VORBEREITUNG DER EXPEDITION.
Reading edition
Die Wahl der Route / Einschlägige Literatur / Die Ausrüstung und wissenschaftlichen Instrumente / Dozent Dr. Robert Stigler / Meine übrigen Begleiter.
Meine Absicht, das Innere Afrikas aufzusuchen und zu durchforschen, reicht schon drei Jahre zurück und hatte sich in mir festgesetzt, ehe ich noch meine Ostgrönland-Expedition unternahm. Die Vorbereitungen für eine afrikanische Forschungsreise beanspruchten aber mehr Zeit, als mir damals zur Verfügung stand, so dass die Ausführung meines Planes auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden musste. Von Grönland zurückgekehrt, ging ich aber mit allem Eifer daran, mich für die neue Expedition zu rüsten. Mein Plan war, möglichst unerforschtes Gebiet des afrikanischen Kontinentes zu durchqueren, und von allem Anfange an stand in mir der Gedanke fest, die den Europäern noch unbekannten Gebiete Ugandas zu erforschen. Zu diesem Zwecke wollte ich mich über Nairobi nach Nakuro an der Ugandabahn und von dort in nördlicher Richtung längs des Baringo- und Sugota-Sees zu dem an der Südspitze des Rudolfsees sich erhebenden Teleki-Vulkan begeben, von hier aus die Westküste des Sees entlang bis zur Mündung des Turkwel und nun in westlicher Richtung zwischen dem Mont Debasien im Süden und dem Naquagebirge im Norden in die den Europäern bisher verschlossen gebliebenen Kamtschuro-Gebiete vordringen. Warum ich mich später zu einer Abänderung dieser Route entschloss, wird an anderer Stelle begründet werden. Die auf Uganda bezügliche Literatur wurde von mir natürlich eifrig und gewissenhaft studiert, so das ausgezeichnete Buch des Konteradmirals Ludwig R. v. Höhnel „Die Forschungsreise des Grafen Samuel Teleki in Ost-Aequatorial-Afrika“, die Werke der Forschungsreisenden Grafen Eduard Wickenburg, Dr. A. Berger, A. Donaldson Smith, des Kapitäns Ch. Stigand und vor allem das prächtige Werk Harry Johnstons „The Uganda Protectorate“. Ausser diesen war noch eine Reihe von Schriften, die mir die geographischen Gesellschaften in Wien und London zur Verfügung stellten, Gegenstand meines Studiums, und die meisten der im Vorworte genannten Forschungsreisenden gaben mir aus ihrer eigenen reichen Erfahrung wichtige Ratschläge.
Den Hauptteil der fast ein Jahr währenden Vorbereitungen bildete die Ausrüstung, der ganz besondere Sorgfalt gewidmet werden musste, da der Grossteil meiner Reise ja durch ein noch von keiner europäischen Kultur berührtes Gebiet gehen sollte. Da wir in Oesterreich, als einem Lande ohne Kolonien, keine Ausrüstungsmagazine besitzen, musste ich mich zumeist an Berliner und Londoner Firmen wenden, aber, wo es nur möglich war, berücksichtigte ich auch die heimische Industrie. So bezog ich meine Zelte von der Firma Elsinger & Söhne, die mir auch nach den Angaben meines verehrten Freundes Professor Dr. Rudolf Pöch ein Musterzelt anfertigte, das sich in jeder Hinsicht bewährte, ebenso gut bewährten sich die Tropenkoffer, die mir die Wiener Firma Prohaska lieferte und die den Berliner Blech-Tropenkoffern entschieden vorzuziehen sind. Auch das Sattelzeug und die Kochgeschirre bezog ich aus Wien, und durch freundliche Vermittlung des Herrn Oberleutnants Thalwitzer wurde mir vom k. und k. Kriegsministerium ein zusammenlegbares Floss zur Verfügung gestellt, das nur eine Trägerlast (26 Kilogramm) schwer war und acht Männern Platz bot. Bei einer Erprobung im Badener Schwimmbassin war es innerhalb einer Viertelstunde fertig montiert. Meine Waffen waren ein Mannlicher-Schönaustutzen von 9½ mm Kaliber, eine Holland 465 Expressbüchse und eine doppelläufige Schrotflinte für die Vogeljagden. Die Reiseapotheke hatten Dozent Dr. Robert Stigler und Prof. Dr. Rudolf Pöch in Gemeinschaft mit Dr. Arzberger, dem Leiter der Apotheke im Wiener Allgemeinen Krankenhause, in mustergiltiger Weise zusammengestellt, so dass in den drei Koffern, in denen sie verpackt wurde, wohl für jede Art von Erkrankung Medikamente und Instrumente vorhanden waren.
Für die kartographischen, astronomischen und meteorologischen Aufnahmen war eine Reihe von wissenschaftlichen Instrumenten bestimmt. Ueber Empfehlung des Hauptmannes Karl von Orel, des Leiters der kartographischen Abteilung im Wiener militärgeographischen Institute, wurde mir von Dr. Pulfrich, dem Direktor der berühmten Zeisswerke in Jena, der neueste Phototheodolit zur Verfügung gestellt und über meine Angaben noch dahin abgeändert, dass auf dem Höhenkreise 30 Sekunden direkt und 15 Sekunden abschätzungsweise abgelesen werden konnten. Der Gang meiner Taschenchronometer wurde auf der Wiener Sternwarte geprüft, wo ich auch bei Dr. Krumpholz durch längere Zeit Unterricht in astronomischen Beobachtungen nahm. Für direkte Höhenmessungen dienten zwei Barometer, und zwar eines von Radau und ein englisches von Smith. Ausserdem führte ich von der Wiener Firma Kapeller ein Maximum-Minimum-Thermometer, ein Schleuder- und zwei Luftthermometer sowie ein Assmannsches Psychrometer mit. Den photographischen Aufnahmen dienten ein Kodak-Apparat (9 : 12) mit Zeisslinse, eine Voigtländer-Spiegel-Reflex-Kamera und eine Porträt-Kamera von Bayer. Die Oest.-Ung. Kino-Gesellschaft gab mir in der Person des Herrn Josef Schwarzer einen Operateur mit, der für seine Gesellschaft Kinoaufnahmen, für mich die photographischen Schwarz- und Autochrombilder zu machen hatte, wofür er auf meine Kosten die Reise in das Innere von Afrika mitmachte. Unser Vorrat an Platten betrug tausend einfache, 150 Autochromplatten, 960 Packfilms und 300 Rollfilms. Mehrere einschlägige Literaturwerke, eine Suaheli-Grammatik — ich hatte mich einige Zeit vor meiner Abreise mit dem Studium dieser Eingeborenen-Sprache abgegeben — und die existierenden Karten des Gebietes, dem unsere Expedition galt, bildeten unsere kleine Reisebibliothek. An Kleidern hatten wir ausser Khaki- und weissen Anzügen auch warme Anzüge, Wollsweaters, Bergschuhe, Rucksäcke etc. für das tropische Hochgebirge mit.
Die wichtigste Frage aber war für mich, einen tüchtigen Reisebegleiter und Arzt zu suchen, und ich hatte das Glück, den richtigen Mann im Universitätsdozenten Dr. Robert Stigler zu finden, den ich auf meiner Osterreise nach Griechenland im Jahre 1911 an Bord eines österreichischen Lloyddampfers kennen gelernt hatte. Schon damals erzählte ich ihm von meinen Vorbereitungen für die Reise durch Uganda, und kurze Zeit darauf trug sich mir Dr. Stigler in Wien als Expeditionsarzt an. Dr. Stigler, der auf der Expedition rassenphysiologische Studien und Experimente zu machen gedachte, erhielt für diesen Zweck aus der Treitl-Stiftung einen Betrag von 5000 Kronen zur Anschaffung der hiezu nötigen wissenschaftlichen Instrumente, die zwei grosse Koffer füllten. Mit der Wahl Dr. Stiglers hatte ich einen ausserordentlich glücklichen Griff getan. Denn er zeigte sich jederzeit als energischer, umsichtiger Mann, als offener Charakter, als tüchtiger Arzt, dessen Können wir im Verlaufe unserer Expedition zu würdigen Gelegenheit hatten, und als begabter Gelehrter. Wer je an einem Unternehmen ähnlicher Art teilgenommen hat, wird es verstehen, eine wie grosse Rolle die Wahl eines Reisegefährten spielt und wie schwer es ist, den richtigen Mann zu finden, mit dem man durch prächtige Harmonie verbunden sein will, und der auch gleichzeitig die Notwendigkeit der Unterordnung unter den Willen des Einen einsieht.
Als letzten europäischen Begleiter hatte ich noch für die Präparate meiner Sammlungen Herrn Richard Storch aus Prag engagiert, der ein alter Afrikakenner war und über zehn Jahre im Sudan zugebracht hatte. Leider fand meine Annahme, dass er gerade wegen dieses langen Aufenthaltes gegen tropische Erkrankungen ziemlich gefeit sein müsse, späterhin keine Bestätigung. Er hatte schon vor Jahren einen Malariaanfall erlitten, der sich, sobald die Strapazen unserer Reise grössere wurden, stets wieder einstellte und ihn fast bis zum Schluss unserer Expedition nicht gesund werden liess.
