SYSTEMATIK. (continued 4)
Reading edition
C. pomum Wyv. Th. sp. (Fig. 175 A–C). Obersilur (Lower Ludlow). England.

Fig. 175. A–C Cystocidaris pomum Wyv. Th. sp. Obersilur. Leintwardine. England. Restaurirt. A von der Seite. o = Mund mit Kiefergebiss; m = ? Madreporenplatte. B von oben. a = After, hart an einem Ambulacrum gelegen. C ambulacrale Plattenreihen, 2 mediane und je 2 peripherische, und die benachbarten Interambulacralplatten mit Stacheln.
Eine andere Cystideen-Form
Mesites Hoffm. (Fig. 176 A–C) zeigt ebenfalls eine deutliche Differenzirung in Ambulacral- (r) und Interambulacralfelder. Die ersteren reichen aber nicht bis zur Mitte der Unterseite, wo der Körper angeheftet war (s). Unter den Reihen paariger Ambulacralplatten (C t) verläuft ein Canal (c) (Ambulacralcanal), der nach innen ebenfalls von den Kelchtafeln abgeschlossen wird (C). Die Interambulacralplatten sind mit Doppelporen versehen. Eine Afteröffnung (B a) liegt interambulacral, aber dem einen Radius näher als dem anderen. Der fünfeckige Umriss sowie der innere Plattenverschluss der Ambulacralfurchen lässt diese Form als einen Verwandten der Asteroidea erscheinen, während der Verschluss der Furchen durch äussere Platten als ein Seeigelmerkmal gelten muss. Somit stellt Mesites eine Sammelform zwischen den beiden Klassen dar, die man mit demselben Rechte auch zu den Cystasteroidea stellen könnte. Im baltischen Untersilur.
M. Pusireffskii Hoffm. (Fig. 176 A–C).

Fig. 176. A–C Mesites Pusireffskii Hoffm. Untersilur. Russland. A von der Seite und unten gesehen. s = Anheftungsstelle; r = Radien (Ambulacra). B von oben. a = Afterpyramide. C Querschnitt durch ein Ambulacrum. c = Ambulacralcanal; t = Ambulacralplatten.

Fig. 177. Agelacrinus Cincinnatensis F. Rö. Untersilur. Cincinnati, Ohio. o = Mund, von 4 kleinen Tafeln verschlossen; a = Afterpyramide; s = Saumplatten.
3. Gruppe Cystasteroidea.
Zu dieser Gruppe kann man solche Cystideen zusammenfassen, die eine gewisse Annäherung an die Seesterne und Schlangensterne zeigen. Ausser der eben besprochenen Gattung Mesites möge
Agelacrinus Vanux. (Fig. 177) hier erwähnt werden. Der Körper gleicht einem auf eine Platte aufgewachsenen See- oder Schlangensterne. Die Platte haftet auf einem anderen Körper (z. B. einer Brachiopoden-Schale) und wird aus zahlreichen, ohne Regel geordneten, schuppenförmigen Platten gebildet, die am Rande kleiner werden (s — Saumplatten). In der Mitte der Oberseite befindet sich der von 4 kleinen Platten geschlossene Mund (o). Von demselben strahlen 5 erhabene, gebogene Arme aus. Zwei derselben biegen sich in dem durch die grosse Analpyramide (a) bezeichneten Interradius gegen einander. Die Arme bestehen meist aus 2 Reihen abwechselnd gestellter Platten. Diese Form lässt sich als ein mit der Oberseite aufgewachsener Seestern auffassen, dessen Cystideen-Charakter in dem Vorhandensein einer durch Klappen geschlossenen Afteröffnung ausgeprägt ist. Im Silur häufig, seltener im Devon und Carbon.
Ag. Cincinnatensis F. Rö. (Fig. 177). Untersilur (Cincinnati Gr.). Nordamerika.
Ag. Rhenanus F. Rö. Rheinisches Unterdevon.
Ag. Kaskaskiensis Hall. Steinkohlenformation. Nordamerika.
7 Arten im böhmischen Untersilur.
4. Gruppe Cystocrinoidea.
Die hierher gestellten Formen schliessen sich z. Th. an die Eucystoidea, z. Th. durch das Vorhandensein freier Arme an die Palaeocrinoidea an.
Echinoencrinus (Fig. 178 A–D). An der Unterseite des eckig-eiförmigen Kelches haftet ein kurzer, dicker Stiel (B s). Die zierliche Berippung des Kelches erschwert die Erkennung der einzelnen Kelchtafeln, da die Rippen oder Streifen ohne Unterbrechung über die Nähte fortlaufen. Der Kelch besteht aus 19 Tafeln (D), von denen einige mit Porenrauten versehen. Der Basalkranz setzt sich aus 4 Tafeln zusammen (D c). Drei davon sind zugespitzt, die vierte (hintere) abgestutzt. Die 3 folgenden Kränze (I–III) bestehen aus je 5 Platten. Zwischen dem ersten und zweiten Kranze liegt die Afteröffnung (a) seitlich rechts hinten. Drei Hydrospiren (h, h’, h’’) entwickelt, deren jede auf 2 angrenzenden Tafeln liegt. Zwei (h und h’) liegen vorn symmetrisch zu der Symmetrieebene der Basis; die dritte liegt ausserhalb der Symmetrieebene rechts hinten, oberhalb des Afters auf je einer Tafel des zweiten und dritten Kranzes. Die strahlige Scheitelöffnung (Mund — C o) wird von kurzen, einzeiligen Armen umgeben (A).

Fig. 178. A–D Echinoencrinus. A E. granatum Volb. Untersilur. St. Petersburg. Mit erhaltenen Armen. a = Afteröffnung. B, C E. angulosus Pand. sp. Ebendaher. B von vorn. s = Stiel; h u. h’ = die zwei vorderen Hydrospiren. C von oben. o = Mundöffnung; h’’ = die dritte Hydrospire. D zerlegter Kelch. c = Basalkranz; I = erster Kranz mit dem Hydrospirenpaar h und h’; II = zweiter Kranz, zwischen dem ersten und zweiten liegt die Afteröffnung (a); III = dritter Kranz mit der dritten unpaarigen Hydrospire (h’’).
Der Kelchbau zeigt grosse Aehnlichkeit mit manchen Eucystoideen (Lepadocrinus — p. 180), während die frei entwickelten, einzeiligen Arme mehr auf die Crinoideen hinweisen. Im baltischen Untersilur nicht selten.
E. granatum Volb. (Fig. 178 A).}Umgegend von Petersburg.
E. angulosus Pand. sp. (Fig. 178 B, C).
Caryocrinus Say (Fig. 179 A–C). Der Kelch ist gestielt (s) und trägt eine wechselnde Anzahl von freien Armen (br). Es lässt sich eine Dorsal- und Ventralkapsel nach Art der Palaeocrinoidea unterscheiden. Die erstere besteht aus 3 alternirenden Kränzen grosser Platten. Zum basalen Kranz (I) gehören 4 Platten, von denen je 2 gleich gross und gleich gestaltet sind. In der Verlängerung der Naht zwischen den beiden grösseren steht die ventrale Afteröffnung (A a). Der zweite Kranz (II) besteht aus 6 grossen, etwas ungleichen Platten, die mit denen des ersten und dritten alterniren. Der dritte Kranz (III) setzt sich ebenfalls aus 6, etwas niedrigeren Tafeln zusammen. Ueber demselben entspringt eine nicht constante Zahl (6, 9, 13) von dünnen, peitschenförmigen Armen. Alle Tafeln der Dorsalkapsel sind mit Hydrospiren (C) versehen. Die flache Ventralkapsel (B) ist mit etwa 24 kleinen, polygonalen Tafeln gepflastert, die sich um eine centrale (B c) herumgruppiren. Die grosse Afteröffnung (a) liegt nahe am Rande; sie wird von einer sechsklappigen Pyramide verschlossen. Alle Tafeln der Ventralkapsel sind frei von Hydrospiren oder Doppelporen.
Häufig im Obersilur (Niagara-Gruppe) Nordamerikas.
Die einzige Art: C. ornatus Say (Fig. 178 A–C).

Fig. 179. A–C Caryocrinus ornatus Say. Obersilur. Lockport, New-York. A Kelch mit Stiel (s) und theilweise erhaltenen Armen (br). I = erster, II = zweiter, III = dritter Tafelkranz der Dorsalkapsel; p = Porenrauten; i = Insertionsstellen der Arme; a = Afteröffnung. B Ansicht der Ventralkapsel. c = centrale Scheitelplatte; i und a wie oben. C eine Tafel des zweiten Kranzes von innen, um die Poren der Hydrospiren (p) und ihre Verbindungscanäle (c) auf der Innenfläche der Tafeln zu zeigen.
Porocrinus Bill. (Fig. 180 A–C). Nur durch den Besitz von Porenrauten ist diese Gattung von den Palaeocrinoidea, spec. Poteriocrinus unterschieden. Wir haben 3 Reihen von Kränzen, einen infrabasalen (ib), einen parabasalen (pb), je aus 5 Platten bestehenden, und einen radialen (r), in welchen 2 interradiale Platten (C ir), eine grössere und eine kleinere, etwas tiefer gestellte (in der Figur B schwarz gezeichnete) eingeschoben sind. Die Radialia sind ausgeschnitten wie bei Cyathocrinus (B r). An den durch die Vereinigung von 3 Nähten gebildeten Ecken finden sich 3 kleine Ergänzungstäfelchen eingeschoben (C p). Dieselben sind mit Porenrauten bedeckt, welche auf die Kelchtafeln übergreifen. Arme einfach, einzeilig. Untersilur in Nordamerika und in Russland.
P. conicus Bill. (Fig. 180 A, B). Canada.
P. radiatus Beyr. (Fig. 180 C). St. Petersburg.

Fig. 180. A–C Porocrinus. A, B P. conicus Bill. Untersilur. Canada. B Hinterseite des Kelches mit den 2 interradialen Platten (ir), welche oberhalb und rechts über dem hinteren Parabasale (pb) gelegen sind. C P. radiatus Beyr. Untersilur. St. Petersburg. Drei Gruppen von je 3 Porenrauten. ib = Infrabasalia; pb Parabasalia; r = Radialia; ir = Interradialia; br = Brachialia; p = Porenrauten.
Wie bereits hervorgehoben, findet man Cystoideen nur in paläozoischen Schichten, und zwar vorzugsweise im Silur, während im Devon und in der Steinkohlenformation nur noch wenig zahlreiche Gattungen und Arten dieser Klasse auftreten. Auch aus dem Cambrium kennt man eine Anzahl von Gattungen. Als hauptsächliche Fundpunkte sind zu nennen: Die untersilurischen Schichten der russischen Ostseeprovinzen und des südlichen Schwedens, wo z. B. die Gattung Echinosphaerites in den oberen Lagern des sog. Vaginaten-Kalkes geradezu gesteinbildend vorkommt. Auch das nordamerikanische Untersilur ist reich an Cystideen, doch sind die Gattungen fast durchgängig von den europäischen verschieden. Das nordeuropäische (England, Schweden) und nordamerikanische Obersilur beherbergt noch eine erhebliche Anzahl von Gattungen, wenn auch weniger als das Untersilur. Im Devon werden sie seltener und in der Steinkohlenformation sterben sie aus.
Die vielfachen Beziehungen, welche zwischen manchen Cystideen einerseits und den Echinoidea, Asteroidea und Crinoidea andererseits vorhanden sind, haben wohl mit Recht zu der Annahme geführt, dass die gemeinsamen Stammformen der drei letztgenannten Klassen bei den Cystideen zu suchen sind, wenn auch nicht unter denjenigen Formen derselben, die wir aus den paläozoischen Ablagerungen kennen, da diese jedenfalls nicht als die ältesten Vertreter der Klasse angesehen werden dürfen.
7. Klasse: Blastoidea.
Litteratur über Blastoidea.
Etheridge, R. jun., & P. H. Carpenter. Catalogue of the Blastoidea in the geological department of the British Museum (Natural history) etc. London 1886. Litteraturverzeichniss bis 1886.
Eine kleine, aberrante, ausschliesslich paläozoische Gruppe von Echinodermen trägt den Namen Knospenstrahler oder Blastoidea, da der Körper meist die Gestalt einer kurz gestielten Knospe besitzt (Fig. 182 C). Durch das Vorhandensein eines Stieles — wodurch die Ventralseite nach oben gekehrt wird — und durch den Aufbau ihres Kelches aus wenigen (13) grösseren Platten (Fig. 182 E) reihen sie sich an die Crinoidea und Cystoidea an, unterscheiden sich aber hinlänglich durch andere Merkmale von beiden, und zwar von den Crinoidea durch das Fehlen freier Arme, von den Cystoidea durch die Beschränkung der Hydrospiren auf die Radial- und Interradialtafeln (Fig. 181 A h) und durch die Stellung der Hydrospirenschlitze, welche stets mit den Ambulacren parallel verlaufen (Fig. 181 A h). Von 13 Tafeln, aus welchen sich der Kelch unabänderlich aufbaut, entfallen 3 auf die Basis, 5 auf einen Radialkranz und 5 auf einen Interradialkranz (Fig. 182 E b, r, ir). Die scheinbar regelmässig fünfstrahlige Anordnung wird durch die excentrische Lage des Afters im hinteren Interradius (Fig. 181 A a) und durch die geringere Grösse der einen Basaltafel (Fig. 181 E b) gestört, welch’ letztere stets im vorderen linken Interradius gelegen ist (vgl. Platycrinus p. 160). In den mehr oder weniger stark ausgeschnittenen Radialtafeln und seitlich noch von den Interradialien begrenzt, befinden sich die 5 gleichen Ambulacralfelder (Fig. 181 ps; Fig. 182 ps), von linearer, dreieckiger oder blattförmiger Gestalt, welche mit seitlichen Anhängen (Pinnulae) besetzt sind (Fig. 182 C p). Der Mund liegt central auf der Oberseite an der Vereinigungsstelle der Ambulacren (Fig. 181 A o; Fig. 182 F c). Hydrospiren sind stets vorhanden, aber nie an den Basaltafeln; ihre schlitzförmigen Oeffnungen oft von aussen unsichtbar. Von den ca. 20 bis jetzt bekannten Gattungen besitzen nur wenige eine grössere vertikale und horizontale Verbreitung, nämlich:
Codonaster McCoy (Fig. 181 A–C). Die Seiten des kleinen Kelches werden von den verlängerten Basalia (b) und den Radialia (st) eingenommen. Die letzteren greifen auf die abgestutzte Oberseite nur mit einem dreieckigen Zipfel über, in welchen das Ambulacrum (ps) einschneidet, so dass die Oberseite fast ausschliesslich aus den sog. Deltoidtafeln (dt) und den dieselben trennenden Ambulacren (ps) eingenommen wird. Der hinteren Deltoidtafel fehlen die Hydrospirenschlitze und die Mundstrahlen (k), mit welchen die übrigen 4 versehen sind; dagegen wird sie von der grossen Afteröffnung (a) durchbohrt. 8 Hydrospiren (h) bedecken die Oberseite. Jede derselben liegt zur Hälfte auf einer Radial- (st), zur anderen Hälfte auf einer Deltoidtafel (dt). Die Schlitze, wechselnd in ihrer Zahl, laufen ungefähr den Ambulacren parallel. Die 4 paarigen Deltoidtafeln werden in radiärer Richtung von je einem glatten, undurchbohrten Kalkkeil, dem sog. Mundstrahle (k), durchzogen, welcher an der Nahtecke zweier Radialtafeln endigt und je zwei benachbarte Hydrospiren theilt. Am centralen Munde (o) entspringen die 5 gleichen Ambulacra (ps), anfangs seitlich von den Deltoidtafeln begrenzt, gegen das Ende zu in den Einschnitten der Radialia liegend. Jeder Strahl trennt ein Paar gleich orientirter Hydrospiren von einander. Das Ambulacrum besteht aus einer lanzettförmigen, spitz dreieckigen Tafel, die bis auf ein schmales, in der Mitte gefurchtes Stück (das sog. Lanzettstück) von 2 Reihen randlicher, undurchbohrter Seitentäfelchen verhüllt wird. Im Devon und Subcarbon, vielleicht auch im Silur. Nordamerika und Europa.
C. trilobatus McCoy (Fig. 181). Subcarbon. England.

Fig. 181. Codonaster trilobatus McCoy. Subcarbon. England. A Kelch von oben. o = Mund; a = After; ps = Ambulacrum; st = Seitentafeln (Radialia); dt = Deltoidtafeln (Interradialia), 4 derselben sind mit einem Hydrospirenpaar (h) und mit kantigen, undurchbohrten interradialen Mundstrahlen (k) versehen. B Kelch von unten. C von der Seite. b = Basalia.
Wenn Codonaster durch die freiliegenden Hydrospirenschlitze noch eine bemerkenswerthe Verwandtschaft mit den Cystoidea aufweist, so entfernt sich die folgende Gattung weit mehr von den Cystoideen und bildet den eigentlichen Typus der Blastoidea:
Pentatremites Say (Fig. 182 A–K). Auf einem kurzen, gegliederten Stiele erhebt sich der knospen- oder birnförmige Kelch, welcher aus 3 ungleichen Basalia (b), 5 gleichen Radialia (r) oder Gabelstücken und 5 kleineren, schmalen Interradial- oder Deltoidtafeln (ir) besteht. Letztere reichen bis zu dem abgestutzten Scheitel und umgrenzen die fünfseitige, centrale Mundöffnung (F c). Die 5 gleichen Ambulacra (ps; F α–ε) sind breit, blattförmig; sie schneiden tief in die Radialia (E r) ein. Die Seitenränder der Gabel- und Deltoidtafeln sind abgeschrägt (F x) und quer gerieft. Nach Entfernung der Pinnulae (C p, D), welche aus einer Doppelreihe kleiner alternirender Tafeln zusammengesetzt sind (D), an den Seiten des Ambulacrums stehen und sich nach der Mitte desselben convergirend zusammenlegen (C, F α), sieht man das Ambulacrum von einer langen, dreieckigen Platte, dem Lanzettstück (F l), und jederseits desselben von einer Reihe backsteinartig an einander gestellter Seitenplatten (I pl) und noch schmälerer, durchbohrter, sog. Porenplatten (I) eingeschlossen. Das Lanzettstück besitzt eine mediane Furche (I f) — ursprünglich von einer Doppelreihe kleiner Plättchen bedeckt — und Querstreifen (F β), erscheint verwittert aber glatt (F γ, δ). Die Pinnulae stehen auf kleinen Erhöhungen zwischen den Poren der Aussenseitenplatten. Durch die Tafeln des Ambulacrums werden die Hydrospiren ganz verdeckt. Unter jedem Ambulacrum liegen im Innern des Kelches, wie Figur K zeigt, 2 Bündel hohler Kalkfalten (K bd, F bs, H), die am unteren Ende des Ambulacrums mit den Radialia (K r), am oberen mit den Interradialia verbunden sind, also in ähnlicher Weise, wie bei Codonaster, nahezu senkrecht zu der Naht zwischen beiden Tafeln gestellt sind (F ε). Die Schlitze der Hydrospirenfalten verlaufen parallel mit dem Ambulacrum (F ε). Die Schlitze der Hydrospiren werden durch die Lanzetttafel, die Seiten- und Aussenseitenplättchen und durch eine lineare, unter der Lanzetttafel gelegene sog. untere Lanzetttafel verdeckt, sie münden deshalb in einen Canal, welcher in radialer Richtung unter den Decktafeln bis in die Nähe des Centrums verläuft, wo dessen Mündung in geringer Entfernung vom Munde liegt. Die 2 benachbarten Hydrospirencanäle zweier Ambulacren münden zusammen in einer grösseren Oeffnung, Spirakel genannt (F o), die zu 5 den Mund umgeben. Den Boden der Spirakel bilden die schaufelförmig gerundeten Enden der Deltoidplatten. Die Seitenplatten reichen, wie an gut erhaltenen Stücken zu sehen ist, über die Spitze der Lanzetttafel (F sp — die Platten sind ausgefallen) hinaus und begrenzen die Spirakel nach aussen. Durch eine zahnförmig vorspringende Spitze der Deltoidplatte wird die einfache Spirakelöffnung oft getheilt (F β–γ). Die hintere Spirakelöffnung enthält zugleich die Afteröffnung und ist deshalb meist durch etwas grösseren Durchmesser vor den vier paarigen ausgezeichnet. Mund und Spirakel werden zuweilen mit einer Plattenbedeckung beobachtet (G c’, o’), die als ein Homologon der Ventralkapsel der Crinoidea zu deuten ist, während die Hydrospiren als homolog mit den Bursae der Ophiurae angesehen werden und wahrscheinlich die doppelte Function als Athmungsorgane und als Leitungswege für die Geschlechtsorgane erfüllten.

Fig. 182. A–K Pentatremites und verwandte Formen. A Troostocrinus Reinwardtii Troost. sp. Obersilur. Tennessee. B Pentatremitidea Eifeliensis F. Rö. sp. Mitteldevon. Eifel. C, D, I, K Pentatremites sulcatus F. Rö. Subcarbon. Nordamerika. E, F P. Godoni Dfr. sp. Subcarbon. Ebendaher. G, H P. conoideus Hall. Subcarbon. Nordamerika. A–C Kelche von der Seite. b = Basalia; r = Radialia; ir = Interradialia (Deltoidtafeln); ps = Ambulacra; p = Pinnulae. In Fig. C bezeichnet r den vorderen, unpaaren Radius. D eine einzelne Pinnula. E ein zerlegter Kelch. Die mittlere Radialtafel ist die vordere unpaare. F Kelchansicht von oben. c = Mund; o = Spirakel; α–ε Ambulacra; α = A. mit Pinnulae; β = ohne Pinnulae, das quergestreifte Lanzettstück sichtbar; γ = das angewitterte (glatte) Lanzettstück (e) von den kleinen Seitentafeln begrenzt; δ = Lanzettstück (l) allein und die abgeschrägten Seitenränder der Kelchtafeln (x) sichtbar; sp = Spitze des Lanzettstückes; ε = Lanzettstück und Seitentafeln entfernt, so dass die Hydrospirenfalten (bs) sichtbar werden. G Scheitel mit den erhaltenen Deckplatten der Spirakel (o’) und des Mundes (c’). H ein Hydrospirenpaar. I Lanzettstück mit Mittelfurche (f), Querstreifung auf der linken Hälfte und mit den Seitenplatten (pl), zwischen denen die Poren hervortreten; ps = Spitze des Lanzettstückes. K Horizontalschnitt durch einen Kelch, um die Lage der Hydrospiren (bd) unter dem Lanzettstück (l) und den Seitenplatten (pl) zu zeigen.
Pentatremites ist auf das Subcarbon Nordamerikas beschränkt.
P. Godoni Dfr. sp. (= florealis Say) (Fig. 182 E, F).
P. sulcatus Rö. (Fig. 182 C, D, I, K).
P. pyriformis Say (Leth. pal., t. 41, Fig. 6).
P. conoideus Hall. (Fig. 182 G, H).
Pentatremitidea d’Orb. (Fig. 182 B) besitzt eine verlängerte Gestalt, von der Seite kaum sichtbare Deltoidtafeln und schmale, lineare Ambulacren, deren Lanzettplatten durch die Seitenplättchen gänzlich verdeckt werden (ps). Ausschliesslich devonisch. Europa und Nordamerika.
P. Eifeliensis Rö. (Fig. 182 B). Mitteldevon. Eifel.
Troostocrinus Shum. (Fig. 182 A) zeigt die erwähnten Merkmale von Pentatremitidea noch in erhöhtem Maassstabe, ist aber ausserdem durch seine Spirakel unterschieden, die nicht von Seitenplättchen nach aussen hin begrenzt werden, sondern nur Schlitze in den Deltoidtafeln darstellen. Obersilur, vielleicht auch Carbon.
Tr. Reinwardtii Troost. sp. (Fig. 182 A). Obersilur. Nordamerika.
Die Blastoidea erscheinen zuerst im Obersilur Nordamerikas (Troostocrinus) in spärlichen Vertretern, werden im Devon durch Pentatremitidea und einige ausschliesslich amerikanische Gattungen repräsentirt und zeigen zur Zeit des Subcarbons ihre stärkste Entfaltung in 14 Gattungen, die meist in Nordamerika und England gefunden werden. Die formenreichste derselben, Pentatremites, ist aber auf Nordamerika beschränkt. In gewissen Schichten des Subcarbons (Chester-Gruppe, zu welcher der Pentremites-Kalkstein, der obere Archimedes- oder Kaskaskia-Kalkstein gerechnet werden) gehört sie zu den häufigen Fossilien, während sonst Blastoideen überhaupt nur zu den gelegentlichen Vorkommnissen gezählt werden können.
VI. Kreis: Molluscoidea.
Man fasst 2 anscheinend sehr differente Thiergruppen, deren nahe Verwandtschaft aber durch ihre ähnliche Entwickelung bewiesen wird, als Molluscoidea oder Weichthierähnliche zusammen, die Bryozoa und Brachiopoda. Sie sind durch folgende gemeinsame Merkmale ausgezeichnet:
Der Körper ist festgeheftet (sehr selten frei) und entbehrt der Fortbewegungsorgane. Es herrscht ein zweiseitig symmetrischer Bau. In der Nähe des Mundes befindet sich ein bewimperter Tentakelapparat, welcher zur Nahrungszufuhr und Athmung dient. Der Weichkörper ist — von ganz seltenen Fällen abgesehen — von einem einfachen oder zweiklappigen Gehäuse umschlossen.
Die beiden Klassen unterscheiden sich leicht, wie folgt:
Einzelthiere klein, zu Colonien (Stöcken) vereinigt. Gehäuse einfach, dünnwandig, röhren- oder sackförmig. Tentakel klein und zahlreich (Fig. 183 t).I.Bryozoa.
Einzelthiere gross, nie zu Colonien vereinigt. Gehäuse stets zweiklappig, dickwandig. Tentakel (sog. Mundanhänge) zu zweien, gross (Fig. 195).II.Brachiopoda.
1. Klasse: Bryozoa.
Litteratur über Bryozoa.
Busk, G. Monograph of the fossil Polyzoa of the Crag. Palaeontogr. Society. 1857.
—— Report on the Polyzoa. Scient. Results of Challenger Voyage. Vol. X (Chilostomata) 1884; vol. XVII (Cyclostomata) 1886.
Haime, J. Description des Bryozoaires de la formation jurassique. Mém. soc. géol. France. 2ᵉ sér. t. V 1854.
Hincks, Th. History of the British marine Polyzoa. 2 vol. London 1880.
d’Orbigny, A. Paléontologie française; terr. crétac. t. V 1850–51.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. VI. Korallen. Leipzig 1879.
Reuss, A. E., & A. Manzoni. Die Bryozoen des östr.-ungar. Miocäns. Denk. d. Wiener Akad. d. W. Bd. 34, 37, 38. 1874–78.

Fig. 183. Eine lebende Bryozoe, Bugula avicularia Lmk. a u. b = lebende, c = eine abgestorbene Zelle; a = mit ausgestreckten (t), b = mit eingezogenen Tentakeln (t’); o = Mund; oe = Speiserohr; md = Magen; d = Darm; a = After; ov = Eierzelle; zw = Zellwand; av = Avicularien.
Die incrustirenden, knolligen oder verästelten Colonien der Bryozoa, oder Moosthierchen können einen beträchtlichen Durchmesser (0,3 m) erreichen, aber die Grösse der Einzelthiere schwankt stets nur innerhalb weniger mm, so dass sie oft nur mit Hülfe der Lupe deutlich von einander unterschieden werden können. Die Körperhaut sondert eine hornige oder kalkige Hülle, Zelle genannt, ab, in welcher das Thier festsitzt, aus welcher es aber seine Tentakel herausstrecken kann (Fig. 183 t). Durch die feste Verbindung der Einzelzellen erhält der Stock seinen Zusammenhalt. Die Zelle besitzt stets eine grössere, oft mit einem Deckel verschliessbare Oeffnung (Mündung). Die Form der Zelle ist entweder verlängert: die Zelle gleicht einer Röhre, an deren einem Ende die runde oder eckige Mündung von ungefähr demselben Durchmesser wie die Zelle sich befindet (Cyclostomata — Fig. 186 B); oder die Zelle besitzt eine ei- oder krugförmige, auch wohl polygonale Gestalt und die Mündung ist viel enger als der Durchmesser der Zelle, von ovalem oder halbmondförmigem Umriss und seitlich gelegen (Chilostomata — Fig. 191 B). Am Weichkörper des Thieres unterscheidet man den endständigen Mund (Fig. 183 o), der von 8–80 Tentakeln (t) umstellt ist. Der Mund führt in das Speiserohr (oe), dieses in den Magen (md). Die Entleerung des Darmes findet durch eine in der Nähe des Mundes gelegene Afteröffnung (a) statt. Im Grunde der Zelle befinden sich die Geschlechtsorgane (ov). Die Weiterentwickelung der Eier geht zuweilen in besonders umgebildeten Zellen, den sog. Ovicellen (Fig. 183 ov) vor sich, welche oberhalb der normalen Zellen stehen. Eine zweite Art veränderter Zellen sind die sog. Avicularien, welche als vogelschnabelähnliche Anhänge der normalen Zellen zu Greiforganen umgestaltet sind. Eine dritte Art veränderter Zellen, die Vibracularia, tragen peitschenförmige Borsten. Fortpflanzung theils geschlechtlich, theils ungeschlechtlich durch Knospung oder Keime. Die durch Knospung entstandenen Zellen einer Colonie bleiben oft durch Canäle (sog. Sprossencanäle) mit einander in Verbindung. Die Wände der Zellen sind zuweilen von feinen Poren durchbrochen (Fig. 191 B). In seltenen Fällen werden die abgestorbenen Theile der Zelle von unten herauf durch Querböden abgeschlossen, wodurch die Skelete eine täuschende Aehnlichkeit mit denen der Tabulata (p. 108) erhalten. Viele Tabulata (z. B. die Monticuliporiden) werden von manchen Forschern deshalb zu den Bryozoa gestellt.
Alle Bryozoen leben im Wasser; die meisten sind Meeresbewohner und finden sich in geringen oder mässigen, z. Th. auch in bedeutenden Tiefen. Sie sind entweder mit einem kleinen Theile ihrer Unterseite auf Muscheln, Steinen und dergl. festgeheftet oder überziehen als Krusten fremde Gegenstände.
Die Ordnung der Gymnolaemata, ausgezeichnet durch das Fehlen eines Deckels der Mundöffnung und durch die ausserhalb des Tentakelkranzes befindliche Lage des Afters, umfasst die meisten lebenden und alle fossilen Formen. Von den 3 Unterordnungen derselben sind 2 mit festen, meist kalkigen Skeleten versehen und diese allein kommen für die Paläontologie in Betracht. Es sind das folgende:
Zellen verlängert, röhrig. Zellmündung endständig, weit (Fig. 184 bis 187). Skelet fast immer kalkig1. Cyclostomata.
Zellen eiförmig oder polygonal. Zellmündung seitenständig, viel enger als der Querschnitt der Zelle, oval oder halbmondförmig (Fig. 188–191). Skelet hornig oder kalkig2. Chilostomata.
1. Unterordnung Cyclostomata.
Diese formenreiche, namentlich in paläozoischen und mesozoischen Ablagerungen dominirende (ca. 1000 Arten), aber auch in der Gegenwart noch durch etwa 100 Arten repräsentirte Unterordnung zerfällt in zahlreiche Familien und Gattungen, deren Unterscheidung schwierig ist. Die Aufführung einiger Vertreter wird hier genügen.
A. Paläozoische Formen.
Fenestella Lonsd. (Fig. 184 A, B). Der trichter- oder fächerförmige, unten festgewachsene Stock ist in zahlreiche gerade oder gebogene Aeste zertheilt, die durch Querbälkchen (B q) seitlich mit einander verbunden sind, so dass das Skelet einem Netze gleicht (A). Die Zellöffnungen stehen in 2 Längsreihen auf der Innenseite der Aeste (B o); die beiden Reihen werden durch eine Körnerreihe oder Längsleiste (k) geschieden. Die Aussenseite des Trichters (A) sowie die Querbalken (q) tragen keine Zellmündungen. Häufig im Paläozoicum, zuweilen kleine Riffe bildend.
F. nobilis Barr. Unterdevon (Hercyn). Böhmen.
F. infundibuliformis Gf. sp. Mitteldevon. Eifel und rheinisches Schiefergebirge.
F. multiporata M’Coy. Subcarbon. Grossbritannien.
F. retiformis Schl. (Fig. 184 A, B). Oberes Perm (Zechstein). Mitteldeutschland, England.

Fig. 184. A, B Fenestella retiformis Schl. Oberes Perm (Zechstein). Humbleton Hill, Yorkshire. A ein trichterförmiger Stock von der Aussenseite. B ein Stück der Innenseite mit den durch eine Körnerreihe (k) geschiedenen Doppelreihen von Zellmündungen (o) auf den Aesten, welch letztere durch kurze, zellfreie Querbälkchen (q) verbunden sind. l = die zwischen den Aesten und Querbalken frei bleibenden Maschen. C Archimedes Wortheni Hall. Subcarbon. Illinois. Der Stock besteht aus einem Blatte (bl), welches spiral um eine aufrechte Achse (a) gewunden ist.
Bei der nahe verwandten Gattung Archimedes Les. (Fig. 184 C) windet sich das Blatt schraubenförmig um eine aufrechte Achse und steht fast senkrecht von derselben ab, verästelt sich gegen aussen wie Fenestella und trägt auf der inneren (oberen) Seite allein Zellöffnungen. Sehr häufig im nordamerikanischen Subcarbon. Mehrere Horizonte desselben nach dieser Gattung benannt (Archimedes-Kalkstein).
A. Wortheni Hall. (Fig. 184 C).
Acanthocladia King (Fig. 185 A–C). Kleine, platte, baumförmig verzweigte Stöcke (A). Die eine Seite des Stockes trägt keine Zellmündungen (B), sondern ist nur mit Streifen bedeckt, während auf der anderen Seite zahlreiche runde Mündungen gedrängt beisammen stehen (C a).
Häufig im Perm (Zechstein) von Mitteldeutschland und England.
A. anceps Schl. sp. (Fig. 185 A–C). Zechstein. England, Deutschland.

Fig. 185. Acanthocladia anceps Schl. sp. Oberes Perm (Zechstein). Pössneck, Thüringen. A ein Stock von der Rückseite. B ein Stück desselben, um die Streifung zu zeigen. C ein Stück von der Vorderseite mit den Zellmündungen (a).
B. Mesozoische und känozoische Formen.
Defrancia Bronn (Fig. 186 A). Einfache kleine Scheiben (Fig. A) oder durch Vereinigung solcher zusammengesetzte Stöcke von unregelmässiger Gestalt bildend. Unterseite platt, festgeheftet, ohne Zellmündungen. Die lang cylindrischen Zellen strahlen schwach nach oben ansteigend vom Mittelpunkte aus und verwachsen zu radialen Rippen (r), die durch tiefe, radiale Einschnitte getrennt werden. Die Grenzen der Zellen erscheinen auf den Seiten der Rippen als Streifen (s). Die Zellmündungen (a) liegen auf der Peripherie der Scheibe, seltener auch auf der Oberseite. Die äussersten Enden der Zellen sind nicht verwachsen. Jura-Jetztzeit, sehr häufig in der Kreide.
D. diadema Gf. sp. (Fig. 186 A). Oberste Kreide (Danien). Holland, Nordfrankreich.
Stomatopora Bronn (Fig. 186 B). Der verzweigte, kriechende Stock ist mit der Unterseite auf fremden Körpern festgewachsen. Alle Zellen hängen durch ihr unteres Ende mit einander zusammen, mit ihrem oberen sind sie frei. Zellmündungen (a) rund, von der Weite der Zelle. Vom Silur bis in die Jetztzeit, häufig in Jura und Kreide.
St. dichotoma Lmk. sp. Oberer Dogger. England, Normandie, Lothringen, Schweiz.
St. ramea Bl. sp. (Fig. 186 B). Häufig im Senon Nordeuropas.

Fig. 186. A Defrancia diadema Gf. sp. Oberste Kreide (Danien). Mastricht, Holland. Ein Stock von der Seite. a = die Mündungen der zu radialen Rippen (r) vereinigten Zellen; s = gestreifte Seitenflächen der Rippen. B Stomatopora ramea Bl. sp. Oberes Senon. Meudon bei Paris. a = Zellöffnungen des kriechenden Stockes.

Fig. 187. Ceriopora irregularis Mich. sp. Oberes Turon (Hippuritenkreide). Martigues bei Marseille. A ein unregelmässig knolliger Stock. B einige Zellmündungen.
Ceriopora (Fig. 187 A, B). Stöcke knollig oder baumförmig verästelt, meist aus zahlreichen, über einander gewachsenen Schichten cylindrischer Zellen bestehend. Die Zellmündungen weit, rund oder etwas polygonal (B), alle gleich. Sehr häufig im Mesozoicum, auch paläozoisch und tertiär. Die zuweilen eine ansehnliche Grösse erreichenden Stöcke setzen in manchen Horizonten förmliche Bänke zusammen, z. B. in der Hippuritenkreide Südfrankreichs.
C. astroides Münst. sp. Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe). Südtirol.
C. spongites Gf. Cenoman. Mittel- und Nordeuropa.
C. irregularis Mich. (Fig. 187 A, B). Gesteinbildend in der Hippuritenkreide (Turon und Senon) Südfrankreichs.
Vom Jura an bis in die Jetztzeit verbreitet ist die nahestehende Gattung Heteropora Blv. Die Zellmündungen sind von ungleicher Grösse, die Zellen selbst im Inneren durch Querböden (tabulae) abgetheilt und die Zellwände von Poren durchbrochen.
H. pustulosa Mich. Oberer Dogger. Normandie, Lothringen, England.
H. tuberosa Rö. sp. Neocom. Norddeutschland, Frankreich.
2. Unterordnung Chilostomata.
Die Zellen der Chilostomata sind häufig gar nicht oder nur zum Theil verkalkt, wodurch ihre Erhaltung im fossilen Zustande beeinträchtigt wird. Nur bei dieser Unterordnung kommen die p. 190 als Avicularien und Vibrakel erwähnten umgebildeten Zellen vor. Auch Ovicellen finden sich häufig, während sie bei Cyclostomen nur sehr selten auftreten. Die Chilostomata müssen als die jüngere Abtheilung gelten, denn ihre ältesten Vertreter werden erst im Jura, ja vielleicht sogar erst in der Kreide gefunden. Im Tertiär und in der Jetztwelt dominiren sie über die Cyclostomata.
A. Zellen nicht vollständig verkalkt. Vorderwand der Zellen häutig.

Fig. 188. Membranipora bipunctata Schafh. Oberoligocän. Astrupp bei Osnabrück. r = die verkalkten, vorstehenden Seitenwände; o = Zellmündungen.

Fig. 189. Lepralia coccinea Johnst. Miocän. Ungarn. a = Zellmündungen; ov = Ovicellen av = Avicularien.
Membranipora Blv. (Fig. 188). Der Stock überzieht rindenartig andere Körper oder ist frei und besteht aus einer Schicht horizontal neben einander gelagerter, polygonaler, flacher Zellen. Die Seitenwände sind verkalkt und stehen auf der Vorderseite mit einem Rande vor (r), während die häutigen, an fossilen Stücken oft ganz verschwundenen Vorderwände eingedrückt erscheinen. Die Zellmündung (o) liegt am oberen Ende der Vorderwand und besitzt einen annähernd halbmondförmigen Umriss. Ovicellen und Avicularien vorhanden oder fehlend. In zahlreichen Arten von der unteren Kreide bis in die Gegenwart.
M. irregularis Hag. Obere Kreide. Frankreich, Norddeutschland, Böhmen etc.
M. bipunctata Schafh. (Fig. 188). Eocän, Oligocän und Miocän. Mitteleuropa.
M. membranacea Blv. Lebend. Europäische Meere.
B. Zellen vollständig verkalkt.
Lepralia John. (Fig. 189). Der Stock wächst incrustirend oder frei in blätterigen Ausbreitungen. Eine, oder zwei mit der Rückseite verwachsene Zelllagen vorhanden. Zellen ganz kalkig, eiförmig, mit hufeisenförmiger Mündung (a). Ovicellen (ov) und Avicularien (av) häufig vorhanden. Kreide, tertiär und lebend. Häufig im Tertiär und in den heutigen Meeren.
L. fenestra Rss. Obereocän. Nord- und Südseite der Alpen.
L. coccinea Johnst. (Fig. 189). Jungtertiär und lebend häufig.
Lunulites Lmk. (Fig. 190 A, B). Freie, seltener festgewachsene, oben gewölbte, unten flache oder concave, kreisrunde Stöcke, die nur aus einer Schicht radial angeordneter, gerundet quadratischer Zellen bestehen. Die grossen Zellmündungen (z) liegen alle auf der Oberseite. Abwechselnd mit den normalen Zellen stehen kleine, ovale Vibracularzellen (C v). Unterseite mit radialen Furchen (B). Kreide, Tertiär und lebend.
L. cretacea d’Orb. (Fig. 190 A, B). Senon. Frankreich, Norddeutschland.
L. radiata Lmk. Eocän. Pariser Becken.
L. tetragona Rss. (Fig. 190 C). Oligocän. Vicentin.

Fig. 190. A, B Lunulites cretacea d’Orb. Oberes Senon. Meudon b. Paris. A ein Stock von oben. B Querschnitt desselben. C L. tetragona Rss. Eocän. Vicentin. Ein Theil der Oberfläche mit den Oeffnungen der normalen Zellen (z) und den kleineren Vibracularzellen (v).

Fig. 191. A, B Cellepora proteiformis Rss. Obereocän. Vicentin. A ein Stock. B vergrösserte Oberfläche desselben, die krugförmigen Zellen mit ihren doppelten Mündungen (a = Zellmündungen, av = Mündungen der Avicularzellen) zeigend.
Cellepora Fabr. (Fig. 191 A, B). Stock knollig oder ästig, ein unregelmässiges Agglomerat krugförmiger Zellen bildend. Meist zeigt jede Zelle 2 verschieden grosse Oeffnungen, deren eine von der normalen Zelle (a), deren andere, kleinere (av), von einer Avicularzelle herrührt. Zellwände oft durch Eindrücke verziert (B). Sehr häufig im Tertiär; auch lebend.
C. proteiformis Rss. (Fig. 191). Obereocän. Vicentin.
C. conglomerata Gf. Oligocän, Miocän. Europa.
C. ramulosa Lin. Neogen und lebend. Nordeuropa.
Obgleich fossile Bryozoen fast in allen Formationen zu den häufigeren Erscheinungen gehören, so ist doch die Systematik zur Zeit noch wenig ausgearbeitet. Bezüglich der vertikalen Verbreitung lässt sich nur anführen, dass die Cyclostomata offenbar die ältere, im paläozoischen und mesozoischen Zeitalter herrschende Unterordnung, die Chilostomata die jüngere Abtheilung ist, welche sich erst zur Kreidezeit formenreich entwickelt und im Tertiär und in der heutigen Fauna über die ältere Abtheilung überwiegt. Einige, zur paläozoischen Periode herrschende Typen, wie Fenestella, Acanthocladia etc., sind als ausgestorben zu betrachten.
Die Bryozoen der Vorzeit lebten, wie ihre heutigen Nachkommen, meist gesellig; die zierlichen, kalkigen Stöcke finden sich in gewissen Schichten in so grossen Mengen angehäuft, dass man nach Analogie der Korallenriffe von Bryozoenriffen sprechen kann. Doch setzen sie selten ein Gestein ausschliesslich, sondern meist unter gleichzeitiger Betheiligung anorganischen Sedimentes und anderer Thierreste zusammen. Derartige massenhafte Anhäufungen von Bryozoenstöcken finden sich z. B. im:
Unter- und Obersilur. Nordeuropa, Nordamerika.
Subcarbon. Nordamerika.
Perm (Zechstein). Norddeutschland. England.
Mittleren Dogger (Sowerbyi-Schichten). Lothringen.
Oberen Dogger. Normandie, Lothringen.
Neocom. Norddeutschland, Schweizer Jura, Oestl. Frankreich.
Urgo-Aptien. Nordalpen, Schweizer Jura.
Cenoman. Frankreich, Norddeutschland.
Oberen Turon, Senon und Danien. Frankreich, England, Norddeutschland.
Obereocän und Unteroligocän. Nord- und Südrand der Alpen.
Mittel- und Oberoligocän. Norddeutschland.
Miocän. Süddeutschland, Oesterreich-Ungarn, Westfrankreich, Italien.
Pliocän. Italien, England.
2. Klasse: Brachiopoda.
Litteratur über Brachiopoda.
Barrande, J. Système Silurien du Centre de la Bohême. Vol. V Brachiopodes 1879.
Davidson, Th. Monograph of British fossil Brachiopoda Vol. I–VI. (Palaeontographical Society 1850–1886). Bd. VI enthält ein vollständiges Litteraturverzeichniss bis 1886.
Davidson-Suess. Classification der Brachiopoden. (Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wissensch. 1856.)
Hall, J. Palaeontology of New York. Vol. IV 1867.
Kayser, E. Die Brachiopoden des Mittel- und Oberdevon der Eifel. (Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. Bd. 23, p. 491 ff. 1871.)
Paléontologie française. Terr. crétac. Vol. IV Brachiopodes par A. d’Orbigny 1848. Terr. jurass. Vol. IV Brachiopodes par E. Deslongchamps 1862 (noch nicht vollendet).
Pictet et de Loriol. Matériaux pour la paléontologie Suisse. Fossiles de Ste. Croix. Vol. V Brachiopodes 1872.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. II. Die Brachiopoden. Leipzig 1871.
Schnur, J. Die Brachiopoden der Eifel. (Palaeontographica Bd. III. 1854.)
Waagen, W. Salt Range fossils. I. Productus limestone fossils 4. (Memoirs of the geolog. Survey of India. Palaeontologia Indica Ser. XIII. Calcutta 1882–1885.)
Die Brachiopoden sind ausschliesslich marine, in der Regel festsitzende Thiere, die zwar niemals Colonien bilden, wie die Bryozoen, aber gewöhnlich gesellig vorkommen. Das Thier wird von einer zweiklappigen, kalkigen oder kalkig-hornigen Schale eingeschlossen, die sich nach einer Mittelebene in zwei symmetrische Hälften theilen lässt (Fig. 192 s–s). Die beiden Klappen sind ungleich und werden nach ihrer Grösse und Wölbung als grössere und kleinere, oder entsprechend ihrer Lage zum Thier als Bauchklappe und Rückenklappe unterschieden. Man hat sich aber gewöhnt, die Schale nicht in ihrer natürlichen Lage (liegend), sondern aufrecht mit dem Vorderrande (Stirnrande) nach unten, dem Hinterrande (Schlossrande) nach oben und gegen die kleinere (Rücken-) Klappe, zu betrachten. Bei dieser Stellung wird derjenige Theil der grösseren Klappe, welcher die kleinere überragt (Schnabel — Fig. 192 a d f), sichtbar; die Symmetrieebene (Fig. 192 s–s) läuft von oben nach unten durch die Mitte der beiden Klappen. Es ergeben sich dann die Bezeichnungen: Länge = Ausdehnung von oben nach unten, Breite = Ausdehnung von links nach rechts und Dicke = Ausdehnung von vorn nach hinten. Der Unterrand der Schale (Vorderrand) heisst Stirnrand, der Oberrand (Hinterrand), an welchem sich bei den schlosstragenden Formen das Schloss befindet, Schlossrand, die seitlichen Ränder Seitenränder. Beide Klappen stossen an einer Naht oder Commissur zusammen, deren einzelne Theile in gleicher Weise bezeichnet werden (Stirnnaht, Schlossnaht, Seitennähte).

Fig. 192. Eine Brachiopodenschale (Stringocephalus Burtini) in der gewöhnlichen Stellung (gegen die kleinere Klappe gesehen). Oben = hinten. Unten = vorn. Der über die vordere (kleinere) Klappe hinausragende Schnabel der grösseren Klappe zeigt die Area (a), das Schnabelloch (f) und das dasselbe umfassende Deltidium (d). s–s = Symmetrielinie.
Bei der Mehrzahl der Brachiopoden zeichnet sich die Bauchklappe vor der Rückenklappe durch bedeutendere Grösse aus, indem der sog. Schnabel der ersteren über den Schlossrand hinausragt (Fig. 192 a, d). Wenn die vordere Fläche des Schnabels eben (oder concav) und durch die sog. Schnabel- oder Arealkanten (Fig. 218 A k) von dem übrigen Theile der Schale abgesetzt erscheint, spricht man von einer Area (Fig. 192 a). Zwischen Schnabelspitze und Schlossrand schaltet sich in der Regel eine aus zwei Stücken bestehende dreieckige Kalkplatte ein, das Deltidium (Fig. 192 d, d). Das Schnabelloch (Foramen — Fig. 192 f) wird entweder vom Deltidium umschlossen — umfassendes Deltidium (Fig. 192), oder das Deltidium berührt das Schnabelloch nur von unten — berührendes Deltidium (Fig. 219 B d), oder das Deltidium wird durch das Schnabelloch in 2 getrennte Hälften getheilt — getrenntes Deltidium (Fig. 194 L d). Wenn die sonst vom Deltidium zum Theil geschlossene Spalte (Deltidialspalte) von oben her durch eine einfache Kalkplatte ganz oder theilweise verschlossen wird, so spricht man von einem falschen oder Pseudodeltidium (Fig. 211 B ps). Area, Deltidialspalte und Pseudodeltidium können auch in der kleinen Klappe auftreten. In der Regel zeigen beide Klappen eine mehr oder weniger gleich starke Wölbung. Zuweilen ist jedoch die kleinere Klappe flach oder gar eingesenkt (Fig. 205 B), selten die grössere. Eine mittlere Einsenkung einer Klappe wird als Sinus (Fig. 193 B s), eine entsprechende Auftreibung in der anderen Klappe als Wulst (Fig. 193 A w) bezeichnet. Falten nennt man wenig zahlreiche, symmetrisch zur Mittelebene gestellte Depressionen einer Klappe und die entsprechenden Aufwölbungen in der anderen Klappe (Fig. 217 K f’), während die zahlreichen, feineren Fältelungen der Schale Rippen (Fig. 193 A, B) heissen.

Fig. 193. Rhynchonella cuboides Phill. Oberdevon. Grund am Harz. A Schale von vorn, B von unten gesehen. Der mittleren Einbuchtung (Sinus — B s) der grösseren Klappe entspricht eine Auftreibung (Wulst — A w) in der kleineren. Die ganze Schale ist gerippt.

Fig. 194. Rhynchonella psittacea Lmk. Lebend. K kleinere, L grössere Klappe von innen gesehen. Die zwei symmetrisch gestellten Zähne der grösseren Klappe (z) greifen in entsprechende Zahngruben in der Schlossplatte (p’) der kleinen Klappe ein. f = Schnabelloch, d = Deltidium, durch das Schnabelloch getrennt, s = Schliessmuskel-, di = Oeffnungsmuskeleindrücke der grösseren Klappe. m = Mittelleiste, cr = Crura, s’ = Schliessmuskeleindrücke der kleineren Klappe.
Die beiden Klappen der Brachiopodenschale können vom Thiere mit Hülfe von Muskeln von einander entfernt und fest geschlossen werden. Bei den schlosslosen Formen — Ordn. Ecardines — sind die beiden Klappen nicht durch eine Schalenangel, sondern nur durch Muskeln verbunden. Das Oeffnen der Schale geschieht hier durch seitliche Verschiebung der beiden Klappen gegen einander senkrecht zur Symmetrieebene mit Hülfe von Oeffnungs- (Fig. 196 A s’) und Gleitmuskeln (Fig. 196 A d), das Schliessen mit Hülfe von Schliessmuskeln (Fig. 196 A s). Bei den schlosstragenden Formen — Ordn. Testicardines — ist der Oberrand der beiden Klappen häufig verbreitert und verdickt. Auf dem Schlossrande der grösseren Klappe erheben sich gewöhnlich 2, symmetrisch zur Mittelebene gestellte, zahnartige Vorsprünge (Zähne — Fig. 194 L z), welche sich in 2 entsprechende Zahngruben der kleineren Klappe (Fig. 194 K p’) fest einfügen und einen Vorsprung des Schlossrandes der kleineren Klappe (Schlossfortsatz — Fig. 198 SI) zwischen sich nehmen, so dass eine seitliche Verschiebung der beiden Klappen unmöglich gemacht ist. Das Oeffnen der Schale geschieht durch Klaffen der beiden Klappen innerhalb der Symmetrieebene an der Stirn (vorn) und an den Seiten, wobei die Zähne als Angeln wirken. Die zweiseitige Symmetrie der Schale wird dabei nicht gestört. Die Zähne erhalten nicht selten durch sog. Zahnplatten, senkrecht zur Schale gestellte, vom Schlossrande nach den Wirbeln oder auch bis zur Schalenmitte verlaufende Leisten oder Platten, eine grössere Festigkeit. Bei starker Entwickelung der Zahnplatten (Fig. 216 B zp, C zp) können die Zähne selbst ganz verschwinden. Die Zahngruben sind Aushöhlungen des Schlossrandes der kleineren Klappe (Fig. 198 z’), nach unten (vorn) zu oft durch quere, vorstehende Zahngrubenplättchen (Fig. 217 F sp) begrenzt. Letztere können sich auch nach vorn zu Zahnplatten (Fig. 215 B zp’) verlängern.
Die inneren Merkmale der Schale werden durch Erläuterung der Weichtheile des Thieres (Fig. 195) am besten verständlich. Das Innere der Schale zerfällt in einen vorderen (in der Zeichnung unteren), vom Mantel des Thieres (m) ausgekleideten, und einen hinteren (oberen) von den Muskeln und Eingeweiden eingenommenen Theil. Im vorderen befinden sich die 2 fleischigen, spiral aufgerollten, symmetrisch zur Mittelebene gestellten Mundanhänge (Spiralarme — sp), häufig durch ein am Schlossrande der kleineren Klappe befestigtes, kalkiges Armgerüst (ag) gestützt. Sie dienen zur Respiration und zur Herbeiführung der Nahrung.
Die Muskeln zerfallen nach ihrer Thätigkeit in 3 Gruppen: Schliessmuskeln (adductores), welche das Schliessen der Schale besorgen, Oeffnungsmuskeln (Schlossmuskeln oder divaricatores), welche das Oeffnen der Schale bewirken, und Stielmuskeln (adjustores), welche zur Bewegung des selten fehlenden Haftorganes, des Stieles (Fig. 195 st’) dienen. Die Muskeln befestigen sich in Vertiefungen, selten auf Erhöhungen der Innenfläche der Schale. Die Form und Stellung der Eindrücke, welche sie daselbst hinterlassen, sind von systematischer Wichtigkeit.

Fig. 195. Terebratula (Waldheinia) flavescens Val. Lebend. Australien. Querschnitt der Schale parallel und etwas vor der Mittelebene, um die Lage der Weichtheile zu zeigen. v = vorn; h = hinten; s = grössere (Bauch-) Klappe; s’ = kleinere (Rücken-) Klappe; m = Mantel, die vordere Schalenhöhlung auskleidend; sp = Spiralarme, durch ein schleifenartiges Armgerüst (ag — unschraffirt) gestützt; o = Mund; x = Darm; ml = Mittelleiste in der kleinen Klappe (unschraffirt); sf = Schlossfortsatz derselben; d, d’ = Oeffnungsmuskeln (divaricatores); a = Schliessmuskeln (adductores); st = Stielmuskel; st’ = Stiel, aus dem Schnabelloche der grösseren Klappe austretend.

Fig. 196. A Lingula anatina Brug. Lebend. Philippinen. Grössere Klappe von innen. st = Stiel; s = unpaarer Oeffnungsmuskeleindruck; s’ = paarige Schliessmuskeleindrücke; d = seitliche Gleitmuskeleindrücke; a = Stielmuskeleindrücke. B, C Schalen fossiler Lingula-Arten, von aussen gesehen.
Bei den mit Schloss versehenen Formen (Testicardines — Fig. 195) heften sich die 2 Paare von Oeffnungsmuskeln (d und d’) an einen medianen Vorsprung des Schlossrandes der kleineren Klappe, den Schlossfortsatz (Fig. 195 sf; Fig. 198 SI) und an die gegenüber liegende Wand der grösseren Klappe an. Die Eindrücke des vorderen (unteren), stärkeren Muskelpaares (d’) treten etwa in der Mitte der grösseren Klappe als grosse, meist dreieckige und nach hinten (oben) zugespitzte, gestreifte Felder hervor (Fig. 194 L di). Die ebenfalls paarigen Schliessmuskeln (Fig. 195 a) hinterlassen im hinteren (oberen) Theile der grösseren Klappe ein Paar in der Mittelebene zusammenstossender (Fig. 194 L s), in der kleineren 2 über einander liegende Paare kleinerer Eindrücke (Fig. 194 K s’). Die Eindrücke der Stielmuskeln sind meist klein und schwierig zu erkennen. Das Haftorgan selbst, der Stiel (Fig. 195 st’), tritt aus der Schnabelöffnung (Foramen) (Fig. 192 f) hervor. Bei den frei lebenden oder mit der Bauchklappe festgewachsenen Formen fehlt derselbe gänzlich.
Bei den schlosslosen Formen (Ecardines Fig. 196) treten ausser dem unpaaren Eindruck des Oeffnungsmuskels (A s) und den paarigen, medianen Eindrücken der Schliessmuskeln (s’) noch seitlich gestellte Gleitmuskeleindrücke (d) auf. Der Stiel (sp) tritt in der Regel an der Spitze der Schale zwischen beiden Klappen, seltener durch eine Oeffnung in der Mitte der Bauchschale (Fig. 203 C o) hervor.
Die Gefässe des Mantels hinterlassen häufig auf der Innenfläche des Mantels fingerförmig ausgebuchtete (Fig. 204 C g, D g) oder verzweigte (Fig. 210 B gf, C gf; Fig. 217 J e) Eindrücke.

Fig. 197. Eine Brachiopode (Spirifer) mit spiralgewundenem Armgerüst. Die Spiralkegel (sp) sind mit Hülfe der Crura (cr) an den Schlossrand der kleineren Klappe befestigt. (Die kleinere Klappe ist zum grössten Theile entfernt.)

Fig. 198. Eine Brachiopode (Terebratella) mit schleifenförmigem Armgerüst (a, a’), welches durch die Crura (cr) an den Schlossrand der kleinen Klappe und durch Querbänder (q) an die Mittelleiste derselben (s) befestigt ist. SI = Schlossfortsatz; z’ = Zahngrube. (Die grössere Klappe ist entfernt.)
Das Paar spiral gerollter, fleischiger Mundanhänge (Arme), welches allen Brachiopoden eigen ist, erhält bei vielen Formen der Testicardines durch ein kalkiges Gerüst eine grössere Festigkeit. Das Armgerüst heftet sich stets an den Schlossrand der kleineren (Rücken-) Klappe an (Fig. 195 ag). Im einfachsten Falle besteht dasselbe aus 2 kurzen, mehr oder minder gekrümmten Fortsätzen (Crura, Fig. 194 K cr), die, symmetrisch zur Mittelebene angeordnet, nur wenig tief in die Schale hinabreichen, oder aus 2 plattig verbreiterten, tiefer hinabreichenden Kalkblättern (Cruralplatten — Fig. 216 D cp). Bei der ausgestorbenen Unterordnung der Spiriferacea verlängern sich die Crura (Fig. 197 cr) jederseits in spirale Hohlkegel, deren Spitzen sich entweder gegen die Seiten der Schale (Fig. 197 sp) oder gegen die Mitte der kleineren Klappe zu richten (Fig. 213 B sp). Solche Spiralkegel erfüllen den grössten Theil des Schaleninneren. Ein schleifenförmiges Armgerüst findet sich besonders häufig bei den jüngeren Brachiopoden (Terebratulidae) entwickelt. Die Schleife, an die Crura (Fig. 198 cr) sich anschliessend, ist kurz (Fig. 217 B, D, F) oder lang (Fig. 218 B), hängt frei in die Schalenhöhlung hinab (Fig. 214 B) oder ist ausser durch die Crura noch durch Querbänder mit der kleinen Klappe verbunden (Fig. 198 q) oder fast ganz an dieselbe angewachsen. Man unterscheidet den absteigenden, der kleineren Klappe genäherten und längeren Ast (Fig. 198 a) von dem aufsteigenden, von der kleineren Klappe entfernteren und kürzeren (Fig. 198 a’). Eine kürzere oder längere Mittelleiste (Medianseptum — Fig. 198 s’), welche sich auf der Innenseite der kleineren, zuweilen auch der grösseren Klappe vom Schlossrande nach unten zieht, kann für manche Gattungen als ein bezeichnendes Merkmal gelten. Bei denjenigen schlosstragenden Formen, welchen ein eigentliches Armgerüst fehlt, hinterlassen die Spiralarme häufig charakteristische Eindrücke auf der Innenseite beider Klappen, so z. B. bei der Gattung Productus (Fig. 205 B–D). Die Innenseite der kleineren Klappe zeigt ein Paar von Leisten umgebener, nierenförmiger Eindrücke im vorderen (unteren) Theile (D n), und der Mittellinie mehr genähert ein Paar Spiralhöcker (D sp). Zwischen letzteren und den Spiralnäpfen der grösseren Klappe (C sp’) waren die spiral gewundenen Enden der Arme eingeschlossen (B sp–sp’).

Fig. 199. Prismatische Schalenstructur von Rhynchonella psittacea Lmk. 100/1. Die Prismen sind schräg gegen die Oberfläche gerichtet.

Fig. 200. Schalenstructur von Terebratula. a = Oberfläche der Schale, punktirt erscheinend (durch die Oeffnung der feinen Canäle). Schwach vergrössert. b = Querschnitt durch die Schale, die nach aussen erweiterten Canäle zeigend. 100/1. c = Innenfläche der Schale, die schräg gerichteten Prismen und die Oeffnungen der Canäle zeigend. 100/1.
Die Schale der meisten Brachiopoden besteht vorwiegend aus kohlensaurem Kalk; bei den Ecardines überwiegt aber phosphorsaurer Kalk, mit hornigen (Chitin-) Lagen abwechselnd, über den kohlensauren. Die zum Theil hornigen Schalen sind an ihrem starken Firnissglanze leicht kenntlich (Lingula, Discina p. 204, 206). Die kalkigen Schalen der Testicardines besitzen eine sehr bezeichnende Microstructur. Es besteht nämlich die Schale (und auch die inneren Armgerüste, Mittelleisten etc.) aus zahlreichen feinen, schräg gegen die Oberfläche gerichteten Kalkprismen (Fig. 199), schon mit der Lupe als solche erkennbar. Bei fossilen, etwas angewitterten Stücken fasert die Schale leicht auf und die Ablösungsflächen zeigen einen bezeichnenden Seidenglanz. Ist die Prismenschicht frei von senkrecht zur Oberfläche orientirten Canälen (Fig. 199), so heisst die Schalenstructur faserig, treten letztere hinzu (Fig. 200 a–c), so erscheint die Schale weniger deutlich faserig, vielmehr punktirt. Die Canäle erweitern sich meist gegen aussen (Fig. 200 b). Die inneren Gerüstbildungen (Armgerüst, Schlossfortsatz, Mittelleiste, Zähne, Zahnplatten etc.) werden aber nie von Canälen durchzogen. Der Schalenstructur kommt eine nicht geringe classificatorische Bedeutung zu, da in gewissen Familien (z. B. Rhynchonellidae) fast ausschliesslich faserige, in anderen (z. B. Terebratulidae) nur punktirte Schalen vorkommen.
Die lebenden Brachiopoden finden sich ausschliesslich im Meere, wo sie gesellig leben und sich an dem steinigen Boden oder anderen festen Gegenständen (Korallen, Muschelschalen) anheften. Man kennt über 100 lebende Arten, von denen die Hälfte in einer Tiefe von weniger als 100 Faden angetroffen wird. In Tiefen von über 500 Faden kommen nur noch ganz wenige Arten fort, die aber zum Theil bis zu Tiefen von 2900 Faden hinabreichen.
Als classificatorische Merkmale muss die Paläontologie vor Allem die Art und Weise der Schalenverbindung und die Form der Armgerüste verwerthen. Auch die Schalenstructur wird mit Vortheil benutzt. Häufig muss man die Schalen anschleifen, um die inneren Merkmale sichtbar zu machen.
Uebersicht der Familien.
A.Ecardines (Schlosslose Formen). Die beiden Klappen ohne Schlossverbindung, nur durch Muskeln gegen einander verschiebbar. Schale meist theilweise hornig (Fig. 201–204).
a.Schale aus Horn- und Kalksubstanz bestehend, glänzend.
1.Schale fast gleichklappig, verlängert-zungenförmig, ohne Stielöffnung (Fig. 201)1. Fam. Lingulidae.
2.Schale ungleichklappig, gerundet, oft mit Stielöffnung.
α.Schale meist dick, vorwiegend kalkig, ohne auffallende Stielöffnung (Fig. 202)2. Fam. Obolidae.
β.Schale dünn, hornig. Untere Klappe mit schlitzförmiger Stielöffnung, kleiner als die Rückenklappe (Fig. 203)3. Fam. Discinidae.
b.Schale kalkig, matt; rundlich oder vierseitig. Untere Klappe meist aufgewachsen. Obere Klappe napfförmig, radial gerippt, grösser als die Bauchklappe (Fig. 204)4. Fam. Craniadae.
B.Testicardines. Die beiden Klappen durch ein Schloss mit einander verbunden. Schlossfortsatz und kalkiges Armgerüst meist vorhanden (Fig. 205–220). Schale rein kalkig.
a.Ein kalkiges Armgerüst fehlt. Schlossfortsatz entwickelt. Schlosslinie stets gerade. Kleinere Klappe meist flach oder eingesenkt (Fig. 205–210)I.Unterordn. Productacea.
1.Schale in der Regel mit hohlen Stacheln besetzt. Kleinere Klappe stets flach oder eingesenkt. Grössere Klappe meist ohne Schlosszähne (Fig. 205–207)5. Fam. Productidae.
2.Schale ohne Stacheln. Kleinere Klappe gewölbt, flach oder eingesenkt. Grössere Klappe mit 2 starken Schlosszähnen (Fig. 208–210)6. Fam. Orthidae.
b.Ein kalkiges Armgerüst vorhanden. Schlosslinie gerade oder gebogen. In der Regel beide Klappen gewölbt.
1.Das Armgerüst bildet 2 hohle Spiralkegel (Fig. 211–213)II.Unterordn. Spiriferacea.
α.Die Spitzen der Spiralkegel gegen die Seiten der Schale gerichtet (Fig. 211, 212)7. Fam. Spiriferidae.
β.Die Spitzen der Spiralkegel gegen die Mitte der kleineren Klappe gerichtet (Fig. 213)8. Fam. Atrypidae.
2.Armgerüst nicht spiral aufgerollt, 2 Hörner (oder Platten) oder eine Schleife bildend (Fig. 214–220)III.Unterordn. Terebratulacea.
α.Armgerüst aus 2 hakenförmigen Fortsätzen oder 2 Platten bestehend. Schnabel spitz, gekrümmt. Schale fast stets faserig (Fig. 214–216)9. Fam. Rhynchonellidae.
β.Armgerüst eine Schleife bildend. Schale fast immer punktirt. Schnabel meist abgestutzt.
*Schale punktirt. Schnabel abgestutzt, durchbohrt (Fig. 217–219)10. Fam. Terebratulidae.
**Schale faserig. Schnabel spitz; Schnabelloch unterhalb der Spitze (Fig. 220)11. Fam. Stringocephalidae.
***Schale punktirt. Schnabel undurchbohrt12. Fam. Thecideidae.
1. Ordnung Ecardines.
Die beiden Klappen der hornig-kalkigen oder kalkigen Schale werden nur durch Muskeln und nicht durch Schlossbildungen zusammengehalten. Armgerüst fehlt.
1. Fam. Lingulidae.
Beide Klappen nahezu gleich, zungenförmig, verlängert vierseitig oder oval, hornig-kalkig, seitlich gegen einander mit Hülfe der Gleitmuskeln (Fig. 201 A d) verschiebbar. Schalenoberfläche selten mit Rippen, meist nur mit concentrischen oder radialen Streifen. Maximalentwickelung im Silur, aber in allen Formationen verbreitet, gegen 20 Arten lebend in geringen Tiefen der wärmeren Meere. Einzige Gattung mit einigen Untergattungen:
Lingula Brug. (Fig. 201 A–C). Schale dünn, vorwiegend aus Hornsubstanz gebildet, concentrisch gestreift, zuweilen radial gerippt. Der Stiel (A st) tritt zwischen den Wirbeln der beiden Klappen aus. Auf den Innenseiten der Klappen heben sich die Muskeleindrücke (Fig. 201 A a, s, s’, d) als schwach vertiefte Stellen hervor. Auch eine Längsstreifung ist zuweilen bemerkbar. Wegen der wenig wechselnden Gestalt der Schale sind die Arten aus verschiedenen Formationen schwierig oder gar nicht unterscheidbar. Vom Cambrium an, besonders häufig in den ältesten Formationen.
L. (Lingulella) Davisii M’C. sp. Cambrium (Lingula flags). England.
L. Lewisii Sow. Obersilur. England, Böhmen.
L. Credneri Gein. Perm. Thüringen, England. Subcarbon. England.
L. tenuissima Br. (Fig. 201 B). Häufig in der deutschen und alpinen Trias. Spitzbergen.
L. Beanii Phill. (Fig. 201 C). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
L. Krausei Dam. Häufig in den baltischen Cenomangeschieben Norddeutschlands.
L. anatina Brug. (Fig. 201 A). Lebend. Philippinen.

Fig. 201. A–C Lingula. A L. anatina Brug. Lebend. Philippinen. Grössere Klappe von innen. st = Stiel; s = unpaarer Oeffnungsmuskeleindruck; s’ = paarige Schliessmuskeleindrücke; d = Eindrücke der Gleitmuskeln (divaricatores); a = Eindrücke der Stielmuskeln. B L. tenuissima Br. Unterer Keuper (Lettenkohle). Württemberg. C L. Beanii Phill. Mittlerer Dogger. Unterelsass.
2. Fam. Obolidae.
Die beiden Klappen etwas ungleich, oval oder kreisrund, mehr phosphorsauren Kalk als Hornsubstanz führend. Schlossrand breit und verdickt, mit einer Stielfurche (Fig. 202 B f, C f). Nur paläozoisch; vom Cambrium bis zum Perm. Typische Gattung:

Fig. 202. A–C Obolus Apollinis Eichw. Cambrium. St. Petersburg. A grössere Klappe von aussen. B, C dieselbe von innen. f = Stielfurche des Schlossrandes; m = Mittelleiste; s = Schliessmuskeleindrücke; d = Gleitmuskeleindrücke.
Obolus Eichw. (Fig. 202 A–C). Die nagelförmige oder kreisrunde Schale besitzt auf der Aussenseite concentrische Anwachsstreifen und feine radiale Streifen (A). Die Innenseite der grösseren Schale (B, C) zeigt den gestreiften und verbreiterten Schlossrand und die Stielfurche (f). Zu beiden Seiten einer mittleren Leiste (m) liegen die Eindrücke der paarigen vorderen (centralen) und hinteren Schliessmuskeln (s). Die Gleitmuskeleindrücke (d) liegen seitlich. Die kleinere Klappe besitzt einen weniger stark verbreiterten Schlossrand, eine kaum angedeutete Mittelleiste und eine herzförmige Vertiefung in der Mitte. Cambrium und Silur.
O. Apollinis Eichw. (Fig. 202). Im »Obolus-« oder »Ungulitensandstein« des Cambriums der russischen Ostseeprovinzen.
O. Davidsoni Salt. Obersilur. Grossbritannien, Schweden.
3. Fam. Discinidae.
Schale dünn, hornig-kalkig, firnissglänzend, ungleichklappig, kreisrund oder oval. Kleinere (Bauch-) Klappe mit einer runden oder schlitzförmigen Oeffnung. Die meisten Gattungen auf das Silur beschränkt. Discina vom Silur bis zur Gegenwart.

Fig. 203. A–C Discina nitida Phill. sp. Carbon. Schottland. A, B grössere Klappe. A von oben, B von der Seite. w = Wirbel. C kleinere Klappe mit schlitzförmiger Stielöffnung (o) von unten.
Discina (Fig. 203 A–C). Die beiden Klappen meist sehr ungleich. Die (grössere) Rückenklappe mützenförmig, mit spitzem Wirbel (A w, B w), die kleinere Unterklappe fast flach, mit einer mittleren oder excentrischen, meist schlitzförmigen Stielöffnung (C o). Oberfläche mit concentrisch um den Wirbel geordneten Anwachsstreifen, selten mit Radialstreifen oder Gruben. In paläozoischen Formationen häufiger als in den jüngeren.
D. rugata Sow. Obersilur. Grossbritannien.
D. nitida Phill. (Fig. 203). Devon, Steinkohlenformation und Perm. Grossbritannien. Subcarbon. Nordamerika.
D. discoides Schl. sp. Unterer und oberer Muschelkalk. Nord- und Süddeutschland.
D. papyracea Mnstr. sp. Oberer Lias (Posidonienschiefer). Nord- und Süddeutschland.
D. lamellosa Brod. Lebend. Chilenische Küste in geringen Tiefen.
4. Fam. Craniadae.
Schale kalkig, rundlich oder viereckig, ungleichklappig, mit der unteren Klappe festgewachsen, selten frei. Innenseite mit 4 Muskel- und mit fingerförmigen Gefässeindrücken. In der Mitte der aufgewachsenen Klappe ein nasenförmiger Fortsatz (Fig. 204 A rs), welcher als Stütze der Arme dient. Vom Silur an, hauptsächlich im Mesozoicum verbreitet. Wenige Formen noch lebend in den kühleren Meeren.
Crania Retz. (Fig. 204 A–D). Beide Klappen schüsselförmig, die untere kleinere oft flach und fast immer mit dem Wirbel oder der ganzen Fläche festgewachsen (A). Oberfläche häufig radial gerippt (B). Innenseite beider Klappen mit einem breiten, meist gekörnelten Rande versehen (r). Die Eindrücke der 2 Paare von Schliessmuskeln in beiden Klappen deutlich (s–s’). Die vorderen, ovalen, in der Nähe der Mitte, einander genähert, die hinteren runden, unter dem Schlossrande gelegenen, weiter von einander entfernt. Hinter den kleineren vorderen Schliessmuskeln der unteren (kleineren) Klappe befindet sich ein nasenförmiger, oft nach vorn verlängerter Fortsatz, der als Haftstelle für die Armmuskeln dient (C rs). Die entsprechende Stelle der grösseren Klappe (D) ist vertieft. Die fingerförmigen Gefässeindrücke des Mantels (C g, D g) meist deutlich sichtbar im vorderen Theile der Klappe. Nach der wechselnden Gestalt und Grösse der Muskeleindrücke und Leisten unterscheidet man mehrere Untergattungen. Vom Silur bis zur Gegenwart, am häufigsten in der oberen Kreide.
Cr. divaricata M’Coy sp. Untersilur. Grossbritannien.
Cr. quadrata M’Coy. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Nordamerika.
Cr. irregularis A. Rö. sp. Neocom. Norddeutschland.
Cr. Parisiensis Dfr.}Turon und Senon. Mittel- und Nordeuropa.
Cr. Ignabergensis Retz. (Fig. 204).
Cr. anomala Sow. Lebend. Europäische Meere.

Fig. 204. A–D Crania Ignabergensis Retz. Senon. England. A vollständige Schale, auf einer Bryozoe aufgewachsen, von der Seite. B obere (grössere) Klappe von oben, die Radialrippen zeigend. C kleinere (untere) Klappe von innen. r = Rand; s’ = Eindrücke der Schliessmuskelpaare; g = fingerförmige Gefässeindrücke; rs = nasenförmiger Vorsprung oberhalb der vorderen Schliessmuskeln gelegen, zuweilen nach unten leistenförmig verlängert. D grössere (obere) Klappe von innen; Bezeichnungen wie bei C.
2. Ordnung Testicardines.
Die hierher gehörigen Formen zeichnen sich durch den Besitz eines Schlosses aus. Im einfachsten Falle besteht dasselbe aus einem Schlossfortsatze in der Mitte des Schlossrandes der kleineren Klappe (Fig. 205 D f), an den die Oeffnungsmuskeln sich anheften — Productus. Bei den meisten Formen entwickeln sich ausserdem am Schlossrande der grösseren Klappe 2 symmetrisch zur Mittelebene gestellte Zähne (Fig. 208 B zp’), welche den Schlossfortsatz der kleineren Klappe seitlich fest umschliessen. Die Zähne greifen in entsprechende Vertiefungen (Zahngruben — Fig. 208 A) der anderen Klappe ein. Eine seitliche Verschiebung der Klappen gegen einander ist hierdurch unmöglich gemacht, vielmehr geschieht das Oeffnen der Schale nur durch Entfernung der kleineren Klappe von der grösseren innerhalb der Symmetrieebene der Schale. Diese symmetrische Stellung und Ausbildung der Zähne und Zahngruben bezeichnet man als isodonte Bezahnung. Die Mehrzahl der Testicardines besitzt ein wohlentwickeltes, kalkiges Armgerüst; nur den Familien der Productidae und Orthidae fehlt dasselbe fast vollständig.
1. Unterordnung Productacea.
Ohne eigentliches Armgerüst. Schlosslinie stets gerade. Grössere Klappe gewölbt, kleinere Klappe concav oder flach, seltener gewölbt. Schale meist punktirt. Ausgestorben.
5. Fam. Productidae.
Schale mit Stacheln besetzt, meist frei, selten mit dem Schnabel der grösseren Klappe oder mit den Stacheln festgewachsen. Kleinere Klappe eingesenkt oder flach, nie convex, mit einem Schlossfortsatz in der Mitte des Schlossrandes (Fig. 205 D f) und mit nierenförmigen Armleisten (Fig. 205 D n). Diese Familie ist auf das paläozoische Zeitalter beschränkt, gegen dessen Ende sie ihre Maximalentwickelung erreicht. Die drei hierher gehörigen Gattungen unterscheiden sich wie folgt:
a.Grössere Klappe ohne Schlosszähne und Schnabelöffnung. Area fehlend oder kaum entwickelt (Fig. 205)Productus.
b.Grössere Klappe mit 2 Schlosszähnen und Deltidialspalte. Area deutlich.
1.Schale überall (die Area ausgenommen) mit Stacheln bedeckt. Schlossrand schmäler als die Schale lang (Fig. 206)Strophalosia.
2.Schale meist nur am Arealrande der grösseren Klappe mit Stacheln. Schlossrand breiter als die Schale lang (Fig. 207)Chonetes.
Productus Sow. (Fig. 205 A–D). Schale in der Regel frei, mit Stacheln besetzt (A). Grössere Klappe gewölbt, oft in der Mitte eingesenkt, mit eingekrümmtem, undurchbohrtem Wirbel. Kleinere Klappe meist tief eingesenkt oder flach. Area nie deutlich entwickelt. Schlossrand meist so breit wie die Schale. Auf der Innenseite der grösseren Klappe (C) liegen dicht unter dem Wirbel die länglichen Eindrücke (C s’) der Schliessmuskeln (B s’), welche sich an ebenfalls längliche Anheftstellen der kleineren Klappe ansetzen (D s, B s). Etwas tiefer und seitwärts von ihnen finden sich in der grösseren Klappe die rundlichen Eindrücke (C d) der Oeffnungsmuskeln (B d’), die sich an den vorspringenden Schlossfortsatz der kleineren Klappe (D f, B d) anheften. Alle Muskeleindrücke sind stark vertieft. Die fleischigen Arme wurden durch ein Paar nierenförmige Armleisten der kleineren Klappe (D n) gehalten. Ihre Spiralwindungen lagen in napfförmigen Vertiefungen der grösseren Klappe (C sp’) und wurden durch kleine, runde Höcker auf der kleineren Klappe (D sp) gestützt. Der Schlossfortsatz verlängert sich nach unten in eine lange Mittelleiste (D), welche die Muskeleindrücke, die Spiralhöcker und die Armleisten von einander trennt. Die Schalenstructur ist punktirt. Meist ist die ganze Oberfläche der Schale, seltener nur der Schlossrand mit langen, hohlen und sehr zerbrechlichen Stacheln besetzt (A).

Fig. 205. A–D Productus. A P. longispinus Sow. Subcarbon. England. B–D P. giganteus Mart. sp. Subcarbon. England. B Querschnitt durch die Schale mit den reconstruirten Schliess- (s, s’) und Oeffnungsmuskeln (d, d’). sp’ = Spiralnapf der grösseren, sp = Spiralhöcker der kleineren Klappe. C grössere Klappe von innen. Der Wirbel ist fortgenommen. s’ = Eindrücke der Schliessmuskeln; d = Eindrücke der Oeffnungsmuskeln; sp’ = Spiralnäpfe. D kleinere Klappe von innen. f = Schlossfortsatz; s = Eindrücke der Schliessmuskeln; n = nierenförmige Eindrücke von den Armleisten umgeben; sp = Spiralhöcker.
Die Gattung Productus beginnt im Devon und findet sich in allen marinen Bildungen der Steinkohlenformation und des Perms über die ganze Erde in zahlreichen und zum Theil sehr grossen Arten (Pr. giganteus bis 0,18 m breit) verbreitet. (Productus limestone [Oberes Carbon und Perm] in Indien).
Gruppe A: Dorsati. Grössere Klappe ohne mittlere Einsenkung:
Pr. subaculeatus Murch. Mittel- und Oberdevon. Europa, Nordamerika, Asien, Australien.
Pr. giganteus Mart. sp. (Fig. 205 B–D). Subcarbon. Ueberall.
Pr. cora d’Orb. Subcarbon. In allen Erdtheilen.
Pr. striatus Fisch. Subcarbon. Europa, Asien.
Gruppe B: Lobati. Grössere Klappe mit einer mittleren Einsenkung:
Pr. semireticulatus Mart. sp. (Leth. pal., t. 42, Fig. 8). Subcarbon und Carbon. Ueberall.
Pr. longispinus Sow. (Fig. 205 A).}Subcarbon und Carbon. Ueberall.
Pr. punctatus Mart. sp.
Pr. horridus Sow. (Leth. pal., t. 62, Fig. 10). Perm. Deutschland, England, Nordamerika, Spitzbergen.
Strophalosia King (Fig. 206). Schale meist höher als breit, ganz mit Stacheln bedeckt. Beide Klappen mit deutlicher Area (a–a’). Grössere Klappe mit einer schmalen, dreieckigen, von einem Pseudodeltidium geschlossenen Deltidialspalte (ps) und mit 2 kurzen Schlosszähnen. Kleinere Klappe eingesenkt, mit Schlossfortsatz, Mittelleiste und Armleisten, wie bei Productus. Vom Devon bis zum Perm, aber weit seltener als Productus.
Str. productoides Murch. (Leth. pal., t. 35, Fig. 4). Mittel- und Oberdevon. Russland, Deutschland, Belgien, England, China.
Str. Goldfussi Mnstr. sp. (Fig. 206). Perm (Zechstein). England, Mitteldeutschland.
Str. lamellosa Gein. Perm (Zechstein). England, Mitteldeutschland.
Str. horrescens d. Vern. Perm. Russland, Indien.

Fig. 206. Strophalosia Goldfussi Mnstr. sp. Unterer Zechstein. Gera. a = Area der kleineren, a’ = der grösseren Klappe; ps = Pseudodeltidium, die Deltidialspalte verschliessend.

Fig. 207. A–C Chonetes. A Ch. striatella Dalm. Obersilur. England. a’ = Area der grösseren Klappe; st = Stacheln des Arealrandes; ps = Pseudodeltidium. B, C Ch. sarcinulata Schl. sp. Unterdevon (Spiriferensandstein). Rheinisches Schiefergebirge. B innerer Abdruck der kleineren Klappe mit dem Eindruck der Mittelleiste (s’) und den Eindrücken der Zahngrubenplatten (z’). C äusserer Abdruck der grösseren Klappe, die kurzen Stacheln des Schlossrandes zeigend.
Chonetes Fisch. (Fig. 207 A–C). Schale fast stets breiter als hoch. Schlossrand so lang als die Schalenbreite. Stacheln auf die Arealkante der grösseren Klappe (A st, C) beschränkt. Wirbel nicht hervorragend, nie umgebogen. Grössere Klappe mit breiter Area (a’) und einer von einem Pseudodeltidium (ps) geschlossenen Deltidialspalte. Im Inneren mit 2 Zähnen und einer Mittelleiste. Kleinere Klappe mit meist schmaler Area; ihre Deltidialspalte durch den Schlossfortsatz ausgefüllt. Unterhalb und seitlich vom Schlossfortsatze mit 2 Zahngruben, die durch kleine Zahngrubenplatten (B z’) gebildet werden. Mittelleiste (B s’) und nierenförmige Armleisten wie bei Productus. Schalenverzierung in zahlreichen, vom Wirbel ausstrahlenden, feinen Rippen bestehend. Innenseite der Schale körnig-rauh.
Vom Silur bis zum Perm, am häufigsten und in grossen (bis 0,15 m breiten) Formen in der Steinkohlenformation und im Perm.
Ch. striatella Dalm. sp. (Fig. 207 A). Im Obersilur Nordeuropas und Amerikas häufig. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Ch. sarcinulata Schloth. sp. (Fig. 207 B, C). Im rheinisch-belgischen Unterdevon häufig. Im gleichen Niveau in England und Südafrika. Auch in höheren Schichten des Devons.
Ch. setigera Hall. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.
Ch. papilionacea Phill. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Russland.
Ch. Hardrensis Phill. (Leth. pal., t. 42, Fig. 13). Subcarbon. Grossbritannien.
Viele Arten im Perm von Indien und Nordamerika.
6. Fam. Orthidae.
Schale ohne Stacheln, meist frei, mit deutlicher Area in jeder Klappe. Grössere Klappe gewölbt, selten eingedrückt, kleinere gewölbt, flach oder eingesenkt. In der grösseren Klappe stets 2 Schlosszähne, in der kleineren ein medianer Schlossfortsatz und jederseits desselben eine oft zahnartig vorspringende Leiste vorhanden, welche die Zahngrube nach innen zu begrenzt. Oberfläche mit radialen Streifen oder Rippen, selten glatt. Das Vorkommen dieser Familie beschränkt sich auf das paläozoische Zeitalter. Vertreter derselben findet man schon in cambrischen Schichten.
Die wichtigsten Gattungen unterscheiden sich wie folgt:
A.Schlossrand relativ kurz. Deltidialspalte offen, nicht durch Pseudodeltidium geschlossen (Fig. 208 B dsp’). Meist beide Klappen gewölbt (Fig. 208)Orthis.
B.Schlossrand meist sehr lang. Deltidialspalte durch Pseudodeltidium geschlossen (Fig. 209 ps, Fig. 210 A ps). Kleinere Klappe fast immer eingedrückt, seltener flach oder gewölbt (Fig. 209, 210)Streptorhynchus, Strophomena, Leptaena.

Fig. 208. A–E Orthis. A, B O. elegantula Dalm. Obersilur. England. A kleinere Klappe von innen. a = Area; f = Schlossfortsatz, in der Deltidialspalte liegend. Unter dem Schlossrande 2 tiefe Zahngruben, deren innere Leisten zahnartig vorspringen. m = Mittelleiste; s = Schliessmuskeleindrücke. B grössere Klappe von innen. dsp’ = Deltidialspalte; zp’ = Zähne; a’, m’, s’ wie a, m, s in Fig. A. C O. biloba Lin. sp. Obersilur. Dudley, England. a’ = Area der grösseren Klappe. D, E O. striatula Schl. sp. D beschaltes Exemplar, die mittlere Einsenkung der kleineren Klappe zeigend. Mitteldevon. Eifel. E Steinkern (»Hysterolithes vulvarius«). Unterdevon. Eifel. m = Eindruck der Mittelleiste; s = Ausfüllung der Schliessmuskeleindrücke.
Orthis Dalm. (Fig. 208 A–E). Schale rundlich oder vierseitig, gewöhnlich beiderseits gewölbt; kleinere Klappe oft mit mittlerer Einsenkung (D). Schlossrand meist kürzer als die Schalenbreite. Beide Klappen mit deutlicher Area (a, a’) und offener, dreieckiger Deltidialspalte (B dsp’). Kleinere Klappe mit kurzem, ungetheiltem Schlossfortsatze (A f), unterhalb des Schlossrandes mit 2 tiefen, zur Aufnahme der Schlosszähne der grösseren Klappe (B zp’) bestimmten Zahngruben. Die inneren Leisten der Zahngruben springen zahnartig vor; sie dienten vielleicht zur Anheftung der Mundarme (vergl. die Crura von Rhynchonella p. 218). Zu beiden Seiten der langen Mittelleiste (m) sind die tiefen paarigen Schliessmuskeleindrücke (s) sichtbar. Die grössere Klappe besitzt einen grösseren Deltidialspalt (B dsp’) und 2 starke Schlosszähne (zp’). Die Schliessmuskeleindrücke (s’) liegen höher als in der kleineren Klappe. Schalenoberfläche fast immer radial gestreift oder gerippt. Vom Cambrium bis ins Perm in sehr zahlreichen Arten verbreitet, am häufigsten im Silur.
O. lenticularis Wall. sp. (Leth. pal., t. 2, Fig. 4). Cambrisch. Nordeuropa.
O. testudinaria Dalm. Untersilur. Europa, Nordamerika.
O. redux Barr. Untersilur. Böhmen, Normandie, England.
O. lynx (Leth. pal., t. 12, Fig. 13). Unter-, seltener Obersilur. Europa, Nordamerika.
O. calligramma Dalm. (Leth. pal., t. 4, Fig. 4). Unter- und Obersilur. Europa, Nordamerika, China.
O. biloba L. sp. (Fig. 208 C).}Unter-, hauptsächlich Obersilur. Europa, Nordamerika.
O. elegantula Dalm. (Fig. 208 A, B).
O. striatula Schl. sp. (Fig. 208 D, E). In allen Abtheilungen des Devons. Europa, China.
Im rheinischen Unterdevon als charakteristischer Steinkern, sog. Hysterolithes vulvarius, häufig.
O. resupinata Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 4). Subcarbon. Europa.
O. Michelini Lev. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 5). Subcarbon. Europa, Nordamerika.
O. Lamarcki Fisch. sp. Carbon. Russland.
Streptorhynchus King (Fig. 209). Schale beiderseits gewölbt oder convex-concav. Schlossrand meist so breit wie die Schale. Grössere Klappe mit hoher Area (a’) und grossem Pseudodeltidium (ps), an dessen innerem Rande ein Stielspalt (sp) mit dem grossen, zweitheiligen, mehrfach gezähnten Schlossfortsatze der kleineren Klappe bleibt. Area der letzteren schmal. Oberfläche der Schale mit radialen, meist gekörnten Streifen bedeckt. Devon bis Perm.
Str. umbraculum Schl. sp. (Fig. 209). Devon, hauptsächlich Mitteldevon. Eifel, Nordfrankreich, England.
Str. crenistria Phill. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 6). Subcarbon. In allen Erdtheilen.
Str. pelargonatus Schl. sp. (Leth. pal., t. 67, Fig. 12). Perm. Deutschland, England, Indien.

Fig. 209. Streptorhynchus umbraculum Schl. sp. Mitteldevon. Eifel. a’ = Area; ps = Pseudodeltidium; sp = Spalt zum Austritt des Stieles, im Grunde den getheilten Schlossfortsatz zeigend.
Strophomena Blv. (Fig. 210 A–C). Schale zusammengedrückt, convex-concav, meist breiter als hoch, mit langem Schlossrande. Meist die kleinere, selten die grössere Klappe concav. Zwischenraum der beiden Klappen eng. Schlossrand oft mit zahlreichen feinen Kerben. Schlossfortsatz der kleineren Klappe zweispaltig (C sf). Die Innenseite der Klappen zeigt die tiefen, von halbkreisförmigen Leisten umzogenen Eindrücke der Schliessmuskeln (B m, C m), die durch ein medianes Septum (s) getheilt werden, sowie häufig die verzweigten Gefässeindrücke (gf). Die Sculptur der Oberfläche fehlt oder besteht in radialen Streifen oder Rippen, die oft von concentrischen Anwachsstreifen gekreuzt werden (A). Silur — Subcarbon.

Fig. 210. A–C Strophomena rhomboidalis Wilk. sp. Obersilur. Dudley, England. A Ansicht der Schale von vorn. a = Area; ps = Pseudodeltidium. B innere Ansicht der grösseren, C der kleineren Klappe. a = Area; m = Eindrücke der Schliessmuskelpaare; gf = Gefässeindrücke; s = Mittelleiste; sf = Schlossfortsatz. D Leptaena sericea Sow. Untersilur. England. E (Leptaena) Koninckella liasina Bouch.[C] Mittlerer Lias. Ilminster, England.
Str. rhomboidalis Wilk. sp. (Fig. 210 A–C). Silur und Devon. Europa, Nordamerika. Subcarbon. England.
Str. deltoidea Conr. (Leth. pal., t. 4, Fig. 8). Untersilur. Europa, Nordamerika.
Str. euglypha His. sp. Unter- und Obersilur. Nordeuropa.
Leptaena Dalm. (Fig. 210 D, E) unterscheidet sich durch die dünne Schale, die stark verlängerten Muskeleindrücke der kleineren und durch die wenig scharf umschriebenen der grösseren Klappe; findet sich häufig in paläozoischen Schichten (Silur — Kohlenformation).
L. sericea Sow. (Fig. 210 D). Untersilur. Europa, Nordamerika.
L. transversalis Wahl. sp. (Leth. pal., t. 8, Fig. 9). Unter- und Obersilur. Europa, Nordamerika.
L. lepis Bronn sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 27). Mitteldevon. Eifel, Belgien, Spanien.
(L.) Koninckella liasina Bouch. sp. (Fig. 210 E) wurde früher zu Leptaena gestellt. Verbreitet in den Schichten des oberen Lias innerhalb und ausserhalb der Alpen (sog. Leptaenabett)[C].
2. Unterordnung Spiriferacea.
An dem Schlossrande der kleineren Klappe ist ein spiral aufgerolltes Kalkgerüst befestigt, von der Form zweier symmetrischer Kegel, welches zur Stütze der spiralen Mundarme diente. Schalen meist beiderseits gewölbt. Eine ausgestorbene, vorwiegend in paläozoischen Formationen verbreitete Unterordnung.
7. Fam. Spiriferidae.
Schale beiderseits gewölbt mit geradem oder gebogenem Schlossrand. Das Innere der Schale wird zum grössten Theile von 2 kalkigen, spiralen Hohlkegeln erfüllt, deren Grundflächen gegen einander, deren Spitzen gegen die Seiten der Schale zu gerichtet sind (Fig. 211 A; Fig. 212 B). Die wichtigsten Gattungen dieser vom Silur bis in den Jura verbreiteten Familie unterscheiden sich wie folgt:
a.Schlossrand meist gerade. Schnabelspitze nicht durchbohrt (Fig. 211)Spirifer.
b.Schlossrand gebogen. Schnabelspitze durchbohrt (Fig. 212).
α.Oberfläche der Schale mit concentrischen Streifen (Fig. 212) oder glatt. Schale faserigAthyris.
β.Oberfläche der Schale mit radialen Rippen oder Streifen, sehr selten glatt. Schale punktirtRetzia.

Fig. 211. A–F Spirifer. A Sp. striatus Sow. Subcarbon. Yorkshire, England. Die kleinere Klappe ist zum grössten Theil fortgenommen, um die Armspirale (sp) zu zeigen, die vermittelst zweier, durch ein Querband verbundener Stiele (cr) an dem Schlossrande der kleineren Klappe befestigt ist. a = Area. B Sp. Mosquensis Fisch. Carbon. Moskau. Innenansicht der grösseren Klappe. a = Area; ps = Pseudodeltidium; zp = Zahnplatten, in welche die — in der Zeichnung nicht angegebenen — Zähne sich verlängern. C Sp. cuspidatus Mart. sp. Subcarbon. Irland. Von oben gesehen. s = grössere, s’ = kleinere Klappe; a = Area mit ausgefallenem Pseudodeltidium (e). D Sp. laevicosta Val. sp. Mitteldevon. Eifel. a = Area; e = Deltidialspalt. E Sp. macropterus Gf. Unterdevon. Lahneck, Rheinisches Schiefergebirge. Steinkern der grösseren Klappe, die hohe dreieckige Area, die mittlere Schalendepression und den schlitzförmigen Eindruck der Mittelleiste zeigend. F Sp. rostratus Schl. Mittlerer Lias. Cheltenham, England. a = Area; ps = Pseudodeltidium.
Spirifer Sow. (Fig. 211 A–F). Schale faserig oder durchbohrt (punktirt), meist querverlängert, mit beiderseits gewölbten Klappen (selten die kleinere Klappe fast flach). Schlossrand lang, gerade. Area meist auf beiden Klappen, auf der grösseren breit (a), auf der kleineren schmal; beiderseits mit dreieckiger Deltidialspalte (C e), welche in der grösseren Klappe mehr oder weniger vollständig durch ein Pseudodeltidium geschlossen sein kann (B ps, F ps), in der kleineren Klappe durch den Schlossfortsatz (nicht ganz) ausgefüllt ist. Schnabel gerade (C) oder gekrümmt (A, B, D, F), undurchbohrt. Die 2 Zähne der grösseren Klappe verlängern sich meist in 2 starke, tief hinabreichende Zahnplatten (B zp), zwischen denen zuweilen eine Mittelleiste auftritt. An den Schlossrand der kleineren Klappe heften sich vermittelst zweier Stiele (Crura A cr) die Kalkspiralen (A sp) an, welche, sich immer mehr verjüngend, bis an die Seiten der Schale reichen. Ein Querband verbindet die Enden der Stiele (A). Die Schale ist meist radial gerippt (A, D, E), seltener glatt (F). Häufig zeigt die Mitte der grösseren Klappe eine Einsenkung (E), die Mitte der kleineren dementsprechend eine wulstförmige Erhöhung (D). Diese ausserordentlich formenreiche Gattung ist im Paläozoicum durch mehrere Hundert, in Trias und Lias durch einige Dutzend Arten vertreten.
Nach den Verschiedenheiten des nur selten gut sichtbaren Armgerüstes unterscheidet man mehrere Untergattungen. Im Nachstehenden findet man die wichtigsten Arten nach äusserlich erkennbaren Merkmalen gruppirt:
A. Schale gefaltet oder gerippt.
1. Mit gefaltetem Sinus und Wulst. Schale faserig.
Sp. disjunctus Sow. (Leth. pal., t. 35, Fig. 2). Mittel-, hauptsächlich Oberdevon. Europa, Kleinasien, China, Australien, Nordamerika.
Sp. striatus Mart. sp. (Fig. 211 A). Subcarbon — Perm. Europa, Amerika, Indien.
Sp. Mosquensis Fisch. (Fig. 211 B). Subcarbon und Carbon. Belgien, Russland.
2. Mit glattem Sinus und Wulst.
α. Schale faserig.
Sp. macropterus Gf. (Fig. 211 E). Leitmuschel für das Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge, Harz etc. (Spiriferensandstein).
Sp. speciosus Schl. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 2). Unter-, hauptsächlich Mitteldevon. Eifel, England, Belgien.
Sp. cultrijugatus F. Rö. Unterdevon und Basis des Mitteldevons (Cultrijugatusschichten). Europa. Upper Helderberg Gr. Nordamerika.
Sp. laevicosta Val. sp. (Fig. 211 D). Unter-, hauptsächlich Mitteldevon. Eifel, Belgien, England.
Sp. alatus Schl. (Leth. pal., t. 67, Fig. 7). Perm. Deutschland, England, Spitzbergen, Indien.
β. Schale punktirt.
Sp. (Syringothyris) cuspidatus Mart. sp. (Fig. 211 C). Subcarbon. Belgien, England.
Sp. (Cyrtina) heteroclytus Dfr. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 4). Unter-, namentlich Oberdevon. Eifel, Belgien, Frankreich, England.
Sp. (Spiriferina) cristatus Schl. sp. Subcarbon — Perm. Deutschland, England, Indien, Timor.
Sp. (Spiriferina) fragilis Schl. sp. Unterer und Oberer Muschelkalk. Deutschland.
Sp. (Spiriferina) Walcotti Sow. Unterer und mittlerer Lias. Europa, Südamerika.
Sp. (Spiriferina) Muensteri Dav. Alpiner Rhät. Unterer und mittlerer Lias. Europa.
B. Schale ohne Falten und Rippen.
a. Schale gestreift.
Sp. (Cyrtia) exporrectus Wahl. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 13). Obersilur. England, Skandinavien, Böhmen.
b. Schale glatt.
α. Schale faserig.
Sp. glaber Mart. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 11). Oberdevon und häufig im Subcarbon. Europa, Nordamerika.
β. Schale punktirt.
Sp. (Spiriferina) rostratus Schl. sp. (Fig. 211 F). Unterer und mittlerer Lias. Europa.
c. Schale mit netzförmiger Streifung und feinen Stacheln.
Sp. (Reticularia) lineatus Mart. sp. Oberdevon — Perm. Europa, Amerika, Indien.
Athyris M’Coy (Fig. 212 A, B). Schale faserig, mit concentrischen Anwachsstreifen oder glatt. Schlossrand gebogen. Schnabel mit runder Oeffnung (A f). Deltidium kaum entwickelt. Das Armgerüst (B) zeigt einen verwickelteren Bau als bei Spirifer, indem auf die Stiele (cr) jederseits ein kurzer erster Spiralumgang (a) folgt, von welchem sich ein Anhang (r) abzweigt. Beide Anhänge vereinigen sich in der Mitte zu einer Platte (p). Vielleicht schon im Silur, häufig im Devon, in der Steinkohlenformation und im Perm, seltener in der Trias.
A. concentrica v. B. sp. (Fig. 212 A). Im Devon über die ganze Erde verbreitet.
A. spiriferoides Hall. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.
A. ambigua Phill. (Fig. 212 B). Subcarbon. England, Belgien etc.
A. subtilita Hall. Subcarbon, namentlich Carbon. Europa, Amerika.
A. Roissyi Lev. Subcarbon — Perm. Europa, Indien.
A. oxycolpos Emmr. sp. Alpiner Rhät.

Fig. 212. A Athyris concentrica v. B. sp. Mitteldevon. Eifel. f = Schnabelloch. B A. ambigua Sow. Subcarbon. England. Die grössere Klappe ist entfernt. sp = Spiralkegel; a = erster Spiralumgang; r = mittlere Anhänge, sich in einer Platte (p) vereinigend; cr = Stiele.
Retzia King. Durch punktirte und meist gerippte Schale unterschieden; kommt in vielen Arten vom Silur bis in die Trias vor.
R. Salteri Dav. Obersilur. Nordeuropa.
R. ferita v. B. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 16). Mitteldevon. Eifel.
R. radialis Phill. Subcarbon. Russland, Belgien, Grossbritannien.
R. Mormonii Marc. Carbon. Nord- und Südamerika.
R. trigonella Schl. sp. unterer und oberer Muschelkalk. Südalpen, Deutschland.
Uncites Dfr. mit grossem, übergebogenem Schnabel, hohem Deltidium und radialer Schalenstreifung, ist durch eine Art vertreten. Devon.
U. gryphus Dfr. (Leth. pal., t. 32, Fig. 2) im Mitteldevon (Stringocephalenkalk) Deutschlands häufig. Auch in England und in den Ostalpen.
8. Fam. Atrypidae.
Schale meist mit gerundetem Schlossrand und ohne Area. Die Spiralkegel richten ihre Grundfläche gegen die grosse, ihre Spitzen gegen die Mitte der kleinen Klappe (Fig. 213 B). Häufig im Paläozoicum, selten in der Trias und im Lias (Koninckella p. 213).

Fig. 213. A, B Atrypa reticularis L. sp. Mitteldevon. Eifel. f = Schnabelloch. B dieselbe aus England. Junges Exemplar. Die kleinere Klappe ist zum grössten Theile entfernt. cr = Stiele (Crura); b = Verbindungsband der Spiralkegel (sp).
Atrypa Dalm. (Fig. 213 A, B). Schale beiderseits gewölbt, meist radial gerippt und mit concentrischen, oft blättrigen Anwachsstreifen versehen, faserig. Grössere Klappe die kleinere nur wenig überragend. Schnabel kurz, übergebogen, mit Schnabelloch (f). An den Schlossrand der kleineren Klappe heften sich die Stiele (B cr), welche die Spiralkegel (sp) tragen. Letztere werden durch ein gebogenes Band (B b) verbunden. Silur und Devon.
A. reticularis L. sp. (Fig. 213). Silur und Devon. Ueberall.
A. desquamata Sow. sp.}Ueberall im Devon.
A. aspera Schl. sp.
3. Unterordnung Terebratulacea.
Das gemeinsame Merkmal der Terebratulacea ist das Vorhandensein eines einfachen, nicht spiral gewundenen Armgerüstes. Dasselbe besitzt entweder die Form einer Schleife (Fig. 217; Fig. 218), oder besteht nur aus 2 einfachen Stielen (Crura) (Fig. 214 K cr). Der Schlossrand ist meist gebogen, selten gerade. Vom Silur bis zur Gegenwart. Die Maximalentwickelung fällt in das Mesozoicum.
9. Fam. Rhynchonellidae.
Schale beiderseits gewölbt, meist faserig. Schnabel spitz, umgebogen. Schlossrand fast immer gebogen. Radiale Berippung herrscht vor. Mehrere paläozoische, eine paläozoisch — lebende Gattung. Die wichtigsten Gattungen lassen sich nach den, durch Anschleifen oder Anätzen leicht sichtbar zu machenden Mittelleisten folgendermaassen unterscheiden:
A.Eine Mittelleiste nur in der kleineren Klappe vorhanden (Fig. 214 K m)Rhynchonella.
B.Mittelleisten in beiden Klappen (Fig. 215 B s, s’; Fig. 216 A s’, cp).
a.Mittelleiste der grösseren Klappe kurz (Fig. 215 B s), die der kleineren stets einfach (Fig. 215 B s’)Camarophoria.
b.Mittelleiste der grösseren Klappe lang (Fig. 216 C s), die der kleineren meist doppelt (Fig. 216 A cp)Pentamerus.

Fig. 214. A–L Rhynchonella. A, B Rh. cuboides Phill. Oberdevon. Grund im Harz. w = Wulst der kleineren, s = Sinus der grösseren Klappe. A von vorn, B von unten gesehen. C, D Rh. cornigera Schfh. sp. Rhät. Piesting, österreichische Alpen. C von unten, D von vorn. E Rh. gryphitica Qu. Unterer Lias (α). Metz. F Rh. acuta Sow. sp. Mittlerer Lias (δ). Uhrweiler, Unterelsass. G Rh. spinosa Schl. sp. Oberer Dogger (Varians-Schichten). Pfirt, Oberelsass. H, I Rh. varians Schl. sp. Dieselbe Schicht. Blumberg am Randen. I von unten. K, L Rh. psittacea Lmk. Lebend. K kleinere, L grössere Klappe von innen. p’ = Zahngrubenplatte; cr = Crura; m = Mittelleiste; s’ = Schliessmuskeleindrücke; f = Schnabelloch (Foramen); d = Deltidium; z = Schlosszähne; s = Eindrücke der Schliessmuskeln; di = Eindrücke der Oeffnungsmuskeln.
Rhynchonella Fisch. (Fig. 214 A–L). Schale meist faserig und radial gefaltet. Schnabel der grösseren Klappe klein, umgebogen und spitz, mit gewöhnlich kleinem, vom Deltidium (L d) umschlossenen Schnabelloch (L f). Schlosszähne (L z) durch Zahnplatten mit der Schale verbunden. Die Eindrücke der Schliessmuskeln (L s) der grösseren Klappe klein, die der Oeffnungsmuskeln (L di) gross, tief herabreichend. Kleinere Klappe mit Zahngrubenplättchen (K p’), hinter welche die Zähne der grösseren eingreifen, und mit 2 gebogenen, stielartigen Fortsätzen (Crura — K cr), an welche die Arme sich anheften. Eine kurze Mittelleiste (K m) trennt die beiden Paare der Schliessmuskeleindrücke (K s’). Meist besitzt die grössere Klappe eine mittlere Einsenkung (Sinus B s, I s), welcher ein Wulst der kleineren Klappe entspricht (A w, F w, H w, I w); sehr selten sind Formen mit Sinus in beiden Klappen (C). In mehr als 500 Arten vom Silur bis zur Gegenwart, am formenreichsten im Mesozoicum, namentlich in Jura und Kreide. Tertiär und Lebend nur wenige Arten.
1. Schale gerippt, mit Sinus und Wulst (Fig. 214 A, B, E, H, I).
Rh. capax Conr. (Leth. pal., t. 4, Fig. 13). Untersilur. Nordamerika.
Rh. borealis Schl. sp. Ober-, selten Untersilur. Nordeuropa.
Rh. nucula Sow. sp. Obersilur. Nordeuropa. Häufig in den diluvialen Geschieben Norddeutschlands (Beyrichienkalk).
Rh. cuneata Dalm. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 9).}Obersilur. Europa, Nordamerika.
Rh. Wilsoni Sow. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 6).
Rh. livonica v. B. sp. (Leth. pal., t. 23, Fig. 7). Unter- und Mitteldevon. Europa, Nordamerika.
Rh. parallelepipeda Bron. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 18). Mitteldevon. Europa, China.
Rh. pugnus Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 2). Mitteldevon — Carbon. Europa, China.
Rh. cuboides Sow. sp. (Fig. 214 A, B). Oberdevon. Europa, Nordamerika, Kleinasien.
Rh. pleurodon Phill. sp. Mitteldevon — Carbon. Europa.
Rh. fissicostata Suess. Alpiner Rhät.
Nachstehende Arten gehören zu den häufigsten und bezeichnendsten Vorkommnissen im Jura und in der Kreide Mitteleuropas, fehlen aber meist in den Ablagerungen der südeuropäischen Facies:
Rh. gryphitica Qu. (Fig. 214 E). Unterer Lias (α).
Rh. rimosa v. B. sp. Mittlerer Lias (γ).
Rh. tetraëdra Sow. sp. Mittlerer Lias (δ).
Rh. concinna Sow. sp. Oberer Dogger.
Rh. varians Schl. sp. (Fig. 214 H, I). Oberer Dogger (Varians-Schichten).
Rh. Thurmanni Voltz sp. Oxford. Besonders häufig im Terrain à chailles.
Rh. lacunosa Schl. sp. Oberer Malm.
Rh. multiformis Rö. sp. Neocom.
Rh. depressa Sow. sp. Untere Kreide.
Rh. compressa Lmk. sp. Cenoman.
Rh. plicatilis Sow. sp. Obere Kreide.
Rh. limbata Sow. sp. Senon.
Rh. psittacea Lmk. sp. (Fig. 214 K, L). Pliocän, Quartär und Lebend. Nordeuropa, Nordamerika.
2. Schale gerippt, mit Sinus in beiden Klappen (Fig. 214 C, D).
Rh. pedata Bronn. sp. Alpiner Keuper.
Rh. cornigera Schfh. sp. (Fig. 214 C, D). Alpiner Rhät.
3. Schale schwach gefaltet oder glatt, mit kielartigem Wulst in der kleinen Klappe (Fig. 214 F w).
Rh. acuminata Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 3). Mitteldevon — Subcarbon. Ueberall verbreitet.
Rh. acuta Sow. sp. (Fig. 214 F). Mittlerer Lias (δ). Mitteleuropa.
4. Schale gerippt, ohne Sinus und Wulst.
Rh. peregrina v. B. sp. Neocom. Westalpen, Cevennen, Apennin, Ostkarpathen. Die grösste Art der Gattung.
5. Die Rippen der Schale mit Stacheln verziert (Fig. 214 G).
Rh. spinosa Schl. sp. (Fig. 214 G). Mittlerer Dogger — Callovien. Mitteleuropa.
Camarophoria King (Fig. 215 A, B). Im Habitus von Rhynchonella nicht unterschieden (A), aber durch die stärkere Ausbildung der Mittelleisten abweichend. An die Zähne der grösseren Klappe schliessen sich starke Zahnplatten (B zp) an, welche sich zu einer Mittelleiste (s) vereinigen. Die hohe Mittelleiste der kleineren Klappe (s’) seitlich durch flügelartige Zahnplatten (zp’) mit der Schale verbunden. Schlossfortsatz (f) stärker entwickelt als bei Rhynchonella. Die Stiele (cr) lang und dünn. Devon — Perm. Im Perm viel häufiger als Rhynchonella.

Fig. 215. A, B Camarophoria Schlotheimi v. B. sp. Perm (Zechstein). England. B das Schloss von innen gesehen; oben die grössere, unten die kleinere Klappe. s = Mittelleiste, zp = Zahnplatten der grösseren Klappe; f = Schlossfortsatz, cr = Stiele, zp’ = Zahnplatten, s’ = Mittelleiste der kleineren Klappe.
C. rhomboidea Phill. sp. Mitteldevon — Carbon. Russland, Deutschland, Belgien, England.
C. globulina Phill. Subcarbon — Perm. Europa, Indien.
C. Schlotheimi v. B. sp. (Fig. 215). Perm. Russland, Thüringen, England.

Fig. 216. A–D Pentamerus. A P. galeatus Dalm. sp. Obersilur. England. B P. Knightii Sow. Ebendaher. In der Mitte durchgespalten. C, D P. brevirostris Phill. Devon. England. C Innenansicht der grösseren, D der kleineren Klappe. s = Mittelleiste der grösseren, s’ = diejenige der kleineren Klappe; zp = Zahnplatten; cp = Cruralplatten; zg = Zahngruben.
Pentamerus Sow. (Fig. 216 A–D). Schale meist stark gewölbt, mit grossem, umgebogenem und spitzem Schnabel, ohne Area und Deltidium, häufig radial gerippt, selten glatt. Gewöhnlich ein Sinus und Wulst vorhanden. Die Schlosszähne der grösseren Klappe werden durch starke Zahnplatten (C zp, B zp) gestützt, die sich gegen die Schale hin zu einer langen Mittelleiste (A s, B s, C s) vereinigen. In der Mitte der kleineren Klappe befinden sich an die Schale angeheftet 2 getrennte — oder eine einfache, aber aus 2 Blättern bestehende — Mittelleisten (s’), die sich ebenfalls in schräge Platten (sog. Cruralplatten — cp) fortsetzen. Letztere reichen bis über die Zahngruben hinauf und dienten an Stelle der Crura zur Anheftung der Arme. Durch die Zahn- und Cruralplatten wird eine, nur nach unten mit der Schalenhöhlung communicirende Kammer gebildet. Da die Mittelleisten gewöhnlich aus 2 gesonderten Blättern bestehen, so spaltet die Schale beim Zerschlagen leicht in 2 symmetrische Hälften (B). Eine ausschliesslich silurische und devonische Gattung.
P. Knightii Sow. (Fig. 216 B) (Leth. pal., t. 13, Fig. 3). Obersilur. Nordeuropa, Nordamerika.
P. conchidium Dalm. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 5). Obersilur. Nordeuropa, Nordamerika.
P. galeatus Dalm. sp. (Fig. 216 A). Häufig im Obersilur Europas und Nordamerikas; im Devon Europas, Asiens und Nordamerikas.
P. brevirostris Dav. (Fig. 216 C, D). Mitteldevon. Eifel, England.
10. Fam. Terebratulidae.
Schale von meist gerundetem, selten eckigem Umriss, punktirt. Armgerüst eine kürzere oder längere, am Schlossrande befestigte, aber mit der Schale der kleineren Klappe höchstens durch 2 schmale Querbrücken (Fig. 219 A q) befestigte Schleife bildend (Fig. 217 B, D, F; Fig. 218 B; Fig. 219 A). Schlossfortsatz kurz. In der kleineren Klappe häufig eine Mittelleiste. Schnabelspitze durchbohrt. Diese Familie beginnt schon im paläozoischen Zeitalter, erreicht im Mesozoicum, namentlich in Jura und Kreide, ihre stärkste Entwickelung (mehrere 100 Arten) und ist im Tertiär und in der Jetztwelt noch durch eine geringere Anzahl von Arten vertreten. Die Mehrzahl der lebenden Brachiopoden (ca. 60) gehört hierher. Man unterscheidet 2 Gattungen, die wiederum in eine grosse Zahl von Untergattungen oder Gruppen zerlegt werden.
Schlossrand meist gebogen. Schleife frei in das Schaleninnere herabhängend (Fig. 217 B, D, F; 218 B)Terebratula.
Schlossrand meist gerade. Schleife in der Mitte der Schale durch 2 Querbrücken (Fig. 219 A q) an dieselbe befestigtTerebratella.
Terebratula (Fig. 217; Fig. 218). Schale beiderseits gewölbt oder eine Klappe eingedrückt, glatt oder radial berippt, zuweilen auch gefaltet. Schnabel meist kurz und übergebogen, durchbohrt und abgestutzt. Kleinere Klappe ohne oder mit Mittelleiste (s’). Das Armgerüst bildet eine am Schlossrande der kleineren Klappe mit Hülfe zweier Stiele (cr) befestigte Schleife von W-förmiger Gestalt. Dieselbe besteht aus 2 absteigenden (a) und 2 aufsteigenden Aesten (a’). Letztere vereinigen sich unter spitzem Winkel (Fig. 217 B, D), oder werden durch eine plattenförmige Ausbreitung (Fig. 217 F pl) oder durch ein Querband (Fig. 218 B q) zusammengehalten. Die Crura endigen meist in spitzen Fortsätzen (Cruralfortsätzen — Fig. 217 D cf, F cf; Fig. 218 B cf), die nur selten zu einem Bande verschmelzen (Fig. 217 B cf). Man unterscheidet kurze (die Mitte der Schale nicht erreichende — Fig. 217 B, D, F) und lange (über die Mitte hinabgehende Schleifen — Fig. 218 B). Der Schlossfortsatz (sf) ist stets kurz. Neben der Anheftungsstelle der Crura befindet sich jederseits eine deutliche Zahngrube (z’). Die grössere Klappe überragt die kleinere meist nur wenig, besitzt einen abgestutzten — nicht spitzen, wie bei Rhynchonella — und von einem kleinen oder grossen Loche (f) durchbohrten Schnabel. Eine Area wird häufig durch scharfe Kanten (sog. Arealkanten — Fig. 218 A k) abgetrennt. Das Deltidium befindet sich unterhalb (Fig. 218 A d) oder auch seitlich vom Schnabelloche (Fig. 217 A d). Die 2 Schlosszähne werden häufig durch Zahnplatten gestützt, welche als senkrechte Scheidewände den Schnabel der grösseren Klappe durchsetzen.

Fig. 217. A–K Terebratula. A, B T. (Terebratulina) gracilis Schl. Obere Kreide (Senon). Dover, England. B kleinere Klappe von innen. C, D T. biplicata Sow. Cenoman. Warminster, England. D wie B. E, F T. (Coenothyris) vulgaris Schl. Unterer Muschelkalk. Recoaro, Südalpen. F wie B. G, H T. (Pygope) Aspasia Men. Lias. Sicilien. H von unten gesehen. I T. (Pygope) diphya Col. Oberer Malm (Tithon). Trient, Südtirol. K T. (Dictyothyris) coarctata Park. Oberer Dogger. England. Bezeichnung der Buchstaben: Kleinere Klappe: o = Ohr; s’ = Mittelleisten; w = Wulst; s = Sinus; f’ = Falte; l = Mittelloch; fl = Flügel; e = Gefässeindrücke; sf = Schlossfortsatz; z’ = Zahngrube; sp = Zahngrubenplättchen; cr = Crura; cf = Cruralfortsatz; a = absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; pl = Schleifenplatte. Grössere Klappe: f = Schnabelloch (Foramen); d = Deltidium.

Fig. 218. A–F Terebratula. A T. (Zeilleria) lagenalis Schl. sp. Oberer Dogger (Cornbrash). England. B T. (Zeilleria) digona Sow. Oberer Dogger (Great Oolit). England. Innenansicht der kleineren Klappe. C T. (Zeilleria) numismalis Lmk. Mittlerer Lias. England. D, E T. (Aulacothyris) impressa Br. Unteres Oxford (Impressathone). Schwaben. E Ansicht von unten. F T. (Antiptychina) bivallata Desl. Oberer Dogger. La Voulte, Ardèche. f = Schnabelloch; k = Arealkanten; d = Deltidium; s’ = Mittelleiste; w = Wulst; f’ = Falte; s = Sinus; sp = Zahngrubenplättchen; z’ = Zahngrube; cr = Crura; cf = Cruralfortsätze; a = absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; q = Querband.
Die mesozoische Brachiopodenfauna erhält durch das Ueberwiegen der Terebrateln (und der Rhynchonellen) über alle anderen Formen ihr eigenthümliches Gepräge. Mehr als 300 Arten sind bekannt; davon kommen nur wenige in paläozoischen Schichten (Silur — Perm) vor, die meisten sind auf das Mesozoicum beschränkt; auf Tertiär und Jetztzeit kommen nur noch etwa 50. Wegen der grossen Formenmannigfaltigkeit hat man sich zur Unterscheidung zahlreicher, zum Theil sehr gut charakterisirter Gruppen oder Untergattungen genöthigt gesehen, deren wichtigste wegen der hohen geologischen Bedeutung der Gattung im Nachstehenden aufgeführt sind. Zur Unterscheidung derselben ist häufig ein Anschleifen oder Anätzen (mit HCl) der Schale erforderlich, um über die Länge der Schleife, oder das Fehlen oder Vorhandensein einer Mittelleiste, ev. auch der Zahnstützen, Gewissheit zu erlangen.
A.Schalenoberfläche mit feinen radialen Streifen bedeckt. Schleife kurz. Schlossrand gerade oder schwach gebogen. Schnabelloch gross (Fig. 217 A, K).
a.Schale ungefaltet oder schwach gefaltet. Kleinere Klappe oft mit ohrförmigen Ausbreitungen. Cruralfortsätze zu einem Querband verwachsen. Jura — Lebend.
(Fig. 217 A, B — Terebratulina.)
T. substriata Schl. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. chrysalis Schl.}Obere Kreide. Mittel- und Nordeuropa.
T. rigida Schl.
T. gracilis Schl. (Fig. 217 A, B). Senon. Mittel- und Nordeuropa.
T. striatula Sow. Eocän. Europa.
T. caput serpentis L. sp. Pliocän. England. Lebend. Norwegen.
b.Schale gefaltet. Kleinere Klappe mit Mittelwulst und 2 einschliessenden Falten. Dogger — Neocom.
(Fig. 217 K — Dictyothyris.)
T. coarctata Park. (Fig. 217 K). Oberer Dogger. England, Frankreich.
B.Schalenoberfläche glatt oder grob gefaltet, nie fein gestreift.
a.Kleinere Klappe ohne deutliche Mittelleiste.
α.Schale beiderseits mehr oder minder regelmässig gewölbt oder am Stirnrand gefaltet (meist mit 2 Falten in beiden Klappen). Arealkanten undeutlich. Schnabelloch gross. Devon — Lebend.
(Fig. 217 C, D — Terebratula s. str. [Biplicatae].)
T. sacculus Mart. sp. Mitteldevon — Carbon. Europa.
T. hastata Sow. (Leth. pal., t. 43, Fig. 1). Kohlenformation. Europa, China.
T. elongata Schl. (Leth. pal., t. 62, Fig. 11). Perm (Zechstein). Europa.
T. gregaria Suess. Alpiner Rhät. Unterer Lias in und ausserhalb der Alpen.
T. punctata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
T. perovalis Sow. Unterer Dogger. Mitteleuropa.
T. maxillata Sow.}Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. intermedia Sow.
T. Galliennei d’Orb. Oxford. Mitteleuropa.
T. insignis Schübl.}Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. bisuffarcinata Schl.
T. subsella Leym. Oberer Malm (Kimmeridge). Mitteleuropa.
T. praelonga Sow. Neocom. Mitteleuropa.
T. Moutoniana d’Orb. Untere Kreide (Gault). Mitteleuropa.
T. biplicata Sow. (Fig. 217 C, D). Gault und Cenoman. Mitteleuropa.
T. semiglobosa Sow. Gault — Turon. Mitteleuropa.
T. carnea Sow. Turon und Senon. Mitteleuropa.
T. grandis Blum. Oligocän — Pliocän. Mitteleuropa.
T. ampulla Brocc. Miocän. Mitteleuropa.
T. vitrea Born. sp. Lebend. Mittelmeer.
β.Kleinere Klappe mit tief zurückgebogenem Sinus (Fig 217 G s, H s) oder Schale dreieckig und meist gelocht (Fig. 217 I l). Arealkanten meist scharf. Schnabelloch meist klein. Jura und untere Kreide.
(Fig. 217 G–I — Pygope.)
1.Schale niedrig, undurchbohrt [Nucleatae].
T. Aspasia Men. (Fig. 217 G, H). Lias. Südeuropa.
T. nucleata Schl. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
2.Schale dreieckig, hoch, meist von einem Loche durchbohrt (Fig. 217 I l). In der Jugend von der Form der Nucleatae, aus denen sie durch flügelartige Verlängerung der Schale nach unten und Verwachsen der Flügel (I fl) entstehen. [Diphyae]. Südeuropa.
T. diphya Col. (Fig. 217 I).}Bezeichnend für die tithonische Facies des oberen südeuropäischen Malm (Diphya-Kalk); seltener im Neocom.
T. janitor Pict.
T. diphyoides d’Orb. Bezeichnend für die gleiche Facies der untersten Kreide.
b.Kleinere Klappe mit deutlicher Mittelleiste (s’), die oft durch die Schale durchschimmert.
α.Schleife die Schalenmitte nicht erreichend. Die aufsteigenden Arme in einer Platte (Fig. 217 F pl) vereinigt. Schnabelloch gross. Gestalt wie Terebratula. Trias
(Fig. 217 E, F — Coenothyris.)
T. vulgaris Schl. (Fig. 217 E, F). Leitfossil für den Muschelkalk, in den Alpen nur in der unteren Abtheilung desselben. »Terebratula-Bänke«.
β.Schleife bis zur oder (meist) über die Schalenmitte reichend. Die aufsteigenden Aeste durch Querband vereinigt. Arealkanten meist scharf.
(Fig. 218 — Waldheimia.)
1.Schnabelloch sehr gross. Schale mit zahlreichen, nie mit wenigen Falten oder glatt.
T. cardium Lmk. Oberer Dogger. England, Frankreich.
T. flavescens Val. (Fig. 195). Lebend. Australien.
2.Schnabelloch meist klein; wenn mässig gross, Schale mit wenigen Falten.
*Schale ungefaltet oder mit correspondirenden Wülsten oder Falten auf beiden Klappen. Silur — Eocän, hauptsächlich Jura.
(Fig. 218 A–C — Zeilleria [Cinctae].)
T. melonica Barr. sp. Unterdevon (Silur F). Böhmen.
T. cornuta Sow. Alpiner Rhät. Im unteren und mittleren Lias ausserhalb der Alpen.
T. perforata Piette. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
T. numismalis Lmk. (Fig. 218 C). Mittlerer Lias (γ) (Numismalismergel). Mitteleuropa.
T. ornithocephala Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. lagenalis Schl. (Fig. 218 A). Oberster Dogger. Mitteleuropa. (Lagenalisschichten.)
T. digona Sow. Oberer Dogger. England, Frankreich.
T. humeralis Rö. Oberer Malm. Mitteleuropa.
T. pseudojurensis Leym. Neocom. Mitteleuropa.
**Kleinere Klappe mit langem mittleren Sinus, grössere mit entsprechendem Wulst. Silur — untere Kreide, hauptsächlich Jura.
(Fig. 218 D, E — Aulacothyris.)
T. angusta Schl. Muschelkalk, besonders in den Alpen.
T. resupinata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
T. carinata Lmk. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
T. pala Buch. Callovien. Mitteleuropa, Alpen.
T. hippopus Rö. Neocom. Mitteleuropa.
***Kleinere Klappe mit langem und tiefem Sinus, der durch einen Mittelwulst in 2 Falten zerlegt ist. Silur — untere Kreide.
(Fig. 218 F — Antiptychina.)
T. Mawii Dav. Obersilur. England.
T. bivallata Del. (Fig. 218 F). Oberer Dogger. Südfrankreich, Nord- und Südalpen.
T. Vilsensis Opp. Alpines Callovien.
Terebratella d’Orb. (Fig. 219 A–E). Schale meist beiderseits gewölbt oder kleinere Klappe flach. Schnabel in der Regel gross, mit meist grossem Schnabelloch (f), hoher Area (a) und deutlichem Deltidium (d). Schlossrand mehr oder weniger gerade. Mittelleiste (s’) stark entwickelt, stets durch eine Querbrücke (q) mit dem absteigenden Aste (a) der langen Schleife verbunden. Schale meist gefältelt und oft mit concentrischen Streifen (B, C), seltener glatt (D, E). Die mannigfachen Modificationen der Armschleife haben auch bei dieser Gattung zur Abzweigung zahlreicher Untergattungen Veranlassung gegeben. Von weit geringerer Wichtigkeit als Terebratula. Beginnt im Lias, ist häufig in Jura und Kreide und wird jetzt noch durch zahlreiche lebende Formen vertreten.

Fig. 219. A–E Terebratella. A, B T. Menardi Lmk. sp. Untere Kreide (Aptien). Farringdon, England. A kleinere Klappe von innen. z’ = Zahngruben; sl = Schlossfortsatz; cr = Crura; a = absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; q = Querband, welches den absteigenden Ast (a) mit der Mittelleiste (s–s’) verbindet; B–E f = Schnabelloch; a = Area; d = Deltidium. C T. (Megerlea) pectunculus Schl. sp. Oberer Malm. Franken. D T. (Kingena) lima Dfr. sp. Senon. England. E T. (Magas) pumilus Sow. Senon. England.
A. Schale radial gerippt oder gestreift.
T. (Megerlea) pectunculus Schl. sp. (Fig. 219 C). Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. (Megerlea) loricata Schl. sp. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. (Megerlea) truncata Gmel. sp. Lebend. Mittelmeer.
T. oblonga Sow. sp. Neocom — Aptien. Mitteleuropa.
T. Menardi Lmk. sp. (Fig. 219 A, B). Obere Kreide. Mitteleuropa.
T. pectita Sow. sp. Cenoman. Mitteleuropa.
B. Glatte Formen.
T. (Magas) Geinitzi Schlönb. Cenoman und Turon. Mitteleuropa.
T. (Magas) pumilus Sow. (Fig. 219 E). Senon. Mitteleuropa.
T. (Kingena) lima Dfr. sp. (Fig. 219 D). Gault — Senon. Mitteleuropa.
11. Fam. Stringocephalidae.
Diese ausgestorbene Familie ist nur durch eine Gattung
Stringocephalus Dfr. (Fig. 220 A, B) vertreten, welche die grössten der Terebratula-artigen Schalen enthält (bis 0,14 m im Durchmesser haltend). — An der nicht punktirten Schalenstructur und dem unterhalb der Schnabelspitze gelegenen Loch (f) leicht zu erkennen. Eine grosse Area (a) und ein das Schnabelloch umfassendes Deltidium (d) vorhanden. Das Armgerüst ist schleifenförmig wie bei Terebratula, heftet sich mit seinen Stielen (cr) an den Schlossrand, steigt erst über die Mitte der Schale herunter, dann wieder ganz in die Höhe und erreicht, der kleineren Klappe eng anliegend, nahezu den Grund der Schale (B). Vom letzten Bogen der Schleife gehen schräg nach oben und hinten gerichtete Fortsätze ab (st). Der stark entwickelte Schlossfortsatz (sf) reicht fast bis zur grösseren Klappe und umfasst mit seinem gespaltenen Ende die lange Mittelleiste (s) derselben. Auch die Mittelleiste der kleineren Klappe (s’) ist sehr lang. Devon. Häufig ist nur eine Art
Str. Burtini Dfr. sp. (Fig. 220) im oberen Mitteldevon (Stringocephalenkalk) Deutschlands, Belgiens, Englands und am Ural.

Fig. 220. A, B Stringocephalus Burtini Dfr. sp. Mitteldevon. Paffrath b. Köln. B restaurirte Innenansicht, von der Seite. f = Schnabelloch; d = Deltidium; a = Area; s = Mittelleiste der grösseren, s’ = der kleineren Klappe; cr = Crura; st = Fortsätze der Schleife; sf = gespaltener Schlossfortsatz.
12. Fam. Thecideidae.
Zu dieser Familie gehören kleine Formen, die meist festgewachsen, seltener frei und mit einer Durchbohrung in der grösseren Klappe versehen sind. Der Schlossrand ist stets gerade. Das Armgerüst besitzt Schleifenform, ist aber meist in seiner ganzen Ausdehnung mit der kleineren Klappe verwachsen und häufig mit nach innen gerichteten Fortsätzen versehen. Vom Perm bis zur Jetztzeit entwickelt. Einigermaassen häufig findet sich im Mesozoicum, namentlich in der Kreide, die Gattung
Thecidea Dfr., die an der dreieckigen Area und dem Pseudodeltidium in der festgewachsenen grösseren Klappe leicht kenntlich ist.
Th. antiqua Gf. Unteres Oxford. Süddeutschland.
Th. papillata Schl.}Obere Kreide. Mitteleuropa.
Th. hieroglyphica Dfr.
Th. mediterranea Risso. Lebend. Mittelmeer.
Die ausserordentliche Formenmannigfaltigkeit der fossilen Brachiopoden (man unterscheidet über 2500 Arten) und das massenhafte Auftreten derselben in marinen Ablagerungen aus mässig tiefem Wasser stempelt sie zu werthvollen Leitfossilien, namentlich für die paläozoischen und mesozoischen Formationen; doch wirkt immerhin die grosse Variabilität innerhalb der formenreichen Gattungen, wie Productus, Rhynchonella, Terebratula und die erstaunliche Persistenz mancher Typen, wie Lingula, Rhynchonella, etwas hindernd. Das Dominiren der niedriger organisirten Ecardines in den ältesten (cambrischen und silurischen) Bildungen, das Ueberwiegen der Productacea und Spiriferacea in den paläozoischen, der Terebratulacea in den mesozoischen Formationen und die untergeordnete Rolle, welche die Brachiopoden in der heutigen Fauna spielen, sind sehr bemerkenswerthe Thatsachen.
Die geologische Verbreitung der angeführten Gattungen ist aus nachstehender Tabelle ersichtlich.
LingulaObolusDiscina CraniaProductusStrophalosiaChonetes OrthisStreptorhynchusStrophomenaLeptaena SpiriferAthyrisRetziaUncites AtrypaRhynchonellaCamarophoriaPentamerus TerebratulaTerebratellaStringocephalusThecidea
Lebend†††††††
Tertiär†††††††
Kreide†††††††
††
Jura††††††††
††
Trias†††††††††
Perm††††††††††††††
†††
Kohlenformation † † † † † † † † † † † † † † † † † ?
†††
Devon † † † † † † † † † † † † † † † † † † † †
††
Silur † † † † † † † † † ? † † † † †
†
Cambrium † † † †
†
VII. Kreis: Mollusca (Weichthiere).
Litteratur über Mollusca.
Grössere Werke, in denen fossile Lamellibranchiata, Gastropoda und Cephalopoda gleichzeitig behandelt sind. Diejenigen, welche Cephalopoden enthalten, sind mit † versehen.
Paläozoische Formationen.
Geinitz, H. B. Dyas. Leipzig 1861. Nachträge I, II. 1880–82.
†Geological Survey of Illinois. Vol. II–VII. 1866–1883.
†Hall, J. Palaeontology of New-York. Vol. I–V. Albany. 1847–1885.
King, W. Monograph of the Permian Fossils of England. (Palaeontogr. Society 1849.)
†M’Coy, Fr. Systematic Description of the British Palaeozoic Fossils. London 1851–1855. (Zweiter Theil von Sedgwick’s Synopsis of the Classification of the British Palaeozoic Rocks.)
Sandberger, G. und F. Die Versteinerungen des rheinischen Schichtensystems in Nassau. 1850–1856.
Mesozoische Formationen.
Alberti, F. Überblick über die Trias. Stuttgart 1864.
†Geinitz, H. B. Das Elbthalgebirge in Sachsen (Paläontograph. Bd. XXX. 1870–75).
†Laube, G. Die Fauna von St. Cassian (Denkschr. d. Wiener Akad. d. W. Bd. XXV. 1866).
Morris & Lycett. Monograph of the Mollusca of the Great Oolite; and Supplement. (Palaeont. Society 1850, 1854, 1863.)
†Pictet et Campiche. Description des Fossiles du terrain crétacé de Ste. Croix. In Pictet, matériaux pour la Paléontologie Suisse. V Sér.