Note 105 — DREIZEHNTER THEIL BUCH DER ARMUTH
Karl Eugen Neumann translation
Zur Armuth innen und außen cf. den Gedanken PASCALS II, 17, 82: »Si j’avais le coeur aussi pauvre que l’esprit, je serais bienheureux; car je suis merveilleusement persuadé que la pauvreté est un grand moyen pour faire son salut.« Die scheinbare Antinomie vom Aufnehmen der Armuth ist in den Versen eines großen, unendlich reichen asketischen, d. i. wohl eingeübten Geistes angemessen gelöst:
La lieta povertà, fugiendo, acquista Ogni tesor, nè pensa come o quando; Secur nei boschi, in panni rozzi e bigi, Fuor d’obrigi, di cure e di letigi.
Letzterem Hinweise, den ich DE LORENZO, dem genauen Kenner MICHELANGELOS, verdanke, mag noch in diesem Zusammenhange die so anschauliche Illustration Meister ECKHARTS, p. 576, beigefügt sein: »Dar umbe sprach der, der in der kuofen blôz saz, zuo dem grôzen Alexander, der alle welt under ime hete: ‚ich bin‘, sprach er, ‚vil ein groezer herre denne dû bist; wan ich hân mêr versmêhet denne dû besezzen hâst. Daz dû grôz ahtest ze besitzenne, daz ist mir ze kleine ze versmêhenne.‘« Das Helldunkel einer solchen einmüthig erfahrenen indo-ārischen Armuth, die heiter über Kaiser und Könige wegblickt, findet man denn auch im Bildnisse eines kynischen Pilgers und kosmopolitischen Palitanten auf einem jüngst entdeckten pompejanischen Fresko zu Boscoreale und zwar voce melius beglaubigt, »daz ist wortelôs«.