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Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)

III. Die Zeit der Ottonen.

Reading edition

Von Heinrich I bis zum Tode Heinrich II, 919-1024.

§ 1. Allgemeines. [←]

Contzen, Die Geschichtschreiber der sächs. Kaiserzeit. Regensburg 1837. Entstellt durch Benutzung der falschen Corveyer Chronik, und durch die neuen Ausgaben der Quellen unbrauchbar gemacht. — Stälin Wirt, Gesch. I, 419-426. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 294-307. Waitz, Ueber die Entwickelung der deutschen Historiographie im Mittelalter, in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 97-103. — W. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, I, 777-790. II, 557-560. — Guil. Maurenbrecher de historicis decimi saeculi scriptoribus, qui res ab Ottone Magno gestas memoriae tradiderunt, Bonnae 1861; vgl. Lit. Centralblatt 1862, Sp. 837.

Mit dem Jahre 906 endigt Regino's Chronik, ein Jahr, bevor Herzog Liutpold mit der Blüthe des bairischen Volkstammes von den Ungern erschlagen wurde. Ein schwaches Kind saß auf dem Throne und vermochte nicht das Reich zu schirmen. Es hatte den Anschein, als ob die ganze von Karl dem Großen neu gepflanzte Kultur bereits dahin sinken sollte. Ein Stift nach dem anderen wurde den Normannen zur Beute, und was übrig blieb, rissen die räuberischen Großen an sich, die in ihren gegenseitigen Fehden verheerten, was dem äußeren Feinde noch entgangen war. Die Sitze der Bildung und Gelehrsamkeit verstummten; auch wenn sie der gänzlichen Verödung entgingen, ließ doch die nagende Sorge um die stets gefährdete Existenz keine wissenschaftliche Thätigkeit aufkommen.

Schlimmer noch als in Deutschland, sah es in den Nachbarländern aus; die Normannen, aus Sachsen zurückgeschlagen, hausten in Frankreich und Lothringen, ohne Widerstand zu finden, während der Süden von sarazenischen Seeräubern verheert wurde. Die Bretonen und Waskonen schüttelten das fränkische Joch ab, und die Ungern streiften auf ihren schnellen Rossen bis an den Ocean. In Italien begegneten spanische und afrikanische Sarazenen den Ungern, und die innere Zwietracht war in beiden Ländern noch ärger als in Deutschland.

Allein die Keime, welche einst Karl der Große gelegt hatte, waren bereits so stark und kräftig geworden und hatten so tiefe Wurzeln geschlagen, daß sie auch diese Feuerprobe überdauerten.

Wie einst von Austrasien, so ging jetzt von Sachsen die Rettung aus. Hier hatte man zuerst sich ermannt und unter den Ludolfingern in festem Zusammenhalten die Kraft gefunden, der Feinde Herr zu werden. Reginbern, aus Widukinds Stamm, der Bruder der Königin Mahthild, schlug die Dänen so, daß sie nicht wiederkamen. Die Wenden, welche die Ostgrenze bedrängten, wurden zurückgeworfen. Heinrich I stellte, wie einst Karl Martell und Pippin, das Reich her und wies die Ungern zurück; was er begonnen, vollendete sein Nachfolger, bis er die inneren und äußeren Feinde bezwungen hatte. In dieser eisernen Zeit war noch für die Feder kein Raum, aber nach dem Siege konnte Otto an die Herstellung der geistigen Bildung denken. Da sehen wir überall die verödeten Klöster aus der Asche erstehen, sie werden den Händen der Laienäbte entrissen und ihrer Bestimmung wiedergegeben. Bald regt sich in ihnen, zunächst in denen, welche von den Stürmen dieser Zeit weniger gelitten hatten, von neuem wissenschaftliche Thätigkeit.

Wie Karl, schätzte auch Otto die Wissenschaften, ohne selbst eine gelehrte Bildung erhalten zu haben; seine Erziehung war kriegerisch gewesen, und erst spät, nach dem Tode der Königin Edid (26. Januar 946), lernte er lateinische Bücher lesen und verstehen[1]; reden konnte er die Sprache der Gelehrten nicht[2]. Auf der Synode zu Ingelheim 948 wurden der Könige wegen die päbstlichen Schreiben in deutscher Sprache verlesen[3], und auch in seinem Alter ließ er sich einen lateinisch geschriebenen Brief von seinem Sohne Otto II übersetzen[4].

Wie Karl, suchte auch Otto gelehrte Ausländer ins Land zu ziehen. So bemühte er sich lange vergeblich, den Gunzo von Novara, einen jener italienischen Grammatiker, nach Deutschland zu bekommen. Dieser Gunzo war Diaconus in seiner Vaterstadt, und schrieb hier, aufgefordert vom Bischof Atto von Vercelli († c. 960) eine Schrift über Ehehindernisse[5]. Bei seiner persönlichen Anwesenheit in Italien gelang es Otto endlich, ihn zu gewinnen[6]. An hundert Bücher behauptet Gunzo mitgebracht zu haben, darunter Schriften von Plato und Aristoteles; doch vermuthlich in lateinischer Uebersetzung. Trotz seiner Gelehrsamkeit geschah es ihm zuweilen, durch das Italienische verleitet, daß er die Casus verwechselte[7] und deshalb wurde er in St. Gallen mit einem Spottliede verhöhnt, denn er hatte statt eines Ablativs einen Accusativ gesetzt. Dagegen rechtfertigte sich nun Gunzo in einem sehr langen und sehr pedantischen Briefe an die Mönche von Reichenau, in welchem er seine ganze gelehrte Schulweisheit zur Schau stellt.

Einen Landsmann von ihm Namens Stephan, der in Pavia gebildet war, in Novara und Pavia gelehrt hatte, beriefen König Otto und Bischof Poppo von Würzburg (941-961) aus Italien, und der Ruf seiner Vorträge über Marcianus Capella zog den jungen Wolfgang aus Reichenau nach Würzburg[8]. Seine Bücher, welche aber nicht zahlreich waren, vermachte er dem h. Kilian[9]. Einige Auskunft über sein Leben und Wirken gewährt die Grabschrift, welche er für sich selbst verfaßt hat[10]. Sie steht in einer Handschrift des Domcapitels zu Novara, einer von Stephan geschriebenen Canonensammlung; denn er hat sich nach 970 wieder in seine Heimath begeben, wo er 985 eine Schenkung des Bischofs Aupald unterzeichnete. Die Grabschrift lautet:

Novariae natus, Papiae moenibus altus, Urbe velut potui, doctor utraque fui. Me rex Otto potens Francorum duxit in urbem, Qua legi multos mente vigente libros. Hinc me digressum, proprium suscepit alumnum Virgo salus mundi, mater et alma dei. Protinus amissam studui reparare sophiam, Erudiens pueros instituensque viros. His igitur cunctis Christo tribuente peractis, Sum pulvis modicus, jussit ut ipse deus. Quisquis hac graderis, Stephani memor esto jacentis, Ac sibi posce poli regna beata dari. Insuper adde diem quae contulit ultima finem. Hanc si scruteris, hinc mage cautus eris.

Die politischen Verwickelungen führten auch den gelehrten Bischof Rather von Verona und vor Berengar flüchtend Liudprand an Otto's Hof, wo sie gute Aufnahme fanden, und auch Gerbert wurde von Pabst Johann XIII im Jahre 971 zum Kaiser gesandt, verweilte aber damals nur kurze Zeit am Hofe, weil er vorher noch in Reims seine philosophische Ausbildung zu vollenden wünschte[11].

Gern gesehen an Otto's Hofe war Ekkehard (II) von St. Gallen, den man deshalb im Kloster den Höfling (palatinus) nannte; er war einer der Lehrer Otto's II[12]. Dieser hatte unter der Leitung Volcolds, und nach dessen Beförderung zum Bischof von Meißen des Willigis[13], einen vollständigen wissenschaftlichen Unterricht erhalten; er liebte und beförderte die Wissenschaften und nahm lebhaften Antheil an den gelehrten Problemen, welche damals die Menschen beschäftigten[14]. Hrotsuit feiert ihn als einen zweiten Salomo. Er zog Gerbert wieder an sich, und noch ist uns ein Fragment der Disputation erhalten, welche dieser 980 vor dem Kaiser zu Ravenna hielt gegen den berühmten Magdeburger Lehrer Otrich, den Otto ebenfalls an seinen Hof berufen hatte[15]. Auch der Abt Adso von Montier-en-Der, einer der berühmtesten Gelehrten Frankreichs, war dabei zugegen, nebst einer großen Menge von Scholastern oder Grammatikern[16]. Auch von S. Wolfgang wird uns berichtet, daß er vor diesem Kaiser gegen einen Ketzer disputierte. Den Bischof Gumpold von Mantua veranlaßte er, das Leben des heiligen Wenzeslaus zu beschreiben.

Kurz vor dem Tode des alten Kaisers, im Jahre 972, besuchten Vater und Sohn das Kloster St. Gallen. Der Vater fragte nach dem alten Notker, dem gelehrten Maler und Arzte, mit dem Beinamen Pfefferkorn; schwach und erblindet saß er auf einem Sessel. Auf das Geheiß des Vaters führte der junge Kaiser ihn herbei, und der Alte leitete ihn nach zärtlicher Umarmung sorgsam ins Kloster und setzte ihn an seine Seite. Otto II aber ließ sich nun hier die Bibliothek öffnen und nahm, von den reichen Schätzen derselben gelockt, eine Anzahl der besten Bücher mit sich fort; einige gab er auf Ekkehards Bitte später zurück[17].

Otto III endlich wurde von seiner Mutter Theophano, von dem Calabresen Johannes und Bernward von Hildesheim auf das sorgfältigste erzogen[18], und sein wissenschaftlicher Verkehr mit Gerbert ist weltbekannt; wie es nur zu leicht geschah, wendeten ihn diese ganz auf fremdländischen Grundlagen beruhenden Studien vom vaterländischen Wesen ab, und störten die harmonische Entwickelung seines Geistes[19].

Heinrich II war in seiner Kindheit zum geistlichen Stande bestimmt, und erhielt in Hildesheim, später unter Bischof Wolfgangs Leitung in Regensburg eine gelehrte Erziehung[20]; wissenschaftliche Thätigkeit förderte er nicht unmittelbar[21], aber seine Bestrebungen für die Reform verwilderter Klöster kamen auch den Schulen zu Gute, wovon namentlich die Geschichte des Bischofs Godehard von Hildesheim ein Beispiel giebt, und die Stiftung des neuen Bisthums zu Bamberg, welchem er es auch an Büchern nicht fehlen ließ, eröffnete den gelehrten Studien eine neue Stätte[22]. In 54 schwerfälligen und schwülstigen Hexametern pries Abt Gerhard von Seon zwischen 1012 und 1014 die neue Stiftung[23], und mit nicht minder gesuchten und pedantischen Anreden in Prosa und in Versen begleitete der Bamberger Diaconus Bebo Abschriften von Büchern, welche der Kaiser hatte machen lassen; er rühmt darin Heinrichs Bemühungen, den Landfrieden herzustellen, und seine Schilderung von Benedicts VIII Besuch in Bamberg 1020 ist von Adalbert in seiner Biographie Heinrichs II benutzt worden[24].

Auch in der Todtenklage um Constantius den Scholasticus von Luxeuil schildert Gudinus den Kummer des Kaisers, daß seines gleichen nicht mehr zu finden sei[25]. Dem Kloster Corvey schenkte ein Kaiser Heinrich, der aber auch ein späterer sein kann, eine Handschrift aus Unteritalien, welche das Autograph von Landolfs Historia miscella (oben S. 166) und Vegetius enthielt[26].

Bei den Frauen fand man im früheren Mittelalter weit eher als bei den Männern aus dem Laienstande die Anfänge einer gelehrten Bildung, die schwierige Kunst des Lesens und Schreibens, nebst einer Kenntniß der allgemeinen Schriftsprache, welche zum Verständniß des Psalters ausreichte[27]. Leicht knüpfte sich mehr daran, und auch der Einfluß, welchen Geistliche über weibliche Gemüther so leicht erlangen, begünstigte ihre Beschäftigung mit dem besonderen Erbtheile dieses Standes, den Büchern. Die Frömmigkeit der Königinnen Mahthild[28] und Edid ist bekannt; Heinrichs I Tochter Gerberga veranlaßte den Abt Adso zur Abfassung seiner Schrift über den Antichrist; Adelheid aber, die Burgunderin, und Theophano, die Griechin, zeichneten sich durch eine in Deutschland seltene litterarische Bildung aus, die sich auch in der sorgsamen Erziehung ihrer Kinder erkennen läßt. Ganz besonders wird uns die hohe Bildung der schönen Herzogin Hedwig von Schwaben gerühmt, der Tochter von Otto's des Großen Bruder Heinrich von Baiern. Wie man sich in St. Gallen erzählte, war sie als Kind zur Braut eines griechischen Kaisers bestimmt, und wurde durch Kämmerlinge, welche dieser eigens deshalb gesandt hatte, im Griechischen unterrichtet, zerriß aber diese Verbindung, welche ihr mißfiel. Diese Geschichte freilich ist so, wie sie erzählt wird, nicht möglich. Später mit Herzog Burchard vermählt und früh (973) verwittwet, waltete sie auf ihrer Feste Hohentwiel mit männlicher Festigkeit, ja mit Härte, und ihre wechselnden Launen waren sehr gefürchtet. Ihre liebste Beschäftigung aber bestand darin, mit dem Sanctgaller Mönche Ekkehard, den sie sich dazu vom Abte ausgebeten hatte, die alten lateinischen Dichter zu lesen. Den jungen Burchard, der später Abt wurde, lehrte sie selbst griechisch und beschenkte ihn zum Abschied mit einem Horaz[29].

Ihre Schwester Gerbirg, die Aebtissin von Gandersheim, war, so sagt Hrotsuit, wie es der Nichte des Kaisers gebührte, von höherer wissenschaftlicher Bildung und unterwies mich in den Autoren, welche zuvor die gelehrtesten Meister mit ihr gelesen hatten[30].

Auch Heinrichs II Gemahlin Kunigunde zeichnete sich durch Kenntniß und Verständniß der kirchlichen nicht nur, sondern auch der weltlichen Schriftsteller aus, und in der späteren Zeit betrachtete man die feine Bildung der vornehmen Frauen als einen besonderen Vorzug dieses Zeitalters[31]. Aber auch über seine Standesgenossen klagte Graf Udalrich von Ebersberg († 1029) in seinen alten Tagen: in seiner Jugend, sagte er, habe jeder Edelmann sich schämen müssen, wenn er die Rechtsbücher nicht zu lesen und anzuwenden gelernt hätte[32].

Finden wir also das Ottonische Kaiserhaus wissenschaftlicher Bildung geneigt und günstig, so überstrahlt doch alle, sowohl durch seine eigene gründliche Gelehrsamkeit, wie durch seine fruchtreiche Thätigkeit für Kirche und Schule, der große Erzbischof Brun, Otto's des Großen jüngster Bruder[33].

Nachdem er in Utrecht unter der Aufsicht des Bischofs Balderich erwachsen war und hier die erste grammatische Bildung erhalten hatte, wurde er noch in früher Jugend (940) zum Kanzler und 953, als er Erzbischof wurde, auch zum Erzcaplan erhoben; bald lag in seinen Händen fast die ganze Verwaltung des Reiches, deren Fäden in der königlichen Kanzlei zusammenliefen, vor allem aber die Leitung der kirchlichen Angelegenheiten. Mit Geschäften aller Art überhäuft, hat er in den Aeußerlichkeiten der Urkunden, den Daten namentlich, eine arge Unordnung einreißen lassen[34]; dagegen fand er doch noch Zeit für seine geliebten Bücher, die ihn überall hin begleiteten, für den wissenschaftlichen Verkehr mit den Meistern der Wissenschaft, die, wie Ruotger sagt, von allen Enden der Welt sich hier zusammenfanden. Ratherius, Liudprand, der Spanier Recemund, Bischof von Elvira, wurden durch politische Ereignisse diesem Kreise zugeführt, nahmen aber während ihres Aufenthaltes daselbst ebenfalls an den wissenschaftlichen Bestrebungen Theil. Die Anwesenheit gelehrter Griechen benutzte Brun, um von ihnen, deren Sprache ihm schon vertraut war, zu lernen; besonders aber verehrte er als seinen Lehrer einen irländischen Bischof Namens Israel, vielleicht denselben, welcher, aus seiner Heimath vertrieben, in St. Maximin Mönch wurde[35].

Ungeachtet seiner hohen Stellung verschmähte Brun es nicht, auch selbst als Lehrer zu wirken; wieder gab es, wie zu Karls Zeiten, eine Hofschule[36], wenn auch in anderer Weise, weil für die Grundlage des Lernens jetzt an vielen Orten besser gesorgt war. Aber die Söhne vornehmer Familien, welche nach alter Weise an den Hof gebracht wurden, werden schwerlich ganz ohne Unterricht gelassen sein, und die königliche Kanzlei wurde zu einer Pflanzschule trefflicher Bischöfe, deren Wichtigkeit für das Reich nicht hoch genug anzuschlagen ist, denn mit diesen Bischöfen regierten die Kaiser von nun an bis zu den Zeiten Heinrichs IV ihr Reich, und fast allein in ihnen bildete sich ein Element der Stätigkeit in der Reichsregierung aus, welches von dem Wechsel der Personen unabhängig war.

Brun selbst wurde im Jahre 953 Erzbischof von Cöln, wo er noch 12 Jahre wirkte, ohne doch darum der kaiserlichen Kanzlei fremd zu werden, bis er am 11. Oct. 965 kaum 40 Jahre alt starb. Die schwierigsten Aufgaben ruhten auf ihm, denn das unruhige, unzuverlässige Lothringen war seiner Leitung anvertraut, und seine Schwester, die Königin von Frankreich, baute fast allein auf seine Hülfe. Aber während man nie in ihm die Thatkraft seines großen Bruders vermißte, vergaß er doch über den weltlichen Sorgen nie seines bischöflichen Amtes. Die ganz zerrütteten Kirchen Lothringens richtete er aus ihrer Versunkenheit auf; kirchliche und klösterliche Zucht wurden erneut, die Schulen mit größter Sorgfalt gepflegt, und bald entfaltete sich hier das rege litterarische Treiben, welches von nun an Lothringen besonders auszeichnet.

Nicht minder erblühten nun auch in den übrigen Reichslanden unter so guter Pflege alle die Keime, welche die vorhergegangenen Stürme noch überdauert hatten; frisches Leben erfüllte die alten Klöster, welche wie Corvey, Gandersheim, St. Gallen weniger gelitten hatten, und neben ihnen erhoben sich zahlreiche neue Stätten litterarischer Bildung[37].

So verpflanzte nach Speier, wo schon Bischof Godefrid (950 bis 961) seiner Kirche ein Werk des Beda geschenkt hatte[38], Bischof Balderich (970-987), gebürtig aus Säckingen, die Studien der Sanctgaller Schule, aus welcher er stammte. Sein Wohlgefallen und seine Aufmerksamkeit erregte der Knabe Walther, den er zu aller heidnischen und christlichen Wissenschaft anleitete. „Cum primum regno successit tertius Otto“, also 983, übergab er ihm, der nun Subdiaconus war, eine Schrift zu Ehren des h. Christoph, welche die Nonne Hazecha, Schatzmeisterin von Quedlinburg, ihm zur Correctur überreicht hatte; aber entweder wurde sie wirklich verloren, wie Walther an Hazecha schrieb, oder er fand sie zu schlecht: genug, Walther verfaßte ein eigenes Werk über den h. Christoph in Prosa und in Versen, ganz in dem gespreizten, mit Gelehrsamkeit überladenen Stil der Zeit; in zwei Monaten behauptet er beides vollendet zu haben. Voran schickte er ein Buch mit dem Titel Scholasticus, worin er seinen Bildungsgang schildert, dunkel und oft schwer verständlich, aber doch werthvoll für die Kenntniß der damaligen Schulstudien, in welchen eine ansehnliche Zahl classischer Autoren im Vordergrunde steht. Walther schickte später nach des Bischofs Tod sein Werk auch ad collegas urbis Salinarum, d. h. doch wohl nach Salzburg, an Liutfred, Benzo und Friedrich[39]. Damals scheint er demnach die Speierer Schule geleitet zu haben; 1004 ist er selbst wahrscheinlich Bischof von Speier geworden.

In besonderer Ausführlichkeit tritt uns hier eine Richtung der Studien entgegen, welche wir noch an vielen Orten, wie z. B. in Lüttich, zu berühren haben werden.

Sehr bald aber ließen sich auch schon Stimmen vernehmen, welche die heidnische Gelehrsamkeit als sündlich verwarfen und gegen die classischen Studien eiferten. Hatte schon Hieronymus im Traume für die Vorliebe büßen müssen, womit er Plautus und Cicero gelesen[40], ein Geschichtchen, welches immer wieder benutzt wird und noch bei der Bekämpfung der Humanisten eine Rolle spielt, so finden wir in karolingischer Zeit den alt gewordenen Alcuin in gleichem Sinne eifernd; so auch jenen alten Schulmeister Johannes zu Fulda (oben S. 231). Ermenrich sah, wenn er den Vergil unter sein Kopfkissen gelegt hatte, im Traume den Dichter als Teufel, in der Hand ein Buch, hinterm Ohr die Feder, der ihn triumphirend verhöhnte; doch meinte er, daß man, wie für den Ackerbau den Dünger, so auch den Koth der heidnischen Poesie mit Nutzen verwerthen könne[41]. Notker dagegen empfahl dem jungen Salomo den Prudentius: non sunt tibi necessariae gentilium fabulae[42]. Abt Odo von Cluni wurde durch einen Traum von der Beschäftigung mit Vergil abgeschreckt[43], und ebenso verwarf, der Tendenz dieser Congregation entsprechend, Majolus die einst auch ihm lieb gewesenen Studien[44], und ähnliches wird vom Abt Hugo berichtet[45].

Auch Hrotsuit schrieb ihre Dramen über Gegenstände aus der heiligen Geschichte, um den Terenz aus den Händen der Christen zu verdrängen[46]. Etwas später wurde der sterbende Schüler Gozo von Dämonen in der Gestalt des Turnus und Aeneas beunruhigt[47], und als ein Mönch des Lütticher Lorenzklosters mit seinen Schülern den Terentius las, bemühte sich S. Laurentius selber, um ihn zu züchtigen[48].

Wer könnte auch in Abrede stellen, daß in den römischen Dichtern vieles zu lesen ist, was sich namentlich für Klosterschulen nicht eignet. Besonders beliebt war Ovid, und nach einigen Citaten könnte man sich versucht fühlen anzunehmen, daß seine Ars amandi das gelesenste Buch in den Klöstern war, wobei jedoch in Anschlag zu bringen ist, daß viele einzelne Sentenzen gelehrt und gelernt wurden, ohne daß man wußte, woher sie stammten. Doch war auch die ganz übermäßige Beschäftigung mit der unübersehlichen Fülle von Mythen, um jede Anspielung erklären zu können, für Mönche wenig förderlich, und selbst Boethius und Cicero stimmten nicht immer mit den Kirchenlehrern überein. Sogar den Erzbischof Bruno sah der Hofcaplan Poppo in einer Vision wegen seiner eifrigen Beschäftigung mit der Philosophie verklagt, aber S. Paulus trat für ihn ein[49].

Der Abt Smaragdus, der 819 das Kloster Castellio nach Saint-Mihiel-sur-Meuse verlegte, bekämpfte den Widerstand gegen die grammatischen Studien; in seiner Grammatik aber nahm er die Beispiele aus kirchlichen Schriftstellern[50]. Doch fühlte man allgemein, daß man die heidnische Litteratur nicht entbehren könne, ohne in Barbarei zu verfallen; Hraban trat sehr entschieden dafür ein, und selbst Anselm von Canterbury (ep. I, 55) hat einem Mönche gerathen, den Vergil zu lesen. War der geistliche Stand einmal der allein lehrende, so mußte er auch diesen Gefahren sich aussetzen. Nur an einzelnen Orten und bei einzelnen Männern drang jene ascetische Richtung durch; in den Schulen behaupteten sich bis ins dreizehnte Jahrhundert Vergil und Horaz, Terenz, Ovid, Sallust, und verlockten immer von neuem die jugendlichen Gemüther durch den Zauber ihrer Anmuth von den trockneren Vätern der Kirche.

Die Gewandtheit im Ausdruck, der leichte Fluß der lateinischen Rede, im karolingischen Jahrhundert so allgemein verbreitet, waren jedoch in der fünfzigjährigen Unterbrechung schriftstellerischer Thätigkeit verloren gegangen; mit großer Anstrengung mußte man wieder von neuem beginnen. Die mühsam erworbene gelehrte Bildung ist fast überall kenntlich; man war stolz auf die neue Kunst und trug sie gern zur Schau. Die schwerfälligen Phrasen sind erfüllt von ungeschickt eingefügten Ausdrücken der alten Schriftsteller, man prunkt gern mit Citaten und bringt die gelehrten Reminiscenzen auch da an, wo sie am wenigsten passend sind, wie z. B. Liudprand die Ungern in ihrem Kriegsrath mit pedantischer Affectation griechische Worte einmischen läßt. Schulmäßig gekünstelte Reden sind besonders beliebt, und nur zu häufig erschwert der gesuchte Ausdruck das Verständniß des Inhaltes. Aber die frische Lebenskraft, welche jetzt wiederum die von jugendlichem Aufschwung erfüllte Generation durchdrang, ist auch in dieser Vermummung nicht zu verkennen[51].

Leicht genug scheinen der Nonne Hrotsuit ihre Hexameter entströmt zu sein, aber die reiche Fülle lateinischer Gelegenheitsdichtung, welche in der karolingischen Zeit überall uns begegnet, fehlt der ottonischen. Wohl finden wir den Streit der Brüder Otto I und Heinrich in einem halb lateinischen, halb deutschen Gedicht behandelt[52], und auch die Schlacht auf dem Lechfeld verherrlicht[53], beide aber (in Bezug auf das erste freilich jetzt bezweifelt) den Ereignissen schon so fern stehend, daß wir hinter ihnen uns eine Fülle deutscher Lieder zu denken haben, von jenen Mimi gesungen, deren Widukind gedenkt[54].

Wie nun unter den ersten Karolingern die kräftige Neugestaltung des Reiches naturgemäß dahin geführt hatte, die Begebenheiten der Gegenwart aufzuzeichnen, weil man wieder Lust und Bedürfniß empfand, sie festzuhalten, so geschah es auch nach langer Pause unter den Ottonen. Auch jetzt suchte man zunächst die Zeitgeschichte festzuhalten; die Weltgeschichte zu umfassen, versuchte man noch kaum. Aber überall begann man um die Mitte des Jahrhunderts, die Zeitereignisse aufzuschreiben. Beziehungen zum kaiserlichen Hofe wirkten auch hier anregend, aber nirgends erhob man sich doch zu einem so klaren Ueberblicke der Verhältnisse, wie ihn die karolingischen Reichsannalen zeigen; nur der Fortsetzer des Regino reiht sich denselben an. Der Königshof übte wieder einen kräftigen Einfluß, die Reichsgeschichte ist überall im Vordergrunde, aber weit mehr als in karolingischer Zeit herrschen doch locale Gesichtspunkte vor, und es entwickeln sich selbständige Mittelpunkte gelehrter Thätigkeit. Deshalb betrachten wir nach einander die einzelnen Reichslande und beginnen mit demjenigen, von welchem die Herrschaft der Ottonen ausging, mit Sachsen.

§ 2. Sachsen. Corvey. [←]

Das Kloster Corvey, von Anfang an in enger Verbindung mit dem Hause der Ludolfinger und ihrer Gunst und ihres Schutzes sich erfreuend, hatte von der Ungunst der Zeiten weniger gelitten als andere Stifter. Doch verschwand auch hier nach Bovo II, mit Ausnahme der dürftigen Annalen[1], jede Spur litterarischer Thätigkeit, bis der Glanz von Otto's des Großen Thaten ein Geschichtswerk aus diesem Kloster hervorrief, wie noch keines in Sachsen ans Licht getreten war, dessen Form aber zugleich einen bedeutenden Verfall der grammatischen Schulbildung bekundet.

Widukind.

Widukindi Res gestae Saxonicae ed. Waitz, MG. SS. III, 408-467. Bes. Abdruck, neue Ausg. 1882. Uebersetzung von Schottin, mit Einleitung von Wattenbach 1852, 1882, mit Nachtr. 1891. Geschichtschr. 33 (X. 6). Facs. d. Dresd. Hs. in E. Berners Gesch. d. Pr. Staats I, 1890. Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 100. L. Giesebrecht, Wend. Geschichten III, 295. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. Maurenbrecher S. 32-43. W. v. Korvei (Ottonische Studien I) von R. Koepke, 1867. Vgl. Waitz, GGA. 1867 S. 1429-1438. Waitz: Ueber das Verhältniß von Hrotsuits Gesta Oddonis zu Widukind, Forsch. IX, 335-342. Alfred Kirchhoff: Ueber den Ort der Ungarnschlacht. Forsch. XII, 573-592; Wyneken, ib. XXI, 239-250; Grandaur zur V. Uldalrici. Vgl. auch Jul. Voigt, Die Pöhlder Chronik und die in ihr enthaltenen Kaisersagen, Diss. Hal. 1879 (NA. V. 468). Zu I, 12 (Hirmin) Krause, NA. XVI, 611; zu I, 16 O. v. Heinemann: Die Niederlage der Sachsen durch die Normannen 880, Mitth. d. Vereins f. Hamb. Gesch. 1880, S. 58-65 (NA. VI, 203). Zu I, 36 (Lunkini) Virchow, Verhandl. d. Berl. Anthropol. Ges. 1886, S. 422 ff. Zu I, 40 (Chnuba) R. v. Liliencron, Der Runenstein von Gottorp, Kiel 1888 (NA. XIII, 654). Zu II, 1 (Krönung Ottos) Beissel über den Aachener Königstuhl, Ann. d. Aach. Geschichtsvereins, 1888, S. 14 ff. Zu II, 10 (Schöppenkampf) B. Simson, Forsch. XXV, 369-373. Planck, Münch. SB. 1886, S. 155-180.

Im Jahre 967, als Kaiser Otto auf der Höhe seiner Macht stand, unternahm es Widukind, Mönch im Kloster Corvey, die Geschichte seines Volkes zu schreiben, nachdem er vorher sich mit der Bearbeitung von Heiligenleben beschäftigt hatte[2]. Dadurch, so sagt er selbst, habe er seinem Berufe genug gethan; jetzt erfülle er die Pflicht gegen seinen Stamm und sein Volk, indem er die Thaten ihrer Fürsten niederschreibe. In der Widmung an die Aebtissin von Quedlinburg, des Kaisers Tochter Mahthild, bezeichnet er genauer als seinen Gegenstand die Thaten Heinrichs und Otto's; die Ueberschrift aber bezeichnet sein Werk als die Geschichte der Sachsen. Denn Volk und Herrscher waren auf das innigste verbunden, und in dem Ruhme des Kaisers fühlte das ganze Volk sich gehoben, wie es denn auch seinen reichen Theil daran hatte. Gänzlich fern lag es Widukind, nach der Weise der Chronisten an das römische Reich anzuknüpfen, sondern völlig dem Verlaufe der geschichtlichen Entwickelung entsprechend, nimmt er zum Ausgangspunkte seiner Erzählung die Urgeschichte der Sachsen. Ihre alten Sagen zeichnet er auf, und obgleich er es nicht lassen kann, sie durch übel angewandte Schulgelehrsamkeit zu entstellen, so erkennt man doch in jedem Worte die Freude des Mönches an seinen alten heidnischen Vorfahren, an diesem kraftvollen Geschlechte, vor dem schon damals die Franken sich fürchteten. Heiden freilich durften sie nicht bleiben, und darum mußten sie nach tapferer Gegenwehr den Franken unterliegen, um durch die Taufe nun mit ihnen ein Volk zu werden. Aber das Gefühl der Unterdrückung lastet dennoch auf ihnen, bis nun S. Veit zu ihnen kommt, und mit ihm das Glück, welches die Westfranken jetzt verläßt. Unter seinem Schutze gedeihen und erstarken die Sachsen und werden unter ihrem großen König Heinrich aller übrigen Völker und selbst der Franken Herr; kein fremder Gebieter beschränkt hinfort ihre Freiheit.

Gegen Otto erheben sich noch einmal alle Stämme, schon schwindet die Hoffnung, daß das Reich ferner bei den Sachsen bleibe, aber mit Gottes Hülfe überwindet Otto alle seine Widersacher, er bändigt die Slaven, die Ungern, die Westfranken, bringt auch Italien wieder ans Reich, und beherrscht nun, von Gott und S. Veit beschützt, mit seinen Sachsen die Christenheit.

Durch diese durchgehende Einheit der Auffassung und durch die naturfrische Lebendigkeit der Darstellung hat das ganze Werk eine epische Färbung; was in der Ferne vorgeht, berührt Widukind nur kurz, und ist darüber auch wenig genau unterrichtet, so wie er für die älteren Zeiten freilich auf Beda und die Geschichte der Franken und Langobarden hinweist, auch Jordanis über den Ursprung der Hunnen ausschreibt, Einhards Leben Karls benutzt, aber von ernstlicher kritischer Forschung doch kaum eine Vorstellung hat. Für näher liegende Zeiten wird es ihm nicht ganz an annalistischen Aufzeichnungen gefehlt haben, an welche die noch erhaltenen Corveyer Annalen anklingen. Die Translatio S. Viti kannte er, und doch wohl auch Bovo's Werk. Aber die mühsam und geistlos compilirende Arbeit anderer Chronisten liegt seiner Weise ganz fern. Dem Epos steht er auch darin nahe, daß er vorzüglich bei der Schilderung der Schlachten und anderer Begebenheiten verweilt, über ihre geschichtliche Verknüpfung aber rasch hinwegeilt. Die Composition des Werkes ist von R. Koepke genau untersucht und dargelegt: recht deutlich stellt sich daraus die ganz einheitliche ursprüngliche Aufzeichnung dar, welche durch das gewissenhafte Bestreben, auch anderen Thatsachen ihre Stelle anzuweisen, zerstückt und oft unklar geworden ist. Am auffallendsten ist in solcher Weise die Schilderung der Schlacht auf dem Lechfelde zerrissen. In dem Autograph des Leo von Ostia sehen wir ein solches Verfahren noch deutlich vor uns, doch ist ohne Zweifel Koepke in seinen Folgerungen und Behauptungen vielfach zu weit gegangen: an einen fertig geschriebenen Entwurf des ganzen Werkes in dieser Weise ist gewiß nicht zu denken. Eingehend kritisirt und zurückgewiesen ist Koepke's Hypothese von J. Raase[3].

Einen seltsamen Gegensatz zu dem ganz volksthümlichen Inhalt bildet der gesuchte sallustische Ausdruck[4], gemischt mit den Worten und Wendungen der lateinischen Bibel. Mühsam zieht er dem widerstrebenden Gedanken ein altrömisches Kleid an, das oft nur schwer und unvollkommen erkennen läßt, was er eigentlich sagen will. Die Nachahmung der antiken Redeweise beherrscht ihn so sehr, daß er sogar Heinrich wie Otto nach dem Siege über die Ungern vom Heere als Imperator begrüßen läßt, und Otto auch von da an so nennt, die Kaiserkrönung in Rom aber ganz übergeht, wie denn überhaupt der Pabst in der eigentlichen Geschichtserzählung gar nicht genannt wird[5].

Betrachten wir Widukinds Buch als eigentliches Geschichtswerk, so können wir nicht umhin, es für sehr mangelhaft zu erklären; seine Auffassung der Dinge und namentlich seines großen Kaisers ist keineswegs richtig; so wie der Kaiser selbst den Standpunkt eines Sachsenfürsten verließ, wurde er dadurch dem Gesichtskreise Widukinds entrückt. Obgleich Mönch, übersieht dieser fast ganz die so überaus wichtige kirchliche Wirksamkeit Otto's, und besonders auffallend ist sein Schweigen über die Stiftung des neuen Erzbisthums in Magdeburg. Er stand dem kaiserlichen Hause nicht ganz ferne, wie seine Widmung an Mahthild zeigt — ein zwölfjähriges Mädchen, dem er fast ärger schmeichelt, als die Devotion gegen das Haus der Ottonen entschuldigen kann — und es kamen ihm gute Nachrichten zu, aber er blieb doch als Mönch in seinem Kloster, und war daher nicht im Stande, sich diejenige Uebersicht der Verhältnisse zu verschaffen, welche damals wohl nur am kaiserlichen Hofe zu erlangen war. Deshalb kann ich auch nicht der Auffassung Koepke's zustimmen, welcher einen längeren Aufenthalt am Hofe annimmt, und Erzbischof Wilhelm einen bestimmenden Einfluß auf das Werk beimißt: wir müßten dann ganz andere Gesichtspunkte hervortreten sehen. Wohl hat er den Kaiser und seinen Hof gesehen, wenn sie das heimathliche Sachsen aufsuchten, aber von dem, was jenseit der sächsischen Grenze liegt, scheint ihm aus eigener Anschauung kaum etwas bekannt zu sein. Selbst in Magdeburg muß er ganz fremd gewesen sein, da er sonst doch wohl nothwendig für die so wichtige Stiftung der wendischen Bisthümer und die viel bestrittene Errichtung des Erzbisthums einige Theilnahme gewonnen hätte.

Daß Widukind Hrotsuits Gedicht gekannt, daß er dazu eine Art von Ergänzung hätte geben wollen, ist ein Phantasiegebilde von Koepke, welches G. Waitz hinlänglich widerlegt hat.

Bleibt nun auch Widukind in seiner Darstellung hinter dem seinem Gesichtskreis entrückten Reich zurück, so verleiht ihm dagegen gerade seine Einseitigkeit und die lebendige Wärme des Volksbewußtseins einen Reiz, der den objectiver gehaltenen Annalen fehlt, und stofflich betrachtet sind seine Mittheilungen für uns von dem unschätzbarsten Werthe. In allem, was ihm nahe lag, zeigt er sich durchaus zuverlässig, unbefangen und wahrheitsliebend in der Schilderung der handelnden Personen, und so sehr er auch für das Ottonische Haus begeistert ist, liegt eine absichtliche Entstellung der Thatsachen zu ihren Gunsten ihm jedoch gänzlich fern. Sogar für jene kühnen Recken, die im unbändigen Trotze lieber alles erdulden, als der Herrschaft ihres Vetters sich fügen wollten, bezeugt er eine offenbare Theilnahme, ja Vorliebe, wie auch beim Volke solche Naturen immer Anklang finden; zuletzt, wo er schon zum Schluß eilt und selbst das Näherliegende oberflächlich behandelt, zieht ihn doch noch Wichmanns Trotz und Untergang übermächtig an. Widukind ist eben mit seinen Vorzügen, wie mit seinen Mängeln ein ganzer Sachse des zehnten Jahrhunderts, und in ihm spiegelt sich die Natur seines Stammes treu und wahr. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß sein Werk gern und viel gelesen wurde; es findet sich bei den späteren Schriftstellern überall benutzt, jedoch seit dem zwölften Jahrhundert nicht mehr unmittelbar, sondern nur durch die Vermittelung Ekkehards, der es fast ganz in seine große Weltchronik aufgenommen hatte[6]. Daraus erklärt es sich wohl, daß uns nur drei Handschriften davon erhalten sind. Wie es scheint, enthält von ihnen die eine, jetzt Dresdener (A), das Werk in seiner ursprünglichen Gestalt[7]; später hat Widukind am Schlusse noch einiges in loserer Verknüpfung hinzugefügt, den so sehr merkwürdigen Brief des Kaisers aus Capua und die schöne Schilderung vom Tode der Königin Mahthild und von des Kaisers Heimkehr und Tod. Zugleich veränderte er einige Ausdrücke; vielleicht auch die Stelle über des Erzbischofs Hatto Nachstellungen gegen Heinrich (I, 22), in welcher die Dresdener Handschrift von der Schuld des Erzbischofs schweigt. Doch ist auch möglich, daß vielmehr in der an Fremde hinausgegebenen Abschrift jene bedenkliche Stelle geändert war, denn sie macht den Eindruck einer Abkürzung, und es sind Worte darin, welche nur durch die Vergleichung mit Cod. 1 ihre Erklärung finden[8]. Die in Corvey gebliebene Handschrift wurde abgeschrieben (Cod. 1 in Montecassino) und vielleicht etwas später in Corvey interpolirt, um eine Notiz über den Abt Bovo und eine ausführliche Erzählung der beliebten Volkssage von dem Untergange des Grafen Adalbert von Babenberg durch Hatto's Verrath anzubringen[9]. Doch schreibt jetzt Waitz auch diese Stücke Widukind zu. In dieser Gestalt findet sich das Werk in der Steinfelder Handschrift (Cod. 2, jetzt im Brit. Museum Add. 21109) und in der Frechtschen Ausgabe, und so lag es schon Ekkehard und dem Annalista Saxo vor. Man möchte glauben, daß Widukind selbst mancherlei geändert und auf die Ränder geschrieben hat, und daß die Abschreiber bald die ursprüngliche Schrift und bald die Aenderungen und Zusätze aufnahmen.

Die sagenhafte Erzählung Widukinds von der Theilnahme der Sachsen an dem Kampfe der Franken und Thüringer ist, auch hier durch Ekkehard vermittelt, im zwölften Jahrhundert benutzt worden für die seltsame Geschichte von der Herkunft der Schwaben, in welcher an die Stelle der Sachsen die Schwaben gesetzt sind, die wegen Hungersnoth aus Schweden auswanderten. Diese von Goldast 1604 als Anonymus de Suevorum origine zuerst veröffentlichte Fabel, welche aber Spuren wirklicher alter Sage enthält, ist von Müllenhoff nach einer ziemlich gleichzeitigen Handschrift neu herausgegeben[10], der zugleich nachgewiesen hat, daß sie nur im sächsischen Schwabengau an der Bode entstanden sein kann, aber in Schwaben aufgezeichnet ist.

Unerwarteter Weise sind unsere Nachrichten über diese Zeiten, ganz vorzüglich aber über die Zustände der Wendenländer, durch einen sehr werthvollen Fund vermehrt worden, nämlich den in einem arabischen Sammelwerke enthaltenen Bericht des Juden Ibrahîm-ibn-Jakûb, d. i. auf deutsch Abraham Jakobsen, über die Slaven. Er hat, wie er selbst erwähnt, Kaiser Otto gesprochen und Gesandte der Bulgaren in Merseburg getroffen. Man hat das auf das Jahr 973 bezogen, allein von Herrn Kunik habe ich jetzt erfahren, daß seiner Ueberzeugung nach Ibrahîm seinen Bericht vor 970 abgefaßt hat, was allerdings besser zu der Thatsache stimmt, daß schon 971 das Königthum der Bulgaren sein Ende fand. Eine Untersuchung über diesen Bericht, in vielen Stücken von früheren Deutungen abweichend, hat Fr. Westberg verfaßt; dieselbe ist aber noch nicht gedruckt, und ich verdanke dem Verf. die Mittheilung seiner Resultate in der neuen Ausgabe der Uebersetzung des Widukind[11].

§ 3. Fortsetzung. Gandersheim. Quedlinburg. [←]

Während die schwerfällige, von Fehlern keineswegs freie Sprache Widukinds von den gelehrten Studien in Corvey eben kein günstiges Zeugniß ablegt, überrascht im Kloster Gandersheim die Nonne Hrotsuit, wie sie selbst übersetzt: clamor validus Gandeshemensis, durch ihre klassische Bildung und ihre große Herrschaft über die Form des Ausdruckes; ihr bedeutendes Talent war durch eine sorgfältige Schulbildung unter der Leitung der Rikkardis entwickelt, und sie hatte dann diese Studien unter der Leitung der Nichte des Kaisers, Gerberga, fortgesetzt. Sie bearbeitete verschiedene Gegenstände aus der älteren Kirchengeschichte in metrischer Form und verfaßte darauf auch sechs Komödien über verwandte Stoffe, weil es ihr anstößig war, daß der leichtfertige Terenz überall mit so großem Vergnügen gelesen wurde. Doch diese Seite ihrer dichterischen Thätigkeit, in anderer Beziehung weitaus die wichtigste, liegt unserer Aufgabe fern.

In ähnlicher Weise wie Widukind wurde aber auch Hrotsuit durch die glänzenden Thaten Otto's des Großen der Geschichte der Gegenwart zugeführt; ihre Aebtissin Gerberga (959-1001), Herzog Heinrichs von Baiern Tochter, forderte sie auf, ein Heldengedicht zum Preise ihres Oheims zu verfassen[1], welches dem Erzbischof Wilhelm von Mainz, dem Sohne des Kaisers, überreicht werden sollte. Im Jahre 968 war es vollendet, und die Dichterin übersandte es mit einer poetischen Widmung nicht nur dem jüngeren Kaiser, welcher ein Exemplar davon verlangt hatte, sondern auch dem alten Kaiser selbst. In keinem Buch, so sagt sie, sei bisher derselbe Gegenstand behandelt, keinem sei sie gefolgt; es sind die Mitglieder der kaiserlichen Familie, welche ihr den Stoff gegeben haben, und so ist es denn nicht zu verwundern, daß verschiedene Rücksichten auf die Darstellung eingewirkt haben. Ueber die Vergangenheit Heinrichs von Baiern konnte hier nur mit der äußersten Vorsicht gesprochen werden. Es war nur zu viel in der kaiserlichen Familie vorgefallen, dessen man ungern gedachte. Widukind hatte ohne Scheu davon gesprochen, und es ist sehr wahrscheinlich, dass einige ihrer Aeußerungen direct gegen sein Geschichtswerk gerichtet sind. Mit der Wahrheit hat sie es hier eben nicht genau genommen: sie oder ihre Berichterstatter, deren abweichenden Angaben über schon fernliegende Dinge sie in gutem Glauben trauen mochte. Daneben aber gab es doch auch sonst des Stoffes noch reichlich genug, und hier hat Hrotsuit nicht nur manches, wie namentlich die Flucht der Kaiserin Adelheid, in hübscher und ansprechender Weise behandelt, sondern sie hat auch geschichtlich wichtige Thatsachen und Umstände aufbewahrt. Gerade die von Widukind vernachlässigten Vorgänge in Italien und die uns leider nicht erhaltene Kaiserkrönung hat sie ausführlich behandelt. Die Familiengeschichte ist ihr die Hauptsache, Schlachten zu schildern weist sie ausdrücklich als ihr nicht zukommend ab. Ausdrücklich hebt sie hervor, daß sie nur wiedergebe, was man ihr berichtet habe, und wie in ihren übrigen Werken, so hält sie sich auch hier ganz genau an den ihr überlieferten Gegenstand, und erlaubt sich nie, ihn der poetischen Darstellung zu Liebe umzugestalten. Die metrische Form bleibt bei ihr nur ein äußerliches Gewand, und wir können daher ihre Erzählung geradezu als Geschichtswerk benutzen. Um so mehr ist es zu bedauern, daß etwa die Hälfte ihres Werkes verloren ist, und zwar gerade die so inhaltreichen Jahre 953-962; nur ein kleines Bruchstück daraus ist vorhanden, und keiner der uns bekannten mittelalterlichen Schriftsteller hat ihr Werk benutzt.

Lange Zeit hat Hrotsuit an der Dichtung, die ihr offenbar große Mühe machte, gearbeitet, denn im Anfang erwähnt sie den 965 gestorbenen Erzbischof Brun noch als lebend. Bruno Zint[2] hat die Ansicht aufgestellt, daß sie, als sie die "Widmungen an Gerberga und an Otto I schrieb, auch die Absicht hatte, ihr Werk in gleich ausführlicher Weise bis zum Schluß zu führen, worauf der Wortlaut allerdings führt; später habe sie, als Otto II ein Exemplar verlangte, die Darstellung der Kaiserzeit aufgegeben und den summarischen Schluß hinzugefügt. In der Zwischenzeit könnte ihr Widukind bekannt geworden sein, der bei der eigentlichen Arbeit ihr nicht vorlag. Dagegen tritt Zint sehr bestimmt für die schon früher aufgestellte Behauptung ein, daß Liudprands Antapodosis ihr bekannt gewesen und von ihr benutzt sei, und bringt dafür sehr erhebliche Gründe bei. Mit den von ihr in der Widmung gebrauchten Ausdrücken läßt sich das wohl vereinigen, da Liudprands Werk doch ganz anderer Art war.

Später behandelte Hrotsuit in ähnlicher Weise auch die Anfänge ihres Klosters und dessen Geschichte bis zum Jahre 919, bis zum Tode der Christina, der letzten von den drei Töchtern Ludolfs, welche nach einander dem Stifte vorstanden[3]. Da diese Dichtungen sich von der Prosa fast nur durch die äußere Form unterscheiden, so lassen sie sich den später so beliebten Reimchroniken vergleichen; sie schließen sich nicht dem Epos Angilberts, sondern den versificirten Annalen des sächsischen Dichters an.

Die Gandersheimer Nonnen sind dem gewöhnlichen Geschick reicher und vornehmer Stifter verfallen; von ihren Studien ist nach diesen vielversprechenden Anfängen ferner nicht die Rede. Ueber den Kirchenstreit, welcher so viel Unruhe erregte, haben wir der Hildesheimer Darstellung eine Gandersheimer nicht gegenüber zu stellen. Von der Aebtissin Sophie (1002-1039), Otto's II Tochter, heißt es zwar noch:

Danken, word unde werk wande se all to gode, Under der ebtissen or nichteln hode Lernde se clostertucht unde ok landrecht darto; De scrift to lernde was se vlitich spade unde vro. Dat bok secht, dat se so vele wisheit konde, Dat se ok wolgelarden meistern wedderstunde.

Aber gerade unter ihr scheint die Hoffart dort eingezogen zu sein. Das Buch war wohl sicher von keiner Nonne verfaßt. Es behandelte die Stiftung des Klosters und dessen Geschichte bis zu der Kirchweih von 1007 und der Schenkung von Derneburg, nebst der aufs engste damit verflochtenen, ja an die Pflege des Klosters geknüpften Erhebung des Hauses des Ludolfinger. Im Jahre 993 war das Kloster abgebrannt; nach Beilegung des langen Streites mit dem Erzbischof Willegis wurde der Neubau 1007 durch den Bischof Bernward von Hildesheim eingeweiht, und ohne Zweifel durch diese Vorgänge wurde die Schrift veranlaßt. Von Hrotsuit scheint der Verfasser nichts mehr gewußt zu haben. Dagegen benutzte er Widukind, vorzüglich für die Geschichte des Königs Heinrich, und verband damit eine schon sagenhaft entstellte Ueberlieferung vom Ungernkrieg. Die Aebtissinnen Gerbirg und Sophie werden sehr verherrlicht, aber was von ihnen und ihrem Verhältniß zum Kaiserhaus berichtet wird, trägt schon ein so sagenhaftes Gepräge, daß eine geraume Zeit dazwischen liegen muß. Erhalten ist uns dieses Buch nicht, wohl aber die deutsche Bearbeitung des „papen Eberhart“ von 1216 in wortreicher Reimerei[4].

Merkwürdig ist vorzüglich, daß uns hier, wie es nach der sorgfältigen Untersuchung von Paul Hasse scheint, der erste Anfang jener sagenhaften Ausschmückung der Geschichte entgegentritt, deren wir noch mehrfach zu gedenken haben werden; noch andere Spuren leiten dabei gerade nach Gandersheim, und die Darstellung des Sieges über die Ungern in der von Heinrich von Herford benutzten Sachsenchronik ist mit dem Bericht bei Eberhart verwandt[5].

In der Zeit der Ottonen scheinen auch andere Frauenklöster Sachsens hinter Gandersheim an gelehrter Bildung nicht zurückgeblieben zu sein, wenn auch gerade keine Hrotsuit ihnen einen so hohen Ruhm vor der Welt verlieh, wie Gandersheim. Der Hazecha von Quedlinburg gedachten wir schon oben (S. 321). Nicht leicht traten die Nonnen als Schriftstellerinnen auf, aber auch die Bildung der Priester, welche wie Agius dem Stifte nahe standen oder auch dem Kloster selbst angehörten, erlaubt einen vortheilhaften Schluß auf den Zustand der Klosterschule.

Herford hatten wir schon früher (S. 253) zu erwähnen wegen der Uebertragung der heiligen Pusinna. Hier ward Hathumod erzogen, und es wird von Agius gerühmt. Hier wurde auch die Königin Mahthild unter der Aufsicht ihrer gleichnamigen Großmutter, der Aebtissin des Klosters, erzogen und unterrichtet. Als Witwe stiftete die Königin das Kloster Nordhausen, und hier wurde im nächsten Jahrzehnt nach ihrem Tode (28. Febr. 968) ihr Leben beschrieben, entweder von einer Nonne des Stiftes oder von einem Priester, der ihr nahe gestanden hatte und von der Aebtissin Ricburg die übrigen Nachrichten erfuhr. An den Kaiser Otto II ist es gerichtet und natürlich ganz panegyrischer Art. Auch die Form ist ungeschickt, aber in dieser Zeit war es noch ein nicht häufiges Verdienst, überhaupt schreiben zu können. Der Inhalt genügt freilich unseren Wünschen bei weitem nicht; die gewöhnlichen Schilderungen klösterlicher Frömmigkeit nehmen den größten Raum ein, und wie Einhard die Worte Suetons benutzt hat, um den Kaiser Karl zu schildern, so finden wir hier ganze Stellen aus Sulpicius Severus und aus dem Leben der Radegunde angewandt. Herzog Heinrich ist von Jaffé entlarvt als der Pamphilus aus Terenz Andria[6]. Das Formelhafte dieser Lobpreisungen tritt dadurch hier noch mehr als sonst hervor, und an einer Stelle ist sogar die Geschichte selbst dadurch sehr wesentlich berührt worden, indem Otto I eine gewaltsame Thronbesteigung zum Vorwurf gemacht wird. Diese Behauptung, welche früher einigen Anstoß erregt hatte, wird nun niemand mehr irren, seitdem Jaffé, der jene fremden Federn überhaupt zuerst entdeckte, hier eine Stelle des Sulpicius Severus nachgewiesen hat, welche den Kaiser Maximus angeht. Seitdem hat nun H. Heerwagen auch noch die Plünderung der Vita S. Gertrudis ans Licht gebracht, und dadurch Koepke's Ansicht von einer Benutzung des Widukind in dieser Biographie die letzte Stütze entzogen. Er hat zugleich auf die zahlreichen Fragmente von Hexametern hingewiesen, welche bedeutende Vertrautheit mit alten Dichtern zeigen, während dagegen der von Loeher angeregte Gedanke an eine ursprünglich metrische Bearbeitung durch die musivische Zusammensetzung mit jenen Plagiaten unmöglich wird[7].

Dennoch gewährt uns diese Schrift einige schätzbare Nachrichten, und es ist deshalb sehr erfreulich, daß R. Koepke sie in einer Göttinger Handschrift entdeckte[8]. Früher kannte man nur eine spätere Ueberarbeitung derselben, deren Verfasser, ebenfalls dem Kloster Nordhausen nahestehend, das Werk stilistisch umformte und manches veränderte, namentlich Heinrich von Baiern, Mahthilds Lieblingssohn, ungebührlich hervorhob, dem Enkel desselben, Heinrich II, zu Liebe, welcher ihm diese Arbeit aufgetragen hatte[9]. Daß hierzu Gumpolds Wenzellegende benutzt war, hat zuerst Loeher bemerkt, der jedoch eine gemeinsame Quelle annahm; R. Koepke hat das richtige Verhältniß festgestellt. Die genaueste und sehr lehrreiche Analyse der ganzen Vita hat aber Heerwagen angestellt. Die Bildung ist inzwischen schon bedeutend mehr clerical geworden; nicht mehr vergilische Anklänge herrschen hier, sondern die kirchliche Reimprosa des Chorgesangs. Der Ausdruck ist geglättet, und die wörtlichen Entlehnungen sind mehr verwaschen, dafür aber andere dazugekommen, und wieder ist es derselbe gelehrte Apparat, vermehrt jedoch durch Sedulius (ep. ad Macedonium), mit welchem auch der Ueberarbeiter wirthschaftet. Recht lebhaft tritt uns hier entgegen, wie frei für kirchliche Zwecke und zur verzierenden Ausschmückung die Ueberlieferung behandelt und wie bereitwillig der Schmeichelei für das regierende Haus die Wahrheit geopfert wird. Den Anspruch auf geschichtliche Glaubwürdigkeit hat diese jüngere Vita vollständig eingebüßt.

Bedeutender als Herford und Nordhausen tritt Quedlinburg hervor, ebenfalls eine Stiftung der Königin Mahthild; die erste Aebtissin (966-999) war ihre Enkelin gleiches Namens, die Tochter Otto's des Großen, welcher Widukind seine Geschichte widmete. Hier wurde die Pfalzgräfin Agnes erzogen, und auch der Bischof Thietmar von Merseburg hat hier seine ersten Jugendjahre verlebt, wie denn häufig in damaliger Zeit zum geistlichen Stande bestimmte Knaben die Anfänge des Unterrichts von den Frauen ihrer Familie erhielten[10]. Wir haben schon oben (S. 321) der gelehrten Nonne Hazecha gedacht, von welcher es fast den Anschein hat, als ob sie der Studien wegen sich in Speier aufgehalten habe.

Die bedeutende Stellung, welche die Aebtissin von Quedlinburg im Reiche einnahm, besonders als Otto III ihr während seines Römerzuges die Verwaltung der Geschäfte übertrug, konnte nicht fehlen, hier das Bedürfniß nach geschichtlichen Aufzeichnungen hervorzurufen, so wie an Nachrichten hier kein Mangel sein konnte.

Verschiedene Jahrbücher hatte man zu diesem Zwecke zur Verfügung; als bequemste Grundlage aber erwählte man die Hersfelder Annalen. Diese sind uns in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht erhalten, aber, während locale Nachrichten die Herkunft feststellen, durch wörtliche Uebereinstimmung als gemeinsame Quelle zu erkennen bei dem Hersfelder Mönch Lambert, in den Annalen von Hildesheim, Quedlinburg und Weißenburg, welche deshalb von Pertz bis 984 neben einander abgedruckt sind[11]. Als fünftes Exemplar kommen die sog. Annalen von Ottobeuern hinzu, welche hessischer Herkunft sind; als sechstes die Altaicher. In den Annalen von Fulda (S. Bonifacii), Lobbes, Ellwangen, Münster im Gregorienthal, bei Marianus Scotus, beschränkt sich die Uebereinstimmung auf den fast werthlosen älteren Theil und wird nur auf Benutzung derselben Fulder Grundlage beruhen, deren wir oben (S. 241) gedachten.

Wie man nun auf Grundlage dieser Compilation, nebst einigen Notizen aus älterer Zeit, die am Rande der Ostertafel vorhanden sein mochten, sie fortsetzend das so weit verbreitete Annalenwerk aufgebaut hat, das ist eine schwierige Frage, welche den Scharfsinn mehrerer Forscher beschäftigt hat, unter denen ich nur Ehrenfeuchter in seiner Dissertation über die Annalen von Nieder-Altaich (1870) nenne. Genaueren Nachweis findet man in den gründlichen und sorgfältigen Untersuchungen von Hermann Lorenz[12] und Friedrich Kurze[13]. Begonnen sind sie nach diesem kaum vor 955 und im Anfang aus den Annalen von Corvey, Regino und dessen Fortsetzung geschöpft, sehr dürftig, doch finden sich hin und wieder, und besonders um die Mitte des zehnten Jahrhunderts, neben localen Notizen auch nicht unwichtige Nachrichten; von 960 bis 973 ist die Erzählung gleichzeitig und ausführlicher als vorher.

So weit stimmen alle Ableitungen überein, doch ist unverkennbar, daß den Hildesheimer und Quedlinburger Jahrbüchern die vollständige Urform, den übrigen Ableitungen eine abgekürzte Form zu Grunde liegt.

Von hier an nahm man bisher zwei ganz verschiedene Fortsetzungen an, eine in Hersfeld geschriebene bis 984, und eine davon verschiedene Hildesheimer, allein F. Kurze hält beide für identisch und hat (S. 13-25) den Versuch gemacht, den gemeinsamen Ursprung der Nachrichten nachzuweisen, welche in diesem Theile besonders ausführlich und werthvoll, auch in den Altaicher Annalen am besten, wenn auch stilistisch aufgeputzt, uns erhalten sind. Hier endeten die originalen Hersfelder Aufzeichnungen, vielleicht, wie Kurze vermuthet, in Folge von des Abtes Gozbert (970-984) Rücktritt. Von ihm rühmt Lambert in seiner Geschichte von Hersfeld, daß er das Stift mit vielen Büchern bereichert habe, und schildert dann die Verwilderung unter seinem Nachfolger. Dagegen beginnen jetzt die Hildesheimer Eintragungen, welche um 1040 von einem Hersfelder Epitomator in einen Auszug gebracht, den originalen Annalen angehängt, und mit ihnen von Lambert und den Urhebern der Altaicher und Ottobeuerer Annalen benutzt sind.

Außer diesen Annalen sind in Hersfeld auch im Anfang der Regierung Otto's I Wunder des h. Wigbert aufgezeichnet worden, welche für Heinrichs I Zeit einige Bedeutung haben[14].

Jene Annalen nun wurden in Quedlinburg als Grundlage einer Compilation benutzt, welche durch andere Materialien aus den Einhardschen Annalen, den Corveyer und Reichenauer, Notizen aus Gandersheim und von 781 an aus einer verlorenen Halberstädter Chronik vermehrt und bereichert wurden[15]; den Eingang bildete hier, wie bei Lambert, ein mageres Excerpt der Weltgeschichte, welche am Anfang der Hersfelder Annalen stand: von 708 an beginnt erst die annalistische Form. So wurde, als Heinrich II schon König war und Otto's III Schwester Adalheid dem Stifte vorstand, eine Compilation verfertigt, welche unter dem Namen Quedlinburger Annalen noch zum Theil erhalten ist[16].

Der Verfasser wird einer der zahlreichen Geistlichen gewesen sein, welche den Gottesdienst versahen oder als Kapläne der Aebtissin zur Seite standen. Ihm lagen, als er seine Arbeit unternahm, die Thaten der Frankenkönige und Einhards Leben Karls vor; auch Widukinds Werk kann ihm nicht unbekannt gewesen sein. Allein er machte keinen Versuch, nach der Weise dieser Vorgänger die Geschichte der Vorzeit darzustellen, sondern schloß sich einfach der bequemen Form der Hersfelder Annalen an, von welchen er ein Exemplar mit der Fortsetzung bis 990 besaß. Diese excerpirte er in sehr roher Weise, und vermehrte sie wiederum mit zahlreichen Zusätzen, aber es kam ihm doch nicht in den Sinn, auch eine innerliche Verknüpfung zu erstreben.

Auch hier finden wir Stücke aus der alten Heldensage, die zum Theil mit Widukinds Erzählung übereinstimmen, aber sie sind hier nur ganz äußerlich eingeschoben. Es fällt darunter vorzüglich (S. 31) eine Bemerkung über Dietrich von Bern auf, de quo cantabant rustici olim, was zum elften Jahrhundert schlecht paßt, und eine lange Erzählung vom Thüringerkriege, welche ganz aus dem Charakter des übrigen Werkes heraustritt. Hiervon hat nun L. Hoffmann[17] nachgewiesen, daß weder Ekkehard noch der Sächsische Annalist und Chronograph sie in ihrem Exemplar gelesen haben, daß dagegen der Verfasser des Chronicon ducum Brunsvicensium sie gekannt hat. Wenn nun, wie man vermuthet, dieser sie aus den Nienburger Annalen entnommen hat, so muß sie im 12. Jahrhundert vorhanden gewesen sein. Aber zum ursprünglichen Werke gehört sie nicht, und die Bemerkung über Thiderik von Berne ist ein noch viel späterer Zusatz[18].

Gewiß fehlte es in Quedlinburg nicht an Hülfsmitteln, um besseres zu leisten, aber vielleicht eben deshalb und weil der Verfasser gar nicht daran dachte, die ausführlicheren Werke über die Vorzeit durch das seinige ersetzen zu wollen, begnügte er sich mit dem dürftigsten annalistischen Gerippe, welches ihm diente, um nach Bedürfniß hier und da Bemerkungen und Zusätze einzutragen. Mit Heinrichs I Zeit werden die selbständigen Eintragungen häufiger[19], durchweg panegyrisch für die Ludolfinger; nach einer Lücke von 961-983, die sich aus dem späteren sächsischen Chronographen zum Theil ergänzen läßt, finden wir den Verfasser schon 993 als Augenzeugen redend, und von da an beginnt nun eine sehr ausführliche Geschichtserzählung, die von Jahr zu Jahr fortschreitet, und wenn nicht immer gleichzeitig, so doch nicht sehr fern von den Ereignissen aufgezeichnet ist. Von 1004 an tritt eine lebhafte Abneigung gegen Heinrich II hervor, welche sich vorzüglich an seine rücksichtslose Klosterreform anknüpft; noch bis in den Anfang von 1016 scheint dieselbe völlig gleichzeitige Hand kenntlich zu sein. Der weitere Fortsetzer aber ist ein eifriger Bewunderer des Kaisers; die nächsten Jahre sind weit kürzer und nicht fehlerfrei, wohl nachträglich ergänzt von demselben, welcher 1020 mit breitem pomphaften Redefluß fortfährt[20].

Vieles erinnert in diesen Jahrbüchern an die alten Reichsannalen, allein es fehlt doch die gleichmäßige Einheit, es fehlt auch der umfassende Ueberblick über das ganze Reich. Wenn man auch die Beziehung der fürstlichen Aebtissin zum Kaiserhofe wahrnimmt an der zuverlässigen Kunde von entfernten Ereignissen, so überwiegt doch das Interesse für die nähere Umgebung, namentlich die Kämpfe mit den Slaven, und die unbedeutendsten localen Vorfälle treten ohne Unterscheidung zwischen die großen geschichtlichen Begebenheiten. Zugleich artet die Sprache häufig in unerträgliche Schwülstigkeit aus, wodurch vollends alles Ebenmaß verloren geht. Doch müssen wir diese Jahrbücher zu den bedeutenderen Erscheinungen der Historiographie zählen, und sachlich sind sie vom höchsten Werthe, ihr plötzliches Abbrechen mit dem Jahre 1025 läßt eine sehr empfindliche Lücke zurück. Ob sie viel weiter gereicht haben, ist sehr zweifelhaft[21]; uns ist nur eine Abschrift aus später Zeit erhalten, und der gänzliche Verlust, der hier so leicht erfolgen konnte, legt den Gedanken nahe, wie manche andere Aufzeichnung der Art spurlos verschwunden sein mag. Namentlich läßt sich das mit Sicherheit von Halberstadt annehmen, wo gewiß auch geschichtliches geschrieben wurde. Hier war 840 bis 853 Haimo Bischof, ein Schüler Alcuins, Hrabans Freund, ein sehr gelehrter und fruchtbarer theologischer Schriftsteller, der unter anderm aus Rufins Kirchengeschichte einen Auszug in zehn Büchern verfaßte; doch ist es zweifelhaft, ob diese Schriften ihm mit Recht zugeschrieben werden[22]. Von ihm gab es eine Biographie, aber leider ist nur ein kleines Fragment davon erhalten[23]. Der Verfasser, Rochus, war jedoch Mönch im Kloster Ilsenburg, welches erst 998 gegründet ist, und schrieb also mindestens anderthalb Jahrhunderte nach dem Tode des Bischofs. Auf den wegen seiner Frömmigkeit sehr verehrten Bischof Bernhard (924 bis 968) folgte (968 bis 996) Hildeward, welcher in St. Gallen höhere wissenschaftliche Ausbildung erhalten hatte. Wir besitzen von ihm einen Brief an den Bischof Adalbero II von Metz (984 bis 1005)[24], worin er, eingedenk der mit seinem Vorfahr Dietrich geschlossenen Verbrüderung, ihm ein Buch, um welches er gebeten hatte, überläßt, zugleich aber bittet um ein Theilchen von dem Blute des h. Stephan, und um Reliquien der h. Glodesinde „quatenus pietas divina, quae aliis in Gallia Hunorum devastatione pereuntibus vestram horum interventu civitatem protexit, nos etiam eorundem precibus a prevalidis Sclavorum, quibus undique premimur, infestationibus omnibusque periculis liberare dignetur“. Beide Kirchen verehrten den h. Stephan als ihren Schutzpatron.

Unter diesem Bischof nun ist nach Weilands Forschungen eine Bisthumschronik geschrieben, welche schon Thietmar benutzt hat, da er vielfach nach Jahren der Halberstädter Bischöfe rechnet; auch in den Quedlinburger Annalen soll sie schon benutzt sein. Diese Chronik wurde bis 1140 fortgesetzt, bis 1113 vom Annalista Saxo benutzt. Andere Fortsetzungen folgten; erweitert durch Benutzung von Thietmar, Ekkehard u. a. wurde sie 1209 in den Auszug gebracht, welcher allein uns erhalten ist[25].

Hildewards Nachfolger Arnold oder Arnulf (996 bis 1023) weihte die angeblich von Heinrich II aus Liebe zu dem Einsiedler Wanlef erbaute Stephanskirche zu Wanlefsrode, welche später als Probstei an das nahe Ilsenburg kam[26]. Von ihm besitzen wir einen ausführlichen, vortrefflich geschriebenen Brief, durch welchen er im J. 1007 den Bischof Heinrich von Würzburg zu bestimmen suchte, sich die Stiftung von Bamberg gefallen zu lassen[27].

Zu nennen ist von anderen sächsischen Klöstern nur noch Werden an der Ruhr, wo Uffing außer einigen Versen zum Preise des h. Liudger und seines Klosters auch das schon oben (S. 253) erwähnte Leben der h. Ida zwischen den Jahren 980 und 983 verfaßte.

§ 4. Hildesheim. [←]

Hildesheim, in der karolingischen Periode noch nicht durch litterarische Leistungen bekannt[1], gewann in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts einen glänzenden Namen unter den Pflanzstätten höherer Bildung, den es dann lange behauptete. Als erstes Denkmal ist uns die Geschichte der Uebertragung des h. Epiphanius erhalten[2]. Der Eifer für die Erwerbung von Reliquien, der schon im neunten Jahrhundert so manche kleinere geschichtliche Aufzeichnung veranlaßt hatte, gewann in der folgenden Periode einen neuen Anstoß durch die Römerzüge der Ottonen, und der an solchen Schätzen reiche italische Boden wurde mit allen Mitteln ausgebeutet.

Otwin, einst Mönch in Reichenau, der zweite Abt des Mauriciusstiftes zu Magdeburg, der 954 den Hildesheimer Bischofstuhl bestiegen hatte, begleitete den Kaiser auf seiner zweiten Heerfahrt nach Italien und benutzte 962 seinen Aufenthalt zu Pavia, um sich durch Einbruch und Kirchenraub den Leib des h. Epiphanius zu verschaffen, den er als herrlichste Beute nach Sachsen brachte.

Allein nicht nur an Reliquien, sondern auch an Büchern war Italien noch immer das reichste Land, und auch diesem Schatze stellte Otwin eifrig nach; auch davon brachte er einen großen Vorrath mit nach dem bis dahin bücherarmen Hildesheim, und dadurch legte er den Grund zu der kräftigen Entwicklung der dortigen Schulen[3]. Die erste Frucht dieser neuen Thätigkeit, welche uns bekannt geworden ist, verherrlicht eben jene Uebertragung; es ist eine im schlichten kirchlichen Stil der Zeit geschriebene Erzählung, die jedoch erst nach Otwins Tode (1. Dec. 984) verfasst ist, vielleicht, wie Beelte vermuthet, von Thangmar.

Dieser stand damals der Schule vor; später wurde er Domdechant und nahm zugleich als Bibliothekar und Notar eine bedeutende Stellung ein; ein großer Theil der bischöflichen Geschäfte ging durch seine Hand, und namentlich in den Jahren von 1000 bis 1002 führten ihn wichtige Aufträge wiederholt an den päbstlichen und kaiserlichen Hof. Seiner besonderen Leitung wurde der junge Bernward anvertraut, ein sächsischer Knabe von vornehmster Herkunft, der schon in früher Kindheit der Hildesheimer Kirche übergeben war. Nicht allein in den Wissenschaften, sondern auch in den Künsten, der Schreibkunst, Malerei, Bildhauerei und Baukunst wurde der junge Bernward unterrichtet, und auch hierin zeichnete er sich bald in hohem Grade aus. Denn wie wir das besonders auch in St. Gallen sahen, die Geistlichkeit pflegte und bewahrte in Deutschland damals in ihrer Mitte alles, was überhaupt von höherer Ausbildung irgend vorhanden war; noch mußte sie fast alles, dessen sie bedurfte um den hohen Anforderungen ihrer Stellung zu genügen, selber leisten.

Später hielt Bernward sich einige Zeit bei dem Erzbischof Willigis auf, bei seinem Großvater dem Pfalzgrafen von Sachsen, und bei seinem Oheim, dem Bischof Folkmar von Utrecht; dann begab er sich 987 an den kaiserlichen Hof, und hier vertraute ihm Theophano die Erziehung des königlichen Kindes Otto III.

Am 7. Dec. 992 starb in Como der Bischof Gerdag von Hildesheim, und Bernward wurde zu seinem Nachfolger erwählt. Dreißig Jahre lang hat er dieses Amt verwaltet, und nicht leicht hat ein Bischof ein besseres Andenken hinterlassen. Unter den trefflichen Bischöfen, an welchen diese Zeit so reich ist, war er einer der hervorragendsten. In ihrer Hand waren zum großen Theil die Reichsgeschäfte; Bernward hatte schon als Hofcaplan an der Regierung Antheil gehabt, und als Bischof nahmen ihn die wichtigsten Angelegenheiten vielfach in Anspruch. Dabei aber sorgte er für seinen Sprengel mit unermüdlicher Sorgfalt. Noch war Sachsen nicht gesichert gegen die Einfälle der Wenden und der Normannen, welche grade damals mit verstärkter Wuth sich erneuten, und erst Bernward verschaffte seinem Gebiete durch Befestigungen und zweckmäßige Einrichtungen ausreichenden Schutz, sowie er auch durch vielfache kaiserliche Begnadigungen die Ausbildung des Stiftes zu einem wirklichen Fürstenthume begründete. Ueberhaupt ließ er keine Eigenschaft eines tüchtigen weltlichen Regenten an sich vermissen und war zugleich ernstlich bemüht, Hildesheim immer mehr zu einer Stätte geistiger Bildung zu machen. Er bereicherte die Bibliothek des Stiftes mit zahlreichen Handschriften; leider wurde aber durch einen Brand 1013 der größte Theil der Bibliothek vernichtet[5]. Talentvolle Knaben ließ er in Wissenschaft und Kunst unterweisen; die begabtesten führte er mit sich an den königlichen Hof, um sie von der vielfachen hier gebotenen Gelegenheit zu höherer Ausbildung Nutzen ziehen zu lassen. Mit herrlichen Kunstwerken hat er seine Bischofstadt geziert[6] und ein bleibendes Denkmal errichtete er sich durch die Stiftung des Michaelisklosters, dessen erster Abt Goderamnus, Probst von St. Pantaleon in Coeln, ein Mann von wissenschaftlicher Bildung war[7].

Tief betrauert starb Bernward am 20. November 1022, und seinem alten Lehrer Thangmar, der ihn um einige Jahre überlebte, fiel noch die Aufgabe zu, ein Bild seines Lebens zu entwerfen. Die Absicht hatte er schon früher gehabt, und nachdem er mit Mühe Bernwards Einwilligung dazu erlangt, die Materialien dafür gesammelt, wie Beelte nachweist, auch die ersten 10 Capitel schon zwischen 1008 und 1013 geschrieben. Damit verband er nun den Schluß (Cap. 44-56) und schob in die Mitte eine Zusammenstellung seiner gleichzeitig gemachten Aufzeichnungen über den Gandersheimer Streit, weniger deshalb, weil sie für die Biographie nöthig waren, als zum Rüstzeug für den Nachfolger. Einen großen Theil dessen, was er berichtet, hatte er selbst mit durchlebt und an allen Geschäften thätigen Antheil genommen; Bernward aber war, wie Thangmar selbst sagt, von solchem Vertrauen zu ihm erfüllt, wie ein Kind zu seinem Vater, und aus seinem ganzen Leben konnte auch nicht der geringste Umstand ihm verborgen bleiben.

So entstand denn das Leben Bernwards[8], eines der schönsten biographischen Denkmale des Mittelalters, welche wir besitzen, und eine der wichtigsten Quellen für einen bedeutenden Zeitraum. Die reichste Fülle des Stoffes tritt hier an die Stelle jener immer wiederkehrenden Phrasen, welche sonst so häufig die Armuth des Schreibenden verdecken; die Sprache ist schlicht und einfach, und während die wärmste Liebe zu dem Verstorbenen das ganze Werk erfüllt, trägt es doch den Stempel der Wahrhaftigkeit. Bernward bedurfte zu seinem Lobe keiner Uebertreibungen. Nur in Bezug auf Heinrichs II Wahl, der Bernward entgegen war, ist Thangmar nicht aufrichtig, und sein Ansehen bei Otto III ist, wie es Biographen zu gehen pflegt, überschätzt. Einen großen Raum nimmt hier, wie im Leben Godehards, der Streit der Hildesheimer mit den Mainzer Erzbischöfen wegen des Diöcesanrechtes über Gandersheim in Anspruch. Leider fehlt es uns darüber ganz an einer Darstellung von der anderen Seite, aber eine gewisse Einseitigkeit und nicht gar zu offenherzige Wahrhaftigkeit werden wir dem Hildesheimer zu gute halten müssen.

Vieles was im Leben Bernwards steht, findet sich übereinstimmend, aber kürzer, auch in den Hildesheimer Annalen[9], einer sehr schätzbaren Geschichtsquelle, welche wir vermuthlich der Anregung Bernwards verdanken. Wenigstens sind sie in der noch erhaltenen Urschrift bis zum Jahre 994, wo sie mit einem unvollendeten Satze schließt, von einer Hand geschrieben und also wohl bald, nachdem Bernward Bischof geworden war, zuerst verfaßt. Die Beschaffenheit dieses ersten Theiles ist ganz dieselbe, welche wir schon bei den Quedlinburger Annalen sahen und überall wiederfinden; der Verfasser hielt eine bis auf Adam zurückreichende annalistische Grundlage für nothwendig, ohne jedoch darauf irgend welche Sorgfalt zu verwenden; er ließ nur auf Rufi Festi breviarium einen Auszug aus der Chronik des Isidor[10] folgen, schon hier mit Benutzung der Hersfelder Annalen; sodann einen Pabstcatalog. Darauf schrieb er die kleinen Lorscher Annalen ab und excerpirte von da an, wo diese aufhören, die Hersfelder Annalen, nicht ohne eigene Zusätze. Daran schließt sich dann die Fortsetzung, welche den Werken dieser Art allein einen Werth verleiht, abgesehen von den einzelnen Notizen, welche durch den Mangel besserer Quellen zufällig Bedeutung erlangen. Die Nachrichten sind gut und zuverlässig, bei weitem nicht so ausführlich wie die Quedlinburger, aber übrigens ähnlicher Art. Die Verfasser haben die großen Begebenheiten der Zeit im Auge und berichten darüber, was sie erfahren; dazu setzen sie alles, was ihnen merkwürdig vorkommt, großes und kleines; von einer eigentlichen Verarbeitung, einer gleichmäßig fortgeführten geschichtlichen Erzählung ist nicht die Rede.

Nur bis zum Jahre 1040 stammen diese Annalen aus Hildesheim und zwar aus dem von Bernward gestifteten Michaeliskloster; der Rest bis 1137 ist den Sanct Albaner und Paderborner Annalen entnommen. Von jenem Theile aber von 995 bis 1040 nahm Pertz an, daß er in dieser Handschrift (Paris 6114) von verschiedenen Händen den Ereignissen gleichzeitig eingetragen sei. Nachdem jedoch mehrere Bedenken diese Annahme als unwahrscheinlich erscheinen ließen, hat nun eine erneute Prüfung der Handschrift ergeben, daß Pertz sich geirrt hat, und daß vielmehr das Stück von 1000 bis 1040 von einem Copisten eingetragen ist[11]. Deshalb steht nun kein Bedenken mehr der Thatsache entgegen, auf welche mit zunehmender Sicherheit die scharfsinnigen Untersuchungen von H. Pabst[12], E. Steindorff[12], W. v. Giesebrecht und H. Breßlau führten, daß es nämlich größere vollständigere Hildesheimer Jahrbücher gegeben hat, von welchen uns nur ein Auszug erhalten ist. Wir werden darauf später zurückkommen; rückwärts hat sie Breßlau bis 1023 verfolgt, H. Lorenz aber und besonders Fr. Kurze, gestützt vorzüglich auf die Annales Altahenses, auch schon für die frühere Zeit. Es sind danach also die Hersfelder Annalen bis 984 in Hildesheim mit Zusätzen[13] und einer Fortsetzung bis 994 versehen, und dieses Werk ist in einen Auszug gebracht, zu welchem später ein weiterer Auszug aus denselben, inzwischen fortgesetzten größeren Jahrbüchern hinzugefügt ist. Zweifelhaften Ursprunges bleiben nur die Jahre 995 bis 997, welche nach Waitz von einer zweiten Hand geschrieben sind, während eine dritte zu 998 eine kurze Eintragung machte, Notizen zu 996 und 999 etwas später geschrieben sind.

Hildesheim wurde das Glück zu Theil, daß auf Bernward der nicht minder ausgezeichnete Bischof Godehard folgte, und es behauptete auch in der folgenden Periode eine hervorragende Stellung.

§ 5. Magdeburg. Merseburg. [←]

An der Ostgrenze Sachsens hatte Otto, auch hierin Karls Beispiel folgend, Magdeburg ausersehen zum geistigen Mittelpunkte für die wendischen Länder. In das Moritzkloster, welches die Grundlage dazu bildete, berief er 937 Mönche aus St. Maximin bei Trier, einem Kloster, das freilich auch verweltlicht und verwildert, aber schon 934 zur klösterlichen Ordnung zurückgeführt war. Auch der erste Erzbischof Adalbert (968-981) war ein Mönch von St. Maximin und Abt von Weißenburg; in beiden Klöstern zeigt sich Sinn für Geschichtschreibung, und von Adalbert, unter dem die Magdeburger Schule einen hohen Aufschwung nahm, vielleicht selbst Verfasser eines ausgezeichneten Geschichtswerkes, möchte man annehmen, er werde auch dafür gesorgt haben, daß die merkwürdigen Ereignisse, deren Mittelpunkt Magdeburg war, nicht in Vergessenheit geriethen, doch ist davon keine Spur vorhanden. Ohtrich oder Otrich, der Vorsteher der Domschule[1], galt bei seinen Verehrern für den größten Gelehrten seiner Zeit; er wetteiferte mit Gerbert und disputirte mit ihm (980) vor dem Kaiser Otto II. Denn in Magdeburg hatte er sich mit dem Erzbischof nicht vertragen können; sein Ehrgeiz, wie es scheint, trieb ihn an des Kaisers Hof, wo außer dem Ruhme der Gelehrsamkeit auch Bisthümer zu erhaschen waren: nach Adalberts Tod traf ihn auch wirklich die Wahl, aber Gisiler von Merseburg wußte ihn zu verdrängen, und kurz darauf starb er in Benevent am 7. October 981. In Magdeburg hatten bei seinem Abgang die vielen durch ihn dahin gezogenen Fremden die Stadt verlassen, doch scheint die Schule unter Ekkehard dem Rothen[2] und Geddo immer eine achtungswerthe Wirksamkeit geübt zu haben.

Nicht ohne Wahrscheinlichkeit ist vermuthet worden, daß bald nach dem Tode Gisilers (1004), dessen Ehrgeiz die kirchlichen Schöpfungen Otto's in betrübender Weise zerrüttet hatte[3], in Magdeburg ein Geschichtswerk entstanden sei, welches nach Urkunden und eigener Kenntniß gearbeitet, über die Stiftung und die nächstfolgenden Schicksale des Stiftes Auskunft gab; daß dieses schon Thietmar vorgelegen habe, und im Chronographus und Annalista Saxo so wie im Magdeburger Chronicon theilweise zu erkennen sei[4]. Darauf hat jedoch F. van Hout behauptet und sehr wahrscheinlich gemacht, daß der erste, bis zu Gero's Tod 1023 reichende Theil des Chronicon Magdeburgense unter dessen Nachfolger Hunfrid im Zusammenhang und mit Benutzung der Chronik Thietmars verfaßt sei, wie wir denn auch diesen Theil allein beim Chronographus Saxo wiederfinden[5]. Wird nun dadurch die Voraussetzung einer älteren Gründungsgeschichte nicht berührt, und bleibt es zweifelhaft, wie weit der Text der Chronik unverändert geblieben sei, so verlieren doch andererseits auch W. Giesebrechts Beweise dadurch theilweise ihre Kraft. Wir werden zu der vorsichtigen Aeußerung Lappenbergs zurückgeführt, daß über die Thietmar vorliegenden Magdeburger Aufzeichnungen ein sicheres Urtheil sich nicht gewinnen lasse, weil in den uns vorliegenden Quellen überall schon Thietmars Chronik wieder benutzt sei. Auf die Existenz einer metrischen Fundatio möchte ich jedoch nicht mit C. Günther, der auch selbst diese Vermuthung wieder aufgegeben hat, aus den eingemischten Hexametern schließen, da dergleichen im elften Jahrhundert so sehr häufig ist. Sie reichen nur bis zu Gisilers Tod, und lassen sich daher als Argument für frühere Abfassung verwerthen[6].

Mit großer Bestimmtheit hat nun Fr. Kurze[7] wiederum die Abfassung der ältesten Bisthumschronik bis 1004 behauptet, und zwar von dem Erzbischof Tagino selbst, gestützt auf die Worte bei Thietmar V, 44 (26), daß dieser vom Pabst persönlich hätte geweiht werden sollen „ut scriptura ejus testatur“. Es ist schwer zu glauben, daß Thietmar, wenn ihm wirklich eine von Tagino verfaßte Geschichte als wichtige und vielbenutzte Quelle vorlag, das nicht irgendwo erwähnt haben sollte, und jene „scriptura“ möchte man lieber auf ein Privileg oder auch auf einen Brief deuten, da eben nur bei diesem einzigen Umstand eine solche Berufung vorkommt. Was aber die andere Stelle des Chronogr. Saxo zu 981 betrifft, daß er sich scheue, bei ausführlicherem Eingehen auf Gisilers Handlungen den Unwillen derer zu erregen, welche wegen durch ihn erhaltener Lehen[8] ihm günstig gesinnt wären, so paßt das allerdings nicht zu der Zeit des Compilators, wäre aber immerhin nach zwanzig bis dreißig Jahren noch denkbar, und vielleicht damals die Gefahr größer als unmittelbar nach der Einsetzung des vom König beschützten neuen Erzbischofs. Die Ueberarbeitung und Fortsetzung bis 1023 in blüthenreicher, oft gereimter Schreibweise und mit eingemischten Versen lag dem Nienburger Annalisten vor, und Kurze vermuthet deshalb als Verfasser oder doch Veranlasser Brun, den jüngsten Bruder des Geschichtschreibers Thietmar, Abt der Klöster in Magdeburg und Nienburg von 1025 bis 1034. Den Beschluß der Abhandlung macht ein Versuch der Wiederherstellung dieser Geschichte und der darin enthaltenen ursprünglichen, dem Tagino zugeschriebenen.

Einer von Otrichs Schülern war Adalbert, der schwärmerisch fromme Freund Otto's III, der vergeblich als Bischof von Prag seine Landsleute, die Böhmen, zu lenken versuchte und zuletzt 997 in Preußen den ersehnten Tod als Märtyrer fand. Sein Leib wurde durch Herzog Boleslaw nach Gnesen gebracht, wo man nicht säumte das wunderbare Ereigniß aufzuzeichnen; ganz kurz wird hier der frühere Lebenslauf des Märtyrers berichtet, dann etwas ausführlicher die Umstände seines Todes und die Erwerbung der Reliquien mit den beginnenden Wundern. Kein Wort von des Kaisers Pilgerfahrt nach Gnesen, der Stiftung des Erzbisthums, so daß die Abfassung dieser Legende wohl noch vor das Jahr 1000 zu setzen ist. Schmucklos geschrieben und ungenügend für die Verehrer des Heiligen, welche mehr von seiner Person erfahren wollten, verfiel sie bald der Vergessenheit, nachdem in Italien die ausführliche Biographie geschrieben war, deren wir später noch zu gedenken haben werden. Den Verfasser hält Giesebrecht für einen slavischen Mönch des Klosters Meseritz, ich möchte Gnesen vorziehen; Zeißberg ist geneigt mit W. v. Kentrzynski und Lohmeyer anzunehmen, daß nur der Auszug eines deutschen Geistlichen aus der größeren Arbeit eines Polen vorliege, welche auch der sog. Martinus Gallus benutzt haben könnte. Die Handschrift, welche nach Giesebrechts Vermuthung 1005 durch Heinrich II aus Meseritz nach Tegernsee gekommen sein könnte, ist in München zuerst 1857 von Bielowski, dann unabhängig davon von G. Voigt entdeckt, von W. v. Giesebrecht in ihrem Werth erkannt und herausgegeben worden[9]. Durch jenes in Rom verfaßte Leben Adalberts wurde aber auch einer seiner ehemaligen Genossen auf der Schule zu Magdeburg angeregt, aus eigener Erinnerung und nach den Mittheilungen von Adalberts Freunden und Gefährten Radla und Gaudentius die ihm vorliegenden Lebensnachrichten zu ergänzen, und so eine neue Bearbeitung zu Stande zu bringen, in welcher das Ende des Märtyrers schon von der einfachen Wahrheit sich weiter zu entfernen scheint. Der Verfasser derselben war Brun, aus dem Hause der Edelen von Querfurt, welcher von derselben weltverachtenden Frömmigkeit und derselben Sehnsucht nach dem Märtyrertode beseelt war. Er benutzte eine Aufzeichnung des Prager Domprobstes Willico, welche auch Johannes Canaparius (unten § 19) vorgelegen hat.

Dieses Leben Adalberts[10] ist in einer widerlich blumenreichen und salbungsvollen Sprache verfaßt, aber charakteristisch für diese aufs äußerste getriebene Ascetik und in seinem Inhalte lehrreich; Brun verfaßte es in Ungern um das Jahr 1004, als er im Begriffe war, dem Beispiele seines Freundes zu folgen. Zum Erzbischof der Heiden geweiht, ging er zuerst gegen Ende des Jahres 1007 von Ungern aus durch Rußland zu den Petschenegen, und nachdem er diese seiner Meinung nach bekehrt hatte, zu Boleslaw von Polen, von dessen Hofe aus er einen sehr merkwürdigen und lehrreichen Brief an Kaiser Heinrich II schrieb[11]. Auch verfaßte er im Jahre 1008 eine ausführliche Schrift über die fünf Einsiedler, welche am 11. Nov. 1003 in Polen, vermuthlich bei Meseritz, von Räubern erschlagen waren. Die inhaltreiche Schrift, welche für die Geschichte Otto's III und seiner schwärmerischen Freunde mancherlei enthält, ist von R. Kade entdeckt und herausgegeben[12].

Von hier aus begab sich Brun zu den Preußen und drang bis zu deren östlichen Grenzen vor, wo er den Tod fand, den er suchte, am 14. Februar 1009. Ein kurzer aber lügenhafter Bericht über seine Predigt, seine Wunder und sein Ende, der nichts als ein Bettelbrief ist, wie dergleichen auch sonst vorkommen, angeblich von seinem Begleiter Wipert, hat sich erhalten[13]; eine andere Schrift über ihn, die als wahrhaft gerühmt wird, kennen wir nur aus der späteren Magdeburger Chronik, wo sie benutzt ist. Vielleicht hat auch schon Thietmar von Merseburg sie vor sich gehabt[14], der letzte Schriftsteller Sachsens, den wir in dieser Periode zu betrachten haben, und der erste, bei dem eine Art gelehrter Forschung vorkommt. Denn bei allen den Schriftstellern, die uns bis jetzt beschäftigt haben, ist die Aufzeichnung der Zeitgeschichte die Hauptsache, sie schrieben, was sie erlebt oder gehört hatten. Die Zusammenstoppelung der älteren Theile der Annalen, Widukinds Berufung auf Bücher am Anfang seiner Geschichte, lassen sich als gelehrte Arbeit kaum in Anschlag bringen. Diesen ganz unvollkommenen Anfängen gegenüber zeigt uns die Chronik Thietmars schon einen bedeutenden Fortschritt.

Thietmar von Merseburg.

Ausgabe seiner Chronik von Wagener, 1807, 4. mit guten Anmerkungen. Die einzige kritisch zuverlässige von Lappenberg MG. SS. III, 723-871 u. mit weit genauerer Benutzung der Hs. von Fr. Kurze, Hann. 1889, 8. Die Eintheilung in Bücher und Capitel ist hier verändert. — Uebersetzung von Ursinus, Dresden 1790, mit nützlichen Anmerkungen u. Benutzung des Cod. Dresdensis; von Laurent, mit Vorwort von Lappenberg, 1848; 2. Ausgabe von Strebitzki 1879; Berichtigungen 1892, Geschichtschr. XI, 1, Bd. 39. Nachträgliche Bemerkungen über Thietmars Leben, Archiv IX, 438. Ueber ein Meßbuch und Kalender mit Eintragungen von Thietmars Hand, Hesse ib. IV, 276, und Ausgabe von Hesse in Höfers Zeitschrift für Archivkunde I, 111; Dümmler, N. Mitth. XI, 223-264. Ueber sein Epitaph NA. IX, 246. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 305. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 785. II, 558. Erklärung von Thietm. Chron. VII, 20 von Waitz, Forsch. XIII, 492-494. Strebitzki: Thietmarus quibus fontibus usus sit, Königsb. Diss. 1870. Zur Kritik Thietmars, Forsch. XIV, 349-366. Ueber VII, 5-8, Zeißberg in d. Mitth. d. Wiener Inst. III, 109-115. — F. Kurze, Abfassungszeit u. Entstehungsweise der Chronik Thietmars, NA. XIV, 59-86. Nachlese XVI, 459-472.

Thietmar, ein Sohn des Grafen Sigefrid von Walbeck, am 25. Juli 975 geboren, getauft vom Bischof Hilliward von Halberstadt, stammte aus einem der vornehmsten Geschlechter Sachsens; er war mit den bedeutendsten Fürstenhäusern, selbst mit den Ottonen verwandt, und die wichtigsten Ereignisse im Reiche hatten deshalb eine persönliche Beziehung zu ihm, so daß er frühzeitig von allen Kunde erhielt und mit den Verhältnissen des Reiches vertraut wurde. Von Emnilde, einer Nichte der Königin Mahthild, erhielt er als Knabe den ersten Unterricht in dem kaiserlichen Stifte Quedlinburg; vom zwölften Jahre an vollendete er seine Schulbildung im Kloster Bergen und in Magdeburg selbst. An Belesenheit in kirchlichen und profanen Schriftstellern fehlte es ihm nicht, einen guten lateinischen Stil zu schreiben hat er aber nicht gelernt. Im Jahre 1002 wurde er Probst des Klosters Walbeck an der Aller[15], einer Stiftung seines Großvaters, und endlich 1009 Bischof von Merseburg; ein Amt, welches er löblich, aber nur zehn Jahre lang verwaltete, denn er starb schon am ersten December 1018 in seinem dreiundvierzigsten Lebensjahre. Vom König Heinrich II war er schon 1004 in Allstedt bei seiner Priesterweihe beschenkt, von da an verkehrte er viel am Hofe und empfing auch als Bischof den König bei sich in Merseburg.

Das Bisthum Merseburg hatte, obschon erst von Otto I gegründet, doch schon mannichfaltige und merkwürdige Schicksale erlebt; zum Gedächtniß der Ungernschlacht auf dem Lechfelde dem h. Laurentius zu Ehren gestiftet[16], wurde es schon durch den zweiten Bischof Gisiler völlig zerstört, um diesem den Weg zum Erzbisthum Magdeburg zu bahnen, und ungeachtet vielfacher Anstrengungen konnte die Herstellung doch erst nach Gisilers Tode (1004) erlangt werden.

Diese Ereignisse, so lange sie noch in frischer Erinnerung hafteten, für die Nachkommen durch schriftliche Ueberlieferung festzuhalten, war eine dringende Pflicht, die Thietmar zu erfüllen übernahm. Die Geschichte des Ottonischen Hauses, die verschiedenen Wechselfälle des stets fortgesetzten Kampfes mit den Wenden gehörten mit Nothwendigkeit zu einer Geschichte Merseburgs. Thietmar aber beschränkte sich auch darauf nicht, sondern wie das im Mittelalter so häufig war, und sich, da so wenig geschrieben wurde und ein Buch schon ein Schatz war, leicht erklärt: da er überhaupt einmal ein Buch schrieb, so legte er in diesem auch alles nieder, was ihm denkwürdig schien, alle seine Erlebnisse, die kleinsten wie die größten, und was er zu Hause und am Hofe sah und hörte, oder was er in anderen Büchern fand. Noch hat sich seine eigene Handschrift, wenn auch nicht unversehrt, erhalten, und sie zeigt uns am deutlichsten, wie er arbeitete, wie er immer neue Zusätze und Nachträge machte. Bald trug er am Rande nach, was ihm später bekannt wurde, bald erzählt er rückblickend, was eigentlich an eine frühere Stelle gehört. Manchmal ist dadurch der Zusammenhang gestört, es sind Widersprüche entstanden, und die Form ist überall mangelhaft: die letzte Hand fehlt, und auch durch wiederholte Ueberarbeitung hätte der Verfasser aus diesem lose an einander gereihten Stoffe kein einheitliches Geschichtswerk machen können. Aber die ihm vorliegenden Nachrichten des Widukind, der Quedlinburger Annalen, allerlei Notizen aus Necrologien, wahrscheinlich auch eine Magdeburger Gründungsgeschichte[17] und eine Halberstädter Chronik[18], sind doch immer mit verständiger Auswahl in einander gearbeitet, und mit seiner aus mündlicher Ueberlieferung, aus Urkunden und späterhin aus eigener Erinnerung geschöpften Kenntniß verbunden. Wenn man die rohen Excerpte der Annalisten von Hildesheim und Quedlinburg dagegen hält, so kann man einen bedeutenden Fortschritt nicht verkennen, und es hat noch lange gedauert, bis man im Stande war etwas besseres zu leisten.

Als Geschichtsquelle betrachtet hat aber Thietmars Werk gerade einen besonderen Werth dadurch, daß das Gefüge seiner Bestandtheile so leicht zu erkennen ist, wodurch die Kritik wesentlich erleichtert wird; man bedarf der Vorsicht bei ihm, da er nicht selten aus Flüchtigkeit Versehen begangen hat. Andererseits kommt es uns nicht minder zu gut, daß er auch geringfügige Umstände nicht verschmähte und deshalb ein lebendigeres Bild der damaligen Zustände gewährt, in dem wir dergleichen kleinere Züge nur ungern vermissen würden.

Wie er nun eigentlich gearbeitet hat, das ist erst durch Fr. Kurze mit großem Scharfsinn festgestellt worden durch die genaueste Untersuchung der theils von ihm selbst, theils von acht verschiedenen Schreibern geschriebenen und überall von ihm überarbeiteten und vermehrten Handschrift, und dadurch zugleich für die Entwirrung seiner Chronologie und die Aufklärung mancher Schwierigkeiten Licht gewonnen. Hatte schon Bethmann ausgefunden, daß er nicht vor 1012 sein Werk begonnen habe, so hat doch jetzt alles eine ganz andere Gestalt gewonnen durch den Nachweis, daß Thietmar mit VI, 41-46 (VII, 1-15 K.) begann, in demselben Jahr 1012 vielleicht auch schon I, 1-10 (18 K.) schrieb. Im Jahre 1013 schrieb er das zweite und dritte Buch, 1014 IV, 1-8 (9), 10, 11 (15-17), 16 (23-25), 22-24 (31-37), 26-34 (39-54), das fünfte Buch und vom siebenten 1-4 (VIII, 1-3), im J. 1015 das sechste Buch und VII, 5-13 (VIII, 4-20). Er schrieb gleichzeitig was er erlebte, ließ aber Raum für Nachträge und Zusätze, mit welchen im vierten Buch eine ganze Lage ausgefüllt ist; diese entfernen sich häufig ganz von der chronologischen Folge und haben dadurch namentlich im vierten Buch die Ordnung sehr gestört.

Zu solchen Nachträgen gab ihm vorzüglich die Bekanntschaft mit den Quedlinburger Annalen Anlaß, welche er vor 1016 nicht gekannt hat, weshalb auch VII, 1-13 (VIII, 1-20) keine Spur davon zu finden ist. Mit Benutzung derselben schrieb er 1016 die Zusätze zum zweiten und dritten Buch, ferner VI, 46-61 (VII, 16-41) und VII, 13-25 (VIII, 20-35); im Jahr 1017 den Rest des vierten Buches bis auf die erst 1018 geschriebenen Capitel 47-51 (70-75) und VII, 25-50 (VIII, 36-69), auch I, 15-17 (26-28); im Jahre 1018 endlich, was von der Fortsetzung noch übrig war, wobei natürlich die Annalen nicht mehr zu gebrauchen waren.

Möglich, daß nicht alle Einzelheiten richtig sind, aber im wesentlichen ist wohl an der Richtigkeit dieser Ergebnisse nicht zu zweifeln und es lösen sich dadurch viele Schwierigkeiten, um so mehr, da auch alle die zahlreichen Nachträge und Aenderungen zweiter Hand genau verzeichnet sind. Etwas räthselhaft sind Zusätze einer Hand, welche Lappenberg Thietmar selbst zuschrieb, während Kurze sie erst in die Zeit Heinrichs V setzt. Ueberall wo diese Zusätze sich finden, ist zugleich am Rande etwas ausgekratzt und dem Inhalt nach scheinen sie gleichzeitig zu sein.

Für die ersten drei Bücher standen Thietmar wenig Quellen zu Gebote, die wir nicht auch noch besäßen; aber von dem Anfange der Regierung Otto's III an werden seine eigenen Mittheilungen immer reichhaltiger. Er schrieb die Geschichte dieser letzten Jahre gleichzeitig mit den Ereignissen selbst; sein Werk nimmt da fast den Charakter eines Tagebuches an und verbindet deshalb die Zuverlässigkeit der besseren Annalen mit größerer Fülle und Reichhaltigkeit.

Daß es ihm, dem Bischof, der viel am Hofe verkehrte und zum Rathe des Kaisers gehörte, dem nahen Verwandten der bedeutendsten Fürsten nicht an Mitteln fehlte, sich über die wichtigsten Vorfälle und den ganzen Gang der Begebenheiten genau zu unterrichten, erwähnten wir schon; auch entfernte Begebenheiten bei anderen Völkern und an den fremden Höfen verfolgt er mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und Kenntniß. Ebensowenig ist aber auch ein Grund vorhanden, seine Wahrheitsliebe zu bezweifeln. Sich selbst schont er durchaus nicht; mit der rührendsten Bescheidenheit deckt er seine eigenen Fehler und Schwächen auf, und durchgehends bewährt er sich als einen redlichen Mann von biederer Gesinnung und bestem Willen. Dafür können wir ihm denn wohl die Unbehülflichkeit der Darstellung, die große Leichtgläubigkeit, den oft gesuchten Ausdruck und das gelegentliche Prunken mit seiner mühsam erworbenen Gelehrsamkeit verzeihen.

Wegen seines vorherrschend provinziellen Charakters ist Thietmars Werk zwar von sächsischen Schriftstellern viel benutzt worden, hat aber eine weitere Verbreitung nicht gefunden. Vorzüglich fleißig wurde es vom Annalista Saxo ausgebeutet, mit Zusätzen über das Kloster Corvey, die sich in der Brüsseler Handschrift befinden. Daraus ergiebt sich, daß die Urschrift derselben schon im zwölften Jahrhundert in Corvey verfertigt sein muß, doch, wie R. Wilmans nachgewiesen hat[19], erst gegen das Jahr 1160.

Wie viel des für uns werthvollsten Materials aber alle diese Chronisten unbeachtet bei Seite gelassen haben, davon giebt uns das von Jaffé entdeckte Aufgebot von 981 zur Heerfahrt nach Italien eine Probe[20].

§ 6. Lothringen. Cöln. Trier. Metz. [←]

Wir haben in Sachsen die neue Entwickelung litterarischer Thätigkeit unter der unmittelbaren Einwirkung des Ottonischen Hauses betrachtet, und auch in Lothringen ist es ein Ludolfinger, der Kirche und Schule zu neuem Leben weckt, unter dessen Pflege überall frische Keime hervorspringen, die bald zu reicher Fülle sich entfalten.

Noch mehr als Sachsen war Lothringen durch innere Zwietracht zerrüttet und durch äußere Feinde verwüstet. Die alten Stätten der Cultur, die reichen Bischofsitze und Klöster lagen großentheils in Asche, und von den Einkünften der Stiftsgüter zehrten die Vasallen, denen sie als Preis ihrer Treue oder Untreue zugefallen waren; kaum bewahrten ein Paar verwilderter und unwissender Geistlicher den kirchlichen Charakter von Klöstern, die man früher weithin mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt hatte.

Durch Heinrich und Otto wurde das fast verlorene Land den Westfranken wieder entrissen und mit dem Ostreiche neu vereinigt; aber den innern Frieden herzustellen, Ordnung zu schaffen und die beginnende Reform der verwahrlosten kirchlichen Zustände zu pflegen und zu befestigen, das war die schwere Aufgabe, welche dem Bruder Otto's des Großen, dem Erzbischof Bruno von Cöln (953-965), zufiel und von diesem auf das glänzendste gelöst wurde.

Wir haben schon oben S. 321-323 der Wirksamkeit dieses ausgezeichneten Mannes gedacht, und können um so weniger auf eine ausführliche Schilderung derselben eingehen, da er selbst nicht als Schriftsteller aufgetreten ist[1]. Sein Leben hat uns einer seiner Schüler beschrieben, Ruotger, der Bruno sehr nahe gestanden hatte und die ihm von dessen Nachfolger Folkmar (965-969) übertragene Aufgabe nicht ohne Geschick gelöst hat[2]. Sein Werk gehört zu den besseren Biographien des Mittelalters, ist reich an Inhalt, wenn auch für unsere Wünsche viel zu kurz und gedrängt, und faßt das wesentlichste von Bruns Leben und Wirken mit richtiger Auffassung und wahrheitsgetreu zusammen. Die Sprache ist nicht eben gewandt, schwülstig und von den üblichen Ausdrücken der kirchlichen Redeweise erfüllt, aber frei von Fehlern; man erkennt die gute Schule darin, von welcher auch die noch zahlreich erhaltenen Handschriften der Cölner Dombibliothek aus dieser und der nächstfolgenden Zeit Zeugniß geben. Dem Prudentius entlehnte er einen Vers zur Charakteristik Otto's I, und auch Citate aus Vergil und Terenz, aus Persius, Juvenal, Cicero und Sallust fehlen nicht[3].

Für diese eifrigen Studien zeugen auch die libri prestiti de armamario S. Petri (oben S. 263); unter den Entleihern sind B. Adelbold (von Utrecht 1010-1026) und Abt Elias (von Groß-Sanct-Martin 1010-1026); sehr viele aber, darunter 2 Bibeln, 3 Vergile, 2 Lucane, 3 Prisciane, hat ein Unbekannter, gewiß ein Scholasticus, dessen Name ausgekratzt ist. Eine sehr schöne, reich geschmückte Evangelienhandschrift, auch mit Versen über die Evangelisten und poetischen Widmungen versehen, schenkte der Domkirche ein Diaconus Gerhous, höchst wahrscheinlich identisch mit dem Erzbischof Gero (969-976), dem Bruder des Markgrafen Thietmar[4]. Ihm als Erzbischof ist die oben S. 42 erwähnte Ursulalegende gewidmet.

Zu Bruns Gehülfen bei seinen reformatorischen Bestrebungen gehörte Christian, der erste Abt des von ihm gestifteten Pantaleonsklosters[5], der ihn bis 1001 überlebte. Der erste eilfertig errichtete Bau stürzte zusammen, man grub zu Erzbischof Folkmars Zeit (965-969)[6] ein tieferes Fundament und fand dabei Gebeine, die einem heiligen Maurinus zugeschrieben wurden. Niemand wußte etwas von ihm, auch Stephan nicht, der auf Abt Christians Gebot, als Erzbischof Gero schon todt war, sein Leben beschrieb; die Geschichte der Auffindung aber mit den unvermeidlichen Wundern enthält einige geschichtliche Umstände[7]. Ferner erhielt das Kloster aus Rom durch die Kaiserin Theophano einen h. Albin, von dem man gar nichts wusste, auf ihn aber die fabelhafte Legende des h. Albanus übertrug; diese Schrift ist aber erst aus dem elften Jahrhundert[8]. Erzbischof Everger (985-999) widmete der Domkirche einen mit besonderer Pracht geschriebenen Lectionar[9]. Als er am 10. Juni 999 gestorben war, wurden Boten nach Italien an Otto III geschickt, um sich den Kanzler Heribert auszubitten; von diesen starb der Diaconus Rudolf in Rom und es wurde ihm zu Ehren ein Epitaph gedichtet (NA. II, 601).

Uebrigens aber haben Bruns Bemühungen in Cöln selbst am wenigsten Frucht gebracht; ausser den unbedeutenden kleinen Cölner Annalen[10] ist keine litterarische Erscheinung weiter anzuführen, denn auch die kleine Chronik des Schottenklosters Groß-Sanct-Martin, so wie die Gründungsgeschichte von Gladbach und das Leben Heriberts[11], die ihrem Inhalte nach hierher gehören, sind doch erst in der folgenden Periode verfaßt worden.

Jene Annalen aber, die bis 939 auf gemeinsamer Grundlage mit den alamannischen, Reichenauer und St. Galler Annalen beruhen, von da an heimischen Ursprungs sind, haben merkwürdiger Weise einen weitreichenden Einfluß gehabt, indem der erste, von einer Hand aus einer älteren Handschrift überschriebene Theil von 776 bis 957 in die Annalen von Dijon, mit diesen dann in die von Rouen, Caen, und anderen Orten der Normandie, und weiter in die angelsächsische Chronik und in die Annalen von Lund übergegangen ist[12].

In Cöln war wenig Boden für wissenschaftliche, wenigstens für geschichtliche Thätigkeit. Dagegen regte sich in Trier, nachdem wieder bessere Zeiten gekommen waren, der alte Geist aufs neue. Sogar mitten unter den Stürmen, welche das unglückliche Land verheerten, hatte man im Kloster St. Maximin, wie in Corvey, es nicht ganz unterlassen, einige geschichtliche Nachrichten aufzuzeichnen[13].

Im Jahre 882 verwüsteten die Normannen das Stift, und auch hier blieben nur einige Weltgeistliche ohne klösterliche Zucht; im Jahre 933 stürzte die Kirche ein. Aber schon 934 wurde die Klosterzucht hergestellt, und unter dem Abte Hugo oder Ogo[14] gedieh das klösterliche Leben so gut, dass schon 937 König Otto die Mönche für seine neue Stiftung in Magdeburg von hier entnahm. Anno, der erste Abt von St. Moritz, wurde (950-978) zum Bischof von Worms befördert, der zweite Otwin 954 zum Bischof von Hildesheim, während Abt Hugo selbst 945 Bischof von Lüttich wurde. Etwas später (972) wurde Sandrad, der erste Abt von Gladbach, aus St. Maximin entnommen, 975 Ramwold, 978 Hartwich, die Hersteller klösterlicher Zucht in St. Emmeram und Tegernsee[15]. Unter dem Abte Wiker (957-966) verfaßte Sigehard, ein Mönch von St. Maximin, eine Schrift über die Wunder ihres Heiligen, welche über den Verfall und die Herstellung der lothringischen Klöster nicht unwichtige Nachrichten enthält[16]. Um 965 wurde daselbst eine Sammlung für kanonisches Recht zusammengestellt[17]. Damit ist die litterarische Thätigkeit von St. Maximin erschöpft, wenn man nicht die kecke Urkundenfälschung in Heinrichs V Zeit dazu rechnen will.

Auch Prüm erholte sich wieder, doch scheint es in Regino (oben S. 259) seinen einzigen Historiker hervorgebracht zu haben; auch lag es gar fern von der Straße. In den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, unter den Aebten Hilderich († 993) und Stephan († 1001), wurde hier auf Kosten und Bitten des Mönches Wicking vom Mönche Nother ein sehr schönes Antiphonar geschrieben[18]. Auf Befehl des Abts Wolfram schrieb 1084 der Schüler Arnold die Chronik des Regino, Einhards Annalen und Leben Karls nebst Thegan in einem Bande[19]. Ein Verzeichniß der Aebte ist unter Hizo (1068-1077) geschrieben und weiter fortgesetzt[20], in dem werthvollen Chartular, welches als liber aureus bekannt ist. In demselben sind die Todesdaten der Könige, Kaiser u. a. von 768 bis 1106 zusammengestellt[21] und am Schlusse finden sich sehr schätzbare necrologische Annalen von 1039 bis 1102, wo sich noch einige Notizen anschließen. Der Anfang scheint durch Ausschneiden eines Blattes verloren zu sein. Damit ist auch die historische Litteratur von Prüm erschöpft.

Von Erzbischof Rotger von Trier (917-930) ist eine Sammlung kanonischer Vorschriften für die Priester seines Sprengels zusammengestellt, wovon sich leider nur der Anfang erhalten hat[22]. Irrig ist ihm auch eine etwas spätere Materialiensammlung ähnlicher Art aus Trier zugeschrieben worden[23].

Der Erzbischof Rodbert (930 bis 956), ein Bruder der Königin Mahthild[24], war ein gelehrter Mann, der die Wissenschaft liebte; ein Brief Rathers an ihn zeigt uns, daß er diesem einige Probleme vorgelegt hatte[25], und Flodoard widmete ihm sein großes Gedicht über die römischen Päbste[26]. Unter seinen Nachfolgern[27] hat sich vorzüglich Ekbert oder Egbert (977-993), ein Sohn des Grafen Dietrich von Holland, ein dauerndes Andenken geschaffen und nachhaltig gewirkt. Sehr merkwürdige von ihm gestiftete Weihgeschenke in Trierer Emailarbeit verwahren die Domschätze in Trier und Limburg[28]. In der Trierer Stadtbibliothek ist ein Fragment einer reichverzierten Abschrift von Gregors I Registrum, die er hat machen lassen, mit Versen zu Otto's II Preise verziert (NA. II, 437). Ihm ist der berühmte Psalter von Cividale gewidmet[29]. Reichenau brachte ihm das prachtvolle Evangelistarium dar, welches sich jetzt in der Trierer Stadtbibliothek befindet[30]. Ekberts Bedeutung zeigt sich auch darin, daß die ältesten Bischofskataloge bis auf ihn reichen[31]. Nach langer Zeit des schweren Drucks und angestrengter Kämpfe regte sich wieder selbstbewußte strebsame Thätigkeit. Mit Gerbert war Ekbert in Verbindung, und überlegte, ob er zu dem Kreise hervorragender Männer, welchen Otto II in Italien um sich sammelte, auch aus Trier Scholastiker schicken sollte[32]. Sehr begreiflich ist es nun, daß man gerade hier vorzüglich dem Alterthum sich zuwandte. Die alte Größe Triers, welche aus den gewaltigen Bauwerken der Römerzeit vernehmlich redete, und die vielfachen Ueberlieferungen aus der früheren Zeit eines blühenden kirchlichen Lebens, forderten zur Erforschung der Vergangenheit auf, für welche es aber, nachdem in der normannischen Verwüstung vieles zu Grunde gegangen war, an zuverlässigen Hülfsmitteln mangelte. Man bemühte sich, Biographieen der alten Trierer Heiligen zu schreiben und überließ sich aus Mangel an echten Nachrichten einer regellosen Phantasie, die zu immer unsinnigeren Fabeleien führte. So entstand in dieser Zeit jene märchenhafte Urgeschichte Triers, welche besonders aus der späteren Bisthumsgeschichte bekannt ist[33]. Nicht viel besser begründet ist auch das Leben des Diaconus Adalbert, eines Gefährten des heiligen Willibrord, dem das Kloster Egmund gewidmet ist; Erzbischof Ekbert, der Sohn des Stifters[34], ließ um 985 durch den Mönch Ruopert von Mettlach an der Saar diese Arbeit ausführen[35]; von Adalbert wußte er sehr wenig, dieser war aber, wie Holder-Egger nachgewiesen hat, der erste Abt von Echternach. Die in den Wundergeschichten gegebenen Nachrichten über die Klosterstiftung hat gleichfalls Holder-Egger erläutert und als zuverlässig befunden.

Daneben aber wurde von einem Mönche des Klosters St. Maximin auch eine Geschichte der Gegenwart verfaßt, in der Form ausführlicher Jahrbücher, welche wir wohl unbedenklich als die beste Reichsgeschichte dieser Zeit bezeichnen können, ohne damit den eigenthümlichen Vorzügen Widukinds zu nahe zu treten. Es ist die Fortsetzung der Chronik des Regino, verfaßt um das Jahr 964, und bis 967 fortgeführt von einem unbekannten Mönche von St. Maximin, der sich nicht allein durch seine Schreibart als einen der besten Schriftsteller seiner Zeit zu erkennen giebt, sondern der auch außerdem eine ungewöhnliche Stellung haben mußte, um einen so klaren Einblick in den Gang der Dinge zu erhalten und so zuverlässige Nachrichten sammeln zu können. Dem Erzbischof Wilhelm von Mainz muß der Verfasser nahe gestanden haben, besonders aber Adalbert, dem Mönch von St. Maximin, der 961 als Bischof nach Rußland geschickt wurde, 966 die Abtei Weißenburg im Elsaß erhielt, und endlich 968 auf den neuen erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg erhoben wurde, einem Manne also, der kein gewöhnliches Mönchsleben führte[36]. Da nun gerade mit diesem Jahre die Fortsetzung abbricht, so hat W. v. Giesebrecht[37] richtig bemerkt, daß Adalbert ein nahes Verhältniß zu dem Verfasser gehabt haben müsse, eine Ansicht, welche nicht nur allgemeine Zustimmung gefunden hat, sondern auch dahin erweitert ist, daß Adalbert selbst als der Verfasser angenommen ist, besonders wegen des Berichts über sein Geschick in den Jahren 961 und 962, welchen kaum ein anderer so abfassen konnte. Die Ereignisse in Italien sind ihm ebenso gegenwärtig, wie die lothringischen; er theilt wie die Verfasser der alten Reichsannalen, die Gesichtspunkte des Hofes und ist durchaus nicht in provinzieller Einseitigkeit befangen, was bei einem Mönche wie Widukind, der in seiner Zelle blieb, kaum anders möglich war.

Adalbert also kam 962 von seiner gefahrvollen und gänzlich erfolglosen Sendung nach Rußland zurück; er fand jetzt beim Erzbischof Wilhelm eine sehr liebevolle Aufnahme „wie ein Bruder vom Bruder“, und ich habe daran die Vermuthung geknüpft[38], daß er wohl wirklich Wilhelms Bruder oder Halbbruder gewesen sein möge, ein Sohn jener vornehmen Wendin, welche Wilhelms Mutter war. Denn Männer geringer Herkunft erhielten damals nicht leicht ein Bisthum, weil die stolzen Vasallen sich ihnen nicht unterordneten, und wir wissen sonst gar nichts über Adalberts Abkunft. Der Erzbischof befahl ihm, die Ankunft des Kaisers im Palast abzuwarten, und er wird sich dort wohl, trotz seiner Erhebung zum Abt von Weißenburg, viel aufgehalten haben, zuletzt begleitete er, wie Uhlirz wahrscheinlich gemacht hat[39], im Spätherbst 967 den jungen Kaiser Otto II nach Italien, wo er zum ersten Erzbischof von Magdeburg erhoben wurde. Dadurch wird die weitere Fortführung des Werkes verhindert sein.

Es liegt nun ferner die Vermuthung nahe, daß der Erzbischof Wilhelm es war, welcher, dem Beispiel seiner Vorgänger folgend, den Anlaß zu diesen Aufzeichnungen gab. Vor der Heimkehr aus Rußland können wir den Anfang nicht ansetzen, weil nirgends vorher die Aufzeichnung als gleichzeitig erscheint, vielmehr die Kenntniß späterer Vorgänge vorausgesetzt wird; ja, wie Werra[40] bemerkt, setzt sogar noch, was zu 964 über den Grafen Udo geschrieben ist, dessen Unternehmen im Jahre 966 voraus. Es bedurfte also zur Anknüpfung an die Chronik des Regino schriftlicher Hülfsmittel und als solches diente vorzüglich ein uns nicht mehr erhaltenes Exemplar der Reichenauer Annalen, reichhaltiger als das uns bekannte, und kenntlich durch die Benutzung desselben Exemplars in Hermanns Chronik[41]. Sonst ist außer St. Maximiner Klosternachrichten u. a. von Fr. Kurze die Benutzung jener oben S. 241 erwähnten Fulder Annalen nachgewiesen, die bis 939 gereicht zu haben scheinen. Die Erzählung wird nun immer ausführlicher und gestaltet sich zu einer wirklichen, wenn auch sehr knapp gehaltenen Reichsgeschichte, ganz in der Weise der alten Reichsannalen. Der Verfasser konnte aus eigener Erfahrung schöpfen, vielleicht auch frühere Aufzeichnungen benutzen. Mittheilungen kundiger Zeitgenossen und Berichte, besonders über die Vorgänge in Italien an den Erzbischof, werden ihm nicht gefehlt haben. Für den Zeitraum von 960 bis 967 ist keine andere Quelle damit zu vergleichen[42].

Unter den Suffraganen von Trier ist besonders Metz ausgezeichnet durch wissenschaftliche Thätigkeit unter einer Reihe trefflicher Bischöfe, welche den Glanz von Chrodegangs Zeiten erneuten. Schon 883 April 22 weihte Erzbischof Radbod, ein Alamanne, zum Bischof von Metz seinen Landsmann Ruotpert, einen Freund Notkers, also vermuthlich aus der Schule von St. Gallen[43], wie denn auch Radbod 885 das Fest des Schutzheiligen in St. Gallen feierte, und in die Verbrüderung aufgenommen wurde[44]. Ruotpert starb am 2. Januar 917. Nachdem der von König Heinrich 927 eingesetzte Schwabe Benno im folgenden Jahre von seinen Feinden geblendet war, gelang es Adalbero (929-962), eine gesicherte Wirksamkeit zu gewinnen. Von hier besonders ging durch eigenen inneren Antrieb die neue Klosterreform aus, hier zuerst faßte sie festen Boden und verbreitete sich dann auch weiter zu entfernteren Klöstern: diese Erneuerung von unten auf und von innen heraus, welche allein für die Wirksamkeit des Erzbischofs Brun eine dauernde Grundlage gewähren konnte. Die Bischöfe Adalbero und Dietrich beförderten diese Richtung und die Thätigkeit der Männer, welche sie hauptsächlich vertraten, auf alle Weise, und bald sehen wir die lothringischen Klöster aus tiefem Verfall sich zu einer neuen und dauernden Blüthe erheben.

Der Mittelpunkt dieser Bestrebungen war lange Zeit das Kloster Gorze in der Nähe von Metz, wo der Abt Eginold (933-959) mit großer Anstrengung und Aufopferung die Zucht hergestellt hatte, und nach ihm sein Freund und Genosse Johannes als Abt (960 bis 974)[45] eine sehr einflußreiche Stellung einnahm, und die neue strenge Zucht nach allen Seiten verbreitete. Schon 941 hatte Bischof Adalbero mit König Otto's Hülfe aus dem Arnulfskloster zu Metz die zuchtlosen Canoniker vertrieben, und unter dem neuen Abt Arbert, einem Mönche von Gorze, die Benedictiner-Regel eingeführt. Dann war es der Abt Johannes von St. Arnulf, welcher lange Zeit der Freund des Abtes Johannes von Gorze und der Genosse seiner Wirksamkeit war, und dieser unternahm es nach dem Tode desselben, sein Leben zu beschreiben, und begann die Ausführung dieser Aufgabe mit besonderer Liebe und gutem Erfolge. Die Regeneration des Klosterwesens in Lothringen liegt uns darin in sehr ausführlicher Schilderung vor; weiterhin gewinnt dieses Werk noch eine ganz eigenthümliche geschichtliche Wichtigkeit dadurch, daß Johannes es war, welcher im Jahre 953 sich bereit finden ließ, für den König Otto als Gesandter zum Kalifen Abderrahman III nach Córdova sich zu begeben. Auch diese Reise ist hier sehr ausführlich beschrieben, leider aber bricht unser Text mitten in dieser ebenso merkwürdigen wie anziehenden Darstellung ab; das Uebrige ist verloren, vielleicht auch die zu ausführlich angelegte Arbeit nie ganz vollendet worden. Schon einmal, im Jahre 978, als ein bedeutender Theil derselben vollendet war, hatte der Verfasser sie unterbrochen, und es bedurfte des Zuspruches der Bischöfe Dietrich von Metz und Folkmar von Utrecht, um ihn zur Fortsetzung zu bewegen; ob er sie aber wirklich zu Ende geführt hat, ist zweifelhaft und kaum wahrscheinlich, zumal da er vor 984 gestorben ist[46].

Notes in this chapter

Note 1 · [7] Inventio et Translatio S. Maurini, Mab. V, 336-341. Acta SS. Jun. II, 279-283. Ausz. MG. SS. XV, 2, 683-686. Noch unbedeutender und spätNote 2 · [25] Gesta episcoporum Halberstadensium ed. Weiland MG. SS. XXIII, 73 bis 123, vgl. p. VII u. GGA. 1877 S. 786. Scheffer-Boichorst, Forsch. Note 3 · [44] St. Galler Mitth. XI, 13. In dem oben → S. 270 angef. Dialog heißt es S. 489: „Nobilissimo atque scholasticissimo Ruodperto nuper in MeNote 4 · Widuk. II, 36. Vgl. Dümmler, Otto I S. 515. Ich glaube nicht, daß man bei litteras discere und libros legere et intelligere an andere als laNote 5 · Liudpr. Hist. Ott. 11.Note 6 · Flodoard h. a. MG. SS. III, 396.Note 7 · Casus S. Galli MG. SS. II, 139. Einen anderen übersetzt die Kaiserin Adelheid, nam litteratissima erat; ib. p. 146.Note 8 · D'Achery, Spicil. I, 437.Note 9 · So erzählt Gunzo selbst in seiner Epistola ad Augienses fratres bei Martène, Coll. I, 294. Der Codex aus St. Amand ist jetzt in ValenciennesNote 10 · „Falso putavit S. Galli monachus me remotum a scientia grammaticae artis, licet aliquando retarder usu nostrae vulgaris linguae quae latinitNote 11 · V. Wolfkangi c. 5.Note 12 · Nach den Versen bei Schannat, Vind. litt. I, 229 u. Oegg, Versuch einer Korographie der Stadt Würzburg I, 542, die eine Art von Testament eNote 13 · Nebst einem Epitaph auf seinen Vater Leo, bei Giov. Andres, Lettera al Sig. Abbate Morelli, Parma 1802, u. bei Reifferscheid, Wiener SB. LXVNote 14 · Richer III, 44. 45. Vgl. Büdinger über Gerbert S. 44.Note 15 · Casus S. Galli p. 126. Bei der Unzuverlässigkeit derselben u. den chronol. Widersprüchen ist es unsicher, ob Ekk. nicht erst nach 973 an denNote 16 · Tietm. IV, 5.Note 17 · Richer III, 67.Note 18 · Richer III, 55 ff. Vgl. Büdinger S. 52 ff.Note 19 · In Frankreich soll um diese Zeit Fulco bonus von Anjou (938 bis 958) vom König verlacht sein, als er in choro S. Martini mit den Canonikern Note 20 · Casus S. Galli, MG. SS. II, 147.Note 21 · Giesebrecht Kaiserzeit I, 670. 846. Lüntzel, Bernward S. 14. Vgl. H. Düker, Der liber mathematicalis des h. Bernward im Domschatze zu HildesNote 22 · Ueber ein von Liuthar ihm dargebrachtes Evangeliar, und über die Bilder von Otto III und Theophano auf dem kostbaren Einband des goldgeschriNote 23 · Hirsch, Heinrich II, I, 90-92. Giesebr. Kaiserzeit II, 78, 604.Note 24 · Giesebr. II, 605.Note 25 · Ausführlich handelt darüber Giesebrecht, II, 52-65, vgl. 600, und Hirsch, Heinrich II, Band II. Ein dazu gehöriger Catalog NA. V, 624.Note 26 · Hirsch, Heinrich II, I, 554. Jaffé, Bibl. V, 482.Note 27 · Gedr. v. Gutenäcker im 25. Bericht d. hist. Vereins zu Bamberg S. 138. Hirsch a. a. O. S. 545-554. Jaffé, Bibl. V, 484-497. Ergänzt Giesebr.Note 28 · „Heinricus in Romano residens palatio et arcana sapientum comprobans ingenio, dolet nusquam inveniri similem Constantio.“ Mab. Anal. p. 217.Note 29 · Cod. Pal. 909, Arch. XII, 344. Nach Bethmann wäre die Inschrift aus dem elften Jahrhundert, nach H. Droysen im Hermes XII, 387 (Auctt. antiqNote 30 · Vgl. Giesebr. II, 546. Weinhold, Die deutschen Frauen S. 91. V. Bardonis maj. c. 1. Der Regensburger Marianus Scottus schrieb „multa manualiNote 31 · „Domesticos omnes famulos et ancillas variis artibus, litteris quoque instituit; nam et ipsa litteras novit, quas post mortem regis lucide sNote 32 · Casus S. Galli MG. SS. II, 122-126. Vgl. die Anmerkungen von Meyer von Knonau S. 319 ff. u. Allg. Deutsche Biogr. X, 308.Note 33 · „Gerberga, cujus nunc subdor dominio abbatiae, aetate minor sed ut imperialem decebat neptem, scientia provectior, aliquot auctores quos ipsNote 34 · Im Chron. Gozec. I, 2 (MG. SS. X, 142) heißt es von der Agnes von Weimar, Gemahlin des 1036 verstorbenen Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen: Note 35 · Chron. Ebersp. MG. SS. XX, 14. Aehnlich heißt es in der Vita S. Pauli Virodun. (aus dem 7. Jahrh.), in welcher Berthar angeführt wird, Hugo Note 36 · S. über ihn und seine Wirksamkeit W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 321-331, vgl. 817; 401-403. 431-436, vgl. 826. 829. Vogel, RaNote 37 · Sickel, Wiener SB. XCIII, 732.Note 38 · Hontheim, Prodr. hist. Trev. II, 975. Dümmler in d. Neuen Mitth. XI, 252.Note 39 · Mir scheint das aus Ruotgeri V. Brun c. 5-7 hervorzugehen. Freilich darf man kaum an eine dauernde geregelte Organisation denken, aber E. MeNote 40 · Wohl konnte deshalb Brun zum König sagen: Deciderat Studium veterum Et vigilancia paene patrum, Caecaque saecula barbaries Saeva premebaNote 41 · Brit. Mus. Addit. 23,931, wo nach dem Catalog von 3 Widmungsversen der erste lautet: „Me Godefrid sanctae praesul dedit ecce Mariae“.Note 42 · Waltherus Spirensis de passione S. Christophori, bei B. Pez, Thes. II, 3, 29-122. Prantl, Gesch. d. Logik II. 52 hat auf dieses Werk aufmerkNote 43 · Hieron. ad Eustochium, Opp. ed. Vall. I, 113. Vgl. im allg. Comparetti, Virgilio nel Medio Evo I, cap. 6.Note 44 · Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 207. Ermenrici ep. p. 29. 31.Note 45 · Dümmler, Formelbuch S. 73.Note 46 · Vita auct. Joh. mon. I § 12.Note 47 · „Legerat isdem vir Domini libros olim antiquorum philosophorum Virgiliique mendacia, que nolebat nec ipse jam audire nec alios legere: SuffiNote 48 · R. Lehmann über die Vitae Hugonis S. 48.Note 49 · Die fleißige Beschäftigung mit Terenz wird auch bezeugt durch das wunderliche Gedicht, welches Riese in der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1Note 50 · Vita Popponis c. 32. MG. SS. XI, 314.Note 51 · Reineri Palmarium Virginale bei B. Pez, Thes. IV, 3, 85.Note 52 · Thietmari Chron. II, 10.Note 53 · S. über ihn Hauréau, Smaragdus (Singularités p. 100-128); NA. IV, 250-253; Ebert II, 108-112. Seine Gedichte sind gedruckt Poet. Lat. I, 605Note 54 · Vgl. über den Charakter der Litteratur dieser Zeit W. Giesebrecht, Kaiserzeit I, 309.Note 55 · Leich von den beiden Heinrichen, ed. Lachmann bei Koepke, Jahrbb. Otto's I S. 97. W. Wackernagel, Lesebuch 4. Aufl. I, 110. Müllenhoff u. ScNote 56 · Modus Ottinc, Magnus caesar, auch Otto II u. III feiernd, Lachm. im Rhein. Mus. III, 432. Coussemaker, Hist. de l'harm. 106 u. pl. VIII, 1. Note 57 · Ueber die lat. Hof-u. Klosterpoesie vgl. Wackernagels LG. S. 70 bis 74, über Volkslieder S. 75. Ueber die modi des Cod. Cantabr. Bartsch, DiNote 58 · [7] Thangmari Vita Bernwardi ed. Pertz, MG. SS. IV, 754-782: Miracula p. 782-786. Acta SS. Oct, XI, 996-1024 von Jos. van Hecke, ohne neue HNote 59 · Oben S. 254 Durch ihren Inhalt sind sie bei dem Mangel anderer Nachrichten wichtig.Note 60 · Es sind alte Legenden, die er nur stilistisch umformen konnte. Er muss sich also darin mehr zugetraut haben, als wir ihm zugestehen können. Note 61 · Widukind von Korvei, Rost. Diss. 1880.Note 62 · Daß er auch Livius gekannt habe, weist Koepke S. 175 nach. Benutzung des Tacitus u. a. sucht Manitius nachzuweisen, NA. XI, 45-90.Note 63 · Maurenbrecher S. 40 bemerkt, daß Widukind einem im Mittelalter häufigen Sprachgebrauch folgend unter Imperator den Herrscher über mehrere VöNote 64 · Benutzung durch Dietrich von Niem zeigt Lindner, Forschungen XXI, 90.Note 65 · Vgl. über diese Handschrift NA. II, 450, und die neue Ausgabe von Waitz.Note 66 · Namentlich: „Hatho videns suis artibus finem impositum“. Daß die Darstellung der Dresdener Handschrift nicht in Widukinds Stil geschrieben wNote 67 · B. Simson bemerkt hiergegen, daß 2 an mehreren Stellen A näher steht, was richtig ist. Dem Schreiber derselben kann das überarbeitete OriginNote 68 · Zeitschrift f. D. Alt. XVII, 57-71 mit Nachtrag XIX, 130. Uebers. bei der 2. Ausg. des Widukind, S. 131-137.Note 69 · Da dieser Bericht der deutschen Historiographie fern liegt, begnüge ich mich, auf meine Bearbeitung nach De Goeje zu verweisen, hinter der UNote 70 · Hrotsuithae Carmen de gestis Oddonis I imperatoris ed. Pertz, MG. SS. IV, 317-335. Die Werke der Hrotsvitha, herausgegeben von Dr. K. A. BarNote 71 · Bruno Zint: Ueber Roswitha's Carmen de gestis Oddonis, Königsb. Diss. 1875.Note 72 · De primordiis coenobii Gandersheimensis. MG. SS. IV, 306-317. Die nach einer von Waitz, Arch. VIII, 266, angef. Notiz in Koburg befindliche Note 73 · Eberhards Reimchronik von Gandersheim, neue Ausg. von L. Weiland, MG. Deutsche Chroniken II, 385-429. Vgl. P. Hasse: Die Reimchronik des EbeNote 74 · Nicht daraus abzuleiten, s. Waitz, Jahrbb. unter Heinrich I, 3. Ausg. S. 259.Note 75 · Forschungen IX, 343-345.Note 76 · Heerwagen: Einige Bemerkungen zu den beiden Lebensbeschreibungen der Königin Mathilde, Forschungen VIII, 367-384. Sehr beachtenswerth für diNote 77 · Vita Mahthildis antiquior ed. Koepke, MG. SS. X, 575-582: vgl. G. Waitz in den Goett. Nachrichten 1852, N. 13. Giesebrecht, Geschichte der KNote 78 · Vita Mahthildis reginae ed. Pertz, MG. SS. IV, 283-302. Daraus Migne CXXXV. Varianten der älteren und besseren Düsseldorfer Handschrift giebNote 79 · Auch der Pole Sbignew wurde um 1090 (adultus iam aetate) von der Herzogin Judith, seiner Stiefmutter, nach Sachsen geschickt, um in einem NoNote 80 · MG. SS. III, 22-66. Vgl. Waitz im Archiv VI, 663-688. In Weißenburg schließt sich eine selbständige locale Fortsetzung 985-1075. 1087. 1147.Note 81 · Die Annalen v. Hersfeld, Leipz. Diss. 1885. S. 83-103 Herstellung der Annalen von 708-973; S. 104-105 von 974-984.Note 82 · Die Hersfelder und die größeren Hildesheimer Jahrbücher. Progr. d. Gymn. zu Stralsund 1892.Note 83 · Excerpta ed. G. Waitz, MG. SS. IV, 224-228. Berichtigung in Bezug auf den Abt Megingoz, der schon 935 sein Amt niedergelegt hat, bei H. LoreNote 84 · S. Lorenz S. 26-32.Note 85 · MG. SS. III, 22-90. Es gibt nur eine Hs. aus dem 16. Jahrh. mit Lücken von 875-909 u. von 962-983. Uebersetzt (von 984 an) von Ed. WinkelmanNote 86 · Jahresbericht über die höhere Bürgerschule zu Rathenow (1872): Zur Geschichte des alten Thüringerreiches. Von Dr. L. Hoffmann. Uebers. dieseNote 87 · Gegen den Widerspruch von H. Lorenz, Germania XIX (1886) S. 137-150, s. NA. XII, 428.Note 88 · Nach H. Detmer, Otto II bis zum Tode seines Vaters. Leipz. Diss. 1878, Excurs, beginnen aus Quedlinburg selbst stammende Notizen nicht vor 9Note 89 · Ich folge hier jetzt der gegen H. Pabst zu Hirsch's Heinrich II, II, 443-449 gerichteten Ausführung von Usinger, Forsch. IX, 346-360. Der TeNote 90 · H. Pabst de Ariberto p. 10 suchte in Uebereinstimmung mit Waitz und Koepke aus Annalista und Chronographus Saxo Forts. bis 1030 nachzuweisenNote 91 · Hauck II, 597, Anm. 3. Traube, Poet. Lat, III, 422, Anm. 4. Der Lehrer Heirichs von Auxerre kann er nicht gewesen sein.Note 92 · Archiv XI, 285. Schon Leibniz hatte es Papebroch mitgetheilt, s. Lucä, Der Chronist Fr. Lucae, S. 294.Note 93 · Labbe, Nova Bibl. MSS. I, 682.Note 94 · S. die merkwürdige Urk. des Erneuerers der Kirche, B. Reinhard von Halberstadt, vom 9. Mai 1110 bei Delius. Untersuchungen über die Gesch. dNote 95 · Ussermann, Ep. Bamb. Ib, S. 8. Jaffé, Bibl. V, 472-479; vgl. Giesebrecht II, 59.Note 96 · Für Bischof Reginbert (834-835 (?) Feb. 12) wurde eine canonistische Hs. geschrieben, welche später Bischof Biso von Paderborn an B. SigismuNote 97 · Translatio S. Epiphanii ed. Pertz, MG. SS. IV, 248-251; vgl. Dümmler, Otto I, S. 343, wo er sich mit Leibniz und Brower gegen Pertz, der 964Note 98 · „Librorum nihilominus tam divinae lectionis quam philosophicae fictionis tantam convexit copiam, ut qui illorum penuria inerti ante torpebanNote 99 · [4] Vgl. darüber Forsch. XVI, 184.Note 100 · [5] Im Anschluß an Berthier „La Porte de Sainte-Sabine de Rome“ (Frib. Helv. Ind. lectt. 1892) sucht A. Bertram nachzuweisen, daß der AufentNote 101 · [6] Ihm gehörte die alte Vitruvhandschrift, jetzt im Brit. Mus. Harl. 2767, s. Catal. of ancient Manuscripts (1884) S. 72 und das Facs. pl. Note 102 · [8] Annales Hildesheimenses ed. Pertz, MG. SS. III, 22-116. Uebersetzt von Ed. Winkelmann 1862. Vgl. Waitz im Archiv VI, 663 ff. L. GiesebreNote 103 · [9] Ueber die hier benutzte, von anderen abweichende Form s. Waitz NA. IV, 163.Note 104 · [10] S. H. Breßlau im NA. II, 563-566, und die neue Ausgabe von Waitz.Note 105 · [11] De Ariberto (1864) p. 10-16.Note 106 · Jahrbücher unter Heinrich III, I, 421 ff.Note 107 · Merkwürdig ist besonders die Stelle über Bennopolls NA. XIII, 623 (Arch. VIII, 606), verglichen mit dem kurzen Auszug der Ann. Hild. (minoreNote 108 · Ueber ihn s. Büdinger, Ueber Gerbert S. 51-60. Oesterreich, Geschichte I, 319. Grosfeld, Disquisitiones historicae de statu rerum ecclesiastNote 109 · Vgl. Holstein, Gesch. d. Domgymn. in Magdeburg (Magd. 1875) S. 73. Uhlirz a. a. O. S. 80 ff. vermuthet in Ekkehard einen Concipienten kais. Note 110 · Vgl. Fraustadt: Die Auflösung des Bisthums Merseburg u. dessen Wiederherstellung 1004, Weber's Archiv f. Sächs. Gesch. N. F. IV (1878), S. 1Note 111 · W. Giesebrecht in den Rankeschen Jahrbüchern II, 1, 157-162, vgl. Kaisergesch. I, 785. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 304.Note 112 · Ferd. van Hout: De Chronico Magdeburgensi, Diss. Bonn. 1867. In einigen Punkten, besonders über das Verhältniß zum Chronogr. Saxo abweichendNote 113 · Dem widerspricht F. Kurze, weil er in diesen Versen die sprachliche Eigenthümlichkeit des jüngeren Bearbeiters erkennt.Note 114 · Die älteste Magdeburger Bisthumschronik, Mitth. d. Inst. Ergänzungsband III, S. 397-450. Vgl. NA. XVII, 631.Note 115 · Das ist doch wohl unter „beneficia temporalia“ zu verstehen.Note 116 · Eine bisher unbekannte Lebensbeschreibung des heiligen Adalbert (Passio S. Adalberti). Separatabdruck aus den Neuen Preußischen ProvinzialblNote 117 · Vita S. Adalberti auct. Brunone ed. Pertz, MG. SS. IV, 577. 596 bis 612. Bielowski I, 184-222 mit Benutzung einer Handschrift aus OchsenhausNote 118 · Zuerst von Hilferding in einer russischen Zeitschrift herausgegeben, dann mit Emendationen von Jaffé bei Miklosich und Fiedler, Slav. Bibl. Note 119 · Vorläufige Nachricht in R. Kade's Leipz. Diss. De Brunonis Querfurt. Vita quinque fratrum Poloniae nuper reperta, 1883. Ausg. MG. SS. XV, 2 Note 120 · MG. SS. IV, 579. Bielowski 229. E. Kunik macht mich darauf aufmerksam, daß der angebliche Name des Preußenkönigs Nethimer vielmehr slavisch Note 121 · L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 303.Note 122 · Ein prachtvolles, aber in den Bildern unvollendetes Evangeliar aus Walbeck saec. XI mit eingeschriebenen Statuten und Urkunden, in Libri's ANote 123 · Nach Uhlirz, Gesch. d. Erzb. Magd. S. 164 DD. Ott. II 90, hat Thietmar diese Urkunde gefälscht, um dem Bisthum einen strittigen Wald zu erhaNote 124 · Vgl. oben S. 329. Die sog. Erectio Magdeburgensis (Stumpf 454. Leibn. Ann. Imp. III, 238), eine in die scheinbare Form der SynodalverhandlunNote 125 · Diese, schon von Weiland vermuthet, nimmt auch Kurze jetzt anstatt der früher von ihm angenommenen Hild. Ann. maj. von 975 an; Progr. S. 5, Note 126 · Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 109-112, zu MG. SS. III, 840 und 860.Note 127 · Bibl. V, 471; vgl. Max Lehmann, Forsch. IX, 435-444. Giesebr. I, 842. G. Matthaei, Klosterpolitik Heinrichs II (Diss. Gott. 1877) S. 91-95.Note 128 · Die von Peiffer aufgewärmte Nachricht von Commentaren zum Pentateuch und zu den Evangelien, die er verfaßt haben soll, ist unglaublich. Man Note 129 · Ruotgeri Vita Brunonis ed. Pertz, MG. SS. IV, 252-275 und auch besonders abgedruckt. Varianten bei B. Simson im Archiv f. Gesch. d. NiederrhNote 130 · Dümmler, Forsch. XII, 445. Simson S. 172. Manitius, NA. XII, 369. 370.Note 131 · K. Lamprecht im NA. IX, 620-623, vgl. S. 669.Note 132 · Ruotgeri Vita Brun. c. 28. „Compertum quantum praestitistis saeculo, cari invicem et noti, et in verbis prudentiae saepe admirati“, TranslatNote 133 · Peiffer hat darauf hingewiesen, daß Poppo-Folkmar in den Fulder Todtenannalen zu 969 eingetragen ist, wie schon Leibniz erkannte. Auch der aNote 134 · Translatio S. Albini ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 686-688.Note 135 · Eccl. Colon. Codd. p. 60.Note 136 · Ann. Colonienses 776-1028 e cod. CII, MG. I, 97-99 mit unzulänglichen Berichtigungen SS. XVI, 731. Neue Ausg. im Verz. d. Cölner HandschriftNote 137 · Ihm widmete ein 'Albuinus heremita' einen Sammelband, worin sich u. a. Adso de antichristo befand, s. Catal. Monac. I, 3, 199; W. Meyer, DerNote 138 · Theopold, Kritische Untersuchungen über die Quellen der angelsächsischen Geschichte (1872) S. 83-87. Die betreffenden Stücke aus Annalen derNote 139 · Annales S. Maximini ←, von 708-987, MG. SS. IV, 6. 7. Sie sind bis 840 von einer Hand, und bis dahin, wie B. Simson bemerkt, aus den Ann. S.Note 140 · Die Namen der 70 Mönche unter Ogo „qui monasterium reparavit“, MG. SS. XIII, 301. Vgl. Dümmler, Otto I, S. 65. In d. Bibl. de l'École des chNote 141 · Notizen darüber in einem schönen alten Evangeliar aus Tegernsee, NA. VIII, 377.Note 142 · Miracula S. Maximini, Acta SS. Mai. VII, 25-33. Excerpta ed. Waitz, MG. SS. IV, 228-234; in Verse gebracht von einem ungenannten ScholasticuNote 143 · M. Sdralek, Wolfenb. Fragmente, Münster 1891. — Ueber eine Urkundenfälschung aus dieser Zeit Bresslau, Westd. Zts. V, 35; u. daselbst S. 20-Note 144 · Paris Suppl. Lat. 641 jetzt Lat. 9448, ausgelegt Arm. XIX n. 198. Zwei Miniaturen bei Jules Labarte, Hist. des Arts Industriels, Album II, pNote 145 · MG. I, 539. Ermisch, Die Chronik des Regino S. 26. Kurze den Hersfelder entnommene Annalen 906-919 daraus, Arch. XI, 300.Note 146 · Fontes IV, 460, MG. SS. XIII, 302. Ein Verz. Prümer Mönche zw. 948 u. 971 ex libro aureo, bei Lamprecht, Deutsches Wirthschaftsleben III, 31Note 147 · Annales necrologici Prumienses, MG. SS. XIII, 219-223.Note 148 · Arch. VIII, 813.Note 149 · O. v. Heinemann, Cat. d. Wolfenb. Hss. I, 356 nach Wasserschleben; berichtigt von L. Weiland, Zts. f. Kirchenrecht XX.Note 150 · S. Waitz, Heinrich I (3. Ausg.) S. 108 und 138.Note 151 · Vogel, Rather I, 98.Note 152 · Handschriftlich ist der Erzb. Ruotger ←1 ←2 genannt († 930), wofür wegen des chronolog. Widerspruchs in Hist. litt. de la France VI, 318 RodNote 153 · Erst Sigebert V. Deod. c. 2 nennt Heinrich (956-964) u. Ekbert Schüler des Erzb. Brun, was nach Dümmler, Otto I S. 399, grundlos ist.Note 154 · Aus'm Weerth, Kunstdenkm. im Rheinland III. Ders. Siegeskreuz Constantin VII. Weih-Inschriften bei Brower et Masen, Ann. Trev. I, 483. St. BNote 155 · Piper, Kal. u. Martyrol. d. Angelsachsen S. 20. Eitelberger. Jahrb. der Centralcommission II, 254, und daraus F. X. Kraus im Rheinl. Jahrb. Note 156 · Oberflächl. Nachricht bei Kugler, Kl. Schr. II, 474. Die Inschriften in Mone's Zeitschr. III, 11-13. K. Lamprecht, Der Bilderschmuck des CodNote 157 · Kraus im Jahrb. d. Alterthumsfr. im Rheinland XXXVIII, 27 ff. XLIV, 163-167. Vgl. Boehm. Fontt. IV p. LIII. MG. SS. XIII, 296.Note 158 · Hontheim, Hist. Trev. I, 323 aus Gerberts Briefen; scholasticos deutet er als Schüler, was mir zweifelhaft ist.Note 159 · S. die Vorrede zu den Gesta Trevirorum von Waitz.Note 160 · Ueber die von Kleyn mitgetheilten Bücherverzeichnisse, worin auch die von Ekbert geschenkten, s. NA. XV, 210.Note 161 · Acta SS. Jun. V, 97-109. Mab. III, 1, 631-646 mit Weglassung der Vita. Nach der Weihe der neuen Kirche 1143 wurden viele Wunder hinzugefügt.Note 162 · Sickel im 1. Ergänzungsband der Mitth. d. Inst. S. 361 hält ihn für den Notar Liutolf A, der 953-958 in der k. Kanzlei gearbeitet hat, und dNote 163 · Geschichte der Kaiserzeit I, 778.Note 164 · Einleitung zur Uebersetzung (1890) S. VII.Note 165 · Gesch. d. Erzbisthums Magdeburg S. 56.Note 166 · Jos. Werra, Ueber den Continuator Reginonis. Diss. Lips. 1883.Note 167 · So nach W. Erben, NA. XVI, 613-622, der wohl mit Recht die Benutzung der Ann. Laubac. u. Sangall. abweist. Besonders beachtenswerth ist die Note 168 · Continuator Reginonis ed. Pertz, MG. SS. I, 614-629 und eine Ergänzung zum Jahre 967 SS. VI, 620. Neue Ausg. von Fr. Kurze 1890; vgl. NA. XVNote 169 · Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 261.Note 170 · Nach Dümmler, Otto I, S. 280, starb er am 7. März 974.Note 171 · V. Johannis Gorziensis ed. Pertz, MG. SS. IV, 337-377. Vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit, I, 506 ff. 784. 837; Dümmler, Otto I,
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