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Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.«

Sechstes Kapitel. Karl zu Schiffe.

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Die Nacht brach ein und es wurde allmählig dunkler in den Strassen von Bremen. Karl eilte auf das Thor zu, durch welches er gekommen war, und wie leicht war es ihm jetzt um das Herz, als er die Stadt hinter sich hatte, in welcher er des Diebstahls verdächtig und in das Gefängniß gebracht wurde.

Er eilte rastlos seiner Heimath zu, doch hatte er noch keine große Strecke zurück gelegt, da blieb er auf einmal stehen und wie von einem bösen Geiste wurde er vom Gedanken ergriffen, welchen Empfang er zu Hause zu gewärtigen habe?

Darf ich denn auch, fragte er sich, meinem Vater unter die Augen kommen?

Habe ich nicht Strafe zu befürchten, weil ich mich so lange vom Hause ohne Wissen und Willen meines Vaters entfernt? Zudem hat er jetzt die ganze Geschichte mit dem Hunde im Garten erfahren, er ist sicher heftig gegen mich aufgebracht, was habe ich nicht Alles zu befürchten?

Er war unschlüssig, ob er seinen Weg fortsetzen solle, da fiel ihm die alte Margaretha ein, der er es so fest versprochen hatte, sich auf geradem Wege nach Hause zu begeben.

Begehe ich nicht einen neuen Fehler, sagte er, wenn ich mein Wort nicht halte und nicht eilig heimkehre? Und mache ich die gute Margaretha nicht unglücklich, wenn ich meinem Versprechen nicht nachkomme?

Er that wieder einige Schritte vorwärts, blieb aber auch gleich wieder stehen und fuhr fort: hat denn aber auch Margaretha nicht gesagt: die Polizei werde an meinen Vater schreiben und ihm die Geschichte mit dem Ring, so wie meine Einsperrung mittheilen? Ach, du lieber Gott! gewiß ist schon an meinen Vater geschrieben worden und wenn ich nun nach Hause komme, werde ich als ein Dieb empfangen! Nein, nein! ich darf nicht nach Hause! Ach, gute Margaretha, verzeiht mir! Ich darf, ich darf nicht nach Hause!

Und er entschloß sich, umzukehren.

Während er nun wieder der Stadt Bremen zuging, überlegte er, wie und wo er sich aufhalten könne. Ueberall sah er Hindernisse. Er sah sich von der Polizei verfolgt und dachte mit Schauder zurück an das Gefängniß.

Endlich war er mit sich einig. Er nahm sich vor, an den Hafen zu gehen und falls ein Schiff segelfertig mit der Bestimmung nach London vor Anker liege, sich als Schiffsjungen anwerben zu lassen und zu seinem Onkel Heinrich nach London zu reisen.

Von London aus wollte er dann an seinen Vater schreiben, so wie er auch der alten Margaretha einen Brief schicken wollte, in welchem er sie um Verzeihung zu bitten und sie wegen ihrer Zukunft zu beruhigen gedachte.

So kam er an den Hafen.

Er machte mit seinem Vorhaben einen Matrosen bekannt, der sich auch seiner annahm und ihm versprach, sich für ihn beim Schiffs-Kapitain zu verwenden. Zwar macht unser Schiff, sagte der Matrose, die Fahrt nicht sogleich nach London, indem es erst mit voller Ladung nach Brasilien geht, von dort aber segeln wir ohne Aufenthalt nach London; es wird dir übrigens, mein Junge, nichts schaden, wenn du auch die Küste von Amerika siehst und zwar auf so billige Weise.

Da erblickte Karl einen Diener der Polizei, der an ihm vorüberging, als er mit dem Juwelier das Polizei-Gebäude betrat. Unendliche Angst ergriff ihn. Er bat den Matrosen, ihn doch sogleich mit auf das Schiff zu nehmen, da er bereit sei, die Fahrt nach Brasilien mit zu machen. Er befürchtete, dem Diener der Polizei in die Hände zu fallen, suchte deshalb so bald als möglich auf das Schiff zu kommen, ohne zu überlegen, welche Reise er antreten werde.

Der Matrose ergriff ihn bei der Hand und nahm ihn mit auf das Schiff. Dort stellte er ihn dem Kapitain vor.

Dich können wir schon brauchen, sagte der Kapitain zu Karl, aber sage mir, wie verträgt sich denn deine schmutzige Jacke mit der feinen Hose?

Karl betrachtete erst jetzt seine Jacke und gewahrte so den Unterschied zwischen Hose und Jacke.

Herr, sagte Karl, ein Wohlthäter hat mir die Hose geschenkt.

Wenn du sie nicht gestohlen hast, bemerkte der Kapitain. Nun sei dem, wie ihm wolle, fuhr er fort, ist er ein hergelaufener Bursche, so wird er doch nicht von unserm Schiffe laufen. Weise ihn zurecht! Jakob, wendete er sich hierauf an den Matrosen, und dieser entfernte sich mit Karl.

Sehr weh that es Karl, daß der Kapitain die Bemerkung über die Hose gemacht hatte.

Auch dieser, dachte er, hält dich für Einen, der sich dem Diebstahle ergibt; hätte ich vielleicht die Wahrheit gesagt, würde er die Bemerkung nicht gemacht haben; ich habe gelogen und wer lügt, der stiehlt auch. Der Kapitain mag mir wohl angesehen haben, daß ich ihm nicht die Wahrheit sagte, so mochte er auch wohl der Meinung werden, ich könne die Hose gestohlen haben.

Und wehmüthigen Herzens folgte er dem Matrosen, der besondere Zuneigung zu Karl gefaßt zu haben schien, denn er gab sich sehr mit ihm ab, unterrichtete ihn in diesem und jenem Geschäfte und war ihm mit Rath und That allzeit zur Hand.

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