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Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)

III. Die Zeit der Ottonen. (continued 2)

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Pertz hat dem Abt Johannes von Gorze verschiedene Werke zugeschrieben, die Miracula S. Gorgonii, Vita et Miracula S. Glodesindis, vielleicht auch Vita Chrodegangi, allein die genaue Untersuchung von Walther Schultze[47] hat ein ganz anderes Verhältniß wahrscheinlich gemacht. Zunächst ist nachgewiesen, daß es schon eine ältere Aufzeichnung gegeben hat, welche in den Miracula S. Gorgonii benutzt und daran kenntlich ist, daß einzelne Erzählungen derselben mit der Vita Johannis Gorziensis, andere mit der Vita Chrodegangi so weit übereinstimmen, daß eine gemeinsame Quelle anzunehmen ist; vermuthlich waren es ältere Miracula S. Gorgonii. Die uns erhaltenen Miracula S. Gorgonii[48], die Wunderthaten des Schutzheiligen, der schon von Chrodegang im J. 765 nach Gorze gebracht war, sind um das J. 965 von einem Gorzer Mönch verfaßt, der als Augenzeuge von dem Aufstand des Herzogs Konrad berichtet, zu einer Zeit, da der Abt Johannes in Spanien war. Dagegen sind die Vita et Miracula S. Glodesindis[49] von einem Abt Johannes verfaßt, der in der Hist. S. Arnulfi als der von St. Arnulf bezeichnet ist, und es ist kein Grund daran zu zweifeln. In der Vita Joh. Gorz. hat er diese seine frühere Schrift benutzt und die Erzählung etwas erweitert; ebenso die älteren Miracula S. Gorgonii. In beiden finden sich mancherlei historische Nachrichten, namentlich über die Klosterreform im Sprengel von Metz.

Was endlich die Vita Chrodegangi[50] betrifft, welche uns nur unvollständig erhalten ist, so könnte dieselbe allenfalls von Johannes von Gorze herrühren; sie ist aber mit einem großen Phrasenschwall ausgestattet und nach allen Regeln der Rhetorik gearbeitet, was nicht zu dem paßt, was uns von der mangelhaften Schulbildung des Abtes Johannes mitgetheilt wird. Sie ist übrigens nur aus denselben Quellen geschöpft, die auch uns zu Gebote stehen, und reiht sich daher den zahlreichen Paraphrasen alter Heiligenleben an, welche durch die höheren Anforderungen der gebildeteren Nachfolger hervorgerufen wurden.

Eine kräftige Stütze hatte das Kloster Gorze an seinem Schirmvoigt Sendebald, Grafen von Toul, dem nach seinem Tode eine ausführliche dankerfüllte Grabschrift in ungewöhnlich guten Hexametern gewidmet wurde[51].

Zu dem Kreise dieser Reformatoren gehört auch der Schottenabt Kaddroe, der zuerst in Waussor unweit Dinant einem Landsmann als Abt folgte, von da aber durch Adalbero an das Kloster der heiligen Felix und Clemens nach Metz berufen wurde. Sein Leben ist auf Veranlassung des Abtes Immo, vermuthlich von Waussor, bald nach seinem Tode beschrieben worden[52]. Ihn und seinen Nachfolger Fingen († 1003) und die Bischöfe, welche die Klöster und die Klosterzucht herstellten, Adalbero I und Adalbero II, preist ein Gedicht in noch recht roher und mangelhafter Form, welches vorzüglich dem Ruhme des h. Clemens gewidmet ist[53].

Wir erwähnten schon, daß der Bischof Dietrich von Metz (965-984), ein Schwestersohn der Königin Mahthild, der aus der Schule des Erzbischofs Brun stammte[54], nicht minder als Adalbero bemüht war, seinen Sprengel in jeder Beziehung zu verherrlichen; er beförderte eifrigst die Klosterreform, und seinen Aufenthalt mit dem Kaiser in Italien 970 benutzte er, um mit unersättlicher Gier und in den Mitteln nicht wählerisch zahlreiche Heiligenleiber für Lothringen zu erwerben. Zugleich nahm er auch in der politischen Geschichte der Zeit eine sehr bedeutende Stellung ein; sein Ruf war auswärts nicht der beste, Habsucht wurde ihm vorgeworfen, und seine Untreue gegen Theophano, sein Abfall von Otto III, befleckten seine letzten Jahre und gaben Gerbert, wenn er der Verfasser ist, Anlaß, sein Verhältniß zu Carl von Lothringen in einem für beide Theile gleich anzüglichen Briefwechsel zu behandeln[55].

Seinen Aufenthalt in Italien scheint Bischof Dietrich aber auch zu einer anderen Erwerbung benutzt zu haben, nämlich der hinterlassenen Werke des Bischofs Liudprand von Cremona. Dieser soll, was freilich unsicher ist, an der Gesandtschaft theilgenommen haben, welche 971 die Kaiserbraut Theophano in Empfang nahm, und auf dieser Reise gestorben sein. Dietrich, der griechischen Sprache nicht unkundig, war zum Empfang der Prinzessin 972 entsandt. Nun enthält, wie Fr. Koehler nachgewiesen hat[56], eine Handschrift saec. X. aus St. Arnulf Excerpte griechischer Stellen aus Liudprands Schriften mit der Uebersetzung, und es ist wahrscheinlich, daß in Metz auch die Abschrift angefertigt ist, welche bisher als Autograph betrachtet wurde, und in die darin leer gelassenen Stellen hat vielleicht Dietrich selbst die griechischen Worte eingetragen.

Die Stiftung des Vincenzklosters trug Dietrich auch eine Biographie ein[57], welche aber nicht von einem Zeitgenossen, sondern erst ein Jahrhundert später von Sigebert von Gembloux verfaßt ist. Aufgenommen ist darin ein gleichzeitiger Bericht über die von ihm erworbenen Reliquien, welcher sich auch abgesondert erhalten hat.

Glücklicher war sein nicht minder ausgezeichneter Nachfolger Adalbero II (984-1005), der Dietrichs Wirksamkeit in entsprechender Weise fortsetzte, indem er einen ganz vortrefflichen Biographen fand an Constantin, dem Abte des von ihm wiederhergestellten Schottenklosters St. Symphorian zu Metz[58]. Ein poetisches Epitaphium, worin der Bischof gar sehr gepriesen wird, verfaßte Conrad im Kloster Saint-Avold (Sancti Naboris) und überreichte es mit anderen Versen seinem Abt Ratram; beides steht in einem Codex des Prudentius, den er schön eingebunden und mit Randglossen versehen hatte, wofür er dieses Buch in zierlichen Versen sich bedanken läßt: so schön sei nicht einmal der Lucan geziert, den Constantin binden ließ. Diesen Conrad, von dem es nicht sicher ist, daß er Mönch war, hält L. Delisle für den Metzer Archidiaconus des Namens, welcher auf dem Wege nach Italien die eifrigen Studien der Klosterfrauen in Zürich kennen gelernt hatte und zugleich ihren Kummer, daß der erste Band von Gregors Moralien ihnen fehle; heimgekehrt übersandte er ihn mit einem artigen Briefe[59]. Doch ist das sehr zweifelhaft und nicht wahrscheinlich, da jener Conrad allem Anschein nach identisch ist mit Cuono, Klosterlehrer in St. Avold, von dem sich auch andere Verse erhalten haben[60]. Solche Schullehrer wurden aber nicht Archidiaconen.

Um dieselbe Zeit schrieb auch ein Mönch im Kloster Hornbach im Sprengel von Metz ein Buch über das Leben des heiligen Pirmin[61], der im achten Jahrhundert das Kloster gestiftet hatte, und widmete sein Werk dem Erzbischof Ludolf von Trier (994 bis 1008). Es ist nur eine stilistische Bearbeitung der älteren, schon oben S. 275 erwähnten Vita ohne geschichtlichen Werth, vielleicht, wie schon Mone vermuthete, von dem Abt Garemann von Hornbach († 1008) verfaßt. Dagegen enthalten die von Mone zuerst bekannt gemachten Wunder[62] (bis 1012) einige geschichtliche Nachrichten, namentlich über Heinrichs II Zug nach Lothringen im J. 1009; sie sind von einem Hornbacher Mönch hinzugefügt. Hier wurde auch zur Zeit Otto II vom Schreiber Eburnant ein prächtiges Sacramentar für den Abt Adalbert geschrieben, mit guten Dedicationsversen[63].

So entwickelte sich in Metz jener den Lothringern besonders eigene Sinn für Localgeschichte, der sich in Biographieen, Klosterchroniken und Schriften zur Verherrlichung der Ortsheiligen in großer Fülle kundgegeben hat, aber erst im folgenden Zeitalter zu voller Entfaltung kommt.

Schließlich ist noch ein Mönch jenes schon erwähnten Klosters des heiligen Symphorian zu nennen, der nur zum Theil dem Metzer Sprengel angehört, Alpert nämlich, der an das Werk des Paulus Diaconus anknüpfend, eine Geschichte der Bischöfe von Metz[64] verfaßte, von welcher jedoch nur ein Bruchstück erhalten ist. Er widmete sie dem Abte Constantin. Später aber kam er in den Utrechter Sprengel, und zwar nach Molls Vermuthung[65] in das um diese Zeit von Bischof Ansfrid (995-1010) gegründete Kloster bei Amersfoort. Es giebt nämlich eine aus Alperts Werk geschöpfte Vita Ansfridi[66], welche einem monachus Ultrajectinus S. Pauli zugeschrieben wird; dahin aber war jenes Kloster verlegt. Sehr möglich ist es, daß die Aussendung einer Mönchscolonie den sonst ungewöhnlichen Ortswechsel veranlaßte. Hier also schrieb er um 1022 sein Buch über den Wechsel der Zeiten[67], worin er in bunter Mannigfaltigkeit von allerlei Vorfällen aus diesen Gegenden erzählt: ein Vorrath geschichtlichen Stoffes ohne bestimmte Ordnung, der um so willkommener ist, da wir sonst nur wenig Kunde von diesem entlegeneren Theile des Reiches besitzen. Er übersandte es dem Bischof Burchard von Worms, bei dem sein Bruder Immo Diaconus war. An denselben Immo schickte auch der bald zu erwähnende Custos Tielensis sein Werk; er scheint dann an den Kaiserhof gekommen zu sein und wurde um 1036 Bischof von Arezzo; in der Lorscher Briefsammlung sind Briefe von ihm und an ihn erhalten[68].

Das Bisthum Utrecht war von den Normannen gar arg heimgesucht und zeitweise ganz zerstört. Radbod, von mütterlicher Seite ein Abkomme des alten Friesenfürsten Radbod, folgte 899 dem Bischof Odilbald, mußte aber vor den Dänen nach Deventer entweichen. Ein Neffe des Erzbischofs Gunthar von Cöln, war er bis zu dessen Entsetzung 863 bei ihm, dann in der Hofschule Karls des Kahlen und seines Sohnes Ludwig gebildet, ein Schüler des Manno, und hat einige Homilieen und Verse zum Preise von Heiligen verfaßt[69], auch über den heiligen Suidbert; doch hatte er von diesem nur aus Beda Kunde. Trithemius schreibt ihm auch Laudes S. Bonifacii zu, und eine Gothaer Handschrift (fol. 64) nennt ihn als Verfasser der Legende des sogenannten Presbyter Ultrajectensis[70], was entschieden falsch ist[71]. Erhalten hat sich eine Aufzeichnung von ihm über die Schrecknisse des Jahres 900[72], und eine andere über die Belagerung der Stadt Tours durch die Normannen 903, und ihre Errettung durch ein Wunder des h. Martin, des gemeinsamen Schutzheiligen[73]. Zur Feier desselben Ereignisses verfaßte er auch einen cantus nocturnalis, der sich im Antiphonar der Marienkirche erhalten hat[74]. Sein eigenes Leben ist zur Zeit seines Nachfolgers beschrieben worden, und wenn auch nicht eben reichhaltig, doch nicht unwichtig[75]. Er starb 917; sein Nachfolger Balderich ist der Hersteller des Bisthums Utrecht[76]; ihm wurde der Königsohn Brun zur Erziehung anvertraut. Er erneute die verwüsteten Kirchen und erhob viele Leiber der Heiligen, holte auch 964 aus Veuves an der Loire Reliquien[77]; seine Grabschrift in der Martiuskirche rühmte von ihm:

Trajectina feris urbs Denis versa latebat, Baldricus priscum reddidit ipse decus, Auspicio cujus jam Pontius, Agna, Benignus Conservant urbem, fulget et ecclesia[78].

Es läßt sich erwarten, daß er in seiner langen Amtsführung (bis 976) wissenschaftliche Thätigkeit begünstigt haben werde, wie ihm auch Hucbald sein Leben S. Lebuins widmete; Wolbodo stand der Schule vor, bis er 1018 Bischof von Lüttich wurde, aber Erzeugnisse von Utrechter Gelehrten aus dieser Zeit haben sich nicht erhalten. Von Bischof Adalbold werden wir bald zu reden haben.

Auch aus Verdun verlautet aus dieser Periode nichts, mit Ausnahme der Bisthumsgeschichte von Berthar, deren wir schon oben (S. 267) gedachten, weil sie nur bis auf die Zeit des Kaisers Arnulf reicht. Der Bischof Wikfrid (962-984), ein geborener Baier, war zu Cöln in Bruns Schule gebildet, Heimo (991-1024) unter Notker von Lüttich. In dem Kloster St. Mihiel an der Maas lehrte am Anfange dieser Periode der Grammatiker Hildebold, ein Schüler des hochgefeierten Lehrers Remigius. Johannes von Gorze wurde seiner Zucht anvertraut, äußerte sich aber ziemlich ungünstig über die Verdienste seines Lehrers (Vita c. 10).

Auch Toul besaß an Gerhard (963-994), einem Schüler Bruns, einen jener ausgezeichneten Bischöfe, welche die Zeit der Ottonen zieren; er wurde später als Heiliger verehrt, und der Abt Widerich von St. Evre beschrieb sein Leben, jedoch erst lange nach seinem Tode unter der Regierung Heinrichs III. Mit der Klosterreform hatte schon sein Vorgänger Gauzlin (922-963) begonnen; angeregt durch die vom Abt Odo von Cluny zu Stande gebrachte Reform des Klosters Fleury hatte er 936 das Kloster St. Evre (S. Apri) hergestellt und eine Schule darin errichtet, zu deren Leitung er den noch jugendlichen Mönch Adso berief, welcher in Luxeuil seine Bildung erhalten, und sich bereits durch seine Gelehrsamkeit einen Namen gemacht hatte. Nicht ohne heftige Kämpfe konnte eine solche Reform durchgeführt werden, und in St. Evre wurden dieselben in einem höchst eigenthümlichen Gedichte dargestellt, der Ecbasis captivi in einer der Thierfabel entlehnten Einkleidung[79]. Bald aber konnten die Mönche von St. Evre schon dem heruntergekommenen Kloster Montier-en-Der (Dervense) im benachbarten Sprengel von Châlons-sur-Marne aufhelfen. Dieses war schon einmal nach gänzlichem Verfall unter Ludwig dem Frommen 827 durch den Abt Hauto von Stablo hergestellt, aber nach wiederholter Verwüstung durch Ungern und Normannen wieder völlig verwildert. Jetzt sandte Gauzlin Mönche von St. Evre unter dem Abt Alberich hin, und dieser nahm auch Adso mit sich, welcher ihm spätestens 968 als Abt folgte. Befreundet und im regen Verkehr mit Adalbero von Reims und Gerbert, mit Abbo von Fleury und anderen hervorragenden Männern der Zeit, war er für Herstellung kirchlicher Zucht mit Erfolg thätig, bis er endlich 992 auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem seinen Tod fand. Schon früh (vor 954) hat er auf den Wunsch der Königin Gerberga eine Schrift über den Antichrist verfaßt[80]; auf Bischof Gerhards Wunsch beschrieb er das Leben des heiligen Mansuetus, dessen Kloster Gerhard hergestellt hatte. Werth haben nur die hinzugefügten Wunder durch einige geschichtliche Nachrichten. Dasselbe gilt von dem Leben und den Wundern des heiligen Basolus, welche Gerbert und Adso, Abt von St. Basle, von ihm erbeten hatten, und von einem ähnlichen Werk über den heiligen Aper, dessen Autorschaft Waitz ihm abspricht, das aber um dieselbe Zeit, nach der Translation von 978 geschrieben ist. Ein Buch über die Wunder des heiligen Waldebert, Eustasius Nachfolger, bezeugte seine Anhänglichkeit an Luxeuil. Zuletzt nahm er noch den heiligen Bercharius vor, den Stifter seines Klosters, doch hinterließ er diese Aufgabe unvollendet; die Beschreibung der Wunder wurde auf Veranlassung des vom Pabst Leo IX geweihten Abtes Bruno von einem ungenannten Mönche hinzugefügt und mit einigen schätzbaren Nachrichten über Adso versehen[81]. Für die Klosterschule von St. Evre verfaßte 969 Aynard ein „glosarium ordine elementorum agregatum“[82].

Im Anfang des elften Jahrhunderts wird die Schule des Bisthums als blühend und ausgezeichnet gerühmt; Brun, des elsassischen Grafen Hugo Sohn, später als Pabst Leo IX genannt, und Adalbero III, Bischof von Metz, erhielten hier ihre Erziehung. Wir erkennen darin wieder die Einwirkung der beginnenden Blüthezeit Lüttichs, wo Bischof Hermann oder Hezelo (1018-1026) unter Notker gebildet war.

§ 7. Lüttich. [←]

In Lüttich hatte, wie wir sahen (S. 266) die gelehrte Thätigkeit sich lange erhalten; die Verwüstung durch die Normannen 881 wird aber auch hier die Musen zum Schweigen gebracht haben. Am Anfange dieser Periode finden wir dort einen Bischof, der sich als Schriftsteller versucht hat und durch gelehrte Bildung ausgezeichnet war, Stephan (901-920), der in der französischen Hofschule unter Probst Manno ein Mitschüler Radbods, dann Domherr zu Metz gewesen war. Er selbst hat das alte Leben des heiligen Lambert (oben S. 264) neu bearbeitet und eine metrische Bearbeitung desselben veranlaßt[1]; Responsorien verfaßte er und schrieb darüber an Erzbischof Herimann von Coeln, und einen vollständigen Band, mit Lectionen und was zum Kirchendienst gehört, übersandte er Bischof Ruotbert von Metz[2]. Hucbald, der gelehrte Mönch von St. Amand, übersandte ihm 907 zur Prüfung das Leben der heiligen Rictrudis. Nach Vogels Vermuthung war Stephan der Lehrer des Ratherius, jenes unstäten Mönches des Klosters Lobbes, der eben so sehr durch seine wechselnden Schicksale, wie durch seine umfassende Gelehrsamkeit, aber auch durch seine seltsam gesuchte und absichtlich dunkle und verworrene Schreibart merkwürdig ist. Sein Ehrgeiz, sein unverträglicher Charakter, sein beißender Witz, mit dem er unbarmherzig die Fehler seiner Zeitgenossen geißelte, während er in seinen Bekenntnissen eben so schonungslos seine eigenen Sünden beichtete, ließen ihm nirgends Ruhe, und machten es ihm unmöglich, als Bischof von Verona und von Lüttich den Widerstand seiner vornehmeren und mächtigeren Gegner auszuhalten. Seine Schriften, so lehrreich sie sind, können doch nicht als Geschichtswerke betrachtet werden, und auch das Leben des heiligen Ursmar ist nur eine stilistische Ueberarbeitung der älteren Legende[3]. Die Beschäftigung mit grammatischen, philosophischen und theologischen Studien war lange in Lüttich vorherrschend, und erst spät begann man auch hier sich ernstlich mit der Geschichte zu beschäftigen, wenn man es auch nicht ganz unterließ, kurze Notizen am Rande von Ostercyklen einzutragen.

So wie Rather immer von neuem in die politischen Wirren hineingezogen wurde, so ließen auch in Lüttich die lothringischen Parteikämpfe lange keine ruhige Entwickelung friedlicher Studien aufkommen. Von 945-947 war ein gelehrter Abt von St. Maximin, Hugo, Bischof, 953-955 Rather, aber dieser konnte nicht zu irgend einer Wirksamkeit gelangen, und unter Balderich, der ihn verdrängte[4], fand die Wissenschaft keine Stätte. Dann aber bestieg auch hier ein Schüler und begeisterter Verehrer Bruns, Ebrachar (959-971), den Bischofstuhl, ein vornehmer Sachse, bis dahin Decan zu Bonn; ihn nennt als seinen Lehrer ein sächsischer Priester, von dessen Namen wir nur den Anfangsbuchstaben B. kennen, der sich nach Ebrachars Tod nach Canterbury zum Erzbischof Dunstan begab, nach dessen Tod (988) er der erste Biograph dieses hervorragenden Mannes wurde[5]. Nicht ihm allein, sagt er, sondern einer großen Anzahl habe er zur Wissenschaft verholfen, und in der Vita Balderici wird Ebrachar geradezu als der Begründer der Lütticher Schule gepriesen[6]. Auf Ebrachar folgte 972-1008 Notker, bis dahin Probst im Kloster St. Gallen, ein Mann, der in jeder Beziehung höchst ausgezeichnet war[7], und in Lüttich jenen hohen Glanz der Schulen begründete, dessen Ruf sich bald durch die ganze Christenheit verbreitete. Bald strömten lernbegierige Jünglinge von allen Seiten her an der Maas zusammen, während ebenso bedeutende Lehrer von hier ausgingen und den Wirkungskreis der Lütticher Schule immer weiter ausbreiteten; sogar in Paris bei St. Genovefa lehrte der Lütticher Hubald mit außerordentlichem Beifall. Außer diesem, den Notkers Nachfolger Balderich II auch auf einige Zeit nach Prag sandte, nennt Anselm[8] als Notkers Schüler Günther von Salzburg (1024-1025), Ruthard und Erluin von Cambrai (979-995 bis 1012), Heimo von Verdun (991-1024), Hezelo von Toul (1018 bis 1026), Adalbold von Utrecht (1010-1026). Eine Vita Notkeri aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, von welcher Gilles d'Orval ansehnliche Stücke erhalten hat, in welchen mehrfach auch Hexameter, Reste eines gleichzeitigen Lobgedichts[9], erscheinen, ist leider verloren[10].

Im Jahre 960 war im Kloster Laubach oder Lobbes, das bis dahin dem Bischof von Lüttich untergeben war und das durch die Kämpfe der Parteien und die rechtlosen Zustände viel gelitten hatte, das regelmäßige Klosterleben unter einem eigenen Abte wieder hergestellt worden, und bald darauf begann man auch hier, wie an so vielen anderen Orten, Annalen zusammen zu stellen, vielleicht aber auch nur eine in Lüttich entstandene und fortgesetzte Compilation mit einheimischen Notizen zu vermehren[11]. An Beda und andere alte Chronisten reihen sich Auszüge aus der S. 202 erwähnten Chronik bis 805, verbunden mit Stellen aus den Lauriss. maj. und Laureshamenses; dann ist Thegan benutzt und von 840 an selbständig fortgearbeitet, doch von 874 bis 900 sind die Ann. Vedastini vollständig aufgenommen. Diese ziemlich dürftigen Annalen wurden nicht über das Jahr 982 fortgesetzt; sie dienten aber in Verbindung mit anderen Aufzeichnungen in Lüttich im Jahr 1000 zur Abfassung von Annalen, die von nun an fortgesetzt wurden. Sie sind verloren, aber wie Waitz nachgewiesen hat[12], bis 1086 in den Amiales S. Jacobi und Fossenses, bis 1056 auch in den Annales Laubienses kenntlich. Auf diese werden wir später zurückkommen.

Bedeutender als jene Annalen von Lobbes ist die Klostergeschichte des Abtes Folcwin[13], die bis zum Jahre 980 reicht. Ebrachar hatte ihn 965 zum Abte erhoben, und 25 Jahre lang verwaltete er sein Amt in großem Ansehen bei den trefflichen Männern, welche um diese Zeit die verschiedenen Bischofsitze zierten. Daß er nicht, wie Mabillon und Guérard meinten, von dem Folcwin von St. Bertin zu unterscheiden sei, hat Holder-Egger vollkommen überzeugend nachgewiesen (NA. VI, 415-438), und wir wissen daher, daß er aus Lothringen gebürtig, vornehmer Abkunft, selbst den Karolingern verwandt war, stolz auf den Bischof Folcwin von Thérouanne (817-855), dessen feierliche Erhebung sein Vater und Oheim bewerkstelligt haben, und dessen Leben er beschrieben[14] und dem Abt Walter von St. Bertin (c. 970-984) gewidmet hat, als er schon Abt von Lobbes war; damals, als er die darin stark benutzte Vita Brunonis schon kannte, hat er den Entwurf ausgearbeitet, welchen er schon viel früher gemacht hatte, in St. Bertin, wo er 948 als Knabe eingekleidet wurde. Hier hat er auch bereits im Jahre 961 die Urkunden des Stiftes gesammelt und mit Lebensnachrichten der Aebte versehen, auch nicht unwichtige, geschichtliche Nachrichten allgemeinerer Art eingeflochten[15], sehr mangelhaft in der Form und sogar mit groben grammatischen Fehlern. Die Quellen, welche darin benutzt sind, hat Holder-Egger genau untersucht; am wichtigsten darunter sind die Spuren verlorener Annalen von St. Bertin, welche auch in den Ann. Blandin. zu erkennen sind. In ähnlicher Weise, aber grammatisch jetzt besser ausgebildet, machte er sich als Abt auch an die Geschichte von Lobbes, und legte ihr die Urkunden seines Klosters nebst den ihm zugänglichen Werken Einhards, Flodoards, Ruotgers und anderer zu Grunde. Ist ihm nun auch die Verarbeitung dieses Stoffes wenig gelungen, so ist doch schon das Streben nach einer urkundlichen Geschichtschreibung bemerkenswerth, und für die spätere Zeit, wo er die eigenen Erlebnisse zu schildern hat, empfiehlt er sich durch Wahrheitsliebe und Einfachheit, wenn auch die Kürze der Erzählung unbefriedigt läßt.

Folcwins Nachfolger in Lobbes war Heriger (990-1007), ein vertrauter Freund des Bischofs Notker, den er im Jahre 989 nach Italien begleitete und für den er mit seiner Feder thätig war, während Notkers Name den Schriften größere Autorität verlieh. So namentlich 980 dem von dem Bavokloster zu Gent erbetenen Werk über den h. Landoald, auf welches wir zurückkommen, und ähnlich auch der wohl schon früher verfaßten älteren Geschichte des Lütticher Bisthums[16]. Er gelangte damit aber nicht weiter als bis zum Jahre 667, so daß das Buch als Geschichtsquelle kaum in Betracht kommt, und litterarisch kann man es leider nur als ein ganz verfehltes Werk betrachten wegen der unverständigen Anwendung der Gelehrsamkeit, welche dem Verfasser allerdings in reichem Maße zu Gebote stand. Aber kaum kann man einen übleren Gebrauch davon machen, als wenn man lange Reden aus Stellen der Classiker zusammensetzt und diese dann alten Heiligen der merowingischen Zeit in den Mund legt.

Mancherlei geschichtlicher Stoff findet sich noch in den Legenden und Wundergeschichten dieser Gegenden; vorzüglich lernen wir daraus die Grafen von Flandern als eifrige Heiligenverehrer kennen. So wurde der Leib des heiligen Winnoch vor den Normannen von Wormhout nach St. Bertin geflüchtet und 900 durch Balduin den Kahlen (879-918) nach dem von ihm gestifteten Kloster Bergh-St.-Vinoc oder Winnoxbergen gebracht, wo ein älteres Leben des Heiligen gegen die Mitte des elften Jahrhunderts überarbeitet und die Stiftungsgeschichte hinzugefügt wurde[17].

Höchst eigenthümlich haben sich die Nachrichten aus den beiden Genter Klöstern Saint-Bavon und Blandigny, auf einem Hügel außerhalb der Stadt, dadurch gestaltet, daß jedes von ihnen höheres Alter in Anspruch nahm, und ein durch Jahrhunderte hindurch mit immer wachsender Erbitterung geführter Krieg sich daraus entspann. Ihre Waffen waren echte und falsche Reliquien und Legenden, Urkundenfälschungen und Verfälschung der handschriftlichen Ueberlieferung, wie das O. Holder-Egger in ebenso ergötzlicher wie belehrender Weise dargestellt hat[18]. Beide Klöster waren vom Grafen Arnulf I im J. 941 nach tiefem Verfall hergestellt und durch den Abt Gerhard von Brogne mit Mönchen neu besetzt. Das veranlaßte in Blandigny schon bald nachher eine Schrift über die ältere Geschichte des Klosters bis auf den berühmten Abt Einhard[19], worin schon gefälschte Urkunden benutzt sind und die Gründung durch den h. Amandus 610, mit keckem Plagiat aus der Vita Wandregisili. Im J. 944 brachte Graf Arnulf hierher auch aus Boulogne, wohin sie aus St. Wandrille geflüchtet waren, die hh. Wandregisil, Ansbert und Wulfram, dessen Besitz aber die Mönche von St. Wandrille ihnen abstritten, und darüber gab es eine Schrift, von der wir aber nur durch eine Predigt Kunde haben, die nicht vor dem zwölften Jahrhundert verfaßt zu sein scheint, und von Feindseligkeit gegen die Bavonianer erfüllt ist[20]. Außer vielen anderen Reliquien erhielten sie auch um 945 aus Haerlebeke, der Heimath der Grafen von Flandern, den h. Bertulf von Renty bei Saint-Omer, wo er in merowingischer Zeit ein Kloster gegründet hatte. Sein Leib wurde 1073 durch den Abt Folcard feierlich erhoben, und nun nach einer älteren, jetzt verlorenen Vita das wenige berichtet, was man von ihm wußte, mehr über die Translationen und über die Grafen von Flandern, nicht ohne Fabeln[21]. Und dazu wollen wir gleich noch hinzufügen, daß, da beide Klöster sich den ersten Abt Florbert zueigneten, beide sein Grab und seinen Grabstein zeigten, im J. 1079 eine gegen die Mönche von Saint-Bavon gerichtete Schrift darüber verfaßt wurde[22].

Nach Saint-Bavon war 940 der h. Bavo aus Laon, wohin er geflüchtet war, zurückgebracht und 946 feierlich bestattet. Gegen das Ende des zehnten Jahrhunderts schrieb ein Mönch, schon im Gegensatz gegen das vom Grafen Arnulf bevorzugte Kloster Blandigny, und gegen die Zweifler, welche ihnen sogar den Besitz des h. Bavo bestritten, in drei Büchern eine Geschichte des Klosters nach schriftlichen Quellen, wozu er vorzüglich auch die Annalen von St. Bertin und St. Vaast benutzte, die er Chronica post Bedam nannte; er scheint auch Aufzeichnungen aus seinem Kloster benutzt zu haben[23]. Vielleicht von demselben Verfasser ist auch das Carmen de S. Bavone[24]. Der Concurrenz der Blandinienser besser begegnen zu können, holten sie 980 aus dem kürzlich erworbenen Wintershoven den h. Landoald mit seinen ebenso unbekannten Genossen, legten dem Bischof Notker von Lüttich den Bericht über die Translation und die obligaten Wunder vor, und zugleich was der Ortspfarrer Sarabert von diesen Heiligen zu berichten wußte. Der gelehrte Heriger erfuhr zu seinem Erstaunen von dem ihm bis dahin unbekannten Bischof Landoald von Lüttich, buchte aber alles getreulich, und zwar der größeren Autorität wegen unter dem Namen seines Bischofs. So gewannen diese frechen Lügen geschichtlichen Anstrich, und haben viel Verwirrung angerichtet[25]. Die Gegner behaupteten zwar, es seien „malorum defunctorum ossa“, aber die Bavonianer veranstalteten 982 eine neue feierliche Erhebung, und es gelang ihnen, die Autorität des Erzbischofs von Reims dafür zu gewinnen[26]. Der Abt Odwin oder Otwin (982-998), der hier seine Energie bewiesen hatte, erlangte auch aus Rom durch Vermittelung der frommen Engländerin Teta Reliquien des h. Pancratius, welche 985 nach Gent kamen[27]. Bald darauf stellte er nachdrücklich den Abt Adalwin von Blandigny zur Rede, weil er fortfahre, gegen die getroffene Uebereinkunft sein Kloster als „in castro Gandavo“ gelegen zu bezeichnen[28]. Ein neuer Triumph war dann 1007 die Uebertragung der hh. Livin und Brictius aus Holthem nach Gent, worauf 1010 unter Erlembold der h. Bavo noch einmal feierlich erhoben wurde; der Verfasser der Beschreibung[29] scheint derselbe zu sein, welcher auch im J. 1014 über den h. Macharius berichtet hat[30], einen griechischen Mönch, der 1011 in St. Bavon Aufnahme fand und nach vielen Kasteiungen schon 1012 starb. Man wußte weiter nichts von ihm, verehrte ihn aber als heilig und wußte von Wundern zu berichten, die man ihm zuschrieb. Doch half das alles nur wenig, und als der Abt Othelbold um 1020 der Gräfin Othgive, Gemahlin Balduins des Bärtigen von Flandern, auf ihren Wunsch über die Reliquien des Klosters schrieb[31], hatte er zugleich bitter zu klagen über den einstigen Reichthum und die bedrängte Lage, seitdem Graf Arnulf zahlreiche Besitzungen des Klosters an seine Dienstmannen vergabt hatte. Es bedurfte stärkerer Heilmittel, und zunächst fand sich Stepelin, ein aus St. Trond entlaufener Mönch, bereit, im J. 1049 nicht nur einen angeblich alten Grabstein für den Abt Florbert anzufertigen, sondern auch, nach Holder-Eggers Vermuthung, jene Verse zu machen, in welchen der h. Livin selbst an Florbert ein Epitaph des h. Bavo schickt[32]. Weiter folgte 1058 eine neue Erhebung des h. Bavo, 1067 auch des h. Macharius, und mit kühnerem Fluge wurde nun, während man früher aufrichtig bekannt hatte, über sein Vorleben nichts zu wissen, die vollste Schale abgeschmackter Verherrlichung über ihn ergossen[33]; zur Schilderung seiner Tugenden diente, was im Leben des Erzbischofs Bruno von Köln für diesen Zweck brauchbar erschien. Nach der Vermuthung von Holder-Egger war es derselbe Verfasser, welcher schon um 1050 mit nicht minder frecher Lüge das Leben des bis dahin ganz unbekannten Livin beschrieb (oben S. 132); besonders wichtig aber ist der Nachweis, daß fast zweifellos dieser Livin in Wirklichkeit kein anderer ist, als der wohlbekannte, in Deventer bestattete Liafwin oder Lebuin; sein Genosse Brictius scheint nur der Nachbarschaft im Kalender seinen Namen zu verdanken, obgleich hier der Bischof von Tours, Nachfolger des h. Martin, gemeint ist. Nach solcher Verherrlichung aber war es nun Zeit, auch diese Heiligen feierlich zu erheben, was 1083 geschah; aber erst um 1200 wurde über diese Vorgänge eine Schrift verfaßt[34].

Diese ganze Litteratur würde nicht verdienen, so viel Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen, wenn sie nicht theils für die Zeit charakteristisch wäre, theils durch die Chronisten des 14. Jahrhunderts, Johann von Thielrode und die Genter Annalen, viele hieraus geschöpfte Fabeln in die Geschichte eingedrungen wären, welche noch nicht vollständig beseitigt sind.

Eine besonders hervorragende Stellung als Reformator vieler Klöster nahm der oben erwähnte Abt Gerhard ein, der Stifter des Klosters Brogne im Lütticher Sprengel zwischen Maas und Sambre. Er gehörte zur Sippschaft des Hagano (Austrasiorum ducis), jenes bekannten Günstlings Karls des Einfältigen; seine Mutter Plictrudis war eine Schwester des Bischofs Stephan von Lüttich. Im Lommatschgau, wo er heimisch war, setzte er auf seinem Erbgut Brogne zuerst Canoniker ein; als aber Graf Berengar von Namur, dessen vielvermögender Rath er war, ihn zum Grafen Robert nach Paris sandte, machte ein Besuch im Kloster St. Denis solchen Eindruck auf ihn, daß er seine Entlassung erbat und zur großen Verwunderung der Mönche von St. Denis bei ihnen Unterricht nahm und Mönch wurde (919 oder 920 nach Sackur). Es war ihnen ganz erstaunlich, daß ein bärtiger Mann noch die Buchstaben lernen wollte, wie ein fünfjähriger Knabe[35] — eine Stelle, die uns einmal recht deutlich zeigt, wie unberührt von aller litterarischen Bildung die Laien waren, und wie irrig die weitverbreitete Meinung ist, als ob die scholae exteriores für sie bestimmt gewesen wären. Im Jahre 926 zum Priester geweiht, kehrte Gerhard zurück, und übergab nun die Kirche zu Brogne 12 Mönchen aus St. Denis. Die Leitung des Klosters war seinem auf stille Beschaulichkeit gerichteten Sinn zuwider, er lebte abgesondert als Klausner, aber Herzog Giselbert und Bischof Fulbert von Cambrai ließen ihm keine Ruhe. In St. Ghislain lebten nämlich damals Cleriker von gar schlechtem Wandel, welche sich mit ihrem Heiligen singend und bettelnd herumtrieben, bis endlich dieser des Treibens müde zuließ, daß sein Leib gestohlen wurde. Da wurde das Kloster Gerhard zur Reform übergeben; er fand das Heiligthum in Maubeuge, der Herzog gab die Güter zurück, und trotz des Widerstandes der losen Brüder, stellte Gerhard dieses und andere Klöster her[36]. Auch Arnulf von Flandern, angeblich von einem Steinleiden wunderbar geheilt[37], entäußerte sich seiner Abteien Blandigny (941)[38] und St. Bertin (944), wo die regelmäßige Zucht hergestellt wurde, und übergab Gerhard alle Klöster seines Gebietes; er soll deren 18 geleitet haben, darunter auch Saint-Remi. Durch einen Krieg über die gefährdete Lage seines eigenen Klosters belehrt, kaufte Gerhard Brogne los von der Abhängigkeit von St. Denis und übergab es dem Bischof Farabert von Lüttich (947-953); endlich starb er in hohen Ehren am 3. Oct. 959. Sein Leben ist nicht lange nach seinem Tode ausführlich beschrieben, aber wir besitzen nur eine Ueberarbeitung aus dem Anfange des elften Jahrhunderts, für den Abt Gonter geschrieben, geschmacklos mit Versen gemischt. Daß Raginer von Hennegau noch in der Verbannung lebe, Lietald, Gerhards Nachfolger als Vorstand des Klosters zu Mouson († 997), die Wahrheit der Erzählung bestätigen könne, schrieb er gedankenlos nach, so wenig es auch zu seiner Zeit noch paßte[39]. Daß die alte Biographie sich darin noch erkennen lasse, wie W. Schultze annahm, leugnet L. v. Heinemann; die geltend gemachten Stellen sind entnommen aus der darin benutzten und angeführten gleichzeitigen Schrift über die Wunder des h. Eugenius in Brogne, wohin er von St. Deuis gebracht war, die an den Abt Gerhard gerichtet ist und erst kürzlich von den Bollandisten herausgegeben wurde; unter den Wundern bezieht sich eines auf den Einfall der Ungern in Lothringen[40].

Ein eifriger Verehrer des Grafen Arnulf von Flandern war der Priester Witger, welcher zwischen 951 und 959 Arnulfs Herkunft mit der Genealogie der Karolinger verband, und seine Verdienste um Kirchen, namentlich die zu Compiègne, pries[41].

Ein Schüler Notkers von Lüttich war Adalbold, der nach dem vortrefflichen Ansfrid 1010 Bischof von Utrecht wurde, wo er am 27. Nov. 1026 gestorben ist[42]. Seine große Gelehrsamkeit bezeugen theils mathematische Schriften, theils ein Commentar zu derselben Stelle des Boethius, welche einst Bovo von Corvey erläutert hatte[43]. Mit Heriger, Gerbert, Berno war er befreundet und in wissenschaftlichem Verkehr[44]; er nennt sich scholasticus, vielleicht (nach Moll) bei St. Ursmar in Lobach. Ein Mitschüler von ihm, Egebert, damals Priester und Schulmeister in Lüttich nach E. Voigt, widmete ihm ein Buch, das er liber prorae et puppis oder Foecunda ratis nennt, Sprichwörter, Geschichten und anderes in recht schlechten Hexametern enthaltend, voll gesuchter und ungeschickter Gelehrsamkeit; es fehlt darin nicht die übliche und immer wiederkehrende Klage über Verfall und Mißachtung der Gelehrsamkeit. Die Franzosen, deren strengere mönchische Askese auch Adalbold begünstigte, kann er nicht leiden, und seine Schüler machen ihm manchen Kummer[45].

Einen sonst nicht bekannten Odbert hatte Adalbold als Knaben mit nach Utrecht genommen; dieser sah in der alten Salvatorkirche das Grab des 838 erschlagenen Bischofs Friedrich; er hörte, daß durch die Dänen mit vielen anderen Büchern auch dessen Lebensbeschreibung verbrannt sei, und beeilte sich, wie er behauptet als zehnjähriger Knabe, aufzuzeichnen, was man von diesem Märtyrer wußte. Man erzählte ihm, wie er angiebt, daß Friedrich, von dem wir sonst nur wissen, daß er mit Hraban in freundschaftlichem und gelehrtem Verkehr stand[46], sich der Ehe Ludwigs des Frommen mit Judith wegen zu naher Verwandtschaft widersetzt habe, und daß ihn deshalb Judith habe ermorden lassen: wohl ohne Zweifel eine spätere Erfindung. In lügenhaftester Weise hat der Vf. die bei Thegan und Regino gefundenen Nachrichten diesem Standpunkt entsprechend ausgeschmückt und verdreht. Die noch erhaltenen Acta Friderici[47] scheinen etwas überarbeitet zu sein, aber eine wesentlich übereinstimmende Erzählung kannte schon Wilhelm von Malmesbury. Von einem Priester Odulf, der auf Friedrichs Befehl den Friesen predigte, giebt es eine lange nach seinem Tode verfaßte Lebensbeschreibung mit wenig Inhalt[48]; diese hat jener Otbert benutzt.

Zu Tiel an der Waal verwandelte Adalbold ein verfallenes Kloster an der Kirche der h. Walburga in ein Chorherrenstift, und der Custos dieses Stifts widmete ihm eine Schilderung der dort vorgekommenen Wunder, welche geschichtliche Beachtung verdienen. Adalbold preist er als Erbauer der neuen Martinskirche, und als thätig auch in castris imperialibus. Eine Abschrift, der ein neues Wunder beigefügt ist, schickt er an den oben S. 375 erwähnten Wormser Diaconen Immo[49].

Alpert erwähnt, daß Bischof Adalbold über die Thaten Heinrichs II bis zur Einnahme von Metz (1012) ein so vortreffliches Werk verfaßt habe, daß er, Alpert, deshalb von diesen Dingen nicht reden wolle[50]. Dieses Werk ist leider verloren; erhalten hat sich der Anfang eines Lebens Kaiser Heinrichs II, welches nur bis 1004 reicht, und Adalbold zugeschrieben wird[51]. Es ist gänzlich auf Thietmars Chronik begründet und nur mit rhetorischem Schmuck überladen, ein Verfahren, welches von der Utrechter Schule und Adalbolds gelehrter Bildung nicht befremden darf, während dessen eigene Erfahrung erst im weiteren Verlaufe einwirken konnte. Doch fehlen auch hier schon nicht einige Zusätze, besonders über italische Verhältnisse. Ich sehe deshalb keinen genügenden Grund, das Werk mit Moll Adalbold abzusprechen, noch auch anzunehmen, daß es niemals weiter gereicht habe, als wir es besitzen, wenn auch der sächsische Annalist, bei dem allein eine Spur desselben sich findet, nach mehr als einem Jahrhundert auch schon nicht mehr als dieses Fragment gehabt haben mag. Daß auch bedeutende Werke geringe Verbreitung fanden und frühzeitig verloren wurden, ist leider keine vereinzelte Erscheinung.

Später übernahm man in dem von Heinrich gestifteten Bisthum Bamberg die Bewahrung seines Andenkens, und machte hier aus dem tüchtigen und umsichtigen Kaiser, dem wackern Kriegsmanne, der nur selten aus den Waffen kam, einen gewöhnlichen Legendenheiligen; es bildete sich hier ein völlig entstelltes Bild aus, welches auf die richtige Erkenntniß und Darstellung der Geschichte einen sehr nachtheiligen Einfluß geübt hat[52]. Denn was die geistlichen Schriftsteller des Mittelalters gelobt hatten, tadelten die neueren Historiker; die thatsächliche Grundlage aber wurde nirgends genügend untersucht, bis in neuester Zeit W. v. Giesebrecht mit umfassender und eindringlicher Benutzung der echten gleichzeitigen Quellen eine besser begründete Schilderung jenes Kaisers in die Geschichte einführte.

Notkers Nachfolger in Lüttich, Balderich II (1008-1018), früher Vitzthum der Regensburger Kirche, wird als ein trefflicher Mann gerühmt; er stiftete das Kloster St. Jacob und fand hier auch einen Biographen, der jedoch erst um die Mitte des Jahrhunderts schrieb und den Bischof nicht mehr persönlich gekannt hatte[53].

Ein ausgezeichneter Zögling der Schule zu Lobbes wurde von Otto III im Jahre 1000 (-1025) zum Bischof von Worms berufen, Burchard, der als der gelehrteste Canonist seiner Zeit bekannt und berühmt ist, und der sein gänzlich verfallenes Bisthum zu neuer Blüthe erhob. Freilich wird von dem gelehrten Pabste Gregor V (996-999) gerühmt, daß er in Worms gebildet sei[54], doch fand Burchard nach seines Biographen Schilderung die Stadt noch in Ruinen nach der Verwüstung durch die Ungern, und die Fehden des Adels hinderten jeden Fortschritt zu besseren Zuständen. Durch die Schilderung dieser Verhältnisse und der Art, wie es Burchard gelang den Uebelständen abzuhelfen, ist dessen Biographie sehr lehrreich, so wie andererseits Burchards einflußreiche und angesehene Stellung bei Otto III und Heinrich II ihr auch für die Reichsgeschichte Bedeutung verleiht[55]. Sie ist von einem Zeitgenossen verfaßt und gehört zu den besseren Werken dieser Art; doch hat Manitius nachgewiesen, daß in übermäßiger Weise darin Alpert ausgebeutet, und sogar dessen Lobpreisung Ansfrids auf Burchard angewandt ist, so daß nicht viel Eigenes übrig bleibt[56]. Noch am Anfang des folgenden Jahrhunderts feierte der Cleriker Hermann in seinem Cartular der Wormser Kirche Burchard durch eine kurze, aber inhaltreiche Charakteristik voll warmer Dankbarkeit[57].

§ 8. Alamannien. [←]

Stälins Wirtembergische Geschichte I, 605 ff.

Die Schulen von St. Gallen und Reichenau bewahrten auch in dieser Zeit ihren alten Ruhm und erhoben sich zu hoher Blüthe; es wurde manches hier geschrieben, aber wie Schwaben damals der Reichsgeschichte ferner stand, wie den Alamannen der sächsische Kaiserhof weit fremder war als der karolingische, so nahm auch das ganze Leben einen provinziellen Charakter an, und während wir in Sachsen und in Lothringen Geschichtswerke von allgemeinerem Gesichtspunkte entstehen sahen, beschränkt sich hier die Litteratur auf Schriften von engerem Gesichtskreise. Annalen freilich sind auch hier geschrieben und darin auch, wie überall, von Kaiser und Reich berichtet; ihre Notizen sind als gleichzeitige Aufzeichnungen wichtig, aber sie zeigen kein Streben nach zusammenhängender Darstellung, wie die größeren sächsischen Jahrbücher und der Fortsetzer des Regino. So wurden in St. Gallen die alten Alamannischen Annalen bis 926 fortgesetzt[1]; um die Mitte des Jahrhunderts entstanden dann die größeren Annalen von St. Gallen, bis 955 von einer Hand geschrieben und von verschiedenen Schreibern bis 1044 fortgeführt[2], die Sanct Galler Gelehrsamkeit durch Anwendung von Stellen alter Schriftsteller bekundend[3]. Bis 918 sind sie ein Auszug der Alamannici mit einigen Zusätzen, von 919 an selbständig und von erheblichem Werth. Gleichzeitig wurde in derselben Handschrift, welche verschiedene Mönchsregeln u. a. enthält, auch das Necrologium angelegt[4]. Dagegen ließ man in Reichenau, wo längere Zeit hindurch die alten Murbacher Annalen fortgesetzt waren, schon mit dem Jahre 939 von dieser Thätigkeit ab; ein Exemplar dieser Annalen, welches für den Erzbischof Friedrich von Mainz bald nach 939 abgeschrieben war, ist merkwürdig durch die von Otto's des Großen Sohn Wilhelm eigenhändig am Schlusse zugesetzte Nachricht von seiner Erhebung zum Erzbischof von Mainz (954) und dem gleichzeitig zwischen dem Kaiser und seinem Sohne Ludolf geschlossenen Frieden[5]. Es hat aber auch noch eine weitere Fortsetzung Alamannischer Annalen gegeben, deren Spuren Giesebrecht bis 985 in den Altahenses findet[6] und die vielleicht auch in den Cölner Annalen noch kenntlich ist.

Auch die Weingarter Annalen, nur nach dem Fundort benannt, sind bis 918 nichts als ein Auszug der Alamannici, bis 936 fortgeführt[7]. In Einsiedeln aber wurden um das Jahr 966 Annalen zusammengestellt, und bis 1057, in einer anderen Handschrift bis 1268 gleichzeitig fortgeführt[8]. Im nahen Elsaß wurde in Weißenburg ein Exemplar der Hersfelder Annalen in einen Auszug gebracht und von 985-1075 fortgesetzt[9].

Bei weitem das bedeutendste Werk für die Geschichte dieser Zeit ist die Fortsetzung der Klosterchronik von St. Gallen, deren wir schon oben (S. 268) gedachten, und die uns das anschaulichste und lebendigste Bild gewährt von einem schön und reich entwickelten Klosterleben, dessen Mittelpunkt die Schule ist. Hartmann, der gelehrte Nachfolger (922-924) des Abtbischofs Salomon, hat über die Geschichte seiner Zeit ein Buch hinterlassen, welches uns leider verloren ist[10]. Ein Jahrhundert lang scheint darauf diese Aufgabe unbeachtet geblieben zu sein, bis Ekkehard (IV) die Arbeit unternahm, ein Schüler Notkers des Deutschen, des bedeutendsten Sanctgaller Lehrers, an dessen Sterbebett er am 29. Juni 1022 stand; dann ging er, wohl von Aribo berufen, nach Mainz, wo er der Schule vorstand. Auch Trier scheint er aus eigener Anschauung gekannt zu haben[11]. Nach Aribo's Tod (6. April 1031) scheint er heimgekehrt zu sein, und unter den Glossen, mit welchen er viele Handschriften des Klosters versah, findet sich noch der Tod des Pabstes Victor (28. Juli 1057) erwähnt, den nach seiner Meinung ein Abt vergiftet hatte. Für seinen Lehrer Notker[12] hat Ekkehard eine große Menge metrischer Uebungen (dictamina) verfertigt, die, verkünstelt und geschmacklos, wie sie meistens sind, doch von diesem der Aufbewahrung werth erachtet wurden; andere fügte er später aus eigenem Antrieb hinzu, die zum Theil an seinen Bruder Immo, Abt von Münster im Gregorienthal, gerichtet sind. Die im Cod. 393 noch jetzt erhaltene Sammlung unter dem Titel liber benedictionum stellte er zusammen auf Anregung des Staveloter Mönchs Johannes, Neffen des Abtes Poppo, der in St. Maximin Abt wurde und am 11. Juli 1035 gestorben ist[13]. Auf den Wunsch des Abtes Purchard II (1001-1022), der ein eifriger Beförderer der lateinischen Dichtkunst war[14], machte er Verse zu den Bildern aus dem Leben des h. Gallus, welche Abt Immo (975-984) im Kloster hatte malen lassen. Ebenso dichtete er in Mainz auf Aribo's Wunsch Unterschriften zu den Gemälden des Doms[15], und überarbeitete den Waltharius des älteren Ekkehard (I † 973), den dieser für seinen Lehrer Gerald in Verse gebracht, Gerald dem Bischof Erchambold von Straßburg gewidmet hatte[16].

In St. Gallen war inzwischen eine große Veränderung eingetreten. Von Stablo kam als Abt Norbert (1034-1072), um die strengere französische Zucht des Abtes Poppo einzuführen, unter lebhaftem Widerstreben der alten Mönche. Ekkehard war, trotz seiner Freundschaft mit Johannes, ebenso heftig gegen diese Neuerer erbittert, wie jener Priester Egebert (oben S. 389), und die Störung der Verhältnisse, die Vernichtung der alten Harmonie und wohl auch der alten mehr profanen Studien, welche von nun an in St. Gallen verschwinden, mögen ihn vorzüglich veranlaßt haben, die Klosterchronik fortzusetzen und das Andenken der guten alten Zeit zu retten. Mit der anziehendsten Ausführlichkeit erzählt er von dieser, mit einer reichen Fülle von einzelnen Zügen, die uns ganz in das Innerste des Klosters einführen; er schildert die Schicksale desselben, die Thätigkeit der verschiedenen Lehrer und ihr Leben mit einander; aber freilich hatte er dafür keine andere Quelle als das Gedächtniß an eine schon sehr fern liegende Vergangenheit, an Erzählungen, die er in seiner Kindheit gehört hatte. Es ist daher nicht zu verwundern, daß sich ihm in den Einzelheiten vielfache Irrthümer nachweisen lassen; die kulturgeschichtliche Bedeutung der Schilderung wird aber dadurch wenig gemindert, Ton und Färbung des Bildes werden wir als wahrhaft anerkennen können, wenn auch die Umrisse einzelner Gestalten täuschen, die gute alte Zeit zu sehr verherrlicht ist. Leider hat Ekkehard sein Werk nur bis zum Jahre 971 geführt, und weit über ein Jahrhundert verging nach ihm, bevor man wieder an die weitere Fortsetzung dachte.

Schätzbar durch Nachrichten über den verheerenden Einfall der Ungern im Jahre 926 ist die sonst nicht bedeutende Lebensbeschreibung der Klausnerin Wiborada, von dem Sanctgaller Mönche Hartmann erst gegen das Ende des Jahrhunderts verfaßt[17].

Das Kloster Reichenau erhält eine besondere Bedeutung dadurch, daß es an der Hauptstraße nach Italien lag. Bischöfe von Verona haben hier Kirchen gestiftet; griechische und italienische Pilger und Reisende werden erwähnt, und auch Irländer und Isländer lassen sich hier nachweisen. Durch Nachrichten dieser Art verdienen die Wunder des h. Marcus Berücksichtigung, dessen Reliquien angeblich 830 von Venedig nach Reichenau gebracht sein sollten. Die schon damals vielfach lautgewordenen Zweifel an der Echtheit der Reliquien veranlaßten natürlich eine um so viel größere Zahl von Wundern, und auch die Abfassung eines apologetischen Berichtes darüber, welcher noch unter Heinrich I oder gleich nach seinem Tode geschrieben ist[18]. Eine andere Reliquie, die als eine besondere Kostbarkeit betrachtet wurde, war ein Kreuz mit dem Blute Christi, das durch einen Araber Hassan an Karl gebracht sein sollte und 925 nach Reichenau geschenkt wurde. Neben vielem fabelhaften, das aber für die Sagengeschichte nicht unwichtig ist, enthält die darüber verfaßte Schrift doch auch einige geschichtliche Nachrichten[19]. Aehnlicher Art sind auch die im Anfange des elften Jahrhunderts in Zurzach beschriebenen Wunder der h. Verena[20]. Den Abt Liutharius, sonst Liuthard genannt (926-934), feiern einige Verse wegen runder Fenster, durch welche er Licht in ein dunkles Gemach gebracht hatte[21]. Ihm schreibt Stephan Beissel das dem Augustus Otto dargebrachte schön geschmückte Evangeliar zu, welches später dem Dom zu Aachen gewidmet ist[22].

Von mehr geschichtlichem Inhalt ist ein Gedicht zu Ehren des Abtes Witigowo (985-997), von Purchard im Jahre 994 nicht ohne Geschmack und Kunstfertigkeit verfaßt. Er läßt darin die Augia selbst auftreten, trostlos über die häufige Abwesenheit des Abtes, der bald am kaiserlichen Hofe weilt, bald die Stiftsgüter mit Kirchen schmückt; ausführlich berichtet sie von seinen Verdiensten, namentlich dem Neubau des Klosters. Ein Nachtrag vom Jahre 996 berührt die Theilnahme des Abtes an Otto's III Römerzuge[23]. Er brachte Reliquien und Privilegien mit; dann aber scheint es ihm nicht anders ergangen zu sein als dem Abt Ratgar von Fulda: er wurde abgesetzt[24]. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß durch die Bauten die Zucht gelockert und dadurch die folgende Katastrophe herbeigeführt wurde.

Im Jahre 1006 nöthigte nämlich Heinrich II den Mönchen wider ihren Willen den Abt Immo auf, welcher schon den Klöstern Gorze und Prüm vorstand, und die strenge lothringische Zucht mit großer Härte den Mönchen aufzudrängen versuchte, was viele von diesen zur Flucht veranlaßte und dem Kloster großen Schaden that. Davon hat der Mönch Rudpert in Prosa und in Versen berichtet[25], sein Werk ist aber verloren. Nach zwei Jahren erlöste der König Reichenau von seinem Zuchtmeister und gab ihnen Bern aus dem Kloster Prüm zum Abte, welcher den früheren blühenden Zustand wieder herstellte[26].

Diese beiden großen Klöster scheinen alles an sich gezogen zu haben, was an litterarischer Thätigkeit noch vorhanden war; Constanz, so sehr es durch bedeutende Bischöfe ausgezeichnet war, tritt litterarisch gar nicht hervor, denn Salomo III, dessen Formelbuch und Gedichte oben (S. 274) erwähnt wurden, gehört ganz dem Kloster St. Gallen an, welchem er seine Bildung verdankte und in dem sein Andenken immer fortlebte. Von dem Bischof Conrad (934-976) giebt es freilich eine Biographie[27]; sie ist aber erst 150 Jahre nach seinem Tode geschrieben und von geringem Werthe. Das Leben des Bischofs Gebehard II (980-995) ist ebenfalls erst viel später, im zwölften Jahrhundert, in seiner Stiftung Petershausen verfaßt; es enthält einige merkwürdige Nachrichten über den Bau des Klosters[28].

Wir haben schon gesehen, wie St. Gallen auch in die Ferne wirkte durch seinen Probst Notker, der 972 Bischof von Lüttich wurde; zwei Ekkeharde gingen von dort nach Mainz. Mit Weißenburg im Elsaß war vielfacher Verkehr und auch mit Straßburg, besonders unter dem Bischof Erchenbald (965-991). Dieser, welcher durch die Gunst des zweiten und dritten Otto zuerst wirklich Herr in seiner Stadt wurde, war wissenschaftlich gebildet, machte selbst Verse und nahm sich eifrigst der Bibliothek an, für welche er Abschriften machen ließ. Wimpheling hat noch Aufzeichnungen aus seiner Zeit gehabt, welche später verloren sind[29]. Er ist es auch ohne Zweifel gewesen, dem der Waltharius überreicht wurde[30]. Zur Zeit des Abtes Burchard (958-971) berief er, wie Ekkehard erzählt, den Sanctgaller Mönch Victor, einen fähigen und gelehrten, aber unruhigen Mann von vornehmer Abkunft nach Straßburg, wo er mit Erfolg als Lehrer wirkte[31]. Nach dem Tode des Bischofs zog der in früherer Zeit geblendete Victor sich als Eremit in die Einsamkeit zurück. Erchenbald aber hat auch selbst einige Verse über seine Vorfahren im Bisthum verfaßt[32]. Andererseits wirkte auch Frankreich auf Straßburg ein; auch Constantius, der berühmte Scholaster von Luxeuil, hat hier gelehrt[33].

Aus der Klosterschule von St. Gallen aber, wo ein großer Theil der jungen vornehmen, zu hohen Kirchenämtern bestimmten Geistlichkeit erzogen wurde, ging auch der ausgezeichnetste Bischof hervor, den Alamannien in der Ottonischen Zeit besessen hat, Udalrich aus dem Hause der Grafen von Dilingen[34], der von 924-973 dem Sprengel von Augsburg vorstand und ein segensreiches Andenken hinterlassen hat[35]. Ohne Zweifel würde er hier eine reiche Entfaltung geistiger Thätigkeit hervorgerufen haben, wenn nicht die schweren Zeiten, welche Ludolfs Aufstand und der Ungernkrieg über Stadt und Sprengel brachten, seine Wirksamkeit gehemmt hätten. Die Folgen dieser Ereignisse sind gewiß noch lange fühlbar gewesen; doch finden wir zu Bischof Liutolds Zeit (989-996) in einem Briefe des Wigo von Feuchtwangen[36] den blühenden Zustand der Augsburger Schule gerühmt, und zugleich zeigen uns diese zufällig erhaltenen Briefe ein lebhaftes litterarisches Streben in dem Kloster Feuchtwangen, im nördlichsten Winkel des Augsburger Bisthums. Wir dürfen daraus wohl den Schluß ziehen, daß noch an vielen Orten eifrig gelehrt und gelernt wurde, ohne daß uns eine Nachricht aufbewahrt ist, daß auch vieles geschrieben worden ist, was später unbeachtet zu Grunde ging. Ueber S. Ulrichs segensreiche Wirksamkeit aber ist uns glücklicherweise ein reichhaltiger und vortrefflicher Bericht zugekommen, dessen Verfasser, der Priester Gerhard, ein jüngerer Zeitgenosse des Bischofs, zugleich durch seine gute Schreibart und Darstellung den gesegneten Erfolg von Udalrichs Bestrebungen bezeugt. Die außerordentlich angesehene Stellung dieses Bischofs, sein Einfluß bei Hofe, die mannhafte Vertheidigung seiner Stadt und seines Sprengels gegen die Aufrührer und gegen die Ungern geben seiner Biographie eine besondere Wichtigkeit und stellen sie dem Leben des Erzbischofs Brun zur Seite; doch ist die Sprache sehr gesucht und oft ganz fehlerhaft, griechische und deutsche Worte werden eingemischt. Auch die Zeit seines Nachfolgers Heinrich (973-982) zog Gerhard in seine Darstellung[37]. Liutold oder Ludolf bewirkte 993 die Canonisation S. Ulrichs, das erste Beispiel eines solchen Actes, und von da an wurde das Leben desselben immer von neuem, später auch in deutscher Sprache überarbeitet; schon Bischof Gebhard (996-999), früher Abt von Ellwangen, dem die Zeitgenossen hohes Lob zollen, machte den Anfang damit, aber geschichtlichen Werth hat nur das ursprüngliche Werk. Lehrreich sind diese Bearbeitungen nur, insofern man darin recht deutlich sehen kann, wie das geschichtliche Element sich immer mehr verliert und dafür der rhetorische Schmuck, die herkömmlichen Phrasen überhand nehmen, bis nur noch eine gewöhnliche mit Wundern überladene Legende übrig bleibt[38].

§ 9. Baiern. [←]

Ein Geschichtswerk aus Baiern ist uns aus diesem Zeitraume nicht aufbewahrt, wohl aber mögen manche Aufzeichnungen vorhanden gewesen sein, welche für uns verloren sind, wie die Salzburger Annalen von 835 an, und Regensburger Annalen, von denen Spuren sich in späteren Werken nachweisen lassen[1]. Doch hatte auch gerade dieses Land besonders schwer durch die Verheerungen der Ungern gelitten; manches blühende Kloster war zerstört, andere durch Herzog Arnulfs Säcularisationen kaum minder hart getroffen, und erst allmählich begann eine neue Entwickelung und wissenschaftliche Thätigkeit.

In Regensburg starb am 23. Sept. 972 der Bischof Michael, der in seinem Epitaphium[2] sehr gepriesen wird. Als sein Nachfolger wirkte bis 994 der treffliche Bischof Wolfgang, ein Schwabe von Geburt, der zuerst in Reichenau die Schule besucht hatte, wo er mit Heinrich, des Bischofs Poppo von Würzburg Bruder, Freundschaft schloß und ihn nach Würzburg begleitete, um die Vorträge des italienischen Grammatikers Stephan zu hören. Als 956 Heinrich Erzbischof von Trier wurde, mußte Wolfgang ihm auch dahin folgen, und theils als Lehrer, theils als Decan für die Herstellung der Zucht thätig sein. Allein nach Heinrichs frühem Tode 964 ließ er sich durch nichts, auch nicht durch die Bemühungen des Cölner Erzbischofs Brun, ihn zu gewinnen, abhalten seinem Herzenswunsch zu folgen und im Kloster Einsiedeln Mönch zu werden. Dann trieb es ihn, den Ungern das Evangelium zu predigen; hier aber trat ihm Bischof Piligrim von Passau entgegen und bewirkte seine Erhebung zum Bischof von Regensburg, wo er nun zu thätigem Wirken in der Welt gezwungen war und sich auch auf diesem Felde ausgezeichnet bewährte. Er hat einen Biographen gefunden, aber nicht in Baiern, sondern in Franken, und auch diese Schrift ist uns leider verloren; nur in der späteren Bearbeitung von Otloh sind Fragmente davon erhalten[3]. Wolfgang war der Erzieher Kaiser Heinrichs II, und auch Poppo, Markgraf Liutpolds Sohn, der 1016 Erzbischof von Trier wurde, war in Regensburg erzogen[4]. Auch Tagino, 1004 bis 1012 Erzbischof von Magdeburg, war vorher Vitzthum der Regensburger Kirche, ein Zögling Wolfgangs und von ihm zu seinem Nachfolger bestimmt, aber damals vom Kaiser nicht bestätigt[5]. Balderich, nach ihm Vitzthum, wurde 1008 Bischof von Lüttich.

Vorzüglich machte Wolfgang sich verdient durch die Herstellung des altberühmten Stiftes zu St. Emmeram, welches ganz unter der Herrschaft der Bischöfe gewesen war; jetzt zuerst erhielt es durch ihn einen eigenen Abt an Ramwold, den er aus St. Maximin berief, und der mit Ernst und Eifer die klösterliche Zucht herstellte[6]. Er brachte Reliquien mit[7], besorgte für seine Mönche eine Abschrift oder Bearbeitung der Homiliensammlung des Paulus Diaconus[8], und legte ein Güterverzeichniss an, wovon sich nur die Vorrede mit frommen Ermahnungen erhalten hat[9]. Doch hatte auch schon 961 Otto I in einer Urkunde die Frömmigkeit und die Studien der Mönche rühmen können[10]. Ramwold erlangte, nachdem er eine neue Kirche erbaut hatte, vom Abt Winidhar von Ellwangen (978-987) Reliquien der h. Gemini[11]. Er war es auch, der durch Aribo und Adalpert den herrlichen 870 für Karl den Kahlen geschriebenen Evangeliencodex herstellen ließ[12], der durch Kaiser Arnulf aus Saint-Denis dorthin gekommen war, und zu der romanhaften Translatio S. Dionysii den Anlaß gegeben hat. In diesem Kloster hat sich in einer Handschrift ein merkwürdiges Bruchstück über den Herzog Arnulf erhalten, merkwürdig sowohl als vereinzelte Spur verlorener geschichtlicher Aufzeichnungen, als auch durch den heftigen Widerwillen gegen den Sachsenkönig, welcher sich darin ausspricht, und die Verherrlichung des tapferen Herzogs, auf den in späterer Zeit die Geistlichkeit so übel zu sprechen war. Das Fragment ist in Regensburg geschrieben und zwar noch zu Lebzeiten des Herzogs (921-937) oder doch sehr bald nach seinem Tode[13].

In St. Emmeram war Gozpert Mönch geworden, nachdem er in der Augsburger Kirche von früher Jugend an seine Ausbildung erhalten hatte; 982 wurde er (nach Hartwich, oben S. 364) Abt von Tegernsee und veranlaßte hier zu eifriger Beschäftigung mit dem klassischen Alterthume. Statius, Persius, Horaz, Cicero's Briefe, Boethius wurden gelesen und abgeschrieben; natürlich auch Priscian, aus dem man hier wie überall die lateinische Grammatik lernte. Boethius Schrift vom Troste der Philosophie schrieb Froumund in Cöln ab und sandte sie nach Tegernsee[14]; Glossen zum Priscian in Feuchtwangen und im Pantaleonkloster[15]. Dieser Froumund war Scholaster in Tegernsee und sammelte in einer noch erhaltenen Handschrift eigene und fremde Briefe und Gedichte; daraus allein ist uns dieses eifrige Studium in Tegernsee und die lebhafte Verbindung mit den gleich strebsamen Mönchen und Clerikern in St. Emmeram, Feuchtwangen, Augsburg, Würzburg bekannt geworden[16]. Der gezierte und mit Gelehrsamkeit prunkende Stil der Zeit, auf den die italienischen Grammatiker eingewirkt haben mögen, findet sich auch hier in vollem Maaße. Als feingebildeter Bibliothekar in St. Emmeram erscheint hier Reginbald[17].

Schon früher, noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts lehrte, vielleicht in Wessobrunn[18], ein sehr gelehrter Mönch, Meister Benedict, die Grammatik; ihm übergab S. Ulrich seinen Neffen Adalbero zur Erziehung.

In Salzburg lehrte ein hochgefeierter Mönch aus St. Gallen, Chunibert, den Herzog Berthold (938-947 oder 948) sich vom Abt Kralo (942-948) erbeten hatte; doch meldet davon nur der Sanctgaller Ekkehard, welcher irrig den Herzog Heinrich nennt. Als Abt von Nieder-Altaich, und zwar zu Herzog Bertholds Zeit, kennt ihn aber auch Hermann von Altaich[19]. Etwas später, unter Erzbischof Friedrich (954-990), versammelte in Salzburg ein gewisser Liudfrit zahlreiche Schüler[20], und Erzbischof Günther (ord. 1024 Jan. 26, † 1025 Nov. 1) hatte seine gelehrte Ausbildung unter Bischof Notker von Lüttich erhalten[21]. Im Jahre 987 war auch hier das altehrwürdige Stift zu St. Peter durch Erzbischof Friedrich vom Dom getrennt und als selbständiges Kloster erhielt es einen Abt Tito, der bis dahin Domprobst gewesen war. Sein Name findet sich im Necrologium von St. Emmeram als der dortigen Congregation angehörig; vielleicht machte er da sein Noviziat[22]. Die Verse des Abtes Gerhard von Seon wurden schon oben S. 319 erwähnt. In Benedictbeuren erhielt im Anfange des elften Jahrhunderts der Probst Adalbero wegen seiner eifrigen Studien den Beinamen des Bücherfasses[23]. In Freising ließ Bischof Abraham[24], von 957-994, vielleicht 993, fleißig Bücher abschreiben, auch in weiter Ferne. Sein Caplan, später Erzcaplan Gotschalk besorgte ihm Abschriften in Metz und in Toul; dann folgte er ihm bis 1006 selbst als Bischof, und nun war es der Schulmeister Antrich, welcher mit seinen Schülern für ihn thätig war[25]. Aus Tegernsee wandte man sich an ihn, um ein Exemplar der Historia tripertita zur Abschrift zu erhalten[26]. Geschichtliche Aufzeichnungen fehlen aber leider gänzlich; nur ein Martyrologium mit nekrologischen Notizen hat sich aus Abrahams Zeit erhalten[27].

Jener Chunibert aus St. Gallen ist, wie erwähnt, auch in Nieder-Altaich Abt gewesen, aber bald wieder fortgegangen; später hausten hier nach dem Verfall der klösterlichen Zucht Canoniker. Unter ihnen war ein alter Priester, Namens Udalgis, der sich als Lehrer großen Ruhm erwarb. Vornehme Jünglinge wurden ihm gern anvertraut, um sich hier in freierer Weise ohne die strengere Ordensregel in den Wissenschaften auszubilden, und mehrere Bischöfe sind aus seiner Schule hervorgegangen[28]. Der berühmteste unter seinen Schülern aber ist Godehard (geb. 961), der in Salzburg seine Studien fortsetzte, die gesunkene Klosterzucht in mehreren Klöstern wieder herstellte und auch Altaich zu neuer Blüthe erhob, nachdem dort im Jahre 990 wieder ein Schwabe, Erchembert, nach Benedicts Regel zum Abt erwählt war.

Aus der Altaicher Schule kam auch Piligrim, ein Neffe des Erzbischofs Friedrich, aus vornehmer Familie, welcher 971 in Passau auf Adalbert folgte, wo er am 22. Mai 991 gestorben ist. Für Passau eröffneten sich nach der Ueberwältigung der heidnischen Ungern große Aussichten; schon Adalbert hatte sich einen Bischof von Lorch genannt, wovon man in der Vita Severini las, Laurentius trat als Schutzpatron dem h. Stephan zur Seite, und dem viel jüngeren Salzburg gegenüber glaubte Pilgrim, der sich ebenfalls Bischof von Lorch nannte, die Errichtung, oder wie er es darstellte, die Herstellung eines Erzbisthums Lorch erreichen zu können. Auch Fälschungen scheute er zu diesem Zwecke nicht, doch blieben seine Bestrebungen erfolglos[29]. Pilgrims Name aber blieb gefeiert in Passau und ist sogar in die Nibelungensage gekommen, über welche er zuerst ein lateinisches Epos durch seinen Sänger Conrad dichten ließ.

In Eichstedt ließ Bischof Starchand (933-966), ein Freund Ulrichs von Augsburg, viele Bücher abschreiben und verfaßte selbst Gebete; sein Nachfolger Reginold (bis 989) wird wegen seiner Beredsamkeit Chrysostomus genannt; er verstand griechisch und hebräisch, besonders aber war er ein großer Musiker und soll zur Uebertragung des h. Willibald ein gar schönes Gedicht verfertigt haben, auch Wunnibald und Blasius hat er besungen[30].

Bei einer so lebhaften litterarischen Thätigkeit kann es auch an geschichtlichen Aufzeichnungen nicht ganz gefehlt haben; viel ist jedoch nicht vorhanden gewesen, da wir sonst doch bei den späteren Schriftstellern Spuren davon antreffen müßten, und größere Geschichtswerke scheinen hier nicht entstanden zu sein. Jene grammatisch-philosophische Bildung, welche vielfach hochgeschätzt und eifrig erstrebt wurde, befördert durch Italiener wie Gunzo und Stephan, führte zur Geschichtschreibung nur, insofern sie zu dem erforderlichen Bildungsgrade verhalf; eine unmittelbare Beziehung zur Geschichte hatte sie nicht und leitete eher ab von der Beschäftigung mit der eigenen einheimischen Vorzeit, wie wir denn auch gesehen haben, daß die Hauptpunkte dieser gelehrten Studien, wie Reichenau, St. Gallen, Lüttich, keineswegs auch die productivsten für Geschichtswerke waren.

§ 10. Frankreich. Reims. [←]

An gelehrter Thätigkeit hat es in dieser Periode in Frankreich nicht gefehlt; trotz aller Verheerungen und Unglücksfälle erhielt sich ein bedeutender Grad von Bildung, der sich durch eine große Anzahl von Lehrern, Scholastern fortpflanzte. Diese waren in Frankreich wie in Deutschland wohl alle von geistlichem Stande; es scheint jedoch, daß sie dort nicht so allgemein wie hier bestimmten Stiftern angehörten, sondern mehr nach italienischer Weise in unabhängiger Stellung Schüler um sich sammelten. Ihre ganze Richtung ging vorherrschend auf Grammatik, Dialektik und Rhetorik, und trug daher ebenso wenig Frucht für die Geschichte, wie die verwandten Bestrebungen in deutschen Klöstern.

In Reims waren die beiden Schulen der Domherren und der Landgeistlichkeit nach Flodoards Angabe (IV, 9) gänzlich verfallen, als Hinkmars Nachfolger Fulko (882-900) zu ihrer Herstellung zwei Schüler Heirichs von Auxerre[1] berief, Meister Remigius von Auxerre, der die jungen Cleriker in den freien Künsten unterwies, während der Erzbischof selbst mit ihnen Theologie trieb, und Hucbald den Kahlkopf von St. Amand. Dieser war ein Mönch in jenem merkwürdigen Kloster, welches auf der Grenzscheide beider Sprachen im Hennegau gelegen, uns zugleich das deutsche Ludwigslied und das älteste Denkmal französischer Dichtung aufbewahrt hat[2]. Ein Neffe und Schüler des Milo, der zu Karls des Kahlen Zeit als Schriftsteller gefeiert war[3], übersandte er diesem um 876 seines Oheims Werk de sobrietate mit einer poetischen Widmung[4] und ließ bald ein eigenes ebenso künstliches wie geschmackloses Gedicht in laudem calvorum folgen, in welchem jedes Wort mit C anfängt[5]. Nachdem Fulko, Abt von St. Bertin, zum Erzbischof von Reims erhoben war, erbat dessen Nachfolger Rodulf ihn vom Abt Gauscelin von St. Amand, um seine mangelhaften Schulkenntnisse zu ergänzen[6]; bald nachher aber muß er jenem Rufe nach Reims gefolgt sein, wo er eine Zeit lang als Lehrer wirkte, bis sein Gönner Fulko starb. Heimgekehrt, hat er außer anderen erbaulichen Schriften 907 ein Leben der h. Rictrudis, der ersten Aebtissin von Marchiennes, verfaßt, welches er dem Bischof Stephan von Lüttich übersandte[7] und, wenn die Vermuthung des Herausgebers richtig ist, auf Veranlassung desselben Bischofs, die metrische Vita S. Lamberti, worin zuerst die von den früheren Biographen verschwiegene Ursache seiner Ermordung berührt wird[8]. Außerdem verfaßte er ein Leben des angelsächsischen Glaubensboten Liafwin, welches besonders durch die Erwähnung der altsächsischen Landesversammlung sehr merkwürdig ist[9]. Dieses in Anlehnung an Altfrids Leben Liudgers mit großer Belesenheit und sorgsamem Fleiße ausgearbeitete Werk widmete er dem Bischof Balderich von Utrecht, und theilte es außerdem dem Archidiaconus Peter von Cambrai und Odilo, dem Mönch von St. Medardus, zur Prüfung mit. Neunzigjährig soll er 930 gestorben sein. Um sein Kloster machte er sich auch dadurch verdient, daß er die Gebeine des von seinem Vater Karl dem Kahlen geblendeten und um 876 verstorbenen Karlmann von Echternach nach Saint-Amand brachte, was in einem Epitaph auf seine und Milo's gemeinsame Grabstätte berichtet wird[10].

Reims war in diesem Jahrhundert auch der Mittelpunkt der französischen Politik und namentlich für die lothringischen Händel von der größten Bedeutung. Hier konnte man unmöglich ohne geschichtliche Aufzeichnungen auskommen; hier bedurfte man anderer Werke als rhetorisch ausgeschmückter Legenden, und Hinkmar selbst hatte das beste Beispiel gegeben. Er fand einen Nachfolger an Flodoard (894-966), der als Archivar der Kirche sowohl, wie durch seine sehr angesehene Stellung ganz besonders zu dieser Aufgabe befähigt war. Begonnen hatte auch er in derselben Weise wie so viele seiner Zeitgenossen. Unter Pabst Leo VII (936-939) besuchte er Rom, wo er vom Pabste sehr gut aufgenommen wurde, und als Denkmal seiner Frömmigkeit, seiner umfassenden Gelehrsamkeit und seiner Dankbarkeit verfaßte er in leidlichen Hexametern ein gewaltiges Werk, dessen erste zwei Theile die Thaten Christi und der ersten Heiligen in Palästina und Antiochien feiern, während der dritte in 14 Büchern die Geschichte der römischen Päbste in Verse bringt, verbunden mit zahlreichen Legenden der Heiligen. Noch bei Lebzeiten seines Gönners Leo VII hat er die Arbeit vollendet, welche er dem Erzbischof Rotbert von Trier widmete[11]; der letzte Theil derselben ist nicht ohne geschichtlichen Werth[12]. Derselbe Erzbischof von Trier war es auch, der zur Zeit des Concils von Ingelheim Flodoard dringend aufforderte und mahnte, die Geschichte der Reimser Kirche[13] zu schreiben, mit welcher Flodoard noch 952 beschäftigt gewesen ist. Schon in jenem Gedicht hat Flodoard auch urkundliche Nachrichten der Reimser Kirche benutzt, deren Beziehungen zum päbstlichen Stuhl sorgfältig hervorgehoben werden. Das sind die Anfänge der Studien, aus welchen diese bis 948 geführte Geschichte der Reimser Kirche hervorging, ein Werk, in welchem die Rücksicht auf die Form ganz zurücktritt gegen die Vollständigkeit und Zuverlässigkeit des Inhalts, denn diese Geschichte ist eine urkundliche in so hohem Grade, daß sie für die Zeit der Erzbischöfe Hinkmar und Fulko großentheils geradezu aus Regesten der wichtigsten Urkunden, besonders päbstlicher Schreiben besteht. Auch für die frühere Zeit lag ihm noch einiges urkundliche Material vor, vorzüglich war er hier jedoch auf Hinkmars Vita Remigii und einige andere Legenden angewiesen; Wundergeschichten erzählt er gerne und mit großer Gläubigkeit. Die Verarbeitung des Stoffes muß man als mangelhaft bezeichnen; sie läßt sich oft ganz vermissen, aber der materielle Werth seines Werkes ist dadurch um so größer für uns. Derjenige Theil desselben, welcher die Geschichte seiner Zeit behandelt, findet sich großentheils wiederholt in seinem zweiten Hauptwerke, den Annalen, welche von 919-966 reichen[14]. Doch hatte er diese, wie G. Monod (Revue Crit, 1873, II, 263) nachgewiesen hat, schon früher mit den Ereignissen gleichzeitig begonnen und darin Rücksichten zu nehmen gehabt, welche für die Historia Remensis nicht mehr nothwendig waren; er unterbrach sie, um die Historia zu schreiben, und nur der Bericht über 948 scheint dann umgekehrt wieder aus der Historia in die Annalen herübergenommen zu sein. Ob der Anfang der Annalen verloren ist, ob ein anderes Werk vorhanden war, welches die Geschichte bis zum Jahre 919 führte, ist unbekannt; unmöglich wäre es ja nicht, daß der Anfang frühzeitig zu Grunde gegangen wäre, und ohne die Annahme einer bis dahin reichenden Aufzeichnung ist gerade dieser Anfangspunkt unbegreiflich. Sicher aber ist, daß auch Richer nicht mehr Hülfsmittel für die Zeit von 882 an, wo Hinkmars Jahrbücher aufhören, vor sich hatte; nicht einmal die Annalen von St. Vaast waren ihm bekannt. Für jenen Zeitraum nun berichtet Flodoard mit der größten Treue Jahr für Jahr die Ereignisse, wie er sie erfuhr, grosse und kleine, ohne auf ihren inneren Zusammenhang einzugehen, in derselben objectiven Weise, die wir schon bei anderen ähnlichen Werken bezeichneten, in einfacher ungesuchter Sprache. Was ihn aber auszeichnet, ist die Fülle seiner Nachrichten, nicht über Frankreich allein, sondern auch über Lothringen und das ostfränkische Reich, mit dem er manche Berührung hatte, und ferner seine fleckenlose Wahrheitsliebe und Zuverlässigkeit. Er war in höherem Alter in das Kloster Saint-Basle eingetreten, wo 952 wieder Mönche anstatt der Canoniker eingeführt wurden und legte 963 die Prälatur, wie er sagt, siebenzigjährig nieder. Drei Jahre später ist er gestorben, und fast bis an den Tag seines Todes hat er das Werk fortgesetzt, dann ist noch ein Zusatz über die Jahre von 976-978 nachgetragen worden: darauf aber verging lange Zeit, bevor sich ein Nachfolger fand. In den politischen Wirren, von welchen auch die Metropole, lange Zeit ein Zankapfel der Parteien, viel zu leiden hatte, gingen Zucht und Lehre fast zu Grunde, bis der Beginn einer besseren Zeit in dem nahen Lothringen auch hierher seine Einwirkung erstreckte. Zwei Metzer Domherren, welche nacheinander auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben wurden, Odelrich, 961-969, und besonders Adalbero von 969-988, ein Zögling der Klosterschule zu Gorze[15], stellten die Ordnung wieder her, und bald zog der neu erwachte Glanz der Reimser Schule Schaaren lernbegieriger Jünglinge zu der alten Kathedrale.

Bald nach Flodoards Tod, um das Jahr 967, hatte ein junger Mönch, Gerbert, das Kloster Aurillac in der Auvergne verlassen, um in der spanischen Mark Lehrer aufzusuchen, welche namentlich seiner Liebe zu mathematischen Studien genügten. Im Jahre 970 folgte er dem Grafen von Barcelona und dem Bischof Hatto von Vich, seinem Lehrer, nach Rom und wurde hier bereits als ein ausgezeichnet begabter Jüngling vom Pabste dem Kaiser Otto zugesandt. Noch fehlte es ihm aber an philosophischer Ausbildung, und deshalb begleitete er den Reimser Archidiaconus Garamnus[16], einen berühmten Lehrer der Logik, nach Reims, wo er einige Zeit seine Studien fortsetzte, bald aber selbst als Lehrer einen außerordentlichen Ruf gewann[17]. Ganz Gallien, sagt Richer, erglänzte von ihm durchleuchtet, wie von einem strahlenden Lichte. Nachdem er sich später einige Zeit bei Otto II aufgehalten und von ihm die Abtei Bobio erhalten hatte, die er nicht behaupten konnte, kehrte er zurück[18], und nahm während der Minderjährigkeit Otto's III in Reims eine sehr bedeutende politische Stellung ein. Diese Periode ist es besonders, über welche uns seine Briefsammlung die wichtigsten Aufschlüsse giebt, obgleich viele der darin enthaltenen Anspielungen uns jetzt unverständlich sind, und durch die absichtliche Dunkelheit der Schreibart die Benutzung sehr erschwert wird[19]. Als später (991) der Erzbischof Arnulf von Reims entsetzt und Gerbert sein Nachfolger wurde, zeichnete dieser selbst die Verhandlungen der Synoden zu St. Basle, Mouson und Coucy auf, welche durch diese Verhältnisse veranlaßt wurden[20], und die außerordentliche Klarheit, Schärfe und Gediegenheit der Darstellung, sowie die Meisterschaft im Ausdruck lassen uns sehr bedauern, daß er uns außerdem keine Werke geschichtlichen Inhaltes hinterlassen hat. Besonders merkwürdig sind die Acten der Synode von St. Basle durch die heftige und rücksichtslose Opposition gegen den römischen Stuhl, welche sich darin ausspricht, und die eine nicht minder heftige und charakteristische Entgegnung von Seiten des römischen Abtes Leo hervorrief[21].

Hat aber Gerbert nicht selbst Geschichte geschrieben, so veranlaßte er doch, daß nach langer Unterbrechung in Reims diese Thätigkeit wieder aufgenommen wurde. Er beauftragte damit einen seiner Schüler, den Richer, einen Mönch von Saint-Remi[22], der sich mit nicht gewöhnlichem Eifer dem Studium der alten Lateiner und der Philosophie, der Medicin und der Mathematik hingab. Von seinen Vorgängern wich Richer ab, indem er die schlichte annalistische Form verließ; ihm schwebte das höhere Ziel einer künstlerisch durchgebildeten und das innere Wesen der Dinge erfassenden Geschichtschreibung vor. Nachdem er die Widmung an Gerbert und den Anfang seines Werkes (bis II, 78) geschrieben, scheint eine Unterbrechung eingetreten zu sein, worauf er, bevor noch 997 König Robert sich von Gerbert abwandte, diesen Anfang noch einmal überarbeitete und bis zum Jahre 995 fortführte; einige kurze Notizen über die folgenden Jahre auf dem letzten Blatte seiner Handschrift, in welchen die veränderte Stimmung gegen den König sich deutlich zeigt, deuten die Absicht einer weiteren Fortsetzung an, zu welcher er aber, vielleicht durch Gerberts Absetzung (998) verhindert, nicht mehr gekommen ist. Nach Monod's Vermuthung hat er ihn zum Kaiserhof begleitet[23].

Zum Ausgangspunkte seines Werkes nahm Richer nach einer kurzen Einleitung das Ende von Hinkmars Werk (882); er versuchte es, die Lücke zwischen diesem Zeitpunkte und Flodoards Annalen (919) auszufüllen, was aber nur sehr unvollkommen gelingen konnte, weil es ihm offenbar an schriftlichen Denkmälern über diese Periode, außer Flodoards Geschichte von Reims, fast gänzlich fehlte. Er hatte, vermuthlich in Chartres, wohin ihn das Studium der Medicin führte, sagenhafte Nachrichten über die Herkunft des Grafenhauses von Blois erfahren[24], und sonst noch einige Notizen, welche er mit äußerster chronologischer Verwirrung ganz willkürlich in Verbindung brachte; wie sehr ihm jede Entstellung zuzuschreiben ist, zeigt der folgende Abschnitt, wo Flodoards Annalen seine Quelle sind, nebst einigen ungeschickt eingeschobenen Stellen der Geschichte von Reims[25]. Wo diese enden, (966), erreicht er die Zeit, welche er schon selbst mit durchlebt hatte, und je mehr er sich der Gegenwart näherte, desto mehr hatte er Ereignisse zu berühren, deren Mittelpunkt großentheils der erzbischöfliche Stuhl von Reims gebildet hatte. Hier konnte es ihm, der im Auftrage Gerberts seine Geschichte schrieb, an zuverlässiger Kunde nicht fehlen; für die frühere Zeit kam es ihm auch zu statten, daß sein Vater Rudolf ein Dienstmann König Ludwigs IV gewesen war, dessen Gunst er sich durch seine Tapferkeit und Klugheit erworben hatte.

Aeußerlich war also Richer für diese Zeit vortrefflich ausgerüstet, um ein Geschichtswerk von nicht gewöhnlichem Werthe zu schreiben, aber leider fehlte es ihm gänzlich an der inneren Befähigung. Es fehlte ihm vor allen Dingen ganz an geschichtlichem Sinn. Nicht die Thatsachen, nicht die Wahrheit sind ihm das wesentliche, sondern mehr noch die Form der Darstellung. Das Studium der Alten, vorzüglich des sehr stark von ihm benutzten Sallust[26], führte ihn, wie wir das im Mittelalter nur zu häufig wahrnehmen, bloß zu dem Bestreben, in der äußeren Form ihnen nachzueifern, namentlich erdichtete Reden den handelnden Personen in den Mund zu legen und alterthümliche Benennungen anzuwenden, wo sie nicht an ihrem Orte sind, nämlich für die eigenthümlichen Zustände und Verhältnisse der Gegenwart. Bei Richer aber geht das Streben nach rhetorischem Schmucke so weit, daß die Darstellung der Thatsachen dadurch wesentlich beeinträchtigt wird. Schilderungen von Schlachten und Belagerungen, sowie besonders auch von Krankheiten, bei denen er seine medicinische Gelehrsamkeit zur Schau trägt, wiederholen sich in übertriebener Weitschweifigkeit, und bei genauerer Untersuchung findet man bald, daß der Verfasser sich hier nicht selten ganz seiner Phantasie überläßt. Dieses führt uns auf den zweiten großen Fehler Richers, nämlich seinen Mangel an Wahrhaftigkeit und Genauigkeit. Eine unbefangene Darstellung darf man bei seinem Standpunkte überhaupt nicht erwarten, aber auch da, wo keine Parteirücksichten ihn verleiteten, begeht er die größten Fehler, welche besonders deutlich hervortreten, wo wir seine Quelle, die Annalen Flodoards, zur Vergleichung bei der Hand haben. Flüchtig und ungenau erscheint er da im höchsten Grade. Tritt nun aber gar noch ein bestimmter Beweggrund hinzu, von der Wahrheit abzuweichen, so sehen wir ihn jedem Antrieb der Art folgen; er übertreibt und vergrößert, was er bei Flodoard vorfindet, aber er geht auch so weit, sein eigenes Werk zu verfälschen, um eine krankhafte nationale Eitelkeit zu befriedigen. Ein besonders günstiges Geschick hat uns seine eigene Handschrift aufbewahrt, und diese zeigt uns, wie er im ersten Buche das, was er früher geschrieben hatte, verändert hat, um anstatt Giselberts und der Lothringer den König Heinrich und die Deutschen dem westfränkischen Könige unterworfen erscheinen zu lassen. Doch bleibt es zweifelhaft, ob hier wirklich eine absichtliche Entstellung anzunehmen ist, oder ob er sich selbst durch seine ganz falsche Auffassung der älteren Geschichte irre leiten ließ; gewonnen wird aber für ihn auch dadurch nicht viel, wenn man annimmt, er habe einer oberflächlichen Theorie zu Liebe die überkommenen Thatsachen willkürlich verändert[27].

Als Historiker können wir demnach Richer unmöglich hoch stellen; so sehr er im einzelnen nach rhetorischem Schmucke strebt, so wenig ist er doch auf ein richtiges Verhältniß der Theile bedacht gewesen, und es wird durch ganz zufällige Umstände bestimmt, wo er auf alle Einzelheiten mit größter Ausführlichkeit eingeht, oder wiederum wichtige Ereignisse nur leicht berührt oder ganz übergeht. Dazu ist seine Sprache gesucht und oft durch unpassende Ausdrücke kaum verständlich, so daß wir sein Werk auch nicht in Rücksicht auf die Form loben können, wenn wir von der Wahrhaftigkeit der Darstellung absehen wollten. Demungeachtet aber hat doch Richers Buch für uns einen hohen Werth; er ist unser einziger Berichterstatter über jene hochwichtige Zeit, in welcher die Herrschaft von den Karolingern auf die Capetinger überging, und seine ausführliche Darstellung gerade dieser letzten Jahre enthält eine große Fülle wichtiger Nachrichten, die wir ihm allein verdanken, die freilich nur mit großer Behutsamkeit zu gebrauchen sind, aber doch als eine sehr wesentliche Bereicherung unserer geschichtlichen Kenntniß betrachtet werden müssen[28]. Denn bis auf unsere Tage ist Richers Werk fast ganz verborgen geblieben; nur in großen Zwischenräumen haben Ekkehard, Hugo von Flavigny, Trithemius davon Gebrauch gemacht und dadurch eine sehr unbestimmte Kunde von diesem Schriftsteller erhalten; sein Werk aber galt für verloren, bis Pertz es 1833 in Bamberg von neuem entdeckte und 1839 zum ersten Male bekannt machte[29].

Schon früher als Saint-Remi war das Kloster Fleury oder Saint-Benôit-sur-Loire durch Odo von Cluny der strengeren Zucht unterworfen worden; von hier hatte St. Remi seinen ersten Abt Hinkmar erhalten. In Fleury wurde 988 Abbo Abt, der, in der Klosterschule ausgebildet, schon als Lehrer gewirkt hatte, als er sich noch nach Paris und Reims zu weiteren Studien begab. In der Astronomie machte er Fortschritte, fand aber übrigens seine Erwartungen nicht befriedigt. In Orléans vervollkommnete er sich in der Musik, und übernahm dann eine Mission nach England, wo Erzbischof Dunstan die klösterliche Zucht herstellte. Heimgekehrt, gewann er als Abt eine große Wirksamkeit, und übernahm auch für den König eine Gesandtschaft an den Pabst, deren er 996 in einem Briefe an den Abt Hatto III von Fulda[30] gedenkt; mit diesem, der um dieselbe Zeit einen ähnlichen Auftrag auszuführen hatte, war er in Reims bekannt geworden, und hatte einen Austausch von Reliquien mit ihm beredet. Vor dem Tode des Königs Hugo (996) verfaßte er für diesen und seinen Sohn eine Sammlung von kanonischen und anderen Aussprüchen, mit besonderer Betonung des königlichen Amtes und des den Mönchen gebührenden Schutzes[31]. Endlich wurde er 1004 in dem Priorat La Réole an der Garonne in einem Tumult der Aquitanen erschlagen. Sein Leben beschrieb Aimoin[32], ein Mönch seines Klosters, der ihn auf seiner letzten Reise begleitet hatte, mit einem Briefe an Herveus, Schatzmeister von St. Martin, der unter Abbo in Fleury gebildet, die 1001 verbrannte Martinskirche wieder herstellte. Sie wurde 1008 eingeweiht, 1012 starb Herveus[33].

Nach Fleury war aus Montecassino, während es von den Langobarden verwüstet in Trümmern lag, der Leib des heiligen Benedict entführt worden, eine Thatsache, welche freilich später von den Cassinesen hartnäckig geleugnet wurde (vgl. oben S. 306). Die Geschichte dieser Uebertragung, welche einen großen Aufschwung des Klosters zur Folge hatte, verfaßte schon im neunten Jahrhundert Adrevald oder Adalbert[34], und fügte ein Buch über die Wunder des heiligen Benedict hinzu, welches von Adelerius fortgesetzt wurde. Diesen schloss sich nun auch Aimoin an, indem er im Jahre 1005 ein zweites und drittes Buch der Wunder schrieb. Geschichtliche Nachrichten über die Könige von Frankreich kommen gelegentlich darin vor[35] und wurden, obwohl sie weder genau noch ausführlich sind, doch bei dem Mangel an anderen Quellen, besonders da auch Richers Werk nur wenig bekannt geworden war, von Späteren häufig benutzt[36].

Von zweifelhaftem Werthe ist der Bericht über die Illatio S. Benedicti, d. h. die Uebertragung in die Marienkirche, und nach der Flucht vor den Normannen 883, die Rückbringung aus Orléans an demselben 4. December, voll von Wundergeschichten, von dem Hersfelder Mönch Diederich nach längerem Aufenthalt in Fleury verfaßt für den Abt Richard von Amorbach, der von 1018 bis 1039 auch Abt von Fulda gewesen ist[37].

Die Aufzeichnung der Wunder des h. Benedict hatte Aimoin nach dem 4. Cap. seines dritten Buches abgebrochen, um auf den Wunsch seiner Klosterbrüder eine Geschichte der Aebte von Fleury zu schreiben, wovon uns nur das Leben Abbo's erhalten ist. Seine Arbeiten nahm etwas später Andreas wieder auf, indem er 1041 das Leben des Abtes Gauzlin beschrieb, Hugo Capet's Bastard, welcher auf Abbo folgte und 1030 als Erzbischof von Bourges gestorben ist[38]. Doch behielt er auch als Erzbischof die Abtei, welche 1026 abbrannte und unter seiner Leitung neu gebaut wurde. Seine Biographie enthält viele für Kunstgeschichte und Litteraturgeschichte wichtige Nachrichten; auch von dem gefeierten Scholasticus Constantin, dem Freund Gerberts, erfahren wir hier, daß er von dem Bischof Arnulf von Orléans die Abtei Saint-Mesmin de Micy erhalten hat[39]. Die Mirakel aber führte Andreas, häufig sich selbst wiederholend, fort bis 1043; von anderer Hand sind nach 1056 Zusätze dazu gemacht[40]. Endlich hat noch Radulfus Tortarius, geb. 1063, ein fruchtbarer Dichter[41], die Mirakel bis 1114 fortgeführt und das ganze Werk in Verse gebracht; den Schluß bilden einige Aufzeichnungen von Hugo de Sancta Maria.

Doch von Aimoin haben wir noch ein Werk anzuführen.

Noch bei Lebzeiten Abbo's verfaßt und diesem gewidmet ist ein früheres Werk von ihm, eine Geschichte der Franken, welche bis zur Thronbesteigung Pippins reichen sollte, die aber unvollendet blieb und nur bis in die Mitte des siebenten Jahrhunderts geführt ist[42]. Selbständigen Werth hat sie deshalb durchaus nicht; sie gleicht vielmehr den damals so häufigen Ueberarbeitungen alter Legenden, und ist wie diese mehr eine sprachliche und formale als eine geschichtliche Leistung. Eine später im Kloster St. Germain-des-Prés hinzugefügte Fortsetzung bis 1040 ist aus bekannten Quellen zusammengesetzt, mit einigen Zusätzen über die Geschichte des Klosters; eine weitere Fortsetzung reicht bis 1165.

Schon frühzeitig, seit dem Anfange des neunten Jahrhunderts, wurden Annalen im Kloster der heiligen Columba zu Sens geschrieben[43], und mit Hülfe derselben in einer uns nicht erhaltenen ausführlicheren Gestalt bis 956 verfaßte ein unbekannter Geistlicher eine etwas ausführlichere, aber doch immer sehr magere Chronik des westfränkischen Reiches von der Schlacht bei Tertry, mit besonderer Beziehung auf das Erzbisthum Sens, bis zum Ende des Jahrhunderts nach mündlicher Ueberlieferung und persönlicher Erinnerung fortschreitend; wichtig ist dagegen wieder der von einem Zeitgenossen herrührende Theil von 1000 bis 1015[44]. Dieses Werk wurde nicht nur in der wenig späteren Chronik des Odorannus von Sens[45], sondern auch von Hugo von Fleury und Anderen viel benutzt, von Ordericus Vitalis vollständig in sein Werk aufgenommen[46].

Von grösserem Werthe, aber der deutschen Geschichte und unserer Aufgabe schon sehr fern liegend, ist die Chronik der Normannen von Rollo bis auf den Tod Richards I (996), von Dudo, Decan zu St. Quentin, am Anfange des elften Jahrhunderts verfaßt. Er schrieb nach mündlicher Ueberlieferung, hauptsächlich nach den Erzählungen des Grafen Rudolf von Ivri, des Bruders Herzog Richards I, und giebt uns eine wahre Volksgeschichte in reichhaltiger lebendiger, wenn auch mit viel Schönrednerei aufgeschmückter Erzählung[47]. In dieser schwülstigen Ueberladung und in der Verzierung mit inhaltlosen Versen in vielförmigen Metren nach dem Vorbild des Boethius, entspricht Dudo ganz dem Charakter der Schulen seiner Zeit, die unter Rollo's frommen Nachfolgern auch in der Normandie wieder auflebten. Schon die Ermordung des Herzogs Wilhelm Langschwert (942 Dec. 17) veranlaßte ein gleichzeitiges, ziemlich rohes Gedicht, welches Dudo's Darstellung bestätigt[48]. Bald begegneten sich am erzbischöflichen und herzoglichen Hofe, wie einst bei Karl dem Großen, Irländer und Franken in heftiger Feindschaft. Moriuth gewann die Gunst des sehr weltlichen und lebenslustigen Erzbischofs Hugo (942-989) und der Fürsten durch seine Lobverse; Warnerius dagegen, ein Mönch von Saint-Ouen, sehr gelehrt in seiner Weise, widmete sich ganz dem Dienste des Erzbischofs Robert (989-1037), Herzog Richards Sohn, und bekämpfte mit beißenden Versen den Gegner, dem er grobe Unwissenheit vorwarf[49].

Aus ähnlicher Schule war auch Dudo hervorgegangen. Seine Erzählung, ganz ohne schriftliche Quellen, ist natürlich in den Anfängen ganz sagenhaft und auch später sehr unzuverlässig, dabei normannisch ruhmredig in hohem Grade; den Charakter ihres Ursprungs verleugnet sie nirgends. Sehr eingehend ist das mit scharfer und besonnener Kritik von E. Dümmler nachgewiesen[50]; der gleichzeitige Versuch von J. Lair, von Dudo's Nachrichten für die Geschichte etwas mehr zu retten, steht dagegen sehr zurück.

Gewidmet hat Dudo sein Werk dem Bischof Adalbero von Laon (977-1030), der wegen seines politischen Verhaltens übel berüchtigt, in seinen alten Tagen (nach Mabillon um 1006) ein langes Gedicht in der Form eines Gesprächs mit König Rotbert verfaßte, worin er seinem ganzen Groll gegen Odilo und seine Cluniacenser, ihre Begünstigung durch den König und die Erhebung mönchischer und niedrig geborener Bischöfe Luft gemacht hat. Für die Kenntniß der Sitten und Zustände ist es nicht unergiebig[51].

§ 11. Cluny. [←]

Als die herrschende Richtung in den französischen Schulen im zehnten Jahrhundert trat uns jene rhetorisch-philosophische Bildung entgegen, welche auf den Lehren der alten Grammatiker beruhte und nicht auf kirchlichem Grunde erwachsen war. In scharfem Gegensatze zu diesem Treiben entfaltete sich gleichzeitig in Cluny eine streng mönchische Askese, welche das Studium des profanen Alterthums für sündlich erklärte, geistesverwandt mit der auf gleicher Grundlage ruhenden Klosterreform in Lothringen, mit welcher auch häufige Berührungen stattfanden. Die Geschichtschreibung konnte nicht gedeihen, wo man alles Irdische verachtete und verwarf, aber indem man die Tugenden der gefeierten Häupter dieser Richtung anderen zum Vorbilde aufstellte, entstanden doch Lebensbeschreibungen, welche um so wichtiger sind, je größer auch für die weltlichen Angelegenheiten damals die Bedeutung jener Männer war. Aber auch die Kenntniß dieser ganzen Richtung und namentlich die Entstehung und das Wachsthum der Cluniacenser Congregation, welche bald eine so außerordentliche politische Bedeutung gewann, ist von unmittelbarer Wichtigkeit für den Geschichtsforscher; nur ist zu bedauern, daß der legendenartige, auf Erbauung abzielende Ton der Biographieen uns gerade über diejenigen Umstände, welche geschichtlich bedeutend sind, am wenigsten Aufklärung finden läßt. Ueber das Leben des ersten Abtes Odo (927-942) besitzen wir eine Schrift seines Schülers Johannes[1]. Das Leben des Abtes Majolus (949-994) beschrieb bald nach seinem Tode, nicht ohne gute Nachrichten von ihm nahestehenden Zeitgenossen zu erhalten, in blüthenreicher salbungsvoller Rede der Mönch Syrus[2], dessen Schrift aber nach der Untersuchung von L. Traube[3] unvollendet blieb und von Aldebald aus Heirici Vita et miracula S. Germani interpoliert ist, welche Verunstaltung er in einer zweiten Bearbeitung noch vermehrte. Den echten Text des Syrus haben wir also nicht, wohl aber kannte ihn Odilo, der in seinem Elogium[4] die falschen Zuthaten des Aldebald unbeachtet gelassen zu haben scheint. Dadurch wird eine Revision der Untersuchungen von W. Schultze und Sackur nothwendig[5].

Sein Nachfolger Odilo (994-1049) fand mehrere Biographen in ähnlichem Stile[6]; er selbst verfaßte außer dem Leben des Majolus auch ein sogenanntes Epitaphium der Kaiserin Adalheid[7]. Er hat derselben sehr nahe gestanden, besonders in der letzten Zeit ihres Lebens, in welcher sie sich fast ganz frommen Uebungen und Klosterstiftungen hingab. Hierüber enthält seine Schrift viele Lobpreisungen, über ihr Leben in der Welt ist sie sehr kurz und begnügt sich mit den allgemeinsten Umrissen; nur bei den Leiden und Gefahren ihrer Gefangenschaft und Flucht verweilt Odilo etwas länger. Der geschichtliche Gewinn aus dieser Arbeit ist daher nicht bedeutend, und nur einige wenige brauchbare Nachrichten lassen sich daraus entnehmen.

§ 12. Italien. Liudprand. [←]

Liudprandi Opera ed. Pertz, MG. SS. III, 264-363 und besonderer Abdruck in Octav. Neue Ausg v. Dümmler 1877. Koepke, De vita et scriptis Liudprandi, Berol. 1842. Uebersetzt (die Antapodosis im Auszug) von Freih. v. d. Osten — Sacken, mit Einleitung von Wattenbach, Berlin 1853; 2. A. 1889, Geschichtschr. 29 (X, 2). Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 99. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. 781. Maurenbrecher S. 46-55. Peiper, Forsch. XII, 443 über einige Entlehnungen aus Boethius, nebst Emendationen. Liudprand von Cremona und seine Quellen, von C. Dändliker u. J. J. Müller, in M. Büdingers Untersuchungen zur Mittl. Gesch. I (L. 1871), über welche ich das ablehnende Urtheil E. Dümmlers, HZ. XXVI, 273 bis 281 theile. Gegenbemerkungen von Büd. XXVIII, 233-238. Fr. Koehler, Beiträge zur Textkritik L. im NA. VIII, 47-89. L. Ranke, Weltgesch. VIII, 634-655. Nicht gesehen habe ich Hantsch, Progr. d. Gymn. zu Leoben 1888, Colini Baldeschi, Liudprando, Giarre 1889.

Auch Italien beginnt in dieser Periode sich wieder zu schriftstellerischer Productivität zu erheben, und nach langer Unterbrechung erscheint hier wieder ein Geschichtschreiber, welcher den bedeutendsten seiner Zeitgenossen zur Seite tritt. Es ist Liudprand, der so den italienischen Namen wieder zu Ehren brachte. Wie Paulus Warnefrids Sohn, stammte auch er aus vornehmem langobardischen Geschlechte; auf die Römer sieht er als ganz entartet mit tiefer Verachtung herab. Aber ein Italiener ist er ganz und gar, und vollständig zeigt sich in ihm jener Charakter der dort herrschenden grammatischen Ausbildung, deren wir im vorigen Abschnitt gedachten. Auch erhielt er wie Paulus seinen Unterricht nicht in einer Klosterschule, sondern am Hofe zu Pavia, wo er früh die Aufmerksamkeit des Königs Hugo auf sich zog und durch seine schöne Stimme die Gunst desselben gewann.

Obwohl es in seinen Schriften nicht an Bibelstellen fehlt und er den Griechen mit orthodoxem Eifer entgegen tritt, so hat doch seine Gelehrsamkeit, die er nur gar zu gern zur Schau trägt, einen überwiegend weltlichen Charakter, und Horaz, Vergil, Terenz, Ovid, Juvenal, Cicero sind die Schriftsteller, deren Aussprüche ihm immer gegenwärtig sind, die er mit Vorliebe anführt[1]. Nach dem Muster des Boethius schmückt er seine Schriften gern mit Versen in vielförmigen Metren, und er zeigt darin eine solche Gewandtheit, daß man an jene früher erwähnte Aeußerung des Panegyristen Berengars erinnert wird, daß auf Verse jetzt niemand Werth lege, weil jedermann dergleichen zu machen verstehe.

Schon Liudprands Vater und Stiefvater waren als Gesandte in Constantinopel gewesen und hatten dort mancherlei Verbindungen angeknüpft, welche dann Liudprand, als eine Sendung des Königs Berengar, dessen Kanzler (V, 30) er geworden war, ihn 949 nach Byzanz führte[2], erneute und benutzte, um sich nicht nur mit der griechischen Sprache, sondern auch mit der Geschichte und den Einrichtungen des Reiches bekannt zu machen. Später hat er sich mit Berengar und mehr noch mit der Königin Willa erzürnt; er suchte und fand eine Zuflucht am Hofe des Königs Otto, und hier traf er im Februar 956 zusammen mit dem spanischen Bischof Recemund von Elvira[3], der ihn aufforderte, ein Werk über die Geschichte seiner Zeit zu verfassen. Zwei Jahre später 958 machte sich Liudprand wirklich an die Arbeit in Frankfurt, und ungeachtet eines vielbewegten Lebens und mancher Unterbrechungen arbeitete er daran fort bis zum Jahre 962, auch noch, als Otto schon zum Kaiser gekrönt war und ihn zum Bischof von Cremona erhoben hatte. Bald darauf aber, so scheint es, legte er dieses Werk bei Seite, welches ohnehin durch den großen Umschwung der Dinge in Italien seinen Zweck großentheils verloren hatte. Denn dieser hatte vorzüglich darin bestanden, allen denen, welche ihm gutes oder böses erwiesen hatten, nach Verdienst zu vergelten, besonders aber seinem Hasse gegen Berengar und Willa Luft zu machen; darum nannte er es das Buch der Vergeltung, Antapodosis. Er hat darin auch weidlich auf seine Feinde gescholten; was aber eigentlich Berengar und Willa ihm angethan hatten, erfahren wir nicht, da er in den sechs Büchern seines Werkes nicht weiter gelangt ist, als bis zu jener Gesandtschaftsreise an den griechischen Hof im Jahre 949.

Als seine Absicht bezeichnet Liudprand, alles zu berichten, was sich seit Kaiser Karls des Dritten[4] Zeit begeben, die Thaten der Kaiser und Könige von ganz Europa, wie er selbst sagt. Er erzählt von allem, was ihm bekannt geworden, von Deutschland, mit besonderer Vorliebe vom griechischen Reiche, am meisten und eingehendsten aber doch natürlicher Weise von Italien. Eigentliche Ordnung ist nicht darin zu finden, und auch die chronologische Folge sehr ungenau. Ueberhaupt darf man sich nirgends auf ihn verlassen; wie Widukind schreibt er nur nach mündlicher Kunde und verfällt besonders über ferner liegende Vorfälle in große Irrthümer. Aber Widukind ist frei von der Leidenschaft, welche den rachsüchtigen Italiener nur zu oft hinreißt. In seinem Ingrimm hält er sich bei den einzelnen, oft unbedeutenden Vorfällen übermäßig auf; er gefällt sich in der Mittheilung von Anekdoten, besonders wenn sie boshaft und anstößig sind, in der rhetorischen Ausmalung der Begebenheiten, in gezierten, den Umständen wenig angemessenen Reden. Im einzelnen ist sein Urtheil oft richtig und treffend, seine Ansicht von den geschichtlichen Verhältnissen wohl begründet, wie er denn auch in Otto dem Großen sogleich den Mann erkannte, von dem allein Italien Abhülfe seiner Leiden und Gebrechen, die Herstellung der Zucht und Ordnung erwarten konnte, und diesem ohne Wanken treu blieb. Seine Erwiederungen auf die leeren Anmaßungen der Griechen sind ungemein treffend. Aber von einer höheren Begabung zum Geschichtschreiber giebt doch sein Werk, als Ganzes betrachtet, kein günstiges Zeugniß. Dafür gewährt uns andererseits gerade seine behagliche, memoirenartige Art zu erzählen einen Einblick in die Sitten, Zustände und Denkweise der Zeit, der vom höchsten Werthe ist.

Als Otto der Große sich dauernd und ernstlich mit den italienischen Verhältnissen zu befassen begann, fand er die Hülfe des gelehrten und in den politischen Verhältnissen des Landes erfahrenen Mannes sehr schätzbar; er verlieh ihm schon 961 das Bisthum Cremona[5] und übertrug ihm 963 eine Gesandtschaft an den Pabst Johann XII; bald darauf war er zugegen in der Kirchenversammlung, durch welche dieser Pabst entsetzt wurde, und über diese Vorgänge (960 bis 964) hat er eine eigene Schrift verfaßt[6]. Hier versuchte er eine würdigere Sprache anzunehmen, er bringt weder griechische Floskeln noch Verse an und mäßigt seine Leidenschaftlichkeit; doch blickt sein eigenthümlicher Stil überall durch, und der Anspielungen auf römische Dichter hat er sich auch hier nicht enthalten. Da er in höherem Auftrage oder doch für das Auge des Kaisers schrieb, so ist seine Darstellung keineswegs unbefangen; er verschweigt manches, und man darf nicht vergessen, daß diese scheinbar so rein objective und actenmäßige Erzählung doch nur eine Parteischrift ist, daß er es namentlich vorzieht, manche Vorfälle und Umstände nicht zu erwähnen. Aber im wesentlichen hat sich dennoch, was er mittheilt, als richtig bewährt.

Im Sommer 968 ging Liudprand abermals nach Constantinopel als Brautwerber für Otto II, und über diese Sendung stattete er dem Kaiser einen Bericht ab, der ebenfalls erhalten ist, aber wie jene beiden anderen Werke, am Schlusse unvollständig; der Gesandtschaftsbericht ist nur aus der Ausgabe des Canisius bekannt und daher auch der Text unzuverlässig. In diesem Bericht nun hat sich Liudprand wieder ganz der üblen Laune überlassen, welche durch die schlechte Behandlung, die ihm in Constantinopel widerfuhr, in ihm erregt war, und er strömt über von Spott und Hohn. Der Uebermuth der Griechen hatte ihn aufs tiefste gekränkt, und er bietet alle seine Beredsamkeit auf, um die Kaiser zur Züchtigung derselben zu bewegen und diese Aufgabe als leicht und mühelos darzustellen. Uebertrieben ist daher seine Schilderung; das Bild namentlich, welches er vom Kaiser Nikephorus entwirft, ist nur in Bezug auf seinen Geiz zutreffend, seine kriegerischen Eigenschaften und die Wehrkraft des Reiches unterschätzt er durchaus. Aber im übrigen ist seine Schilderung wahr, und gewährt uns ein so eigenthümliches und lebendiges Bild des griechischen Reiches, daß Giesebrecht sie mit Recht fast vollständig in seine Geschichte der Kaiserzeit (I, 523-546) aufgenommen hat, als Seitenstück zu der Gesandtschaft des Abtes Johannes von Gorze an den Kalifen von Córdova[7].

Liudprands Bericht endet mit seiner Abreise von Korfu am siebenten Januar 969; im Sommer desselben Jahres überbrachte er als Bote (nuncius) des Kaisers Briefe von diesem und vom Pabste, die sich auf eine römische Synode vom 26. Mai 969 beziehen, an eine Synode zu Mailand, deren Beschlüsse Otto am 9. Nov. 969 bestätigte[8]. Ueber seine weiteren Schicksale ist nichts bekannt, nur eine Nachricht von sehr zweifelhaftem Werthe läßt ihn an der glänzenden Gesandtschaft Theil nehmen, welche endlich 971 die kaiserliche Braut wirklich in Empfang nahm, und auf dieser Reise sterben.

Im Jahre 984 musterte der Bischof Odelrich von Cremona die Urkunden und Bücher im Schatzhaus seiner Kirche: viel war malorum manibus entfremdet, und geschichtliche Werke finden sich nicht im Verzeichniß, auch nichts von Liudprand, aber „turibulum quod Luizonis fuit, de manu raptorum liberavimus[9].“ Bekanntschaft mit seinen Schriften ist in Italien nur bei Gregor von Farfa nachgewiesen.

In Deutschland sind Liudprands Schriften frühzeitig bekannt geworden und von den gelehrteren, vielbelesenen Schriftstellern benutzt, während sie der größeren Menge unbekannt blieben. Schon Hrotsuit scheint die Antapodosis gekannt zu haben; dann haben der Biograph Gerhards von Brogne, Ekkehard und Sigebert, Ragewin[10], Magnus von Reichersberg, Alberich und Heinrich von Herford, Dietrich von Niem[11] und endlich Trithemius aus dieser und der Historia Ottonis geschöpft.

Für die kritische Bearbeitung des Textes, mit Ausnahme der Legatio, von welcher keine Handschrift sich erhalten hat, glaubte Pertz eine vollkommen sichere Grundlage gefunden zu haben in der Freisinger Handschrift, welche für die griechischen Stellen vom Schreiber gelassene Lücken zeigt, die von einer anderen Hand ausgefüllt sind. Diese Hand konnte nach der Ansicht von Pertz nur die Hand des Autors sein, und von derselben ist die Historia Ottonis vollständig geschrieben. Diese Meinung war allgemein angenommen und galt für unzweifelhaft, bis R. Koehler im NA. VIII, S. 47 bis 89, vollkommen schlagend und überzeugend nachwies, daß sie durchaus unhaltbar sei. Es kommen Fehler und Versehen vor, welche ganz unmöglich von dem Verfasser selbst herrühren können. Da nun Koehler in Metz Excerpte griechischer Stellen aus Liudprand gefunden hatte, welche auf ein correcteres Exemplar zurückgehen, und eine Beschäftigung mit dieser Schrift im zehnten Jahrhundert beweisen, so hat er daran die schon oben S. 373 angeführte Vermuthung geknüpft, daß Bischof Dietrich den Nachlaß Liudprands gerettet und die Abschrift besorgt haben möge. Nach seiner Meinung wäre auch die Umschrift der griechischen Worte nach der Aussprache mit lateinischen Buchstaben erst hier hinzugefügt, allein dieselbe findet sich auch in der aus anderer Quelle stammenden Berliner Handschrift. Die Manuscripte werden schon etwas beschädigt gewesen sein, und dadurch erklärt es sich, daß sowohl der Legatio wie der Historia Ottonis der Schluß fehlt, in beiden Fällen aber nur ein kleines Stück.

Es ist selbstverständlich, daß nun eine neue Ausgabe ein dringendes Bedürfniß ist; die ganze Grundlage der Kritik ist verändert, und wenn schon früher einzelne Verbesserungen nicht zu umgehen waren, so werden nun überhaupt die oft viel besseren Lesarten anderer Handschriften nicht mehr als willkürliche Correcturen eines Ueberarbeiters betrachtet werden können. Eine Anzahl einleuchtender Emendationen hat schon R. Koehler vorgeschlagen, viel mehr aber bleiben noch übrig. Doch wird es immer schwer sein, die ursprüngliche Form und alte Emendationen zu unterscheiden[12].

Für die Zeit des Königs Hugo nicht ohne Bedeutung ist das Buch von den Wundern des h. Columban[13]. Der König Hugo verlieh nämlich um das Jahr 930 die Abtei Bobio seinem Kanzler Gerlannus, aber alle Stiftsgüter waren von räuberischen Machthabern in Besitz genommen. Unfähig, ihrer Herr zu werden, rief Gerlan den Heiligen selbst zu Hülfe und brachte ihn in feierlichem Aufzuge nach Pavia: er ließ sein Kloster nicht im Stich und that die gewünschten Wunder. Da entfiel den Räubern der Muth und sie steckten die Stäbchen (fustes), welche symbolisch den Verzicht bedeuteten, in die Pilgertasche (pera) des Heiligen, der nun im Triumph wieder nach seiner Ruhestätte gebracht wurde. Von Dauer ist freilich auch die Wirkung dieses Auftrittes nicht gewesen.

§ 13. Italien. Chroniken. [←]

Bei manchen Schwächen bewies doch Liudprand einen tüchtigen und auf das wahre Beste des Landes gerichteten Sinn, indem er sich mit aller Entschiedenheit dem Manne anschloß, von welchem allein die Herstellung eines geordneten Zustandes in Italien sowohl wie in der römischen Kirche zu hoffen war. In höchst merkwürdiger Weise spricht sich das Verlangen nach der alten kaiserlichen Gewalt, wie Karl der Große und seine nächsten Nachfolger sie geübt hatten, auch in einer kleinen Schrift aus, welche in Sant Andrea um die Mitte des zehnten Jahrhunderts verfaßt zu sein scheint, ehe noch Otto eine neue Ordnung der Dinge begründet hatte[1]. Erzählt wird darin von der alten guten Zeit, wo noch der Kaiser oder sein Stellvertreter in Rom die übermüthigen Großen im Zaum hielt und jedem zu seinem Rechte verhalf, wo man sogar gegen Verwandte des Pabstes Recht bekommen konnte. Ueber die älteren Zeiten ist der Verfasser schlecht unterrichtet, aber die Verhältnisse unter den Karolingern schildert er, als ob er sie genau kennte, mit eindringlicher Einfachheit bis zu dem unglücklichen Moment, wo, wie er es darstellt, durch Karls des Kahlen Usurpation die kaiserliche Autorität in Rom dahin gegeben wurde. Allein diese Preisgebung hat, wie F. Hirsch nachgewiesen hat, gar nicht stattgefunden, und der Verfasser malt sich die alte Zeit nur nach seinen Wünschen aus.

Ueber die Ottonischen Einrichtungen in Rom belehrt uns eine Schrift, welche unter Otto III entstanden ist und mit einer Beschreibung von Rom Nachrichten über die damalige Verfassung verbindet[2]. Auf ein schon von Bethmann im Arch. IX, 623 mitgetheiltes, aber ganz übersehenes Fragment aus Ivrea hat L. Weiland aufmerksam gemacht[3]; es bezieht sich auf die Usurpation des Franco (Bonif. VII) und dessen Bekämpfung durch den 974 von Otto II abgesandten Grafen Sicco, sowie die Verdrängung Benedicts VII durch ihn im J. 980.

Notes in this chapter

Note 1 · [32] S. oben → S. 132.Note 2 · [1] S. oben 2→S. 149. Ann. S. Emm. brevissimi 792. 817. 930-1062 und saec. XI (1036-1046) ed. Jaffé SS. XVII, 571 sind sehr unbedeutend.Note 3 · [13] Flodoardi Historia Remensis ecclesiae, mit Anhang bis auf Adalbero, ed. Sirmond. 1611: Colvener. Duaci 1617, Bibl. Patrum Lugd. XVII, 5Note 4 · [16] Gesta episcoporum Leodiensium ed. Köpke, MG. SS. VII, 134. Die daraus auch abgesondert herausgegebene Vita Remacli kommt als Notkers WeNote 5 · [8] Vie de S. Lambert, écrite en vers par Hucbald de Saint-Amand, et documents du X siècle, par J. Demarteau, Liège 1878. Vgl. oben 2→S. 264Note 6 · [9] Annales Weißenburgenses ed. Pertz, MG. SS. III, 33-65. 70-72. Vgl. oben → S. 340.Note 7 · War Joh. von Gorze hist. Schriftsteller? NA. IX, 495-512.Note 8 · MG. SS. IV, 235. 238-247. Gegen diese Datierung sind jedoch Zweifel erhoben von H. Finke, weil B. Milo v. Minden bei Uebersendung der PassioNote 9 · Miracula bei Mab. IV, 1, 436. Auszug MG. SS. IV, 236-238. Eine Stelle über Lothar II u. Waldrada nachgetragen SS. XXIV, 506, Anmerkung.Note 10 · V. Chrodegangi ed. Pertz, MG. SS. X, 552-572. Pertz, Ueber die Vita Chrodegangi in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1852, S. 507 ff. ENote 11 · Herausgegeben v. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XVIII, 306. Nach Mittheilung desselben ist v. 23 statt Ostendit zu lesen Offendit. Die Hs. auNote 12 · Vita S. Cadroae, ed. G. Henschen, Acta SS. Mart. I, 474. Mab. V, 489. Auszüge MG. SS. IV, 483 u. XV, 2, 689. Sein Todesjahr ist unsicher, 97Note 13 · Bis jetzt ist nur das Ende gedruckt, von Dümmler, NA. V, 433 bis 437.Note 14 · Vgl. über ihn Dümmler, Otto I S. 374.Note 15 · Olleris, Oeuvres de Gerbert, p. 19 ff. u. S. 25-32 d. Ausg. von Hawet, welcher aber nicht an die Autorschaft Gerberts glaubt. Sie finden sicNote 16 · Neues Archiv VIII, 78.Note 17 · Vita Deoderici Mettensis ed. Pertz, MG. SS. IV, 461. Vgl. dazu Dümmler a. a. O. S. 466. 483. 491. Außer der oben angef. Inschrift 9 HexameteNote 18 · Vita Adalberonis II Mettensis episcopi ed. Pertz, MG. SS. IV, 658 bis 672; geschrieben um das Jahr 1015. Ueber ein Sacramentar von dort DeliNote 19 · Die Verse bei Pertz a. a. O. S. 672; die letzten auch bei Delisle, Cabinet des Manuscrits II, 401. Der Brief bei G. v. Wyß, Gesch. der AbteiNote 20 · S. NA. XIII, 666 über Studemund in den Breslauer Philolog. Abhandl. II, 3.Note 21 · Gedruckt bei Mab. III, 2, 140-153. Vgl. Mone, Quellens. I, 36-38. Stälin I, 168, Rettberg II, 52. Nur der Prolog MG. SS. XV, 21. Ueber die gNote 22 · Quellensammlung I, 45-50. MG. SS. XV, 21-31, von Holder-Egger; S. 31-35 Miracula Hornbacensia.Note 23 · Herausgeg. v. Dümmler, NA. X, 344. Delisle, Sacram. p. 190.Note 24 · Alperti de episcopis Mettensibus libellus ed. Pertz, MG. SS. IV, 697. Bischofsverzeichnisse SS. XIII, 303. Ueber Benutzung von Caesars Bell.Note 25 · Kerkgeschiedenis II, 2, 343.Note 26 · Acta SS. Maj. I, 428.Note 27 · Alperti de diversitate temporum libri II ed. Pertz, MG. SS. IV, 700. Mit Uebersetzung und Comment. herausgeg. v. Dederich, Münster 1859. GieNote 28 · S. P. Ewald, NA. III, 324. Als Bischof von Arezzo wird er erwähnt in der merkwürdigen Capitelschronik, NA. V, 449. Vgl. Bresslau, Konrad II,Note 29 · S. Moll, Kerkgeschiedenis I, 370, Dümmler, NA. IV, 549. Migne CXXXII, 547-560. Recht schön sind seine Versus de hirundine im Pal. 1564, ed. Note 30 · Jacobs u. Ukert, Beiträge III, 262.Note 31 · Da dieser Biograph noch eine alte Frau, die bei Bonifazens Tod zugegen gewesen war, gesprochen haben will, muß er viel älter sein, s. RettbeNote 32 · MG. II, 218 mit einigen Versen von ihm, Heda, Hist. Ultraj. p. 71. Er veranlaßte 914 zur Confirmation der Privilegien durch K. Konrad die älNote 33 · Libellus cujusdam ep. Traject. Radbodi nomine de quodam S. Martini miraculo, bei André Salmon, Supplément aux Chroniques de Touraine p. 1-13Note 34 · Entdeckt und herausgegeben von W. Moll, im Kerkhist. Archief v. Kist und Moll, III, 213-221. Ein Sermo de S. Servatio von ihm Anal. Boll. I,Note 35 · Vita S. Radbodi, Mab. V, 25-31 aus Sur. Nov. 29. Ausg. v. Holder-Egger (mit der Translatio) SS. XV, 1, 568-571. Aus ders. Hs. Analecta Boll.Note 36 · Seinen Brief von 934 an den Erzb. v. Cöln bei Heda S. 75 nimmt Moll I, 271 gegen Zweifel in Schutz. Bei dems. S. 530 u. MG. SS. XV, 571a dieNote 37 · Translatio Benigni et Agnetis, Acta SS. Jan. II. 357-360. Auszug MG. SS. XV, 1, 571e.Note 38 · Kraus im Jahrbuch d. Alterthumsfr. im Rheinland L, 201, wo v. 2 illa steht, was nicht angeht. Auch ist irrig Agna in Agnes geändert. Es folgNote 39 · S. die neue Ausgabe von E. Voigt, Straßburg 1875. Ueber Benutzung Fortunats darin Manitius, NA. XII, 592-595.Note 40 · Ueber die Fortwirkung dieser Schrift, die noch zu erkennen ist in der Sage von der Wiederkunft Friedrichs II, s. Riezler, Hist. Zeitschr. XXNote 41 · Miracula S. Bercharii, Mab. II, 844-861, ein Stück daraus MG. SS. IV, 487. Vgl. über Adso Hist. litt. de la France VI, 471-492. (Den CatalogNote 42 · Archiv VII, 1014. Catal. des Départ. V, 157.Note 43 · [43] Ann. S. Columbae Senonensis 708-1218 ed. Pertz, MG. SS. I, 102 bis 109. Bis 840 in den Ann. S. Maximini ausgeschrieben, oben → S. 363. Note 44 · [23] Carmen Purchardi de Gestis Witigowonis ed. Pertz, MG. SS. IV, 621 bis 632; Berichtigungen aus Gallus Ohem, von O. Breitenbach, NA. I, 1Note 45 · [11] Nach handschriftlicher Ueberlieferung freilich Rotger, s. oben 2→S. 365. Es mag ursprünglich, wie in der Widmung der Reimser GeschichteNote 46 · S. über diese unten bei Hucbald, dem sie zugeschrieben wird.Note 47 · Mabillon sah die Handschrift in Bobio, Mus. Ital. I, 218. Uebrigens s. Ans. Leod. c. 20, 21.Note 48 · Ueber Rather († 974) Vogel, Ratherius von Verona und das zehnte Jahrhundert, Jena 1854, 2 Bände. Opera edd. Petrus et Hieronymus fratres BalNote 49 · Ein merkwürdiges Fragment einer an Balderich gerichteten Schrift Rathers über seine Verdrängung NA. IV, 177-180.Note 50 · Nach den scharfsinnigen Untersuchungen von W. Stubbs. Memorials of St. Dunstan. Lond. 1874; vgl. R. Pauli, Hist. Zeitschr. XXXV, 199; Gött. Note 51 · S. über ihn Dümmler, Otto I, S. 302 Anm. 1, 374 Anm. 1, 397 Anm. 2, 545 Anm. 2.Note 52 · Daß er während der Minderjährigkeit Ottos III Italien als Regent verwaltet habe, bestreitet Kehr, HZ. LXVI, 427, Anm. 2.Note 53 · c. 29, MG. SS. VII, 205.Note 54 · Nach G. Kurth, s. NA. XVII, 225.Note 55 · L. Weiland. HZ. XLVI, 496.Note 56 · Würdtwein, Nova Subsidia dipl. XIII, 151-214, cf. MG. SS. II, 192; p. 209-211 die hieraus genommenen Annales Lobienses von 900-982. Neue AusNote 57 · Gött. Nachrichten 1870, 302-309.Note 58 · Folcuini Gesta abbatum Lobiensium ed. Pertz, MG. SS. IV, 52-74.Note 59 · Vita S. Folquini ep. Morinorum, bei Mab. Act. IV, 1, 624. Vgl. Holder-Egger a. a. O. S. 422, und MG. SS. XV, 423-430. Ein Catal. epp. Morin.Note 60 · Cartulaire de l'Abbaye de St. Bertin, herausgegeben von Guérard 1840 in der Collection des Cartulaires de France, III, mit den zum Theil reiNote 61 · Vita S. Winnoci, Mab. III, 1, 302-314. Auszug MG. SS. XV, 2, 775-778. Nach der Translation von 1058 fügte ein Mönch Drogo neue Wunder hinzu,Note 62 · Waitz-Aufsätze S. 622-665. Daselbst S. 633, Anm. 3, wird die Translatio S. Amalbergae im J. 870 (Acta SS. Jul. III, 103) für ein spätes, ungNote 63 · Fundatio mon. Blandiniensis ed. O. Holder-Egger, MG. SS. XV, 2, 621-624. Ich beschränke mich auf Anführung dieser Ausgaben von Holder-Egger.Note 64 · Ex Sermone de adventu SS. Wandregisili, Ansberti et Vulfranni ed. Holder-Egger, SS. XV, 2, 624-631.Note 65 · Ex Vita Bertulji Renticensis, ib. p. 631-641.Note 66 · Lantberti liber de loco sepulturae Florberti abb., ib. p. 641-644, aber nach S. 1317 ist der Autorname Lantbert irrig. S. 644 folgt ein CataNote 67 · Ex Miraculis et Translationibus S. Bavonis, SS. XV, 2, 590-597; dazu S. 598 ein kurzer Auszug von Wundern, die gegen Ende des 11. Jahrh. besNote 68 · NA. X, 371 von Holder-Egger herausgegeben.Note 69 · Translatio S. Landoaldi et sociorum ejus, SS. XV, 2, 601-607.Note 70 · Adventus et Elevatio S. Landoaldi et sociorum ejus, ib. p. 607-611.Note 71 · S. den Brief des Abtes Andreas von St. Pancraz, NA. VIII, 376.Note 72 · Brief im NA. X, 374.Note 73 · Elevatio S. Bavonis, SS. XV, 2, 597.Note 74 · Vita S. Macharii prior, ib. p. 615.Note 75 · Gedr. NA. VIII, 370 ff.Note 76 · Elevatio S. Macharii, SS. XV. 2, 616-621. Einzelnes darin, wie die Nachrichten von der Pest des J. 1012, ist historisch brauchbar.Note 77 · Ex translatione SS. Livini et Brictii, ib. p. 611-614. — Der Catal. abh. Gandav. MG. SS. XXV, 570, ist nur Auszug der Ann. Gand. u. werthlosNote 78 · „Quod vir jamdudum barbatus applicari vellet ulterius studiis litterarum puerilibus..... litteratim percurrit prima elementa ceu quinquennisNote 79 · Es wurde 931 hergestellt, verbrannte 938. Nachrichten über die Geschichte des Klosters in der zu Gerhards Zeit aufgezeichneten Inventio S. GNote 80 · Diese merkwürdige Geschichte hat auch Folcuinus ed. Guérard p. 143 aus der V. Gerardi, c. 19, doch nur in einer späten Ueberarbeitung.Note 81 · S. oben. Ein Mönch Adelard von Bland. schrieb einen Brief an Erzb. Elphegus von Canterbury (1006-1012) über Dunstan, der in seiner VerbannunNote 82 · Vita S. Gerardi Broniensis, ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 654-673. Capitel 14 sind Stellen aus Liudprands Antapodosis aufgenommen. Aus ItaNote 83 · Analecta Boll. III, 29-57. Ex Virtutibus S. Eugenii Bronii ostensis ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 646-652. Dazu S. 653 Wunder, die er schoNote 84 · Witgeri Genealogia Arnulfi comitis ed. Bethmann, MG. SS. IX, 302 bis 304.Note 85 · S. über ihn Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland, II, 50-59; Hirsch, Heinr. II, II, 296-301; Bresslau. Konrad II, I, 204 für 1026 (nicht 102Note 86 · Oben S. 255. Adalbolds Werk hat Moll entdeckt und mit Einleitung herausgegeben im Kerkhist. Archief v. Kist u. Moll III, 161-213. Sep.-Abdr.Note 87 · Die Briefe führt Moll an. Eine „Epistola Adalboldi Ultraj. ep. ad Erchanboldum archiep. Mog.“ im Cod. lat. Mon. 2598 f. 80b ist nur eine SalNote 88 · Den Namen nennt Sigebert de SS. eccl. c. 146. — Egberts von Lüttich Fecunda ratis ed. E. Voigt, Halle 1889. Ueber die Bedeutung desselben E.Note 89 · Dümmler, Poet. Lat. II, 181.Note 90 · Mit Einleitung von Gu. Cuper Acta SS. Jul. IV, 452-471: p. 457 der metrische Prolog von Oetbert. Ausg. von Holder-Egger als Passio Frid. MG.Note 91 · Vita Odulfi presb. Traj. Acta SS. Jun. II, 592-595. Auszug MG. SS. XV, 356-358, vgl. 574b.Note 92 · Miracula S. Waldburgae Tielensia ed. Holder-Egger SS. XV, 2, 764-766, vollst. von G. Henschen, Acta SS. Feb. III, 546-548. Von einem tobsüchNote 93 · De div. temporum I, 5: „quia domnus Adelboldus Traiectensis episcopus haec omnia pleniter in uno volumine luculento sermone comprehendit“. GNote 94 · Vita Heinrici II auct. Adalboldo ed. G. Waitz, MG. SS. IV, 679-695. Hs. in Halle, NA. VIII, 382.Note 95 · S. darüber unten V § 14. — Eine von Giesebrecht entdeckte, von Jaffé herausgegebene Nachricht über Dedicatio ecclesiae S. Petri BabenbergensNote 96 · Vita Balderici ep. Leod. ed. Pertz, MG. SS. IV, 724-738.Note 97 · „Lingua Teutonicus, Wangia doctus in urbe.“ Epit. bei Baronius ad a. 999 § 1. Die Form Wangia auch in einem Hymnusfragment saec. XII. GeschiNote 98 · Vita Burchardi Wormat. ed. Waitz, MG. SS. IV, 829-846, nach der alten Ausgabe von 1548. Cod. Pal. 851, Arch. XII, 344. Vgl. W. Giesebrecht, Note 99 · NA. XIII, 197-202.Note 100 · MG. SS. IV, 829. Ueber die Wormser Schule vgl. Kehr, Die Urkk. Ott. III (1890).Note 101 · Neue Ausg. nach dem Original in Zürich in d. Mitth. z. vaterl. Gesch. XIX, 224-265, von C. Henking. Nach der ausführl. Erörterung S. 347 bisNote 102 · Ann. S. Galli majores, früher Hepidanni genannt, ed. Pertz, MG. SS. I, 73-85; Henking a. a. O. S. 265-323, vgl. S. 358 ff. (Nach S. 291 sindNote 103 · Strehlke, De Heinrici III bellis Ungaricis p. 35.Note 104 · S. die Ausgabe von Dümmler u. Wartmann in den St. Galler Mittheilungen XI nebst den Historiae de fratribus conscriptis (885 bis 982) S. 13-2Note 105 · Annales Augienses MG. I, 62. 67-69. Vgl. II, 238. Berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. III, 700-706. Vgl. oben S. 287.Note 106 · MG. SS. XX, 776.Note 107 · Annales Weingartenses, MG. SS. I, 65-67. Vgl. Henking in den Mitth. z. vaterl. Gesch. XIX, S. 345. Die Sangall. breves (ib. S. 220-227) sindNote 108 · Ann. S. Meginradi, Heremi und Einsidlenses ed. Pertz, MG. SS. III, 137-149. Von den Ann. Heremi vermuthet H. Bresslau im NA. V, 449, daß sieNote 109 · Ekkehard S. 102: „de quo quoniam proprium ejus sui temporis libellum habemus, plura scribere supersedemus“. Vgl. über ihn Dümmler, St. Gall.Note 110 · Dümmler, NA. XI, 405, wo er weitere Glossen von ihm zu Adonis Martyrologium mittheilt.Note 111 · Dessen merkwürdiger Brief über seine Uebersetzungen an Bischof Hugo von Sitten bei J. Grimm, Kl. Schr. V. 190.Note 112 · S. vorzüglich E. Dümmler, Ekkehart IV, in Haupts Zeitschrift XIV, 1-73, u. G. Meyer von Knonau in der Einleitung zu seiner Ausgabe. Rythmi dNote 113 · An diesen Abt ist, als er sich am Hofe befand, ein merkwürdiges Schreiben über einen Kirchendiebstahl und dessen Entdeckung von seinen MönchNote 114 · Fehlerhaft gedr. bei Fr. Schneider, der h. Bardo, Mainz 1871: besser von Jos. Kiefer im Progr. des Großh. Gymn. in Mainz 1881; vgl. NA. VII,Note 115 · Ekkehardi I Waltharius ed. Rud. Peiper, Berol. 1873. Waltharius nach der handschriftl. Ueberlieferung berichtigt mit deutscher Uebertragung Note 116 · V. S. Wiboradae ed. Waitz, MG. SS. IV, 446. 452-457. Vgl. Stälin I, 424. M. v. Knonau zu Ekk. S. 203.Note 117 · S. oben S. 285.Note 118 · Historia Sanguinis Domini, gedr. im Auszuge von Waitz, MG. SS. IV, 445. 446-449; vollständig bei Mone, Quellens. I, 671-676. Später wiederhoNote 119 · Miracula S. Verenae ed. Waitz, MG. SS. IV, 457-460; Varianten v. Baumann, Anz. f. Schweiz. Gesch. 1877, S. 288. Stälin I, 423. Ihre verschieNote 120 · Dümmler, NA. V, 433.Note 121 · Die Bilder der Hs. des Kaisers Otto im Münster zu Aachen (1886) S. 60.Note 122 · Herim. a. 997: „Witigowone abbate privato Alawicus promotus“. Pertz vermuthet sogar „vita privato“.Note 123 · Herim. Aug. Chr. ad a. 1006. Bischof Milo von Minden schrieb an Immo seinen Brief über die Acta S. Gorgonii, Mab. Act. III, 2, 204.Note 124 · S. unten IV, § 5.Note 125 · Vita Cuonradi Const. ep. ed. Pertz, MG. SS. IV, 436. Seine Verbrüderung mit St. Gallen bei Dümmler u. Wartmann S. 17; Piper, Libri Confrat. Note 126 · Vita Gebehardi ed. Wattenbach, MG. SS. X, 582; vgl. Allg. D. Biogr. VIII, 453, v. G. Meyer v. Knonau.Note 127 · Catal. epp. Argent. ed. Moscherosch Argent. 1651 (hier nicht vorhanden). Darin nach Mitth. von Dümmler S. 32 ein Gebet, S. 33-34 ein VerzeicNote 128 · Oben S. 395; summus pontifex wird der Bischof von Worms genannt in dem Briefe bei A. Mai, Spicil. Va, 147, Erchanbert von Eichstedt von WolfNote 129 · „Urbem suam doctrinis ejus floridam fecit.“ MG. II, 116; vgl. Meyer v. Knonau z. Ekk. S. 273-275.Note 130 · Böhmers Fontes III, XII u. 1-4. Vgl. Rettberg I, 214, II, 61. Friedrich, Drei uned. Concilien S. 54. M. v. Knonau a. a. O. Ausführlich handeNote 131 · In der schon oben S. 319 angeführten Todtenklage um Constantius heißt es, daß Kaiser Heinrich und König Rotbert, Frankreich, Deutschland undNote 132 · Ueber diese vgl. Steichele, Das Bisth. Augsburg III (1872) S. 31-55.Note 133 · Waagen, Treasures of Art in Great-Britain I, 196, schreibt seiner Hand das Evangeliar Harl. 2970 und ein anderes in München zu, mit der InscNote 134 · B. Pez Thes. VI, 115. Vgl. Hirsch, Heinrich II, I, 127. Diese Briefe sind, nebst einem neuen, nach der Hds. wiederholt bei Steichele a. a. ONote 135 · Vita S. Oudalrici ed. Waitz, MG. SS. IV, 377-428. Migne CXXXV aus Mabillon. Uebers. v. Grandaur, Geschichtschr. 31 (X, 4, 2) 1891 mit ExcursNote 136 · Eine sehr fabelhafte Version NA. VII, 139.Note 137 · Dümmler, Otto I S. 594.Note 138 · MG. SS. IV, 521-542. Vgl. über Wolfgang Hirsch Heinrich II, I, 112 f. In Verona ist ein schönes Missale mit seinem Namen, in welchem mit GolNote 139 · Thietmar l. V, Prol. Gesta Trevirorum, MG. SS. VIII, 175. Notiz über eine 1017 von ihm in Trier vollzogene Altarweihe in einem Missal in KobNote 140 · Thietmar V, 25. V. Wolfg. c. 36. Vgl. Hirsch, l. c. I, 172. 275.Note 141 · Consuetudines S. Emmerammi, aus Einsiedeln stammend nach O. Ringholz, Stud. u. Mitth. a. d. Bened. u. Cist. Orden 1886 (NA. XII, 450).Note 142 · MG. SS. XV, 2, 1094.Note 143 · Zeumer, NA. X, 389; der Prolog S. 390.Note 144 · Holder-Egger, NA. XIII, 562-564.Note 145 · Dümmler, Jahrbücher unter Otto I, S. 320.Note 146 · NA. VII, 620, vgl. VIII, 369.Note 147 · Sanftl, Diss. in aureum etc. codicem, Ratisb. 1786, p. 28. Nach Woltmann, Gesch. d. Malerei I, 260 nachgeahmt in einem Missal Heinrichs II, Note 148 · Fragmentum de Arnulfo duce Bavariae ed. Jaffé, MG. SS. XVII, 570. cf. 568; ib. p. 567 ein Catalog der Bibliothek von St. Emmeram aus RamwoldNote 149 · Pez. Thes. I, Praef. p. XV. Die Handschrift ist jetzt in Maihingen, und zeigt auch Beziehung zum Kl. Blandigny bei Gent, s. Schepss, HandschNote 150 · Wiener SB. XCVI. 511. Zeitschr. f. D. Philol. XV, 420.Note 151 · Codex epistolaris Froumundi (Monac. 19412) von 983 bis in Heinrichs II Zeit bei Pez Thes. VI, 110-199. Mab. Anall. p. 435. Vgl. Heinreich IINote 152 · Schepss in d. angef. Programm, S. 12.Note 153 · Nach der Vermuthung Leutners, Hist. Wessofont. I, 63.Note 154 · Casus S. Galli ed. Meyer v. Knonau S. 333 mit dessen Anmerkung Giesebrecht, Ann. Altah. S. 11. Abweichend Hirsch I, 130.Note 155 · V. Godeh. ant. c. 6, MG. SS. XI, 172; vgl. oben S. 324. In einer später geänderten Stelle spricht Wolfher von einem celebre studium in PassaNote 156 · Sermo in purificatione von ihm, Cod. lat. Monac. 18090 aus Tegernsee, Catal. II, 3, 131.Note 157 · Heinrich II von Hirsch I, 129.Note 158 · Vas librorum, MG. SS. IX, 219.Note 159 · Er soll ein Slave gewesen sein; die ihm zugeschriebenen Freisinger Slovenica sind aber älter, nach Miklosich: Die christl. Terminologie der Note 160 · „Abrahamo episcopo jubente, archicapellano ipsius Gotesalcho impetrante a Rutberto probabili abbate Tullensi, eo loci famulitio sanctae MariNote 161 · Meichelbeck, Hist. Frising Ib. p. 472.Note 162 · Dümmler, Forschungen XV, 165; Berichtigungen von Gr. Hundt a. a. O. S. 47.Note 163 · Vita Godeh. ant. c. 2, MG. SS. XI, 171. In der zweiten Vita Prol. p. 197 wird aber Rumold als Godehards erster Lehrer genannt.Note 164 · Vgl. oben S. 51.Note 165 · Anon. Haser. MG. SS. VII, 255. 257.Note 166 · Ademari Chron. III, 5. Remigius, als theolog. Schriftsteller bekannt, (Hist. litt. de la France VI, 99 f., vgl. Prantl, Gesch. d. Logik II, Note 167 · Fragmenta Elnonensia, von Hoffmann, Gent 1837, 4. Neue Aufl. 1845. Facs. bei G. Paris, Les plus anciens Monuments de la langue Française, 18Note 168 · S. über ihn Dümmler, NA. IV, 521-526. Ebert II, 277-285.Note 169 · Diese gedruckt bei Mart. Thes. I. 45. Vollständig herausgegeben von Desplanque, Etude sur un poëme inédit de Milon, moine de Saint-Amand, LiNote 170 · Herausgegeben von J. Desilve, Valenciennes 1875. Dess. Schrift De schola Elnonensi, 1889, habe ich nicht gesehen.Note 171 · Zur Sicherung seines Unterhaltes wies der Abt ihm 889 ein Landgut an, welches er später den Mönchen von St. Bertin überließ. Folq. ed. GuéraNote 172 · Vita S. Rictrudis, Mab. II, 939-950. Acta SS. Mai III, 81-89.Note 173 · Hucbaldi Vita S. Lebuini ed. Pertz, MG. SS. II, 360-364 im Auszug aus Sur. VI, 277-286, doch nach der Handschrift berichtigt. Der Rest ist aNote 174 · Acta SS. Jun. III, 36. S. über Hucbald Hist. litt. de la France VI, 210-221; Dümmler, NA. IV, 560-563. — Hans Müller, Hucbalds echte und uneNote 175 · Dieser ist gedruckt bei Mab. III, 2, 569-608 und bei Muratori III wiederholt. Stücke bei Mab. II, 30. 127. 1095-1100. Vollst. jetzt bei MignNote 176 · Flodoardi Annales ed. Pertz MG. SS. III, 363-408. Baehr, S. 188. Giesebr. I, 779. Ueber den von Pertz nicht benutzten Cod. Paris. Fonds latiNote 177 · Gesta epp. Camerac. I, 102.Note 178 · Der Name ist Hypothese, Richer hat nur den Anfangsbuchstaben, und in den Reimser Urkunden der Zeit findet sich nur dieser Name.Note 179 · Er war auch Lehrer des Königs Robert nach der Satire des Bischofs Adalbero von Laon, wo er Neptanebus genannt ist, was auf Gerbert gedeutet Note 180 · Vor Otto's II Tod, nach D. J. Witte, Lothringen in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts (Diss. Gott. 1869) S. 43, wo auch viel WidersNote 181 · Gerberti epistolae bei Duchesne II, 789-844. Opera ed. Olloris, 1867, 4. Verse von ihm in N. Jahrb. f. Philol. 1867, XCV, 708-710. Die BriefNote 182 · MG. SS. III, 658-693.Note 183 · MG. SS. III, 686-690. Vgl. oben S. 306. Im Cod. Christ. 1283 (Arch. XII, 315) folgen auf einen Bericht über Arnulfs Absetzung u. Gerberts NaNote 184 · Hier war 945 die Regel durch Erzbischof Hugo mit Rath des Abts Erchambold von Fleury hergestellt und Hinkmar († 967) als erster selbständigeNote 185 · S. G. Monod, Études sur l'hist. de Hugues Capet. Les sources historiques. Revue hist. XXVIII, 241-272.Note 186 · Vermuthlich eine Gesta. S. C. v. Kalckstein, Geschichte d. frz. Königthums unter den ersten Capetingern, I (1877) S. 476-482, wo seine ganz Note 187 · Vgl. die Dissertation von Reimann, worin Richers Unzuverlässigkeit im einzelnen nachgewiesen ist, namentlich auch die Unechtheit seiner ZusäNote 188 · F. Vogel in Actis Sem. Erlang. II, 418-421.Note 189 · Nach Wittich in den Forschungen III, 105-141 hätte Richer I, 34 bis 40 eine lothringische Quelle benutzt, und weil er von Giselberts ErhebunNote 190 · Für die Zeit Otto's II wird seine Glaubwürdigkeit vertheidigt von Ad. Matthaei: Händel Otto's II mit Lothringen, Hall. Diss. 1882; für die ENote 191 · Richeri Historiarum libri IV ed. Pertz, MG. SS. III, 561-657, mit Schriftprobe. Zwei andere Seiten in W. Arndts Schrifttafeln, t. 47, 2. A. Note 192 · Baluzii Miscell. I, 409. Schannat, Hist. Fuld. p. 132.Note 193 · Conrat (Cohn) Gesch. d. Quellen u. Litt. d. röm. Rechts (1889) I, 259-261.Note 194 · Vita Abbonis abb. Floriacensis auct. Aimoino. Mab. VI, I, 37-58. Abbo ließ des Josephus Bell. Jud. durch den Laien Rotbert abschreiben, HageNote 195 · S. Hugonis archidiaconi Tornacensis dialogus ad Fulbertum (ep. Carnot.) de quodam miraculo, quod contigit in translatione S. Martini, Mab. ANote 196 · Adrevaldus qui et Adalbertus. Die von Mabillon geleugnete Identität erweist E. de Certain in der Ausgabe für die Société de l'histoire de FrNote 197 · Benutzt ist dazu das Fragm. ex antiqua membrana Flor. monasterii, s. J. Havet, Revue hist. XLV, 290-297.Note 198 · Ex Miraculis S. Bened. Floriac. SS. XV, I, 474-500. Ex Aimoini Flor. Mir. SS. IX, 374-376. Vgl. H. Hahn: Ein übersehener Brief des Pabstes ZNote 199 · Bei Mab. Act. IV, 2, 50-55. Vgl. C. v. Kalckstein, Forsch. XIV, 120. Im Cod. Vat. Christ. 586 f. 71 heißt der Verf. Diedericus nach ReiffersNote 200 · Ausg. von L. Delisle in den Mémoires de la Société archéologique de l'Orléanais, T. II, 1853. Der Anfang NA. II, 605 in der irrigen Meinung,Note 201 · Ein Gedicht an ihn, ein zweites an einen unbekannten Bovo, ed. Dümmler NA. II, 222-228. Beide auch bei H. Hagen, Carmina Medii Aevi p. 130-1Note 202 · Dieser Theil ist nur in der Ausg. von Certain gedruckt; Berichtigungen nach der Hs. Cod. Vat. Christ. 592 NA. III, 344-349, von P. Ewald.Note 203 · Eine Abhandlung über ihn von Certain, Bibl. de l'École des chartes I, 489-521.Note 204 · Aimoini Historia Francorum ed. Breulius, 1603 f. und in Frehers Corpus Franc. Hist. mit den Fortsetzungen. Ohne dieselben Duchesne III, 1-12Note 205 · Nach Lot, Les derniers Carolingiens, Paris 1891, NA. XVII, 631. Das Buch selbst war mir nicht zugänglich.Note 206 · Odoranni monachi S. Petri Vivi Senonensis Chronicon collectum a. 1045. Duchesne II, 636. Mit seinen übrigen Schriften bei Duru, Bibl. hist. Note 207 · Historia Francorum Senonensis a. 688-1015 (1034) ed. Waitz, MG. SS. IX, 361-369. Siméon Luce, La Continuation d'Aimoin et le Ms. lat. 12711 Note 208 · Dudonis libri III de moribus et actis primorum Normanniae ducum, Duchesne SS. Normannici, Paris, f. 1619. Excerpt bei Bouq. X, 141, MG. SS. Note 209 · Complainte sur l'assassinat de Guillaume Longue-épée, duc de Normandie. Poème inédit du X. siècle. Entdeckt von G. Paris, herausgegeben von Note 210 · Warnerii ad Robertum archiep Rotom. satira in poetam Scotum nomine Moriuth, cod. Paris. 8121 A. Jules Lair, Et. hist. p. 15; er verspricht eNote 211 · Forschungen VI, 361-390, IX, 651, vgl. die frühere Untersuchung von Waitz: Ueber die Quellen zur Geschichte der Begründung der normannischenNote 212 · Bouq. N. 64-67 mit ausführlichem Commentar von Adr. Valesius. Ueber einen von ihm an Bischof Fulco von Amiens gerichteten dialectischen TracNote 213 · Mab. V, 150-186. Excc. ed. L. v. Heinemann SS. XV, 2, 586-588. Ueber die jüngeren Bearbeitungen Sackur, NA. XV, 105-116. Ueber seine WirksamNote 214 · Mab. V, 786. Auszüge MG. SS. IV, 649-655.Note 215 · NA. XVII, 402-407.Note 216 · Acta SS. Maj. II, 683.Note 217 · W. Schultze für Odilo, Forsch. XXIV, 153-172. Sackur f. Syrus NA. XII, 503-516. Entgegnung von Schultze NA. XIV, 545-564. — Epistola de mortNote 218 · Jotsaldi de vita et virtutibus Odilonis abb. libri III, Mab. VI, 1, 679 bis 710. Ein Brief der Mönche von Souvigny (Silviniacensium) über OdNote 219 · Odilonis Epitaphium Adelhaidis ed. Pertz, MG. SS. IV, 633-645. Uebersetzung von Hüffer, 1856; 2. A. 1891, Geschichtschr. 35 (X, 8). Giesebr.Note 220 · Diese Nachweise sind von Koehler in der oben angeführten Abhandlung bedeutend vermehrt.Note 221 · Aus seinen damaligen Mittheilungen sind nach Dümmlers Vermuthung die Nachrichten des Constantinus Porphyrogenitus de admin. imp. c. 26 über Note 222 · S. darüber Dümmler, Jahrbb. unter Otto I. S. 278.Note 223 · Der Beiname des Dicken kommt erst im 12. Jahrh. vor, und ist deshalb nach Dümmler Ostfr. II, 292 nicht mehr erlaubt.Note 224 · Hierhin übertrug Liudprand den auf recht niederträchtige Weise gestohlenen S. Hymerius aus Ameria. Die später geschriebene kurze Erzählung MNote 225 · Wieder abgedruckt bei Watterich, I, 49-63. Vgl. auch Giesebr. I, 830. Auf Leo VIII bezogene Spottverse NA. VIII, 383.Note 226 · Aufsatz von Zanelli im Arch. stor. Ital. XIII (1884), 2. Heft, die Richtigkeit der Thatsachen anerkennend. Erklärung des Wortes „mandrogeronNote 227 · Mitgetheilt von C. Cipolla, Mem. Acad. Taurin. 2 Ser. 42. Bd. s. NA. XVII, 450.Note 228 · Hist. patr. Mon. XIII. C. D. Langobardiae p. 1442-1445. Arch. stor. Lomb. 1880, fasc. 26, p. 252-254.Note 229 · Die von Prutz über Radewin, S. 48, vermißten Stellen sind Antapod. I, 37 u. III, 14.Note 230 · Nach Lindner, Forsch. XXI, 90. 91.Note 231 · Die aus der Ashburnhamschen Bibl. nach Florenz gekommene Hs. ist eine Abschrift der Freising-Münchener nach Holder-Egger, NA. XI, 260. 264. Note 232 · Mab. II, 40-55. Rosetti, Bobbio illustrato III, 149-181. Verse aus B. ohne geschichtl. Inhalt NA. V, 623.Note 233 · De imperatoria potestate in urbe Roma. MG. SS. III, 719-722. Vgl. Wilmans in Ranke's Jahrbüchern II, 2, 235. Giesebr. I, 344. 782. BenutzungNote 234 · Graphia aureae urbis Romae bei Ozanam, Documents inédits p. 155 bis 183; gehört auch die Beschreibung in der vorliegenden Form dem 12. JahrhNote 235 · Nachrichten von d. k. Ges. d. Wiss. in Gött. 1885, S. 69-72, mit Zuziehung von Benedicts VII Epitaph bei Baronius a. 984, Watterich I, 86.
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