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Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.«

Siebentes Kapitel. Kummer im elterlichen Hause.

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Als Aurelie vom Garten heimgekehrt war, ging sie niedergeschlagen in das Wohnzimmer und nahm ihre weibliche Arbeit zur Hand. Sie sah oft durch das Fenster hin nach der Straße, aus welcher Karl von der Wohnung des Forstmeisters aus kommen mußte. Sie wartete mit Sehnsucht auf die Ankunft ihres Bruders und da sich diese von Stunde zu Stunde verzögerte, wurde sie immer ängstlicher, daß sie ihre Beklommenheit nicht länger mehr zu verbergen im Stande war.

Da trat der Vater in das Zimmer. Wo ist Karl? fragte er. Und was ist denn mit dir? fuhr er fort, daß du so verstört aussiehst?

Ach, lieber Vater, sagte Aurelie, werde nicht ungehalten! Karl hat wieder einen schlimmen Streich verübt, allein ich bin die Veranlassung dazu, verzeihe also ihm und mir!

Und nun erzählte sie ihm die Geschichte mit dem Hunde im Garten und schloß mit den Worten: wäre ich selbst daran gegangen, den Hund von den Blumenbeeten und aus dem Garten zu treiben, so wäre der Unfug wohl nicht geschehen, den Karl mehr in der Uebereilung als mit bösem Herzen verübt hat. Sieh ihm also, lieber Vater, noch einmal nach und verzeihe ihm und mir!

Nein, meine Tochter, sagte der Vater, hier wäre Nachsicht am unrechten Orte; Karl hat sich schon so oft in diesem Punkte verfehlt, daß ich nur mit Grund befürchten muß, sein Herz verschließe sich für alle feineren Gefühle. Ich will ihn diesesmal nachdrücklich strafen.

Und welche Unannehmlichkeit für mich, daß der Hund gerade dem Forstmeister zusteht! Welche Ansichten muß der Mann von mir gewinnen? Wird er nicht denken, daß ich mich der Erziehung meines Sohnes gar nicht annehme? oder daß ich auf seine Bildung und Veredlung des Herzens nichts verwende? Wäre der Hund einem gemeinen Manne, so könnte ich den Mann abfinden und den Schaden so gut als möglich ersetzen, wie soll ich es aber hier anfangen?

Und nachdenkend ging er im Zimmer auf und ab.

Aber wo ist denn Karl? fragte er hierauf wieder.

Er ist auf meinen Rath zum Forstmeister gegangen, erwiederte Aurelie, um ihn um Verzeihung zu bitten und sich zu erkundigen, wie der Schaden wieder gut zu machen sei.

Das ist noch löblich, sagte der Vater, aber dessen ungeachtet wird ihm eine empfindliche Strafe nicht geschenkt.

Jetzt wurde Karl zurück erwartet, allein er erschien nicht. Der Abend kam herbei, ohne daß sich Karl einstellte. Ach Gott, sagte Aurelie von einer Ahnung ergriffen, Karl wird doch nicht in der Angst des Herzens einen weiteren unüberlegten Schritt gethan und sich entfernt haben?

Ich will selbst zum Forstmeister gehen, sprach der Vater, um mich theils zu erkundigen, ob Karl dort war und wohin er sich etwa entfernte, theils um den Forstmeister wegen des Schadens zufrieden zu stellen.

Mit Verwunderung vernahm nun der Kaufmann Daruff vom Forstmeister, daß sich Karl wohl vor dem Hause habe sehen lassen, daß er dasselbe jedoch nicht betreten habe. Was übrigens den Schaden anbelangt, setzte der Forstmeister wohlwollend bei, so ist er ganz unbeträchtlich; auf der Jagd ist der Hund wegen des hohen Alters nicht mehr zu brauchen, und daß ihm durch den Verlust des Schweifes eine besondere Zierde abgegangen sei, wüßte ich gerade auch nicht, übrigens ist Achill der Liebling meines Sohnes Eduard und den zufrieden zu stellen, fuhr er lächelnd fort, wird auch nicht so schwer seyn.

Der Kaufmann war über diese Rede des wackeren Forstmeisters sehr erfreut und bat, den unbesonnenen Streich seinem Sohne zu verzeihen mit dem Beisatze, daß er seinem Sohne für künftige Fälle eine angemessene Strafe werde zu Theil kommen lassen, daß es ihm übrigens eine süße Pflicht sei, den Sohn Eduard ob der Verstümmlung seines Lieblings zu beruhigen.

Nach diesem entfernte sich der Kaufmann, hoffend, seinen Sohn nun zu Hause zu treffen.

Allein Karl war noch nicht in das elterliche Haus zurück gekehrt und alle Erkundigungen im Städtchen nach ihm waren vergebens.

Jetzt wurden der Kaufmann und seine Tochter besorgt.

Da erschien ein Schreiben von der Polizei zu Bremen, welches dem Kaufmanne Daruff zu eröffnen war. Daruff war wie vom Schlage getroffen, als ihm der Inhalt des Schreibens bekannt gemacht war. Dasselbe enthielt nämlich den Hergang mit Karls Einsperrung in Bremen in Folge des bei ihm vorgefundenen Ringes und die Aufforderung an Daruff, nach Bremen zu kommen und seinen Sohn anzuerkennen.

Unverzüglich setzte sich Daruff in einen Wagen und fuhr nach Bremen. Aber wie erschrack er erst dort, als man ihm sagte, sein Sohn sei aus dem Gefängnisse entwischt, ohne daß sein Aufenthalt bis jetzt ausgemittelt sei.

Sehr traurig und niedergeschlagen kehrte er zurück, höchst besorgt um das Schicksal seines Sohnes.

Er schrieb allen Verwandten und Bekannten und erkundigte sich nach Karl, in der Meinung derselbe habe aus Furcht vor Strafe bei einem oder dem andern Zuflucht gesucht. Es langten nun viele Briefe an, aber alle konnten keinen Aufschluß über Karl geben.

Die Polizei in Bremen schrieb öffentlich aus und Karl wurde aufgefordert sich vor der Behörde zu stellen.

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