ZWÖLFTER THEIL BUCH DER REIHE
Karl Eugen Neumann translation
111.
Zwölfter Theil
Erste Rede
DIE REIHE
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Witzig, ihr Mönche, ist Sāriputto, mächtig in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, gewaltig in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, hell in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, flink in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, scharf in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, schneidig in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto; Sāriputto, ihr Mönche, hat einen halben Monat der Reihe nach die Dinge mit Klarsicht klar gesehn.
»So aber mag, ihr Mönche, Sāriputto der Reihe nach die Dinge klar sehn: da weilt, ihr Mönche, Sāriputto, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. {110} Und die Dinge der ersten Schauung, Ueberlegung und Erwägung, Heiterkeit und Säligkeit und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung gewonnen. Und die Dinge der zweiten Schauung, innere Meeresstille, Heiterkeit und Säligkeit und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ {111} weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück im Körper empfunden, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so hat er die Weihe der dritten Schauung gewonnen. Und die Dinge der dritten Schauung, Gleichmuth und Säligkeit, Einsicht und Klarheit und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung gewonnen. Und die Dinge der vierten Schauung, Gleichmuth, ohne Leid-, ohne Freudengefühl, Reinheit, ohne geistigen Genuss, lauter Einsicht und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, {112} wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes gewonnen. Und die Dinge der unbegränzten Raumsphäre, Wahrnehmung der unbegränzten Raumsphäre und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegrenzten Bewusstseins gewonnen. Und die Dinge der unbegränzten Bewusstseinsphäre, Wahrnehmung {113} der unbegränzten Bewusstseinsphäre und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins gewonnen. Und die Dinge der Nichtdaseinsphäre, Wahrnehmung der Nichtdaseinsphäre und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
{114} »Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung gewonnen. Und aus diesem Erfunde kehrt er besonnen zurück. Und ist er aus diesem Erfunde besonnen zurückgekehrt, so nimmt er die Dinge, die überstanden, aufgelöst, umgewandelt sind, wahr: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit gewonnen, und des weise Sehenden Wahn ist aufgehoben. Und aus diesem Erfunde kehrt er besonnen zurück. Und ist er aus diesem Erfunde besonnen zurückgekehrt, so nimmt er die Dinge, die überstanden, aufgelöst, umgewandelt sind, wahr: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt keine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es nicht.‹
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
112.
Zwölfter Theil
Zweite Rede
SECHS ERLÄUTERN
{116} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Da giebt, ihr Mönche, ein Mönch die Gewissheit zu erkennen: ‚›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteh’ ich da.‘ Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist weder zu billigen noch abzuweisen; ohne zu billigen, ohne abzuweisen ist die Frage zu stellen: ›Vier Arten, Bruder, von Betragen hat Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet: und welche vier? Bei Gesehnem das Gesehne verlautbaren, bei Gehörtem das Gehörte verlautbaren, bei Gedachtem das Gedachte verlautbaren, bei Erkanntem das Erkannte verlautbaren: das sind, Bruder, vier Arten von Betragen, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen bei diesen vier Arten von Betragen und hat das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, kann folgende Rechenschaft ablegen: ›Bei Gesehnem bin ich, Brüder, nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, bin ihm entgangen, bin ihm entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen; bei Gehörtem — bei Gedachtem — bei Erkanntem bin ich, Brüder, {117} nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, bin ihm entgangen, bin ihm entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so ein Schauen bei diesen vier Arten von Betragen und habe das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so ist eine fernere Frage zu stellen: ›Fünf sind es, Bruder, der Stücke des Anhangens, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat: und welche fünf? Als da ist ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen am Bewusstsein: das sind, Bruder, die fünf Stücke des Anhangens, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen bei diesen fünf Stücken des Anhangens und hat das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, kann folgende Rechenschaft ablegen: ›Die Form hab’ ich, Brüder, als ohnmächtig, unergetzlich, unerquicklich erkannt, und was bei der Form anhänglich Anhangen ist, geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein hab’ ich, Brüder, {118} als ohnmächtig, unergetzlich, unerquicklich erkannt, und was beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Unterscheidungen, beim Bewusstsein anhänglich Anhangen ist, geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so ein Schauen bei diesen fünf Stücken des Anhangens und habe das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so ist eine fernere Frage zu stellen: ›Sechs Artungen sind es, Bruder, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat: und welche sechs? Art der Erde, Art des Wassers, Art des Feuers, Art der Luft, Art des Raumes, Art des Bewusstseins: das sind, Bruder, sechs Artungen, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen bei diesen sechs Artungen und hat das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, kann folgende Rechenschaft ablegen: ›Die Art der Erde hab’ ich, Brüder, als uneigen begriffen und mich als nicht in der Art der Erde bestanden, und was in der Art der Erde bestanden ist, anhänglich Anhangen, geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. Die Art des Wassers — die Art des Feuers — die Art der Luft — die Art des Raumes — die Art des Bewusstseins hab’ ich, Brüder, {119} als uneigen begriffen und mich als nicht in der Art des Bewusstseins bestanden, und was in der Art des Bewusstseins bestanden ist, anhänglich Anhangen, geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so ein Schauen bei diesen sechs Artungen und habe das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so ist eine fernere Frage zu stellen: ›Sechs sind es wiederum, Bruder, der Innen- und Außengebiete, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat: und welche sechs? Das Auge und die Formen, das Ohr und die Töne, die Nase und die Düfte, die Zunge und die Säfte, der Leib und die Tastungen, das Denken und die Dinge: das sind, Bruder, die sechs Innen- und Außengebiete, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte recht gekennzeichnet hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen bei diesen sechs Innen- und Außengebieten und hat das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntnis erlöst hat, kann folgende Rechenschaft ablegen: ›Beim Auge, Brüder, bei der Form, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen, was da Wille und Gier, was da Lust und Durst, was anhänglich Anhangen ist, geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: {120} weil ich das versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. Beim Ohr — bei der Nase — bei der Zunge — beim Leibe — beim Denken, Brüder, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen, was da Wille und Gier, was da Lust und Durst, was anhänglich Anhangen ist, geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so ein Schauen bei diesen sechs Innen- und Außengebieten und habe das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so ist eine fernere Frage zu stellen: ›Was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen, bei allen äußeren Eindrücken auf diesen mit Bewusstsein behafteten Körper da, und hat der Ichheit und Meinheit Dünkelanwandlungen gänzlich ausgetilgt?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, kann folgende Rechenschaft ablegen: ›Früher war ich, Brüder, in häuslichem Leben erwachsen, ein unwissender Mensch gewesen. Da hat mir der Vollendete, oder ein Jünger des Vollendeten, die Lehre gezeigt. Als ich von ihm die Lehre vernommen, hab’ ich Vertrauen zum Vollendeten gefasst. Von diesem Vertrauen erfüllt hab’ ich da bei mir erwogen: {121} ‚Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen.[44] Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‘ Und ich habe dann, Brüder, nach einiger Zeit, einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz verlassen, einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis verlassen, Haar und Bart abgeschoren, die fahlen Gewänder angelegt und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.
›Ich war nun Pilger geworden und hatte die Ordenspflichten der Mönche auf mich genommen. Lebendiges umzubringen hatt’ ich verworfen, Lebendiges umzubringen lag mir fern: ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt’ ich zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hatt’ ich verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hielt ich mich fern: Gegebenes nahm ich, Gegebenes wartete ich ab, nicht diebisch gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hatt’ ich verworfen, keusch lebt’ ich: fern zog ich hin, entrathen der Paarung, dem gemeinen Gesetze.[45] Lüge hatt’ ich verworfen, von Lüge hielt ich mich fern: die Wahrheit sprach ich, der Wahrheit war ich ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hatt’ ich verworfen, vom Ausrichten hielt ich mich fern: was ich hier gehört hatte erzählt’ ich dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was ich dort gehört hatte erzählt’ ich hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so einigte ich Entzweite, festigte Verbundene, Eintracht machte mich froh, {122} Eintracht freute mich, Eintracht beglückte mich, Eintracht fördernde Worte sprach ich. Barsche Worte hatt’ ich verworfen, von barschen Worten hielt ich mich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich[46], viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte sprach ich. Plappern und Plaudern hatt’ ich verworfen, von Plappern und Plaudern hielt ich mich fern: zur rechten Zeit sprach ich, den Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu, meine Rede war inhaltreich, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande angemessen.
›Sämereien und Pflanzungen anzulegen hatt’ ich verschmäht. Einmal des Tags nahm ich Nahrung zu mir, nachts war ich nüchtern, fern lag es mir zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang, Spiel, Schaustellungen hielt ich mich fern. Kränze, Wohlgerüche, Salben, Schmuck, Zierrath, Putz wies ich ab. Hohe, prächtige Lagerstätten verschmähte ich. Gold und Silber nahm ich nicht an. Rohes Getreide nahm ich nicht an. Rohes Fleisch nahm ich nicht an. Frauen und Mädchen nahm ich nicht an. Diener und Dienerinen nahm ich nicht an. Ziegen und Schaafe nahm ich nicht an. Hühner und Schweine nahm ich nicht an. Elephanten, Rinder und Rosse nahm ich nicht an. Haus und Feld nahm ich nicht an. Botschaften, Sendungen, Aufträge übernahm ich nicht. Von Kauf und Verkauf hielt ich mich fern. Von falschem Maaß und Gewicht hielt ich mich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung, Täuschung, Niedertracht hielt ich mich fern. Von Raufereien, Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hielt ich mich fern.
›Ich war zufrieden mit dem Gewande, das meinen Leib deckte, mit der Almosenspeise, die mein Leben unterhielt. {123} Wohin ich auch pilgerte, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn pilgerte ich. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch war ich, Brüder, mit dem Gewande zufrieden, das meinen Leib deckte, mit der Almosenspeise, die mein Leben unterhielt. Wohin ich auch wanderte, nur damit versehn wanderte ich.[47]
›Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfand ich ein inneres fleckenloses Glück.
›Erblickte ich nun mit dem Gesichte eine Form, so fasste ich keine Neigung, fasste keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigte ich mich dieser Bewachung, ich hütete das Gesicht, ich wachte eifrig über das Gesicht.
›Hörte ich nun mit dem Gehöre einen Ton,
›Roch ich nun mit dem Geruche einen Duft,
›Schmeckte ich nun mit dem Geschmacke einen Saft,
›Tastete ich nun mit dem Getaste eine Tastung,
›Erkannte ich nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasste ich keine Neigung, fasste keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigte ich mich dieser Bewachung, ich hütete das Gedenken, ich wachte eifrig über das Gedenken.
›Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfand ich ein inneres ungetrübtes Glück.
›Klar bewusst kam ich und ging ich, klar bewusst blickt’ ich hin, blickt’ ich weg, klar bewusst regt’ und bewegt’ ich mich, klar bewusst trug ich des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar bewusst aß und trank ich, kaut’ ich und schmeckt’ ich, klar bewusst entleert’ ich Koth und Harn, {124} klar bewusst ging und stand und saß ich, schlief ich ein, wacht’ ich auf, sprach ich und schwieg ich.
›Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht suchte ich einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn ich vom Almosengange zurückgekehrt war, setzte ich mich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegte der Einsicht. Ich hatte weltliche Begierde verworfen und verweilte begierdelosen Gemüthes, von Begierde läuterte ich mein Herz. Gehässigkeit hatt’ ich verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt’ ich, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läuterte ich mein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hatt’ ich verworfen, von matter Müde war ich frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läuterte ich mein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hatt’ ich verworfen, ich war frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läuterte ich mein Herz von stolzem Unmuth.[48] Das Schwanken hatt’ ich verworfen, der Ungewissheit war ich entronnen; ich zweifelte nicht am Guten, vom Schwanken läuterte ich mein Herz.
›Ich hatte nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hatte die Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt’ ich in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung.
›Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens gewann ich die innere Meeresstille[49], die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.
›In heiterer Ruhe verweilte ich gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfand ich im Körper, von dem die Heiligen sagen: ‚Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‘; so gewann ich die Weihe der dritten Schauung.
›Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns gewann ich die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
›Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, {125} schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtete ich das Gemüth auf die Erkenntnis der Wahnversiegung. ‚Das ist das Leiden‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Leidensentwicklung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Leidensauflösung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist der Wahn‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Wahnentwicklung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Wahnauflösung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‘ verstand ich der Wahrheit gemäß.
›Also erkennend, also sehend ward da mein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ‚Im Erlösten ist die Erlösung‘, diese Erkenntniss ging auf. ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘ verstand ich da.
›So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so ein Schauen, bei allen äußeren Eindrücken auf diesen mit Bewusstsein behafteten Körper da, und habe der Ichheit und Meinheit Dünkelanwandlungen gänzlich ausgetilgt.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so hat man ihn also anzureden: ›Gesegnet sind wir, Bruder, hochgesegnet sind wir, Bruder, die wir den Ehrwürdigen als so ächten Asketen gegenwärtig haben.‹«[50]
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
113.
Zwölfter Theil
Dritte Rede
EIN GUTER MENSCH
{126} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Die Weise guter Menschen will ich euch zeigen, ihr Mönche, und die Weise schlechter Menschen: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Was ist nun, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen? Da ist, ihr Mönche, ein schlechter Mensch aus einem vornehmen Hause hinausgezogen. Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich aus einem vornehmen Hause hinausgezogen, diese anderen Mönche aber, die sind es nicht.‹ Um seiner vornehmen Abkunft willen brüstet er sich und verachtet die anderen. Das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um vornehmer Abkunft willen kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht aus einem vornehmen Hause hinausgezogen ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und um seiner vornehmen Abkunft willen brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch aus einem reichen Hause hinausgezogen.[51] {127} Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich aus einem reichen Hause hinausgezogen, diese anderen Mönche aber, die sind es nicht.‹ Um seines Reichthums willen brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um des Reichthums willen kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht aus einem reichen Hause hinausgezogen ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und um seines Reichthums willen brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch bekannt und berühmt. Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich bekannt und berühmt, diese anderen Mönche aber sind unbekannt, unscheinbar.‹ Um seiner Bekanntheit willen brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um der Bekanntheit willen kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht bekannt und berühmt ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und um seiner Bekanntheit willen brüstet er sich nicht, {128} noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, erlangt ein schlechter Mensch Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzenei im Falle der Krankheit. Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich erlange Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzenei im Falle der Krankheit, diese anderen Mönche aber, die erlangen es nicht.‹ Um dieser Erlangung willen brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um der Erlangung willen kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer keine Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzenei im Falle der Krankheit erlangt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er etwas erlangt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, weiß ein schlechter Mensch viel. Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich weiß viel, diese anderen Mönche aber, die wissen nicht viel.‹ Weil er viel weiß, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.[52]
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch weil man viel weiß, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. {129} Wenn auch einer nicht viel weiß, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er viel weiß, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch ein Künder der Ordenszucht. Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich ein Künder der Ordenszucht, diese anderen Mönche aber, die sind keine Künder der Ordenszucht.‹ Um seiner Kunde der Ordenszucht willen brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um der Kunde der Ordenszucht willen kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer kein Künder der Ordenszucht ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und um seiner Kunde der Ordenszucht willen brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch ein Sprecher der Lehre. Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich ein Sprecher der Lehre, diese anderen Mönche aber, die sind keine Sprecher der Lehre.‹ Weil er über die Lehre spricht, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: {130} ›Nicht doch weil man über die Lehre spricht, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer kein Sprecher der Lehre ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er über die Lehre spricht, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch ein Waldeinsiedler. Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich ein Waldeinsiedler, diese anderen Mönche aber, die sind keine Waldeinsiedler.‹ Um sein Waldeinsiedlerthum brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um Waldeinsiedlerthum kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer kein Waldeinsiedler ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und um sein Waldeinsiedlerthum brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, trägt ein schlechter Mensch die Fetzenkutte. Der gedenkt bei sich: ›Ich trage freilich die Fetzenkutte, diese anderen Mönche aber, die tragen keine Fetzenkutte.‹ Weil er die Fetzenkutte trägt, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: {131} ›Nicht doch weil man die Fetzenkutte trägt, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer keine Fetzenkutte trägt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er die Fetzenkutte trägt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch ein Brockenbettler.[53] Der gedenkt bei sich: ›Ich bin freilich ein Brockenbettler, diese anderen Mönche aber, die sind keine Brockenbettler.‹ Um sein Brockenbettlerthum brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch um Brockenbettlerthum kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer kein Brockenbettler ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und um sein Brockenbettlerthum brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, lebt ein schlechter Mensch unter einem Baume. Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich lebe unter einem Baume, diese anderen Mönche aber, die leben nicht unter Bäumen.‹ Weil er unter einem Baume lebt, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: {132} ›Nicht doch weil man unter einem Baume lebt, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht unter einem Baume lebt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er unter einem Baume lebt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, lebt ein schlechter Mensch auf einem Leichenhofe. Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich lebe auf einem Leichenhofe, diese anderen Mönche aber, die leben nicht auf Leichenhöfen.‹ Weil er auf einem Leichenhofe lebt, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch weil man auf einem Leichenhofe lebt, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht auf einem Leichenhofe lebt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er auf einem Leichenhofe lebt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, lebt ein schlechter Mensch in einer offenen Ebene. Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich lebe in einer offenen Ebene, diese anderen Mönche aber, die leben nicht in offenen Ebenen.‹ Weil er in einer offenen Ebene lebt, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch weil man in einer offenen Ebene lebt, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht in einer offenen Ebene lebt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er in einer offenen Ebene lebt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ruht ein schlechter Mensch nur sitzend aus. Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich ruhe nur sitzend aus, diese anderen Mönche aber, die legen sich hin.‹ Weil er nur sitzend ausruht, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch weil man nur sitzend ausruht, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer sich hinlegt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er nur sitzend ausruht, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, ist einem schlechten Menschen ein jeder Ort recht. Der gedenkt bei sich: ›Mir freilich ist ein jeder Ort recht, diesen anderen Mönchen aber, denen ist nicht ein jeder Ort recht.‹ Weil ihm ein jeder Ort recht ist, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch weil einem ein jeder Ort recht ist, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einem nicht ein jeder Ort recht ist, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgte der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil ihm ein jeder Ort recht ist, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, nimmt ein schlechter Mensch nur einmal Nahrung ein.[54] Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich nehme nur einmal Nahrung ein, diese anderen Mönche aber, die nehmen nicht nur einmal Nahrung ein.‹ Weil er nur einmal Nahrung einnimmt, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht doch weil man nur einmal Nahrung einnimmt, kann man begehrliche Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch einer nicht nur einmal Nahrung einnimmt, und er wandelt der Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er nur einmal Nahrung einnimmt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.[55]
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung. Der gedenkt bei sich: {133} ›Ich habe freilich die Weihe der ersten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber, die haben die Weihe der ersten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil er die Weihe der ersten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Weihe der ersten Schauung hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe der ersten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.[56]
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch, nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die Weihe der zweiten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber, die haben die Weihe der zweiten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil er die Weihe der zweiten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Weihe der zweiten Schauung hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe der zweiten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, empfindet ein schlechter Mensch, in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die Weihe der dritten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber, die haben die Weihe der dritten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil er die Weihe der dritten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Weihe der dritten Schauung hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe der dritten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die Weihe der vierten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber, die haben die Weihe der vierten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil er die Weihe der vierten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Weihe der vierten Schauung hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe der vierten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter {134} Mensch nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen[57], Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich das Reich des unbegränzten Raumes erworben, diese anderen Mönche aber, die haben das Reich des unbegränzten Raumes nicht erworben.‹ Weil er das Reich des unbegränzten Raumes erworben hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Erwerbung der unbegränzten Raumsphäre hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er das Reich des unbegränzten Raumes erworben hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich das Reich des unbegränzten Bewusstseins erworben, diese anderen Mönche aber, die haben das Reich des unbegränzten Bewusstseins nicht erworben.‹ Weil er das Reich des unbegränzten Bewusstseins erworben hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Erwerbung der unbegränzten Bewusstseinsphäre hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er das Reich des unbegränzten Bewusstseins erworben hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. {135} Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich das Reich des Nichtdaseins erworben, diese anderen Mönche aber, die haben das Reich des Nichtdaseins nicht erworben.‹ Weil er das Reich des Nichtdaseins erworben hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Erwerbung der Nichtdaseinsphäre hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er das Reich des Nichtdaseins erworben hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erworben, diese anderen Mönche aber, die haben die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung nicht erworben.‹ Weil er die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erworben hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von der Erwerbung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung hat der Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen, Immer wandelbarer wird es.‹
{136} Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erworben hat, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein guter Mensch nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn ist aufgehoben. Das ist, ihr Mönche, ein Mönch, der gar nichts vermeint, von gar nichts vermeint, um gar nichts vermeint.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[58]
114.
Zwölfter Theil
Vierte Rede
ZU BETREIBEN UND NICHT ZU BETREIBEN
{137} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhobene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Was zu betreiben und was nicht zu betreiben ist, ihr Mönche, werde ich euch der Reihe nach anzeigen: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Betragen in Thaten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Thaten. Betragen in Worten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Worten. Betragen in Gedanken, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Gedanken. Herzensentschließung, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Herzensentschließung. Verständniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Verständniss erlangen. Erkenntniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Erkenntniss erlangen. Eigenschaft erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Eigenschaft erlangen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto also an den Erhabenen:
»Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, {138} scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten: ›Betragen in Thaten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Thaten‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein Betragen, o Herr, in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, ein solches Betragen in Thaten ist nicht zu betreiben. Ein Betragen aber, o Herr, in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Betragen in Thaten ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Betragen in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o Herr, ein Mörder, grausam und blutgierig, der Gewalt und dem Todtschlag ergeben, ohne Erbarmen gegen seine Mitwesen. Dann nimmt er was man ihm nicht gegeben hat; was ein anderer in Dorf oder Wald an Hab und Gut besitzt, das macht er sich ungeschenkt, in diebischer Absicht, zueigen. Und er begeht Ausschweifung; mit einem Mädchen, das unter der Obhut der Mutter oder des Vaters, unter der Obhut von Bruder oder von Schwester, unter der Obhut von Verwandten steht, mit einer Gattenbefohlenen oder einer Dienstergebenen, bis herab zu der blumengeschmückten Tänzerin, mit solchen pflegt er Verkehr.[59] Das ist, o Herr, ein Betragen in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Betragen in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da hat einer, o Herr, das Morden verworfen, vom Tödten hält er sich fern; {139} Stock und Schwerdt hat er abgelegt, er ist mild und theilnehmend, voll Liebe und Mitleid zu allem was da lebt und athmet. Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Stehlen hält er sich fern; was ein anderer in Dorf oder Wald an Hab und Gut besitzt, das macht er sich ungeschenkt, in diebischer Absicht, nicht zueigen. Ausschweifung hat er verworfen, von Ausschweifung hält er sich fern; mit einem Mädchen, das unter der Obhut der Mutter oder des Vaters, unter der Obhut von Bruder oder von Schwester, unter der Obhut von Verwandten steht, mit einer Gattenbefohlenen oder einer Dienstergebenen, bis herab zu der blumengeschmückten Tänzerin, mit solchen pflegt er keinen Verkehr. Das ist, o Herr, ein Betragen in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Betragen in Thaten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Thaten‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Betragen in Worten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Worten‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein Betragen, o Herr, in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, ein solches Betragen in Worten ist nicht zu betreiben. Ein Betragen aber, o Herr, in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Betragen in Worten ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Betragen in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? {140} Da ist einer, o Herr, ein Lügner. Vor Gericht, oder von den Leuten, oder unter Verwandten, oder in der Gesellschaft, oder von königlichen Beamten als Augenzeuge vernommen und befragt: ›Wohl denn, lieber Mann, was du weißt, das sage‹, antwortet er, wenn er nichts weiß: ›Ich weiß es‹, und wenn er es weiß: ›Ich weiß nichts‹, wenn er nichts gesehn hat: ›Ich hab’ es gesehn‹, und wenn er es gesehn hat: ›Ich habe nichts gesehn.‹[60] So legt er um seinetwillen oder um eines anderen willen oder von irgend einer sonstigen Absicht bewogen wissentlich falsches Zeugniss ab. Dann liebt er das Ausrichten. Was er hier gehört hat erzählt er dort wieder, um jene zu entzweien; oder was er dort gehört hat erzählt er hier wieder, um diese zu entzweien. So stiftet er Zwietracht unter Verbundenen und hetzt die Entzweiten auf. Hader erfreut ihn, Hader macht ihn froh, Hader befriedigt ihn, Hader erregende Worte spricht er. Dann gebraucht er barsche Worte, Reden, die spitzig und stechend sind, andere beleidigen, andere verletzen, Aeußerungen des Zornes, die zu keiner Einigung führen: solche Worte spricht er. Und er treibt müßiges Geplauder, spricht zur Unzeit, ohne Sinn, ohne Zweck, ohne Wahrheit, ohne Zucht; seine Rede ist nicht werth, dass man ihrer gedenke, sie ist ungehörig, ungebildet, unangemessen, unverständlich. Das ist, o Herr, ein Betragen in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Betragen in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da hat einer, o Herr, das Lügen verworfen, vom Lügen hält er sich fern. Vor Gericht, oder von den Leuten, oder unter Verwandten, oder in der Gesellschaft, {141} oder von königlichen Beamten als Augenzeuge vernommen und befragt: ›Wohl denn, lieber Mann, was du weißt, das sage‹, antwortet er, wenn er nichts weiß: ›Ich weiß nichts‹, und wenn er es weiß: ›Ich weiß es‹, wenn er nichts gesehn hat: ›Ich habe nichts gesehn‹, und wenn er es gesehn hat: ›Ich hab’ es gesehn.‹ So legt er um seinetwillen oder um eines anderen willen oder von irgend einer sonstigen Absicht bewogen wissentlich kein falsches Zeugniss ab. Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern. Was er hier gehört hat erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien; oder was er dort gehört hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien. So einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht erfreut ihn, Eintracht macht ihn froh, Eintracht befriedigt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er.[61] Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern. Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält er sich fern. Zur rechten Zeit spricht er, den Thatsachen gemäß, gehaltvoll, der Wahrheit getreu, der Zucht getreu; seine Rede ist werth, dass man ihrer gedenke, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, dem Gegenstande angemessen. Das ist, o Herr, ein Betragen in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Betragen in Worten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Worten‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Betragen in Gedanken, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Gedanken‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? {142} Ein Betragen, o Herr, in Gedanken, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, ein solches Betragen in Gedanken ist nicht zu betreiben. Ein Betragen aber, o Herr, in Gedanken, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Betragen in Gedanken ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Betragen in Gedanken, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o Herr, lüstern. Was ein anderer an Hab und Gut besitzt, danach giert er: ›Ach wenn doch sein Eigen das meine wäre!‹ Dann ist er gehässig, übelgesinnten Herzens: ›Diese Wesen sollen getödtet werden, sollen umgebracht werden, sollen zerstört werden, sollen vertilgt werden, sie sollen so nicht bleiben!‹ Das ist, o Herr, ein Betragen in Gedanken, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Betragen in Gedanken, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da ist einer, o Herr, nicht lüstern. Was ein anderer an Hab und Gut besitzt, danach giert er nicht: ›Ach wenn doch sein Eigen das meine wäre!‹ Dann ist er frei von Gehässigkeit, frei von Uebelwollen: ›Mögen diese Wesen ohne Hass, ohne Schmerz, ohne Quaal glücklich ihr Dasein bewahren!‹ Das ist, o Herr, ein Betragen in Gedanken, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Betragen in Gedanken, sag’ ich da, Mönche, {143} ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in Gedanken‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.[62]
»›Herzensentschließung, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Herzensentschließung‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Eine Herzensentschließung, o Herr, wobei sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, eine solche Herzensentschließung ist nicht zu betreiben. Eine Herzensentschließung aber, o Herr, wobei sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, eine solche Herzensentschließung ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für eine Herzensentschließung, wobei sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o Herr, lüstern und lässt sein Gemüth von Lüsternheit bewogen sein, ist gehässig und lässt sein Gemüth von Gehässigkeit bewogen sein, ist rachgierig und lässt sein Gemüth von Rachgier bewogen sein. Das ist, o Herr, eine Herzensentschließung, wobei sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für eine Herzensentschließung, wobei sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da ist einer, o Herr, nicht lüstern und lässt sein Gemüth nicht von Lüsternheit bewogen sein, ist nicht gehässig und lässt sein Gemüth nicht von Gehässigkeit bewogen sein, ist nicht rachgierig und lässt sein Gemüth nicht von Rachgier bewogen sein. Das ist, o Herr, eine Herzensentschließung, wobei sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Herzensentschließung, sag’ ich da, Mönche, {144} ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Herzensentschließung‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Verständniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Verständniss erlangen‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein Verständniss erlangen, o Herr, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, ein solches Verständniss erlangen ist nicht zu betreiben. Ein Verständniss erlangen aber, o Herr, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Verständniss erlangen ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Verständniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o Herr, lüstern und lässt seinen Verstand von Lüsternheit bewogen sein, ist gehässig und lässt seinen Verstand von Gehässigkeit bewogen sein, ist rachgierig und lässt seinen Verstand von Rachgier bewogen sein. Das ist, o Herr, ein Verständniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Verständniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da ist einer, o Herr, nicht lüstern und lässt seinen Verstand nicht von Lüsternheit bewogen sein, ist nicht gehässig und lässt seinen Verstand nicht von Gehässigkeit bewogen sein, ist nicht rachgierig und lässt seinen Verstand nicht von Rachgier bewogen sein. {145} Das ist, o Herr, ein Verständniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Verständniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Verständniss erlangen‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Erkenntniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Erkenntniss erlangen‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Eine Erkenntniss erlangen, o Herr, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, eine solche Erkenntniss erlangen ist nicht zu betreiben. Eine Erkenntniss erlangen aber, o Herr, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, eine solche Erkenntniss erlangen ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für eine Erkenntniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da hat einer, o Herr, diese Erkenntniss: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden — es ist alles eitel; es giebt keine Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits und Jenseits sind leere Worte; Vater und Mutter und auch geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ {146} Das ist, o Herr, eine Erkenntniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für eine Erkenntniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da hat einer, o Herr, diese Erkenntniss: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden ist kein Unsinn[63]; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es; die Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Das ist, o Herr, eine Erkenntniss erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Erkenntniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Erkenntniss erlangen‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Eigenschaft erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Eigenschaft erlangen‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Eine Eigenschaft erlangen, o Herr, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, eine solche Eigenschaft erlangen ist nicht zu betreiben. Eine Eigenschaft erlangen aber, o Herr, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, eine solche Eigenschaft erlangen ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für eine Eigenschaft erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? {147} Während einer, o Herr, beschwerhafte Eigenschaft erlangen zu können bemüht ist, mehren sich ihm in seiner Bedürftigkeit die unheilsamen Dinge und mindern sich die heilsamen Dinge. Das ist, o Herr, eine Eigenschaft erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.[64]
»Was ist es aber, o Herr, für eine Eigenschaft erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Während einer, o Herr, unbeschwerhafte Eigenschaft erlangen zu können bemüht ist, mindern sich ihm in seiner Unbedürftigkeit die unheilsamen Dinge und mehren sich die heilsamen Dinge. Das ist, o Herr, eine Eigenschaft erlangen, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. — ›Eigenschaft erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetzte Eigenschaft erlangen‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt. Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten.«
»Gut, gut, Sāriputto, gut hast du, Sāriputto, den kurzgefassten, nicht ausgeführten Sinn meiner Rede also ausführlich verstanden. Denn was ich, Sāriputto, in Kürze gesagt habe, {150} hat man also dem Inhalte nach ausführlich zu betrachten. — Durch das Auge wahrnehmbare Form, durch das Ohr wahrnehmbarer Ton, durch die Nase wahrnehmbarer Duft, durch die Zunge wahrnehmbarer Saft, durch den Leib wahrnehmbare Tastung, durch das Denken wahrnehmbares Ding, sag’ ich da, Sāriputto, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben.«[65]
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto also an den Erhabenen:
»Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten: ›Durch das Auge wahrnehmbare Form, durch das Ohr wahrnehmbarer Ton, durch die Nase wahrnehmbarer Duft, durch die Zunge wahrnehmbarer Saft, durch den Leib wahrnehmbare Tastung, durch das Denken wahrnehmbares Ding, sag’ ich da, Sāriputto, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Eine durch das Auge wahrnehmbare Form, o Herr, ein durch das Ohr wahrnehmbarer Ton, ein durch die Nase wahrnehmbarer Duft, ein durch die Zunge wahrnehmbarer Saft, eine durch den Leib wahrnehmbare Tastung, ein durch das Denken wahrnehmbares Ding, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, dergleichen ist nicht zu betreiben. Eine durch das Auge wahrnehmbare Form aber, o Herr, {151} ein durch das Ohr wahrnehmbarer Ton, ein durch die Nase wahrnehmbarer Duft, ein durch die Zunge wahrnehmbarer Saft, eine durch den Leib wahrnehmbare Tastung, ein durch das Denken wahrnehmbares Ding, wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, dergleichen ist zu betreiben. — ›Durch das Auge wahrnehmbare Form, durch das Ohr wahrnehmbarer Ton, durch die Nase wahrnehmbarer Duft, durch die Zunge wahrnehmbarer Saft, durch den Leib wahrnehmbare Tastung, durch das Denken wahrnehmbares Ding, sag’ ich da, Sāriputto, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt. Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten.«
»Gut, gut, Sāriputto, gut hast du, Sāriputto, den kurzgefassten, nicht ausgeführten Sinn meiner Rede also ausführlich verstanden. {153} Denn was ich, Sāriputto, in Kürze gesagt habe, hat man also dem Inhalte nach ausführlich zu betrachten. — Die Kleidung, die Almosenbissen, der Aufenthalt, ein Dorf, eine Burg, eine Stadt, ein Land, eine Person, sag’ ich da, Sāriputto, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto also an den Erhabenen:
»Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten: ›Die Kleidung, die Almosenbissen, der Aufenthalt, ein Dorf, eine Burg, eine Stadt, ein Land, eine Person, sag’ ich da, Sāriputto, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben‹: das ist da wohl vom Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Eine Kleidung, o Herr, Almosenbissen, Aufenthalt, ein Dorf, eine Burg, eine Stadt, ein Land, eine Person, wobei sich einem, indem man Umgang betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern, dergleichen Umgang ist nicht zu betreiben. {154} Eine Kleidung aber, o Herr, Almosenbissen, Aufenthalt, ein Dorf, eine Burg, eine Stadt, ein Land, eine Person, wobei sich einem, indem man Umgang betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, dergleichen Umgang ist zu betreiben. — ›Die Kleidung, die Almosenbissen, der Aufenthalt, ein Dorf, eine Burg, eine Stadt, ein Land, eine Person, sag’ ich da, Sāriputto, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt. Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten.«
»Gut, gut, Sāriputto, gut hast du, Sāriputto, den kurzgefassten, nicht ausgeführten Sinn meiner Rede also ausführlich verstanden. Denn was ich, Sāriputto, in Kürze gesagt habe, {156} hat man also dem Inhalte nach ausführlich zu betrachten. — Wenn auch alle, Sāriputto, der Fürsten den Sinn meiner kurzgefassten Rede also ausführlich verständen, so gereicht’ es auch allen den Fürsten lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle, Sāriputto, der Priester den Sinn meiner kurzgefassten Rede also ausführlich verständen, so gereicht’ es auch allen den Priestern lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle, Sāriputto, der Bürger den Sinn meiner kurzgefassten Rede also ausführlich verständen, so gereicht’ es auch allen den Bürgern lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle, Sāriputto, der Diener den Sinn meiner kurzgefassten Rede also ausführlich verständen, so gereicht’ es auch allen den Dienern lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch die Welt, Sāriputto, mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen den Sinn meiner kurzgefassten Rede also ausführlich verstände, so gereicht’ es auch der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen lange zum Wohle, zum Heile.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Sāriputto über das Wort des Erhabenen.[66]
115.
Zwölfter Theil
Fünfte Rede
VIEL DER ARTUNGEN
{157} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Jede Furcht, ihr Mönche, die da irgend ausbricht, bricht einzig vom Thoren aus und nicht vom Weisen, jede Angst, die da irgend ausbricht, bricht einzig vom Thoren aus und nicht vom Weisen, jeder Schreck, der da irgend ausbricht, bricht einzig vom Thoren aus und nicht vom Weisen. Gleichwie etwa, ihr Mönche, vom Rohrdach oder vom Strohdach eines Hauses Feuer entflackert und schon den Giebel ergreift und Wand und Mauer und Thürbalken und Fenstersparren: ebenso nun auch, ihr Mönche, bricht jede Furcht, die da irgend ausbricht, einzig vom Thoren aus und nicht vom Weisen, bricht jede Angst, die da irgend ausbricht, einzig vom Thoren aus und nicht vom Weisen, bricht jeder Schreck, der da irgend ausbricht, einzig vom Thoren aus und nicht vom Weisen. So ist denn, ihr Mönche, furchtsam der Thor, furchtlos der Weise, ängstlich der Thor, angstlos der Weise, schreckhaft der Thor, schrecklos der Weise. Nicht kann, ihr Mönche, vom Weisen Furcht ausgehn, nicht kann vom Weisen Angst ausgehn, nicht kann vom Weisen Schreck ausgehn. Darum also, ihr Mönche: ›Weise wollen wir sein und Forscher‹: so habt ihr, Mönche, euch wohl zu üben.«[67]
{158} Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Ānando also an den Erhabenen:
»Inwiefern aber kann man, o Herr, als Weisen einen Mönch und Forscher bezeichnen?«
»Sobald sich, Ānando, ein Mönch der Artungen kundig erweist, der Gebiete kundig erweist, der bedingten Entstehung kundig erweist, des Möglichen und Unmöglichen kundig erweist, kann man insofern, Ānando, als Weisen einen Mönch und Forscher bezeichnen.«
»Und inwiefern kann man, o Herr, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen?«
»Achtzehn sind es, Ānando, der Artungen: Art des Auges, Art der Form, Art des Sehbewusstseins; Art des Ohres, Art des Tones, Art des Hörbewusstseins; Art der Nase, Art des Duftes, Art des Riechbewusstseins; Art der Zunge, Art des Saftes, Art des Schmeckbewusstseins; Art des Leibes, Art der Tastung, Art des Tastbewusstseins; Art des Denkens, Art des Dinges, Art des Denkbewusstseins. Das sind, Ānando, achtzehn Artungen. Um deren Kenntniss und Verständniss kann man wohl insofern, Ānando, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Giebt es aber, o Herr, noch eine andere Weise, wie man als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen kann?«
»Freilich, Ānando. Sechs sind es, Ānando, der Artungen: Art der Erde, Art des Wassers, Art des Feuers, Art der Luft, Art des Raumes, Art des Bewusstseins. Das sind, Ānando, sechs Artungen. Um deren Kenntniss und Verständniss kann man auch insofern, Ānando, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Giebt es aber, o Herr, noch eine andere Weise, wie man als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen kann?«
»Freilich, Ānando. Sechs sind es, Ānando, der Artungen: Art der Freude, Art des Leides, Art des Frohsinns, Art des Trübsinns, Art des Gleichmuths, Art des Unwissens. Das sind, Ānando, sechs Artungen. {159} Um deren Kenntniss und Verständniss kann man auch insofern, Ānando, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Giebt es aber, o Herr, noch eine andere Weise, wie man als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen kann?«
»Freilich, Ānando. Sechs sind es, Ānando, der Artungen: Art der Begehrung, Art der Entsagung, Art des Verabscheuens, Art des Geduldens, Art des Ingrimms, Art der Milde. Das sind, Ānando, sechs Artungen. Um deren Kenntniss und Verständniss kann man auch insofern, Ānando, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Giebt es aber, o Herr, noch eine andere Weise, wie man als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen kann?«
»Freilich, Ānando. Drei sind es, Ānando, der Artungen: geschlechtliche Art, formhafte Art, formlose Art. Das sind, Ānando, drei Artungen. Um deren Kenntniss und Verständniss kann man auch insofern, Ānando, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen.«[68]
»Giebt es aber, o Herr, noch eine andere Weise, wie man als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen kann?«
»Freilich, Ānando. Zwei sind es, Ānando, der Artungen: zusammengesetzte Art und nicht zusammengesetzte Art. Das sind, Ānando, zwei Artungen. Um deren Kenntniss und Verständniss kann man auch insofern, Ānando, als der Artungen kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Inwiefern aber kann man, o Herr, als der Gebiete kundig einen Mönch bezeichnen?«
»Sechs sind es wieder, Ānando, der Innen- und Außengebiete: das Auge und die Formen, das Ohr und die Töne, die Nase und die Düfte, die Zunge und die Säfte, der Leib und die Tastungen, das Denken und die Dinge. Das sind, Ānando, die sechs Innen- und Außengebiete. Um deren Kenntniss und Verständniss kann man wieder insofern, Ānando, als der Gebiete kundig einen Mönch bezeichnen.«[69]
»Und inwiefern kann man, o Herr, als der bedingten Entstehung kundig einen Mönch bezeichnen?«
»{160} Da hat, Ānando, ein Mönch diese Kenntniss: ›Wenn Jenes ist wird Dieses, durch die Entstehung von Jenem entsteht Dieses; wenn Jenes nicht ist wird Dieses nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst. Und zwar: aus Unwissen entstehn Unterscheidungen, aus Unterscheidungen entsteht Bewusstsein, aus Bewusstsein entsteht Bild und Begriff[70], aus Bild und Begriff entsteht sechsfaches Gebiet, aus sechsfachem Gebiet entsteht Berührung, aus Berührung entsteht Gefühl, aus Gefühl entsteht Durst, aus Durst entsteht Anhangen, aus Anhangen entsteht Werden, aus Werden entsteht Geburt, aus Geburt gehn Altern und Sterben, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsinn, Verzweiflung hervor: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung zustande. Ist aber eben Unwissen ohne Reiz, ohne Ueberrest aufgelöst lösen sich Unterscheidungen auf, sind Unterscheidungen aufgelöst löst sich Bewusstsein auf, ist Bewusstsein aufgelöst löst sich Bild und Begriff auf, ist Bild und Begriff aufgelöst löst sich sechsfaches Gebiet auf, ist sechsfaches Gebiet aufgelöst löst sich Berührung auf, ist Berührung aufgelöst löst sich Gefühl auf, ist Gefühl aufgelöst löst sich Durst auf, ist Durst aufgelöst löst sich Anhangen auf, ist Anhangen aufgelöst löst sich Werden auf, ist Werden aufgelöst löst sich Geburt auf, ist Geburt aufgelöst lösen sich Altern und Sterben, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsinn, Verzweiflung auf: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Auflösung zustande.‹ Insofern kann man, Ānando, als der bedingten Entstehung kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Und inwiefern kann man, o Herr, als des Möglichen und Unmöglichen kundig einen Mönch bezeichnen?«
»Da weiß, Ānando, ein Mönch: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch irgend eine Unterscheidung als unvergänglich angehn mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹[71]; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch {161} irgend eine Unterscheidung als unvergänglich angehn mag: ein solcher Fall kommt vor.‹ Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch irgend eine Unterscheidung als erfreulich angehn mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹[72]; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch irgend eine Unterscheidung als erfreulich angehn mag: ein solcher Fall kommt vor.‹ Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch irgend ein Ding als eigen angehn mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹[73]; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch irgend ein Ding als eigen angehn mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch die Mutter oder den Vater des Lebens berauben mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch die Mutter oder den Vater des Lebens berauben mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch einen Heiligen des Lebens berauben oder in übler Absicht das Blut eines Vollendeten vergießen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch einen Heiligen des Lebens berauben oder in übler Absicht das Blut eines Vollendeten vergießen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, {162} dass ein erkenntnissbegabter Mensch unter den Brüdern Zwietracht anstiften oder einen anderen Meister erwählen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch unter den Brüdern Zwietracht anstiften oder einen anderen Meister erwählen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass in ein und derselben Weltordnung zwei Heilige, vollkommen Erwachte zugleich auftreten mögen: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass in ein und derselben Weltordnung ein Heiliger, vollkommen Erwachter auftreten mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass in ein und derselben Weltordnung zwei Könige als Erderoberer zugleich auftreten mögen[74]: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass in ein und derselben Weltordnung ein König als Erderoberer auftreten mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass das Weib einen Heiligen, vollkommen Erwachten oder einen König Erderoberer darstellen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der Mann einen Heiligen, vollkommen Erwachten oder einen König Erderoberer darstellen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass das Weib Herrschaft über den Himmel, Herrschaft über die Natur, Herrschaft über die Geister erlangen mag[75]: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: {163} ›Möglich aber ist es wohl, dass der Mann Herrschaft über den Himmel, Herrschaft über die Natur, Herrschaft über die Geister erlangen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass aus schlechtem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine ersehnte, erwünschte, erfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass aus schlechtem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine unersehnte, unerwünschte, unerfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass aus gutem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine unersehnte, unerwünschte, unerfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass aus gutem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine ersehnte, erwünschte, erfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass wer schlechten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass wer schlechten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, {164} eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass wer guten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Verderbniss, in höllische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass wer guten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Insofern kann man, Ānando, als des Möglichen und Unmöglichen kundig einen Mönch bezeichnen.«
Nach dieser Rede wandte sich der ehrwürdige Ānando {165} also an den Erhabenen:
»Erstaunlich, o Herr, außerordentlich, o Herr! Welchen Namen, o Herr, soll diese Darstellung führen?«
»Wohlan denn, Ānando, so bewahre diese Darstellung unter dem Namen Viel der Artungen, oder bewahre sie als die Vierfache Reihe, oder bewahre sie als den Spiegel der Lehre, oder bewahre sie als die Trommel der Ewigkeit, oder bewahre sie als den Unvergleichlichen Siegeskampf.«[76]
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.
116.
Zwölfter Theil
Sechste Rede
AM SEHERSCHLUNDE
{166} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, am Seherschlunde, im Gebirge. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Seht ihr wohl, Mönche, dort den Brockenstein?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jener Brockenstein, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort das Graue Horn?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jenes Graue Horn, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort das Breite Joch?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jenes Breite Joch, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort den Geierkulm?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jener Geierkulm, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, diesen Berg, den Seherschlund?«
»Ja, o Herr!«
»Dieser Berg nun, ihr Mönche, der Seherschlund, ist noch ebenso genannt, ebenso geheißen.[77]
»Einst hatten, ihr Mönche, fünf der hunderte einzeln Erwachter[78] an diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch sich angesiedelt. Diese hatte man zum Berge hinschreiten sehn und nicht mehr wiederkehren. Und die Leute blickten nach ihm und sagten: ›Der Berg hat die Seher verschlungen‹ — {167} Seherschlund, Seherschlund wurde er eben da genannt.
»Aufweisen will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter, kundmachen will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter, angeben will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter: höret es und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Kämpe war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Oberkämpe war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Kronenscheitel war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Ruhmeswerth war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Gerngesehn war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Gnadenreich war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Elfenleicht war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Bettelarm war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Oberheld war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Tieferborn[79] war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Sogewahr war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Ohrenzeuge war, ihr Mönche, {168} ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Eigenwart war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen.
»Die wahrhaft weilten, ohne Harm und Hoffen, Je einzeln einst Erwachung sich gewannen, Das Ziel des Menschen marterlos ermaaßen, Die Nahmen solcher sollt ihr nun vernehmen. »Ein Kämpe, Oberkämpe, Kronenscheitelhaupt, Ein Ruhmeswerth, ein Gerngesehn, ein Gnadenreich, Ein Elfenleicht und Bettelarm und Oberheld, Ein Tieferborn und Sogewahr, Ein Ohrenzeuge, Eigenwart. {169} »Das waren, und noch andre, Machtgebieter, Erwacht je einzeln, Daseinsquellversieger, Urseher, allen Zwanges Ueberwinder: Den Wahnerloschnen Gruß, den Unbegränzten.«[80]
117.
Zwölfter Theil
Siebente Rede
VIERZIGMÄCHTIG
{170} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Was ist also, ihr Mönche, heilige rechte Vertiefung mit ihrem Gefolge, mit ihrer Begleitung? Es ist da rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht: eine von diesen sieben Gliedern, ihr Mönche, begleitete Einheit des Herzens, die heißt man, ihr Mönche, heilige rechte Vertiefung, und zwar mit ihrem Gefolge, und zwar mit ihrer Begleitung.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Erkenntniss gewahrt man als falsche Erkenntniss, rechte Erkenntniss gewahrt man als rechte Erkenntniss: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Erkenntniss? ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden — es ist alles eitel; es giebt keine Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits und Jenseits sind leere Worte; Vater und Mutter und auch geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, {171} anschaulich vorstellen und erklären können‹: das ist, ihr Mönche, falsche Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Erkenntniss? Rechte Erkenntniss, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden ist kein Unsinn; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es; die Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können‹: das ist, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, Weisheit, fähige Weisheit, vermögende Weisheit ist, Ergründung der Wahrheit, die zur Erwachung führt, eine rechte Erkenntniss, die auf dem Wege zu finden ist: das ist, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche Erkenntniss zu verlieren, rechte Erkenntniss zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsche Erkenntniss hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Erkenntniss: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um die rechte Erkenntniss aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntniss, {172} rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Gesinnung gewahrt man als falsche Gesinnung, rechte Gesinnung gewahrt man als rechte Gesinnung: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Gesinnung? Sinnende Lust, sinnender Groll, sinnende Wuth: das ist, ihr Mönche, falsche Gesinnung. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Gesinnung? Rechte Gesinnung, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Entsagung sinnen, keinen Groll hegen, keine Wuth hegen: das ist, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, Denken und Bedenken, Nachsinnen, Greifen und Begreifen, geistiges Ausgestalten und Zwiegespräch ist: das ist, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche Gesinnung zu verlieren, rechte Gesinnung zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen läßt man falsche Gesinnung hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Gesinnung: das gilt einem als rechte Einsicht. {173} So haben sich einem diese drei Dinge um die rechte Gesinnung aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntnis, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Rede gewahrt man als falsche Rede, rechte Rede gewahrt man als rechte Rede: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Rede? Lüge, Verleumdung, barsche Worte, Geschwätz: das ist, ihr Mönche, falsche Rede. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Rede? Rechte Rede, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Lüge vermeiden, Verleumdung vermeiden, barsche Worte vermeiden, Geschwätz vermeiden: das ist, ihr Mönche, eine rechte Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, eben den vier Arten übler Rede gegenüber sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. {174} Da ist man eifrig bemüht falsche Rede zu verlieren, rechte Rede zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsche Rede hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Rede: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um die rechte Rede aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsches Handeln gewahrt man als falsches Handeln, rechtes Handeln gewahrt man als rechtes Handeln: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsches Handeln? Lebendiges umbringen, Nichtgegebenes nehmen, Ausschweifung begehn: das ist, ihr Mönche, falsches Handeln. Was ist nun, ihr Mönche, rechtes Handeln? Rechtes Handeln, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Man kann, ihr Mönche, Lebendiges umzubringen vermeiden, Nichtgegebenes zu nehmen vermeiden, Ausschweifung zu begehn vermeiden: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, eben den drei Arten üblen Handelns gegenüber sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da {175} ist man eifrig bemüht falsches Handeln zu verlieren, rechtes Handeln zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsches Handeln hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechtes Handeln: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um das rechte Handeln aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsches Wandeln gewahrt man als falsches Wandeln, rechtes Wandeln gewahrt man als rechtes Wandeln: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsches Wandeln? Hintergehn, verrathen, bezichtigen, auskundschaften, Vortheil um Vortheil erwuchern: das ist, ihr Mönche, falsches Wandeln. Was ist nun, ihr Mönche, rechtes Wandeln? Rechtes Wandeln, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Da hat, ihr Mönche, der heilige Jünger falschen Wandel verlassen und fristet sein Leben auf rechte Weise: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, eben dem falschen Wandeln gegenüber sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsches Wandeln zu verlieren, rechtes Wandeln zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. {176} Besonnen lässt man falsches Wandeln hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechtes Wandeln: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um das rechte Wandeln aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntnis, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Dem recht Erkennenden, ihr Mönche, kommt rechte Gesinnung zu, dem recht Gesinnten kommt rechte Rede zu, dem recht Redenden kommt rechtes Handeln zu, dem recht Handelnden kommt rechtes Wandeln zu, dem recht Wandelnden kommt rechtes Mühn zu, dem recht Bemühten kommt rechte Einsicht zu, dem recht Besonnenen kommt rechte Vertiefung zu, dem recht Vertieften kommt rechtes Wissen zu, dem recht Bewussten kommt rechte Erlösung zu. So wird, ihr Mönche, der achtfach gerüstete Kämpfer zum zehnfach gerüsteten Heiligen.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Der recht Erkennende, ihr Mönche, hat falsche Erkenntniss überstanden: und was da aus falscher Erkenntniss mancherlei Uebles, Unheilsames hervorgehen kann, auch das hat er überstanden; und aus rechter Erkenntniss kann da mancherlei Heilsames zu vollkommener Reife sich entwickeln. Der recht Gesinnte, ihr Mönche, der recht Redende, recht Handelnde, recht Wandelnde, recht Bemühte, recht Besonnene, recht Vertiefte, recht Bewusste, recht Erlöste hat falsche Gesinnung, {177} falsche Rede, falsches Handeln, falsches Wandeln, falsche Mühe, falsche Einsicht, falsche Vertiefung, falsches Wissen, falsche Erlösung überstanden: und was da aus falscher Gesinnung, falscher Rede, falschem Handeln, falschem Wandeln, falschem Mühn, falscher Einsicht, falscher Vertiefung, falschem Wissen, falscher Erlösung mancherlei Uebles, Unheilsames hervorgehn kann, auch das hat er überstanden; und aus rechter Gesinnung, rechter Rede, rechtem Handeln, rechtem Wandeln, rechtem Mühn, rechter Einsicht, rechter Vertiefung, rechtem Wissen, rechter Erlösung kann da mancherlei Heilsames zu vollkommener Reife sich entwickeln.