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Elemente der Paläontologie

SYSTEMATIK. (continued 6)

Reading edition

Die Gattung Radiolites ist wie Hippurites auf die Kreide beschränkt, scheint aber schon in der unteren Abtheilung derselben zu beginnen. Die horizontale Verbreitung ist grösser als bei Hippurites — Nord- und Südeuropa, Nordafrika, Persien, Indien, Südamerika, Nordamerika.

? R. Blumenbachi Stud. Häufig im Urgon (Schrattenkalk) der Alpen. Verwandte Formen in Südamerika.

R. foliaceus Desm. Cenoman. Frankreich.

R. saxonicus Gein. Cenoman. Sachsen, Böhmen.

R. (Biradiolites) cornu-pastoris Desm. (Fig. 279). Mittleres Turon (Carentonien). Südfrankreich.

R. radiosus d’Orb.}Oberes Turon (Provencien). Südfrankreich.

R. Sauvagesi H. F.

R. augeoides Lap. Oberes Turon (Provencien). Südfrankreich, Gosau.

R. Hoeninghausi Desm. Senon. Südfrankreich, Turkestan.

R. alatus d’Orb. Senon. Südfrankreich.

R. cylindraceus Desm. Danien. Südfrankreich.

R. suecicus Lundgr. Danien. Dänemark.

6. Ordnung Anisomyaria (= Dysodonta).

Schlosszähne fehlen meist, wenn vorhanden, isodont oder unregelmässig. 2 sehr ungleiche oder 1 einziger, dem Hinterrande genäherter (hinterer) Muskeleindruck. Mantellinie, mit sehr seltenen Ausnahmen, einfach, oft verwischt. Band äusserlich oder innerlich.

Die Dysodonta sind schon in paläozoischen Ablagerungen vertreten. Manche der älteren Formen (Pterinea) stehen in ihrer Zahn- und Bandbildung gewissen Taxodonten (Cucullaea) nahe, andere mesozoische Formen nähern sich durch ihre Dünnschaligkeit (Pseudomonotis) gewissen Paläoconchen (Monotis, p. 239).

Die Maximalentwickelung der Ordnung fällt in das Mesozoicum und Känozoicum.

Man unterscheidet 3 Unterordnungen, jede mit mehreren Familien, die sich folgendermaassen charakterisiren lassen:

A.Schloss unsymmetrisch: Vertheilung des Ligaments und der Zähne zu beiden Seiten des Wirbels verschieden. Meist 2, sehr ungleiche Muskeleindrücke. Schale meist sehr ungleichseitig, schief (Fig. 281–289)1. Mytilacea (Heteromyaria).

B.Schloss symmetrisch: Ligament in einer centralen Grube; Zähne, wenn vorhanden, zu beiden Seiten des Bandes symmetrisch, isodont oder taxodont. Meist nur 1 (hinterer) Muskeleindruck vorhanden(Monomyaria).

a.Schlossrand mehr oder weniger gerade, aber meist kurz. Schale gleichklappig oder ungleichklappig, in der Regel mit Ohren, zuweilen mit der rechten Klappe festgewachsen. Zähne zuweilen vorhanden.2. Pectinacea.

b.Schlossrand meist gebogen. Schale meist sehr ungleichklappig. Linke (grössere) Klappe in der Regel festgewachsen. Zähne fehlen.3. Ostracea.

1. Unterordnung Mytilacea.

Schale gleichklappig oder ungleichklappig, meist sehr ungleichseitig, mit Byssus festgeheftet. Vorderer Muskeleindruck klein (selten fehlend), in der Nähe des Wirbels gelegen (Fig. 281 m), hinterer gross, vom Wirbel entfernt (Fig. 281 n). Wirbel meist nach vorn gerückt (Fig. 281 w). Ligament linear, nicht auf eine Grube unter dem Wirbel beschränkt. Folgende 2 Familien sind besonders wichtig:

Fam. Aviculidae. Schlossrand gerade. Schale meist vorn oder hinten oder beiderseits geflügelt oder geohrt. Rechte Klappe meist flacher als die linke und in der Regel mit einem Byssusausschnitt unter dem vorderen Ohr (Fig. 281 a). Zähne oft vorhanden, aber undeutlich und unsymmetrisch gestellt (Fig. 281 vz, hz). Eine äussere, prismatische Schalenschicht vorhanden. Vom Silur bis zur Gegenwart. Nur marin.

Fam. Mytilidae. Schlossrand meist gebogen. Schale gleichklappig, ohne Ohren oder Flügel. Zähne kaum entwickelt. Aeussere prismatische Schalenschicht undeutlich prismatisch. Vom Silur bis zur Gegenwart. Im Meer- und Süsswasser.

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Fig. 281. Pterinea laevis Gf. Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge. Linke Klappe von innen (oben) und Steinkern derselben (unten). w = Wirbel; vz = Vorderzähne, hz = Hinterzähne; vo = vorderes, ho = hinteres Ohr; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; a = Ausbuchtung der Schale unter dem vorderen Ohr; r = Bandfeld.

Fam. Aviculidae.

Gruppe A. Ligament einfach, nicht quergetheilt.

Pterinea Gf. (Fig. 281). Schale dick, ungleichseitig, schief, vorn mit kurzem (vo), hinten mit langem, flügelartigem Ohr (ho). Oberfläche meist radial berippt und concentrisch gestreift. Bandfeld lang und breit, längsgefurcht, dem Schlossrande parallel (r). (Vgl. Arcidae p. 247.) Vor dem Wirbel einige kurze (vz), hinter demselben einige lange Leistenzähne (hz). Rechte Klappe flacher als die linke und mit einem tiefen Byssusausschnitt unter dem Vorderohr. Silur und Devon häufig.

Pt. retroflexa His. sp.}(Leth. pal., t. 14, Fig. 1). Obersilur. Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

Pt. reticulata His. sp.

Pt. fasciculata Gf.}Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge, Harz.

Pt. lineata Gf.

Pt. laevis Gf. (Fig. 281)

Pseudomonotis Beyr. (Fig. 282 A–C). Schale schief, rundlich oval, radial und concentrisch gestreift, geohrt (o). Linke Klappe (A) gewölbt, mit vorstehendem Wirbel, rechte Klappe (C) schwach gewölbt, flach oder concav, mit zurücktretendem Wirbel und tiefem, ein schmales, vorstehendes Byssusohr (b’) abtrennendem Byssusausschnitt, stets kleiner als die rechte (B). Ligament in einer verlängerten Grube hinter dem Wirbel. Vorderer Muskeleindruck in der Wirbelhöhlung gelegen. Zuweilen ein kleiner Schlosszahn entwickelt. Vom Devon bis in die Kreide häufig, jünger nicht bekannt.

Ps. bifida Sdb. sp. Unterdevon. Nassau.

Ps. speluncaria Schl. sp. Perm. Europa, Indien, Nordamerika.

Ps. Clarai Emmr. sp. Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.). Südalpen, Balkanhalbinsel.

Ps. ochotica Keys. sp. (Fig. 282 A). Norische Stufe. Ostasien, Amerika, Neuseeland.

Ps. cygnipes Y. & B. sp. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

Ps. inaequivalvis Münst. sp. Lias. Mitteleuropa.

Ps. substriata Münst. sp. Oberer Lias (Posidonien-Sch.). Mitteleuropa.

Ps. Münsteri Bronn. sp. Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.

Ps. echinata Sow. sp. (Fig. 282 B). Oberer Dogger. Mitteleuropa.

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Fig. 282. A–C Pseudomonotis. A Ps. ochotica Keys. sp. Norische Stufe. Californien. Linke Klappe. o = hinteres Ohr. C dieselbe von Wershojank, Ostsibirien. Rechte Klappe. b’ = Byssusohr; o’ = hinteres Ohr. B Ps. echinata Sow. sp. Oberer Dogger. (Great Oolite) Wiltshire. Schale gegen die kleinere (rechte) Klappe gesehen.

Avicula Klein (Fig. 283). Schale weniger ungleichklappig als bei der vorigen Gattung. Byssusohr der rechten Klappe weniger scharf abgetrennt. Meist beiderseits abgesetzte Ohren. Ligament doppelt: ein äusseres am Schlossrande, ein inneres in einer breiten Grube. Von Pseudomonotis nicht scharf zu trennen. Von der Steinkohlenformation bis zur Gegenwart.

A. contorta Portl. (Fig. 283). Leitfossil für den oberen Keuper (Contorta-Sch.) innerhalb und ausserhalb der Alpen.

A. exilis Stop. Leitfossil für den Hauptdolomit (Karnische Stufe) der Südalpen.

A. Gesneri Thurm. Kimmeridge. Norddeutschland, Schweizer Jura.

A. seminuda Dam. Als cenomanes Geschiebe in Norddeutschland häufig.

A. phalaenacea Lmk.}Unteres Miocän (Meeresmolasse). Schweiz.

A. Studeri May.

A. margaritifera L. (Echte Perlmuschel.) Lebend. Indischer Ocean.

Aviculopecten M’Coy schliesst sich durch sein verlängertes (aber einfaches) Ligament und die schiefe Gestalt der Schale hier an. Wegen des Fehlens der äusseren prismatischen Schalenschicht wird diese Gattung auch wohl zu den Pectinacea (p. 285) gestellt. Silur — Perm, sehr häufig in der Steinkohlenformation.

A. papyraceus Sow. sp. (Leth. pal., t. 44, Fig. 1). Steinkohlenformation. England, Deutschland.

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Fig. 283. Avicula contorta Portl. Schale gegen die linke Klappe gesehen. Rhätische Schichten. ¹⁄₁.

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Fig. 284. Gervillia socialis Schl. sp. Muschelkalk. Deutschland. Schale gegen die linke Klappe gesehen. ½.

Gruppe B. Ligament mehrfach quergetheilt, in einer Reihe zum Schlossrande senkrechter Gruben gelegen (Fig. 286 b).

Gervillia Dfr. (= Hoernesia) (Fig. 284). Schale schief verlängert, oft gekrümmt, mehr oder weniger ungleichklappig, concentrisch gestreift. Wirbel fast endständig. Ohren nur undeutlich von der Schale geschieden. Band in einer Anzahl zum Schlossrande senkrechter Gruben. Zähne mehr oder weniger entwickelt. Trias — Eocän. Lebend nicht bekannt.

G. socialis Schl. sp. (Fig. 284). Sehr häufig im ausseralpinen Muschelkalke, seltener im unteren; sehr selten im mittleren Keuper.

G. costata Schl. sp. Ausseralpiner Muschelkalk und unterer Keuper.

G. bipartita Mer. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Alpen.

G. salvata Brun. Leitfossil des Hauptdolomites (Karnische Stufe) in den Alpen.

G. inflata Schafh. Leitfossil für die Kössener (Gervillien-)Schichten (Rhätische Stufe) in den Alpen.

G. praecursor Qu. Leitfossil für die rhätischen Schichten innerhalb und ausserhalb der Alpen.

G. Hartmanni Gf. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.

G. subtortuosa Gf. Unterer Dogger (Murchison-Sch.). Mitteleuropa.

G. aviculoides Sow. Oxford. Mitteleuropa.

G. anceps Desh. Neocom. England, Frankreich.

G. solenoides Dfr. Senon. Europa, Indien.

Inoceramus Sow. (Fig. 285; Fig. 286). Schale gleichklappig bis sehr ungleichklappig, gerundet, längs- oder queroval, ohne Ohren, aber oberer Schalenrand hinten etwas niedergedrückt. Zähne fehlen. Der gerade, kurze oder lange Schlossrand mit zahlreichen kleinen Bandgruben (Fig. 285 rechts; Fig. 286 b). Zähne fehlen. Wirbel vorstehend, zuweilen eingerollt. Oberfläche stets mit concentrischer Streifung oder Runzelung (Fig. 285 links), zuweilen auch mit Radialrippen (Fig. 286). Die Schale besteht meist nur noch aus der dicken äusseren prismatischen Schicht. Manche Arten erreichen bedeutende Dimensionen. Von der Trias bis in die jüngste Kreide, in letzterer sehr häufig und als Leitfossil weit verbreitet (Europa, Afrika, Indien, Nord- und Südamerika).

I. dubius Sow. Oberer Lias (Posidonienschiefer). Mitteleuropa.

I. polyplocus Rö. Bezeichnend für die Schichten des In. p. (Brauner Jura β u. γ) in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

I. Falgeri Mer. Oberer Lias. Nordalpen.

I. aucella Trd. Neocom. Russland. (»Inoceramenthon«.)

I. concentricus Park.}Gault. Mitteleuropa.

I. sulcatus Park. (Fig. 286)

I. orbicularis Münst. Cenoman. Norddeutschland.

I. labiatus Schl. (= mytiloides) (Fig. 285). Unterstes Turon. Norddeutschland (Mytiloides-Pläner), England, Frankreich.

I. Brongniarti Sow. Mittleres und oberes Turon. Norddeutschland (Brongniarti-Pläner), Frankreich, England.

I. Cuvieri Sow. Oberes Turon und unterstes Senon. Norddeutschland (Cuvieri-Pläner), Frankreich, England.

I. digitatus Sow. Unterstes Senon (Emscher). Europa, Asien.

I. lobatus Münst. Unteres Senon. Norddeutschland, England.

I. Cripsii Mant. Senon und Danien. Europa, Asien, Nordamerika.

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Fig. 285. Inoceramus labiatus Schl. Unteres Turon. Links: rechte Klappe. Rechts: Schlossrand der linken Klappe, die Bandgrubenreihe zeigend. ½.

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Fig. 286. Inoceramus sulcatus Park. Oberer Gault. Perte du Rhône. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. b = Bandgrubenreihe der linken, grösseren Klappe.

Fam. Mytilidae.

Mytilus Lin. (Fig. 287; Fig. 288). Schale gleichklappig, ungleichseitig, hoch und schmal, oft dreiseitig. Unterrand gerundet, Vorderrand ausgehöhlt, Hinterrand convex. Wirbel ganz oder fast endständig. Ligament verlängert, halb innerlich, am hinteren Schlossrande (Fig. 287 oben). Zuweilen kleine Kerbzähne vorhanden. Vorderer Muskeleindruck unter dem Wirbel, klein. Oberfläche concentrisch (Fig. 287) oder auch radial gestreift oder gerippt (Fig. 288). Von der Trias bis zur Gegenwart. Lebend in fast allen Meeren. Nahe verwandte Gattungen schon vom Untersilur an.

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Fig. 287. Mytilus (Modiola) asper Sow. Oberer Dogger (Grossoolith). Normandie. Oben: rechte Klappe von innen (die schwarze Linie bezeichnet das Ligament). Unten: dieselbe von aussen. ¹⁄₁.

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Fig. 288. Mytilus (Modiola) imbricatus Sow. Oberer Dogger. Balin bei Krakau. Schale gegen die linke Klappe gesehen. ¹⁄₁.

A. Wirbel endständig, meist spitz. (Mytilus.)

M. eduliformis Schl. Muschelkalk, unterer und mittlerer Keuper. Deutschland. Muschelkalk. Sardinien.

M. jurensis Rö.}Kimmeridge. Mitteleuropa.

M. subpectinatus d’Orb.

M. laitmairensis de Lor. Leitfossil für die »Mytilus-Schichten« (? Oberer Dogger) in den schweizer Westalpen.

M. edulis Lin. Pliocän — Lebend. Europa. (Die essbare Miesmuschel.)

B. Wirbel nicht ganz endständig, abgerundet (Fig. 287; Fig. 288). (Modiola.)

M. minutus Gf. Rhätische Schichten innerhalb und ausserhalb der Alpen.

M. cuneatus Sow. Unterer und mittlerer Dogger.}Mitteleuropa.

M. giganteus Qu. Mittlerer Dogger.

M. Sowerbyi d’Orb. Dogger.

M. imbricatus Sow. (Fig. 288). Oberer Dogger. Europa, Südamerika.

M. modiolus Lin. Pliocän — Lebend. Europa.

Dreissensia v. Ben. (= Congeria) (Fig. 289). Schale mytilusähnlich (A) oder vierseitig und stark aufgebläht (B). Schloss zahnlos, zuweilen ein kleiner Zahn in der rechten Klappe. Ligament getheilt, z. Th. in einer randlichen, verlängerten Grube (B l), z. Th. in einer drei- oder viereckigen Grube unter dem Wirbel (B x) gelegen. Letztere ist in eine scheidewandartige Platte ausgehöhlt, an deren hinterem Ende der vordere Muskeleindruck (B m) sich befindet. Hinterer Muskeleindruck verlängert. Vorderrand mit Byssusspalte.

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Fig. 289. Dreissensia. A D. Brard Fauj. sp. Untermiocän (Corbicula-Sch.). Mainzer Becken. Linke Klappe von innen (links) und von aussen (rechts). B D. (Congeria) conglobosa Partsch sp. Unterpliocän (Congerien-Sch.). Inzersdorf b. Wien. Schloss der linken Klappe. l = lineare (äussere) Ligamentgrube; x = viereckige, innere Ligamentgrube, nach unten durch eine Querleiste abgetrennt, an deren hinterem Ende der vordere Muskeleindruck (m) liegt.

Lebend im Brack- und Süsswasser in Europa, Asien, Afrika und Amerika. Fossil sehr häufig im Neogen, oft ganze Bänke bildend.

Dr. unguiculus Sandb. Oligocän. England, Belgien.

Dr. Basteroti Desh. sp. Oberoligocän. Frankreich, Schweiz, Süddeutschland.

Dr. Brardi Fauj. sp. (Fig. 289 A). Untermiocän. Mainzer Becken.

Dr. amygdaloides Dkr.}Obermiocän. Süddeutschland.

Dr. clavaeformis Krauss

Dr. subglobosa Partsch sp.}Unterpliocän (»Congerienschichten«). Osteuropa.

Dr. triangularis Partsch sp.

Dr. polymorpha Pall. Lebend. Südosteuropa; von dort aus in alle europäischen Flüsse verschleppt.

2. Unterordnung Pectinacea.

Schale gleichklappig oder ungleichklappig, gleichseitig oder schief, mit ganz oder nahezu mittelständigem Wirbel, frei oder nur mit Byssus festgeheftet, selten festgewachsen. Schlossrand gerade. Ohren in der Regel entwickelt. Band central. Bezahnung, wenn vorhanden, taxodont oder isodont. Band unter dem Wirbel gelegen. Mit seltener Ausnahme ein einziger (hinterer) Muskeleindruck, dem hinteren Schalenrande genähert. Im Paläozoicum noch selten, vom Mesozoicum bis in die Gegenwart sehr häufig und jetzt in zahlreichen Formen in allen Meeren verbreitet. Nur marin.

A. Schlosszähne fehlen oder, wenn vorhanden, taxodont. Schale gleichklappig, nicht festgewachsen.

Lima Brug. (Fig. 290; Fig. 291). Schale ganz oder nahezu gleichklappig, beiderseits geohrt, schief (nach vorn verlängert). Hinteres Ohr grösser als das (oft sehr kleine) vordere. Unter dem vorderen Ohr ein Spalt. Oberfläche mit radialen Rippen (Fig. 290) und concentrischen Streifen, seltener glatt (Fig. 291). Unter dem Wirbel eine Area mit dreieckiger, halb innerlicher Bandgrube (Fig. 290 B l). Zuweilen kleine Kerbzähne neben derselben (Limea).

Wenige Arten in jung-paläozoischen Schichten, sehr häufig im Jura, namentlich in der Kreide, später selten werdend. Etwa 20 lebende (freischwimmende) Arten.

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Fig. 290. Lima striata Schl. sp. Oberer Muschelkalk. Süddeutschland. A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schloss derselben Klappe, den geraden, kurzen Schlossrand und die dreieckige Bandgrube (l) unter dem Wirbel zeigend.

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Fig. 291. Lima gigantea Sow. Unterer Lias (α). Elsass. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. o = hinteres Ohr (das vordere ist bei dieser Stellung der Schale nicht sichtbar).

a. Schale mit geraden Radialrippen.

L. striata Schl. sp. (Fig. 290 A, B). Sehr häufig im deutschen Muschelkalke, namentlich im oberen. Auch auf Sardinien.

L. pectinoides Sow. sp. Unterer Lias (α und β). Mitteleuropa.

L. duplicata Sow.}Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.

L. gibbosa Sow.

L. cardiiformis Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

L. ovata Rö.}Senon. Norddeutschland, Frankreich.

L. semistriata Desh.

b. Schale mit welligen Rippen oder glatt.

L. lineata Schl. sp. Häufig im unteren, seltener im oberen Muschelkalke. Deutschland.

L. succincta Schl. sp. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.

L. gigantea Sow. sp. (Fig. 291). Unterer Lias (α). Mitteleuropa. Sehr grosse Muschel.

L. semiornata d’Orb. Cenoman.}Mittel- und Nordeuropa.

L. Hoperi Mant. sp. Senon.

Limea Bronn. unterscheidet sich durch den Besitz von Kerbzähnen zu beiden Seiten des Ligaments.

L. acuticosta Gf. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

L. duplicata Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

Ctenostreon Eichw. (Fig. 292) ist durch eine sehr dicke, mit kräftigen, schuppigen Rippen bedeckte Schale und grosse, fast gleiche Ohren ausgezeichnet. Vielleicht zu den Aviculiden (p. 280) zu stellen. Jura und Kreide.

Ct. proboscideum Sow. sp. (Fig. 292). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa. Nahe verwandte Formen bis in die Kreide.

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Fig. 292. Ctenostreon proboscideum Sow. sp. Mittlerer Dogger. Franken. (Die Ohren sind unvollständig erhalten.)

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Fig. 293. Pecten asper Lmk. Unteres Cenoman. Normandie. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. o = vorderes, o’ = hinteres Ohr.

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Fig. 294. A, B Pecten pumilus Lmk. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Schwaben. A rechte Klappe mit vollständig erhaltenen Ohren. o = vorderes Ohr. B Steinkern der linken Klappe. r = Furchen desselben.

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Fig. 295. Pecten. A P. disciformis Schübl. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Schwaben. Linke Klappe mit nach oben aufsteigenden Ohren (o). B P. (Vola) atavus Rö. sp. Neocom. Frankreich. Von der Seite gesehen. Die flache Deckelklappe rechts kaum sichtbar.

B. Zähne fehlen, Schale meist ungleichklappig, nicht festgewachsen.

Pecten (Fig. 293–295). Schale frei oder mit Byssus festgeheftet, meist ungleichklappig durch verschiedene Grösse, Wölbung oder Verzierung der beiden Klappen; selten gleichklappig. Wirbel mittelständig. Umriss kreisrund oder oval. Das vordere Ohr meist grösser als das hintere. Unter dem vorderen Ohr der rechten Klappe in der Regel ein Ausschnitt für den Byssus. Ligament innerlich, in einer dreieckigen Grube unter den Wirbeln. Muskeleindruck nahezu mittelständig. Schalenoberfläche sehr mannigfaltig: glatt, concentrisch gestreift, radial gerippt oder gefaltet. Im Paläozoicum noch selten, von der Trias an häufig, vom Jura an gemein. Fast 200, meist schwimmende Arten, lebend in allen Meeren (Kammmuschel).

Es lassen sich zahlreiche Gruppen oder Untergattungen unterscheiden, deren wichtigste folgende sind:

A. Schale glatt oder nur concentrisch gestreift (Fig. 294 A, B; Fig. 295 A). Perm — Gegenwart.

a. Innenseite der Schale ohne Radialrippen (Fig. 295).

P. discites Schl. sp.}Häufig im oberen Muschelkalk, selten im unteren und im unteren Keuper. Deutschland.

P. laevigatus Schl. sp.

P. Hehli d’Orb. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.

P. liasinus Nyst. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

P. disciformis Schübl. (Fig. 295 A). Unterer und mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

P. crassitesta Rö. Neocom. England, Norddeutschland, Frankreich.

P. laminosus Mant.}Cenoman. Mittel- und Nordeuropa.

P. orbicularis Sow.

P. similis Lmk. Pliocän — Lebend. Nordeuropa.

b. Innenseite der Schale mit radialen Rippen, die auf dem Steinkerne als Furchen erscheinen (Fig. 294 A, B).

P. incrustatus Dfr. Oberer Lias (ε). Mitteleuropa.

P. pumilus Lmk. (= personatus Gf.) (Fig. 294 A, B). Unterer und mittlerer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.

P. alpinus d’Orb. Neocom. Alpen, Südfrankreich.

P. cristatus Bronn. sp. Miocän. Europa, Nordafrika.

P. pleuronectes Lin. Lebend. Südsee.

B. Oberfläche mit feinen, nach den Seitenrändern zu divergirenden, punktirten Furchen. Nur Jura und Kreide.

P. lens Sow. Im ganzen Dogger, namentlich im mittleren und oberen. Europa, Südamerika. Personaten-(= Murchisonae-)Sandstein.

P. striato-punctatus Rö. Neocom. Norddeutschland, Frankreich.

P. divaricatus Rss. Cenoman. Europa, Indien.

P. virgatus Nils. Senon. Nordeuropa.

C. Oberfläche mit gröberen radialen Rippen verziert. Trias — Gegenwart.

P. textorius Schl. Unterer Lias (α). Europa.

P. aequivalvis Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

P. vagans Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

P. fibrosus Sow, Callovien. Mitteleuropa.

P. vimineus Sow. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

P. subarmatus Mnstr. Oxford. Mitteleuropa.

P. asper Lmk. (Fig. 293). Leitmuschel für das untere Cenoman in Mitteleuropa.

P. Beaveri Sow. Cenoman. Europa.

P. muricatus Gf.}Senon. Mitteleuropa.

P. cretosus Dfr.

P. plebejus Lmk. Eocän. England, Frankreich.

P. pictus Gf. Oligocän. Mittel- und Nordeuropa.

P. palmatus Gf.}Häufig im Miocän Mittel- und Südeuropas.

P. Burdigalenis Lmk.

P. latissimus Brocch.

P. opercularis Lin. sp. Pliocän — Lebend. Europa.

D. Die beiden Klappen sehr ungleich, radial gerippt. Rechte Klappe hoch gewölbt, linke flach. Lias — Gegenwart, hauptsächlich in der Kreide — Vola (= Janira).

P. alatus Buch. Leitfossil für den südamerikanischen Lias.

P. atavus Rö. (Fig. 295 B). Neocom. Europa.

P. aequicostatus Lmk. Cenoman. Europa.

P. quinquecostatus Sow.}Obere Kreide. Europa.

P. quadricostatus Sow.

Hinnites Dfr. zeichnet sich durch unregelmässige Berippung aus. Die rechte Klappe ist im Alter festgewachsen. Trias — Gegenwart, häufig im Jura.

H. comptus Gf. sp. Muschelkalk. Deutschland.

H. abjectus Phill. sp. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.

H. velatus Gf. sp. Malm. Mitteleuropa.

C. Schale ungleichklappig, mit dem Wirbel der rechten Klappe aufgewachsen. Haken- oder leistenförmige, symmetrisch vertheilte Schlosszähne vorhanden.

Plicatula Lmk. (Fig. 296 A, B). Schale flach, im Umriss dreieckig, nach hinten verbreitert, unregelmässig verziert (concentrisch und radial). Ohren fehlen. Rippen oft schuppig oder stachelig. Area schwach entwickelt. Rechte Klappe etwas grösser als die linke. Das dreieckige, innerliche Ligament wird in der rechten Klappe (B l) von 2 divergirenden Leistenzähnen, in der linken von den entsprechenden Zahngruben eingefasst. Die Leistenzähne der linken Klappe umfassen die der rechten, werden aber ihrerseits oft noch von einem Paare äusserer Zähne der rechten (B) eingeschlossen. Muskeleindruck dem Hinterrande genähert. Vom Trias bis zur Gegenwart. Lebend in wärmeren Meeren.

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Fig. 296. Plicatula spinosa Sow. Mittlerer Lias (Costatus-Schicht). Deutsch-Lothringen. A linke Klappe von aussen. B Schloss der rechten Klappe. l = Ligamentgrube, von 2 Leistenzähnen eingefasst; ausserdem 2 seitliche Zähne.

Pl. spinosa Sow. (Fig. 296 A, B). Mittlerer (selten oberer) Lias. Mitteleuropa.

Pl. tubifera Lmk. Oxford. Mitteleuropa.

Pl. placunea Lmk. Aptien. Mitteleuropa, Spanien. (»Argile à Plicatules«.)

Pl. radiola Lmk. Albien. Mitteleuropa.

Pl. aspera Lmk. Senon. Mitteleuropa.

Pl. cristata Lmk. Lebend. Westindien.

Pl. intusstriata Emmr. Rhät. Nord- und Südalpen.

Spondylus Lin. (Fig. 297 A–C). Schale meist dick, mit stacheligen oder schuppigen Radialrippen verziert (A). Wirbel auseinander gerückt. Beiderseits mit Ohren (A o). Rechte Klappe grösser und mit grösserer Area (B a) als die (freie) linke (C a’). Ligament median, in einer Längsgrube, z. Th. innerlich (B li, C li’), z. Th. äusserlich (B le, C le’). Bezahnung isodont, wie bei Plicatula, aber die Zähne hakenförmig, nach aufwärts gekrümmt, 2 in jeder Klappe (B x, C y’). Muskeleindruck etwas nach hinten gerückt. Vom oberen Jura bis zur Gegenwart, häufig von der Kreide an. Lebend nur in den wärmeren Meeren, meist Korallenriffe bewohnend.

Sp. aculeïferus Ziet. Oberer Malm. Mitteleuropa.

Sp. striatus Sow. sp.}Cenoman. Mitteleuropa.

Sp. hystrix Gf.

Sp. truncatus Gf. Unteres Senon. Mitteleuropa.

Sp. spinosus Sow. sp. (Fig. 297 A). Turon und Senon. Mitteleuropa. Häufig.

Sp. radula Lmk. Eocän. Mittel- und Südeuropa.

Sp. tenuispina Sdb. (Fig. 297 B, C). Oligocän. Mitteleuropa.

Sp. crassicosta Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa.

Sp. gaederopus Lin. Lebend. Mittelmeer.

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Fig. 297. Spondylus. A Sp. spinosus Sow. sp. Oberes Turon (Scaphiten-Pläner). Strehlen, Sachsen. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. u = Wirbel; o = Ohren. B, C Sp. tenuispina Sdb. Mitteloligocän. Mainzer Becken. B Schloss der rechten Klappe. a = Area: le = äusserer, li = innerer Theil des Ligaments; x = Schlosszähne; y = Zahngruben. C Schloss der linken Klappe. a’, le’, li’ = wie a, le, li bei B; y’ = Schlosszähne; x’ = Zahngruben.

3. Unterordnung Ostracea.

Schale meist dick, blätterig, ungleichklappig, verlängert, in der Regel mit der grösseren (linken) Klappe festgewachsen. Schlossrand gerundet, ohne Zähne. Ligament innerlich, unter dem mehr oder weniger mittelständigen, oft gebogenen Wirbel gelegen (Fig. 298 lg). Mantellinie meist undeutlich. Muskeleindruck etwas hinter der Mitte gelegen (Fig. 298 n). Meeresbewohner (gelegentlich auch im Brackwasser), die vom Silur bis zur Trias selten, vom Jura an ausserordentlich häufig sich finden und ihre stärkste Entwickelung in der Kreide besitzen.

Die Familie der Anomidae zeichnet sich durch dünne Schalen aus, die sich mit der rechten Klappe festheften oder mit derselben aufliegen. Vom Jura an entwickelt.

Die Schalen der Ostreidae sind meist dick und in der Regel mit der linken Klappe festgewachsen. Der wichtigste Vertreter dieser Familie ist die Gattung:

Ostrea L. (Auster) (Fig. 298–303). Schale oft unregelmässig, dick, ungleichklappig. Die aufgewachsene, sehr selten freie (linke) Unterklappe grösser und stärker gewölbt, als die flachere (rechte) Deckelklappe (Fig. 301 s, s’). Schale stets ungleichseitig, weil nach hinten zu ausgezogen (Fig. 298). Wirbel fast oder ganz mittelständig, mehr oder weniger vorstehend, oft gekrümmt (Fig. 301 u) oder seitwärts spiral gedreht (Fig. 302 u) (bald nach vorn, bald nach hinten). Ligamentgrube (Fig. 298 lg) verlängert, dreieckig. Muskeleindruck hinter der Mitte (Fig. 298 n). Die Oberfläche der Schale ist glatt, gestreift oder gerippt; die concentrische Anwachsstreifung meist sehr deutlich. Manche Austernschalen werden bis über 0,5 m lang und mehrere cm dick. Man trifft sie fossil und lebend in der Regel zu Bänken angehäuft (Austernbänke). Ihre hohe Bedeutung als Leitfossilien wird durch die Häufigkeit und gute Erhaltung der meisten Arten bedingt.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 298. Ostrea Gingensis Schl. sp. Miocän. Wiener Becken. Linke Klappe von innen. lg = Ligamentgrube; n = Muskeleindruck. (Links = hinten.)

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 299. Ostrea flabelloides Lmk. Mittlerer Dogger. Schwaben. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. (Links = hinten.)

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 300. Gryphaea arcuata Lmk. Unterer Lias (α) (Gryphitenkalk). Metz. Von hinten gesehen. s = linke (gewölbte), s’ = rechte (flache) Klappe; f = Furche, auf der Hinterseite der linken Klappe vom Wirbel zum Unterrande ziehend.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 301. Gryphaea vesicularis Lmk. Oberes Senon. Rügen. Schale gegen die rechte Klappe (s’) gesehen. st = Radialstreifen auf derselben; s = linke Klappe mit übergebogenem Wirbel (u).

Manche präjurassische austernartige Muscheln sind mit der rechten Klappe aufgewachsen und werden meist an Spondylus angeschlossen (Terquemia Tate). Echte Austern werden erst im Jura häufig. Man kennt ca. 500 fossile und ca. 100 lebende Arten. Am häufigsten sind sie in Jura und Kreide.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 302. Exogyra columba Lmk. Cenoman. Regensburg. Schale gegen die rechte Klappe (s’) gesehen. s = linke Klappe mit seitwärts und spiral gedrehtem Wirbel (u).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 303. Exogyra virgula Dfr. Oberes Kimmeridge (Virgulien). Berner Jura. A Schale gegen die linke, B gegen die rechte Klappe gesehen.

Mehrere Untergattungen werden unterschieden:

A.Wirbel gerade, nicht gekrümmt oder eingerollt. Schale glatt oder gerippt (Fig. 298, 299)Ostrea.

B.Wirbel der (linken) gewölbten Klappe gekrümmt. Rechte Klappe flach, mit kaum hervortretendem Wirbel. Schale ungerippt, im Alter oft frei (Fig. 300, 301)Gryphaea.

C.Wirbel (einer oder beider Klappen) seitwärts gedreht. Schale glatt, gestreift oder gerippt, gewöhnlich frei (Fig. 302, 303)Exogyra.

Ostrea Lin. s. st. Steinkohlenformation — Gegenwart.

A. Beide Klappen mit Rippen oder Falten (Alectryonia).

O. montis-caprilis Klipst. Norische Stufe (Wengener Sch.). Südtirol.

O. Haidingeri Emmr. Rhätische Schichten. Alpen.

O. flabelloides Lmk. (Fig. 299). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

O. Marshi Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

O. costata Sow.}Oberer Dogger. Mitteleuropa.

O. Knorri Voltz.

O. gregaria Sow. Oxford. Westeuropa.

O. rastellata Mnstr. Dogger und Malm. Mitteleuropa.

O. macroptera Sow. Neocom. England, Frankreich, Norddeutschland, Schweiz.

O. Boussingaulti d’Orb. Grenzschichten der unteren und oberen Kreide. Südwesteuropa, Südamerika.

O. carinata Lmk. Cenoman. Europa, Indien. Obere Kreide. Texas.

O. diluviana Lin. Cenoman, seltener Turon. Europa, Indien, Texas.

O. frons Park. Senon. Frankreich, Holland, Schweden.

O. larva Lmk. Senon und Danien. Europa, Nordamerika, Indien.

O. plicatula Gmel. Miocän — Lebend. Südeuropa.

O. crista galli Lmk. Lebend. Indischer Ocean.

B. Unterklappe gefaltet, Deckelklappe glatt.

O. bellovacina Lmk. Untereocän. England, Frankreich.

O. flabellula Lmk. Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien, Indien.

O. cyathula Lmk. Oligocän. Mitteleuropa.

O. Gingensis Schl. sp. (Fig. 298)}Miocän, Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

O. digitalina Dub.

O. edulis L. Lebend. Europäische Meere.

C. Beide Klappen ohne Falten oder Rippen.

O. explanata Gf. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

O. deltoidea Sow. Oberer Malm (Kimmeridge). Mitteleuropa.

O. acuminata Sow. Oberer Dogger (Leitfossil für die Oolith-Facies). Westeuropa. »Acuminata-Schichten«.

O. biauriculata Lmk. Cenoman. Frankreich.

O. gigantea Brand. Mitteleocän. Westeuropa, Indien.

O. longirostris Lmk. Oligocän. England, Frankreich.

O. callifera Lmk. Leitfossil für das Oligocän in Westeuropa.

O. crassissima Lmk. Bis 0,6 m lang. Miocän. Europa, Kleinasien.

Gryphaea Lmk. (Fig. 300, 301). Lias — Gegenwart.

G. arcuata Lmk. (Fig. 300). Unterer Lias (α). Mitteleuropa, Westalpen.

G. obliqua Gf. Unterer Lias (β). Mitteleuropa. Seealpen.

G. cymbium Lmk. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

G. ferruginea Terq. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Lothringen, Frankreich.

G. calceola Ziet. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Mitteleuropa, Nordamerika, Südamerika.

G. sublobata Desh. Unterer Dogger (Sowerbyi-Sch.). Mitteleuropa.

G. dilatata Sow. Oxford, Mitteleuropa.

G. Pitcheri Mort. Häufig im Senon Nordamerikas.

G. vesicularis Lmk. (Fig. 301). Obere Kreide, hauptsächlich Senon. Ueber die ganze Erde verbreitet.

G. Brongniarti Br. Eocän und Oligocän. Nordalpen, Südeuropa.

G. cochlear Poti. Miocän — Lebend. Mittel- und Südeuropa.

Exogyra Say. (Fig. 302, 303). Lias — Senon.

E. reniformis Gf. Oxford. Mitteleuropa.

E. Bruntrutana Thur. Oberer Malm. Mitteleuropa.

E. virgula Dfr. (Fig. 303). Kimmeridge (»Virgula Stufe«). Mitteleuropa.

E. spiralis Rö. Neocom. Mitteleuropa.

E. sinuata Sow. Neocom. Mitteleuropa, Südamerika.

E. aquila Brongn. Aptien. Mitteleuropa, Nordamerika.

E. lateralis Nils. Gault — Senon. Europa, Indien.

E. columba Lmk. (Fig. 302). Cenoman und Turon. Mittel- und Südeuropa, Indien.

E. conica Sow. Cenoman. Mittel- und Südeuropa.

E. haliotoidea Sow. sp. Cenoman. Europa, Indien.

E. Owerwegi Sow. Cenoman. Nordafrika.

E. Matheroni d’Orb. Senon (Hippuritenkreide). Südeuropa.

E. costata Say. Senon. Nordamerika.

Geologische Verbreitung der Lamellibranchiata.

Ueber das Vorkommen der Zweischaler in cambrischen Schichten liegen nur dürftige Angaben vor. Im Silur finden wir aber bereits Vertreter mehrerer Ordnungen derselben. Abgesehen von den in paläozoischen Schichten reichlich entwickelten Palaeoconchae treten schon im Untersilur echte Taxodonta und Heteromyaria auf. Im Obersilur erscheinen Formen mit typisch heterodontem Schlosse und ihnen gesellen sich im Devon die ersten Schizodonta zu. Monomyaria sind aus Silur und Devon nur unvollkommen bekannt; erst in der Steinkohlenformation werden sie von Bedeutung.

In der Trias überwiegen neben Paläoconchen Heteromyaria, Schizodonta und gewisse integripalliate Conchacea (Megalodontidae) über die anderen Ordnungen. Je weiter wir in der mesozoischen Schichtenfolge aufsteigen, desto stärker treten Heterodonta, Monomyaria und Desmodonta in den Vordergrund, während die Schizodonta in der oberen Kreide bereits zurücktreten und die Palaeoconchae daselbst gänzlich verschwinden. Unter den Heterodonta herrschen die Chamacea zur Zeit des oberen Jura und der Kreide, die Sinupalliata stehen gegen die Integripalliata noch zurück. Unter den Desmodonta herrschen die Gattung Pholadomya und ihre Verwandten vor.

Im Känozoicum spielen Schizodonta, Chamacea und Heteromyaria nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Charakter der Fauna wird durch das Hervortreten der Conchacea, namentlich der sinupalliaten, in erster Linie bestimmt. Daneben sind Desmodonta, Monomyaria und Taxodonta, welch’ letztere kaum eine wesentliche Abnahme seit der Silurzeit aufweisen, reichlich entwickelt.

Süsswassermuscheln finden sich seit der Devonzeit. Bis zur oberen Kreide sind ihre Reste aber relativ spärlich. Die erste reichhaltige Fauna erscheint in den Grenzschichten zwischen Kreide und Tertiär in Nordamerika (Laramie-Gruppe). Die tertiären Süsswasserbildungen sind reich an Vertretern der Unionidae und Cyrenidae, der noch heute dominirenden Süsswassermuscheln.

Die geologische Verbreitung der wichtigsten Gattungen ist in nachfolgender Tabelle zusammengestellt.

SilurDevonStein- kohlenf. und PermTriasJuraKreideTertiär und Lebend

Monotis...?

Daonella—

Halobia—

Pholadomya—......

Arca..................

Pectunculus...—

Nucula.....................

Schizodus......

Myophoria—

Trigonia——...

Cyprina...—...

Cyrena.........—

Astarte.........——...

Cardita.........—

Cardinia...—

Unio......—

Megalodon...—...

Venus......—

Diceras—

Requienia—

Chama—

Monopleura—

Plagioptychus...

Hippurites—

Radiolites—

Pterinea——

Pseudomonotis......——...

Avicula............—

Aviculopecten......—

Gervillia—......

Inoceramus......—

Mytilus............

Lima......——...

Pecten......———

Ostrea......———

Gryphaea——...

Exogyra...—

2. Klasse: Scaphopoda.

Die Scaphopoda oder Grabfüssler unterscheiden sich von allen höher organisirten Mollusken durch das Fehlen eines gesonderten Kopfes, von den Lamellibranchiata durch den Besitz von Zunge und Kiefer, insbesondere aber durch die einfache, röhrenförmige, an beiden Enden geöffnete Kalkschale, welche niemals fehlt (Fig. 304). (Die scheinbar ähnlichen, röhrenförmigen Gehäuse mancher Würmer und Schnecken sind am hinteren Ende in der Regel geschlossen.) Ausschliesslich marine Thiere, die in der Nähe der Küsten im Sande oder Schlamme leben, aber auch in den abyssischen Regionen (über 500 m) recht häufig vorkommen. Fossil schon seit der Silurzeit bekannt, aber erst im Tertiär häufig.

Dentalium L. (Fig. 304). Die schwach gebogene Röhre verschmälert und verengt sich nach hinten allmählich und besitzt häufig auf der Convexseite des Hinterrandes einen kürzeren oder längeren Schlitz. Die Oberfläche ist glatt oder mit Längsrippen oder -streifen verziert, oft durch Anwachsstreifen quergerunzelt. Vom Silur an bekannt, vom Tertiär an häufig. Die älteren Formen meist ungerippt.

A. Schale glatt.

D. antiquum Gf. Mitteldevon. Eifel.

D. ingens d. Kon. Subcarbon. Belgien.

D. laeve Schl. Unterer und oberer Muschelkalk. Deutschland (»Dentalienbank« des Wellenkalks).

D. Parkinsoni Qu. Häufig im »Dentalienthone« des oberen Dogger (Br. J. ε) in Schwaben.

D. Mosae Mtf. sp. Oberste Kreide (Danien). Holland, Schonen.

D. entale Lin. Jungtertiär und Lebend. Europa.

B. Schale längsgerippt.

D. Kickxii Nyst. Oligocän. Mitteleuropa.

D. sexangulare Lmk. (Fig. 304). Im Neogen Südeuropas häufig.

D. elephantinum Lin. Jungtertiär und Lebend. Südeuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 304. Dentalium sexangulare Lmk. Pliocän. Asti, Piemont. Oben und unten Querschnitt der Röhre.

3. Klasse: Gastropoda (Bauchfüssler, Schnecken).

Litteratur über Gastropoda.

(Vergl. p. 228, 229.)

Bellardi, L. I Molluschi de terreni terziari del Piemonte e della Liguria. Parte I–III. Torino 1872–1882.

Cossmann. Contributions a l’étude de la Faune de l’Étage Bathonien en France (Gastropodes). (Mém. soc. géol. France. IIIᵉ sér., tom. III, 3, 1885.)

Hoernes, R. Die fossilen Mollusken des Wiener Tertiärbeckens. Bd. I. Univalven (Abb. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. III. Wien 1856.)

de Koninck. Faune du Calcaire carbonifère de la Belgique, IIIᵉ et IVᵉ partie. 1881–1883. (Annales du Musée royal d’histoire naturelle de Belgique.)

Lindström, G. On the silurian Gastropoda and Pteropoda of Gotland. (Kongl. Svenska Vet. Ak. Handl. Bd. XIX, No. 6. 1884.)

Paléontologie française. Terr. jurass. Vol. II, par d’Orbigny, A. 1850. Vol. III par Piette 1867 (noch nicht vollendet). — Terr. crétacés. Vol. II par d’Orbigny, A. 1842–43.

Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. VII. Gasteropoden. Leipzig 1881–84.

Stoliczka, F. Cretaceous Fauna of Southern India. II. The Gasteropoda (Memoirs of the Geolog. Survey of Southern India. Palaeontologica Indica). Calcutta 1868.

Waagen, W. Salt-Range fossils. I. Productus Limestone fossils. 2 Gastropoda. (Memoirs of the geol. Survey of India. Palaeontologica Indica. Ser. XIII.) Calcutta 1880.

Zekeli, F. Die Gasteropoden der Gosau-Gebilde in den nordöstl. Alpen (Abh. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. I. 1852). Bemerk. dazu von Reuss, A., und Stoliczka, F. (Sitzb. d. k. k. Akad. d. W. in Wien. 1853 und 1865).

Zittel, K. A. Die Gastropoden der Stramberger Schichten (Mitth. aus d. Mus. d. k. bay. Staates. Bd. II, Abth. 3. 1873).

Die Schnecken sind nackte oder beschalte Weichthiere mit gesondertem Kopfe und einem bauchständigen Fusse (daher der Name Gastropoda). Sie leben z. Th. im Wasser, z. Th. auf dem Lande und athmen theils durch Kiemen, theils durch Lungen. Die Mehrzahl der Schnecken besitzt die Fähigkeit, ein kalkiges Gehäuse (Schale) abzusondern, welches in der Regel äusserlich liegt, so dass das Thier sich in dasselbe ganz oder theilweise zurückziehen kann, seltener befindet sich die rückgebildete Schale in der Körperhaut versteckt. Das Gehäuse ist ähnlich zusammengesetzt wie die Schale der Lamellibranchiata; eine — oft fehlende — äussere, hornige Lage (Oberhaut) bedeckt die eigentliche Schale. Letztere besitzt meist eine porzellanartige Beschaffenheit; zuweilen ist die innerste Lage perlmutterartig. Der kohlensaure Kalk ist vorwiegend als Aragonit vorhanden und dies ist der Grund der relativ leichten Zerstörbarkeit der Schneckenschalen, die in den älteren Formationen entweder in Calcit umgewandelt oder gänzlich aufgelöst sind.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 305. Latirus craticulatus Lin. Lebend. Rothes Meer. A eine rechtsgewundene Schneckenschale in der gebräuchlichen Stellung; das Gewinde (g) der Länge nach bis zur Mitte aufgeschnitten, der letzte Umgang (u) ganz. b = Basis; sp’ = Spitze; u’ = erste, durch Querwände abgeschlossene Umgänge; n = vertiefte Nähte zwischen den einzelnen Umgängen; sp = Spindel; f = Falten derselben, auch in den früheren Umgängen sichtbar; M = Mündung; c = unterer, c’ = oberer Canal derselben; a = Aussenlippe; i = Innenlippe; s = Spiralstreifen der Schalenoberfläche. B h–h = Länge oder Höhe, b–b = Breite oder Dicke des Gehäuses.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 306. Eine linksgewundene, ungenabelte Schneckenschale. a = Aussen-, i = Innenlippe; c = Mündungscanal.

Die für die Unterscheidung der fossilen Schnecken allein verwerthbare Schale besteht nur in den seltensten Fällen aus mehreren (8) Stücken (Placophora), vielmehr gewöhnlich nur aus einem einzigen Stücke. Zweiseitig symmetrische [und dann in der Regel napfförmige (Fig. 312) oder spiral in einer Ebene aufgerollte (Fig. 311)] Schalen gehören zu den seltenen Erscheinungen. Die in der Anlage vorhandene zweiseitige Symmetrie des Thieres und der conisch röhrenförmigen Schale wird vielmehr in der Regel dadurch gestört, dass sie sich spiral um eine Achse wickeln unter fortwährender Verschiebung der Aufrollungsebene nach einer und derselben Richtung (von hinten nach vorn). Der zuerst gebildete Theil der Schale — Spitze (Fig. 305 sp’) — ist geschlossen, der zuletzt entstandene — Basis (Fig. 305 b) — besitzt eine Oeffnung, Mündung (Fig. 305 M) genannt, aus welcher das Thier Fuss, Kopf und einen Theil des Mantels hervorstrecken kann. Für die Betrachtung wird die Schale gewöhnlich derart gestellt, dass die Spitze nach oben, die Basis nach unten gerichtet ist, und der Beschauer die Mündung in ihrer ganzen Breite übersieht (Fig. 306, 307 A). Die Ausdehnung der Schale in der Richtung der Aufrollungsachse heisst Länge oder Höhe (Fig. 305 B h–h), die grösste dazu senkrechte Ausdehnung Dicke oder Breite (Fig. 305 B b–b). Man bezeichnet die Schale als links gewunden, wenn bei der erwähnten Stellung derselben die Mündung links von der Achse gelegen ist (Fig. 306), im entgegengesetzten, häufigeren Falle als rechts gewunden (Fig. 305; Fig. 307 A, B). Die einzelnen Windungen der Schale (Umgänge) wickeln sich in sehr verschiedenartiger Weise um die Aufrollungsachse, wodurch eine grosse Mannigfaltigkeit der Gesammtform hervorgerufen wird. Die hauptsächlichsten Abänderungen der spiral gewundenen Schale sind folgende:

Die Schale ist:

walzenförmig (die Umgänge nehmen nach unten nur wenig an Dicke zu) (Fig. 393);

thurmförmig oder verlängert (zahlreiche, langsam und regelmässig an Dicke zunehmende Umgänge) (Fig. 314, 317);

eiförmig (Gewinde kurz, letzter Umgang mehr oder weniger oval) (Fig. 329);

spindelförmig (Schale beiderseits zugespitzt) (Fig. 305);

kegelförmig (regelmässig conisch mit platter Grundfläche) (Fig. 325);

kreiselförmig (regelmässig conisch mit convexer Grundfläche) (Fig. 320);

kugelig (Gewinde niedrig, letzter Umgang sehr breit) (Fig. 307 A);

mützenförmig (Gewinde kurz oder fast fehlend, letzter Umgang trompetenartig erweitert) (Fig. 313);

niedergedrückt (Gewinde kaum hervorragend, Umgänge regelmässig an Weite zunehmend) (Fig. 319);

scheibenförmig (Umgänge nahezu in einer Ebene liegend, Gewinde von der Seite nicht sichtbar) (Fig. 327).

In seltenen Fällen werden die Windungen ganz unregelmässig, wodurch Formen entstehen, die manchen Serpulaschalen (Fig. 118 D) zum Verwechseln ähnlich sehen.

Die Schneckenschale umschliesst für gewöhnlich eine einfache Höhlung, die dem Thiere als Wohnraum dient. Der Eingeweidesack des Thieres liegt in dem hinteren Theil der Schalenhöhlung, dem Gewinde (Fig. 305 g) versteckt, Kopf und Fuss können in den letzten Umgang der Schale (Fig. 305 u) zurückgezogen werden. Zuweilen liegt aber ein Theil des Mantels ausserhalb der Schale und auf diese zurückgeschlagen. Der zuerst gebildete, vom Thiere nicht mehr bewohnte Theil der Schalenhöhlung wird häufig durch kalkige Querblätter von dem Wohnraum abgeschieden oder auch durch compacte Kalksubstanz ausgefüllt (Fig. 305 u’).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 307. A Nerita Plutonis Bast. Miocän. Uecken, Aargau. a = die verdickte Aussenlippe; i = Innenlippe, mit Zähnen (z) versehen. B Längsschnitt einer Schneckenschale mit weitem und tiefem Nabel (n’) (Solarium perspectivum Lin.). Bezeichnungen wie in Fig. 305 A.

Meist wickeln sich die Umgänge in der Richtung der Achse fest um einander und bilden eine solide Säule, die Spindel oder Columella (Fig. 305 sp). Die Spindel wird nur an der Innenseite der Mündung von aussen sichtbar, ebenso die spiralen Wülste, welche häufig auf der Spindel verlaufen und Spindelfalten oder schlechtweg Falten genannt werden (Fig. 305 f). Berühren sich die Windungen in der Achse der Schale nicht, so entsteht ein engerer oder weiterer, conischer, gegen unten verbreiterter und sich öffnender Hohlraum, Nabel (Fig. 307 B n’). Wird derselbe nachträglich von einer schwieligen Verdickung verschlossen, so spricht man von einer Nabelschwiele (Fig. 322). Die äusserlich gewöhnlich durch Vertiefungen bezeichnete Grenze der Umgänge heisst Naht (Fig. 308 n).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 308. Latirus craticulatus Lin. Lebend. Rothes Meer. A eine rechtsgewundene Schneckenschale in der gebräuchlichen Stellung; das Gewinde (g) der Länge nach bis zur Mitte aufgeschnitten, der letzte Umgang (u) ganz. b = Basis; sp’ = Spitze; u’ = erste, durch Querwände abgeschlossene Umgänge; n = vertiefte Nähte zwischen den einzelnen Umgängen; sp = Spindel; f = Falten derselben, auch in den früheren Umgängen sichtbar; M = Mündung; c = unterer, c’ = oberer Canal derselben; a = Aussenlippe; i = Innenlippe; s = Spiralstreifen der Schalenoberfläche. B h–h = Länge oder Höhe, b–b = Breite oder Dicke des Gehäuses.

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Fig. 309. Eine linksgewundene, ungenabelte Schneckenschale (Fusus antiquus Müll.). a = Aussen-, i = Innenlippe; c = Mündungscanal.

Die Mündung der Schale wechselt in ihrem Umriss ausserordentlich: sie kann kreisrund (Fig. 386), halbmondförmig (Fig. 310 A), eiförmig (Fig. 324 A), linear (Fig. 328) etc. sein. Nur selten bildet der Mundrand oder -saum ein geschlossenes Ganzes — zusammenhängender Mundrand (Fig. 324) —, meist trennt sich der Aussenrand (Aussenlippe — Fig. 310 A a) vom Innen- oder Spindelrande (Innenlippe — Fig. 310 A i). An Stelle des fehlenden Innenrandes können die vorletzte Windung oder die Spindel treten (Fig. 326). Die Trennung der beiden Ränder tritt dann besonders scharf hervor, wenn die Mündung sich nach unten (vorn) in eine kürzere oder längere Rinne (Ausguss oder Canal — Fig. 308 c) verlängert, welche die Athemröhre aufnimmt, oder wenn gar eine Rinne am oberen (hinteren) Ende der Mündung auftritt (Fig. 308 c’). Der Innenrand legt sich meist fest an die vorletzte Windung oder die Spindel an. Der Aussenrand verläuft gerade, d. h. in der Fortsetzung des letzten Umganges (Fig. 325), er kann aber auch nach innen eingerollt, nach aussen umgeschlagen (Fig. 314 a), zuweilen flügelartig ausgebreitet (Fig. 368) und dann auch wohl fingerförmig zertheilt sein (Fig. 369). Auf Innen- wie Aussenlippe treten Verzierungen, als Zähne (Fig. 310 A z), Runzeln oder Falten auf. Die Verzierungen der Schalenoberfläche (Skulptur genannt) wie Wülste, Rippen, Streifen, Furchen, Stacheln, Höcker etc. verlaufen entweder den Nähten parallel, also spiral — Spiralverzierungen (Fig. 308 s, 309, 310 A) — oder senkrecht dazu — Querverzierungen (Fig. 315). Die bei lebenden Schnecken (namentlich Meeresschnecken) zur Artunterscheidung gut verwerthbaren Farbenzeichnungen finden sich bei den fossilen in der Regel nicht mehr erhalten. Die Schalen der Süsswasserschnecken sind an ihrer (durch Bacterien) angefressenen Spitze und der grünen oder schwarzen (zuweilen auch bei meerischen Schnecken vorkommenden) Epidermis kenntlich.

Viele Schnecken, namentlich aus der Ordnung der Prosobranchiata, tragen auf der Hinterseite des Fusses eine gesonderte, hornige oder kalkige Platte, meist von der ungefähren Form der Mündung, den sog. Deckel, mit welchem das Thier beim Zurückziehen in die Schale die Mündung verschliessen kann (Fig. 384). Häufig zeigt der Deckel spirale Windungen (Fig. 351 b). Manche Lungenschnecken sondern nur für den Winter ein deckelartiges Gebilde (Winterdeckel oder Diaphragma) ab. Bei der Gattung Clausilia findet sich ein an die Spindel festgeheftetes Deckelstück (Clausilium — Fig. 392 B).

Die meisten Gastropoden leben im Wasser, die Mehrzahl der Lungenschnecken (Pulmonata) und einige Prosobranchiata (Unterordnung Neurobranchiata) auf dem Lande. Weitaus der grösste Theil der Wasserbewohner findet sich im Meere, nur ein geringer Theil im Süsswasser; manche Formen können in salzigem und brackischem, andere in süssem und brackischem gleich gut fortkommen. Sowohl Land- als Wasserschnecken zeigen gegen die Pole zu eine Abnahme der Formenmannigfaltigkeit, der Grösse und der Pracht der Verzierung. Die Meeresschnecken leben meist in geringen Tiefen (0–72 m), in grösseren Tiefen nehmen sie rasch ab, und in der abyssischen Region (über 500 m) findet man nur noch wenige, z. Th. sehr dünnschalige Formen.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 310. A Nerita Plutonis Bast. Miocän. Uecken, Aargau. a = die verdickte Aussenlippe; i = Innenlippe, mit Zähnen (z) versehen. B Längsschnitt einer Schneckenschale mit weitem und tiefem Nabel (n’) (Solarium perspectivum Lin.). Bezeichnungen wie in Fig. 308 A.

Man theilt die Gastropoden in folgende Ordnungen und Unterordnungen ein:

A.Athmung durch Kiemen (wenn durch Lungen, meist ein Deckel vorhanden).

a.Kiemen und Vorhof hinter der Kammer des Herzens. Schale häufig fehlend. Fossil nicht sehr wichtig.I. Ordn.Opisthobranchiata.

b.Kiemen und Vorhof vor der Kammer des Herzens. Schale meist vorhanden.

α.Vorderer Theil des Fusses zu einer aufrechten Flosse umgewandelt. Nackt oder beschalt. Fossil unwichtig.II. Ordn.Heteropoda.

β.Fuss mit Kriechsohle. Schale stets, Deckel meist vorhanden. Fossil sehr wichtig.III. Ordn.Prosobranchiata.

1.Schale aus 8 beweglichen Stücken bestehend. Fossil unwichtig.1. Placophora.

2.Schale aus einem Stück bestehend.

*Athmung durch Kiemen.

○Kiemen blattförmig, kreisförmig angeordnet. Schale napfförmig. Fossil nicht wichtig.2. Cyclobranchiata.

○○Kiemen federförmig. Schale spiral aufgerollt, selten napfförmig. Fossil wichtig.3. Aspidobranchiata.

○○○Kiemen kammförmig. Schale spiral. Meist ein Deckel vorhanden. Fossil sehr wichtig.4. Ctenobranchiata.

**Athmung durch Lungen. Fossil nicht sehr wichtig.5. Neurobranchiata.

B.Athmung durch Lungen. Ein eigentlicher Deckel fehlt. Fossil wichtig.IV. Ordn.Pulmonata.

Die systematische Stellung mancher fossilen Schnecken muss unsicher bleiben, weil ganz ähnliche und im fossilen Zustande schwer oder gar nicht unterscheidbare Gehäuse von ganz verschieden organisirten Thieren erzeugt werden können. Eine natürliche Eintheilung lässt sich somit nach den Gehäusen allein nicht erzielen. Um dem Anfänger die Bestimmung der wichtigsten fossilen Formen zu erleichtern, geben wir nachstehende Schlüsseltabelle, in welcher nur Merkmale der Schale für die Unterscheidung verwerthet sind. Die Gruppirung der Gattungen ist dadurch vielfach eine ganz unnatürliche geworden.

A.Schale aus mehreren (8) Stücken bestehendChiton.

B.Schale aus einem Stück bestehend, oft mit Deckel.

a.Schale vollkommen zweiseitig symmetrisch, spiral in einer Ebene aufgerollt oder napfförmig (Fig. 311, 312).

α.Schale napfförmig (Fig. 312).

1.Am Wirbel geschlossen (Fig. 331)Patella.

2.Am Wirbel mit Schlitz (Fig. 312)Fissurella.

β.Schale spiral in einer Ebene aufgerollt, Aussenlippe mit Spalt (Fig. 311)Bellerophon.

b.Schale mützenförmig, gebogen oder im Anfang spiral, oft fast symmetrisch. Mündung trompetenartig erweitert (Fig. 313)Capulus.

c.Schale unsymmetrisch spiral aufgerollt, mit geschlossenen Windungen (Fig. 314–327).

α.Mündung mit Ausguss oder Canal (Fig. 314–318).

1.Aussenlippe oben mit seitlichem Schlitz (Fig. 316).

a.Mündung länglich, mit langem Canal (Fig. 316)Pleurotoma.

b.Mündung oval oder viereckig, mit kurzem Ausguss. Mündung mit Falten (Fig. 317)Nerinea.

2.Aussenlippe ohne seitlichen Schlitz.

○Spindelfalten in allen Windungen vorhanden.

†Mündung kaum höher als breit; letzter Umgang wenig höher als die früheren. Gehäuse thurmförmig (Fig. 314)Cerithium.

††Mündung verlängert. Letzter Umgang erweitert (Fig. 375). Gehäuse spindelförmigVoluta.

○○Spindelfalten fehlend oder undeutlich.

†Mündung mit kurzem Ausguss. Innenlippe umgeschlagen (Fig. 314).

*Letzter Umgang wenig höher als die früheren. Mündung kaum höher als breit. Gehäuse thurmförmig (Fig. 314)Cerithium.

**Letzter Umgang viel höher als die übrigen. Mündung verlängert.

§Innenlippe schwielig verdickt. Mündung unten stark verengt (Fig. 358)Melanopsis.

§§Innenlippe nicht schwielig verdickt (Fig. 373)Buccinum.

††Mündung mit kürzerem oder längerem Canal (Fig. 315, 318).

*Aussenlippe nicht ausgebreitet (Fig. 318).

§Schale ohne Querwülste (Fig. 377)Fusus.

§§Schale mit Querwülsten (Fig. 318).

aa.Die Querwülste stehen unregelmässig (Fig. 318)Tritonium.

bb.Die Querwülste hängen zusammen (Fig. 380)Murex.

**Aussenlippe ausgebreitet, oft mit fingerförmigen Fortsätzen.

§Mündung nach oben nicht in eine Rinne auslaufend (Fig. 370)Alaria.

§§Mündung nach oben in eine Rinne auslaufend (Fig. 315 r)Rostellaria.

β.Mündung ganz, d. h. ohne unteren Ausguss oder Canal (Fig. 319–327).

1.Aussenlippe mit Schlitz (Fig. 320 A s, C s).

○Schale thurmförmig, hochMurchisonia.

○○Schale kreiselförmig, niedrig (Fig. 320)Pleurotomaria.

2.Aussenlippe ohne Schlitz (Fig. 319, 321–327).

○Spindel oder Innenlippe ohne Falten, höchstens gezähnt (Fig. 319, 321–327).

†Innenlippe abgeplattet und meist gezähnt. Gewinde sehr niedrig; letzter Umgang sehr gross (Fig. 321).

*Schale dickwandig (Fig. 341, 344)Nerita, Velates.

*Schale dünnwandig (Fig. 321)Neritina.

††Innenlippe weder abgeplattet noch gezähnt (Fig. 319, 322–327).

*Schale mit weitem Nabel (Fig. 319).

§Meeresschnecken (Fig. 319)Straparollus, Solarium.

§§Süsswasserschnecken (Fig. 327)Planorbis.

**Schale eng oder gar nicht genabelt (Fig. 322–326).

§Ränder der Mündung zusammenhängend (Fig. 324).

aa.Mündung meist kreisrund, selten oben ein wenig ausgezogen. Zahl der Umgänge oft mehr als 5 (Fig. 384, 385)Cyclostoma.

bb.Mündung oben deutlich verschmälert. Umgänge meist wenig zahlreich (bis 5) (Fig. 324)Paludina.

§§Ränder der Mündung nicht zusammenhängend (Fig. 322, 323, 325, 326).

aa.Schale hoch thurmförmig (Fig. 323).

I.Mündung rundlich oder vierseitig, oben nicht ausgezogen. Schalen mit regelmässigen Spiralstreifen oder Rippen (Fig. 349)Turritella.

II.Mündung nach oben verschmälert (Fig. 323).

α.Schale glatt, selten mit Spiralstreifen; Umgänge flach oder regelmässig gewölbt (Fig. 359)Chemnitzia.

β.Schale meist quer gerippt, oft auch mit Spiralstreifen; Umgänge meist kantig (Fig. 323)Melania.

bb.Schale niedriger, kegelig bis kugelig (Fig. 322, 325, 326).

I.Schale kugelig, letzter Umgang sehr hoch und breit (Fig. 322)Natica.

II.Schale regelmässig conisch oder halbkugelförmig (Fig. 325, 326).

α.Schale meist mannigfaltig verziert (Fig. 325).

a.Mündung rund, eher höher als breit (Fig. 336, 338)Turbo.

b.Mündung quer, breiter als hoch (Fig. 325)Trochus.

β.Schale nur durch Anwachsstreifen verziert (Fig. 326).Helix.

○○Schale mit Spindelfalten (Fig. 328, 329).

†Schale eiförmig, dick; rechtsgewunden; Gewinde niedrig (Fig. 328, 329)Actaeonella, Avellana.

††Schale spindelförmig; linksgewunden; Gewinde hoch (Fig. 392)Clausilia.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 311. Bellerophon bicarenus Lév.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 312. Fissurella Italica Dfr. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 313. Capulus neritoides Phill. sp. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 314. Cerithium margaritaceum Brocc.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 315. Rostellaria fissurella Lmk.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 316. Pleurotoma cataphracta Brocc. sp. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 317. Nerinea trinodosa Voltz.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 318. Tritonium flandricum d. Kon. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 319. Straparollus pentangulatus Sow. sp.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 320. A, B Pleurotomaria anglica Sow. sp. C Pl. caepa Desl.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 321. Neritina crenulata Kl.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 322. Natica millepunctata Lmk. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 323. Melania inquinata Desh.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 324. Paludina. A P. pachystoma Sdbg. B P. avellana Neum.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 325. Trochus angulatoplicatus Mnstr.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 326. Helix deflexa A. Br.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 327. Planorbis euomphalus Sow. ¹⁄₁.

1. Ordnung Opisthobranchiata (Hinterkiemer).

Nur die Unterordnung der Tectibranchiata setzt sich zum Theil aus schalentragenden Formen zusammen. Die Schalen sind meist spiralgerollt und häufig mit Spiralstreifen versehen, selten schildförmig. Von der Steinkohlenformation an bekannt, wichtig in Jura und Kreide.

1. Fam. Actaeonidae. Schale solid. Gewinde meist sichtbar. Spindelrand meist mit Falten (Fig. 328, 329).

2. Fam. Bullidae. Schale dünn. Gewinde meist verhüllt. Spindelrand ohne Falten (Fig. 330).

1. Fam. Actaeonidae.

Steinkohlenformation — Gegenwart, vorwiegend in der Kreide verbreitet.

Actaeonella d’Orb. (Fig. 328). Schale conisch, oval oder kugelig, mit zahlreichen Umgängen, nur mit queren Anwachsstreifen; Gewinde mässig hoch oder niedergedrückt. Mundöffnung lang und schmal, ganz. Die Spindel vorn verdickt, mit 3 starken Falten. Aussenlippe dünn und deshalb meist zerbrochen. Z. Th. sehr grosse und dickschalige Schnecken. Angeblich schon im Malm des Apennin, sehr häufig in der oberen Kreide, namentlich in der südeuropäischen Hippuritenkreide. Europa, Kleinasien, Indien, Nordamerika (»Actäonellenschichten«).

A. gigantea Sow. sp. (Fig. 328). Hippuritenkreide. Südfrankreich, Salzkammergut, Kleinasien. Untersenon. Aachen.

A. laevis Sow. sp. Hippuritenkreide. Südfrankreich, Salzkammergut, Böhmen.

Avellana d’Orb. (Fig. 329). Schale kugelig; Gewinde kurz. Oberfläche mit zahlreichen, gleichen Spiralstreifen. Mündung schmal, nach unten erweitert, halbmondförmig. Aussenlippe (a) verdickt und meist gekerbt. Spindelrand mit 2 oder 3 Falten (f). Auf die Kreide beschränkt.

A. incrassata Mant. sp. (Fig. 329). Oberer Gault. England, Frankreich, Schweiz.

A. cassis d’Orb. Cenoman. Frankreich.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 328. Actaeonella gigantea Sow. sp. Unteres Senon (Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut. a = Abbruchstelle des letzten Umganges; f = Spindelfalten.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 329. Avellana incrassata Mant. sp. Oberer Gault. Frankreich. a = die gekerbte Aussenlippe; f = Falten des Spindelrandes.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 330. Bulla ampulla Lin. Pliocän. Asti, Piemont.

2. Fam. Bullidae.

Von der Trias an bekannt, Hauptverbreitung im Tertiär und in der Gegenwart.

Bulla Lin. (Fig. 330). Schale oval bis fast kugelig; letzter Umgang die vorigen umhüllend. Gewinde eingesenkt. Mündung höher als der letzte Umgang, unten ausgebaucht. Oberfläche glatt, höchstens mit Zuwachsstreifen. Kreide — Gegenwart; verwandte Gattungen nicht selten im Tertiär.

B. ampulla Lin. (Fig. 330). Neogen. Südeuropa. Lebend. Atlantischer Ocean, Ostindien.

2. Ordnung Heteropoda.

Die zarten, symmetrisch spiral eingerollten Schalen der Heteropoden sind nur als Seltenheiten in jungtertiären Schichten gefunden worden.

3. Ordnung Prosobranchiata.

Die Mehrzahl der schalentragenden Schnecken gehört dieser Ordnung an. Sie leben vorwiegend im Meere. Fossil sehr wichtig; schon vom Cambrium an bekannt.

1. Unterordnung Placophora.

Die verlängerte, flach schüsselförmige, symmetrische Schale besteht aus 8 Querplatten, die sich dachziegelförmig (die vordere etwas über die hintere übergreifend) aneinanderfügen. Eine lederartige Haut, welche die Schale rings umgiebt, hält die beweglichen Platten zusammen. Nur eine Gattung.

Chiton Lin., deren Reste vereinzelt in allen Formationen (schon in silurischen Schichten) gefunden sind. Mehrere 100 lebende Arten, meist in den wärmeren Meeren und in geringen Meerestiefen.

Ch. priscus Mnstr. Subcarbon. Belgien.

2. Unterordnung Cyclobranchiata (Kreiskiemer).

Der symmetrische Körper wird von einer napfförmigen Schale bedeckt, welche an der Spitze stets geschlossen ist. Vom Silur an bekannt, Hauptentwickelung in der Gegenwart. Leben in seichtem Wasser, meist auf Felsen sitzend.

Patella Lin. (Fig. 331). Schale oval bis kreisrund, kegelförmig oder niedergedrückt, mit fast mittelständiger oder etwas nach vorn gerückter Spitze. Oberfläche meist radial verziert, selten glatt. Auf der Innenseite ein hufeisenförmiger, nach vorn geöffneter Muskeleindruck. Vom Jura an, sehr häufig in der Gegenwart. Marin.

P. Hettangiensis Terq. Unterer Lias (Angulaten-Sandstein). Lothringen.

P. rugosa Sow. (Fig. 331). Oberer Dogger (Great Oolite). England, Normandie.

P. vulgata Lin. Pliocän und Lebend. Europa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 331. Patella rugosa Sow. Oberer Dogger. Langrune, Normandie. Schale von oben gesehen. ¹⁄₁.

3. Unterordnung Aspidobranchiata.

Die wichtigsten Familien unterscheiden sich wie folgt:

A.Schalenrand mit einem Schlitz oder Schale an der Spitze gelocht (Fig. 332–335)Fissobranchiata.

a.Schale napfförmig, mit durchbohrter Spitze oder mit Schlitz am Vorderrande. Spitze zuweilen nahezu symmetrisch eingerollt (Fig. 332, 333)1. Fam. Fissurellidae.

b.Schale unsymmetrisch spiral aufgerollt (Fig. 334)2. Fam. Pleurotomariidae.

c.Schale symmetrisch spiral aufgerollt (Fig. 335)3. Fam. Bellerophontidae.

B.Schalenrand ganz, Schale nicht gelocht (Fig. 336–344)Scutibranchiata.

a.Schale kreisel- oder thurmförmig (Fig. 336–340)4. Fam. Trochidae.

b.Schale halbkugelig. Innenlippe verdickt und abgeplattet (Fig. 341–344)5. Fam. Neritidae.

1. Fam. Fissurellidae.

Fissurella Bug. (Fig. 332). Schale symmetrisch, napf- oder mützenförmig. Spitze mit einem runden oder länglichen Loche. Oberfläche radial gerippt. Vielleicht schon paläozoisch, sicher vom Jura an, häufig Tertiär und Lebend.

F. Italica Dfr. (Fig. 332). Miocän und Pliocän. Südeuropa.

F. Graeca Lam. Pliocän und Recent. Europa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 332. Fissurella Italica Dfr. Miocän. Wiener Becken. Schale von oben gesehen. Die Spitze ist gelocht. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 333. Emarginula Münsteri Pict. Karnische Stufe (Cassianer Sch.). St. Cassian. Dolomitalpen. Schale von vorn, den Schlitz und das Schlitzband zeigend. ²⁄₁.

Emarginula Lam. (Fig. 333). Die schüssel- oder mützenförmige Schale besitzt am Vorderrande einen Schlitz. Die Spitze ist häufig nach hinten schwach unsymmetrisch eingerollt. Zahlreiche fossile Arten seit der Steinkohlenformation, von der Kreide an häufig. 150 lebende Formen in den wärmeren Meeren.

E. Münsteri Pict. (Fig. 333). Alpenkeuper (Cassianer Sch.). Südalpen.

E. fissura Lin. sp. Pliocän — Lebend. Europa.

2. Fam. Pleurotomariidae.

Schale unsymmetrisch spiral gewunden, kegel- bis thurmförmig. Mündung ganz, selten mit kurzem Canal. Aussenrand mit Afterschlitz (Fig. 334 A s, C s) oder an dessen Stelle mehrere schlitzförmige Oeffnungen. Die Ausfüllung des Schlitzes lässt sich an den zurückgebogenen Anwachsstreifen (Fig. 334 B s’) als Schlitzband (Fig. 334 A s’, C s’) auch auf den früheren Umgängen verfolgen. Mehrere, zur Vorzeit sehr formenreich entwickelte Gattungen. Lebend nur noch wenige, sehr seltene Formen.

Pleurotomaria Dfr. (Fig. 334 A–C). Schale scheibenförmig, kugelig, meist kreisel- oder kegelförmig, in der Regel breit, mit oder ohne Nabel. Oberfläche glatt (C) oder mit spiralen Reifen und Knotenreihen (A), die von deutlichen Anwachsstreifen gekreuzt werden. Durch das Schlitzband von den oft ähnlich gestalteten Schalen der Trochidae unterschieden. Fossil ausserordentlich häufig, namentlich in paläozoischen (400 Arten) und mesozoischen Schichten. Im Tertiär noch wenige Arten, die 4 lebenden Arten in grösseren Tiefen und sehr selten.

Pl. obvallata Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 5, Fig. 1). Untersilur (Orthocerenkalk). Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

Pl. delphinuloides Schl. sp. Mitteldevon. Eifel, England.

Pl. conica Phill. Subcarbon. Grossbritannien.

Pl. Albertii Wissm. sp. Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland.

Pl. radians Wissm. sp. Karnische Stufe (Cassianer Sch.). Dolomitalpen.

Pl. polita Sow. sp.}Unterer Lias (α). Mitteleuropa.

Pl. caepa Desl. (Fig. 334 C)

Pl. anglica Sow. sp. (Fig. 334 A, B). Unterer Lias. Mitteleuropa.

Pl. expansa Sow. sp.}Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

Pl. amalthei Qu.

Pl. conoidea Dfr. sp.}Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

Pl. ornata Dfr. sp.

Pl. armata Mnstr. Mittlerer Dogger — Callovien, Mitteleuropa.

Pl. linearis Mant. Obere Kreide. Mitteleuropa.

Als Murchisonia d’Arch. & Vern. werden die thurmförmigen, zuweilen mit kleinem Ausguss oder Canal versehenen Schalen unterschieden, welche namentlich in paläozoischen Schichten häufig vorkommen.

M. bellicincta Hall. Untersilur. Nordamerika.

M. turbinata Schl. sp.}Mitteldevon England, Deutschland.

M. intermedia Phill. sp.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 334. A–C Pleurotomaria. A, B Pl. anglica Sow. sp. Unterer Lias (α). Frankreich. B ein Stück der Schalenoberfläche, um die zurückgebogenen Anwachsstreifen des Schlitzbandes (s’) zu zeigen. C Pl. caepa Desl. Unterer Lias (α). Hettingen, Lothringen. s = Afterschlitz; s’ = Schlitzband.

3. Fam. Bellerophontidae.

Schale dick, symmetrisch, selten schwach unsymmetrisch eingerollt. Mitte des Aussenrandes der Mündung mit Einschnitt, der sich nach hinten in ein Schlitzband fortsetzt. Die Familie ist ausgestorben und, von wenigen triadischen Nachzüglern abgesehen, auf das Paläozoicum (Cambrium — Perm) beschränkt. Angeblich noch in der Kreide. Mehrere Gattungen.

Die z. Th. ganz ähnlich gestalteten Schalen der Heteropoda unterscheiden sich durch ihre Zartheit und das Fehlen von Farbenzeichnungen, wie man solche bei den Bellerophontidae beobachtet hat.

Bellerophon Montf. (Fig. 335). Schale scheibenförmig bis fast kugelig, involut. Gewinde oft unsichtbar. Nabel vorhanden oder fehlend, häufig durch eine Schwiele verdeckt. Innenlippe (A i) schwielig verdickt. Aussenrand mit Schlitz (s) und daran sich schliessendem, oft jederseits von einem Kiele (k) eingefasstem oder erhabenem, breitem Schlitzbande (s’). Oberfläche mit fiederstelligen Anwachsrippen (B), zuweilen auch mit Spiralstreifen, oder -furchen. Vom Cambrium bis ins Perm reichend, am häufigsten in der Steinkohlenformation und im Perm (über die ganze Erde verbreitet). »Bellerophonkalk« der Alpen (Perm).

B. trilobatus Sow. Obersilur und Devon. England. Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge, Harz.

B. striatus de Fér. & d’Orb. Mitteldevon. Eifel.

B. costatus Sow.}Subcarbon und Carbon. Europa.

B. Urei Flem. (Leth. pal., t. 45, Fig. 2)

B. bicarenus Lév. (Fig. 335)}Subcarbon. Europa.

B. hiulcus Sow.

B. peregrinus Siche. »Bellerophonkalk« (Oberes Perm) der Südalpen.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 335. A, B Bellerophon bicarenus Lév. Subcarbon. Tournay, Belgien. s = Afterschlitz; s’ = Schlitzband, beiderseits von einem Kiele (k) eingefasst; i = schwielig verdickte Innenlippe.

4. Fam. Trochidae.

Schale kegel- oder kreiselförmig. Mundränder zusammenhängend oder unterbrochen. Ein horniger oder kalkiger Deckel vorhanden. Diese Familie ist in allen Formationen durch eine Reihe von Gattungen vertreten, die sich nach dem Gehäuse allein nur schwer unterscheiden lassen. Die 2 wichtigsten Gattungen trennt man wie folgt:

A.Umgänge und Basis gewölbt. Mündung meist rund oder längsoval. Deckel kalkig (Fig. 336–338)Turbo.

B.Umgänge und Basis platt. Mündung selten rund, meist queroval oder eckig. Deckel hornig (Fig. 339, 340)Trochus.

Turbo Lin. (Fig. 336–338). Schale nicht oder eng genabelt. Umgänge gewölbt, zuweilen kantig (Fig. 338). Mündung kreisrund oder etwas längsoval, oben zuweilen winkelig (Fig. 338 x). Mundränder meist nicht zusammenhängend. Aussenlippe scharf. Oberfläche in der Regel mit spiralen Verzierungen. Deckel kalkig, aussen convex, innen platt und spiral gerollt (Fig. 337). Vom Silur bis zur Gegenwart. Die Stellung sehr vieler Arten unsicher, weil der Deckel nicht bekannt. Die namentlich im Jura häufigen Formen mit kantigen Umgängen und oben winkeliger Mündung (Fig. 338 x) werden als Eunema unterschieden.

T. (Cyclonema) bilix Conr. Untersilur. Nordamerika.

T. armatus Gf. Mitteldevon. Eifel.

T. helicinus Schl. Zechstein. Mitteldeutschland.

T. subcinctus d’Orb. sp. (Fig. 336). Karnische Stufe (Cassianer Sch.). Dolomitalpen.

T. solitarius Beni Leitfossil für den karnischen Hauptdolomit der Alpen.

T. (Eunema) subduplicatus d’Orb. sp. (Fig. 338)}Leitformen für die tiefsten Schichten des Doggers (Torulosus-Sch.) in Mitteleuropa.

T. (Eunema) capitaneus Münst.

T. (Eunema) ornatus Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

T. rugosus L. Miocän — Lebend. Europa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 336. Turbo subcinctus d’Orb. sp. Karnische Stufe (Cassianer Sch.). St. Cassian, Dolomitalpen.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 337. Deckel von Turbo sp., von der Seite und gegen die Innenfläche gesehen. Oligocän. Vicentin.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 338. Turbo (Eunema) subduplicatus d’Orb. sp. Unterster Dogger (Torulosus-Sch.). Silzklamm, Unterelsass. i = die etwas umgeschlagene Innenlippe; x = der obere Mundwinkel; k = die spirale Kante der Umgänge.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 339. Trochus angulato-plicatus Mnstr. Korallenkalk d. Oxford. Frankreich. i = Innenlippe.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 340. Trochus patulus Brocch. Miocän. Wiener Becken. Von vorn und von unten. ¹⁄₁.

Trochus Lin. (Fig. 339, 340). Gewinde meist regelmässig conisch. Umgänge eben, mit den Nähten in einer Ebene. Letzter Umgang meist kantig. Mündung verquert, häufig viereckig. Mundränder nicht zusammenhängend. Querverzierungen häufig. Deckel hornig. Erst seit dem Jura häufig. Gemein im Tertiär und in der Gegenwart. Z. Th. sehr grosse Arten.

Tr. monilitectus Phill. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

Tr. angulato-plicatus Mnstr. (Fig. 339). Korallenkalk des Malms. Mitteleuropa.

Tr. speciosus Gf. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

Tr. giganteus Mnstr. Eocän. Mittel- und Südeuropa.

Tr. Lucasanus Brgt. Oligocän. Vicentin.

Tr. patulus Brocch. (Fig. 340). Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

Tr. fanulum Gml. Miocän. Mittel- und Südeuropa. Pliocän und Lebend. Südeuropa.

5. Fam. Neritidae.

Schale dick, halbkugelig, ungenabelt. Gewinde sehr kurz und schief gegen den letzten Umgang gestellt (Fig. 341 B sp). Mündung halbmondförmig. Innenlippe verbreitert und verdickt, scheidewandartig vorspringend, oft gezähnt. Deckel kalkig, am Innenrande mit einem oder zwei nach innen gerichteten Fortsätzen (Fig. 342). Die inneren Umgänge meist resorbirt oder durch dicht gedrängte Scheidewände ausgefüllt (Fig. 344 B e). Von der Trias bis zur Gegenwart. Im Meer-, Brack- und Süsswasser.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 341. Nerita Plutonis Bast. Miocän. Uecken, Aargau. A von vorn. B von hinten. i = Innenlippe, gezähnt (z); a = Aussenlippe (innen verdickt); sp = Gewinde.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 342. Deckel einer lebenden Nerita mit den 2 Fortsätzen. ¹⁄₁.

Nerita (Fig. 341, 342). Oberfläche glatt oder spiral gerippt. Innenlippe breit und verdickt, gezähnt (Fig. 343 A z). Aussenlippe (a) nach innen zu verdickt, häufig gezähnt. Innere Windungen resorbirt, so dass die Schalenhöhlung einfach. Deckel (Fig. 342) schwach spiral, mit 2 Fortsätzen. Nur marin. Von der Trias bis zur Gegenwart. Lebend in den wärmeren Meeren.

N. transversa Seeb. Kimmeridge. Mitteleuropa.

N. rugosa Gf. sp. Oberste Kreide (Danien). Frankreich, Holland.

N. Acherontis Brgt. Oligocän. Vicentin.

N. Plutonis Bast. (Fig. 341). Miocän. Mitteleuropa.

Neritina Lmk. (Fig. 343). Dünnschaliger als die vorige Gattung und glatt. Innenlippe glatt oder ganz schwach gezähnelt (A z). Aussenlippe (a) scharf, innerlich nicht verdickt. Süsswasser, seltener Brackwasser Vom Jura an, häufig tertiär und lebend.

N. valdensis Dkr. Purbeck. Norddeutschland, Schweiz.

N. crenulata Kl. (Fig. 343). Leitfossil für das Obermiocän. Mitteleuropa.

N. fluviatilis Lin. sp. Miocän — Lebend. Europa.

Velates Montf. (Fig. 344). Sehr grosse, unten flache Schale mit fast verschwindendem Gewinde. Von Nerita durch die scharfe Aussenlippe, von Neritina durch die grobe Bezahnung (7 oder 8 Zähne) der stark verbreiterten, schwach convexen Innenlippe (A z) unterschieden. Die früheren Windungen durch dicht gedrängte Scheidewände ausgefüllt (B e). Eine glänzende, gelbbraune obere Schalenschicht (B ep) überzieht die Oberseite. Die einzige Art bezeichnet das Eocän in Europa, Aegypten, Indien und auf Madagascar.

V. Schmideli Chem. sp. (Fig. 344). Unter-, Mittel- und Obereocän.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 343. Neritina crenulata Kl. Obermiocän. Deutschhof, Württemberg. A von vorn. B von hinten. m = Mündung; i = Innenlippe, schwach gezähnelt (z); a = Aussenlippe; sp = Gewinde.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 344. Velates Schmideli Chem. sp. Untereocän (Sabl. infér.). Cuise-Lamotte, Oise. A Schale von unten, die stark verbreiterte und verdickte, mit 8 Zähnen (z) versehene Innenlippe, die Mündung (m) und die scharfe Aussenlippe zeigend. B die Schale von hinten bis zur Mitte angeschnitten. sp = Spindel; m = Mündung; e = die ersten, durch Scheidewände ausgefüllten Windungen; ep = obere Schalenschicht. NB. Die Figur ist nicht durch den Spiegel gezeichnet, muss also als Spiegelbild gedacht werden.

4. Unterordnung Ctenobranchiata.

Fast ausschliesslich Wasserbewohner. Schale meist spiral gewunden, selten napfförmig. Die Mehrzahl der Prosobranchiata gehört hierher (ca. 6000 lebende und 4000 fossile Formen). Vom Cambrium an bekannt.

A. Ptenoglossa (Federzüngler).

Schale niedrig und dann meist weit genabelt, oder thurmförmig und dann Mündung mit zusammenhängenden Mundrändern.

Fam. Solariidae.

Schale kreisel- oder scheibenförmig, weit und tief genabelt. Die Umgänge nehmen langsam an Dicke zu; der letzte meist sehr wenig erweitert. Vom Silur bis zur Gegenwart. Die meisten hierher gehörigen Gattungen wenig scharf von einander unterschieden.

Solarium Lmk. (Fig. 347). Schale niedrig kegelförmig, mit weitem, randlich gekerbtem Nabel. Letzter Umgang mit Spiralkante. Mündung mehr oder weniger viereckig. Tertiär und Gegenwart.

S. patulum Lmk.}Mitteleocän. Pariser und Londoner Becken.

S. canaliculatum Lmk.

S. perspectivum Lin. sp. (Fig. 347). Lebend. Ostindien.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 345. Straparollus pentangulatus Sow. sp. Subcarbon. Belgien. A Oberseite. k = Kante, die nach vorn convexe Zuwachsstreifung der Schale unterbrechend. B von vorn. m = Mündung; k = obere Kante; l = Zuwachsstreifung.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 346. Straparollus Dionysii Montf. Subcarbon. Belgien. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 347. Solarium perspectivum Lin. sp. Lebend. Indischer Ocean. Schale in der Richtung der Achse durchschnitten. Erklärung siehe Fig. 310 B.

Straparollus Mtf. (= Euomphalus) (Fig. 345, 346). Von Solarium nur durch das Fehlen der Nabelkerben unterschieden. Conisch bis scheibenförmig, aber Oberseite stets von der Unterseite verschieden. Umgänge rund oder kantig, glatt oder verziert. Mündung rundlich oder eckig, oft mit schwacher Einbuchtung; in der Fortsetzung derselben oft eine schlitzbandartige Unterbrechung der Sculptur (Fig. 345 A k). Anwachsstreifen nach vorn convex. Die jüngeren (jurassischen und cretaceischen) Arten kaum scharf von Solarium geschieden. Sehr häufig vom Silur an bis zur Kreide; schon im Cambrium vorhanden. Zahlreiche, z. Th. recht ansehnliche Arten im Paläozoicum.

Str. alatus His. (Leth. pal., t. 14, Fig. 9)}Obersilur. Gotland.

Str. catenulatus His. (Leth. pal., t. 14, Fig. 8)

Str. delphinuloides Schl. sp.}Mitteldevon (Stringocephalenkalk). Rheinlande.

Str. serpula Gf. sp.

Str. Goldfussi d’Arch. & d. Vern. Mitteldevon. Eifel.

Str. Dionysii Montf. (Fig. 346)}Steinkohlenformation. Mittel- und Nordeuropa.

Str. pentangulatus Sow. sp. (Fig. 345)

Str. catillus Mart. sp.

Str. exiguus Phil. Muschelkalk. Norddeutschland.

Str. ornatus Fitt. sp.}Gault. England, Frankreich.

Str. Martini d’Orb. sp.

Die flachen, nahezu symmetrisch (links oder rechts) eingerollten Schalen mit trapezförmigem Windungsquerschnitt und rückwärts gebogenen Anwachsstreifen werden als Discohelix Dkr. unterschieden. Trias — Gegenwart, hauptsächlich im Lias.

D. sinister d’Orb. sp. Mittlerer Lias. Normandie.

D. minutus Ziet. Oberer Lias und unterer Dogger. Mitteleuropa.

Vielleicht schliesst sich hier die ausgestorbene Gattung

Maclurea Les. (Fig. 348) an. Oberseite flach, alle Windungen zeigend; Unterseite tief und eng genabelt, gewölbt (A). Mündung halbkreisförmig. Der in Verbindung mit der Schale gefundene, dicke, kalkige Deckel erinnert durch seine Fortsätze an die ähnlichen Bildungen von Nerita (p. 313), weshalb die Gattung vielleicht zu den Neritidae zu stellen. Wenn die flache Spiralseite, wie hier geschehen, als Oberseite gedeutet wird, ist die Schale links gewunden, bei umgekehrter (von vielen Autoren vorgezogener) Stellung rechts gewunden. Ausschliesslich im Cambrium und Untersilur, häufig in Nordamerika (»Maclurea Limestone« des Untersilurs), selten in Nordeuropa.

M. matutina Hall. Cambrium. Nordamerika.

M. magna}Untersilur. Nordamerika.

M. arctica Haught.

M. Logani Salt. (Fig. 348). Untersilur. Nordamerika, Schottland.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 348. Maclurea Logani Salt. Untersilur. Canada. A Schale von vorn ohne Deckel. B der schwach spiral gewundene Deckel von aussen (links) und von innen (rechts), den längeren der beiden inneren Fortsätze zeigend. ¹⁄₁.

B. Taenioglossa (Bandzüngler).

Schale meist regelmässig spiral aufgerollt, selten ganz unregelmässig (Serpula-ähnlich) oder mützenförmig. Nach der Gestalt der Mündung zerfallen die Taenioglossa in die folgenden 2 Abtheilungen:

Holostomata. Mündung ohne Ausschnitt oder Canal.

Siphonostomata. Mündung mit Ausschnitt oder Canal.

Es ist zu dieser Eintheilung zu bemerken, dass einige Gattungen, welche nach der Beschaffenheit des Thieres zu den Holostomata gerechnet werden müssen, wie z. B. Melanopsis (p. 322), einen mindestens eben so deutlichen Ausguss der Mündung besitzen, wie die Gruppe der Entomostoma unter den Siphonostomata (p. 324 ff.).

I. Holostomata.

Eine Trennung der hierher gehörigen Familien nach dem Gehäuse allein ist schwer durchführbar. Die Charaktere der wichtigsten Familien sind in folgender Tabelle zusammengestellt:

FamilieLebensweiseGestalt der SchaleOberflächenverzierungUngefähre Zahl der Umgänge

TurritellidaeMarinthurmförmigvorwiegend spiral5 >

CapulidaeMarinmützenförmig bis kegelförmigfehlend, quer oder spiral> 5

NaticidaeMarinmehr oder weniger kugeligmeist fehlend, selten quer oder spiral> 5

PaludinidaeLimnischkegelförmig bis fast kugelig fehlend, quer oder spiral> 5

MelanidaeLimnisch und brackischthurmförmig bis eiförmigspiral, seltener quer oder fehlend5 >

PseudomelanidaeMarinthurmförmigmeist fehlend5 >

1. Fam. Turritellidae.

Schale regelmässig thurmförmig, mit zahlreichen Windungen. Spirale Oberflächenverzierung. Trias — Gegenwart.

Turritella Lmk. (Fig. 349). Schale hoch, thurmförmig, regelmässig aufgerollt, mit zahlreichen, kantigen (B), seltener gewölbten (A) Umgängen. Mundränder nicht zusammenhängend. Aussenlippe scharf. Spiralrippen oder -streifen stets vorhanden. Von der Trias an, häufig in der Kreide, gemein Tertiär und Lebend. Im jüngeren Tertiär oft ganze Bänke bildend.

T. Humboldti v. B. Unterer Lias. Chile.

T. granulata Sow. Cenoman. England, Belgien, Norddeutschland, Böhmen etc.

T. multistriata Rss. Turon und Senon. Deutschland.

T. sexcincta Gf. Südfrankreich, Aachen.

T. imbricataria Lmk. (Fig. 349 B). Mitteleocän. Pariser Becken.

T. carinifera Desh. Mitteleocän. Pariser Becken. Westalpen.

T. turris Bast. (Fig. 349 A). Weit verbreitet im europäischen Miocän.

T. cathedralis Brgt.}Ebendaselbst.

T. Archimedis Brgt.

T. bicarinata Eichw.

T. terebra Lin. Pliocän und Lebend. Europa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 349. Turritella. A T. turris Bast. Miocän. Ermingen bei Ulm. B T. imbricataria Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Pariser Becken. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 350. Capulus neritoides Phill. sp. Subcarbon. Visé, Belgien. Schale von der Seite gesehen. ¹⁄₁.

2. Fam. Capulidae.

Schale napf-, schüssel- oder mützenförmig, selten und dann meist nur im Anfang spiral gewunden. Mündung häufig trompetenartig erweitert. Vom Cambrium bis zur Gegenwart.

Capulus Montf. (Fig. 350). Höchstens im Anfang spiral eingerollt, später ganz oder z. Th. frei, schüsselförmig bis hoch conisch, oft widderhornartig gewunden. Mündung stark erweitert, rund oder oval, meist regelmässig ausgebuchtet. Oberfläche glatt, häufig radial gefurcht, seltener gegittert oder mit Stacheln bewehrt. In zahlreichen Formen vom Cambrium bis zur Steinkohlenformation, selten in jüngeren Bildungen, bis zur Gegenwart.

C. anguis Barr. (Leth. pal., t. 14, Fig. 10)}Obersilur. Böhmen.

C. elegans Barr.

C. hercynicus Kays. Häufig im Unterdevon (Hercyn) des Harzes. Eifel, Böhmen.

C. priscus Gf. sp. (Leth. pal., t. 29, Fig. 11). Unter- und Mitteldevon. Eifel, Harz, Böhmen.

C. neritoides Phill. sp. (Fig. 350). Subcarbon. Belgien.

C. vetustus Sow. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.

3. Fam. Naticidae.

Schale meist kugelig, mit kurzem, gewöhnlich stumpfem Gewinde, seltener verlängert. Letzter Umgang stark erweitert. Mündung mehr oder weniger halbmondförmig, unten gerundet, oben eckig. Oberfläche gar nicht oder schwach verziert. Vom Silur an, in allen Formationen, von der Steinkohlenformation an häufig. Etwa 300 lebende Formen in allen Meeren.

Natica Lmk. (Fig. 351). Schale meist unverziert und dick. Nabel meist mehr oder weniger entwickelt; die verdickte Spindel oft im unteren Theil desselben sichtbar. Aussenlippe scharf, Innenlippe mehr oder weniger verdickt. Deckel kalkig oder hornig, schwach spiral (Fig. 351 b). Zahlreiche, aber schwer zu unterscheidende Untergattungen. Vielleicht schon in paläozoischen Formationen vorhanden, häufig vom Jura an.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 351. a Natica millepunctata Lmk. Pliocän. Mte. Mario b. Rom. Schale mit Spuren der ursprünglichen Färbung. Die wulstförmig verdickte Spindel ist im unteren Theile des weiten Nabels sichtbar. b spiralgewundener Deckel einer fossilen Natica.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 352. Naticella costata Mnstr. Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.). Campitello, Dolomitalpen. A von vorn. B von hinten.

N. Gaillardoti Gf. Oberer Buntsandstein und unterer Muschelkalk. Westdeutschland, Lothringen.

N. Meriani Hörn. Norische Stufe (Esinosch.). Südalpen.

N. suprajurensis Buv. Kimmeridge. Frankreich, Schweiz, Norddeutschland.

N. gaultina d’Orb. Gault. England, Frankreich, Schweiz.

N. epiglottica Lmk.}Mittel- und Obereocän. Pariser Becken.

N. caepacea Lmk.

N. patula Lmk. Eocän. Frankreich, Belgien, England, Indien.

N. crassatina Desh. Oligocän. Frankreich, Rheinthal, Schweiz, Vicentin, Krim.

N. millepunctata Lmk. (Fig. 351 a).}Miocän — Lebend. Europa. Ueberall gemein.

N. Josephinia Risso.

Naticella Mnstr. (Fig. 352) unterscheidet sich durch die regelmässigen Querrippen der Schale und das vollständige oder fast vollständige Fehlen eines Nabels. Schale dünn. Silur — Trias.

N. lyrata Phill. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.

N. costata Mnstr. (Fig. 352). Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.), Südalpen, Balkanhalbinsel.

Naticopsis M’Coy. Glatt oder quergerippt, ungenabelt. Innenlippe in ähnlicher Weise wie bei Nerita (p. 313) verdickt und abgeplattet. Deckel dick, mit einem Fortsätze. Vielleicht den Neritidae anzuschliessen. Silur — Trias. Die Mehrzahl der sog. Natica-Arten des Paläozoicums gehört hierher.

N. subcostata Schl. sp. (Leth. pal., t. 32, Fig. 8). Mitteldevon (Stringocephalenkalk). Rheinlande.

N. ampliata Phill. sp. Steinkohlenformation. Grossbritannien, Belgien, Russland.

N. globosa Hön. sp. Steinkohlenformation. Grossbritannien, Belgien, Kärnthen, Nordamerika.

N. lemniscata Hörn. sp. Norische Stufe. Südalpen.

4. Fam. Paludinidae.

Schale kugelig bis kegelförmig, mit grüner oder brauner Epidermis. Mündung gerundet, oben oft winkelig. Mundränder zusammenhängend. Ausschliesslich Süsswasserbewohner. Fossil seit dem Jura. Häufig im Tertiär und in der Gegenwart.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 353. Paludina orbicularis Sow. Unteroligocän. Südengland. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 354. A Paludina pachystoma Sdb. Miocän. Mainzer Becken. B P. avellana Neum. Pliocän (Paludinensch.). Slavonien. Die Schale ist quergerippt (r).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 355. Hydrobia ventrosa Mont. sp. (= Littorinella acuta). Miocän (Littorinellenkalk). Mainzer Becken. Links: ein mit den Schalen angefülltes Gesteinsstück. ¹⁄₁. Rechts: eine einzelne Schale. ⁵⁄₂.

Paludina Lmk. (= Vivipara) (Fig. 353, 354). Schale dünn, kegelförmig, mit stumpfer Spitze; schwach oder nicht genabelt. Umgänge meist gewölbt, glatt (A), spiral- oder quergerippt (B). Mündung unten gerundet, oben winkelig. Fossil von der unteren Kreide an, sehr häufig im Tertiär und in der Gegenwart.

P. fluviorum Sow. sp. Untere Kreide (Wälder Sch.). England, Norddeutschland.

P. aspera Michaud. Untereocän. Frankreich.

P. Hammeri Dfr. Mitteleocän. Elsass.

P. orbicularis Sow. (Fig. 353). Unteroligocän. Südengland.

P. pachystoma Sdb. (Fig. 354 A). Untermiocän (Corbicula- und Littorinellenschichten). Mainzer Becken.

P. varicosa Br. sp. Mittelmiocän. Schwaben.

P. avellana Neum. (Fig. 354 B)}nebst zahlreichen verwandten Formen bezeichnen die mittelpliocänen »Paludinenschichten« SO.-Europas.

P. Hellebori Hörn.

P. Fuchsi Neum.

P. diluviana Kunth. Unteres Diluvium. Norddeutschland. Lebend. SO.-Europa.

P. vivipara Müll. sp. Diluvium. England, Rheinthal. Lebend über den grössten Theil Europas verbreitet.

Hydrobia Hartm. (= Litorinella) (Fig. 355). Kleine, meist hochgethürmte Schalen mit runder, oben meist winkeliger Mündung und unverzierter Oberfläche. Leben in Süss- oder Brackwasser, selten im Meere. Fossil schon im Jura, sehr häufig im Neogen, oft ganze Schichten erfüllend »Litorinellenkalk«).

H. inflata Fauj. sp. Untermiocän (Corbicula-Sch.). Mainzer Becken.

H. ventrosa Mont. sp. (Fig. 355). Mit der vorigen Art zusammen, besonders aber in den sog. »Litorinellen-« oder »Hydrobienkalken« des Mainzer Beckens häufig. Miocän. Frankreich, Wiener Becken. Lebend. Südfrankreich, Sicilien, England.

5. Fam. Melanidae.

Schale thurmförmig, mit langem, zugespitztem Gewinde. Mündung rundlich oder eiförmig, ganz, seltener mit kurzem Ausguss oder Canal. Aussenlippe scharf und gebogen. Innenlippe meist umgeschlagen, oft verdickt. Die Schale ist mit dicker, dunkler Epidermis überzogen, das Gewinde häufig angefressen. Kreide und Tertiär. Die zahlreichen (ca. 1000) recenten Formen leben im Süss-, seltener im Brackwasser der wärmeren Regionen.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 356. Melania strombiformis v. Schl. sp. Untere Kreide (Wälderthon). Neustadt a. R., Hannover. ¹⁄₁.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 357. Melania inquinata Desh. Untereocän (Soisson-St.). Rilly b. Rheims. i = Innenlippe; a = die etwas ausgebogene Aussenlippe.

Melania Lmk. (Fig. 356, 357). Schale hoch thurmförmig, ungenabelt, meist mit spiralen, zuweilen auch mit queren Verzierungen, selten glatt. Mündung ganz. Aussenlippe unten schwach ausgebogen (Fig. 357 a). Spindel nicht abgestutzt, allmählich in die Aussenlippe verlaufend. Fossil von der Kreide an, sehr häufig Lebend.

M. strombiformis v. Schl. sp. (Fig. 356). In der unteren Kreide (Wealdenbildung) Englands und Norddeutschlands häufig.

M. inquinata Dfr. (Fig. 357). Häufig im Untereocän Frankreichs und Englands.

M. alpina May. Obereocän. Thuner See.

M. Laurae Math. Obereocän. Oberes Rheinthal, Provence.

M. muricata Wood. Obereocän und Oligocän. England. Oligocän. Norddeutschland.

M. Escheri Brgt. Miocän und Pliocän. Mitteleuropa.

Melanopsis Fér. (Fig. 358 A, B). Schale thurmförmig bis eiförmig, Gewinde oft stark verkürzt. Spindel unten abgestutzt, die Mündung in Folge dessen mit kurzem unterem Ausguss (c); zuweilen auch oben ein Canal (B i). Spindelrand (A i) verdickt, oben meist schwielig (B i). Neben dem Spindelrande trennt sich oft ein markirtes »Basalfeld« (b) ab, welches gegen oben von einer kammartigen Erhöhung (A k) begrenzt sein kann. Von der Kreide an, sehr häufig im Neogen, Lebend in den Mittelmeerländern, Neu-Caledonien und Neu-Seeland.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 358. A Melanopsis galloprovincialis Math. Oberste Kreide (Garonne-Stufe). Martigues bei Marseille. c = Ausguss; i = Innenlippe; b = Basalfeld, nach oben durch einen Kamm (k) begrenzt. B M. Martiniana Fér. Unterpliocän. Wiener Becken. Bezeichnung wie bei A. Neben der schwielig verdickten Innenlippe (i) ist der obere Canal der Mündung sichtbar.

M. galloprovincialis Math. (Fig. 358 A). Oberste Kreide (Garonne-Stufe). Südfrankreich.

M. citharella Mer. Untermiocän. Randen, Aargau.

M. aquensis Grat. Untermiocän. SW.-Frankreich. Pliocän. SO.-Europa.

M. Kleinii Kurr. Leitfossil für das Obermiocän in Mitteleuropa.

M. impressa Krauss. Miocän. Mitteleuropa. Pliocän. SO.-Europa.

M. Martiniana Fér. (Fig. 358 B). Unterpliocän. SO.-Europa.

M. acanthica Neum. und zahlreiche andere Arten in den pliocänen Paludinenschichten SO.-Europas.

M. praerosa Lin. sp. Pliocän und Lebend. Mittelmeerländer.

6. Fam. Pseudomelanidae.

Eine Anzahl ausgestorbener Gattungen von unsicherer Stellung werden zweckmässiger Weise an die Melanidae angeschlossen. Ihre Gehäuse sind thurmförmig, mit zahlreichen Windungen. Die Mündung ganz oder unten schwach ausgebuchtet. Die Oberflächenverzierung besteht meist nur aus Anwachs-, selten aus Spiralstreifen. In paläozoischen und mesozoischen Formationen häufig, im Eocän aussterbend. Meeresbewohner.

Chemnitzia (= Pseudomelania) (Fig. 359). Umgänge eben oder nur ganz schwach gewölbt. Letzter Umgang viel weniger hoch als das zugespitzte Gewinde. Aussenlippe (a) scharf, Innenlippe (i) einfach, nicht verdickt. Oberfläche mit schwach gebogenen Anwachsstreifen oder Querrippen. Zickzackförmige Farbenstreifen nicht selten erhalten. Sehr häufig im Mesozoicum, seltener im Tertiär.

Ch. scalata v. Schl. sp. Häufig im Muschelkalk, seltener im Keuper. Deutschland.

Ch. Escheri Hörn. Norische Stufe (Esino-Sch.). Südalpen.

Ch. alpina Eichw. sp. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Südalpen.

Ch. Zenkeni Dkr. sp. Unterer Lias (Angulatenschichten). Norddeutschland, Lothringen, Schwaben.

Ch. lineata Sow. sp. Mittlerer Dogger. England, Frankreich, Süddeutschland.

Ch. Heddingtonensis Sow. sp. (Fig. 359). Oxford. Mitteleuropa.

Ch. lactea Lmk. sp. Eocän. Pariser Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 359. Chemnitzia Heddingtonensis Sow. sp. Oxford. Frankreich. Die zickzackförmigen Farbenstreifen der Schalenoberfläche erhalten. a = Aussen-, i = Innenlippe.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 360. Macrochilus arculatus v. Schl. sp. Mitteldevon (Stringocephalenkalk). Paffrath b. Cöln. Die Innenlippe ist unten verdickt und zeigt eine undeutliche Falte.

Loxonema Phill. lässt sich nicht scharf von Chemnitzia trennen. Die Umgänge sind meist gewölbt und sehr zahlreich, die Aussenlippe oben vorgezogen. Häufig im Paläozoicum, seltener in der Trias.

L. acuminatum Gf. sp. Subcarbon. Belgien, Rheinlande, Russland.

L. constrictum Mart. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Kärnten.

? L. obsoletum v. Schl. sp. Häufig im deutschen Muschelkalke, selten im Keuper.

Macrochilus Phill. (Fig. 360). Die letzte Windung höher als das Gewinde. Innenlippe unten verdickt und mit einer undeutlichen Falte versehen. Devon — Trias.

M. arculatus v. Schl. sp. (Fig. 360). Mitteldevon. Rheinlande, England, Ural.

II. Siphonostomata.

Die Siphonostomata, mit Sicherheit erst aus mesozoischen Schichten bekannt, zeichnen sich durch den Besitz eines Ausgusses oder Canals der Mündung aus. Die wichtigsten Formen lassen sich nach der Form der Mündung folgendermaassen unterscheiden:

a.Mündung niedrig, mit kurzem, zuweilen atrophirtem Ausguss. Schale hoch thurmförmig. Spindelfalten häufig vorhanden (Fig. 361–366)A. Entomostoma.

b.Mündung hoch, mit deutlichem Canal. Spindelfalten fehlen. Gewinde meist mässig lang oder kurz.

1.Aussenlippe ausgebreitet, häufig gefingert (Fig. 367–370)B. Alata.

2.Aussenlippe einfach, weder ausgebreitet noch gefingert (Fig. 374, 372)C. Canalifera.

A. Entomostoma.

Fam. Nerineidae.

Schale thurm- bis kegelförmig, dickwandig. Mündung unten mit kurzem, aber selten erhaltenem Ausguss (Fig. 361 A c). Aussenlippe scharf, im oberen Theile eingebogen und mit kurzem, schlitzartigem Einschnitte (Fig. 362 A e), welcher ein Schlitzband unter der Naht der früheren Umgänge hervorruft. Spindel, Innen- und Aussenlippe können Falten (Fig. 362 f1–f5) tragen, welche sich durch die ganze Schale verfolgen lassen; nur ausnahmsweise sind keine Falten entwickelt. Die Familie ist ausgestorben und auf Jura und Kreide beschränkt. Einzige Gattung:

Nerinea Dfr. (Fig. 361, 362). Schale genabelt (Fig. 362 A n) oder ungenabelt (Fig. 361 A) mit zahlreichen, ebenen oder eingesenkten, seltener convexen, meist niedrigen Umgängen. Oberfläche mit queren, an der Naht zurückgebogenen Anwachsstreifen (Fig. 362 A), häufig auch mit spiralen Rippen oder Kantenreihen verziert (Fig. 361 A). Die Mündung besitzt bei den hoch thurmförmigen Arten meist rhombischen Querschnitt, bei den kurzen, eingerollten Formen ist sie lang spaltförmig; letztere werden den Schalen von Actaeonella (p. 306) oft sehr ähnlich. Die Falten — auf dem medianen Längsschnitt (Fig. 362 B) am besten zu beobachten — fehlen nur selten; ihre Zahl schwankt zwischen 1 und 7. Sie sind entweder einfach kammförmig (Fig. 361 B f2, f3), oder verbreitert und verzweigt (Fig. 362 B f2, f3, f4), in welch’ letzterem Falle der Windungsquerschnitt einen sehr complicirten Umriss annimmt (Fig. 362 B). In der Nähe der Mündung verflachen sich die Falten häufig.

Die Nerineen gehören zu den häufigsten Formen in den Korallenkalken und den mit ihnen vergesellschafteten »Nerineenkalken« des Jura und der Kreide. Ihre Maximalentwickelung fällt in den Malm. Aus vorjurassischen Schichten sind sie nicht mit Sicherheit bekannt. Die zahlreichen Arten hat man in mehrere Untergattungen vertheilt, deren wichtigste hier angeführt sind.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 361. Nerinea trinodosa Voltz. Oberer Malm (Portland) Schweizer Jura. A Schale mit erhaltener Mündung. Dieselbe zeigt 3 Falten: 1 Spindelfalte (f2), 1 Falte der Innenlippe (f1) und 1 der Aussenlippe (f3). c = Ausguss; n = Naht. B Steinkern von 2½ Windungen, 2 einfache (f2, f3) und 1 schwach verbreiterte Falte (f1) zeigend.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 362. Nerinea (Ptygmatis) Bruntrutana Thurm. Oberes Oxford. Frankreich. A Schale mit erhaltener Mündung (m). e = Einschnitt am oberen Theile der Aussenlippe; n = Nabel. B Querschnitt der Windung, um die 5 Spindelfalten zu zeigen. f1 = Falte der Innenlippe; f2, f3 = Falten der Spindel; f4, f5 = Falten der Aussenlippe.

A.Schale thurmförmig, meist ungenabelt. Mündung kaum höher als breit. Falten selten über 5, meist 3, einfach oder schwach verzweigt (Fig. 361)

Nerinea s. str.

N. nodosa Voltz. Oxford. Schweiz, Frankreich.

N. turritella Voltz. Oxford. Frankreich.

N. Defrancei Desh. Oxford — Tithon. Mitteleuropa.

N. Visurgis Rö. Kimmeridge. Norddeutschland, Schweiz.

N. trinodosa Voltz. (Fig. 361 A, B). Portland. Schweizer Jura.

N. Orbignyi Zeuschn.}Tithon. Mittel- und Südeuropa.

N. Zeuschneri Pet.

N. Marcoui P. & C. Valengien. Frankreich, Schweiz.

N. gigantea H. F. Neocom und Urgon. Südfrankreich, Schweiz.

N. Requieni d’Orb. Turon. Südfrankreich, Libanon.

N. longissima Rss. Turon. Böhmen, Libanon.

N. flexuosa Sow. Hippuritenkreide (Senon). Salzkammergut.

B.Schale thurmförmig, meist genabelt. Mündung kaum höher als breit. 5–7, meist verzweigte Falten (Fig. 362)

Ptygmatis.

N. mumia v. Schl. Oberer Dogger (Hauptrogenstein). Badisches Oberland.

N. Bruntrutana Thum. (Fig. 362 A, B). Oxford — Tithon. Mitteleuropa.

N. Carpathica Zeuschn.}Kimmeridge und Tithon. Mittel- und Südeuropa.

N. pseudo-Bruntrutana Gem.

C.Schale thurmförmig, meist genabelt und glatt. Mündung breiter als hoch. Nur 1 Falte (auf der Innenlippe)

Trochalia.

N. depressa Voltz. Oxford — Tithon. Mittel- und Südeuropa.

N. subpyramidalis Mnstr. Kimmeridge und Tithon. Mittel- und Südeuropa.

D.Schale länglich oval, fast stets genabelt. Gewinde meist kurz. Mündung viel höher als breit. Falten einfach oder verzweigt

Itieria.

N. Mosae Desh. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

N. Cabaneti d’Orb. Oxford — Tithon. Mittel- und Südeuropa.

N. Staszycii Zeuschn. Tithon. Mittel- und Südeuropa.

Fam. Cerithidae.

Die ungenabelte Schale ist thurmförmig und erinnert durch die niedrigen Windungen an die Nerineen. Oberfläche meist reich skulptirt, oft gestachelt. Mündung niedrig, oval oder eckig, schräg gegen die Schalenachse gestellt; zuweilen mit Spindelfalten, die sich aber nur selten durch die ganze Schale verfolgen lassen. Unterer Ausguss der Mündung kurz (Fig. 365 c), meist zurückgebogen; häufig auch eine kürzere obere Rinne (Fig. 365 e). Innenrand umgeschlagen und meist verdickt. Wichtig ist nur die Gattung:

Cerithium Ad. mit den Charakteren der Familie. Im Meer-, Brack- und Süsswasser von der Trias bis zur Gegenwart (über 1000 Arten). Die Maximalentwickelung fällt in das Eocän. Gesteinbildend im älteren und jüngeren Tertiär. Die Schalen der Meeresbewohner sind glänzend, die der Brack- und Süsswasserbewohner (= Potamides) mit brauner Oberhaut bedeckt.

A. Schale glatt.

C. nudum Link. (Fig. 363).}Mitteleocän. Pariser Becken.

C. lapidum Link.

C. laevissimum v. Schl. Mitteloligocän. Deutschland.

B. Schale mit spiralen Höckern und Stacheln.

C. armatum Gf. Leitfossil für die Grenzschichten von Lias und Dogger (Torulosus-Sch.). Mitteleuropa.

C. limaeforme Rö. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

C. provinciale d’Orb. Unteres Senon (Hippuritenkreide). Südfrankreich. Salzkammergut.

C. funatum Mant. (= variabile Desh.). Untereocän. Pariser und Londoner Becken, oft ganze Bänke füllend.

C. giganteum Lmk. Mitteleocän. Nord- und Südfrankreich, Belgien, England. Erreicht eine Grösse von 0,5 m.

C. serratum Brug. (Fig. 364). Mittel- und Obereocän. Pariser Becken.

C. cristatum Lmk. Mittel- und Obereocän. Frankreich, England, Ungarn.

C. Diaboli Brgt. Obereocän. Westschweiz, Vicentin.

C. pseudomargaritaceum Brocc.}Oligocän. Mitteleuropa.

C. Lamarcki Brgt.

C. plicatum Bart. (Fig. 366). Oligocän und Miocän. Mitteleuropa. Untermiocäner »Cerithienkalk« des Mainzer Beckens.

C. margaritaceum Brocc. (Fig. 365)}Miocän. Mitteleuropa.

C. lignitarum Eichw.

C. pictum Bast.}Obermiocän. Mitteleuropa. »Cerithienschichten« der sarmatischen Stufe.

C. rubiginosum Eichw.

C. vulgatum Brug. Pliocän — Lebend. Mitteleuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 363. Cerithium nudum Lmk. Mitteleocän. Chaumont, Pariser Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 364. Cerithium serratum Brug. Mitteleocän (Grobkalk). Damery, Champagne.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 365. Cerithium margaritaceum Brocc. Untermiocän. Nonndorf, Wiener Becken. a = verdickte Aussenlippe; i = umgeschlagene Innenlippe; f = Spindelfalten; c = unterer Canal; e = obere Rinne der Mündung.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 366. Cerithium plicatum Bast. Oligocän. Ormoy, Pariser Becken.

B. Alata.

Da die Gehäuse der beiden wichtigsten hierher gehörigen Familien, der Aporrhaidae und Strombidae, durch kein constantes Merkmal unterschieden sind, so führen wir nur einige wichtige Vertreter beider Familien ungesondert auf. Jura — Gegenwart.

Rostellaria Lmk. (Fig. 367, 368). Schale mit hohem Gewinde, glatt oder verziert. Mündung länglich, nach unten in einen kurzen Canal (Fig. 367 c), nach oben in eine, oft über die Spitze hinausreichende Rinne (Fig. 367 r) verlängert. Aussenlippe (a) mehr oder weniger ausgebreitet, oft sehr gross (Fig. 368), aber nicht fingerförmig verzweigt, höchstens gezackt; an ihrem unteren Ende mit kurzem Ausschnitte (Fig. 367 b) versehen. Von der Kreide bis zur Gegenwart, hauptsächlich im Eocän.

R. fissurella Lmk. (Fig. 367). Eocän. England, Frankreich, Belgien, Aegypten, Armenien, Ostindien.

R. macroptera Lmk. (Fig. 368). Mitteleocän. Frankreich, England, Belgien.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 367. Rostellaria fissurella Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Pariser Becken. a = Aussenlippe; b = Ausschnitt derselben; i = Innenlippe; c = unterer Canal; r–r = obere Rinne.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 368. Rostellaria macroptera Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Pariser Becken. Der Ausschnitt am unteren Ende der Aussenlippe ist nicht deutlich.

Strombus Lin. Gewinde meist niedriger als bei Rostellaria. Schale sehr dick. Aussenlippe verdickt, einfach, seltener mit kurzen Fortsätzen. Schalenoberfläche mit Knoten oder Stacheln. Kreide — Gegenwart. Lebend in den wärmeren Meeren.

Str. Fortisi Brgl. Obereocän. Vicentin.

Str. coronatus Dfr. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa, Nordafrica. Lebend. Indischer Ocean.

Pteroceras Link. (Fig. 369). Mündung unten in einen langen, gebogenen Canal (c) verlängert. Aussenlippe in mehrere fingerförmige Fortsätze (f1–f6) zertheilt, die auf dem letzten Umgange durch Spiralwülste (f’) angedeutet sind. Der untere Ausschnitt der Aussenlippe fehlt den fossilen Formen (b), weshalb dieselben vielleicht von den lebenden zu trennen sind. Malm, Kreide, lebend nur in den tropischen Meeren.

Pt. Oceani Brgt. (Fig. 369). Leitfossil für das obere Kimmeridge (»Pteroceras-Stufe«) in Norddeutschland, Frankreich und der Schweiz; fehlt in Schwaben.

Pt. pelagi Brgt. Untere Kreide (Urgon). Frankreich, Nordalpen.

Aporrhais Dillw. (= Chenopus). Von Rostellaria durch die meist gefingerte Aussenlippe und die schwielige Innenlippe unterschieden. Canal meist kurz. Jura — Gegenwart.

A. Parkinsoni Sow. sp. Gault. England, Frankreich.

A. Reussi Gein. Obere Kreide. Mitteleuropa.

A. tridactylus A. Br. Oligocän. Deutschland.

A. pes pelecani Phill. Miocän — Lebend. Europa.

Alaria Morr. & Lyc. (Fig. 370). Von der vorigen Gattung durch das Fehlen des vorderen Ausschnittes der Aussenlippe und der hinteren Rinne unterschieden. Schale oft stachelig. Canal meist lang, oft gebogen (c). Innenlippe selten verdickt. Auf Jura und Kreide beschränkt und daselbst ziemlich häufig.

A. subpunctata Mnstr. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.

A. laevigata Morr. & Lyc. (Fig. 370). Oberer Dogger. England, Frankreich.

A. bicarinata Mnstr. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

A. carinata Mant. sp. Gault. England.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 369. Pteroceras Oceani Brgt. Oberes Kimmeridge (Pteroceras-Sch.). Lindener Berg b. Hannover. Schale von hinten gesehen. f’ = Spiralwülste des letzten Umganges, die sich in die fingerförmigen Fortsätze der Aussenlippe (f1–f6) verlängern; c = der geschwungene Canal; b = die Stelle, an welcher sich bei den lebenden Formen der Ausschnitt findet.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 370. Alaria laevigata Morr. & Lyc. Oberer Dogger. Frankreich. c = Canal; a = Aussenlippe; f, f’ = die fingerförmigen Verlängerungen derselben.

C. Canalifera.

Die Schalen der hierher gehörigen Formen besitzen zumeist ein niedriges, seltener mässig erhöhtes Gewinde. Der Canal ist meist kurz, die Aussenlippe einfach. Häufig im Tertiär und in der Gegenwart, selten in der Kreide.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 371. Cassis cancellata Lmk. Mitteleocän. Pariser Becken. Links: von vorn. Rechts: von hinten, die umgeschlagene Aussenlippe und den aufgebogenen Canal zeigend.

Cassis Lmk. (Fig. 371). Schale eiförmig, mit kurzem Gewinde, glatt oder verziert. Innenlippe umgeschlagen, meist gefaltet oder gekörnelt. Aussenlippe verdickt und zurückgeschlagen. Canal kurz, aufgebogen. Tertiär und Lebend, häufig im Neogen.

C. cancellata Lmk. (Fig. 371). Mitteleocän. Pariser Becken.

C. saburon Lmk. Miocän — Lebend. Mittel- und Südeuropa.

Tritonium Link. (Fig. 372). Schale mehr oder weniger verlängert, ei- bis spindelförmig. Umgänge mit entfernt stehenden, nicht zusammenhängenden Querwülsten versehen. Selten in der Kreide, häufig im Tertiär; zahlreiche lebende Formen.

T. flandricum d. Kon. (Fig. 372). Mittel-, seltener Oberoligocän. Nordfrankreich, Belgien, Deutschland.

T. corrugatum Lmk. Miocän — Lebend. Mittel- und Südeuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 372. Tritonium flandricum d. Kon. Mitteloligocän. Weinheim, Mainzer Becken.

C. Rachiglossa (Schmalzüngler).

Die hierher gehörigen Formen sind ausschliesslich Meeresbewohner. Ihre Schalen zeichnen sich wie diejenigen der Siphonostomata (p. 324) und die der Toxoglossa (p. 333) durch einen unteren Ausguss oder Canal der Mündung aus. Sie fehlen den paläozoischen Formationen; im Mesozoicum spärlich vertreten, erlangen sie ihre hauptsächliche Entwickelung in der Tertiärperiode und der Gegenwart.

Die wichtigsten Familien unterscheiden sich wie folgt:

a.Mündung mit Ausguss oder kurzem Canal.

1.Spindel glatt (Fig. 373, 374)Buccinidae.

2.Spindel mit Falten aber ohne Spindelschwiele (Fig. 375)Volutidae.

3.Spindel schwielig und gefaltet (Fig. 376)Olividae.

b.Mündung mit mehr oder weniger verlängertem Canal.

4.Schale in der Regel ohne Querwülste (Fig. 377–379)Fusidae.

5.Schale mit faltigen oder dornigen Querwülsten (Fig. 380)Muricidae.

1. Fam. Buccinidae.

Buccinum Lin. (Fig. 373). Schale eiförmig oder länglich, mit mässig verlängertem Gewinde. Mündung mit kurzem aber weitem Ausguss. Innenlippe ausgebreitet, aber nicht schwielig. Aussenlippe innen glatt. Kreide, Tertiär und Lebend.

B. Andrei Bast. Eocän — Miocän. Frankreich.

B. cassidaria A. Br. (Fig. 373). Leitfossil für das Oberoligocän (Cyrenenmergel) des Mainzer Beckens.

B. polygonum Brocch. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

B. undatum Lin. Pliocän — Lebend. Nordeuropa. Diluvial. Südeuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 373. Buccinum cassidaria A. Br. Oberoligocän (Cyrenenmergel). Mainzer Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 374. Nassa semistriata Brocc. sp. Miocän. Wiener Becken. i = Innenlippe; c = Canal; a = Aussenlippe, die inneren Streifen derselben viel zu zahlreich und fein gezeichnet.

Nassa Mart. (Fig. 374). Von Buccinum durch den etwas zurückgebogenen Canal (c), die oben schwielige Innenlippe (i) und die innerlich gestreifte Aussenlippe (a) unterschieden. Von der Kreide an, häufig erst seit dem Miocän.

N. semistriata Brocc. sp. (Fig. 374).}Miocän — Lebend. Europa.

N. reticulata Lin. sp.

N. reticosa Sow. sp. Leitfossil für das Pliocän in England und Belgien.

N. prismatica Brocc. Pliocän. Südeuropa.

2. Fam. Volutidae.

Voluta Lin. (Fig. 375). Letzte Windung sehr hoch, Gewinde relativ kurz. Spindel, zuweilen auch Innenlippe mit Falten. Mündung verlängert. Oberfläche glatt oder mannigfaltig verziert. Bereits in der Kreide häufig, zahlreiche Arten im Eocän. Lebend in den tropischen Meeren.

V. elongata d’Orb. Turon und Senon. Mitteleuropa.

V. elevata Sow. Untereocän. England, Frankreich.

V. spinosa Lmk. (Fig. 375). Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien, Ungarn.

V. harpula Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.

V. cithara Lmk. Eocän. England, Frankreich, Indien.

V. Rathieri Héb. Oligocän. England, Frankreich, Belgien, Deutschland.

V. rarispina Lmk. Miocän, seltener Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

V. Lamberti Sow. Pliocän (Crag). England.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 375. Voluta spinosa Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Pariser Becken. f = Spindelfalten; c = Canal.

3. Fam. Olividae.

Ancillaria Lmk. (Fig. 376). Gehäuse eiförmig, dickschalig, glatt. Gewinde kurz. Spindel gedreht, mit dicker, das Gewinde z. Th. bedeckender Schwiele. Aussenlippe scharf. Obere Kreide — Gegenwart.

A. buccinoides Lmk. Eocän. England, Frankreich, Belgien.

A. canalifera Lmk. Eocän, auch Oligocän und Miocän. Europa.

A. glandiformis Lmk. (Fig. 376). Oligocän — Pliocän, hauptsächlich Miocän. Mittel- und Südeuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 376. Ancillaria glandiformis Lmk. Miocän. Steinabrunn, Wiener Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 377. Fusus bulbiformis Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Pariser Becken.

4. Fam. Fusidae.

Fusus Lmk. (Fig. 377–379). Gehäuse spindelförmig. Mündung in einen Canal verlängert. Spindel in der Regel ohne Falten oder dieselben sind, wenn vorhanden, an der Mündung nicht sichtbar. Schale mannigfaltig verziert oder glatt, ohne Querwülste. Vielleicht schon in der Trias, nicht selten in der Kreide, häufig im Tertiär, Lebend in den wärmeren Meeren.

F. longaevus Lmk. Unter- und Mitteleocän. Mittel- und Südeuropa.

F. bulbiformis Lmk. (Fig. 377). Eocän. England, Belgien, Frankreich.

F. Noae Lmk. Mittel- und Obereocän. Mittel- und Südeuropa.

F. multisulcatus Nyst. Mitteloligocän. Mitteleuropa.

F. Burdigalensis Bast. sp. Untermiocän. Touraine, Wiener Becken.

F. longirostris Brocc. sp. (Fig. 378). Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

F. corneus Lin. sp. Pliocän — Lebend. Südeuropa.

Eine Gruppe nordischer Fusus-Arten (von manchen Autoren zu Trophon gestellt) zeichnet sich durch stark gewölbte Umgänge und kurzen Canal (Fig. 379) aus:

F. antiquus Müll. sp., wenn links gewunden, als F. contrarius Gmel. sp. (Fig. 379) bezeichnet, findet sich vom Pliocän (Crag) bis zur Gegenwart in Nordeuropa, diluvial auch auf Sicilien.

5. Fam. Muricidae.

Murex Lin. (Fig. 380). Schale mit verlängertem, vorn fast geschlossenem Canal. Oberfläche mit Querwülsten oder statt derselben mit queren Stachel- oder Knotenreihen. Innenlippe glatt, Aussenlippe verdickt. Selten in der oberen Kreide, häufig im Tertiär und in der Gegenwart.

M. tricarinatus Link. (Fig. 380). Mitteleocän. England, Frankreich, Vicentin.

M. Deshayesi Duch. Oligocän. England, Frankreich, Belgien, Deutschland.

M. cristatus Brocc. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa. Lebend im Mittelmeer.

M. erinaceus L. Miocän — Lebend. Europa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 378. Fusus longirostris Brocc. sp. Miocän. Wiener Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 379. Fusus antiquus Müll. sp. Pliocän (Crag). England. Links gewunden. a = Aussen-, i = Innenlippe; c = Mündungscanal.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 380. Murex tricarinatus Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Damery. Champagne.

D. Toxoglossa (Pfeilzüngler).

Ausschliesslich marine, fleischfressende Schnecken. Mündung mit Ausguss oder Canal. Sie erscheinen in spärlichen Vertretern in der Kreide, sind aber im Tertiär und in der Gegenwart sehr häufig. Nur 2 Familien sind wichtig.

1. Fam. Pleurotomidae.

Schale spindelförmig; Mündung mit meist langem Canal. Aussenlippe oben mit Einbuchtung. Nahezu 1000 fossile und ca. 600 lebende Formen.

Pleurotoma Lmk. (Fig. 381, 382). Gewinde hoch. Letzter Umgang bald höher, bald niedriger als das Gewinde. Mündung verlängert, mit längerem oder kürzerem Canal. Innenlippe zuweilen mit wenigen Falten. Aussenlippe oben mit mehr oder weniger tiefer Ausbuchtung. Oberfläche meist verziert. In der Kreide selten, im Eogen sehr häufig; Maximalentwickelung im Neogen. Lebend besonders in den wärmeren Meeren häufig.

Pl. prisca Sow. Mittel- und Obereocän. England, Frankreich, Vicentin.

Pl. plicata Lmk. Eocän. England, Frankreich.

Pl. filosa Lmk. Mitteleocän. Pariser Becken.

Pl. Selysii d. Kon.}Oligocän. Belgien, Deutschland.

Pl. Koninckii Nyst.

Pl. Belgica Mnstr. (Fig. 384).}Oligocän. Frankreich, Belgien, Deutschland.

Pl. Duchasteli Nyst.

Pl. laticlavia Beyr.

Pl. cataphracta Brocc. sp. (Fig. 382).}Miocän. Mittel- und Südeuropa.

Pl. asperulata Lmk.

Pl. rotata Brocc. sp. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

Pl. turricula Brocc. sp. Miocän und Pliocän. Europa. Diluvial und Lebend. Nordeuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 381. Pleurotoma Belgica Mnstr. Mitteloligocän. Weinheim, Mainzer Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 382. Pleurotoma cataphracta Brocc. sp. Miocän. Baden, Wiener Becken.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 383. Conus ponderosus Brocc. Miocän. Lapugy, Siebenbürgen.

2. Fam. Conidae.

Die Schale besitzt die Gestalt eines verkehrten Kegels oder eines Doppelkegels. Gewinde kurz. Mündung lang und schmal, mit kurzem Ausguss.

Conus Lin. (Fig. 383). Schale unverziert oder am oberen Rande der Windungen Höcker tragend. Aussenlippe oben zuweilen mit Einschnitt wie Pleurotoma. Falten fehlen. Die Schale ist meist auffallend gefärbt; die Zeichnungen bei fossilen zuweilen erhalten. Die Gattung erscheint in der Kreide, wird aber erst im Neogen häufig. Ueber 500 lebende Arten in den wärmeren Meeren.

C. deperditus Brug. Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien, Armenien.

C. ponderosus Brocc. (Fig. 383).}Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.

C. antediluvianus Brug.

5. Unterordnung Neurobranchiata.

Die Netzkiemer besitzen eine spiral gewundene, fast ausnahmslos gedeckelte Schale. Die Mündung ist meist kreisrund, der Mundsaum zusammenhängend. Sie athmen durch Lungen und leben ausschliesslich auf dem Lande. Fossil seit der Kreide bekannt, im Tertiär durch eine Anzahl wichtiger Formen vertreten. Die zahlreichen lebenden Formen finden sich zumeist in den Tropen.

Cyclostoma Lmk. (Fig. 384, 385). Schale scheiben- bis thurmförmig, meist mit Spiralstreifen verziert. Mündung rund, ihre Ränder nicht unterbrochen. Deckel hornig oder kalkig. Selten in der Kreide, häufiger im Tertiär; zahlreiche lebende Arten, die sich auf eine grosse Reihe von Untergattungen vertheilen.

C. Sandbergeri Noul. Mitteleocän. Südfrankreich, Oberrhein.

C. mumia Lmk. (Fig. 385). Mittel- und Obereocän. Frankreich, Oberrhein. Unteroligocän. England.

C. antiquum Brgt. Mittelmiocän. SW.-Deutschland, Frankreich.

C. bisulcatum Ziet. (Fig. 384). Untermiocän. Süddeutschland.

C. pupa A. Br. Untermiocän. Mainzer Becken.

C. Larteti Noul. Obermiocän. Frankreich, Süddeutschland.

C. elegans Link. Diluvial und Lebend. Mittel- und Südeuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 384. Cyclostoma bisulcatum Ziet. Miocän. Ermingen b. Ulm. Schale mit erhaltenem Deckel.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 385. Cyclostoma mumia Lmk. Obereocän. Pariser Becken. Links: von vorn. Rechts: von hinten. (NB. Die Mündung ist fälschlich oval statt kreisrund gezeichnet.)

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 386. Strophostoma anomomphalus Sdb. Oligocän. Arnegg b. Ulm. Oben: Schale umgekehrt von vorn. Unten: Schale von oben.

Als Strophostoma Desh. (Fig. 386) werden niedrige Schalen mit nach oben gekehrter Mündung bezeichnet, die von der oberen Kreide bis ins Miocän reichen.

Str. anomomphalus Sdb. (Fig. 386). Oligocän. Mainzer Becken, Schwaben.

Str. tricarinatum A. Br. Untermiocän. Mainzer Becken.

4. Ordnung Pulmonata (Lungenschnecken).

Durch Lungen athmende, nackte oder beschalte Schnecken, welche meist auf dem Lande, z. Th. auch im Süsswasser, aber nur sehr selten im Meerwasser leben. Die Schalen sind meist spiral aufgerollt, seltener napfförmig. Perlmutterschicht und Deckel fehlen denselben. Verzierungen der Schalenoberfläche finden sich — von Anwachsstreifen und Farbenzeichnungen abgesehen — äusserst selten. Die Mündung verlängert sich nie in einen Ausschnitt oder Canal.

Fossile Vertreter dieser Ordnung kennt man schon aus der Steinkohlenformation, aber erst von der oberen Kreide an werden sie einigermaassen häufig und erlangen für die Tertiärperiode grosse Wichtigkeit als Leitfossilien der Süsswasserbildungen. Ca. 6000 lebende Arten bekannt.

Eintheilung der Pulmonata.

1. Unterordnung Basommatophora. Die Augen liegen am Grunde der nicht einstülpbaren Fühler. Fast ausschliesslich Wasserbewohner. Schalen meist entwickelt.

2. Unterordnung Stylommatophora. Die Augen stehen auf den Spitzen der beiden, in der Regel einstülpbaren Fühler. Nackte oder beschalte Landbewohner.

1. Unterordnung Basommatophora.

Von paläontologischer Wichtigkeit ist nur die eine, ausschliesslich Süsswasserbewohner enthaltende, fossil vom Jura an bekannte

Fam. Limnaeidae.

Limnaeus Drap. (Fig. 387). Sehr dünnschalige, durchscheinende Gehäuse mit spitzem Gewinde. Letzter Umgang sehr hoch. Mündung gross, eiförmig. Aussenlippe scharf, zuweilen ausgebreitet. Spindel schwach gedreht, oft mit undeutlicher Falte. Vom Jura an, häufig im Tertiär, Lebend gegen 100 Arten in sumpfigen Gewässern der nördlichen gemässigten Zone.

L. Michelini Desh. Mitteleocän. Frankreich, Elsass.

L. longiscatus Brgt. Obereocän. England, Frankreich, Schweiz.

L. pachygaster Thom. (Fig. 387). Untermiocän. Süddeutschland, Böhmen, Frankreich.

L. dilatatus Noul. Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz, Frankreich.

L. socialis Schübl. Obermiocän. Steinheim in Württemberg.

L. palustris Müll. (= fragilis Lin. sp.)}Diluvial — Lebend. Europa.

L. ovatus Drp.

L. stagnalis Lin. sp.

Die linksgewundenen, z. Th. recht grossen Formen werden als Physa Drap. unterschieden. Oberer Jura — Gegenwart.

Ph. Wealdiensis Coqu. Oberer Malm (Purbeck). England, Westschweiz.

Ph. gigantea Michaud. Untereocän. Frankreich.

Ph. fontinalis Lin. sp. Diluvial und Lebend. Mitteleuropa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 387. Limnaeus pachygaster Thom. Untermiocän. Mörsingen bei Ulm.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 388. Planorbis euomphalus Sow. Unteroligocän. England. Oben: von vorn. Unten: von oben.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 389. Planorbis cornu Brgt. Obermiocän. Mundingen, Württemberg. Links: von vorn. Rechts: von oben.

Planorbis Guett. (Fig. 388, 389). Schale in der Regel scheibenförmig, selten conisch; die Umgänge meist nur von oben und unten, aber nicht von der Seite sichtbar. Oberfläche glatt, zuweilen mit spiralen Kielen oder Furchen. Mündung rund, oval oder eckig. Aussenlippe scharf, zuweilen umgeschlagen. Vom Jura an, häufig im Tertiär und in der Gegenwart (in der gemässigten Zone der nördlichen Halbkugel).

Pl. Loryi Coqu. Purbeck. Westschweizer Jura.

Pl. pseudammonius Schl. sp. Leitfossil für die Süsswasserbildungen des Mitteleocäns in Frankreich und am Oberrhein.

Pl. goniobasis Sdbg. Obereocän. England, Frankreich, Schweiz.

Pl. euomphalus Sow. (Fig. 388). Unteroligocän. England.

Pl. cornu Brgt. (Fig. 389). Oligocän, besonders Miocän. Mitteleuropa. Pliocän. Südosteuropa.

Pl. declivis A. Br. Miocän. Mitteleuropa. Pliocän. Südosteuropa.

Pl. laevis Kl. Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz.

Pl. multiformis Br. sp. Berühmt durch seine zahlreichen, durch Uebergänge verknüpften Mutationen. Gesteinbildend im obermiocänen Süsswasserkalke von Steinheim bei Heidenheim auf der schwäbischen Alp.

Pl. corneus Lin. sp.}Pliocän — Gegenwart. Europa.

Pl. umbilicatus Lin. sp.

2. Unterordnung Stylommatophora.

Fast ausschliesslich Landschnecken. Gehäuse meist spiral, selten fehlend, oft verkrümmt. Bereits aus der Steinkohlenformation bekannt, im Tertiär und in der Gegenwart sehr häufig. Wichtig ist nur die

Fam. Helicidae.

Schale äusserlich, wohl entwickelt, spiral. Gegen 5000 lebende und fast 500 fossile Arten bekannt.

Helix Lin. (Fig. 390). Schale scheibenförmig bis niedrig-kegelförmig, oft kugelig, etwa so breit wie hoch, ungenabelt (B n), seltener genabelt. Mündung breiter als hoch, schief abwärts gebogen (Fig. A), halbmondförmig oder rundlich. Die Innenlippe wird durch den vorletzten Umgang unterbrochen (B i). Aussenlippe (a) scharf oder umgeschlagen, oft lippenartig verdickt. Gleiche oder ganz ähnliche Schalen besitzen die verwandten Gattungen Zonites, Hyalina etc.

Echte Helices kennt man erst seit der Eocänzeit; als wichtige Leitfossilien treten sie im Miocän auf (Helicitenmergel des Obermiocän). Man hat gegen 1000 Untergattungen unterschieden. Lebend in etwa 3000 Arten über die ganze Erde verbreitet.

H. Arnouldi Mich. Untereocän. Frankreich.

H. occlusa Edw. Untereocän — Oligocän. England. Oberrhein.

H. Girondica Noul. Untermiocän. Südfrankreich, Mainzer Becken.

H. rugulosa Mart. Untermiocän (»Rugulosakalk«). Süddeutschland, Schweiz.

H. osculum Thom. Untermiocän. Böhmen, Steyermark, Süddeutschland.

H. Ramondi Brgt. Oberoligocän und Untermiocän. Süddeutschland, Schweiz, Frankreich, Piemont.

H. deflexa A. Br. (Fig. 390). Untermiocän. Mainzer Becken, Schweiz.

H. oxystoma Thom. Untermiocän. Süddeutschland, Frankreich.

H. Moguntina Desh. Untermiocän. Mainzer Becken.

H. Larteti Boiss. Miocän. Wiener Becken, Schweiz, Frankreich.

H. involuta Thom. Miocän. Böhmen, Süddeutschland, Frankreich.

H. sylvana Kl.}Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz. (»Sylvanakalk«.)

H. inflexa Kl.

H. insignis Schbl. Obermiocän. Steinheim, Hegau.

H. arbustorum Lin.}Oberpliocän — Lebend. Europa.

H. hispida Lin.

H. fruticum Müll. Diluvium und Lebend. Europa.

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 390. Helix deflexa A. Br. Untermiocän (Landschneckenkalk). Hochheim, Mainzer Becken. A Schale von vorn, B von unten. a = die umgeschlagene Aussenlippe; m = abwärts gebogene Mündung, den durch den vorletzten Umgang (i) unterbrochenen Mundsaum zeigend; Nabel fehlt (n).

Illustration from Elemente der Paläontologie

Fig. 391. Zonites subverticillus Sdbg. Untermiocän. Thalfingen, Württemberg. A von vorn, B von unten. a = scharfrandige Aussenlippe; m = Mündung, nicht abwärts gebogen; n = Nabel.

Zonites Mtf. (Fig. 391) unterscheidet sich durch den nie fehlenden Nabel der Schale und die nicht abwärts gebogene Mündung.

Z. priscus Carp. Steinkohlenformation. Neuschottland.

Z. subverticillus Sdbg. Untermiocän. Süddeutschland.

Z. Haidingeri Rss. sp. Untermiocän. Mainzer Becken.

Z. verticillus Fér. sp. Diluvial. Norddeutschland. Lebend. Oestliche Alpenländer.

Clausilia Drap. (Fig. 392). Die Schale ist in der Regel links gewunden, von spindelförmiger Gestalt und besteht aus zahlreichen niedrigen, meist durch Anwachsstreifen verzierten Windungen. Der letzte Umgang tritt nicht über den vorletzten hinaus. Mündung oval, oben verengert, mit mindestens 2, meist aber mehr Lamellen auf der Innenlippe (o, a’) und einer oder mehreren Falten (c, s) auf der Aussenlippe (a). Mundränder zusammenhängend. Bei zurückgezogenem Thiere wird die Mündung meist durch ein ovales oder zungenförmiges, an der Spindel befestigtes Schliessknöchelchen (Clausilium — B) verschlossen. Eocän — Lebend. Im Tertiär in zahlreichen, aber seltenen und wenig verbreiteten Arten.

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