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Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.«

Fünfzehntes Kapitel. Der Brief.

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Während Karl fern von der Heimath als Sklave die niedrigsten Geschicke zu ertragen hatte, änderte sich in dem Hause des alten Daruff vieles.

Aurelie, die gute Tochter war zur sittsamen Jungfrau herangereift und Daruffs Sorge ging nun dahin, einen annehmbaren Eidam in das Haus zu bekommen, der das Glück seiner geliebten Tochter begründe und das Geschäft tüchtig fortführe, denn der Alte merkte, daß seine Kräfte abnehmen und ihm die Uebersicht und Gewandheit immer mehr entgehe, welche die Führung der Geschäfte erforderte.

Und der alte Daruff war so glücklich, sich bald als zufriedener Schwiegervater, und auch bald darauf als der glücklichste Großvater zu sehen.

Aurelie reichte einem jungen Manne, der ihrer Wahl ganz würdig war die Hand, und nun verlebte Daruff in Mitte seines Schwiegersohnes und seiner Tochter die heitersten Tage.

Das Handlungshaus blieb in seinem alten guten Rufe und nichts fehlte den Glücklichen als bestimmte Nachricht über das Geschick des nun so schon lange vermißten Sohnes.

Die Schreiben, welche Osmin an Karls Vater abgehen ließ, waren nicht angekommen.

Der alte Daruff erinnerte sich oft seines Sohnes Karl und er machte sich zuweilen sogar Vorwürfe, daß er zu streng gegen seinen Sohn möchte gewesen seyn.

Tochter und Schwiegersohn suchten ihn dann zu beruhigen und trösteten ihn mit der Aussicht da noch keine Kunde über Karls Ableben eingetroffen sei, so könne ja derselbe noch leben und wohl glücklich wieder heimkommen.

Allein Daruff hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, in diesem Leben seinen Sohn wieder zu sehen und dieser Gedanke war oft seine einzige Betrübniß.

Da langte unerwartet der Brief von Karl an, welcher meldete, der lang vermißte Sohn sei auf der Rückkehr in das elterliche Haus begriffen.

Die jungen Leute wußten nun nicht gleich, wie sie diese frohe Botschaft dem alten Vater hinterbringen sollten.

Ueberlasse es mir, sagte Aurelia's Gatte, dem Alten die frohe Nachricht beizubringen.

O nimm mir diese Freude nicht! sprach Aurelie, gib mir den Brief, daß ich meinem alten Vater mit einer so glücklichen Bothschaft eine frohe Stunde bereite. Und der Gatte gab dem liebevollen Weibe nach.

Als nun der alte Daruff in seinem Lehnsessel vor dem Ofen saß, denn die liebliche Wärme that dem Alten wohl, trat Aurelie vor ihn hin und während sie den Brief hoch empor hielt sprach sie mit freudenglänzenden Augen: Einen Brief, mein bester Vater, einen Brief! und von wem meinst du wohl?

Ach, sagte der alte Daruff, habe ich doch während meiner langjährigen Geschäftsführung so viele Briefe erhalten, aber ein Schreiben von meinem Karl – nein, das kam mir nicht zu! Wozu mir noch Briefe?

Ach, bester Vater, sagte Aurelie, du sprichst selbst von Karl und sieh, wie glücklich wir sind! Ist auch dieser Brief nicht von Karls Hand, so ist doch Karl der Urheber dieses Briefs!

Mein Karl! rief freudig der Alte, so lebt noch mein Sohn Karl?

Ja, bester Vater, antwortete Aurelie, Karl lebt und ist wohlauf.

Und er hat selbst geschrieben? fragte der Alte mit zitternder Stimme.

Nicht doch, bester Vater, versetzte Aurelie, er hat den Brief schreiben lassen.

O guter Gott! sprach der Alte, so sage mir doch, wo ist Karl und weshalb hat er nicht selbst geschrieben?

Unser Karl, sagte Aurelie, ist nach diesem Briefe auf der Heimkehr in das elterliche Haus begriffen, und bald, bald wird Karl unter uns seyn, welche Freude!

Gute Tochter, sagte jetzt der Alte mit wankender Stimme und suchte sich aus dem Sessel zu erheben, ich bin vorbereitet, ja, ja! du hast mich genugsam vorbereitet; mein Karl, mein Karl ist nicht so weit mehr von mir, als du sagst, er ist hier! Lasse mich meinen Sohn sehen! Mein Sohn Karl! mein Sohn Karl!

Nein, bester Vater, sprach Aurelie, Karl ist noch nicht hier, ich will den Brief vorlesen.

Da ließ sich der Alte wieder im Sessel nieder und horchte auf den Inhalt des Briefes.

Und als Aurelie zu Ende war, da faltete der alte Daruff andächtig die Hände und sprach:

O guter Gott! der du einen alten, bekümmerten Vater nicht verlassen hast, wie kann ich dir genug danken? Du gabst mir väterlich milde meinen Sohn zurück, Ehre, Lob und Preiß sei dir in Ewigkeit!

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