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Elemente der Paläontologie

SYSTEMATIK.

Reading edition

I. Thierreich.

Man pflegt das Thierreich in eine grössere oder geringere Anzahl von Kreisen oder Stämmen einzutheilen, welche wiederum in Klassen, Unterklassen, Ordnungen, Unterordnungen, Familien und Gattungen zerlegt werden. Meist unterscheidet man 10 Kreise, nämlich:

Protozoa oder Urthiere,

Spongia oder Seeschwämme,

Coelenterata oder Polypen,

Vermes oder Würmer,

Echinodermata oder Stachelhäuter,

Molluscoidea oder Weichthierähnliche,

Mollusca oder Weichthiere,

Arthropoda oder Gliederthiere,

Tunicata oder Mantelthiere,

Vertebrata oder Wirbelthiere.

Nur die Tunicata haben bisher noch keine fossilen Reste geliefert, weil der Körper aller dahin gehörigen Formen ausschliesslich aus leicht zerstörbaren Weichtheilen besteht.

I. Kreis: Protozoa.

Die Protozoa oder Urthiere, welche durch ihre niedrige Organisation — das Fehlen von zelligen Organen — von allen anderen Thieren geschieden sind, werden in 3 Klassen eingetheilt; nur die eine derselben, die Rhizopoda oder Wurzelfüssler, kommt fossil vor; sie allein besitzen die Fähigkeit, eine kalkige oder kieselige Hülle zu bilden. Die

1. Klasse: Rhizopoda oder Wurzelfüssler

tragen ihren Namen wegen der Fähigkeit ihrer Sarkode, sich in fadenförmige Fortsätze zu verlängern, die unter einander verschmelzen und sich zertheilen, wie die Wurzeln einer Pflanze (Fig. 2). Die Fortsätze oder Pseudopodien dienen zur Fortbewegung und zum Ergreifen der Nahrung. Die Rhizopoden zerfallen in 3 Ordnungen, von denen nur zwei für die Paläontologie in Betracht kommen, nämlich:

Foraminifera. Sarkode ohne Centralkapsel. Hülle meist kalkig.

Radiolaria. Sarkode mit Centralkapsel. Hülle, wenn mineralisch, aus amorpher Kieselsäure gebildet.

1. Ordnung Foraminifera.

Litteratur über Foraminiferen.

Brady, H. B. Monograph of Carboniferous and Permian Foraminifera. Palaeontogr. Society. 1876.

—— Report on the Foraminifera. Scient. Results of Challenger Voyage Zoology Vol. XI 1884, woselbst ein vollständiges Literaturverzeichniss.

Carpenter, W. B. Introduction to the study of the Foraminifera. Roy. Society 1862.

Moeller, V. v. Die Foraminiferen des russischen Kohlenkalks. Mémoir. de l’Acad. impér. d. Sc. d. St.-Pétersbourg Bd. XXV, No. 9, XXVII, No. 5. 1878–9.

d’Orbigny, A. Foraminifères du bassin tertiaire de Vienne. Paris 1846.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 1. Typus Imperforata. Eine lebende Miliola mit den nur aus der Mündung austretenden Pseudopodien.

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Fig. 2. Typus Perforata. Eine lebende Rotalide mit den aus den Poren austretenden Pseudopodien.

Der Sarkodeleib der Foraminiferen wird von einer kalkigen, seltener agglutinirenden, d. h. aus fremden Partikelchen (Sandkörnern etc.) zusammengekitteten, oder chitinösen Hülle oder Schale umgeben, die entweder bis auf eine oder mehrere grössere Oeffnungen (die sog. Mündung) vollständig geschlossen (Fig. 1) oder, abgesehen von der Mündung, von zahlreichen feinen Canälen, den sog. Poren, siebartig durchbrochen wird (Fig. 2). Bei den erstgenannten Formen (Imperforata) können die Pseudopodien nur aus der Mündung, bei den letzteren (Perforata) ausserdem auch durch die Poren austreten. Die undurchbohrten Schalen erscheinen bei auffallendem Lichte porcellanartig weiss, im durchfallenden hellbraun (Fig. 3 A), die durchbohrten sind glasartig durchsichtig und zeigen feinere oder gröbere Porencanäle (Fig. 3 B a feinperforirt; Fig. 3 C c grobperforirt). Die agglutinirenden Schalen bestehen aus fremden, nicht vom Thiere erzeugten, Sand- oder Kalkkörnchen, die durch ein kieseliges, oft eisenschüssiges oder chitinöses Cement verkittet sind (Fig. 3 D).

Bei manchen Perforata findet sich ein sog. Canalsystem. Bestimmte Theile der Schale, z. B. die Kammerscheidewände, werden von verzweigten, oft mit einander anastomosirenden Canälen durchzogen, welche mit Sarkode erfüllt sind (Fig. 3 B b). Mit den Poren steht das Canalsystem in keiner Verbindung. (Vergl. auch Fig. 22 c, f, 19 a, d.)

Als Zwischenskelet werden solche Schalentheile der Perforata bezeichnet, welche frei von echten Poren die Schalenwände überziehen (Fig. 3 C a) oder als Rippen, Stacheln etc. verzieren (Fig. 3 C b) oder der Schalenwand eingekeilt sind (Fig. 22 i c). Wenn grobe, unregelmässig angeordnete — meist auch gewundene — Canäle im Zwischenskelet verlaufen (Fig. 3 C a, b; Fig. 22 i c), so spricht man von einem Intercanalsystem.

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Fig. 3. A undurchbohrte Schale (Miliola) im Dünnschliff. B feinporige Schale (Rotalia) im Dünnschliff; a = Porencanäle; b = Canalsystem. C grobporige Schale (Calcarina) im Dünnschliff; c = Porencanäle; a und b = Zwischenskelet von groben Canälen (Intercanalsystem) durchzogen. D agglutinirende Schale (Haplophragmium) im Dünnschliff.

Die Schalen der Foraminiferen bestehen entweder nur aus einer einzigen Höhlung (Lagena, Fig. 8 A; Cornuspira, Fig. 4 A): einkammerige Schalen, oder sie werden durch sog. Kammerscheidewände (Septa), welche periodisch entstehen, in eine grössere oder geringere Anzahl von Kammern getheilt (Rotalia, Fig. 3 B; Haplophragmium, Fig. 3 D): vielkammerige Schalen. Die Scheidewände sind wie die Schalenwand durchbohrt oder dicht, in seltenen Fällen von einem Canalsystem durchzogen (Fig. 3 B, Fig. 19 d). Ein oder mehrere Ausschnitte oder Löcher in der letzten Scheidewand werden als Mündung bezeichnet. Auch alle früher gebildeten Scheidewände besitzen solche Oeffnungen; durch dieselben steht die Sarkodemasse der einzelnen Kammern in Verbindung. (Vergl. Fig. 3 D, Fig. 10 A a, Fig. 15 A a.)

Die Grösse der Foraminiferenschalen schwankt sehr; die meisten sind von mikroskopischer Kleinheit: sie erreichen nur Bruchtheile von mm. In wenigen Fällen (Alveolina, Nummulites, Orbitoides) erreichen sie die Grösse mehrerer cm.

Die Eintheilung der Foraminiferen in Familien und Gattungen erfolgt sowohl nach der Structur der Schale als nach der Anordnung der Kammern, welch’ letztere eine sehr mannigfaltige: eine stabförmige, eine zwei- oder dreizeilige, eine spirale oder kreisförmige (cyclische) sein kann. In der nachstehenden Tabelle wurde eine Eintheilung versucht, welche in vielen Punkten den natürlichen Verwandtschaftsverhältnissen wenig entspricht; welche vielmehr dazu bestimmt ist, dem Anfänger das Erkennen der wichtigsten Formen zu erleichtern. Es mag dabei bemerkt werden, dass manche agglutinirende Formen aus der Familie der Lituoliden wahrscheinlich z. Th. mit solchen aus der Familie der Milioliden (Ammodiscus), z. Th. mit solchen aus der Familie der Lageniden (Haplophragmium) in Beziehung zu bringen sind.

A.Schale stets undurchbohrt, fast immer kalkig, sehr selten agglutinirend (Fig. 4 A–E)Miliolidae.

B.Schale stets agglutinirend, dicht oder durchbohrt. Gehäuse stets einfach gebaut. Kammern nie alternirend 2- oder 3zeilig.

a.Kammern kugelig, dickwandig, locker an einander gereiht (Fig. 7 A, B)Saccaminidae.

b.Kammern aufgerollt (Fig. 7 C, D)Lituolidae.

C.Schale kalkig (und dann grobporös) oder agglutinirend. Kammern in abwechselnden Reihen, 2- oder 3zeilig (Fig. 7 E, F)Textularidae.

D.Schale stets kalkig, fein- oder grobporös. Kammern nie in abwechselnden Reihen.

a.Schale unsymmetrisch (Fig. 13).

α.Schale grobporös. Kammern kugelig aufgebläht (Fig. 10)Globigerinidae.

β.Schale fein- oder grobporös. Kammern höchstens auf einer Seite aufgebläht, auf der andern mehr oder weniger flach (Fig. 11)Rotalidae.

b.Schale nach einer oder mehreren Ebenen symmetrisch (— mit Ausnahme von Polymorphina (Fig. 9) —), stets feinporös.

α.Mündung am äusseren Rande der Septalfläche (Fig. 8 C a) oder endständig (Fig. 8 A) gelegenLagenidae.

β.Mündung am inneren Rande der Septalfläche gelegen (Fig. 16 B a).

1.Schale mehr oder weniger spindelförmig (Fig. 15)Fusulinidae.

2.Schale mehr oder weniger linsenförmig (Fig. 20)Nummulinidae.

Fam. Miliolidae.

Schale fast immer kalkig, bei auffallendem Lichte porcellanartig weiss, bei durchfallendem bräunlich oder agglutinirend, aber stets porenlos (Fig. 3 A). Die einfach gebauten Formen bestehen aus einer schlauchartigen, knäuelartig aufgerollten Röhre; die complicirter gebauten zeigen dieses Merkmal noch in dem Anfangsstadium.

Cornuspira Schltze. (Fig. 4 A). Eine einfache, ungekammerte, spiral in einer Ebene gewundene Röhre. Mündung vom Durchmesser der Röhre. Trias — lebend.

C. cretacea Rss. (Fig. 4 A) häufig in der Kreide.

Miliola Schltze. (Fig. 1; Fig. 3 A; Fig. 4 B–E). Schale anfangs ungekammert und spiral in einer Ebene gewunden (Fig. 3 A), später wie die Fäden eines um eine Achse gewickelten Knäuels oben und unten geknickt (Fig. 3 A; Fig. 4 E) und an den Umbiegungsstellen durch je eine Scheidewand in Kammern getheilt. Bleiben die früheren Umgänge sichtbar und findet die Aufrollung der Schale in einer Ebene statt, so bezeichnet man sie als Spiroloculina (Fig. 3 A), verbreitern sich die Kammern seitlich derart, dass sie die früheren Umgänge verhüllen — bei gleicher Art der Aufrollung in einer Ebene —, so entsteht die Untergattung Biloculina (Fig. 4 B); vollzieht sich die Aufwickelung in 3 oder 5 Ebenen (Fig. 4 C a—a—a, D a—a—a—a—a), so entsteht Miliolina [= Triloculina (Fig. 4 C) und Quinqueloculina (Fig. 4 D, E)]. Mündung meist durch eine Platte oder einen Zahn verengt, oft siebartig (Fig. 4 E). Trias — lebend.

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Fig. 4. A Cornuspira cretacea Rss. Gault. Braunschweig. B Biloculina. C Triloculina. D Quinqueloculina; a = die Aufrollungsebenen. E Quinqueloc. saxorum d’Orb. Mitteleocän. Paris; a = Mündung, siebartig durchbrochen (in der Zeichnung nicht angegeben); die Punkte bedeuten Vertiefungen der Schalenoberfläche, keine Poren.

Die Miliolen treten häufig und meist gesellig im Tertiär und in den heutigen Meeren auf. Verwandte Gattungen schon in der oberen Kreide gesteinbildend (Südfrankreich, Istrien).

Bil. ringens d’Orb.}Tertiär und lebend häufig.

Tril. trigonula d’Orb.

Quinqueloc. saxorum d’Orb. tritt gesteinbildend im »Miliolidenkalke« des pariser Mitteleocäns auf.

Orbitulites Lmk. (Fig. 5). Gehäuse scheibenförmig, kreisrund, schwach biconcav (Fig. 5 B). Die ersten Umgänge spiral, ungekammert, wie bei Cornuspira; später tritt cyclisches Wachsthum ein. Die einfach gebauten Orbituliten bestehen nur aus einer Lage concentrischer Kammerringe (Fig. 5 A, k), welch’ letztere durch einfache, oder in Verticalreihen gehäufte Mündungen mit einander und mit der Aussenwelt in Verbindung stehen (Fig. 5 A, p). Jeder Ring wird durch radiale Scheidewände (die weissen Flächen Fig. 5 A links) in zahlreiche Kammern abgetheilt, die mit einander durch symmetrisch gestellte Mündungen (p’) communiciren.

Bei den complicirter gebauten Orbituliten legen sich über und unter die Hauptkammerlage (k) noch zahlreichere Ringe aus kleineren Nebenkammern bestehend (k’). Letztere stehen nicht unter einander, sondern nur mit der Hauptkammerlage, und zwar durch grosse Oeffnungen in Verbindung (rechts oben). Lias — lebend.

Orb. praecursor Gmb. Südalpiner Lias (Graue Kalke) (Fig. 5 B).

Ob. macropora Lmk. Dänische Stufe der obersten Kreide. Mitteleuropa.

Orb. complanata Lmk. Mitteleocän Südeuropas und des Pariser Beckens, Miocän, Pliocän in England, lebend nur noch in den wärmeren Meeren.

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Fig. 5. Orbitulites. A Schema. Die Vorderfläche stellt die mit reihenförmigen Mündungen (p) versehene Aussenseite der Schale dar; links Radialschnitt mit den Mittelkammern (k), den radialen Scheidewänden (die weissen Flächen) und den Verbindungsröhren zwischen den Kammern desselben Ringes (p’); oben und unten die Ringe der kleinen Deckzellen (k’), die nur mit den Mittelkammern durch weite Oeffnungen (rechts oben) communiciren. B Orb. praecursor Gmb. Lias. Südtirol. Flächenansicht und Querschnitt.

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Fig. 6. A Alveolina Bosci Dfr. Mitteleocän (Grobkalk). Paris; a = die Mündungsporen. B Alveolina Quoii d’Orb. Lebend. Neu-Holland. Steinkern, die Sarkode darstellend. Die dunklen Theile bezeichnen die Schale. d = Septalfläche mit mehreren Reihen von kreisrunden Mündungen; a = Sarkode der äussersten, b = der inneren Kämmerchen, dazwischen die dunklen Kalkplättchen; c = die von Sarkode eingenommenen Längsrinnen.

Alveolina Bosc. (Fig. 6). Schale spindel- bis eiförmig, selten kugelig oder platt, in der Richtung der Windungsachse (in die Quere) ausgedehnt (Fig. 6 A). Umgänge spiral, die älteren durch den letzten verdeckt. Jeder Umgang zerfällt in eine mehr oder weniger grosse Zahl (etwa bis 12) von Längs- oder Hauptkammern durch Scheidewände, welche unter den der Achse parallel laufenden Längsriefen der Schale auftreten. Den sehr zahlreichen, feineren Querriefen der Schalenoberfläche entsprechen senkrecht zur Achse gestellte secundäre Scheidewände, welche die Hauptkammern in eine gleich grosse Anzahl von schmalen röhrenförmigen Nebenkammern zerlegen. Auf jede Nebenkammer kommt eine gesonderte Oeffnung auf der Septalfläche (A a). Da die secundären Scheidewände nicht ganz an das Hauptseptum heranreichen, so bleibt hinter dem letzteren eine von Sarkode erfüllte Längsrinne (B c), welche alle Nebenkammern mit einander in Verbindung setzt. Während die meisten fossilen Formen den erläuterten, relativ einfachen Schalenbau zeigen, complicirt sich derselbe bei manchen lebenden noch dadurch, dass die Nebenkammern durch Kalkplättchen, welche der Schalenoberfläche parallel liegen, in mehrere übereinander liegende Kämmerchen zertheilt werden (B b). Dieser weiteren Theilung entsprechend erscheinen mehrere Reihen von Mündungen auf der Septalfläche (B d).

Tertiär und lebend. Im unteren Eocän (Pyrenäen, Alpen, libysche und arabische Wüste, Indien) gewisse Schichten oft ganz erfüllend (sog. Alveolinenkalke).

A. ovulum Stache}Untereocän. Südeuropa. Arabien.

A. oblonga d’Orb.

A. Bosci Dfr. (Fig. 6) Mitteleocän. Pariser Becken.

A. melo F. & M. sp. Miocän bis lebend.

A. Quoii d’Orb. Lebend.

Fam. Saccaminidae.

Kammern einzeln oder stabförmig aneinander gereiht (Fig. 7 A). Schale dick, sandig, kieselig, mit groben verzweigten Canälen (Fig. 7 B).

Saccamina Sars (Fig. 7 A, B). Charakter der Familie.

S. Cartieri Brady (Fig. 7 A, B) 3–5 mm grosse Kammern oft in grossen Mengen zusammengehäuft. Subcarbon. England, Schottland, Belgien.

S. sphaerica Sars. Lebend (450 Faden) Norwegische Küste.

Fam. Lituolidae.

Schale agglutinirend, dicht oder von groben Porencanälen durchbohrt (Fig. 3 D). Kammern symmetrisch, seltener schwach unsymmetrisch spiral eingerollt, bei späterem Wachsthum oft in gerader Linie (Fig. 7 D).

Lituola Lmk. Schale aus groben, verkitteten Sandkörnern aufgebaut, bis 1 cm gross, bischofsstabförmig. Die ersten Kammern symmetrisch spiral eingerollt, die späteren in gerader Linie stehend. Die niedrigen Kammern werden durch secundäre Scheidewände in kleinere Kammern zerlegt. Mündung siebförmig. Kreide.

L. nautiloidea Lmk. häufig im Senon Nordeuropas.

Haplophragmium Reuss (Fig. 3 D, Fig. 7 D). Wie Lituola, aber ohne Unterabtheilungen in den Kammern. Mündung meist einfach, central, oft ausgezogen (Fig. 7 D a). Trias — lebend. Zahlreiche Arten in Jura, Kreide und Tertiär.

Hapl. aequale Rö. sp.; Hapl. irregulare Rö. sp. (Fig. 3 D). Untere u. obere Kreide. Norddeutschland.

Hapl. Humboldi Rss. Oligocän (Fig. 7 D).

Hapl. latidorsatum Bern. sp. Oligocän, Miocän und lebend gemein in grösseren Tiefen.

Ammodiscus Reuss (Fig. 7 C). Schale gar nicht oder nur unvollkommen gekammert, eine nach Art von Cornuspira (Fig. 7 A) regelmässig spiral oder unregelmässig knäuelartig gewundene Röhre darstellend (Fig. 7 C). Mündung von der Weite der Schale. Carbon — lebend.

Amm. incertus d’Orb. sp. und Amm. gordialis P. & J. sp. (Fig. 7 C) häufig im Carbon, Zechstein, Jura etc. lebend von 50 Faden abwärts.

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Fig. 7. A Saccamina Carteri Brad. Carbon. Northumberland. B dieselbe, aufgebrochen, die labyrinthische Schalenstructur zeigend. C Ammodiscus gordialis P. & J. sp. Carbon, England. D Haplophragmium Humboldti Rss. Mitteloligocän, Sulz u. d. Wald, Unt. Elsass. E Textularia carinata d’Orb. Miocän, Wien; a = Mündung. F Clavulina Szabói Hantk. Unteroligocän, Ungarn; a = Mündung.

Fam. Textularidae.

Kalkige oder agglutinirende, grobporöse Schalen. Die Kammern stehen wechselständig in zwei oder drei Reihen um eine Längsachse, bei weiterem Wachsthum oft einzeilig angeordnet (Fig. 7 E, F).

Textularia Dfr. (Fig. 7 E). Schale kalkig oder agglutinirend, platt, keilförmig. Kammern zweizeilig, alternirend, meist breiter als hoch. Mündung ein halbmondförmiger Spalt am Unterrande der der Achse des Gehäuses zugewendeten Seite der Kammerwand (E a). Carbon — recent, sehr häufig in Kreide und Tertiär.

Text. globifera Ehrb. häufig in der Kreide.

Text. carinata d’Orb. (Fig. 7 E). In allen Stufen der Tertiärformation verbreitet, lebend bei den Philippinen und im Mittelmeer.

Clavulina d’Orb. (Fig. 7 F). Schale stets agglutinirend, aus anfangs dreizeilig geordneten, später einzeilig übereinander gestellten oft dreikantigen Kammern sich aufbauend. Mündung endständig, in eine Spitze ausgezogen (F a).

Cl. communis d’Orb. Eocän — lebend.

Cl. Szabói Hantk. (Fig. 7 F). Mehrere mm gross, im ungarischen Unteroligocän häufig (Cl. Szabói-Schichten).

Fam. Lagenidae.

Schale stets kalkig, feinporös, aus kugeligen oder abgeplatteten Kammern aufgebaut. Letztere einzeln, oder zu mehreren aneinander gereiht, eine stabförmige, spiral gerollte oder eine aus unregelmässig zusammengehäuften Kammern bestehende Schale bildend. Mündung bei den spiral gebauten Schalen an der Convexseite. Canalsystem fehlt in dieser formenreichsten Familie.

Lagena Walk. (Fig. 8 A). Schale aus einer einzigen, meist verzierten, kugeligen oder schwach abgeplatteten Kammer bestehend. Mündung endständig, central, oft in eine halsartige Röhre ausgezogen. Silur — lebend, besonders häufig im Tertiär.

Lag. semistriata Will. (Fig. 8 A). Eocän — lebend.

Lag. laevis Mont.}Silur — lebend.

Lag. sulcata W. & B.

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Fig. 8. A Lagena semistriata Will. Mitteloligocän. Hermsdorf b. Berlin. B Nodosaria (Dent.) guttifera d’Orb. Miocän. Wien. C Cristellaria rotulata Lmk. Gault. Braunschweig; a = Mündung. D Frondicularia concinna Koch. Neocom. Hils.

Nodosaria Lmk. (= Dentalina d’Orb.) (Fig. 8 B). Kugelige oder halsartig verlängerte, oft sculptirte Kammern sind zu einer geraden (Nodosaria), oder gebogenen (Dentalina), stabförmigen Schale aneinander gereiht. Mündung endständig. Carbon — lebend. Viele Arten in Jura, Kreide und Tertiär.

Nod. prima d’Orb. Lias. Mitteleuropa.

Nod. raphanus L.}Tertiär und lebend.

Nod. (Dent.) guttifera d’Orb. (Fig. 8 B)

Frondicularia Dfr. (Fig. 8 D). Schale abgeplattet, von linearem oder rhombischem Umriss, aus winkelig gebrochenen, reitenden, in gerader Linie übereinander gereihten Kammern bestehend. Mündung endständig, central. Anfangskammer meist kugelig. Trias — lebend.

Fr. Terquemi d’Orb. Lias. Mitteleuropa.

Fr. concinna Koch (Fig. 8 D). Neocom. Norddeutschland.

Fr. angusta Nils. (bis zu 40 Kammern). Turon und Senon. Mittel- und Nordeuropa.

Cristellaria Lmk. (Fig. 8 C). Gehäuse platt oder biconvex. Entweder nur die ersten oder alle Kammern zu einer symmetrischen Spirale aufgerollt. Kammerscheidewände vertieft oder leistenförmig hervortretend. Nabel zuweilen von einer Scheibe verdeckt (Fig. 8 C). Mündung rund oder spaltförmig an der Aussenseite der Septalfläche gelegen (Fig. 8 C a). Lias — lebend, eine sehr gemeine Gattung.

Cr. rotulata Lmk. (Fig. 8 C). Lias — lebend, sehr häufig in der Kreide.

Polymorphina Will. (Fig. 9). Kammern undeutlich spiral oder zweizeilig oder unregelmässig aneinander gehäuft. Schale kugelig oder abgeplattet. Kammernähte meist vertieft. Mündung rund, an der Spitze des Gehäuses. Trias — lebend.

Pol. anceps Phil. (Fig. 9). Häufig im norddeutschen Oligocän.

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Fig. 9. Polymorphina anceps Phil. Norddeutsches Oligocän.

Fam. Globigerinidae.

Schale kalkig, grobporös (Fig. 10). Kammern mehr oder weniger kugelig, undeutlich spiral, in verschiedenen Ebenen locker aneinander gereiht. Canalsystem fehlt.

Globigerina d’Orb. (Fig. 10). Kammern kugelig, rasch an Grösse zunehmend, meist deutlich spiral angeordnet, grob punktirt. Mündung ein halbmondförmiger Spalt auf der Unterseite (Fig. 10 A a).

Glob. bulloides d’Orb. (Fig. 10). Tertiär und lebend sehr häufig.

Glob. cretacea d’Orb. Häufig in der Kreide.

Glob. marginata Reuss. sp. In der Kreide häufig, lebend selten.

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Fig. 10. Globigerina bulloides d’Orb. Miocän. Wien. A von der Unterseite; a = Mündung. B von der Oberseite.

Als Orbulina d’Orb. bezeichnet man kugelige, einkammerige Schalen, welche von derselben Structur wie die Globigerinen oft kleine Schalen der letzteren einschliessen und wahrscheinlich nur als ein Reproductionsstadium derselben aufzufassen sind.

Der sog. Globigerinen-Schlamm, welcher in den grössten Tiefen der Oceane (bis zu 4000 m Tiefe) vielfach angetroffen wird, besteht fast ausschliesslich aus abgestorbenen Schalen von Globigerina, Orbulina und Pulvinulina. Vom Jura an kennt man mehrfach Kalksteine, an deren Zusammensetzung sich die Globigerinen in grossem oder geringem Maassstabe betheiligen.

Fam. Rotalidae.

Die kalkige, fein- oder grobporöse Schale ist nach Art eines Schneckenhauses gewunden und in meist zahlreiche Kammern getheilt. Auf der einen Seite der Schale sind meist alle Umgänge sichtbar, auf der anderen nur der letzte (Fig. 11). Canalsystem zuweilen entwickelt.

A. Schale grobporös (Fig. 2; Fig. 3 C; Fig. 11).

Truncatulina d’Orb. (Fig. 2; Fig. 11). Auf der gewölbten Oberseite nur die Kammern des letzten Umganges (Fig. 11 A), auf der flachen Unter- (oder Spiral-) Seite die aller Umgänge sichtbar (Fig. 11 B). Kammerscheidewände meist vertieft. Mündung (Fig. 11 B a) spaltförmig auf der Unterseite oder am Innenrande der letzten Scheidewand gelegen. Carbon — lebend.

Tr. lobatula Walk. sp. (Fig. 11). Carbon — lebend, sehr häufig im Tertiär.

Tr. ammonoides Reuss sp. Sehr häufig in der Kreide, tertiär und lebend im südl. Pacific.

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Fig. 11. Truncatulina lobatula Walk. sp. Miocän. Wien. A von der Oberseite. B von der Unterseite; a = die spaltförmige Mündung. C von der Seite.

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Fig. 12. Calcarina Spengleri Lin. sp. (= calcitrapoides Lk.). Oberste Kreide (Danien). Mastricht.

Calcarina d’Orb. (Fig. 3 C; Fig. 12). Wie Truncatulina, aber die Umgänge von reichlich entwickeltem Zwischenskelet umgeben, welches der Oberfläche ein warziges und stacheliges Aussehen verleiht (Fig. 12). Grobe Canäle (Fig. 3 C a b) durchziehen das Zwischenskelet.

C. Spengleri Lin. sp. (Fig. 3 C; Fig. 12). Oberste Kreide, tertiär und lebend.

B. Schale feinporös (Fig. 3 B a; Fig. 13).

Pulvinulina Will. (Fig. 13). Schale beiderseits gewölbt, aber unsymmetrisch, feinporös, ohne Canalsystem. Mündung auf der Septalfläche (C a); oft (Untergattung Epistomina) eine zweite, spaltförmige, am Rande der Nabelseite gelegene (B x). Trias — Jetztzeit.

P. caracolla Rö. sp. Oberer Jura und untere Kreide.

P. spinulifera Rss. (Fig. 13). Untere Kreide.

P. Partschii d’Orb. Lias — lebend.

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Fig. 13. Pulvinulina spinulifera Rss. Oberer Gault. Folkestone, England. A Spiralseite. B Nabelseite; x = randliche Mündungen. C Vorderansicht; a = septale Mündung.

Rotalia Lmk. (Fig. 3 B). Von Pulvinulina durch ein wohl entwickeltes Canalsystem unterschieden, welches in den Scheidewänden als einfacher, gegen die Schalenoberfläche hin sich verzweigender Strang verläuft (Fig. 3 B b). Vom Jura an, hauptsächlich im Tertiär und in den jetzigen Meeren.

Rot. Beccari Lin. sp. Oberer Jura — lebend.

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Fig. 14. Amphistegina Lessoni d’Orb. (= A. Haueri d’Orb.). Miocän (Leithakalk). Wien. A Ansicht der Unterseite. B Ansicht der Oberseite. C Querschnitt: a = Mündung; b = Zapfen undurchbohrter Schalenmasse.

Amphistegina d’Orb. (Fig. 14). Schale nur schwach unsymmetrisch, aber derart vollständig eingerollt, dass allseits nur der letzte Umgang sichtbar bleibt. Unterseite stärker gewölbt als die Oberseite. Auf der Oberseite (Fig. 14 B) verlaufen die einfachen Kammerscheidewände anfangs nach vorn, dann geknickt nach hinten gebogen, auf der Unterseite (Fig. 14 A) erscheinen sie nach dem Schalenrande zu getheilt; sie geben dadurch zur Bildung von Secundärkammern Veranlassung. Von der kugelförmigen Embryonalkammer gehen verkehrt kegelförmige Zapfen, aus undurchbohrter Schalenmasse bestehend, beiderseits in der Richtung der Aufrollungsachse bis an die Oberfläche (Fig. 14 C b) und bilden einen centralen Knopf. Mündung (Fig. 14 C a) in der Nähe der Mittellinie auf der Unterseite an einem Septalrande gelegen. Subcarbon und Obere Kreide selten, häufig im Tertiär, lebend in den tropischen Meeren.

A. minuta Brad. Subcarbon. England.

A. Fleuriansi d’Orb. Oberste Kreide (Dänische Stufe). Mastricht.

A. Lessonii d’Orb. (Fig. 14). Eocän — lebend, sehr häufig im miocänen Leithakalk des Wiener Beckens (= A. Haueri d’Orb.).

Fam. Fusulinidae.

Schale kalkig, fein porös[A] (Fig. 15 C), symmetrisch spiral eingerollt; nur der letzte Umgang sichtbar. Gesammtform spindelförmig (Fig. 15 A), cylindrisch oder fast kugelig (Fig. 15 D, E). Scheidewände porenlos, in die Kammerwände eingekeilt, so dass sie die Oberfläche kaum erreichen (Fig. 15 C, G). Mündung ein Spalt oder eine Reihe von Löchern auf dem Innenrande der Septalfläche (Fig. 15 A a, G a). Canalsystem fehlt. Auf Carbon und Perm beschränkt.

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Fig. 15. A–C Fusulina. A F. cylindrica Fisch. Carbon, Russland; a = Mündungsporen. B C. japonica Gümb. Carbon, Japan; Schema k = Hauptkammern; f = gefaltetes Septum. C dieselbe im Schliff; s = porenlose Septen, mit einander verschmolzen und in die Kammerwände eingekeilt. D–G Schwagerina. Carbon, Japan. D Sch. princeps Ehrb. sp. von der Seite. E dieselbe von vorn; a = Mündungsporen. F dieselbe aufgeschnitten, die Kammern (k), die am Ende anostomosirenden Septen und die Mündungsporen (a) zeigend. G Schw. lepida Schwag.; Schema; k = Kammern mit den basalen Spiralreifen sp, welche die Secundärkammern (sk) abtrennen; a = Mündungsporen.

Fusulina Fischer (Fig. 15 A–C). Meist spindelförmig (A) oder fast cylindrisch, selten mehr kugelig. Die Scheidewände auf der Oberfläche der Schale durch Längsfurchen angedeutet. Nach innen zu falten sich die Septen und bilden Nischen und Vorsprünge (B f). Dadurch dass sich die Vorsprünge zweier benachbarten Septen berühren oder mit einander am Grunde verschmelzen (Fig. 15 C s), werden innerhalb der Hauptkammern (B k) unvollständig geschlossene Secundärkammern gebildet. Mündung entweder eine centrale Spalte oder eine Reihe von runden Oeffnungen oder beides vereint (A a).

Im Carbon und im untern Perm, besonders häufig im Carbon. Europa, Asien und Nordamerika (Fusulinen-Kalk).

F. cylindrica Fisch. (Fig. 15 A), F. Verneuili Möll., F. japonica Gümb. (Fig. 15 B, C), F. ventricosa Meek.

Schwagerina Möller (Fig. 15 D–G). Meist nahezu kugelig (Fig. 15 D, E), seltener cylindrisch oder spindelförmig. Septa einfach, nur in der Nähe der Windungsachse gebogen und mit einander verschmelzend (Fig. 15 E). Auf dem Grunde der niedrigen Kammern (Fig. 15 G, K) erheben sich zahlreiche, ebenso wie die Scheidewände aus undurchbohrter Kalkmasse bestehende Reifen (Fig. 15 G sp) oder Spiralstreifen (Basalskelet), welche die Kammern in Secundärkammern (Fig. 15 G sk) zerlegen. Doch verschwinden die Spiralstreifen zuweilen fast gänzlich. Mündung selten einfach, zumeist durch eine Reihe von Löchern ersetzt, welche den Secundärkammern entsprechen (Fig. 15 G a). Meist mit Fusulina vergesellschaftet im Carbon und in der unteren Dyas.

Schw. princeps Ehrb. sp. (Fig. 15 D–F). China und Russland.

Schw. lepida Schwag. (Fig. 15 G) China.

Fam. Nummulinidae.

Schale kalkig, feinporös, stets symmetrisch eingerollt oder bald cyclisch werdend (Orbitoides). Mündung am Innenrande der Septalfläche (Fig. 16 B a). Mit oder (seltener) ohne Canalsystem. Enthält die grössten aller Foraminiferen (Nummulites und Orbitoides).

Pullenia P. & J. (Fig. 16). Schale ganz eingerollt, so dass nur der letzte, aus wenigen Kammern bestehende Umgang sichtbar ist. Mündung ein breiter Spalt (B a). Canalsystem und Zwischenskelet fehlen. Lebend und fossil von der Kreide an, häufig im Neogen.

P. bulloides d’Orb. sp. (Fig. 16). Tertiär und lebend häufig.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 16. Pullenia bulloides d’Orb. sp. Miocän. Wien. A von der Seite. B von vorn. a = Mündung.

Polystomella d’Orb. (Fig. 17). Schale wie bei Pullenia eingerollt, aber die Umgänge mit zahlreicheren Kammern. Die Mitte der Schale wird von einer aus Zwischenskeletsubstanz gebildeten Scheibe eingenommen (Fig. 17 A). Der Steinkern (B) zeigt ein spirales, unter der Nabelscheibe am centralen Aussenrande der Umgänge verlaufendes Canalsystem (B a), von welchem sich Meridionalcanäle (B b) abzweigen und in den peripherischen Theil der Septen eintreten. Die kurzen Aeste der letzteren treten mit den Kammern des nächstfolgenden Umganges in Verbindung. Am hinteren peripherischen Rande der Septen besitzt jede Kammer zahlreiche, blindsackartige Ausstülpungen, deren Zwischenräume auf der Schalenoberfläche als spiral und radial geordnete Grübchen sichtbar werden (A). Mündung meist in eine grössere Anzahl Löcher aufgelöst. Jura — Gegenwart, häufig im Tertiär.

Pol. crispa Lmk. (Fig. 17). Häufig tertiär und lebend.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 17. A Polystomella crispa Lmk. Miocän. Wien; von der Seite. B Steinkern von Polyst. craticulata F. & M. sp.; a = Spiralcanal, von dem sich Meridionalcanäle mit kurzen Aesten (b) in die Septen abzweigen.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 18. Operculina cretacea Reuss. Oberste Kreide (Danien). A von der Seite. B von vorn. a = Mündung.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 19. Canalsystem von Operculina. Schale von der Rückseite angeschnitten. k = Kammerhöhlungen. s = Kammerscheidewände. a = Dorsalstrang. c = Spiralcanäle, die Ausläufer (d) in die Septen senden.

Operculina d’Orb. (Fig. 18; Fig. 19). Schale flach, mehrere mm gross. Die wenigen Umgänge rasch anwachsend, alle äusserlich sichtbar, der letzte sehr hoch (Fig. 18). Mündung ein Spalt am Innenrande der Septalfläche (Fig. 18 B a). In der Medianebene befindet sich unter dem Aussenrande der Schale ein Strang undurchbohrter Kalksubstanz (Dorsalstrang), in welchem ein verzweigtes Canalsystem verläuft (Fig. 19 a). Daneben zwei spirale Canäle (Fig. 19 c), von welchen sich verästelte Gefässe in die Scheidewände verzweigen (Fig. 19 d). Scheidewände perforirt (punktirte Fläche oben in Fig. 19), wo sie der Schalenwand eingekeilt, aber zum Theil dicht (Fig. 19 s). Obere Kreide, Tertiär und lebend.

Op. cretacea Rss. (Fig. 18). Oberste Kreide (Danien). Mastricht, Südfrankreich.

Op. ammonea Leym. Eocän. Europa. Indien.

Op. complanata Bast. Miocän. Südeuropa.

Nummulites Lmk. (Fig. 20; Fig. 21). Die Nummuliten sind sehr grosse, bis 6 cm im Durchmesser haltende, münzenförmige (daher der Name) oder linsenförmige Foraminiferen, die sich wesentlich nur durch ein verschiedenartiges Wachsthum von Operculina unterscheiden. Sie zerfallen in zwei Untergattungen:

Assilina d’Orb. (Fig. 21 A–B). Umgänge niedrig und langsam anwachsend, alle von aussen sichtbar (B). Schale fast ganz flach, nur gegen die Mitte zu durch aufgelagerte Kalksubstanz etwas verdickt (A). Kammern einfach, nicht seitlich verlängert (A). Pfeiler von undurchbohrter Kalksubstanz wie bei Nummulina (Fig. 21 I pf).

Häufig im Eocän (siehe unter Nummulina).

Ass. spira d. Roiss., exponens Sow. (Fig. 21 A, B) mit kleiner Anfangskammer.

Ass. mamillata d’Arch., Leymerii d’Arch. mit grosser Anfangskammer.

Nummulina d’Orb. (Fig. 20; Fig. 21 C–L). Die Kammerhöhlungen von Nummulina beschränken sich nicht, wie bei Assilina, auf den medianen Theil der Schale, sondern sie greifen bis zum Centrum derselben flügelartig über; deshalb verhüllt der letzte Umgang alle früheren (Fig. 21 C, G). Die erste Kammer ist entweder sehr klein (nur mikroskopisch sichtbar) oder sehr gross. Die zahlreichen, spiralen, niedrigen, in eine grosse Zahl von Kammern abgetheilten Umgänge nehmen nur sehr langsam oder gar nicht an Höhe zu (Fig. 20; Fig. 21 G, H).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 20. Eine der Länge und Quere nach aufgeschnittene Nummulina. K = mediane Kammerlage. s = Scheidewände. c = Dorsalstrang in die Septa (s) fortsetzend. p = Pfeiler von dichter Kalksubstanz. k = Septum von der Fläche aus gesehen.

Die Septalverlängerungen verlaufen auf den Seitenflächen entweder fast gerade oder schwächer oder stärker gebogen (Fig. 21 C, sv; F, sv; Fig. 20 s), mitunter verschmelzen sie miteinander zu einem Netzwerk (L, sv). Durch die Schale setzen in radialer Richtung oft Pfeiler aus undurchbohrter Zwischensubstanz (Fig. 21 I, pf; Fig. 20 p), die zwischen (Fig. 20 p; Fig. 21 L, pf) oder auf den Septalverlängerungen (Fig. 21 H, pf) stehen können. Auf der Oberfläche treten dieselben als Wärzchen oder Körner hervor. Das Canalsystem wie bei Operculina, im Rückenstrange gelegen und von dort sich in die Septen verzweigend. Die zahlreichen Arten gruppiren sich, wie folgt:

I. Simplices. Septalverlängerungen einfach, gerade oder gewunden, aber nicht netzartig (Fig. 21 C, F, H).

A. Ohne Pfeiler (Oberfläche nicht gekörnelt) (Fig. 21 C):

N. complanata Lk., distans Desh., planulata d’Orb., Gizehensis Ehrb. (Fig. 21 E–G) mit kleiner Anfangskammer;

N. pristina Brad., Tchihacheffi d’Arch., striata d’Orb., variolaria Sow. (Fig. 21 C–D), Cuminghi Carp. mit grosser Anfangskammer.

B. Mit Pfeilern (Oberfläche gekörnelt) (Fig. 21 H):

N. perforata d’Orb. (Fig. 21 H–I) mit kleiner Anfangskammer;

N. Lucasana Dfr. mit grosser Anfangskammer.

II. Reticulatae. Septalverlängerungen verschlungen und mit einander netzartig verschmelzend (Fig. 21 L).

A. Ohne Pfeiler:

N. intermedia d’Arch. mit kleiner Anfangskammer;

N. Fichteli Mich. mit grosser Anfangskammer.

B. Mit Pfeilern (Fig. 21 L):

N. laevigata (Fig. 21 K–L) mit kleiner Anfangskammer;

N. Lamarcki d’Arch. mit grosser Anfangskammer.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 21. A–B Assilina exponens Sow. Eocän. A Querschnitt; mk = Kammerhöhlungen. B Schale von aussen, alle Umgänge zeigend. — C–D Nummulina variolaria Sow. Obereocän. Paris. C Schale von aussen, z. Th. aufgebrochen, um die inneren Umgänge zu zeigen; sv = Septalverlängerungen, schwach gebogen. D Frontansicht. — E–G N. Gizehensis Ehr. Eocän. Libysche Wüste. E ein kleines Exemplar von der Seite. F ein Stück der abgeriebenen Oberfläche, die stark gewundenen Septalverlängerungen (sv) zeigend. G Querschnitt; mk = mediane, ks = seitliche Kammerräume. — H–I N. perforata E. & H. Mitteleocän. Vicentin. H Schale z. Th. aufgebrochen, die letzten Umgänge und die den Septen aufgesetzten Pfeiler (pf) zeigend. — K–L N. laevigata Lk. Mitteleocän. Paris. Schale z. Th. aufgebrochen, die genetzten Septalverlängerungen (sv) und die Pfeiler zwischen ihnen (pf) zeigend.

Die ältesten Nummuliten kennt man aus dem Subcarbon (N. pristina Brad.), zweifelhafte Reste aus dem Jura. Im Eogen (Untereocän — Unteroligocän) erreichen sie ihre Maximalentwicklung. Lebend 1 Art (N. Cuminghi Carp.). Im älteren Tertiär setzen sie mächtige Schichtencomplexe fast ausschliesslich zusammen (Nummulitenkalke), besonders in Südeuropa, Kl.-Asien, N.-Afrika, Indien und im S. der Vereinigten Staaten. Im englisch-nordfranzösischen Tertiärbecken finden sich nur wenige Arten (N. laevigata, planulata, variolaria). Meist treten zwei nahe miteinander verwandte, aber durch die Grösse der Anfangskammern unterschiedene Arten gepaart miteinander auf. Es lassen sich acht Horizonte im älteren Tertiär nach dem Vorkommen von Nummulitenpaaren unterscheiden, nämlich:

Unteroligocän (Ligurische Stufe)}N. vasca J. & L. — Boucheri d. l. H.

Obereocän (Barton Stufe){N. intermedia d’Arch. — Fichteli Mich.

N. complanata Lk. — Tchihatcheffi d’Arch.

N. contorta Desh. — striata d’Orb

Mitteleocän (Pariser Stufe){Assilina

N. perforata d’Orb. — Lucasana Dfr.

N. laevigata Lk. — Lamarcki d’Arch.

Untereocän (London Stufe)}N. planulata d’Orb. — elegans Sow.

Orbitoides d’Orb. (Fig. 22; Fig. 23). Kreisrunde oder sternförmige (Fig. 23 A–E), linsenförmige oder platte Gehäuse bis 4 cm im Durchmesser. Nur die ersten Hauptkammern spiral, die späteren cyklisch angeordnet. Im Querschnitte hebt sich eine mittlere (Haupt-)Kammerschicht (Fig. 22 mk; Fig. 23 G, m) durch die Grösse der Kammern scharf von den oberen und unteren Lagen von Secundärkammern (Fig. 22 o; Fig. 23 G, o) ab. Die Hauptkammern erscheinen im Längsschnitt rechteckig (Fig. 23 I, k) oder gerundet (Fig. 23 K, k), im Querschnitt rechteckig (Fig. 23 mk) bis sichelförmig (Fig. 23 G, m). Die zahlreichen, durch radiale Scheidewände getrennten Kammern desselben Cyklus stehen nicht miteinander, wohl aber mit den alternirend dazu gestellten Kammern des nächstanliegenden Cyklus durch paarige Röhren (Fig. 22 v, Fig. 23 I, v, K, v) in Verbindung. Sowohl oberhalb als unterhalb der medianen Kammerlage verläuft ein Canalsystem in den cyklischen Scheidewänden, welches auch die radialen Scheidewände durchsetzt (Fig. 22 c).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 22. Modell von Orbitoides, in verschiedenen Ebenen angeschnitten. Die vordere Fläche liegt in einer Radialebene. mk = mittlere (Haupt-)Kammerreihe. v = paarige Verbindungsröhren zwischen 2 auf einander folgenden Cyklen. o = kleinere Secundärkammern. n = auf- und absteigende Verbindungsröhren zwischen denselben. d = Warzen der Oberfläche, die Endigungen der verkehrt conischen Pfeiler (Zwischenskelet) mit darin verlaufendem Intercanalsystem (ic). c = Platten von Zwischenskeletsubstanz, welche die Pfeiler mit einander verbinden. c = Canalsystem in den cyklischen und in den radialen Kammerscheidewänden verlaufend.

Ueber und unter der medianen Kammerlage finden sich mehr oder minder zahlreiche concentrische Lagen von linsenförmigen, etwas unregelmässigen Secundärkammern (Fig. 22 o; Fig. 23 G, o, H, o), die durch schräge, auf- und absteigende Röhren miteinander communiciren (Fig. 22 n; Fig. 23 G, n, H, n). Diese Lagen werden von aufrechten, verkehrt conischen Pfeilern aus undurchbohrter Kalksubstanz (Zwischenskelet) (Fig. 22 ic) durchsetzt; in den Pfeilern verläuft ein grobes Intercanalsystem. Auf der Oberfläche erscheinen die Pfeiler als Warzen (Fig. 22 d; Fig. 23 C, D, E, F, d). Sie werden durch radiale Platten aus undurchbohrter Kalksubstanz verbunden (Fig. 22 e; Fig. 23 F, e), in denen die schrägen Verbindungsröhren der Secundärkammern verlaufen (Fig. 22 n).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 23. A–B Orbitoides papyracea Boub. Mitteleocän. Kressenberg, bayer. Alpen. C O. nummulitica Gümb. Obereocän. Ebendaher. D O. radians d’Arch. sp. Mitteleocän. Ebendaher. a = Centraler Knopf; b = Radien. E O. stellata d’Arch. Obereocän. Priabona, Vicentin. a = Centraler Knopf; b = Radien. F. O. papyracea Boub. Vergrösserte Oberfläche, die Pfeilerenden (Körner) (d) und die sie verbindenden dichten Vertikallamellen (c) zeigend. G O. multiplicata Gümb. Eocän. Mte. Spilecco, Vicentin. Querschnitt. m = mediane Kammern, durch horizontale Septen unterabgetheilt; o = Secundärkammern; n = Communicationscanäle zwischen denselben. H O. papyrocea Boub. Ausfüllung der linsenförmigen Secundärkammern (o) und ihre Verbindungscanäle (n). I dieselbe. Längsschnitt durch die mediane Kammerlage. k = die rechteckigen alternirend gestellten Hauptkammern; v = die paarigen Verbindungsröhren zwischen den Kammern der benachbarten Cyclen. K O. Mantelli Sow. Untermiocän. Cutsch. Ostindien. Längsschnitt durch die mediane Kammerlage. Bez. wie Fig. I.

Die zahlreichen Arten der Gattung gruppiren sich wie folgt:

A. Schale linsenförmig, kreisrund (Fig. 23 A–C):

Discocyclina. Mediankammern einfach, rechteckig im Längsschnitte (Fig. 22 mk, Fig. 23 I, k).

Lepidocyclina. Mediankammern einfach, rundlich im Längsschnitte (Fig. 23 K, h).

Rhipidocyclina. Mediankammern durch horizontale Septen unterabgetheilt (Fig. 23 G, m).

B. Schale sternförmig (Fig. 23 D, E):

Asterocyclina. Ohne centralen Knopf, mit wenigen, einfachen Radialrippen (Fig. 23 E, b).

Actinocyclina. Mit centralem Knopf (Fig. 23 D a) und zahlreichen gegabelten oder durch Einschiebung vermehrten Rippen (Fig. 23 D, b).

Von der obersten Kreide bis ins Miocän reichend, besonders häufig vom Mitteleocän bis ins Unteroligocän in Gesellschaft der Nummuliten weit verbreitet.

O. media d’Arch. Dänische Stufe der Ob.-Kreide. Mastricht. Südfrankreich.

O. (Discoc.) papyracea Boub. (Fig. 23 A, B, F, H, I). Mitteleocän.

O. (Lepidoc.) Mantelli Sow. (Fig. 23 K). Untermiocän (I. Mediterranstufe).

O. (Rhipidoc.) nummulitica Gümb. Obereocän — Unteroligocän (Fig. 23 C).

O. (Asteroc.) stellata d’Arch. sp. Ebendaselbst (Fig. 23 E).

O. (Actinoc.) radians d’Arch. sp. Ebendaselbst (Fig. 23 D).

Orbitoides selbst ist nicht lebend bekannt, wohl aber eine nahe verwandte Form, Cycloclypeus Carp. (von platt scheibenförmiger Gestalt), aus den tropischen Meeren.

Anhang.

Orbitulina d’Orb. Kreisrunde, bis 3 cm im Durchmesser haltende Schalen, welche auf der einen Seite kegelförmig erhöht, auf der anderen schüsselförmig ausgehöhlt erscheinen. Die Schalenmasse besteht aus Kieselsäure, weshalb die Zugehörigkeit zu den Foraminiferen sehr fraglich.

Massenhaft, oft gesteinbildend, in der Kreide. Orbitulinenschichten.

O. lenticularis Lmk. Mittlere Schichten der unteren Kreide (Urgo-Aptien). Alpen. Südfrankreich. Spanien. Algier.

O. concava Lmk. Cenoman. Alpen. Frankreich. England.

Vorkommen und geologische Verbreitung der Foraminiferen.

Trotz der geringen Grösse ihrer Schalen kommt den Foraminiferen eine hohe geologische Bedeutung zu, da sie zumeist in ausserordentlich grosser Individuenzahl auftreten. So bilden die an der Oberfläche der Weltmeere lebenden Formen, wie Globigerina, Orbulina, Pullenia, mächtige und weit ausgedehnte Absätze in den grösseren Meerestiefen, wo ihre abgestorbenen Gehäuse sich zusammen mit den Coccolithen und Radiolarien zu dem sog. weissen Globigerinenschlamme zusammenhäufen. Die meisten, namentlich die grösseren Formen, wie Operculina, Amphistegina, Rotalia, Cristellaria etc., leben in geringen Meerestiefen in der Nähe der Küsten und tragen dort zur Sedimentbildung bei. Auch aus früheren Erdperioden kennen wir derartige, fast ausschliesslich aus Foraminiferenschalen gebildete Absätze, wie die Fusulinenkalke des Carbons und Perms, die Orbitulinenkalke der Kreide, die Miliolidenkalke der oberen Kreide und des Tertiärs, die Alveolinen-, Nummuliten- und Orbitoidenkalke des Eocäns und Unteroligocäns, die Amphisteginenkalke des älteren Neogens etc.

Viele Gattungen erscheinen heute auf die wärmeren Meere beschränkt (Operculina, Amphistegina, Orbitulites u. A.). Ein ähnliches Verhalten zeigen die Nummuliten, Orbitoiden, Alveolinen etc. auch in der Vorzeit, wo sie nur an den Ablagerungen aus wärmeren Meeren sich betheiligten. Somit geben die Foraminiferen werthvolle Aufschlüsse über die Tiefen und die Temperirung der Meere, in denen sie lebten.

Weniger gut lassen sie sich für die Altersbestimmung der Schichten verwerthen, da die meisten derselben wenig oder gar nicht verändert durch lange Zeiträume sich erhielten. So kennen wir zwei Lagena-Arten aus dem Silur und den heutigen Meeren. Viele Arten von Nodosaria, Cristellaria, Rotalia etc. gehen unverändert oder mit kaum fixirbaren Abänderungen durch mehrere Formationen hindurch.

In silurischen und devonischen Ablagerungen konnten bisher nur sehr spärliche Reste von Foraminiferen entdeckt werden. In der Steinkohlenformation tritt uns die erste, aber nur zum Theil aus ausgestorbenen Gattungen (Fusulina, Schwagerina u. a.) bestehende Fauna entgegen. Von den ca. 30 Gattungen jener Zeit leben noch die meisten, wie Lagena, Lituola, Textularia, Truncatulina, Amphistegina etc. In der Trias-, noch mehr aber in der Jura- und Kreideformation gelangen die einfach gebauten perforirten Foraminiferen (Lageniden und Rotaliden) zu ausgedehnter Entwickelung, während die Milioliden und die complicirter gebauten Formen noch relativ spärlich sich finden. Letztere sehen wir erst im Tertiär, namentlich im Eocän in gigantischen und zahlreichen Formen sich entfalten (Operculina, Nummulites, Orbitoides, Alveolina u. a.). Nur eine geringe Anzahl von Gattungen ist überhaupt ausgestorben (Fusulina, Orbitoides, Orbitulina) oder dem Erlöschen nahe (Nummulites).

2. Ordnung Radiolaria.

Litteratur über Radiolarien.

Ehrenberg, C. G. Mikrogeologie 1854.

—— Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1875. — Monatsber. der Berl. Akad. d. Wissensch. 1873.

Haeckel, E. Die Radiolarien. Berlin 1862.

—— Report on the Radiolaria. Scientif. Results of Challenger Voyage. Zoology 1887.

Rüst, D. Palaeontographica. Bd. XXXI. 1885.

Stöhr, E. Palaeontographica. Bd. XXVI. 1878.

Die Radiolarien sind mikroskopisch kleine, selten mehrere mm grosse Meeres-Protozoen, meist mit einem zierlichen Kieselskelet ausgerüstet. Der Protoplasmakörper wird durch eine häutige, chitinartige Kapsel, die sog. Centralkapsel, in zwei Theile gesondert, die als intra- und extracapsuläre unterschieden werden. Durch Oeffnungen in der Centralkapsel stehen beide Theile miteinander in Verbindung. Die Oeffnungen sind entweder sehr zahlreich und fein (und dann auf die ganze Kapsel vertheilt oder auf einen bestimmten Theil derselben beschränkt), oder sie sind gross und wenig zahlreich (1–3). Die extracapsuläre Partie sendet aus ihrer tieferen, der Centralkapsel aufliegenden Schicht die sehr feinen Pseudopodien durch die äussere Gallertschicht hindurch.

Weitaus die Mehrzahl der Radiolarien besitzt ein festes Skelet, welches entweder aus wasserhaltiger amorpher Kieselsäure oder seltener aus Akanthin, einer festen, organischen, in H2SO4 löslichen Substanz besteht. Akanthinskelete sind aus leicht begreiflichen Gründen noch nicht gefunden worden, während man Kieselskelete aus fast allen Formationen kennt. Meist dürfte freilich auch die Kieselsäure aufgelöst und zur Bildung von Kieselknollen verwendet worden sein, die uns jetzt in der Form von Hornsteinen, Calcedonen, Feuersteinen etc. vorliegen. An Stelle der ursprünglich amorphen Kieselsäure ist in vielen Fällen die krystalline Modification derselben oder Brauneisenstein, zuweilen auch Glaukonit getreten.

Die Kieselskelete sind sehr mannigfaltig gestaltet und zierlich gebaut, aber nie innerhalb der Centralkapsel gelegen. Sie bestehen entweder aus isolirten Nadeln oder Stäbchen, oder aus einer zusammenhängenden Gitterschale von kugeliger, eiförmiger, mützenförmiger oder platter Gestalt und sind oft mit Stacheln verziert (Fig. 24–29). Wenn auch eine naturgemässe Classification nach den Skeleten allein nicht durchführbar ist, so stehen doch in der Regel die Skeletbildungen in einer so engen Beziehung zum Bau der Weichtheile, dass nach denselben allein eine sichere Unterscheidung vorgenommen werden kann. Die Abgrenzung der Familien, Gattungen und Arten erfolgt sogar fast ausschliesslich nach dem Skelet.

Die Radiolarien sind Meeresbewohner; sie leben gesellig, zum Theil an der Oberfläche, zum Theil in bedeutenden Meerestiefen. An gewissen Stellen des pacifischen Oceans (zwischen den Philippinen und Marquesas-Inseln) besteht der Meeresboden in sehr grossen Tiefen fast ausschliesslich aus einer Anhäufung von Radiolarienschalen (sog. Radiolarienschlamm).

Man unterscheidet folgende vier Unterordnungen der Radiolaria:

Skelet aus Akanthin bestehend. Fossil unbekannt.I. Acantharia.

Skelet kieselig, Membran der Centralkapselüberall gleichmässig von feinen Poren durchbrochen. Gitterschale kugelig oder plattgedrückt, homaxon, d. h. nach allen Richtungen oder doch oben und unten symmetrisch gebildet (Fig. 24–27)II. Spumellaria.

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

mit einem einzigen Felde feiner Poren am Oralpol der Hauptachse. Gitterschale mützenförmig oder verlängert, monaxon, d. h. an den beiden Polen der Längsachse verschieden gebildet (Fig. 28 A; Fig. 29).III. Nassellaria.

mit einer einzigen oder wenigen grösseren Oeffnungen. Gitterschale sehr verschieden gestaltet, oft aus hohlen Röhren bestehend. Fossil selten (Fig. 28 B).IV. Phaeodaria.

Für den Paläontologen kommen fast nur die beiden Unterordnungen der Spumellaria und Nassellaria in Betracht. Die Skelete der ersteren sind, um krystallographisch zu reden, homomorph nach der Hauptachse, die der letzteren hemimorph. Fossile Phaeodaria scheinen sehr selten zu sein. Ihre Skelete sind sehr mannigfaltig, aber nichtsdestoweniger durch gewisse Merkmale leicht kenntlich.

II. Spumellaria.

Zwei Familien sind fossil häufig:

Skelet aus einer oder mehreren concentrischen Gitterkugeln bestehend (Fig. 24–25).Fam. Sphaeridae.

Skelet platt, scheiben- oder stabförmig mit kleiner innerer Gitterkugel (Fig. 26–27).Fam. Discidae.

Fam. Sphaeridae.

Das Skelet besteht aus einer einfachen oder aus mehreren ineinander geschalteten Gitterkugeln. Stacheln häufig vorhanden. Vertreter dieser Familie kennt man schon aus paläozoischen Schichten. In Jura und Kreide sind sie häufig, lebend in fast 100 Gattungen vertreten.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 24. Coenosphaera radiata Zitt. Oberes Senon. Vordorf bei Braunschweig. Die Schale ist vorn aufgebrochen.

Coenosphaera Ehrb. (Fig. 24). Eine einfache Gitterkugel mit runden, aber verschieden grossen, groben Löchern. Die Schale kann mit kurzen Dornen oder Höckerchen, aber nie mit Stacheln verziert sein. Häufig im Jura, in der Kreide, im Tertiär und lebend.

C. gregaria Rüst. Alpiner und ausseralpiner Jura.

C. radiata Zitt. (Fig. 24) Senon. Norddeutschland.

C. Plutonis Ehrb. Miocän. Girgenti. Auch lebend. Vielleicht schon im Jura.

Staurolonche Haeck. (Fig. 25). Skelet aus zwei ineinander geschachtelten Gitterkugeln zusammengesetzt, die durch radiale Balken verbunden werden. Letztere verlängern sich über die Oberfläche der äusseren Kugeln zu langen Stacheln. Nicht selten im Jura. Lebend.

St. robusta Rüst. (Fig. 25). Im alpinen und ausseralpinen Jura.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 25. Staurolonche robusta Rüst. Oberer Malm (Aptychus-Schiefer). Urschlau, Salzkammergut. Die löcherige Structur der Schale ist zerstört.

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Fig. 26. Rhopalastrum nudum Rüst. Aus einem oberjurassischen Hornstein der Schweiz.

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Fig. 27. Spongocyclia florealis. Stöhr sp. Miocän. Sicilien.

Fam. Discidae.

Skelet in der Richtung einer Achse verkürzt, daher platt scheibenförmig. Umfang rund oder gelappt. Die Gitterschale schliesst eine kleine Gitterkugel (Markkugel) ein. Diese ebenfalls sehr formenreiche Familie (über 80 Gattungen) findet sich im Mesozoicum reichlich vertreten, scheint auch schon im Silur (Spongosphaera) existirt zu haben.

Rhopalastrum Ehrb. (Fig. 26). Skelet platt, dreistrahlig. Die drei Arme gleich. Im Inneren des Skelets eine kleine einfache Markkugel (bei Fossilen oft schwer sichtbar). Jura, Tertiär und lebend.

Rh. nudum Rüst (Fig. 26). Dogger und Malm. Ungarn. Serbien. Schweiz.

Rh. lagenosum Ehrb. Miocän. Sicilien. Lebend. Mittelmeer.

Spongocyclia Ehrb. (Fig. 27). Skelet platt, rund oder mit gerundeten Ecken, aus einem schwammigen Gewebe bestehend. Stacheln oder Anhänge fehlen. Der innere Theil des Skelets besteht aus einer kleinen löcherigen Markkugel, die von concentrischen oder spiralen, regelmässig gekammerten Ringen umgeben ist. Miocän und lebend.

Sp. florealis Stöhr sp. (Fig. 27). Miocän. Sicilien.

III. Nassellaria.

Das Skelet der Nassellaria besteht entweder aus einem einzelnen Ringe, beziehungsweise aus mehreren zu einem lockeren Geflecht vereinigten (Fig. 28 A) oder aus einer vollständigen Gitterschale, welche an einem Ende eine (oft übergitterte) Mündung besitzt (Fig. 29 A–C).

Folgende Familien sind fossil wichtig:

Das Skelet besteht nur aus einem oder mehreren, durch Stacheln zu einem lockeren Geflecht verbundenen Ringen (Fig. 28 A).Fam. Stephidae.

Das Skelet bildet eine meist gekammerte Gitterschale (Fig. 29 A–C){Gitterschale aus zwei gleichen seitlichen Hälften zusammengesetzt, die durch einen verticalen Ring zusammenhängen (Fig. 29 A).Fam. Spyridae.

Gitterschale aus einer unten offenen, oder mehreren in der Richtung der Längsachse übereinander gehäuften Kammern bestehend (Fig. 29 B, C).Fam. Cyrtidae.

Fam. Stephidae.

Relativ selten trifft man die äusserst zarten Kieselringe dieser Familie fossil. Ein Beispiel für das Vorkommen ist

Lithocubus (Fig. 28 A) aus den Koprolithen des Lias, welche in der oberen Kreide von Ilsede bei Hannover auf secundärer Lagerstätte vorkommen. Vertreter dieser Familie scheinen schon im Silur (»Sphaerosomatites« Rothpl.) vorzukommen, falls sie nicht als Phaeodaria (p. 44) zu deuten sind.

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Fig. 28. A Lithocubus sp. Lias. Aus den in der Kreide eingeschwemmten Phosphoriten von Ilsede, Hannover. B Dictyocha speculum Ehrb. Miocän. Caltanissetta, Sicilien (p. 44).

Fam. Spyridae.

Skelet mehr oder minder kugelig, aus zwei Hälften bestehend, die von einem medianen Längsringe zusammengehalten werden (Fig. 29 A, l). Am oberen Ende meist ein Gipfelstachel (Fig. 29 A, s), am unteren die oft übergitterte und mit Stacheln bewehrte Mündung. Vertreter dieser Familie sind bisher nur lebend und aus dem Tertiär bekannt.

Petalospyris Ehrb. (Fig. 29 A). Schale queroval, in der Mitte der Länge nach deutlich eingeschnürt. Medianer Ring (l) mit einfachem Gipfelstachel (s), Mündung fast von gleicher Weite wie die Schale, von einem Ringe eingefasst, welcher mehr als fünf freie Stacheln trägt. Miocän — lebend.

P. corona Stöhr (Fig. 29). Miocän. Sicilien.

Fam. Cyrtidae.

Schale eiförmig oder kegelförmig, am unteren Ende mit einer freien oder übergitterten Oeffnung, einkammerig, oder durch quere Einschnürungen in 2, 3, 4 oder zahlreiche Kammern unvollständig abgetheilt. Diese Familie ist die formenreichste unter den Nassellaria. Von den ungefähr 200 lebenden Gattungen findet man viele fossil im Jura, in der Kreide und im Tertiär. Wohl die formenreichste und häufigste Gattung im Mesozoicum ist:

Stichocapsa Haeck. (Fig. 29 B, C). Gitterschale mit mehr als drei Einschnürungen. Die Mündung übergittert, ohne Stachelanhänge. Die Kammern nehmen nach oben zu allmählich (B) oder plötzlich (C) an Weite ab. In zahlreichen Arten, namentlich im Jura, auch in der Kreide, tertiär und lebend.

St. devorata Rüst (Fig. 29 B). Lias. Auf secundärer Lagerstätte in den Koprolithen der oberen Kreide von Ilsede bei Hannover. Im oberjurassischen Jaspis der Schweiz.

St. Grothi Rüst (Fig. 29 C). Ebendaselbst. Schweiz.

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Fig. 29. A Petalospyris corona Stöhr. Miocän. Caltanisetta, Sicilien. s = Gipfelstachel; l = Mittelring. B Stichocapsa decorata Rüst. Lias-Phosphorit aus der oberen Kreide von Ilsede bei Hannover. C St. Grothi Rüst. Aus einem oberjurassischen Hornsteine der Schweiz.

IV. Phaeodaria.

Bei den Phaeodarien findet sich nicht selten eine scheinbare Wiederholung der Skeletbildungen der Spumellaria und Nassellaria. Meist aber unterscheiden sich die Gitterschalen durch die hohle Beschaffenheit der Kieselbalken. Isolirte Gitterstücke der Dictyochidae, welche leicht mit den Skeleten der Stephiden verwechselt werden können, findet man schon im Jura, auch in der Kreide und im Tertiär, z. B. Dictyocha speculum Ehrb. (Fig. 28 B) im Miocän Siciliens.

Geologische Verbreitung der Radiolaria.

Fossile Radiolarien sind schon aus Ablagerungen der Silurzeit bekannt und in fast allen Formationen angetroffen worden. Weder in ihren Formen, noch bezüglich des Auftretens lassen sich wesentliche Verschiedenheiten gegenüber den lebenden feststellen. Wenn es ausgestorbene Gattungen giebt, so sind sie jedenfalls bisher kaum gefunden worden. Manche mesozoische Formen, namentlich aus der Abtheilung der einfach gebauten Sphaeridae, dürften von lebenden auch nicht einmal specifisch zu trennen sein. Das junge Tertiär birgt zahlreiche, jetzt noch lebende Arten. Aus paläozoischen und mesozoischen Formationen allein kennt man bereits etwa 80 Gattungen mit mehreren Hundert Arten, die mit wenigen Ausnahmen den drei Familien der Sphaeridae, Discidae und Cyrtidae angehören. Im Tertiär werden auch andere Familien häufig.

Da die Radiolarien zu den freischwimmenden Thieren gehören, sollte man erwarten, sie in fast allen marinen kalkigen Sedimenten anzutreffen, zumal sie durch Aetzen mit HCl leicht aus dem Gestein sich isoliren lassen. Allein es scheint, als ob die aus amorpher SiO2 bestehenden Gehäuse vielfach durch den Fossilisationsprocess zerstört worden sind. In paläozoischen und mesozoischen Schichten finden sie sich besonders häufig in Kieselschiefern, Hornsteinen oder Phosphoritknollen eingeschlossen, worin man sie schon mit Hilfe der Lupe als kleine helle Pünktchen erkennen kann. Die Kieselsäure der Schale ist meist krystallin geworden und das Innere der Schalen mit strahligem Quarz erfüllt. Viele paläozoische Kieselschiefer, besonders aber die Hornsteine des Jura und der Kreide in den Alpen und im Apennin sind ganz erfüllt mit den mehr oder weniger deutlich erhaltenen Gitterschalen und wahrscheinlich sind solche SiO2-reiche Gesteine aus Radiolarienschlamm hervorgegangen, wie er sich heutzutage nur in beträchtlichen Tiefen der Oceane bildet. Auch in den liasischen Phosphoritknollen, welche auf secundärer Lagerstätte im Senon am Nordrande des Harzes sich finden, sind Radiolarien häufig und gut erhalten. An Stelle der SiO2 der Schalen ist hier vielfach Eisenoxydhydrat oder Glaukonit getreten. Manche jungtertiäre Vorkommnisse (Insel Barbados, Nikobaren, Sicilien und Oran) sind ebenfalls durch einen bemerkenswerthen Reichthum an Radiolarien ausgezeichnet. Doch dürften diese Radiolarienmergel meist nicht in sehr grossen Tiefen zum Absatz gekommen sein.

II. Kreis: Spongia (Schwämme).

Litteratur über Spongien.

Fossile.

Goldfuss. Petrefacta Germaniae Bd. I. 1826–33.

Hinde, G. J. Catalogue of the Fossil Sponges of the Geological Department of the British Museum. London 1883, mit vollständigem Litteraturverzeichniss.

Michelin. Iconographie zoophytologique. Paris 1840–47.

Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. V. Leipzig 1877–78.

Roemer, A. Die Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges. Palaeontographica Bd. XIII. 1864.

Zittel, K. A. Studien über fossile Spongien. I–III. Abh. d. k. bayer. Akad. d. Wiss. II. Cl., Bd. XIII, 1877.

—— Beiträge zur Systematik fossiler Spongien. N. Jahrb. f. Min. 1877 p. 337, 1878 p. 561, 1879 p. 1.

Lebende.

Schmidt, O. Die Spongien des Meerbusens v. Mexico. Jena 1879–80.

Schulze, F. E. Report on the Hexactinellida. Scient. Res. of Challenger Voyage. Zoology vol. XXI. 1887.

Zum Kreise der Spongia oder Seeschwämme gehören meist festsitzende, selten freie, fast ausschliesslich marine, in der Regel durch ein festes Skelet gestützte Thiere von sehr wechselnder Körperform. Von den Protozoen unterscheiden sie sich durch den zelligen Bau ihrer Weichtheile, von den Coelenteraten durch das Fehlen der Nesselorgane sowie durch ihren nichtradiären, in seltenen Fällen undeutlich radiären Bau. Mit Hilfe des durch den Schwamm circulirenden Wassers findet die Nahrungsaufnahme statt, indem das Thier wie ein Filter fungirt. Es besitzen deshalb alle Schwämme ein mehr oder weniger complicirtes System von Canälen, welche den Körper (die Weichtheile und das Skelet) durchziehen und das Wasser ein- und ausführen. Das Wasser tritt meist durch kleine, auf der Oberfläche des Schwammes vertheilte Poren (Oberflächenporen, Fig. 30 d) ein und wird durch gröbere, meist verzweigte Canäle zusammen mit den Geschlechtsproducten und Excrementen ausgeführt. Die Ausfuhrcanäle münden entweder in einen oder mehrere grössere Hohlräume (sog. Magenhöhlen oder Centralhöhlungen, Fig. 30 b), deren Oeffnungen Oscula (Fig. 30 a) heissen, oder sie endigen auf der Oberfläche des Schwammes.

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Fig. 30. Skelet eines lebenden Schwammes, Caminus vulcani O. Schm. (Tetractinellide) aus der Adria (links aufgeschnitten). a = oscula, die Mündungen der Centralhöhlungen (b). c = Rindenschicht mit den kleinen Oeffnungen (Oberflächenporen d).

Das nur selten fehlende Skelet der Schwämme wird von dem sog. Mesoderm abgesondert; das Skelet kann kalkig, kieselig, hornig, oder hornig und kieselig zugleich sein. In allen Fällen besteht dasselbe aus ursprünglich isolirten, mehr oder weniger nadelförmigen Körperchen (Skeletelementen oder Nadeln), die entweder frei in den Weichtheilen liegen oder in Hornfasern eingebettet sind. Sie können sich mit ihren wurzelförmig verzweigten Enden zu einem festen Skelet verhaken oder durch Kieselcement zu einem festen Gerüst verkittet werden. Compacte Skelete wie bei den Foraminiferen oder Korallen giebt es nicht. Die gröberen, das eigentliche Skelet bildenden Nadeln unterscheidet man als Skeletnadeln von den meist viel kleineren, in den Weichtheilen gelegenen Fleischnadeln (Oberflächennadeln, wenn auf die Oberfläche beschränkt). Die Form der Schwammnadeln ist sehr wechselvoll, wie ein Blick auf Fig. 31 A–G zeigt. Man unterscheidet als einstrahlige oder monakte (Fig. 31 A; Fig. 32 A, D) einfach stabförmige, gerade oder gebogene, als dreistrahlige solche, deren drei Strahlen in einer Ebene liegen und sich unter Winkeln von ca. 120° schneiden (Fig. 33 E), als vierstrahlige oder tetrakte solche, deren vier Arme sich im Raume unter Winkeln von 109° 28′ treffen (Fig. 31 E, G; Fig. 32 B, C) und als sechsstrahlige oder hexakte solche, die aus sechs unter rechtem Winkel in einem Punkte zusammenstossenden Armen bestehen (Fig. 34). Durch Verkürzung oder völliges Schwinden eines oder mehrerer Strahlen, sowie durch plattige Ausbreitung oder wurzelartige Verästelung der Arme und Verdickung der Nadelcentren entstehen Gebilde, welche die Bezeichnung Nadeln zum Theil nicht mehr verdienen, so z. B. die Kieselkugeln (Fig. 31 C), Kieselsterne (Fig. 31 D), Kieselscheiben (Fig. 31 F), die wurzelig verästelten Skeletelemente der Lithistiden (Fig. 32 C), die verbogenen, ursprünglich dreistrahligen Nadeln mancher Kalkschwämme (Fig. 33 B–D) etc. Meist beobachtet man in den Skeletelementen der Schwämme einen Hohlraum, den sog. Achsencanal; derselbe giebt die Gestalt der Elemente in vereinfachter Form wieder und ist also bei den Einstrahlern einfach, gerade oder schwach gebogen (Fig. 31 B), bei den Dreistrahlern dreiarmig, bei den Vierstrahlern vierarmig (Fig. 32 C) und bei den Sechsstrahlern sechsarmig (Fig. 54–56).

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Fig. 31. Verschiedene Nadelformen (Kieselnadeln) der Tetraxonier aus dem englischen Senon. A = gebogener, B = conischer Einstrahler. C = Kieselkugel. D = Kugelstern. E = spiralgedrehter Vierstrahler. F = Kieselscheibe. G = Gabelanker (gegabelter Vierstrahler, dessen einer Arm verkürzt und einfach).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 32. Verschiedene Nadelformen der Tetraxonier. A, D = Einstrahler. B = einfacher, C = gegabelter und an den Enden wurzelförmig verzweigter Vierstrahler.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 33. Ein lebender Kalkschwamm (Leucosalenia lacunosa Bk.) mit seinen Nadeln. E = Dreistrahler. B, C, D = gebogene Nadeln aus dem Dreistrahler entstanden.

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Fig. 34. Ein Sechsstrahler von Hyalostelia Smithi Young. Subcarbon. Schottland.

Die Skeletelemente der Kalkschwämme bestehen aus krystallinem Kalkspath, die der Kieselschwämme aus amorpher wasserhaltiger Kieselsäure. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Kieselnadeln ist vielfach verändert: entweder ist die amorphe Kieselsäure krystallin (und damit doppeltbrechend) geworden oder sie wurde fortgeführt und durch Calcit ersetzt oder endlich nur fortgeführt, so dass an Stelle der Nadeln Hohlräume sich finden.

Eine Eintheilung der Spongien nach der chemischen Beschaffenheit des Skelets allein kann nicht als naturgemäss gelten. Sie würde nachstehende Gruppirung ergeben:

Myxospongia (Gallertschwämme). Ohne festes Skelet;

Ceraospongia (Hornschwämme). Mit hornigem Skelet;

Silicispongia (Kieselschwämme). Mit kieseligem Skelet;

Calcispongia (Kalkschwämme). Mit kalkigem Skelet.

Vielmehr verlangt die morphologische Zusammengehörigkeit der Skeletelemente sowie der Bau des Weichkörpers folgende Eintheilung:

Tetractida. Skeletelemente kieselig, ursprünglich vierstrahlig, drei- oder einstrahlig oder fehlend (und dann durch Hornsubstanz ersetzt);

Hexactida oder Hexactinellida. Skeletelemente kieselig, fast immer sechsstrahlig;

Calcarea (= Calcispongiae — Kalkschwämme). Skeletelemente kalkig, meist dreistrahlig, aber auch vier- oder einstrahlig.

Die für den Paläontologen gänzlich unwichtigen Myxospongiae repräsentiren vielleicht skeletlose Hexactinelliden.

1. Ordnung Tetractida.

Hierher gehören meist dickwandige Schwämme von sehr wechselnder Gesammtgestalt, deren Skeletelemente stets kieselig sind. Neben der ursprünglichen, vierstrahligen Nadelform finden sich verästelte Skeletelemente (Lithistidae), die mehr oder weniger deutlich vierstrahlig oder unregelmässig einstrahlig erscheinen, ferner glatte oder verzierte Einstrahler, Kieselkugeln, Kugelsterne, Kieselscheiben etc. Meist liegen die Skeletelemente unverbunden im Körper, bei der Abtheilung der Lithistidae verflechten sich ihre verzweigten Arme miteinander zu einem festen, massiven Gerüste, bei den lebenden Chaliniden liegen sie in einem Hornfasernetze und bei den sogenannten Hornschwämmen fehlen sie meist gänzlich. Nach diesen Verschiedenheiten der Skeletelemente zerfallen die Tetractida in folgende Unterordnungen.

Tetractinellidae. Skeletelemente nicht wurzelig verzweigt, frei in der Sarkodine liegend, meist regelmässig vierstrahlig. Neben Vierstrahlern finden sich auch Drei- und Einstrahler, Kieselkugeln und Kieselscheiben etc. (Fig. 35 C–G).

Lithistidae. Skeletelemente wurzelig verzweigt, vier- (Fig. 36), einstrahlig (Fig. 38) oder vielstrahlig (Fig. 37). Daneben auf die Oberfläche des Skelets beschränkte einfache oder gegabelte Vierstrahler (Fig. 35 G) mit einem stark verkürzten oder stark verlängerten Arm (sog. Anker). Die verzweigten Enden der Arme verflechten sich mit denjenigen der benachbarten Elemente, so dass ein festes steiniges Kieselgerüst entsteht (Fig. 49 B).

Monactinellidae. Skeletelemente einstrahlig oder kugelig (Fig. 32 A, D), oft von Hornfaser eingeschlossen. Zuweilen vierstrahlige Nadeln.

Ceraospongiae. Skelet aus Hornfasern bestehend. In seltenen Fällen einstrahlige Kieselnadeln vorhanden. Fossil nicht erhalten.

1. Tetractinellidae.

Da die Skeletelemente der Tetractinelliden frei in der Sarkodine liegen, so werden sie durch den Versteinerungsprocess meist zerstreut und können nur in seltenen Fällen in ihrer ursprünglichen Lage zu einander beobachtet werden. Als isolirte Gebilde trifft man sie vielfach in schwammreichen Ablagerungen, z. B. im Kohlenkalk und in der oberen Kreide. Die eigentlichen Skeletelemente sind fast nur vierstrahlig (Fig. 35 E, G), jedoch erscheint oft der eine Strahl stark verkürzt (Fig. 35 G) (sog. Anker), die drei anderen Arme gespalten (sog. Gabelanker) oder der eine Arm schaftförmig verlängert, zuweilen die Nadel mit spiralen Wülsten bedeckt (Fig. 35 E). In der Rindenschicht mancher Tetractinelliden, z. B. in der der Geodinidae, finden sich Kieselkugeln (Fig. 35 C) und Kieselsterne (Fig. 35 D), in der der Ancorinidae Kieselscheiben (Fig. 35 F).

Selbst die Bestimmung der Familie bleibt nach solch’ unvollständigem Material meist unsicher.

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Fig. 35. Verschiedene Monactinelliden- und Tetractinelliden-Elemente aus dem Senon von Horstead, Norfolk. A = Einstrahler einer ? Tetractinellide (könnte auch eine Monactinelliden-Nadel sein). B = conischer Einstrahler, vielleicht von der Monactinellide Reniera. C = Kieselkugel, D = Kegelstern, vielleicht von Geodia. E = einfacher mit Wülsten verzierter Vierstrahler, vielleicht Geodia angehörig. F = Kieselscheibe zu ? Stelletta gehörig. G = gegabelter Vierstrahler mit einem reducirten Arme, von einer Tetractinellide oder Lithistide stammend.

2. Lithistidae.

Die Skeletelemente der Lithistiden besitzen nur selten die eigentliche Nadelform, vielmehr erscheinen sie zu wurzelförmig verästelten Körperchen von vier- oder einstrahliger oder unregelmässiger Form umgestaltet. Die verästelten Enden der Arme verhaken und verflechten sich meist mit den gleichen Bildungen der Nachbarelemente derart, dass ein festes, steinartiges, nach dem Tode des Thieres nur selten zerfallendes Skelet entsteht (Fig. 48 B). Aus diesem Grunde besitzen die Lithistiden unter den Tetractida die grösste Wichtigkeit für den Paläontologen. Neben den eigentlichen Skeletelementen finden sich frei in der Sarkodine liegend an der Oberfläche des Skelets einfache oder gegabelte Vierstrahler (sog. Anker), wie sie bei den Tetractinelliden die Regel sind; auch Einstrahler und gelappte Kieselscheiben kommen vor. Diese Oberflächenkörper bilden oft eine poröse (scheinbar dichte) Deckschicht über dem Schwammkörper.

Die Gesammtform des Lithistiden-Skelets ist grossen Schwankungen unterworfen. Bald ist dasselbe frei, bald aufgewachsen und dann oft mit einer stielartigen Verlängerung und zackigen Wurzel versehen. Der Körper kann kugelig, birnförmig, cylindrisch, becherförmig, schüsselförmig, ästig verzweigt oder ganz unregelmässig knollig sein. Da die meisten Lithistiden im Gegensatze zu den Hexactinelliden sehr dickwandige Schwämme sind, so zeigt sich auch meist ein complicirtes Canalsystem entwickelt. Grössere Ausfuhröffnungen (als Mündungen der Centralhöhlen) sind häufig vorhanden (Fig. 41 A a; Fig. 45 A a). Zuweilen tritt ein Bündel senkrechter Röhren an die Stelle der Centralhöhle (Fig. 49 A). Gebogene, der Oberfläche des Schwammes nahezu parallel verlaufende (sog. concentrische) Canäle münden oft in die Centralhöhle (Fig. 41 A c). Andere Canäle stehen mehr oder weniger senkrecht zur Oberfläche (sog. Radialcanäle, Fig. 41 A b). Die Grösse der Canäle wechselt sehr, oft sinken sie zu der Grösse einfacher Einströmungsöffnungen herab und lassen sich von den Lücken des Skeletgewebes nicht unterscheiden. Zuweilen vereinigen sich die radialen Canäle zu Vertikalspalten, die dem Schwammkörper einen scheinbar gesetzmässig radiären Bau verleihen (Fig. 48 A r).

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Fig. 36. Skeletelement einer Tetracladine mit vierstrahligem Achsencanal.

Nach der Form und der Art der Verflechtung der Skeletelemente unterscheidet man folgende vier Familien:

1. Fam. Tetracladina. Skeletelemente vierstrahlig, mit vierstrahligem Achsencanal, mit nicht verdicktem Centrum. Die wurzelartig verzweigten Enden benachbarter Skeletelemente verflechten sich mit einander (oft zu knorrigen Knoten) (Fig. 36).

2. Fam. Anomocladina. Skeletelemente im Centrum verdickt, mit vier oder mehr Armen, die zum Theil mit Achsencanälen versehen sind. Die Arme legen sich alle oder zum Theil mit ihren plattig verbreiterten Enden an den centralen Knopf (Fig. 37) oder an den unteren Theil der Arme der Nachbarelemente an (Fig. 37).

3. Fam. Rhizomorina. Skeletelemente mehr oder weniger verlängert, unregelmässig knorrig, mit einem einfachen geraden oder gebogenen Achsencanal (Fig. 38). Die Skeletelemente verflechten sich in unregelmässiger Weise mit ihren Aestchen und Zacken (Fig. 48 B).

4. Fam. Megamorina. Skeletelemente verlängert, sehr gross, sparsam verästelt, mehr oder weniger glatt, mit einem einfachen Achsencanal (Fig. 39); sie verflechten sich zu groben Faserzügen (Fig. 51 B).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 37. Zwei Skeletelemente einer Anomocladine mit verdickten Centren. Das obere Element stützt sich mit einem, von einem Canale durchzogenen Arme gegen das verdickte Centrum des unteren.

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Fig. 38. Skeletelement einer Rhizomorine mit einfachem gebogenen Achsencanal.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 39. Skeletelement einer Megamorine mit einfachem Achsencanal.

Die relativ geringe Zahl der heutigen Lithistiden findet sich in mittleren Meerestiefen der wärmeren Meere, wo sie meist gesellig und mit Hexactinelliden vergesellschaftet vorkommen. Alle vier Familien sind noch jetzt vertreten, die Megamorina und Anomocladina jedoch nur in wenigen Formen.

Fam. Tetracladina.

Diese Familie zeichnet sich durch deutlich vierstrahlige Skeletelemente aus. Jeder Arm derselben besitzt einen Achsencanal (Fig. 40). An ihren Enden sind die Arme oft gegabelt und verzweigt. Die knorrigen Enden der benachbarten Skeletelemente haken in einander und bilden so ein mehr oder minder solides Skelet. Isolirte oberflächliche Skeletelemente breiten sich häufig plattig aus und bilden eine Art Deckschicht (Fig. 43 B).

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Fig. 40. Skeletelement einer Tetracladine mit 4 glatten, an den Enden verzweigten und verästelten, von je einem Canale durchzogenen Armen. (Der vierte Strahl wird durch die drei anderen zum grössten Theile verdeckt.)

Die Tetracladinen sind neben den Rhizomorinen die wichtigste Familie der Lithistiden, beginnen im Silur, finden sich noch spärlich im Jura, erreichen erst in der Kreide ihre hauptsächlichste Entwickelung und finden sich lebend noch in mehreren Gattungen.

A. Arme der Skeletelemente glatt (Fig. 40).

a. Ohne Wurzel.

Aulocopium Osw. (Fig. 41). Schwammkörper kugelig, halbkugelig oder kreisrund, ohne Anheftungsstelle, mit einer tief trichterförmigen (auf Fig. 40 A weiss gelassenen) Centralhöhle, in welche bogenförmige, der Oberfläche nahezu parallel verlaufende, sog. concentrische Canäle (c) einmünden. Zahlreiche feinere Canäle (Radialcanäle) (b) verlaufen vom unteren Ende des Schwammes bis zur Oberfläche. Die Unterseite wird von einer scheinbar dichten Nadelschicht bedeckt. Skeletelemente deutlich vierstrahlig, wenn gut erhalten. Der untere Theil des Schwammes ist fast immer mit Chalcedon ausgefüllt, weshalb sich der obere, meist verkalkte, leicht von ihm ablöst.

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Fig. 41. Aulocopium aurantium Osw. Untersilurisches Diluvialgeschiebe von Sadewitz bei Oels. A Vertikalschnitt des Schwammes, die trichterförmige Centralhöhle, die weiteren, concentrischen Canäle (c) und die feineren radialen (b) zeigend. B ein Skeletelement mit vier glatten Armen.

Im oberen Untersilur, selten im Obersilur, häufig als Geschiebe in Norddeutschland.

A. aurantium Osw. (Fig. 41). Untersilurisches Geschiebe der norddeutschen Tiefebene.

A. Gothlandicum Rö. Obersilur. Gothland. Als Geschiebe auf der Insel Sylt.

b. Mit Wurzel.

Siphonia Park. (Fig. 43 A). Der meist kugelige, feigen- oder birnförmige Körper verlängert sich nach unten in einen Stiel und eine verzweigte Wurzel. Vom Scheitel erstreckt sich eine mässig weite Centralhöhle (o) mehr oder weniger tief in den Schwammkörper hinein. In dieselbe münden bogenförmige, der Oberfläche parallel laufende Canäle (c). Ihre Ostien bilden senkrechte und wagerechte Reihen (o). In der Richtung der Achse des Körpers stehen diese Canäle senkrecht und verlaufen durch den Stiel bis zur Wurzel. Ausserdem finden sich feinere, radial gestellte Canäle, welche auf der Oberfläche des Schwammkörpers münden. Das Skelet besteht aus glattarmigen, selten etwas gekörnelten Vierstrahlern, wie bei der Gattung Jerea (vgl. Fig. 42). In zahlreichen Arten in der oberen Kreide (Cenoman — Senon) in England, Frankreich und Deutschland.

S. tulipa Zitt. (Fig. 43 A). Cenoman.

S. pyriformis Gf. Cenoman und Turon.

S. ficus Gf. Turon und Senon.

S. Koenigi Mant. sp. Senon.

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Fig. 42. Jerea Quenstedti Zitt. Mittelsenon (Quadraten-Kreide). Linden bei Hannover. Ein Skeletelement mit 4 glatten, dichotom gespaltenen, an den Enden wurzelig verzweigten Armen. Jeder Arm enthält einen Achsencanal. Der vierte Arm ist z. Th. durch die übrigen verdeckt.

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Fig. 43. A Siphonia tulipa Zitt. Cenoman. Blackdown, England. Längsschnitt durch den oberen Theil des Schwammkörpers. In der aufgeschnittenen Centralhöhle sind die in Längs- und Querreihen gestellten Ostien (o) der bogenförmigen Canäle (c) sichtbar. B Ragadinia. Oberes Senon. Ahlten bei Hannover. Gelappter Vierstrahler der Oberflächenschicht; der vierte Strahl auf ein Knöpfchen reducirt. C Plinthosella squamosa Zitt. Obersenon. Ahlten bei Hannover. Einige in einander verhakte, wenig verzweigte Skeletelemente mit knorrigen Armen.

Bei der Untergattung Hallirhoa Lmk. ist der Schwammkörper lappig zertheilt.

H. costata Lmk. und agariciformis Bennett sp. im Cenoman von England und Nordfrankreich.

Jerea Lmk. (Fig. 42). Im Habitus der Gattung Siphonia ähnlich. Statt der fehlenden oder nur ganz schwach entwickelten Centralröhre ein System von groben Vertikalröhren, welche den Schwammkörper bis zur Wurzel durchziehen und am Scheitel oder auf dem Grunde der Centralhöhle münden. Daneben gröbere und feinere Radialcanäle. Skelet aus glattarmigen Vierstrahlern bestehend.

Vorkommen wie bei Siphonia.

J. pyriformis Lmk. und reticulata Hinde. Cenoman.

J. Stadensis Blumb. sp. Turon und Senon.

J. Quenstedti Zitt. (Fig. 42). Senon.

Bei manchen Tetracladina bilden vierstrahlige Gabelanker eine poröse, oft scheinbar dichte Deckschicht auf der Oberfläche des Schwammkörpers, z. B. bei der in der oberen Kreide häufigen Gattung Turonia Mich. Zuweilen sind die Gabelanker in gelappte Kieselscheiben umgebildet, an denen der vierte Strahl nur noch als ein Knöpfchen erkennbar ist (Fig. 43 B). Das ist z. B. bei mehreren lebenden Gattungen und bei der im Senon Norddeutschlands vorkommenden Ragadinia rimosa Rö. sp. der Fall.

B. Arme der Skeletelemente knorrig, kaum verzweigt (Fig. 43 C).

Plinthosella Zitt. (Fig. 43 C). Der unregelmässig knollige Schwammkörper besitzt keine Centralhöhle, sondern nur gewundene Canäle. Das Skelet besteht aus unverzweigten, fest verhakten, knorrigen Vierstrahlern, die Oberflächenschicht aus verschieden gestalteten Kieselscheiben. Auf das Senon beschränkt.

Pl. squamosa Zitt. (Fig. 43 C). Senon. Norddeutschland und England.

Fam. Anomocladina.

Die Anomocladina werden durch ihre im Centrum verdickten Skeletelemente (Fig. 44) leicht kenntlich. Von dem Centrum gehen zahlreiche (meist mehr als vier), an den Enden schwach verzweigte Strahlen aus, von denen einige (stärkere) sich fest an die Centren der benachbarten Skeletkörper anlegen. In denselben ist meist ein Achsencanal sichtbar.

Vertreter dieser Familie finden sich vereinzelt vom Silur bis zur Gegenwart. Die meisten sind aus Jura und Kreide bekannt.

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Fig. 44. Zwei Skeletelemente von Cylindrophyma. Der verdickte Arm, welcher die beiden Elemente verbindet, gehört nur dem einen derselben an.

Astylospongia Röm. (Fig. 45 A–C). Schwammkörper nahezu kugelig oder abgeplattet. Scheitel meist mit einer centralen, trichterförmigen Centralgrube (a). Unterseite gerundet, ohne Anheftungsstelle. Oberfläche oft mit radiären, verzweigten Furchen (B c) und den Ostien der Radialcanäle bedeckt. Das Skelet (Fig. 45 C) besteht aus zahlreichen, kleinen, in der Mitte stark verdickten Elementen, deren Arme fast ganz glatt und dünn sind, die in der gewöhnlichen Erhaltungsweise aber ziemlich dick erscheinen.

Im Unter-, namentlich aber im Obersilur Nordeuropas und der Vereinigten Staaten in mehreren Arten.

A. praemorsa Gf. sp. (Fig. 45). Obersilur. Gothland, Tennessee, Indiana. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland häufig.

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Fig. 45. Astylospongia praemorsa Gf. sp. Obersilurisches Diluvialgeschiebe von Sadewitz bei Oels. A vertikaler Medianschnitt mit der Centralgrube (a), in welche die concentrischen Canäle (c) münden; b = Radialcanäle, welche auf der Oberfläche münden. B der Schwamm von der Seite gesehen; c = radiäre Furchen der Oberfläche; a = wie oben. C Skelet. Jede Verdickung ist der Mittelpunkt eines Skeletelements.

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Fig. 46. Cylindrophyma milleporatum Gf. sp. Oberer Malm. Franken. a = Centralhöhle mit den in Reihen angeordneten Ostien der bogenförmigen Canäle. b = Ostien der radialen Canäle.

Cylindrophyma Zitt. (Fig. 44; Fig. 46). Schwammkörper mehr oder weniger cylindrisch, einfach oder aus mehreren, an der Basis verwachsenen Röhren bestehend. In die bis zur Basis reichende Centralröhre münden bogenförmige, der Oberfläche fast parallel laufende concentrische Canäle ein; ihre Ostien stehen in horizontalen Reihen (a). Auf der Oberfläche die Oeffnungen zahlreicher radialer Canäle (b). Basis meist mit einer Kieselhaut überzogen. Von dem verdickten, mit kleinen Zacken besetzten Centralknoten der Skeletelemente zweigen sich zahlreiche, an ihrer Spitze schwach verästelte Arme ab; einer derselben zeichnet sich meist durch erhebliche Stärke und den Besitz eines Canales aus (Fig. 44). Auf der Oberfläche des Skelets finden sich verzweigte Gabelanker (ähnlich den in Fig. 35 G dargestellten). Malm.

C. milleporatum Gf. sp. (Fig. 44; Fig. 46). Oberer Malm (W. J. E.). Franken und Schwaben.

Fam. Rhizomorina.

Skeletelemente unregelmässig verästelt, nach einer Richtung verlängert, mit einem einfachen oder verzweigten, aber nie deutlich vierstrahligem Achsencanal (Fig. 47). Die Skeletelemente verflechten sich zu einem lockeren oder festen Skelet. Oberflächennadeln nie plattig ausgebreitet. Diese Familie kennt man erst seit der Jurazeit, aber dort bereits in zahlreichen Gattungen. Sie ist auch in der Kreide noch reich entwickelt und im Tertiär und in der Gegenwart noch mit vielen Gattungen vertreten.

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Fig. 47. Skeletelement einer Rhizomorine: Seliscothon Mantelli Gf. sp. Mittleres Senon (Quadratenkreide). Coesfeld, Westfalen.

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Fig. 48. Cnemidiastrum stellatum Gf. sp. Oberer Malm (W. Jura δ). Heuberg, Schwaben. A ein aus Individuen zusammengesetzter Stock; r = Radialspalten. B ein Stück der Oberfläche; r = Radialspalten: o = Ostien. C, D Skeletelemente.

A. Skeletelemente schwach verzweigt und wenig fest mit einander verhakt (Fig. 48 C, D). Im Jura.

Cnemidiastrum Zitt. (Fig. 48). Der verkehrt kegelförmige, schüsselförmige oder cylindrische Schwammkörper ist meist einfach und mit einer trichterförmigen Centralhöhle (A) versehen. Die aus schwach verästelten (C, D), locker mit einander verflochtenen Skeletkörperchen bestehende Wand wird von zahlreichen, deutlich radial gestellten, verästelten Vertikalspalten durchsetzt (A r, B r) die an der Oberfläche des Schwammkörpers durch kurze Skeletstränge derart überbrückt werden, dass an Stelle der einfachen Spalte eine Vertikalreihe von gerundeten oder rechteckigen Ostien entsteht (B o). Oberfläche der Wand oft mit einer Deckschicht überzogen. Sehr häufig im Malm (Oxford- und Kimmeridgestufe), namentlich Schwabens und Frankens.

Cn. stellatum Gf. sp. (Fig. 48)}Mittlerer und oberer Malm. Schwaben, Franken.

Cn. striato-punctatum Gf. sp.

Cn. rimulosum Gf. sp.

Die nahe verwandte Gattung Hyalotragos Zitt. begreift mehr schüsselförmige Schwammkörper, in deren weiter Centralhöhle runde Canäle münden, die den Schwamm in senkrechter Richtung durchziehen, und bei denen die Radialspalten feiner und weniger regelmässig ausgeprägt sind. H. patella Gf. sp. im oberen Jura mit der vorigen Gattung.

B. Skeletelemente stark verästelt und fest mit einander verflochten (Fig. 49 B). Kreide, Tertiär und Gegenwart.

Jereica Zitt. (Fig. 49). Cylindrische bis kugelige, gestielte und mit platten Wurzeln festgewachsene Körper mit schwach vertieftem Scheitel. Auf der Scheitelfläche münden die groben Ausfuhrcanäle, welche den Körper bogenförmig (c), im Centrum aber in senkrechter Richtung durchziehen, als ein dickes Röhrenbündel. Die viel feineren Einfuhrcanäle (b) stehen radial und kreuzen die bogenförmigen Canäle nahezu rechtwinkelig. Ihre Mündungen liegen als kleine Löcher dichtgedrängt auf der Oberfläche. Die Skeletelemente sind stark verlängert, reichlich verästelt und zu einem festen Gerüst verflochten (B). Im Senon Englands und Norddeutschlands.

J. punctata Gf. sp. (Fig. 49). Unteres Senon.}Norddeutschland.

J. polystoma Rö. sp. Oberes Senon.

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Fig. 49. Jereica punctata Gf. Unterer Senon. Sudmerberg bei Goslar. A medianer Vertikalschnitt; c = bogenförmige Ausfuhrcanäle; b = die viel feineren Radialcanäle. B ein Theil des Skelets, einen Radialcanal umschliessend. Die einzelnen Skeletelemente sind stark verästelt und fest mit einander verflochten.

Fam. Megamorina.

Die Skeletelemente der zu dieser Familie gehörigen Schwämme besitzen eine ähnlich verlängerte Form, wie diejenigen der Rhizomorinen; aber dieselben sind sehr gross, nur ganz schwach verästelt und entbehren meist der feineren Zacken und Auswüchse. Achsencanal einfach (Fig. 50), selten schwach verzweigt. Neben diesen typischen megamorinen Elementen finden sich auch solche von rhizomorinem Aussehen. Oberflächennadeln als Einachser oder Vierstrahler. Vom Subcarbon bis zur Gegenwart in wenigen Gattungen bekannt. Die meisten finden sich im Malm und in der oberen Kreide.

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Fig. 50. Skeletelement einer Megamorine (Megalithista foraminosa Zitt.) mit einem einfachen Achsencanal.

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Fig. 51. Doryderma. A Dor. dichotomum Bennett sp. Cenoman. Wiltshire. B Skeletoberfläche von Dor. Roemeri Hinde. Oberes Senon. Ahlten bei Hannover. Die grossen, gebogenen, glatten Skeletelemente und die mit zahlreichen Gabelankern angefüllten Maschen des Skeletgeflechtes zeigend.

Doryderma Zitt. (Fig. 51). Der baumförmig verästelte, bis 0,4 m hohe Schwammkörper besitzt cylindrische, meist dichotom sich spaltende Aeste, welche im Inneren von einer Anzahl paralleler Röhren durchzogen werden. Die bis 2 mm grossen, schwach verästelten Skeletelemente verflechten sich zu einem grobmaschigen Netzwerke. Die Maschen desselben zeigen sich an gut erhaltenen Exemplaren mit zahlreichen langschaftigen Gabelankern angefüllt, wie ein Köcher mit Pfeilen (B). Häufig in der oberen Kreide, vielleicht schon im Subcarbon vorhanden.

D. Dalryense Hinde. Subcarbon. England.

D. dichotomum Bennett sp. (Fig. 51 A). Cenoman. England.

D. Roemeri Hinde (Fig. 51 B). Senon. Norddeutschland, England und Südfrankreich (Nizza). Häufig als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

Ein im obersten Malm von Schwaben recht häufiger Vertreter dieser Familie ist die Gattung Megalithista Zitt. M. foraminosa Zitt. Der cylindrische oder becherförmige Schwammkörper besitzt eine Centralhöhle. Seine Wand wird von gewundenen Canälen durchsetzt, die z. Th. auf der Oberfläche, z. Th. in der Centralhöhle münden. Skeletelemente gross, glatt, gekrümmt und verzweigt (Fig. 50).

3. Monactinellidae.

Skelet aus einachsigen, sehr selten vierstrahligen Kieselnadeln oder Kieselkugeln bestehend, welche entweder frei in der Sarkodine liegen oder von Hornfaser umschlossen werden. Meist zerfällt das Skelet bei der Verwesung in seine Nadelelemente, weshalb letztere meist isolirt gefunden werden, wie bei den Tetractinellidae, und dann selbst generisch kaum zu deuten sind. Solche vereinzelte Nadeln kennt man aus fast allen Formationen, z. B. aus der Kreide (Fig. 31 A, B), aus dem Kohlenkalk etc. Die stacheligen Einstrahler der Süsswassergattung Spongilla werden in diluvialen Süsswasserbildungen gefunden (Fig. 32 A, D). Die lebende Gattung Cliona (oder Vioa) bohrt sich in Muschelschalen ein. Derartige Bohrgänge kommen in fossilen Muschelschalen vielfach vor.

Als Beispiel einer Monactinellide, deren Nadeln noch in ihrem ursprünglichen Verbande uns erhalten geblieben sind, mag die Gattung

Climacospongia Hinde (Fig. 52) erwähnt werden. Die einfach stabförmigen, unverzierten Nadeln sind zu einem aus Längs- und Querzügen bestehenden Gitterwerk gruppirt. Die Nadeln waren wahrscheinlich in Hornsubstanz eingeschlossen. Silur.

Cl. radiata Hinde (Fig. 52). Obersilur. Nordamerika.

Aehnliche Formen sind aus dem Carbon und der Kreide bekannt.

Die Mehrzahl der gegenwärtig lebenden Kieselschwämme gehört den Monactinelliden an. Sie leben in geringen Meerestiefen, wenige Formen auch im Süsswasser.

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Fig. 52. Climacospongia radiata Hinde. Obersilur (Niagara Gruppe). Tennessee, Nord-Amerika. Die Nadeln sind in ihrer ursprünglichen Lagerung erhalten.

2. Ordnung Hexactida oder Hexactinellida.

Trotz der grossen Mannigfaltigkeit in der Gesammtform der Hexactinelliden sind doch alle Vertreter dieser Ordnung durch relativ dünne Wände und eine sehr lockere Structur ihres Skelets ausgezeichnet. Hierdurch wird ein complicirtes Canalsystem, wie es bei den dickwandigen Tetractiden häufig vorkommt, überflüssig. In die Wand des kugeligen, cylindrischen, becher- oder schüsselförmigen oder auch unregelmässig knolligen Kieselskelets dringen meist von aussen und innen einfache, kurze, blind endigende — selten perforirende — Canäle ein, die oft in regelmässigen Reihen stehen, vielfach aber unregelmässig vertheilt sind (Fig. 58 A; Fig. 60 A).

Das Kieselskelet der Hexactinelliden besteht aus sechsstrahligen Nadeln, deren Arme sich meist unter rechtem Winkel in dem Mittelpunkte der Nadel, dem sog. Kreuzungsknoten treffen (Fig. 54 k). Ein ebenfalls sechsstrahliger, meist sehr feiner Achsencanal durchzieht die Nadel. Diese Skeletbildungen dienen zur Stütze des lockeren Weichkörpers, indem sie entweder frei in demselben liegen (Lyssacina, Fig. 53) oder in mehr oder minder paralleler Stellung sich so an einander legen, dass je ein Arm der einen Nadel mit je einem Arme der benachbarten verschmilzt, d. h. durch ausgeschiedene Kieselsäure verkittet wird (Dictyonina, Fig. 54). Die Achsencanäle der zu zwei verschiedenen Sechsstrahlern gehörigen Arme verschmelzen aber nicht mit einander, sondern bleiben getrennt (Fig. 54 s u. s’). Durch die Vereinigung der sechsstrahligen Nadeln entsteht ein lockeres Gitterskelet mit meist regelmässig cubischen Maschen (Fig. 56). Bei weniger regelmässiger Aneinanderlagerung der Sechsstrahler kommt es zur Bildung eines unregelmässigeren Gerüstes (Fig. 55), in dem sich die einzelnen Nadeln oft nur an dem Verlauf der Achsencanäle erkennen lassen. Die Kreuzungsknoten der Sechsstrahler können dicht (Fig. 54 k, Fig. 55) oder octaëdrisch durchbohrt (Fig. 56) sein, d. h. die sechs Arme der Nadel werden am Kreuzungsknoten durch 12 Kieselbalken (o) zusammengehalten, welche die Lage der Octaëderkanten besitzen, bei Annahme der Arme als Achsen. Solche Nadeln mit durchlöchertem Kreuzungsknoten heissen Laternennadeln.

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Fig. 53. Ein freier Sechsstrahler von Hyalostelia Smithi Young aus dem Subcarbon von Schottland (Lyssacine).

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Fig. 54. Vier mit einander verschmolzene Sechsstrahler von Sporadopyle obliqua Gf. sp. Oxford. Franken (Dictyonine). k = Kreuzungsknoten. s, s’ = die getrennten Achsencanäle zweier mit einander verschmolzener Arme. Die nach vorn gerichteten Arme sind durchschnitten gezeichnet, die nach hinten gerichteten nicht sichtbar.

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Fig. 55. Unregelmässiges Gittergerüst von Tremadictyon reticulatum Gf. sp. Oxford. Streitberg, Franken.

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Fig. 56. Regelmässiges Gittergerüst von Becksia Soekelandi Schlüt. Mittleres Senon. Coesfeld, Westfalen. k = Durchbohrte Kreuzungsknoten. o = Oktaëderarme derselben.

Die Oberfläche der Schwammwand, namentlich die äussere, wird häufig von einer sog. Deckschicht überzogen, welche in ihrer Structur nicht mit dem eigentlichen Skelet übereinstimmt. Dieselbe entsteht entweder durch eine plattige Wucherung der äussersten Gerüstnadeln unter Verkümmerung des nach aussen gerichteten Strahles oder durch Ausbildung einer mit dem Gerüst nur locker zusammenhängenden Schicht von regelmässig oder unregelmässig verschmolzenen, oft zierlich gedornten (Fig. 57) Nadeln, die spinnwebartig oder als mehr oder weniger dichte Kieselhaut (Fig. 60 A) das Gerüst überzieht. An der Bildung solcher Deckschichten betheiligen sich wohl auch die sog. Fleischnadeln, d. h. meist sehr kleine, ursprünglich frei in der Sarkode liegende, oft sehr zierliche Sechs- bis Einstrahler, die für die Unterscheidung der Familien bei lebenden Hexactinelliden von grosser Wichtigkeit sind, bei den fossilen aber nur sehr selten angetroffen werden.

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Fig. 57. Deckschicht von Tremadictyon reticulatum Gf. sp. Oxford. Streitberg, Franken.

Die Hexactinelliden zerfallen in die zwei Unterordnungen:

1. Lyssacina. Nadeln meist unverbunden, selten durch plattige Kieselmasse vereinigt. Fleischnadeln mannigfaltig.

2. Dictyonina. Nadeln zu einem festen Gerüst verschmolzen. Fleischnadeln vorhanden oder fehlend.

1. Lyssacina.

Zu dieser Unterordnung gehört eine nicht geringe Anzahl lebender Kieselschwämme, die meist in grossen Meerestiefen (von 100–2800 Faden) vorkommen. Die bekanntesten unter denselben, Euplectella aspergillum Ow. und Hyalonema Sieboldii Gray, besitzen einen Wurzelschopf aus Kieselnadeln.

Fossile Lyssacinen kennt man vom Silur her, aber meist in mangelhafter Erhaltung und ohne die bezeichnenden Fleischnadeln. Eine weit verbreitete, mit Hyalonema verwandte Gattung ist:

Hyalostelia Zitt. (Fig. 53), deren sechsstrahlige Nadeln im Kohlenkalke Grossbritanniens, Belgiens und Deutschlands gefunden werden.

H. Smithi Young sp. (Fig. 53).

2. Dictyonina.

Da die isolirten Fleischnadeln zur Unterscheidung der fossilen Hexactinelliden bisher noch nicht verwerthet werden konnten, so muss die Eintheilung derselben zur Zeit noch auf die Form des Skelets und das Canalsystem gegründet werden. Die wichtigsten Familien lassen sich folgendermaassen unterscheiden:

A.Canalsystem deutlich entwickelt. Aeussere und innere Oberfläche der Wand mit zahlreichen kleinen Oeffnungen von Canälen, die blind endigen oder die Wand durchbohren (Fig. 58 A).

a.Wand ungefaltet (Fig. 58 A).

1.Canäle gerade, kurz, blind endigend, transversal in die Wand eindringend; Deckschicht, wenn als gesondertes Gebilde entwickelt, ohne regelmässig sternförmige Nadeln; Kreuzungsknoten dicht. (Fig. 58)Fam. Coscinoporidae.

2.Canäle unregelmässig angeordnet, die Körperwand schräg oder in gewundenem Verlaufe durchsetzend; Deckschicht oft als Kieselhaut mit eingeschlossenen sternförmigen Nadeln (Fig. 60)Fam. Staurodermidae.

b.Wand gefaltet (Fig. 61); Kreuzungsknoten durchbohrtFam. Ventriculitidae.

B.Canalsystem fehlend oder schwach entwickelt. Canalöffnungen einzeln und unregelmässig (Fig. 62–64).

a.Schwammkörper birnförmig oder knollig, aus verschlungenen oder verschmolzenen Röhren gebildet, die oft von einer gemeinsamen Kieselhaut umhüllt werden (Fig. 62; Fig. 63)Fam. Maeandrospongidae.

b.Schwammkörper pilzförmig; der Hut desselben gefaltet (Fig. 64)Fam. Coeloptychidae.

Die lebenden Dictyonina bewohnen durchschnittlich geringere Meerestiefen als die Lyssacina. Die meisten werden in Tiefen von 100–1000 Faden, oft mit Lyssacinen und Lithistiden vergesellschaftet angetroffen. Eine relativ reichliche Entwickelung zeigen gegenwärtig die Familien der Staurodermiden und Maeandrospongiden, während Coscinoporiden nur sehr sparsam, und Ventriculitiden und Coeloptychiden gar nicht mehr vertreten zu sein scheinen.

Fam. Coscinoporidae.

Schwammkörper cylindrisch oder becherförmig, zuweilen verästelt. Wand von zahlreichen, geraden, blinden Radialcanälen durchsetzt, deren Oeffnungen oft in senkrechten und wagerechten Reihen stehen. Oberfläche häufig vom verdichteten Skelet gebildet, oder ausserdem noch von einer lockeren Deckschicht bedeckt, welche auch die Canalöffnungen überkleidet (Fig. 58 B). Kreuzungsknoten dicht, selten durchbohrt. Vom Jura an, hauptsächlich im Malm und in der Kreide. Mehrere lebende Gattungen.

Tremadictyon Zitt. (Fig. 58 A–C). Grosse, becher- bis schüsselförmige Schwämme. Wand auf beiden Seiten mit grossen, ovalen Ostien von blind endigenden Canälen (A). Gittergerüst ein unregelmässiges Maschenwerk mit plattigen Armen und dichten Kreuzungsknoten (C). Innen- und Aussenseite der Wand mit einem dornigen Deckgespinnst (B) überzogen, welches auch die Canalöffnungen bedeckt. Sehr häufig im Malm.

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Fig. 58. Tremadictyon reticulatum Gf. sp. Oberes Oxford. Streitberg, Franken. A = ein Exemplar ohne die Wurzel mit ovalen Canalöffnungen auf beiden Seiten der Wand. B = Deckgespinnst aus verschmolzenen dornigen Sechsstrahlern. C = Gittergerüst mit dichten Kreuzungsknoten.

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Fig. 59. Sporadopyle obliqua Gf. sp. Oxford. Streitberg, Franken. Regelmässiges Gittergerüst mit rechteckigen Maschen.

Tr. reticulatum Gf. sp. (Fig. 58 A–C). Malm (Oxford- und Kimmeridgestufe). Franken und Schwaben.

Verwandte Gattungen mit regelmässig rechtwinkligem Gitterskelet (Fig. 59) sind:

Craticularia Zitt. Verkehrt kegelförmig. Die Canalöffnungen stehen auf beiden Seiten der Wand in Längs- und Querreihen. Jura und Kreide.

Cr. paradoxa Münst. sp.}Malm. Franken, Schwaben.

Cr. parallela Gf. sp.

Cr. Fittoni Mant. sp. Obere Kreide. England.

Sporadopyle Zitt. Kleine becherförmige Schwämme mit zerstreut oder im Quincunx stehenden Canalöffnungen. Jura, selten in der Kreide.

Sp. obliqua Gf. sp. (Fig. 59). Sehr häufig im Malm, namentlich in den Oxford-Schichten in Süddeutschland und der Schweiz.

Coscinopora Gf. Grosse, becherförmige Körper mit verzweigter Wurzel. Auf beiden Seiten der Wand sehr zahlreiche und feine, im Quincunx stehende Canalöffnungen. Skelet sehr dicht und fest, aus unregelmässig verschmolzenen, zum Theil dichten, zum Theil durchbohrten Sechsstrahlern bestehend. Oberfläche des Gerüstes verdickt, ohne besondere Deckschicht. Häufig in der oberen Kreide.

C. infundibuliformis Gf. Senon. Norddeutschland, England.

Fam. Staurodermidae.

Die Wand des meist kreiselförmigen Schwammkörpers wird von unregelmässigen, perforirenden Canälen durchbrochen, welche von der Innen- bis zur Aussenwand reichen. Die Kreuzungsknoten dicht oder durchbohrt. Eine besondere Deckschicht mit vierstrahligen Nadeln (Fig. 60 b, c) meist vorhanden. Diese Familie reicht vom Jura bis in die Gegenwart.

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Fig. 60. Cypellia rugosa Gf. sp. Oberes Oxford. Streitberg, Franken. a = Exemplar in halber natürlicher Grösse mit Deckschicht. b und c = Deckschichten. ¹²⁄₁.

Cypellia Pomel (Fig. 60 a–c). Die Aussenseite des kreisel- oder schüsselförmigen Körpers wird von einer meist feinlöcherigen Deckschicht überkleidet, welche die Oeffnungen der gebogenen und perforirenden Canäle verdeckt (a). Die Deckschicht besteht aus sternförmigen Nadeln, welche sich locker mit einander verkitten (c) oder in einer porösen Kieselhaut liegen (b). Skeletmaschen unregelmässig. Kreuzungsknoten unregelmässig durchbohrt. Malm.

C. rugosa Gf. sp. (Fig. 60). Mittlerer und oberer Malm. Franken, Schwaben.

Fam. Ventriculitidae.

Schwammkörper cylindrisch, becher- oder tellerförmig. Die Wand desselben in Längsfalten gelegt (Fig. 61 B), so dass auf der Aussen- und Innenseite Längsrippen erscheinen. Letztere sind durch kurze Querbrücken des Kieselgerüstes derart verbunden (Fig. 61 A), dass die zwischen den Falten bleibenden Furchen meist in Längsreihen ovaler oder unregelmässiger Löcher aufgelöst erscheinen. Im Grunde der Furchen die Oeffnungen kurzer, blinder Canäle. Kreuzungsknoten oktaëdrisch durchbohrt. Im Jura, besonders aber in der Kreide in mehreren Gattungen. Jünger unbekannt.

Ventriculites Mant. (Fig. 61 A, B). Trichter- bis schüsselförmige, zum Theil recht grosse Schwämme, mit weiter, bis auf den Boden des Trichters reichender Centralhöhle und relativ dünner Wand (A). Die Wand ist in gedrängte Längsfalten gelegt (B f, f’), die aber oft schwer zu erkennen sind. Die Falten stehen meist auf der Aussen- (B f), oft auch auf der Innenwand (B f’) als Längsrippen vor, werden aber häufig durch Querbrücken verbunden, so dass die zwischen den Falten befindlichen Längsfurchen als Längsreihen von Canalöffnungen erscheinen. Letztere befinden sich auf dem Grunde der Furchen. Wurzel verzweigt. Die Gattung findet sich nur in der oberen Kreide (Turon und Senon) in England, Norddeutschland, Böhmen.

V. radiatus Mant. Turon. Schlesien, Böhmen. Senon. England.

V. infundibuliformis Woodw. sp. (Fig. 61). Senon. England, Norddeutschland.

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Fig. 61. A = Ventriculites infundibuliformis Woodw. sp. Mittleres Senon. Linden bei Hannover. B = ein Querschnitt durch die Hälfte des Bechers; c = Centralhöhle; f = Falten der Aussen-, f’ = Falten der Innenseite. fu = Furchen der Innenseite.

Fam. Maeandrospongidae.

Der Schwammkörper besteht aus unregelmässig getheilten und verschlungenen, theilweise mit einander verwachsenen Röhren (oder Blättern) und bildet knollige, birnförmige oder becherförmige Massen, aber nie einfache Trichter oder Cylinder. Die zwischen den verschlungenen Röhren (Fig. 62 o) frei bleibenden Höhlungen bilden ein sog. Intercanalsystem (Fig. 62 i), während die Wandcanäle meist vollständig fehlen oder auf die Deckschicht sich beschränken. Häufig ist der ganze Schwamm von einer gemeinsamen Kieselhaut umgeben, die eine oder mehrere falsche oscula besitzt. Diese Familie ist im Jura sehr spärlich, in der oberen Kreide dagegen sehr reich und mannigfaltig entwickelt; mehrere Gattungen kommen noch lebend vor.

Plocoscyphia Rss. (Fig. 62). Knollige, unregelmässige Massen, aus getheilten, mässig dickwandigen, am Ende offenen Röhren bestehend. Die Wand der Röhren mit unregelmässig vertheilten Canalöffnungen (o’). Gemeinsame Deckschicht fehlt. Kreuzungsknoten der Sechsstrahler meist durchbohrt. Untere und obere Kreide. Häufig.

Pl. pertusa Gein. Untere Kreide (Neocom); England. Obere Kreide (Cenoman); Sachsen.

Pl. labrosa T. Sm. sp. (Fig. 62). Im Cenoman Nordfrankreichs und Englands häufig.

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Fig. 62. Plocoscyphia labrosa T. Sm. sp. Unteres Cenoman. Folkestone, Südengland. o = die Oeffnungen der verzweigten Röhren. i = die Höhlungen des Intercanalsystems. o’ die Oeffnungen der Wandcanäle.

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Fig. 63. Becksia Soekelandi Schlüt. Mittleres Senon (Zone der B. Soekelandi). Coesfeld, Westfalen. A = Ansicht des Schwammkörpers; o = die Oeffnungen der radialen Röhren; f = die wurzelartigen Fortsätze der Aussenwand. B = Skeletstück. Die Kreuzungsknoten oktaëdrisch durchbohrt und die Arme der Nadeln mit Zacken verziert. k = Kreuzungsknoten. o = Oktaëderarme.

Becksia Schlüt. (Fig. 63 A, B). Die Wand des niedrig becherförmigen, mit weiter Centralhöhle versehenen Schwammkörpers wird aus radial gestellten Röhren gebildet, die an der Aussenseite mit einander verwachsen sind, so dass nur einzelne grössere Oeffnungen (o), die Mündungen der Röhren, sichtbar bleiben. Im Innern münden die Röhren in einen Hohlring. Zwischen den Röhren ein weites Intercanalsystem (nur von innen sichtbar). Die Aussenwand verlängert sich zu wurzelartigen Fortsätzen (f). Gittergerüst aus zackig verzierten Nadeln mit oktaëdrisch durchbohrten Kreuzungsknoten bestehend (B). Aussenwand mit unregelmässigen, sehr feinen Ostien. Eine den Körper einhüllende Kieselhaut oder besondere Deckschicht fehlt. Nur aus dem Senon bekannt.

B. Soekelandi Schlüt. (Fig. 63 A, B). Mittleres Senon (Zone der Becksia Soekelandi). Westfalen.

Die im oberen Turon (Cuvieri-Pläner) Norddeutschlands häufige Gattung Cystispongia (C. bursa Qu.) zeichnet sich durch eine, den ganzen Schwamm einhüllende Kieselhaut aus. Sie ist auch lebend bekannt.

Fam. Coeloptychidae.

Die einzige Gattung dieser ausgestorbenen, bisher nur aus dem Senon bekannten Familie ist:

Coeloptychium Gf. (Fig. 64). Der pilz- oder schirmförmige Körper besteht aus einer verzweigten Wurzel (w), einem Stiele (st) und dem Hute (h).

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Fig. 64. Coeloptychium lobatum Gf. Mittleres Senon (Zone der Becksia Soekelandi). Coesfeld, Westfalen. w = Wurzel. st = Stiel. h = Hut. s = Hutfalte. o = Centralhöhle. m = Unterseite. n = Seitenflächen. sb = Siebplatten. p = Canalöffnungen. (Combinirte Figur.)

Die Oberseite des Hutes kann nach Art einer runden Tischplatte eben, oder mehr oder weniger tief eingesenkt (o) sein, so dass der Schwamm einem Trichter gleicht. Die Wand des gewölbten oder plattigen Hutes ist nach Art der Ventriculiten (p. 66, Fig. 61) in Längsfalten (s) gelegt, die immer auf der Unterseite (m), zuweilen auch auf den Seitenflächen (n) als freie, meist getheilte Rippen hervortreten. Entweder erscheint der Hut scharf vom Stiele abgesetzt oder allmählich in denselben übergehend (Fig. 64). Der Stiel selbst ist nicht gefaltet, sondern einfach cylindrisch, hohl und meist mit mehreren horizontalen, siebförmig durchbrochenen Kieselplatten (sb), den sog. Siebplatten versehen. Eine poröse Deckschicht bekleidet die Oberseite (resp. trichterförmige Innenseite) des Hutes und oft auch die Seitenflächen (n), so dass die Falten und ihre Zwischenräume nicht direct sichtbar werden, sondern ihr Vorhandensein nur durch die abwechselnd grob- und feinporösen radiären Streifen der Deckschicht angedeutet wird. Oeffnungen von Canälen finden sich nur auf der Unterseite der Falten (p) oder auch am Stiele. Das Gittergerüst besteht aus regelmässig verschmolzenen, meist verzierten Laternennadeln, wie bei Becksia (Fig. 63 B). Diese wahrscheinlich mit den Ventriculitiden nahe verwandte Gattung ist bisher nur aus dem Senon bekannt geworden. Der obere Theil der sog. Quadraten- und die Mucronaten-Kreide sind das Lager mehrerer Arten (Coeloptychien-Kreide).

C. agaricoides Gf. Norddeutschland häufig. England selten.

C. lobatum Gf. (Fig. 64). Westfalen, Hannover.

Auch im krakauer, russischen und südfranzösischen Senon kommen Coeloptychien vor.

Geologische Verbreitung der Lithistiden und Hexactinelliden.

Weitaus die Mehrzahl der fossilen Spongien gehört den Lithistiden und Hexactinelliden (spec. der Gruppe der Dictyonina) an. Meist treten dieselben zusammen und in grösseren Mengen vereinigt auf, so dass gewisse Schichten ganz mit ihren Skeleten angefüllt sind (Schwammschichten, Schwammfacies). Selbst wenn die äussere Form wohl erhalten zu sein scheint, zeigt sich die ursprüngliche Kieselsubstanz verändert oder gar fortgeführt und pseudomorphosirt. Die wasserhaltige amorphe Kieselsäure der meisten Kieselschwämme ist in die wasserfreie krystalline Modification umgewandelt worden; oder die Kieselsubstanz ist vollständig aufgelöst und fortgeführt, so dass an Stelle der Skeletelemente Hohlräume sich vorfinden. Diese letzteren wurden dann später oft mit anderen Mineralien (Kalkspath, Brauneisenstein) ausgefüllt. Viele Feuersteine und Chalcedone verdanken den Kieselschwämmen (sowie den Radiolarien und Diatomeen) ihre Entstehung. Die wasserhaltige Kieselsäure ihrer Skelete wurde im Meerwasser gelöst, ballte sich zu Klumpen zusammen und lieferte durch Festwerden die Feuersteine. In denselben treffen wir noch vielfach die Reste von Kieselschwämmen an.

Aus dem paläozoischen Zeitalter kennen wir mit Sicherheit von Lithistiden nur Vertreter der Familien der Anomocladina und Tetracladina. Daneben treten auch Lyssacinen, aber, wie es scheint, noch keine Dictyoninen auf. Erst seit der Jurazeit finden sich ausgedehnte Schwammlager, an deren Zusammensetzung sich Lithistiden und Dictyoninen betheiligen. Die wichtigsten Vorkommnisse sind aus nachstehender Tabelle ersichtlich:

Tertiär:Miocän:OranLithistiden und Dictyoninen.

Kreide:Senon:England, Nordfrankreich, Norddeutschland, Touraine, Nizza, Gouv. SaratowLithist. u. Dictyon.

Turon:England, Norddeutschland, Schlesien „ „

Cenoman:England, Nordfrankreich, Sachsen, Böhmen, Bayern „ „

Jura:Kimmeridge:Schwaben „ „

Oxford:Franken, Schweizer Jura, Polen „ „

Oberer Dogger:Normandie „ „

Silur:Nordamerika, NordeuropaLithistiden.

3. Ordnung Calcarea (Calcispongia oder Kalkschwämme).

Zu den lebenden Kalkschwämmen gehören relativ kleine und zierliche Formen, welche frei in der Sarkode liegende, aus Kalkspath bestehende Nadeln besitzen. Die typische Nadelform ist der plane Dreistrahler (Fig. 65 E), doch kommen auch vielfach zwei- oder einstrahlige, auch vierstrahlige, gerade, oder unregelmässig gebogene Nadeln vor (Fig. 65 B–D). Die Nadeln liegen entweder einschichtig (Ascones) oder mehrschichtig, regelmässig oder unregelmässig frei, aber stets in der Körperwand. Da nach dem Tode des Thieres das Skelet in seine einzelnen Nadelelemente zerfällt, so können wir fossile Kalkschwammreste wohl nur als vereinzelte Nadeln anzutreffen erwarten.

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Fig. 65. Leucosalenia lacunosa Bk. var. Hillieri Cart., ein lebender Kalkschwamm mit seinen verschiedenen Nadelformen (B–D).

Dagegen giebt es eine mit der Kreide erlöschende Gruppe schwammartiger Fossilien, die manche Beziehungen mit den Kalkschwämmen besitzt, die sog.

Pharetrones.

Die Skelete der Pharetronen erreichen nur selten eine ansehnliche Grösse (durchschnittlich einige cm). Sie bilden einfache, cylindrische oder verkehrt kegelförmige, ästige (Fig. 68) oder knollige (Fig. 66 A) Massen von poröser Structur. Das aus zusammenhängenden, anastomosirenden Faserzügen bestehende Skelet wird von mannigfaltig ausgebildeten Canälen durchzogen, wie bei den lebenden Kalkschwämmen. Die Fasern des Skelets erweisen sich meist als aus kalkigen Nadeln zusammengesetzt, die als kleine Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierstrahler dicht gedrängt und unregelmässig neben und durch einander liegen. Wahrscheinlich wurden die Nadeln durch Hornsubstanz zusammengehalten. Die Nadeln selbst sind häufig durch den Fossilisationsprocess undeutlich geworden, die Fasern selbst und damit auch der ganze Schwammkörper aber meist sehr gut erhalten und fast nie verdrückt, was von einer grossen Widerstandsfähigkeit des Skelets zeugt.

Bei der meist mangelhaften Erhaltung der Nadelelemente kann eine Classification vorerst nur auf den Bau des Skelets basirt werden. Man zerlegt die Pharetronen, welche in paläozoischen Ablagerungen selten, in mesozoischen stellenweise sehr häufig, in känozoischen nicht mehr vorkommen, in folgende zwei Gruppen:

I. Inozoa. Das schwammartige Skelet bildet eine zusammenhängende Masse und wird von verzweigten Canälen durchzogen (Fig. 66, 67), oder wenn die Canäle fehlen, besteht das Skelet nur aus wurmförmig gekrümmten Fasern, die unregelmässige Räume zwischen sich lassen.

II. Sphinctozoa. Der einfache oder zusammengesetzte Schwammkörper besteht aus einer Anzahl von ring- oder kugelförmigen Segmenten (Fig. 68). Die Aussenwand derselben wird von einfachen, meist geraden Canälen durchbrochen, oder ist ganz dicht.

I. Inozoa.

Schwammkörper cylindrisch, trichter- bis kelchförmig, schüsselförmig, plattig, kugelig oder knollig, einfach oder verästelt. Das stets wurmförmige Fasergewebe wird meist von verzweigten Canälen durchzogen, die auf der Aussenfläche (Fig. 67) oder in Centralhöhlen (Fig. 66) münden. Eine Segmentirung ist nicht vorhanden. Devon — Kreide.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 66. Stellispongia variabilis Mnstr. sp. Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe). St. Cassian, Südtirol. A ein knolliger Schwammkörper mit mehreren Centralhöhlen und den in dieselben mündenden Canälen. B ein Schliff durch das Fasergewebe (dunkel). Die Faser besteht aus zahlreichen, kurzen, einachsigen Kalknadeln.

Stellispongia d’Orb. (Fig. 66). Kugelig oder unregelmässig knollig, mit einer oder mehreren schwach vertieften Centralhöhlen, von welchen zahlreiche verzweigte Canäle in das Fasergerüst eindringen. Die Skeletfasern bestehen aus kleinen einachsigen oder auch aus drei- oder vierstrahligen Nadeln (B). Häufig in Trias, Jura und Kreide.

St. variabilis Mnstr. sp. (Fig. 66). Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe). Südtirol.

St. corallina From. sp.}Mittlerer und oberer Malm. Süddeutschland, Schweiz.

St. glomerata Qu. sp.

Peronella Zitt. Cylindrisch, einfach oder buschige Massen bildend. Eine tiefe cylindrische Centralhöhlung durchsetzt den Schwammkörper. Canäle fehlen. Am unteren Ende oft eine runzelige, dichte Deckschicht entwickelt. Fasergewebe locker. Die Fasern bestehen aus dreistrahligen Nadeln, denen einstrahlige beigemischt sind. Vom Devon bis in die Kreide. Zahlreiche Arten im Jura und in der Kreide.

P. prisca Beyr. sp. Mitteldevon. Nassau.

P. mamillifera Lmk. sp. Oberer Dogger. Normandie, England.

P. cylindrica Mnstr. sp. Mittlerer und oberer Malm. Süddeutschland, Schweiz, England.

P. furcata Gf. sp. Cenoman. Westfalen, England.

Elasmostoma From. (Fig. 67). Blatt- oder trichterförmig. Ober- resp. Innenseite der Wand mit einer glatten Deckschicht überzogen, in welcher zahlreiche, unregelmässig begrenzte Oeffnungen liegen. Canäle fehlen. Häufig in der Kreide.

E. acutimargo Rö. (Fig. 67). Neocom. Norddeutschland, Schweizer Jura.

E. consobrinum d’Orb. sp. Cenoman. England, Normandie, Westfalen.

E. subpeziza d’Orb. Oberste Kreide (Dänische Stufe). Mastricht.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 67. Elasmostoma acutimargo Rö. Neocom. Berklingen, Braunschweig. Die Oberseite mit glatter Deckschicht, in welcher sich unregelmässige Oeffnungen befinden.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 68. Barroisia anastomans Mant. sp. Untere Kreide: Aptien. Farringdon, Berkshire. A ein buschiger Stock, z. Th. angeschnitten. B das Stück eines Zweiges, schräg angeschnitten; a = Grenzlinien zweier Segmente in der Aussenwand; b = Centralröhre mit einer Reihe grober Löcher in jedem Segmente; o = Oeffnung der Centralröhre; d = Wandcanäle. C, D Nadeln.

II. Sphinctozoa.

Skelet cylindrisch, einfach oder büschelförmig (Fig. 68), aus einer geringeren oder grösseren Anzahl kugeliger oder flacher Segmente aufgebaut, die sich in einer geraden Linie über einander oder auch neben einander legen. Entweder eine einfache weite Centralhöhlung oder innerhalb derselben noch ein hohler Centralcylinder (Fig. 68 B b) vorhanden. Die Centralhöhle wird durch die Decken der Segmente in eine Anzahl von Kammern zerlegt. Wände dünn, von geraden kurzen Canälen (Fig. 68 B d) durchbrochen oder (bis auf einzelne grössere oscula) dicht. Vom Subcarbon bis in die oberste Kreide bekannt. Weit seltener als die Inozoa.

Barroisia Mun. Ch. (Fig. 68). Die Zweige des buschigen verästelten Skelets cylindrisch, aus niedrigen an einander gereihten Segmenten zusammengesetzt (B). Wände und Decken der Segmente von zahlreichen geraden Canälen (B d) durchbohrt. Die einzelnen Segmente in der äusseren Wand deutlich von einander geschieden (B a). In der Richtung der Achse des Cylinders findet sich eine, oft bis auf wenige gröbere Löcher geschlossene Centralröhre (b), welche die Segmentdecken mit einander verbindet. Zwischen der Aussenwand und der Centralröhre bleiben ringförmige Kammern frei. Skeletfaser aus drei- und vierstrahligen Nadeln (C, D) zusammengesetzt. Nur in der Kreide.

B. anastomans Mant. sp. (Fig. 68). Untere Kreide: Aptien. Nordfrankreich, England.

B. helvetica de Lor. sp. Aptien. Oestl. Frankreich, Schweiz.

Geologische Verbreitung der Pharetronen.

Einige wenige Vertreter sind aus dem Paläozoicum (Devon und Subcarbon) bekannt geworden. In der Trias werden sie häufiger. Ein bekannter Fundort ist St. Cassian in Südtirol, wo eine reiche Fauna in den tiefsten Schichten der karnischen Stufe auftritt. Jura und Kreide sind reich an Pharetronen, besonders der obere Dogger der Normandie, die Oxford- und Kimmeridge-Stufe in Süddeutschland und der Schweiz, das Mittelneocom im subhercynischen Hügellande, im westschweizer Jura und in Ostfrankreich, das Aptien Englands, Frankreichs und der Schweiz, das Cenoman in Westfalen, Nordfrankreich etc. und die dänische Stufe in Holland (Mastricht). Aus jüngeren Schichten sind bisher keine Pharetronen bekannt geworden.

Es scheint, als ob die Pharetronen im Allgemeinen in weniger tiefem Wasser gelebt haben, als die Lithistiden und Hexactinelliden, doch kommen sie auch zuweilen mit diesen zusammen, z. B. im schwäbischen Malm, zahlreich vor.

III. Kreis: Coelenterata.

Der Körper der Coelenteraten besteht aus Zellen, welche sich zu differenzirten Gewebsschichten vereinigen. Der Körperbau ist stets deutlich strahlig (radiär). Ein einziger innerer Hohlraum (Gastrovascularraum) besorgt die Verdauung und die Vertheilung des Nahrungssaftes. Nesselorgane stets vorhanden. Fortpflanzung ungeschlechtlich oder geschlechtlich, oft mit Generationswechsel verknüpft. Fast ausschliesslich marine Thiere.

Eintheilung der lebenden Coelenterata.

A.Freischwimmende Thiere mit zweistrahligem Körperbau. Fossil unbekannt.Ctenophora.

B.Geschlechtlich als freischwimmende Medusen, ungeschlechtlich als festsitzende Polypen mit einfachem Gastrovascularraum. Zuweilen ein horniges oder kalkiges Skelet.Hydromedusae oder Polypomedusae.

C.Festsitzende, häufig mit einem kalkigen Skelet versehene Thiere. Gastrovascularraum peripherisch in radiale Fächer getheilt. Fossil häufig.(Korallenpolypen) Anthozoa.

Hieran schliessen sich zwei ausgestorbene Gruppen:Zoantharia rugosa (oder Tetracoralla) und Zoantharia tabulata.

1. Klasse: Polypomedusae (Hydromedusae).

Litteratur über Polypomedusae.

Hall, J. Graptolites of the Quebec Group. — Geolog. Survey of Canada. Dec. II 1865.

Lapworth, C. Geolog. Magaz. vol. X 1873. — Ann. & Mag. Nat. Hist. V ser. vol. III 1879, vol. IV 1879, vol. V 1880.

Nicholson, H. A. Monograph of the British Graptolitidae 1872.

—— Monograph of the British Stromatoporoids. Palaeont. Society 1885.

Steinmann, G. Palaeontographica Bd. XXV 1877.

Von den drei Ordnungen dieser Klasse sind die Siphonophora fossil noch nicht gefunden worden. Die Acalephae, grosse Lappenquallen ohne Mundsaum, finden sich gelegentlich als Abdrücke; nur den zuweilen mit chitinösen oder kalkigen Skeleten versehenen Hydroidea kommt einige Bedeutung zu.

Ordnung Hydroidea.

Die Medusenformen dieser Ordnung besitzen einen ungelappten Schirmrand (Unterschied von den Acalephae) und sind stets geschlechtlich. Die Polypen weisen eine ungetheilte Magenhöhle auf und entbehren des Magenrohrs (Unterschied von den Anthozoa). Polypen oft zu Stöcken vereinigt, welche zuweilen mit chitinösen oder kalkigen Skeleten — letztere ähnlich denen der Korallen oder Bryozoen — versehen sind.

Solche Skeletbildungen finden sich nur bei den beiden Unterordnungen der Diplomorpha und Hydrocoralliae.

Unterordnung Diplomorpha.

1. Calyptoblastea. Polypenstöckchen festsitzend, Polypen von becherförmigen Chitinzellen umgeben. Hierher gehören von lebenden Formen u. a. die Sertularien und Campanularien. Von fossilen dürfte

Dictyonema Hall (Fig. 69) vielleicht hierher zu stellen sein. Das korb- oder trichterförmige Hydrosom besteht aus zahlreichen, durch feine Querbalken verbundenen Aesten und läuft am unteren Ende in eine Spitze aus, war also nicht festgewachsen, wie die lebenden Calyptoblastea. Sägezahnförmige Zellen bekleiden nicht allein die freien Enden der Aeste (wie Fig. 69 gezeichnet), sondern auch die verbundenen Theile. Eine stabförmige Achse scheint zu fehlen (Unterschied von den Graptolithen!). Cambrisch, Silurisch und ? Devonisch.

D. flabelliforme Eichw. Oberstes Cambrium. England, Skandinavien, Russland (Dictyonema-Schiefer).

D. retiforme Hall. Obersilur. Nordamerika.

2. Gymnoblastea. Polypenstöckchen nur zum Theil von einer chitinösen oder auch kalkigen Hülle bekleidet. Polypen nicht von einer becherförmigen Zelle umgeben.

Notes in this chapter

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