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Bach und Strom

Die verlassene Mühle

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Das Wasser rauscht zum Wald hinein, Es rauscht im Wald so kühle, Wie mag es wohl gekommen sein Vor die verlaßne Mühle? Die Räder stille, morsch, bemoost, Die sonst so fröhlich herumgetost, Dach, Gäng und Fenster alle Im drohenden Verfalle. Allein bei Sonnenuntergang, Da knisterten die Äste, Da schlichen sich den Bach entlang Gar sonderbare Gäste, Viel Männlein grau, von Zwergenart, Mit dickem Kopf und langem Bart, Sie schleppten Müllersäcke Daher aus Busch und Hecke. Und alsobald im Müllerhaus Beginnt ein reges Leben, Die Räder drehen sich im Saus, Das Glöcklein schellt daneben; Die Männlein laufen ein und aus, Mit Sack hinein und Sack heraus, Und jeder von den Kleinen Scheint nur ein Sack mit Beinen. Und immer toller schwärmten sie Wie Bienen um die Zellen, Und immer toller lärmten sie Durch das Getos der Wellen; Mit wilder Hast das Glöcklein scholl, Bis alle Säcke waren voll Und klar am Himmel oben Der Vollmond sich erhoben. Da öffnet sich ein Fensterlein, Das einzige noch ganze, Ein schönes, bleiches Mägdelein Zeigt sich im Mondesglanze Und ruft vernehmlich durchs Gebraus Mit süßer Stimme Klang heraus: „Nun habt ihr doch, ihr Leute, Genug des Mehls für heute!“ Da neigt das ganze Lumpenpack Sich vor dem holden Bildnis, Und jeder sitzt auf seinem Sack Und reitet in die Wildnis; Schön Müllerin schließt’s Fenster zu, Und alles liegt in alter Ruh. Des Morgens Nebel haben Die Mühle ganz begraben. Und als ich kam am andern Tag In trüber Ahnung Schauern, Die Mühle ganz zerfallen lag Bis auf die letzten Mauern; Das Wasser rauschet neben mir hin, Es weiß wohl, was ich fühle, Und nimmermehr will aus dem Sinn Mir die zerfallne Mühle. August Schnezler

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