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Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)

II. Die Karolinger. (continued 3)

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Rudolf fügte noch eine kurze Uebersicht der Bezwingung der Sachsen durch Karl den Großen nach Einhard hinzu; dann rief ihn der Tod am 8. März 865 ab von dem wohlangelegten Werke. In den Annalen ist ihm ein kurzer Nachruf gewidmet, wo er als Historiker und Dichter gefeiert wird, und man vermuthet, daß auch der Maler Rudolf, dessen Werk Hraban in einem Epigramm rühmt, kein anderer gewesen ist. Die Fortsetzung des begonnenen Werkes übernahm sein Schüler Meginhard. Die Taufe Widukinds, mit der Rudolfs Erzählung abbricht, gab diesem den Uebergang auf dessen Enkel Waltbraht, der, an Lothars Hofe erzogen, sich mit vollem Eifer dem Christenthume zuwandte, und um das Christenthum in Sachsen besser zu befestigen, auszog, um aus Rom Reliquien zu holen. Die Empfehlungsbriefe, welche ihm Kaiser Lothar mitgab, hat Meginhard vollständig aufgenommen, hält sich dann aber bei den Vorfällen der Reise nicht lange auf, sondern geht bald zu seinem eigentlichen Gegenstande, den Wundern, über. Eine zweite Schrift ähnlicher Art, über den heiligen Ferrutius und dessen Uebertragung von Castel nach Bleidenstadt, nördlich von Wiesbaden, durch den Erzbischof Lull[25], ist eine Predigt und hat deshalb einen ganz überwiegend erbaulichen Charakter; eine große Fülle von Phrasen verdeckt den Mangel an geschichtlichem Inhalt, der nur aus den Inschriften von Bleidenstadt stammt.

Meginhard, der sich in der Widmung einer theologischen Abhandlung an den Erzbischof Gunther von Coeln als Schulmeister bezeichnet[26], ist, wie wir schon oben sahen, ohne Zweifel auch der Fortsetzer der Reichsannalen gewesen. Nur aus diesen sehen wir, daß die litterarische Thätigkeit in diesem Kloster noch nicht ganz erstarb. Nur aus dem Anfange des folgenden Jahrhunderts haben wir noch eine kurze Geschichte der Aebte von Fulda[27], einen sehr kurzen und gedrängten, aber recht hübsch geschriebenen Bericht, der jedoch nur mit Vorsicht zu benutzen ist, da er durchaus panegyrischer Natur und keineswegs geschichtlich wahrhaftig ist. Der Abt Huoggi (891-915) erlangte von Kaiser Arnulf die berühmte, noch jetzt erhaltene Evangelienhandschrift, deren Randglossen Bonifatius zugeschrieben werden[28]. Sonst aber ist von litterarischer Thätigkeit in diesem Kloster nichts auf uns gekommen. Es hat jedoch schon Waitz[29] erkannt, daß den Hersfelder Annalen bis in die Mitte des neunten Jahrhunderts eine in Fulda verfaßte Compilation zu Grunde liegt, welche aus den ältesten Lorscher Annalen, der kleinen Frankenchronik (Lauriss. min.) und einheimischen Aufzeichnungen zusammengesetzt war, und auch von Marianus Scotus benutzt wurde. H. Lorenz hat das weiter ausgeführt und glaubte das Endjahr zwischen 830 und 840 ansetzen zu können[30], wogegen G. Buchholz[31] geltend machte, daß dann der Mangel einer Verwandtschaft mit dem älteren Theil der sog. Ann. Fuld. nicht zu erklären sei. Fr. Kurze bemerkte, daß die Uebereinstimmung mit Marianus sich noch weiter erstrecke, und andererseits, daß für die erste Hälfte des zehnten Jahrhunderts dem Fortsetzer des Regino eine Fulder Quelle vorgelegen habe; beide schienen zusammen zu gehören[32]. So kommen wir auf eine Fulder Compilation des ausgehenden neunten oder des zehnten Jahrhunderts mit annalistischer Fortsetzung, Klosterannalen, in denen, wie es bei diesen Jahrbüchern der Fall zu sein pflegt, einzelne geschichtliche Nachrichten mit Begebenheiten aus der Hausgeschichte verbunden waren. Dafür wird der erste Theil der Annales S. Bonifacii von 716 bis 830 in Anspruch genommen[33]. Eine ausführlichere Geschichte des Klosters, die spurlos verschwunden ist, erwähnt und lobt Lambert in der Vorrede zu seiner Hersfelder Geschichte, SS. V, 137.

Litterarische Thätigkeit finden wir auch in dem nahe gelegenen, ebenfalls hessischen Kloster Hersfeld, welches um 770 von Lullus begründet wurde, als Fulda mit Erfolg seine Selbständigkeit gegen ihn behauptete, und bald zu kräftiger Entwickelung gelangte[34]. Auch von seiner Schule, seinen gelehrten Mönchen würde wohl manches zu berichten sein, wenn nicht die Ueberlieferungen dieses Klosters ein besonders ungünstiges Geschick betroffen hätte; die Hersfelder Annalen, Lamberts Geschichte von Hersfeld, sind verloren, und auch von Lamberts Jahrbüchern ist keine alte Handschrift vorhanden; da mag noch anderes spurlos für uns verschwunden sein. Der Abt Balthard († 796) kann vielleicht derselbe sein, an welchen zwei Briefe seiner Schwester Berthgyth in der Bonifazischen Sammlung sich erhalten haben[35]. Abt Bun bewog 836 den gelehrten Lupus, ein Leben Wigberts zu schreiben[36], den Bonifaz als Abt von Fritzlar eingesetzt hatte; seine Gebeine waren nach Hersfeld übertragen, und in den Wundergeschichten finden sich einige geschichtliche Nachrichten. Eine Handschrift, welche leider verschollen ist, enthielt auch eine poetische Bearbeitung dieser Vita in sehr barbarischer Sprache, von einem Hersfelder Mönch, welcher sie Buns Nachfolger Brunwart (843-875) gewidmet hatte[37]. Dieser Brunwart war befreundet mit Hraban, welcher an ihn, als er noch Chorepiscopus war, Verse richtete[38]. Die Annalen, welche von besonderer Wichtigkeit für uns sind, gehören erst der folgenden Periode an.

Beide Klöster, Fulda und Hersfeld, blieben in engster Verbindung mit dem Erzbisthum Mainz; ihr Theil war die Pflege der Wissenschaft, während die Metropole zu sehr in die politischen Händel verwickelt wurde, um in litterarischer Beziehung eine hervorragende Stelle einzunehmen, wenn wir von den Reichsannalen absehen. Auf Lulls Nachfolger Riculf (786 bis 813), den der Mönch von St. Gallen als dumm und hochmüthig schildert, wohl übertreibend, da er unter dem Namen Damoetas zu Karls Hofgelehrten gehörte[39], folgte zuerst Lulls Schüler Haistulf (813-825), dann bis 847 Otgar, ein Verwandter Riculfs und eifriger Parteimann. Er ist es, welcher den Diaconus Benedict zur Ergänzung der Capitulariensammlung des Ansegis veranlaßt haben soll, und man hat ihn deshalb für den Mitschuldigen der hierin enthaltenen Fälschungen gehalten, eine Ansicht, welche jetzt von P. Hinschius als unbegründet widerlegt ist, da Benedicts Werk erst nach Otgars Tod vollendet worden ist, und die ganze Notiz ist vielleicht nur betrüglich erfunden. Zu verdanken haben wir ihm wahrscheinlich den Abschluß der Mainzer Briefsammlung, in welcher der Correspondenz des Bonifatius Briefe von Lull und Otgar sich anschließen[40]. Für seine Metropole brachte Otgar von seiner Gesandtschaft an Lothar nach Pavia 836 die Reliquien des h. Severus, Bischofs von Ravenna, nebst Frau und Tochter heim; ein französischer Speculant, der solch kostbare Waare durch Lug und Trug sich diebischer Weise zu verschaffen und dann theuer zu verkaufen pflegte, fand an Otgar einen Kunden, denn um so heiligen Besitz zu gewinnen, galt auch den frömmsten Männern Meineid und Diebstahl für zulässig[41]. Groß war die Freude in Mainz und in Erfurt, wohin zur Beförderung des Christenthums in Thüringen S. Severus abgelassen wurde, allein man hatte noch keine Kunde von dem Leben des Heiligen, bis der Priester Liudulf eine Pilgerfahrt nach Rom mit einem Besuche in Ravenna verband, und die dort gewonnene Auskunft mittheilte; hinzugefügt ist von ihm die geschichtlich nicht ganz unwichtige Erzählung von der Erwerbung der Reliquien durch Otgar[42]. Er schrieb unter Hrabans Nachfolger Karl (856-863), dem aquitanischen Prinzen, von dessen gelehrten Studien nichts bekannt ist. Die Bedrängniß der Kirchen durch die Vertheilung ihrer Güter an Kriegsleute veranlaßte einen Mainzer Geistlichen zur Aufzeichnung der Visio Caroli (S. 188), welche er noch mündlich von Hraban erfahren haben wollte. Nach Karl verwaltete Liutbert 26 Jahre lang das Erzbisthum, ein wohlgesinnter und nicht ungelehrter Herr, der sich auch der Reichsannalen wieder annahm, aber die wirren Zeiten, die immer schrecklicheren Einfälle der Normannen, drängten alle wissenschaftliche Beschäftigung in den Hintergrund: im Kampfe gegen diese Unholde verlor 891 Liutberts Nachfolger Sunderold oder Sunzo nach kurzer Amtsdauer das Leben, ein Fulder Mönch, dem einst, da er noch einfacher Priester war, Meginhard die Erzählung von der Uebertragung des h. Alexander gewidmet hatte. An seiner Statt erhob Kaiser Arnulf Hatto, den Abt von Reichenau, berühmt durch seine Klugheit und Thatkraft, auch wegen seiner kirchlichen Gelehrsamkeit hoch gefeiert, aber die äusseren Sorgen für Kirchenzucht und Reichsregierung nahmen ihn vollständig in Anspruch; diesen Zwecken diente auch das Werk de synodalibus causis, welches Regino ihm gewidmet hatte[43].

§ 15. Sachsen. Münster, Bremen, Hamburg. [←]

Als Sturm zuerst in Hersfeld sein neues Kloster gründen wollte, verwarf Bonifaz diesen Vorschlag wegen der Nähe der heidnischen Sachsen. Karl aber zog auch dieses Volk in den Kreis der christlichen Bildung, und so gewaltsam auch die neue Pflanzung begründet wurde, sie schlug doch bald kräftige Wurzeln, und die Söhne der Bekehrten gaben sich bereits mit regem Eifer der neuen Lebensrichtung hin. Lange schon hatten die Angelsachsen sich danach gesehnt, hin und wieder auch versucht, ihren alten Stammesbrüdern das Evangelium zu bringen; jetzt drangen sie unter dem Schutze Karls vor, und pflanzten den Baum der neuen Lehre, der in dem frischen Erdreich bald kräftig und segensvoll gedieh.

Einer der hervorragendsten unter ihnen war Liudger, von Geburt zwar ein Friese, aber ein Schüler der angelsächsischen Glaubensboten. Er selbst hat uns in dem Leben seines Lehrers, Gregor von Utrecht[1], die Werkstatt geschildert, wo ein großer Theil der Lehrer für das Sachsenvolk ausgebildet wurde; ergänzt werden seine Nachrichten durch seine eigene Lebensbeschreibung von Altfrid.

Liudgers Großvater Wursing, ein reicher und vornehmer Friese, hatte sich, von Radbod vertrieben, zu den Franken geflüchtet und die Taufe angenommen; als dann Karl Martell nach der Besiegung des Landes das Bisthum Utrecht begründete, siedelte er auch Wursing mit den Seinen dort an, und an ihnen fand Willibrord die kräftigste Stütze. Nach Willibrords Tode nahm Bonifaz sich des verwaisten Bisthums an; dann ward es der Pflege Gregors übergeben, der lange Zeit ein treuer Begleiter und Gehülfe seines Lehrers Bonifaz gewesen war und nun als Abt dem Martinstifte vorstand. Die bischöflichen Geschäfte versah neben ihm der Angelsachse Aluberht. Dieser war wie so viele seiner Landsleute zur Mission gekommen, und kehrte auf Gregors Wunsch mit Utrechter Geistlichen heim nach York, wo er 767 vom Erzbischof Aethelberht ad Ealdsexos zum Bischof geweiht wurde, mit ihm Liudger zum Diaconus. Durch diese Verbindung sind, wie R. Pauli nachgewiesen hat, Nachrichten über Karls des Großen Sachsenkriege, dann auch durch Alcuin andere nicht unwichtige Angaben, in die nordenglischen Annalen gekommen[2].

Liudger hatte sich, wie mehrere von Wursings Nachkommen, der Kirche gewidmet, er genoß schon damals Alcuins Unterweisung, und kehrte später dieses Unterrichtes wegen noch einmal nach York zurück, bis ihn nach drei Jahren und sechs Monaten ein Streit zwischen den Friesen und Angeln nöthigte, nach Utrecht heimzukehren, wo Gregor zahlreiche Schüler aus allen deutschen Stämmen, nach Liudgers Angabe auch Sachsen, um sich versammelte. Unter Gregors Neffen und Nachfolger Alberich war die Leitung dieser Schule in solcher Weise vertheilt, daß abwechselnd Alberich selbst, Liudger, Adalgar und Thiatbrat[3], jeder ein Vierteljahr, derselben vorstanden. Die übrige Zeit verwandten sie auf die Seelsorge und die weitere Ausbildung des Volkes. Der Aufstand der Sachsen unter Widukind 782 brachte auch in Friesland das Heidenthum wieder zum Siege, und Liudger begab sich damals nach Montecassino, dessen klösterliche Einrichtung er später auf seine Stiftung Werden übertrug. Karl der Große aber vertraute ihm die geistliche Leitung von fünf friesischen Gauen an und verband damit im Anfange des neunten Jahrhunderts das neu errichtete Bisthum Mimigardeford in Westfalen, für welches seit dem 11. Jahrh. der Name Münster üblich wurde. Am 30. März 804 geweiht[4], wirkte er hier für die Befestigung der neuen Lehre bis zu seinem Tode am 26. März 809.

Die von ihm verfaßte Biographie Gregors ist in dem gewöhnlichen Legendenstil geschrieben, aber die stereotypen Phrasen sind hier von wirklicher Wärme erfüllt, von inniger Liebe zu seinem Lehrer und einer kindlichen Demuth, wo er seines eigenen Wirkens gedenkt. Es finden sich darin einige schätzbare Nachrichten über Bonifaz sowie über das Bisthum Utrecht; geschichtlicher Sinn zeigt sich jedoch wenig, es kommen arge Fehler vor, und auch die Sprache ist schwerfällig und gesucht. Als Geschichtsquelle ist Liudgers eigenes Leben von Altfrid[5] weit vorzuziehen, obgleich auch dieses von dem Verfasser, Liudgers Verwandtem und zweitem Nachfolger (839-849), auf Bitten der Mönche von Werden zunächst zum Zweck der Erbauung geschrieben wurde. Die Darstellung ist einfach und ansprechend, und die ganze Missionsthätigkeit tritt hier mit besonderer Anschaulichkeit uns entgegen. Noch in demselben Jahrhundert wurden in Werden zwei neue Bearbeitungen derselben verfaßt. Auch von Altfrids Vorgänger Gerfrid hat man eine Biographie gehabt, von welcher aber eine Erwähnung in der Bisthumschronik die einzige Spur ist[6]. Altfrids Nachfolger Liutbert, ein geborner Lothringer († 871), war vielleicht der Bischof Leutbert, welchem Sedulius eine sapphische Ode gewidmet hat[7].

Dem Kreise dieser Männer gehört auch Liafwin oder Lebuin an, ein Angelsachse, der zu Gregor nach Utrecht kam und sich, nachdem er eine Zeit lang an der Yssel gewirkt hatte, nach Sachsen begab, wo er auf dem Landtage zu Marklo unerschrocken das Christenthum verkündete. Seine Legende, welche besonders durch die Nachricht über diese Landtage und die Verfassung der Sachsen merkwürdig ist, wurde jedoch erst am Anfange des zehnten Jahrhunderts von Hucbald von St. Amand verfaßt, nicht in Münster, dessen wir nach diesen so viel versprechenden Anfängen nicht wieder zu gedenken haben werden[8].

Ueber die Stiftung des Klosters Werden an der Ruhr ist eine eigenthümliche Aufzeichnung vorhanden, welche trügerisch zwei Begleitern Liudgers in den Mund gelegt, in den wesentlichen Thatsachen aber richtig, und in ihrem ältesten Theil vielleicht schon um die Mitte des 9. Jahrhunderts geschrieben ist, als nach Altfrids Tod die Familie des Stifters vom Bisthum abkam und die Unabhängigkeit des Klosters bedroht war[9].

Ein anderer Angelsachse war Willehad aus Northumberland, der ebenfalls seine Missionsthätigkeit in Friesland begann und 780 von Karl dem Großen über den Gau Wihmodia gesetzt wurde. Auch ihn vertrieb der Aufstand Widukinds 782, dem ein großer Theil seiner Schüler und Gehülfen zum Opfer fiel. Er selbst flüchtete nach Friesland und pilgerte nach Rom; dann lebte er eine Zeit lang in stiller Zurückgezogenheit in Echternach; Karl aber rief ihn nach der Besiegung der Sachsen zu seiner früheren Thätigkeit zurück, und erhob ihn 787 zum Bischof von Bremen, wo er am 8. November 789 gestorben ist. Sein Leben[10] ist in einer kurzen und einfachen Darstellung beschrieben, welche von seinem berühmteren Nachfolger Anskarius, dem Apostel des Nordens, verfaßt sein soll, wie Adam von Bremen berichtet. Doch hat G. Dehio[11] darauf aufmerksam gemacht, daß die beiden Bücher (Vita und Miracula) nicht von einem Verfasser sein können, und nur das zweite von Anskar sein wird. Er hat ferner nachgewiesen, daß die einzigen chronologisch bestimmten Nachrichten 787 und 789 wörtlich ebenso im Chron. Moissiacense stehen, einige Worte über Widukind aber nicht nur da, sondern auch in den Ann. Laureshamenses. So ergiebt sich auch hieraus, daß dem Chron. Moissiac. ein vollständigerer Text der Ann. Lauresham. vorgelegen hat; die Herkunft der speciellen sächsischen Nachrichten aber vermuthet Dehio in einer Aufzeichnung, welche auch in den von Adam angeführten liber donationum Bremensis ecclesiae aufgenommen sein möchte, ein Buch, welches nach V. Ansk. c. 41 von Anskar angelegt sein dürfte. Doch vermuthet Simson, Forsch. XIX, 134, einfach die Lauresham. in vollständigerer Form als Quelle.

Wir gedachten schon oben der großartigen Idee Kaiser Karls, an den äußersten Grenzen seines Reiches Metropolen zu errichten, welche das Christenthum weit über die Marken hinaus tragen und den geistlichen Einfluß des Kaiserthums dahin erstrecken sollten, wo man seine Waffen nicht mehr fürchtete. Das Heidenthum war der christlichen Kirche unversöhnlicher Feind, es hing genau zusammen mit der alten freien Gemeindeverfassung, und aus beiden entsprangen die unablässigen Raubzüge, von denen die germanischen Nationen jetzt abgelassen hatten, vor denen sie nun aber in ihren gefährdeten Grenzen keine Ruhe fanden, bis die Ausbreitung des Christenthums dem alten Unwesen ein Ende machte.

Hamburg war dazu bestimmt, der kirchliche Mittelpunkt des Nordens zu werden[12]. Ludwig achtete nicht auf den unausgeführt gebliebenen Gedanken seines Vaters; als aber der flüchtige Dänenkönig Harald die Taufe verlangte und Anskarius oder Ansgarius, der ihn als Lehrer der Seinen begleitete, bald auch auf Schweden seine Wirksamkeit ausdehnte, da wurde der alte Plan wieder aufgenommen und Anskar 831 zum Erzbischof von Hamburg geweiht. Doch fehlte Karls starke Hand zum Schutze der neuen Schöpfung, welche dem in Dänemark und Schweden neu erstarkten Heidenthume gegenüber keine erhebliche Wirksamkeit gewinnen konnte. Die Reichstheilung entzog Anskar die Einkünfte der ihm angewiesenen Zelle Turholt in Flandern, und 845 wurde Hamburg selbst von den Dänen verwüstet. Da vereinigte Ludwig der Deutsche 847 das erledigte Bisthum Bremen mit dem Erzbisthum und sicherte dadurch dessen Bestand. Anskarius konnte nun mit ausreichenden Mitteln seine Wirksamkeit fortsetzen und starb nach einem Leben voll rastloser Thätigkeit am 3. Febr. 865. Einst hatte er in seiner Zelle Turholt in Flandern einen Knaben bemerkt, der ihm besonders hoffnungsreich erschien: es war Rimbert, den er zum Geistlichen erziehen ließ, und der dann bald als sein treuester und liebster Jünger sein unzertrennlicher Gefährte, zuletzt sein Nachfolger wurde. Dieser ist es, der mit einem andern Schüler Anskars zusammen[13] in Hamburg das Leben des Meisters bald nach dem Tode desselben geschrieben hat[14], voll warmer und inniger Liebe, zugleich aber reicher an Inhalt als die Mehrzahl der übrigen Biographieen ähnlicher Art. Anskars Leben gehört ohne Frage zu den bedeutendsten Quellenschriften des Mittelalters; die ganze reiche Wirksamkeit des glaubensstarken Erzbischofs, das volle Bild seiner großartigen, kindlich demüthigen und doch so verständigen Persönlichkeit tritt uns lebensvoll darin entgegen, und über die Zustände des Nordens verbreiten die einfachen und zuverlässigen Aufzeichnungen Rimberts das erste Licht. Daß auch Träume, Visionen, Wunder einen großen Raum darin einnehmen, liegt in der Natur der Verhältnisse; geschrieben wurde das Buch für die Mönche des Klosters Corbie, aus dem Anskar hervorgegangen war, dessen Mönche ihn begleitet hatten, und diesen lag mehr daran, ihren großen Klosterbruder als einen Heiligen geschildert zu sehen, als von den nordischen Heiden genaue Nachrichten zu erhalten. Man darf es bei der Beurtheilung dieser Litteratur nie vergessen, daß, was wir am meisten darin zu finden wünschen, gewöhnlich von den Verfassern wie von den Lesern als Nebensache betrachtet wurde.

Hier aber brachte es die ganze Art der Thätigkeit Anskars mit sich, daß auch die äußeren Verhältnisse, in denen er sich bewegte, geschildert werden mußten, und uns zum Glück hat Rimbert vieles von dem, was er berichtet, selbst mit durchlebt und gesehen. Darum reiht sich dieses Leben dem früheren Severins, dem späteren des Otto von Bamberg an. Unbedeutend dagegen ist des wackeren Rimbert eigene Lebensbeschreibung[15], von unbekanntem Verfasser. Geschrieben ist sie zu Lebzeiten seines Nachfolgers Adalgar, der von 888 bis 909 Erzbischof war.

§ 16. Fortsetzung. Corvey. Gandersheim. [←]

In Fulda, wie in Friesland, in Münster und Bremen, waren es Angelsachsen, welchen die Grundlagen der neuen Entwickelung verdankt wurden; bei Anskar aber war ein solcher Einfluß nicht nachzuweisen. Von Kindheit an im Kloster Corbie an der Somme erzogen, übernahm er dort schon früh die Leitung der Klosterschule und wurde dann der erste Vorsteher der Schule in dem neu gegründeten Tochterkloster Corvey in Sachsen.

Diese Stiftung war eine Frucht der nicht bloß äußerlich durch Zwang und Eroberung, sondern auch innerlich vollzogenen Einigung des fränkischen und des sächsischen Stammes. Schon König Pippins Bruder Bernhard hatte eine sächsische Gemahlin und Bernhards Söhne, Adalhard und Wala, nahmen sich eifrigst der Bekehrung und Belehrung ihres Volkes an.

Adalhard hatte Karls Hof verlassen, als dieser die Tochter des Königs Desiderius verstieß, war in Corbie Mönch geworden, und weil hier die Besuche seiner vornehmen Verwandten die klösterliche Ruhe störten, nach Montecassino entwichen. Aber Karl rief ihn von da zurück; er wurde Abt von Corbie und mußte von neuem an den Reichsgeschäften Theil nehmen. Namentlich hat er längere Zeit hindurch eine sehr bedeutende Stellung in Italien eingenommen. Wala aber war, als Karl starb, über Sachsen gesetzt.

Karl wünschte aus den Sachsen selbst Lehrer des Christenthums zu erziehen, und deshalb hatte er gefangene und als Geiseln übergebene Sachsenknaben in verschiedene Klöster vertheilt; viele derselben waren Adalhards Obhut in Corbie übergeben, und dieser gedachte in Sachsen selbst ein Kloster zu gründen, aber seine Sendung nach Italien verhinderte die Ausführung. Als Ludwig zur Regierung kam und mit dem kleinlichsten Hasse die Staatsmänner seines Vaters verfolgte, wurde Adalhard nach Noirmoutiers verbannt[1], Wala aber Mönch in Corbie. Dieser betrieb nun mit dem größten Eifer die Stiftung eines Klosters unter dem Volke, dem er durch seine Mutter angehörte; schon 815 wurde zu Hethis im Solling[2] eine Celle erbaut, aber der Ort war ungünstig und das neue Kloster fing erst an zu gedeihen, als Adalhard wieder Einfluß gewonnen hatte und Kaiser Ludwig 822 die Stiftung und den Neubau auf dem Königshofe Höxter gestattete[3]. Hier erblühte nun die neue Corbeja, wohin auch Ansgar damals als Lehrer ging, rasch und kräftig; nach Adalhards Tod (2. Januar 826) wurde Warin[4] zum Abt erwählt. Auch er hatte bereits das Schwert geführt und erst im späteren Alter mit der Mönchskutte vertauscht. Im Jahre 830 empfing er in seinem Kloster einen vornehmen Gast, Hilduin, den Abt von St. Denis, der nach Corvey verbannt war. Die liebevolle Aufnahme, welche dieser bei Warin fand, dankte er ihm später nach seiner Rückkehr durch ein kostbares Geschenk, den Leib des heiligen Veit, der 836 nach Corvey gebracht und hinfort als der Hort und Schutz des sächsischen Volkes betrachtet wurde.

Ueber diese Ereignisse berichtet uns ein ungenannter Mönch von Corvey in der Erzählung von der Uebertragung des heiligen Veit[5], der er selbst beigewohnt hatte. Es kann wohl, obgleich Jaffé es nicht gelten lassen wollte, nicht zweifelhaft sein, daß dem Bericht von der Uebertragung und den Wundern die Erzählung der Stiftung des Klosters erst nachträglich vorangestellt ist, doch vermuthlich von demselben Verfasser oder mindestens einem Zeitgenossen. In Corbie dagegen schrieb Radbert, mit dem Beinamen Paschasius, einer der bedeutendsten unter den gelehrten Theologen dieser Zeit[6], das Leben der Brüder Adalhard und Wala, jedoch so überladen mit rednerischem Schmuck, daß die Thatsachen nur mühsam herauszufinden sind. Adalhards Leben[7] ist bald nach seinem Tode, noch bei Lebzeiten des Wala geschrieben; es ist eigentlich nur eine Todtenklage, nach Traube's Vermuthung mit dem Rotulus an die verbrüderten Klöster versandt, und nachträglich, als Wala nicht, wie er gewünscht, Abt von Corvey geworden war, mit Zusätzen versehen. Die hinzugefügte Egloga, ein Wechselgesang der alten und der neuen Corbeja, ist ohne die Vita unverständlich und gehört nothwendig dazu. Schwülstiger und schwer verständlich ist das Leben des Wala[8] († 836), welches in Nachahmung des Cicero[9] in Gesprächsform verfaßt und aus Furcht vor dem Kaiser und Karl dem Kahlen in absichtliche Dunkelheit gehüllt ist; außerdem war der Verfasser nichts weniger als unbefangen und folgte zur Verherrlichung seines Helden und zur Erbauung seiner Leser, wie billig, kirchlichen Gesichtspunkten, politische lagen ihm fern.

Natürlich begannen schon unter Adalhard Schenkungen dem neuen Kloster zuzuströmen; diejenigen Traditionen, über welche eigene Urkunden nicht ausgestellt waren, was damals noch selten geschah, wurden bis 1037 auf eine Rolle geschrieben und von dieser durch den Bruder Johannes abgeschrieben. Es begegnete ihm aber dabei das Unglück, daß er mit der Rückseite anfing, weshalb die ältesten Traditionen unter Adalhard erst § 225 beginnen[10].

Verloren sind uns leider Adalhards Briefe, und nur in einem Auszuge Hinkmars erhalten seine Schrift über die Hofordnung Karls des Großen[11], welche auch so noch zu den lehrreichsten Denkmälern dieser Zeit gehört, deren Zuverlässigkeit aber durch die Ueberarbeitung ungewiß geworden ist. Hinkmar war nämlich damals aus seiner einflußreichen Stellung verdrängt und sehr unzufrieden; er kämpfte vergeblich für die Unabhängigkeit der Bischofswahlen und klagte über den ungeordneten Einfluß von Günstlingen. Deshalb stellte er hier Karlmann, dem Sohne Ludwigs des Stammlers, 882 ein ideales Bild der guten alten Zeit vor Augen. Mit der Wahrheit nimmt Hinkmar es auch sonst nicht eben genau, und Vorsicht ist daher dringend geboten. Im allgemeinen aber entspricht die Darstellung den wirklichen Verhältnissen, wie sie uns, freilich unvollkommen genug, aus Karls Zeit bekannt sind.

Das Andenken Wala's hat sich, wie R. Wilmans sehr scharfsinnig nachgewiesen hat, in dem Nonnenkloster Herford, einer von derselben Familie ausgegangenen Stiftung, erhalten. Man nannte ihn Walder oder Waltger, und Wigand, ein Landpfarrer, vielleicht von Kirchdornberg, schrieb im 13. Jahrh. seine Legende, in welcher freilich von der wirklichen Geschichte nur noch schwache Spuren geblieben sind[12].

Das Leben der Ida, der Mutter Warins (welche Verwandtschaft aber sehr zweifelhaft ist), ist erst auf Anlaß ihrer Erhebung 980 durch den Bischof Dodo von Münster unter Abt Liudolf von Uffing, einem Werdener Mönche, geschrieben und erscheint wenig glaubwürdig[13].

Einige Nachrichten über diese ersten geistlichen Stiftungen im Sachsenlande sind uns ferner noch erhalten in den Berichten über die Erwerbung und Uebertragung der Reliquien, welche zu ihrem Gedeihen nun einmal unerläßlich waren; so erhielt Herford 860 die heilige Pusinna[14], Paderborn schon 836 aus Le Mans den h. Liborius[15]; die Erzählungen davon sind aber erst gegen das Ende des neunten Jahrh. verfaßt, die letztere durch den Bischof Biso, einen Zeitgenossen des Kaisers Arnulf veranlaßt, während die Uebertragung ein Werk des Bischofs Badurad war. Ein gleiches Verhältniß beider Bischöfe begegnet uns darin, daß zu Badurads Zeit Mainulf, ein vornehmer Sachse, Canonicus in Paderborn geworden war und das Nonnenkloster Boeddeken gestiftet hatte, Biso aber dessen Leib feierlich erheben ließ, vermuthlich auch eine Lebensbeschreibung veranlaßte. Diese ist jedoch verloren; wir besitzen nur eine Ueberarbeitung, welche von dem Verfasser Sigeward einem nicht näher bezeichneten Albinus zugeeignet ist. Der Herausgeber C. Byeus vermuthet in jenem den Abt von Fulda (1039 bis 1043) vor seiner Erhebung zur Prälatur, wofür, wie Holder-Egger bemerkt, keinerlei Gründe vorhanden sind, in Albin den berühmten Lehrer Albwin von Hersfeld, welcher 1043 Abt von Nienburg wurde. Die Sprache ist jener Zeit angemessen, Reimprosa mit übertriebenem Streben nach Schönrednerei, mit Brocken aus Horaz und Vergil geschmückt; es war nicht des Verfassers Schuld, daß ihm geschichtliche Thatsachen fast gar nicht vorlagen, und die Wundergeschichten, welche er zu berichten hatte, noch alberner waren als gewöhnlich[16]. Auch das Leben der heiligen Liutbirg[17], einer Klausnerin bei Halberstadt, die bis zu den Zeiten König Ludwig des Jüngeren (876-882) lebte, giebt Kunde von dem Eifer, mit welchem die Neubekehrten sich der Kirche zuwandten, und ist merkwürdig durch die darin enthaltenen Angaben über die Nachkommen jenes Hessi, des Fürsten der Ostfalen, welcher sich 775 Karl dem Großen unterworfen hatte.

Aus Corvey aber sind uns noch Ostertafeln erhalten, im achten Jahrhundert von angelsächsischer Hand geschrieben und mit wenigen Bemerkungen versehen, zu welchen die Mönche des Klosters im Laufe der Zeiten andere hinzugefügt haben; als Geschichtswerk kann man diese kurzen Notizen nicht betrachten, und auch der materielle Inhalt ist für die vorliegende Periode fast ohne Bedeutung[18]. Dagegen hat der Abt Bovo (879-890), ein Neffe Warins, oder nach Wilmans' Vermuthung vielmehr Bovo II (900-916) ein Werk geschrieben, aus welchem Adam von Bremen (I, 41) ein werthvolles Bruchstück über die Normannenschlacht von 884 erhalten hat[19]. Er führt es ein mit den Worten: „de sui temporis actis scribens non reticuit dicens“, und danach möchte man an ein Werk über die Geschichte seiner Zeit denken, doch fällt es auf, daß nirgend sonst sich eine Spur davon findet, auch Adam nur diese eine Anführung hat. Die Hauptsache ist das Verdienst des Erzbischofs Rimbert, von welchem ein Brief über denselben Vorfall in die Fulder Annalen aufgenommen war, aber leider in unserer Handschrift ausgelassen ist. Adam bezeichnet den Vorgang als ein Wunder, und vielleicht waren Wundergeschichten der Inhalt des Werkes. Derselbe Bovo II zeichnete sich durch seine Kenntniß des Griechischen aus, und erregte allgemeines Erstaunen, als er dem König Konrad ein griechisches Schreiben auszulegen vermochte, vermuthlich 913, als der König das Kloster besuchte[20]. Wir besitzen aber noch ein Werk von ihm, welches durch Gelehrsamkeit und vortreffliche Latinität der besten karolingischen Schule vollkommen würdig ist, und auch griechisch geschriebene Wörter enthält, welche Kenntniß der Sprache zeigen, nämlich einen Commentar zu Boeth. de consol. phil. III metr. IX. Diesen schrieb er auf den Wunsch des Bischofs Bovo, seines viel jüngeren Blutsverwandten, der unter ihm in Corvey Mönch geworden[21], und jetzt durch weite Länderstrecken (longinqua nimis terrarum intercapedine) von ihm getrennt war; er schrieb ihm trotz schwerer Sorgen, „inter miserias et aerumnas, quas inter civilia bella et paganorum, ut prophetice loquar, velociores aquilis incursiones sine cessatione patimur“[22].

Begreiflich ist es, daß bei noch wachsender Bedrängniß auch hier die Feder ruhen mußte, daß von Bovo's Ruhm und seinen Werken nur eine dunkle Erinnerung blieb, und daß eine neue Zeit erst anbrach, als die Thaten der Ottonen neuen Anstoß zu schriftstellerischer Thätigkeit gaben.

Dasselbe war der Fall in einem andern Kloster, welches den Ludolfingern noch näher stand als Corvey, in Gandersheim, wo Graf Ludolf selbst um 850 eine ältere Stiftung erneuert hatte und Prinzessinnen seines Hauses als Aebtissinnen walteten. Die erste, bis zum Jahre 874, war Ludolfs Tochter Hathumod, deren Leben von ihrem Bruder Agius beschrieben wurde, der nach einer Vermuthung von Pertz wahrscheinlich Mönch in dem nahe gelegenen Kloster Lammspring war, aber, wie Dümmler bemerkt, ebenso gut Corvey angehört haben kann. In der Form ahmte er, wie Traube bemerkt[23], das Vorbild des Paschasius Radbertus nach, indem er zu der in Prosa geschriebenen Biographie Elegieen hinzufügte, die eine tiefgefühlte rührende Todtenklage enthalten[24]. Sowohl die reine und fehlerfreie Sprache, die gewandte Ausdrucksweise, der fließende, wenn auch nicht ganz correcte Versbau, wie das zarte und sinnige Gemüth des Verfassers, den die innigste Liebesgemeinschaft mit seiner Schwester verbunden hatte, verleihen diesen Schriften einen ganz besonderen Reiz; die mancherlei Nachrichten über die verschiedenen Mitglieder dieser zahlreichen und ausgezeichneten Fürstenfamilie geben ihnen außerdem noch einen größeren Werth für den Geschichtsforscher.

Pertz hat die Vermuthung ausgesprochen, daß wohl derselbe Agius jener sächsische Dichter sein möge, welcher Einhards Jahrbücher metrisch bearbeitete. Dieselben Vorzüge des Ausdruckes finden sich darin wieder, und die einzige vorhandene Handschrift stammt aus dem Kloster Lammspring[25]. Doch ist sie kein Original, und jene Annahme nicht ohne Bedenken. Deutlich aber bezeichnet der ungenannte Dichter sich als einen Sachsen, den in den ersten Jahren der Regierung Königs Arnulfs die Dankbarkeit gegen den großen Sachsenbekehrer, welchem er nicht allein den Glauben, sondern auch die litterarische Bildung allein verdankte, zu dem Unternehmen getrieben habe, Karls Leben und Thaten in Versen zu verherrlichen. Er hält sich dabei ganz genau an die Einhardischen Annalen und an das ausdrücklich citirte Leben Karls von Einhard, welchem das letzte, in Distichen verfaßte Buch entnommen ist; nur wenige Schilderungen aus eigener Kenntniß beleben die reizlose Paraphrase. Von 801 an haben ihm jedoch, wie Bernhard Simson nachgewiesen hat, jene Annalen nicht mehr vorgelegen, sondern dürftigere, den Hersfelder verwandte, vermuthlich Halberstädter Annalen, aus welchen die falsche Angabe über den 803 zu Salz mit den Sachsen abgeschlossenen Frieden sich erklärt[26]. Pückert (S. 172 bis 180) nimmt Benutzung des verlorenen Werkes (oben S. 226) in einer Metzer Bearbeitung und Angehörigkeit des Verfassers zu St. Arnulf in Metz an.

§ 17. Lothringen. [←]

Richbod von Trier (795-804) ist als Schüler Alcuins bekannt, und wird als ein Mann von gründlicher Gelehrsamkeit und Bildung gerühmt; Alcuin warf ihm vor, daß er die Aeneide besser kenne, als die Evangelien. Ohne Zweifel wird er sich um die Schulen in seinem Sprengel verdient gemacht haben. Auch Amalarius (809 bis 814) machte sich als Schriftsteller bekannt[1]; an seinen Nachfolger Hetti (814-847) schickte Einhard mit einem freundschaftlichen Briefe (ep. 10, bei Jaffé 23) einen Theil seiner kostbaren Reliquien, vermuthlich für die von ihm gestiftete und 836 eingeweihte Castorkirche zu Koblenz. Von ihm hat sich eine Anleitung zum kirchlichen Unterricht in Gesprächform erhalten[2]; ihm zur Seite stand als Landbischof Thegan, der schon erwähnte Biograph Ludwigs des Frommen. Sein Neffe und Nachfolger war Thietgaud (847-863), Grimalds Bruder, aber sehr unvortheilhaft bekannt durch seine Mitschuld an Lothars II Scheidungsgeschichte. Am Ende des Jahrhunderts, nach der entsetzlichen Verheerung durch die Normannen 882, war Ratbod Erzbischof (883-915), welcher den vertriebenen Abt von Prüm, Regino[3], zu gelehrten Arbeiten veranlaßte.

Dieser Regino war von Jugend auf im Kloster Prüm erzogen, wo schon unter dem Abte Markward (829-853) litterarische Thätigkeit bemerkbar wird. Verwandt mit Lupus, war nämlich auch Markward in Ferrières Mönch geworden, wo damals Alderich, später Erzbischof von Sens, Abt war, und nach Markwards Erhebung zum Abt von Prüm folgte sein Klosterbruder Ado, der als Erzbischof von Vienne seine Neigung zur Geschichtschreibung bewährt hat, der Einladung, eine Zeit lang in Prüm zu wirken. Markward selbst war Hüter und Lehrer Karls des Kahlen gewesen, als dieser 833 nach dem Siege Lothars nach Prüm verwiesen war[4]; Lupus (ep. 85) sendet ihm Grüße von demselben und schickte ihm Knaben zur Ausbildung. Schon bevor er Abt wurde, hatte Lupus 839 das Leben des h. Maximin verfaßt und seinem Freunde Waldo gewidmet, vielleicht demselben, welcher später Abt von St. Maximin wurde (oben S. 236).

In Prüm verfaßte auf Markwards Veranlassung Wandalbert (geb. 813) 839 die geschichtlich nicht ganz unwichtigen Wunder des heiligen Goar, welche er zu der Ueberarbeitung der alten Legende hinzufügte; den Schluß bildet ein ausführlicher Bericht über die Erwerbung der Cella S. Goaris durch Verleihung Pippins und Bestätigung Karls des Großen[5]. Auch besitzen wir von Wandalbert das schon oben (S. 60) erwähnte metrisch bearbeitete Martyrologium, welches er auf Antrieb eines sonst nicht bekannten Otricus begann, als er sich in Cöln aufhielt, und nachdem es vollendet war, mit einer Commendation an Lothar versah, 5 lustra nachdem dieser Kaiser geworden, also 848. Die künstlichen Versmaße der dazu gehörigen Gedichte zeugen von seiner Gelehrsamkeit, und während die Hauptmasse ihrer Natur nach fast reine Prosa ist, bieten uns namentlich die Beschreibungen der Monate anziehende Schilderungen ländlicher Beschäftigung in leicht fließenden Versen[6]. Markward aber übertrug im Jahre 844 die Gebeine der heiligen Chrysanthus und Daria nach Münstereifel, welches damals zu Prüm gehörte; Theganbert oder Thegan war es, der sie hier am 25. October feierlich beisetzte, und der Abt versäumte nicht, für die Aufzeichnung dieser Begebenheit zu sorgen oder, wie Holder-Egger vermuthet, sie selbst aufzuzeichnen[7]. Unter Abt Eigil (853-860) brachte der Tod des Kaisers Lothar in der Kutte eines Prümer Mönches dem Kloster hohen Ruhm und reiches Gut; Eigil selbst, ein gelehrter Mann, an den Hraban eine Abhandlung gerichtet hat, entsagte 860 seiner Würde, vielleicht, wie Mabillon vermuthete, weil er die Entscheidung gegen Thietberga unterzeichnet hatte. Er folgte dann einer Einladung Karls des Kahlen und erhielt die Abtei Flavigny, wohin er 864 von Alise-Sainte-Reine die h. Regina übertrug; die Geschichte der Uebertragung sammt den Wundern ließ er aufzeichnen, nachdem er 865 Erzbischof von Sens geworden war[8].

Auch Annalen sind um diese Zeit in Prüm geschrieben; anfangs aus älteren Annalen ausgezogen, bringen sie locale Nachrichten bis 860, bis zu welchem Jahre sie in Stablo ausgeschrieben sind, und wurden dann in Prüm bis 922 fortgeführt; damals hat sie, wie es scheint, der zum Bischof von Lüttich erhobene Abt Richarius nach Lüttich mitgenommen, wo sie weiter fortgesetzt wurden. Aus der Chronik des Regino sehen wir, daß es ein ausführlicheres Exemplar dieser Annalen gegeben haben muß, welches Regino benutzte[9].

Allein im Jahre 882 und noch einmal 892 erlag auch dieses herrliche Kloster den räuberischen Dänen; der Abt Farabert legte nach der Zerstörung desselben sein Amt nieder, und zu seinem Nachfolger wurde Regino gewählt. Aber die Parteikämpfe, welche damals Lothringen zerrissen, ließen auch ihm keine Ruhe; er mußte 899 seinen Gegnern weichen, und fand eine Zuflucht in Trier, wo er im Kloster St. Maximin 915 bestattet ist[10]. Der Erzbischof übergab ihm das ebenfalls von den Normannen verwüstete Martinskloster, welches unter seiner Leitung hergestellt sein soll[11]; vorzüglich aber scheint er sich seiner Gelehrsamkeit bei der Verwaltung seines kirchlichen Amtes bedient zu haben. Oft, sagt Regino, habe er gesehen, wie der Erzbischof sich erzürnt habe über den unmelodischen und fehlerhaften Gesang in den Chören seiner Sprengel, zu welchen er ihn also vermuthlich auf Visitationsreisen begleitet hat. Und wie er diesem Mangel durch seine Schrift de harmonica institutione[12] abzuhelfen suchte, so verfaßte er auf Ratbods Wunsch sein umfassendes und lehrreiches Werk über die Kirchenzucht zu dem praktischen Zwecke, bei Visitationen, welche wegen der argen Verwilderung der Geistlichkeit wie der Laien dringend nothwendig waren, alle erforderlichen Vorschriften des canonischen Rechtes in mäßigem Umfang darzubieten[13]. Diese um 906 unternommene Schrift widmete er Hatto von Mainz, dem damaligen Regenten des Reichs; an den Erzieher des jungen Königs, den gelehrten Bischof Adalbero von Augsburg, sandte er 908 seine Chronik von Christi Geburt bis zum Jahre 906. Dieses Werk verdient unsere Beachtung als einer der frühesten Versuche die Weltgeschichte in einer ziemlich ausführlichen Erzählung zusammenzufassen, eine Aufgabe, an welche sich damals nicht leicht jemand wagte und deren Schwierigkeiten außerordentlich groß waren. Die Ausführung ist freilich auch sehr mangelhaft geblieben und namentlich die Chronologie in der höchsten Verwirrung; auch versucht er gar nicht wie Frechulf eine Verarbeitung seiner Quellen, sondern begnügt sich mit wörtlichem Ausschreiben, was von nun an immer mehr üblich wurde. Beda, die Thaten der Frankenkönige, und andere bekannte Quellen bilden die Grundlage seines Werkes, welches anfangs nach den Regierungen der Kaiser angeordnet ist; weiterhin geht er, der Natur seiner Quellen folgend, in die annalistische Form über und fährt auch selbst in dieser Weise fort. Darin ist seine Chronik den auch von ihm benutzten Reichsannalen ähnlich, aber sie unterscheidet sich sehr wesentlich dadurch, daß er nicht gleichzeitig mit den Begebenheiten schrieb und deshalb auch gerade in der chronologischen Anordnung derselben wenig zuverlässig ist[14].

In dieser Beziehung hat bei ihm wie bei manchem anderen das Vorbild der Annalen nachtheilig gewirkt; denn für die Aufzeichnung unbestimmt gewordener Ueberlieferungen ist die annalistische Form nicht nur hinderlich, sondern die scheinbare Bestimmtheit verleitet auch dazu, den Angaben mehr Gewicht beizulegen, als ihnen zukommt. Bis zum Jahre 814 hat Regino die Lorscher Annalen benutzt; von da an aber fehlten ihm außer den oben erwähnten kurzen Annalen seines Klosters schriftliche Hülfsmittel, was wohl nur durch die Verheerungen der Normannen zu erklären ist, und er mußte sich zur Ausfüllung der großen Lücke von Karls des Großen Tode bis auf seine Zeit allein auf die so unsichere mündliche Tradition verlassen; nur über die Händel, welche Lothars II ärgerliche eheliche Verhältnisse veranlaßten, standen ihn Urkunden zu Gebote[15].

Auffallend und für die Stellung Lothringens charakteristisch ist es dabei, wie wenig Regino von dem Ostfrankenreiche zu sagen weiß, während er von den Westfranken viel und eingehend erzählt, und namentlich die Bretagne besonders berücksichtigt, ein Umstand, den Dümmler durch die dort gelegenen Besitzungen der Mönche von Prüm erklärt. Ueber das, was er selbst mit erlebt hat, giebt Regino sodann ausführliche und schätzbare Nachrichten. Daß er von den entfernteren Ereignissen nur unsichere Kunde erhalten hat, wird man ihm nicht zum Vorwurfe machen; über Lothringen aber war er genau und zuverlässig unterrichtet, und würde gewiß noch tiefer in die dortigen Verhältnisse blicken lassen, wenn ihn nicht die Besorgniß vor dem Zorne der Machthaber verhindert hätte, die ganze Wahrheit zu sagen. Als diesen Machthaber, welchen er fürchtet, hat Harttung mit Wahrscheinlichkeit Karl den Einfältigen nachgewiesen, der nach einer Angabe des Trithemius seine Absetzung veranlaßte, weil er ein Anhänger von K. Odo's Bruder Robert war. Sein Rival war Richar, der Bruder von Gerhard und Matfrid, später Bischof von Lüttich; durch verleumderische Angaben über schlechte Verwaltung soll er ihn verdrängt haben, nach Inhalt eines Briefes von Regino, der den Magdeburger Centuriatoren noch bekannt und wahrscheinlich in einem Exemplar der Chronik abgeschrieben war. Zur Zeit aber, als Regino seine Chronik schrieb, gehörte Lothringen zu Karls Reich[16]. Seine Zurückhaltung hat Regino jedoch nicht davor schützen können, daß aus seinem Werke z. J. 892 ein bedeutendes Stück, in welchem er von seinen eigenen Schicksalen erzählte, ausgeschnitten und vernichtet wurde.

Seine Schreibart ist einfach und dem Gegenstande angemessen, und wenn es ihm auch keineswegs gelungen ist, die Weltgeschichte in wirklich historischer Weise zu bearbeiten, so zeigt er doch für die ihm näher liegenden Zeiten und Verhältnisse einen freien Blick und gesundes Urtheil; die eigenen Erfahrungen und die freundschaftliche Beziehung zu einem hochstehenden Kirchenfürsten erhoben ihn über die gewöhnlichen Annalisten, und sein Werk steht am Ende der karolingischen Zeit als eine bedeutende Erscheinung da, der sich wohl weitere Fortschritte angeschlossen haben würden, wenn nicht gerade jetzt die äußere Noth für lange Zeit alle wissenschaftlichen Bestrebungen erdrückt hätte.

Als die bei allen ihren Mängeln doch bei weitem beste umfassende Behandlung der Weltgeschichte ist Regino's Chronik bis ins zwölfte Jahrhundert viel benutzt worden und hat große Verbreitung gefunden, wobei denn auch seine großen chronologischen Irrthümer manchen irre geleitet haben.

Man kann wohl nicht bezweifeln, daß Lothringen mit seinen bedeutenden Kirchen und Klöstern noch manches andere Geschichtswerk hervorgebracht hat, welches in den furchtbaren Verheerungen des Landes durch Normannen und Ungarn zu Grunde gegangen ist; die blühendsten Klöster verödeten und kamen in Laienhände, so daß eine Periode tiefer Dunkelheit eintrat, welche später der kecken Erdichtung freien Spielraum darbot. Merkwürdig sind auch in dieser Beziehung die Annalen von Xanten[17], weil sie nirgends erwähnt oder benutzt sind, und völlig spurlos verschollen sein würden, wenn nicht Pertz sie 1827 in einer angebrannten Handschrift der Cottonschen Bibliothek entdeckt hätte. So war auch dieser vereinzelte Rest der höheren Ausbildung jener Periode dem gänzlichen Untergange schon ganz nahe gewesen. Nach Xanten sind diese Annalen benannt, weil die Zerstörung des Stiftes durch die Normannen 863 ausführlich erzählt ist, aber sonst ist gar nicht von Xanten die Rede, und auch hier findet sich die falsche Jahreszahl 864, wie überhaupt eine Verschiebung der Jahreszahlen, welche annehmen läßt, daß nur eine Compilation uns vorliegt. Einem Auszug aus den Reichsannalen schließt sich hier eine selbständige Fortsetzung von 831 bis 873 an, von verschiedenen Verfassern gleichzeitig aufgezeichnet, hin und wieder ziemlich ausführlich. Reichsgeschichte zu geben war die Absicht, aber es fehlte die Verbindung mit dem Hofe; Zusammenkünfte der Könige werden erwähnt, aber die Beschlüsse bleiben dem Schreiber unbekannt; zu gleichmäßiger Berichterstattung fehlen ihm die Hülfsmittel. Viel ist von Himmelserscheinungen, Ueberschwemmungen, Heuschrecken die Rede, vom Elend der Zeiten sind die Verfasser sehr erfüllt. Der Cölner Sprengel wird vorzüglich berücksichtigt, daneben der benachbarte von Münster. Vielleicht hat einer der vertriebenen Xantener Chorherren, die nach Cöln flüchteten, dort Aufzeichnungen vorgefunden und fortgesetzt.

In Cöln hat Karls des Großen Erzkaplan Hildebald[18], der von Theodulf unter dem Namen Aaron gefeiert wird, wissenschaftliche Studien begründet. Er ließ die vom Pabst an Karl geschickten Manuscripte für seine Kirche abschreiben; viele davon sind noch vorhanden und jetzt dem Cölner Domcapitel zurückgegeben[19]. Es sind auch kurze Annalen daraus gewonnen[20]. Die Erzbischöfe Hilduin (842-849) und Gunthar (863 entsetzt) werden von Sedulius gepriesen, Gunthar machte selbst Verse und bei ihm erhielt sein Neffe Radbod, später Bischof von Utrecht, den ersten Unterricht[21]. Willibert (870-889) ließ für sich den Codex Carolinus abschreiben[22], und sorgte auch für die Aufbewahrung der Correspondenz, welche durch Gunthars Entsetzung und die folgenden Ereignisse veranlaßt war[23]. Aber von litterarischen Erzeugnissen, wozu jene kleinen Annalen kaum zu rechnen sind, ist nichts auf uns gekommen, wenn nicht vielleicht die Xantener Annalen hierher gehören.

Etwas mehr hat sich aus Lüttich erhalten, dessen später so berühmte Schule in ihren ersten schwachen Anfängen schon jetzt hervortritt. Noch war es ein unbedeutender Ort, als ihm der Leib des um 672 erschlagenen Bischofs Theodard von Mastricht, welchen sein Nachfolger Landebert oder Lambert dort bestatten ließ, ein höheres Ansehen gab. An seinem Grabe wurde Lambert selbst 708 (?) erschlagen: er hatte Pippin und seiner Concubine Alpais Vorwürfe gemacht, Pippin war erschüttert und dachte daran, seine rechtmäßige Gemahlin Plectrudis wieder zu sich zu nehmen, da vollbrachte Dodo, der Bruder der Alpais, die Blutthat. Nachdem eine Kirche dort erbaut und die Gebeine des Märtyrers feierlich erhoben waren, mußte eine Legende geschrieben werden, aber noch fehlte es an geeigneten Kräften. Der Autor, welcher die Ausführung nach dem Maße seiner schwachen Kräfte in barbarischem Latein unternahm, griff zur Vita Eligii und brachte mit starker wörtlicher Ausnutzung derselben sein Werk zu Stande[24]. Der erbauliche Zweck ist durchaus vorherrschend. Aber noch regierte Karl Martell, der Sohn der Alpais, und aus Furchtsamkeit verschwieg er den wahren Anlaß des Todes. Auch Godesscalc, ein Lütticher Domherr, welcher auf Befehl des Bischofs Agilfrid sein Werk um 770 überarbeitete, folgt einfach seiner Vorlage und beschränkt sich auf stilistische Verbesserung. Aber im Volke erhielt sich die Erinnerung der That, und Ado in seinem Martyrologium hat sie kurz berichtet, vielleicht kannte er schon eine Aufzeichnung, deren später Anselm von Lüttich gedenkt, und deren Inhalt durch ihn überliefert, nun auch in die späteren Bearbeitungen überging; auch schon der Verfasser einer poetischen Version im Anfang des 10. Jahrh. deutet darauf hin. Lange Zeit ist der Hergang in entgegengesetzter Weise aufgefaßt; man glaubte hier ein recht deutliches Beispiel davon zu haben, wie die Legenden mit der Zeit wachsen und tendenziös entstellt werden, bis God. Kurth in, wie mir scheint, durchaus schlagender Weise, gestützt auf den aus einer neugefundenen Handschrift ergänzten Text des Anselm[25], den richtigen Sachverhalt nachgewiesen hat[26]. Dieselbe Reticenz finden wir auch in der Vita Theodardi, obgleich sie erst um die Mitte des 8. Jahrhunderts geschrieben wurde[27].

Lambert aber wurde nun der Schutzheilige von Lüttich, wohin von Mastricht der Sitz des Bisthums verlegt wurde. Auch das Leben seines Nachfolgers, des 727 verstorbenen Bischofs Hugbert oder Hubert, ist von einem Zeitgenossen beschrieben und noch in seiner ursprünglichen, sehr barbarischen Form vorhanden[28], nebst dem Bericht über seine erste Translation 743. Wie darin die Vita Arnulfi und Vita Lamberti ausgeplündert sind, haben Demarteau und Krusch gezeigt.

Bischof Waltcaud (810-831) übertrug 825 den h. Hubert nach dem neugestifteten Kloster Andagium, später Saint-Hubert in den Ardennen, und nun bedurfte man einer Biographie, welche den gesteigerten Anforderungen der karolingischen Zeit genügte. Dazu gelang es ihm, den Bischof Jonas von Orléans zu bewegen, der zugleich auch diese neue Translation beschrieb[29]. In der Widmung sagt Jonas zu ihm: cum assit vobis palatina scolasticorum facundia. Doch ist das vielleicht nur Phrase, oder bezieht sich, wie Dümmler, Ostfr. III, 650 annimmt, auf die Hofschule. Lüttich war eine Station für die nach Rom pilgernden Irländer, und es haben sich noch Bittschreiben solcher Wanderer erhalten[30]. Wenn aber in dem einen der Bittsteller, auf die Empfehlung des Kaisers, vermuthlich Karls des Kahlen, sich berufend, mit bitterer Klage über die allzu schmale Kost, den Brüdern der Kirche gleichgestellt zu werden wünscht, so ist auf einen dauernden Aufenthalt und Verwendung der gelehrten Fremdlinge für den Unterricht zu schließen.

Schon Bischof Hartgar (840-854), der Erbauer eines neuen, mit Gemälden schön geschmückten Bischofshofes, nahm in Lüttich den Iren Sedulius und mehrere seiner Landsleute auf; wir werden sie oder ihre Genossen in Mailand wiederfinden, und vielleicht machten sie unterwegs Station in Salzburg. Sedulius, der Verfasser verschiedener theologischer Werke und eines Fürstenspiegels[31], war nicht ohne mancherlei Gelehrsamkeit und metrische Gewandtheit, des Griechischen kundig, aber doch incorrect, oft schwülstig und dunkel, ein Freund willkürlich neugebildeter Worte. Seine adulatorische Hofpoesie, der es zuweilen nicht an ergötzlichem Humor fehlt, feiert Hartgar und seinen Nachfolger Franco (854-901), Gunther von Cöln, bei dem er sich auch einige Zeit aufgehalten hat, Adventius von Metz, den gelehrten Markgrafen Eberhard von Friaul und andere Zeitgenossen; auch Kaiser Lothar und dessen Familie. Ohne Zweifel gebührt ihm und seinen Genossen ein Antheil an der späteren Blüthe der Lütticher Schule, aber auch an der gesuchten und verkünstelten Schreibart, welche dort lange herrschend blieb[32].

Bischof Franco erhob in Eika (Alteneyk bei Maaseyk) die ersten Aebtissinnen Harlindis und Reinila, welche angeblich von Willibrord und Bonifatius geweiht waren, deren Leben bald darauf, noch vor der Verwüstung durch die Normannen, beschrieben ist, und für den Mangel an geschichtlichem Inhalt durch culturhistorische Züge entschädigt[33].

Einen merkwürdigen Mann finden wir in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts in der Brüderschaft der Klöster Stablo und Malmédy, Christian, nach Sigebert aus Aquitanien stammend, einen würdigen Vertreter karolingischer Bildung. Mit umfassender Gelehrsamkeit, auch der griechischen Sprache nicht unkundig, hat er mit merkwürdig freier Denkweise und nüchterner Verständigkeit einen Commentar zum Matthaeus geschrieben, aus welchem Dümmler allerlei für die Zeitgeschichte lehrreiche Aeußerungen zusammengestellt hat[34]. Ausserdem besitzen wir eine bald nach 850 geschriebene Beschreibung der Wunderthaten des h. Remaclus, zu welcher, nachdem das Kloster von der Zerstörung durch die Normannen 881 sich erholt hatte, weitere Zusätze gemacht sind[35].

Außer der kurzen, vom Probst Liuthard verfaßten Erzählung von der Uebertragung des h. Justus bald nach 900 nach Malmédy[36] ist schließlich nur noch die Bisthumsgeschichte von Verdun[37] zu erwähnen, von Berthar, der erste Versuch einer Localgeschichte, an denen später Lothringen so reich war, nach der traurigen Zeit der feindlichen Verwüstungen, denn der Verfasser schrieb erst nach dem Brande der Domkirche im Jahre 916 oder 917; sein Werk reicht aber nur bis in die Zeit des Kaisers Arnulf und ist wegen des fast gänzlichen Mangels an älteren Quellen sehr dürftig[38]. Veranlaßt war er zu seinem Unternehmen durch den Bischof Dado (880-923), den Freund Salomons III von Constanz, von dessen eigenen Aufzeichnungen über seine und seiner Vorgänger Geschichte ein Fragment sich erhalten hat. Aus Metz besitzen wir Briefe und ein Epitaphium des Bischofs Adventius (858-875), den auch Sedulius gepriesen hat[39]; aus Toul sind uns einige Briefe des Bischofs Frothar (813-848) erhalten[40].

§ 18. Schwaben. [←]

Stälin I, 235-240. Baehr S. 118-122. Ild. v. Arx, Geschichte von St. Gallen. Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St. Gallen, 1841. G. Scherrer, Verz. der Handschriften d. Stiftsbibl. Halle 1875. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der Schweizer Bibliotheken, in den Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich VII, 3. 1851. Dümmler, Das Formelbuch des Bischofs Salomo III von Constanz, 1857. Derselbe, St. Gallische Denkmale aus der Karolinger Zeit, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft XII, 6. 1859. G. Meier, Gesch. d. Schule von St. G. im Mittelalter, im Jahrb. f. Schweizer Gesch. X. St. Gallische Geschichtsquellen, neu herausgeg. v. G. Meyer von Knonau. 1870-1877. Rec. von Dümmler, HZ. XXXVIII, 327-343. Uebers. von Ekk. Casus nebst Proben aus den übrigen Theilen, von M. v. Knonau, 1878, Geschichtschr. 38 (X, 11). Ueber Sanct-gall. Formelsammlungen Zeumer, NA. VIII, 505-553.

Wenden wir unsern Blick nach dem Süden Deutschlands, so zieht vor allem St. Gallen unsere Aufmerksamkeit auf sich, nebst dem nahe gelegenen Reichenau. Hatten wir früher schon in dem alten Leben des heiligen Gall wenigstens einen ersten Versuch litterarischer Thätigkeit zu erwähnen, so finden wir nun auch hier einen Schüler Alcuins, Grimald, als Abt (841-872); Sanctgaller Mönche, wie Werinbert und Hartmut, Otfrids Mitschüler, besuchen, wie es scheint, die berühmte Schule des Klosters Fulda, und Hrabans Schüler Walahfrid wird Abt von Reichenau (842-849). Hierzu kommt noch der Unterricht gelehrter Iren, welche auch die Kenntniß des Griechischen hier heimisch machen, während der lebhafte Verkehr mit Italien nicht minder anregend wirkt. Die Sanctgaller Schule war vielleicht von allen die bedeutendste, und glücklicher Weise besitzen wir zugleich von ihr das lebendigste Bild in der reichhaltigen Klosterchronik[1], welche von verschiedenen Verfassern bis 1330 fortgeführt wurde. Die Schule war hier lange Zeit der Mittelpunkt des Klosterlebens, der Stolz und die Freude der Sanctgaller Mönche, und die Lebensnachrichten von den bedeutenderen Lehrern nebst mannigfachen Schulgeschichten verschiedener Art nehmen einen sehr hervorragenden Raum in der Chronik ein. Doch die Aufzeichnung dieses Theiles derselben gehört einer späteren Zeit an; von Ekkehard (IV) im elften Jahrhundert nach mündlicher Ueberlieferung aufgezeichnet, ist er in allen Einzelheiten unzuverlässig, giebt aber doch ein culturhistorisch unschätzbares, im Gesammteindruck auch sicher zutreffendes Bild. Der erste Theil dagegen bis zum Jahre 883, von Ratpert verfaßt, ist erfüllt von den äußeren Schicksalen des Klosters, den langen Kämpfen um seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit, welche den Bischöfen von Constanz nur mit Mühe abgerungen war, und gegen verschiedene Anfechtungen vertheidigt wurde. Das Verhältniß zu den Bischöfen, welche formell völlig im Rechte waren, hat Ratpert, der schon ganz entstellten Klostertradition folgend, durchaus umgekehrt dargestellt, wie kürzlich Sickel auf die Urkunden gestützt nachgewiesen hat[2]; seine Aufmerksamkeit aber war diesem Gegenstand so vorwiegend zugewandt, daß er auch aus der späteren Zeit der Blüthe wenig über das innere Leben des Klosters berichtet.

Die ersten Zeiten des angestrengten und oft unglücklichen Kampfes waren der litterarischen Entwickelung nicht günstig. Eine Zierde des Klosters war jedoch schon damals Waldo, der zum Abt erhoben, nach Ratperts Darstellung wegen der Bedrängung durch den Bischof nach 1-1/2 Jahren (784) die Abtei Reichenau erhielt, welcher er 22 Jahre vorstand, endlich aber als Abt von Saint-Denis bis an seinen Tod 813 an dem litterarischen Treiben des Hofes Theil nahm[3].

Die neugewonnene Freiheit unter dem selbständigen Abte Gozbert (816-837) erwies sich für das Gedeihen des Klosters sehr förderlich; 830 begann Gozbert den Bau der neuen Kirche, zu welcher er den noch vorhandenen Grundriß[4] entwerfen ließ; der Urheber desselben, welcher den Musterplan eines großen Benedictinerklosters darstellt, ist unbekannt, eine Widmung, gerichtet, wie es scheint, an den jüngeren Gozbert, des Abtes gleichnamigen Neffen. Dieser beschrieb um diese Zeit das Leben des ersten Sanct Galler Abtes Othmar, welcher am 16. November 759 in der Verbannung gestorben war, und fügte auch zum Leben des heiligen Gallus, welches der Reichenauer Wetti für Gozbert bearbeitet hatte (oben S. 120), ein Buch über die Wunder desselben hinzu. Doch genügten ihm selber diese Arbeiten nicht, und er bat den berühmten Abt von Reichenau, Walahfrid, beide zu überarbeiten[5]. Uns liegt daher das Leben Othmars nur in Walahfrids reiner Sprache vor; es enthält einige schätzbare Nachrichten über die damaligen Verhältnisse von Alamannien, doch tilgte leider Walahfrid die Namen der Gewährsmänner als zu barbarisch. Begreiflich ist es, daß man daneben auch des heiligen Gallus Leben in seiner schlichten unsauberen Gestalt nicht mehr ertragen konnte: wenn es bei der Mahlzeit oder am Gedächtnißtage des heiligen Mannes verlesen wurde, störten die Germanismen und Sprachfehler die Andacht der Zuhörer. Walahfrid mußte deshalb auch dieses Buch nebst den dazu gefügten Wundergeschichten in eine zeitgemäße Form bringen[6]; doch hat sich auch Wettins Arbeit erhalten. Auch in Versen wollte Walahfrid denselben Gegenstand behandeln, ist aber nicht mehr dazu gekommen. Dagegen hat es auf das ungestüme Andrängen des jüngeren Gozbert, des Kahlkopfs, ein ungenannter Mönch unternommen und in der That Walahfrids Werk im Jahre 850 in Hexameter umgesetzt, doch stand sein Können bei weitem tiefer und entsprach nicht seinem guten Willen[7].

Nach dem Bürgerkriege verlieh Ludwig der Deutsche die Abtei seinem Erzkaplan Grimald (841-872), der sich das Wohl derselben sehr angelegen sein ließ, so daß jetzt die rechte Blüthezeit des Klosters und namentlich der Schule beginnt[8]. Da er selbst nicht Mönch war und in der Regel am Hofe lebte, vertraute er Hrabans Schüler Hartmut die unmittelbare Verwaltung des Klosters an, und nach Grimalds Tod stand dieser demselben bis 883 als Abt vor. Beide sorgten eifrig für die Bereicherung der Bibliothek, und als der erste bedeutende Lehrer wird unter ihnen Iso genannt[9]; ihm zur Seite der Schotte Moengal, auch Marcellus genannt[10], welcher in der inneren Schule die für das Mönchskleid bestimmten Knaben unterwies, während jener in der äußeren Schule die Söhne des Adels für ihren Beruf als Domherrn und Bischöfe vorbereitete.

Im Jahre 864 wurde Othmars Leib erhoben und in der neuen Kirche des heiligen Gallus feierlich beigesetzt, bis 867 die ihm bestimmte eigene Kirche vollendet war, welche auch Grimalds Ruhestätte wurde, der 870 zuletzt als Kanzler erscheint, und den Rest seiner Tage in St. Gallen zubrachte. Von jener Erhebung Othmars mit den Wundern, die dabei natürlich nicht fehlten, berichtet uns eine bald nachher verfaßte Schrift Iso's[11]. Später soll dieser jedoch das Kloster verlassen, und als Lehrer im Kloster Grandval eine große Wirksamkeit und außerordentlichen Ruf erlangt haben, bis er am 14. Mai 871 starb.

Die volle geistliche Bildung der inneren Schule erhielten zwei Schüler des Iso, welche Marcellus von ihm übernahm, und nicht minder als in der Wissenschaft, auch in der Musik und anderen Künsten unterwies, deren er als Irländer Meister war. Diese waren der berühmte Erfinder der Sequenzen, Notker der Stammler[12], später Marcellus' Gehülfe, Verfasser des oben erwähnten Martyrologiums und anderer Werke, die wir gleich zu erwähnen haben werden, und der kunstreiche Tutilo[13]. Als dritten nennt Ekkehard auch Ratpert, einen Züricher, der aber vielmehr sein Zeitgenosse war, und bis an das Ende des neunten Jahrhunderts der Klosterschule vorstand. Dieser hat, wie schon erwähnt, den ersten Theil der Klosterchronik verfaßt. Die Einweihung der von der Aebtissin Bertha, Ludwig des Deutschen Tochter, neu erbauten Fraumünsterkirche in Zürich verlockte ihn zu einer Wallfahrt, die er in Versen ausführlich beschrieb[14]; übrigens aber war er so eifrig in seinem Amte, daß er jede Entfernung vom Kloster dem Tode gleich achtete, und nicht mehr als zwei Schuhe im Jahre verbrauchte; selbst die Messen und Gebete versäumte er darüber, denn sagte er, wir hören die besten Messen, wenn wir andere lehren sie zu feiern. Unnachsichtig handhabte er den Stock, der überhaupt in diesen Jahrhunderten eine große Rolle in der Erziehung spielte, und doch wußte er sich durch seine Berufstreue und wahres Wohlwollen auch die Liebe seiner Schüler zu gewinnen. Als er auf seinem Todbette lag, hatte gerade das Fest des heiligen Gallus (Oct. 16) die Geistlichkeit Alamanniens im Kloster versammelt, und 40 seiner Schüler umgaben das Sterbelager ihres Lehrers[15].

Als Karl III 883 das Kloster besuchte[16], fand er in St. Gallen einen alten Mönch, dessen Gedächtniß noch in die Zeit des großen Karl reichte und der die Geschichten zu erzählen wußte, welche er einst von des tapferen Gerolds Waffengefährten, von Adalbert und dessen Sohne, dem Priester Werinbert, gehört hatte. Karl III, von dem sonst wenig löbliches zu berichten ist, hatte an diesen Geschichten solche Freude, daß er den guten Alten veranlaßte, sie aufzuschreiben; emsig ging er an die Arbeit, scheint sie aber nicht vollendet zu haben. In diesem Mönche hat man schon früh Notker den Stammler erkannt, aber Pertz widersprach dieser Annahme, weil der Stil gar zu roh und grammatisch fehlerhaft ist, und weil Notker damals noch nicht alt genug war, um durch Zahnlosigkeit zum Stammler geworden zu sein. Es scheint jedoch, daß er durch einen Naturfehler gestammelt hat, und die Vergleichung der Ausdrucksweise hat den vollkommen überzeugenden Nachweis gestattet, daß wirklich Notker der Verfasser dieses anmuthigen Buches gewesen ist, an welchem man schon früh und vielfach Gefallen gefunden und es trotz seiner mangelhaften Form mit Einhards Meisterwerk verbunden hat.

Ferner aber ist es wegen der auffallendsten Uebereinstimmungen in Ausdruck und Auffassung als vollkommen sichergestellt anzusehen, daß Notker auch der Fortsetzer der oben S. 219 erwähnten Chronik Erchanberts gewesen ist[17]. Er fügte nämlich eine kurze Uebersicht über die Theilungen und die Regentenfolge im karolingischen Reich hinzu, bald nach der Kaiserkrönung Karls III (881), von dem er mit lebhafter Verehrung spricht, wie denn auch damals noch kein Grund war, an seinen guten Erfolgen zu zweifeln.

Des Kaisers Besuch erschien als ein Höhepunkt der Blüthe des Klosters, und nicht ohne Wahrscheinlichkeit vermuthet Meyer von Knonau, daß eben hierdurch Ratpert zur Abfassung der Gesta veranlaßt sei, welche mit diesem Besuche abschließen. Auch mit des Kaisers Günstling, Bischof Liutward von Vercelli, einem geborenen Schwaben, standen die Mönche in gutem Vernehmen und Notker widmete ihm seine Sequenzen[18].

Am Schlusse dieser Periode steht Notkers berühmtester Schüler[19] Salomo III, von 890-920 Bischof von Constanz und zugleich Abt von St. Gallen, ein Mann von den glänzendsten Geistesgaben, der kluge und gelehrte Freund Hatto's von Mainz, der das schöne und blühende Kloster wie seinen Augapfel liebte und hegte. Mehrere uns erhaltene Briefe und Gedichte zeugen von Notkers Liebe zu ihm und zugleich von der Sorge des treuen Lehrers um das Seelenheil seines Schülers in den Gefahren der Welt, denen er am Königshofe ausgesetzt war. Eine Mustersammlung von Urkundenformeln und Briefen[20], in welcher uns einige auch für die Geschichte der Zeit wichtige Briefe aufbewahrt sind, während die Urkunden über mannigfache Verhältnisse reichen Aufschluß gewähren, schrieb Dümmler Salomo um das Jahr 896 zu, während nach Zeumers Ansicht Waldo mit seinem Bruder Salomo sie 877 und 878 während ihres Aufenthalts bei Salomo II von Constanz und Liutbert von Mainz zusammengebracht haben, Notker nachträglich noch einige Briefe hinzugefügt hat. Schon war man in Reichenau[21] und an andern Orten mit ähnlichen Sammlungen vorangegangen, aber die Sanctgaller Sammlung läßt sie durch ihren Inhalt wie durch ihre Form weit hinter sich. Aus der späteren Zeit besitzen wir von Salomon zwei schöne poetische Episteln an den Bischof Dado von Verdun, deren ansprechender, von wahrem Gefühl getragener Inhalt die ziemlich incorrecte Form übersehen läßt; die Ueberschrift „Versus Waldrammi ad Dadonem episcopum a Salomone episcopo missi“ läßt jedoch vermuthen, daß sie nur im Auftrag und nach Anweisung Salomons in dessen Namen von Waldram verfaßt sind. In der einen[22] beklagt der Bischof in elegischer Form voll tiefer Trauer den Tod seines letzten Bruders, des Bischofs Waldo von Freising (906), an den nach Zeumer mehrere der Briefe in der Formelsammlung gerichtet sind; in der anderen[23], schon früher geschriebenen, schildert er mit den lebhaftesten Farben das Unglück des Vaterlandes, dessen König ein Kind ist, dessen Gaue erfüllt sind von allgemeiner Zwietracht, von innerem Kampfe in allen Ständen des Volkes, während die Ungern ungehindert das Land verheerend durchziehen. Auch St. Gallen wurde von ihnen 926 verheert.

Ekkehards lebendige Schilderung hat die Sanctgaller Schule unsterblich gemacht; ohne ihn würden wir nicht so gar viel davon wissen, und ohne Zweifel herrschte in manchem andern Kloster ein ganz ähnliches Treiben, von dem nur niemand uns Nachrichten aufbewahrt hat. So vor allem in Reichenau, welches schon in hoher Blüthe stand, als St. Gallen noch schwach und unbedeutend war[24]. Abt Waldo (784-806), ein vornehmer Herr, mit Grimald nahe verwandt und vorher Abt von St. Gallen (oben S. 269), hatte schon den Mönch Wadilcoz nach dem Martinskloster zu Tours geschickt, der von dort Bücher für die Bibliothek übersandte, welche Waldo mit großem Eifer zu bereichern bestrebt war[25]; unter ihm begann der fleißige Reginbert seine musterhafte Thätigkeit für dieselbe, welche er bis an seinen Tod 846 rastlos fortsetzte, theils durch eigene Arbeit, theils durch Geschenke die Sammlung zu sehr ansehnlichem Umfang vermehrend[26]. Ihm übersandten seine Schüler Grimald und Tatto die Klosterregel nebst den Beschlüssen des Reichstages von 817, der wohl ihre Aussendung veranlaßt hatte[27]. Auf seinen Antrieb schrieb Walahfrid das bedeutende Werk de rebus ecclesiasticis, wie dieser es in den Worten ausspricht: Dura Reginberti jussio adegit eum. Als Lehrer war neben ihm Heito thätig, ein Bruder jenes Wadilcoz, Waldo's Nachfolger als Abt und Bischof von Basel, welches Bisthum Waldo ebenfalls verwaltet hatte. Karl der Große sandte ihn 811 nach Constantinopel, und über diese Sendung verfaßte er eine Reisebeschreibung[28], die leider verloren ist; 823 entsagte er seinem Bisthum und zog sich in sein altes Kloster zurück, wo er 836 gestorben ist. Die Abtei übergab er Erlebold (823-838), der bei einem leider ungenannten Schotten große Gelehrsamkeit erworben, und Heito auf seiner Reise begleitet hatte. Der Schule standen jetzt Tatto († 847) vor, den Walahfrid seinen Lehrer nennt, in dessen Namen er Verse an Ebo von Reims und an Thegan richtete[29], und Wetti, ein naher Verwandter Grimalds und Waldo's. Wie mangelhaft jedoch noch seine grammatische und metrische Bildung gewesen ist, haben wir jetzt erst mit Verwunderung erfahren, da durch das von Bücheler entdeckte Akrostichon (oben S. 120) festgestellt ist, daß er der Verfasser der Vita S. Galli und ihrer Widmung in ganz barbarischen Hexametern ist, welche man für viel älter gehalten hatte. Wetti hatte kurz vor seinem Tode am 3. November 824 eine Vision, indem er, wie so viele andere vor und nach ihm, Himmel und Hölle zu durchwandern glaubte, und was er in diesen Regionen gesehen zu haben vermeinte, den gläubigen Brüdern berichtete. Heito hatte diese Vision in Prosa[30], Walahfrid in Versen bearbeitet[31], und der Eindruck derselben auf die Zeitgenossen war außerordentlich groß; hatte er doch sogar den großen Kaiser Karl im Fegefeuer Schlimmes leiden gesehen, auch Waldo. Beide werden, nebst einigen anderen, von Walahfrid nur durch Anacrosticha bezeichnet. Unter den Märtyrern dagegen erscheint darin Gerold, der Königin Hildegard Bruder, welcher im Kampfe gegen die Avaren gefallen war, ein geborner Alamanne, und des Klosters Hort und Beschirmer. Eine vielleicht von Walahfrid verfaßte Grabschrift auf ihn[32] findet sich in einer Handschrift neben dem Epitaph des Bernald, an den die Reichenauer ebenfalls mit Stolz zurückdachten. Dieser Bernald war nämlich ein geborner Sachse, aber in Reichenau erzogen; er kam dann in die kaiserliche Capelle, und erhielt um das Jahr 821 das Bisthum Straßburg. Zu den treuen Anhängern des alten Kaisers gehörend, wurde er 825 als Gewaltbote nach Rätien, 832 nach Rom gesandt, und starb am 17. April 840. Man rühmte ihn als einen klugen und gelehrten Mann, der auch die deutsche Sprache zur Unterweisung des Volkes verwandte[33].

Den größten Glanz aber verbreitete über Reichenau der Abt Walahfrid, mit dem Beinamen Strabo oder Strabus, einer der besten Lateiner seiner Zeit, ein viel bewunderter Gelehrter und gewandter Dichter[34]. Ueber sein Leben haben wir leider nur wenig sichere Nachrichten, und so befreundet er auch mit den Sanctgaller Gelehrten war, wird er doch in der Klosterchronik gar nicht genannt; doch ist nach und nach durch neugefundene Verse mehr Licht über ihn gewonnen. Er war ein Schwabe von armer und geringer Herkunft, um 807 geboren; früh ins Kloster gekommen, dichtete er schon mit 15 Jahren eine Epistel an Ebo von Reims im Namen seines Lehrers Tatto[35], aber dieser war hart und strenge, und auch der Abt Erlebold war ihm nicht gewogen. In Wetti verlor Walahfrid seinen väterlichen Freund und Wohlthäter; nach dessen Tod (824) litt er sogar an Nahrung und Kleidung Mangel, und hatte häufig Schläge zu erdulden. Er klagte seine Noth an Grimald, dessen Wohlwollen er schon früher gewonnen hatte, und dieser forderte ihn auf, die Vision Wettins, welche wahrscheinlich er selbst auf Wachstafeln aufgezeichnet hatte, dichterisch zu bearbeiten. Dieselbe Aufforderung kam auch von dem Priester Adalgis, wie wir wissen, seitdem K. Plath das Akrostichon der seiner Antwort[36] zugefügten Verse: Adalgiso danda erkannt und die ganze Sachlage scharfsinnig entwickelt hat[37]. Walahfrid bat ihn um bessere Kleidung und um Pergament, da er das Werk heimlich ausführen müsse; er bat ihn, selbst zu kommen, und Adalgis kam. Unter hartem Drängen vollendete er sein Werk[38], in welchem er reichliche Lobsprüche auf Haito, Erlebold und Tatto anbrachte, und übersandte es Grimald. Nach solcher Leistung und mit solchen Fürsprechern wird er nun auch im Kloster, und bei dem Abt, obgleich dieser kein Freund von Visionen war, mehr Anerkennung gefunden haben. Grimald hat er auch das anmuthige Gedicht de cultura hortorum gewidmet, und in dem Gedicht de imagine Tetrici (v. 228) feiert er ihn unter dem Namen Homer. Später hat er in Fulda Hrabans Unterricht genossen. Im Sommer 829 finden wir ihn am Hofe zu Aachen; von Kaiser Ludwig, sagt er einmal, sei er „paupere de fovea protractus“[39], mag sich das nun auf diese Zeit seines Hoflebens oder auf die Verleihung der Abtei Reichenau 839 beziehen. In Aachen beschrieb er damals in einem merkwürdigen Gedichte die aus Ravenna hingeführte Reiterstatue Theodorichs[40], der hier als Tyrann aufgefaßt wird im Gegensatz zu Ludwig, feiert Hilduin, Grimald, Einhard, widmet aber vor allem dem Kaiser, der Kaiserin Judith und dem kleinen Karl überschwengliches Lob; er wird als Caplan der Kaiserin und als Lehrer des kleinen Karl bezeichnet. Den Rodbern, welcher 834 dem Kaiser zuerst Nachricht von der in Tortona gefangenen Judith unter großen Gefahren brachte, feierte er in einem längeren Gedicht[41]. Mit Thegan, dem Diacon Florus und anderen der classisch und kirchlich gebildeten Männer jener Zeit war er befreundet, Prudentius rühmt er als seinen Lehrer, bittet ihn aus der Ferne um Bücher und eigene Gedichte; zugleich übersendet er ihm Gedichte „Modoini magni“, den er auch in andern an ihn selbst gerichteten Versen feiert[42]. Kaum hatte er die Abtei Reichenau erhalten — bei seiner geringen Herkunft eine ganz ungewöhnliche Auszeichnung —, so wurde er auch in die politischen Wirren hineingezogen; als eifriger Anhänger Lothars und der Reichseinheit, deren Herstellung er noch von ihm hoffte, flüchtete er nach Ludwigs Tod und der Ueberwältigung Alamanniens durch Ludwig den Deutschen nach Speier, wo er ein Gedicht voll Lobpreisung an Lothar richtete, in welchem er seinen Klagen und seinen Hoffnungen Ausdruck gab[43]. Lothar hatte in früheren Zeiten einmal persönlich den vermeintlichen Leib des h. Januarius nach Reichenau gebracht, was merkwürdiger Weise im Kloster ganz vergessen wurde und nur durch eine sehr schöne Sapphische Ode Walahfrids bekannt ist[44].

Sehr bald hat sich Walahfrid doch auch mit Ludwig dem Deutschen ausgesöhnt, und vielleicht durch Grimalds Einfluß erhielt er 842 die Abtei Reichenau von neuem; im Jahre 849 wurde ihm eine Botschaft des Königs an dessen Bruder Karl anvertraut. Auf dieser Reise starb er, kaum vierzigjährig, am 18. August durch einen Unfall beim Ueberschreiten der Loire[45].

Die von Walahfrid überarbeiteten Lebensbeschreibungen des Gallus und Othmar, sein Vorwort zu Einhards und zu Thegans Werken erwähnten wir schon; selbständige geschichtliche Werke hat er so wenig wie Hraban verfaßt, aber sein Buch über Ursprung und Entwickelung der kirchlichen Einrichtungen enthält viel beachtenswerthes über die Verfassung der Kirche in jenen Zeiten, ähnlich dem Werke Hrabans, aber noch lehrreicher, weil er durchgängig die kirchlichen Einrichtungen mit den weltlichen vergleicht[46].

Eines der merkwürdigsten Zeugnisse für den ernstlichen Eifer, mit welchem man in diesen Klöstern damals das Studium des classischen Alterthums betrieb, bietet uns die durch Mabillon bekannt gewordene Handschrift von Einsiedeln, deren Urschrift aus Reichenau zu stammen scheint. Wohl ein Schüler Walahfrids, im vollen Besitz der damaligen Schulbildung und auch des Griechischen kundig, hat mit einer Beschreibung des damaligen Rom und des Ceremoniels der kirchlichen Feste auch antike Inschriften aus Pavia und Rom mit größter Genauigkeit und Sorgfalt nach älteren Vorlagen hier zusammengestellt[47].

Durch besondere Lernbegierde zeichnete sich auch Ermenrich aus, ein Ellwanger Mönch, dessen Leben uns recht anschaulich die Beweglichkeit der jungen mönchischen Studenten in jener Zeit vor Augen führt[48]. Wie Walahfrid, ging auch er nach Fulda, wo er Hrabans und Rudolfs Schüler wurde. Besondere Freundschaft verband ihn mit Hrabans Neffen, dem Diacon und königlichen Caplan Gundram, welcher der fuldischen Zelle Solenhofen an der Altmühl im Eichstädter Sprengel vorstand, und diesem, der den Stifter seiner Kirche, Sualo, feierlich erhoben hatte, zu Liebe, schrieb er das Leben desselben und übersandte es Hraban zur Durchsicht[49]; Rudolf, den er als seinen Lehrer preist, sollte die Fehler verbessern. Sualo, den Ermenrich willkürlich Solus nannte, gest. 3. Dec. 794, gehörte zu den Begleitern des h. Bonifaz; Ermenrich standen aber nur mündliche Erzählungen über ihn zu Gebote, und der geschichtliche Werth seiner Nachrichten ist daher unbedeutend. Wo er, damals noch Diaconus, dieses Werk geschrieben hat, wissen wir nicht; es ist sehr wahrscheinlich, daß er auch zu den Hofcaplänen gehört hat, und von dieser Zeit her den Erzkanzler Gozbald (829-833) als seinen Lehrer bezeichnet, sowie er auch Grimald als seinen Herrn und Meister verehrt[50].

An Gozbald, jetzt (841-855) Bischof von Würzburg, sandte er, schon als Priester, eine kleine Schrift, in Form eines Dialoges der Consolatio des Boethius nachgebildet, dem Inhalt nach völlig sagenhaft, über die Gründung seines Klosters Ellwangen, das Leben des Stifters Hariolf, König Pippins Zeitgenossen, Bruders und später Nachfolgers des Bischofs Erlolf von Langres, und die Wunder, welche man ihm zuschrieb[51]. Er gehörte nämlich zu Gozbalds Familie.

Im Jahre 849 finden wir Ermenrich wieder im Kloster Reichenau als Schüler Walahfrids; als dieser seine unglückliche Reise nach Frankreich antrat, schickte ihn Grimald nach St. Gallen, um dort seine Studien fortzusetzen. Hier verfaßte er zum Dank für die gute Aufnahme, die er in beiden Klöstern gefunden und zum Preise Grimalds ein Sendschreiben an denselben, geschrieben zwischen 850 und 855, in welchem er seine ganze Gelehrsamkeit, die nicht unbedeutend, aber schlecht verarbeitet war, zur Schau trägt, von Philosophie, Grammatik und vielen anderen Dingen handelt, in der schwülstigen, gezierten Weise vieler Gelehrten der damaligen Zeit; eine Schreibart, die auch das Leben des h. Solus entstellt und am wenigsten in dem Leben Hariolfs hervortritt[52]. Er prahlt mit Griechisch, das er aber offenbar nicht versteht, und eignet sich aus Alcuin, Priscian und Ausonius falsche Gelehrsamkeit an, kennt aber Pindarus Thebanus und Lucretius nebst vielen anderen Schriften. Verse von Theodulf und Naso verwendete er ohne Scheu. Es enthält aber dieser Brief auch einige wichtige geschichtliche Daten und eine Lobpreisung Grimalds und der gelehrten und kunstreichen Sanctgaller Mönche, welche zur Ergänzung der dortigen Klosterchronik dient. Am Schluß geht er in Verse über, und feiert den h. Gallus, wozu auch ihn Gozbert, der Kahlkopf, gedrängt hatte. Doch ist dieser Theil mehr entworfen und begonnen als wirklich ausgeführt[53].

In der Aufschrift dieses Briefes hat eine etwas spätere Hand zu dem Namen Ermenrich das Wort Bischof gesetzt, und man hat deshalb nicht ohne Wahrscheinlichkeit geschlossen, daß der Verfasser identisch ist mit dem gleichnamigen Bischof von Passau, den Ludwig der Deutsche 867 zu den Bulgaren sandte, und dessen Tod am 26. Dec. 874 sich in alamannischen Jahrbüchern und im Todtenbuche von Reichenau verzeichnet findet[54].

Ermenrichs Name ist auch gemißbraucht in einer häßlichen Betrügerei, dem angeblichen Leben des h. Magnus, eines der Genossen von Columban und Gallus, von Theodorus, das bei der Uebertragung der Gebeine in der Mitte des neunten Jahrhunderts in St. Magnus Grab soll gefunden sein. Der Bischof Lanto von Augsburg soll dann den Ellwanger Mönch Ermenrich veranlaßt haben, das kaum noch lesbare Denkmal zu erneuern. So wird dort erzählt; die Art, wie Ermenrichs Name erwähnt wird, macht es aber nicht wahrscheinlich, daß wirklich er selbst zu dieser Fälschung seine Hand geboten habe. Dümmler vermuthet, Forsch. XIII, 475, daß doch etwas daran sei und Ermenrich an der formalen Bearbeitung Theil habe, doch bemerkt er selbst, daß die Legende nichts von dem ihm eigenthümlichen Gepräge zeige. Ich halte die angebliche ältere Legende überhaupt für leeres Vorgeben des Fälschers, welcher ein von den gröbsten chronologischen Fehlern erfülltes Plagiat aus den Vitae Columbani und Galli für das Werk eines Zeitgenossen ausgab[55].

Auch Reichenau bezog wie Fulda seine Reliquien aus Italien, doch scheint man damit wenig Glück gehabt zu haben. Die älteste dieser Geschichten (Miracula S. Genesii) ist von Dr. A. Holder in Carlsruhe in einem von Reginbert herrührenden Codex entdeckt, und von mir in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins XXIV, 1-21 herausgegeben[56]. Sie berichtet von der Uebertragung der heiligen Genesius und Eugenius aus Jerusalem durch den Grafen Gebahard von Treviso, der 798 seine Boten aussandte, aber vor deren Rückkunft starb. Der heimkehrende Diacon fand in Porto seinen Bruder, der den Grafen Scrot von Florenz[57] nach Rom begleitet hatte; mit Einwilligung des Pabstes Leo erhält Graf Scrot den rechten Schenkel des Genesius, während der Rest nach dem bei Treviso dafür schon bereiteten Kloster gebracht wird. Graf Scrot aber bringt seinen Theil in seine Heimath am Bodensee, und stiftet hier das Kloster Schienen, welches durch Ludwig das Kind an Reichenau gekommen ist. Da Wunder nicht ausblieben, veranlaßte Abt Erlebold (822-838) einen ungenannten Mönch zur Aufzeichnung dieser denkwürdigen Begebenheiten. Während nun aber von diesen Reliquien weiterhin nicht mehr die Rede ist, behauptete man später in Reichenau, daß die ganzen Leiber der hh. Senesius und Theopompus, welche in unklarer Weise an die Stelle von Genesius und Eugenius getreten sind, 830 durch Bischof Ratolf von Verona nach Radolfzell übertragen seien, da doch ganz unbekümmert darum dieselben 911 von Treviso aus dem inzwischen durch die Ungern zerstörten Kloster nach Nonantula übertragen wurden. Ebenso wenig wollte man ihnen glauben, daß der heilige Valentin, von dem ihre alten Annalen noch allein reden, der heilige Marcus selber sei, welcher, wie sie behaupteten, in demselben Jahr 830 aus Venedig zu ihnen gebracht sein sollte; und ihre eigene Erzählung läßt den Betrug deutlich genug erkennen[58]. Den h. Januarius sollte, wie wir oben S. 281 sahen, Kaiser Lothar selbst gebracht haben; davon verlautet weiter nichts, dagegen aber ein Bericht, nach welchem ihn und seine Genossen im Jahre 871 ein wackerer Reitersmann aus Schwaben auf einer Heerfahrt unter Kaiser Ludwig II aus einer verödeten Kirche geraubt und nach der Reichenau gebracht haben sollte. Man traute ihm aber dort vermuthlich selbst nicht, da in jüngeren Handschriften anstatt ihrer die h. Fortunata mit ihren Brüdern in derselben Erzählung erscheint. Aber auch diese waren bereits 780 nach Neapel in das Nonnenkloster des h. Gaudiosus übertragen, wo sie fortfuhren die schönsten Wunder zu thun[59]. Unbestritten blieb den Reichenauern nur ein Krug von der Hochzeit zu Cana, den ein griechischer Mönch ihnen aufgeschwatzt hatte[60].

Sehr deutlich tritt uns in diesen Geschichten die lebhafte Verbindung mit Italien entgegen, welche in hohem Grade anregend wirken mußte[61]; Reichenau lag gerade an einer der besuchtesten Pilgerstraßen nach Rom, und auch Schottenmönche werden nicht gefehlt haben, wenn sie auch in Reichenau selbst kein Andenken hinterlassen haben. Dagegen wurde in Rheinau gegen das Ende dieses Jahrhunderts das Leben eines Schottenmönches, des h. Findan, aufgezeichnet († 878), welches für das Treiben dieser fremden Pilger charakteristisch und durch einige Stellen in irischer Sprache merkwürdig, übrigens aber sehr fabelhaft und geschichtlich wenig bedeutend ist[62]. Größerer Ruhm ist dem h. Meginrat zu Theil geworden, dessen Leben, wie aus dem Alter der Handschriften hervorgeht, schon im zehnten Jahrhundert ein Reichenauer Mönch beschrieben hat[63]. Er wurde nach dessen Bericht in Reichenau von Erlebold unterrichtet, und als dieser als Abt auf Heito folgte, als Mönch eingekleidet. Der Abt schickte ihn nach einer Reichenauer Zelle am Züricher See, nach der Tradition Bollingen, um da Schule zu halten. Er aber ging statt dessen als Eremit ins Gebirge, wo Räuber ihn 861 erschlugen. Das noch jetzt blühende Kloster Meinradszell oder Einsiedeln bewahrt sein Andenken.

Fast überall finden wir theils die ascetische, theils die formale Richtung vorherrschend in der Litteratur dieser Zeit, den historischen Sinn aber noch wenig entwickelt.

Doch fehlte es auch in St. Gallen und Reichenau nicht ganz an Annalen. Die in ihrem älteren Theil aus Murbach stammenden Annales Alamannici (oben S. 147) enthalten 802-858 dürftige Reichenauer Notizen; 860-926 werden sie mit zunehmender Reichhaltigkeit in St. Gallen fortgesetzt. Die aus denselben Annalen entnommenen Annales Sangallenses breves 708-815[64] gewährten den Anfang (bis 791) der Annales Augienses, welche bis 939 in Reichenau fortgesetzt wurden. Sie waren auf den Rand der Ostertafeln geschrieben, welche Reginbert in seine oben S. 276 erwähnte historisch-mathematische Sammlung aufgenommen hatte, die er von 820 bis gegen sein Todesjahr 846 zusammengebracht hat. Diese jetzt verlorene Handschrift benutzte Hermannus Contractus. Für Friedrich von Mainz abgeschrieben, wurde sie zu 937 mit einer Notiz über Friedrichs Weihe, 953, 954 mit Aufzeichnungen des Erzbischofs Wilhelm vermehrt; benutzt wurde diese Handschrift vom Fortsetzer des Regino, von Marianus Scottus, und nebst den eingehefteten Annales S. Albani vom Verfasser der Disibodenberger Annalen[65]. Wir finden ferner die Annales Augienses bis 939 benutzt in den Annales Colonienses, jedoch so, daß einzelne Eintragungen vielmehr auf die Ann. Alamannici, Sangallenses und Hermann deuten, wodurch die Vermuthung entsteht, daß eine reichhaltigere Aufzeichnung allen zu Grunde liegt[66].

Auch in der Bischofstadt Augsburg war ein gelehrter und ausgezeichneter Bischof, Adalbero (887-910), der Erzieher Ludwigs des Kindes, ein vertrauter Freund der Sanctgaller Lehrer, und ohne Zweifel derselbe, welchem Regino, der seiner mit großem Lobe gedenkt, seine Chronik widmete; wir haben eine Biographie von ihm, sie ist aber erst im zwölften Jahrhundert von Udalschalk geschrieben und gewährt uns keine Belehrung[67].

Im Elsass beschrieb ein ungenannter Mönch von Neuweiler bei Zabern die Uebertragung des Bischofs Adelphus von Metz, den ihnen Erzbischof Drogo abgelassen hatte, mit Wundern, worin viele Ortsnamen vorkommen[68].

§ 19. Baiern und Franken. [←]

Baiern, wo schon unter den Agilolfingern eine rege litterarische Thätigkeit begonnen hatte, zeigt auch in diesem Abschnitte Spuren derselben, und es wird an geschichtlichen Aufzeichnungen in den zahlreichen und blühenden Klöstern des Landes nicht gefehlt haben, obgleich im ganzen die Bedürfnisse des praktischen Lebens, der Geschäftsthätigkeit und des Schulunterrichts die Kräfte überwiegend in Anspruch nahmen. Doch ist in den Verheerungen des Landes durch die Ungern ohne Zweifel vieles zu Grunde gegangen.

In Freising zeugen die zahlreichen grammatischen Handschriften aus dem neunten und zehnten Jahrhundert[1] von eifrigen Studien. Nach Aribo, dessen wir schon früher gedachten, machte sich hier der Bischof Hitto (810-835) sehr verdient; er veranlaßte seinen Notar Cozroh, das höchst schätzbare Traditionsbuch der Kirche anzulegen, welches von demselben unter seinem Nachfolger Erchanbert (bis 853) fortgesetzt wurde[2]. An seinem Bischofsitz gründete Hitto das Kloster Weihenstephan, dem er aus Rom 834 den h. Alexander zuführte; die von einem Genossen dieser Uebertragung in recht gutem Latein und nicht ohne Kenntniß profaner Autoren verfaßte Geschichte derselben habe ich, von Dümmler darauf aufmerksam gemacht, herausgegeben[3]. Wenig später hielt dort der Pfalzgraf Timo Gericht, wobei sein Hund den Frevel beging, aus dem heiligen Quell zu trinken. Rascher Tod war die Strafe, und dieses Wunder feiert ein Gedicht, welches merkwürdig ist durch Beschreibung des Gerichtsverfahrens, der strengen Justiz, die dort geübt ward, und durch sehr entschiedene Bekämpfung der Ordalien[4]. Als man es im 11. Jahrhundert von der Rolle, auf welche es geschrieben war, in ein Buch übertrug, war leider der Anfang derselben schon beschädigt und verloren. Auch Bischof Anno (854 bis 875) ließ ein Werk für die Bibliothek abschreiben[5]; Waldo (884 bis 906), ein Bruder Salomons III von Constanz, zeichnete sich durch seine wissenschaftliche Bildung aus, und scheint auch als Bischof in dieser Richtung thätig gewesen zu sein[6].

In Regensburg war Baturich (817-848) Bischof und Abt zu St. Emmeram, zugleich Erzcaplan des Königs, ein geborener Baier, der in Fulda Hrabans Unterricht genossen hatte, und durch die Besorgung von Abschriften kirchlicher Werke seinen wissenschaftlichen Eifer bewies[7]. Schon unter Ambricho (864-899) begann hier Anamod die Urkunden über Schenkungen an das Kloster St. Emmeram zu sammeln, und eignete das vollendete Werk dessen Nachfolger Aspert (891-893) zu, welcher Kaiser Arnulfs Kanzler gewesen war[8]. Hier verwahrte man auch jene merkwürdige Aufzeichnung über die Gaue der Slaven, bekannt als Geographus Bawarus, welche aus einer Handschrift von St. Emmeram durch Hormayr zuerst bekannt gemacht ist[9].

In Nieder-Altaich und Würzburg wird Gozbald (841 bis 855), einst Erzkanzler Ludwigs des Deutschen und immer in hoher Gunst bei ihm, ein gelehrter Mann, den Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer nennt, ohne Zweifel die Studien befördert haben, wenn uns auch nichts darüber bekannt geworden ist. Einer Handschrift von Nieder-Altaich verdanken wir jene geschichtlich wichtige, wenn auch in der Form verwilderte Fortsetzung der Fulder Annalen von 882-901, welche in Baiern, aber schwerlich in einem Kloster, geschrieben ist[10]. Für seine Kirche in Isarhofen bei Nieder-Altaich erbat Gozbald von Gregor IV die Gebeine der Märtyrer Agapitus und Felicissimus, und vielleicht ist es ihre Translation, wovon sich ein Fragment erhalten hat, merkwürdig durch die Erwähnung der Aufschriften des P. Damasus „rotundis litteris“ und der von Karl dem Großen gestifteten Schola Francorum in Rom[11].

Zum Würzburger Sprengel gehört Laufen am Neckar, wo man S. Reginswind verehrte, Tochter des Markgrafen Ernst, welche als siebenjähriges Mädchen 837 von ihrer Wärterin aus Rache im Neckar ertränkt sein soll; ihre sagenhafte Geschichte ist aber erst im zwölften Jahrhundert aufgezeichnet[12].

In Eichstedt ließ B. Erchanbald (882-912) nicht nur viele Bücher abschreiben, sondern er veranlaßte auch den Priester Wolfhard, das Leben der h. Walburga[13] zu schreiben, deren Reliquien er 893 nach Monheim übertragen hatte, der Schwester Willibalds — eine der zahlreichen Aufzeichnungen solcher Art, welche diese Zeit mit ihrer immer wachsenden Heiligenverehrung hervorbrachte, weniger durch geschichtlichen Sinn als durch das Bedürfniß einer Legende veranlaßt und mit Wundergeschichten ausgestattet. In ausgedehntestem Maße sorgte aber Wolfhard für die Befriedigung dieses Bedürfnisses durch das ebenfalls auf Veranlassung des Bischofs Erchanbald von ihm gesammelte, schon früher (S. 61) erwähnte große Legendarium.

Die Passauer Kirche erwarb 904 durch Tausch die ansehnliche Bibliothek des Landbischofs Madalwin[14]; vielleicht auf Ermenrich zurückzuführen ist das vorzüglich aus Hrabans Schriften geschöpfte Lehrbuch, welches sich in einer Tegernseer Handschrift erhalten hat[15]. Einem Abt Engilmar, den er als „venerabilis doctor et grammaticae rethor“ bezeichnet, widmete ein ungenannter Verfasser in ziemlich mangelhaften Versen eine Versification der Vita S. Herasmi; vielleicht könnte dieser später Bischof von Passau geworden sein, wo wir von 874-899 einen Engelmar finden[16].

Aus Salzburg endlich ist uns, außer urkundlichen Aufzeichnungen und der Erzählung von der Uebertragung des h. Hermes[17] aus Rom vom Jahre 851, ein überaus werthvolles Denkmal erhalten, eine Denkschrift, welche durch die Errichtung eines selbständigen mährischen Erzbisthums veranlaßt, vermuthlich 870 verfaßt wurde[18], in demselben Jahr, in welchem die Verfolgung gegen Methodius begann. Die Verdienste und Berechtigungen der Salzburger Kirche sollten darin dargestellt werden, und wie billig steht an der Spitze das Leben des h. Rupert (oben S. 122). Die weitere Erzählung stützt sich durchweg auf Urkunden und andere Aufzeichnungen der Kirche, es ist mehr eine rechtliche Deduction, als ein eigentliches Geschichtswerk, und weil der Verfasser sich streng auf das beschränkt, was für seinen Zweck von Wichtigkeit war, anderes, wie namentlich die ganze Wirksamkeit des Bonifaz, völlig mit Stillschweigen übergeht, genügt die Schrift unseren Wünschen nicht, aber was sie giebt, ist unschätzbar, und bei dem fast gänzlichen Mangel anderer Quellen über die Verhältnisse dieser südöstlichen Lande, bei dem Verlust der Annalen, von denen nur geringe Reste übrig geblieben sind, ist jedes Wort des Verfassers von hohem Werth für uns[19].

Unter den Nachfolgern des ersten Erzbischofs Arn wird Adalram (821-836) sehr gepriesen, und Liuphram (836-859) folgte Arns Vorgang, indem er durch Abschriften die Bibliothek zu bereichern bemüht war[20]. Aus seiner Zeit stammt auch eine Sammlung, in welcher formelartig zugerichtete Briefe Alcuins, die meistens an Arn gerichtet waren, mit allerlei Versen verbunden sind, nach Dümmlers Ansicht für den Zweck des Unterrichts bestimmt[21]. Am Anfang stehen Verse von Dungal an einen „clarus magister“ Baldo, von welchem man in Salzburg auch eine Handschrift hatte mit der Inschrift: „Hunc humilis librum fecit perscribere Baldo, Reddat in aeternum mitis cui praemia Christus“. Aehnliche Verse finden wir in den Unterschriften der von Liuphram besorgten Bücher. Mit Dümmler hatte ich diesen Baldo für den Abt Waldo von Saint-Denis gehalten, aber später hat Dümmler sich mit Foltz[22] für eine Unterscheidung beider Personen ausgesprochen, wofür sich auch Traube erklärt[23], und es wird, wenn Baldo damals in Salzburg thätig war, vielmehr anzunehmen sein, daß wir unter Dungal nicht den alten berühmten Lehrer (oben S. 153) verstehen dürfen. Auch König Ludwig dankte ihm in Versen für übersandte Schriften, wünschte aber über die zuletzt erhaltenen, die er nicht verstehen könne, Aufschluß. Andere Stücke jener Sammlung verherrlichen den alten Bischof Virgilius, Arn, Adalram, Liuphram; eine besondere Classe stellt sich uns dar als Inschriften für einen Bischofshof, der vermuthlich damals (zwischen 855 u. 859) in Salzburg gebaut wurde, und erinnert dadurch an die oben S. 266 erwähnten Lütticher Gedichte, wie denn auch hier (III, 11) der Dichter sich als einen armen Fremdling bezeichnet; es liegt die Vermuthung nahe, daß Genossen jener Lütticher Schottencolonie auf ihrer Reise nach Mailand in Salzburg einige Zeit sich aufgehalten haben. Die einzelnen Suffragane gaben, wie es scheint, verschiedenen Hallen ihren Namen, deren Wände mit Darstellungen ihrer Bischofsitze geschmückt sein mochten, und hier waren auch Verse über die Folge dieser Bischöfe angebracht, welche aber bei Passau und Saeben nicht vollständig ausgeführt sind[24].

§ 20. Frankreich. [←]

Der Vertrag von Verdun besiegelte die politische Theilung des karolingischen Reiches, aber er zerstörte nicht die Gemeinsamkeit der litterarischen Entwickelung. Diese beruhte, besonders in Deutschland und Frankreich, Jahrhunderte lang ausschließlich auf der Geistlichkeit, die von dem Gefühl erfüllt war, eine große Corporation zu bilden, deren Mitglieder in den verschiedenen Ländern sich, wie noch heute, einander näher verbunden fühlten als mit den Laien ihres Volkes. Dieses Gefühl der Gemeinschaft tritt auch in späterer Zeit häufig außerordentlich stark hervor; ganz besonders lebhaft aber war es, so lange die Karolinger herrschten, und die Erinnerung an die Einheit des Kaiserreiches noch die Gemüther erfüllte. In der Litteratur sind es jedoch die kirchlichen Fragen, in denen die Gemeinsamkeit der Bildung wie der Interessen sich vornehmlich zeigt; die überaus reiche und bedeutende theologische Litteratur des neunten Jahrhunderts läßt sich gar nicht getrennt behandeln. In der historischen dagegen verhält es sich anders; diese wird naturgemäß von der politischen Trennung weit stärker berührt und sondert sich rascher in verschiedene Zweige. Alles was die Localgeschichte betrifft, gewinnt nur noch in einzelnen Fällen Bedeutung für das Nachbarland; die bedeutenderen Werke allgemeiner Art aber dürfen nicht außer Acht gelassen werden, und bei der engen Verbindung der karolingischen Theilreiche finden wir in diesen immer auch die Nachbarländer, wenn nicht gleichmäßig, so doch mit wenig geringerer Sorgfalt berücksichtigt, als das eigene. Vor allem gilt das von der Reichshistoriographie der Annalen. Wie die Fulder Annalen auch für Frankreich von Wichtigkeit sind, so die Bertinianischen[1] für Deutschland.

Die alten Reichs-Annalen bilden für beide Reiche gleichmäßig den Ausgangspunkt; während man aber am ostfränkischen Hofe diese Aufgabe erst nach einiger Zeit wieder aufnahm, trat im westlichen Franken keine Unterbrechung ein, und wir finden schon in den Jahren 830-835 eine gleichzeitige Fortsetzung. Das Kloster St. Bertin hat nur deshalb den Namen dazu hergegeben, weil diese Annalen zuerst aus einer Handschrift desselben bekannt wurden; sie tragen einen durchaus universellen Charakter und haften an keinem bestimmten Orte.

Die Hofschule bestand unter Ludwig dem Frommen, wie unter seinem Vater. Der Irländer Clemens setzte seine Wirksamkeit fort, und von Alderich und einem sonst unbekannten Thomas, den Walahfrid preist, ist es, wenn auch nicht sicher, doch wahrscheinlich, daß sie eine ähnliche Stellung hatten[2]. Walahfrids Berufung an den Hof bezeugt ebenfalls die Beachtung litterarischer Talente. Die Verdienste der Kaiserin Judith in dieser Beziehung waren schon wiederholt zu erwähnen. An Karls des Kahlen Hof glänzte Johannes Scotus[3]. Ihm widmete auch ein unbekannter Autor ein geographisches Werk, welches ganz aus Stellen alter Schriftsteller zusammengesetzt, und ein Zeugniß für die eifrig betriebenen Studien in jener Zeit ist[4]. Seine Sorge für wissenschaftliche Bildung wird gerühmt, und zu seiner Zeit wird Manno als Vorsteher der Hofschule genannt, welcher als Probst von Saint-Oyan (später Saint-Claude) im Jura am 16. Aug. 880 gestorben ist, nachdem er diesem Stifte mehrere noch jetzt erhaltene Handschriften dargebracht hatte[5].

In dieser Schule ist auch der Spanier Galindo ausgebildet, welcher den Namen Prudentius annahm[6]; ein vornehmer Jüngling, welcher frühzeitig ins Frankenreich gebracht war. Aus dieser Zeit, noch vor 817, haben sich an ihn gerichtete Verse eines unbekannten Dichters erhalten, leider nur theilweise verständlich[7]. Theodulf, Clemens und Thomas werden darin erwähnt. Als die Kaiserin Judith sich einst in Gefahr befand, hat er für sie auf ihren Wunsch Flores psalmorum zusammengestellt[8]. Die Verse Walahfrids ad Prudentium magistrum (oben S. 280) werden doch wohl sicher an denselben Galindo gerichtet sein, welcher zwischen 843 und 846 Bischof von Troyes geworden, am 6. April 861 gestorben ist. Von ihm selbst haben wir Verse aus einem von ihm seiner Kirche gewidmeten Evangelienbuch, und kirchliche Schriften.

Dieser Prudentius wird von Hincmar als der Fortsetzer der Annalen genannt, auch 861 von ihm der Tod desselben mit scharfem Tadel seiner in den letzten Jahren ketzerischen Haltung angemerkt. J. Girgensohn[9] hat sich bemüht zu erweisen, daß der Inhalt der Annalen genau zu dem stimmt, was wir von Prudentius wissen, indem er 835-840 dem alten Kaiser treu ergeben ist, bis 853 Karls des Kahlen Handlungen bestmöglichst zu beschönigen sucht, nach der Synode von Quierzy aber, wo er die seiner früheren Lehre widerstreitenden Artikel unterschreiben mußte, auch rücksichtslosen Tadel nicht scheut. Der Brief Hincmars, welcher allein uns die Kunde von Prudentius Autorschaft erhalten hat, zeigt zugleich, daß die Urschrift des Werkes, welches schon Vielen bekannt geworden war, sich in des Königs Händen befand, und bestätigt dadurch den officiellen Charakter desselben. Nur darf man nicht vergessen, wie selbständig die Bischöfe Frankreichs ihrem Könige gegenüber standen, und es ist deshalb nicht zu verwundern, daß Prudentius seine eigene Meinung mit einer Entschiedenheit ausspricht, welche Rudolf von Fulda ganz fern liegt. Noch weit unabhängiger erscheint die Fortsetzung, welche der Erzbischof Hincmar von Reims bis zum Jahre 882, dem Jahre seines Todes, fortgeführt hat. Sie bietet uns die Reichsgeschichte aus dem Standpunkte des Verfassers, des bedeutendsten Staatsmannes im Reiche Karls des Kahlen, der unablässig bis an seinen Tod für das Wohl des Reiches und die Selbständigkeit der westfränkischen Kirche auch gegen König und Pabst gearbeitet und gekämpft hat, nicht immer mit redlichen Mitteln allein, obgleich freilich Schrörs (S. 307, 507-512) ihn von dem Verdachte zu befreien sucht, daß er zur Erreichung seiner Zwecke auch Fälschungen und Erdichtungen nicht verschmäht habe; ein sicheres Beispiel kecker Fälschung hat Krusch in der Vita Remigii nachgewiesen[10]. Sicher aber sind seine Annalen von solchen Flecken rein, wenngleich an manchen Stellen nicht frei von Parteilichkeit, und als die hervorragendste Geschichtsquelle dieser Zeit zu betrachten[11].

Von dem einflußreichsten, nur vorübergehend bei Seite gedrängten Staatsmanne herrührend, unterscheiden Hincmars Annalen sich noch wesentlich von einfachen Privatarbeiten; mit seinem Tode versiegte in Frankreich noch früher als in Deutschland diese Art der Geschichtschreibung, wie denn auch der Verfall des Reiches hier noch rascher und unaufhaltsamer eintrat.

Allein in ganz ähnlicher Weise, wie wir in Deutschland neben den Reichsannalen die Jahrbücher von Xanten finden, wie auch nach dem Uebergange der amtlichen Geschichtschreibung an die Baiern die Jahrbücher von Fulda unabhängig aus freiem Antriebe weiter fortgesetzt wurden, so stehen auch in Frankreich den Annalen Hincmars die Jahrbücher von St. Vaast[12] bei Arras zur Seite. Sie reichen von 874-900; vielleicht ist aber was uns vorliegt nur ein Bruchstück. Auf das Kloster des heiligen Vedast weisen mehrere Stellen hin, aber die Absicht des Verfassers war, die Geschichte des westfränkischen Reiches zu schreiben; die Darstellung ist ausführlich und umfassend, und dabei frei von den Rücksichten, welche in den Bertinianischen Annalen unverkennbar sind. Die Zwietracht im Reiche und die Heimsuchungen durch die Normannen werden mit lebhaften Farben geschildert. Wie in Deutschland die Xantener Annalen, so blieben auch hier die Vedastiner fast unbekannt; in Reims wußte man nichts von ihnen, als Richer seine Geschichte schrieb, und wir haben ihre Erhaltung als einen besonderen Glücksfall zu betrachten. Außerdem beschäftigte man sich hier angelegentlichst mit dem Schutzheiligen, dessen Wunder um 850 der Küster und Schulvorsteher Haimin beschrieb, ein gefeierter Gelehrter, welchem sein Schüler Milo das metrische Leben des h. Amandus widmete. Bei der wachsenden Kriegsgefahr wurde der h. Vedast 852 feierlich erhoben und wieder wurde ein Buch über seine Wunder geschrieben. Die Normannen jedoch fürchteten sich nicht vor ihm, 880 wurde er nach Beauvais geflüchtet, 893 heimgeführt, und auch darüber von Ulmar eine Schrift verfaßt; allerlei für die Zeitgeschichte nicht unerhebliche Nachrichten hat daraus Holder-Egger ausgehoben[13].

Die Annalen kannte man im eigenen Kloster wohl, und muß auch eine große Fülle von historischem Material gehabt haben, denn gegen das Ende des 11. Jahrhunderts ist hier eine große weltgeschichtliche Compilation bis 899 aus vielerlei Quellen ohne viel Geschick zusammengearbeitet, welche sich in einer jetzt in Douai befindlichen Handschrift erhalten hat, aus der sie erst kürzlich bekannt geworden ist; jetzt hat den wesentlichen Inhalt mit Fortlassung des Anfangs und der wörtlich entlehnten Stellen Waitz (SS. XIII, 674-709) als Chronicon Vedastinum herausgegeben[14]. Außer Hieronymus, Orosius, Beda, Isidor, Nennius, Jordanis, Gregor von Tours ist Fredegar mit seinen Fortsetzungen benutzt, und die Reichsannalen mit den Bertin. und Vedast., welche fast ganz aufgenommen sind, so daß die Handschrift zur Verbesserung des Textes benutzt werden kann. Von besonderer Wichtigkeit ist die Benutzung der oben S. 202 erwähnten Compilation bis 805, von der Waitz vermuthet, daß sie noch höher hinaufgereicht habe, da schon im 7. und 8. Jahrhundert gleiche Quelle mit den Ann. Mett. wahrzunehmen ist; doch muß für die Zeit Karl Martells die Vorlage eine Lücke gehabt haben. Einige Stellen stimmen mit der Bisthumsgeschichte von Cambrai überein, was für die Zeit der Abfassung entscheidend sein würde; doch nennt er diese Quelle Gesta Remensium, und ganz sicher ist die Benutzung nicht. Er giebt aber manchmal seinen Quellen falsche Benennungen, weicht auch im Wortlaut ab, und hat allerlei Nachrichten, deren Herkunft nicht festzustellen und deren Werth zweifelhaft ist. Guiman von St. Vaast um 1170, Hermann von Tournai und Andreas von Marchiennes haben das Werk benutzt; früher als ins 11. Jahrhundert kann es nach der Beschaffenheit der allem Anschein nach erhaltenen Originalhandschrift unmöglich gesetzt werden.

Gehört nun diese Bearbeitung schon späterer Zeit an, so stammen dagegen die oben S. 109 erwähnten Gesta Dagoberti aus dem Ende des neunten Jahrhunderts, und um 900 war nach B. Krusch auch schon die Bearbeitung vollendet, welche aus Gregor von Tours mit der unter Fredegars Namen bekannten Sammlung und deren Fortsetzern eine einigermaßen lesbare Frankengeschichte herstellte (S. 203).

Wir finden also auch in Frankreich eine nicht unbedeutende Beschäftigung mit der Geschichte, und namentlich die annalistische Form der gleichzeitigen Geschichtschreibung reich entwickelt, bis sie durch den Verfall des Reiches erstickt wird[15]. Von Aufzeichnungen anderer Art ist nur noch die poetische Behandlung der Belagerung der Stadt Paris durch die Normannen vom November 885 bis 886 und der weiteren Kämpfe bis 896 zu erwähnen, verfaßt von Abbo[16], einem Mönche von St. Germain-des-Prés, zur Verherrlichung seines Heiligen; schätzbar durch ihren Inhalt, da der Dichter diese Ereignisse selbst mit durchlebt hatte, aber kaum als Geschichtswerk zu rechnen, in sehr gezierter und gesuchter, oft kaum verständlicher Sprache. Im allgemeinen überwog in Frankreich noch mehr als in Deutschland die Richtung auf theologische und philosophische Gelehrsamkeit; die kirchlichen Fragen beschäftigten die Geister im höchsten Grade und die wissenschaftliche Thätigkeit, welche Karl der Kahle bei aller Schwäche seiner Regierung lebhaft begünstigte[17], kam der Geschichte wenig zu Gute. Denn die Ueberarbeitung oder auch neue Aufzeichnung älterer Heiligenleben, welche auch hier vielfach vorkommt, hatte mehr einen liturgischen oder doch erbaulichen Zweck; die Form ist die Hauptsache dabei und von ernstlicher geschichtlicher Forschung nicht die Rede.

In Chelles ließ die Aebtissin Hegilwich, die Mutter der Kaiserin Judith, 833 den Leib der Königin Baltechildis erheben, worüber bald nach 856 berichtet wurde[18]. Etwas später finden sich hin und wieder Nachrichten über die Unthaten der Normannen in den Sammlungen von Wundergeschichten und den Berichten über die Irrfahrten der vor den gottlosen Feinden geflüchteten Reliquien. So in des Abts Odo von Glanfeuil Geschichte der Uebertragung des h. Maurus von Saint-Maur-sur-Loire nach Saint-Maur-des-Fossés bei Paris[19] 868, welche wohl etwas, doch nicht viel mehr Glauben verdienen mag, als desselben Odo angeblich nach einem gleichzeitigen Werk des Faustus erneuertes Leben des h. Maurus[20], und mit besonderer Lebhaftigkeit und Anschaulichkeit in den Wundergeschichten vom heil. Bertinus[21].

Hierher gehören auch die schon oben S. 164 erwähnten Aufzeichnungen aus dem Kloster Saint-Riquier oder Centulum. Aus diesem aber hat sich auch noch eine nicht unwichtige Sammlung von Gedichten erhalten, mit welchen ja die Mönche des neunten Jahrhunderts sich überaus gerne beschäftigten; sie beziehen sich großentheils auf Aebte des Klosters, welche, ohne Ausnahme Laienäbte, der kaiserlichen Familie angehörten, und dienen zur Berichtigung der chronologischen Angaben Hariulfs. Die Hauptmasse rührt von dem Diaconus Mico her und umfaßt die Jahre 825-853; er wirkte als Lehrer und hat auch eine Zusammenstellung von Versen älterer Dichter zu prosodischen Zwecken auf überlieferter Grundlage verfaßt. Verbunden sind damit Gedichte des Spittlers Fredigardus aus den Jahren 861-871 und vermuthlich auch seines Zeitgenossen, des Custos Odulfus, welchem Traube einen von Hariulf in seine Chronik (III, 11, 12, 14) aufgenommenen Bericht über die von ihm gesammelten Reliquien zuschreibt. Nachdem einzelne dieser Gedichte an verschiedenen Orten veröffentlicht waren, die ganze Sammlung vor 50 Jahren von Bethmann abgeschrieben, ist sie jetzt von L. Traube vollständig herausgegeben und scharfsinnig erläutert[22].

Zu den berühmtesten Gelehrten dieser Zeit gehörte Heirich aus Auxerre, 841 geboren und seit 850 zum Diener des heiligen Germanus geschoren; 859 wurde er zum Subdiaconus geweiht, und hat dann, nach der Sitte der lernbegierigen jungen Mönche jener Zeit, verschiedene Lehrer aufgesucht, namentlich auch Schottenmönche, nach Traubes wahrscheinlicher Vermuthung in Laon. Eine alte Aufzeichnung nennt ihn einen Schüler des Schotten Elias, Bischofs von Angoulême († 860) und als seine Schüler wieder Remigius, der die Reimser Schule herstellte[23], und Hucbald den Kahlkopf von St. Amand[24]. Er selbst nennt Lupus, den Abt von Ferrières, und Haimo, vermuthlich in Auxerre, seine Lehrer, in den Versen, mit welchen er dem Bischof Hildebold von Soissons die Collectaneen überreichte, die er jenen verdankte, Auszüge aus Valerius Maximus und anderen Schriftstellern[25]. Sogar den unsauberen Petronius hat er studiert, und Verse von ihm zum Preise des heiligen Germanus benutzt[26]. Denn dessen Legende in Verse zu bringen, das war die große Aufgabe, welche ihm der jugendliche und früh (865) verstorbene Abt Lothar, Karls des Kahlen Sohn, gestellt hatte, als er eben der Schule entwachsen war. In langer Arbeit hat er das Werk vollführt, und dem Kaiser Karl (also zwischen 875 und 877) mit vielen Lobsprüchen überreicht; hinzugefügt sind zwei Bücher in Prosa über die Wunder des heiligen Germanus, welche auch geschichtlich brauchbare Angaben enthalten[27]. Später war er selbst ein gefeierter Lehrer, und hat nach einer Vermuthung von Traube, der ihn für den Verfasser des bisher dem Helpericus zugeschriebenen Computus hält, eine Zeit lang mit schlechtem Erfolg in Granfelden gelehrt. Seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit hat Heirich auch durch seine in tironischen Noten geschriebenen Bemerkungen zu astronomisch-chronologischen Schriften von Beda und anderen bewiesen, während die kurzen Annalen von 826-875 in derselben Handschrift wenig Sinn für geschichtliche Aufzeichnungen verrathen[28]. Doch hat Heirich sich auch an der Geschichte der Bischöfe von Auxerre betheiligt, die er in Gemeinschaft mit den Domherren Rainogala und Alagus verfaßte, ein Werk, das als einer der frühesten Versuche der Art Beachtung verdient, übrigens aber für die ältere Zeit unzuverlässig, für die näher liegende dürftig ist[29].

Notes in this chapter

Note 1 · [27] Baluzii Capit. II, 1382. Reginbert wird von ihnen flos juvenum forma speciosus amoena genannt. Das Buch nebst einem zweiten von denselbNote 2 · [64] Edd. Ild. v. Arx et G. H. Pertz, MG. I. 63-66; ed. Henking, St. Gall. Mitth. XIX, 220-223. Local, aber sehr dürftig sind (MG. I, 69. 70Note 3 · [7] Dümmler, Ostfr. II, 433. Müllenhoff und Scherer S. 448. 460. (II, 331. 344.) Facs. des Cod. lat. Monac. 14,468 a. 821. Palaeograph. Soc.Note 4 · [38] Ueber die fabelhafte Vita S. Mengoldi s. oben 1→S. 174.Note 5 · [8] Vgl. oben → S. 222. Gegen Scherers einseitige Hervorhebung des Einflusses der Fulder Schule, s. Dümmler Ostfr. III, 655. Ein für GrimaldNote 6 · Sermo de S. Ferrutio, bei Surius zum 28. October, Acta SS. Oct. XII. 538-542. Exc. ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 148-150. Vgl. C. Will, Mon.Note 7 · in Caspari's Kirchenhist. Anecd. (1883), S. 251.Note 8 · Acta vetusta Abbatum Fuldensium a. 744-916. Schannat, Cod. Probb. 1-3. Böhmers Fontes III, XXVIII und 161-164 aus Dronke, Traditt. Fuld. p. Note 9 · Schannat, Vind. lit. I, 226. Codex Fuld. ed. E. Ranke, Marb. et Lips. 1868.Note 10 · Archiv VI, 681.Note 11 · Die Annalen von Hersfeld, S. 70.Note 12 · HZ. 65, 141.Note 13 · Die Hersfelder u. die größeren Hildesh. Jahrbücher bis 984, S. 8.Note 14 · MG. SS. III, 117; der zweite Theil 910-1024 ist fast ganz identisch mit den Ann. Lobienses. Berichtigungen e cod. Lugd. Bat. von Dümmler, FoNote 15 · Rettberg I, 602-605. Hafner, Die Reichsabtei Hersfeld, 1889.Note 16 · Bibl. III, 312.Note 17 · Vita Wigberti, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 36-43.Note 18 · So berichtet der Jesuit Busaeus, erster Herausgeber der V. Wigberti, s. Hincmari epp. ed. Busaeus, Mog. 1602. NA. IV, 314.Note 19 · Poet. Lat. II, 184; vgl. p. 111.Note 20 · Vgl. Dümmler NA. IV, 150. Poet. Lat. I, 431. 432 u. II, 694.Note 21 · H. Hahn, Forsch. XV, 113.Note 22 · Diese Aeußerung ist wiederholt gerügt worden, zuletzt Katholik 1875 S. 443, aber sie ist wahr; ich habe einige Beispiele in d. SB. d. Berl. Note 23 · Vita et Translatio S. Severi auct. Liudulfo presbytero, Acta SS. Feb. I, 88-91. Jaffé, Bibl. III, 507-517. MG. SS. XV, 289-293, ed. L. v. HeNote 24 · S. über Liutbert und Sunzo Dümmler, Ostfr. III, 328-331; über Hatto S. 352. 497. Vgl. auch desselben S. 234 angeführte Abhandlung über die FNote 25 · Erste kritische Ausgabe von Holder-Egger, SS. XV, 63-79. Uebers. v. Grandaur, Geschichtschr. 14, nach V. Willibrordi. — Vgl. Ebert II, 106 bNote 26 · S. R. Pauli: Karl d. Große in northumbrischen Annalen, Forsch. XII, 137-166. 441. Vgl. L. Theopold, Krit. Untersuchungen über die Quellen zuNote 27 · Dieser scheint der Besitzer des später nach Lorsch gekommenen Wiener Livius gewesen zu sein, nach der Inschrift: „Iste codex est Theatberti Note 28 · Diekamp im Hist. Jahrbuch V, 257. Ueber Liudger vgl. Hauck II, 317 ff.Note 29 · V. Liudgeri auct. Altfrido ed. Pertz, MG. II, 403-425 mit Zusätzen und Mirakeln aus den späteren Biographieen. Vitae S. Liudgeri ed. DiekampNote 30 · Diekamp. Vitae Liudgeri, p. XXI. Anm. 1. Zu unterscheiden ist ein älterer Gerfrid, welcher eine Bibel schreiben ließ, deren Widmungsverse siNote 31 · Dümmler, Sedulii Scotti Carmina XL p. 28. Poet. Lat. III, 219.Note 32 · Zu diesem Kreise gehört auch die Legende über die Stiftung des Klosters Freckenhorst oder Vita S. Thiadildis, ed. Jo. Gamans, Acta SS. Jan. Note 33 · Fundatio monasterii Werthinensis bei Ficker, Die Münsterischen Chroniken (1851) S. 352-355. Diekamp, Vitae Liudgeri, p. 286-294, mit neuen HNote 34 · V. Willehadi auct. Anskario ed. Pertz, MG. SS. II, 378-390. Uebersetzt von Laurent, 1856. 1888. Geschichtschr. 14 (VIII, 3). Hs. in einem alNote 35 · G. Dehio, Gesch. des Erzb. Hamburg-Bremen bis zum Ausgang der Mission (Berl. 1877) Ib S. 51-53. Alcuin läßt 789 „dilectissimum meum Uilhaed Note 36 · Rimberts bestimmte Angaben über Karls Absicht zu bezweifeln, sehe ich keinen Grund, wenn auch zuzugeben ist, daß sie keine völlig genügende Note 37 · Diese Angabe der V. Rimb. c. 9 bekämpft Koppmann: Die mittelalterlichen Geschichtsquellen in Bezug auf Hamburg (1868) S. 25. 36-38. Doch schNote 38 · V. Rimb. c. 9. Adam Br. I, 36. V. Anskarii, MG. II, 683-725, herausgegeben von Dahlmann, der in den Anmerkungen leider noch das unechte ChroNote 39 · V. Rimberti ed. Pertz, MG. II, 764-775. Ausg. von Waitz mit der V. Anskarii. Uebersetzt von Laurent 1856. 1889 mit Anskars Leben. Brief von Note 40 · Dort ließ er die Historia tripartita abschreiben: „Hic codex Hero insula scriptus fuit jubente sancto patre Adalhardo dum exularet ibi“. MabNote 41 · Dahin gehört das in Pfeiffers Germania e cod. Vat. gedr. Mönchsverzeichniß s. IX, nach Enck in der Zts. f. vat. Gesch. Bd. 37, Münster 1879.Note 42 · So Simson, Ludw. d. Fr. II, 266. Wilmans Kaiserurkunden I, 463 ff., scheint der V. Adalhardi zu viel Glauben geschenkt zu haben, und überschNote 43 · Ihm widmete Paschasius Radbertus zwei seiner Schriften, Ebert II, 232. 235. NA, IV, 304.Note 44 · Historia Translationis S. Viti ed. Papebroch, Acta SS. Jun. II, 1029 bis 1037. Pertz MG. II, 576-585 wiederholte die ältere Ausgabe MabillonNote 45 · Ueber ein Citat aus Senecas ludus de morte Claudii s. F. Jonas im Hermes VI, 126. Dümmler, NA. IV, 301-305. Ebert II, 230-244; ib. 244-247 üNote 46 · Acta SS. Jun. I, 96-111. Mab. IV, 1, 308-344. Excerpte MG. II, 524-532. Die Egloga mit anderen Versen Radberts ed. Traube, Poet. Lat. III, 3Note 47 · Mab. IV, 1, 455-522. Excerpte MG. II, 533-569. Vgl. Himly, Wala et Louis le Débonnaire, Paris 1849. C. Rodenberg: Die Vita Walae als hist. QNote 48 · Nach Traube, Poet. Lat. III, 42.Note 49 · Nachgewiesen von H. Dürre: Ueber die angebliche Ordnungslosigkeit und Lückenhaftigkeit der Traditiones Corbejenses, im Progr. d. Gymn. in HoNote 50 · Hincmari epistola de ordine palatii, gedr. u. a. in Walters Corp. Jur. Germ. III, 761-772. Gengler, Germ. Rechtsdenkmäler, S. 692. Migne CXXNote 51 · Vita Waltgeri, im Auszug bei Heinrich von Herford. Neue, erste krit. Ausg. bei R. Wilmans Kaiserurkk. 488-501; dazu S. 275-318 wichtige UnteNote 52 · Erste zuverlässige Ausgabe von R. Wilmans a. a. O. 409-488. Vgl. Hüsing, Genealogie der h. Ida, Zts. f. vaterl. Gesch. 38, Münster 1880.Note 53 · Translatio S. Pusinnae, in berichtigtem Abdruck bei Wilmans a. a. O. 541-546. Auszug SS. II, 681. Bei Henr. de Hervordia ed. Potthast p. 59 Note 54 · Translatio S. Liborii, MG. SS. IV, 149-157. Uebers. von Grandaur bei V. Eigilis. Vgl. Conr. Mertens: Der h. Liborius. Sein Leben, seine VereNote 55 · Vita S. Mainulfi ed. Corn. Byeus, Acta SS. Oct. III, 209-216. Dann folgt die neue Bearbeitung, welche von Gobelinus Persona verfaßt ist, wieNote 56 · Bei A. Lang, De Sanctis O. S. Benedicti. B. Pez Thes. II, 3, 146. MG. SS. IV, 158-164 im Auszuge.Note 57 · Annales Corbejenses, MG. SS. III, 1-18; berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. I, 28-65, wo 7 Notizen 809-840 als Ann. aut Monasterienses aut Note 58 · Abgesondert als Bovonis de sui temporis actis fragmentum, herausgegeben von Jaffé, Bibl. I, 27, vgl. Wilmans a. a. O. S. 304.Note 59 · „Qui Graecas litteras coram Cuonrado rege legendo factus est clarus.“ Cod. Steinveld. ad Widuk. III, 2.Note 60 · Nach dem sehr werthvollen, vom Beginn des Klosters bis 1146 fortgeführten Verzeichniß der Aebte und der unter jedem aufgenommenen Mönche, neNote 61 · Herausgegeben von A. Mai, Class. Auct. III, 332-342. Der Abt ist nur durch B. bezeichnet, kann aber kaum ein anderer sein.Note 62 · O Roma nobilis, S. 310.Note 63 · Agii Vita Hathumodae ed. Pertz, MG. SS. IV, 165-189. Uebersetzung von Rückert, Stuttg. 1845, von Grandaur bei Vita Eigilis. Benutzung des FoNote 64 · Die nachträglich gefundene Brüsseler Handschrift (Archiv III, 379) scheint der Lammspringer zu entstammen, wenigstens hat sie dieselben LückNote 65 · Poetae Saxonis Annales de Gestis Caroli magni imperatoris, ed. Pertz, MG. I, 225-379. Wieder abgedruckt bei Migne XCIX, 683-736. Jaffé, BiblNote 66 · Außer verschiedenen Schriften kirchlichen Inhalts (s. NA. XIII, 305-323, XVII, 456) schrieb er nach der Gesandtschaftsreise, die er 813 mit Note 67 · Herausgegeben von Dr. Nolte im Jahresbericht d. Ges. f. nützl. Forsch. in Trier f. 1872/73 (1874) S. 50-58.Note 68 · Baehr S. 184-186. 535-538. Dümmler in der Vorrede zur Uebersetzung der Chronik. H. Ermisch, Die Chronik des Regino bis 813, Gött. 1872. VergNote 69 · Vgl. darüber B. Simson, Ludwig d. Fr. II, 63 Anm. 2.Note 70 · Die werthlose alte Vita S. Goaris bei Mab. II, 276-280; dann folgt die von Wandalbert mit den Wundern. Miracula S. Goaris, ed. Holder-Egger,Note 71 · S. über ihn Dümmler, NA. IV, 305-312; Ebert II, 185-191; das Martyrol. Poet. II, 567-622. Die von Rettberg bezweifelten Verse über die CölneNote 72 · Historia translationis Chrisanthi et Dariae, Mab. IV, 1, 611-618. Acta SS. Oct. XI, 490-495 ed. B. Bossue, Annalen f. d. Gesch. d. NiederrheNote 73 · Translatio S. Reginae bei Mab. IV, 2, 238, Acta SS. Sept. III, 40, nebst einer Urk. Eigils über eine daran sich schließende Stiftung zu CorbNote 74 · Annales Prumienses a. 122-1044 ed. O. Holder-Egger, SS. XV, 2, 1289-1292. Es folgen noch Ann. Prum. brevissimi a. 906-919. 1226 bis 1238. VgNote 75 · Weil sein Grabstein da gefunden ist, hat man geglaubt, daß er in diesem Kloster Aufnahme gefunden habe, aber es lag damals nach der VerwüstuNote 76 · Vita S. Magnerici, MG. SS. VIII, 208; vgl. Archiv III, 291. Regino soll nach späteren Aufzeichnungen aus Altrip am Rhein gebürtig sein.Note 77 · Gedruckt, doch ohne den tonarius, bei Gerbert, SS. eccl. de musica sacra I, 230-247. Neue Ausg. mit Facs. des tonarius bei Coussemaker, ScriNote 78 · Reginonis libri duo de synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis, ed. Wasserschleben, Lips. 1840.Note 79 · Reginonis Chronicon, ed. Pertz, MG. I, 536-612. Ausg. von Fr. Kurze 1890, 8. Vgl. von dems. Ueberlieferung u. Quellen der Chronik Regino's uNote 80 · Die Actenstücke hierüber und besonders über die nach Gunthars Absetzung am 7. Jan. 870 vollzogene Wahl Williberts von Cöln sind vermehrt durNote 81 · Harttung, Forsch. XVIII, 362-368.Note 82 · Annales Xantenses ed. Pertz, MG. II, 217-235. Uebers. bei den Fulder Annalen. Hans Steffen: Beiträge zur Kritik d. X. Annalen, NA. XIV, 87-1Note 83 · Die Angaben über sein Sterbejahr schwanken zwischen 818 u. 819, Sept. 3. B. Simson, Ludw. d. Fr. S. 232 für 818.Note 84 · Hartzheim, Catal. bibl. Colon. (Col. 1752); cf. Archiv VIII, 617 ff. Rettberg I, 540. Jaffé et Wattenbach, Ecclesiae Colon. Codices manuscriNote 85 · Davon gehören hierher Ann. S. Petri Coloniensis 798. 810-818, nur einzelne Notizen e cod. 83 II, MG. SS. XVI, 730, Codd. p. 29. 30, und bei Note 86 · Dümmler, Ostfr. II, 10. Höchst wahrscheinlich ist er der Gunthar, dem Meginhard ein Werk widmete, s. oben S. 240. Ein gleichzeitiges GedichtNote 87 · Jaffé, Bibl. IV, 2. Auch im Wiener Cod. der Bonifaz. Briefe ist eine auf Williberts Weihe bezügliche Notiz, Bibl. III, 11.Note 88 · S. oben S. 261 Anm.→1. Zu der bei Floß, Urkk. S. 124, erwähnten Verwüstung durch die Normannen 881 ist zu bemerken, daß nomina die ReliquienNote 89 · Nachgewiesen von Kurth in der gleich zu erwähnenden Schrift, ←1 S. 102-112; es ergibt sich daraus auch, daß die Translation und Mirakel von Note 90 · In Anselms c. 8, MG. SS. VII, 195, muß es am Schluß der aus Regino (der aus Ado schöpfte) entlehnten Stelle: „ab iniquissimo Dodone et aliisNote 91 · Étude critique sur S. Lambert et son premier biographe. Mém. couronné. Anvers 1876.Note 92 · Kurth, Étude, p. 67 ff.Note 93 · W. Arndt, Kleine Denkmäler aus der Merowingerzeit (1874) S. 52 bis 70. Ausg. von De Smedt, Acta SS. Nov. I; vgl. Krusch, HZ. LXV, 103-105.Note 94 · Translatio S. Huberti, Mab. IV, 1, 295 (278 ed. Ven.). Vorrede zu dem ganzen Werk Forsch. VI, 126, und bei Arndt a. a. O. nebst InhaltsverzeNote 95 · Dümmler, NA. XIII, 360-369, aus d. Zeit d. Bischofs Franco.Note 96 · Sedulii liber de rectoribus christianis, ed. A. Mai, Spicil. Rom. VIII, 1-69. Nach Dümmlers Vermuthung vielleicht für Lothar II bestimmt; älNote 97 · Nachdem die Gedichte des Sedulius von Dümmler, Grosse, Pirenne einzeln herausgegeben waren, sind sie jetzt vereinigt von Traube, Poet. Lat. Note 98 · Acta SS. Mart. III, 386-392, und daraus Mab. III, 1, 654-663. Ueber die Bestätigung der Nachrichten durch Denkmäler Friedrich, KirchengeschiNote 99 · Ueber Chr. von Stavelot u. seine Auslegung zum Matthaeus, Berl. SB. 1890, S. 935-952.Note 100 · Ex Miraculis S. Remacli Stabulensibus, ed. O. Holder-Egger, SS. XV, 1, 431-443.Note 101 · Martene. Coll. VI, 833; MG. SS. XV, 1, 566. Spät geschrieben und fabelhaft ist die Translatio S. Quirini Malmundarium, angeblich 808, mit eiNote 102 · Bertharii Gesta episcoporum Virdunensium, ed. Waitz, MG. SS. IV, 36. Benutzung von Fortunats Gedichten NA. XII, 591. Nomina epp. Virdun. SS.Note 103 · Poet. Lat. III, 225. Ueber Adventius s. Baehr S. 110; aus einer Briefsammlung, die sich auf Lothars II Ehehandel bezieht, sind bei Baronius Note 104 · Du Chesne II, 712-723. Bouquet VI, 386-397. Vgl. Ch. Pfister in Annales de l'Est 1890, S. 261 ff.Note 105 · Casus S. Galli ed. Ild. v. Arx, MG. SS. II, 59-183 (bis zum Jahre 1233). Zwischen 833 und 890 ist ein Stück verloren, auf welches sich EkkehNote 106 · Th. Sickel, St. Gallen unter den ersten Karolingern, in den Mittheilungen zur vaterl. Gesch. IV. 1865. Daß die Bischöfe doch auch über ihre Note 107 · Verse von König Ludwig und von dem Schotten Dungal an Baldo hat Dümmler herausgegeben im Arch. d. W. Ak. XXII, 289, vgl. S. 283, u. (mit FroNote 108 · F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich 1844. Von dem etwas späteren Bau Grimalds heißt es im cod. 397: Aula palatiniNote 109 · Sie sind nur in dieser Form vorhanden, V. S. Othmari MG. II, 41 bis 47, und von G. Meyer von Knonau Mitth. XII, 94-113. Uebers. v. Potthast Note 110 · Gedruckt bei Mabillon Act. II, 227-250. Neue Ausg. von R. Thuli, St. Gall. Mitth. XXIV (1890) S. 1-76. Daran knüpft sich eine Kritik in dem Note 111 · Nur der Anfang MG. II, 31. Vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler, Poet. Lat. II, 428-473, vgl. p. 266.Note 112 · Urkundlich in St. Gallen erwähnt von 852-868.Note 113 · Von 848-865 urkundlich erwähnt. Er war vorher Abt von Bangor in Ulster u. starb 871. NA. XVII, 211. — Sehr barbarische Verse von Dubduin zumNote 114 · Ysonis de miraculis S. Othmari libri II, MG. SS. II, 47-54. Mitth. XII, 114-139 im Auszug. Ekkehards Erzählung von Iso's Wirksamkeit in BurgNote 115 · S. über ihn Dümmler Denkm. S. 244 ff. 258 ff. NA. IV, 546. Meyer v. Kn. zu Ekk. S. 126 ff. und Der h. Notker v. St. Gallen, Neujahrsbl. 1877Note 116 · Dessen berühmtes Diptychon abgebildet in: Das Kloster St. Gallen I. Herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen, 1863, und bei AlwinNote 117 · Erhalten ist nur ein Bruchstück, die Beschreibung der neuen Kirche und der Uebertragung von Reliquien der hh. Felix et Regula vom GroßmünsteNote 118 · Das Jahr des Todes ist wegen der vielen gleichnamigen Mönche ganz ungewiß.Note 119 · Hierhin gehören wohl die Verse von Ratpert, Hartmann, Notker Balbulus u. a., die sich vielleicht alle auf diese Gelegenheit beziehen, neu heNote 120 · MG. SS. II, 329. Uebers. bei dem Mönch von St. Gallen. Notkers Autorschaft nachgewiesen von B. Simson u. Zeumer, s. Waitz-Aufsätze S. 113; NNote 121 · Vgl. Meyer v. Knonau, Mitth. XIII, 60. XV, 161.Note 122 · Diese Ansicht Dümmlers bekämpft Dammert, Forsch. VIII, 327 bis 366 u. will vielmehr Roudker, den Ekkehard als Mentor Salomons bezeichnet, auNote 123 · Früher Formulae Alsaticae genannt. Zum ersten Mal kritisch und vollständig herausgegeben von Dümmler: Das Formelbuch des Bischofs Salomo IIINote 124 · Zeumer, Reichenauer Formeln, NA. VIII, 481-505. Daselbst S. 547 ff. Nachweis, daß Iso nur irrthümlich Formeln zugeschrieben sind.Note 125 · Nach Canis. (II, 3, 245) berichtigt nach der Handschrift von Dümmler, Denkm. S. 239, mit dem größtentheils aus Reminiscenzen von Venantius bNote 126 · Bei Dümmler, Denkm. S. 230-239 (v. 9. l. iterare, v. 42: si domui conjuncta domus primordia sumpsit.); vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der KNote 127 · Die älteste Lebensbeschreibung des Stifters, S. Pirmin, mit der Gründungsgeschichte von Reichenau (um 724) zuerst gedr. von Mone, Quellens. Note 128 · Neugart Ep. Const. I, 142 aus Oheims Chronik, und jetzt Gallus Oheims Chronik von Reichenau ed. Barack (1866) S. 43. Oheim muß über die BereNote 129 · S. den 821 begonnenen Catalog bei Neugart I, 536-552, vgl. S. 152 und Mommsen, Die Chronik des Cass. Senator S. 573-585 über die von ihm angNote 130 · Herm. Contr. a. 811, vgl. über ihn Neugart I, 142-148, Rettberg II, 93-96, und die Reichenauer Inschriften bei Mone, Quellens. III, 133. DümNote 131 · Poet. Lat. II, 350. Ein Brief von Tatto Bibl. III, 323.Note 132 · Heitonis Visio Wettini , abgedr. mit dem früher hier mitgetheilten Prolog bei Dümmler, Poet. Lat. II, 267-275. Walahfrids Bearbeitung ist dNote 133 · Poet, Lat. II, 301-334.Note 134 · Herausgegeben von Mommsen im Rhein. Museum 1854, IX, 299. Poet. Lat. I, 114.Note 135 · Vgl. Dümmler, Ostfr. I, 322. Poet. Lat. II, 420.Note 136 · S. über ihn Dümmler, NA. IV, 270-286. 580 und die gesammelten Gedichte Poet. Lat. II, 259-423. Ebert II, 145-166. Hauck II, 600 ff. Opera MiNote 137 · Poet. Lat. II, 350; eine andere, auch in Tatto's Namen, an den Landbischof Degan, S. 351.Note 138 · Formulae ed. Zeumer p. 376 n. 25.Note 139 · NA. XVII, 261-279.Note 140 · Poet. Lat. II, 301-333.Note 141 · Ad. Loth. v. 31. Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 463. Poet. II, 414, und S. 259 weitere Belege für seine geringe Herkunft.Note 142 · Versus de imagine Tetrici, Poet. Lat. II, 370-378. Früher von C. P. Bock in den Jahrbüchern des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland Note 143 · Bouq. VI, 269; vgl. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 99. Dümmler, Hist. Zeitschr. XXXVII, 134; Poet. II, 388. Judith, hier Ioda genannt, schmückteNote 144 · Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 82-86. Poet. II, 403. 355.Note 145 · Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 462-466. Poet. II, 413.Note 146 · Dümmler im Anz. d. Germ. Mus. XXIII (1876) 177-188. Poet. II, 415.Note 147 · Epitaphium ed. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 113. Poet. II, 423.Note 148 · Das sprachlich interessante Cap. 7 theilt Dümmler in d. Zts. f. D. Alt. XXV, 99, berichtigt mit. Neue Ausg. v. Al. Knoepfler, München 1890, Note 149 · Mab. Anal. p. 358. Hänel in Jahn und Seebode's Archiv, 5. Supplementband, S. 115. Mommsen in den Berichten über die Verhandlungen d. K. SächNote 150 · Vgl. über ihn E. Dümmler: Ueber Ermenrich von Ellwangen u. seine Schriften, Forsch. XIII, 473-485. XIV, 403. 404. NA. IV, 321. Er schrieb deNote 151 · Als Hraban noch Abt war, also vor 842. Erm. Sermo de Vita S. Sualonis, ed. Holder-Egger SS. XV, 151-163. Im Anfang ist Sedulii Carmen paschaNote 152 · Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 248. Gundram nennt er eximii ministerii conlevita.Note 153 · Vita Hariolfi ed. Pertz, MG. SS. X, 11-15. Ermanrich u. Mahtolf, die Träger des Dialogs, sind beide im St. G. Verbrüderungsbuch ed. Piper, pNote 154 · Dieses erwähnt Ermenrich in dem Briefe mit folgenden Worten: „Adjunxi autem et huic operi breve opusculum, quod de inceptione nostri coenobiNote 155 · Das Sendschreiben ist vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler im Haller Preisvertheilungsprogramm von 1873, und bes. Abdruck. Es ist voNote 156 · Dümmler, Piligrim von Passau S. 144.Note 157 · Mabillons treffliche Kritik ist bestätigt und ergänzt durch Rettberg II, 147-151, wo Plac. Brauns Versuch, den zweiten Theil zu retten, wideNote 158 · Im Sanctgaller Catalog saec. IX bei Weidmann S. 385 erwähnt als Commemoratio de miraculis S. Genesii. Als Ex Miraculis S. Genesii ed. Waitz,Note 159 · Dieser wird, wie Dümmler bemerkt, bei Herrgott, Geneal. III, 832, als Wohlthäter von Reichenau erwähnt. Er erscheint im Verbrüderungsbuch S.Note 160 · Miracula S. Marci bei Mone, Quellens. I, 62-67: im Auszug MG. SS. IV, 449-452. Vgl. auch Quellens. III, 135.Note 161 · Mone, Quellens. I, 232 cf. Acta SS. Sept. VI, 787. Auf Fortunata und das Jahr 874 angewandt auch in der ersten Ausgabe dieses Buches S. 150 Note 162 · Auszüge aus der gänzlich fabelhaften Vita Simeonis Achivi ed. Waitz MG. SS. IV, 459. Annales Aug. breviss. 541-817 ib. III, 136 sind ohne WeNote 163 · Vgl. darüber das schöne Werk des Prof. F. Adler: Baugeschichtliche Forschungen in Deutschland. I. Die Kloster-und Stiftskirchen auf der InseNote 164 · Vita Findani ed. Holder-Egger, SS. XV, 502-506. Vgl. Zeuss, Gramm. Celt. ed. II, p. 1003.Note 165 · Vita S. Meginrati ed. Holder-Egger, SS. XV, 444-448.Note 166 · S. die berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. III, 700-706.Note 167 · Ecclesiae Colon. Codd. p. 127. Mit dieser beschäftigt sich W. Erben, NA. XVI, 613 ff.Note 168 · S. unten IV § 8. Ueber Adalbero's Besuch in St. Gallen 908 und seine reichen Schenkungen s. das Verbrüderungsbuch S. 15. Jul. Hans, BeiträgeNote 169 · Translatio et Miracula S. Adelphi ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 293-296, mit einem Wunder von 1198 aus der Fehde zwischen Heinrichs VI BruderNote 170 · [21] Beiträge zur Geschichte des Erzb. Salzburg, Archiv der Wiener Ak. XXII, 279-304. Die Verse bei Traube, Poet. Lat. III, 238. ←Note 171 · B. Pez. Thes. I, Praef. p. XXVII.Note 172 · Meichelb. Hist. Fris. I, 1, 115. 116. Jos. Zahn im Archiv d. W. Ak. XXVII., 200 f., wo auch K. Roths Arbeiten über Cozroh aufgezählt sind. MNote 173 · SB. d. Berl. Akad. 1884, Dec. 4. MG. SS. XV, 286-288. Andere schlechtere Hs. NA. XIII, 584.Note 174 · Neue Ausgabe von Dümmler, Poet. Lat. II, 120-124.Note 175 · Cod. lat. Mon. 6262, s. Catal. I, 3, 81.Note 176 · S. Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 154. Müllenhoff und Scherer S. 297. 451 (3. Ausg. II, 90. 335) und oben S. 275. Der Priester SigiharNote 177 · Ueber ihn S. Dümmler, Ostfr. III, 482. Der Codex Traditionum gedr. bei B. Pez Thes. I, 3, 191-286; Migne CXXIX, 900. Vgl. Bretholz, Die TradNote 178 · Archiv für österreichische Geschichte 1827, S. 282. Boczek Cod. Dipl. Moraviae I, 67. Zeuß, die Deutschen und die Nachbarstämme S. 600. BielNote 179 · S. oben S. 229. 230. Ueber Gozbald Dümmler, Ostfr. II, 428. Forsch. VI, 122. Handschriften, die er für seine Kirche schreiben ließ, sind jetNote 180 · NA. XIII, 295.Note 181 · V. Reginswindis Acta SS. Jul. IV, 90-96. MG. SS. XV, 359.Note 182 · Acta SS. Feb. III, 523. Mab. III, 2. 787. Vgl. den Anon. Haser. c. 3. 10, MG. SS. VII, 255. 256. Rettberg II, 359. Die 893 beginnenden MirakNote 183 · Mon. B. XXVIII, 2, 200-203.Note 184 · Einige Formeln mit der Ueberschrift Epistolae Alati ed. Rockinger, Quellen zur baierischen Geschichte VII, 169-185, cf. 21-29, und E. de RozNote 185 · Dümmler, NA. V, 429.Note 186 · Translatio S. Hermetis, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 410. Auch in Bamberg glaubte man den h. Hermes zu besitzen, V. Ott. II, 14 bei Jaffé, Note 187 · Ich lasse dahingestellt, ob sie, wie ich annahm, für den König bestimmt war, oder für den Pabst, wie Dümmler, Ostfr. II, 379, aufrecht hält,Note 188 · Ausgabe von Wattenbach, MG. SS. XI, 1-17, mit den Computationes saec. XII. de tempore S. Rudberti, auf welchen die fehlerhafte sogenannte TrNote 189 · S. darüber Karl Foltz, Geschichte der Salzburger Bibliotheken, Wien 1877.Note 190 · a. a. O. S. 13: vgl. Dümmler, Poet. Lat. I, 412.Note 191 · O Roma nobilis, S. 336.Note 192 · Versus de ordine comprovincialium episcoporum bei Dümmler a. a. O. S. 283-285. MG. SS. XIII, 341-343. Poet. Lat. II, 637-648 mit anderen VerNote 193 · Annales Bertiniani ed. Pertz, MG. SS. I, 419-515. Neue Ausg. v. G. Waitz, Hann. 1883, 8; vgl. dens.: Ueber die Ueberlieferung der Ann. BertiNote 194 · Simson, Ludwig d. F. 256-261; vgl. Dümmler, Hist. Z. XXXVII, 134. Ostfr. III, 651. 652.Note 195 · Reuter, Gesch. d. Aufklärung I, S. 51-64.Note 196 · Anonymi de situ orbis libri duo, ed. M. Manitius, Stuttg. 1884. Der Prolog NA. IV, 176.Note 197 · „Voto bonae memoriae Mannonis liber ad sepulcrum sancti Augendi oblatus.“ S. Dümmler, Ostfr. III, 652. Probst war er schon 870. Ueber seinenNote 198 · Ebert II, 267, u. S. 365-368 über die Annalen. Dümmler, NA. IV, 314.Note 199 · Poet. Lat. I, 579. Daß der Verf. Prudens geheißen, widerlegt L. Traube, Karol. Dicht. S. 65, u. gibt Verbesserungen zum Text.Note 200 · Poet. Lat. II, 701. Der Prolog gedruckt bei A. Mai, Nova Coll. IX, 369.Note 201 · Prudentius und die Bert. Annalen, Riga 1875. Vgl. die Rec. von F. Dahn in Lit. Centralblatt 1876 S. 848. Baehr S. 453-456. C. v. Noorden, HiNote 202 · Auctt. antt. IV, 2, p. XXII, anerkannt v. Dümmler, Ostfr. III, 683.Note 203 · Als Verfasser der Annalen nennt ihn Richer im Prolog seiner Geschichte. Ueber deren Glaubwürdigkeit v. Noorden S. 153. E. Büchting, GlaubwürNote 204 · Annales Vedastini ed. Pertz, MG. SS. I, 516-531, und nach Auffindung der Brüsseler Handschrift in verbessertem Abdruck II, 196-209; Facs. inNote 205 · Monumenta Vedastina minora, SS. XV, 396-405: I. Ex Miraculorum l. I. auct. Haimino. II. Ex libro II auct. Ulmaro aliisque (vgl. aber S. 1315Note 206 · S. 682, 32 l. campi suda; der angeführte Vers ist, wie ich von Dümmler erfahren, Prudentii Psychom. 637. Die Ausgabe von Dehaisnes, Les AnnaNote 207 · Von den unbedeutenderen kleinen Annalen, welche doch häufig einzelne schätzbare Nachrichten enthalten, erwähne ich Ann. S. Quintini VeromandNote 208 · Abbonis de bellis Parisiacae urbis libri III ed. Pertz, MG. SS. II, 776 bis 805. Sep. Abdr. 1871. Vgl. E. A. Freemann's Essay: The early sieNote 209 · Graf Vivian Laienabt von St. Martin und Marmoutiers, widmete ihm die herrliche Metzer Bibel Lat. 1. mit den Versen bei Traube, Poet. Lat. IINote 210 · Ex translatione S. Baltechildis, ed. Holder-Egger, SS. XV, 284.Note 211 · Translatio S. Mauri. Mab. IV, 2, 165-183. Ex Odonis miraculis S. Mauri sive restauratione mon. Glannafoliensis, SS. XV, 461-472. Vgl. Ebert Note 212 · Schon von Papebroch aufgegeben, doch noch häufig benutzt; s. P. Roth, Gesch. des Beneficialwesens, S. 438; Bonnell, Die Anfänge, S. 200. ZeuNote 213 · Miracula S. Bertini bis 891, mit späteren Fortsetzungen, MG. SS. XV, 507-534, von Holder-Egger. Daselbst auch Ex miraculis S. Martialis, S. Note 214 · Carmina Centulensia, Poet. Lat. III, 265-368.Note 215 · Ueber ihn s. Huemer, Wiener SB. XCVI, 505-551.Note 216 · Bethmann, Archiv X, 333; ohne Kenntniß dieses Abdrucks wiederholt von Lucian Müller im Rhein. Mus. NF. XXII, 635. Quelle des Ademarus Caban.Note 217 · Mab. Anal. p. 422. Commentar zu Mart. Capella, Bandini II, 538, soll von Remigius sein. Vgl. über Heirichs Gelehrsamkeit auch Prantl, Gesch.Note 218 · Petronius ed. Buecheler, p. XI.Note 219 · Labbe, Bibl. I, 531-569. Acta SS. Jul. VII, 221, die Wunder S. 255-283. Daraus Duru, Bibl. hist. de l'Yonne II (1863) S. 1-248. Ex Heirici MNote 220 · Sickel, Lettre sur un Manuscrit de Melk, Bibl. de l'École des chartes, 5 Série, Tome III, p. 35. MG. SS. XIII, 80.Note 221 · Gesta episcoporum Autisiodorensium fortgesetzt bis 1593, bei Labbe, Bibl. I, 411-526, neue Ausgabe von Duru, Bibl. hist. de l'Yonne, I, Auxe
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