Am Freudenfeste über die Thora (Simchas Thora).
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50.»Das Gras verdorrt und die Blumen welken dahin, aber dein Wort, o Gott, bleibt in alle Ewigkeit.«[50] Das ist mein Freudenruf, mein Psalm, mein Lobgesang, mit dem ich mich dir am heutigen Tage, an dem Israel die heilige Thora beendigt und von neuem wieder beginnt, nahe. Alles Irdische vergeht, nur dein Wort besteht in Ewigkeit, und die, welche es uns verkündigt haben, leben ewig in unserer Erinnerung. Das flammende Wort, welches Moses Lippen entströmte, ist die unvergängliche Richtschnur unseres Lebens, ein ewiges, das aller Zeiten Stürme doch nicht zu vernichten vermochten. O Vater, ich danke dir, daß dieses Wort des Lebens noch mein Eigentum ist, und daß ich es rein und unverfälscht besitze, wie es ursprünglich lautete. Ich danke dir, daß du mir den Zugang zu demselben eröffnet hast, ja, du hast es ja einem jeden Israeliten zur Pflicht gemacht, sich recht vertraut damit zu machen, in seine Tiefen einzudringen und Leben und Geist daraus zu schöpfen, die Wahrheit darin zu suchen, zur Liebe dadurch erwärmt zu werden, und Trost und selige Hoffnung darin zu finden. Ich danke dir, daß du in den 24 Büchern der heiligen Schrift (Thora, Nebiim und Kethubim) auch mir die reine Quelle des Lebens für alle Zeiten und Geschlechter hast strömen lassen. Und indem ich dir für deine geschriebene Lehre danke, sende ich auch meinen Dank für die mündliche zu dir empor, welche uns den Inhalt der Schrift erst verstehen und richtig erfassen läßt. O, mein Gott, wie oft habe ich nicht dieses dein Wort gering geachtet, wie oft eine Gelegenheit versäumt, darin belehrt zu werden oder die Zeit verschlafen, da ich seiner Verkündigung lauschen sollte, während ich meine beste Zeit für Schriften vergeudete, welche den Geist beflecken und Herz wie Sinn verderben! O lehre du selbst mich den Schatz hüten, den du mir geschenkt hast, daß ich in Zukunft möchte sagen können:»Ich hasse Fabel und Tand, aber ich liebe deine Lehre!«[51] Die langen Winterabende will ich dir weihen, indem ich bei deinem heiligen Wort verweile, ich will aufmerken auf die mündlichen Auslegungen desselben und dahin eilen, wo ich es in lebendiger Verkündigung hören kann, daß meine Seele errettet werde.[52] Ich will ein waches Auge über alle die Meinigen haben, daß sie nicht die giftigen Bücher lesen, welche ihre Gedanken beflecken und will sie den Wert deines Wortes erkennen lassen, welches uns von dem Irdischen zum Himmlischen emporhebt. Nun breite du deinen Frieden über mich und die Meinigen aus, den Frieden, welcher denen versprochen ist, die dein Wort lieben, daß ich niemals straucheln möge und meine Seele in dir lebe und dich in alle Ewigkeit preise.[53]
Amen!