← Table of contents
Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)

II. Die Karolinger. (continued 2)

Reading edition

„Ohne Zweifel war die Absicht Einhards mehr auf eine angenehm zusammenfassende Darstellung, als auf strenge Genauigkeit in den Thatsachen gerichtet. Das kleine Buch ist voll von historischen Fehlern.“

„Nicht selten sind die Regierungsjahre falsch angegeben, z. B. bei Karlmann, der nur zwei Jahre regiert haben soll, während er doch über drei Jahre als König neben Karl dem Großen lebte; über die Theilung des Reiches zwischen den beiden Brüdern wird eben das Gegentheil von dem behauptet, was wirklich stattgefunden hat: Schlachten, die ohne besondere Wirkung vorübergingen wie die an der Berre, werden als entscheidend bezeichnet; Namen der Päbste werden verwechselt, die Gemahlinnen sowohl, wie die Kinder Karls des Großen nicht richtig aufgeführt; es sind so viele Verstöße zu bemerken, daß man oft an der Aechtheit des Buches gezweifelt hat, obwohl sie über allen Zweifel erhaben ist.“

So weit Ranke, zu dessen scharfer Charakteristik ich nur wenig hinzuzufügen habe. Gerade in diesem Werke tritt die Eigenthümlichkeit der karolingischen Bildung am deutlichsten hervor; unmöglich kann der fränkische Volkskönig in diesen suetonischen Ausdrücken zur vollen Erscheinung kommen. Nur darf man auch nicht vergessen, dass Einhard eben den Volkskönig kaum noch kannte, sondern hauptsächlich nur den alternden Kaiser, der selber nach der Wiederbelebung des antiken Wesens trachtete, dessen Streben in vieler Hinsicht auf die Herstellung des alten Imperatorenreiches gerichtet war, und der, wenn ihm auch die Einführung der staatlichen Formen jener Zeit fern lag, doch durch seine große persönliche Ueberlegenheit so ehrfurchtgebietend dastand, und so sehr die Seele der ganzen Herrschaft war, daß es nicht so ganz unpassend war, ihn dem Augustus zu vergleichen und die Farben des Bildes von dem Biographen der Imperatoren zu borgen. Auch dankt er, und wir mit ihm, dem Sueton mehr als nur die Ausdrücke. Keine Biographie des Mittelalters stellt uns ihren Helden so vollständig und plastisch nach allen Seiten seines Wesens dar. Das ist die Frucht der Kategorien, welche Einhard bei seinem Vorbilde fand. Indem er diesen gewissenhaft folgte, wurde er, wie Jaffé (S. 501) richtig bemerkt, veranlaßt viele Umstände zu erwähnen, welche er sonst wahrscheinlich übersehen haben würde.

Daß Einhard sich bei diesem Werke nicht eine eigentliche geschichtliche Darstellung zur Aufgabe gewählt hatte, bemerkt auch Ranke; er wollte ein Lebensbild entwerfen, eben nach der Weise des Sueton, und diesen Zweck hat er vollständig erreicht. Er verfaßte dieses Werk unmittelbar nach des Kaisers Tod; schon 821 finden wir es im Reichenauer Bibliothekskatalog genannt[23], um 830 von einem Zeitgenossen erwähnt und benutzt. Noch stand das Bild seines väterlichen Freundes in voller Frische vor seinem Geiste, und die etwas kalte Eleganz der Form wird durchwärmt von der kindlichen Verehrung und Anhänglichkeit, von welcher der Verfasser ganz erfüllt ist, und die sich überall ausspricht, ohne daß doch das Lebensbild in eine Lobrede ausartete. Vielmehr tritt die ruhige Mäßigung, welche Einhards Charakter eigen ist, auch hierin deutlich hervor, und seine reine Wahrheitsliebe ist unverkennbar, wenn er auch die Schwächen seines Helden mit leichter Hand berührt.

Ein Werk, welches diesem an Vollendung der Form, wie an ansprechendem Inhalte zu vergleichen wäre, hatten die germanischen Nationen noch nicht hervorgebracht, und so ist es denn auch nicht zu verwundern, daß es rasch die größte Verbreitung fand und Jahrhunderte lang zu den beliebtesten und gelesensten Büchern gehörte; bald nach seiner Vollendung wird es von dem jungen Lupus, der es in Fulda gelesen hatte, mit warmer Begeisterung gepriesen (oben S. 183); Walahfrid theilte es in Capitel und schrieb dazu jenen so werthvollen Prolog, dem wir die wichtigsten Lebensnachrichten über Einhard verdanken. Noch jetzt sind mehr als 80 Handschriften davon uns bekannt, und seit den Biographen Ludwigs des Frommen sind die Chronisten nicht müde geworden, es auszuschreiben.

Nachdem die Vita Caroli schon 1521 (oben S. 5) und dann sehr häufig gedruckt war, hat Pertz 1829 mit übergroßer Fülle von Varianten eine Ausgabe gegeben, deren Text nicht überall den Vorzug vor den älteren Ausgaben verdient[24]. Jaffé hat in seiner neuen Ausgabe 1867 eine früher übersehene Pariser Handschrift zu Grunde gelegt, und endlich Walahfrids Prolog damit verbunden, welchen Pertz mit der ihm eigenen Starrheit auch noch in der neuesten Ausgabe unberücksichtigt gelassen hatte[25]. Doch hat auch diese Grundlage sich nicht zu bewähren vermocht. Waitz hat die Ueberschätzung der nicht mustergültigen Pariser Hs. nachgewiesen, und endlich mit Benutzung neuer Hülfsmittel, und Unterscheidung verschiedener Recensionen, die vielleicht an Einhard selbst hinanreichen, einen neuen besser gesicherten Text hergestellt.

Häufig finden sich in Handschriften das Leben Karls und die Reichsannalen als erstes und zweites Buch mit einander verbunden; als drittes tritt dann die Schrift des Mönches von St. Gallen[26] hinzu, in welchem man jetzt Notker den Stammeler erkannt hat[27], der im Jahre 883, veranlaßt durch Kaiser Karl III, den reichen Schatz von Erzählungen und Sagen aufzeichnete, welche sich im Munde des Volkes an Karl, an seinen Sohn und den Enkel, Ludwig den Deutschen, knüpften. Da ist nun nichts mehr von Einhards klassischer Form zu finden, die Sprache ist roh und unbehülflich und der Inhalt keine Geschichte; nur selten und mit großer Vorsicht ist ein Vorfall, der hier erzählt wird, als wirkliche Thatsache hinzunehmen.

Aber um keinen Preis möchten wir doch diese Sammlung entbehren. Sie zeigt uns das Bild des großen Kaisers, wie es im Volke lebte und bis dahin sich gestaltet hatte, und mancher höchst charakteristische Zug hat sich nur hier erhalten. Der gute alte Mönch, der uns so lebendig mitten unter das Volk und seine Erzählungen führt, hat deshalb den größten Anspruch auf unsere Dankbarkeit, und wir müssen sehr bedauern, daß er sein Werk, wie es scheint, nicht vollendet hat.

Der Uebersetzer dieser Schrift hat sich bemüht, die Anfänge karolingischer Sage weiter zu verfolgen, und die Spuren davon zu sammeln; ihm war dabei in der ersten Ausgabe eine merkwürdige Stelle entgangen, die Angabe in dem Leben der Königin Mahthild, daß der Krieg zwischen Karl und Widukind durch einen Zweikampf beider entschieden sei: nach langem Widerstand besiegt, habe Widukind sich taufen lassen[28].

Mit den Kreuzzügen artete die Karlssage aus und verlor allen geschichtlichen Inhalt; besonders die Aachener Reliquien brachten die Erzählung von Karls Kreuzfahrt zu allgemeiner Geltung, und fortan treten die Lügen des falschen Turpin an die Stelle von Einhards treuer Schilderung. Wie daneben im Munde der fahrenden Sänger das Andenken Karls sich erhielt und umwandelte, darüber genügt es, auf das schöne Werk von Gaston Paris Histoire poétique de Charlemagne (Paris 1865) zu verweisen.

Eine Schrift Einhards bleibt uns noch zu erwähnen, sein Bericht nämlich von der Uebertragung der Gebeine der heiligen Märtyrer Marcellinus und Petrus von Rom nach Seligenstadt[29]. Im Jahr 827 geschah die Ueberbringung, und 830 verfaßte Einhard die sehr anziehend geschriebene Darstellung derselben. Wir sehen darin, wie er sich mehr und mehr von dem weltlichen Leben abwandte und der kirchlichen Richtung hingab, wundergläubig in hohem Grade und ganz mit der Pflege seiner Pflanzung im Odenwald beschäftigt; ganz vorzüglich betrübte ihn, daß bei der Krankheit seiner geliebten Imma die Zuversicht auf die Wunderkraft der Reliquien ihn so völlig getäuscht hatte. Diese hohe Verehrung der Reliquien theilte er mit allen seinen Zeitgenossen, und eben wegen dieser Verehrung haben die zahlreichen Uebertragungen solcher Gebeine für uns auch geschichtlichen Werth. Auf ihnen beruhte großentheils der Einfluß der Kirchen; besonders verehrte Reliquien verschafften ihnen unermeßlichen Zulauf: der Ruf von geschehenen Wundern verbreitete sich weithin, und ohne Zweifel wurde dadurch die Ausbreitung des Christenthums, z. B. in Sachsen, sehr wesentlich befördert. Aus den genauen Beschreibungen der Reise, wie aus den Erzählungen von den Wundern, ist zugleich vieles für die Sittengeschichte wie für die Topographie nicht unwichtige zu entnehmen, wie das namentlich in Bezug auf die damalige Art zu reisen, aus Einhards Werk kürzlich von W. Matthaei nachgewiesen ist[30]. Merkwürdig ist auch die Unverschämtheit, womit man im 11. Jahrh. im Medarduskloster versucht hat, mit entsprechender Verfälschung von Einhards Schrift sich die Leiber der hh. Tiburtius, Marcellinus und Petrus anzueignen[31].

Ob nun auch die in rhythmischer Form bearbeitete Passio der Märtyrer Einhard zuzuschreiben sei, wie Teulet meint, und wie eine aus Fleury stammende Handschrift angiebt, ist zweifelhaft, da seine ganze Richtung der antiken Form zugewandt war. Es wäre jedoch nicht gerade unmöglich, und Dümmler hält es für wahrscheinlich, daß er für diesen Gegenstand die mehr populäre Form vorgezogen hätte[32].

Es bleibt uns nun noch die Besprechung der Annalen übrig, wobei zu bemerken ist, daß F. Kurze, während er die Autorschaft der großen Reichsannalen Einhard entschieden abspricht, dagegen der Meinung ist, er habe für sein Genter Kloster die sog. Annales Sithienses, für Fulda die Fuldenses verfaßt.

§ 9. Die Reichsannalen. [←]

MG. SS. I, 124-218; besonderer Abdruck 1845. Cod. Steinveld. (9) ist jetzt Brit. Mus. Add. 21109. Frese, De Einhardi Vita et Scriptis Specimen, Diss. Berol. 1845 (gegen die Autorschaft Einhards). O. Abel, Einhards Jahrbücher, Berl. 1850. 1880 (Geschichtschr. 17, IX, 2). L. Ranke, Zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten, Abh. der Berliner Akademie 1854 S. 415-435; vermehrt Ges. Werke LI-LII. G. Waitz, Zu den Lorscher und Einhards Annalen, Goett. Nachrichten 1857 S. 46-52. B. Simson, De statu questionis: sintne Einhardi necne sint quos ei ascribunt, Annales Imperii, Diss. Regiom. 1860. W. Giesebrecht, Die fränkischen Königsannalen und ihr Ursprung, im Münchener Hist. Jahrb. (1864) S. 186-238. G. Monod, Revue Crit. 1873 N. 42. Fr. Ebrard, Reichsannalen 741-829 u. ihre Umarbeitung, Forsch. XIII, 425-472. E. Dünzelmann, Beiträge zur Kritik der Karol. Annalen, NA. II, 475-537. H. v. Sybel, HZ. XLII, 260-288 (Kl. Schr. III, 1 ff). Entgegnung Simsons, Forsch. XX, 205-214. Replik von Sybel, HZ. XLIII, 410. Duplik v. Simson, Karl d. Gr. II, S. 604-611. Harnack, Das Karol. u. das byz. Reich (1880), Excurs. Manitius, Die Ann. Sithienses, Lauriss. min. u. Enharti Fuld. (Diss. Lips. 1881). Manitius, Einhards Werke u. ihr Stil, NA. VII, 517-568. Is. Bernays, Zur Kritik Karol. Annalen. Straßb. 1883. Dorr, NA. X, 241-305. Nachwort v. Sybel S. 305 bis 307. Dorr, (Ann. Laur. 796-829 doch von E.) XI, 475-488. Sybel dagegen S. 489. Horst Kohl (Ueberblick) in G. Richters Ann. d. Deutschen Gesch. II. Abth. S. 697-714 (1887). B. Simson, Karl d. Gr. I (1888) S. 1-5, 657-664. Progr. v. Seraphim, Fellin 1887 s. NA. XIII, 654. Bemerkungen von Manitius, Mitth. d. Inst. X, 417 ff. (NA. XV, 211); ib. XIII, 225-238. Facs. d. Wiener Hs. v. Ann. Einh. in E. Berners Gesch. d. pr. Staats, I. 1890.

Die Bestrebungen der gelehrten Männer an Karls Hofe richteten sich vorzugsweise theils auf das Studium der älteren Litteratur und die formelle Ausbildung, theils auf theologische und philosophische Probleme; mit geschichtlichen Forschungen beschäftigten sie sich wenig. Dem Kaiser jedoch entging die Wichtigkeit derselben nicht, er sorgte wenigstens dafür, das Andenken seiner eigenen Zeit zu erhalten. Er verordnete, daß die Gesetze und die Beschlüsse der Reichstage seiner Zeit in mehreren Exemplaren an verschiedenen Orten sorgfältig aufbewahrt werden sollten; die Schreiben der Päbste und der griechischen Kaiser an ihn, seinen Vater und Großvater ließ er, im vollen Bewußtsein der überwiegenden Wichtigkeit dieser Verhältnisse, in einem eigenen Buche zusammenfassen, dem Codex Carolinus, dessen erster Theil uns noch erhalten, und eine der wichtigsten Geschichtsquellen ist[1]. Außerdem aber vergaß er auch nicht die Fürsorge, welche, wie wir oben (→ S. 126) sahen, das karolingische Haus schon in früherer Zeit der Aufzeichnung seiner Haus- und Landesgeschichte gewidmet hatte. Wie Paulus Diaconus in seiner Geschichte der Bischöfe von Metz den Ahnherrn der Arnulfinger verherrlichte, ist schon erwähnt. Dagegen finden wir keine Spur davon, daß etwa die Fredegarische Chronik weitere Fortsetzungen erhalten hätte, sie scheint vielmehr damals fast vergessen zu sein. Es hatte aber inzwischen die anfangs so gar dürftige annalistische Aufzeichnung schon begonnen, sich zu einer Art von Reichsgeschichte auszubilden; es waren nach der § 3 entwickelten Ansicht hauptsächlich die Bischöfe, vielleicht auch weltliche Große, welche bei der Pflicht regelmässiger Theilnahme an den Reichstagen und Heereszügen das Bedürfniß empfanden, die Reihenfolge der Begebenheiten übersehen zu können, und deshalb ihre Kleriker zu Aufzeichnungen veranlaßten, die nach und nach zusammenhängende Gestalt gewannen und aus anderen Annalen auch in ihrem älteren Theile ergänzt wurden. Vorzüglich Chrodegang von Metz (742 bis 766) scheint zu solcher Thätigkeit angeregt zu haben. Unter den Annalen dieser Art zeichnen sich aber in ganz besonderer Weise die sogenannten Annales Laurissenses majores[2] aus, welche in gedrängter Kürze freilich, aber doch mit vollständiger Uebersicht aller Begebenheiten die ganze Regierung Karls begleiten; schrieb man früher ihren Ursprung dem Kloster Lorsch zu, wo die älteste Handschrift gefunden ist, so können sie doch unmöglich dort oder überhaupt in der stillen Zurückgezogenheit eines Klosters entstanden sein. L. Ranke ist es, welcher zuerst mit sicherem Scharfblick dieses Verhältniß erkannte, und jene Annalen zum Gegenstand einer eindringenden Untersuchung machte, deren Resultate seitdem nicht nur fast allgemeine Zustimmung gefunden, sondern auch in hohem Grade anregend auf die weitere Forschung gewirkt haben. Aus der Abhandlung, welche einen wichtigen Fortschritt für unsere Kenntniß der mittelalterlichen Geschichtschreibung bezeichnet, erlaube ich mir die betreffende Stelle wörtlich auszuheben[3]. Ranke sagt nämlich in Bezug auf diese Jahrbücher: „Bei dem alten Annalisten fällt nun zweierlei auf, einmal, was wir eben berührten, daß er große Unglücksfälle verschweigt; auch von den inneren Stürmen, den dann und wann auftauchenden Verschwörungen giebt er keine oder nur ungenügende Nachricht, — sodann aber, daß er über das, was er berührt, ausnehmend gut unterrichtet ist. Ein Mönch in seinem Kloster konnte unmöglich die Dinge so genau erkunden, wie sie hier beschrieben sind; wir haben Kloster-Annalen dieses Landes, aus derselben Zeit, allein wie sehr sind sie verschieden! Sie berichten nur das ganz Allgemeine der auffallendsten Thatsachen. Hier aber haben wir einen Autor vor uns, der die Züge der Heere, ihre Zusammensetzung und Führung, die einzelnen Waffenthaten kurz aber sicher angiebt, und der auch von den Unterhandlungen bis auf einen gewissen Grad zuverlässige Kenntniß hat. Niemand konnte über die Unternehmungen gegen Benevent und Baiern so gute Nachrichten mittheilen, der nicht dem Rath des Kaisers nahestand. Diese beiden Eigenschaften zusammen, gute Kunde und große Zurückhaltung, scheinen fast auf eine officielle Abfassung zu deuten, die aber freilich von einem Geistlichen herrühren müsste: jede Phrase bezeichnet einen solchen. Es würde ein in den Weltgeschäften erfahrener, und mit dieser Thätigkeit vielleicht speciell beauftragter Geistlicher gewesen sein, der diese Notizen am Hofe selbst aufgesetzt hätte; in rohem Stil, wie ihn die Zeit, welche der Einrichtung der Hofschule voranging, wohl erlaubte; ein Mann der alten Art und Weise, die sich hier durch die Nachwirkung der Ereignisse allein höher erhob als je zuvor.“

Ranke hat in diesen Worten eine Ansicht, die er mündlich bereits weiter ausgeführt hatte, nur leicht angedeutet; die Ansicht, daß nicht nur diese, sondern auch ein Theil der späteren Reichsannalen amtlicher Natur waren, daß auf Veranlassung des Hofes die Zeitgeschichte officiell verzeichnet wurde, und daraus die ungemein rasche und bedeutende Entwickelung der Annalistik sich erklärt, welche später auch anderen zum Vorbild diente, die nur aus eigenem Antrieb die Ereignisse, welche sie erlebten, darzustellen versuchten.

Diese Thatsache selbst in ihrer Allgemeinheit, die Thatsache, daß nach dem Vorgange Childebrands und Nibelungs auch Karl für eine zuverlässige Aufzeichnung der Begebenheiten Sorge trug, daß daraus die Jahrbücher entstanden, welche wie die Vorzüge, so auch die Fehler und Schwächen aller officiellen Geschichtschreibung aufweisen, habe ich früher geglaubt als erwiesen und anerkannt betrachten zu dürfen, allein diese Auffassung hat seitdem in H. v. Sybel einen gefährlichen Gegner gefunden. Er leugnet die Bedeutung der Reticenzen, die man auch ebenso gut nur einem allzu lebhaften und loyalen Patriotismus zuschreiben könne, und findet, daß der Verfasser doch nur sehr oberflächlich unterrichtet gewesen ist. Er findet eben nichts darin, was nicht ein Mönch des Klosters Lorsch mit Leichtigkeit habe in Erfahrung bringen können. Das möchte auch ich nicht gerade leugnen, nur habe ich von dem Klosterleben der damaligen Zeit eine andere Vorstellung und kann nicht glauben, daß ein Mönch so anhaltend und in so gleichmäßiger Weise durch viele Jahre hindurch der Erforschung und Darstellung der weltlichen Vorgänge seine Aufmerksamkeit zugewandt haben sollte. Und mit Recht bemerkt Bernays, daß er ja für diese Annalen eine gleichzeitige Aufzeichnung vor 788 nicht annehme, und daß für die vergangenen Jahrzehnte besagter Mönch doch schwer die Kunde der Begebenheiten sich habe verschaffen können[4]. Am Hofe, das möchte ich auch jetzt zuversichtlich behaupten, müssen die Annalen geschrieben sein; was aber den amtlichen Charakter betrifft, so muß vor allen Dingen betont werden, daß wir durchaus den unwillkürlich stets sich einschleichenden Gedanken an Zustände und Verhältnisse unserer Zeit zu verbannen haben, wo jedes officielle Wort sorgsam geprüft und gesichert wird. In solcher Weise amtlich sind die Lorscher Annalen gewiß nicht gewesen, und in dieser Beziehung kann ich H. v. Sybel u. Bernays[5] vollkommen zustimmen. Wenn wir aber doch wissen, daß Pippins nächste Angehörige dergleichen Aufzeichnungen veranlaßten, und daß eine Annalistik dieser Art im Westfrankenreiche unzweifelhaft bestand, wenn wir lesen, daß Smaragd, der 843 gestorben ist, von der uralten und bis auf seine Zeit bestehenden Sitte der Könige redet, die Begebenheiten ihrer Zeit aufzeichnen zu lassen[6], so kann ich mir nicht vorstellen, daß Karl nicht ebenfalls dafür Sorge getragen habe. Darunter verstehe ich aber nur, daß er einen solchen Auftrag ertheilte, und daß man nun ein Buch hatte, welches in der Kanzlei verwahrt und gelegentlich vom Könige selbst angesehen wurde, wie wir durch einen Brief Hinkmars wissen, daß Karl der Kahle die Annalen des Prudentius bei sich hatte, wie später auch Friedrich I die ihm übersandte Chronik des Otto von Freising benutzte. Es ist dabei durchaus nicht ausgeschlossen, daß nicht einmal Jahre lang die Arbeit liegen blieb und der betreffende Autor auch manchmal nachlässig und flüchtig arbeitete. Eine amtliche Nachprüfung seiner Arbeit wird nicht stattgefunden haben. Hinkmar sagt ausdrücklich, daß die Jahrbücher des Prudentius schon in vieler Menschen Hände gekommen seien, und da eine Einwirkung auf die öffentliche Meinung beabsichtigt war, wird an Geheimhaltung nicht zu denken sein.

Sicher ist es nicht dieses Buch gewesen, welches der Verfasser der Vita Rigoberti meinte, als er über Karl Martell schrieb: „De hoc etenim, non rege sed tyranno, ita legitur ad locum in Annalibus diversorum regum: Iste Karlus omnibus audacior episcopatus regni Francorum laicis hominibus et comitibus primum dedit, ita ut episcopis nihil potestatis in rebus ecclesiarum permitteret[7]“. Diese Stelle ist bisher nur nach dem Auszug in Flodoards Hist. Rem. II, 12 angeführt und deshalb gänzlich mißverstanden worden. Der Verfasser stand der Zeit, über welche er schrieb, schon sehr fern, und kann nicht sehr viel älter sein, als Flodoard selbst; er wird vermuthlich eine jüngere Compilation benutzt haben.

Anders verhält es sich mit der von Simson (S. 33) aus Hincmar de villa Novilliaco angeführten Stelle über den Beginn der Regierung Karls und Karlmanns „sicut in annali regum scriptum habemus“. Sie findet sich wörtlich in den Ann. Lauriss. mit Ausnahme eines Satzes, der aus der Cont. Fred. mit Leichtigkeit zu entnehmen war. Hincmar kann also eine der Bearbeitungen der Lauriss. vor sich gehabt haben, und ob er hier eine amtliche Quelle hat bezeichnen wollen, ist ganz zweifelhaft. Abgesehen also von der Frage, ob und wie weit den Ann. Lauriss. ein amtlicher Charakter beizulegen ist, bleibt die Frage, ob es noch außerdem, wie Bernays behauptet, Hofannalen, ein Werk von viel größerer Bedeutung und Zuverlässigkeit, gegeben habe, eine ungelöste und vermuthlich unlösbare; mir wenigstens scheint der Beweis der Existenz nicht geführt, wenn ich auch nicht mit H. v. Sybel den bekannten Worten Einhards am Eingang seiner Biographie über den Mangel einer Aufzeichnung der Thaten Karls ein solches Gewicht beilegen möchte, daß er nicht einmal die Ann. Lauriss. gekannt haben dürfte. Dem Versuch aber, die in ihnen nicht enthaltenen Nachrichten, welche hier oder da einmal auftauchen, für dergleichen Hofannalen in Anspruch zu nehmen, vermag ich eine ernsthafte Bedeutung nicht beizumessen; meiner Meinung nach hätte ein solches Werk, wenn es wirklich vorhanden war, deutlichere Spuren hinterlassen müssen.

Indem ich nun also an einer gewissen Beziehung der Lauriss. oder Königsannalen zum Hofe festhalte, habe ich jetzt der Frage über ihre Abfassung näher zu treten. Schon L. Giesebrecht[8], dann B. Simson haben den Beweis geführt, daß die Annales Laurissenses, wie sie uns jetzt vorliegen, nicht gleichzeitig Jahr für Jahr entstanden sind, was Pertz nur für den ersten Theil bis 768 zugab, und W. Giesebrecht hat in der angeführten Abhandlung diesen Punkt als sichergestellt angenommen, die Abfassung des ganzen zusammenhängenden ersten Theils um das Jahr 788 behauptet und dafür allgemeine Zustimmung gefunden[9]. Er knüpft daran die Frage nach der Veranlassung zu einem solchen Werke, und findet dieselbe in dem eben damals eingetretenen, für Karls Reich hochwichtigen Ereigniß, der Entsetzung des Baiernherzogs Tassilo, dessen Verhalten gegen die Franken durchweg mit auffallender Ausführlichkeit behandelt ist; er glaubt deshalb auch die Entstehung des Werkes in Baiern suchen zu müssen und erkennt den Urheber in dem Bischof Arn von Salzburg, dem am meisten daran gelegen sein mußte, diese Vorfälle aufzuklären und sein früheres Verhalten, sowie seinen Anschluß an die Franken zu rechtfertigen, während kaum ein anderer so vollständig in diese Verhältnisse eingeweiht war. Auch die noch rohe und fehlerhafte Sprache kann bei ihm oder bei einem Geistlichen seiner Umgebung nicht auffallen, während sie am Hofe auch damals schon befremdlich wäre.

Diese Beweisführung Giesebrechts ist allerdings sehr gewinnend, und daß der Sturz des bairischen Herzogs zu dieser officiösen Darstellung der Reichsgeschichte den Anstoß, einem guten Theil derselben die Färbung gegeben, scheint einzuleuchten; auch ist die dienstbeflissene Gesinnung des Schreibers, seine durchgängige Verherrlichung des Königs augenscheinlich. Allein die Autorschaft Arns vermag ich weder mit dem Bericht über seine Sendung nach Rom 787 zu vereinigen, noch kann ich glauben, daß jemand, der auch über lange vergangene Dinge so gut unterrichtet war, nicht zu den älteren Räthen des Königs gehört haben sollte. An solchen Materialien, wie Giesebrecht sie für Arn nachzuweisen sucht, den Ann. S. Amandi und Petaviani nebst dem Verzeichniß der Orte, wo Karl Ostern gefeiert, hätte Arn wenig Anhalt gefunden; ein alter Hofbeamter aber, dessen Gedächtniß noch in Pippins Zeit reichte, konnte dergleichen zum chronologischen Leitfaden benutzen, und daneben verwerthen, was von allerhand Aufzeichnungen in der Kanzlei doch vorhanden gewesen sein muß; denn das Gedächtniß allein wird kaum ausgereicht haben. Mit Recht hebt M. Manitius[10] die Vertrautheit des Autors mit der Rechts-und Urkundensprache, die vielen romanischen Wörter, die Benutzung von Actenstücken hervor, wodurch sich auch irrige Angaben über angesagte, später aber verlegte Festfeiern erklären. Denken könnte man z. B. an Angilram von Metz (769-791), welcher Paulus Diaconus zur Bischofsgeschichte von Metz, den Diacon Donatus zur Abfassung der Lebensbeschreibung des h. Trudo veranlaßte und jetzt Erzkaplan des Königs war[11]. Ihn könnte man sich in ähnlicher Stellung zu dem gewiß nicht leichten Unternehmen vorstellen, wie einst Childebrand und Nibelung. Daß ihm dabei die Fortsetzungen Fredegars fehlten, ist auffallend, wäre es aber für Arn, wenn ihm doch sonst so gute Quellen zu Gebote standen, nicht minder. Auch fällt das Hauptgewicht bei diesen Annalen offenbar auf Karls eigene Regierung. Ihm also glaube ich die Anregung zu diesem Werke, welchem wir die eingehende Kunde von seiner Thätigkeit wesentlich verdanken, nach Ranke's Vorgang vindiciren zu müssen; als Privatarbeit in Salzburg kann es nicht entstanden sein. Das ältere Material aber, was hier verarbeitet ist, wird eben durch diese bequeme Zusammenfassung, die späterhin auch sprachlich und stilistisch noch zeitgemäß überarbeitet wurde, bald verdrängt und in Vergessenheit gebracht sein, besonders wenn es nur in der königlichen Kanzlei vorhanden war, während sich hin und wieder in Domstiftern und Klöstern zufällig auch viel unbedeutendere Sachen erhielten.

Abweichend hiervon hat Dünzelmann versucht nachzuweisen, dass um das Jahr 780 eine Compilation entstanden sei, welche auf einer Combination Fredegars mit eigenartigen Nachrichten beruhe, und für die Zeit Pippins von nicht unbedeutendem Werthe sei; diese verlorene Quelle sei uns in den Annales Mettenses zum großen Theil erhalten, und in den Ann. Lauriss. majores und minores benutzt[12]. Indem er vorzugweise nach sprachlichen Gesichtspunkten die Annalen untersucht, findet er, daß der erste Abschnitt derselben von 741-791 reiche, der zweite von 792-796, wo in fast allgemeiner Uebereinstimmung ein Abschnitt angesetzt wird. Doch behauptet wieder Bernays, daß nur bei 789 und 801 ein Wechsel der Verfasser anzunehmen sei.

In der leider verlorenen Lorscher Handschrift schloß sich nun eine Fortsetzung bis 793 an, die nur ein Bruchstück aus den Ann. Laureshamenses ist. In den übrigen Handschriften sind die nächsten Jahre zum Theil auffallend kurz, übrigens aber in wenig veränderter Weise und vermuthlich von demselben Autor behandelt[13], die Verschwörung Pippins 792 ist in derselben höfischen Weise, die wir aus dem ersten Theile kennen, ganz verschwiegen. Manitius findet hier noch dieselbe Ausdrucksweise, wie im früheren Theile, und auch noch Spuren derselben compilatorischen Thätigkeit, welche er für den Anfang nachweist. Dann tritt mit dem Jahre 796 ein völlig veränderter Stil, eine neue Art der Auffassung ein, und diese Fortsetzung fließt nach der Ansicht von Pertz allmählich so vollständig zusammen mit Einhards Werk, daß seine Hand auch im Anfang nicht zu verkennen sei. „Nachher, sagt auch Ranke, mußte die Historiographie in litterarisch geschicktere Hände kommen, wie die Einhards waren, der die alten Annalen überarbeitete und neue abfaßte, wie es scheint im Palast zu Aachen in eben den Jahren, von denen er handelte.“ Während der Arbeit selbst schritt er an Bildung und namentlich an Gewandtheit in der Sprache und Darstellung weiter vor, und fand zuletzt die alten rohen Jahrbücher und seine eigene Arbeit so ungenügend, daß er sie noch einmal überarbeitete. Ueber die Art wie dies geschah, genügt es, auf Ranke's Untersuchung zu verweisen. Nicht die tief eindringende Kenntniß der früheren Geschichte war es, die ihn auszeichnete, oder die ihn zu dieser Arbeit veranlaßte; seine Arbeit war vorzugsweise stilistisch, und nicht selten hat er dadurch auch beachtenswerte Züge des älteren Annalisten verwischt: ja er hat an einigen Stellen eine unrichtige Auffassung der Ereignisse hineingetragen, weil er die ihn erfüllende Vorstellung von der alles andere überragenden Hoheit des Kaisers unwillkürlich auch schon auf die früheren Zeiten übertrug. Wichtig aber ist uns dennoch auch seine Ueberarbeitung nicht nur wegen einzelner Zusätze, und weil es für uns Werth hat, auch seine Auffassung kennen zu lernen, sondern auch deshalb, weil er so wenig zu ändern fand; die alten Lorscher Annalen, sagt Ranke, erhalten dadurch eine nicht geringe Beglaubigung, daß Einhard, was die Sache anbelangt, nur eine und die andere Einschaltung über ein Paar einzelne merkwürdige Begebenheiten beizubringen hatte.

Einhards eigene selbständige Arbeit reicht nach Ranke bis zum Jahre 829, bis zu der Zeit, wo er sich vom Hofe zurückzog, voll Trauer über die zunehmende Verwirrung und Auflösung des Reiches. Für solche Zeiten war weder er selbst noch seine Feder geeignet. Mit ruhiger Würde hatte er, so lange das Reich nach den kriegerischen Zeiten des achten Jahrhunderts für immer befestigt schien, und durch den gewaltigen Kaiser auch noch von seinem Grabe aus zusammengehalten wurde, Jahr für Jahr die Ereignisse registrirt: den helleren feiner gebildeten Zeiten verlieh sein reines fehlerfreies Latein den angemessenen Ausdruck, und kurz und gedrängt zwar, aber doch vollständig in allem wesentlichen liegt die Reichsgeschichte in seinen Jahrbüchern vor uns, in edler Einfachheit, frei von aller Leidenschaft und Parteilichkeit. Als es unmöglich wurde, inmitten der heftig erbitterten Feinde in solcher Weise fortzufahren, da überließ er anderen die Fortsetzung seines Werkes.

Ich habe diese Stelle aus der ersten Ausgabe unverändert gelassen, weil sie die durch Pertz herrschend gewordene Ansicht ausdrückt, und weil die Autorschaft Einhards, wenn auch nicht gesichert und durch wiederholte Angriffe zweifelhaft gemacht, doch nicht mit Sicherheit widerlegt ist, wie denn auch Ebrard es nicht unwahrscheinlich findet, daß Einhard die Fortsetzung verfaßt habe. Neuestens haben Monod und Dünzelmann, H. v. Sybel und Bernays in entschiedenster Weise die Möglichkeit von Einhards Autorschaft geleugnet, während Manitius und Dorr auf sprachliche Untersuchung gestützt sich dafür aussprechen. Dabei fällt vorzüglich die Frage ins Gewicht, ob der nach dem Muster der Alten gebildete Stil und der im Verhältniß zum achten Jahrhundert so sehr viel reichere Wortschatz ausschließlich für Einhard Zeugniß ablegen und als sein besonderes Werk zu betrachten sind, und ich kann mich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß durch die Untersuchungen von Dorr und Manitius fast bis zu voller Evidenz nachgewiesen ist, nur in diesen Annalen und im Leben Karls finde sich dieser, aus einer großen Anzahl alter Autoren mit unvergleichlicher Sorgfalt gesammelte Wortschatz, diese Mannigfaltigkeit der Satzbildung. Es ist aber auch bei dieser Untersuchung niemals außer Acht zu lassen, daß Einhard nicht eigentlich Historiker, seine Aufmerksamkeit in weit höherem Grade der Formvollendung, als der geschichtlichen Bedeutung der Thatsachen zugewendet war, wie wir es ähnlich auch bei Lambert beobachten können.

Daß Einhard der Verfasser dieser Annalen sei, hatte zuerst Du Chesne behauptet, gestützt auf eine Stelle in der Translatio S. Sebastiani, wo Einhard ausdrücklich als Verfasser eines Annalenwerks unter dem Titel: Gesta Caesarum Caroli Magni et filii ipsius Hludowici genannt und eine Stelle daraus angeführt wird, welche sich in unseren Annalen beim Jahre 826 wiederfindet[14]. Dieses Zeugniß aus dem zehnten Jahrhundert schien bedeutend genug, um die dagegen geltend gemachten kleinen Widersprüche zwischen den Annalen und Einhards Vita Caroli übersehen zu können: man darf von jener Zeit nicht die Genauigkeit der Arbeit und des Ausdrucks verlangen und findet sie auch nicht, welche heutiges Tages gefordert wird. Auch wurde für keinen anderen Namen auf dieses bedeutende, seit alter Zeit bekannte und viel benutzte Werk Anspruch gemacht; Stil und Auffassung schienen für Einhard wohl zu passen. Auch in der neuesten Untersuchung von W. Giesebrecht ist dieses zugegeben; die ruhige völlig objectiv gehaltene Darstellung, in welcher die bis dahin stets wiederholten preisenden Beiwörter Karls verschwinden, die an Einhards Werke erinnernde Reinheit der Sprache, scheinen auch ihm die Autorschaft desselben wahrscheinlich zu machen, allein bei dem Tode des Kaisers ist nach seiner Ansicht eine Unterbrechung eingetreten, die weitere Fortsetzung von der vorhergehenden zu scheiden. Fragen wir nach der Begründung dieser Behauptung, so beschränkt sich dieselbe wesentlich darauf, daß die fragmentarische Handschrift Christ. 617 mitten in der Erzählung des Jahres 813 abbricht[15] und in dieser unfertigen Gestalt einmal abgeschrieben worden ist, während ein anderer Schreiber sich auf das Leben Karls des Großen beschränkte, gerade so wie Pithou das zweite Buch von Ademars Chronik abgesondert vorfand und als Leben Karls vom Monachus Engolismensis herausgab. Allerdings soll auch im Ausdruck eine Verschiedenheit bemerklich sein, die aber wenig bedeutend ist; es fällt ferner auf, daß die Wunder des h. Sebastianus im Medarduskloster zu Soissons sehr gepriesen, die von Einhard so hoch geschätzten Reliquien seiner Heiligen kaum genannt werden. Die chronologischen Schwierigkeiten jedoch, welche sich an diese Uebertragung der hh. Marcellinus und Petrus anknüpfen, hat Giesebrecht selbst zu beseitigen versucht, und der Bescheidenheit Einhards, vielleicht auch seiner so gerühmten Klugheit gegenüber dem mächtigen Hilduin, mochte jene kurze und doch immer rühmende Erwähnung um so eher genügen, da er gerade mit einer besonderen Schrift über diesen Gegenstand beschäftigt war.

Auch jetzt kann ich, wie gesagt, nicht umhin, die Gründe für Einhards Autorschaft als überwiegend anzusehen; die Verschiedenheit einzelner Theile kann durch eingetretene Unterbrechung und flüchtigere Arbeit Erklärung finden. Dünzelmann meint, daß die vortreffliche Darstellung von 797 bis zur Mitte des Jahres 801 von Einhard herrühren, die Ueberarbeitung der Annalen bis dahin in den ersten Jahren des neunten Jahrhunderts von ihm verfaßt sein müsse, weil nur er so habe schreiben können und wir von ihm kein anderes Werk vor der Vita Caroli kennen, die nicht sein Erstlingswerk sein könne.

In der Mitte des Jahres 801 aber setzt er, und hierin hat er allgemeine Zustimmung gefunden, einen Abschnitt an[16]; nur so weit waren die Annalen dem Poeta Saxo bekannt, und nur so weit reicht auch die Ueberarbeitung. Die folgende dritte, erheblich schlechtere Fortsetzung reicht nach Dünzelmann bis 806, eine vierte bis 815, die fünfte bis 820, worauf der Schluß bis 829 wieder von anderer Hand sei; Bernays dagegen will zwischen 801 und 829 keinen Wechsel zugeben. Müßten wir in der That auf die Kenntniß der Persönlichkeit verzichten und andererseits doch den höfischen Ursprung festhalten, so scheint mir mit dieser Unterscheidung sehr wenig gewonnen zu sein.

Von der Ueberarbeitung, den sogenannten Annales Einhardi, war schon oben S. 197 die Rede; es konnte nicht anders sein, als daß der Anfang der alten Annalen dem feiner entwickelten Sprachsinn geradezu unerträglich erschien. Es hat aber Dünzelmann wohl richtig bemerkt, daß diese Bearbeitung nur bis 801 reicht und auch damals ausgeführt sein wird; die Uebereinstimmung mit einzelnen Stellen in Einhards Vita Caroli wird dann einfach durch Benutzung der Annalen in dieser zu erklären sein[17]. Bei dieser Bearbeitung haben sich einige Mißverständnisse eingeschlichen, es sind aber auch nicht unbedeutende neue Thatsachen hinzugekommen und es ist wahrscheinlich, daß hierfür auch schriftliches Material benutzt ist[18], wozu Pückert (S. 157 ff.) das gleich zu erwähnende verlorene Werk bis 805, Kurze die bis 796 reichende Quelle desselben rechnet. Pückert (S. 167 ff.) hebt die seltsame Eigenheit des Verfassers hervor, die Ereignisse in ganz unzulässiger Weise als übermäßig beschleunigt darzustellen, und ferner, daß in höherem Maaße, als es den Thatsachen entspricht, Karl als der stets allein wissende und handelnde hervortritt.

Wir sehen also hier, wie man schon von der einfachen und schmucklosen, nur auf den sachlichen Inhalt gerichteten Aufzeichnung der Zeitbegebenheiten fortschritt zu litterarischer Bearbeitung. Natürlich mußte, da die Reichsannalen erst mit 741 begannen, der Wunsch lebendig werden, auch für die vorhergehende Zeit, über welche nur ein sehr ungenügendes und schwer genießbares Material vorlag, ein Handbuch zu gewinnen, welches den Zusammenhang mit der Weltgeschichte herstellte. Gerade auch um das Jahr 801 ist ein solches verfaßt[19], und da es nur bis 741 reicht, liegt die von Waitz ausgesprochene Vermuthung nahe, daß es zur Ergänzung der Reichsannalen bestimmt war. Doch finden wir es handschriftlich nicht mit ihnen verbunden; es scheint keine große Verbreitung gefunden zu haben, da das schwierige Unternehmen doch nur sehr unvollkommen gelang und die Sprache des Verfassers durch ihre Unbehülflichkeit und Fehlerhaftigkeit verräth, daß er der früheren Barbarei wohl entwachsen, aber doch von der höheren Bildung eines Einhard noch weit entfernt war. Doch verdient er ohne Zweifel Beachtung und Anerkennung: es ist, wie Waitz bemerkt, die erste Weltchronik, die seit Fredegar im fränkischen Reich geschrieben wurde. Dieses Werk, dessen wir oben (S. 129) schon kurz gedachten, ist in zwei Handschriften erhalten, welche stark von einander abweichen, und es scheint, daß der Verfasser selbst sein Werk überarbeitet und mit weiteren Zusätzen aus seinen Quellen vermehrt hat. Er legte die kurze Chronik des Beda zu Grunde, in welche er Auszüge aus Hieronymus, Orosius, Fredegar mit den Fortsetzungen und den Gesta Francorum einschob, weiterhin benutzte er auch Isidor, den Liber pontificalis, und die Annales Mosellani et Laureshamenses. Die wenigen ihm eigenthümlichen Stellen zeigen Verwandtschaft mit den Annales Flaviniacenses, welche sich in derselben Hs. befinden, und da hierzu auch die Nachricht von der Zerstörung der Stadt Autun durch die Sarracenen 725 gehört, so ist die Vermuthung gerechtfertigt, daß der Verfasser im Sprengel von Autun, vielleicht eben in Flavigny, lebte.

Diese Chronik bildet in einer Hs. den Anfang der schon oben S. 146 erwähnten Annales Maximiani, welche jedoch keine innerliche Verbindung mit ihr haben, und ist in ihrer älteren Form großentheils aufgenommen in das Chronicon Moissiacense.

Eine andere, im J. 805 oder vielleicht 806 abgeschlossene Compilation ist uns nicht im Original erhalten, aber aus verschiedenen Ableitungen nach und nach mit wachsender Sicherheit kenntlich geworden. In Beziehung dazu stehen verschiedene, erst in neuerer Zeit zum Vorschein gekommene Bruchstücke von Bearbeitungen der Reichsannalen. Dazu gehören die Wiener Blätter von 784 und 785[20], welche nebst einem aus Werden stammenden Fragment in Düsseldorf von 759 bis 762, von Pertz, der sie irrig für ursprüngliche Aufzeichnungen hielt, SS. XX, 1-15 als Fragmenta Werthinensia gedruckt sind. Hiermit verwandt ist ein anderes in Bern von Gerold Meyer von Knonau gefundenes Fragment von 783 bis 785[21]. Diesen beiden Versionen muß schon eine ältere zu Grunde gelegen haben, und diese glaubt Giesebrecht (Forsch. XIII, 627 bis 633) gefunden zu haben in einem Bruchstück von 769 bis 772, welches J. Bächtold im Anzeiger für Schweizerische Geschichte 1872 S. 245-246 veröffentlicht hat. Es enthält die Capitelzahlen 56 bis 59, woraus Giesebrecht auf ein größeres Werk schloß, welches bis 714 rückgreifend, mit Benutzung des Fredegar im J. 802 ausgearbeitet, auch in den Annales Mettenses benutzt wurde, und mit einer in diesen erhaltenen eigenthümlichen Fortsetzung von 803 bis 805 versehen war. Wegen einiger Beziehungen auf Reichenau vermuthete Giesebrecht in Haito den Verfasser dieses Werkes, aber diese Stellen gehören nur den Annales Mettenses an und sind aus Regino entlehnt. Dagegen ist durch weitere Untersuchung festgestellt, daß dieses Werk, in seinen älteren Theilen auf den Fortsetzungen des Fredegar beruhend, weiterhin aus den Reichsannalen geschöpft ist, aber durch einige Zusätze und namentlich durch die Fortsetzung sehr werthvoll. Pückert[22], welcher sich sehr eingehend damit beschäftigt hat, hebt namentlich (S. 165) die Nachrichten über Grifo hervor, welche seiner Ansicht nach von hier in die Annales Einhardi übergegangen sind. Er sucht den Ursprung in Saint-Denis nachzuweisen, und nimmt eine Ueberarbeitung in Metz um 900 mit Zuziehung der Vita Caroli an, welche den Ann. Mett. und auch dem Poeta Saxo zu Grunde liege. Benutzung dieses Werkes ist außer in den Mettenses nachgewiesen in den Ann. Lauriss. minores, Lobienses, Guelferbytani, im Chron. Vedastinum und Moissiacense, Fontanellense, und Waitz hat SS. XIII, 26-33, die erwähnten Fragmente nebst dem betreffenden Abschnitt der Annales Mettenses herausgegeben[23].

Neuestens hat nun Fr. Kurze[24], an diese Ergebnisse anschließend, hervorgehoben, daß aus den uns bekannten Bruchstücken dieser Compilation sich doch nicht alle Nachrichten in den Ableitungen belegen lassen, namentlich nicht in den Fulder Annalen, weshalb man genöthigt war, eine unwahrscheinliche Heranziehung verschiedener Quellen anzunehmen. Er kommt dadurch zu der Schlußfolgerung, daß schon um 796 aus den Fortsetzungen des Fredegar, den Reichsannalen und anderen Quellen, der Vita Bonifatii, dem Pabstbuch, ein ausführlicheres werthvolles Werk zusammengestellt sei, welches in der Compilation von Saint-Denis nur auszugsweise enthalten sei. Es ist nach Kurze kein anderes, als das schon S. 146 erwähnte, in den Ann. Maximiani kenntliche, welches auch den Ann. Sithienses zu Grunde liegt. Als ein Stück dieses verlorenen Werkes betrachtet er auch das Fragmentum Chesnii, als eine Ableitung die Continuatio Romana der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus. Indem wir nun den Scharfsinn des Verfassers dieser Untersuchungen vollkommen anerkennen, können wir ihm doch durchaus nicht folgen, wenn er (S. 128) in diesem, seiner Ansicht nach sehr bedeutenden Geschichtswerk das oben (S. 149) erwähnte verlorene Werk des Crantz erkennen will, da Aventins Angabe über den Inhalt desselben durchaus nicht dazu paßt.

Vermissen wir nun hier irgend eine gesicherte locale Anknüpfung, so werden wir dagegen bestimmt nach Lorsch gewiesen durch die Annales Laurissenses minores, welche jedoch Waitz jetzt als die kleine Lorscher Frankenchronik bezeichnet hat[25], ein mageres, nach Regentenjahren geordnetes Compendium der Geschichte des Frankenreiches, an Beda sich anlehnend und ganz aus der oben erwähnten Compilation bis 805 geschöpft, mit Ergänzungen aus den Ann. Laureshamenses und einigen Erweiterungen und Zusätzen; nach Kurze bis 789 aus der von ihm angenommenen Quelle. Nur das Jahr 806 gehört nach Waitz dem Verfasser, wenn er nicht doch vielleicht auch dieses schon in der Compilation fand. Die als Regierungsjahre betrachteten, überaus ungenauen Zahlen hält Pückert für Abschnitte, die vielleicht schon in der Vorlage gewesen, wodurch der Vorwurf großer chronologischer Verwirrung beseitigt würde[26]. Er hebt ferner die ausserordentlich starke, gegen die Vorlage noch sehr verstärkte kirchliche Färbung, die Betonung der geistlichen Autorität und Leitung hervor, was der Strömung der Zeit entspricht. — Von 807 an beginnt eine sehr magere Fortsetzung bis 817, während ein anderes nach Fulda gekommenes Exemplar dort eine andere mit deutlich localer Färbung, ebenfalls bis 817, erhielt[27].

Die lebhaft erwachende Thätigkeit in dieser Richtung bezeugen ferner die Chronik der sechs Weltalter, welche bis 810 reicht, von einem ungenannten Verfasser[28], ein mageres chronologisches Gerippe, ohne selbständigen Werth, die oben S. 146 erwähnten Ann. Maximiani von 710 bis 811, die Fulder bis 814 (S. 150) und die Flaviniacenses von 816 (S. 146).

Bis 818 reicht das Chronicon Moissiacense[29], eine große unverarbeitete Compilation, welche aus der vorher erwähnten Chronik bis 741, der Compilation bis 805, den Reichsannalen und anderen bekannten Werken geschöpft ist, deren Bekanntschaft, wie Pückert bemerkt, Abt Benedict von Aniane vermittelt haben kann, aber doch hin und wieder auch eigenthümliches aus jetzt verlorenen Quellen hat; darunter hat Dorr[30] Aquitanische Annalen und ein Chronicon Aquitanicum ohne genaue Chronologie auszuscheiden und zu sammeln versucht. Der Verfasser ist so unselbständig und schreibt so gewissenhaft seine Vorlagen wörtlich ab, daß ihm auch der werthvolle letzte Theil der Chronik von 813 bis 818 nicht zuzutrauen ist. Dieser schließt sich vielmehr in der ganzen Weise der Erzählung so genau den bis dahin benutzten Ann. Laureshamenses (s. oben S. 145) an, daß wir mit L. Giesebrecht annehmen müssen, es habe dem Schreiber der Handschrift ein vollständigeres Exemplar vorgelegen, dessen Schluß uns nur hier erhalten ist. Die Herkunft der Chronik ist südfranzösisch, es sind aber, wie G. Monod[31] bemerkt, von ihr zwei ganz verschiedene Bearbeitungen vorhanden, von denen die eine aus Moissac stammt, ihr fehlen die Jahre 716-777. Die andere stammt aus Aniane und hat Zusätze, in denen die Geschichte ganz willkürlich behandelt wird, z. B. 779 und 780 spanische Namen an die Stelle der sächsischen gesetzt sind. Zu einer mit diesen verwandten Chronik gehört nach der wichtigen Entdeckung von Pückert[32] die sog. Notitia de servitio monasteriorum, welche überall arglos benutzt ist, hier aber als eine spätere Fälschung, vermuthlich aus Aniane, nachgewiesen wird.

So stellt sich uns also eine lebhafte litterarische Thätigkeit dar, bei welcher zunächst die Sorge für die bis dahin in so hohem Grade vernachlässigte Form der Darstellung in den Vordergrund tritt, mit welcher sich aber nicht minder auch das Streben nach Ergänzung der geschichtlichen Thatsachen verbindet. Am Ende des Jahrhunderts werden die Annalen bis 801 von dem sog. Poeta Saxo sogar in Verse gebracht.

Die Fortführung der Annalen bis 829 ist vom höchsten Werthe und gewährte ein noch lange befolgtes klassisches Vorbild der gleichmäßigen Darstellung der Zeitgeschichte. Hatte schon Einhard den früheren Theil der Annalen für sein Leben Karls zu Rathe gezogen, so finden wir den folgenden Abschnitt von 814 an zu einer Biographie Ludwigs verwandt, nicht unbedeutend verändert, aber nicht verbessert, mit Einhards Werk gar nicht zu vergleichen[33].

§ 10. Ludwig des Frommen Zeit. [←]

Funck, Ludwig der Fromme, Frankfurt a. M. 1832. B. Simson, Jahrbücher des Fränkischen Reichs unter Ludwig dem Frommen. 2 Bde. Leipz. 1874. 1876.

Ein Jahrhundert lang hatte das karolingische Haus daran arbeiten müssen, das zerfallende merowingische Reich wieder zur Ordnung und Festigkeit zu bringen, bevor Karl daran denken konnte, auch den Wissenschaften hier eine neue Heimath anzuweisen. Als dann Ludwigs ungeschickte Hände den stolzen Bau im Laufe weniger Jahre in seinen Grundfesten erschütterten, als von neuem Raub und Gewaltsamkeit aller Art ungehindert geübt wurden, da wurde auch diese zarte Blüthe geknickt. Es half nichts, daß Ludwig persönlich litterarischen Bestrebungen geneigt war[1], daß er die Klosterzucht herstellen half, was auch den Schulen zu Gute kam; wir wollen ihm nicht den Ruhm schmälern, das schöne altsächsische Gedicht des Heliand veranlaßt zu haben, aber unter dem Waffenlärm konnte die Wissenschaft nicht gedeihen, und über ihre Mißachtung wird schon bald nach Karls Tod geklagt[2]. Schon 829 baten die zu Worms versammelten Bischöfe dringend um die Errichtung von mindestens drei öffentlichen Schulen, um dem Verfall Einhalt zu thun: die Ausführung wird bei der wachsenden Zerrüttung des Reiches unterblieben sein[3].

Die Hofschule blieb jedoch bestehen, der Ire Clemens und andere Lehrer wirkten daran, und unter Karl dem Kahlen gewann sie noch einmal einen glänzenden Aufschwung. Auch die Reichsannalen wurden nicht unterbrochen, sondern in gleichmäßiger Weise weiter fortgeführt. Es sind die nach ihrem Fundort genannten Bertinianischen Annalen, deren Schreibart den amtlichen Charakter nicht verkennen läßt; wir werden auf dieselben noch später zurückzukommen haben. Alle die traurigen Vorfälle der Zeit werden hier mit möglichster Schonung berührt; der Herr Kaiser erscheint stets in seinem Rechte, aber auch gegen die Gegner, welche ja ebenfalls seinem Hause angehörten, wird anständige Mäßigung beobachtet. Im Jahre 835 übernahm der Bischof Prudentius von Troyes die Fortsetzung, und führte sie bis zum Jahre 861, wo der Erzbischof Hinkmar die Arbeit aufnahm; schon war nicht mehr der königliche, sondern der erzbischöfliche Hof zu Reims der wahre Mittelpunkt des Reiches. Der genaue Zusammenhang der karolingischen Reiche aber tritt in diesen Jahrbüchern noch deutlich hervor, indem auch die italienischen und die deutschen Begebenheiten sorgfältig berücksichtigt werden.

Der vornehmen Kürze der Reichsannalen treten für die frühere Zeit Ludwigs die Gedichte des Ermoldus Nigellus[4] zur Seite; schmeichlerische Lobgedichte, die zwar als solche kaum zu den eigentlichen Geschichtsquellen gerechnet werden können, aber doch von mancher Einzelheit uns Kunde geben, und durch ihre Schilderungen vielerlei Aufschluß gewähren über Zustände und Personen der Zeit. Aquitane von Geburt, war Ermold ein Günstling des Königs Pippin; er geleitete ihn, obwohl Mönch, auf der Heerfahrt des Jahres 824 gegen die Bretonen mit Schild und Speer: doch scherzt er darüber selbst, und sein Herr lachte ihn aus. Der Kaiser aber gab ihm Schuld, daß er Pippin verführe, und verbannte ihn deshalb nach Straßburg, wo Bischof Bernald ihn unter seine Aufsicht nahm. Hier nun schrieb er seine vier Bücher, in Distichen, über die Thaten des Kaisers, mit Ludwigs aquitanischem Königthum beginnend bis auf Heriolds Taufe 826, und es liegt in der Natur der Dinge, daß er ihm sowohl wie der Kaiserin Judith um so ärger schmeichelte, je mehr er sich seiner Verbindung mit ihren Gegnern bewußt sein mochte; er erreichte jedoch seinen Zweck nicht, und sandte deshalb noch zwei Elegien an König Pippin, deutlich Ovid nachahmend, hinter dem er doch in Sprache und Versbau unendlich weit zurückbleibt[5]. Seine Befreiung aber mag er wohl dem Siege der Verschworenen im Jahre 830 verdankt haben[6].

Kaum minder lobrednerisch für Ludwig, als die Verse Ermolds, sind die beiden Lebensbeschreibungen, welche wir von ihm besitzen. Die eine, welche nur bis 835 reicht, ist schon zu seinen Lebzeiten verfaßt, von Thegan oder Degan, einem vornehmen Franken und Landbischof der Trierer Kirche, auch Probst des Cassiusstifts in Bonn, von welchem sonst nichts bekannt ist, als sein freundschaftlicher Verkehr mit Walahfrid und einigen anderen, den ein Paar noch erhaltener Briefe und Verse bezeugen. Er ist von ganz besonderem Eifer gegen die aus unfreiem Stande erhobenen und dann übermüthig gewordenen Bischöfe erfüllt, von denen er jedoch nur Ebo von Reims nennt; man vermuthet deshalb, daß er vielleicht in dessen Sprengel ansäßig war und persönlich von ihm zu leiden gehabt hat. Walahfrid rühmt (um 825) seine stattliche Erscheinung, seine gigantische Statur, und seine Gelehrsamkeit. Jene Schrift nun ist vielleicht durch Einhards Werk über Karl angeregt, verfolgt aber, wie es B. Simson wahrscheinlich macht, einen bestimmten politischen Zweck, indem wohl nicht ohne Absicht neben scharfem Tadel Lothars und seiner Anhänger die Verdienste Ludwigs des Deutschen sehr hervorgehoben werden. In der Form sehr unvollkommen, und größtentheils in magerer annalistischer Weise verfaßt, gewährt sie uns doch einige gute Nachrichten; der Aufgabe einer wirklichen Biographie aber konnte der Verfasser schon deshalb nicht genügen, weil er von Leidenschaftlichkeit gegen Ludwigs Gegner, vorzüglich gegen Ebo von Reims, erfüllt war, und die wahren Ursachen der Unruhen und inneren Kriege verschweigt[7]. Walahfrid freilich, ein ebenso eifriger Anhänger Ludwigs, lobt, indem er die Mängel des Ausdrucks mit der seelsorgerischen Thätigkeit des Mannes entschuldigt, gerade die Wahrhaftigkeit desselben; er theilte das Büchlein in Capitel und versah diese mit Ueberschriften, um sich und andere an den Thaten des Kaisers Ludwig, heiligen Andenkens, um so besser und häufiger erbauen zu können.

Mit geringerer Heftigkeit, doch mit nicht minderer Parteilichkeit für Ludwig, ist die zweite größere Lebensbeschreibung desselben[8] geschrieben, welche ein unbekannter Geistlicher vom Hofe bald nach dem Tode des Kaisers verfaßt hat; man pflegt ihn den Astronomen zu nennen, wegen einiger Bemerkungen, welche sich auf diese Wissenschaft beziehen. Tiefere geschichtliche Einsicht dürfen wir bei einem Anhänger Ludwigs überhaupt nicht suchen, und auch der Stil dieses Biographen ist entstellt durch übertriebenes Streben nach phrasenhaftem Schmuck. So hat er in dem mittleren Theile seines Werkes von 814 bis 829 fast nur die Reichsannalen ausgemalt und durch seine Schönrednerei entstellt[9]. Schätzbarer ist der erste Abschnitt, wo Ludwigs Jugendzeit nach den Erzählungen oder, wie Ebert vermuthet, nach einer schriftlichen Aufzeichnung des Mönches Adhemar geschildert ist, der mit dem Kaiser auferzogen war. Im letzten Theile endlich giebt der Verfasser aus eigener Kenntniß Nachricht von dem was er erlebt, und wenn auch seine Darstellung wenig zu loben, die Chronologie sehr verwirrt ist, so ist doch der Inhalt von großem Werthe für uns.

Diesen Schriften reihen wir noch das Leben des Abtes Benedict an, des Stifters des Klosters Aniane († 821), der das Vertrauen des Kaisers in so hohem Grade besaß; zuletzt Abt des für ihn erbauten Klosters Inden oder Cornelimünster, wurde er zugleich Obervorsteher aller Klöster im Frankenreich, und entfaltete eine große Wirksamkeit für die Reform des Mönchswesens und Herstellung der Schulen. Sein Leben wurde ein Jahr nach seinem Tode (821) von Ardo, genannt Smaragdus, seinem Nachfolger als Abt von Aniane, in anschaulicher Weise liebevoll geschildert, mit besonders genauer Kenntniß der früheren Zeit, wie er, damals Witiza genannt, ein edler Gothe, Sohn des Grafen von Maguelonne, ein tapferer Kriegsmann, Mönch wurde und sich zuerst einer ganz übertriebenen Askese hingab, bis das Leben ihn erzog, und nun seine reformatorische Thätigkeit weithin wirksam wurde. Auch die Bekehrung des Grafen Wilhelm von Toulouse wird darin berichtet, dessen Leben später fabelhaft ausgeschmückt ist[10].

Ein merkwürdiges Denkmal aus dieser Zeit ist der liber manualis Dodanae, die von Dhuoda, der Witwe des Grafen Bernhard von Septimanien, im J. 841 für ihren Sohn Wilhelm verfaßten Rathschläge und Unterweisungen, woraus einst Mabillon und Baluze Auszüge gegeben haben, welche jetzt mit Benutzung einiger neugefundenen Fragmente von E. Bondurand neu herausgegeben sind[11].

In einer Zeit der erbittertsten Parteiungen konnte die Geschichtschreibung nicht den Charakter ruhiger, unparteilicher Schilderung bewahren, den wir in den Reichsannalen wahrnehmen; jede Erzählung nimmt eine bestimmte Farbe an nach dem Standpunkt des Verfassers, und es treten nun auch die politischen Streitschriften hinzu, in welchen die Gegner ihr Verfahren zu rechtfertigen, die Widersacher anzuschuldigen sich bemühen. Dahin gehört aus dieser Zeit namentlich das beredte Manifest des Erzbischofs Agobard von Lyon, welches das Auftreten der Söhne gegen ihren Vater rechtfertigen sollte[12], und von der anderen Seite die Klage des Herrn Kaiser Ludwig, angeblich von ihm selbst verfaßt, in Wahrheit aber doch wohl nur eine Stilübung aus dem Kloster des h. Medardus[13].

Den Tod des Kaisers und die darauf folgende Zwietracht beklagte in einer Elegie Florus, der bekannte Diakonus von Lyon[14].

§ 11. Der Streit der Söhne. Nithard. [←]

Nithardi Historiarum libri IV. ed. Pertz, MG. SS. II, 649-672. Besonderer Abdruck Hann. 1839; 2. Ausg. mit neuer Benutzung der Pariser Handschrift, sonst ohne Zusatz, 1870; von Holder mit wiederholter Benutzung derselben 1880. Uebersetzung von Jasmund, Berl. 1851. 1889 (Geschichtschr. 20. IX, 5; S. 67 l. fünften statt 15). — Die Eidesformeln jetzt auch bei Müllenhoff und Scherer S. 197 (3. Ausg. I, 231), vgl. S. 479 (II, 365). Brakelmann in Hoepfners und Zachers Zeitschr. f. d. Philol. III, 85-95. Arbois de Jubainville: Le Text Franc etc. Bibl. de l'École de chartes XXXII, 321-340. Facs. bei G. Paris: Les plus anciens Monuments de la langue Française (1875) pl. 1. Chr. Pätz, De vita et fide Nithardi, Diss. Hal. 1865. Gerold Meyer von Knonau, Ueber Nithards 4 Bücher Geschichten, Leipz. 1866, 4. O. Kuntzemüller, Nithard u. sein Geschichtswerk, Diss. Jen. 1873. Ebert II, 370-374. Die Handschrift stammt aus Saint-Magloire in Paris, Hist. Zeitschr. XXXI, 220. Delisle, Note sur le Catalogue général p. 37. Manitius, Parallelstellen, NA. IX, 618. XI, 69-73.

Wir haben schon früher gesehen, wie am Anfang des Mittelalters diejenigen Männer, welche sich durch litterarische Bildung auszeichneten, wenn sie auch ihre Bildung noch nicht der Kirche verdankten, doch zuletzt dieser sich zuwandten, und dasselbe wiederholt sich auch in Karls Zeit. Die fränkischen Ritter verschmähten jede gelehrte Bildung, und die Bemühungen Karls in dieser Beziehung blieben ohne dauernde Wirkung. Die Kirche war gar bald wieder alleinige Hüterin des Griffels und der Feder. Auch Einhard hatte sich klösterlichem Leben zugewandt, wenn er auch nicht in den geistlichen Stand getreten war, und kriegerische Waffen hatte er nie geführt. Auch Angilbert, wenn er jemals, wie man später erzählte, ein Kriegsheld gewesen war, zog doch die Kutte an; sein Sohn Nithard aber bietet uns das einzige Beispiel eines vornehmen und tapferen Streiters, der wirklich das Schwert aus der Hand legte, um auch mit der Feder die Sache seines Herrn zu vertheidigen. Freilich hat seine Rede nicht mehr den Wohlklang von Angilberts Muse; man fühlt ihr die Zeit an, wo schon über den Verfall der Schulen geklagt wird, sie ist rauh und hart, aber dafür entschädigt der tüchtige Sinn des Mannes, seine Einsicht und Kenntniß der Dinge. Daß auch seine Schrift durchaus parteiisch ist, versteht sich von einem Manne, der mitten in den heftigsten Kämpfen stand, von selbst; es konnte nicht anders sein[1].

Nithard war ein eifriger Anhänger Karls des Kahlen, und theilte mit ihm alle Wechselfälle des Kriegs. Im Jahre 840 übernahm er eine Gesandtschaft an Lothar, und als diese vergeblich blieb, zog er mit Karl dem Heere Lothars entgegen; da, als sie eben im Begriff waren, in Châlons-sur-Marne einzureiten, gab Karl ihm den Auftrag, die Geschichte seiner Zeit zu schreiben, um sein Recht aller Welt darzulegen. Doch war ihm zunächst noch Nithards Schwert wichtiger, als seine Feder; am 25. Juni 841 wurde die Entscheidungsschlacht bei Fontenoy geschlagen, wo auch Nithard, wie er selbst erzählt, tapfer kämpfte. Dann griff er wieder zur Feder; im ersten Buch stellte er einleitend die Ereignisse dar, welche zu diesen Kämpfen geführt hatten, die Reichstheilungen, und die Verwirrung, welche daraus entstanden war, zweckmäßig und übersichtlich erzählt[2]. Mit Ludwigs Tode hebt im zweiten Buch die ausführliche Darstellung an; das Unrecht Lothars und die Verwerflichkeit seines Benehmens gegen die Brüder sind der vorzügliche, auch in dem an Karl gerichteten Vorwort ausdrücklich bezeichnete Gegenstand. Die Schilderung des entscheidenden Kampfes, mit dem das Buch schließt, unterbricht Nithard durch die Bemerkung, daß eben jetzt, während er schreibe[3], am 18. October desselben Jahres, die Sonne sich verfinstere. Das dritte beginnt er voll Unmuth: er habe gar nicht weiter schreiben wollen, weil es ihn schmerze und ihm zuwider sei, von seinem Volke schmähliches zu berichten; doch damit nicht etwa jemand sich erkühne, die Sachen anders zu berichten als sie sich ereignet hätten, habe er sich entschlossen, noch ein drittes Buch hinzuzufügen über dasjenige, woran er selber Theil genommen, die Verhandlungen nämlich, die ihn fortwährend in Anspruch nahmen. Mit ähnlichen Worten beginnt er auch das vierte Buch, das letzte, welches leider nur bis zum Anfange des Jahres 843 reicht; dann scheint er in sein Kloster zurückgekehrt zu sein, vermuthlich eben deshalb, weil es ihm als Laienabt verliehen war. Ich hatte früher ganz bezweifelt, daß er Abt gewesen sei, allein da die Grabschrift wirklich von dem Zeitgenossen Mico zu sein scheint, so müssen wir ihm glauben, daß Nithard kurze Zeit (paucissimis diebus sagt Hariulf) Abt gewesen und als solcher im Kampf gefallen sei. Da schon im Sept. 844 Ludwig Abt ist, so muß er vor diesem eingeschoben werden, und es mag die Vermuthung von Traube richtig sein, daß Richbod, nachdem er noch 842[4] die feierliche Erhebung Angilberts besorgt hatte, ihm den Platz hat räumen müssen, was in diesem Kloster mehrmals vorkam. Wir hören nichts weiter von ihm, als daß im elften Jahrhundert, als Angilberts Grab in St. Riquier eröffnet wurde, man darin die Leiche Nithards fand, in Salz gelegt, in dem hölzernen, mit Leder bedeckten Sarge, worin er einst vom Schlachtfelde heimgetragen war, an seinem Haupt die Wunde, welche ihm den Tod gegeben. Damals hat man ihn als Abt gemalt, und der Klosterdichter Mico verfaßte dazu ein Epitaph[5]. Als Todestag wird XVIII. Kal. Jun. angegeben, was richtiger durch Id. Mai bezeichnet wäre. Dümmler schlägt deshalb vor, Jul. zu setzen, und so kämen wir auf den 14. Juni. Merkwürdiger Weise aber ist nach Prudentius der Abt Richbodo von St. Riquier am 14. Juni 844 am Agout gefallen, und ist auch dieser ein Enkel Karls des Großen gewesen. Leider fehlt es uns an jeder zuverlässigen Nachricht zur Aufklärung dieser Verhältnisse; wenn Nithard mit ihm zugleich gefallen wäre, so muß man doch annehmen, daß er sicherlich auch hätte erwähnt werden müssen. Wir beschränken uns also darauf, das Epitaph hier mitzutheilen. Es lautet:

EPYTAFIUM.

Hic rutilat species Nithardi picta sagacis, Nomen rectoris qui modico tenuit, Eheu! quod subito in bello rapuit gemebundo Mors inimica satis seu furibunda nimis: Invidia siquidem multatus hostis iniqui, Qui primus nocuus perstitit innocuis. Astu nam belli viguit quasi fortis Asilas[6], Nec non ex sophia floruit ipse sacra. Extitit elatos rigidus mites humilisque Contra commissum pacificusque gregem. Cujus de Caroli genio[7] processit origo Nobilis ac celsa caesaris egregii. Occubuit Junii octavo decimoque Kalendas Hostili gladio: hac requiescit humo. Hos quicumque legis versus, miserere suique Dic: Animae ipsius det veniam Dominus, Jam quia sublatus terris regione locatus Sit, precibus, sancta, hocque frequens rogita. Donec e tumulo salient cineres quoque vivi, Corpore suscepto quo reparatus eat Ad loca sanctorum, fultus hinc inde maniplis Angelicis sanctis cum patribus reliquis.

Ungern trennen wir uns von diesem Büchlein, dem Werke eines wackern Kriegshelden und einsichtigen Staatsmannes, welcher so recht aus der Mitte der Begebenheiten mit Ernst und Wahrheitsliebe berichtet, was er selbst durchlebt, woran er selbst den bedeutendsten Antheil genommen hat. Unwillkürlich knüpft sich daran der Gedanke, wie ganz anders die Geschichtschreibung sich hätte entwickeln können, wenn die Laien der folgenden Jahrhunderte es nicht verschmäht hätten zu schreiben, wenn nicht die Feder ausschließlich der Geistlichkeit überlassen wäre, der wir zwar viel schöne und treffliche Werke zu danken haben, die aber mit Nothwendigkeit ihre kirchliche Auffassung in alle Verhältnisse übertrug. Wir möchten ihre Werke nicht missen, aber gar gerne hätten wir daneben auch die Stimmen einsichtiger Laien.

Doch ist Nithard nicht der einzige von den Kämpfern in der Schlacht bei Fontenoy, dessen Worte uns vorliegen; auch von Lothars Seite ist uns eine Schilderung der Schlacht erhalten in dem Klagelied jenes Angilbert, der, im ersten Treffen kämpfend, von Vielen allein übrig geblieben war. Voll tiefen Grames sind seine Worte, nirgends tritt uns so lebendig der bittere Schmerz entgegen über diese allzu harte Nacht, in welcher die Tapfersten gefallen sind, die Kundigsten des Krieges[8]. Die Form dieser Verse ist rhythmisch, die Sprache diejenige, welche uns schon aus der merowingischen Zeit bekannt ist, lateinisch wie es ein Romane sprechen und schreiben konnte, ohne es schulmäßig erlernt zu haben. Daher haben wir auch dergleichen Dichtungen nur aus Frankreich[9] und Italien[10], aus Deutschland nur Kunstpoesie gelehrter Geistlicher[11]. Daneben sang das Volk seine deutschen Lieder, die wohl gelegentlich erwähnt werden, die aber niemand aufschrieb. Nur der Ludwigsleich, gedichtet auf die Normannenschlacht bei Saucourt (881), bildet davon eine Ausnahme[12].

Ein höchst eigenthümliches Product jener traurigen Zeiten, wo durch die Zwietracht der Brüder alle Ordnung gestört war und besonders die Kirchen fortwährender Beraubung und Mißhandlung ausgesetzt waren, wo dann auch Karl der Kahle die anfangs noch an ihn geknüpften Hoffnungen in zunehmender Weise täuschte, sind die Schriften und vorzüglich die Revelationen des Audradus Modicus aus dem Martinskloster zu Tours, der 847 vom Erzbischof Wanilo zum Landbischof von Sens eingesetzt wurde, im Nov. 849 aber mit seinen meisten Collegen diese Stelle wieder verlor. Im März 849 überreichte er seine gesammelten Schriften in Rom dem Pabst Leo IV, welcher sie im Archiv von St. Peter niederlegte; die angeblichen Visionen aber setzte er noch bis 853 fort. Diese nur fragmentarisch erhaltenen Schriften sind kürzlich durch neugefundene Fragmente verständlicher geworden und von L. Traube in scharfsinniger Weise erläutert; sie enthalten nicht unbedeutende Beiträge zur Geschichte der Zeit[13].

§ 12. Frechulfs Weltchronik. [←]

Wir haben oben § 10 →2 die ersten, noch recht unvollkommenen Versuche betrachtet, die fast verlorene Verbindung mit der Vergangenheit herzustellen. Die Ereignisse der Gegenwart nahmen zunächst die Aufmerksamkeit in Anspruch und mit ihrer Aufzeichnung begann man; doch regte sich auch bald das Bedürfniß in den größeren Zusammenhang einzutreten und einen Ueberblick über die Weltgeschichte zu gewinnen. Bei der raschen Ausbildung formaler Gewandtheit konnten die in der Form noch halb barbarischen und innerlich unverarbeiteten Compilationen sehr bald nicht mehr genügen, und es ist begreiflich, daß man sich dieser großen und schwierigen Aufgabe von neuem und mit besserem Erfolge zuwandte.

Ganz anderer Art nun, als jene Compilationen, und das Werk eines wirklich bedeutenden Mannes ist die Weltchronik des Bischofs Frechulf von Lisieux. Unbekannter Herkunft nennt er Helisachar, den vielvermögenden Kanzler Kaiser Ludwigs[1], seinen Lehrer, und die Freundschaft, welche ihn mit Hraban verband, wird wohl schon damals geschlossen sein, als dieser zu Alcuins Füßen saß[2]. Vermuthlich aus dem Kreise der Hofgeistlichkeit wurde Frechulf auf den Bischofstuhl erhoben; in Lisieux fand er eine in tiefe Unwissenheit versunkene Herde zu weiden, und einen solchen Büchermangel, daß nicht einmal die Bibel vorhanden war. Er wandte sich deshalb an seinen Freund Hraban, seit 822 Abt von Fulda, mit der Bitte um einen Commentar zum Pentateuch, der die Erklärungen der alten Kirchenlehrer mit Beifügung ihrer Namen enthalten sollte, und Hraban erfüllte seine Bitte. Wohl bald nachher sandte der Kaiser ihn 824 an den Pabst Eugen II wegen des damals lebhaft geführten Streites über den Bilderdienst; bis 852 wird noch seine Theilnahme an verschiedenen Synoden erwähnt[3], 853 aber erscheint sein Nachfolger Eirard.

Ohne Zweifel hat Frechulf seine Verbindungen und wohl auch die Reise nach Rom benutzt, um dem Büchermangel abzuhelfen, so daß er bald im Stande war, auf Helisachars Wunsch und Antrieb mit einer für die damalige Zeit nicht unbedeutenden Gelehrsamkeit und Kunst ein Werk über die alte Geschichte zu Stande zu bringen, in welchem die ausgehobenen Stellen der benutzten Autoren zu einer ausführlichen Darstellung nicht ungeschickt verbunden sind. Zu diesem ersten Theile fügte er bald noch einen zweiten, welcher die Geschichte des römischen Reiches von Christi Geburt bis zur Vertreibung der römischen und gothischen Obrigkeiten aus Gallien und Italien und der Aufrichtung völlig selbständiger Reiche durch die Franken und Langobarden fortführt; die Geschichte der christlichen Kirche fand ihren Abschluß durch Gregors des Großen Pontificat. Diese zweite Abtheilung seines Werkes überreichte er 830 oder etwas früher der Kaiserin Judith, deren Gelehrsamkeit auch von Hraban und Walahfrid gepriesen wird[4], um davon für den Unterricht des noch zarten Knaben Karl Gebrauch zu machen. Ueberaus merkwürdig ist es, daß Frechulf hierdurch die sonst so ängstlich festgehaltene Continuität des römischen Reiches gänzlich aufgab, daß er es wagte, die neuen Reiche auf römischem Boden als etwas wirklich neues, ihre Stiftung als den Beginn einer neuen Zeit zu betrachten[5]. Nachfolger hat diese Abweichung von dem herrschenden Systeme nicht gefunden; nur Notker, der Mönch von St. Gallen (I, 1) ist kühn genug, die Bildsäule als zertrümmert, das römische Reich als vergangen zu betrachten, und Kaiser Karl als den Herrscher eines neuen Weltreichs hinzustellen.

In dem herkömmlichen Geleise blieb auch Ado, Erzbischof von Vienne († 874), der Verfasser des Martyrologiums, welcher sich auch an einer Weltchronik versuchte[6]. Er verband zu diesem Zwecke mit der Chronik des Beda Auszüge der gewöhnlichen Quellen, die er jedoch stilistisch zu einer zusammenhängenden Erzählung überarbeitete. Den Faden für die Verbindung des Ganzen gab ihm die Folge der Kaiser; an Constantin und Irene knüpft sich unmittelbar Karl der Große, dann Ludwig, Lothar, Ludwig II: so wird der Gedanke der Einheit des römischen Reiches durchaus festgehalten. Die Erhebungen der Söhne gegen Ludwig den Frommen erscheinen nur als unberechtigte Revolutionen; dann wird Karl der Kahle als trefflicher und weiser Regent gepriesen, alle aber überstrahlt die Hoheit des Pabstes Nikolaus. Es ist die Geschichte vom Standpunkte der Autorität und der vorgefaßten Meinungen, der sie so lange beherrscht hat und eine unbefangene Auffassung der Ereignisse unmöglich machte.

Auch eine Volksgeschichte der Franken liegt uns vor, wahrscheinlich aus dem Jahre 816, die einem übrigens unbekannten Erchanbert, doch ohne genügende Sicherheit, zugeschrieben wird[7]. Doch ist kein großer schriftstellerischer Ruhm daran zu verlieren oder zu gewinnen; sie beruht ganz und gar auf den Gesta Francorum, und der angehängte Schluß ist über alle Maßen dürftig; nur die sagenhafte Erzählung über die Beseitigung des letzten Merowingers zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil sie uns zeigt, wie früh sich eine, der Wirklichkeit nicht entsprechende, stark kirchlich gefärbte Auffassung ausbildete.

Die Localgeschichten, welche später zu so bedeutender Entwickelung gelangten, zeigen sich in dieser Zeit noch kaum in ihren ersten Anfängen. Wir erwähnten schon des Paulus Diakonus Geschichte der Bischöfe von Metz; außerdem ist nur noch die Geschichte der Aebte von St. Wandrille zu nennen[8], bis zum Jahre 833, mit einer Fortsetzung bis zum Jahre 850. Sie enthält mancherlei merkwürdiges, z. B. über Einhards Stellung als Aufseher der königlichen Bauten, und ist besonders ausführlich über die Thätigkeit des Abtes Ansegis, jenes bedeutenden Mannes, dessen Capitulariensammlung so großes Ansehen gewann.

§ 13. Deutschland unter den Karolingern. Reichsannalen. [←]

Mit dem äußersten Widerstreben hatten die deutschen Stämme sich der Herrschaft der Franken unterworfen, welche von ihrer niederrheinischen Heimath aus sowohl am Oberrhein wie am Main festen Fuß faßten und in größeren Massen sich ansiedelten, während einzelne Herren dieses herrschenden Stammes überall im ganzen Lande zu finden waren. Mit ihnen kam die fremde, römische Kirche, und die rein deutsche, ureigne Entwickelung wurde durch das Uebergewicht der fremden Bildung erdrückt. Doch ist es fraglich, ob wir überhaupt berechtigt sind, hier von einer Entwickelung zu sprechen; so lange wir von den Deutschen Nachricht haben, ist eine solche, wo sie unberührt blieben, kaum wahrzunehmen, und gerade das am spätesten unterworfene sächsische Heidenthum ist völlig starr und jeder Veränderung widerstrebend; das waren Zustände, die ungestört viele Jahrhunderte ohne merkliche Entwickelung fortbestehen konnten.

Gewaltsam wurden die Schwaben, Baiern, Sachsen dem Frankenreiche einverleibt; aber nachdem bei ihnen die Kirche durch Bonifatius sicher gegründet und durch Karls feste Hand auch über Sachsen ausgebreitet war, nahmen sie nun auch an dem Leben innerhalb derselben, an der Entwickelung aller der durch Karl gelegten und gepflegten Keime, den lebhaftesten selbstthätigsten Antheil. Als das große Reich zerfiel, hatte diese Pflanzung bereits so tiefe Wurzeln bei ihnen geschlagen, daß die Trennung keinen nachtheiligen Einfluß darauf äußerte; auch blieb ja die Einheit der Kirche, welche die einzelnen Glieder schützte gegen das Schicksal jener alten, in ihrer Vereinzelung verkommenden Gemeinden der irischen Glaubensboten.

Ludwig dem Deutschen fehlte es nicht an Bildung[1]; er fand Freude und Geschmack daran und scheint namentlich auch, wie sein Vater, den Wunsch gehabt zu haben, den Deutschen das Christenthum durch Werke in der Volkssprache näher zu bringen. Ihm selber glaubt man die Aufzeichnung des deutschen Gedichtes vom Jüngsten Tage in einer ihm gewidmeten Handschrift zuschreiben zu dürfen[2]; ihm übersandte auch Otfrid um 865 sein Evangelienbuch. Nicht minder nahm aber auch Ludwig, wie sein Vater und seine Brüder, lebhaften Antheil an den Fragen und Untersuchungen, welche die gelehrten Theologen seiner Zeit beschäftigten, in so eingehender Weise, wie es nur bei der gründlichen Schulbildung der Karolinger möglich war. Der Erzbischof Adalram von Salzburg (821-836) übersandte ihm die Abschrift einer Predigt des heiligen Augustin, dieselbe, welcher die eben erwähnten deutschen Verse beigefügt sind; ein Priester Regimar mehrere Schriften des h. Ambrosius[3]. Besonders aber stand er in lebhaftem Verkehr mit Hraban, der ihm mehrere seiner Werke theils aus eigenem Antriebe, theils auf ausdrückliche Aufforderung des Königs überreicht hat; im Prolog zum Daniel erwähnt er peritissimos lectores an seinem Hofe[4]. Auch zu der Unterredung mit seinem Bruder Karl im Jahre 865 führte Ludwig den Bischof Altfrid von Hildesheim mit sich und benutzte die Anwesenheit des gelehrten Hinkmar, um diesen beiden Männern einige schwierige Stellen der heiligen Schrift zur Erklärung vorzulegen. Dadurch veranlaßt, verfaßte Hinkmar seine Auslegung des 17. Verses des 103. Psalmes, welche er dem Könige übersandte[5]. Auch fehlte es am ostfränkischen Hofe wohl nicht ganz an einer Hofschule für die vornehmen Jünglinge, welche nach alter Sitte dort sich auszubilden suchten. Erzkanzler war von 829-833 der gelehrte Abt Gozbald von Nieder-Altaich, welcher später (841-855) das Bisthum Würzburg erhielt. Ihn nennt Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer, vorzüglich aber kann er nicht Worte genug finden zum Preise des weisesten der Lehrer, des Erzkaplans Grimald, der noch an Karls Hofe gebildet war, man sagte sogar, daß er noch Alcuins Unterricht genossen habe, dann in der Reichenau höhere Ausbildung suchte, und von 833 bis 870, wenngleich nicht ohne Unterbrechung, der Kanzlei, bald auch der Kapelle Ludwigs vorstand. Mit drei Abteien, Weissenburg, St. Gallen und Ellwangen[6] bedacht, hielt er sich doch noch immer vorzüglich am Hofe auf, wo die wichtigsten Geschäfte ihm anvertraut wurden. Er war ein Neffe des Erzbischofs Hetti von Trier, und der Bruder von dessen Nachfolger Thietgaud[7]. Zu den bedeutendsten Gelehrten der Zeit stand er in freundschaftlichen Beziehungen; so übersandte Hraban ihm sein Martyrologium mit einer poetischen Widmung[8], und nie versäumte Grimald über den Staatsgeschäften die Pflege der Wissenschaft. Veranlaßt war Hraban zu jenem Werke durch Ratleik, einst Einhards Schreiber, dann dessen Nachfolger als Abt von Seligenstadt und von 839 bis 853 Kanzler an Grimalds Stelle[9]. Auch Witgar, Abt von Ottobeuern, der von 858-860 Kanzler war, dann Bischof von Augsburg wurde, zeichnete sich durch Liebe zu gelehrten Studien aus; nicht minder auch Grimalds Nachfolger Liutbert, der Erzbischof von Mainz[10].

Allein der Königshof war doch nicht mehr wie in Karls Zeit der Mittelpunkt aller litterarischen Bestrebungen, welche sich nun vielmehr an die Orte anschlossen, wo die bedeutendsten Lehrer der Zeit wirkten, und namentlich bei dem bald nachher eintretenden Verfall des Reiches kann man es nur als eine glückliche Entwickelung betrachten, dass diese Studien in voller Unabhängigkeit an den verschiedensten Orten feste Wurzeln getrieben hatten. Naturgemäß verbreiteten sie sich im ganzen Reiche, erblühten bald hier bald da zu reicher Entfaltung, und folgten so derselben Richtung der Vereinzelung und Absonderung, welche im deutschen Reiche sich überall und immer von neuem geltend macht. Daher ergiebt sich denn auch die Betrachtung nach landschaftlichen Gruppen als die einzige für die deutsche historische Litteratur anwendbare.

Aber wie überhaupt die Zeit der deutschen Karolinger sich aufs genaueste den Zuständen des Frankenreichs anschließt, so finden wir auch unter Ludwig und seinen Söhnen noch eine Fortsetzung der alten Reichsannalen. Denn wenn auch die Annalen von Fulda[11] aus einem Kloster hervorgegangen sind und diesen localen Ursprung nicht verleugnen, so umfaßt doch auch ihr Gesichtskreis das ganze Reich, und die Klostergeschichte erscheint ganz als Nebensache. Die Verfasser müssen in naher Verbindung mit dem Hofe gestanden, unter dem Einfluß desselben geschrieben haben, wenn sich auch kein Zeugniß dafür beibringen läßt; sie zeigen sich außerordentlich gut unterrichtet und beobachten auch als officielle Reichshistoriographen dieselben Rücksichten, welche schon in den Fortsetzungen des Fredegar und in den Lorscher Annalen wahrzunehmen sind. Uebrigens haben sie vortrefflich geschrieben in jener schon an Karls Hofe festgestellten Weise; dieselbe, in ruhiger Würde völlig objectiv gehaltene Darstellung, von Jahr zu Jahr fortschreitend, mit der deutlichen Absicht, der Nachwelt Kunde von den Ereignissen zu hinterlassen und zugleich ihr Urtheil zu bestimmen. Nicht jedes Jahr ist daran geschrieben, aber doch immer ziemlich bald nach den Ereignissen, und deshalb haben wir an ihnen eine unschätzbare Quelle ersten Ranges, bei der wir nur die Absichtlichkeit der Darstellung nicht außer Acht lassen dürfen. Die Form ist anspruchslos, und doch muß man bei näherer Betrachtung die Kunst anerkennen, welche dazu gehörte, in diesen wirren Zeiten alles im Auge zu behalten, sich durch Nebensachen nicht abwenden zu lassen, und mit knapper Beschränkung das Wichtigste übersichtlich zusammen zu stellen.

Ein allem Anschein nach fuldischer Mönch war es, der zuerst die Aufgabe übernahm, die 829 abgebrochenen Königsannalen für Ludwigs Reich weiter zu führen. Er besaß jedoch dieselben, wie es scheint, nicht vollständig, sondern wie in der Wiener Handschrift 612 (hist. prof. 989, cod. 6 bei Pertz) nur von 771 an; dazu die Laurissenses minores von 714 an und die Sithienses 741 bis 823. Gewiß war es wünschenswerth, hieraus ein übersichtliches Handbuch zusammen zu stellen, und zu diesem Zwecke empfahlen sich ihm vorzüglich die Sithienses durch ihre knappe und nicht incorrecte Form: die für ihn nothwendige Aufgabe, die alten Lorscher Annalen zugleich zusammen zu ziehen und ihrer rohen Gestalt zu entkleiden, war hier bereits erfüllt; nur für den Anfang hatte er es noch nachzuholen. Der übergroßen Kürze und Dürftigkeit wurde durch Zusätze aus der kleinen Lorscher Frankenchronik, von 771 an überwiegend und bald ausschließlich aus den Reichsannalen abgeholfen; diesen vertraut er sich nun ganz an, ohne doch bis 823 die Führung der Sithienses völlig zu verlassen. Als weitere Quellen weist Kurze sowohl die von ihm construirte Chronik bis 796, wie die nach Saint-Denis benannte Compilation bis 805 nach, der vielleicht schon eine Fortsetzung sich anschloß; auch die Annales Bertiniani zieht er heran. Aus der Translatio SS. Marcellini et Petri (826 und 828) ist einiges zugesetzt[12]; vorzüglich aber verfehlte er nicht, die Hausgeschichte seines Klosters mit Hülfe der alten Annalen in die Reichsgeschichte zu verflechten. Die wenig reichhaltige Fortsetzung bis 838 berührt jedoch nur die allgemeinen Angelegenheiten, aber von einer Einwirkung des Hofes ist noch nichts zu spüren, ein eigenes Urtheil nur leise angedeutet. Der Verfasser hatte wohl nur die Belehrung seiner Klosterbrüder im Auge, und nachdem einmal die völlig ausgebildeten Annalen vorlagen, mußte auch ohne einen äußeren Antrieb überall, wo man eine Abschrift besaß, der Wunsch sich geltend machen, diese werthvolle Quelle wichtiger Belehrung weiter zu führen. Für diese Zeit und in einem Kloster von hervorragender Bedeutung war eine solche Arbeit auch für Mönche nicht mehr zu schwierig.

Das Verhältniß zu den Annales Sithienses, wie es hier angenommen ist, beruht auf dem von B. Simson gegebenen Nachweis, daß den Annales Sithienses gerade alles dasjenige fehlt, was die Annales Fuldenses wörtlich den Laurissenses minores entnommen haben, da doch unmöglich angenommen werden kann, daß gerade alle diese Zusätze bei einem Auszuge weggelassen wären; zugleich weist der Zusatz zu der Notiz über die Rinderpest 810 auf einen Zeitgenossen im letzten Theile[10].

Ich sehe mich hier leider wieder genöthigt, wie schon in den früheren Ausgaben, von dem sonst immer so schwerwiegenden Urtheil von Waitz abzuweichen, obgleich sich derselbe Forsch. XVIII, 354 ff. speciell an mich gewandt hat, um mich von der entgegengesetzten Sachlage zu überzeugen. Es war auch bei mir nicht etwa eine aus Simsons Paralleldruck hervorgegangene „Täuschung des Auges“; ich hatte mir vielmehr selbst den Text der Fulder Annalen für diesen ganzen Abschnitt in seine Elemente zerlegt, und war dadurch zu demselben Resultate gekommen, welches Simson gewonnen hat, und welches durch Is. Bernays von neuem mit großer Schärfe begründet ist. Die Ueberspringung so vieler sicher aus den Lauriss. min. entnommener Stellen in den Sithienses scheint mir unleugbar, und mit der Annahme, daß diese aus den Fuldenses excerpirt wären, unvereinbar. Die vorhandenen Schwierigkeiten müssen deshalb auf andere Weise erklärt werden, wie es in mehreren Fällen Bernays mit Erfolg versucht hat. Fr. Kurze, welcher sich diesem Standpunkt durchaus angeschlossen hat, vermuthet die Benutzung einer besseren und vielleicht etwas reichhaltigeren Handschrift, welche auch weiter fortgesetzt sein konnte. Uebrigens ist die ganze Frage sachlich ohne Bedeutung.

Die Annales Sithienses haben diesen Namen nur deshalb erhalten, weil sie von Mone in einer Handschrift des Klosters Sithiu oder Saint-Bertin entdeckt und daraus veröffentlicht sind[11]. Locale Beziehungen aber fehlen durchaus. Sie beginnen mit Königsnamen von 548 bis 726; von 741 bis 823 liegen fortlaufende Reichsannalen vor, von welchen schon Mone richtig bemerkte, daß sie anfangs zum Theil auf den Ann. Petav. beruhen, übrigens aber durchgehende Verwandtschaft mit den Ann. Lauriss. und Einhardi zeigen. Der Text schwankt zwischen beiden Texten. Das aber, und der Anklang an verschiedene andere Quellen wird von Kurze zurückgeführt auf die Benutzung der oft erwähnten Compilation bis 796. Der Auszug ist nicht ohne Geschick gemacht, aber sehr dürftig, so daß der Fulder Annalist, wie bereits erwähnt, aus anderen Quellen sich reicheren Stoff verschaffte.

Ueber die kühnen Hypothesen Dünzelmanns glaube ich jetzt weggehen zu dürfen, da seine Ansicht von einer Theilung der Annales Fuldenses in einen schon um 793 verfaßten und einen späteren Theil widerlegt wird durch die zweifellose Benutzung der Lauriss. min. und den von Waitz geführten Beweis, daß diese erst um 806 verfaßt sind.

Ueber den Verfasser dieser Annalen nun werden wir belehrt durch eine Randnote in dem um 900 geschriebenen Schlettstadter Codex zum Jahre 838: hucusque Enhardus. Daß hiermit kein anderer gemeint ist, als der berühmte Einhard, können wir als sichergestellt betrachten; ein Mönch Enhard ist weder in den Fulder Todtenannalen noch im Reichenauer Nekrolog zu finden. Für seine Autorschaft hat sich nun in bestimmtester Weise Kurze erklärt[12], indem er sich besonders darauf stützt, daß zum Jahre 836 in das Itinerar des Kaisers die Angabe eingeschoben ist, derselbe sei „ad sanctos Marcellinum et Petrum“ gekommen. Darum müßten die Annalen in Seligenstadt geschrieben sein. Allein ich denke, der Ruf dieser Heiligen und ihrer Wunderthaten müßte damals weit verbreitet und auch in Fulda wohlbekannt gewesen, der Besuch des Kaisers auch da als sehr denkwürdig erschienen sein. Deshalb erscheinen mir Pückerts (S. 158) Gegengründe gegen die Fulder Ueberlieferung doch überwiegend, die Abfassung nur in Fulda selbst anzunehmen. Und daß derselbe Mann nun auch noch die Ann. Sithienses für seine Genter Mönche verfaßt haben sollte, damit scheint mir ihm wirklich zu viel zugemuthet zu werden. Sieht man in ihm den Verfasser der großen Reichsannalen, so kann man vollends diese annalistische Vielgeschäftigkeit nicht glaubhaft finden.

Von der Fortsetzung der Annalen war schon längst erkannt worden, daß sie nicht aus dem Kloster Fulda herstammen können, obgleich der Verfasser der ersten Fortsetzung (838-863) Rudolf uns als Mönch des Klosters bekannt ist; wir werden noch auf ihn zurückkommen. Er ist aber so sehr in die Denkweise, die Gesichtspunkte und Absichten des Hofes eingeweiht, so gleichmäßig unterrichtet über die wichtigeren Begebenheiten in allen Theilen des Reiches, daß ein näheres Verhältniß zum König nicht zu verkennen ist; er stellt denselben stets in das günstigste Licht, und zählt z. J. 858 sich selbst zu den „consiliorum regis conscii“. Aber andererseits findet sich doch keine Spur eines Aufenthaltes am Hofe, etwa der Zugehörigkeit zur Kanzlei, und wir finden ihn auch später wieder im Kloster. Hatte nun schon Duchesne bemerkt, daß Einige den Mainzer Ursprung dieser Annalen behaupten, und in der That tritt die Beziehung zu Mainz oft sehr stark hervor, so hat doch erst A. Rethfeld in seiner scharfsinnigen Abhandlung[13] die richtige Lösung gefunden. Nachdem eine Urkunde vom 27. Jan. 849 (Mühlb. 1350), worin Rudolf vom König als sein Beichtvater, zugleich aber auch als Vorsteher der Schule zu Fulda bezeichnet ist, schon längst als unecht beseitigt war, zeigen uns die Urkunden des Klosters, daß Rudolf in denselben zwar häufig vorkommt, aber nur bis 841. Unzweifelhaft, dürfen wir wohl sagen, hat er in der Folgezeit sich lange auswärts aufgehalten, und es ist höchst wahrscheinlich, daß Hraban 847 bei seiner Erhebung zum Erzbischof ihn nach Mainz mit sich nahm. Aber für die Zwischenzeit fehlt jeder Anhalt. Kurze hat jedoch auf den Bericht der Annalen von dem Aufenthalt K. Ludwigs 838 in Frankfurt hingewiesen, welcher schon auf eine vertrauliche Beziehung hindeutet: es scheint, daß Rudolf selbst anwesend war, und schon damals nach der löblichen Sitte der älteren Könige den Auftrag erhielt, Reichsannalen zu schreiben. Durch seine gelehrte Bildung, einen lateinischen Stil, der sich mit Einhard wohl vergleichen läßt, und eine besonnene und billige Denkweise war er dazu besonders geeignet; möchten wir allerdings gern sehr viel mehr von ihm erfahren, so darf man nicht vergessen, daß seine Aufgabe eine knappe und übersichtliche Darstellung, verbunden mit vorsichtiger Discretion erforderte. Setzte nun sein Aufenthalt am erzbischöflichen und öftere Berührung mit dem königlichen Hofe ihn in den Stand, vielerlei Nachrichten zu erfahren, so mag ihm doch oft auch die Ruhe zur Ausarbeitung gefehlt haben, denn man brauchte seine Feder auch für andere Aufgaben; nicht jedes Jahr schrieb er seine Fortsetzung, und Kurze hat wahrscheinlich gemacht, daß er gerade, wenn er sich einmal wieder in Fulda aufhielt, seine Notizen sorgfältig ausgearbeitet hat, so 853, wo er die seit 849 gelassene Lücke ausfüllte. Zuletzt 860 zog er sich, wohl durch seine Kränklichkeit veranlaßt, ganz nach Fulda zurück.

Vermuthlich von dem Fortsetzer rühren die Randnoten her, welche Enhard und Rudolf als Verfasser der früheren Theile nennen; ihn selbst kennen wir nicht, aber es ist höchst wahrscheinlich, daß es Meginhard war, der auch Rudolfs anderes unvollendetes Werk vollendete und mit einer gleichlautenden Randbemerkung versah. Die Gegengründe von Pertz sind durch Rethfeld und Kurze widerlegt. Er schrieb ganz in derselben Weise und in demselben Geiste, wie sein Vorgänger, wenn auch mit geringerer Kunst des Ausdrucks, gleichmäßig die Reichsgeschichte nach allen Richtungen verfolgend, auch nicht minder beflissen, die Könige in günstigem Lichte erscheinen zu lassen. Einen merkwürdigen Gegensatz bildet daher eine, wie es scheint, besondere Aufzeichnung, nicht das Fragment eines größeren Werkes, über Ludwigs des Jüngeren Krieg gegen die Söhne Ludwigs des Stammlers, welches Boehmer auf dem letzten Blatt einer aus Augsburg stammenden Handschrift saec. IX. in München fand[14]. Daß Meginhard in Mainz seine Annalen geschrieben hat, ist vollkommen klar; 869 erscheint er zuletzt in den Urkunden von Fulda; 870 wurde der Erzbischof Liutbert Erzkaplan, und damals wird er Meginhard den Auftrag gegeben haben, die Annalen, welche seit Rudolfs Tod liegen geblieben waren, fortzusetzen. Er besorgte zu dem Zweck eine Abschrift von Rudolfs Werk, worin drei Stellen geändert, die nach Rudolfs Tod 864 und 865 in Fulda gemachten Zusätze freier überarbeitet sind, und verfaßte nun den Bericht, über die Zwischenzeit, welcher dürftig und lückenhaft, auch nicht fehlerfrei ausgefallen ist; dann aber schrieb er von Jahr zu Jahr und zeigt sich vollkommen gut unterrichtet. Liutberts Persönlichkeit steht durchaus im Vordergrunde, allein als 882 Ludwig der Jüngere starb, behielt Karl III seinen früheren Erzkaplan Liutward, und Liutbert mußte zurücktreten; das Original der noch immer als königlich betrachteten Reichsannalen wird abgegeben sein. Nun besorgte sich Meginhard, von dem wir wohl als erwiesen ansehen können, daß auch die weitere Fortsetzung von ihm ist, eine Abschrift, in welcher fünf größere Stellen geändert sind (Red. II. bei Kurze), und schrieb weiter, jetzt aber ohne alle höfische Rücksicht, mit scharfem Tadel des Königs und seiner Räthe, vorzüglich Liutwards. Im Jahre 887 wurde dieser gestürzt, aber auch Arnulf hatte schon seinen Erzkaplan, den Erzbischof Theotmar von Salzburg, und Liutbert wurde wieder in den Hintergrund gedrängt. Da ist die Mainzer Annalistik erlahmt; Meginhard selbst starb 888 und im folgenden Jahr auch Liutbert.

Aber auch Karl blieb bei dem alten Herkommen, und auch er fand einen Historiographen, der sich kein tadelndes Wort über den Kaiser entschlüpfen läßt, und ihm schließlich seine Belohnung im Himmel anweist. Auch die Absetzung des Kaisers wird von ihm noch mit loyalem Unwillen berichtet, Arnulf jedoch mit großem Geschick geschont, und von dem Augenblicke seiner Erhebung an tritt dieser in die gebührende Stellung des rechtmäßigen Königs ein. Der Verfasser, dem bei dem raschen Verfall der Schulen bereits alles Gefühl für grammatische Correctheit abhanden gekommen ist, muß dem Hofe nahe gestanden haben, seine Heimath aber scheint Baiern zu sein. Ueber dieses Land sind seine Nachrichten ausführlich und genau, die Mährer trifft sein leidenschaftlichster Haß. Ungeachtet der rohen Sprache, der Mangelhaftigkeit der Darstellung, wird doch von ihm, und den 897 eintretenden Fortsetzern, so lange Arnulf lebt, die Würde der Reichshistoriographie ungemindert aufrecht gehalten. Man versuchte sogar auch unter dem Kinde Ludwig in alter Weise fortzufahren, allein bei der rasch überhand nehmenden Zerrüttung verschwand auch diese Erbschaft aus dem Reiche des großen Karl, und mit dem Jahre 901 erlischt die Fackel, welche bis dahin unserem Wege so treulich leuchtete. Adam von Bremen hatte eine bis 911 reichende Handschrift, führt jedoch aus dem letzten Theile nichts mehr an.

Dieser letzte Theil ist uns nur in einer aus dem Kloster Niederaltaich stammenden Handschrift erhalten, welche von 897 ab Autograph zu sein scheint. Hier hat merkwürdigerweise der ältere Theil eine ganz besondere Beschaffenheit (Red. III), indem die ursprüngliche Aufzeichnung Rudolfs, welche vielleicht nach Kurze's Vermuthung bei einem Besuch des Klosters Fulda im August 897 dem Hofe bekannt geworden war, mit der 2. Redaction verbunden ist, so daß wir an einigen Stellen nur hieraus den alten Text erkennen können. Da diese Handschrift Pertz noch unbekannt war, konnte mit Hülfe derselben Fr. Kurze seine Ausgabe auf einer besser gesicherten Grundlage ausarbeiten.

§ 14. Fulda, Hersfeld, Mainz. [←]

Kunstmann, Hrabanus Magnentius Maurus, Mainz 1841. Rettberg I, 370-374. 605-633.

Die litterarische Thätigkeit der Mönche zu Fulda beschränkte sich nicht auf die Reichsannalen; sie ist umfangreich genug, um einen eigenen Abschnitt in Anspruch zu nehmen, und die Bedeutung des Klosters für die Anfänge gelehrter Bildung auf deutschem Boden ist so groß, daß wir auch seiner Geschichte eine etwas umständlichere Betrachtung widmen müssen.

Die Gründung Fuldas wurde veranlaßt durch Bonifaz, welcher sich seine Ruhestätte dort erwählte, und wohl auch noch bei Lebzeiten sich dahin zurückgezogen hätte, wenn nicht schon früher die Märtyrerkrone ihm zu Theil geworden wäre. In schmuckloser, aber ausführlicher Erzählung wird uns mit anmuthiger Schlichtheit die Geschichte der ersten Gründung berichtet in dem Leben des ersten Abtes Sturmi, der, von Geburt ein Baier, schon als Jüngling Bonifaz übergeben, in Fritzlar von Wigbert unterwiesen war, und nach dreijähriger Wirksamkeit als Pfarrer, von der Sehnsucht nach dem klösterlichen Leben in der Einsamkeit ergriffen wurde. Bereitwillig förderte Bonifaz sein Streben, und sandte ihn, nachdem in Fulda die neue Stiftung begründet war, nach Italien, um an der Quelle die rechte Einrichtung des Klosterlebens kennen zu lernen; er hielt sich deshalb längere Zeit in Montecassino auf[1], welches als des Abendlandes Mutterkloster von fränkischen Pilgern häufig aufgesucht wurde. Unter königlichen und päbstlichen Schutz gestellt und bald auch durch den Leib des hochverehrten Apostels der Deutschen geheiligt, gewann das Kloster Fulda rasch eine kräftige Entwickelung und nahm zu an Glanz und Reichthum. Sturm vertheidigte, nach manchen Wechselfällen doch zuletzt mit glücklichem Erfolge, die Freiheit und Unabhängigkeit des Stiftes gegen den Erzbischof Lull; sein Nachfolger Baugulf (779-802) schmückte es mit Bauwerken, und erst jetzt begann auch das wissenschaftliche Leben in seinen Mauern sich zu entwickeln, obwohl es an einer Schule von Anfang an nicht gefehlt hatte. Alcuin hat damals Fulda besucht, und Karls berühmtes Rundschreiben über die Nothwendigkeit gelehrter Bildung für die Geistlichen ist uns gerade in der an Baugulf gerichteten Ausfertigung erhalten; er ist es auch, der Einhards glückliche Anlagen früh erkannte, und ihn deshalb an des Königs Hof sandte. Die ältesten Fulder Annalen (oben S. 150) beginnen mit angelsächsischen Namen und in ihren Handschriften begegnen uns die Schriftzüge der Angelsachsen; es kann nicht ohne günstigen Einfluß geblieben sein, daß diese höher gebildeten Mönche gerne bei den Reliquien ihres gefeiertsten Landsmanns weilten, und auch gelehrte Schotten fanden sich schon bald, des alten Gegensatzes ihrer Kirche vergessend, an Winfrids Grabe ein, wie Probus, der Freund des Lupus und Walahfrids. Baugulfs Nachfolger Ratgar (802-817) sandte die fähigsten Mönche seines Stiftes zu den berühmtesten Lehrern der Zeit, Hraban und Hatto nach Tours zu Alcuin, Brun zu Einhard, Modestus nebst mehreren anderen zu dem Schotten Clemens[2]. Vielleicht schon dieser Zeit gehört der Johannes Fuldensis didasculus an, welcher in ungeschickten Versen als grämlicher Alter gegen den Heiden Vergil eiferte und dagegen des Arator christliches Gedicht pries[3].

Es zeigt sich uns hier der Gegensatz, in welche die der Geistlichkeit zu ausschließlicher Pflege überwiesene Gelehrsamkeit zu dem ursprünglichen Zweck des Klosterlebens trat, und nicht minder litt die stille Beschaulichkeit desselben durch den fürstlichen Hofhalt, den Fremdenverkehr, die Unruhe und den Lärm der Bauten. Ratgar warf man ungemessene Baulust, Härte und Hoffart vor; heftige innere Zerwürfnisse waren die Folge[4], und der Frieden kehrte erst wieder, als 817 Ratgar abgesetzt wurde. Es war das Jahr, in welchem der Kaiser sich ernstlich der Reform der Klöster annahm und auf der Aachener Versammlung die Kapitel verordnete, welche lange Zeit fast gleiches Ansehen mit der Regel selber genossen. Zwei westfränkische Mönche, Aaron und Adalfrid, führten diese Reform auch in Fulda ein; als sie sich hinlänglich befestigt hatte, erlaubte der Kaiser eine neue Wahl, und Eigil übernahm die Leitung des Stiftes. Dieser, den wir aus Einhards Briefen als dessen Freund kennen lernen, war noch ein Schüler Sturms; ein Baier, wie er, und sein Verwandter, war er schon als Kind nach Fulda gebracht und der Klosterschule übergeben: über 20 Jahre hatte er unter Sturms Zucht gelebt, und in dankbarer Erinnerung schrieb er das Leben seines Meisters[5], auf Bitten der Angildruth, vielleicht einer Nonne von Bischofsheim, dem ebenfalls von Bonifaz gestifteten großen Nonnenkloster. Die Sprache Eigils ist nicht frei von Germanismen, sie trägt noch den Stempel der älteren, vor Alcuins Wirksamkeit liegenden Zeit. Doch verletzt sie nicht mehr durch die groben Fehler der merowingischen Zeit, und reichlich entschädigt für die Mängel des Stils der einfach fromme Sinn des Mannes, seine ansprechende und ungesuchte Erzählung dieser Begebenheiten, welche er theils noch selbst erlebt, theils aus dem Munde der älteren Brüder und seines Meisters erfahren hatte. Nach seiner Anordnung wurde diese Legende jährlich an Sturms Gedenktage (17. Dec.) während der Mahlzeit den Mönchen vorgelesen.

Das Leben des zweiten Abtes Baugulf schrieb, durch Eigil veranlaßt, Bruun, mit dem Beinamen Candidus, wohl derselbe, den Ratgar zu Einhard gesandt hatte, noch in seiner ersten, guten Zeit, als er erst kürzlich in wunderbarer Einigkeit von den Brüdern zum Abt erwählt war, wie Bruun berichtet. Leider ist dieses Leben Baugulfs verloren[6]; erhalten aber ist uns das Leben Eigils[7], von demselben Verfasser auf Hrabans Veranlassung geschrieben, als dieser noch Abt war, also vor 842. Der Verfasser war schon hochbetagt, 845 ist er gestorben. Er befand sich auf einer einsamen Pfarre, und Hraban hatte ihn ermahnt, sich im Lesen zu üben und etwas Nützliches zu schreiben. Die Lebensbeschreibung ist nicht ohne Geschick verfaßt, und wenn auch nicht fehlerfrei, lässt sie doch in der anspruchsvolleren Form den Schüler Einhards wohl erkennen. Besonders gelungen ist die sehr lebensvolle Schilderung der Bewegung, welche die Abtswahl im Kloster hervorruft; die Ansichten und Aeußerungen der verschiedenen Wortführer werden in der gewöhnlichen Umgangsprache wiedergegeben, und ein Kampf der Meinungen und Wünsche, wie er sich ohne große Veränderungen noch heutiges Tages bei solcher Gelegenheit beobachten läßt, stellt sich uns mit großer Lebendigkeit dar. Darauf versucht sich der Verfasser in langen Reden, die man nun einmal nach dem Vorbilde des Alterthums als nothwendig betrachtete, wenn man schön schreiben wollte, Reden des Kaisers und des Erzbischofs von Mainz, in denen Bruun die Betrachtungen niedergelegt hat, zu welchen ihn Ratgars Amtsführung und die dadurch hervorgerufenen Wirren veranlaßten. Zu Grunde gelegt sind hier nach Eberts Ansicht wirkliche Ansprachen des Kaisers. Der Verfasser sagt es im Vorwort, und auch, daß er sie so, wie sie gehalten wurden, doch nicht wiederzugeben vermöge. Vollkommen zutreffend hat aber dagegen Waitz bemerkt, daß eine solche Rede voll gelehrter Citate der Kaiser nicht halten konnte, daß ferner Bruun nicht zugegen und Jahrzehnte seitdem vergangen waren. Den Hauptinhalt dessen, was er dann von Eigils eigener Thätigkeit berichtet, bilden wiederum dessen Bauten, namentlich die noch jetzt stehende achteckige Rotunde, die uns wieder an die Freundschaft mit Einhard erinnert; Bruun, Einhards Schüler, nahm selbst an diesen Arbeiten Theil: die Apsis über dem Grabe des h. Bonifaz hatte seine Hand mit Gemälden geschmückt.

Der prosaischen Biographie schließt sich eine zweite in Hexametern an, welche früher geschrieben zu sein scheint[8]; der Inhalt ist fast ganz derselbe, und die Form giebt ein neues Zeugniß von der im früheren Mittelalter so sehr verbreiteten Fertigkeit in dieser Kunst, deren wir schon bei Karls Zeitgenossen häufig zu gedenken hatten. In jeder Schule bildete die Hebung im Versemachen einen stehenden Theil des Unterrichts, und dadurch entstand die Vorliebe für die poetische Einkleidung, die so oft dem inneren Gehalte nachtheilig geworden ist.

Zugeeignet hat Candidus oder Bruun sein Werk dem Modestus, oder mit deutschem Namen Reccheo, der die Unthaten des Ratgar, des Einhorns, welches in die fromme Herde eingebrochen war, durch beigefügte Zeichnungen noch anschaulicher machte; leider ist die Handschrift verloren und wir kennen nur die Abbildungen in Brauers sehr dankenswerthem Buch[9].

Am 15. Juni 822 starb Eigil; ihm folgte sein Freund Hraban, der bis dahin der Klosterschule vorgestanden hatte, einer der größten Gelehrten seiner Zeit[10], dessen Ruhm sich schon durch das ganze Frankenreich verbreitet hatte. Man bewunderte namentlich auch seine Verse, obgleich sie gegen diejenigen mancher Zeitgenossen sehr zurückstehen, arm an Inhalt sind, und voll von grammatischen und metrischen Fehlern, wie man sie bei ihm nicht erwarten sollte, voll auch von Plagiaten, die er u. a. auch an seinem Lehrer Alcuin verübt hat. Er war ein Schüler Alcuins; Ratgar hatte ihn, wie oben erwähnt, nach Tours gesandt, nachdem er im Jahre 801 zum Diaconus geweiht war[11]; und kurze Zeit genügte, um ein warmes Freundschaftsband zwischen ihm und dem allverehrten Lehrer zu knüpfen. Alcuin nannte ihn Maurus nach dem Lieblingsjünger des heiligen Benedict, und nach seiner Heimkehr schrieb er ihm einen Brief, in welchem er erwähnt, dass er einst (olim) eine Schrift unter seinem und seines Mitschülers Samuel Namen verfaßt habe[12]: sehr bald darauf (19. Mai 804) muß Alcuin gestorben sein. Mit Hatto, seinem Nachfolger als Abt, damals seinem Mitschüler in Tours, noch erfüllt von Verehrung gegen Alcuin, der auf dem Widmungsbild für den h. Martin segnend neben ihm steht, verfaßte Hraban in seinem dreißigsten Jahr sein Werk zum Preise des h. Kreuzes, dessen versbildliche Spielereien im Mittelalter viel bewundert wurden. In Prachthandschriften schickte er es dem Pabste, Erzbischof Otgar u. a. und es haben sich deren mehrere erhalten[13]. Als Alcuin ihm zuletzt schrieb, stand Hraban bereits der Klosterschule in Fulda vor, welche nun eine Pflanzstätte gelehrter Bildung für ganz Deutschland wurde, denn ungestört durch die Bedenklichkeiten seines alternden Lehrers erklärt Hraban in seiner Schrift de institutione clericorum auch das Studium der heidnischen Autoren für unentbehrlich zum Verständniß der heiligen Schrift; bei Lupus und in den Annalen von Fulda findet sich nach Vogel zuerst wieder nach langer Zeit Bekanntschaft mit den Schriften Sallusts, welche jetzt einen rasch wachsenden Einfluß auf den Stil gewannen[14]. Auch durch die Ungunst der Zeiten unter Ratgar wurde die Schule nur theilweise in ihrer segensreichen Wirksamkeit gehemmt. Fuldische Mönche finden wir bald in den angesehensten Stellungen; so wurde Baturich (817-848) Bischof von Regensburg und Erzcaplan, Haimo (840-853) Bischof von Halberstadt; Hrabans Schüler war Otfrid, der Mönch von Weißenburg, mit seinen Gefährten Werinbert und Hartmut aus St. Gallen[15]. Einhard sandte ihm den Vussinus, den er seinen Sohn nennt, doch vielleicht nur in kirchlichem Sinn; Alderich, Abt von Ferrières, später (829-841) Erzbischof von Sens[16], den Lupus, der später als Abt von Ferrières im Sprengel von Sens einen großen Namen gewann, und von dem eine Briefsammlung[17] voll reicher Belehrung sich erhalten hat; auf seine Bitte schrieb Hraban ein Collectarium in epistolas Pauli. Auch Frechulf von Lisieux war mit Hraban befreundet, doch vermuthlich schon seit seiner Lehrzeit in Tours (oben S. 217). Ermanrich von Ellwangen übersandte seinem Lehrer Rudolf, der Hraban zur Seite stand, das von ihm verfaßte Leben des heiligen Solus. Vor allem aber glänzt unter Hrabans Schülern Walahfrid, der Abt von Reichenau, der bald selbst das Haupt einer neuen Schule wurde. Auch Bernhard, der unglückliche König von Italien, war ihm zur Erziehung übersandt worden. Nicht zu den unbedeutendsten Schülern des Hraban gehört endlich auch der Mann, der ihm und der ganzen Reichsgeistlichkeit in der Folge so viel zu schaffen machte, der Mönch Godschalk, der ungeachtet seines Standes den Muth hatte, eine unabhängige Ueberzeugung auszusprechen und zu verfechten[18].

Wie glückliche Erfolge für das eigene Kloster Hrabans Wirksamkeit hatte, haben wir schon an den Verfassern der Annalen gesehen. Unter seinen eigenen Werken sind keine geschichtliche, wenn man nicht etwa das schon früher erwähnte Martyrologium so bezeichnen will; wohl aber enthalten seine Vorreden, Widmungen[19] und Gedichte viele schätzbare Nachrichten über sein Kloster und über seine mitstrebenden Zeitgenossen, und mehrere seiner Schriften stehen in Verbindung mit den Zerwürfnissen der kaiserlichen Familie. Nach Eigil wurde er Abt des Stifts; da er aber dem Kaiser Ludwig treu ergeben, Lothar befreundet war[20], verließ er 842 sein Kloster, wo statt seiner Hatto, genannt Bonosus, einst sein Mitschüler in Tours, erwählt wurde, und widmete sich nun ungestört seinen wissenschaftlichen Arbeiten, die ihm ohnehin mehr zusagten. Mit den Fuldern blieb er in freundschaftlichem Verkehr, und söhnte sich bald auch mit König Ludwig aus, der ihn gegen seine Neigung nach Otgars Tod zum Erzbischof von Mainz (847-856) erhob. Wie diese Beförderung den Reichsannalen zugute gekommen ist, haben wir oben schon gesehen.

In hohem Grade theilte Hraban das eifrige Streben der deutschen Geistlichkeit, den an solchen Schätzen noch armen Boden dieses Landes mit Gebeinen der Heiligen zu bereichern; die italienischen Reliquienkrämer hatten an ihm ihren besten Kunden. Seit alter Zeit bewahrte Fulda den Leib der heiligen Lioba oder Leobgyth; diesen ließ Hraban nach dem Petersberge bringen, und veranlaßte schon vorher Rudolf, ihr Leben zu beschreiben[21]. Ihm standen dazu die Aufzeichnungen des fünf Jahre vorher (831) verstorbenen Priesters Mago zu Gebote, welche die Erzählungen von Schülerinnen der Heiligen enthielten. Anderes hatte sich noch in mündlicher Tradition erhalten. Leobgyth war eine Verwandte des Bonifaz, und von ihm aus England berufen, um in dem Kloster Bischofsheim (oben S. 137) einen Mittelpunkt geistlicher Belehrung für Nonnen zu errichten; auch ihnen waren die lateinische Sprache und mancherlei andere Kenntnisse unentbehrlich zum Verständniß der heiligen Schriften und des Gottesdienstes. Rudolfs Nachrichten geben daher eine erwünschte Ergänzung für die Kenntniß von der Wirksamkeit des Bonifaz; später war Leobgyth auch mit der Königin Hildegard befreundet. Diese Nachrichten sind nun verbunden mit einer Fülle von Wundergeschichten; so wenig in Rudolfs Annalen der kirchliche Standpunkt hervortritt, so sehr zeigt er sich hier von der die Zeit beherrschenden Richtung erfüllt. In noch höherem Grade tritt das hervor in seiner Schrift über die Wunder der unter Hraban nach Fulda gebrachten Reliquien[22], welche auch einige geschichtliche Nachrichten enthält, übrigens aber eine Fülle jener sich immer und überall in ermüdendster Eintönigkeit wiederholenden Wundergeschichten, welche nur durch die Namen der Personen und Ortschaften und gelegentliche Angaben über Sitten und Gebräuche der Zeit einigen Werth erhalten. Die Zeit der berichteten Geschichten fällt in die Jahre 835 bis 838; geschrieben ist das Buch zwischen 842 und 847, als Hraban in seiner Zelle auf dem Petersberge lebte; vielleicht jedoch etwas später, da die Schilderung von Hrabans litterarischer Thätigkeit daselbst im letzten Capitel im Praeteritum gehalten ist, und der letzte Schluß fehlt.

Dieses Werk Rudolfs war es wohl, welches Waltbraht, den Enkel Widukinds, der im Jahre 851 den Leib des h. Alexander von Rom nach Wildeshausen brachte, zu dem Wunsche und der Bitte veranlaßte, daß Rudolf auch diesen Gebeinen eine ähnliche Schrift widmen möchte[23]. Aber erst, als er im Alter sich wieder in sein Kloster zurückzog, kam er zur Ausführung. Die Art, wie er diese Aufgabe erfaßte, zeigt seinen geschichtlichen Sinn; erfüllt davon, daß hauptsächlich diese Uebertragungen von Reliquien das Christenthum unter den Sachsen ausbreiteten und befestigten, ging er zurück auf die alte Heidenzeit, um zu zeigen, von welchen Irrthümern das Volk durch die Einführung des Christenthums befreit sei. Er begann mit einem kurzen Abriß der Stammsage, die Widukind von Corvey ausführlicher erhalten hat; dann aber entlehnt er die näheren Angaben über Glauben und Sitten der Sachsen aus der Germania des Tacitus[24]. Das ist ein guter Beweis für die gelehrten Studien der Fuldischen Klosterschule; zugleich aber ist es auch charakteristisch für Rudolf nicht allein, sondern für die mittelalterlichen Gelehrten überhaupt, daß er in Fulda, wo doch noch kürzlich das Hildebrandslied aufgeschrieben war, über das sächsische Heidenthum nichts aus eigener Kunde und Beobachtung mittheilt, sondern sich genau an die Worte des Tacitus hält.

Notes in this chapter

Note 1 · [22] Neugart, Ep. Constant. I, 1, 540.Note 2 · [23] S. Jaffé in der Bibl. IV, 504.Note 3 · [24] Beigegeben ist dagegen hier eine schlecht gezeichnete Abbildung des Commoduskopfes, mit welchem Karl siegelte, die Pertz irrig für KarlNote 4 · [25] Monachus Sangallensis ed. Pertz, MG. SS. II, 726-763. Neue Ausg. von Jaffé, Bibl. IV, 619-700 mit Benutzung der abweichenden ZwiefalterNote 5 · [26] Zeumer in den Waitz-Aufsätzen, S. 97-118. Zu demselben Resultat kam Graf Zeppelin: Wer ist d. Mon. Sangallensis? Schriften d. Vereins fNote 6 · [27] MG. SS. X, 576. Zu erwähnen ist noch die nach der Mitte des neunten Jahrhunderts in Mainz aufgezeichnete Visio domni Caroli, ← gegen diNote 7 · [28] Translatio et Miracula SS. Marcellini et Petri ed. G. Waitz, SS. XV, 238-264. Ib. p. 265-273 Ex Miraculis S. Quintini ed. O. Holder-EggNote 8 · [29] Translatio SS. M. et. P. in kulturgeschichtlicher Beziehung. Programm.Note 9 · [30] Translatio SS. Tiburtii. Marcellini et Petri ad S. Medardum ed. Holder-Egger SS. XV, 391-395.Note 10 · [31] Neue Ausg. mit Eintheilung in dreizeilige Strophen, von Dümmler, Poet. Lat. II, 125-135.Note 11 · [20] Ihm widmete er sein Werk über Jeremias; ein auf Anordnung des Abts Majolus von Cluni geschriebenes Exemplar ist im Brit. Mus. Add. 22,8Note 12 · Sehr verdienstliche Ausgabe von Jaffé, Bibl. IV, 1-306, mit den Briefen Leo's III S. 307-334. Es folgt noch eine Sammlung Karolinischer BrieNote 13 · Früher auch plebei und Loiseliani genannt, 741-829, ed. Pertz SS. I, 134-218. Hs. 7, von Pertz nicht benutzt, ist Paris. 5941 A (NA. IV, 244Note 14 · Abhandlungen der Berliner Akademie aus dem Jahre 1854, S. 434.Note 15 · Zur Kritik karol. Annalen S. 171. Waitz machte gegen den Lorscher Ursprung auch geltend, dass der dort schreibende Vf. der Laur. min. sie niNote 16 · S. 169 ff.Note 17 · Smaragdi Praef. V. S. Bened. Anian. angeführt von Dümmler, Ostfr. I, 877: „Perantiquam siquidem fore consuetudinem hactenus regibus usitatamNote 18 · Acta SS. Jan. I, 177.Note 19 · Wendische Geschichten III, 283.Note 20 · Doch behauptet Manitius, Mitth. d. Inst. XIII, 225-232, die Abfassung im J. 795.Note 21 · Mitth. d. Inst. X, 417 ff., vgl. Bresslau, NA. XV, 211. Auch Mitth. XIII, 225-232.Note 22 · Ueber ihn vgl. L. Oelsner in der Deutschen Allg. Biogr. I, 460. Nimmt man die Abfassung erst 795 an, so ist natürlich diese Vermuthung hinfäNote 23 · Diese Annahme ist von Waitz gebilligt, aber mit der wichtigen Modification, daß es bis 805 reichte und aus den Lauriss. maj. geschöpft war, Note 24 · So Waitz und W. Giesebrecht, während Pertz schon 788 die Fortsetzung Einhards beginnen läßt, Dünzelmann eine zweite Fortsetzung 792 bis 796 Note 25 · „Agenardus cognomento Sapiens, ea qui tempestate habebatur insignis, huius reverentissimi coelicolae mentionem in Gestis Caesarum Caroli MagNote 26 · Nach der Beschreibung MG. I, 129 scheint es, daß die Handschrift am Schluß wie am Anfang unvollständig ist und einst weiter reichte.Note 27 · Monod läßt hier überhaupt erst einen neuen Autor eintreten und ist nicht abgeneigt, Angilbert darin, etwa bis 813, zu erkennen, da dessen NaNote 28 · S. die Zusammenstellung bei B. Simson, De statu etc. p. 44-52. Derselbe weist Forsch. XIV, 136 Benutzung des Livius nach. Fr. Kurze, NA. XVINote 29 · W. Giesebrecht a. a. O. S. 216. Die Benutzung des fortgesetzten Fredegar 759, 760 vermag ich aber nicht zu erkennen. Vgl. auch Bernays S. 15Note 30 · Chronicon universale bis 741, ed. Waitz, MG. SS. XIII, 1-19. Vgl. B. Simson: Die überarbeitete und bis 741 fortgesetzte Chronik des Beda, FoNote 31 · Cod. 334, zuerst in der zweiten Ausgabe dieses Buches S. 540 gedruckt.Note 32 · Forsch. VIII, 631-633. Dagegen sind die 6 Blätter des Cod. Vat. Christ. 263 (Arch. XII, 272) irrthümlich hierher gezogen, sie gehören zu AdeNote 33 · Ueber die kleine Lorscher Frankenchronik, ihre verlorene Grundlage u. d. Ann. Einh. (Ber. d. Sächs. Ges. d. Wiss. 1884).Note 34 · Annalium veterum fragmenta, partim ex Mettensibus desumpta, 769 bis 805. Früher waren von Pertz nur Stücke der Mett. als Zusätze zum Text deNote 35 · Ueber die Ann. Fuldenses, NA. XVII, 117 ff.Note 36 · Ueber die kleine Lorscher Frankenchronik, SB. d. Berl. Akad. 1882, S. 399-415, mit Ausgabe des Textes bis 806. Bernays, der auch Benutzung dNote 37 · Sie fehlen ganz im Pal. 243 aus Lorsch, s. NA. X, 232.Note 38 · MG. I, 121-123. Vgl. SS. III, 18 über die Münchener Handschrift, NA. X, 232 über die Vaticanische Hs. Pal. 243 aus Lorsch.Note 39 · Chronica de sex aetatibus mundi, bei Kollar, Anal. Vindob. p. 602. Das Ende allein MG. SS. II, 256, vgl. Arch. VII, 272. Die unter Ludwig d.Note 40 · Bis auf Honorius ungedruckt: von da an MG. I. 280-313; vgl. II, 257, wo die Jahre 804 bis 813 nach einer neugefundenen Hs. verbessert sind. Note 41 · De bellis Francorum cum Arabibus gestis (Diss. Regiom. 1861) p. 39-48. Die von ihm hier zuerst nachgewiesene Compilation von 805 ist seitdemNote 42 · Revue critique 1873, II, 262.Note 43 · Bericht der K. Sächs. Ges. d. Wiss. 1890, S. 45-74.Note 44 · Der Einsiedler Codex einer Compilation über Karls Leben ist nach B. Simson, Forsch. XIV, 135 auf eine Benutzung des Regino zurückzuführen.Note 45 · Aus den Kanzleiformeln der Urkunden verschwanden unter ihm die herkömmlichen Barbarismen, oben S. 160.Note 46 · Walahfridi Praef. ad Einh. V. Caroli: „Nunc relabentibus in contraria studiis, lumen sapientiae quod minus diligitur, rarescit in plurimis.“Note 47 · „Similiter etiam obnixe et suppliciter vestrae celsitudini suggerimus, ut morem paternum sequentes, saltim in tribus congruentissimis imperiNote 48 · Ausgabe von Pertz, MG. SS. II, 464-523. Migne CV, 551-640 nach Bouquet. Dümmler, Poet. Lat. II, 1-92. Verbesserungen von Traube, Karol. DichNote 49 · Anklänge an Vergil, das allgemeine Schulbuch, fehlen natürlich auch nicht, zuerst gesammelt von Dorr, De bellis Francorum cum Arabibus gestiNote 50 · Die früher vermuthete Identität mit einem Abt Hermold 834 u. dem Abt Ermenald von Aniane kann als beseitigt gelten; vielleicht aber war er dNote 51 · Am Schluß folgen noch Nachrichten über die Jahre 836 u. 837, in welchen die Uebertragung des h. Castor nach Coblenz (daraus entnommen, doch Note 52 · Mg. SS. II, 604-648. Uebers. mit Thegan. Ebert II, 361-364. Ueber die Steinfelder Handschrift, jetzt Mus. Brit. 21 109, Archiv VII, 365; übeNote 53 · Zuletzt hat G. Meyer von Knonau in d. Abh. über Nithard ausführlich nachgewiesen, S. 132-135, wie der Astr. c. 23-43 die Ann. Lauriss. 814-8Note 54 · Mab. IV, 1, 191. S. XV, 198-220 von Waitz. mit Exc. der Vita Willelmi monachi Gellonensis. Ebert II, 346-348. Hauck II, 528-545. Ueber das LNote 55 · L'Éducation caroline. Le manuel de Dhuoda. Paris 1887.Note 56 · Apologeticus pro filiis Ludovici Pii imp. adv. patrem, Bouq. VI, 248 u. a. m. Eigentlich zwei verschiedene Schriften, s. B. Simson I, 398. INote 57 · Sie findet sich in der Translatio S. Sebastiani (S. 199), ist aber auch unter dem Titel Conquestio domni Chludovici imperatoris et augusti pNote 58 · Querela de divisione imperii post mortem Ludovici Pii, bei Mab. Anal. I, 388, ed. II p. 413. Bouq. VII, 301. Poet. Lat. II, 559-564. Vgl. übNote 59 · Kuntzemüller bekämpft diese Auffassung, allein es war gar nicht anders möglich und ist, da seine Wahrheitsliebe allgemein anerkannt ist, aucNote 60 · Gegen Pertz haben Pätz und G. Meyer v. Knonau Benutzung des Nithard beim Astronomus nachzuweisen gesucht, die mir doch noch zweifelhaft ist.Note 61 · Wahrscheinlich im Lager Karls zu St. Cloud, s. Funck S. 274, Dümmler, Ostfr. I, 169.Note 62 · Am 24. Oct. nach Meyer v. Knonau, Anm. 292, dem Traube (für den 5. Nov.) ohne Angabe von Gründen widerspricht.Note 63 · Jetzt auch Poet. Lat. III, 310 von Traube herausgegeben.Note 64 · Der in Verg. Aen. IX, 571 u. X, 175 gefeierte Held und Weissager.Note 65 · Diese Correctur von Dümmler statt gemino hat Traube angenommen mit Hinweis auf den ähnlichen Ausdruck im Carm. CL, 2.Note 66 · „Ubi fortes ceciderunt, proelio doctissimi.“ Anf. Aurora cum. Gedruckt in der Octavausgabe des Nithard S. 55 f. und sonst häufig. CoussemakeNote 67 · Bei Duméril, Poésies populaires Latines antérieures au douzième siècle finden sich S. 251 ein Klagelied um den Tod des Abtes Hugo 844 Hug duNote 68 · Rhythmische Beschreibung von Verona aus Pippins Zeit, von Rather mitgebracht und nebst einem Stadtplan von Verona in eine (verschollene) HanNote 69 · Ueber diese rhythmische Poesie überhaupt s. Ebert II, 311-328.Note 70 · Müllenhoff und Scherer I, 24, vgl. II, 71 ed. III, übersetzt bei Dümmler, Ostfr. III, 155. Denselben Ludwig feierte nach Mabillon in lateiniNote 71 · Audradi Modici Carmina ed. Traube, Poet. Lat. III, 67-122. Ders. O Roma nobilis, p. 374-391, wo die Revel. gesammelt u. erläutert sind. BedeNote 72 · Ueber diesen s. Sickel, Acta Karol. I, 86-88. Simson II, 234. Ein Brief von ihm über Verbesserung des Antiphonars NA. XI, 564-568.Note 73 · Daß Frechulf ein Sachse und Mönch in Fulda gewesen sei, beruht allein auf dem Trithemischen Meginfrid von Fulda, und ist, da dieser erdichteNote 74 · 852 erwähnt bei Quantin, Cartulaire de l'Yonne I, 64.Note 75 · Dümmler, Ostfr. I, 41. Acrostichische Verse ihr zu Ehren bei H. Hagen, Carmina Medii Aevi p. 126-128, Poet. Lat. II, 165, von Hraban.Note 76 · Vgl. Büdinger, Hist. Zeitschrift VII, 115. Ebert II, 381-381. Die gründlichste Untersuchung über Frechulfs Werk mit genauer Analyse desselbeNote 77 · Auszüge, und von 814 an vollständig MG. SS. II, 315-323; die beiden unbedeutenden Fortsetzungen S. 324. 325. Eine weitere, ebenfalls unbedeuNote 78 · Erchanberti Breviarium Regum Francorum ed. Pertz, MG. SS. II, 327; nur der letzte Theil ist abgedruckt nach Ussermann. Uebers. bei dem MönchNote 79 · Gesta abbatum Fontanellensium, ed. Pertz (nach Dachery) MG. SS. II, 270-301, nebst einem Fragmentum Chronici Font. 841-859 S. 301 bis 304. ENote 80 · [10] Kunstmann I. l. Wackernagels Litteraturgeschichte S. 52. Bach, Hrabanus Maurus der Schöpfer deutschen Schulwesens, Zimmermanns ZeitschrNote 81 · S. Dümmler, Ostfr. II, 417 ff.Note 82 · Schmeller, Muspilli, München 1832. Wackernagel, Litteraturgesch. S. 56. Vgl. über die vermuthlich auch ihm gewidmete Wiener Handschrift 552 Note 83 · Cod. S. Galli 98. S. Dümmler, Ostfr. II, 418. Poet. Lat. II, 480.Note 84 · Kunstmann, Hrabanus Maurus, S. 212.Note 85 · Dümmler II, 418. Wenn dieser S. 434 die Existenz einer Hofschule für Laien schon unter Ludwig bestreitet, so ist zuzugeben, dass kein ZeugniNote 86 · Fast zweifellos nach Bossert, Württemb. Vierteljahrshefte 1889, S. 142-144.Note 87 · In der Grabschrift seiner Tante Warentrudis, Aebtissin von Pfalzel. Schwester Hetti's, heißt es von Thietgaud: „Cujus germanus vir clarus inNote 88 · Dümmler, Poet. Lat. II, 169; St. Gall. Denkmale (Mitth. der Antiqu. Ges. XII, 6) S. 215; S. 248-250 über Gozbald und Grimald oder Grimold ←,Note 89 · An ihn ist eine zweite Widmung gerichtet, verbess. Abdr. Forsch. XXV, 198, vgl. Dümmler, Ostfr. II, 432. Auch Lupus von Ferrières war mit ihNote 90 · Dümmler. Ostfr. II, 438. Rethfeld, Urspr. d. Fuld. Ann. S. 36.Note 91 · Annales Fuldenses ed. Pertz MG. SS. I, 337-415. Neue Ausg. von Fr. Kurze. Hann. 1891, vgl. dessen Abh. NA. XVII, 83-158. Uebersetzt von RehdNote 92 · B. Simson bemerkt Ludw. d. Fr. II, 300 mit Recht, daß die vorhandenen Anklänge an den sog. Astronomus nicht auf Benutzung desselben beruhen Note 93 · [13] Vgl. Waitz in Pertz Archiv VI, 739. Simson, Ueber die Ann. Enhardi Fuld. und Ann. Sithienses, Jenaer Habilitationsschrift 1863. Waitz, Note 94 · [14] Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit (1836) V, 5-11. Neue Ausg. von Waitz SS. XIII, 34-38.Note 95 · [15] NA. XVII, 133-138.Note 96 · [16] Ueber den Ursprung des 2., 3. u. 4. Theiles der sog. fuldischen Annalen v. 838-887, Hall. Diss. 1886. Vgl. dazu Fr. Kurze, NA. XVII, 13Note 97 · [17] Cod. lat. Monac. 3851. Gedr. MG. SS. III, 159.Note 98 · Ruodolfi V. Liobae c. 10. Libellus supplex § 10.Note 99 · Catalogus abbatum in Böhmers Fontes III, 162; MG. SS. XIII, 272. Clemens wird als Lehrer an Ludwigs des Frommen Hofe erwähnt, er widmete in Note 100 · MG. Poet. Lat. I, 392. Trithemius nennt als Schüler Hrabans (Vita I, cap. 3): „Joannes monachus Fuldensis, patria Francus orientalis, poeta Note 101 · Libellus supplex Monachorum Fuldensium, Carolo Magno Imperatori porrectus. Broweri Antt. Fuld. p. 212. Schannat, Cod. Probb. p. 84. Mab. IV,Note 102 · Vita S. Sturmi ed. Pertz MG. SS. II, 365-377. Bei Migne CV, 421-444 nach Mabillon. Uebersetzt von W. Arndt mit dem Leben des heiligen BonifaNote 103 · Waitz bezweifelt, ob es überhaupt vollendet war. Vgl. O. Cl. Th. Richter: Wizo u. Bruun, 2 Gelehrte im Zeitalter Karls d. Gr. und die ihren Note 104 · Vita Eigilis, Broweri Sidera Germaniae, Schannat, Cod. Probb. 88 bis 114. Daraus Mab. IV, 1, 217-246; Migne CV, 381-422. Waitz (nur die ProsNote 105 · Auch bei Dümmler, Poet. Lat. II, 94-117.Note 106 · Daraus wiederholt bei Jul. v. Schlosser: Eine Fulder Miniat. Hs. d. Hofbibl. Jahrb. d. kunsthist. Sammlungen d. A. H. Kaiserh. XIII. mit StuNote 107 · Dieses Datum der Ann. Laur. min. in der Fulder Handschrift stimmt gut zu seiner Absendung durch Ratgar, denn daß dieser schon 802 Abt wurde,Note 108 · Daß dieser Brief an Hraban gerichtet sei, beruht freilich auf Vermuthung, s. Bibl. VI, 876. Sicher an ihn ist gerichtet der Brief Frob. 111,Note 109 · S. die oben angef. Abh. von J. v. Schlosser, mit schönen Abbildungen. Er hält Hatto für den ausschmückenden Künstler.Note 110 · Fr. Vogel, Acta sem. Erlang. II, 416. Manitius, NA. VII, 197, sucht auch bei Einhard die Bekanntschaft nachzuweisen.Note 111 · Von den beiden letzteren ist es freilich zweifelhaft, ob sie auch in Fulda waren. Otfrid bezeichnet als seinen Lehrer, vielleicht in Fulda, Note 112 · Er war Lehrer der Hofschule unter Ludwig dem Frommen nach seiner Vita, Mab. IV, 1, 568-575. Acta SS. Jun. I, 753-758. Vgl. oben S. 154 und SNote 113 · Servati Lupi Opera ed. Baluzius, Par. 1664, Antv. 1710. Lettres de Servat Loup. Texte, notes et introd. par Desdevises du Dezert, Paris 1888Note 114 · S. über ihn Dümmler, Ostfr. I, 327-336. 405-409. NA. IV, 320. Ebert II, 166-169.Note 115 · Ein Bericht von ihm über die am 1. Nov. 819 vollzogene Einweihung der Fulder Kirche steht in Broweri Antiq. Fuld. p. 110-112; vgl. NA. IV, 2Note 116 · Rudolfi Vita S. Leobae, ed. Waitz, SS. XV, 118-131. Sie starb nach dem Necrol. Fuld. (SS. XIII, 167) am 23. Sept. 780, nach d. Vita am 28. SNote 117 · Schannat, Cod. Probb. p. 117-132 aus Browers Antiquitates Fuldenses, der einzigen Originalausgabe, da die Handschrift verloren ist. Unter deNote 118 · Translatio S. Alexandri ed. Pertz, SS. II, 673-681. Uebers. von Richter, 1856, 2. Ausg. 1889 (Geschichtschr. 21. IX, 6). Vgl. dazu R. WilmanNote 119 · Die einzige nachweisbare Benutzung derselben im Mittelalter, nach Waitz, Forsch. X, 602.
Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings