FÜNFZEHNTER THEIL BUCH DES SECHSFACHEN GEBIETES
Karl Eugen Neumann translation
143.
Fünfzehnter Theil
Erste Rede
ANĀTHAPIṆḌIKO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Um diese Zeit nun war Anāthapiṇḍiko der Hausvater unwohl geworden, leidend, schwerkrank. Und Anāthapiṇḍiko der Hausvater wandte sich an einen seiner Leute:
»Geh’, lieber Mann, und begieb dich zum Erhabenen hin und bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar: ›Anāthapiṇḍiko, o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar‹; dann geh’ zum ehrwürdigen Sāriputto hin und bring’ dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen meinen Gruß dar: ›Anāthapiṇḍiko, o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen Gruß dar;‹ {424} und füge hinzu: ›gut wär’ es‹, sagt’ er, o Herr, ›wenn der ehrwürdige Sāriputto sich zur Wohnung Anāthapiṇḍiko des Hausvaters begeben wollte, von Mitleid bewogen.‹«
»Wohl, o Herr!« entgegnete da gehorsam jener Mann Anāthapiṇḍiko dem Hausvater. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach er also zum Erhabenen:
»Anāthapiṇḍiko, o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar.«
Dann begab er sich zum ehrwürdigen Sāriputto hin, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach er also zum ehrwürdigen Sāriputto:
»Anāthapiṇḍiko, o Herr, der Hausvater, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen Gruß dar; und er lässt sagen, gut wär’ es, o Herr, wenn der ehrwürdige Sāriputto sich zur Wohnung Anāthapiṇḍiko des Hausvaters begeben wollte, von Mitleid bewogen.«
Schweigend gewährte der ehrwürdige Sāriputto die Bitte.
Und der ehrwürdige Sāriputto rüstete sich, nahm Mantel und Schaale und begab sich, gefolgt vom ehrwürdigen Ānando, zur Wohnung Anāthapiṇḍiko des Hausvaters. Dort angelangt nahm er auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und er wandte sich also an Anāthapiṇḍiko den Hausvater:
»Fühlst du dich, Hausvater, schon wohler, geht es dir etwas besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man, dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«
»Nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, {425} heftig nehmen die Schmerzen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn ein starker Mann mit scharfer Dolchspitze die Schädeldecke zerhämmerte, ebenso nun auch, werther Sāriputto, schlagen mir überheftige Strömungen auf die Schädeldecke auf: nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn ein starker Mann feste Riemenstränge auf dem Kopfe peitschend tanzen ließe, ebenso nun auch, werther Sāriputto, hab’ ich im Kopfe betäubende Kopfgefühle: nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle mit scharfem Schlachtmesser den Bauch durchschlitzte, ebenso nun auch, werther Sāriputto, schneiden mir überheftige Strömungen durch den Bauch: nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, werther Sāriputto, wenn zwei starke Männer einen schwächeren Mann an beiden Armen ergriffen und in eine Grube voll glühender Kohlen hineinquälten, hineinrollten, ebenso nun auch, werther Sāriputto, hab’ ich im Körper überheftig glühende Quaal: nicht fühl’ ich mich, werther Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, heftig nehmen die Schmerzen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen.«
{426} »Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Das Auge werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an das Auge gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Das Ohr werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an das Ohr gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Die Nase werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an die Nase gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Die Zunge werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an die Zunge gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Den Leib werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an den Leib gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Den Geist werd’ ich nicht anhangen lassen, und nicht an den Geist gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Form werd’ ich anhangen, und keiner Form verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Tone werd’ ich anhangen, und keinem Tone verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Dufte werd’ ich anhangen, und keinem Dufte verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Safte werd’ ich anhangen, und keinem Safte verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Tastung werd’ ich anhangen, und keiner Tastung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Dinge werd’ ich anhangen, und keinem Dinge verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Sehbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Sehbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: {427} ›Keinem Hörbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Hörbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Riechbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Riechbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Schmeckbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Schmeckbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Tastbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Tastbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Denkbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Denkbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Sehberührung werd’ ich anhangen, und keiner Sehberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Hörberührung werd’ ich anhangen, und keiner Hörberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Riechberührung werd’ ich anhangen, und keiner Riechberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Schmeckberührung werd’ ich anhangen, und keiner Schmeckberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Tastberührung werd’ ich anhangen, und keiner Tastberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Denkberührung werd’ ich anhangen, und keiner Denkberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Sehberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Sehberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Hörberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Hörberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Riechberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Riechberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Schmeckberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Schmeckberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Tastberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Tastberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Denkberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Denkberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Erdenart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Erdenart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: {428} ›Der Wasserart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Wasserart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Feuerart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Feuerart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Luftart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Luftart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Raumart werd’ ich nicht anhangen und nicht an Raumart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Art des Bewusstseins werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Art des Bewusstseins gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Form werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Form gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Dem Gefühle werd’ ich nicht anhangen, und nicht an das Gefühl gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Wahrnehmung werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Wahrnehmung gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Den Unterscheidungen werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Unterscheidungen gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Dem Bewusstsein werd’ ich nicht anhangen, und nicht an das Bewusstsein gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der unbegränzten Raumsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die unbegränzte Raumsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der unbegränzten Bewusstseinsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die unbegränzte Bewusstseinsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Nichtdaseinsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Nichtdaseinsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Nicht dieser Welt werd’ ich anhangen, und nicht an diese Welt gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Nicht jener Welt werd’ ich anhangen, und nicht an jene Welt gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. {429} Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Und was ich gesehn, gehört, gedacht, erkannt, untersucht, im Geiste erforscht habe, auch daran werd’ ich nicht hangen, und nicht daran gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.«
Auf diese Rede kam Anāthapiṇḍiko den Hausvater Seufzen an und Thränen traten ihm in die Augen. Da wandte sich denn der ehrwürdige Ānando also an Anāthapiṇḍiko den Hausvater:
»Beruhige dich, o Hausvater, beschwichtige dich, o Hausvater!«
»Ich kann mich, werther Ānando, nicht beruhigen, nicht beschwichtigen: hab’ ich doch lange Zeiten hindurch dem Meister gedient und geistesmächtigen Mönchen, und habe nie zuvor eine so tief gedachte Rede vernommen.«
»Es ist, o Hausvater, weiß gekleideten Hausleuten so tief gedachte Rede nicht klar genug: Asketen, Hausvater, ist sie klar genug.«
»Doch mag eben, werther Sāriputto, auch weiß gekleideten Hausleuten so tief gedachte Rede klar genug sein. Es giebt ja, werther Sāriputto, edle Söhne, die nicht ganz verdorben sind: hören die solche Dinge nicht, verlieren sie sich; die werden es verstehn.«
Als da nun Anāthapiṇḍiko der Hausvater mit dieser Belehrung belehrt worden, standen Sāriputto und Ānando die Ehrwürdigen von ihren Sitzen auf und entfernten sich.
Bald aber, nachdem Sāriputto und Ānando die Ehrwürdigen fortgegangen, starb Anāthapiṇḍiko der Hausvater und kehrte in Sälige Gestalt wieder.[201]
144.
Fünfzehnter Theil
Zweite Rede
CHANNO
{431} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Um diese Zeit aber hielt sich der ehrwürdige Sāriputto und der ehrwürdige Mahācundo und der ehrwürdige Channo im Gebirge, am Geierkulm auf. Damals war nun der ehrwürdige Channo unwohl geworden, leidend, schwerkrank.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der ehrwürdige Mahācundo weilte, und er sprach also zu ihm:
»Komm’, Bruder Cundo, wir wollen den ehrwürdigen Channo besuchen, {432} nach seinem Befinden uns erkundigen.«
»Gern, Bruder!« erwiderte da der ehrwürdige Mahācundo, dem ehrwürdigen Sāriputto gehorchend.
Und der ehrwürdige Sāriputto begab sich nun mit dem ehrwürdigen Mahācundo dorthin wo der ehrwürdige Channo weilte. Dort angelangt tauschten sie höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit einander und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun der ehrwürdige Sāriputto also an den ehrwürdigen Channo:
»Fühlst du dich, Bruder Channo, schon wohler, geht es dir etwas besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man, dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«
»Nicht fühl’ ich mich, Bruder Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, heftig nehmen die Schmerzen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. — {433} Zur Waffe, Bruder Sāriputto, werde ich greifen[202], nicht länger begehr’ ich das Leben.«
»Nicht möge der ehrwürdige Channo zur Waffe greifen, fristen möge sich der ehrwürdige Channo, wir bitten den ehrwürdigen Channo sich zu fristen. Wenn der ehrwürdige Channo geeigneter Nahrung ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo geeignete Nahrung zu verschaffen suchen; wenn der ehrwürdige Channo geeigneter Arzenei ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo geeignete Arzenei zu verschaffen suchen; wenn der ehrwürdige Channo entsprechender Aufwartung ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo Aufwärter sein. Nicht möge der ehrwürdige Channo zur Waffe greifen, fristen möge sich der ehrwürdige Channo, wir bitten den ehrwürdigen Channo sich zu fristen.«
»Nein, Bruder Sāriputto, ich ermangle keiner geeigneten Nahrung, ermangle keiner geeigneten Arzenei, ermangle keiner entsprechenden Aufwartung. Doch ist nun, Bruder Sāriputto, {434} der Meister seit langem bedient, anmuthig nur, nicht unmuthig: das kommt ja, Bruder Sāriputto, einem Jünger zu, dass er den Meister nur anmuthig bediene, nicht unmuthig. ›Untadelhaft wird Channo der Mönch zur Waffe greifen‹: das magst du, Bruder Sāriputto, also dir merken.«
»Wir hätten noch einige Fragen an den ehrwürdigen Channo, wenn uns der ehrwürdige Channo darauf Antwort geben will.«
»Frage, Bruder Sāriputto: dann werden wir sehn.«
»Beim Auge, Bruder Channo, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen, gewahrst du da wohl: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹? beim Ohre, Bruder Channo, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen, gewahrst du da wohl: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Beim Auge, Bruder Sāriputto, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen gewahr’ ich da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; beim Ohre, Bruder Sāriputto, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen gewahr’ ich da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹.«
»Beim Auge, Bruder Channo, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen hast du was gesehn, was verstanden und gewahrst da wohl: {435} ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹? beim Ohre, Bruder Channo, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen hast du was gesehn, was verstanden und gewahrst da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹?«
»Beim Auge, Bruder Sāriputto, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen hab’ ich die Auflösung gesehn, die Auflösung verstanden und gewahre da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; beim Ohre, Bruder Sāriputto, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen hab’ ich die Auflösung gesehn, die Auflösung verstanden und gewahre da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Mahācundo also an den ehrwürdigen Channo:
Als da nun der ehrwürdige Channo mit dieser Ansprache angesprochen worden, standen Sāriputto und Mahācundo die Ehrwürdigen von ihren Sitzen auf und schritten von dannen.
Bald aber, nachdem Sāriputto und Mahācundo die Ehrwürdigen fortgegangen, hat der ehrwürdige Channo zur Waffe gegriffen.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Der ehrwürdige Channo, o Herr, hat zur Waffe gegriffen. Wo ist er jetzt, was ist aus ihm geworden?«
»Hat dir denn nicht, Sāriputto, Channo der Mönch selber schon untadelig sein erklärt?«
»Es liegt, o Herr, ein Ort, Pubbajiram geheißen, im Vajji-Gebiete. Dort wohnen die Freunde, wohnen die Genossen des ehrwürdigen Channo: denen gilt es als Tadel.«
»Es giebt ja wohl dort, Sāriputto, solche Freunde, solche Genossen von Channo dem Mönche, denen es als Tadel gilt. Ich sage nicht, Sāriputto, dass man darum Tadel habe. Wer da, Sāriputto, den einen Körper ablegt und einen anderen Körper annimmt, der, sag’ ich, ist tadelhaft. Das gilt von Channo dem Mönche nicht. Untadelhaft hat Channo der Mönch zur Waffe gegriffen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Sāriputto über das Wort des Erhabenen.[203]
145.
Fünfzehnter Theil
Dritte Rede
PUṆṆO
{437} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun begab sich der ehrwürdige Puṇṇo gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Puṇṇo zum Erhabenen also:
»Huldreich, o Herr, möge mir der Erhabene in der Kürze eine Anleitung geben, dass ich, vom Erhabenen recht gewiesen, einsam, abgesondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste weilen kann.«
»Wohlan denn, Puṇṇo, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Puṇṇo aufmerksam zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Es giebt, Puṇṇo, durch das Gesicht ins Bewusstsein tretende Formen, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in Liebe und Freude und Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in Liebe und Freude und Neigung sich zukehrt, Lust auf; ist Lust aufgegangen geht Leid auf: das, Puṇṇo, sage ich. Es giebt, Puṇṇo, durch das Gehör ins Bewusstsein tretende Töne, durch den Geruch ins Bewusstsein tretende Düfte, durch den Geschmack ins Bewusstsein tretende Säfte, durch das Getast ins Bewusstsein tretende Tastungen, durch das Gedenken ins Bewusstsein tretende Dinge, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in Liebe und Freude und Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in Liebe und Freude und Neigung sich zukehrt, Lust auf; ist Lust aufgegangen geht Leid auf: das, Puṇṇo, sage ich. — {438} Es giebt, Puṇṇo, durch das Gesicht ins Bewusstsein tretende Formen, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung sich zukehrt, Lust unter; ist Lust untergegangen geht Leid unter: das, Puṇṇo, sage ich. Es giebt, Puṇṇo, durch das Gehör ins Bewusstsein tretende Töne, durch den Geruch ins Bewusstsein tretende Düfte, durch den Geschmack ins Bewusstsein tretende Säfte, durch das Getast ins Bewusstsein tretende Tastungen, durch das Gedenken ins Bewusstsein tretende Dinge, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung sich zukehrt, Lust unter; ist Lust untergegangen geht Leid unter: das, Puṇṇo, sage ich. — So hab’ ich nun, Puṇṇo, dir in der Kürze eine Anleitung gegeben. In was für einem Lande wirst du weilen?«
»Da ich, o Herr, vom Erhabenen in der Kürze eine solche Anleitung erhalten, werde ich mich nach dem Lande der westlichen Suner, wie man sie nennt, begeben und dort weilen.«
»Ein wildes Volk, Puṇṇo, sind die westlichen Suner, ein rohes Volk, Puṇṇo, sind die westlichen Suner. Wenn dich, Puṇṇo, die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, wie wird dir dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Fäusten schlagen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen werden, wie wird dir wohl dann, {439} Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Steinen werfen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Steinen werfen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Steinen werfen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Stöcken prügeln.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Stöcken prügeln werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Stöcken prügeln werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Säbeln treffen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Säbeln treffen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Säbeln treffen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Säbelhieben umbringen.‹ {440} Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Es giebt Jünger des Erhabenen, die Leib und Leben verabscheuen und verachten, tödtliche Waffe zu finden suchen: die hab’ ich nun, diese tödtliche Waffe, und ohne sie zu suchen, gefunden.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Recht so, recht so, Puṇṇo. Imstande sein wirst du, Puṇṇo, mit so milder Geduld begabt, im Lande der westlichen Suner zu weilen. Wie es dir nun, Puṇṇo, belieben mag.«
Und der ehrwürdige Puṇṇo, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand von seinem Sitze auf, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum, räumte sein Lager zusammen, nahm Mantel und Almosenschaale und zog hinweg, dem Lande der westlichen Suner entgegen. Von Ort zu Ort weiter wandernd kam er allmälig hin.
Da war denn nun der ehrwürdige Puṇṇo im Lande der westlichen Suner gesiedelt. Und der ehrwürdige Puṇṇo hatte da schon während der Regenzeit gegen fünfhundert Anhänger zu gewinnen vermocht, hatte da schon während der Regenzeit gegen fünfhundert Anhängerinen zu gewinnen vermocht, hatte da schon während der Regenzeit das dreifache Wissen sich offenbar gemacht.[204] Und der ehrwürdige Puṇṇo war nach einiger Zeit vom Wahne erloschen.
Aber gar manche Mönche begaben sich nun zum Erhabenen hin, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen sie zum Erhabenen also:
{441} »Der da, o Herr, Puṇṇo genannt war, der edle Sohn, dem der Erhabene in der Kürze eine Anleitung gegeben hatte, der ist gestorben. Wo ist er jetzt, was ist aus ihm geworden?«
»Weise, ihr Mönche, ist Puṇṇo der edle Sohn gewesen, nachgefolgt ist er der Lehre gelehrig, und nicht hat er an meiner Belehrung Anstoß genommen. Vom Wahne erloschen, ihr Mönche, ist Puṇṇo der edle Sohn.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[205]
146.
Fünfzehnter Theil
Vierte Rede
NANDAKO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun begab sich Mahāpajāpatī die Gotamidin, gefolgt von einer Schaar von fünfhundert Nonnen, zum Erhabenen hin, bot ehrerbietigen Gruß dar und stellte sich seitwärts. Seitwärts stehend sprach nun Mahāpajāpatī die Gotamidin zum Erhabenen also:
»Belehren möge, o Herr, der Erhabene die Nonnen, unterrichten möge, o Herr, der Erhabene die Nonnen, spenden möge, o Herr, der Erhabene den Nonnen ein lehrreiches Gespräch!«
Damals nun lag es den Ordensälteren, der Reihe nach, ob, den Nonnen Vortrag zu halten. Als aber die Reihe an den ehrwürdigen Nandako gekommen war, mochte dieser den Nonnen keinen Vortrag halten.
Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:
»An wem ist doch, Ānando, heute die Reihe, den Nonnen Vortrag zu halten?«
{442} »Wir alle, o Herr, haben schon der Reihe nach den Nonnen Vortrag gehalten. Der ehrwürdige Nandako hier, o Herr, der mag den Nonnen keinen Vortrag halten.«
Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Nandako:
»Belehre, Nandako, die Nonnen, unterrichte, Nandako, die Nonnen, spende du, Heiliger, den Nonnen ein lehrreiches Gespräch.«
»Wohl, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Nandako, dem Erhabenen gehorchend. Und er rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Schaale und ging nach Sāvatthī um Almosenspeise. Als er dort, von Haus zu Hause tretend, Almosen erhalten, kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann selbander nach dem Königsgarten.
Es sahn aber jene Nonnen den ehrwürdigen Nandako von ferne herankommen, und als sie ihn gesehn stellten sie einen Stuhl zurecht und Wasser für die Füße. Es setzte sich der ehrwürdige Nandako auf den angebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Nonnen boten nun dem ehrwürdigen Nandako ehrerbietigen Gruß dar und setzten sich seitwärts hin. Zu jenen Nonnen, die da seitwärts saßen, sprach der ehrwürdige Nandako also:
»Ein Gespräch, ihr Schwestern, mit Frage und Antwort mag stattfinden. Da habt ihr, versteht ihr es, ›Wir verstehn es‹ zu sagen; versteht ihr es nicht, ›Wir verstehn es nicht‹ zu sagen. Hat aber eine etwa einen Zweifel oder ein Bedenken, so bin ich eben da um gefragt zu werden: ›Wie ist das, o Herr, was ist der Sinn davon?‹«
»Wir wissen es, o Herr, dem ehrenreichen Nandako gar froh zu Danke, dass uns der ehrenreiche Nandako dies gestattet.«
»Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Auge unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: {443} ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Ohr, die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Wir haben es ja schon vormals, o Herr, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar gesehn: ›So und so sind bei mir die sechs inneren Gebiete vergänglich.‹«
»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Was meint ihr wohl, Schwestern: sind die Formen unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Schwestern: sind die Töne, die Düfte, die Säfte, die Tastungen, die Gedanken unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
{444} »Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Wir haben es ja schon vormals, o Herr, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar gesehn: ›So und so sind bei mir die sechs äußeren Gebiete vergänglich.‹«
»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Sehbewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Hörbewusstsein, das Riechbewusstsein, das Schmeckbewusstsein, das Tastbewusstsein, das Denkbewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Wir haben es ja schon vormals, o Herr, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar gesehn: ›So und so sind bei mir die sechs bewusstsamen Reiche vergänglich.‹«
»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Gleichwie etwa, ihr Schwestern, {445} bei einer brennenden Oellampe das Oel vergänglich, wandelbar ist, der Docht vergänglich, wandelbar ist, die Flamme vergänglich, wandelbar ist, der Schein vergänglich, wandelbar ist; wer da nun, ihr Schwestern, etwa sagte: ›Bei dieser brennenden Oellampe ist zwar Oel und Docht und Flamme vergänglich, wandelbar, aber ihr Schein, der ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der wohl, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Bei dieser brennenden Oellampe, o Herr, ist ja Oel und Docht und Flamme vergänglich, wandelbar: wie erst ihr Schein!«
»Ebenso nun auch, ihr Schwestern, wenn einer etwa sagte: ›Die sechs inneren Gebiete sind bei mir vergänglich, wandelbar: was mich aber da auf Grund der inneren Gebiete Wohl und Weh oder weder Weh noch Wohl empfinden lässt, das ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der etwa, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Durch eine also und also bedingte Ursache, o Herr, kommt eine also und also bedingte Empfindung zustande: durch einer also und also bedingten Ursache Auflösung wird eine also und also bedingte Empfindung aufgelöst.«
»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Gleichwie etwa, ihr Schwestern, bei einem großen, kernig dastehenden Baume die Wurzel vergänglich, wandelbar ist, der Stamm vergänglich, wandelbar ist, Ast- und Laubwerk vergänglich, wandelbar ist, {446} der Schatten vergänglich, wandelbar ist; wer da nun, ihr Schwestern, etwa sagte: ›Bei diesem großen, kernig dastehenden Baume ist zwar Wurzel und Stamm, Ast- und Laubwerk vergänglich, wandelbar, aber sein Schatten, der ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der wohl, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«[206]
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Bei diesem großen, kernig dastehenden Baume, o Herr, ist ja Wurzel und Stamm, Ast- und Laubwerk vergänglich, wandelbar: wie erst sein Schatten!«
»Ebenso nun auch, ihr Schwestern, wenn einer etwa sagte: ›Die sechs äußeren Gebiete sind bei mir vergänglich, wandelbar: was mich aber da auf Grund der äußeren Gebiete Wohl und Weh oder weder Weh und Wohl empfinden lässt, das ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der etwa, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Durch eine also und also bedingte Ursache, o Herr, kommt eine also und also bedingte Empfindung zustande: durch einer also und also bedingten Ursache Auflösung wird eine also und also bedingte Empfindung aufgelöst.«
»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Gleichwie etwa, ihr Schwestern, wenn ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle eine Kuh schlachtete und mit scharf geschliffenem Messer die Kuh zerlegte, ohne die inneren Fleischtheile zu zerreißen, ohne das äußere Fell zu zerreißen; und was innen an Muskeln, innen an Flechsen, {447} innen an Sehnen da ist, eben das mit dem scharf geschliffenen Messer abtrennte, abschnitte, rings herabschnitte; und nachdem er es abgetrennt, abgeschnitten, rings herabgeschnitten, das äußere Fell losgelöst hätte, mit eben diesem Felle die Kuh wieder bedeckte und nun sagte: ›Ganz wiederverbunden ist hier die Kuh mit ihrem Felle‹: würde der wohl, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Mag auch, o Herr, ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle eine Kuh schlachten und mit scharf geschliffenem Messer die Kuh zerlegen, ohne die inneren Fleischtheile zu zerreißen, ohne das äußere Fell zu zerreißen; und was innen an Muskeln, innen an Flechsen, innen an Sehnen da ist, eben das mit dem scharf geschliffenen Messer abtrennen, abschneiden, rings herabschneiden; und nachdem er es abgetrennt, abgeschnitten, rings herabgeschnitten, das äußere Fell losgelöst hätte, mit eben diesem Felle die Kuh wieder bedecken, und mag er nun gleich sagen: ›Ganz wiederverbunden ist hier die Kuh mit ihrem Felle‹: so ist da die Kuh eben nicht mehr verbunden mit ihrem Felle.«
»Ein Gleichniss habe ich da, ihr Schwestern, gegeben, um den Sinn zu erklären. Das aber ist nun der Sinn. Die inneren Fleischtheile: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der sechs inneren Gebiete. Das äußere Fell: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der sechs äußeren Gebiete. Innen die Muskeln, innen die Flechsen, innen die Sehnen: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der Lustbegier. Das scharf geschliffene Messer: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der heiligen Weisheit, jener heiligen Weisheit, die was innen an Klammern, innen an Fesseln, innen an Sehnen ist abtrennt, abschneidet, rings herabschneidet.[207]
{448} »Sieben Erweckungen sind es, ihr Schwestern, durch deren Uebung und Ausbildung ein Mönch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen kann: und welche sieben? Da übt, ihr Schwestern, ein Mönch der Einsicht Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt des Tiefsinns Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Kraft Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Heiterkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Lindheit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Innigkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt des Gleichmuths Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Das sind, ihr Schwestern, die sieben Erweckungen, durch deren Uebung und Ausbildung ein Mönch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen kann.«
Nachdem nun der ehrwürdige Nandako jene Nonnen also aufgeklärt hatte, ermahnte er sie:
»Geht nun, ihr Schwestern, es ist an der Zeit.«
Da waren denn jene Nonnen durch des ehrwürdigen Nandako Rede erfreut und befriedigt; und sie standen von ihren Sitzen auf, boten dem ehrwürdigen Nandako ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt boten sie dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar und stellten sich seitwärts hin. Zu jenen Nonnen, die da seitwärts standen, sprach der Erhabene also:
»Geht nun, ihr Nonnen, es ist an der Zeit.«
Und jene Nonnen boten dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und entfernten sich.
Da wandte sich denn der Erhabene, bald nachdem jene Nonnen fortgegangen, an die Mönche:
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, am Feiertage, in der Nacht vor dem Vollmonde, {449} gar manche Leute in Zweifel und Bedenken gerathen, ›Nimmt der Mond noch zu, oder ist er schon voll geworden?‹, aber es nimmt eben der Mond noch zu: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind jene Nonnen durch Nandakos Darlegung der Lehre zwar erfreut worden, doch nicht vollkommen zufriedengestellt.« Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Nandako: »Darum magst du nur auch morgen, Nandako, ebendieselbe Aufklärung den Nonnen angedeihen lassen.«
»Wohl, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Nandako, dem Erhabenen gehorchend. Und der ehrwürdige Nandako rüstete sich am nächsten Tage beizeiten, nahm Mantel und Schaale und ging nach Sāvatthī um Almosenspeise. Als er dort, von Haus zu Hause tretend, Almosen erhalten, kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann selbander nach dem Königsgarten.
Es sahn aber jene Nonnen den ehrwürdigen Nandako von ferne herankommen, und als sie ihn gesehn stellten sie einen Stuhl zurecht und Wasser für die Füße. Es setzte sich der ehrwürdige Nandako auf den angebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Nonnen boten nun dem ehrwürdigen Nandako ebrerbietigen Gruß dar und setzten sich seitwärts hin. Und der ehrwürdige Nandako ließ jenen Nonnen, die da seitwärts saßen, Wort um Wort ebendieselbe Aufklärung angedeihen wie am Tage vorher. Nachdem nun der ehrwürdige Nandako jene Nonnen aufgeklärt hatte, ermahnte er sie:
»Geht nun, ihr Schwestern, es ist an der Zeit.«
Da waren denn jene Nonnen durch des ehrwürdigen Nandako Rede erfreut und befriedigt; und sie standen von ihren Sitzen auf, boten dem ehrwürdigen Nandako ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. {456} Dort angelangt boten sie dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar und stellten sich seitwärts hin. Zu jenen Nonnen, die da seitwärts standen, sprach der Erhabene also:
»Geht nun, ihr Nonnen, es ist an der Zeit.«
Und jene Nonnen boten dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und entfernten sich.
Da wandte sich denn der Erhabene, bald nachdem jene Nonnen fortgegangen, an die Mönche:
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, am Feiertage, in der vollen Mondnacht, gar manche Leute nicht mehr in Zweifel und Bedenken gerathen, ›Nimmt der Mond noch zu, oder ist er schon voll geworden?‹, sondern es ist eben der Mond schon voll geworden: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind jene Nonnen durch Nandakos Darlegung der Lehre erfreut worden und vollkommen zufriedengestellt. Wer da, ihr Mönche, jener fünfhundert Nonnen geringste Nonne ist, ist zur Hörerschaft gelangt, dem Verderben entronnen, eilt zielbewusst der vollen Erwachung entgegen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[208]
147.
Fünfzehnter Theil
Fünfte Rede
RĀHULO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da kam dem Erhabenen in einsamer Abgeschiedenheit der Gedanke in den Sinn: ›Reif geworden sind bei Rāhulo Dinge, die Erlösung reif werden lassen; wie, wenn ich nun Rāhulo mehr noch zur Wahnversiegung bereit machte?‹
Und der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging nach Sāvatthī um Almosenspeise, erhielt in der Stadt, von Haus zu Hause tretend, das Almosen, kehrte zurück, nahm das Mahl ein und wandte sich dann an den ehrwürdigen Rāhulo:
{457} »Versieh’ dich, Rāhulo, mit der Strohmatte: wir wollen nach dem Dunkeln Walde gehn, dort bis gegen Abend verweilen.«
»Wohl, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Rāhulo, dem Erhabenen gehorchend; und er versah sich mit der Strohmatte und folgte dem Erhabenen Schritt um Schritt nach.
Um diese Zeit aber war der Erhabene von einer vieltausendfachen Geisterschaar gefolgt: ›Heute wird der Erhabene den ehrwürdigen Rāhulo mehr noch zur Wahnversiegung bereit machen.‹
Und der Erhabene zog sich ins Innere des Dunkeln Waldes zurück und setzte sich am Fuß eines Baumes, an geeignetem Orte nieder. Und auch der ehrwürdige Rāhulo nahm, nach des Erhabenen Begrüßung, an der Seite Platz. An den ehrwürdigen Rāhulo, der da zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:
»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Auge unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meinst du wohl, Rāhulo: sind die Formen unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Sehbewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
{458} »Was meinst du wohl, Rāhulo: ist die Sehberührung unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meinst du wohl, Rāhulo: was auch da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, ist eben das unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Ohr, die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist unvergänglich oder vergänglich? Sind die Töne, die Düfte, die Säfte, die Tastungen, die Gedanken unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Hörbewusstsein, das Riechbewusstsein, das Schmeckbewusstsein, das Tastbewusstsein, {459} das Denkbewusstsein unvergänglich oder vergänglich? Ist die Hörberührung, die Riechberührung, die Schmeckberührung, die Tastberührung, die Denkberührung unvergänglich oder vergänglich? Was meinst du wohl, Rāhulo: was auch da durch Hörberührung, durch Riechberührung, durch Schmeckberührung, durch Tastberührung, durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, ist eben das unvergänglich oder vergänglich?«
»Vergänglich, o Herr!«
»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«
»Weh’, o Herr!«
»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Bei solcher Betrachtung, Rāhulo, wird der erfahrene heilige Jünger des Auges überdrüssig, der Formen überdrüssig, des Sehbewusstseins überdrüssig, der Sehberührung überdrüssig: und was auch da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, eben dessen wird er überdrüssig; er wird des Ohres, der Nase, der Zunge, des Leibes, des Geistes überdrüssig, der Töne, der Düfte, der Säfte, der Tastungen, der Gedanken überdrüssig, des Hörbewusstseins, des Riechbewusstseins, des Schmeckbewusstseins, des Tastbewusstseins, des Denkbewusstseins überdrüssig, der Hörberührung, der Riechberührung, der Schmeckberührung, der Tastberührung, der Denkberührung überdrüssig: und was auch da durch Hörberührung, durch Riechberührung, durch Schmeckberührung, durch Tastberührung, {460} durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, eben dessen wird er überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Rāhulo über das Wort des Erhabenen.
Während da nun diese Darlegung stattgefunden, hatte sich beim ehrwürdigen Rāhulo das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.
Jener vieltausendfachen Geisterschaar aber war das abgeklärte, abgespülte Auge der Wahrheit aufgegangen:
›Was irgend auch entstanden ist Muss alles wieder untergehn.‹[209]
148.
Fünfzehnter Theil
Sechste Rede
SECHSFACHE SECHSHEIT
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Die Lehre werd’ ich euch Mönchen aufweisen, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum werde ich darlegen; und zwar die sechsfache Sechsheit: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagten da aufmerksam jene Mönche zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Sechs innere Gebiete sind zu merken und sechs äußere Gebiete, sechs bewusstsame Reiche sind zu merken und sechs berührsame Reiche, {461} sechs fühlsame Reiche sind zu merken und sechs durstsame Reiche.
»‚Sechs innere Gebiete sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um das Gebiet des Gesichts, das Gebiet des Gehörs, das Gebiet des Geruchs, das Gebiet des Geschmacks, das Gebiet des Getastes, das Gebiet des Gedenkens. ‚Sechs innere Gebiete sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die erste Sechsheit.
»‚Sechs äußere Gebiete sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um das Gebiet der Formen, das Gebiet der Töne, das Gebiet der Düfte, das Gebiet der Säfte, das Gebiet der Tastungen, das Gebiet der Gedanken. ‚Sechs äußere Gebiete sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die zweite Sechsheit.
»‚Sechs bewusstsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, durch den Geschmack und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein. ‚Sechs bewusstsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die dritte Sechsheit.
»‚Sechs berührsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch den Geschmack {462} und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung. ‚Sechs berührsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die vierte Sechsheit.
»‚Sechs fühlsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch den Geschmack und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt. ‚Sechs fühlsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die fünfte Sechsheit.
»‚Sechs durstsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl bedingt ist der Durst; durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch den Geschmack und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, {463} der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt. ‚Sechs durstsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die sechste Sechsheit. —
»‚Das Ohr ist das Selbst‘ — ‚Die Nase ist das Selbst‘[210] — ‚Die Zunge ist das Selbst‘ — ‚Der Leib ist das Selbst‘ — ‚Der Geist ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Geiste wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Der Geist ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst. — ‚Die Gedanken sind das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; bei den Gedanken wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an {465} ‚Die Gedanken sind das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst. — ‚Das Denkbewusstsein ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Denkbewusstsein wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Denkbewusstsein ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst. — ‚Die Denkberührung ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; bei der Denkberührung wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Die Denkberührung ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst, ist die Denkberührung nicht das Selbst. — ‚Das Gefühl ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Gefühle wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Gefühl ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst, ist die Denkberührung nicht das Selbst, ist das Gefühl nicht das Selbst. — ‚Der Durst ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Durste wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer {466} ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Der Durst ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst, ist die Denkberührung nicht das Selbst, ist das Gefühl nicht das Selbst, ist der Durst nicht das Selbst.
»Das aber ist, ihr Mönche, der Pfad, der zur Entstehung der Persönlichkeit hinführt: ›Das Auge‹, sagt man sich, ›das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹ ›Die Formen‹, sagt man sich, ›das Sehbewusstsein, die Sehberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹ ›Das Ohr‹, sagt man sich, ›die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist, die Gedanken, das Denkbewusstsein, die Denkberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹
»Das aber ist, ihr Mönche, der Pfad, der zur Auflösung der Persönlichkeit hinführt: ›Das Auge‹, sagt man sich, ›das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ ›Die Formen‹, sagt man sich, ›das Sehbewusstsein, {467} die Sehberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ ›Das Ohr‹, sagt man sich, ›die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist, die Gedanken, das Denkbewusstsein, die Denkberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹
»Durch das Gesicht, ihr Mönche, und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man Freude, Befriedigung, Ergetzen daran, und begehrliche Anwandlung kommt einen an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man bekümmert, beklommen, man jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung nicht der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung nicht verleugnet, beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung nicht von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung nicht ausgetilgt, Unwissen nicht verloren, Wissen nicht erworben hat, {468} noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist unmöglich.
»Durch das Gehör, ihr Mönche, und die Töne entsteht das Hörbewusstsein; durch den Geruch, ihr Mönche, und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein: durch den Geschmack, ihr Mönche, und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein; durch das Getast, ihr Mönche, und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein; durch das Gedenken, ihr Mönche, und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man Freude, Befriedigung, Ergetzen daran, und begehrliche Anwandlung kommt einen an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man bekümmert, beklommen, man jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung nicht der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung nicht verleugnet, beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung nicht von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung nicht ausgetilgt, Unwissen nicht verloren, Wissen nicht erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist unmöglich.
»Durch das Gesicht, ihr Mönche, und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man da keine Freude, {469} keine Befriedigung, kein Ergetzen, und begehrliche Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man da nicht bekümmert, nicht beklommen, man jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen nicht an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung verleugnet, beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung ausgetilgt, Unwissen verloren, Wissen erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist möglich.
»Durch das Gehör, ihr Mönche, und die Töne entsteht das Hörbewusstsein; durch den Geruch, ihr Mönche, und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein; durch den Geschmack, ihr Mönche, und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein; durch das Getast, ihr Mönche, und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein; durch das Gedenken, ihr Mönche, und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man da keine Freude, keine Befriedigung, kein Ergetzen, und begehrliche Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man da nicht bekümmert, nicht beklommen, man jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn, {470} und unwissende Anwandlung kommt einen nicht an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung verleugnet, beim wehen Gefühle unwillige Anwandlung von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung ausgetilgt, Unwissen verloren, Wissen erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist möglich.
»Bei solcher Betrachtung, ihr Mönche, wird der erfahrene heilige Jünger des Auges überdrüssig, der Formen überdrüssig, des Sehbewusstseins überdrüssig, der Sehberührung überdrüssig, des Gefühles überdrüssig, des Durstes überdrüssig; er wird des Ohres, der Nase, der Zunge, des Leibes, des Geistes überdrüssig, der Töne, der Düfte, der Säfte, der Tastungen, der Gedanken überdrüssig, des Hörbewusstseins, des Riechbewusstseins, des Schmeckbewusstseins, des Tastbewusstseins, des Denkbewusstseins überdrüssig, der Hörberührung, der Riechberührung, der Schmeckberührung, der Tastberührung, der Denkberührung überdrüssig, des Gefühles überdrüssig, des Durstes überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
149.
Fünfzehnter Theil
Siebente Rede
MÄCHTIGE ABZEICHEN
{471} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Mächtige Abzeichen will ich euch Mönchen vom sechsfachen Gebiete angeben: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagten da aufmerksam jene Mönche zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Wer das Auge, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Formen nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Sehbewusstsein nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Sehberührung nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Auge ergetzt, an den Formen ergetzt, am Sehbewusstsein ergetzt, an der Sehberührung ergetzt, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran ergetzt. Weil er ergetzt ist, sich anschließt, sich verlocken lässt, das Labsal beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin auf; und sein Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der wächst ihm weiter. Dem wachsen körperliche Spaltungen weiter, wachsen geistige Spaltungen weiter, wachsen körperliche Quaalen weiter, wachsen geistige Quaalen weiter, wachsen körperliche Brünste weiter, wachsen geistige Brünste weiter; und körperlichen Schmerz und geistigen Schmerz erfährt er an sich.
»Wer das Ohr, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer die Nase, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; {472} wer die Zunge, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Leib, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Geist, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Gedanken nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Denkbewusstsein nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Denkberührung nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Geiste ergetzt, an den Gedanken ergetzt, am Denkbewusstsein ergetzt, an der Denkberührung ergetzt, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran ergetzt. Weil er ergetzt ist, sich anschließt, sich verlocken lässt, das Labsal beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin auf; und sein Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der wächst ihm weiter. Dem wachsen körperliche Spaltungen weiter, wachsen geistige Spaltungen weiter, wachsen körperliche Quaalen weiter, wachsen geistige Quaalen weiter, wachsen körperliche Brünste weiter, wachsen geistige Brünste weiter; und körperlichen Schmerz und geistigen Schmerz erfährt er an sich.
»Wer das Auge, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Formen der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Sehbewusstsein der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Sehberührung der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Auge nicht ergetzt, an den Formen nicht ergetzt, am Sehbewusstsein nicht ergetzt, an der Sehberührung nicht ergetzt, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, {473} oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran nicht ergetzt. Weil er nicht ergetzt ist, sich nicht anschließt, sich nicht verlocken lässt, das Elend beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin ab; und der Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der schwindet ihm weg. Dem schwinden körperliche Spaltungen weg, schwinden geistige Spaltungen weg, schwinden körperliche Quaalen weg, schwinden geistige Quaalen weg, schwinden körperliche Brünste weg, schwinden geistige Brünste weg; und körperliches Wohl und geistiges Wohl erfährt er an sich.
»Was ein Dahingelangter erkennt, das gilt ihm als rechte Erkenntniss; was ein Dahingelangter ersinnt, das gilt ihm als rechte Gesinnung; was ein Dahingelangter sich müht, das gilt ihm als rechtes Mühn; was ein Dahingelangter einsieht, das gilt ihm als rechte Einsicht; was ein Dahingelangter ertieft, das gilt ihm als rechte Vertiefung; schon vorher aber war er in Werken, in Worten, im Wandel durchaus lauter geworden: und so wird dieser heilige achtfältige Weg von ihm zur Vollendung gebracht. Während er also diesen heiligen achtfältigen Weg vollendet, werden die vier Pfeiler der Einsicht von ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier gewaltigen Kämpfe von ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier Machtgebiete von ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Fähigkeiten von ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Vermögen von ihm zur Vollendung gebracht; werden die sieben Erweckungen von ihm zur Vollendung gebracht. Da dienen ihm zwei Dinge als doppelte Rüstung: Ruhe und Klarsicht. Was für Dinge da weise zu durchschauen sind, diese Dinge durchschaut er weise; was für Dinge da weise zu verleugnen sind, {474} diese Dinge verleugnet er weise; was für Dinge da weise zu vollenden sind, diese Dinge vollendet er weise; was für Dinge da weise zu verwirklichen sind, diese Dinge verwirklicht er weise.
»Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu durchschauen? Die fünf Stücke des Anhangens, sei geantwortet; und zwar ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen am Bewusstsein: diese Dinge sind weise zu durchschauen. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu verleugnen? Unwissen und Durst nach Dasein: diese Dinge sind weise zu verleugnen. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind weise zu vollenden? Ruhe und Klarsicht: diese Dinge sind weise zu vollenden. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind weise zu verwirklichen? Wissen und Erlösung: diese Dinge sind weise zu verwirklichen.
»Wer das Ohr, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer die Nase, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer die Zunge, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Leib, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Geist, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Gedanken der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Denkbewusstsein der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Denkberührung der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Geiste nicht ergetzt, an den Gedanken nicht ergetzt, am Denkbewusstsein nicht ergetzt, an der Denkberührung nicht ergetzt, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran nicht ergetzt. Weil er nicht ergetzt ist, {475} sich nicht anschließt, sich nicht verlocken lässt, das Elend beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin ab; und der Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der schwindet ihm weg. Dem schwinden körperliche Spaltungen weg, schwinden geistige Spaltungen weg, schwinden körperliche Quaalen weg, schwinden geistige Quaalen weg, schwinden körperliche Brünste weg, schwinden geistige Brünste weg; und körperliches Wohl und geistiges Wohl erfährt er an sich.
»Was ein Dahingelangter erkennt, das gilt ihm als rechte Erkenntniss; was ein Dahingelangter ersinnt, das gilt ihm als rechte Gesinnung; was ein Dahingelangter sich müht, das gilt ihm als rechtes Mühn; was ein Dahingelangter einsieht, das gilt ihm als rechte Einsicht; was ein Dahingelangter ertieft, das gilt ihm als rechte Vertiefung; schon vorher aber war er in Werken, in Worten, im Wandel durchaus lauter geworden: und so wird dieser heilige achtfältige Weg von ihm zur Vollendung gebracht. Während er also diesen heiligen achtfältigen Weg vollendet, werden die vier Pfeiler der Einsicht von ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier gewaltigen Kämpfe von ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier Machtgebiete von ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Fähigkeiten von ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Vermögen von ihm zur Vollendung gebracht; werden die sieben Erweckungen von ihm zur Vollendung gebracht. Da dienen ihm zwei Dinge als doppelte Rüstung: Ruhe und Klarsicht. Was für Dinge da weise zu durchschauen sind, diese Dinge durchschaut er weise; was für Dinge da weise zu verleugnen sind, diese Dinge verleugnet er weise; was für Dinge da weise zu vollenden sind, diese Dinge vollendet er weise; {476} was für Dinge da weise zu verwirklichen sind, diese Dinge verwirklicht er weise.
»Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu durchschauen? Die fünf Stücke des Anhangens, sei geantwortet; und zwar ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen am Bewusstsein: diese Dinge sind weise zu durchschauen. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu verleugnen? Unwissen und Durst nach Dasein: diese Dinge sind weise zu verleugnen. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu vollenden? Ruhe und Klarsicht: diese Dinge sind weise zu vollenden. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu verwirklichen? Wissen und Erlösung: diese Dinge sind weise zu verwirklichen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
150.
Fünfzehnter Theil
Achte Rede
DIE NAGARAVINDER
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen begleitet, in die Nähe eines kosalischen Brāhmanendorfes Namens Nagaravindam. Und es hörten die brāhmanischen Hausleute in Nagaravindam reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort und ist mit vielen Mönchen in Nagaravindam angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter {477} der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹
Und die brāhmanischen Hausleute von Nagaravindam begaben sich nun dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten sich einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder, andere wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, einige wieder falteten die Hände gegen den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, andere wieder gaben beim Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und setzten sich zur Seite nieder, und andere setzten sich still zur Seite nieder.[212] Zu den brāhmanischen Hausleuten von Nagaravindam, die da zur Seite saßen, sprach nun der Erhabene also:
»Wenn euch, ihr Hausväter, andere Büßer und Pilger die Frage stellen: ›Was sind das, ihr Hausväter, für Asketen und Priester, die man nicht werthhalten und hochschätzen, die man nicht achten und ehren kann?‹, so mögt ihr auf diese Frage, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern also Bescheid geben: ›Wer da von Asketen und Priestern bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre sich erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt hat, gerade und ungerade wandelt in Werken, in Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder Priester, den kann man nicht werthhalten und hochschätzen, den kann man nicht achten und ehren: und warum nicht? Wir selber haben uns ja bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln gerade und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: {478} wer nichts Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber führen, solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben darum nicht werthhalten und hochschätzen, kann ihn nicht achten und ehren. Wer da von Asketen und Priestern bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre sich erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt hat, gerade und ungerade wandelt in Werken, in Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder Priester, den kann man nicht werthhalten und hochschätzen, den kann man nicht achten und ehren: und warum nicht? Wir selber haben uns ja bei diesen Dingen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln gerade und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: wer nichts Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber führen, solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben darum nicht werthhalten und hochschätzen, kann ihn nicht achten und ehren.‹ Also mögt ihr, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern auf eine solche Frage Bescheid geben.
»Wenn euch aber, ihr Hausväter, andere Büßer und Pilger die Frage stellen: ›Was sind das, ihr Hausväter, für Asketen und Priester, die man werthhalten und hochschätzen, die man achten und ehren kann?‹, so mögt ihr auf diese Frage, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern also Bescheid geben: ›Wer da von Asketen und Priestern bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre sich erwiesen, das eigene Herz beschwichtigt hat, den geraden Wandel bewahrt in Werken, in Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder Priester, den kann man werthhalten und hochschätzen, den kann man achten und ehren: {479} und warum das? Wir selber haben uns ja bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln gerade und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: wer da nun Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber führen, solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben darum werthhalten und hochschätzen, kann ihn achten und ehren. Wer da von Asketen und Priestern bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre sich erwiesen, das eigene Herz beschwichtigt hat, den geraden Wandel bewahrt in Werken, in Worten, in Gedanken, einen solchen Asketen oder Priester, den kann man werthhalten und hochschätzen, den kann man achten und ehren: und warum das? Wir selber haben uns ja bei diesen Dingen nicht ohne Gier, nicht ohne Hass, nicht ohne Irre erwiesen, das eigene Herz nicht beschwichtigt, wandeln gerade und ungerade in Werken, in Worten, in Gedanken: wer da nun Besseres kennt als den geraden Wandel, den wir selber führen, solch einen lieben Asketen oder Priester kann man eben darum werthhalten und hochschätzen, kann ihn achten und ehren.‹ Also mögt ihr, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern auf eine solche Frage Bescheid geben.
»Wenn euch nun, ihr Hausväter, die anderen Büßer und Pilger die Frage stellen: ›Was eignen doch den Ehrwürdigen für Merkmale, was für Kennzeichen, dass ihr von ihnen also redet: ‚Freilich haben jene Ehrwürdigen die Gier verloren oder sind auf dem Wege die Gier zu verleugnen, haben den Hass verloren oder sind auf dem Wege den Hass zu verleugnen, haben die Irre verloren oder sind auf dem Wege die Irre zu verleugnen‘?‹, so mögt ihr auf diese Frage, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern also Bescheid geben: ›Darum eben {480} suchen jene Ehrwürdigen tief im Walde abgelegene Orte auf: dort aber giebt es keinerlei durch das Gesicht ins Bewusstsein tretende Formen, die man sehn und sehn und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch das Gehör ins Bewusstsein tretende Töne, die man hören und hören und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch den Geruch ins Bewusstsein tretende Düfte, die man riechen und riechen und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch den Geschmack ins Bewusstsein tretende Säfte, die man schmecken und schmecken und begehren könnte; dort aber giebt es keinerlei durch das Getast ins Bewusstsein tretende Tastungen, die man tasten und tasten und begehren könnte. Das sind, ihr Brüder, Merkmale, das sind Kennzeichen, um deren willen wir von jenen Ehrwürdigen also reden: ‚Freilich haben jene Ehrwürdigen die Gier verloren oder sind auf dem Wege die Gier zu verleugnen, haben den Hass verloren oder sind auf dem Wege den Hass zu verleugnen, haben die Irre verloren oder sind auf dem Wege die Irre zu verleugnen.‘‹ Also mögt ihr, Hausväter, den anderen Büßern und Pilgern auf eine solche Frage Bescheid geben.«
Nach dieser Rede sprachen die brāhmanischen Hausleute von Nagaravindam also zum Erhabenen:
»Vortrefflich, Herr Gotamo, vortrefflich, Herr Gotamo! Gleichwie etwa, Herr Gotamo, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg zeigte, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so nehmen wir bei Herrn Gotamo unsere Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge uns Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[213]
151.
Fünfzehnter Theil
Neunte Rede
ALMOSENLÄUTERUNG
{481} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Zum ehrwürdigen Sāriputto, der da seitwärts saß, sprach nun der Erhabene also:
»Heiter, Sāriputto, ist dein Angesicht, hell die Hautfarbe und rein; was hast du wohl, Sāriputto, in dieser Zeit am meisten erfahren mögen?«
»Armuth erfahren hab’ ich, o Herr, in dieser Zeit am meisten gemocht.«
»Recht so, recht so, Sāriputto. Großer Männer Erfahrung erfahren hast du wahrlich, Sāriputto, in dieser Zeit am meisten gemocht. Großer Männer Erfahrung heißt es ja, Sāriputto, ist die Armuth. — Darum aber, Sāriputto, so ein Mönch sich wünscht ›Armut erfahren möcht’ ich am meisten‹, hat ein solcher Mönch, Sāriputto, sich also zu erforschen: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, ist mir da etwa bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, {482} da ist mir bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste nicht aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, ist mir da etwa bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen‹, {483} so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste nicht aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie aufgehoben, die fünf Begehrungen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Begehrungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Aufhebung der fünf Begehrungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Begehrungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese {484} sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie aufgehoben, die fünf Hemmungen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Hemmungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Aufhebung der fünf Hemmungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Hemmungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie durchschaut, die fünf Stücke des Anhangens?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht durchschaut hab’ ich sie, die fünf Stücke des Anhangens‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Durchschauung der fünf Stücke des Anhangens zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Durchschaut hab’ ich sie, die fünf Stücke des Anhangens‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die vier Pfeiler der Einsicht?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die vier Pfeiler der Einsicht‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der vier Pfeiler der Einsicht zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die vier Pfeiler der Einsicht‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die vier gewaltigen Kämpfe?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die vier gewaltigen Kämpfe‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der vier gewaltigen Kämpfe zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die vier gewaltigen Kämpfe‹, {485} so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die vier Machtgebiete?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die vier Machtgebiete‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der vier Machtgebiete zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die vier Machtgebiete‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die fünf Fähigkeiten?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die fünf Fähigkeiten‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der fünf Fähigkeiten zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: Vollendet hab’ ich sie, die fünf Fähigkeiten‹, so hat ein solcher Mönch, {486} Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die fünf Vermögen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die fünf Vermögen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der fünf Vermögen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die fünf Vermögen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, die sieben Erweckungen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, die sieben Erweckungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung der sieben Erweckungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, die sieben Erweckungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich ihn vollendet, den heiligen achtfältigen Weg?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich ihn, den heiligen achtfältigen Weg‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung des heiligen achtfältigen Weges zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich ihn, den heiligen achtfältigen Weg‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie vollendet, Ruhe und Klarsicht?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht vollendet hab’ ich sie, Ruhe und Klarsicht‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Vollendung von Ruhe und Klarsicht zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Vollendet hab’ ich sie, Ruhe und Klarsicht‹, so hat ein solcher Mönch, {487} Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich es verwirklicht, Wissen und Erlösung?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht verwirklicht hab’ ich es, Wissen und Erlösung‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Verwirklichung von Wissen und Erlösung zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Verwirklicht hab’ ich es, Wissen und Erlösung‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Denn wer immer auch, Sāriputto, von den Asketen oder den Priestern in vergangenen Zeiten Almosen geläutert hat, ein jeder hat also und also betrachtend und betrachtend Almosen geläutert. Und wer immer auch, Sāriputto, von den Asketen oder den Priestern in künftigen Zeiten Almosen läutern wird, ein jeder wird also und also betrachtend und betrachtend Almosen läutern. Und wer immer auch, Sāriputto, von den Asketen oder den Priestern in der Gegenwart Almosen läutern mag, ein jeder mag also und also betrachtend und betrachtend Almosen läutern.
»Darum aber, Sāriputto: ›Betrachtend und betrachtend wollen wir Almosen läutern‹: so habt ihr, Sāriputto, euch wohl zu üben.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Sāriputto über das Wort des Erhabenen.[214]
152.
Fünfzehnter Theil
Zehnte Rede
SINNESGEWALT
{488} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kajaṉgalā[215], im Hain der Glockenbäume.
Da begab sich denn Uttaro, ein junger Brāhmane, der Schüler Pārāsariyos, zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. An Uttaro den jungen Brāhmanen, den Schüler Pārāsariyos, der da zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:
»Lehrt, Uttaro, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«
»Es lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«
»Auf welche Weise, Uttaro, lehrt wohl Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«
»Da sieht man, o Gotamo, mit dem Auge keine Form und hört mit dem Ohre keinen Ton: also lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«[216]
»Ist es also, Uttaro, dann mag ein Blinder Gewalt über die Sinne haben, und mag ein Tauber Gewalt über die Sinne haben, dem Worte des Priesters Pārāsariyo gemäß: denn ein Blinder, Uttaro, sieht mit dem Auge keine Form, und ein Tauber hört mit dem Ohre keinen Ton.«
Also beschieden blieb Uttaro, der junge Brāhmane, der Schüler Pārāsariyos, verstummt und verstört, die Schultern gebeugt, den Kopf gesenkt, sprachlos vor sich hinstarrend sitzen. Und der Erhabene sah wie Uttaro also dasaß und wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:
»Auf andere Weise, Ānando, lehrt eben Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben, {489} und auf andere Weise wieder hat man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.«
»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit, dass der Erhabene zeige, wie man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt hat: des Erhabenen Wort werden die Mönche bewahren.«
»Wohlan denn, Ānando, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Wie also hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein scharfsehender Mann blicks die Augen aufschlagen und schließen, blicks die Augen schließen und aufschlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. {490} Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann gar leicht einen Schnalzer schlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Nase einen Duft gerochen und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, auf einem leicht geneigten Lotusblatte Wassertropfen herabgleiten, keinen Halt finden: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Zunge einen Saft geschmeckt und wird angenehm bewegt, {491} wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann an der Spitze der Zunge einen Speichelball ansammeln und ohne Mühe ausspeien kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Leibe eine Tastung getastet und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann seinen eingezogenen Arm ausstrecken oder seinen ausgestreckten Arm einziehn kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, {492} wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, wenn ein Mann auf eine tagüber am Feuer glühende eiserne Pfanne zwei oder drei Wassertropfen herabträufeln ließe — langsam, Ānando, wäre der Fall der Tropfen, aber gar eilig würden sie aufgelöst und verschwunden sein —: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen. — So aber hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.
»Wie aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, Entsetzen an, Abscheu an. Er hat mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, {493} Entsetzen an, Abscheu an. So aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten.