DREIZEHNTER THEIL BUCH DER ARMUTH
Karl Eugen Neumann translation
121.
Dreizehnter Theil
Erste Rede
ARMUTH – I –
{212} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Osthaine, auf Mutter Migāros Terrasse.
Da nun begab sich der ehrwürdige Ānando eines Abends, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Ānando also zum Erhabenen:
»Es war einmal, o Herr, da weilte der Erhabene im Lande der Sakyer, bei Nagarakam, einer Burg im Sakyergebiete. Damals hab’ ich, o Herr, vom Erhabenen selbst es gehört, selbst es vernommen: ›Armuth erfahren hab’ ich, Ānando, in dieser Zeit am meisten gemocht.‹ Hab’ ich es wohl, o Herr, recht gehört, recht vernommen, recht gemerkt, recht behalten?«
»Gewiss hast du es, Ānando, recht gehört, recht vernommen, recht gemerkt, recht behalten. So damals, Ānando, wie heute hab’ ich Armuth erfahren am meisten gemocht. — Gleichwie etwa, Ānando, diese Terrasse Mutter Migāros ohne Elephanten, Rinder und Rosse ist, ohne Gold und Silber, ohne Gesellschaft von Weibern und Männern, und nur einen Reichthum aufweist an einer Schaar Mönche als einzigen Gegenstand: ebenso nun auch, Ānando, hat ein Mönch den Gedanken ›Dorf‹ entlassen, den Gedanken ›Mensch‹ entlassen; den Gedanken ›Wald‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. im Gedanken ›Wald‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Dorf‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Mensch‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist geblieben, {213} nämlich der Gedanke ‚Wald‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Dorf‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Mensch‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Wald‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Mensch‹ entlassen, den Gedanken ›Wald‹ entlassen; den Gedanken ›Erde‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Erde‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Gleichwie etwa, Ānando, eine Stierhaut mit dem Falzeisen wohl abgeschabt, von den Falten geglättet wird: ebenso nun auch, Ānando, hat der Mönch was es auf dieser Erde an Erhebungen und Vertiefungen, an Flussläufen, an wüstem und waldigem Gebiet, an Bergen und Thälern giebt, das alles aus seinem Geiste entlassen; den Gedanken ›Erde‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand.[102] im Gedanken ›Erde‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Mensch‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Wald‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist geblieben, nämlich der Gedanke ‚Erde‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Mensch‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Wald‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Erde‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, {214} darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Wald‹ entlassen, den Gedanken ›Erde‹ entlassen; den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Wald‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Erde‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Wald‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Erde‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Erde‹ entlassen, den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Erde‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, {215} die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Erde‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Nichtdaseinsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, {216} davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ entlassen; geistige Einheit ohne Vorstellung nimmt er auf als einzigen Gegenstand. In geistiger Einheit ohne Vorstellung erhebt sich ihm das Herz, {217} erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich dieser Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘; und nur einen Reichthum weist sie auf an diesem Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ entlassen; geistige Einheit ohne Vorstellung nimmt er auf als einzigen Gegenstand. In geistiger Einheit ohne Vorstellung erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Auch diese geistige Einheit ohne Vorstellung ist zusammengesetzt, zusammengesonnen: was aber irgend zusammengesetzt, zusammengesonnen ist, das ist wandelbar, muss untergehn‹: das erkennt er. In solcher Kunde, solchem Anblicke löst sich ihm das Herz vom Wunscheswahn ab, und löst sich ihm das Herz vom Daseinswahn ab, und löst sich ihm das Herz vom Nichtwissenswahn ab. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. {218} Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus Wunscheswahn entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus Daseinswahn entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus Nichtwissenswahn entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich dieser Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um Wunscheswahn‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um Daseinswahn‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um Nichtwissenswahn; und nur einen Reichthum weist sie auf an diesem Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine, allerhöchste Armuth über ihn herab.
»Wer aber auch immer, Ānando, in vergangener Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen hatte, ein jeder solche hatte eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen. Wer aber auch immer, Ānando, in künftiger Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth erringen wird, ein jeder solche wird eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth erringen. Wer aber auch immer, Ānando, in dieser Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen hat, ein jeder solche hat eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen.
»Darum aber, Ānando: ›Durchaus reine, allerhöchste Armuth wollen wir erringen‹: {219} so habt ihr, Ānando, euch wohl zu üben.«[103]
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.
122.
Dreizehnter Theil
Zweite Rede
ARMUTH – II –
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume.
Da nun begab sich der Erhabene eines Morgens, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach Kapilavatthu, trat in der Stadt von Haus zu Haus um Almosen hin und wandte sich dann, nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako zu, bis gegen Sonnenuntergang da zu verweilen.
Um diese Zeit aber waren in der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako viele Sitze bereit gestellt, und der Erhabene sah diese vielen Sitze dort und gedachte bei sich: ›Viele Sitze sind in der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako bereit gestellt: viele Mönche werden wohl hier sich aufhalten.‹
Damals nun war der ehrwürdige Ānando in der Einsiedelei des Sakkers Ghaṭāyo in Gemeinschaft vieler Mönche mit dem Ausbessern der Kleidung beschäftigt.
»Viele Sitze, Ānando, sind in der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako bereit gestellt: {220} viele Mönche werden wohl dort sich aufhalten.«
»Viele Sitze, o Herr, sind in der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako bereit gestellt: viele Mönche halten sich dort auf; die Kleidung herzurichten kommt uns jetzt, o Herr, zu.«
»Nicht kommt, Ānando, Glanz einem Mönche zu, der an Gemeinsamkeit froh wird, an Gemeinsamkeit Freude hat, an Gemeinsamkeit Befriedigung findet, gemeinsam froh, gemeinsam erfreut, gemeinsam zufrieden ist. Dass aber, Ānando, ein Mönch, der an Gemeinsamkeit froh wird, an Gemeinsamkeit Freude hat, an Gemeinsamkeit Befriedigung findet, gemeinsam froh, gemeinsam erfreut, gemeinsam zufrieden ist, was da Wohl der Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Auflösung, Wohl der Erwachung ist, dieses Wohl nach Wunsch gewinnen werde, in seiner Fülle und Weite: das ist unmöglich. So nun aber, Ānando, ein Mönch, der allein, von Gemeinsamkeit abgeschieden verweilt, ein solcher Mönch es erhoffen mag, was da Wohl der Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Auflösung, Wohl der Erwachung ist, dieses Wohl werde er nach Wunsch gewinnen, in seiner Fülle und Weite: das ist möglich. Dass aber, Ānando, ein Mönch, der an Gemeinsamkeit froh wird, an Gemeinsamkeit Freude hat, an Gemeinsamkeit Befriedigung findet, gemeinsam froh, gemeinsam erfreut, gemeinsam zufrieden ist, eine zeitlich ersehnte Geisteserlösung erringen werde oder ewige Stille: das ist unmöglich. So nun aber, Ānando, ein Mönch, der allein, von Gemeinsamkeit abgeschieden verweilt, ein solcher Mönch es erhoffen mag, er werde eine zeitlich ersehnte Geisteserlösung erringen oder ewige Stille: das ist möglich. Nicht weiß ich, Ānando, auch nur von einer Form, wobei die Freude, wobei die Befriedigung an der Form, da sie wandelbar, veränderlich ist, nicht in Schmerz überginge und Jammer, Leiden, Trübsinn, Verzweiflung.
»Darum aber, Ānando, mag auch ein Mönch es wünschen, ›Innige Armuth erfassen will ich‹, so hat, Ānando, ein solcher Mönch das innige Herz eben zu festigen, zu beruhigen, einig zu machen und stark. Wie aber kann, Ānando, ein Mönch das innige Herz eben festigen, beruhigen, einig machen und stark? Da weilt, Ānando, der Mönch gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht er die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst weilt der Mönch, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Also kann, Ānando, ein Mönch das innige Herz eben festigen, beruhigen, einig machen und stark.
»Er nimmt innige Armuth im Geiste auf. Während er innige Armuth im Geiste aufnimmt, will sich ihm das Herz in inniger Armuth nicht erheben, nicht erheitern, nicht beschwichtigen, nicht beruhigen. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Während ich innige Armuth im Geiste aufnehme, will sich mir das Herz in inniger Armuth nicht erheben, nicht erheitern, nicht beschwichtigen, nicht beruhigen.‹ {222} So aber bleibt er da klar bewusst.
»Er nimmt von außen Armuth im Geiste auf, er nimmt von innen und außen Armuth im Geiste auf; er nimmt Unverstörung im Geiste auf. Während er Unverstörung im Geiste aufnimmt, will sich ihm das Herz in Unverstörung nicht erheben, nicht erheitern, nicht beschwichtigen, nicht beruhigen. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Während ich Unverstörung im Geiste aufnehme, will sich mir das Herz in Unverstörung nicht erheben, nicht erheitern, nicht beschwichtigen, nicht beruhigen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Ein solcher Mönch, Ānando, hat nun in jener ersteren geistigen Vertiefung das innige Herz eben zu festigen, zu beruhigen, einig zu machen und stark. Er nimmt innige Armuth im Geiste auf. Während er innige Armuth im Geiste aufnimmt, erhebt sich ihm das Herz in inniger Armuth, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Während ich innige Armuth im Geiste aufnehme, erhebt sich mir das Herz in inniger Armuth, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Er nimmt von außen Armuth im Geiste auf, er nimmt von innen und außen Armuth im Geiste auf; er nimmt Unverstörung im Geiste auf. Während er Unverstörung im Geiste aufnimmt, erhebt sich ihm das Herz in Unverstörung, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Während ich Unverstörung im Geiste aufnehme, erhebt sich mir das Herz in Unverstörung, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.[105]
»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt auf- und abzugehn, so geht er auf und ab: {223} ›Also auf- und abgehend werd’ ich von Begierde und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich nicht überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt stehn zu bleiben, so bleibt er stehn: ›Also stehn bleibend werd’ ich von Begierde und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich nicht überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt niederzusitzen, so setzt er sich nieder: ›Also niedersitzend werd’ ich von Begierde und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich nicht überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt sich hinzulegen, so legt er sich hin: ›Also liegend werd’ ich von Begierde und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich nicht überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt zu reden, so gedenkt er: ›Ein Gespräch, das gewöhnlich, gemein, alltäglich, unheilig, ungeeignet ist, nicht zur Abkehr, nicht zur Wendung, nicht zur Aufhebung, nicht zur Auflösung, nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur Erlöschung hinlenkt, als da sind Gespräche über Könige, über Räuber, über Fürsten, über Soldaten, über Krieg und Kampf, Gespräche über Speise und Trank, über Kleidung und Lager, über Blumen und Düfte, Gespräche über Verwandte, über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen, über Städte und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen und Märkte, über die Altvorderen und über die Veränderungen, über Ereignisse im Reich, Ereignisse zur See, über dies und das und dergleichen mehr: {224} ein solches Gespräch werde ich nicht führen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn es aber, Ānando, ein Gespräch ist, das zur Ledigung, zur geistigen Befreiung taugt, einzig zur Abkehr, zur Wendung, zur Aufhebung, zur Auflösung, zur Durchschauung, zur Erwachung, zur Erlöschung hinlenkt, als da sind Gespräche über Genugsamkeit, über Zufriedenheit, Gespräche über Einsamkeit, über Abgeschiedenheit, über Beharrlichkeit, über Tugend, Gespräche über Vertiefung, über Weisheit, über Erlösung, über Wissensklarheit der Erlösung: ›ein solches Gespräch‹, gedenkt er, ›werde ich führen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt zu erwägen, so gedenkt er: ›Erwägungen, die da gewöhnlich, gemein, alltäglich, unheilig, ungeeignet sind, nicht zur Abkehr, nicht zur Wendung, nicht zur Aufhebung, nicht zur Auflösung, nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur Erlöschung hinlenken, als da sind Erwägungen des Begehrens, der Gehässigkeit, der Wuth: solche Erwägungen will ich nicht erwägen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Wenn es aber, Ānando, Erwägungen sind, die da heilig, ausreichend ausreichen, dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung, als da sind Erwägungen des Entsagens, der Duldsamkeit, der Milde: ›solche Erwägungen‹, gedenkt er, ›will ich erwägen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Fünf Begehrungen, Ānando, giebt es: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. {225} Das sind, Ānando, die fünf Begehrungen, wobei der Mönch oft und oft sein Herz erforschen muss: ›Kommt es wohl vor, dass mir bei diesen fünf Begehrungen, auf diesem oder auf jenem Gebiete, geistiges Zukehren erwächst?‹ Sobald, Ānando, der Mönch bei seiner Erforschung merkt: ›Es kommt vor, dass mir bei diesen fünf Begehrungen, auf diesem oder auf jenem Gebiete, geistiges Zukehren erwächst‹: ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Was da bei diesen fünf Begehrungen Willensreiz ist, das hab’ ich nicht verloren.‹[106] So aber bleibt er da klar bewusst. Sobald aber, Ānando, der Mönch bei seiner Erforschung merkt: ›Nicht kommt es vor, dass mir bei diesen fünf Begehrungen, auf diesem oder auf jenem Gebiete, geistiges Zukehren erwächst‹: ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Was da bei diesen fünf Begehrungen Willensreiz ist, das hab’ ich verloren.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.
»Fünf giebt es, Ānando, der Stücke des Anhangens, wobei der Mönch das Entstehn und Vergehn beobachten muss: ›So ist die Form, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so ist das Gefühl, so entsteht es, so löst es sich auf; so ist die Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so sind die Unterscheidungen, so entstehn sie, so lösen sie sich auf; so ist das Bewusstsein, so entsteht es, so löst es sich auf.‹ Während er bei diesen fünf Stücken des Anhangens das Entstehn und Vergehn beobachtet, geht ihm dabei was Dünkel der Ichheit ist verloren. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Was da bei diesen fünf Stücken des Anhangens Dünkel der Ichheit war, das hab’ ich verloren.‹ {226} So aber bleibt er da klar bewusst. Das nun, Ānando, sind Dinge, die einzig dem Heile zuführen, heilige, überweltliche, unüberkommen vom Bösen. —
»Was bedünkt dich, Ānando: aus welchem zureichenden Grunde darf wohl ein Jünger dem Meister nachfolgen, so lange bis er ihn von sich weist?«
»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär’ es, o Herr, wenn doch der Erhabene den Sinn dieser Rede erläutern wollte: das Wort des Erhabenen werden die Mönche bewahren.«
»Nicht wohl, Ānando, darf ein Jünger dem Meister nachfolgen, um nur Reden, Aussprüche, Erklärungen zu hören[107]: und warum nicht? Lange Zeit habt ihr ja, Ānando, die Dinge gehört, gehütet, mit der Rede beherrscht, im Gedächtniss bewahrt, von Grund aus verstanden. Was aber da, Ānando, ein Gespräch ist, das zur Ledigung, zur geistigen Befreiung taugt, einzig zur Abkehr, zur Wendung, zur Aufhebung, zur Auflösung, zur Durchschauung, zur Erwachung, zur Erlöschung hinlenkt, als da sind Gespräche über Genugsamkeit, über Zufriedenheit, Gespräche über Einsamkeit, über Abgeschiedenheit, über Beharrlichkeit, über Tugend, Gespräche über Vertiefung, über Weisheit, über Erlösung, über Wissensklarheit der Erlösung: um eines solchen Gespräches willen, Ānando, darf wohl ein Jünger dem Meister nachfolgen, so lange bis er ihn von sich weist. —
»Daher kommt es, Ānando, dass ein Lehrer Unbill erfährt; daher kommt es, dass ein Schüler Unbill erfährt; daher kommt es, dass ein Asket Unbill erfährt. Wie aber, Ānando, erfährt ein Lehrer Unbill? Da sucht, Ānando, irgend ein Lehrer einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. {227} Während er also zurückgezogen weilt, gehn in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nach. Und während in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird er aus Ohnmacht begehrlich[108], geräth in Leidenschaft, kehrt sich der Ueppigkeit zu. Den heißt man, Ānando, einen Lehrer, der unbillig Unbill des Lehrers erfahren hat: überzogen haben ihn schlechte, unheilsame Dinge, besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende. Also, Ānando, erfährt ein Lehrer Unbill.
»Wie aber, Ānando, erfährt ein Schüler Unbill? Da ist eben einer, Ānando, eines solchen Meister Jünger, und der Einsamkeit des Meisters gemäß übt er sich ein und sucht einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Während er also zurückgezogen weilt, gehn in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nach. Und während in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird er aus Ohnmacht begehrlich, geräth in Leidenschaft, kehrt sich der Ueppigkeit zu. Den heißt man, Ānando, einen Schüler, der unbillig Unbill des Schülers erfahren hat: überzogen haben ihn schlechte, unheilsame Dinge, besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende. Also, Ānando, erfährt ein Schüler Unbill.
»Wie aber, Ānando, erfährt ein Asket Unbill? Da erscheint, Ānando, der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er sucht einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, {228} ein Streulager in der offenen Ebene. Während er also zurückgezogen weilt, gehn in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nach. Und während in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird er nicht aus Ohnmacht begehrlich, geräth in keine Leidenschaft, kehrt sich der Ueppigkeit nicht zu. Da ist nun einer, Ānando, eines solchen Meisters Jünger, und der Einsamkeit des Meisters gemäß übt er sich ein und sucht einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Während er also zurückgezogen weilt, gehn in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nach. Und während in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird er aus Ohnmacht begehrlich, geräth in Leidenschaft, kehrt sich der Ueppigkeit zu. Den heißt man, Ānando, einen Asketen, der unbillig Unbill des Asketen erfahren hat: überzogen haben ihn schlechte, unheilsame Dinge, besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende. Also, Ānando, erfährt ein Asket Unbill. Was da nun, Ānando, eine Unbill des Lehrers und Unbill des Schülers anlangt, so ist eine Unbill des Asketen reicher an Leiden als jene, reicher an Bitterkeit, und führt zum Verderben hin. —
»Darum aber, Ānando, mögt ihr mit Liebe mir begegnen und nicht mit Feindschaft; das wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
»Wie aber, Ānando, begegnen einem Meister die Jünger mit Feindschaft und nicht mit Liebe? Da legt, Ānando, ein Meister den Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und die Jünger horchen nicht auf ihn, {229} leihen ihm kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, und übertreten in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Also, Ānando, begegnen einem Meister die Jünger mit Feindschaft und nicht mit Liebe.
»Wie aber, Ānando, begegnen einem Meister die Jünger mit Liebe und nicht mit Feindschaft? Da legt, Ānando, ein Meister den Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und die Jünger horchen auf ihn, leihen ihm Gehör, wenden das Herz dem Verständnisse zu, und nicht übertreten sie in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Also, Ānando, begegnen einem Meister die Jünger mit Liebe und nicht mit Feindschaft.
»Darum aber, Ānando, mögt ihr mit Liebe mir begegnen und nicht mit Feindschaft; das wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Nicht brauch’ ich, Ānando, mit euch umzugehn wie der Töpfer mit den ungebrannten Thongefäßen. Einfüllend einfüllen, Ānando, kann meine Rede, ausgießend ausgießen: der Gehalt bleibt der selbe.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.[109]
123.
Dreizehnter Theil
Dritte Rede
ERSTAUNLICHE, AUSSERORDENTLICHE EIGENSCHAFTEN
{230} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Als nun manche der Mönche, nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, in der Halle des Vorhauses sich eingefunden, versammelt hatten, kam unter ihnen die Rede auf:
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Ānando also an die Mönche:
»Erstaunlich sind eben, ihr Brüder, Vollendete, und mit erstaunlichen Eigenschaften begabt; außerordentlich sind eben, ihr Brüder, Vollendete, und mit außerordentlichen Eigenschaften begabt.«
Bald aber nachdem dieses Gespräch der Mönche unter einander begonnen, kam der Erhabene heran, gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, zur Halle hin des Vorhauses, und nahm, dort angelangt, auf dem angebotenen Sitze Platz. Da wandte sich denn der Erhabene an die Mönche:
»Zu welchem Gespräch, ihr Mönche, seid ihr jetzt hier zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
{231} »Als wir uns da, o Herr, nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, in der Halle des Vorhauses eingefunden, versammelt hatten, war unter uns die Rede aufgekommen: ›Erstaunlich, ihr Brüder, außerordentlich, ihr Brüder, ist des Vollendeten hohe Macht, hohe Gewalt, wie ja doch der Vollendete die dahingegangenen Erwachten, die zur Erlöschung gelangten, der Sonderheit entrückten, der Wandelheit entrückten, dem Kreislauf entfahrenen, allem Weh entschwundenen, erkennen kann: ‚Also geboren waren jene Erhabenen, so und so, also genannt waren jene Erhabenen, so und so, also abgestammt waren jene Erhabenen, so und so, also gelebt hatten jene Erhabenen, so und so, also gelehrt hatten jene Erhabenen, so und so, also gewusst hatten jene Erhabenen, so und so, also geweilt hatten jene Erhabenen, so und so, also erlöst waren jene Erhabenen, so und so.‘‹ Auf diese Worte, o Herr, wandte sich der ehrwürdige Ānando also an uns: ›Erstaunlich sind eben, ihr Brüder, Vollendete, und mit erstaunlichen Eigenschaften begabt; außerordentlich sind eben, ihr Brüder, Vollendete, und mit außerordentlichen Eigenschaften begabt.‹ Das war, o Herr, das Gespräch unter uns, das wir unterbrachen als der Erhabene ankam.«
Da wandte sich nun der Erhabene an den ehrwürdigen Ānando:
»Wohlan denn, Ānando, so magst du noch genauer die erstaunlichen, außerordentlichen Eigenschaften eines Vollendeten darstellen.«
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Klar bewusst, Ānando, ist der Erwachsame in Säliger Gestalt erschienen.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame klar bewusst in Säliger Gestalt erschienen ist, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[110]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Klar bewusst, Ānando, ist der Erwachsame in Säliger Gestalt geblieben.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame klar bewusst in Säliger Gestalt geblieben ist, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: {232} ›Ein Leben lang, Ānando, ist der Erwachsame in Säliger Gestalt geblieben.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame ein Leben lang in Säliger Gestalt geblieben ist, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Klar bewusst, Ānando, schwindet der Erwachsame aus Säliger Gestalt hinweg und kommt in den Leib der Mutter herab.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame klar bewusst aus Säliger Gestalt hinwegschwindet und in den Leib der Mutter herabkommt, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus Säliger Gestalt hinweggeschwunden und in den Leib der Mutter herabgekommen ist, dann erhebt sich in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht. Und auch die Zwischenwelten, die traurigen, trostlosen, finsteren, finster umnachteten[111], wo selbst dieser Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit ihrem Scheine nicht hindringen, auch dort erhebt sich ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht. Die aber dort als Wesen weilen, die erschauen in diesem Glanze sich selber und sagen: ‚Andere sind es ja noch der Wesen, die hier weilen!‘[112] Diese zehntausendfache Welt aber wankt und erbebt und erzittert, und es erhebt sich aus ihr ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame aus Säliger Gestalt hinweggeschwunden und in den Leib der Mutter herabgekommen ist, ein solcher Glanz erscheint, eben das hab’ ich mir, o Herr, {233} als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, dann nahen sich ihm vier Göttersöhne zum Schutze nach den vier Seiten: ‚Keiner soll ihn, den Erwachsamen, oder des Erwachsamen Mutter, versehren, weder Mensch noch Nichtmensch noch irgend wer.‘‹ Dass aber, o Herr, wann der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, vier Göttersöhne zum Schutze nach den vier Seiten ihm dann sich nahen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[113]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, mag des Erwachsamen Mutter nach Männern kein Liebesverlangen mehr anwandeln, und nicht mehr kann des Erwachsamen Mutter von irgend einem Manne in Leidenschaft umfangen werden.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des Erwachsamen Mutter nach Männern kein Liebesverlangen mehr anwandeln mag, und des Erwachsamen Mutter nicht mehr von irgend einem Manne in Leidenschaft umfangen werden kann, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, ist des Erwachsamen Mutter mit den fünf Begehrungen {234} begabt und wird in ihrem Gebrauche gehegt und gepflegt.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des Erwachsamen Mutter mit den fünf Begehrungen begabt ist und in ihrem Gebrauche gehegt und gepflegt wird, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, wird des Erwachsamen Mutter von keinerlei Krankheit befallen, wohl befindet sich des Erwachsamen Mutter, ohne körperliche Gebrechen, und erblickt den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig. Gleichwie etwa, Ānando, ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, um den ein Faden geschlungen wäre, ein blauer oder ein gelber, ein rother oder ein weißer oder ein grüner, und ein scharfsehender Mann habe ihn an die Hand gesteckt und betrachtete ihn: ‚Das ist ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, und dieser Faden ist herumgeschlungen, der blaue oder der gelbe, der rothe oder der weiße oder der grüne‘: ebenso nun auch, Ānando, erblickt des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des Erwachsamen Mutter von keinerlei Krankheit befallen wird, sich wohl befindet, ohne körperliche Gebrechen, und den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen sieht, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[115]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Sieben Tage nach der Geburt, Ānando, des Erwachsamen stirbt des Erwachsamen Mutter und kehrt in Sälige Gestalt empor.‹ Dass aber, o Herr, sieben Tage nach der Geburt des Erwachsamen des Erwachsamen Mutter stirbt und in Sälige Gestalt emporkehrt, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
{235} »Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wenn auch wohl andere Weiber, Ānando, neun oder zehn Monde die Frucht im Leibe tragen und dann gebären, doch nicht also den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter: zehn Monde erst nachdem des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen im Leibe getragen gebiert sie.‹ Dass aber, o Herr, zehn Monde erst nachdem des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen im Leibe getragen gebiert, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wenn auch wohl andere Weiber, Ānando, sitzend oder liegend gebären, doch nicht also den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter: stehend nur gebiert den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter.‹ Dass aber, o Herr, den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter nur stehend gebiert, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[116]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, wird er zuerst von Göttern entgegengenommen, hernach von Menschen.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, zuerst von Göttern entgegengenommen wird, hernach von Menschen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, berührt der Erwachsame nicht den Boden, sondern von vier Göttersöhnen empfangen wird er der Mutter dargebracht: ‚Besäligt sei, o Königin, ein hochbegabter Sohn ist dir geboren.‘‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, nicht den Boden berührt, sondern von vier Göttersöhnen empfangen der Mutter dargebracht wird, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[117]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, ergießen sich zwei Regenströme aus den Wolken herab, einer kühl, einer warm, woraus dem Erwachsamen der Wasserguss gemischt wird und der Mutter.‹[119] Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, zwei Regenströme sich aus den Wolken herabergießen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Alsbald nach der Geburt, Ānando, fasst der Erwachsame mit beiden Füßen zugleich Boden, wendet das Antlitz gegen Norden und schreitet mit sieben Schritten geradeaus, während ein weißer Schirm ober ihm schwebt[120]: und er blickt nach allen Seiten hin und spricht das gewaltige Wort:
Der Höchste bin ich in der Welt, Der Hehrste bin ich in der Welt, Der Erste bin ich in der Welt, Das letzte Leben leb’ ich, Und nicht mehr giebt es Wiedersein.‹
{237} Dass aber, o Herr, der Erwachsame alsbald nach der Geburt also das gewaltige Wort spricht, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, erhebt sich wiederum in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht.[121] Und auch die Zwischenwelten, die traurigen, trostlosen, finsteren, finster umnachteten, wo selbst dieser Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit ihrem Scheine nicht hindringen, auch dort erhebt sich ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht. Die aber dort als Wesen weilen, die erschauen in diesem Glanze sich selber und sagen: ‚Andere sind es ja noch der Wesen, die hier weilen!‘ Diese zehntausendfache Welt aber wankt und erbebt und erzittert, und es erhebt sich aus ihr ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, ein solcher Glanz erscheint, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.«
»Wohlan denn, Ānando, so magst du auch diese Eigenschaft des Vollendeten als erstaunlich und außerordentlich dir merken: da steigen, Ānando, Gefühle dem Vollendeten bewusst auf, bewusst halten sie an, bewusst gehn sie unter; steigen Wahrnehmungen bewusst auf, bewusst halten sie an, bewusst gehn sie unter; steigen Gedanken bewusst auf, bewusst halten sie an, bewusst gehn sie unter. Eben das ist, Ānando, eine Eigenschaft des Vollendeten, die du als erstaunlich und außerordentlich dir merken magst.«
{238} »Dass freilich, o Herr, Gefühle dem Erhabenen bewusst aufsteigen, bewusst anhalten, bewusst untergehn; Wahrnehmungen bewusst aufsteigen, bewusst anhalten, bewusst untergehn; Gedanken bewusst aufsteigen, bewusst anhalten, bewusst untergehn: auch das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.«
Also sprach der ehrwürdige Ānando. Zugestimmt hatte der Meister. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Ānando.[122]
124.
Dreizehnter Theil
Vierte Rede
BAKKULO
{239} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Bakkulo bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Da nun begab sich der Nackte Büßer[123] Kassapo, ein ehemaliger Hausgenosse des ehrwürdigen Bakkulo, dorthin wo der ehrwürdige Bakkulo weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der Nackte Büßer Kassapo zum ehrwürdigen Bakkulo also:
»Wie lang ist es her, Bruder Bakkulo, dass du Pilger bist?«
»Achtzig Jahre, Bruder, bin ich Pilger.«
»Während dieser achtzig Jahre aber, Bruder Bakkulo, hast du wie oft der Paarung gepflegt?«
»Nicht wohl darfst du mich, Bruder Kassapo, also befragen, sondern die Frage kannst du mir stellen: ›Während dieser achtzig Jahre aber, Bruder Bakkulo, ist dir wie oft eine begehrliche Wahrnehmung zuerst aufgestiegen?‹ Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner begehrlichen Wahrnehmung, die mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einer begehrlichen Wahrnehmung, die zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«[124]
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner gehässigen, keiner rachgierigen Wahrnehmung, die mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einer gehässigen, einer rachgierigen Wahrnehmung, die zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
{240} »Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keinem begehrlichen Gedanken, der mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einem begehrlichen Gedanken, der zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keinem gehässigen, keinem rachgierigen Gedanken, der mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einem gehässigen, einem rachgierigen Gedanken, der zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keinem bürgerlichen Kleide, das ich angenommen hätte.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von keinem bürgerlichen Kleide weiß es angenommen zu haben, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Dass freilich der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren also gelebt hat, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Sieben Tage erst hatt’ ich da, Bruder Kassapo, als Asket Almosenbissen genossen, als am achten die Gewissheit aufging.«
»Dass eben da der ehrwürdige Bakkulo sieben Tage erst als Asket Almosenbissen genossen, als am achten die Gewissheit aufging, auch das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken. Könnte ich doch, Bruder Bakkulo, in diese Lehre und Ordnung aufgenommen, mit der Weihe belehnt werden!«
Und der Nackte Büßer Kassapo wurde in diese Lehre und Ordnung aufgenommen, wurde mit der Weihe belehnt.
Nicht lange aber war der ehrwürdige Kassapo in den Orden aufgenommen, da hatte er, einsam, abgesondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste gar bald {242} was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Kassapo der Heiligen geworden.
Und der ehrwürdige Bakkulo begab sich nach einiger Zeit, in seinen weiten Mantel gehüllt, von Klause zu Klause und sprach also: ›Schreitet herbei, ihr Brüder, schreitet herbei, ihr Brüder: heute werd’ ich vom Wahne vollkommen erlöschen.‹ Dass aber der ehrwürdige Bakkulo, in seinen weiten Mantel gehüllt, von Klause zu Klause gegangen ist und gesagt hat: ›Schreitet herbei, ihr Brüder, schreitet herbei, ihr Brüder: heute werd’ ich vom Wahne vollkommen erlöschen‹, auch das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.
Und der ehrwürdige Bakkulo ist, in der Mitte der Ordensbrüder sitzend, vom Wahne vollkommen erloschen. Dass aber der ehrwürdige Bakkulo, in der Mitte der Ordensbrüder sitzend, vom Wahne vollkommen erloschen ist, auch das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.[129]
125.
Dreizehnter Theil
Fünfte Rede
RANG DER GEBÄNDIGTEN
{243} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese Zeit aber lebte Aciravato, ein junger Asket, im Walde, in einer Hütte.
Da kam denn Jayaseno der Königsohn, auf einem Spaziergange sich ergehend, dorthin wo Aciravato der junge Asket weilte. Dorthin gekommen tauschte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun Jayaseno der Königsohn also an Aciravato den jungen Asketen:
»Sagen lassen hab’ ich mir, o Aggivessano, dass da ein Mönch, der ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, Einigung des Herzens finden mag.«
»Also ist es, Königsohn, also ist es, Königsohn, dass da ein Mönch, der ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, Einigung des Herzens finden mag.«
»Gut wär’ es, wollte mir Herr Aggivessano die Lehre, wie sie von ihm gehört, von ihm aufgefasst worden, darlegen.«
»Nicht kann ich dir, Königsohn, die Lehre, wie sie von mir gehört, von mir aufgefasst worden, darlegen. Denn wollt’ ich dir gleich, Königsohn, die Lehre, wie sie von mir gehört, von mir aufgefasst worden, darlegen, und du den Sinn meiner Rede nicht verständest, hätt’ ich nur Mühe, hätte nur Plage.«
»Möge mir Herr Aggivessano die Lehre, wie sie von ihm gehört, von ihm aufgefasst worden, darlegen, auf dass ich doch etwa den Sinn seiner Rede verstehn könnte.«
»Mag ich dir nun, Königsohn, die Lehre, wie sie von mir gehört, von mir aufgefasst worden, darlegen, und du kannst da den Sinn meiner Rede verstehn, so soll es recht sein; {244} kannst du aber den Sinn meiner Rede nicht verstehn, so magst du deinen Glauben behalten und mich darum nicht weiter befragen.«
»Möge mir Herr Aggivessano die Lehre wie sie von ihm gehört, von ihm aufgefasst worden, darlegen: und kann ich da den Sinn seiner Rede verstehn, so soll es recht sein; kann ich aber den Sinn seiner Rede nicht verstehn, so werd’ ich meinen Glauben behalten und Herrn Aggivessano darum nicht weiter befragen.«
Da gab denn Aciravato der junge Asket dem Königsohne Jayaseno eine Darlegung der Lehre, wie er sie gehört, wie er sie aufgefasst hatte. Also berichtet sagte nun Jayaseno der Königsohn zu Aciravato dem jungen Asketen:
»Unmöglich ist es, o Aggivessano, es kann nicht sein, dass da ein Mönch, der ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, Einigung des Herzens finden mag.«
Als nun Jayaseno der Königsohn Aciravato dem jungen Asketen Unmöglichkeit vorgehalten, stand er von seinem Sitze auf und ging weiter. Aciravato aber, der junge Asket, begab sich, bald nachdem Jayaseno der Königsohn fortgegangen, dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend erzählte da Aciravato der junge Asket dem Erhabenen Wort um Wort das ganze Gespräch, das er mit Jayaseno dem Königsohne geführt hatte. Nach diesem Berichte wandte sich nun der Erhabene also an Aciravato den jungen Asketen:
»Woher denn, Aggivessano, sollt’ es möglich sein, dass was durch Entsagung erkennbar, durch Entsagung ersehbar, durch Entsagung erreichbar, durch Entsagung erwirkbar ist, {245} etwa auch von Jayaseno dem Königsohne, der mitten in Begehren lebt, Begehren genießt, von begehrlichen Gedanken verzehrt wird, von begehrlichem Fieber entzündet ist, eifrig dem Begehren nachgeht, erkannt oder ersehn oder erreicht oder verwirklicht werden könnte? Das ist unmöglich.[130] Gleichwie etwa, Aggivessano, wenn da zwei junge Elephanten oder junge Rosse oder junge Stiere wären, wohlgebändigt, wohlabgerichtet, und zwei junge Elephanten oder junge Rosse oder junge Stiere, ungebändigt, unabgerichtet; was meinst du nun, Aggivessano: jene beiden jungen Elephanten oder jungen Rosse oder jungen Stiere, die wohlgebändigten, wohlabgerichteten, würden die wohl als gebändigte thun was Gebändigten zukommt, als gebändigte den Rang der Gebändigten einnehmen?«
»Gewiss, o Herr!«
»Aber die beiden anderen jungen Elephanten oder jungen Rosse oder jungen Stiere, die ungebändigten, unabgerichteten, würden die wohl als ungebändigte thun was Gebändigten zukommt, als ungebändigte den Rang der Gebändigten einnehmen, gleichwie etwa jene ersteren?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Ebenso nun auch, Aggivessano, dass was durch Entsagung erkennbar, durch Entsagung ersehbar, durch Entsagung erreichbar, durch Entsagung erwirkbar ist, etwa auch von Jayaseno dem Königsohne, der mitten in Begehren lebt, Begehren genießt, von begehrlichen Gedanken verzehrt wird, von begehrlichem Fieber entzündet ist, eifrig dem Begehren nachgeht, erkannt oder ersehn oder erreicht oder verwirklicht werden könnte: das ist unmöglich. — Gleichwie etwa, Aggivessano, wenn da in der Nähe eines Dorfes oder einer Burg ein hoher Felsen stände. Zu diesem gingen zwei Freunde, aus dem Dorfe oder der Burg Arm in Arm hinschreitend, heran, dem Felsen entgegen. Dort angelangt bliebe der eine der Freunde unten, {246} am Fuße des Felsens, stehn, während der andere auf den Scheitel des Felsens emporstiege. Und es riefe der Freund unten, am Fuße des Felsens, dem Freunde zu, der auf den Scheitel des Felsens gestiegen: ›Was denn, Bester, siehst du oben vom Felsen aus?‹ Der aber sagte: ›Ich sehe da, Bester, oben vom Felsen aus einen heiteren Garten, einen herrlichen Wald, eine blühende Landschaft, einen lichten Wasserspiegel.‹ Und jener spräche: ›Unmöglich ist es, Bester, es kann nicht sein, dass du oben vom Felsen aus einen heiteren Garten, einen herrlichen Wald, eine blühende Landschaft, einen lichten Wasserspiegel sähest.‹ Da stiege der Freund oben vom Scheitel herab bis zum Fuße, ergriffe den Freund unterm Arme, führte ihn auf den Felsen empor, und nachdem er ihn eine Weile ausruhen lassen, fragte er ihn: ›Was denn, Bester, siehst du oben vom Felsen aus?‹ Und jener spräche: ›Ich sehe da, Bester, oben vom Felsen aus einen heiteren Garten, einen herrlichen Wald, eine blühende Landschaft, einen lichten Wasserspiegel.‹ Der aber sagte: ›Eben erst haben wir, Bester, deine Rede also vernommen: ‚Unmöglich ist es, Bester, es kann nicht sein, dass du oben vom Felsen aus einen heiteren Garten, einen herrlichen Wald, eine blühende Landschaft, einen lichten Wasserspiegel sähest‘; und jetzt eben wiederum, Bester, haben wir deine Rede also vernommen: ‚Ich sehe da, Bester, oben vom Felsen aus einen heiteren Garten, einen herrlichen Wald, eine blühende Landschaft, einen lichten Wasserspiegel‘.‹ Und jener spräche: {247} ›So lange ja mich eben, Bester, dieser hohe Felsen gehindert hat, hab’ ich das Sichtbare nicht gesehn.‹ Ebenso nun auch, aber noch mächtiger, hat, Aggivessano, gewaltiges Unwissen Jayaseno den Königsohn gehindert, gehemmt, angehalten, eingeschlossen. Dass der etwa da was durch Entsagung erkennbar, durch Entsagung ersehbar, durch Entsagung erreichbar, durch Entsagung erwirkbar ist, auch mitten in Begehren lebend, Begehren genießend, von begehrlichen Gedanken verzehrt, von begehrlichem Fieber entzündet, eifrig dem Begehren nachgehend, erkennen oder ersehn oder erreichen oder verwirklichen könnte: das ist unmöglich. Hättest du aber, Aggivessano, diese beiden Gleichnisse Jayaseno dem Königsohne dargestellt, ohne Zweifel wäre dann Jayaseno der Königsohn mit dir zufrieden geworden und hätte zufrieden dir zugestimmt.«
»Wie doch nur hätt’ ich, o Herr, Jayaseno dem Königsohne diese beiden Gleichnisse darzustellen vermocht, die unzweifelhaften, nie zuvor gehörten, gleichwie etwa der Erhabene!«
»Gleichwie etwa, Aggivessano, wenn der König, der Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, den Elephantensteller zu sich beruft: ›Wohlan denn, bester Elephantensteller, besteige den Königselephanten, reite in den Elephantenwald, erspähe einen wilden Elephanten und halt’ ihn mit der Fessel am Halse des Königselephanten fest.‹ ›Wohl, o König!‹ sagt da, Aggivessano, der Elephantensteller, dem Herrscher gehorchend; und er besteigt den Königselephanten, reitet in den Elephantenwald, erspäht einen wilden Elephanten und hält ihn mit der Fessel am Halse des Königselephanten fest. So nun zieht ihn der Königselephant in eine Lichtung heraus. Bis dahin aber ist, Aggivessano, der wilde Elephant in die Lichtung gekommen. {248} Da verlangen sich denn, Aggivessano, wilde Elephanten nach ihrem Walde zurück. Und der Elephantensteller erstattet dem Herrscher Meldung über ihn: ›In die Lichtung gebracht hab’ ich dir, o König, den wilden Elephanten.‹ Den übergiebt nun der Herrscher dem Elephantenbändiger: ›Geh’ hin, bester Elephantenbändiger, und bändige den wilden Elephanten, um ihm sein waldgewohntes Betragen eben auszutreiben, um ihm seine waldgewohnte Sehnsucht eben auszutreiben, um ihm seine waldgewohnte Widerspänstigkeit, Verstocktheit, Heftigkeit eben auszutreiben; lass’ ihn in der Umgebung des Dorfes heimisch werden, Sitten annehmen, wie sie bei Menschen beliebt sind.‹ ›Wohl, o König!‹ sagt da, Aggivessano, der Elephantenbändiger, dem Herrscher gehorchend; und er gräbt einen großen Pfahl in die Erde ein und fesselt den wilden Elephanten mit dem Halse daran, um ihm sein waldgewohntes Betragen eben auszutreiben, um ihm seine waldgewohnte Sehnsucht eben auszutreiben, um ihm seine waldgewohnte Widerspänstigkeit, Verstocktheit, Heftigkeit eben auszutreiben; er lässt ihn in der Umgebung des Dorfes heimisch werden, Sitten annehmen, wie sie bei Menschen beliebt sind. Nun gebraucht der Elephantenbändiger Worte, die sanft sind, wohlklingend, liebevoll, herzlich, höflich, wie sie dem Volke zusagen, dem Volke behagen: mit solchen Worten behandelt er ihn. Sobald nun, Aggivessano, der wilde Elephant bei solcher Behandlung aufhorcht, Gehör giebt, sein Herz dem Verständnisse zukehrt, dann lässt ihm der Elephantenbändiger nunmehr Heu und Wasser vorsetzen. {249} Und wenn nun, Aggivessano, der wilde Elephant Heu und Wasser annimmt, so weiß der Elephantenbändiger: ›Am Leben bleiben wird jetzt der wilde Elephant.‹ Nun lässt ihn der Elephantenbändiger fernerhin Uebungen ausführen, als Aufladen und Abladen. Sobald nun, Aggivessano, der wilde Elephant dem Befehle aufzuladen und abzuladen nachkommt, der Forderung genügeleistet, dann lässt ihn der Elephantenbändiger fernerhin Uebungen ausführen, als Hinschreiten und Herschreiten. Sobald nun, Aggivessano, der wilde Elephant dem Befehle hinzuschreiten und herzuschreiten nachkommt, der Forderung genügeleistet, dann lässt ihn der Elephantenbändiger weitere Uebungen ausführen, als Niederknien und Aufstehn. Sobald nun, Aggivessano, der wilde Elephant dem Befehle niederzuknien und aufzustehn nachkommt, der Forderung genügeleistet, dann lässt ihn der Elephantenbändiger weiterhin die ‚Unverstörung‘ genannte Uebung durchmachen. Ein großer Schild wird ihm vor den Rüssel gebunden, ein Mann mit einer Lanze bewaffnet nimmt oben auf dem Nacken Platz, allenthalben sind Männer mit Lanzen in der Hand im Umkreise aufgestellt, und der Elephantenbändiger hat einen langen Speer genommen und steht voran. Während ihm nun Unverstörte Uebung angewöhnt wird, darf er weder die Vorderfüße bewegen noch die Hinterfüße, darf er weder den Vorderleib bewegen noch den Hinterleib, darf er nicht das Haupt bewegen, nicht die Ohren bewegen, nicht die Hauer bewegen, nicht Schwanz und nicht Rüssel bewegen. So wird er ein Königselephant und erträgt geduldig stechende Spitzen, {250} schneidende Schwerdter, reißende Pfeile, feindlichen Ansturm, Trommelwirbel und Paukenschlag, Trompeten- und Fanfarenstöße, ist gänzlich von Tücke und Untugend entledigt, entwöhnt worden von Unart: königswürdig, königstauglich wird er eben als ›Königsgut‹ bezeichnet:
»Ebenso nun auch, Aggivessano, erscheint da der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ Und nach einiger Zeit verlässt er einen kleinen Besitz oder er verlässt einen großen Besitz, verlässt er einen kleinen Verwandtenkreis oder er verlässt einen großen Verwandtenkreis, scheert sich Haar und Bart, legt die fahlen Gewänder an und zieht aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinaus. {251} Bis dahin aber ist, Aggivessano, der heilige Jünger in die Lichtung gekommen.
»Da verlangen sich denn, Aggivessano, Götter und Menschen nach den fünf Begehrungen zurück.
»Den weist nun der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, sei tugendhaft, in reiner Zucht richtig gezügelt bleibe lauter im Handel und Wandel: vor geringstem Fehl auf der Hut kämpfe beharrlich weiter, Schritt um Schritt.‹ Sobald nun, Aggivessano, der Mönch tugendhaft ist, in reiner Zucht richtig gezügelt lauter im Handel und Wandel bleibt, vor geringstem Fehl auf der Hut beharrlich weiterkämpft, Schritt um Schritt, dann weist ihn der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, die Thore der Sinne lasse dich hüten: hast du mit dem Gesichte eine Form erblickt, so magst du keine Neigung fassen, keine Absicht fassen; da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißige dich dieser Bewachung, hüte das Gesicht, wache eifrig über das Gesicht. Hast du mit dem Gehöre einen Ton gehört — hast du mit dem Geruche einen Duft gerochen — hast du mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt — hast du mit dem Getaste eine Tastung getastet — hast du mit dem Gedenken ein Ding erkannt, so magst du keine Neigung fassen, keine Absicht fassen; da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißige dich dieser Bewachung, hüte das Gedenken, wache eifrig über das Gedenken.‹ Sobald nun, Aggivessano, der Mönch die Thore der Sinne behütet hält, dann weist ihn der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, beim Essen wisse Maaß zu halten, gründlich besonnen wolle die Nahrung einnehmen, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können: ‚So werd’ ich das frühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl befinden.‘‹ Sobald nun, Aggivessano, der Mönch beim Essen Maaß zu halten weiß, dann weist ihn der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, der Wachsamkeit weihe dich: bei Tage sollst du gehend und sitzend das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den ersten Stunden der Nacht gehend und sitzend das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den mittleren Stunden der Nacht magst du auf die rechte Seite wie der Löwe dich hinlegen, einen Fuß über dem anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns gedenkend; sollst in den letzten Stunden der Nacht, wieder aufgestanden, gehend und sitzend das Gemüth von trübenden Dingen läutern.‹ Sobald nun, Aggivessano, der Mönch sich der Wachsamkeit geweiht hat, dann weist ihn der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, mit klarem Bewusstsein wolle dich wappnen: klar bewusst beim Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und Wegblicken, klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen des Gewandes und der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewusst beim Entleeren von Koth und Harn, klar bewusst beim Gehn und Stehn und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und Schweigen.‹ Sobald nun, Aggivessano, der Mönch sich mit klarem Bewusstsein gewappnet hat, dann weist ihn der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, suche einen abgelegenen Ruheplatz auf, den Fuß eines Baumes, einen Hain, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene.‹ Und er sucht einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz. Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden: beim Körper wacht er über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; bei den Gefühlen wacht er über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; beim Gemüthe wacht er über das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; bei den Erscheinungen wacht er über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.
»Gleichwie nun, Aggivessano, der Elephantenbändiger einen großen Pfahl in die Erde eingräbt und den wilden Elephanten mit dem Halse daranfesselt, um ihm sein waldgewohntes Betragen eben auszutreiben, um ihm seine waldgewohnte Sehnsucht eben auszutreiben, um ihm seine waldgewohnte Widerspänstigkeit, Verstocktheit, Heftigkeit eben auszutreiben, und ihn in der Umgebung des Dorfes heimisch werden lässt, Sitten annehmen, wie sie bei Menschen beliebt sind: ebenso nun auch, Aggivessano, {252} hat der heilige Jünger seinen Geist an diese vier Pfeiler der Einsicht gleichsam festgebunden, um sich das hausgewohnte Betragen eben auszutreiben, um sich die hausgewohnte Sehnsucht eben auszutreiben, um sich die hausgewohnte Widerspänstigkeit, Verstocktheit, Heftigkeit eben auszutreiben, um das Aechte zu gewinnen, die Wahnerlöschung zu verwirklichen.
»Den weist nun der Vollendete weiter zurecht: ›Willkommen, du Mönch, beim Körper wache über den Körper, auf dass du keinen Gedanken, der den Körper angeht, in dir bergen magst; bei den Gefühlen wache über die Gefühle, auf dass du keinen Gedanken, der die Gefühle angeht, in dir bergen magst; beim Gemüthe wache über das Gemüth, auf dass du keinen Gedanken, der das Gemüth angeht, in dir bergen magst; bei den Erscheinungen wache über die Erscheinungen, auf dass du keinen Gedanken, der die Erscheinungen angeht, in dir bergen magst.‹ So erwirkt er denn nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe verweilt er gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, und so weiter, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden kann er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, {253} schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.
»Das ist ein Mönch, der erträgt Kälte und Hitze, Hunger und Durst, Wind und Wetter, Mücken und Wespen und plagende Kriechthiere, boshafte, böswillige Redeweisen, körperliche Schmerzgefühle, die ihn treffen, heftige, schneidende, stechende, unangenehme, leidige, lebensgefährliche dauert er duldend aus, ist gänzlich von Gier, Hass und Irre entledigt, entwöhnt worden von Unart: Opfer und Spende, Gabe und Gruß verdient er als heiligste Stätte der Welt.
»Ist ein alter Königselephant, Aggivessano, ungebändigt, unabgerichtet gestorben: ungebändigten Tod erlitten hat der alte Königselephant, ist gestorben, heißt es da; {254} ist ein mittlerer, ist ein junger Königselephant, Aggivessano, ungebändigt, unabgerichtet gestorben: ungebändigten Tod erlitten hat der mittlere, hat der junge Königselephant, ist gestorben, heißt es da:
»Ebenso nun auch, Aggivessano, ist ein alter Mönch unversiegten Wahnes gestorben: ungebändigten Tod erlitten hat der alte Mönch, ist gestorben, heißt es da; ist ein mittlerer, ist ein neuer Mönch, Aggivessano, unversiegten Wahnes gestorben: ungebändigten Tod erlitten hat der mittlere, hat der neue Mönch, ist gestorben, heißt es da.
»Ist ein alter Königselephant, Aggivessano, wohlgebändigt, wohlabgerichtet gestorben: gebändigten Tod erlitten hat der alte Königselephant, ist gestorben, heißt es da; ist ein mittlerer, ist ein junger Königselephant, Aggivessano, wohlgebändigt, wohlabgerichtet gestorben: gebändigten Tod erlitten hat der mittlere, hat der junge Königselephant, ist gestorben, heißt es da:
»Ebenso nun auch, Aggivessano, ist ein alter Mönch versiegten Wahnes gestorben: gebändigten Tod erlitten hat der alte Mönch, ist gestorben, heißt es da; ist ein mittlerer, ist ein neuer Mönch, Aggivessano, versiegten Wahnes gestorben: gebändigten Tod erlitten hat der mittlere, hat der neue Mönch, ist gestorben, heißt es da.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Aciravato der junge Asket über das Wort des Erhabenen.[131]
126.
Dreizehnter Theil
Sechste Rede
BHŪMIJO
{255} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Da nun begab sich der ehrwürdige Bhūmijo, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Hause des Königsohns Jayaseno. Dort angelangt nahm er auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und Jayaseno der Königsohn trat an den ehrwürdigen Bhūmijo heran, tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend wandte sich nun Jayaseno der Königsohn also an den ehrwürdigen Bhūmijo:
»Es giebt, o Bhūmijo, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Wer etwa mit Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen.‹ Des werthen Bhūmijo Meister aber, was sagt der, was lehrt der, was verkündet der?«
»Ich selber, Königsohn, habe darüber vom Erhabenen nichts gehört, nichts vernommen; doch mag es wohl sein, dass der Erhabene also aussage: ›Wer etwa mit Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen. Wer etwa mit Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; wer etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; wer etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; {256} wer etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen.‹ Ich selber, Königsohn, habe darüber vom Erhabenen nichts gehört, nichts vernommen; doch mag es wohl sein, dass der Erhabene also aussage.«
»Wenn des werthen Bhūmijo Meister solches sagt, solches lehrt, solches verkündet, dann freilich hat des werthen Bhūmijo Meister eben all den übrigen Asketen und Priestern gleichsam aufs Haupt geschlagen.«
Und Jayaseno der Königsohn bediente nun den ehrwürdigen Bhūmijo mit Speise von der eigenen Tafel.
Als nun der ehrwürdige Bhūmijo, nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt war, begab er sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend erzählte nun der ehrwürdige Bhūmijo dem Erhabenen Wort um Wort das ganze Gespräch, {257} das er mit Jayaseno dem Königsohne geführt hatte. Nach diesem Berichte wandte sich dann der ehrwürdige Bhūmijo also an den Erhabenen:
»Hab’ ich nun, o Herr, mit solcher Antwort auf solche Frage wirklich die Worte des Erhabenen gebraucht und den Erhabenen nicht mit Unrecht angeführt und der Lehre gemäß geredet, so dass sich da kein entsprechender Folgesatz als ungehörig erweisen kann?«
»In der That hast du, Bhūmijo, mit solcher Antwort {258} auf solche Frage meine eigenen Worte gebraucht und mich nicht mit Unrecht angeführt und der Lehre gemäß geredet, so dass sich da kein entsprechender Folgesatz als ungehörig erweisen kann. — Wer da auch immer, Bhūmijo, als Asket oder als Priester falsch erkennt, falsch bedenkt, falsch redet, falsch handelt, falsch wandelt, falsch bemüht ist, falsch besonnen, falsch vertieft, und also etwa mit Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; also etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; also etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; also etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil er, Bhūmijo, das Ziel gewinnen nicht von Grund aus versteht.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Sesamöl begehrt, Sesamöl sucht, auf Sesamöl ausgeht, einen Trog mit Sand anfüllte und mit Wasser verrührte, verquirlte, verriebe; mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, {259} Sesamöl kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil er, Bhūmijo, Sesamöl gewinnen nicht von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen nicht von Grund aus verstehn.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Milch begehrt, Milch sucht, auf Milch ausgeht, eine Kuh, die gekalbt hat, am Horne zu melken begänne; mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Milch kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Milch kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Milch kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Milch kann er unmöglich gewinnen: und warum nicht? {260} Weil er, Bhūmijo, Milch gewinnen nicht von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen nicht von Grund aus verstehn.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Butter begehrt, Butter sucht, auf Butter ausgeht, Wasser in das Fass eingösse und mit dem Stämpel zu kernen begänne; mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Butter kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Butter kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Butter kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Butter kann er unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil er, Bhūmijo, Butter gewinnen nicht von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen nicht von Grund aus verstehn.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Feuer begehrt, Feuer sucht, auf Feuer ausgeht, ein feuchtes, leimiges Holzscheit mit dem Reibholze anzureiben begänne; {261} mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er unmöglich gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil er, Bhūmijo, Feuer gewinnen nicht von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel unmöglich gewinnen: und warum nicht? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen nicht von Grund aus verstehn.
»Wer da auch immer, Bhūmijo, als Asket oder als Priester recht erkennt, recht bedenkt, recht redet, recht handelt, recht wandelt, recht bemüht ist, recht besonnen, recht vertieft, und also etwa mit Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; also etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; also etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; also etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen: und warum das? Weil er, Bhūmijo, das Ziel gewinnen von Grund aus versteht.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Sesamöl begehrt, Sesamöl sucht, auf Sesamöl ausgeht, einen Trog mit Sesammehl anfüllte und mit Wasser verrührte, verquirlte, verriebe; {262} mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Sesamöl kann er doch wohl gewinnen: und warum das? Weil er, Bhūmijo, Sesamöl gewinnen von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel doch wohl gewinnen: und warum das? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen von Grund aus verstehn.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Milch begehrt, Milch sucht, auf Milch ausgeht, eine Kuh, die gekalbt hat, am Euter zu melken begänne; mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Milch kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Milch kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Milch kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Milch kann er doch wohl gewinnen: und warum das? Weil er, Bhūmijo, Milch gewinnen von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel doch wohl gewinnen: und warum das? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen von Grund aus verstehn.
{263} »Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Butter begehrt, Butter sucht, auf Butter ausgeht, Rahm in das Fass eingösse und mit dem Stämpel zu kernen begänne; mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Butter kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Butter kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Butter kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Butter kann er doch wohl gewinnen: und warum das? Weil er, Bhūmijo, Butter gewinnen von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel doch wohl gewinnen: und warum das? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen von Grund aus verstehn.
»Gleichwie etwa, Bhūmijo, wenn ein Mann, der Feuer begehrt, Feuer sucht, auf Feuer ausgeht, ein trockenes, ausgedörrtes Holzscheit mit dem Reibholze anzureiben begänne; mag der auch also mit Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also ohne Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also mit Hoffnung und ohne Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er doch wohl gewinnen; mag der auch also weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung bemüht sein, Feuer kann er doch wohl gewinnen: und warum das? Weil er, Bhūmijo, Feuer gewinnen von Grund aus versteht. Ebenso nun auch, Bhūmijo, {264} können dergleichen Asketen oder Priester das Ziel doch wohl gewinnen: und warum das? Weil sie, Bhūmijo, das Ziel gewinnen von Grund aus verstehn. — Hättest du aber, Bhūmijo, diese vier Gleichnisse Jayaseno dem Königsohne dargestellt, ohne Zweifel wäre dann Jayaseno der Königsohn mit dir zufrieden geworden und hätte zufrieden dir zugestimmt.«
»Wie doch nur hätt’ ich, o Herr, Jayaseno dem Königsohne diese vier Gleichnisse darzustellen vermocht, die unzweifelhaften, nie zuvor gehörten, gleichwie etwa der Erhabene!«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Bhūmijo über das Wort des Erhabenen.[132]
127.
Dreizehnter Theil
Siebente Rede
ANURUDDHO
{265} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun wandte sich Pañcakaṉgo der Baumeister an einen seiner Leute:
»Komm’, lieber Mann, und begieb dich zum ehrwürdigen Anuruddho hin und bringe dem ehrwürdigen Anuruddho zu Füßen meinen Gruß dar: ›Pañcakaṉgo‹, sage, ›o Herr, der Baumeister bringt dem ehrwürdigen Anuruddho zu Füßen Gruß dar;‹ und füge hinzu: ›möge, o Herr‹, lässt er sagen, ›der ehrwürdige Anuruddho Pañcakaṉgo dem Baumeister die Bitte gewähren, morgen selbviert bei ihm zu speisen. Und möchte sich doch, o Herr, der ehrwürdige Anuruddho etwas früher schon einfinden: Pañcakaṉgo, o Herr, der Baumeister hat viel zu thun, viel auszuführen, im Auftrage des Königs.‹«
»Wohl, o Herr!« entgegnete da gehorsam jener Mann Pañcakaṉgo dem Baumeister. Und er begab sich dorthin wo der ehrwürdige Anuruddho weilte, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach er dann also zum ehrwürdigen Anuruddho:
»Pañcakaṉgo, o Herr, der Baumeister, bringt dem ehrwürdigen Anuruddho zu Füßen Gruß dar; und er lässt sagen: möge, o Herr, der ehrwürdige Anuruddho Pañcakaṉgo dem Baumeister die Bitte gewähren, morgen selbviert bei ihm zu speisen. Und möchte sich doch, o Herr, der ehrwürdige Anuruddho etwas früher schon einfinden: Pañcakaṉgo, o Herr, der Baumeister, hat viel zu thun, viel auszuführen, im Auftrage des Königs.«
{266} Schweigend gewährte der ehrwürdige Anuruddho die Bitte.[133]
Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich am nächsten Morgen, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Hause Pañcakaṉgo des Baumeisters. Dort angelangt nahm der ehrwürdige Anuruddho auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und Pañcakaṉgo der Baumeister bediente und versorgte eigenhändig den ehrwürdigen Anuruddho mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.
Nachdem nun der ehrwürdige Anuruddho gespeist und das Mahl beendet hatte, nahm Pañcakaṉgo der Baumeister einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach nun Pañcakaṉgo der Baumeister zum ehrwürdigen Anuruddho also:
»Da haben mich, o Herr, erfahrene Mönche besucht und haben mir gesagt: ›Unbeschränkte Gemütherlösung, Hausvater, übe du‹; einige ihrer haben wieder gesagt: ›Großartige Gemütherlösung, Hausvater, übe du.‹ Was nun, o Herr, unbeschränkte Gemütherlösung ist, und dann wieder großartige Gemütherlösung: sind das von einander verschiedene Begriffe, die auch eine verschiedene Bezeichnung haben, oder sind sie einander gleich und ist nur die Bezeichnung verschieden?«
»Wohlan denn, Hausvater, sage nur, was du hierüber denkst: so wirst du alsbald Gewissheit erlangen.«
»Mir will scheinen, o Herr, als ob die unbeschränkte Gemütherlösung und wiederum die großartige Gemütherlösung Begriffe seien, die einander gleich sind, und dass nur die Bezeichnung eine verschiedene ist.«
»Die unbeschränkte Gemütherlösung, Hausvater, und die großartige Gemütherlösung: das sind Begriffe, die von einander verschieden sind und auch verschiedene Bezeichnung haben. Daher aber muss man es, Hausvater, je nach dem Umstand beurtheilen, warum eben diese Begriffe verschieden sind und verschiedene Bezeichnung haben. {267} Was ist also, Hausvater, unbeschränkte Gemütherlösung? Da strahlt, Hausvater, ein Mönch liebevollen Gemüthes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemüthes — freudevollen Gemüthes — unbewegten Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Das heißt man, Hausvater, unbeschränkte Gemütherlösung.[134]
»Was ist aber, Hausvater, großartige Gemütherlösung? Da hat ein Mönch, Hausvater, einen einzelnen mächtigen Baum als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ein Mönch, Hausvater, ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ein Mönch, Hausvater, {268} ein einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch die vom Ozean umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei.[135] Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. — Auf solche Weise muss man es, Hausvater, je nach dem Umstand beurtheilen, wie eben diese Begriffe verschieden sind und verschiedene Bezeichnung haben.
»Vier Arten giebt es da, Hausvater, wie man zu wesen wiederkehrt: und welche vier? Da hat einer, Hausvater, einen bestimmten Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von einem bestimmten Glanze wiederkehren. Da hat ferner, Hausvater, einer unermesslichen Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von unermesslichem Glanze wiederkehren. Da hat einer, Hausvater, unlauteren Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von unlauterem Glanze wiederkehren. Da hat ferner, Hausvater, einer vollkommen reinen Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von vollkommen reinem Glanze wiederkehren. Das sind, Hausvater, vier Arten, wie man zu wesen wiederkehrt.
»Es giebt, Hausvater, eine Zeit wo da solche Gottheiten zusammenkommen; und sind sie zusammengekommen, {269} so zeigt sich wohl bei ihnen verschiedene Farbe, doch kein verschiedener Glanz. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann gar mancherlei Oellampen in ein Haus hineintrüge; da würde sich wohl unter ihnen verschiedene Flamme zeigen, doch kein verschiedener Glanz: ebenso nun auch, Hausvater, giebt es eine Zeit wo da solche Gottheiten zusammenkommen; und sind sie zusammengekommen, so zeigt sich wohl bei ihnen verschiedene Farbe, doch kein verschiedener Glanz.
»Es giebt, Hausvater, eine Zeit wo da solche Gottheiten dann auseinandergehn; und sind sie dann auseinandergegangen, so zeigt sich eben bei ihnen verschiedene Farbe wie auch verschiedener Glanz. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann jene mancherlei Oellampen aus dem Hause hinwegtrüge; da würde sich eben unter ihnen verschiedene Flamme zeigen wie auch verschiedener Glanz: ebenso nun auch, Hausvater, giebt es eine Zeit wo da solche Gottheiten dann auseinandergehn; und sind sie dann auseinandergegangen, so zeigt sich eben bei ihnen verschiedene Farbe wie auch verschiedener Glanz.
»Nicht aber, Hausvater, haben die Gottheiten Gedanken wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben da die Gottheiten einander genaht sind, sind alsbald eben da die Gottheiten einander genehm. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn Fliegen in einem Glase oder in einem Korbe zusammenschwärmen nicht Gedanken haben wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben da die Fliegen einander genaht sind, sind alsbald eben da die Fliegen einander genehm[136]: {270} ebenso nun auch, Hausvater, haben die Gottheiten nicht Gedanken wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben da die Gottheiten einander genaht sind, sind alsbald eben da die Gottheiten einander genehm.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Abhayakaccāno[137] also an den ehrwürdigen Anuruddho:
»Sehr schön, werther Anuruddho. Ich möchte nun hier noch eine fernere Frage stellen. Die Gottheiten, o Herr, die da glänzen, haben die alle einen bestimmten Glanz, oder giebt es wirklich auch Gottheiten, deren Glanz unermesslich ist?«
»Je nachdem, Bruder Kaccāno. Es giebt wohl manche Gottheiten von bestimmtem Glanze: es giebt aber auch manche Gottheiten, deren Glanz unermesslich ist.«
»Was ist nun, werther Anuruddho, der Anlass, was ist der Grund, dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, manche einen bestimmten Glanz aufweisen, und wiederum manche einen Glanz, der unermesslich ist?«
»Da will ich dir denn, Bruder Kaccāno, eben hierüber eine Frage stellen: wie es dir gutdünkt magst du sie beantworten. Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch einen einzelnen mächtigen Baum als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen Uebungen die großartigere?«
»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen {271} Uebungen die großartigere.«
»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen Uebungen die großartigere?«
»Wenn da, o Herr, ein Mönch ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«
»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen Uebungen die großartigere?«
»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«
»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch etwa noch zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch ein einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen Uebungen die großartigere?«
»Wenn da, o Herr, ein Mönch ein einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«
»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch ein einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch zwei bis drei Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen Uebungen die großartigere?«
»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«
»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da {272} jener Mönch etwa noch zwei bis drei Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch die vom Ozean umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen Uebungen die großartigere?«
»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch die vom Ozean umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«
»Das ist nun, Bruder Kaccāno, der Anlass, das ist der Grund, dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, manche einen bestimmten Glanz aufweisen, und wiederum manche einen Glanz, der unermesslich ist.«[138]
»Sehr schön, werther Anuruddho. Ich möchte nun hier noch eine fernere Frage stellen. Die Gottheiten, o Herr, die da glänzen, haben die alle unlauteren Glanz, oder giebt es wirklich auch Gottheiten, deren Glanz vollkommen rein ist?«
»Je nachdem, Bruder Kaccāno. Es giebt wohl manche Gottheiten von unlauterem Glanze: es giebt aber auch manche Gottheiten, deren Glanz vollkommen rein ist.«
»Was ist nun, werther Anuruddho, der Anlass, was ist der Grund, dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, {273} manche unlauteren Glanz aufweisen, und wiederum manche einen Glanz, der vollkommen rein ist?«
»Da lasse mich denn, Bruder Kaccāno, ein Gleichniss dir geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer Rede klar. — Gleichwie etwa, Bruder Kaccāno, wenn bei einer angezündeten Oellampe das Oel nicht vollkommen rein ist und der Docht nicht vollkommen rein ist, sie wegen der unvollkommenen Reinheit des Oels und der unvollkommenen Reinheit des Dochtes gar dunkel und düster schauen wird: ebenso nun auch, Bruder Kaccāno, hat da ein Mönch unlauteren Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei. Der hat körperliche Schwerfälligkeit nicht vollkommen beschwichtigt, hat matte Müde nicht vollkommen ausgerodet, hat stolzen Unmuth nicht vollkommen ausgetrieben. Weil er körperliche Schwerfälligkeit nicht vollkommen beschwichtigt hat, matte Müde nicht vollkommen ausgerodet hat, stolzen Unmuth nicht vollkommen ausgetrieben hat, wird er gar dunkel und düster schauen. Der kehrt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von unlauterem Glanze wieder. Gleichwie aber, Bruder Kaccāno, wenn bei einer angezündeten Oellampe das Oel vollkommen rein ist und der Docht vollkommen rein ist, sie wegen der vollkommenen Reinheit des Oels[139] und der vollkommenen Reinheit des Dochtes gar nicht dunkel und düster schauen wird: ebenso nun auch, Bruder Kaccāno, hat da ein Mönch vollkommen reinen Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei. Der hat körperliche Schwerfälligkeit vollkommen beschwichtigt, hat matte Müde vollkommen ausgerodet, hat stolzen Unmuth vollkommen ausgetrieben. Weil er körperliche Schwerfälligkeit vollkommen beschwichtigt hat, matte Müde vollkommen ausgerodet hat, stolzen Unmuth vollkommen ausgetrieben hat, wird er gar nicht dunkel und düster schauen. {274} Der kehrt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von vollkommen reinem Glanze wieder. — Das ist nun, Bruder Kaccāno, der Anlass, das ist der Grund, dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, manche unlauteren Glanz aufweisen, und wiederum manche einen Glanz, der vollkommen rein ist.«
Derart berichtet wandte sich nun der ehrwürdige Abhayakaccāno also an den ehrwürdigen Anuruddho:
»Sehr schön, werther Anuruddho. — Nicht hat, o Herr, der ehrwürdige Anuruddho gesagt ›Das hab’ ich gehört‹ oder ›So dürfte es sein‹, sondern es hat eben, o Herr, der ehrwürdige Anuruddho ›So ist es mit diesen Gottheiten, so ist es mit jenen Gottheiten‹ schlechthin gesprochen. Da ist mir, o Herr, der Gedanke gekommen: ›Gewiss hat der ehrwürdige Anuruddho mit jenen Gottheiten ehemals Verkehr gehabt, ehemals Rede und Rath mit ihnen gepflogen.‹«
»Gewiss hast du, Bruder Kaccāno, diese Frage versuchend gestellt, um weiter auszuholen: aber ich will dir Antwort geben. Lange Zeiten hab’ ich, Bruder Kaccāno, mit jenen Gottheiten ehemals Verkehr gehabt, ehemals Rede und Rath mit ihnen gepflogen.«[140]
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Abhayakaccāno an Pañcakaṉgo den Baumeister und sagte:
»Gesegnet bist du, Hausvater, hochgesegnet bist du, Hausvater, dass dir ein Zweifel da gelöst wurde, und wir dann diesen Gedankengang zu hören bekamen.«
128.
Dreizehnter Theil
Achte Rede
VERSCHLACKUNG
{275} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kosambī, in der Gartenstiftung. Zu jener Zeit nun war unter den Mönchen von Kosambī Zank und Streit ausgebrochen, sie haderten mit einander und scharfe Wortgefechte fanden statt.
Da begab sich denn einer der Mönche dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun jener Mönch zum Erhabenen also:
»Es ist da, o Herr, zu Kosambī unter den Mönchen Zank und Streit ausgebrochen, sie hadern mit einander und scharfe Wortgefechte finden statt. Gut wär’ es, o Herr, wenn sich der Erhabene zu jenen Mönchen hinbegeben wollte, von Mitleid bewogen.«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.
Und der Erhabene begab sich zu jenen Mönchen hin und sprach also zu ihnen:
»Genug, ihr Mönche: gemieden sei Zank und Streit, gemieden Zwist und Hader.«
Also ermahnt wandte sich ein anderer der Mönche an den Erhabenen und sagte:
»Möge, o Herr, der Erhabene, der Wahrheit Gebieter, hingehn: selbstgenugsam möge, o Herr, der Erhabene säliger Gegenwart genießen; wir werden uns in diesem Zank und Streite, Zwist und Hader verständigen.«
{276} Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach der Erhabene also zu jenen Mönchen:
»Genug, ihr Mönche: gemieden sei Zank und Streit, gemieden Zwist und Hader.«
Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach jener andere Mönch also zum Erhabenen:
»Möge, o Herr, der Erhabene, der Wahrheit Gebieter, hingehn: selbstgenugsam möge, o Herr, der Erhabene säliger Gegenwart genießen; wir werden uns in diesem Zank und Streite, Zwist und Hader verständigen.«
Und der Erhabene, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, machte sich auf den Gang nach Kosambī um Almosenspeise, trat in der Stadt von Haus zu Hause hin, nahm das Mahl ein, kehrte zurück, räumte sein Lager zurecht, behielt Mantel und Schaale und ließ nun, schon aufgebrochen, folgende Weise verlauten:
»Wo jeder lärmend ein sich mengt, Als Thor Vernunft erlangt man nie; Den Brüderbund, zerbrecht ihr ihn, Hört keiner auf den andern mehr. »Vergessen ward ein weiser Spruch Des Kenners, der erfahren sprach; Die Zunge zügeln, das ist noth, Und lenken sie: man lernt es nicht. »‚Gescholten hat man mich, verletzt, Hat mich besiegt, hat mich verlacht: Wer solchen Sinn im Herzen hegt, Von Feindschaft lässt er nimmer ab. »‚Gescholten hat man mich, verletzt, Hat mich besiegt, hat mich verlacht: Wer solchen Sinn zu bannen weiß, Von Feindschaft lässt er eilig ab. »‚Es wird ja Feindschaft nimmermehr Durch Feindschaft wieder ausgesöhnt: Nichtfeindschaft giebt Versöhnung an; Das ist Gesetz von Ewigkeit.‘ {277} »Die Menschen sehn es selten ein, Dass Dulden uns geduldig macht: Doch wer es einsieht, wer es weiß Giebt alles Eifern willig auf.[141] »Der Henker, Scherge, Mörder, Dieb, Wer Rinder, Rosse, Schätze rafft, Landstreichersippe, Räubervolk, Zusammen halten solche schon: Warum nur solltet ihr es nicht? »Hat man den abgeklärten Freund gefunden, Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend, Entgangen aller dräuenden Bedrängniss Mit ihm zufrieden wandern mag der weise Mann. »Muss man den abgeklärten Freund vermissen, Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend, Als König, der sein Königreich verloren, Alleinig wandern mag man wie der wilde Ilph. »Allein ist bessre Wanderschaft, Mit Thoren schließt man keinen Bund; Alleinig wandre man und meide böse That, Geworden selbstgenugsam wie der wilde Ilph.«
Als nun der Erhabene, schon aufgebrochen, diese Weise gesagt hatte, ging er hinweg, nach dem Dorfe Niedersoolenbrunn.[142] Damals aber weilte der ehrwürdige Bhagu bei dem Dorfe Niedersoolenbrunn. Und es sah der ehrwürdige Bhagu den Erhabenen von ferne herankommen, und als er ihn gesehn machte er einen Sitz bereit und Wasser für die Füße. Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Und auch der ehrwürdige Bhagu setzte sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. An den ehrwürdigen Bhagu, der zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:
»Geht es dir, Mönch, leidlich, kommst du wohl aus, ohne Mangel an Nahrung?«
»Leidlich, Erhabener, geht es mir, wohl, Erhabener, komme ich aus, ich ermangle, o Herr, nicht der Nahrung.«
{278} Und der Erhabene ermunterte und ermuthigte, erregte und erheiterte den ehrwürdigen Bhagu in lehrreichem Gespräche, erhob sich alsdann von seinem Sitze und begab sich nach dem östlichen Bambushaine.
Um diese Zeit aber weilte der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo im östlichen Bambushaine. Da sah ein Waldhüter den Erhabenen von ferne herankommen, und als er den Erhabenen gesehn sprach er also zu ihm:
»Gehe nicht in diesen Forst, o Asket: drei edle Jünglinge weilen hier, die selbstzufrieden scheinen, störe sie nicht!«
Der ehrwürdige Anuruddho hörte aber des Waldhüters Gespräch mit dem Erhabenen, und als er es gehört sprach er also zum Waldhüter:
»Wehre nicht, Bruder Waldhüter, dem Erhabenen: unser Meister, der Erhabene ist gekommen.«
Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich nun zum ehrwürdigen Nandiyo und zum ehrwürdigen Kimbilo und sprach also zu ihnen:
»Kommt herbei, ihr Brüder, kommt herbei, ihr Brüder: unser Meister, der Erhabene ist da.«