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Eskimoleben

Kapitel XIV. Europäer und Eingeborene.

Margarethe Langfeldt translation

Das Verhalten der Europäer gegen die Grönländer steht in vieler Beziehung einzig da. Man hat die Grönländer besser behandelt als alle anderen Naturvölker, die je unseren Zivilisationsversuchen ausgesetzt waren. Die dänische Regierung verdient für ihr Auftreten in dieser Hinsicht die höchste Anerkennung, und es wäre nur zu wünschen, daß andere Staaten ihrem Beispiele folgen möchten. Sie hat in ihrer Handlungsweise nicht unwesentlich auf das wirkliche Wohl der Eingeborenen Rücksicht genommen, und man kennt kaum ein anderes Jagdvolk, das in so enge Berührung mit Zivilisation und Christentum kam und sich dabei so gut und so lange halten konnte.

Ein Eifer für die einmal gewählte Aufgabe, wie der, der unsern Landsmann Hans Egede und die ersten Missionare in dieses damals wenig bekannte Land trieb und sie dort Entbehrungen genug ertragen ließ, ist sicherlich auch nicht gewöhnlich. Es geschah in guter Absicht, und sie meinten das zeitliche und ewige Wohl der Eingeborenen zu fördern. Vergleichen wir diese Mission und die ganze Behandlung Grönlands mit dem Auftreten der zivilisierten Völker an anderen Stellen der Erde, so gelangen wir zu der Ueberzeugung, daß durch das Ganze ein außergewöhnlich humaner Geist geht, und wer die Geschichte der grönländischen Verwaltung verfolgt, wird ständig neue und trostreiche Beweise finden.

Aber die zivilisierten Menschen sind nur einmal trotz allen guten Willens geneigt, auf ein Naturvolk wie auf eine tiefer stehende Rasse hinabzusehen. Davon finden wir auch in der grönländischen Geschichte verschiedene Spuren. Sogar der begeisterte Hans Egede, aus seinen eigenen Schriften werden wir es sehen, verachtete in nicht geringem Maße die Eingeborenen, die zu bekehren er für seine Lebensaufgabe hielt. Ja er sagt selbst, daß er sie oft ohrfeigte und mit einem Tauende auf den nackten Rücken schlagen ließ. Als er einmal von einem Knaben erfuhr, daß ein Angekok, Namens Elik, gesagt, es würde leicht sein, die ins Land gekommenen fremden Männer auszurotten, zog er mit sieben Bewaffneten aus, überfiel den Angekok, nahm ihn gefangen und brachte ihn in die Kolonie. Dort »erhielt er einige Schläge mit dem Tauende und wurde in Fesseln gelegt«. Am Abend kamen die Söhne des Angekoks, um sich nach ihrem Vater zu erkundigen, und »durften nach erbetener Erlaubnis ihre Zelte nach der Kolonie bringen«. Einige Tage darauf wurde der Gefangene frei gelassen und zog mit den Seinen ab. Man sollte glauben, daß die Grönländer den Fremden nach solcher Behandlung grollen mußten, aber ihre Gutmütigkeit und Gastfreiheit ist unvergleichlich. Das Schicksal wollte, daß im Winter darauf Hans Egedes Sohn Paul, der auch an jener Gewaltthat beteiligt war, vom Sturm an einen Ort verschlagen wurde, wo er unerwartet den Angekok Elik traf. Es war ihm, wie er selbst sagt, nicht angenehm, ihn mit so vielen Fremden zu treffen, aber zu seinem großen Erstaunen wurden die Verirrten von dem Angekok eingeladen. Er legte sogar auf seine eigene Pritsche ein Renntierfell für Paul Egede. Der Missionar mußte drei Tage da bleiben und wurde aufs beste bewirtet[171]. Das heißt doch »Böses mit Gutem vergelten« und »die lieben, die Euch hassen«. Egede aber meinte, es sei die Bereitwilligkeit der Grönländer, sich in »ihre Strafe, wenn sie sie verdient zu haben glauben«, zu finden.

Hans Egede hatte noch eine Angewohnheit, die gerade keine große Rücksicht gegen die Eingeborenen verrät. Er nahm dann und wann Kinder gegen den Willen der Angehörigen zu sich und behielt sie, um von ihnen die Sprache zu erlernen. Deshalb dichteten sie auch ein Lied über ihn: »Es ist von Westen her über das große Meer ein fremder Mann gekommen, der Knaben stiehlt und ihnen dicke Suppe mit Haut darauf (Brei) und getrocknete Erde aus seinem eigenen Lande (Schiffszwieback) zur Speise giebt«. Als Paul Egede einmal einer Mutter ein Geschenk anbot, damit sie ihm ihren Sohn noch länger ließe, antwortete sie, Kinder seien keine Handelsware.

Noch heute finden wir in Grönland Beweise dafür, wie schwer es ist, sich von der eingewurzelten Verachtung für alle sogenannten Eingeborenen freizumachen. Die Kolonisation der Europäer hat nur den Zweck, dem Lande Gutes zu thun. Der Handel wird ja ausschließlich zum Besten der Missionare und der Eingeborenen getrieben. Das hat jedoch nicht verhindern können, daß in der sozialen Stellung der Europäer und der Fremden ein großes Mißverhältnis entstand. Die Fremden gelten bei sich selbst, wie bei den Grönländern als eine höhere Rasse, als die Herren des Landes, denen man gehorchen muß, während sie doch, wenn sie wirklich nur um der Eingeborenen willen da wären, eher deren aufopfernde Diener sein müßten. Teils bewußt, teils unbewußt, haben die Europäer gut dafür gesorgt, ein solches Verhältnis zu entwickeln und die Eingeborenen stets nur wie ihre Untergebenen zu behandeln. Wir kamen ja in das Land, um das Christentum zu predigen. Wie aber stimmt dies mit unserer christlichen Freiheits- und Gleichheitslehre?

Als Beispiel, wohin dieses Verhältnis führen kann, ist zu erwähnen, daß es in den meisten südgrönländischen Kolonien den Eskimos verboten ist, Hunde zu halten, weil die paar dort wohnenden europäischen Familien Ziegen zu halten wünschen. Das Verbot ist allerdings in mehreren Fällen vom Vorstande (vergl. S. 281 f.) erlassen worden, aber die Europäer selbst haben es beantragt, und da die Grönländer sich, wie gesagt, ihnen in allen Dingen fügen, war es nicht schwer, sich ihrer Zustimmung gegen den eigenen Wunsch zu versichern. Ich habe sie nachher sich bitter beklagen hören, daß sie so dumm sein konnten, für ein solches Verbot zu stimmen. Am grellsten tritt die Ungerechtigkeit zu Tage, wo sich die deutschen Missionare aufhalten. Dort erläßt der fromme Herr einfach einen Ukas, der seiner ganzen Gemeinde das Hundehalten verbietet, damit seine Ziegen unbelästigt bleiben.

Ich habe mit sonst sehr verständigen und warmherzigen Leuten dort oben gesprochen, die meinten, es sei doch klar, daß das Halten von Hunden verboten sein müsse, da diese ja die Ziegen jagten und ängstigten. Wandte man dann ein, daß es doch vernünftiger sei, die Ziegen zu verbieten, da der Europäer nur wenige, der Grönländer aber viele seien, so wurde man einfach ausgelacht. Daß sie selbst erst in das Land übersiedelten und die Eskimos seit unvordenklichen Zeiten Hunde gehalten haben, davon redete keiner. Auch schienen sie es nicht weiter für schlimm zu halten, daß die Ziegen oft den Rasen von den Wänden und Dächern der Grönländerhäuser losrissen, Schaden unter den zum Trocknen aufgehängten Fischen der Eskimos anrichteten und ähnlichen Unfug ausübten.

Des weiteren bezeichnend für die Art, mit der man die Rechte eines Europäers und eines Eingeborenen betrachtet, sind die Verordnungen über den Branntweinverkauf. Während es (wie in Kapitel V erwähnt) verboten ist, den Kindern des Landes Schnaps zu verkaufen, können die Europäer dort oben soviel bekommen, als sie nur wünschen. Das ist ein Mißgriff; denn es muß die Eingeborenen empören, ständig zu sehen, daß sie selbst nicht gut genug sein sollen, das zu bekommen, worauf der schlechteste Europäer ein Anrecht hat. Noch schädlicher aber wirkt die Verordnung deshalb, weil sie dahin führt, daß die Grönländer im Dienste des Handels oder der Europäer täglich Branntwein bekommen können, und alle anderen ebenso, sobald sie den Europäern etwas verkaufen. Daß dies zu den gröbsten Mißbräuchen führt, liegt auf der Hand. Ich will mich nicht einmal dabei aufhalten, daß es einzelnen, hervorragenderen Eingeborenen von gemischter Herkunft gestattet ist, sich alljährlich bestimmte Mengen dieses Getränkes aus Europa zu verschreiben.

Das Verbot des Branntweinverkaufes ist natürlich eine direkte Notwendigkeit, wenn der Untergang der Eingeborenen nicht in hohem Grade beschleunigt werden soll. Jedoch wäre es dann das einzig Wahre und Folgerichtige, daß sich dieses Verbot auf die Europäer sogut wie auf die Eingeborenen erstreckte. Ich weiß, daß manche behaupten, dies sei den Europäern gegenüber, die stets an Alkoholgenuß gewöhnt waren, eine ungerechte Forderung. Ich weiß auch, daß dieser Grund besonders einschlägt bei den Leuten aus Dänemark, wo ja selbst in der Arbeiterklasse bei den meisten Mahlzeiten ein Schnaps genommen wird, Alkohol also als Bedarfsgegenstand gilt. Dessenungeachtet kann ich nur finden, daß es für alle Teile das Beste und Richtigste gewesen wäre. Ungerecht kann man ein solches Verlangen nicht nennen, denn es steht jedem, der sich nach den Bedingungen erkundigt, frei, aus Grönland wegzubleiben, und ich hege keine Befürchtung, daß dort oben nicht doch noch genug Europäer bleiben werden.

Meine Forderungen aber gehen weiter. Ich meine, man müßte nicht nur den Branntweinverkauf verbieten, sondern auch den Handel mit Kaffee, Tabak, Thee und den anderen entschieden schädlichen oder wertlosen Produkten, die wir bei den Eingeborenen einführten. Sie hatten wahrhaftig keine Sehnsucht danach, es dauerte sogar lange Zeit bis wir sie gelehrt, an diesen Dingen Genuß zu finden, ja, die Ostgrönländer mögen z. B. noch heute keinen Kaffee. Auf der Westküste haben wir indessen, wie oben erzählt, unheimlichen Erfolg gehabt, und der Kaffee ist kein unwesentlicher Faktor bei ihrem Untergang. Verböte man aber, den Eingeborenen Kaffee zu verkaufen, so müßte seine Einfuhr auch für die Europäer untersagt werden. Dies wird manch einer Fanatismus nennen. Mag er es thun, ich bin nun einmal der Ansicht, daß, wenn wir wirklich zum Besten der Grönländer in das Land gekommen sind und dort wohnen wollen, um sie zu unterrichten, wir dies auch mit Thaten zeigen und den Forderungen einer solchen verantwortlichen, schwierigen Aufgabe völlig gerecht werden müssen, indem wir uns in die kleinen Entbehrungen schicken, die sie uns auferlegt. Solch aufopfernde That läßt sich nicht ohne Entbehrungen durchführen; Christi Apostel haben auch Leiden auf sich genommen, und können wir dies nicht, so sind wir einer solchen Aufgabe nicht gewachsen, sind ihrer auch nicht würdig und sollten lieber davon ablassen. Sind wir indessen nicht um der Grönländer willen, sondern unsertwegen gekommen, dann freilich ändert sich die Sache. Dann müssen wir aber auch das Ding beim rechten Namen nennen und nicht mit dem des Christentums und dem der Zivilisation schmücken.

Um einigermaßen dem gesetzlosen Zustande abzuhelfen, der infolge der Missionsthätigkeit und ebenso sehr dadurch entstehen mußte, daß die zugezogenen Fremden bis zum Geringsten herab sich berechtigt glaubten, die Eingeborenen zu verachten und zu beherrschen, hat Dr. Rink mindestens die Einrichtung der sogenannten Vorstände durchgesetzt. Sie bestehen aus eingeborenen Mitgliedern, von denen jede Ansiedlung oder jeder kleinere Kreis je eines wählt. Der Zweck war die Ordnung aller inneren Gemeindeangelegenheiten, die Festsetzung der Armenunterstützungen, die Aufrechthaltung von Zucht und Ordnung u.s.w. Da die Grönländer selbst von solchen Dingen nichts verstanden, sollte der Prediger jedes Distrikts als Vorsitzender und die dort wohnenden Europäer als Mitglieder im Vorstande sein, um den eingeborenen Vorstehern Rat zu erteilen und sie zu leiten. Es hat jedoch den Anschein, als ob die Europäer nach und nach die wirkliche Macht erlangt hätten und die anderen sich nach ihren Wünschen richteten. Der schöne Gedanke dieser Institution, die Eingeborenen sollten sich auf diese Weise selbst regieren lernen, ist sicher aller Anerkennung wert. Dr. Rink hat dadurch wirklich eine Wendung zum Besseren in der neueren Geschichte der Grönländer herbeigeführt. Die Institution leidet jedoch am nämlichen Fehler wie alle anderen Veranstaltungen der Europäer zum Besten der Eingeborenen, nämlich daran, daß sie nicht aus dem Volke selbst hervorging, das von ihr Gebrauch machen soll. Es ist nie Sache des Augenblicks, neue soziale Bräuche wirklich durchzuführen. Dergleichen geschieht nicht willkürlich, sondern ist die Frucht langsamer Entwicklung eines Volkes. Eine Institution, die von Fremden ausgeht, wird jedenfalls sehr lange Zeit brauchen, ehe sie sich wirklich einbürgert. Viele Grönländer halten es jetzt für eine Ehre, Vorsteher zu sein. Ich habe aber auch Beispiele gesehen, daß andere, und zwar die Tüchtigsten, sich dagegen sträubten. Sie hielten es für wichtiger, ihrem Fange nachzugehen und ihre Familie zu versorgen, als lange Reisen zu machen, um Sitzungen beizuwohnen, in denen sie bei ihrem großen Respekt vor den Europäern doch nur diesen zu Munde reden und die von ihnen gewünschten Bestimmungen treffen könnten.

Man könnte sich aus dem Vorhergehenden und aus manchem Anderen, was in diesem Buche zu sagen war, zu dem Schluß berechtigt glauben, daß die Grönländer ein wenig selbständiges Volk seien und wie geschaffen zur Unterwerfung. Aber dieser Schluß ist falsch. Die Grönländer haben im Gegenteil ursprünglich ein sehr ausgeprägtes Freiheits- und Selbständigkeitsgefühl. Als die Europäer zuerst ins Land kamen, standen die Eingeborenen nach ihrer eigenen Schätzung mindestens ebenso hoch wie jene. Der Gedanke, daß man zu irgend jemand in untergeordnetem oder dienendem Verhältnis stehen könnte, wie sie es bei den Europäern sahen, erschien ihnen ebenso fremd, wie entwürdigend. Allerdings hat bei ihnen der Hausvater über seine Familie oder über die Familien, die gemeinsam ein Haus bewohnen, eine gewisse Herrschaft. Sie ist aber den Verhältnissen so angemessen und tritt so wenig hervor, daß sie kaum fühlbar ist. Gesinde haben sie auch, insofern Mädchen und Frauen ohne Eltern oder Versorger oft von guten Fängern aufgenommen werden und mit der Hausmutter, den Töchtern und den Schwiegertöchtern zusammen alle Arbeit verrichten müssen. Sie sind den andern aber in der Regel gleichgestellt, und das Dienstverhältnis besteht mehr nur dem Namen nach. Männliche Diener dagegen kommen nicht vor. Es wurde ihnen schwer, sich mit dem Gedanken auszusöhnen, Diener eines anderen zu sein. Noch heute leiden sie vor allem nicht Aufträge in befehlendem Tone, wenn sie sich auch in ihrer großen Friedfertigkeit oft schweigend darin finden.

Dieses ausgeprägte Freiheitsgefühl machte es den Europäern anfangs schwer, grönländische Diener zu bekommen. Allmählich aber hat die Civilisation die Grönländer auch nach dieser Richtung demoralisiert. Jetzt treten selbst Fänger in den Dienst des Handels und sind sogar stolz darauf, da sie nun unter anderem auch als dänische »Beamte« jeden Morgen ihren Snapsemik bekommen.

Die dänischen Frauen aber werden mir noch heute bezeugen, daß man seine liebe Not damit haben kann, den Stolz grönländischer Mägde nicht zu verletzen. Diese Mägde sind flink und liebenswürdig, solange man sie gut behandelt. Sagt man ihnen aber ein hartes Wort, so verschwinden sie oft ohne weiteres und kommen nicht wieder. Mag nun die betreffende Hausfrau nicht zu Kreuze kriechen und um Verzeihung bitten, so kann sie sich nach einer andern Magd umsehen. Wenn der Grönländer bisweilen einen sklavischen Eindruck macht, so kommt dies, glaube ich, von der verblüffenden Geduld, mit der er sich in alles findet und sogar die offenbarste Ungerechtigkeit mit überlegener Ruhe hinnimmt. Diese Geduld muß es sein, was Egede die angeborene Dummheit und Gleichgültigkeit der Grönländer, die unvernünftige und viehische Erziehung ihrer Kinder u. s. w. nennt. Ich glaube, ein hartes Los hat sie diese dem Anscheine nach phlegmatische Ruhe gelehrt. Schon ihr vom Zufall abhängiger Fang stellt die Geduld oft auf eine harte Probe, dann bereits, wenn das Schicksal ihnen so ungünstig ist, daß sie Tag für Tag ohne Beute zu ihrer darbenden Familie zurückkehren müssen. Egede darf sicher am allerwenigsten über diese Eigenschaft klagen. Wäre sie und die große Friedfertigkeit nicht ein Hauptzug der Eskimos gewesen, so hätten sie sich gewiß nicht so ruhig in das oft gewaltsame Auftreten der ersten Europäer gefunden. Ich habe oft genug ihre stoische Geduld bewundern müssen, wenn sie z. B. des Morgens stundenlang im Hausgange des Kolonialverwalters oder draußen vor seiner Thür im Schneegestöber warten mußten, da der Herr Verwalter und sein Handelsgehülfe anderweitig beschäftigt waren. Sie wollten ein kleines Geschäft mit ihnen machen, bevor sie in ihr Heim zurückkehrten, das oft viele Meilen von der Kolonie entfernt lag, und es mochte für sie von großer Bedeutung sein, möglichst bald abzufahren. Manchmal sah sogar das Wetter unsicher aus, und dann war jede Minute mehr als kostbar, aber sie warteten gleich ruhig und scheinbar gleichgültig. Fragte ich sie, ob sie abreisen wollten, so antworteten sie nur: »Ich weiß nicht« oder »Ja, wenn das Wetter nicht schlechter wird« oder dergleichen, nie aber hörte ich sie sich beklagen.

Folgende Geschichte aus Godthaab illustriert besser als alles andere diese Seite ihres Charakters. Ein Inspektor schickte einmal ein Frauenboot mit Besatzung nach dem Ameralikfjord, um dort Gras für seine Ziegen zu holen. Die Leute blieben indessen lange fort, und niemand konnte begreifen, wo sie blieben. Endlich kamen sie wieder. Als der Inspektor sie fragte, wo sie so lange geblieben seien, antworteten sie, bei ihrer Ankunft sei das Gras noch zu kurz gewesen, und daher hätten sie sich dort niedergelassen und gewartet, bis es lang genug war.

So warten die Grönländer ruhig, bis ihr eigener Untergang gleichfalls zur Reife gediehen ist. — Es ist ein geduldiges Volk.

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