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Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.«

Dreizehntes Kapitel. Karl reist in die Heimath.

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Der edle Hassan hielt Wort. Karl befand sich auf einem sehr schönen Schiffe, welches nach Bremen abging. Hassan hatte so für ihn gesorgt, daß es ihm an keiner Bequemlichkeit fehlte. Nebstdem gab er ihm so viel an Geld, daß Karl sich im Stande befand, als wohlhabender Mann aufzutreten.

Beim Abschiede sprach Hassan: ich habe nun Alles gethan, um dir die Drangsale vergessen zu machen, deren du in Osmin's Hause gegen mein Wissen und meinen Willen ausgesetzt warst; du kehrst nun zu deinem Vater heim, dem sich Hassan empfiehlt. Wende das Wenige, das dir aus meiner Schatzkammer zugeflossen ist, gut an und so oft du Gelegenheit hast, mildthätig gegen Leidende und Bedrückte zu seyn, so verhärte dein Herz nicht und stehe ihnen bei, so viel in deinen Kräften liegt. Keine gute That bleibt unbelohnt und jede gute Handlung ist ein Samenkern, welcher zu einem mächtigen Baume aufschießt, unter dessen Schutz du bei herannahendem Sturme flüchten kannst. Es gibt keine reinere Freude, als Thränen der Noth zu trocknen. Erinnere dich oft deiner Erlebnisse in unserem Lande und vergiß nie, wie wohl es dir that, ein menschenfreundliches Herz gefunden zu haben; du wirst dann doppelt geben und auch eine zweifache Erndte zu hoffen haben.

So sprach Hassan und mit gerührtem Herzen, das ihm kaum gestattete, seinen Dank mit Worten auszudrücken, schied Karl, welcher jetzt in den rüstigsten Jahren stand, von Hassan und Ossira, dessen Weibe.

Die Fahrt ging gut von Statten.

An einem schönen Morgen sahen endlich die Reisenden das ersehnte Ziel vor Augen und das Schiff lief in den Hafen.

Karl, welcher noch auf der See sich unpäßlich fühlte, wurde kränker und so wenig er auch damit einverstanden war, so brachte man ihn doch in das Spital.

Hier blieb er die vorgeschriebene Zeit, welche für jene festgesetzt ist, die aus den heißeren Ländern kommen und von irgend einer Krankheit befallen sind. Er war ganz abgeschlossen und bekam nur jene zu Gesicht, die sich mit seiner Verpflegung beauftragt sahen.

Während dieser Zeit hörte Karl aus einem nicht weit von ihm gelegenen Zimmer die hellen, unsicheren Töne, als wenn eine alte Frau andächtig dem Gesange obliege. Diese Töne wurden dann von einem Gelächter unterbrochen, welches keineswegs zum andächtigen und erbaulichen Gesange paßte.

Karl erkundigte sich nach der Sängerin und der Wärter antwortete: ach, die tolle Margareth, der Mond ist wieder im Zunehmen, das spürt das alte Ding und da hat sie wenig Ruhe.

Sprichst du von einer Wahnsinnigen? fragte Karl.

Ja wohl! Ihr meint doch die Person, welche so erbaulich singt? Nun ja, diese ist die tolle Margareth, sagte der Wärter.

Bei dem Namen Margareth kam Karl sogleich jene Margaretha in das Gedächtniß, welche ihn vor vielen Jahren aus der polizeilichen Haft entließ.

Er erschrack bei dem Gedanken, daß Margaretha durch seine Schuld vielleicht dem Wahnsinne anheim gefallen sei und begierig fragte er weiter: ist denn diese Person schon alt und kennt man keinen Grund, was sie vielleicht zum Wahnsinne brachte?

Das weiß man wohl, entgegnete der Wärter, das alte Ding wurde aus dem Dienste gestoßen und hat ihren Anspruch auf Pension verloren; das hat nun der armen Margareth so zugesetzt, daß sie von jener Stunde an wahnsinnig ist.

Ach Gott! sagte Karl, sie ist es!

Kennt Ihr sie auch? fragte der Wärter.

Karl wollte sich nicht verrathen und sprach: ich habe wohl von dieser Person schon gehört, aber persönlich kenne ich sie nicht. Doch wäre mir daran gelegen, sie einmal zu sehen.

Das steht Euch frei, sagte der Wärter, sobald Ihr genesen seid und Eure Zeit ausgehalten habt.

Diese Person, fuhr Karl fort, wurde also aus dem Dienste gejagt und hat ihre Pension verloren? Was hat sie sich denn zu Schulden kommen lassen und bei wem stand sie in Diensten?

Die alte Margareth, erzählte nun der Wärter, stand damals bei der Polizei dahier in Diensten, nun wurde ein junger Bursche aufgegriffen, den man des Diebstahls zeihte, weil man einen kostbaren Ring bei ihm fand, der entwendet war; das gute alte Ding mag sich durch das klägliche Thun dieses Burschen haben verführen lassen und wie sie eingestand, hat sie denselben aus der Haft richtig entwischen lassen.

Karl erschrack sehr, denn nun zweifelte er nicht mehr, daß die unglückliche Wahnsinnige seine arme Margarethe sei, die ihm damals zur Freiheit verholfen, die er hintergangen und auf diese Weise höchst unglücklich gemacht hatte. Er verbarg aber sein Inneres, so gut er konnte und fragte wieder:

Wie ist man denn dahinter gekommen, daß Margaretha den Burschen entwischen ließ, hat sie es denn sogleich einbekannt?

Das nicht, versetzte der Wärter, aber man hat den Rock bei ihr gefunden, den dieser Bursche bei seiner Haftnahme getragen haben soll.

Gut, daß jetzt wieder die hellen Töne der Wahnsinnigen erfolgten, Karl nahm zum Vorwande, daß er durch diesen Gesang bei seiner Unpäßlichkeit sehr ergriffen werde und so brach der Wärter dieses Gespräch ab und entfernte sich.

Karl besserte sich immer mehr und die Zeit ging zu Ende, welche er im Spital zuzubringen hatte.

Er ging nun mit sich zu Rathe, ob es nicht besser sei, seinen Vater von seiner Ankunft erst in Kenntniß zu setzen; er überlegte, daß sein plötzliches Erscheinen im elterlichen Hause nach so vielen Jahren nachtheilig auf den alten Vater einwirken könne und so ließ er einen Brief von anderer Hand an seinen Vater abgehen, in welchem stand, daß sein Sohn Karl nach vielen erstandenen Mühseligkeiten auf der Rückkehr in seine Heimath begriffen sei und demnächst ankommen werde.

Dann ordnete Karl seine Sachen und bereitete sich vor, das Spital zu verlassen.

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