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Bach und Strom

Die vexierten Frösche

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Des Königs Jagd war aus, Verzehrt der Abendschmaus, Manch Ruhgezelt Schön aufgestellt Und ringsum still die ganze Welt; Die Frösche aber schrien im See, Es taten den Menschen die Ohren weh. Des Alten Fritzen Vater sprach: „Nun könnt ich ruhen ganz gemach, Wenn das vertrackte Gequarr nicht wär. Wo kommen die Kuckucksfrösche her? Es werden ihrer immer mehr, Das lärmet wie ein großes Heer; Ein Chor, der so zu trinken hat, Wird auch so leicht nicht müd und matt. Das quarrt, das plarrt, Das muckt, das gluckt, Das blökt und quäkt, Das meckert und sägt, Man wird ein Narr Von dem Geschnarr, Von dem Geknarr und Wirrewarr! Weiß keiner von euch zu stillen die Brut? Den Becher empfängt, der es kann und tut.“ Da meldet ein flinker Jägersmann Sich an als einer, der so was kann, Und springt hinaus: es fällt ein Schuß, Drauf folgt ein Zischen, wie von Verdruß, Ein Knall und — der Cantate Schluß: Die erst so laute Wasserwelt Schweigt ringshin um das Königszelt. Da sehn sich alle verwundert an, Und manchem graut vor dem Jägersmann. Der sich den Becher holt und lacht Und keinem sagt, wie er’s vollbracht. Man legt sich allgemach zur Ruh, Der König schließt kein Auge zu, So müd er ist: das Stillesein Der Frösche macht ihm jetzt nur Pein; Er denkt: „Ich glaub an keinen Zauber, Indes die Sache, gänzlich sauber Scheint sie mir nun und nimmermehr. Man soll von der Natur nicht wanken; Dem Teufel meinen Schlaf zu danken, Das halt ich wider meine Ehr. Die Frösche sollen wieder schrein!“ Er ruft den Jäger sich herein: „Nein lieber Mann, Hör mich an: Hier steht zum Becher noch der Krug, Ich habe des Schweigens nun genug. Ist Er so klug, Mach Er die Frösche wieder schrein: So ist der Krug wie der Becher sein. Laß Er sie wieder singen Und Gott dem Herrn ihr Loblied bringen, Es mag nun, wie es will, erklingen.“ Da sprach der Mann mit Lachen: „Sorgt nicht, das will ich machen.“ — Er eilt hinaus; nicht lange Zeit Vergeht, als schon ein Fröschlein schreit, Ein zweites stimmet sacht mit ein, Nun hört man schon drei, viere schrein, Fünf, sechs, und jetzt schreit hinterher Das ganze große Fröscheheer, Als ob gar nichts passieret wär. Der Lärm ist ärger als zuvor, Es orgelt alles Chor bei Chor. Der Jäger kommt, der König spricht: „So tolles Ding kapier ich nicht, Nehm Er den Krug, doch sag Er jetzt, Mit was für Kunst Er’s durchgesetzt? Wie Er die Schreier still gemacht Und wieder sie zum Schrein gebracht?“ „Erst lud ich Pulver in den Lauf Und einen guten Schwärmer drauf Und schoß den über den See daher, Da meinete das Fröscheheer, Daß das ein Donnerwetter wär; Sie sind bei solchem immer still, Oft schon bevor es aufziehn will.“ Der König sprach: „Das seh ich ein, Nur eins will noch erkläret sein, Wie bracht Er sie aufs neu zum Schrein?“ „O Herr, das war ein leichter Spaß, Ich quarrte wie ein Frosch etwas, Da stimmte das nächste Fröschlein ein, Bald hörte man drei, viere schrein, Und endlich kriegte die ganze Bagage, Den Schreck vergessend, von neuem Courage.“ — Der König sprach: „Gut ausgedacht! Das Stück hat mir Pläsier gemacht, Schieß noch einmal, sie schrein zu sehr.“ „Gern,“ sprach der Jäger, „nur heut nicht mehr; Sie haben gemerkt, man will sie vexieren, Und werden sich heute nicht weiter genieren.“ „Hum,“ sagte der König, „was ist zu tun? Ich will versuchen, so zu ruhn.“ Im Traum noch lachend schlief er ein Und ließ die Frösche Frösche sein. August Kopisch

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