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Sämmtliche Werke 7

XXIX Wessen Los auf Erden das beste ist Aus einem Briefe an U—

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Ich vermag Ihnen durchaus nicht zu sagen, wessen Los auf Erden das schönere ist und wem das bessere Teil beschieden ward. Früher als ich noch törichter und dümmer war, zog ich einen Beruf einem andern vor; jetzt dagegen erkenne ich, daß das Los aller Menschen gleich beneidenswert ist. Alle erhielten den gleichen Lohn — sowohl der, dem ein Talent anvertraut ward und der ein zweites hinzuerwarb, wie der, dem fünf Talente verliehen wurden und der noch fünf weitere dafür zurückbrachte. Ich glaube sogar, daß das Los des ersten noch besser ist, gerade weil er auf Erden keinen Ruhm genossen und nicht von dem Zaubertrank irdischer Ehren gekostet hat, wie der letzte. Wie wunderbar ist doch die göttliche Gnade, die jedem den gleichen Lohn bestimmte, der redlich seine Schuldigkeit getan hat, ob er nun der Zar oder der ärmste Bettler ist. Dort werden sie alle gleich sein, denn sie alle werden eingehen in die Freude ihres Herrn und werden alle gleichermaßen in Gott sein. Freilich hat Christus selbst an einer andern Stelle gesagt: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen“, aber wenn ich mir diese Wohnungen vorstelle, wenn ich darüber nachdenke, was die Wohnungen Gottes sein mögen, kann ich mich nicht der Tränen enthalten, und ich weiß, daß ich mich nie entscheiden könnte, welche ich wählen soll, wenn ich wirklich einmal gewürdigt sein sollte, am himmlischen Reiche teilzunehmen, und wenn die Frage an mich erginge: „welche von ihnen möchtest du wählen?“ Ich weiß nur das eine, daß ich antworten würde: „die letzte, Herr, wenn sie nur in Deinem Hause ist.“ Ich glaube, man kann sich nichts Schöneres wünschen, als jenen Auserwählten zu dienen, die bereite gewürdigt wurden, Seinen Ruhm in all Seiner majestätischen Größe zu schauen, zu ihren heiligen Füßen liegen und sie zu küssen!

1845.

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