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Gemälde und ihre Meister

Napoleon auf dem St. Bernhard Von Jacques Louis David

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Geboren 31. August 1748 in Paris, gestorben 29. Dezember 1825 in Brüssel. — Museum in Versailles; drei Wiederholungen, eine davon im Berliner Schloß

Bild 22

Karl: Ach, sieh mal! Da ist ja Napoleon: das berühmte Bild von David!

Otto: Das kann er doch nicht sein. Es fehlt ja jede Ähnlichkeit.

Karl: Ist denn Ähnlichkeit die Hauptsache bei einem Porträt? Es kommt doch vielmehr auf das Charakteristische an; der Künstler soll seine besondere Auffassung zur Geltung bringen und sich so in die fremde Persönlichkeit versenken, daß er ihr Wesen im Innersten erfaßt; er soll sie von den Schlacken des zufälligen Aussehens befreien und nur das Dauernde, das Geistige, das wahre Sein zum Ausdruck bringen. Sonst wäre ja auch die Photographie das beste Porträt.

Otto: Schade, daß man damals noch nicht photographieren konnte; sonst wüßte man wenigstens, wie Napoleon ausgesehen hat.

Karl: Nun, er selbst hat auf Ähnlichkeit keinen Wert gelegt und deshalb zu diesem Bilde auch nicht gesessen; das war ihm viel zu langweilig, und er hatte keine Zeit dazu. Als ihm David einwandte, das Bild würde dann nicht ähnlich werden, gab er zur Antwort: „Ähnlich? Besteht denn die Ähnlichkeit in der Genauigkeit, mit der man die Gesichtszüge oder etwa eine kleine Erbse an der Nase auf die Leinwand bringt? Den Charakter, das Wesen der Persönlichkeit, das, was ihr Leben gibt, muß man malen!“ — Das eine schließt das andere nicht aus, meinte der Maler, worauf Napoleon fortfuhr: „Sicherlich hat Alexander dem Apelles nicht gesessen. Niemand fragt danach, ob die Porträts großer Männer ähnlich sind. Wenn nur ihr Geist in ihnen lebt!“ — Da gab sich David gefangen: „Sie lehren mich die Kunst zu malen; im Ernst, ich habe die Malkunst noch nicht aus diesem Gesichtspunkt betrachtet. Nein, Sie sollen nicht sitzen; ich will Sie doch malen, ich werde es schon machen!“

Otto: Da hat der Maler dem Kaiser aber eine schöne Schmeichelei gesagt!

Karl: Aber Napoleon hat recht. Und daß du ihn Kaiser nennst, beweist, daß David ein gutes Bild gemalt hat. Denn es war im Jahre 1800, nach der siegreichen Schlacht bei Marengo; Napoleon war noch lange nicht Kaiser, sondern nur Erster Konsul; aber eben das unbedingt Sieghafte, das Herrschergewaltige, das Kaiserliche wollte der Künstler darstellen: Keine Macht der Erde hat dieser Mann zu fürchten. Was er will, wird er durchsetzen. Ihn schreckt nicht Schnee noch Eis, nicht die unwirtliche Höhe des Bergriesen St. Bernhard, nicht der tobende Sturm, der ihm fast den Mantel von der Schulter reißt; er wird die Alpen überwinden, wie einst Hannibal, wie Karl der Große, dessen Reich er wieder aufrichten will. Er wird seine Truppen von Sieg zu Sieg führen, er wird Frankreich zur ersten Macht der Welt erhöhen. Er regiert ja schon jetzt den Staat, so sicher und selbstverständlich, wie er das edle Roß zügelt, auf dem er reitet. Dieses Roß, stolz, stark, sich aufbäumend vor Feuer und innerem Leben, sturmgepeitscht und auf den vereisten Stufen des himmelanstrebenden Weges ein wenig ratlos, gehorcht doch so willig dem leisesten Schenkeldruck des fest im Sattel sitzenden Herrn; der Reiter braucht nicht einmal den Zügel, so fest er ihn auch in der Hand hält; sein Wille überträgt sich von selbst. Dieses Roß stellt Frankreich dar, das glorreiche Frankreich der Revolution, das der werdende Imperator auf die Höhe des Ruhmes und der Macht führt. Seine Hand weist aufwärts mit befehlender Gebärde: „Dorthin müssen wir, koste es, was es wolle. Dort, jenseits der Berge, liegt das Heil: Italien müssen wir beherrschen und das Mittelmeer, dann werden wir auch mit den Engländern fertig werden, dem Erbfeind seit Jahrhunderten! Dann werden wir die Herren Europas werden, werden Schätze heimführen, wieder reich und mächtig sein und ein Kolonialreich bekommen, größer und herrlicher, als es uns die Briten im Siebenjährigen Kriege gestohlen haben. Dann wird sich’s zeigen, daß die Revolution Kräfte entbunden hat, wie sie unter der jammervollen Politik der Könige und der Adelsherrschaft niemand unserem Volke zugetraut hat! Ich aber will euer Führer sein, euer Held und Kaiser; denn Männer machen die Geschichte, und nur der große Einzelne bringt die Welt vorwärts!“

Otto: Ja, so spricht wohl ein Theaterheld, und ich kann mir nicht helfen, das ganze Bild hat etwas vom Theater an sich. Pferd und Reiter sind zu elegant für die Umgebung. In Schnee und Eis, im unwegsamen Gebirge, nach anstrengenden Märschen sieht man anders aus. Und mir kommt das bergan springende Pferd beinahe komisch vor. Wo will es denn hin auf dem Stufenweg, der so steil ist, daß die Soldaten ihn nicht benutzen können? Und die Haltung des Reiters ist zirkusmäßig. Er gibt eine Vorstellung. Auch finde ich das Gesicht leer und ausdruckslos; dazu ist der rechte Arm falsch angewachsen, er sitzt ja viel zu hoch; und die Beine sind zu lang. Napoleon war viel kleiner, und auch dicker.

Karl: Du bist ein sehr harter Beurteiler. Etwas Wahres liegt deinen Beobachtungen freilich zugrunde. Es kam dem Künstler aber nicht auf die Wirklichkeit an; er wollte bestimmte Eindrücke erwecken, vor allem den des Unüberwindlichen und Majestätischen. Napoleon sollte als der unbezwingbare Sieger gefeiert werden, dessen Befehle die Welt ausführt, der wie ein antiker Imperator jedem das Gesetz vorschreibt. Ursprünglich hatte der Maler die Absicht, ihn zu Fuß auf dem Schlachtfelde, den Degen in der Faust, darzustellen; aber Napoleon wollte auf einem feurigen Pferde, doch vollkommen ruhig gemalt werden. „Mit dem Degen gewinne man keine Schlachten mehr.“ Er wollte sagen, man gewinnt sie mit dem Kopf, durch klare Abwägung der Mittel, durch geniale Erfassung des Augenblicks, durch Tatkraft, durch Disziplin und Begeisterung der Truppen, d. h. also durch intellektuelle und moralische Kräfte, und durch sie allein lenkt man auch den Staat. Und was dir an dem Bilde theatralisch vorkommt, als Pose, wie man sagt, oder als pathetischer oder rhetorischer Stil, mit anderen Worten als unwahr und gekünstelt, das eben sollte die Erhabenheit und Größe des Feldherrn, seine kraftvolle Herrscherpersönlichkeit, das Kaiserliche an ihm zum Ausdruck bringen. Darum ist auch alles andere so in den Hintergrund gedrängt: die Berge, die im Nebel fast verschwinden, die letzte menschliche Ansiedlung rechts im Hintergrunde, die Soldaten, die mühsam ihre Kanonen auf gewundenen Wegen hinaufschleppen. Über die Kleinheit der Soldaten hat sich Napoleon selbst lustig gemacht; er meinte, sie seien ja gerade nur so groß wie die Hufe seines Rosses und könnten leicht zertreten werden. Aber das war eben die Absicht des Künstlers, seinen Helden turmhoch über alle Menschen zu erheben: Er ist nur mit den ganz großen Vorgängern, mit Hannibal und Karl dem Großen, zu vergleichen; aber auch ihr Ruhm verblaßt vor dem seinen. Sieh doch nur, wie ihre Inschriften schon mehr oder weniger verwittert sind, während der Name Bonaparte frisch in den Felsen der Ewigkeit gemeißelt ist.

Otto: Diese Inschriften finde ich ja auch sehr geschmacklos. Daß der Maler seinen Namen bescheiden auf den Riemen des Vorderzeugs gezeichnet hat, dagegen läßt sich nichts einwenden. Aber die Inschriften mitten auf dem Felsen des Gebirges sind vom Übel; und noch dazu: wer soll denn Bonapartes Namen eingemeißelt haben, wenn er eben erst über die Stelle reitet?

Karl: Das sind ja Nebensachen. Bei einem Denkmal würde es dir doch gar nicht auffallen, wenn am Sockel der Name des Dargestellten und andere historische Erinnerungen zu lesen wären. Dies Bild soll auch ein Denkmal sein und hat Ähnlichkeit mit einem antiken Relief, wo auch die Hauptperson allein aus flachem Hintergrunde heraustritt. Reiterstatuen aus der Antike und der Renaissance, aus Rom und Florenz, sind Vorbild gewesen. David war überzeugt, daß die antike Linienführung in aller Kunst Ewigkeitswert beanspruche, und seine ganze Zeit lebte in antiken Vorstellungen. Der Franzose der Revolution fühlte sich als alter Römer; die Tugenden der Alten wurden über alles gepriesen, die alten Helden waren in aller Munde. Wenn Napoleon sich malen lassen will, denkt er an Alexander und Apelles, und die niedliche Erbse an der Nase, von der er spricht, hat bekanntlich dem Großvater Ciceros den Namen gegeben. David selbst hat fünf Jahre in Rom studiert, und fast alle seine großen Werke stellen Szenen aus dem Altertum dar, z. B. den Raub der Sabinerinnen, den Tod des Sokrates, den Schwur der drei Horatier, die für ihr Vaterland zu sterben bereit sind. Und er hat versucht, seine Stoffe auch im antiken Geiste darzustellen, selbst wenn sie, wie beim Tode Marats, aus der unmittelbaren Gegenwart genommen sind. Die Innenräume sind griechisch-römisch, die Möbel, die Geräte, die Kleidung sind nach den Funden in Herculaneum und Pompeji gezeichnet, und selbst die Figuren sind nach antiken Statuen aufgebaut. So ist auch der Mantel, den Napoleon trägt, im Faltenwurf antik, und man sieht durch die eng anliegenden Kleider den Linienfluß des Körpers. Und der schmale, geschmeidige Leib und auch die langgestreckten Beine, an denen du Anstoß nimmst, sind einfach dem Apollo vom Belvedere nachgebildet: das gehörte zum heroischen Stil. Das alles war in der damaligen Kunst eine Gegenwirkung gegen das Verschnörkelte, Unruhige, den Körper durch das Kostüm Verdeckende der Rokokozeit; man empfand das Rokoko als süßlich, als eine Hof- und Adelskunst. In den freien Staaten des Altertums sah man das politische Ideal verkörpert; die Erneuerung der antiken Kunst sollte auch politisch und erziehlich wirken. David war ein heftiger Revolutionär, er war Jakobiner, Mitglied und eine Weile sogar Präsident des Konvents, er hat Ludwig XVI. mit zum Tode verurteilt. So will auch seine Kunst revolutionär wirken. Er hat mit dieser antikisierenden Art zwar nicht als erster begonnen, sie aber in Frankreich durchgeführt und sie zur vollen Blüte entwickelt.

Otto: Aber die Verehrung für antike Schönheit hat doch nichts mit der Revolution zu tun?

Karl: In Frankreich sicherlich, und sogar sehr viel. In Deutschland freilich weniger; doch auch hier wurde die Rückkehr zu klassischen Formen als Befreiung betrachtet; freilich hauptsächlich vom künstlerischen Gesichtspunkte aus. Die ganze Richtung ging von einem Deutschen aus, von dem armen, gedrückten Schusterssohn Winckelmann, und ist durch den deutschen Maler Raffael Mengs in Italien zu Ehren gebracht worden. Man nannte diese Leute Klassizisten, weil die klassische Kunst ihnen als unerreichbares Ideal des Schönen galt. übrigens ist kein Geringerer als Goethe auf der Höhe seines Daseins ganz derselben Überzeugung gewesen, und seine Werke atmen fast alle den gleichen Geist; denke nur an „Tasso“, „Iphigenie“, „Hermann und Dorothea“; auch er will den antiken Dichtern nahekommen. Und wenn in Schillers „Wilhelm Tell“ Gertrud sagt:

„Ertragen muß man, was der Himmel sendet, Unbilliges erträgt kein edles Herz.“

oder gleich darauf:

„Die letzte Wahl steht auch dem Schwächsten offen: Ein Sprung von dieser Brücke macht mich frei“,

so ist diese edle, dem gewöhnlichen Leben fremde Sprache nichts anderes als heroischer Stil, genau so wie Napoleon hier als antiker Imperator dargestellt wird. Das ist eben eine künstlerische Ausdrucksweise, die über die platte Wirklichkeit hinausgeht, aber darum doch höchste innere Wahrheit hat.

Otto: Nun die Deutschen sind dabei doch sehr viel echter und tiefer. Das Bild hier kommt mir doch recht französisch vor, im schlechten Sinne.

Karl: Gewiß, in der französischen Literatur herrscht die Phrase, und etwas Gewolltes und Absichtliches zeigt auch dieses Bild. Etwas Prahlerisches liegt nun einmal im französischen Nationalcharakter. Aber auch etwas Glänzendes, Geistreiches, Fortreißendes.

Otto: Mich kann das Bild nicht begeistern. Ich will zugeben, daß Napoleon hier als antiker Heros aufgefaßt wird. Aber trotzdem bleibe ich dabei: der Ausdruck des Menschlichen, der allein einem Porträt Wert gibt, ist zu kurz gekommen.

Karl: Ein Heros hat eben etwas Übermenschliches, und das energische Gesicht mit den unerbittlichen Augen und dem feinen, festgeschlossenen Mund, der etwas starre Ausdruck der straffen Züge soll ja gerade etwas Marmornes, Ehernes andeuten. Von Milde und Menschlichkeit liegt im Charakter Napoleons herzlich wenig, und der Maler hatte keine Veranlassung, den gewaltigen Tatmenschen empfindsam oder weich zu schildern. Daß seiner Palette auch solche Töne zur Verfügung standen, hat er im übrigen durch viele schöne Porträts bewiesen, namentlich von Frauen, wie z. B. der lieblichen Madame Recamier. Und auch unser Bild hat sogar manchem Deutschen den Kaiser menschlich näher gebracht. Hast du nicht einmal Hauffs anmutige Erzählung: „Das Bild des Kaisers“ gelesen?

Otto: Ach richtig, ja. Das ist also das Bild, das dort eine so versöhnende Rolle spielt und den Napoleonhasser bekehrt, weil er sich erinnert, von diesem Offizier einst aus den Händen plündernder Soldaten gerettet worden zu sein?

Karl: Ja, das ist es. Und wenn du Heines Buch Le Grand lesen wolltest oder an seine beiden Grenadiere denkst, so wirst du eine Ahnung bekommen, wie geliebt und bewundert Napoleon noch lange nach seinem Tode auch in deutschen Kreisen war. Denn er war keineswegs nur ein großes Raubtier oder eine Eroberungsbestie, wie man ihn wohl genannt hat, sondern einer der größten Männer der Geschichte, gleich groß als Verwalter und Friedensfürst, wie als Kriegsherr; er wollte nur Frankreichs Macht und Größe und hat seinem Lande wieder die führende Stellung in Europa gegeben. Wenn wir Deutsche darunter schwer zu leiden hatten, so lag das an unserer politischen Zerrissenheit und Ohnmacht; andererseits haben wir ihm recht viel zu danken; hat er doch schon allein dadurch, daß er bei uns die Kleinstaaterei und das geistliche Fürstentum beseitigte, daß er lebensfähige Mittelstaaten schuf, der deutschen Einheit mächtig vorgearbeitet. Er unterlag in dem gigantischen Kampfe gegen England, der sein Leben füllt, weil er die idealen Kräfte in den unterworfenen Nationen zu gering einschätzte; wie anders aber hätte sich die Geschichte des 19. Jahrhunderts gestaltet, hätte er England wirtschaftlich und militärisch auf die Knie zwingen können!

Otto: Ich kann ihn aber doch nicht leiden. Er hat die Deutschen gemein behandelt. Denk’ doch nur an die Königin Luise. Und auch das Bild ist und bleibt mir zu französisch; es ist zu prahlerisch, zu theatralisch, zu unwahr.

Karl: Nun ich sagte dir schon, das ist der Stil der Zeit, allerdings in französischer Ausprägung. Und freilich hat gerade die französische Kunst um 1800 durch die sklavische Anlehnung an die Antike manches von dem inneren Seelenleben verloren, das sie früher besaß und später wieder gewann. Sie läßt uns im allgemeinen kalt, und auch von Davids Werken schätzen wir heute weniger seine steif-pomphaften Schilderungen des antiken Lebens und seine riesigen, personenreichen Darstellungen zur Verherrlichung des Kaisers, wie die Krönung, die Verteilung der Adler usw., die zu ihrer Zeit die Welt entzückten, als seine intimen Familienporträts: hier hat er der ganzen Kunst des 19. Jahrhunderts Anregung gegeben. Unser Porträt steht in der Mitte. Es ist gewiß noch mit zuviel Berechnung und zuviel Vernunft gemalt, es ist noch zu sehr Nachahmung des antiken Ideals; andererseits bricht sich doch die Natur Bahn. Napoleon war zu groß, als daß sein Bild in den antiken Formeln erstarren und zur Drahtpuppe hätte werden können. Wir fühlen doch, hier ist ein Gewaltiger dargestellt, und ein großer Maler hat den Pinsel geführt.

Otto: Ein großer Maler? Ich kann es noch immer nicht glauben.

Karl: Nun, unter den Malern seiner Zeit war er der erste. Schon in der Revolutionszeit war jedes Bild von ihm ein Ereignis für Paris. Er galt als der Kunst-Papst. Er erfand und leitete die großen Revolutionsfeste, löste die alte Akademie auf, ordnete die Museen und besetzte die Direktorposten, entwarf die Kostüme der Zeit, die Uniformen, die Möbel, alles im klassizistischen Stil, dem Empirestil, wie man ihn dann nannte, und gründete eine Schule, aus der sehr bedeutende Maler hervorgingen. Aus dem Revolutionär war der Hofmaler Napoleons und Verherrlicher des Kaiserreichs geworden; seine Kunst blieb aber dem alten Ideale treu. Nach des Kaisers Sturz wurde er als Königsmörder verbannt und zog sich nach Brüssel zurück. Wie angesehen er war, siehst du daraus, daß sich Friedrich Wilhelm III. lebhaft bemühte, ihn jetzt nach Berlin zu ziehen, wo er ihn zum Direktor aller Kunstanstalten machen wollte. David lehnte aber ab, weil er sich zu sehr als Franzose fühlte, obwohl Alexander von Humboldt ihm die schmeichelhaftesten Briefe im Auftrage des Königs schrieb und des Königs Bruder ihn sogar deshalb persönlich in Brüssel aufsuchte.

Otto: Nun, heute betrachten wir es wohl als ein Glück, daß er dem Rufe nicht gefolgt ist.

Karl: Vielleicht; die Kunst hat schon in der Romantik andere Bahnen genommen, und heute schätzen wir das Klassizistische nicht mehr so. Aber du weißt ja: „Wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten.“ Doch nun wollen wir ein paar andere Bilder ansehen.

Arnold Reimann.

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