weiten Gegensätze von Halblicht und Dunkel, dieser Himmelswölbung mit allen ihren großen und kleinen Sternen, Sternbildern, kosmischen Nebelflecken, jeder Millionen und Millionen von Sonnensystemen, in dir wie in einem Resonanzboden wecken und ertönen lassen. Du bist in dieser herb-rauhen und doch unsagbar wonnig-großen Andacht, mitten in dem mystischen Einklang ihrer erhabenen Fuge, und du kannst sagen: alles, was nun in dir lebendig wird, sind Geisterstimmen ewigen Flutens, ewigen Lebens und ewiger Bewegung...
Still, wie ihr Geheimstes nun in dir offenbar wird! Und fühle, ahne, was du bist! Wie du eine Offenbarheit bist, die sich selbst unbegreiflich! Wage, das ganz, ganz zu fühlen, ganz in dieser unsäglichen Empfindung zu erschauern! — Was bist du nun und was bedeuten deine Gedanken, was bedeutet dein Wissen, deine Gedanken? — Und achte auf die, die wiederkehren und immer wiederkehren und aus der Wirrnis deiner Alltäglichkeiten immer wieder emportauchen, und spüre im Triumph deiner Ekstase ihre ganze und volle Würde! —
Da kommt sie wieder, die schlichte Meinung Meister Haberlands, dieses kleinen dürren blonden Krämers mit seiner Glatze, seiner Brille und seiner Schnurrbartraupe, dieses unscheinbaren Einen vom Dutzend, nicht? — Aber es sind nicht so besonders die Worte: nein! Du verstehst, was das Unsagbare dabei ist, das Hellseherische kannst du sagen, dieses ewig Gewisse, Wahre, Feste, dieses — Hellseherische, das sich nicht irren kann, nie! verstehst du? — Es ist diese Stimmung einer versonnenen, sinnenden Müdigkeit, halb wonnig, halb traurig, halb Ruhe, halb Unruhe, wie sie sich wohl einstellt, wenn man den Tag über so und so viel dummen Krempel von Ware verabreicht hat, so und so viel Redensarten hat machen müssen gegen Menschen, die einem gleichgültig sind. Das ist es. — Die Nüance, das Unwillkürliche, dieses — nun wie soll ich sagen? — dieses aus dem tiefsten Aus-sich-selbst-heraus.
Da ist es wieder: dieses simple Postulat, dieses so recht volkstümliche Postulat eines „jenseitigen Ausgleiches“. — Nun, es ist altmodisch. Aber merke und vergegenwärtige dir, daß du, wenn du es verneinst, nicht aus einer einheitlichen Stimmung heraus verneinst, sondern etwa im logischen Geplänkel eines Disputes, oder aus der Grämlichkeit einer Verbitterung heraus, nicht aus diesem Rausch, aus diesem gesteigerten, vertieften Empfinden einer Einheit. Und nur im Rausch ist das Leben und im Rausch offenbaren sich die Wahrheiten. Das läßt sich kaum deduzieren, aber fühlen, fühlen, fühlen...
Die nachtdunklen Weiten! —
Das Schicksal des Dunklen! — Am Morgen erhebt sich die Sonne und der Tag strahlt über der Welt mit der Pracht seiner Helle, die sich an dem unendlich mannigfaltigen und verschiedenartigen Widerstand des Geformten in unzählig mannigfaltige Farben bricht. — Das Gestirn nimmt seinen Lauf bis zur jauchzenden Mittagshöhe des Tages, um dann allmählich zu sinken. Dann wird es Abend und Nacht und das Dunkel herrscht über der Welt.
Aber Licht ist eine Wahrnehmung und das Dunkel ist eine Wahrnehmung und Licht und Dunkel bin Ich.
Jetzt aber sollen alle Sterne erloschen sein und alles, was geringstes Licht ist, soll erloschen sein. Es ist nun eine Nacht, wo man die Hand nicht vor den Augen sieht. Aber diese Nacht und das Dunkel dieser schwärzesten der Nächte ist eine Wahrnehmung von Mir.
Jetzt aber lieg ich im Schlummer. Mein Bewußtsein ist geschwunden. Aber das Dunkel ist noch da und alles ist noch da. Heimlich ist ihm mein Unbewußtes geöffnet. Irgend eine leise Wahrnehmung ruft Traumbilder in mir hervor, ihre Macht, oder irgend ein Geräusch, vermag mich zu wecken.
Aber nun erlischt auch dieses Wahrnehmen. Ich sterbe. — Hier ist das Unsagbare, das weder Dunkle noch Helle, das Weder — Noch, das dennoch ein Sowohl — als Auch ist; das Weder — Noch, das Sowohl — als Auch dunkler chemischer Prozesse. — Und dieses Sowohl — als Auch, dieses Beieinander, dieser Inbegriff aller Möglichkeiten, Licht, Dunkel, Farbe, Form, und nenne was du willst, alles in Einem Urgrund des Erwachens und Erdämmerns. — Krystallisation. — Organisches Erwachen. — Schlummernder Traumzustand in seiner sich leise entfaltenden geistigen Dynamik. —- Moner. — Zelle. — Zellenbildung. — Pflanzenleben. — Der Wurm. — Sinne sich bildend. — Und Einer erwacht wieder. Und aus dem Unergründlichen wieder der deutliche Wechsel und das Gegensätzliche; und Seele und Geist; und Licht und Dunkel und Farben Ihm wieder offenbar, Mir! —
Ausgleich? — Auch! —
Ein einziges winziges ungestilltes Glücksbedürfnis: wer möchte seine ganze und tiefste Bedeutung ermessen? Wer möchte Macht und Bedeutung der geringsten, unscheinbarsten, winzigsten, übersehendsten der Ursachen ermessen?
O Blick der Höhe!
Die Nacht um mich ist ein weites, kaltes eisiges Starren...
Ich will schlafen gehen...
Verlag von F. Fontane & Co., Berlin W.
Arno Holz und Johannes Schlaf.
Neue Gleise.
Gemeinsames.
Inhalt.
Die Papierne Passion Papa Hamlet
Krumme Windgasse 20 Der erste Schultag
Die kleine Emmi Ein Tod.
Ein Abschied
Die Familie Selicke, Drama in drei Aufzügen.
Preis: geh. M. 4.—; geb. M. 5.—
Der geschundene Pegasus.
Eine Mirlitoniade
in Versen von Arno Holz und 100 Bildern von Johannes Schlaf.
Preis schwarz M. 3.—; kolor. M. 5.—
Arno Holz.
Buch der Zeit.
Lieder eines Modernen.
Zweite Auflage.
Preis geh. M. 4.—; geb. M. 5.—
Der unverkennbare lebhafte Aufschwung, den die litterarische Produktion im letzten Jahrzehnt genommen, die beträchtliche Fülle neuer Talente, die sich auf allen poetischen Schaffensgebieten erschlossen hat, die gesteigerte Regsamkeit des litterarischen Lebens überhaupt, die sich bemerkbar macht, ließen es angezeigt erscheinen, ein Organ zu schaffen, das zwischen Autoren und Publikum eine dauernde Vermittelung herstellt und es übernimmt, das Interesse möglichst weiter Kreise für unsere zeitgenössische Litteratur zu beleben und wachzuhalten. Ein Organ, das zweckmäßig und geeignet sein soll, jedem Gebildeten ein fortlaufendes und zuverlässiges Gesamtbild der litterarischen Bewegung daheim und draußen zu geben, ohne ihn in das Dickicht der Fachgelehrsamkeit zu führen, ohne ihn in das Lager einer einseitig bestimmten Geschmacksrichtung zu ziehen, ohne an Zeit und Kosten größere Aufwendungen von ihm zu verlangen.
Ein solches Litteraturblatt für weitere Kreise beabsichtigt die seit 1. Oktober 1898 ins Leben getretene Zeitschrift
Das litterarische Echo
Halbmonatsschrift für Litteraturfreunde
zu sein, die am 1. und 15. jedes Monats, zunächst in einer Stärke von durchschnittlich 32 Seiten bei vornehmer Ausstattung und einem vierteljährlichen Abonnementspreise von zwei Mark erscheint.
„Das litterarische Echo“ hat sich u. a. die Aufgabe gestellt, die zahlreichen historischen, kritischen und ästhetischen Litteraturbeiträge, die alljährlich im Feuilleton unserer größeren Tageszeitungen erscheinen, um meist sogleich wieder spurlos zu verschwinden, auf einen dauerhafteren Boden zu retten, sie in einer ständigen Rubrik je nach ihrem Werte im Wortlaut oder im Auszug zu reproduzieren, mindestens aber in einigen Stichworten zu registrieren. Eine Reihe von Blättern hat sich mit dieser Absicht, vorbehaltlich der jeweiligen Zustimmung der Autoren, bereits einverstanden erklärt, wir nennen u. a.: Allgemeine Zeitung (München), Berliner Tageblatt, Bohemia (Prag), Breslauer Zeitung, Der Bund (Bern), Fremdenblatt (Wien), Frankfurter Zeitung, Hamburgischer Korrespondent, Hannöverscher Courier, Kölnische Volkszeitung, Neues Wiener Tagblatt, Nationalzeitung, Neue Züricher Zeitung, Pester Lloyd, Tägliche Rundschau, Vossische Zeitung u. s. w.
Einen anderen Arbeitszweig des litterarischen Echos werden die ausländischen Litteraturbriefe bilden, deren jede Nummer gewöhnlich zwei enthalten soll. Ein Stab von auswärtigen Mitarbeitern ist zu dem Zwecke angeworben worden, in gemessenen Fristen über die wichtigeren Neuheiten in der französischen, englischen, russischen, italienischen, skandinavischen, dänischen, spanischen, ungarischen, belgischen, holländischen, polnischen, südslavischen, griechischen, amerikanischen, japanischen Litteratur in knappen, klaren, übersichtlich orientierenden Artikeln fortlaufend zu berichten.
Der inländischen Litteratur wird „Das litterarische Echo“ zunächst durch Artikel über einzelne Fragen und Persönlichkeiten gerecht, insbesondere aber durch einen möglichst vielseitigen kritischen Teil, in dem alle bemerkenswerten Neuerscheinungen durch sachverständige Referenten thunlichst rasch und gedrängt besprochen werden sollen. Außerdem enthält jede Nummer ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis sämtlicher neu erschienener Werke belletristischer und litteraturwissenschaftlicher Art.
Eine gedrängte Zeitschriftenrevue wird regelmäßig den Extrakt aus den litterarischen Beiträgen aller größeren einheimischen und ausländischen Zeitschriften geben: aus den deutschen Zeitschriften in jeder Nummer, aus denen des Auslandes in zwei, Heft um Heft abwechselnden Serien.
Abgeschlossene Proben aus bedeutsamen, neu erscheinenden Werken, Porträts und kurze Biographieen, interessante Facsimiles, Illustrationsproben u. dgl. m. sollen „Das litterarische Echo“ lebhafter und anregender für weitere Kreise gestalten helfen. Ein genaueres Augenmerk gedenkt die Zeitschrift auch auf das litterarische Leben und Streben in den einzelnen Provinzen und Bundesstaaten zu richten, für dessen Emsigkeit die zunehmende Unzahl eigener kleiner Organe beredtes Zeugnis ablegt.
Mit der Verarbeitung und Siebung dieses gesamten Materials soll der Endzweck erreicht werden, daß sich in einem abgeschlossenen Jahrgange des litterarischen Echos — dem jeweils zum Schlusse ein genaues Sach- und Namenregister beigegeben wird — möglichst alles übersichtlich verzeichnet und eingeordnet findet, was das Jahr an litterarischen Erscheinungen von Bedeutung, an Büchern sowohl, als einzelnen Artikeln, gebracht hat.
Wir erwähnen noch die Rubriken „Aus der Praxis“, in der Rechtsfälle aus dem Schriftstellerleben, Plagiatangelegenheiten, Preisausschreiben, Wohlthätigkeitsfragen u. dgl. mitgeteilt und alle Diejenigen das Wort erhalten sollen, die in eigener Sache ein Recht auf Öffentlichkeit beanspruchen können, sowie die „Nachrichten aus der Schriftstellerwelt“, in denen Todesfälle, Jubiläen, Auszeichnungen, Mitteilungen über vorbereitete neue Werke u. s. w. verzeichnet werden.
Wie aus diesen flüchtigen Umrissen zu entnehmen ist, soll sonach in dem litterarischen Echo ein festes Sammel- und Centralorgan der allgemeinen litterarischen Interessen geschaffen werden: eine Orientierungstafel für alle Diejenigen, die den Überblick über das reiche Schaffensfeld unserer zeitgenössischen Produktion gewinnen und behalten wollen; ein Archiv für solche, die aus Beruf oder Neigung die Bewegung auf litterarischem Gebiete näher und im Zusammenhang zu verfolgen wünschen.
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