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Bach und Strom

Siegfrieds Tod

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Gunther und Hagen, die Recken wohlgetan, Berieten mit Untreuen ein Birschen in den Tann: Mit den scharfen Speeren wollten sie jagen Schwein Und Bären und Wisende: Was konnte Kühneres sein? Da ritt auch mit ihnen Siegfried mit stolzem Sinn. Man bracht ihnen Speise mancherlei dahin. An einem kalten Brunnen ließ er da das Leben; Den Rat hatte Brunhild, König Gunthers Weib, gegeben. Da ließ man herbergen bei dem Walde grün Vor des Wildes Wechsel die stolzen Jäger kühn, Wo sie da jagen wollten auf breitem Angergrund, Da war auch Siegfried kommen: das ward dem König kund. Von den Jagdgesellen ward umhergestellt Die Wart nach allen Enden: da sprach der kühne Held, Siegfried, der starke: „Wer soll uns in den Wald Nach dem Wilde weisen, ihr Degen kühn und wohlgestalt?“ „Wollen wir uns scheiden,“ hub da Hagen an. „Ehe wir beginnen zu jagen hier im Tann? So mögen wir erkennen, ich und die Herren mein. Wer die besten Jäger bei dieser Waldreise sein. Leute so wie Hunde, wir teilen uns darein: Dann fährt, wohin ihn lüstet, jeglicher allein, Und wer das Beste jagte, dem sagen wir den Dank.“ Da weilten die Jäger bei einander nicht mehr lang. Da sprach der edle Siegfried: „Der Hunde hab ich Rat, Ich will nur einen Bracken, der so genossen hat, Daß er des Wildes Fährte spüre durch den Tann: Wir kommen wohl zum Jagen!“ so sprach der Kriemhilde Mann. Da nahm ein alter Jäger einen Spürhund hinter sich Und brachte den Herren, eh lange Zeit verstrich, Wo sie viel Wildes fanden. Was des erstöbert ward, Das erjagten die Gesellen, wie heut noch guter Jäger Art. Da wurde viel des Wildes vom grimmen Tod ereilt. Sie wähnten es zu fügen, daß ihnen zugeteilt Der Preis des Jagens würde: das konnte nicht geschehn, Als bei der Feuerstätte der starke Siegfried ward gesehn. Da ließ der König künden den Jägern wohlgeborn, Daß er zum Imbiß wolle: da wurde laut ins Horn Einmal gestoßen: damit war nun bekannt, Daß man den edeln Fürsten bei den Herbergen fand. Da sprach der edle Siegfried: „Nun räumen wir den Wald.“ Sein Roß trug ihn eben, die andern folgten bald. Sie ersprengten mit dem Schalle ein Waldtier fürchterlich, Einen wilden Bären; da sprach der Degen hinter sich: „Nun will ich uns Kurzweil schaffen auf der Fahrt: Den Bracken löst, einen Bären hab ich hier gewahrt, Der soll mit uns von hinnen zu den Herbergen fahren. Er müßte hurtig fliehen, wollt er davor sich bewahren.“ Da lösten sie den Bracken: gleich sprang der Bär hindann; Da wollte ihn erreiten der Kriemhilde Mann. Er fiel in ein Geklüfte: da konnt er ihm nicht bei; Das starke Tier wähnte von den Jägern schon sich frei. Da sprang von seinem Rosse der stolze Ritter gut Und begann ihm nachzulaufen. Das Tier war ohne Hut, Es konnt ihm nicht entrinnen: er fing es allzuhand, Ohn es zu verwunden; der Degen eilig es band. Kratzen oder beißen konnt es nicht den Mann, Er band es auf den Sattel: aufsaß der Schnelle dann; Er bracht es an die Feuerstatt in seinem hohen Mut Zu einer Kurzweile, der Degen edel und gut. Da ritt der edle Degen stattlich aus dem Tann. Ihn sahen zu sich kommen, die in Gunthers Bann. Sie liefen ihm entgegen und hielten ihm das Roß: Da führt er auf dem Sattel einen Bären stark und groß. Als er vom Roß gestiegen, löst er ihm das Band Vom Mund und von den Füßen; die Hunde, gleich zur Hand, Begannen laut zu heulen, als sie den Bären sahn. Das Tier zum Walde wollte: das erschreckte manchen Mann. Der Bär in die Küche von dem Lärm geriet; Hei! was er von dem Feuer der Küchenknechte schied! Gerückt ward mancher Kessel, zerzerrt mancher Brand; Hei! was man guter Speise in der Asche liegen fand! Da sprangen von den Sitzen die Herren und ihr Bann; Der Bär begann zu zürnen: der König wies sie an, Der Hunde Schar zu lösen, die an den Seilen lag: Und wär es wohl geendet, sie hätten fröhlichen Tag. Mit Bogen und mit Spießen, man versäumte sich nicht mehr, Liefen hin die schnellen, wo da ging der Bär; Doch wollte niemand schießen, von Hunden war’s zu voll: So laut war das Getöse, daß rings der Bergwald erscholl. Der Bär wurde flüchtig vor der Hunde Zahl; Ihm konnte niemand folgen als Kriemhilds Gemahl. Er erlief ihn mit dem Schwerte, zu Tod er ihn da schlug, Wieder zu dem Feuer das Gesind den Bären trug. Da sprachen, die es sahen, er wär ein starker Mann. Die stolzen Jagdgesellen rief man zu Tisch heran: Auf einem schönen Anger saßen ihrer genug. Hei! was man Ritterspeise vor die stolzen Jäger trug! Da sprach der Herre Siegfried: „Mich verwundert sehr, Man bringt uns aus der Küche doch so viel daher, Was bringen uns die Schenken nicht dazu den Wein? pflegt man so der Jäger, will ich nicht Jagdgeselle sein.“ Da sprach der Niederländer: „Ich sag euch wenig Dank: Man sollte sieben Säumer mit Met und Lautertrank Mir hergesendet haben; konnte das nicht sein, So sollte man uns näher gesiedelt haben dem Rhein.“ Da sprach von Tronje Hagen: „Ihr edeln Ritter schnell, Ich weiß hier in der Nähe einen kühlen Quell: Daß ihr mir nicht zürnet, da rat ich hinzugehn.“ Der Rat war manchem Degen zu großen Sorgen geschehn. Als sie von dannen wollten zu der Linde breit, Da sprach von Tronje Hagen: „Ich hörte jederzeit, Es könne niemand folgen Kriemhilds Gemahl, Wenn er rennen wolle; hei! schauten wir doch das einmal?“ Da sprach von Niederlanden Siegfried, der Degen kühn: „Das mögt ihr wohl erproben; wollt ihr zur Wette hin Mit mir an den Brunnen? Wenn der Lauf geschieht, Soll der uns Sieger heißen, den man den vordersten sieht.“ „Wohl, laßt es uns versuchen,“ sprach Hagen, der Degen. Da sprach der starke Siegfried: „So will ich mich legen Hier zu euern Füßen nieder in das Gras.“ Als er das erhörte, wie lieb war König Gunthern das! Da sprach der kühne Degen: „Ich will euch mehr noch sagen: All meine Geräte will ich mit mir tragen, Den Speer samt dem Schilde, dazu mein Birschgewand.“ Das Schwert und den Köcher er um die Glieder schnell sich band. Ab zogen sie die Kleider von dem Leibe da; In zwei weißen Hemden man beide stehen sah. Wie zwei wilde Panther liefen sie durch den Klee; Man sah bei dem Brunnen den kühnen Siegfried doch eh. Den Preis in allen Dingen vor manchem man ihm gab, Da löst er schnell die Waffe, den Köcher legt er ab, Den Speer, den starken, lehnt er an den Lindenast: Bei dem fließenden Brunnen, da stand der herrliche Gast. Siegfrieds Tugenden waren gut und groß. Den Schild legt er nieder, wo der Brunnen floß: Wie sehr ihn auch dürstete, der Held nicht eher trank, Bis der König getrunken; dafür gewann er übeln Dank. Der Brunnen war lauter, kühl und auch gut; Da neigte sich Gunther hernieder zu der Flut. Als er getrunken hatte, erhob er sich hindann; Also hätte auch gerne der kühne Siegfried getan. Da entgalt er seiner Tugend: den Bogen und das Schwert Trug Hagen beiseite von dem Degen wert. Dann sprang er schnell zurücke, wo er den Wurfspieß fand, Und sah nach einem Zeichen an des Kühnen Gewand. Als Siegfried der Degen aus dem Brunnen trank, Schoß er ihm durch das Kreuze, daß aus der Wunde sprang Das Blut seines Herzens hoch an Hagens Staat, Kein Held begeht wieder also große Missetat. Der Held in wildem Toben von dem Brunnen sprang; Ihm ragte von den Schultern eine Speerstange lang. Nun wähnt er da zu finden Bogen oder Schwert, So hätt er Lohn Herrn Hagen wohl nach Verdienste gewährt. Als der Todwunde das Schwert nicht wiederfand, Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand; Den hob er auf vom Brunnen und rannte Hagen an: Da konnt ihm nicht entrinnen König Gunthers Untertan. Wie wund er war zu Tode, so kräftig doch er schlug, Daß von dem Schilde niederträufelte genug Des edeln Gesteines: der Schild zerbrach ihm fast. Wie gern gerochen hätte sich der herrliche Gast! Gestrauchelt war da Hagen von seiner Hand zu Tal; Der Anger von den Schlägen erscholl im Widerhall. Hätt er sein Schwert in Händen, so wär es Hagens Tod: Sehr zürnte der Wunde; es zwang ihn wahrhafte Not. Seine Farbe war erblichen, er konnte nicht mehr stehn: Seines Leibes Stärke mußte gar zergehn, Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug. Er ward hernach betrauert von schönen Frauen genug. Da fiel in die Blumen der Kriemhilde Mann: Das Blut von seiner Wunde stromweis niederrann. Da begann er die zu schelten, ihn zwang die große Not, Die da geraten hatten mit Untreue seinen Tod. Da sprach der Todwunde: Weh, ihr bösen Zagen, Was helfen meine Dienste, da ihr mich habt erschlagen? Ich war euch stets gewogen und sterbe nun daran: Ihr habt an euren Freunden leider übel getan.“ Hinliefen all die Ritter, wo er erschlagen lag. Das war ihrer vielen ein freudeloser Tag. Wer irgend Treue kannte, von dem ward er beklagt: Das hatt auch wohl um alle verdient der Degen unverzagt. Der König der Burgunden beklagt auch seinen Tod. Da sprach der Todwunde: „Das tut wohl nimmer Not, Daß der um Schaden weinet, durch den man ihn gewann; Er verdient groß Schelten, er hätt es besser nicht getan.“ Da sprach der grimme Hagen: „Ich weiß nicht, was euch reut, Nun hat zumal ein Ende unser sorglich Leid. Nun mag’s nicht manchen geben, der uns darf bestehn: Wohl mir, daß seiner Herrschaft durch mich ein End ist geschehn. Die Blumen allenthalben wurden vom Blute naß. Da rang er mit dem Tode, nicht lange tat er das, Denn des Todes Waffe schnitt ihn allzusehr: Auch mußte bald ersterben dieser Degen kühn und hehr. Als die Herren sahen, der Degen sei tot, Sie legten ihn auf einen Schild, der war von Golde rot. Da gingen sie zu Rate, wie es sollt ergehn, Daß es verhohlen bliebe, es sei von Hagen geschehn. Da sprachen ihrer viele: „Ein Unfall ist geschehn; Ihr sollt es alle hehlen und einer Rede stehn: Als er allein ritt jagen, der Kriemhilde Mann, Da schlugen ihn die Schächer, da er fuhr durch den Tann.“ Da sprach von Tronje Hagen: „Ich bring ihn in das Land. Mich soll es nicht kümmern, wird es ihr auch bekannt, Die so betrüben konnte Brunhildens hohen Mut; Ich werde wenig fragen, wie sie nun weinet und tut.“ Da harrten sie des Abends und fuhren überrhein: Von Helden konnte nimmer so schlimm gejaget sein. Ihr Beutewild beweinte noch manches edle Weib. Bald mußte sein entgelten viel guter Weigande Leib. Karl Simrock nach dem Nibelungenlied

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