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Quer durch Uganda

AUFLÖSUNG DER KARAWANE.

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Abfertigung der Träger / Aufgegebene Jagdpläne und Entschluss zur Heimreise / Verkauf der Ausrüstungsgegenstände / Unsere Träger in Salonrock und Schlapphüten / Der Zauber der europäischen Kleider / Ankunft des Nildampfers und Abfahrt.

In Gondokoro stand mir nun die langwierige Arbeit bevor, die Karawane aufzulösen. Die Heatmans, Boys, Träger und die beiden einheimischen Präparatoren mussten abgefertigt und ihr Lohn vom Tage der Aufnahme bis zu ihrer Ankunft in der Heimat und ausserdem auch der Fahrpreis bis dorthin genau berechnet werden. Einige ausgewählte Träger, die Boys, der Koch und die beiden Präparatoren sollten mich noch auf einem kleinen Jagdausflug in das Gebiet östlich von Gondokoro begleiten, sowie später in das Reservatgebiet des Sudan, in dem mir durch eine Spezialerlaubnis die Jagd gestattet wurde, doch machte ich die Ausführung dieser Pläne vom Befinden Dr. Stiglers abhängig, der dann in Khartum auf meine Rückkehr aus den Jagdgebieten warten wollte. Ich schickte noch am selben Tag einen Renner nach Rejaf, dem ich die Post für Dr. Stigler mitgab und der mir Nachricht über dessen Befinden bringen sollte. Im Lager waren noch viele Anordnungen zu treffen. Storch sollte das Gepäck revidieren und alle für meine projektierte weitere Reise notwendigen Gegenstände von den übrigen trennen. Ausserdem mussten die Kisten, von denen ein grosser Teil infolge des Verbrauches während der langen Reise nur mehr halb gefüllt war, für den Transport nach Khartum wieder vollgepackt werden. Dann begab ich mich mit den Trägerlisten auf die Boma und nahm mit Unterstützung des Regierungsbeamten die Abfertigung in Angriff, die fast den ganzen Tag in Anspruch nahm; als ich ins Lager zurückkehrte, fand ich leider das Gepäck noch nicht geordnet und musste nun auch diese Arbeit selbst überwachen.

Abends erhielt ich Nachricht von Dr. Stigler, die so wenig tröstlich lautete, dass ich mich entschloss, direkt die Heimreise anzutreten. Ich wurde dazu auch durch die Verschlimmerung im Befinden Schwarzers genötigt, der mittags wieder einen schweren Malariaanfall gehabt hatte. Er lag in vollständiger Bewusstlosigkeit, mit verglasten Augen und hohem Fieber wie leblos in seinem Bette und reagierte auf keine Anrede. Ich liess sofort den zufällig hier weilenden englischen Arzt holen, der rasch eine Chinin-Injektion machte. Als Schwarzer bald darauf aus seiner Bewusstlosigkeit erwachte, klagte er über grosse Schwäche und starke Rückenschmerzen. Auch seine Puls- und Herztätigkeit war eine ausserordentlich mangelhafte. Ich hatte grosse Sorge, Schwarzer hier zu verlieren, der aber dank seiner kräftigen Konstitution doch die Krankheit überstand. Er klagte bereits die letzten Tage vor seiner Erkrankung über Appetitlosigkeit, packte aber trotzdem überall energisch an und war stets ein ebenso passionierter wie vorzüglicher Jäger, der uns in der letzten Zeit in den wildreichen Gegenden täglich mit frischem Fleisch versorgte.

Der 7. März verging mit der Auszahlung meiner Leute, wobei mir Mr. Weatherhead, der inzwischen von seiner Dienstreise zurückgekehrt war, sehr an die Hand ging und die Träger genau über ihre Rückreise und die Kosten derselben informierte. Mittags war ich bei ihm zu Gaste geladen, und er erzählte mir von dem grossen Wildreichtum der nördlichsten, wenige Stunden von Gondokoro gelegenen Teile Ugandas an Büffeln, Elefanten, Löwen und Giraffen, so dass sich in mir das Jägerblut gewaltig regte und ich neue Pläne schmiedete. Da mir Dr. Stigler geschrieben hatte, ich solle meine Reise wegen seiner Erkrankung ja nicht abbrechen, so versuchte ich, den Plan in Erwägung zu ziehen, die östlichen Jagdgebiete gemeinsam mit Mr. Grogan aufzusuchen, der sofort hierzu bereit gewesen wäre und mir auch einen grossen Käfig für den Transport eines lebend zu fangenden weissen Nashorns zur Verfügung gestellt hätte. Aber es wurde aus dem Ausfluge trotzdem nichts. Mit Dr. Stigler wurde es nicht besser, und bei Schwarzer wiederholten sich am nächsten Tage die schweren Fieberanfälle, so dass ich nun endgültig auf jedes Jagdvergnügen verzichtete. Leicht fiel mir zwar dieser Entschluss nicht, da ich mich ja im Herzen eines idealen Jagdgebietes befand, das sonst erst nach monatelanger Reise erreicht werden kann, aber ich tröstete mich damit, dass doch meine ganze Forschungsreise nun ihren glücklichen und erfolgreichen Abschluss gefunden hatte und dass meine persönlichen Wünsche unter den eingetretenen misslichen Umständen eben zurücktreten mussten.

Am 8. März benutzte ich die Zeit, die mir bis zur Ankunft des Dampfers noch blieb, um meine gesamten Ausrüstungsgegenstände, die mir ja jetzt entbehrlich geworden waren, zu verkaufen. Ich liess die zwei indischen Kaufleute Gondokoros in mein Lager kommen, und im Laufe von zwei Stunden war alles an den Mann gebracht. Mit Ausnahme einiger Tragesel, die Mr. Grogan übernommen hatte, verkaufte ich, wenn von einem Verkaufe überhaupt die Rede sein konnte, in dieser kurzen Zeit alles, dessen ich nicht mehr bedurfte, Zelte, Betten, Konserven und hunderterlei Dinge. Ich musste natürlich jeden Betrag annehmen, so dass die Preise oft kaum den zehnten Teil der Anschaffungskosten erreichten. Aber ich war diesbezüglich auf dem Standpunkt völliger Gleichgültigkeit angelangt und wollte den Ballast nur rasch losbringen. Es blieb bei mir nichts zurück als meine Kleiderkoffer, die Kisten mit den wissenschaftlichen Apparaten, die Apotheke und die Sammlungen, immerhin noch die stattliche Anzahl von 70 Kisten.

Unsere Träger, die nun sämtlich ausgezahlt waren, schwelgten nach Empfang des Lohnes und Reisegeldes in allen möglichen Genüssen, und in erster Linie kam ihre grenzenlose Eitelkeit und ihre Liebe zu europäischen Kleidern zum Ausdrucke. Unter irgendeinem Beweggrunde kamen diese grossen schwarzen Kinder, die tags vorher noch ganz nackt oder mit irgendeinem dürftigen Fetzen bekleidet waren, nun in mein Lager, um sich in ihren Khakianzügen, in grauen oder schwarzen, von Europäern abgelegten Salonröcken, mit grossen, lichtgrauen Schlapphüten und schwarzen oder braunen Schuhen bewundern zu lassen. In den Kaufläden war den ganzen Tag über enormer Andrang, und die beiden Inder dürften noch selten so glänzende Geschäfte gemacht haben. Wie mir Abeidi sagte, haben meine Träger mit geringen Ausnahmen noch am selben Tage ihr ganzes Geld verausgabt und den letzten Rest entweder vertrunken oder verspielt. Sie denken nicht daran, dass sie viele Hunderte Meilen von ihrer Heimat entfernt sind und sich dorthin, aller Mittel bar, nun wieder mühsam wochen- oder monatelang zurückarbeiten müssen, denn ihr grösster Stolz ist befriedigt — sie tragen europäische Kleider.

Mr. Weatherhead und Mr. Grogan waren noch immer in unserem Lager, trotzdem es schon 11 Uhr vormittags geworden war. Das Schiff, das um 9 Uhr hätte ankommen sollen, hatte infolge des niederen Wasserstandes und der durch Sandbänke gefährdeten Fahrt zwischen Rejaf und Gondokoro grosse Verspätung, so dass sogar noch Zeit blieb, der Einladung Mr. Weatherheads zu einem Abschiedslunch zu folgen, den wir erst um ½1 Uhr auf den schrillen Pfiff der Dampfpfeife unseres Schiffes hin abbrechen mussten. Sowie der Dampfer, sich mühsam zwischen den vielen Papyrusinseln durchwindend, näher gekommen war und schliesslich an einer solchen, ziemlich weit von unserem Lager entfernt, angelegt hatte, besorgte Abeidi mit seinen Leuten den Transport der Kisten an Bord. In langer Linie marschieren die Träger das steile Nilufer entlang und müssen dann noch eine breite, seichte Wasserstelle durchwaten, durch die die Insel, an der der Dampfer liegt, vom Ufer getrennt ist. Photograph Schwarzer wird in der Hängematte auf das Schiff gebracht, und mich selbst fuhren Mr. Weatherhead und Mr. Grogan in dem kleinen, weissen Regierungsboot an den Dampfer. Dort begrüsst mich mit herzlichem Händedruck Dr. Stigler, der leider noch immer die Augen verbunden hat. Das viele Gepäck, das in grossem Durcheinander am Ufer aufgestapelt ist, wird nun Stück für Stück abgewogen und verladen — die Elefantenzähne, wie überall in Afrika, getrennt von den übrigen Kisten — und der Kapitän drängt schon zur Abfahrt, da er die Verspätung einbringen will. Ich verabschiede mich also herzlichst von meinen wackeren Begleitern Mr. Weatherhead und Mr. Grogan, die in ihrem Boot wieder zurückfahren und mir noch lange ihre Grüsse zuwinken, die Sirene stösst einen schrillen Pfiff aus, und der Dampfer setzt sich unter lauten „Jambo“-Rufen der Träger, Heatmans und Askari in Bewegung und gleitet langsam nilabwärts. Nicht ohne tiefe innere Bewegung blicke ich auf die lange Reihe der Schwarzen, die am Ufer stehen und die so viele Wochen hindurch meine Begleiter waren. Wer weiss, wie viele von ihnen wohlbehalten in ihre Heimat wieder zurückgekehrt sind. Allmählich entschwinden sie, ebenso wie die Häuser von Gondokoro, den Augen, und in diesen Augenblicken des Abschiedes drängten sich nochmals all die vielen Bilder und Erlebnisse meiner Reise zu einem einzigen, überaus mächtigen und bezwingenden Eindruck zusammen, in dem auch, wie ja bei jedem Abschied, ein gewisses Gefühl der Wehmut nicht fehlte.

Tafel 63

Illustration from Quer durch Uganda: eine Forschungsreise in Zentralafrika, 1911/1912

Unser Nildampfer in Bor

Illustration from Quer durch Uganda: eine Forschungsreise in Zentralafrika, 1911/1912

Kapitän Fox

Illustration from Quer durch Uganda: eine Forschungsreise in Zentralafrika, 1911/1912
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