Kapitel II. Aussehen und Kleidung.
Margarethe Langfeldt translation
Nun, da ich, so fern von diesen Menschen und der Natur, in der wir mit einander umherstreiften, eine Beschreibung von ihnen machen soll, steht mir das erste Zusammentreffen mit ihnen auf Grönlands Ostküste lebhaft vor Augen. Zwei braune, lachende Gesichter, von langem, rabenschwarzem Haar umrahmt, mitten im Eise. Sie strahlen vor heiterer Zufriedenheit mit sich und aller Welt, und halb gutmütig freundlich, halb verwundert blicken sie die seltsamen Fremdlinge an.
Der Eskimo reiner Rasse wird den meisten Europäern auf den ersten Blick hin nichts weniger als hübsch erscheinen. Er hat ein rundes, breites Gesicht, große grobe Züge, kleine dunkle, oft schrägliegende Augen, eine platte Nase, die zwischen den Augen schmal und unten breit ist, runde fettstrotzende Wangen, einen großen Mund und sehr entwickelte breite Kinnbacken, die mit den runden Wangen zusammen das Untergesicht eine hervorragende Rolle in der Physiognomie spielen lassen. Wenn der Mund sich zu einem fettglänzenden Lächeln öffnet, sieht man zwei Reihen großer weißer Zähne. Das Ganze macht den Eindruck eines vorzüglichen Kauapparates und läßt uns mit Wohlbehagen an vieles und gutes Essen denken. Gleichzeitig aber liegt in diesen Zügen, besonders bei den Frauen, eine große einschmeichelnde Weichheit.
Nach den uns anerzogenen Begriffen können wir dies nicht hübsch nennen, und doch — wie vorurteilsvoll sind wir in dieser Beziehung! Es bedarf langer, sehr langer Zeit, ehe man von seinen Traditionen loskommt. Wir denken an die langgesichtigen, langnasigen Schönen unserer Heimat, und unser Sinn erfüllt sich mit Wehmut bei der Erinnerung an die vielen, für die wir geschwärmt, jene interessanten, bleichen — aber ach so farblosen Schönheiten! Es ist doch merkwürdig, wie brutal der Geschmack werden kann: ich fand diese braunen, von Gesundheit und Fett glänzenden Naturgesichter wirklich hübsch. Bei ihrem Anblick mußte ich an das blaue Meer und hellen Sonnenschein denken, an weiße Gletscher und inmitten dieser Umgebung schlagende Menschenherzen von wirklichem Fleisch mit siedendheißem Blute.
Doch hauptsächlich waren es die jungen, die solchen Eindruck machten, und sie altern schnell — betrübend schnell. Die vertrockneten, triefäugigen, kahlköpfigen alten Weiber waren nicht hübsch, sie erinnerten an erfrorene Aepfel, und doch lag auch über ihnen ein gewisser Stil. »Arbeit« stand auf ihrem Gesichte geschrieben, aber auch »Essen, viel Essen« und gutmütige Resignation. Keine Spur von der glasartigen Härte oder dem steifen Anstand, mit denen anderswo die Schule des Lebens oft alte Gesichter stempelt.
Die auf der Westküste durch Kreuzung zwischen Europäern und Eskimos entstandene Mischrasse ist nach europäischem Geschmacke schöner, sie macht mit ihrer Bronzefarbe, ihren dunklen Brauen und schwarzen Augen den Eindruck eines romanischen Volkes. Manchmal aber hat sie auch Individuen von ausgesprochen jüdischem Typus aufzuweisen. Häufig zeigt sie wirkliche Schönheiten sowohl unter dem starken, wie unter dem schwachen Geschlecht. In der Regel aber liegt etwas Weichliches im Wesen und Ausdruck dieser Mischlinge, die echten Eskimos machen einen gesunderen, unverfälschteren Eindruck.
Es ist ein in Europa allgemein verbreiteter Irrtum, die Eskimos für klein zu halten. Wenn die skandinavisch-germanischen Rassen sie auch an Größe übertreffen, so muß man sie doch zu den mittelgroßen Völkern zählen. Ich selber habe mehrere echte Eskimos gesehen, die ungefähr drei Ellen (1 m 80 cm) maßen. Ihr Körper macht durchgehends einen kräftigen Eindruck, besonders der Oberkörper. Die Männer sind achselbreit, haben muskulöse Arme und eine breite Brust, aber verhältnismäßig schmale Hüften und nicht entsprechend kräftige Beine. Daher haben sie in späteren Jahren gewöhnlich einen unsicheren Gang und ein wenig krumme Kniee. Die schwächere Entwicklung des Unterkörpers dürfte wohl hauptsächlich von dem täglichen Sitzen im engen Kajak herrühren.
Bei den Frauen fallen uns hauptsächlich die schmalen Hüften auf, die viel weniger hervortreten, als wir es bei einer bekleideten Europäerin zu sehen gewohnt sind, und die wir gewöhnlich für unvereinbar mit dem Typus weiblicher Schönheit halten. Dies kommt, wie man mir sagt, daher, daß die Eskimoweiber sogenannte runde, die Europäerinnen aber flache, breite Becken haben. Besonders reizend sind die schön geformten, auffallend kleinen Hände und Füße der Grönländerinnen. Ihre Gestalt macht überhaupt einen zierlichen, ansprechenden Eindruck.
Die Hautfarbe der Eskimos reiner Rasse ist bräunlich oder graugelb, und auch bei den Mischlingen fällt diese braungelbe Farbe manchmal sehr ins Auge. Die von Natur schon dunkle Farbe wird jedoch, wenigstens bei den Männern und den älteren Frauen, durch vollständigen Mangel an Reinlichkeit noch dunkler. Als Fingerzeig in dieser Richtung will ich nur berichten, daß unser Landsmann, Seine Hochehrwürden Hans Egede, ihre Waschmethode — namentlich die von den Männern angewandte — folgendermaßen beschreibt: »Sie schaben sich den Schweiß mit einem Messer vom Gesicht herunter und lecken dann das Messer ab.«
Die neugeborenen Kinder sind heller gefärbt, doch hat dies seinen Grund nicht darin, daß sie noch keine Schmutzkruste haben ansetzen können. Schon H. E. Saabye hat in seinem Tagebuch[5] darauf aufmerksam gemacht, daß sie auf dem Kreuz einen blauschwarzen Fleck, ungefähr von der Größe eines unserer alten Zehnschillingstücke, haben, von dem sich die dunkle Farbe erst später über den ganzen Leib ausbreitet. Holm erzählt etwas Aehnliches von der Ostküste[6]. Ich selber erlaube mir hierüber kein Urteil. Es würde dem gleichen, was von den Kindern der Japaner erzählt wird.
Die Kleidung der Eskimos ist den meisten Leuten wohl aus Bildern bekannt. Das Auffallendste ist, daß die Tracht der Frauen derjenigen der Männer gleicht und bedeutend praktischer und malerischer ist, als unsere häßlichen, schwedischen Frauengewänder.
Die Männer hüllen in Südgrönland den Oberkörper in den sogenannten Timiak. Dieser wird aus Vogelbälgen mit den Federn oder Daunen nach innen verfertigt, hat ungefähr die Form unserer wollenen Unterjacken und wird wie diese über den Kopf gezogen. Oben am Timiak sitzt eine Kapuze, die sich über den Kopf ziehen läßt, und die sonst mit ihrem hochstehenden Rand von Hundefell eine Art Kragen um den Hals bildet. An den Handgelenken ist der Timiak ebenfalls mit Hundefell eingefaßt, ganz so wie ein eleganter Promenadenpelz bei uns in Norwegen. Auf der Außenseite hat er einen Ueberzug (Anorak), der jetzt meistens aus Baumwollenzeug besteht. Die Beine stecken in Hosen von Seehundsfell oder auch von europäischem Düffel und die Füße in Kamikern, einer besonderen Art Stiefel aus Seehundsfell. Diese sind ebenfalls doppelt; die Innenseite ist ein mit den Haaren nach innen gekehrter richtiger Fellstrumpf, die Außenseite ein haarloser Stiefel von wasserdichtem Leder. Die Sohle zwischen Strumpf und Stiefel wird mit Stroh oder Seegras gefüttert. In diese Kamiker werden die nackten Füße gesteckt.
Die Kleidung der Frau ist der des Mannes sehr ähnlich. In Südgrönland trägt sie auf dem Oberkörper einen Vogelhautpelz, jetzt allerdings ohne Kapuze, dafür aber mit hochstehendem Kragen, der oben mit schwarzem, möglichst glänzendem Hundefell eingefaßt ist, und dieser Kragen wird zusammengehalten von einem breiten Halsband von bunten Glasperlen, das in allen Farben des Regenbogens schillert. Die Aermel sind ebenfalls an den Handgelenken mit Hundefell eingefaßt. Der Baumwollenbezug des Pelzes ist natürlich so leuchtend als möglich, rot, blau, grün oder gelb, und wird unten herum gewöhnlich mit einem breiten, bunten, baumwollenen oder noch lieber seidenen Bande besetzt. Ueber die Beine werden Hosen von gesprenkeltem Seehunds- oder auch Renntierfell gezogen. Diese Hosen sind bedeutend kürzer als die Beinkleider der Männer; sie reichen nicht ganz bis ans Knie und sind vorne mit bunter Lederstickerei oder weißen Streifen von Renntier- oder Hundefell reich verziert. Die Kamiker dagegen sind länger als die der Männer und werden übers Knie gezogen; sie sind gewöhnlich von roter Farbe, manchmal aber auch blau, lila oder weiß. An der Vorderseite ist ein von oben herablaufender, gestickter Lederstreifen festgenäht.
Außer den oben beschriebenen Kleidungsstücken giebt es noch einen Anzug für Frauen, die Säuglinge haben. Dieser, Amaut genannt, gleicht einem gewöhnlichen Anorak, nur mit dem Unterschiede, daß er auf dem Rücken eine große Tasche hat, in der das Balg zu jeder Arbeit mitgenommen wird. Da der Amaut sowohl auf der inneren, wie der äußeren Seite mit Renntier- oder Seehundsfell ausgefüttert ist, giebt diese Tasche einen weichen, warmen Liegeplatz für das Kind ab.
In Grönland erscheinen keine Modezeitungen. Die Eskimomoden wechseln daher nicht so häufig wie bei uns. Daß sie in dieser Beziehung aber auch nicht ganz von Gott verlassen sind, beweist das folgende Beispiel.
Früher war der Anorak der Frauen ebenso lang wie der der Männer, doch seit die Europäer bei ihnen den großartigen Luxus der weißen Leibwäsche einführten, meinen sie, das weiße Hemd sei viel zu elegant, um so versteckt zu werden. Statt sich nun, wie unsere Schönen, die Kleider oben auszuschneiden, begannen sie damit von unten und machten sich ihren Anorak so kurz, daß zwischen ihm und dem unterhalb der Hüften sitzenden Hosenbunde ein Zwischenraum von Handbreite oder mehr blieb, aus dem das obenerwähnte Kleidungsstück hervorguckte. Dies ist eine für uns etwas ungewöhnliche Art, sich zu »dekolletieren«.
Die Eskimos auf der Ostküste haben im allgemeinen dieselbe Tracht, nur verfertigen sie ihren Timiak nicht aus Vogelbälgen, sondern meist aus Seehundsfell. Im nördlichen Grönland wird auch gewöhnlich Seehunds- oder Renntierfell dazu genommen, und ebenso geschah es auch in früheren Zeiten auf der ganzen Westküste.

Ostgrönländische Haustracht; links für Männer, rechts für Frauen.
Auf der Ostküste herrscht die überraschende Sitte, daß die ganze Familie, Männlein, Weiblein und die lieben Kindlein, im Hause und im Sommerzelt splinterfasernackt umherläuft. Wenigstens kam es mir so vor. Balto, der vermutlich genauer hingesehen hat, versicherte jedoch, daß alle Erwachsenen ein schmales Band um die Lenden trügen, was meine züchtigen Augen natürlich nicht so schnell hatten entdecken können. In dieser merkwürdigen Entdeckung stimmt Freund Baltos Behauptung überein mit der Aussage der meisten Reisenden, die sich mit dergleichen Forschungen beschäftigt haben, und ich muß ihr also wohl Glauben schenken. Dieses Band, das die Reisenden so freundlich mit dem Namen »Unterhosen« beehren — ob es diesen Titel verdient, mag der Leser nach Besichtigung beifolgender Zeichnung selbst entscheiden —, soll der Grönländer Nâtit (Hauskleid) nennen. Früher trug man dergleichen bequeme Hauskleider in ganz Grönland, bis in die nördlichste Ansiedelung am Smithsunde hinauf, wo sie auch jetzt noch üblich sind.
Dieses leichte Kostüm ist natürlich sehr gesund und gut. Die dicken Fellkleider hindern die Hautausdünstung sehr, es ist also ein natürliches Bedürfnis, das die Eskimos veranlaßte, sie in den warmen Räumen, wo sie doppelt ungesund sind, abzulegen. Doch als die Europäer ins Land kamen, predigten die Missionare heftig gegen diesen, ihr Anstandsgefühl verletzenden, gemütlichen Brauch. So kam es denn schließlich dahin, daß diese Hauskleider auf der Westküste abgeschafft wurden. Ob es die Moral verbessert hat, wage ich nicht zu entscheiden — ich möchte es bezweifeln —, doch daß es nicht zur Verbesserung des Gesundheitszustandes beigetragen, das unterliegt für mich keinem Zweifel.
Im Punkte des Entblößens ist auch der Westgrönländer noch heute ein Naturkind. Manche Eskimodamen machen freilich einen schüchternen Versuch, ihre Blöße zu bedecken, sobald ein Europäer ins Zimmer tritt. Aber ich fürchte — ich fürchte, daß dies mehr geschieht aus Ziererei, die uns ihrer Meinung nach gefällt, als aus wirklichem Schamgefühl. Denn sobald sie merken, daß wir keine Notiz davon nehmen, wird sich damit auch nicht weiter angestrengt. Auch ihren Landsleuten gegenüber zeigen sie wenig Schamgefühl. Man höre nur, was der gute Hans Egede sich genötigt sieht, hierüber zu berichten, und was ich aus eigener Erfahrung bestätigen muß:
»Sie machen sich garnichts daraus,« sagt er, »in Gegenwart anderer ihre Notdurft zu verrichten. Jede Familie hat vorne im Zimmer eine große Tonne oder Kufe stehen, in die alle ganz ungeniert ihr Wasser ablassen, wenn auch noch soviel Besuch zuguckt. Besagte Tonne bleibt stehen, bis der Inhalt, mit Erlaubnis zu sagen, stinkt, und die Tonne mit obenbemeldeter Flüssigkeit dient dazu, die zu gerbenden Felle auszulaugen« u. s. w.
Das Haar der Eskimos ist rabenschwarz, glatt und steif, wie ein Pferdeschwanz und darf bei den Männern wachsen, wie es ihnen gefällt. Auf der Ostküste wird es in der Regel nicht beschnitten, ja, es gilt für gefahrbringend, wenn man etwas davon einbüßt. Stellenweise wird es mit einer Schnur aus der Stirn zurückgebunden. Manchmal wird jedoch Kindern das Haar geschnitten. Dann aber müssen sie es ihr ganzes Leben hindurch thun und gewisse Formalitäten dabei beobachten, z. B. wird unter anderem ihren Hunden im ersten Lebensjahre Schwanz und Ohren gestutzt. Eisen darf unter keinen Umständen mit dem Haar in Berührung kommen, weshalb es mit einem Haifischkiefer abgesägt wird.
Die Frauen drehen das Haar oben auf dem Schädel in einen Knoten. Dabei wird es auf allen Seiten gleichmäßig straff gezogen. Die Frauen der Ostküste umschnüren es mit Lederstreifen, die der Westküste dagegen mit einem farbigen Band. Junge Mädchen tragen Rot, — haben sie ein Kind, so legen sie Grün an, — Frauen Blau und Witwen Schwarz. Wollen letztere wieder heiraten, so pflegen sie Schwarz und Rot zu verbinden. Aeltere Witwen, welche die Hoffnung, noch einen Mann zu bekommen, endgültig aufgegeben haben, pflegen das schwarze Band mit einem weißen zu vertauschen. Hat eine Witwe noch nach dem Tode ihres Gatten Kinder, so muß auch sie Grün anlegen.
Der Haarknoten ist der Stolz der Grönländerinnen und muß so straff und aufrecht wie möglich in die Luft stehen. Dies ist besonders bei den jungen heiratsfähigen Eskimomädchen der Fall, und da diese kaum weniger eitel sind, als ihre europäischen Schwestern, so drehen sie ihr Haar mit solcher Gewalt zusammen, daß es nach und nach von Stirn, Nacken und Schläfen zurücktritt, und sie in verhältnismäßig jungen Jahren mehr oder weniger kahle Stellen bekommen, was nicht gerade ansprechend wirkt, aber einen sichtbaren Beweis für die Eitelkeit dieser Welt liefert. Damit sich nun das Haar recht fest zusammendrehen läßt und zugleich einen schönen Glanz erhält, ist es bei den Grönländerinnen Brauch, es vor dem Frisieren in Urin zu baden, wodurch es naß und klebrig wird und sich leichter aufbinden läßt. Ich weiß noch, wie ich eines Abends bei einem Tanzvergnügen in Godthaab eine mir befreundete Eskimodame zum Scherze damit neckte, daß ihr Knoten heute nicht so aufrecht stehe, wie er eigentlich sollte. Sie verschwand sofort und kam nach einer Weile mit einem glänzenden, steif in die Luft ragenden Knoten wieder, roch aber schrecklich nach besagtem Haarwasser. Mit derselben Flüssigkeit wäscht sich auch, wer besonders auf Reinlichkeit hält und sich oft wäscht. Sie lieben den Geruch, der ihnen von alledem anhaftet, nennen ihn jungfräulich und halten ihn für ein wirksames Zaubermittel zum Anlocken der Männer. Europäischen Nasen sagt er anfangs weniger zu. Saabye erzählt von einem Buchhalter in Nordgrönland, der sich in ein Eskimomädchen, d. h. in ihre Person, aber nicht in ihr Parfüm, verliebt hatte: »Er verfiel auf ein gutes Mittel, den von ihr ausgehenden, ihm so widerwärtigen Geruch zu beseitigen, und wandte es an. Er besprengte sie nämlich, erst verstohlen, dann offen, mit Lavendelessenz, und das half vorzüglich. Jetzt hielt er um sie an und wurde angenommen. Sie leben jetzt sehr glücklich und haben viele Kinder, aber die Frau riecht noch immer nach Lavendelessenz.«
Es ist überhaupt merkwürdig, wie gleichgültig sie mit Urin umgehen. Saabye sagt unter anderem: »Eine Mutter hielt ihr Kind über einer Schüssel ab, leerte diese in der Tonne aus, nahm das gekochte Fleisch aus dem Kessel, legte es ohne Weiteres in dieselbe Schüssel und setzte es den Gästen vor, die es mit gutem Appetit verzehrten.«
Die Mütter lecken ihre Kinder ab, statt sie zu waschen, — früher machten sie es wenigstens so — und wenn sie lausen oder kämmen, wird jede Laus nach Affenmanier aufgegessen. Denn: »Was beißt, muß wiedergebissen werden.«
Hier müßte ich eigentlich wohl aufhören, doch damit der Leser sich ganz mit den uns ungewohnten Sitten dieses Volkes vertraut mache, will ich noch einmal Egede citieren, der über ihr »äußeres Comportement« sagt:
»Im übrigen sind sie in ihrem ganzen Benehmen tölpelhaft und ungeschliffen, essen von demselben Geschirr, von dem ihre Hunde gefressen haben, ohne es vorher zu säubern, verzehren — was abscheulich anzusehen ist — Läuse und Ungeziefer von ihrem eigenen und anderer Leibe und leben genau nach dem Sprichwort, daß alles, was aus der Nase kommt, in den Mund fallen muß, auf daß nichts umkomme.«

Eskimos bei der Ausbesserung des Kajaks.
Sollte jemand an diesen Eigentümlichkeiten im äußeren Auftreten der Eskimos Anstoß nehmen, so bitte ich ihn, zu bedenken, daß unsere eigenen Vorfahren vor noch garnicht so vielen Menschenaltern sich nicht viel anders betrugen. Man lese nur eine Beschreibung des häuslichen Lebens der Skandinavier in früheren Zeiten, und man wird erstaunliche Dinge vernehmen.

