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Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.«

Neuntes Kapitel. Karls Beschäftigung als Sklave.

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Karl gerieth auf dem Sklaven-Markte in die Hände eines reichen und vornehmen Türken, dem das gesunde Aussehen des Knaben sehr wohl gefiel.

Allah! sagte der Türke, welche Zierde wird dieser junge Sklave in meinen Gärten werden, es muß sich schön ausnehmen, wenn er so zwischen den Blumen und Gewächsen einher geht. Und so kaufte er den Knaben, ohne um den Preis zu feilschen.

Nun kam Karl auf die weiten Besitzungen des Türken, welcher die schönsten Gärten besaß, die mit den seltensten Blumen und Bäumen, mit den kostspieligsten Brunnen und Wasserleitungen und mit den geschmackvollsten Gartenhäuschen, Grotten und Tempeln prangten.

Er wurde einem betagten Sklaven, der sich auf die Gärtnerei verstand, beigegeben; dem mußte er stets zur Hand seyn.

Er wurde angewiesen, die Blumen-Beeten vom Unkraute rein zu halten und die Blumen und Pflanzen zu begießen. Auch die Gänge im Garten waren ihm theilweise zugetheilt, auf welchen er den Sand gleichmäßig zu vertheilen, und solche von Steinen und Reisern rein zu halten hatte.

Mit dieser Beschäftigung verfloß eine lange Zeit, während welcher sich Karl oft nach Hause sehnte und heiße Thränen vergoß, wenn er so seinem Tagwerke nachging und über seine Erlebnisse nachdachte.

Kam nicht sein ganzes widriges Geschick von seinem Hange zur Thierquälerei her?

Am meisten aber lag ihm am Herzen, daß sein Vater unbekannt mit dem Geschicke seines Sohnes war. Er hätte so viel darum gegeben, wenn er seinem Vater Nachricht von sich hätte zukommen lassen können, aber wie sollte er es anfangen? Dabei hegte er die Hoffnung, daß sein Vater, sobald er den traurigen Aufenthalt des Sohnes erfahre, gewiß alle Mittel aufbieten werde, ihn zurück in die Heimath zu bringen.

Allein er sah keinen Weg, dem Vater Mittheilungen zu machen.

Karl konnte zwar schreiben, es fehlte ihm aber hier an den nöthigen Schreibmaterialien sowohl, als auch an der Gelegenheit, den Brief zu befördern.

Da ging er nun oft sehr traurig und niedergeschlagen in den schönen Gefilden des Gartens umher.

Er wandte sich oft im Gebete zu Gott, suchte und fand Trost darin.

Ich sehe ein, sprach er, daß ich diese Prüfung verdient habe; aber guter Vater im Himmel! führe mich auch wieder den Meinigen zu. Hier muß ich dem Leibe und dem Geiste nach Verkümmern. Wie glücklich sind gegen mich meine Jugend-Genossen, denen Unterricht ertheilt wird und welchen so täglich Gelegenheit gegeben ist, sich zu vervollkommnen und Dir himmlischer Vater so stets ähnlicher zu werden, der Du das vollkommenste Wesen bist.

Der alte Sklave, welchem Karl beigegeben war, bemerkte die große Traurigkeit des Gärtner-Jungen und er sprach eines Tages zu Karl:

Du scheinst mir nicht mit deinem Stande zufrieden zu seyn? hast du vielleicht eine Angelegenheit, aus der ich dir zu helfen im Stande wäre?

Ich sehe ja kein Ende meiner Leiden, antwortete Karl, warum sollte ich da nicht traurig seyn? Ich muß hier die Arbeiten eines Gärtner-Jungen verrichten, während ich, wenn ich bei meinem Vater wäre, nun dessen Geschäft als Kaufmann übernehmen und ein herrliches Leben führen könnte.

Besitzt denn dein Vater, fragte der alte Sklave, Reichthum?

Das Haus Daruff, versetzte Karl, steht in gutem Rufe.

Wenn das ist, sagte der Sklave, so wird es ja deinem Vater auch nicht schwer halten, dich frei zu machen und dich in die Heimath zurück kommen zu lassen?

Mein Vater, erwiederte Karl, würde einen beträchtlichen Theil seines Vermögens daran setzen, mich frei zu machen, aber wo finde ich Mittel und Wege, ihn von meinem Geschicke in Kenntniß zu setzen?

Das will ich dir sagen, versetzte der Sklave, du wendest dich an den reichen Kaufmann Osmin dahier, welcher oft in diesen Gärten lustwandelt und bei Hassan, unserm Gebieter in hohen Ehren steht. Der wird sich gewiß für dich verwenden, denn Osmin liebt das Geld, ist er gleich einer der reichsten Kaufleute und hier sieht er mit scharfem Blicke Vortheile erwachsen.

Macht mich doch, bat nun Karl, mit Osmin bekannt, sollte ich meine Freiheit erringen, so soll es euch gut belohnt werden, daß ihr mir diesen Rath ertheilt habt.

Glücklicher Zufall! sagte der Sklave, dort wandelt Osmin zwischen den Palmen, begib dich zu ihm, trage ihm deine Noth vor, sage, daß das Haus deines Vaters in gutem Rufe stehe und ich müßte diesen Osmin nicht kennen, wenn er dir nicht behilflich seyn sollte!

Karl pflückte einen hübschen Blumenstrauß, band ihn sinnig zusammen und begab sich damit zum reichen Kaufmann Osmin.

Allah sei mit Euch, edler Osmin, sagte Karl, verschmäht es nicht, diesen Blumenstrauß anzunehmen!

Wer schickt mir den Strauß? fragte Osmin.

Ich habe ihn für Euch gepflückt, entgegnete Karl, da man mir sagte, daß Ihr ein großer Blumenfreund seyd.

Osmin betrachtete den Blumenspender mit Wohlgefallen, griff dann in die Tasche, um demselben ein Silberstück zu geben.

Verzeiht, edler Osmin, sagte Karl, der sich anständig weigerte, das ihm zugedachte Geschenk zu nehmen, ich bitte Euch um eine andere Gunst-Bezeigung.

Und worin besteht diese? fragte Osmin den Gärtner-Jungen, dessen seines Wesen ihm wohlzugefallen schien.

Habt die Güte, versetzte Karl und schreibt an meinen Vater, daß ich hier als Sklave in Diensten stehe, daß er sich meiner doch annehmen und mich aus dem Sklaven-Joche befreien möge.

Wer ist denn dein Vater, fragte Osmin, dem du so Großes zutraust!

Mein Vater, entgegnete Karl, ist der reiche Kaufmann Daruff unfern Bremen, dessen einziger Sohn ich bin.

Der reiche – der reiche Kaufmann Daruff, wiederholte Osmin, aber sage mir doch, wie bist du denn Sklave geworden?

Karl erzählte, daß er von seinem Vater zum Onkel Heinrich nach London geschickt worden sei, daß indessen das Schiff, auf welchem er sich befunden, von Seeräubern genommen worden und er so in die Sklaverei gekommen sei.

Dein Geschick geht mir zu Herzen, sagte Osmin, und denken kann ich mir auch, wie du dich zurück nach deinem Vater sehnest; aber Summen kann es kosten; doch dein Vater, der reiche Kaufmann wird die Piaster nicht erst ängstlich in der Hand wiegen, wenn es sich darum handelt, seinen einzigen Sohn wieder um sich zu sehen.

Aber Hassan, fuhr er fort, Hassan, dein Gebieter hat hier auch ein Wort zu reden und ist der mit deiner Freiheit nicht einverstanden so hilft aller Reichthum nichts, den dein Vater besitzt und den er zu deinem Besten willig opfern würde.

Ach, edler Osmin, sagte Karl, man hat mich darüber verständigt, wie hoch Ihr bei Hassan dem Gebieter in Ehren steht; würdet Ihr nun Eure gütige Fürsprache mir zu Theil werden lassen, so dürfte ich gewiß seyn, daß ich frei werde. Und daß sich dann mein Vater höchst erkenntlich gegen Euch bezeigen würde, dessen versichere ich Euch hoch und theuer.

Ich will deinem Vater schreiben, sagte Osmin; zuvor aber muß ich mit Hassan reden. Ich kenne deinen Gebieter; solltest du so unglücklich seyn, daß er dich, er, der so viele Sklaven besitzt, persönlich kennt, so ist auch meine Fürsprache und Alles umsonst; ja, dann darf ich es nicht einmal wagen, an deinen Vater zu schreiben, um ihn mit deinem Geschicke bekannt zu machen.

Morgen will ich schon zu Hassan gehen und Rücksprache mit ihm nehmen; sage mir nun, welchen Namen führest du als Sklave?

Mir wurde, entgegnete Karl, der Name Ilev beigelegt, dessen Geschäft es ist, in Hassan's schönen Gärten die Blumenbeete vom Unkraute zu reinigen und die Gänge in reinlichem Stande zu erhalten.

Sei also morgen um diese Zeit, sagte Osmin, wieder hier unter den Palmen, ich werde dir dann mittheilen, welchen Erfolg meine Unterredung mit Hassan dem Gebieter hatte.

Mit diesen Worten entfernte sich Osmin in stolzer Haltung.

Allah schütze Euch, edler Osmin, rief ihm Karl noch nach und ging dann zu dem alten Sklaven zurück, dem er das Gespräch mit Osmin mittheilte.

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