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Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)

I. Die Vorzeit.

Reading edition

Von den ersten Anfängen bis zur Herrschaft der Karolinger.

§ 1. Die Römerzeit. Legenden. [←]

Tacitus berichtet uns, daß noch zu seiner Zeit die Germanen in ihren Liedern die Thaten des Arminius feierten[1]. Nicht unmöglich ist, daß noch in den Dichtungen der deutschen Heldensage, welche Karl der Große sammeln und aufschreiben ließ[2], dieser uralten Kämpfe gedacht wurde: was uns von einheimischer Sage erhalten ist, reicht nicht weit über die Zeiten Attila's hinauf, dessen gewaltige Hand mit so übermächtiger Kraft alles zerschmetterte, was ihm entgegentrat, daß auch das Gedächtniß der früheren Zeit erlosch. Von den Völkerschaften, deren Tacitus gedenkt, weiß die Sage nichts; auch die gothischen und langobardischen Heldenlieder, deren Inhalt uns zum Theil erhalten ist, sind früh verklungen. Etzel aber und Dietrich von Bern und die Könige der Burgunden lebten fort in der Erinnerung des Volks; wir haben die Lieder, welche von ihnen reden, aber wie unbestimmt und nebelhaft sind ihre Gestalten geworden: kaum erkennt man noch, ob es Menschen sind oder Götter. Das ist die Natur der mündlichen Ueberlieferung, in der es nichts festes und stätiges giebt, und schlimm würde es um unsere Kenntniß der Geschichte stehen, wenn wir auf jene allein angewiesen wären.

Kaiser Ludwig hatte keine Freude an den Liedern der Heimath, welche er in seiner Kindheit erlernt hatte[3]; mit heidnischen Vorstellungen und Anschauungen durchwebt, widerstrebten sie seinem kirchlichen Sinne, und wie dieser Kaiser, so verhielt sich auch die ganze Kirche feindlich gegen diese Sagendichtung, so große Freude auch einzelne ihrer Diener daran haben mochten. Die Kirche aber führte damals, und bald für lange Zeit ausschließlich und allein, den Griffel und die Feder, welche sie nicht entweihen wollte durch die Aufzeichnungen halb heidnischer Gesänge; sie strebte vielmehr dahin, auch auf dem Felde der Dichtkunst das Christenthum zum Siege zu führen. Wir gedenken jetzt mit vergeblicher Sehnsucht der verlorenen Sammlung Karls des Großen; allein die Kirche, in welcher sich Jahrhunderte lang fast das ganze geistige Leben des Volkes uns darstellt, hat für diesen Verlust auch reichen Ersatz geboten, indem sie die wirkliche Geschichte der Zeit in fester, zuverlässiger Aufzeichnung überlieferte, freilich oft in dürrer und reizloser Form, aber um so treuer und wahrhaftiger.

Vor der Bekehrung zum Christenthum kann daher von einheimischen Geschichtsquellen nicht die Rede sein; von dem Deutschland, welches Arminius' Heldenkampf dem römischen Einflüsse entzogen hat, bringen uns nur die Werke der Römer und Griechen spärliche Kunde, und diese zu berühren, liegt außerhalb der Grenzen der vorliegenden Aufgabe. Aber auch westlich vom Rheine, südlich von der Donau und der Teufelsmauer liegt gegenwärtig viel deutsches Land, wohnte auch unter der Römerherrschaft manch deutscher Stamm, und nicht ganz ist der Faden zerrissen, welcher in diese Zeiten hinüberführt. Der Boden selber redet zu uns in vernehmlicher Weise. Noch stehen in Trier die gewaltigen Bauten der Römer; ihre Thürme und Wälle, ihre Landstraßen und Gräber, die zahlreichen Inschriften, welche die verschiedensten Verhältnisse des Lebens berühren, entrollen vor unsern Augen ein Bild jener Zeit, da das weltbeherrschende Volk sich auch hier häuslich niedergelassen hatte und manche blühende Stadt ein kleines Abbild der ewigen Roma darbot. Wir erkennen noch ihre Capitole, ihre Tempel, Theater und Gerichtshallen, ihre Bäder und Villen, ihre Fabriken, deren Stempel auf den Trümmern der Geräthe deutlich zu lesen sind. Allein das alles liegt wie eine fremde Welt hinter uns, eine gewaltige Kluft trennt uns von jener Zeit, erfüllt von allem Greuel der Verwüstung und vernichtenden Kriegszügen. Der bebaute Acker birgt Reste von Gebäuden, die mit der sinnvollsten Technik dem Klima gemäß zu behaglicher Bewohnung eingerichtet und mit reichem Schmuck der Kunst ausgestattet waren; aber was blieb außer diesen schwachen Spuren übrig von dem einst so volkreichen und betriebsamen Virunum? In Salzburg fand Sanct Rupert nur waldbewachsene Ruinen des alten Juvavum, wilde Thiere hausten in den Räumen der Prachtgebäude. Andere Städte, wie Regensburg und Augsburg, wie Trier, Cöln und Mainz, sind bewohnt geblieben, ja man hat geglaubt, daß ganze römische Stadtgemeinden mit ihrer Verfassung und ihren Obrigkeiten sich hier erhalten hätten. Eitler Traum! Zu gründlich haben unsere Vorfahren hier aufgeräumt; wer durch Reichthum und ansehnliche Stellung hervorragte, fiel als Opfer oder entwich bei Zeiten der Gefahr: einzelne fanden bei den germanischen Fürsten als Tischgenossen des Königs Aufnahme, aber nur indem sie den alten Verhältnissen gänzlich entsagten und sich dem Gefolge des neuen Herrschers anschlossen. Und so wurden auch die übrigen Romanen, so viele ihrer am Leben und im Lande blieben, als Hörige, einzelne hin und wieder auch als Volksgenossen, in die Gemeinschaft der Einwanderer aufgenommen.

In den Grenzlanden, welche schon durch den langen Kampf verödet waren, welche dann die ganze Wucht der hereinbrechenden beutelustigen Heerschaaren traf, mag kaum ein römisch redender Bauer übrig geblieben sein; die Eroberer stürmten mit ihren Gefangenen weiter und ließen das Land verödet hinter sich. Auch war hier schon lange die Bevölkerung großentheils germanisch. Aber in den Gebirgen des Südrandes[4] finden wir noch nach Jahrhunderten wälsche Bauern erwähnt; wo der überfluthende Strom seine Dämme fand, blieb unter der Herrschaft des deutschen Kriegers auch die gewonnene Beute der unterworfenen Bevölkerung. Sie mußte dem neuen Herrn das Feld bauen und ihm dienen mit der sehr willkommenen und geschätzten Arbeit ihrer kunstfertigen Hände[5].

Aber wo der Knecht den Herrn an geistiger Bildung übertrifft, da bleibt auch die Rückwirkung nicht aus, daß dieser von seinem Diener lernt und manches von ihm annimmt. In Hauswirthschaft und Ackerbau wie im Handwerk haben sicher die Deutschen viel von den Wälschen gelernt; vorzüglich aber zeigt sich die Einwirkung der besiegten Bevölkerung in der raschen Annahme des Christenthums durch die Eroberer. In den Städten des Niederrheins und Lothringens scheint die Reihe der Bischöfe kaum unterbrochen zu sein, obgleich sich von der Fortdauer römischer Bevölkerung, so weit noch jetzt die Sprachgrenze reicht, keine Spur nachweisen läßt. In Noricum und Pannonien sind die alten Bischofsitze fast gänzlich von der Erde verschwunden; dagegen hat sich aber die Verehrung eines Märtyrers, des heiligen Florian, wie es scheint durch bloße Tradition, unmittelbar an der alten Grenze erhalten.

Denn mit den römischen Legionen und Handelsleuten war auch in diese Gegenden schon frühzeitig das Christenthum eingedrungen, und als das alte Reich endlich den stets wiederholten Angriffen erlag, hatte die christliche Kirche bereits in allen Provinzen die unbestrittene Herrschaft errungen. Ueber diese frühesten Zeiten der Kirche in Deutschland, über ihre Glaubensboten und Blutzeugen, wußte das Mittelalter gar vieles zu erzählen; unmittelbar von den Aposteln und ihren ersten Schülern sollte die Predigt und die Stiftung der Bisthümer ausgegangen sein[6]. Es ist darüber eine so reiche Litteratur vorhanden, und diese Erzählungen nehmen in den Chroniken des Mittelalters eine so bedeutende Stelle ein, daß wir sie hier nicht ganz übergehen dürfen, wenngleich diese kirchliche Sage in noch weit höherem Grade als die weltliche, jedes festen Bodens entbehrt. Die Phantasie der Geistlichkeit, der Heldensage abgewandt, ergriff mit um so größerem Eifer die kirchliche, und aus den unscheinbarsten Anfängen erwuchsen da die wunderbarsten Gebilde: weit verzweigte, mit allen Einzelheiten ausgeführte Geschichten, welche sich immer üppiger entwickelten und auf die ganze Denkweise der Menschen den größten Einfluß gewannen. Den reichsten Baum der Dichtung trieb die Legende von der thebäischen Legion, von deren Führern Gereon in Cöln mit der heiligen Ursula und ihren 11,000 Jungfrauen zusammentrifft. Cöln wird nun vorzugsweise die heilige Stadt durch die Menge der Heiligenleiber, welche sie bewahrt, aber fast jeder Ort im Rheinthale hat seinen Antheil an dieser Geschichte und erhält dadurch eine geheimnißvolle Weihe. In anderen Gegenden sind mehr vereinzelte Legenden dieser Art, doch fehlen sie auf dem einst römischen Boden nirgends.

Der leider zu früh verstorbene F. W. Rettberg hat das große Verdienst, zum ersten Male alle diese Erzählungen einer zusammenhängenden, systematischen, strengen Kritik unterzogen zu haben[7]. Den einzig richtigen Weg einschlagend, hat er das ganze ungeheuere Material kritisch untersucht, der Herkunft und Entstehung jeder einzelnen Nachricht nachgeforscht. Wohl hatte man schon früher einzelnes als unhaltbar aufgegeben, aber immer suchte man doch wieder historisches Material aus dem Wuste der Fabeln zu gewinnen; man konnte sich nicht entschließen auf dasjenige, dessen späte betrügliche Entstehung einmal nachgewiesen war, nun auch gänzlich zu verzichten, und auch jetzt noch ist für viele dieser Entschluß zu schwer: man will doch nicht alle scheinbare Ausbeute aufgeben für Zeiten und Gegenstände, von denen man sonst gar nichts weiß. So ist es nur zu gewöhnlich, daß man das gänzlich unhaltbare fortwirft, aber dasjenige, was nicht in sich unmöglich ist, behält — ein durchaus unhistorisches Verfahren[8].

Wenn es z. B. feststeht, daß man von S. Dysibod im zwölften Jahrhundert noch nichts als den Namen wußte, daß dann die Nonne Hildegard nach angeblichen Visionen seine Geschichte schrieb, die von chronologischen Widersprüchen strotzt, so sollte man doch denken, daß niemand dieses Märchen ferner als Geschichtsquelle benutzen werde. Und dennoch machte Remling in seiner Geschichte der Bischöfe von Speier davon Gebrauch, obgleich ihm Rettbergs Werk nicht unbekannt war. Jedem besonnenen und gewissenhaften Forscher aber gewährt die „Kirchengeschichte Deutschlands“ eine feste Grundlage für die Beurtheilung dieser Zeiten. Das Verfahren Rettbergs besteht darin, daß er die Entstehung der Legenden genau untersucht und nachweist, wie sie allmählich gewachsen sind, wie anfangs nur die Namen der Heiligen vorkommen, von denen einige wenige auf wirklich alter localer Verehrung beruhen; wie dann zuerst einzelne Umstände, dann allmählich mehr hinzugesetzt wird, bis die ganze Geschichte fertig ist. Die Legenden selbst sind großentheils ohne Zeitangaben über ihre Abfassung; einen ganz bestimmten Anhalt aber gewähren die Martyrologien[9], deren Verfasser bekannt sind, und die uns daher das allmähliche Anwachsen der Legenden auf das deutlichste und bestimmteste erkennen lassen. Daß aber solche spätere Zusätze nicht etwa auf wirklicher, durch mündliche Ueberlieferung bewahrter Kenntniß beruhen, das zeigt uns, außer den inneren Widersprüchen, besonders die Vergleichung mit den späteren echten Legenden, mit den Lebensbeschreibungen der Heiligen aus geschichtlich bekannter Zeit, welche in den Legendarien ebenfalls fortwährend sich verändern und mit allerlei fabelhaften Zuthaten vermehrt werden.

Man hat freilich Rettbergs Verfahren als zu negativ angegriffen und es wird zuzugeben sein, daß er in einzelnen Fällen zu weit gegangen ist. Auch ist hin und wieder etwas aufgefunden, wodurch auf einzelne Fragen neues Licht fällt. Es war deshalb ganz gerechtfertigt und angemessen, daß Prof. J. Friedrich den Versuch machte, jenem Werke eine „Kirchengeschichte Deutschlands“ (I. Die Römerzeit 1867, II. Die Merovinger 1869) von mehr conservativer Richtung entgegen zu setzen. Allein es fehlt darin leider an jener strengen wissenschaftlichen Methode, durch welche Rettberg sich so sehr auszeichnet, und in Folge der übermäßigen Weitschweifigkeit ist von der Zeit der Merovinger nur der Anfang berührt. Eine weitere Fortsetzung ist nicht erschienen.

Das Ergebniß von Rettbergs Kritik aller jener Legenden über die Zeit der ersten Einführung des Christenthums in das römische Deutschland ist, daß sie alle späteren Ursprungs sind, daß für die wirkliche Geschichte jener Zeit nichts daraus zu lernen ist. Auch was Friedrich nachträglich zu retten versucht, ist nur sehr wenig, und es trägt für diesen Gegenstand wenig aus, ob in der Geschichte von dem Märtyrertode der Thebäer in Agaunum ein historischer Kern sich nachweisen läßt[10], ob das Martyrium einiger christlicher Jungfrauen zu Cöln glaubhaft bezeugt ist[11]. Etwas erheblicher ist die wohl nicht unbegründete Vertheidigung der Legende von dem Martyrium der h. Afra zu Augsburg[12]. Rettberg fällt ein günstigeres Urtheil nur über die Leidensgeschichte des heiligen Florian[13]. Dieser, ein entlassener Veteran, soll in Folge der Verfolgungsedicte von Diocletian und Maximian (304) auf Befehl des Aquilinus, Präses von Ufernoricum, zu Lorch in die Ens gestürzt sein. Ungeachtet eines schweren Steins, der an seinen Hals gebunden ist, trägt ihn der Fluß auf einen hervorragenden Fels, von wo eine fromme christliche Frau ihn in Folge einer Vision zur Bestattung abholt. Diese Erzählung aber ist eine so deutliche Nachahmung dessen, was Hieronymus in seiner Chronik vom Bischof Quirin von Sissek erzählt, daß sich die absichtliche Erdichtung darin kaum verkennen läßt. Denn es ist eben eine Eigenthümlichkeit dieser späteren Legendenfabrikation, daß sich in benachbarten Gegenden immer dieselben Todesarten und Wunder wiederholen; die Phantasie des Mittelalters erscheint darin arm und dürftig. Auch finden sich diese Angaben über Sanct Florians Ende erst in Martyrologien des neunten Jahrhunderts, die Handschriften der Legende reichen nicht höher hinauf[14], und nichts weist darauf hin, daß sie etwa, wie das Leben Severins, in Italien aufbewahrt, und von dort zurückgebracht wäre.

Um so wahrscheinlicher ist es, daß wirklich eine ununterbrochene örtliche Ueberlieferung das Andenken dieses Märtyrers bewahrt habe. Denn wo sich jetzt mächtig und gebietend das schöne Chorherrnstift St. Florian erhebt, da galt schon vor mehr als tausend Jahren der Boden für heilig, weil hier „der kostbare Märtyrer Sanct Florianus“ ruhe, lange bevor die Verfasser der Martyrologien den Ort seines Leidens kannten. Also selbst im Flachlande, vielleicht in den Resten der einst bischöflichen Stadt Lorch, haben Christen durch alle Stürme der Völkerwanderung das Andenken Sanct Florians bewahrt, und vielleicht die Kunde von seinem Stande und der Zeit seines Todes, während weiter oben im Gebirge von Maximilian nur der Name und der Ort seines Begräbnisses im Gedächtniß blieb, Severin aber gänzlich vergessen zu sein scheint, bis aus Italien Handschriften seiner Lebensbeschreibung nach Deutschland kamen und sein Andenken erneuten. Denn am festesten haftete immer die Erinnerung am Grabe der Heiligen.

Diesem Umstande verdanken wir auch die Erhaltung einer anderen Legende, der Leidensgeschichte der heiligen Vier Gekrönten, welche Rettberg unbekannt geblieben ist[15]. Sie berichtet uns von vier christlichen Arbeitern in den Steinbrüchen Pannoniens, welche noch einen ihrer Genossen bekehren; ihn tauft der in Ketten dorthin verbannte Bischof Cyrill von Antiochien. Das ist ein merkwürdiger Fingerzeig für die Ausbreitung des Christenthums. Rettberg, der nicht nur das spätere Fabelwerk mit schonungsloser Kritik zerstört, sondern auch den wirklichen Verlauf der Bekehrung dieser Lande mit größter Sorgfalt aus den einzelnen Anhaltpunkten nachgewiesen hat, ist zu dem Resultat gekommen, daß für dieselbe nicht sowohl eigentliche Missionare thätig waren, als vielmehr die christlichen Soldaten[16], Handelsleute und Arbeiter, welche hierher kamen, während die späteren Legenden durchgehends die Gründung der Kirchen durch die Apostel und ihre ersten Schüler behaupten. Die Verbannung gefangener Christen in die Steinbrüche Pannoniens, und wohl auch anderer Lande, wird das ihrige dazu beigetragen haben. Es erklärt sich aber aus dieser unmerklichen und unscheinbaren Verbreitung auch zur Genüge, warum keine Schriftsteller das Andenken derselben aufbewahrt haben. Jene Arbeiter nun fielen dem Neide ihrer Gesellen durch Diocletians Spruch zum Opfer, so gerne dieser auch anfangs seine geschicktesten Arbeiter sich erhalten wollte (307?). Die Reliquien der fünf Arbeiter finden sich später zu Rom in der Kirche der heiligen Vier Gekrönten[17], mit denen sie nur hierdurch in zufällige Verbindung gebracht sind, und dies hat auch eine Verschmelzung ihrer Legenden zur Folge gehabt. Vielleicht erst hierdurch sind auch chronologische Widersprüche hineingekommen, aber alt ist die Legende sicher; sie muß geschrieben sein, bevor Pannonien von den Barbaren überschwemmt war, und das Treiben in den Steinbrüchen ist mit solcher Anschaulichkeit und auch mit so durchgängiger Beibehaltung der technischen Ausdrücke geschildert, daß der Verfasser selbst noch persönliche Kunde davon gehabt zu haben scheint. Als solchen nennt die alte Pariser Handschrift den Schatzungsbeamten Porphyrius, welchen De Rossi auch aus anderen Erwähnungen nachgewiesen hat[18]. Aber nur die ursprüngliche pannonische Legende können wir ihm zuschreiben.

Während nun also diese Legende noch die ungestörte Römerherrschaft in diesen Gegenden voraussetzt, führt uns eine andere so recht mitten hinein in die Stürme der Völkerwanderung, und wir können es uns daher nicht versagen, bei dieser etwas länger zu verweilen.

§ 2. Das Leben des heiligen Severin. [←]

Ausgabe von Welser in Augsburg 1595, 4. (Opera p. 635) aus einer HS. des zehnten Jahrh. in St. Emmeram, der ältesten in Deutschland. Den hier fehlenden Brief Eugipps an Paschasius gab Canisius, Antiquae Lect. VI, 53, I, 411. Danach vollständig in der zweiten Ausgabe des Surius und Acta SS. Jan. I, 484 mit Commentar von Bolland. Nach den minder guten, wie es scheint überarbeiteten, östr. Handschriften in H. Pez SS. I, 64, und daraus bei Muchar, Das römische Noricum, II, 152-239, mit Commentar. Ausgabe von Ant. Kerschbaumer, Scaphus. 1862 nach dem angeblich ältesten und besten Lateran. Codex, unkritisch und wegen vieler Druckfehler unzuverlässig; Rec. von Sauppe, Gött. Gel. Anz. 1862 S. 1544-1552. Nach Münchener Handschriften bei Friedrich, I, 431-489. Ausg. von Sauppe, MG. Auctt. antt. I, 2. 1877; vgl. NA. IV, 407, Waitz, GGA. 1879, S. 581. Gegen Sauppe's krit. Grundlage u. für d. Cod. Taurin. P. Knöll, Wiener SB. XCV, 445-498. Ausg. von Knöll im Wiener Corpus SS. eccl. VIII, 2. Uebers. v. C. Ritter, Linz 1853, v. K. Rodenberg, Berlin 1878 (Urzeit Bd. 4), v. S. Brunner, Wien 1879. — Eugippii opera, Migne 62. — Rinaudo p. 14-19. Vgl. Rettberg I, 226. Büdinger, Oesterr. Gesch. I, 47 ff. Pallmann II, 393-401. J. Jung, Römer und Romanen S. 132 und an vielen Orten. Hauck I, 328-332.

Die Lebensbeschreibung des heiligen Severin, von seinem Schüler Eugippius verfaßt, ist für uns von ganz unschätzbarem Werthe, indem sie einen hellen Lichtstrahl wirft in Zeiten und Zustände, von denen wir sonst gar nichts wissen würden, wie denn auch vorher und nachher tiefe Finsterniß diese Donauländer bedeckt. Keine andere Quelle giebt uns in so reichhaltiger Weise ein Bild des christlich gewordenen und bereits mit vollständiger kirchlicher Einrichtung versehenen Römerlandes im Süden der Donau; unmittelbar vor der Vernichtung zeigt ein günstiges Geschick uns das Bild dieser Gegenden und ihrer Bevölkerung in scharfen und lebensvollen Umrissen.

Attila war gestorben, und die frei gewordenen Völker wenden nun ihre Waffen gegen einander und gegen die kläglichen Ueberbleibsel des römischen Reiches. Alamannen und Thüringer hatten den Grenzwall durchbrochen und drangen in Rätien immer weiter gegen Süden und Osten vor. In Noricum hielt sich noch die römische Bevölkerung, aber in welchem Zustand! Von allen Seiten wurde sie schwer bedrängt durch die vorrückenden Barbaren — denn so nannten damals und noch lange nachher nicht nur die Römer, sondern auch die Deutschen selbst alle Nichtrömer. Jenseits der Donau schalteten die Rugier, durch häufige Streifzüge das Land bedrängend und bald auch diesseits festen Fuß fassend. Sie sowohl wie die Gothen in Pannonien waren Arianer, den katholischen Romanen fast noch verhaßter als die Heiden. In Commagena, einer bald darauf völlig verschwundenen Römerstadt unweit Tuln, hatten bereits Barbaren sich festgesetzt; unfähig sie zu vertreiben, schlossen die Römer ein Bündniß mit ihnen, und die Einwohner lebten nun wie Gefangene in ihrer eigenen Stadt. Da tritt plötzlich, ungehindert durch die Wachen, Severinus unter sie: eben war, wie er vorher verkündigt hatte, die benachbarte Stadt Astura gänzlich zerstört worden, und gläubig horchte man nun auf seine Worte, da er Rettung verhieß, fastete und betete, bis plötzlich in der Nacht ein Erdbeben die Barbaren in Schrecken setzt; voll Angst eilen sie aus den Thoren und morden sich gegenseitig in der Finsterniß und Verwirrung. So war die Stadt von ihren Drängern befreit, allein was war damit gewonnen!

Nur von den Städten aus wurde noch das Feld gebaut, und nur zu häufig fielen Ernte und Schnitter in die Hände der Barbaren; Hunger verwüstete das reiche und fruchtbare Land, wenn die Zufuhr auf dem Inn ausblieb. Die Grenzsoldaten erhielten aus Italien keinen Sold mehr, und in Folge davon lösten ihre Schaaren sich auf; nur die batavische Cohorte in Passau hielt noch zusammen, und einige von ihnen machen sich auf, um den Sold über die Alpen zu holen, werden aber unterwegs erschlagen. Vor der Donaustadt Faviana, zwischen Passau und Wien, erscheinen plötzlich Räuber und führen alles hinweg, was sie außerhalb der Mauern finden, Menschen und Vieh. Der Tribun Mamertinus hat so wenig Mannschaft, daß er keinen Ausfall wagen will, bis Severin ihm den göttlichen Beistand verheißt; da zieht er muthig hinaus und gewinnt den Sieg.

Eine der wunderbarsten Erscheinungen ist dieser Severin. Nie hat er sagen wollen, wer er sei, woher er stamme; nur daß er aus dem fernen Osten komme, nahm man aus seinen Reden ab, doch erkannte man an der Sprache den geborenen Lateiner. Von vornehmer Abkunft, so schien es, hatte er sich in die Einsamkeit zu den heiligen Vätern, vermuthlich in die thebaische Wüste, zurückgezogen; dann aber trieb ihn, wie er selber andeutete, eine göttliche Stimme, den bedrängten Bewohnern des Ufernoricum Trost und Hülfe zu bringen. Seine Enthaltsamkeit erschien übermenschlich; bei der heftigsten Kälte ging er barfuß, und an die strengsten Fasten gewöhnt, schien er Hunger und Entbehrung nur in der Seele der Nothleidenden zu empfinden. So durchzog er das ganze Land, ermahnend, Buße predigend, tröstend, vor allem aber Hülfe bringend, so viel er vermochte. Förmliche Zehnten forderte er ein, um Gefangene loszukaufen, Arme zu unterstützen. Sein Ansehen war bald groß im Lande; unbedingte Herrschaft über die Natur maß man ihm bei, und Gottes Zorn traf jeden, der auf sein Wort nicht achtete.

Den merkwürdigsten Gegensatz bildet dieses Land, welches in seiner Bedrängniß sich willig der Leitung eines frommen gottbegeisterten Mönches hingiebt, zu den sittenlosen Grenzstädten Galliens, über deren Verderbtheit und Leichtsinn Salvian vergeblich eiferte, zu Trier, wo „selbst noch bei dem Sturme der fränkischen Sieger auf die Stadt Jung und Alt der zügellosesten Schlemmerei und Ausschweifung sich ergiebt, mit wahrer Raserei alles dem unausweichbaren Untergang trunken und prassend entgegenstürzt“[2].

Severins Ansehen beugten sich auch die Fürsten der Barbaren, selbst jene böse Königin Giso, welche rechtgläubige Katholiken umtaufen wollte; halb aus Wohlwollen, halb aus Furcht erfüllten sie seine Bitten, achteten sie auf seine Ermahnungen; seinen Rathschlägen dankte der Rugierkönig Flaccitheus seine friedliche Regierung. Schützte Severin die Römer manchmal durch Ermuthigung zu kräftigem Widerstand und durch Vorhersagen feindlicher Angriffe, so wandte er doch häufiger durch seine Fürbitten Gefahren ab und erlangte die Freigebung der Gefangenen. An vielen Orten hatte er Klöster errichtet, die nach der Weise des Morgenlandes aus einer Vereinigung einzelner Hütten bestanden, das größte, in welchem er sich am häufigsten aufhielt, bei Faviana, einem jetzt spurlos verschwundenen Orte. Hier traten einst einige Barbaren zu ihm, die nach Italien zogen und ihn um seinen Segen baten; unter ihnen Odovacar, damals noch ein gemeiner Krieger und mit schlechten Thierfellen nothdürftig bekleidet, aber so hoch gewachsen, daß er sich bücken mußte, um nicht die Decke der Zelle zu berühren. Geh, sagte Severin zu ihm, geh nach Italien; jetzt deckt dich noch ein geringes Gewand, aber bald wirst du vielem Volke große Gaben auszutheilen haben. Als König gedachte Odovacar dieser Weissagung, und forderte Severin auf, sich eine Gnade auszubitten, worauf dieser für einen Verbannten Verzeihung erlangte.

Severin konnte es doch nicht hindern, daß Stadt auf Stadt in die Hände der Feinde fiel. Die Rugier bemächtigten sich der Stadt Faviana und der benachbarten Orte; ihre Herrschaft gewährte wenigstens Schutz gegen die wilderen Feinde, welche alle weiter aufwärts gelegenen Burgen und Städte zerstörten. Die geflüchteten Einwohner führte König Feva aus Lorch, wo sie sich gesammelt hatten, in die ihm unterthänigen Städte. Joviacum dagegen wurde von den Herulern gänzlich verheert, während Tiburnia in Oberkärnten, an dessen Namen noch Debern im Lurnfeld erinnert, eine Belagerung der Gothen glücklich überstand. Noch im sechsten Jahrhundert waren hier christliche Bischöfe; dann aber unterlag auch diese uralte Stiftung, sowie die alte Bischofstadt Pettau, den Slaven und Avaren.

Am 8. Januar 482 starb Severin. Feva's Bruder Friedrich plünderte gleich darauf sein Kloster; innere Kriege unter den Rugiern und Odovacars Feldzug gegen sie mehrten die Bedrängniß der Römer, bis endlich sechs Jahre nach Severins Tod Odovacar die ganze römische Bevölkerung aus Noricum abrief und ihr in Italien Land anwies. Dadurch erklärt es sich, daß gerade hier von den alten und einst so bedeutenden Römerstädten fast jede Spur verschwand, und nur schwache Reste einer unterwürfigen romanischen Bevölkerung in den Gebirgen zurückblieben. Damals scheint auch der heilige Antonius Noricum verlassen zu haben; er war aus Pannonien zu Severin noch kurz vor dessen Tode gekommen, wie Ennodius in der Lebensbeschreibung des Antonius berichtet[1].

Severins Mönche folgten mit Freuden dem Rufe, welcher sie aus der Knechtschaft erlöste; der Anordnung ihres Meisters gemäß führten sie dessen Leiche mit sich bis nach Neapel, wo sie endlich Ruhe fanden. Hier richtete ihnen eine vornehme Frau, Namens Barbaria, ein Kloster ein im Castellum Lucullanum, dessen Name noch das Andenken der üppigen Gärten Luculls bewahrte; ebenda war kurz zuvor auch dem letzten römischen Kaiser sein Aufenthalt angewiesen worden[3].

In diesem Kloster nun war Eugippius[4] Abt, ein Schüler Severins, der nach Cassiodors Zeugniß von weltlicher Gelehrsamkeit nicht gar viel wußte, aber in den heiligen Schriften wohl belesen war[5], der Verfasser eines Auszuges aus den Schriften des heiligen Augustin[6]. Mit bedeutenden Kirchenschriftstellern der Zeit stand er im Briefwechsel. Diesen Eugippius nun forderte ein ungenannter Laie auf, ihm Materialien zu einer Lebensbeschreibung Severins zu geben; er zeichnete darauf auch wirklich seine Erinnerungen auf, sandte dieselben aber (511) nicht an jenen Laien, denn das erschien ihm unpassend, sondern an den gelehrten Diaconus Paschasius, mit der Bitte, sie zu einer förmlichen Lebensbeschreibung zu verarbeiten. Zugleich sandte er ihm in dem Boten einen Mann, der als Augenzeuge über die Wunder berichten sollte, welche auf dem Zuge durch Italien an Severins Sarg geschehen waren. Paschasius aber lehnte jede Aenderung an Eugipps Aufzeichnungen ab, und in der That ist es auch sehr zweifelhaft, ob jene Bitte ernsthaft gemeint war, da uns ähnliche Aufforderungen, die nichts als Phrase sind, so häufig begegnen. Eugipps Aufzeichnungen sind durchaus nicht unfertig, nicht nachlässig und formlos, und gerade aus jenen italischen Wundern hebt er einige als die wichtigsten und statt aller genügend, sorgsam hervor. Auch giebt er als den wesentlichsten Grund, weshalb er den Wunsch jenes Laien, von dem eine andere Biographie ihm bekannt war, nicht erfüllt, die Besorgniß an, er möchte durch die Anwendung der rhetorischen Kunst den Gegenstand verhüllen und für den einfachen und ungebildeten Gläubigen geradezu unverständlich machen. Er war also kein Freund von den kunstgerechten Büchern jener Zeit, welche wie z. B. die Schriften des Ennodius und manche von Cassiodor, durch eine Ueberfülle gesuchter Antithesen und wortreichen Phrasenschwall so unerträglich schwülstig und geziert sind, daß man oft nur mit Mühe den Sinn der Worte enträthselt. Das galt in den Rhetorenschulen als schöner Stil.

Eugipps Aufzeichnungen dagegen sind ganz einfach und schmucklos, ohne strenge Reihenfolge und Ordnung, aber um so mehr der treue Ausdruck dessen, was ihm in seiner Erinnerung als das bemerkenswertheste erschienen war. Gerade darin liegt der Hauptvorzug dieser Lebensbeschreibung vor den zahlreichen Legenden, aus deren salbungsvollem Wortreichthum die wenigen geschichtlichen Nachrichten mühsam hervorgesucht werden müssen. Er selbst hatte Severin und den Schauplatz seiner Wirksamkeit gekannt; in den letzten Abschnitten bezeichnet er sich ausdrücklich als Augenzeugen, aber auch nur in diesen, während er sich übrigens auf die häufig gehörten Erzählungen, zuweilen auf bestimmte Gewährsmänner beruft.

Das Leben Severins finden wir schon bald nach seiner Entstehung bei dem sogenannten Anonymus Valesianus[7], im Anfange des siebenten Jahrhunderts von Isidor erwähnt, im achten von Paulus Diaconus benutzt; um dieselbe Zeit verfaßte man zu Neapel einen Hymnus, dem dasselbe zu Grunde liegt[8]. Bald wurde es dann auch an dem Schauplatz seiner Wirksamkeit bekannt, denn schon im Jahre 903 erwarb die Passauer Kirche eine Handschrift desselben von dem Landbischof Madalwin[9]. Eigenthümlich sind die Wirkungen, welche hier von diesem Werk ausgingen. Man las darin von der großen alten Stadt Faviana, die man nirgends fand, und da man nun bei Wien alte Römersteine aufgrub, so zweifelte man nicht daran, daß hier einst Faviana gelegen habe; Otto von Freising und Herzog Heinrich von Oesterreich nahmen diese Meinung an, und sie hat sich bis auf die neusten Zeiten behauptet, bis endlich Blumberger sie siegreich widerlegte[10].

Viel schlimmere Folgen hatte es, daß man in Passau nun erfuhr, Lorch habe einst Bischöfe gehabt, lange bevor Salzburg den Krummstab führte. Es lag nahe, sich als Erben der benachbarten Stadt zu betrachten, welche jetzt zum Passauer Sprengel gehörte; aber der einmal angefachte Ehrgeiz strebte immer weiter; um dem Vorrang des jüngeren Salzburg nachdrücklicher entgegentreten zu können, wurde ein Erzbisthum Lorch erdacht und bald zu fabelhafter Größe ausgedehnt; neu angefertigte Legenden von St. Quirin und Maximilian mußten die Beweise dazu hergeben, untergeschobene Urkunden das Vorgeben unterstützen, und mit Hülfe dieser Waffen setzte Passau wirklich bei dem in geschichtlicher Kritik wenig erfahrenen Stuhle Petri seine Ansprüche durch, und wußte sich seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts der rechtmäßigen Salzburger Metropolitangewalt zu entziehen. Viel größer aber, oder doch für uns bedeutender, ist das Unheil, welches diese Fälschungen in der Geschichtsforschung angerichtet haben; noch Rettbergs Werk trägt bedeutende Spuren davon, und es wird noch eine gute Weile dauern, bis es gelingt, diesen häßlichen Spuk gänzlich aus der Geschichte zu verbannen. Aufgedeckt aber ist die ganze Sache jetzt, und mit ebenso unermüdlichem Fleiße wie besonnenem Scharfsinn nachgewiesen in E. Dümmlers Werk über Piligrim von Passau und das Erzbisthum Lorch[11]. Nachdem dann die Fälschung wohl zugegeben, aber verschiedene Versuche gemacht waren, Piligrim von dem auf ihm lastenden Verdachte zu befreien, hat neuerdings Karl Uhlirz alle betreffenden Urkunden einer genauen Kritik unterzogen und ist zu dem Ergebniß gelangt, daß als Fälscher sich ein Beamter aus der Kanzlei Ottos II nachweisen läßt, welcher von Piligrim gewonnen sein muß.

Severins Leben ist der letzte Sonnenblick vor einer Zeit der äußersten Finsterniß, wie der Abendstrahl durch die Grotte des Posilipp. Erst viel später, und von der andern Seite, von Gallien aus werden wir Deutschland wieder erreichen können. Von dort wurde ihm aufs neue die litterarische Cultur gebracht, vermittelt durch diejenigen Stämme des deutschen Volkes, welche auf römischem Boden sich niedergelassen hatten, und hier die Schüler ihrer Feinde geworden waren. Die Geschichtschreibung, welche sich im römischen Reiche während der letzten Jahrhunderte entwickelte, bildet die Grundlage der mittelalterlichen, welche mit ihr im unmittelbaren Zusammenhange steht, und es ist deshalb nothwendig, daß wir sie auch hier etwas ausführlicher ins Auge fassen, da sonst die Entwickelung der deutschen Historiographie nicht verständlich sein würde.

§ 3. Die Anfänge und Gattungen der christlichen Geschichtschreibung. [←]

Baehr, Geschichte der römischen Litteratur. Supplementband. Die christlich-römische Litteratur. I. Abtheilung. Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber. 1836. In der zweiten Ausgabe 1872 als vierter Band bezeichnet. Teuffel, Gesch. d. röm Litt. 5. Aufl. 1890. Adolf Ebert, Allg. Gesch. d. Litt. des M. A. im Abendlande. I. Gesch. d. christl. lat. Litt. von ihren Anfängen bis zum Zeitalter Karls d. Großen. 2. A. 1890.

Das Mittelalter ist durch keine bestimmte Grenzlinie vom Alterthum geschieden; lange Zeit laufen beide gewissermaßen parallel nebeneinander her. Das unterscheidende Element ist das Christenthum, welches das antike Wesen zersetzt, und theils vernichtet, theils umformt; dann das Eintreten ganz neuer Völker in die Geschichte, welche nach und nach den Schwerpunkt ihrer Entwickelung zu sich hinüberziehen. Die classisch-heidnische Litteratur gehört einem anderen Gebiete an, und liegt unserer Aufgabe fern; allmählich erstarb in ihr das Leben, und auch die Geschichtschreibung beschränkte sich immer mehr auf Auszüge aus den älteren Werken. Hieran konnte sich natürlich keine weitere Entwickelung anknüpfen. Den vorhandenen Stoff, wie ihn besonders Eutropius zubereitet hatte, faßte zuletzt noch einmal Paulus Diaconus in seiner römischen Geschichte zusammen, und machte ihn durch Verschmelzung mit der Kirchengeschichte für seine Zeit brauchbarer. So ging er in das Mittelalter hinüber, und bildete hier die Grundlage aller Kenntniß der römischen Welt. Aber ungeachtet der christlichen Zusätze und Fortsetzungen blieb doch dieses Werk nur eine todte Masse; die lebendige neue Entwickelung schloß sich an die christliche Geschichtschreibung, welche sich für die veränderte Auffassung und andere Bedürfnisse auch neue Formen erschuf.

Die römische Weltgeschichte konnte den Christen unmöglich genügen, die eigene Geschichte der römischen Republik sie nur wenig anziehen. Ihnen war das Wesentliche in der Weltgeschichte die Geschichte des Reiches Gottes, der Mittelpunkt lag ihnen in der jüdischen Geschichte, und davon meldeten die Werke der Römer nichts. Daher fand auch des Königs Desiderius Tochter Adelperga den Eutrop, welchen Paulus Diaconus ihr zu lesen gegeben, so ungenügend, und einige Zusätze konnten hier nichts helfen; es mußte eine ganz neue Weltgeschichte aufgestellt werden, die mit dem veränderten Standpunkte im Einklang war, die namentlich auch das hohe Alter der jüdischen Cultur, die spätere Entstehung der heidnischen Staaten nachwies. Um dieses möglich zu machen, kam es vor allem darauf an, das chronologische Verhältniß der heiligen und profanen Geschichte zu bestimmen, um dann eine Verschmelzung der beiderseitigen Nachrichten vornehmen zu können. Diese Aufgabe löste, nach dem Vorgange des Sextus Julius Africanus, welcher zuerst den Versuch machte, chronologisch das gesammte Alterthum mit der Bibel zu vereinigen[1], Eusebius (264-340); seine zwei Bücher Allgemeiner Geschichte enthielten zuerst in darstellender Form die Chronographie, dann tabellarisch den synchronistischen Kanon bis 325. Auf diesem großen Werke beruhen alle späteren Weltchroniken, der Byzantiner sowohl wie des Abendlandes, während zugleich aus seiner Kirchengeschichte das Mittelalter alle seine Kenntniß von den Anfängen der christlichen Kirche schöpfte. Dieses letztere Werk hatte für die Lateiner Rufinus bearbeitet und fortgesetzt, die Chronik aber Hieronymus, welcher sie zugleich bis 378 fortsetzte[2].

Diese Chronik des Hieronymus finden wir vollständig oder im Auszug an der Spitze aller umfassenden Chroniken des Mittelalters; sie war ihre Grundlage und ihr Vorbild, und dadurch war die knappe Form der annalistischen Aufzeichnung gegeben. Darstellende Werke aller Art hatten daneben freien Raum, aber um eine übersichtliche Anschauung von dem chronologischen Zusammenhange der Weltbegebenheiten zu erhalten, war diese Form unstreitig die angemessenste, wie man ja auch heut zu Tage der Tabellen zu diesem Zwecke nicht entbehren kann. Sehr dürftig und ungenügend freilich erscheint uns diese Form, wo sie fast allein und ausschließlich zur Ueberlieferung der geschichtlichen Ereignisse verwandt wird, oder doch anderes uns nicht erhalten ist, wie dies in den nächsten Jahrhunderten nach Hieronymus der Fall war. Diese ersten mageren Fortsetzungen seiner Chronik sind für uns ihres Inhalts wegen wichtig; der Geschichtschreiber der auf römischem Boden angesiedelten deutschen Stämme ist großentheils auf diese dürftigen Quellen angewiesen, für die Entwickelung der Historiographie in Deutschland aber haben sie nur insofern Bedeutung, als durch ihre Vermittelung die unmittelbare Anknüpfung der späteren Chronisten an den Hieronymus möglich wurde[3].

Bemerkenswerth ist aber bei diesen Chronisten der allen gemeinsame römische Standpunkt, das ängstliche Festhalten am römischen Reich. Uns erscheint gegenwärtig der Gedanke, daß in den neuen Bildungen, den romanischen Staaten, der fruchtbare Keim einer neuen Zukunft enthalten war, als natürlich und naheliegend; damals aber fiel weit mehr die Zerstörung des alten Reiches ins Auge; man sah und beklagte überall nur den Verfall, und wer die Weltgeschichte zu betrachten versuchte, sah fortwährend nur in dem römischen Weltreich den Träger derselben. Boten doch die Jahre seiner Kaiser und seine Consulate die einzige vorhandene Zeitrechnung, denn weder die von Eusebius eingeführte Rechnung nach Jahren Abrahams noch auch die Jahre von Erbauung der Stadt Rom erscheinen im Westreich je im praktischen Gebrauch, und Justinians Siege stellten noch einmal die Fortdauer aller der neu entstandenen Reiche in Frage. Mochte aber auch das abendländische Römerreich in Trümmer fallen, das morgenländische keinen Schatten von Macht über den Westen besitzen, für die Chronisten ist und bleibt es das Weltreich, der Faden, der sie leitet. Die in das Reich eindringenden deutschen Stämme sind und bleiben Barbaren, wenn auch der Schreibende, welcher jedoch immer der Kirche angehört, selber ihr Landsmann ist. Diese Auffassung beschränkt sich nicht auf diese Zeit, sie bleibt herrschend durch das ganze Mittelalter, denn sie war bedingt durch die seit Hieronymus allgemein angenommene Erklärung von dem Traume des Nebukadnezar, bei dem Propheten Daniel, nach welchem das römische Reich, das eiserne, welches die früheren zermalmt, bleiben soll bis zum Eintritt des himmlischen Reiches[4]. Die Fortdauer desselben war daher außer aller Frage. Demgemäß behandeln auch die späteren Weltchroniken die deutsche Geschichte niemals als etwas neues, selbständiges, sondern nur als eine Fortführung des römischen Reiches: sie führen nach dem Untergange des westlichen Reiches die byzantinischen Kaiser fort bis auf Karl den Großen und bewahren so seine scheinbare Continuität, wenn sie auch dazwischen die Volksgeschichten episodisch in ihr großes Fachwerk einschalten, wie Ekkehard.

Neben der großen Chronik des Hieronymus gab es nun aber auch noch eine andere, sehr dürftige und compendiarische, welche nur einige Anhaltpunkte zur chronologischen Orientirung gewährte. Sie läßt sich zurückführen auf ein älteres griechisches Werk des Hippolyt von Porto, das bis 235 reichte, ein Werk, welches auch dem Liber Generationis des sogenannten Fredegar zu Grunde liegt. Ueberarbeitet und bis 334 fortgesetzt, bildet es einen Theil jenes merkwürdigen römischen Staatskalenders, den Th. Mommsen in seiner Abhandlung über den Chronographus von 354 ausführlich behandelt hat[5]. Er hat nachgewiesen, daß dieser Kalender mit den nöthigen Veränderungen von Zeit zu Zeit neu herausgegeben wurde; doch war er viel zu kostbar, als daß sich, wer ihn einmal besaß, immer ein neues Exemplar davon angeschafft hätte, und da die ganze Einrichtung des Werkes zur Eintragung geschichtlicher Ereignisse eine sehr passende Gelegenheit darbot, so ist seine Form nicht ohne Einfluß auf die Gestaltung der verschiedenen Gattungen geschichtlicher Aufzeichnungen geblieben. Sein Inhalt bestand nämlich aus folgenden Stücken, welche die noch erhaltene Abschrift eines Exemplars vom Jahre 354 uns kennen lehrt:

Der eigentliche Kalender mit Bildern, die noch völlig in heidnisch-antiker Weise gezeichnet sind. Der Kalender selbst ist nicht mehr heidnisch, aber doch auch noch nicht christlich. Die öffentlichen Spiele, die Senatstage u. a. sind darin verzeichnet und die Geburtstage der Cäsaren auch noch abgesondert auf einem verzierten Blatt vorangestellt[6].

Consularfasten bis zum Jahre 354.

Ostertafeln auf 100 Jahre von 312 an.

Ein Verzeichniß der Stadtpräfecten von 258 bis 354.

Die Todestage (Depositiones) der römischen Bischöfe und der Märtyrer[7].

Ein Pabstkatalog bis auf Liberius.

Die oben erwähnte Weltchronik bis 334, verbunden mit einer Stadtchronik von Rom und der Regionenbeschreibung[8].

In diesen Stücken läßt sich mehr als ein Keim erkennen, der später zu weiterer Entwickelung gelangt ist. Während aus dem letzten Theile jene so zahlreichen, immer neu aufgelegten Beschreibungen von Rom entstanden, hauptsächlich zum Wegweiser für die Pilger bestimmt, forderten die Consularfasten, sowie die Ostertafeln von selbst dazu auf, bedeutende Begebenheiten bei den betreffenden Namen und Zahlen einzutragen, wie es z. B. Cassiodor gethan hat, und in vollständigerer Weise Prosper. Ein solches Werk ist auch den späteren Exemplaren jenes Kalenders eingefügt; Fasten, die anfangs nur sehr vereinzelte Bemerkungen enthalten, für das fünfte Jahrhundert aber reichhaltiger, und wegen der genauen chronologischen Bezeichnung wichtig werden, ohne Zweifel, abgesehen von dem früheren Theil, in Ravenna geschrieben[9]. Und zwar haben sie einen durchaus officiellen Charakter; es sind bedeutende Vorfälle in Betreff der kaiserlichen Familie, mit denen sie sich beschäftigen, dazu wichtige staatliche Begebenheiten und Naturerscheinungen, mit ausschließlicher Beschränkung auf Italien. Mit den Consullisten wurden sie von Zeit zu Zeit neu ausgegeben. Durch sehr sorgfältige und eingehende Untersuchungen von Pallmann, Waitz, G. Kaufmann, Holder-Egger ist die Benutzung dieser Annalen bei immer zahlreicheren Schriftstellern nachgewiesen, so daß Holder-Egger sogar den Versuch machen konnte, dieselben von 379 bis 572 wieder herzustellen. Seine Untersuchung ist so erschöpfend, daß ich mich darauf beschränken kann, auf dieselbe zu verweisen[10]. Nach dem Ergebniß derselben (S. 344) sind diese Fasti consulares für uns für volle zwei Jahrhunderte in chronologischer Beziehung eine Quelle vom höchsten Werthe. „Sie haben ganz außerordentliche Verbreitung gefunden: fast alle weströmischen und ein oströmischer[11] Chronist des fünften und sechsten Jahrhunderts haben sie benutzt, sie theilweise zur chronologischen Grundlage ihrer Werke gemacht. Zuletzt sind sie noch im neunten Jahrhundert von Theophanes, Agnellus und einem Mönch von St. Gallen benutzt. Sie müssen mehrmals redigiert und jedes Mal mit neuer Fortsetzung herausgegeben sein. Die erste Redaction fällt vor das Jahr 445, in welchem Prosper sie bereits für die erste Ausgabe seiner Chronik benutzt hat; dieselbe Redaction wird auch dem Chronicon imperiale vorgelegen haben. Eine zweite schloß, wie wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können, mit dem Jahre 493; sie ist von Cassiodor und Marcellin benutzt. Die meisten Chronisten schöpften aus einer Vorlage, welche über dieses Jahr noch hinausreichte, so der Anonymus Valesianus[12], Marius, der langobardische Chronist (Cont. Prosperi Havniensis), wahrscheinlich auch der Verfasser der Continuatio und des Auctarium Prosperi[13] in der vaticanischen Handschrift ... Wie weit deren Exemplare reichten, läßt sich nicht bestimmen; doch ist einiger Grund zu der Annahme vorhanden, daß im Jahre 526 eine neue Redaction abgeschlossen ist. Wahrscheinlich ist dann noch eine neue Fortsetzung etwa bis zum Jahre 572 in Ravenna hinzugefügt; diese letztere hätte dann Agnellus, möglicher Weise auch der Mönch von St. Gallen[14] benutzt.“

Leicht möglich ist es, daß Holder-Egger in seinen Folgerungen zu weit gegangen ist. G. Kaufmann hat dieselben angegriffen[15]; er bestreitet die Ableitung mancher Nachrichten aus dieser Quelle, beschränkt die Ravennater Fasten auf die Zeit von 455 bis 493, und bestreitet ihren amtlichen Charakter. Das Gewicht seiner Gründe ist nicht zu verkennen; ohne Zweifel hat es damals noch vielerlei Aufzeichnungen gegeben, welche sich meistens an Consullisten angeschlossen haben werden. Doch von allen unterscheiden sich die0 Ravennater durch ihre knappe Auswahl und Fassung, und durch die genauen Tagesdaten[16].

Auch von einer zweiten Consulliste mit stadtrömischen Nachrichten lassen sich Spuren nachweisen. Ein Exemplar der ravennatischen aber bis etwa 456 ist nach Holder-Eggers Vermuthung nach Arles gekommen, dort überarbeitet, mit gallischen Nachrichten verbunden und fortgesetzt worden. Diese so neu entstandenen Annalen sind von Gregor von Tours und dem sogenannten Severus Sulpitius[17] benutzt.

Die ursprünglich in Italien zusammengestellten und fortgesetzten Fasten kamen unter Constantin auch nach Constantinopel und wurden hier fortgeführt; ein Exemplar, welches bis zum Tode Theodosius I. reichte, kam nach Spanien und ist uns, jedoch nur im Auszuge, von Hydatius mit seiner Fortsetzung und in engster Verbindung mit seiner Chronik bis 468 erhalten. Reichlichere Auszüge aus dem ursprünglichen und in Constantinopel fortgeführten Werk sind im Chronicon paschale bis 630 enthalten. Aus beiden hat Mommsen die Consularia Constantinopolitana (bis 468) zusammengestellt[18].

In gleicher Weise, wie diese Consultafeln zu einem chronologischen Anhalt für geschichtliche Notizen dienten, benutzte man auch die Folge der Kaiser, indem man entweder nur mit jedem Namen kurze Bemerkungen verband, oder auch die Regierungsjahre der Kaiser einzeln unterschied[19]. Weit zweckmäßiger für kurze annalistische Aufzeichnungen waren aber nach dem Aufhören der Consularfasten die Ostertafeln, welche sich ebenfalls in jenem Kalender fanden und auch ohne denselben bald in jeder bedeutenderen Kirche vorhanden waren. Im Abendlande fand nach manchen Versuchen, unter denen die Ostertafel des Aquitaniers Victurius eine gewisse Rolle spielt, besonders der von Dionysius Exiguus angenommene Kanon des Alexandrinischen Bischofs Cyrillus eine große Verbreitung, welche noch zunahm, als Beda die Tafeln desselben über die Cyklen von 1-532 und von da bis 1063 in sein Werk De ratione temporum aufnahm[20].

Doch hat es längere Zeit gedauert, bis man von der einmal herkömmlichen Rechnung nach Consulaten und Jahren der Kaiser abging; in England zuerst, wo man außerhalb des römischen Herkommens stand, sind Ostertafeln zu diesem Zweck benutzt, und von dort durch die Vermittelung der irischen und englischen Missionare nach Gallien und Deutschland gekommen[21].

Schon 354 hatte auch der römische Staatskalender ein Verzeichniß der römischen Päbste aufgenommen, welches seiner Anlage nach um 230 entstanden ist. Dieses wurde in der Folge nicht allein immer weiter fortgesetzt, sondern auch durch allerlei Zusätze vermehrt. Man fügte die Amtsdauer der Päbste hinzu, ihre Bauten und andere Verdienste um die kirchliche Verwaltung, die von ihnen vorgenommenen Weihen, endlich auch geschichtliche Vorfälle, und so entstand das Pontificale Romanum, welches gewöhnlich nach dem päbstlichen Bibliothekar Anastasius benannt wird. Doch zeigen weit ältere Handschriften, daß schon im siebenten Jahrhundert der Anfang des Werkes vorhanden war[22], und auch Beda und Paulus Diaconus haben diese Aufzeichnungen bereits benutzen können. Eine übersichtliche Darstellung der Entstehung dieses Werkes und seiner Fortsetzungen hat Giesebrecht gegeben in der Allgemeinen Monatsschrift für 1852, April. Wie in Rom, so entstanden ähnliche Aufzeichnungen auch an anderen Bischofsitzen und in manchen Klöstern, und daraus erwuchsen später die ausführlichen Geschichten der Bisthümer und Klöster, welche in der geschichtlichen Litteratur des Mittelalters eine so bedeutende Stelle einnehmen.

Endlich aber enthält auch der Abschnitt des Kalenders, in welchem die Todestage der Märtyrer und Päbste verzeichnet sind, den Anfang eines ganz eigenthümlichen Zweiges der Litteratur, nämlich der Martyrologien, in welchen die dort verzeichneten Namen sich immer als die ersten wiederfinden, und gewissermaßen den Kern der immer mehr anwachsenden Verzeichnisse bilden, welche zu dem bloßen Namen bald auch Nachrichten über Leiden und Leben der Märtyrer und Bekenner hinzufügen. Wir sahen schon, wie lehrreich diese Martyrologien in Rettbergs Händen für die Entstehungsgeschichte der kirchlichen Sage geworden sind; denn da die Zeit der Verfasser bekannt ist, so läßt sich darin die allmähliche Erweiterung der Legenden urkundlich nachweisen[23]. Die ältesten tragen den Namen des Hieronymus[24], obwohl mit Unrecht; besonders geschätzt ist das Martyrologium Gellonense[25]. Die größte Verbreitung fand, wie alle Schriften Beda's, auch dessen Martyrologium, das wir jedoch nicht in seiner ursprünglichen Gestalt besitzen, sondern nur mit den Zusätzen des Florus, eines Subdiaconus zu Lyon im neunten Jahrhundert[26]. So kam also auch dieser Zweig der Litteratur über England nach Gallien; hier wurde er im neunten Jahrhundert mit besonderer Vorliebe behandelt, und aus der mündlich sich fortbildenden Tradition kamen bei jeder neuen Ausgabe stets auch neue Zusätze hinzu. Ein Reichenauer, welches zwischen 837 und 842 entstanden ist, gab A. Holder kürzlich heraus[27]. Eine metrische Bearbeitung verfaßte um 850 Wandalbert, Mönch zu Prüm[28], andere in Prosa Hraban[29] zwischen 842 und 854, Ado von Vienne[30] (859-874) und auf Befehl Karls des Kahlen Husward[31] (Usuardus) im Jahre 875; am Ende des Jahrhunderts schrieben Notker der Stammler (896) auf der Basis des von Ado 870 den Mönchen von St. Gallen geschenkten Exemplars seines Martyrologium[32], und in Versen Erchempert, der Mönch von Montecassino[33]; noch im elften Jahrhundert verfaßte Hermann von Reichenau ein Martyrologium[34]. Damit war nun aber auch dem Verlangen nach Martyrologien völlig genügt; man fragte nicht mehr so viel nach diesen immer noch kurzen und dürftigen Aufzeichnungen, da man bereits eine sehr große Zahl ausführlicher Legenden besaß, theils aus der Zeit der Merowinger, theils aber auch über eben jene alten Märtyrer, von denen die Martyrologien so wenig zu sagen wußten. Der Wunsch danach war zu dringend, besonders in den Klöstern, welche Reliquien von ihnen besaßen, als daß nicht eine reiche Auswahl nachgemachter Legenden hätte entstehen sollen, welche leicht genug Glauben fanden, oder doch in Ermangelung anderer benutzt wurden, wie z. B. die Legende vom Apostel Thomas, deren Unglaubwürdigkeit wohl bekannt war[35]. Bald hatte man Legenden für jeden Tag im Jahr, und eine Sammlung derselben veranstaltete schon im Anfange des zehnten Jahrhunderts Wolfhard, Mönch zu Herrieden[36]. Kleinere, unvollständige Legendarien hatte man schon früher, und sie finden sich in großer Zahl in den folgenden Jahrhunderten, bis sie endlich wiederum verdrängt wurden durch die in zahllosen Abschriften verbreitete Goldene Legende des Jacob von Genua[37], welche dem Gebrauch für das Leben und für die praktische Anwendung auf der Kanzel am meisten entsprach und in gedrängter Kürze den ganzen Kreis der Heiligengeschichte auf den Umfang eines Bandes beschränkte.

Geschichtlich ist Jacobs compendiarische Behandlung der Legenden unbrauchbar; die ausführlichen Lebensbeschreibungen der Heiligen aber enthalten für manche Zeiträume die werthvollsten Nachrichten. Auch diese Aufzeichnungen finden ihre Vorbilder schon in den früheren Jahrhunderten der römischen Kaiserzeit. Die christlichen Gemeinden theilten sich unter einander die Todestage der Märtyrer mit nebst den Umständen ihres Leidens, und solche Mittheilungen wurden bei ihren Zusammenkünften verlesen. Bald fing man auch an, das Leben anderer frommer Männer, der Bekenner, aufzuzeichnen. Cassians vielgelesenes Werk über die Einsiedler der Thebais, das Leben des Cyprian, Ambrosius, Augustin und ganz besonders das um 400 von Sulpicius Severus verfaßte und durch ganz Gallien verbreitete Leben des heiligen Martin von Tours[38] regten zu ähnlicher Thätigkeit an[39]. Benedict von Nursia, der eigentliche Begründer des abendländischen Mönchthums, fand einen Biographen in dem Pabste Gregor dem Großen, und dieses Werk fehlte natürlich in keinem Kloster seines Ordens; nebst den übrigen Büchern der Dialoge bot es der Wundersucht des Mittelalters reiche Nahrung und reizte zur Nachahmung. Daran also schließt sich nun eine überaus reiche Litteratur, und wenn auch vielfach der erbauliche Ton so sehr überwiegt, daß der geschichtliche Werth nur gering ist, so ist doch keine der wirklich echten gleichzeitigen Biographien ganz ohne Frucht, und für die Zeiten, wo die Heiligen zugleich Staatsmänner waren, gehören ihre Lebensbeschreibungen zu den wichtigsten Quellen der Geschichte. Mit dem dreizehnten Jahrhundert aber verlieren sie fast alle Bedeutung.

Ganz vereinzelt erscheint daneben die weltliche Biographie; nur einige Kaiser haben Lebensbeschreiber gefunden, und wenn Einhard den Sueton zum Vorbilde nahm, so ist das nur eine Frucht der durch Karl den Großen erneuten Einwirkung auch der heidnischen Classiker; eine lebendige Fortentwickelung knüpfte sich nur an die kirchliche Litteratur.

Zu erwähnen bleibt endlich noch eine Art der Aufzeichnung, welche den Martyrologien sehr nahe steht und häufig damit verbunden ist, die Necrologien nämlich, in welchen die Todestage aller derjenigen verzeichnet wurden, deren Gedächtniß in der Kirche oder dem Kloster, dem diese Aufzeichnungen angehörten, gefeiert werden sollte. Da jeder angesehene Mann sich um seiner Seligkeit willen eine solche Gedächtnißfeier zu sichern pflegte, erfahren wir hierdurch ihre Todestage, deren Kenntniß für manche Fragen wichtig werden kann; auch für die verwandtschaftlichen Verhältnisse ist manches daraus zu entnehmen, und zuweilen sind auch einzelne geschichtliche Begebenheiten anderer Art darin verzeichnet. Zur geschichtlichen Litteratur kann man diese Namensverzeichnisse nicht rechnen, und ich beschränke mich daher auf diese Erwähnung und auf ein Verzeichniß der mir bekannt gewordenen, gedruckten Necrologien, welches im Anhange zu finden ist.

Eine Zeitbestimmung ist nicht hinzugefügt, weil auch in jüngere Necrologien einzelne ältere Angaben herübergenommen sind, und ältere durch die fortgesetzten Eintragungen werthvoller zu werden pflegen. Doch ist es nicht unwichtig, die Zeit der ersten Anlage zu erkennen; bei dem lobenswerthen Versuche, dahin zu gelangen, begegnet aber stets wiederholt ein Fehler, vor dem ich deshalb ausdrücklich warnen möchte. Die Herausgeber glauben nämlich, zu dieser Bestimmung die Ansetzung des Osterfestes benutzen zu können und lassen sich dabei auch durch den auffallenden Umstand nicht stören, daß dieser überall derselbe ist, nämlich der 27. März; auch nicht dadurch, daß es ja gar keinen Sinn haben würde, das zufällige Datum eines einzelnen Jahres einzutragen. Es ist aber dieser 27. März ein festes Datum, welches man für dasjenige der wirklichen Auferstehung hielt.

Den vollen Nutzen für geschichtliche Forschung werden diese Necrologien erst gewähren, wenn sie systematisch gesammelt, durchgearbeitet und zusammengestellt sind. Das ist jetzt geleistet von Baumann für die Sprengel von Augsburg, Constanz und Chur[40], von Herzberg-Fränkel für Salzburg[41].

Geschichtlich noch wichtiger sind die Todten-Annalen, in welchen Jahr für Jahr die Todesfälle eingetragen sind. Solche sind aus Fulda von 779 bis 1065 erhalten[42], und an diese sich anschließend, aber weit weniger reichhaltig, aus Prüm, von 1039 bis 1104[43], aus St. Blasien von vor 1036 bis 1474[44].

Verschieden davon sind die Verbrüderungsbücher, in welche Lebende eingetragen wurden; bei weitem das wichtigste darunter ist das von Karajan, jetzt aber mit wesentlichen Verbesserungen von Herzberg-Fränkel herausgegebene von Sanct Peter in Salzburg[45]; von einer systematischen Bearbeitung sind die von Sanct Gallen, Reichenau und Pfävers erschienen[46]. Sie geben über die Verbindungen der Klöster untereinander Nachricht und sind durch die Fülle alter Eigennamen für die Sprachforschung von Bedeutung. Auch von den Roteln späterer Zeit, durch welche man von den Todesfällen verbundenen Klöstern Nachricht gab, und welche theils nur mit Empfangsbescheinigung, theils sogar mit längeren Gedichten versehen wurden, hat sich namentlich in Frankreich eine große Anzahl, wenn auch meistens nur fragmentarisch, erhalten, welche von L. Delisle gesammelt und herausgegeben ist[47].

Eine besondere Erwähnung verdienen endlich noch die alten Diptycha, in welche Namen ohne Daten eingetragen wurden, um sie der Fürbitte theilhaftig werden zu lassen, wobei auf die Ordnung nichts ankam; aus Fulda, Trier, Novara haben sich dergleichen erhalten. In Ermangelung anderer Denkmäler hat man daraus Bischofslisten entnommen, deren Lückenhaftigkeit und Umstellungen sich aus solchem Ursprung erklären. Ein Liber vitae ecclesiae Dunelmensis (jetzt Cott. Domit. A. VII) aus der Mitte des neunten Jahrhunderts und bis in späte Zeit fortgeführt, lag im Prachtband auf dem Altar[48], herausgegeben von Stevenson 1841.

Eine besondere Art von Namensverzeichnissen entstand durch die Sitte, in Evangelienbücher Namen einzutragen, wovon man sich gute Folgen für das Seelenheil versprach. So schrieb nach einer Mittheilung von K. Lamprecht in d. Westd. Ztschr. IV, 156 in einem Evangeliar des Castorstifts in Coblenz der Schreiber selbst hinzu: „Waniggus peccator nomen habeo. in vitae libro mei memoriam condo“. Darauf folgen andere Namen. Beispiele davon kommen auch sonst vor[49]; geschichtlich wichtig sind die Eintragungen im Evangeliar von Aquileja für die Anfänge des Christenthums unter den Bulgaren, während Theodelinde und andere Namen später betrügerisch zugesetzt sind, was Bethmann entdeckt und nachgewiesen hat[50].

§ 4. Die Ostgothen. Cassiodor. [←]

Manso, Geschichte des ostgothischen Reiches in Italien, Breslau 1824. Aschbach, Geschichte der Westgothen, Frankf. 1827. Waitz, Ueber das Leben und die Lehre des Ulfila, Hannov. 1840, 4. Bessell, Ueber das Leben des Ulfilas und die Bekehrung der Gothen zum Christenthum, Gött. 1860. Max Müller, Lectures on the Science of Language, 2. ed. 1862, p. 179 ff. Bessell, Art. Gothen in der Encyklopädie von Ersch und Gruber I, 75. S. 98-242 (1862). Raszmann, Goth. Sprache und Litteratur, ib. 294-348. Wietersheim, Geschichte der Völkerwanderung, bes. II, 137 ff. Pallmann, Die Geschichte der Völkerwanderung, I, Gotha 1863. II, Weimar 1864. F. Dahn, Die Könige der Germanen, Abth. II. 1861. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur. S. 15-22. Bernhardy, Grundriß der römischen Litteratur, § 60. A. Thorbecke, C. Senator, Progr. d. Heidelb. Lyceums 1867. Ad. Franz, C. Senator, ein Beitr. z. Gesch. d. theol. Litt. Bresl. 1872. Teuffel § 475. Ebert S. 498 bis 542. Balzani p. 1-19. Rinaudo p. 25-31. — Ueber Cassiodor und Jordanis: Papencordt, Geschichte der vandal. Herrschaft in Afrika (1837), S. 383-388. Freudensprung, De Jornande sive Jordane et libellorum eius natalibus, Monaci 1837. H. v. Sybel, De fontibus libri Jordanis de origine actuque Getarum, Berol. 1838; Entstehung d. D. Königthums, 2. Ausg. (1881) S. 134-208. Waitz, GGA. 1839, S. 769-781. Joh. Jordan, Jordanes Leben und Schriften. Progr. des Gymnasiums zu Ansbach. 1843. J. Grimm, Ueber Jornandes. Abh. der Berliner Akademie, 1846 (Kleinere Schriften III, 171-235). Cassel, Magyarische Alterthümer, 1848, S. 293 bis 310. Stahlberg. Jornandes, Programm der höheren Bürgerschule zu Mühlheim a. R. 1854. C. Schirren, De ratione, quae inter Jordanem et Cassiodorium intercedat commentatio, Dorp. 1858; vgl. die Rec. von A. v. Gutschmid. Jahrbücher für classische Philologie, 1862, S. 124-151. R. Köpke, Deutsche Forschungen, Berl. 1859. Bessell, Art. Gothen, S. 101-116, recapitulirt die ganze Frage. Waitz, Gött. Nachrichten 1865 N. 4, über das Verhältniß zum Anon. Cuspiniani. Baehr S. 247-262. Mommsen, Praef. Jord. p. XL-XLIV. — Cassiodori Opera ed. Garet, Rothomagi 1679. fol. Frammenti di orazioni panegiriche, raccolti ed illustrati di Carolo Baudi de Vesme, Memorie della Real Acad. delle Scienzie, Serie II, Vol. VIII; vgl. Reifferscheid, SB. 68, 483, Fragm. d. Lobrede auf K. Theodahat, viell. von Cassiodor nach Arbois de Jubainville, Bibl. de l'École des chartes, V. 3, 139, vgl. M. Haupt in Hermes VII, 377. H. Usener, Festschrift zur Philol. Vers. in Wiesbaden 1877 (Anecdoton Holderi, Excerpt aus der früher unbekannten Schrift C.'s über die Schriftsteller in seiner Familie); vgl. aber Schepss, im NA. XI. 125-128. F. Rühl. Ein Anecdoton zur Goth. Urgesch. im Jahrb. f. class. Philol. 1880, S. 549-576 (Barbarischer Auszug aus Cass. über Skythen und Amazonen).

Das ostgothische Reich, so kurz es dauerte, bildete doch ein sehr wichtiges Mittelglied zwischen der antiken Welt und dem Mittelalter, welche sich in ihm auf merkwürdige Weise berühren.

Der gothische Stamm war einer der begabtesten, bildungsfähigsten deutschen Stämme. Er allein, nebst den Angelsachsen, hat von Anfang an auch die Muttersprache ausgebildet, nicht nur in Lied und Gesang, sondern auch zu wissenschaftlichem Gebrauch; außer Vulfila's Bibelübersetzung haben sich auch Fragmente einer Evangelienharmonie erhalten. Getrennt von der herrschenden Kirche, feierten sie den Gottesdienst in ihrer eigenen Sprache[1], und deren Gebrauch war dadurch bei ihnen, wie später bei den Slaven, besser gesichert als in der römischen Kirche. Dennoch hätten auch die Ostgothen, wäre ihrem Reiche längere Dauer beschieden gewesen, sich der Uebermacht römischer Cultur wohl sicher ebenso wenig zu erwehren vermocht, wie die Westgothen in Spanien und später die Angelsachsen.

Denn mit der größten Empfänglichkeit wandten die Gothen sich auch der antiken Bildung zu; Theoderichs Reich ist merkwürdig als ein Versuch, die neuen Elemente mit den alten zu vereinen und die Herrschaft in den alten Formen fortzuführen; an seinem Hofe hörte man noch die alten gothischen Heldenlieder, aber es sammelten sich dort auch die noch übrigen Träger der alten Bildung; hier entstanden mehrere der Werke, welche die Elemente der alten Cultur dem Mittelalter überlieferten, aus denen es seine Kenntniß des Alterthums schöpfte und zugleich den gezierten dunklen Stil lernte, der damals in den Schulen der Rhetoren und Grammatiker für schön galt.

Den Schriftstellern des vierten Jahrhunderts, Donat, Macrobius, Marcianus Capella, reiht sich Priscianus an, Theoderichs Zeitgenosse und mit Cassiodor bekannt; doch lebte er in Constantinopel. Einer der Hauptlehrer des Mittelalters aber, dem es zunächst die Kenntniß der Aristotelischen Philosophie verdankte, war Boethius[2], der mit seinem gelehrten Schwiegervater Symmachus am Hofe zu Ravenna lebte. Die Familie der Symmacher, die domni Symmachi, werden uns ganz besonders genannt unter den Männern, welche in genauer Verbindung mit den Schulen der Grammatiker und Rhetoren noch einmal das sinkende Heidenthum neu zu beleben suchten, durch Auffrischung der Mysterien, der Philosophie, und namentlich auch durch angelegentliche Beschäftigung mit der alten Litteratur, deren Werke sie durch sorgfältige Verbesserung der verwahrlosten Handschriften in diejenige Gestalt brachten, in welcher sie uns jetzt vorliegen[3]. Das Christenthum war nun freilich bereits zum unbestrittenen Siege durchgedrungen, dennoch aber stehen diese Männer noch ganz auf dem Boden der alten heidnischen Bildung. Auch Cassiodor gehört dazu; erst in seinem Alter gab er sich immer mehr einer kirchlich frommen Richtung hin.

Dieselbe Mischung römischer und deutscher, heidnischer und christlicher Elemente, wie an Theoderichs Hofe, finden wir nun auch in der geschichtlichen Litteratur, die uns leider nur theilweise erhalten ist. Was es für eine Bewandtniß mit den gothischen Philosophen habe, mit Athanarit, Hildebald und Markomir, auf die sich der Ravennatische Geograph beruft, ob sie existirt haben oder nicht, ist bis jetzt noch dunkel[4]. Auch der von Jordanis[5] benutzte und gelobte Ablavius, der „treffliche Geschichtschreiber des gothischen Volks“, bleibt in zweifelhaftem Dunkel; Mommsen vermuthet, daß er an Theoderichs Hofe nicht lange vor Cassiodor geschrieben und, der gothischen Sprache kundig, ihre Ueberlieferungen und Lieder mit den Nachrichten des Priscus u. a. verbunden habe. Er ist geneigt, einen sehr wesentlichen Theil des Cassiodorischen Werkes ihm zuzuschreiben, aber Schirren hat sich mit guten Gründen von neuem sehr nachdrücklich dagegen erklärt. Der Name ist in jener Zeit häufig und lautet correct Ablabius, doch folge ich lieber der damals üblichen, durch Jordanis bezeugten Aussprache.

Der rechte Repräsentant dieses Uebergangsreiches ist Magnus Aurelius Cassiodorius[6] Senator, ein vornehmer Römer von angesehener Familie, aus Bruttien, vielleicht aus Squillace gebürtig. Dem Beispiele seines Vaters folgend, stellte er sich der Herrschaft der Barbaren nicht feindselig oder schmollend gegenüber, sondern war als Staatsmann und als Gelehrter aufrichtig und unablässig bemüht, die widerstrebenden Elemente friedlich zu verbinden und auszugleichen; als Minister Theoderichs und seiner Nachfolger suchte er die Regierung in den alten Formen fortzuführen, und als Geschichtschreiber verkündete er den erstaunten Römern, daß das Volk der Gothen und das Königsgeschlecht der Amaler ihnen an Alter und Adel, ja sogar an uralter Cultur mindestens ebenbürtig sei.

Schon die Chronik Cassiodors[7] dient der Verherrlichung Theoderichs und seines Eidams Eutharich, dem sie in seinem Consulatsjahre überreicht wurde; der Schwall der Lobrede belebt 496 bis 519 das dürftig und ungeschickt zusammengestoppelte chronologische Gerippe, dessen Mangelhaftigkeit und willkürlich leichtsinniges Machwerk Th. Mommsen schonungslos aufgedeckt hat. Auch die wenigen früheren historischen Notizen zur Consulartafel, die er aus Hieronymus, Prosper, Eutrop, von 456-493 aus den Ravennater Fasten schöpfte[8], hat er in gothischem Interesse verändert[9]. Von weit größerem Werth, fleißiger gearbeitet und der schulmäßigen Gelehrsamkeit jener Zeit entsprechend waren Cassiodors zwölf Bücher Gothischer Geschichten, ein früh verlorenes Werk, über welches jedoch der Auszug des Jordanis ein Urtheil gestattet, denn nach den Untersuchungen von Schirren und Koepke kann man es jetzt wohl als festgestellte Thatsache betrachten, wie es denn auch von Mommsen angenommen ist, daß der ganze wesentliche Inhalt dieses Werkes mit Einschluß des gelehrten Apparats von Cassiodor herrührt[10]. Außerdem finden sich in der Sammlung seiner Briefe mehrere Aeußerungen, welche sich auf sein Geschichtswerk beziehen; so legt er gleich in der Vorrede einem Freunde die Worte in den Mund[11]: „Du hast in zwölf Büchern die Geschichte der Gothen in einer Blüthenlese ihrer glücklichen Thaten niedergelegt“. Varr. XII, 20 wird eine Stelle über die Einnahme Roms durch Alarich daraus angeführt, welche beweist, daß auch die Geschichte der Westgothen darin behandelt war.

Wichtiger aber und lehrreicher sind die Worte des Königs Athalarich in dem Schreiben (Varr. IX, 25), durch welches er dem römischen Senat Cassiodors Erhebung zum Praefectus praetorio für das Jahr 534 anzeigt. Nicht damit habe er sich begnügt, heißt es da, die lebenden Herren zu loben: „auch in das Alterthum Unseres Geschlechtes ist er hinaufgestiegen und hat durch Lesen erkundet, was kaum noch in dem Gedächtniß unserer Altvorderen haftete. Er hat die Könige der Gothen, welche lange Vergessenheit barg, aus den Schlupfwinkeln der Urzeit hervorgezogen. Er hat die Amaler mit dem vollen Ruhm ihrer Herkunft wieder ans Licht gestellt, indem er klärlich nachwies, daß Wir bis in die siebenzehnte Generation von königlichem Stamme sind. Er hat die Herkunft der Gothen zu einer römischen Geschichte gemacht, und die Blüthenkeime, welche bis dahin auf den Gefilden der Bücher hier und dort zerstreut waren, in einen einzigen Kranz gesammelt[12]. Bedenkt, welche Liebe zu euch er durch Unser Lob bewiesen hat, da er nachwies, daß eueres Herrschers Stamm von Uranfang her wunderbar gewesen ist, so daß, wie ihr von eueren Vorfahren her immer für edeler Art gegolten habt, so nun auch ein altes Königshaus über euch die Herrschaft führt[13].“ Und weiterhin wird Cassiodor gerühmt, weil er gleich den Anfang von Athalarichs Herrschaft gleichmäßig mit den Waffen und mit gelehrter Thätigkeit (litteris) gefördert habe; von der tiefen Ruhe litterarischer Beschäftigung aufgescheucht[14], habe er ohne Zaudern zu den Waffen gegriffen.

Cassiodor selbst ist es, der diesen Brief verfaßt hat, und klar genug hat er darin Zweck und Absicht seines Werkes ausgesprochen. Der übergroße Abstand zwischen dem kräftigen, aber noch den Römern als barbarisch geltenden Gothenvolke und den auf ihre Geschichte und Bildung stolzen Römern sollte ausgeglichen werden, das war der leitende Gedanke in Cassiodors ganzer Thätigkeit. Dazu mußte ihm nun auch seine Gelehrsamkeit dienen; daß Gothen und Geten dasselbe Volk wären, war eine längst geläufige Annahme[15], aber noch hatte niemand es versucht, den Zusammenhang nachzuweisen. Cassiodor that es und zwar, wie jetzt durch das von Holder entdeckte Fragment bekannt geworden ist, im Auftrag des Königs Theoderich, doch erst nach dem Tode desselben gelang ihm die Vollendung[16]. Er verflocht zu diesem Zwecke, was er über die Gothen wußte und bei Ablavius las, mit dem, was er bei Römern und Griechen über die Geten vorfand, und da diese wie jene von den Griechen häufig Skythen genannt wurden, zog er auch die ganze Urgeschichte der Skythen heran, und machte sogar die Amazonen ohne Bedenken zu gothischen Weibern. So erschienen die Amaler, deren Glanz die gothische Sage verkündete, nun als unmittelbare Nachfolger des Zamolxis und Sitalkes, und die Römer konnten darin einen Trost finden für die Bitterkeit der fremden Herrschaft[17]. Es war das ein Gedanke, der wohl Anerkennung verdient, wenn auch der Zweck unerreicht blieb, die Grundlage irrig war, wenn auch zur Verherrlichung der Amaler er ihren Stammbaum selbst mit freier Dichtung über alle Gebühr verherrlicht haben mag[18].

Als Cassiodor oder Senator, denn das war sein eigentlicher Name, alle seine Bestrebungen vereitelt sah, als das Gothenreich dem Angriff der Mächte, mit welchen er es hatte aussöhnen wollen, unterlag, da zog er sich, vermuthlich nach Vitigis Sturz (um 540) von der Welt zurück und gründete ein Kloster (monasterium Vivariense) in Bruttien, wo er das Ende seines Lebens in stiller Beschaulichkeit und schriftstellerischer Thätigkeit als hochbetagter Greis erwartete. Hier ließ er unter seiner Aufsicht die im Mittelalter vielgelesene Kirchengeschichte[19] zusammenstellen und übersetzen; hier schrieb er in seinem 93. Jahre eine Abhandlung über die Orthographie, zum Frommen seiner Mönche, denen er die Vervielfältigung der Bücher durch Abschriften ganz besonders zur Pflicht machte. Er zuerst hat die wissenschaftliche Arbeit grundsätzlich in die Klöster eingeführt und dadurch einen weitreichenden segensreichen Anstoß gegeben[20]. Ist er, wie Thorbecke annimmt, erst um 570 gestorben, so erlebte er noch die neue Verwüstung Italiens durch die Langobarden, sah er, wie die blutigen Lorbern Justinians fruchtlos hinwelkten.

Von vorzüglichem Werthe für uns sind unter seinen erhaltenen Werken[21] die 538 verfaßten zwölf Bücher seiner Briefe (Variae), in welchen er die Kanzleiformen der Zeit und viele auch durch ihren Inhalt wichtige Briefe aus der königlichen Kanzlei der Gothen aufbewahrt hat. Das Zureden seiner Freunde, sagt er in der Vorrede, habe ihn zu dieser Sammlung veranlaßt, welche einen Vorrath fertiger Formeln darbieten und zugleich zur Bildung junger Staatsmänner dienen sollte, während sie auch das Andenken der von ihm gelobten trefflichen Männer der Nachwelt erhalte. Alles habe er hier vereinigt, was er aus der Zeit seiner Quästur, seines Magisteriums und seiner Präfectur in den öffentlichen Actenstücken von ihm herrührend habe finden können. Doch nicht selten sei es ihm begegnet, daß er wegen übergroßer Eile bei der Ertheilung von Würden und Ehren hastige und schmucklose Schreiben erlassen habe: davor wolle er nun andere bewahren, und deshalb habe er die, im sechsten und siebenten Buche enthaltenen Formulare für die Verleihung aller Würden nun mit Sorgfalt überarbeitet[22]. Denn reden können wir alle ohne Unterschied; nur der Schmuck ist es welcher den Gelehrten vom Ungelehrten unterscheidet[23].

Das war der Grundsatz und die Richtschnur der damaligen Schulen, und demgemäß hat denn auch Cassiodor den oft geringfügigen Inhalt seiner Briefe unter einem solchen Wortschwall und so vielem Zierrath der gesuchtesten Phrasen verborgen, daß es häufig nicht leicht ist, ihn herauszufinden.

Im höchsten Grade trifft dieser Vorwurf auch die Schriften des Ennodius, Bischofs von Pavia[24], unter denen besonders sein Panegyricus auf Theoderich geschichtlich wichtig ist[25].

§ 5. Jordanis. [←]

Baehr S. 249-260. Teuffel § 477. Ebert S. 556-562. Dahn, A. D. B. XIV, 522-526. Rinaudo p. 31-36. Balzani p. 19-21. S. d. neuere Litt. zu § 4. Anstatt der älteren Ausgaben genügt es jetzt, die Ausgabe der MG. von Mommsen zu nennen, Berl. 1882, 4. (Auctorum antiquiss. V, 1.) Rec. von Schirren, Deutsche LZ. 1882, S. 1420-1424, von L. Erhardt, GGA. 1886, S. 669-708. Bemerkungen v. Manitius, NA. XIII, 212. 213. — Ausg. der Getica v. Holder 1882 mit selbständ. Benutzung d. Heidelb. Hs. 1882. 3. Ausg. v. Closs 1889. Emendationen v. Fröhner, Philologus, Suppl. V, 55 (1884). Uebers. v. W. Martens, 1884, Geschichtschr. 5 (VI, 1).

An jene Vertreter der antiken Bildung, welche Theoderich an seinem Hofe versammelte, reiht sich nun der erste und einzige gothische Schriftsteller, dessen Werke wir besitzen, Jordanis; denn so wird sein Name in den besten Handschriften geschrieben, mit so überwiegender Autorität, daß die durch Peutingers Ausgabe von 1515 gebräuchlich gewordene Form Jornandes sich dagegen nicht behaupten kann. Jakob Grimm freilich hat sie sehr nachdrücklich in Schutz genommen, und unmöglich ist es nicht, daß in der entscheidenden Stelle (Cap. 50) ursprünglich gestanden hat: Jordanis sive Jornandes. Dann wäre nach Grimms Vermuthung der kriegerischer lautende gothische Name Jornandes d. i. Eberkühn, beim Eintritt in den geistlichen Stand mit dem griechisch-römischen Namen Jordanis vertauscht worden[1]. Wie dem nun auch sein möge, sicher gestellt ist allein der letztere, durch das ganze Mittelalter gebräuchliche Name, den wir deshalb auch hier vorgezogen haben.

Jordanis rechnet sich selbst zum gothischen Volke[2]. Er stammte aus einem sehr angesehenen Geschlechte, das mit den Amalern verschwägert war; sein Großvater war Notar oder Kanzler des Alanenkönigs Candac in Mösien, er selbst ebenfalls Notar: leider wissen wir nicht wo und unter welchen Verhältnissen[3]; später ist er in den geistlichen Stand eingetreten. Seiner, wie es scheint, alanischen Abkunft entsprechend, zeigt er für dieses Volk eine deutliche Vorliebe[4], während er die Vandalen nicht leiden kann[5].

Die eigentliche grammatische Bildung der Schule war ihm fremd, wie er selbst sagt, doch konnte es ihm nicht schwer fallen, griechische und lateinische Schriftsteller zu lesen, und damit hat er sich denn auch, wohl besonders in der späteren Zeit seines Lebens, eifrig beschäftigt, wenn gleich die umfassende Belesenheit, welche seine Gothengeschichte zu zeigen scheint, nur als erborgtes Gut gelten kann.

Seine Schreibweise ist entstellt durch den gesuchten, sententiösen Charakter der Zeit, doch nur da, wo er seiner cassiodorischen Vorlage folgt; er selbst drückt sich ungeschickt und unbehülflich aus und klammert sich ängstlich an seine Quellen; die volle Barbarei der damals gewöhnlichen Schreibweise einer Bevölkerung, welche fast alles Gefühl für grammatische Formen verloren hatte, bis dahin nur aus den im Original uns erhaltenen Urkunden bekannt, ist nun auch bei ihm nach den ältesten und besten Handschriften hergestellt[6].

Die Vorrede seiner Getica hat Jordanis mit geringen Aenderungen wörtlich von Rufin entlehnt[7]. Natürlich eignete er sich auch die römisch christliche Weltanschauung an; dahin führte ihn sein Stand, dahin auch die ganze Richtung seines Volkes. Vollkommen theilt er die Verehrung des Kaiserthums, und wenn er es unternahm, die Folge der Weltreiche in gedrängter Uebersicht darzustellen, so konnte ihm doch der Gedanke niemals nahen, daß etwa auch das römische Reich sein Ende erreicht habe und andere an seine Stelle treten würden. Eben war er, wie er uns berichtet, mit der Abfassung eines solchen Handbuches beschäftigt, als sein Freund Castalius oder Castulus ihn aufforderte, Cassiodors Geschichte der Gothen in einen Auszug zu bringen[8]. Diese Aufgabe, sagt er, sei für ihn um so schwieriger gewesen, da ihm das Werk nicht einmal vorliege, sondern er es nur einmal in früherer Zeit auf drei Tage zum Lesen erhalten habe. Doch glaube er sich des wesentlichen Inhalts noch vollständig zu erinnern[9]. Damit habe er nun verschiedenes aus griechischen und lateinischen Geschichten verbunden, den Anfang und das Ende aber, wie auch mehreres in der Mitte von seinem Eigenen dazu gethan. Später, im Verlauf der Geschichte, nennt er den Cassiodor nie, ebenso wenig aber auch den gegen das Ende benutzten Marcellinus. Es unterliegt nun wohl kaum noch einem Zweifel, daß er, wie schon Cassel angenommen hatte, bis auf wenige unbedeutende Zusätze eben nur den Cassiodor ausgezogen hat, was ihm ja auch aufgetragen war, und die Ungenauigkeit der gelehrten Citate bestätigt, daß auch sie mit herüber genommen sind[10]. Man muß also annehmen, daß er sich schon früher schriftliche Auszüge gemacht hatte, die er jetzt, ohne das Werk selbst wieder einsehen zu können, verarbeitete, eine in der That schwierige Aufgabe, welche wohl von einer zu harten Beurtheilung des ungeschulten Gothen abhalten sollte. Doch läßt sich freilich nicht leugnen, daß seine Benutzung der Annalen des gleichzeitigen Marcellinus Comes[11] nicht befriedigender ausgefallen ist. Denn nach diesem Führer erzählt er mit auffallender Kürze von den Siegen Belisars, und die Vergleichung mit den knappen aber genauen und zuverlässigen Angaben dieses Schriftstellers fällt nicht günstig für unseren Autor aus, der sich offenbar mit größerer Vorliebe den alten Ueberlieferungen zuwendet, und wie das bei den Anfängen einer gelehrten Geschichtschreibung so häufig ist, gerne eine unverdaute Gelehrsamkeit auskramt, von der sorgsamen Gewissenhaftigkeit aber, welche die Nachwelt am höchsten schätzt, kaum einen Begriff hat. Indem er nun hierin gegen gleichzeitige und spätere Annalen zurücksteht, zeichnet er sich dagegen vor den einfachen Chronisten aus durch das Festhalten eines leitenden Gedankens, welcher die Darstellung beherrscht. Man hat Jordanis eine gänzliche Entfremdung von seinem Volke zum Vorwurf gemacht. Nicht zum Ruhme der Gothen, sagt er schließlich, habe er dieses geschrieben, sondern um den Ruhm des Siegers zu erhöhen. Allein darauf darf man nicht zu viel Gewicht legen. Die Liebe zu seinem Volke, der Stolz auf die Tapferkeit der Gothen, auf die Herrlichkeit der Amaler, treten vielmehr mit großer Lebhaftigkeit überall hervor, und eben deshalb hielt Jordanis es für nöthig, durch eine solche Wendung in der damaligen Zeit des Krieges dem Argwohn der Herrscher zu begegnen. Denn als er dieses schrieb, war der Krieg noch keineswegs beendigt, sondern vielmehr mit neuer Wuth entbrannt. Jordanis aber hatte allerdings für diesen letzten Todeskampf der Gothen keine Theilnahme; dem stand in ihm theils seine politische Ansicht, theils das Blut der Amaler entgegen, welches mächtiger war als das Volksbewußtsein. Er setzte seine Hoffnungen auf Germanus, den Gemahl der Matasuinth, dem ja auch von seinen Landsleuten so viele sich zuwandten, und nach dessen frühem Tode auf den letzten Sprossen der Amaler, auf das Kind Germanus: der sollte sein Volk wieder sammeln und beherrschen, im engsten Anschluss an das Römerreich, so wie einst Theoderich. An drei Stellen gedenkt er dieses Kindes, und an der letzten spricht er ausdrücklich die Hoffnungen aus, welche er an diesen Erben der vereinigten Anicier und Amaler knüpft.

Denn das ist eben, wie Sybel nachgewiesen, und Stahlberg weiter ausgeführt hat, der leitende Gedanke des Jordanis, daß er, was ja auch richtig war, nur in der friedlichen Einfügung des Gothenvolkes in das römische Reich die Möglichkeit und Hoffnung einer gedeihlichen Zukunft für dasselbe erkennt. Ihm konnte es nur als ein hoffnungsloses und frevelhaftes Unternehmen erscheinen, wenn die letzten Gothenfürsten, die dem Stamm der Amaler fremd waren, sich dem letzten Weltreich gegenüber feindlich behaupten wollten, um so mehr, da er katholisch war, und dadurch im Gegensatze zu seinen arianischen Volksgenossen mit der Einheit der Kirche auch die Einheit des weltlichen Reiches erstreben mußte. Daher legt er überall besonderes Gewicht auf die friedlichen Beziehungen der Gothen zum Ostreiche, und seine Theilnahme und Hoffnung konnten sich nur dem Germanus zuwenden. Dieser Auffassung konnte sich damals niemand entziehen, der in den Bildungskreis der römischen Kirche eingetreten war, und sie blieb herrschend, bis die Franken stark genug waren, um sich selbst als die wahren Träger des erneuten römischen Reiches betrachten zu können. Vollkommen zutreffend bezeichnet daher L. v. Ranke[12] sein Werk als eine „zwar auf historische Vorstudien basierte, aber zugleich auf den Moment angelegte politisch-historische Arbeit über die Geschichte der Gothen“. Auch ist es richtig, daß er ganz im Sinne Cassiodors geschrieben hat, aber wenn dann die Vermuthung hinzugefügt wird, dass Cassiodor selbst als der intellectuelle Urheber des Werkes zu betrachten sei, so läßt sich das weder mit den Verhältnissen vereinigen, noch ist zu erklären, weshalb Jordanis das so sorgfältig hätte verbergen sollen.

Von großer Wichtigkeit aber ist es, festzustellen, wo und unter welchen Verhältnissen Jordanis sein Werk geschrieben hat. Da finden wir nun bei Mommsen die Behauptung, dass er als Mönch in einem mösischen oder thracischen Kloster gelebt und geschrieben habe. Er beruft sich auf seine besonders genaue Kenntniß des unteren Donaulaufes und der benachbarten Gegenden, und daß er bei dem Auszug aus Cassiodor gerade, was sich auf Mösien und Thracien bezog, bevorzugt habe, was sich indessen durch die Angaben über seine Herkunft leicht erklären läßt. Weit wichtiger ist die Frage, ob aus den Worten „ante conversionem meam“ mit Nothwendigkeit zu schließen ist, daß er Mönch geworden sei. Das wird behauptet, aber ich finde keinen Beweis dafür, daß nicht auch der Eintritt in den geistlichen Stand so bezeichnet werden könne. Wir haben ja aus späterer Zeit Mönche genug, welche geschichtliche Werke geschrieben haben, aber aus diesen Jahrhunderten ist mir keiner bekannt. Ihre Stellung zur Welt hat sich im Laufe der Zeit und vorzüglich durch die eigenthümliche Entwickelung der Kirche im Abendland völlig verändert. Wer damals in ein Kloster eintrat, zog sich in vollem Ernst aus der Welt zurück und erfuhr, wie noch jetzt orientalische Mönche, sehr wenig von ihr. Cassiodor zuerst scheint seine Mönche überhaupt auf litterarische Beschäftigung hingewiesen zu haben. Ich halte es für vollkommen undenkbar, daß ein Mönch in einem Kloster in Mösien ein solches Werk hätte zu Stande bringen, daß er das neueste Annalenwerk hätte erhalten und über die politischen Angelegenheiten der Gegenwart hätte schreiben können.

Deshalb halte ich fest an der Entdeckung Jakob Grimms, der in dem Vigilius, welchem Jordanis sein zweites Werk gewidmet hat, den damaligen römischen Pabst erkannt und mit überzeugenden Gründen nachgewiesen hat[13]. Schon früher hatte Cassel auf einen Jordanis, Bischof von Kroton, aufmerksam gemacht, welcher in einem Schreiben des Pabstes Vigilius erwähnt wird; seine Vermuthung, daß er mit unserm Autor identisch sei, fand Zustimmung. Es erklärt sich nun dadurch leicht, daß er von dem Verwalter der unfern gelegenen Güter Cassiodors dessen Werk auf kurze Zeit erhielt, auch daß er sich nicht selbst im Gothenreiche befand, als er schrieb. Schirren freilich hat einen anderen Jordanis vorgezogen, den Pabst Pelagius in einem Schreiben vom Jahre 556 als Defensor der römischen Kirche erwähnt; allein mit Recht hat Bessell hervorgehoben, daß doch nur ein Bischof den römischen Pabst frater anreden könne, und daß auch der ganze Inhalt des Trostschreibens nur für einen Amtsbruder angemessen sei. Auch bezeichnen ihn als solchen nicht geringe Handschriften[14]. Noch erheblicher aber ist der Umstand, daß nach jenem Schreiben des Vigilius Jordanis von Kroton sich im Jahre 551 mit ihm in Constantinopel befand, daß er also zu denjenigen gehörte, welche ihn in seinem Exil (547 bis 554) begleiteten. Dasselbe nimmt auch Schirren von dem Defensor Jordanis an, und hat deshalb die Vermuthung, welche auch Stahlberg wahrscheinlich fand, ausführlich begründet, daß nämlich Jordanis seine Gothengeschichte 551 in Constantinopel verfaßt habe[15]; darin stimmen Bessell und Gutschmid mit ihm überein, und in der That ist die Wahrscheinlichkeit dafür so groß, daß sie fast zur Gewißheit wird. Nun erklärt es sich sehr einfach, weshalb Jordanis sich Cassiodors Buch nicht wieder verschaffen konnte, während Marcellins Annalen ihm zugänglich waren; man begreift, daß Vigilius und seine Anhänger eines Buches bedurften, welches ihnen die gothische Geschichte kurz und übersichtlich vorführte, die ältere vorzüglich, weil die Ereignisse der letzten Jahrzehnte noch in frischem Gedächtniß waren. Die Worte Jordanis, in welchen er seinen Freund Castalius als Nachbar der Gothen (vicinus genti) im Gegensatz zu seiner eigenen Lage bezeichnet, sind nun nicht mehr auffallend, und der politische Standpunkt, die ängstliche Behutsamkeit des Verfassers, seine geringe Kenntniß der Kämpfe in Italien, der Mangel an Theilnahme für die neue Erhebung unter Totila, die lebhafte Hoffnung, welche er an den Sprößling der Anicier und Amaler knüpft, so wie die Vertrautheit mit den in Byzanz getroffenen Maßregeln und erst begonnenen Unternehmungen, alles das tritt in ein helleres Licht, so daß an der Richtigkeit dieser Annahme kaum zu zweifeln ist.

Bald nach der Vollendung der Gothengeschichte konnte Jordanis auch dem Vigilius seine Chronik überreichen, die, wie er selbst sagt, im 24. Jahre Justinians (welches am 1. April 551 begann)[16], beendigt war. Die erneuten Kämpfe der Gothen sind hier mit sichtlicher Abneigung gegen Totila berührt, die letzte Katastrophe aber war noch nicht zur Kenntnis des Verfassers gekommen. Uebrigens ist dieses Werk, welches gewöhnlich De regnorum successione genannt wird, richtiger (nach Mommsen) De summa temporum vel origine actibusque gentis Romanorum betitelt wird, eine unbedeutende und ungeschickte Compilation; es ist großentheils aus Florus entlehnt, so wörtlich, daß die neuesten Herausgeber desselben, Jahn und Halm, aus Jordanis den Text des Florus bedeutend berichtigen konnten; später benutzt er den Eutrop, Orosius und andere, welche in der Ausgabe von Mommsen nachgewiesen sind. Wichtig ist diese Schrift fast nur als höchst charakteristisch für den Standpunkt des Verfassers, denn die Weltgeschichte ist ihm eben nur die römische, angeknüpft an die aus der Chronik des Hieronymus entlehnten Generationen des alten Testaments und die Regentenreihen der früheren Weltreiche; er beruft sich ausdrücklich auf die Prophezeiung des Daniel, daß diesem Reich die Herrschaft bis ans Ende der Welt beschieden sei.

§ 6. Die Westgothen. Isidor. [←]

Aschbach, Geschichte der Westgothen, Frankf. 1827. Lembke, Geschichte von Spanien, Hamb. 1831. F. Dahn, die Könige der Germanen, Abth. V. 1870. Teuffel § 487.

Spanien gehörte, wie Gallien, in den letzten Zeiten des römischen Reiches zu den blühendsten Provinzen und war von der römischen Bildung der damaligen Zeit vollkommen durchdrungen. Unendlich viel ging hier zu Grunde in den verheerenden Kriegen des fünften Jahrhunderts, wo Spanien unausgesetzt der Kampfplatz verschiedener deutscher Völkerschaften war; die Westgothen aber, welche allmählich ihr Reich dort befestigten, zeigten sich der römischen Bildung ebenso wenig abgeneigt wie die Ostgothen, und während sie die unterworfenen Romanen mit großer Milde behandelten, erhielt sich auch unter ihnen noch ein Nachklang des wissenschaftlichen Lebens der besseren Zeit; sie selbst jedoch haben nicht in namhafter Weise an dieser Thätigkeit Theil genommen.

Den Anfang der barbarischen Heimsuchung Spaniens erlebte noch Orosius, der Augustins Geschichte des Reiches Gottes auf dessen Wunsch die Schilderung des Elendes dieser Welt zur Seite stellte. Er wollte darin nachweisen, daß nicht das Christenthum, wie die Heiden behaupteten, das Elend über die Welt gebracht habe, sondern daß es zu allen Zeiten viel Trübsal und Leiden gegeben: eine Auffassung, welche in den Zeiten des Unglücks und der Verwirrung überall Anklang fand und großen Einfluß auf die Ansichten der mittelalterlichen Geschichtschreiber geübt hat, ganz besonders auf Otto von Freising, dessen Chronik sich unmittelbar an Augustin und Orosius anschließt. Für uns mindert die unhistorische Auffassung des Orosius, die dadurch bedingte einseitige Benutzung und Entstellung seiner Quellen, und sein ziemlich leichtfertiges Verfahren, den Werth, welchen sein Werk sonst durch die Benutzung jetzt verlorener Schriften, namentlich des Livius, haben würde. Im Anfang legt auch er den Eusebius in der Bearbeitung des Hieronymus und des Rufin zu Grunde, schreibt dann vorzüglich den Justin aus und geht endlich zu einer ganz überwiegenden Darstellung der römischen Geschichte über. Das römische Reich ist ihm nach der erst kurz zuvor, wenn auch nicht zuerst, von Hieronymus aufgestellten Deutung die vierte Weltmonarchie; als die vorhergehenden aber sieht er, abweichend von den späteren Chronisten, das babylonische, macedonische und karthagische Reich an. Am Schlusse seines Werkes giebt Orosius die Geschichte seiner Zeit bis 417, in welchem Jahre er seine Geschichte schrieb, und dieser Abschnitt hat, obschon dürftig und ganz erfüllt von dem engherzigen Geiste der pfäffischen Hofpartei, welcher so eben der Sturz des großen Stilico gelungen war, doch selbständigen Werth, und enthält namentlich gute Nachrichten über Spanien und die Geschichte der Westgothen[1].

Unter der westgothischen Herrschaft entstanden ferner mehrere jener wortkargen annalistischen Aufzeichnungen, welche sich an die Chronik des Hieronymus anschlossen, und in den späteren Weltchroniken regelmäßig den Uebergang vom Hieronymus zum Beda bilden, weshalb eine Zeit lang westgothische, später angelsächsische Namen vorherrschen. Die wichtigste dieser Chroniken, für viele Begebenheiten unsere einzige Quelle, ist das Werk des Aquitaniers Tiro Prosper, wie er an einigen Stellen genannt wird, oder kurzweg Prosper, wie er gewöhnlich heißt[2]. Um 400 geboren, hat Prosper sich eine für jene Zeit hervorragende Bildung erworben, und zwar haben ihn, obgleich er Laie war und blieb[3], ganz vorzüglich theologische Studien beschäftigt. Als eifriger Verehrer und Bewunderer Augustins kämpfte er wacker gegen Pelagianer und andere Ketzer, und erwarb sich als Schriftsteller einen angesehenen Namen. Im Jahre 440 scheint er den Pabst Leo nach Rom begleitet zu haben; er wird als Verfasser von Briefen genannt, welche Leo's Namen tragen, und blieb fortan, vermuthlich als Notar, am römischen Hofe, wo er die Angst vor Attila und den Schrecken der vandalischen Eroberung erlebte. Hier, wie es scheint, hat er sein Chronicon geschrieben, oder doch vollendet, welches in erster Redaction bis 445 reicht[4], in zweiter bis 455 fortgeführt ist[5]. Er beginnt mit der Erschaffung der Welt, beschränkt sich aber im ersten Theile ganz auf einen grundschlechten Auszug aus Hieronymus, welcher dessen eigenthümlichen Vorzug, die chronologische Bestimmtheit und Uebersichtlichkeit, ganz zerstört. Von Christi Tod an beginnt bei ihm das Verzeichniß der Consuln, welches er einem Exemplare der Ravennatischen Fasten entlehnte. Auch finden sich Zusätze, welche sich vorzüglich auf die verschiedenen Ketzereien beziehen und aus Augustins Schriften entlehnt sind. Weiterhin sind auch andere Quellen benutzt, darunter die Geschichte des ihm geistesverwandten Orosius. Spätestens von 425 an berichtet er als Zeitgenosse, und zwar über einen Zeitraum, aus welchem andere Quellen fast ganz mangeln. Flüchtig und nachlässig, in dürftiger Kürze berichtet er auch hier, aber werthvoll ist in hohem Grade, was er mittheilt. Dem Interesse des römischen Stuhles zeigt er sich überall eifrig ergeben, und verändert sogar Nachrichten des Hieronymus in solcher Tendenz.

Verständiger Weise hat man schon früh den ersten Theil bis 378 als werthlos fortgelassen, und nur den zweiten als Fortsetzung mit der Chronik des Hieronymus verbunden. In dieser Gestalt wurde die Chronik als bequemstes Handbuch der Weltgeschichte schon sehr früh allgemein benutzt, und noch im 16. Jahrhundert häufig gedruckt, jedoch mit Zusätzen, welche den ursprünglichen Text verdunkeln. Man verband damit die Fortsetzung des Matthaeus Palmerius bis 1449, die weitere des Matthias Palmerius bis 1482, und fügte noch eine Fortführung bis zum Druckjahre hinzu, weil man den praktischen Gebrauch im Auge hatte.

Eine Ueberarbeitung der Chronik des Prosper bis 445, mit einer römischen Fortsetzung bis 451, die noch Verwandtschaft mit dem Text des Prosper zeigt, ist in Afrika, wahrscheinlich in Karthago, verfaßt und bis 457 fortgeführt, mit Benutzung der Consularfasten. Hinzugefügt ist eine Uebersicht der Geschichte des vandalischen Reiches von der Einnahme von Karthago bis zum Untergang des Reichs 533[6].

Irrthümlich Prosper zugeschrieben ist das Chronicon imperiale oder Pithoeanum (379-455), welches am Anfang und am Ende mit Prosper übereinstimmt, übrigens aber in Form und Inhalt ganz verschieden ist. Als Zeitrechnung dienen hier die Regierungsjahre der Kaiser. Verfaßt ist es, wahrscheinlich vom Autor selbst, als Fortsetzung des Hieronymus; wenigstens findet es sich nur mit diesem verbunden. Geschrieben ist es auf Grundlage der Consularfasten mit Benutzung des Rufinus und anderer unbekannter Quellen im südlichen Gallien, vielleicht in Marseille, mit besonderer Verehrung des Klosters Lerins. In scharfem Gegensatz zu Prosper erscheint der Verfasser zwar auch von lebhaftem kirchlichen Interesse erfüllt, aber Augustin abgeneigt und semipelagianistisch gesinnt. Holder-Egger vermuthet, daß die Chronik vielleicht unvollendet blieb und von anderer Hand aus Prosper ergänzt wurde, um den Uebergang zum Marius zu bilden. Benutzt ist es nur von dem sog. Severus Sulpicius und später von Sigebert, durch den es allgemein bekannt und verbreitet wurde. Es ist voll von chronologischen Irrthümern, aber enthält wichtige Nachrichten über die Geschicke der germanischen Völker in Gallien[7].

Von erheblichem Werthe und namentlich durch gute Nachrichten über die Sueven und Westgothen sehr schätzbar ist die Chronik des galizischen Bischofs Idatius oder Hydatius (gebürtig aus Lamego, daher Lemicensis), welcher den Hieronymus fortsetzte, und nach seiner eigenen Angabe bis 427, in welchem Jahre er Bischof wurde, aus Büchern und den Berichten der Zeitgenossen schöpfte, von da an bis 467 aus eigener Erfahrung von den Begebenheiten berichtete, in welchen er als angesehener Bischof eine nicht unbedeutende Rolle spielte[8].

Eine grundschlechte, doch durch ihren Inhalt wichtige Chronik schrieb Victor, Bischof der unbekannten Stadt Tunnuna in der afrikanischen Proconsularprovinz. Er scheint von der Schöpfung begonnen zu haben, aber erhalten ist sein Werk nur als Fortsetzung des Prosper (444-566)[9]. An dasselbe schließt sich die Fortsetzung eines Gothen, Johannes von Biclaro, der aber in Constantinopel seine Bildung erhalten hatte, bis zum Jahre 590. Er stiftete 586 das Kloster Biclaro am Fuße der Pyrenäen, wo er auch seine Chronik geschrieben hat; 591 ist er Bischof von Gerona geworden[10].

Eine Fortsetzung des Prosper bis 581 schrieb in Burgund der Bischof Marius von Avenches, auf welchen wir noch zurückkommen. Eine eigenthümliche Umgestaltung des Textes mit werthvollen Zusätzen und Fortsetzung bis 641 bietet uns der Continuator Prosperi Havniensis, so genannt, weil die Handschrift 1836 von G. Waitz in Kopenhagen entdeckt wurde. Lange nur durch spärliche Mittheilungen bekannt, wurde sie endlich von G. Hille abgeschrieben und 1866 in einer Berliner Dissertation herausgegeben. Der Verfasser schrieb im Langobardenreich, vielleicht in Mailand, gehörte aber der romanischen Bevölkerung an. Er versah schon Hieronymus und Prosper mit Zusätzen aus Isidor, einem Pabstkatalog und den Consularfasten; auch hat er gallische Annalen benutzt. Der Fortsetzung fehlen die Jahre 458-474. Beim Jahre 523 hört die Rechnung nach Consuln auf, und die Regierungen der Kaiser treten an die Stelle, wie bei Isidor, welcher von nun an dem Verfasser als Leitfaden dient[11].

Näher auf diese Werke einzugehen, deren Werth nur in ihrem materiellen Inhalt besteht, würde hier nicht am Orte sein; sie durften nicht ganz übergangen werden, weil sie den Uebergang zu den späteren Chronisten bildeten, denen vorzüglich Prosper und Idatius ganz allgemein als Grundlage für diese Zeiten dienten: die weiteren Quellen der westgothischen Geschichte aber dürfen wir hier wohl unbedenklich bei Seite lassen[12]. Dagegen haben wir noch eines Mannes zu gedenken, der, wie jene Vertreter der alten grammatischen Bildung am Hofe von Ravenna, alles was von der überlieferten Schulbildung noch übrig war, in sich aufgenommen hatte, und durch seine Schriften einer der einflußreichsten Lehrer des Mittelalters geworden ist, nämlich Isidor von Sevilla[13].

Isidor war der Sohn des Severian, eines Provinzialen aus dem District von Karthagena. Er folgte seinem Bruder Leander auf dem bischöflichen Stuhle von Sevilla, und starb 636. Außer vielen anderen Werken, brachte er die Summe aller Kenntnisse, welche er sich vermittelst der damals noch vorhandenen Hülfsmittel erworben hatte, in ein Compendium, die 20 Bücher Originum sive Etymologiarum, welche eine außerordentliche Verbreitung erlangten und allgemein gelesen und benutzt wurden[14]. Heut zu Tage ist man geneigt diese Bestrebungen gering zu schätzen, ja ihnen zu zürnen, weil dadurch die älteren und besseren Werke verdrängt wurden. Allein es war damals schwer sich eine Bibliothek zu sammeln; nur wenige von denen, welche sich mit Wissenschaften überhaupt beschäftigten, konnten sich die umfangreichen Handschriften der alten Classiker verschaffen, und deshalb gewannen die leicht zugänglichen Auszüge eine so rasche Verbreitung. Es ist sehr fraglich, ob sich die reineren Quellen besser erhalten haben würden, wenn auch niemand Auszüge daraus verfaßt hätte; diese dagegen setzten auch unbemittelte Schüler in den Stand, wenigstens etwas zu lernen.

In jenem umfassenden Werke, welches freilich auch die mäßigsten Ansprüche unbefriedigt läßt, ist nun auch eine kurze Chronik oder chronologische Uebersicht, liber de discretione temporum, enthalten, ein Auszug aus der zwölf Jahre früher verfaßten Chronik, welche in gedrängtester Kürze eine Uebersicht der Begebenheiten von der Erschaffung der Welt bis zum fünften Jahre des Heraklius, dem vierten des Sisebut (615) giebt[15]. Eigenthümlich ist Isidor die Eintheilung nach den sechs Weltaltern, entsprechend den sechs Schöpfungstagen; das letzte beginnt mit Christi Geburt und Augusti Kaiserthum. Es ist das ein bei Augustin wiederholt vorkommender Gedanke[16], welcher hier zuerst chronistisch verwerthet wurde und später durch Beda allgemeine Verbreitung fand.

So sehr nun auch Isidor von der kirchlichen Auffassung der Geschichte erfüllt war, so hatte er doch auch ein lebhaftes Gefühl für sein Land und für das Volk der Westgothen, von deren Milde und Menschenfreundlichkeit er ein schönes Zeugniß ablegt. Denn nachdem er die Einnahme Roms durch Alarich und die dabei geübte Schonung beschrieben hat, fügt er hinzu: „Deshalb lieben auch bis auf den heutigen Tag die Römer, welche im Reiche der Gothen leben, die Herrschaft derselben so sehr, daß sie es für besser halten, mit den Gothen in Armuth zu leben, als unter den Römern mächtig zu sein und die schwere Last der Abgaben zu tragen.“ Das steht in der Volksgeschichte der Westgothen, welche er verfaßt hat, kurz zwar und dürftig für uns, die wir nach eingehenderer Darstellung verlangen, aber doch nicht ohne Geschick zusammengefaßt und mit Wärme erzählt. Kurze Geschichten der Vandalen und der Sueven schließen sich daran. Vorangeschickt aber ist ein überschwengliches Lob Spaniens, das jetzt von dem blühenden Volke der Gothen in Reichthum und glücklicher Sicherheit beherrscht werde. Dieses Stück fehlt jedoch in den meisten Handschriften und ist nicht von Isidor[17].

Außerdem aber haben wir endlich noch ein Werk des Isidor zu erwähnen, welches ebenfalls große Verbreitung gefunden und manchen zur Nachahmung gereizt hat. Das ist sein litterarhistorisches Buch De scriptoribus ecclesiasticis. Er selbst folgte darin dem Vorgange des Hieronymus und des Gennadius, eines Marseiller Priesters im fünften Jahrhundert. Ihm schloß sich dann zunächst Ildefons von Toledo an und darauf nach langem Zwischenraume im zwölften Jahrhundert Sigebert, Honorius, Petrus Diaconus und der ungenannte Mönch, welcher nach dem Fundort der Handschrift von Melk (Anonymus Mellicensis) genannt wird[18], aber dem Inhalt nach vielmehr nach Regensburg gehört, alle dürftig und mager, aber schätzbar durch einige nur von ihnen aufbewahrte Nachrichten. Im dreizehnten Jahrhundert folgte ihnen Heinrich von Gent[19] und endlich am Schlusse des Mittelalters der vielbelesene, aber unzuverlässige Johann von Trittenheim[20]. Denselben Gegenstand behandelte im 12. Jahrhundert Conrad von Hirschau in seinem Dialogus super auctores[21], und im Jahre 1380 Hugo von Trimberg, Lehrer zu St. Gangolf in Bamberg, in Versen, in seinem Registrum multorum auctorum, dessen nicht eben reicher Ertrag von M. Haupt geprüft ist, in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 1854, S. 142 ff.; vollständig herausgegeben von Joh. Huemer[22].

§ 7. Die Franken. [←]

Histoire Littéraire de la France, 1733 ff. Guizot, Histoire de la Civilisation en France depuis la chute de l'Empire Romain, zuerst 1830 erschienen. Ampère, Histoire Littéraire de la France avant le douzième siècle. 3 Vol. 1839, 1840. Aug. Thierry, Récits des temps Mérovingiens, 1840. Löbell, Gregor von Tours und seine Zeit, 1839. Zweite Ausg. 1869. Ozanam, Études Germaniques, 1845-1849; 3. Ausg. 1861. Junghans, Die Gesch. d. Fränk. Könige Childerich u. Chlodevech, 1857. Diss. traduite par M. Gabriel Monod, augmentée d'une introduction et de notes nouvelles, 1879. G. Monod, Bibliographie de l'histoire de France, 1888.

Die Gothen waren ohne Zweifel ein wohlbegabter, bildungsfähiger Stamm und ihre Anfänge vielversprechend; aber die Westgothen zeigen nach Isidor keine fortschreitende Entwickelung in der Litteratur, und der Ostgothen Reich war in vollster Auflösung begriffen, als es den Feldherren Justinians erlag. Keines der deutschen Reiche, welche auf römischem Boden errichtet wurden, vermochte die innere Festigkeit und Ordnung zu gewinnen, welche allein die Grundlage einer dauernden und fortschreitenden Geistesbildung und litterarischen Entwickelung darbieten kann. Einen ganz ähnlichen Verlauf der Dinge sehen wir auch bei den Franken: auch sie finden einige Reste der alten Bildung vor, welche sich eine Zeit lang kümmerlich erhalten; in der Kirche regt sich dann einige litterarische Thätigkeit, aber zuletzt droht doch alles in der allgemeinen Auflösung und Verwirrung rettungslos unterzugehen, und es bedarf einer Neubelebung der fast ganz erstorbenen Keime, um ein besseres Zeitalter herbeizuführen auf der Grundlage festerer staatlicher Bildungen.

Hochberühmt waren in den letzten Jahrhunderten der Kaiserherrschaft die Schulen der Grammatiker und Rhetoren in Gallien, die französischen Schriftsteller gefallen sich darin, das Bild dieser Zeiten auszumalen, und es tritt uns in den Werken von Guizot und Ampère lebendig entgegen. Diese Studien, welche noch in den letzten Jahrzehnten des Reiches so eifrig betrieben wurden, waren aber, wie sich das bei dem Charakter dieser Zeiten nicht anders erwarten läßt, dem wirklichen Leben gänzlich entfremdet, und bewegten sich nur auf dem Boden der Schule. Die Prosa war bis auf einen unerträglichen Grad verkünstelt; die gesuchte, kaum verständliche Schreibart, deren wir schon bei Ennodius und Cassiodor gedachten, ist hier auf die Spitze getrieben. Die Poesie war vorherrschend epigrammatisch und diente fast nur dem Zeitvertreib der vornehmen Welt; durch Gelegenheitsgedichte suchten die Poeten die Gunst hoher Gönner, oder diese griffen auch selbst zur Feder, und bewiesen ihre feine Bildung durch allerhand poetisches Spielwerk, wie Ausonius aus Bordeaux, der nach der Verwaltung bedeutender Staatsämter in Muße der Litteratur lebte und bald nach 392 gestorben ist[1]. Weniger glücklich als dieser, sah sich Apollinaris Sidonius schon verdammt, unter den Barbaren zu leben, und deshalb sind seine Gedichte und Briefe von um so größerem Werthe für uns: sie zeigen uns nicht nur den damaligen Zustand der Schulen und des Lebens in Gallien, sondern gewähren auch manche Kunde von den Burgunden und Westgothen, denen er mit seiner Kunst dienen mußte. Innigst verabscheut er diese Barbaren, und bei mancher Gelegenheit spricht er das unverhohlen aus, aber bewundern und feiern ließ er sich doch recht gerne von ihnen. Auch das große Hochzeitsfest der Franken, bei welchem diese von Aëtius überfallen wurden, hat Sidonius zum Preise des Siegers geschildert. Zuletzt wandte er sich der Kirche zu, welche allein noch einen sicheren Hafen darbot, wurde 471 Bischof von Clermont in der Auvergne und starb bald nach 484[2].

Einst hatte Constantin die fränkischen Gefangenen den wilden Thieren vorwerfen lassen, weil sie ihm zu wild und treulos erschienen, um sich wie andere Barbaren zum Anbau des Landes, zum Kriegsdienst oder als Sclaven verwenden zu lassen: nur der Schrecken, meinte er, vermöge sie zu bändigen. Aber die vielfache, wenn auch feindliche Berührung mit den Römern milderte allmählich ihre Wildheit; bald finden wir Franken in ansehnlichen Aemtern bei den Römern, und schon am Ende des vierten Jahrhunderts war der Franke Arbogast Befehlshaber der Heeresmacht im westlichen Reiche. In der Mitte des fünften Jahrhunderts sind die salischen Franken von den Römern abhängig, sie führen ihre Kriege und schlagen ihre Schlachten. Mit den Römern verbündet, durchzieht der König Childerich ganz Gallien nach allen Seiten; er besiegt mit ihnen die ketzerischen Westgothen, die britischen und sächsischen Seeräuber, die plündernden Alamannen. Obgleich noch Heide, ist Childerich mit seinen Franken doch bereits dem ganzen Lande wohlbekannt, aber nicht mehr als der wildeste aller Feinde, sondern als Retter und Beschützer. Man freute sich des alten Hünen, wo man ihn sah, hoch zu Roß, in reicher und prächtiger Rüstung: der Königsmantel, in welchem seine Getreuen ihn zu Tournay bestattet haben, bestand aus purpurner golddurchwirkter Seide, wahrscheinlich besetzt mit den goldenen Bienen, die man in so großer Zahl in seinem Grabe fand und die Napoleon von ihm entlehnt hat. Natürlich war das alles von römischer Arbeit, auch sein Siegelring führte die lateinische Inschrift: CHILDIRICI REGIS[3].

Da ist es denn nicht zu verwundern, daß auch daheim im Salierlande schon Römer wohnen konnten, als Gäste und Hausgenossen des Königs, ja daß auch die Salier selbst ihr eigenes Volksrecht in lateinischer Sprache aufzeichneten — denn noch wagte oder verstand man es nicht, die fränkische zur Schriftsprache zu machen, und erst an eben dieses Rechtsbuch lehnten die ersten noch unbeholfenen Versuche sich an[4] — und andererseits erklärt es sich auch, wie bald darauf die Vermischung der Franken mit den schon halb barbarisch gewordenen Provinzialen so leicht und rasch von Statten gehen konnte; war man doch beiderseitig schon längst daran gewöhnt, mit einander zu leben und zu verkehren.

In lateinischer Sprache ist auch das älteste uns erhaltene Denkmal einheimischer Poesie der Franken verfaßt, der Prolog zum Volksrecht der Salier, wo das Volk der Franken hoch gepriesen wird, das schöne, kluge, tapfere und treue, das jetzt auch den katholischen Glauben empfangen habe und von jeder Ketzerei rein sei. Die frühere Abhängigkeit von den Römern erschien ihnen in der Erinnerung als die härteste Knechtschaft, deren Joch sie mit ihrer gewaltigen Kraft abgeworfen hätten, und voll Stolzes rühmen sie sich der reichen Gaben an die Kirchen der heiligen Märtyrer, gegen welche die Römer einst mit Feuer und Schwert gewüthet hätten.

Dieser letzte Satz, welcher erst lange nach der Bekehrung geschrieben sein kann, hat aber nicht mehr die rhythmische Form, welche für den Anfang dieses Prologs zuerst von Bethmann-Hollweg nachgewiesen hat[5], und dieser erste Theil, in welchem die neulich geschehene Bekehrung des Volkes erwähnt wird, scheint älterer Zeit anzugehören. Doch ist das sehr unsicher und die genauere Zeitbestimmung des Prologs viel umstritten.

So wie die Franken das Christenthum sogleich mit dem orthodoxen Eifer ergriffen, welcher sich in jenen Worten ausspricht, so waren sie auch der übrigen römischen Bildung durchaus nicht feind; ja Chlodovechs Enkel Chilperich, der auch für byzantinischen Hofstaat und römische Staatseinrichtung große Vorliebe zeigte, versuchte sogar das lateinische Alphabet durch Erfindung neuer Buchstaben zu verbessern, und machte selbst lateinische Verse nach dem Vorbilde des Sedulius, aber wie Gregor von Tours berichtet, wollte es ihm mit der Metrik nicht recht gelingen[6].

Notes in this chapter

Note 1 · [4] Chronicon vulgatum genannt, weil es zuerst, als Fortsetzung des Hieronymus, bekannt wurde, in allen Drucken mit Interpolationen. Ueber dNote 2 · Ann. II, 88. Vgl. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur, S. 8 ff.Note 3 · Einh. V. Karoli c. 29.Note 4 · Thegani V. Lud. c. 19.Note 5 · Auch in der Ortenau, s. Aloys Schulte, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. IV, 300-314.Note 6 · Vgl. Julius Jung, Römer und Romanen in den Donauländern, Innsbr. 1877, und die Ergebnisse der durch Virchow veranlaßten Ermittelungen über FNote 7 · Die Kritik der gleichen Nachrichten in Frankreich und Nachweis des allmählichen Auswachsens der Legenden, in: Origines de l'Église de Tours,Note 8 · Kirchengeschichte Deutschlands, 2 Bde. 8. 1848, bis zum Tode Karls des Großen. Vgl. jetzt auch Hauck, Kirchengesch. Deutschlands bis BonifazNote 9 · Vgl. die Worte von Waitz in den Gött. G. A. 1855, S. 274: Es ist hier geschehen, was manchmal geschieht und die Leute beruhigt: man hat zeitNote 10 · S. über diese § 3.Note 11 · S. darüber Franz Stolle, Das Martyrium der thebaischen Legion, Breslau 1891; vgl. NA. XVII, 223. ←Note 12 · Ist der Einfall O. Schade's (Die Sage von der heiligen Ursula, 1854), für die Ursulalegende eine mythologische Begründung nachzuweisen, ohneNote 13 · Passio S. Afrae, wieder abgedruckt von Friedrich I, 427-430.Note 14 · I, 157. Passio S. Floriani, aus einer St. Emmerammer Handschrift saec. X, bei Pez SS. I, 36. Vgl. dazu Glück, die Bisthümer Noricums, besondNote 15 · Eine Handschrift in Lambach (nicht Linz) wird ins 9. Jahrh. gesetzt, aber der Wiener Cod. 650, in welchem sich die zweite Bearbeitung findetNote 16 · Passio Sanctorum Quatuor Coronatorum, herausgegeben von Wattenbach, mit einem Nachwort von Karajan, in den Wiener SB. X, 115-137. Sie findetNote 17 · Vgl. die Verschleppung des Dolichenoscult durch römische Soldaten; G. Seidl in den Wiener Sitzungsberichten XII, 4-90. XIII, 233-260.Note 18 · O. Hirschfeld (Archäolog. u. epigr. Mitth. aus Oesterr. IX, 21) erinnert anläßlich einer Inschrift, worin von capitella columnarum die Rede Note 19 · Censualis a gleba actuarius nomine Porfyreus hanc gestam scripsit.Note 20 · [23] Ausführlicheres darüber mit dem Nachweis der Ausgaben bei Rettberg I, 76. Vgl. Potthast S. 436. Das Hauptwerk ist die Abhandlung von J.Note 21 · [1] Rettberg I, 25. Vgl. W. Zschimmer, Salvian und seine Schriften, Halle 1875. Ebert I, 452-454. Opera ed. C. Halm, MG. Auctt. antt. I, 1. Note 22 · [2] Vita S. Antonii Lirinensis, in den verschiedenen Ausgaben der Werke des Ennodius, v. Fr. Vogel Auctt. ant. VII, 185-190.Note 23 · Nach Caravita, I codici e le arti a Monte Cassino I, 14 auf dem Pizzofalcone bei, jetzt in Neapel.Note 24 · Andere Formen, mit guter handschriftl. Beglaubigung sind Eugipius und Eugepius.Note 25 · Divin. Lectionum c. 23: quem nos quoque vidimus, virum quidem non usque adeo saecularibus literis eruditum, sed scripturarum divinarum lectiNote 26 · Sehr gerühmt von Notker, bei Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 65. Ausg. v. Knöll im Wiener Corpus VIII, 1.Note 27 · Nachgewiesen von Glück, Die Bisthümer Noricums, Wiener SB. XVII, 77.Note 28 · Neapolis gaude redimita festis, Plaude caelestem retinens patronum etc. Ozanam, Documents inédits, p. 241.Note 29 · Mon. Boica XXVIII, 2, 201.Note 30 · Archiv der W. A. III, 355 (1849, vor der Ausgabe von Böckings Commentar). Vgl. Böcking, Notitia Dign. Occ. p. 747-750. Glück, die Bisthümer Note 31 · Leipzig 1854. Ueber die weitere Litteratur K. Uhlirz: Die Urkundenfälschung zu Passau im 10. Jahrh. Mitth. d. Wiener Inst. III, 177-228.Note 32 · Dr. Conr. Trieber, Die Chronologie des Julius Africanus, 1879; vgl. Gött. Nachr. 1880, Nr. 1. H. Gelzer, S. Jul. Afr. u. die Byzant. ChronolNote 33 · Opera S. Hier. ed. Vallars, Tom. VIII. Baehr S. 189-197. Vgl. Bernays, Scaliger S. 92, 217. Neue kritische Ausgabe von Alfred Schoene in: EuNote 34 · Die neue Ausgabe dieser ältesten Annalisten für die MG. ist jetzt von Th. Mommsen, Auctt. antt. IX. zu erwarten.Note 35 · Dan. c. 2. Vgl. Otto Fris. II, 13. Büdinger in der Hist. Zeitschrift VII, 113.Note 36 · Abhandlungen der Kgl. Sächs. Ges. der Wissenschaften in Leipzig. I. 1850. S. 547-668. Neue Ausg. des Textes Auctt. antt. IX, 13-196. Ein mitNote 37 · Ausg. v. Mommsen, CIL. I, 332-360.Note 38 · Nach De Rossi, La Roma sotterranea I, 116 eigentlich ein Festkalender, feriale, und deshalb nicht vollständig.Note 39 · S. darüber und über die im 12. Jahrh. daraus erwachsenen Mirabilia Romae, H. Jordan, Topographie der Stadt Rom im Alterthum II, 1871. Dess. Note 40 · Früher als Anonymus oder Chronicon Cuspiniani bekannt, zuletzt gedr. bei Mommsen a. a. O. S. 656-668, Auctt. antt. IX, 263 ff. als Fasti VinNote 41 · Die Ravennater Annalen, NA. I, 215-368. Eine Berichtigung von Usener in dem Anecdoton Holderi, 1878. Benutzung bei Beda nach L. Schmidt, NA.Note 42 · Marcellinus Comes, s. über diesen Holder-Egger, NA. II, 49 bis 109. Sein Werk reicht im Anschluß an Hieronymus von 379 bis 518 und ist von iNote 43 · Anonymus Valesianus, zuerst von H. Valois mit Ammianus Marcellinus herausgegebene Hauptquelle für Odovacar und Theodorich. Neue Ausgabe mit Note 44 · Nach Br. Krusch in NA. IX, 103 nur eine Copie des Ostercyclus des Victurius mit einigen hist. Zusätzen; die doppelten Osterdaten hat Holder-Note 45 · Excerptum ex Chronica Horosii, mit gleichzeitiger Notiz über das Erdbeben vom April 849, gedr. e. cod. S. Galli 878 von De Rossi, BullettinoNote 46 · Die Fasten von Constantinopel u. Ravenna, Philologus XLII, 471 bis 510.Note 47 · Mommsen, Praef. Jord. p. XXXIX sagt von den 'Consularia Ravennatia': 'tota imbuta spiritu regni Theodericiani, sive ea publico consilio editNote 48 · Holder-Egger: Ueber die Weltchronik des sog. Severus Sulpitius und südgallische Annalen des 5. Jahrhunderts. Gött. 1875. Neue Ausg. v. MommsNote 49 · MG. Auctt. antt. XIX, 197-247.Note 50 · S. hierüber Bethmann im Archiv X, 387 und über die Ostertafeln S. 279; vgl. V, 102 und Piper, Karls des Großen Kalendarium und Ostertafeln, Note 51 · S. darüber Br. Krusch: Die Einführung des griech. Paschalritus im Abendlande, NA. IX, 169-172, vgl. 658. — Consulliste des Victurius mit ForNote 52 · Es kann ja auch einmal in Italien geschehen sein, vgl. NA. I, 283, aber die hier früher nach Bethmann im Arch. X, 820 angeführte HandschriftNote 53 · S. Pertz im Archiv V, 70-74; De Rossi, La Roma sott. I, 122. Ueber den ältesten Theil des Werkes Janus S. 139 ff. mit Beziehung auf die sorgNote 54 · Mart. Hieron. ed. Fiorentini, Lucae 1668. Als vorzüglichste Handschrift rühmt De Rossi die Berner, Roma sotterranea II. p. XII ss. Nach diesNote 55 · D'Achery Spicil. ed. II. II, 27. Geschrieben ist es um 804. Sickel in d. Wiener SB. XXXVIII, 161 macht auf das noch nicht benutzte MartyroloNote 56 · In den Werken des Beda und Acta SS. Mart. II. Ueber ein ihm zugeschriebenes kurzes Mart. in Hexametern (ed. Giles I, 50-53) vgl. Dümmler, NANote 57 · Röm. Quartalschrift III, 204-251.Note 58 · Erste krit. Ausgabe von Dümmler, Poetae Lat. aevi Carolini II, 569-603.Note 59 · Canis. II, 2, 313. Vgl. E. Dümmler, das Martyrol. Notkers u. seine Verwandten (Forsch. XXV) S. 197-200, mit Ergänzung des Textes.Note 60 · Herausgeg. von Surius im Anhang der Vitae probb. SS., dann von Heribert van Roswey mit dem Martyrologium Romanum. Ueber das vorhergehende, vNote 61 · Ed. Sollerius, Acta SS. Jun. VI und VII. A. Longnon, Notice sur le plus ancien obituaire de l'abbaye de St. Germain-des-Prés (Not. et Doc. pNote 62 · Canis. II, 3, 89. Vgl. Dümmler, St. Gall. Denkmale, S. 252. Scherrer S. 149 über den cod. 454. Dümmler, Forsch. XXV, 202 ff. Es ist unvollstNote 63 · NA. IV, 544. VI, 285. Noch ungedruckt. Die nach der Vorr. zur Bezeichnung seiner Zusätze gesetzten obeli finden sich in der Hs. nicht. — EinNote 64 · Darüber, nebst Zusätzen einer späteren Bearbeitung, Dümmler ib. S. 208-214.Note 65 · Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de Strasbourg, p. 121. Auch in Handschriften des Thomasklosters zu Vorau fand ich die KlagNote 66 · Anon. Haser. MG. SS. VII, 256. Vgl. Archiv V, 565. X, 645.Note 67 · Jacobi a Voragine Legenda aurea, vulgo Historia Lombardica dicta, rec. Th. Grässe. Ed. II. Lips. 1850. 8.Note 68 · Vgl. Reinkens, Martin v. Tours (1866) S. 258-274. Fast unbeachtet dagegen und ohne Nachwirkung blieb desselben Sulpicius Chronik bis 403, weNote 69 · Wie sehr es bis ins 13. Jahrh. als Vorbild diente und ausgenutzt wurde, zeigt Manitius, NA. XIV, 165-170. XV, 194-196.Note 70 · MG. Necrologia Germaniae I. 1888; vgl. NA. VII, 19-41. VIII, 425-447. XIII, 409-429.Note 71 · Vol. II, 1. 1890; vgl. NA. XIII, 269-304.Note 72 · Erste vollständige Ausgabe aus den verschiedenen Hss. von G. Waitz: Annales necrologici Fuldenses, MG. SS. XIII, 161-215.Note 73 · Ann. necrol. Prum. ib. p. 219-223.Note 74 · Necrol. I, 329-333. Die Weltenburger 1045-1109 (MB. XIII, 473-493) werden auch wohl bei den Necrol. gedruckt.Note 75 · Necrol. II, 3-60; vgl. NA. XII, 53-107.Note 76 · MG. Libri Confraternitatum S. Galli, Augiensis, Fabariensis, ed. P. Piper 1884. Das Verbrüderungsbuch von St. Gallen ist, nebst dem Buch derNote 77 · Des monuments paléographiques concernant l'usage de prier pour les morts, Bibl. de l'École des chartes, II, 3, 361-411, und die Ausgabe: RouNote 78 · Genaue Beschreibung der Hs. von Thompson im Catalogue of ancient Latin Mss. p. 81-84.Note 79 · L. Delisle, Bibl. de l'École des ch. 1876, S. 484.Note 80 · NA. II, 112-128.Note 81 · [11] Oder dessen Vorlage, s. oben S. 56, Anm.→2.Note 82 · Papencordt, Geschichte der vandalischen Herrschaft in Afrika, S. 295.Note 83 · So nach der Etymologie, während die handschriftliche Autorität mehr für Boetius spricht.Note 84 · O. Jahn: Ueber die Subscriptionen in den Handschriften römischer Classiker. Berichte über die Verhandlungen der königl. Sächs. Ges. der W. PNote 85 · Th. Mommsen, Ueber die Ravennatische Kosmographie, SB. der k. Sächs. Ges. der W. Phil. hist. Classe, III, 80-117, 1851. Bock, Lettre à Mr. BNote 86 · De orig. Gett. c. 4. 14. 23. Vgl. Sybel, De fontibus Jord. p. 34-37. Schirren S. 36-44. Koepke S. 80. Gutschmid S. 129, 130. Sybel, KönigthuNote 87 · Diese Form wird man nach dem Veroneser Cod. saec. VII. der Complexiones vorziehen müssen, mit Maffei und Reifferscheid, SB. XLIX, 49. Auch MNote 88 · Die Chronik des Cassiodorus Senator vom Jahre 519. Nach den Handschriften herausgegeben von Th. Mommsen. Abhandl. der königl. Sächs. Ges. deNote 89 · Holder-Egger, NA. I, 247-250.Note 90 · Vgl. Thorbecke S. 43. Ueber ein ähnliches Verfahren in der Gothengeschichte s. G. Kaufmann, Forschungen VI, 464.Note 91 · Auch H. v. Sybel, der in seiner Abhandlung die entgegengesetzte Ansicht durchgeführt hatte, gab 1858 in der Hist. Zeitschr. II, 515 die WahrNote 92 · „XII libris Gothorum historiam defloratis prosperitatibus condidisti.“ Bessells Deutung (Forschungen I, 639-643) „mit auserlesenem Glück gesNote 93 · Gutschmid S. 140 bemerkt, daß Cassiodor in diesen Worten Justins Vorrede nachgeahmt zu haben scheine.Note 94 · Tetendit se etiam in antiquam prosapiam nostram, lectione discens quod vix majorum notitia cana retinebat. Iste reges Gothorum longa oblivioNote 95 · A litterarum penetralibus ejectus. Bessell S. 115 bemerkt richtig, daß damit seine Thätigkeit in der k. Kanzlei nicht wohl bezeichnet sein kNote 96 · S. Schirren S. 54. Koepke S. 209. Die von J. Grimm vertheidigte Identität kann als antiquirt betrachtet werden; ich begnüge mich, auf die AnNote 97 · Mommsen, Praef. Jord. p. XLI.Note 98 · Diesen Gedanken hat R. Koepke lichtvoll entwickelt, Forsch. S. 89 ff. Die Art der Verknüpfung, das chronologische System von Cassiodors GothNote 99 · Das hat vorzüglich H. v. Sybel nachgewiesen und eben deshalb angenommen, daß die nicht als Amaler bezeichneten Gothenkönige erst von JordaniNote 100 · Die Historia tripartita, durch Epiphanius. Ueber dieses sehr mangelhafte Werk s. Ad. Franz S. 104-120.Note 101 · Thorb. S. 29-31. Sehr ausführlich Franz S. 35 ff.Note 102 · Sehr lehrreich sind auch seine Institutiones divinarum et saecularium litterarum. Ueber die verschiedenen Texte des zweiten Buches s. LaubmaNote 103 · Diese bestimmte Angabe macht es bedenklich, Schirrens Vermuthung zu folgen, der auch in den übrigen Büchern eine bedeutende Ueberarbeitung, Note 104 · „Dictio semper agrestis est, quae aut sensibus electis per moram non comitur aut verborum minime proprietatibus explicatur. Loqui nobis commNote 105 · Ennodii Opera ed. Sirmond, Paris 1611. Hartel im Wiener Corpus VI, 1882. Rec. v. Krusch, HZ. LI, 100-102. MG. Auctt. antt. VII von Fr. VogelNote 106 · Dafür H. v. Schubert: Die Unterwerfung der Alamannen (Strassb. 1874) S. 67-89. Er wurde nach Cipolla dem König schriftlich zugesandt; s. darNote 107 · Für Jornandes kämpft Dietrich, Ueber die Aussprache des Gothischen, Marburg 1862. Mommsen schreibt Jordanes; ich folge auch hier der überlieNote 108 · De rebus Get. am Schluß: „Nec me quis in favorem gentis praedictae quasi ex ipsa trahentem originem aliqua addidisse credat“.Note 109 · Ib. c. 50: „Scyri vero et Sadagarii et certi Alanorum cum duce suo nomine Candac Scythiam minorem inferioremque Moesiam acceperunt. Cujus CaNote 110 · Mommsen, Praef. p. X.Note 111 · ib. p. VII.Note 112 · Immerhin giebt es zu denken, daß auch bei Orosius, wenn der cod. Laurent. nicht erhalten wäre, aus der Donaueschinger Hs. dieselbe Barbarei Note 113 · Aus Rufini presb. praefatio in explanationem Origenis super ep. Pauli ad Romanos, wie H. v. Sybel nachgewiesen, in Schmidts Zeitschrift für Note 114 · Der Titel beider Werke scheint gelautet zu haben: De origine actibusque Getarum.Note 115 · „Ad triduanam lectionem dispensatoris eius beneficio libros ipsos antehac relegi, quorum quamvis verba non recolo, sensus tamen et res actasNote 116 · G. Kaufmann, Krit. Unters. der Quellen z. Gesch. Ulfilas, handelt von d. Gothi minores (c. 51) im Gegensatz zu Bessell, u. bemerkt S. 243, dNote 117 · Weltgeschichte IV, 2. Abth. S. 313-327.Note 118 · Ueber Jornandes S. 12. Ebert S. 535 bekämpft die Annahme, weil die Sprache des Schreibers nicht hinlänglich respectvoll sei. Mir scheint dasNote 119 · „episcopum eum dicit librorum ordo primus in titulo Romanorum“. Mommsen p. XIII.Note 120 · Oder in Chalcedon, wohin Vigilius um Weihnachten 550 flüchtete, und wo er bis zum Frühjahr 553 blieb.Note 121 · Mommsen p. XIV.Note 122 · Th. de Mörner, De Orosii vita eiusque Historiarum libris VII adversus paganos. Berol. 1844. 8. Vgl. Papencordt, Geschichte der Vand. 337-340Note 123 · S. über ihn die Abhandlung von Holder-Egger im NA. I, 13-90, welche ich hier zu Grunde lege.Note 124 · Holder-Egger S. 55, bes. auf Gennadius gestützt. Mommsen freilich nimmt geistlichen Stand an, weil er in dem Schreiben an Augustin einen DiaNote 125 · Chronicum integrum ed. Labbe, Bibl. nova Manuscriptorum, Paris 1657, I, 16-55. Jetzt allein brauchbar die Ausgabe von Mommsen u. d. T. EpitoNote 126 · Das sog. Chronicon Canisianum, auch Ulricianum und Augustanum nach dem Fundort der HS. in St. Ulrich u. Afra. Diese und die zweite Pariser HNote 127 · Holder-Egger im NA. I, 91-120. Ausg. von Pithou 1588 etc. Roncall. I, 739-760.Note 128 · Ronc. II, 1-54. Sirmondi opera varia II. Ausg. von De Ram, Brux. 1845. Migne LI. Vgl. Baehr S. 208-212. Papencordt, Gesch. d. Vandalen S. 35Note 129 · Ronc. II, 337. Migne LXVIII. Vgl. Baehr S. 217. Papencordt S. 359-365. Ebert S. 586. Holder-Egger im NA. I, 298-300. Scaliger benutzte dieseNote 130 · Ausg. von Canisius mit Victor Tunnunensis 1600 etc. Baehr S. 218. Ebert S. 587. Zu warnen ist vor den von Papencordt benutzten und durch ihnNote 131 · Bethmann im Arch. X. 380. Waitz, Nachr. 1865 N. 4. Holder-Egger im NA. I, 259-268. Theilweise Auctt. antt. IX in den Consularia Ital. herausNote 132 · Hervorzuheben ist noch des B. Julian von Toledo Historia Wambae regis über den Aufstand des Herzogs Paulus von Narbonne und den Sieg des KönNote 133 · Isidori Hispalensis Opera ed. Arevalo, 1790-1803. 7 Bände in quarto. Vol. VII enthält die historischen Schriften. Migne LXXXI bis LXXXIV. BaNote 134 · Ausg. von Arevalo, Vol. III. IV, von Otto in Lindemanns Corpus Grammatt. Vol. III. 1833. Migne LXXXII. Ueber die Quellen eine Gött. Diss. voNote 135 · Bis era 654. Den Ursprung dieser spanischen, 38 a. C. beginnenden Zeitrechnung findet Joh. Heller in dem Anfangsjahr der Ostercyclen, Hist. Note 136 · Gegen Büdinger, welcher Isidor für den Urheber derselben hielt, nachgewiesen von Ebert S. 233 u. 599, u. von H. Hertzberg in seiner Abh. übeNote 137 · Auch nicht die Recapitulatio, nach Hugo Hertzberg: Die Historien des Is. (Gött. Diss. 1874) mit genauer Analyse der Quellen, zu welchen vorzNote 138 · Ueber die viel bessere gleichzeitige Handschrift in Admunt s. NA. II, 421.Note 139 · Der Name beruht nur auf der Ausgabe von Suffridus Petri 1580. Sicher ist er verschieden von dem bekannten Philosophen des Namens, s. HauréauNote 140 · Alle zusammen gedruckt in J. A. Fabricius Bibliotheca ecclesiastica. Vgl. Baehr S. 228-245. Die gänzlich unzuverlässigen, zum Theil geradezuNote 141 · Entdeckt und herausgegeben von G. Schepss im Progr. des alten Gymn. in Würzburg 1889.Note 142 · Wiener SB. CXVI, 145-190. Ueber eine zweite von A. Ebner gefundene Hs. NA. XVI, 203.Note 143 · Neue Ausg. v. C. Schenkl, MG. Auctt. antiquiss. V, 2. 1883; von Peiper 1886, Leipz. Teubner. Mosella mit frz. Uebers. und Anm. von H. de la Note 144 · Teuffel § 460. Fertig, Apollinaris Sidonius und seine Zeit, in 3 Würzburger und Passauer Programmen 1845. 46. 48. Georg Kaufmann, Die Werke Note 145 · J. J. Chifflet, Anastasis Childerici I illustrata, Antv. 1655, 4. L'abbé Cochet, Le Tombeau de Childéric I. Paris 1859.Note 146 · Ungeachtet anderer entgegengesetzter Ansichten scheint mir diese Auffassung dem ganzen Bildungsgang der Franken nicht nur, sondern auch andeNote 147 · Schmidts Zeitschrift für Geschichte IX, 49. Vgl. Waitz, Das alte Recht der salischen Franken, S. 36 ff. und jetzt ausführlicher in d. 3. AufNote 148 · S. darüber Gregor von Tours V, 45, und die Uebersetzung Giesebrechts I, 287. Das ihm zugeschriebene Epitaphium S. Germani bei Aimoin III, 16
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