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Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.«

Zwölftes Kapitel. Osmin vor Hassan.

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Osmin war von seiner Reise heimgekehrt; glücklich sah er die Geschäfte vollendet, die ihm reichen Gewinn eintrugen; deshalb war er heiter und guter Dinge und dachte an nichts weniger als an seinen Sklaven Ilev.

Da kam an ihn eine Einladung von Hassan und eilig machte sich Osmin auf den Weg zu Hassan, neuen Gewinn hoffend.

Hassan empfing ihn äußerst freundlich und machte wichtige Waaren-Bestellungen bei dem Kaufmann, der im Stillen die großen Vortheile berechnend, allen Wünschen Hassan's nachzukomnen suchte.

Doch, Osmin, sagte jetzt Hassan, ich beschwere dich wieder mit neuen Bestellungen und kann mich doch nicht erinnern, ältere Schulden getilgt zu haben, die nicht unbeträchtlich seyn dürften. Du hast meinen Sklaven Ilev, dem ich, da mein Sohn Selim mit Tod abgegangen war, die Freiheit schenkte, ausgestattet und dafür gesorgt, daß er zurück in seine Heimath gebracht wurde, gib nun an, was ich hierfür schulde!

Edler Hassan, sprach Osmin, sich im Herzen freuend, so unerwartet wieder treffliche Geschäfte zu machen, es ist nur eine Kleinigkeit, mit welcher ich dir seither nicht beschwerlich fallen wollte.

Kleinigkeit? wiederholte Hassan, solltest du etwa vergessen haben, daß ich dir auftrug, den Sklaven so auszustatten, daß sich Hassan der Ausstattung nicht zu schämen habe?

Edler Hassan, versetzte Osmin, ich habe nichts gespart und glücklich gelangte Ilev in seine Heimath.

Hast du auch sichere Nachricht hierüber? fragte Hassan.

Die sicherste, edler Hassan, sagte Osmin, ist mir von dem Handlungshause zugekommen, welchem ich deinen Schützling anvertraute. Vater und Sohn preisen sich nun glücklich und erflehen für dich täglich den himmlischen Segen.

Gut, Osmin, sprach Hassan, so lasse mich nun auch nicht länger in Schulden und gib mir an, wie hoch sich deine Auslagen belaufen.

Nur eine Kleinigkeit für dich, edler Hassan, sagte Osmin, der ganze Betrag beläuft sich nur auf fünftausend Piaster.

Fünftausend Piaster! wiederholte Hassan und mit den Worten winkte er einem Sklaven: geh, und lasse meinen Schatzmeister eintreten, damit er Richtigkeit mache.

Der Sklave entfernte sich, eine Seitenthüre des Gemaches öffnete sich, und herein trat Ilev.

Wie vom Blitze getroffen stand Osmin da. Er traute kaum seinen Augen, die Röthe auf seinem Gesichte veränderte sich in falbe Todtenblässe, er zitterte und fiel mit den Worten zu Hassan's Füßen: Erbarmen! edler Hassan, Allah ist gerecht und bestraft meine schwarze That!

Weg von mir! rief Hassan, elender, abgefeimter Betrüger, so lohnst du das Vertrauen, welches ich dir bis jetzt in so großem Maße geschenkt habe? Dich möge Allah mit dem Fluche verfolgen, das Geld möge sich in deiner Hand in glühendes Erz verwandeln, und dein auf so niederträchtige Weise zusammengescharrter Reichthum möge dir die Brust zuschnüren, Elendester unter der Sonne! Ich will deine Schandthaten aufdecken und Allah ist dir gnädig, wenn du nicht mit dem Galgen oder mindestens mit dem Kerker bestraft wirst.

Erbarmen, edler Hassan, habe Erbarmen, flehte Osmin auf dem Boden, habe Erbarmen mit mir!

Weg, Elender! rief aber Hassan und entfernte sich mit Ilev, während Hassan's Sklaven den betrügerischen Kaufmann dem Gerichte überlieferten, welches strenge Strafe über ihn verhängte.

Zu Ilev sprach dann Hassan: gehe zu Ossira, meinem Weibe, danke ihr, die es war, die sich deiner annahm, und hinterbringe es ihr, wie ich mit Osmin, deinem Bedrücker verfuhr. Ich selbst aber will jetzt dafür sorgen, daß du in deine Heimath gelangst, und nicht wieder einem Betrüger in die Hände fällst.

Und Ilev that unter Thränen des Dankes, wie ihm Hassan befohlen.

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