Abendgebet.
Reading edition
17. Allbarmherziger Vater! Auch diesen Tag habe ich unter deinem Schutz und Segen glücklich zu Ende gebracht und deiner Obhut meine Seele und meinen Leib anempfohlen; ja, in meinem Nachtgebet habe ich, wie es dem Israeliten geziemt, bevor ich mich zur Ruhe begab, mich zu dir zu erheben gesucht. Aber ach, je mehr ich mich selbst durchforschte, desto mehr werde ich innerlich betrübt, indem ich mich des Gedankens nicht erwehren kann, meine Aufgabe nicht erfüllt zu haben; denn ich habe das heilige Bekenntnis des Israeliten abgelegt:»daß du der einzige, ewige Gott bist«; aber habe ich auch heute dies in der Tat und in der Wahrheit bewiesen, daß es das Bedürfnis meines Herzens war, dir für alles zu danken, was mich erquickt, und deinen Namen zu preisen, und dich als den Einzigen, Alliebenden anzubeten, bei allem, was mir widerfahren? Und ich habe die Grundlage für die heiligsten Verpflichtungen meines Lebens ausgesprochen,»daß ich dich lieben soll mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen, mit all meinem Vermögen«, aber wie oft hat nicht die Liebe zur Welt mich dich vergessen lassen, und wie wenig war ich bereit, aus Liebe zu dir alles zu opfern? Ja, in unerschütterlicher Liebe zu dir soll ich meinen Nächsten lieben; aber wie schwach glühte doch eine solche Liebesflamme in meinem Innern! Selbst wenn ich mich liebevoll gegen meine Mitmenschen zeigte, war es doch zuweilen eine Scheinliebe und nicht die heilige Flamme, die unaufhörlich auf dem Altar des Herzens brennen soll. Durch mein Wort und mein Beispiel soll ich den Meinigen (meinen Kindern, meinem Hausgesinde, meinen Freunden und meinen Angehörigen) dein Wort einschärfen, aber bald wurde ich durch Eitelkeit und Hochmut irre geleitet, bald verschloß Geiz, Zorn oder Neid das Herz und die Hand; denn das Feuer der Leidenschaft brennt in meiner Brust und betört meinen Geist. Und wenn ich sehe, wie wenig noch die Welt dich, den Einzigen, kennt und anbetet, und wie wenig Liebe zu dir in der Menschen Brust lebt, wie wenig sie sich in gegenseitiger Liebe äußert, ach, da muß ich fast verzagen; ich gedenke meiner Sünden und der Schlaf weicht von meinem Lager. Woher, o Gott, soll ich Kraft nehmen, um im Kampfe zu bestehen? Und doch—mein Nachtgebet hat mich ja belehrt, daß ein zerknirschtes Herz dir wohlgefällig ist, hat mich auch belehrt, auf wen ich meine Hoffnung setzen soll: Herr, auf dich allein!»Du stehst zu meiner Rechten: Wer wie du![16] so barmherzig, du bist meine Stärke[17] du bist mein Licht[18] und du bist mein Arzt[19] sowohl für Leib als Geist; deine Herrlichkeit umschwebt mich. Zuversichtlich spreche ich darum:»auf deine Hilfe hoffe ich, ja, ich warte in Geduld auf deine Hilfe und beuge mich in Demut vor dir, o Herr[20], der du über mich wachen und mich wecken wirst,
Amen!