Der Fischer von Gotin
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Was regt sich dort um Mitternacht? Elz hat das Netz zu Strand gebracht, Die Havel hegt viel Fische. Da ruft’s von drüben mit fremdem Laut: „Hol über!“ so wüst, daß Eulen graut, Elz aber frägt: „Wer ruft da?“ „Hol über!“ ruft’s mit grimmem Ton; Ein andrer wär da bald entflohn, Elz aber ruft: „Wer seid Ihr?“ „Hol über!“ ruft’s mit solcher Wut, Daß her zum Nachen rauscht die Flut, Elz aber nimmt das Ruder, Kennt keine Furcht und keinen Schreck, Er springt ins Schiff und rudert keck, Bis er gelangt zum Strande.

Da schleppt sich herab aus wildem Wald Eine riesig dunkle Graungestalt Ins Schiff wie mit bleiernen Füßen, So schwer, daß fast es niedergeht. Doch Elz stößt ab das Boot und steht Hochschwebend am andern Ende. Wie auch das schwanke Holz erkracht, Elz stehet fest und lenkt’s mit Macht Hin durch den Strom der Havel. Der Fremde blickt ihn furchtbar an, Elz wieder ihn, als echter Mann, Und schwingt gemach das Ruder, Und wie er kommt zum andern Strand, Steigt schweren Tritts der Gast ans Land, Elz aber heischt das Fährgeld. „Es liegt im Schiff, worin ich saß, Den keiner zu fahren sich je vermaß, Als du allein, du Kühner! Denn wisse, daß der Tod ich bin: Ich ziehe vor Tage nach Gotin, Und alles wird da sterben. Nur du sollst spät mich sonder Graun Mit leichten Flügeln wiederschaun Als sanften Seelenlöser.“ So sprach der Riese und verschwand, Elz aber sah ins Schiff und fand Es strahlend voll von Golde. August Kopisch