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Der Sohn einer Magd

1. Furchtsam und hungrig.

Emil Schering translation

Die vierziger Jahre waren zu Ende. Der dritte Stand, der sich in Schweden durch die Revolution des Jahres 1792 einige Menschenrechte erkämpft hatte, war jetzt daran erinnert worden, daß es einen vierten und fünften Stand gab, die vorwärts wollten. Die schwedische Bürgerschaft, die Gustav III. bei seiner königlichen Revolte geholfen hatte, war längst in die obere Klasse aufgenommen worden, unter der Großmeisterschaft des früheren Jakobiners Bernadotte, und hielt dem Adel und den Beamten die Wage, die Carl Johan mit seinen proletarischen Instinkten haßte und fürchtete. Nach achtundvierzigjährigen Zuckungen kam die Bewegung in die Hände des aufgeklärten Despoten Oscar I. Der hatte eingesehen, daß man der Entwicklung keinen Widerstand leisten kann, und wollte darum die Gelegenheit benutzen, Reformen durchzuführen, um sich beliebt zu machen. Er fesselt die Bürgerschaft an sich, indem er ihr Gewerbefreiheit und Freihandel gewährt, natürlich unter gewissen Beschränkungen; entdeckt die Macht der Frau und bewilligt den Töchtern das gleiche Erbrecht wie den Söhnen, ohne jedoch den Söhnen als künftigen Familienversorgern ihre Last zu erleichtern. Seine Regierung stützt sich auf den Bürgerstand, während Adel und Priesterschaft die Opposition bilden.

Noch besteht die Gesellschaft aus Klassen, aus ziemlich natürlichen Gruppen, die nach Beruf und Beschäftigung getrennt sind und einander in Schach halten. Dieses System hält eine gewisse Volksherrschaft aufrecht, wenigstens in den höhern Klassen. Man hat die gemeinsamen Interessen noch nicht entdeckt, welche die oberen Klassen zusammenhalten; und noch gibt es nicht die neue Schlachtordnung, die nach Ober- und Unterklasse aufgestellt ist.

Deshalb gibt es auch noch keine besonderen Viertel in der Stadt, der Hauptstadt Stockholm, in denen die obere Klasse das ganze Haus bewohnt und die durch hohe Mieten, herrschaftliche Aufgänge, strenge Pförtner abgesondert sind. Darum ist das Gebäude am Klarakirchhof, trotz der vorteilhaften Lage und hohen Einschätzung, noch in den ersten fünfziger Jahren ein recht demokratisches Familienhaus. Es bildet ein Viereck um einen Hof. Die Straßenfront wird zu ebener Erde vom Baron, eine Treppe hoch vom General, zwei Treppen hoch vom Reichsgerichtsrat, der Hauswirt ist, drei Treppen hoch vom Kaufmann und vier Treppen hoch vom pensionierten Küchenmeister des seligen Königs Carl Johan bewohnt. Im linken Hofflügel wohnt der Tischler, der Hausverwalter, der ein armer Teufel ist; im andern Flügel wohnt der Lederhändler und einige Witwen; im dritten Flügel wohnt die Kupplerin mit ihren Mädchen.

Drei Treppen hoch in dem großen Gebäude erwachte der Sohn des Kaufmanns und der Magd zum Selbstbewußtsein und zum Bewußtsein vom Leben und dessen Pflichten. Seine ersten Empfindungen, an die er sich später noch erinnerte, waren Furcht und Hunger. Er fürchtete sich im Dunkeln, fürchtete sich vor Schlägen, fürchtete sich, etwas verkehrt zu machen, fürchtete sich zu fallen, sich zu stoßen, im Wege zu sein. Ihm war bange vor den Fäusten der Brüder, vorm Zausen der Mägde, vor der Schelte der Großmutter, vor Mutters Rute und Vaters Rohrstock. Er fürchtete sich vorm Burschen des Generals, der mit Pickelhaube und Faschinenmesser unten im Hausflur stand; er fürchtete sich vor dem Hausverwalter, wenn er beim Müllkasten auf dem Hof spielte; er fürchtete sich vor dem Reichsgerichtsrat, der Hauswirt war.

Über ihm waren Machthaber mit Vorrechten, von den Altersvorrechten der Brüder bis zum höchsten Gericht des Vaters; über dem stand jedoch der Hausverwalter, der ihm die Haare zauste und immer mit dem Hauswirt drohte; dieser war jedoch selten zu sehen, weil er auf dem Lande wohnte; vielleicht wurde er gerade darum am meisten gefürchtet. Aber über ihnen allen, sogar über dem Burschen mit der Pickelhaube, stand der General; besonders wenn er in Uniform ausging, mit dreieckigem Hut und Federn. Das Kind wußte nicht, wie ein König aussah, aber es wußte, daß der General zum Könige ging. Die Mägde erzählten auch Märchen vom König und zeigten des Königs Meerkatze. Die Mutter sprach ihm auch das Abendgebet vor, aber einen klaren Begriff von Gott hatte er nicht; doch mußte Gott etwas Höheres sein als der König.

Diese Furcht war wahrscheinlich dem Kinde nicht eigentümlich, falls nicht die Stürme, welche die Eltern durchmachten, als die Mutter es trug, einen besonderen Einfluß auf das Kind ausgeübt hatten. Es hatte nämlich gehörig gestürmt. Drei Kinder waren vor der Ehe geboren, und Johan kam im Anfang der Trauzeit zur Welt. Willkommen war er wahrscheinlich nicht, am allerwenigsten, da ein Konkurs seiner Geburt vorangegangen war; er also in einer geplünderten Häuslichkeit, die vorher behäbig gewesen, in der jetzt aber nur noch Betten, Tische und Stühle vorhanden waren, geboren wurde. Der Bruder des Vaters starb zur selben Zeit, und zwar als des Vaters Feind, weil der Vater sein freies Verhältnis nicht auflösen wollte. Der Vater liebte dieses Weib und zerriß das Band nicht, sondern knüpfte es fest fürs Leben.

Der Vater war eine verschlossene Natur; hatte vielleicht deshalb einen kräftigen Willen. Er war Aristokrat von Geburt und Erziehung. Es gab einen alten Stammbaum, der im siebzehnten Jahrhundert Adel nachwies. Später waren die Vorfahren Geistliche gewesen, aus nordschwedischem, vielleicht finnischem Blut. Dann hatte sich das Blut gemischt. Des Vaters Mutter war von deutscher Geburt und stammte aus einer Tischlerfamilie. Des Vaters Vater war Kaufmann in Stockholm, Führer der Bürgerwehr und hoher Freimaurer gewesen; auch hatte er König Carl Johan verehrt. (Ob er den Franzosen, den Marschall oder den Freund Napoleons verehrte, ist noch nicht entschieden.)

Johans Mutter war die Tochter eines armen Schneiders; ihr Stiefvater hatte sie ins Leben hinaus geschickt, zuerst als Magd, dann als Kellnerin. In dieser Stellung war sie von Johans Vater entdeckt worden. Sie war Demokratin aus Instinkt, sah aber zu ihrem Manne auf, weil er „aus guter Familie‟ war; und sie liebte ihn, ob als Retter, Gatte oder Familienversorger, ist schwer zu sagen.

Der Vater duzte Knecht und Magd und wurde von ihnen Herr genannt. Er war trotz seiner Niederlage nicht zu den Mißvergnügten übergegangen, sondern verschanzte sich mittels religiöser Resignation: es war eben Gottes Wille. Auch isolierte er sich in seiner Häuslichkeit. Schließlich blieb ihm immer noch die Hoffnung, wieder in die Höhe zu kommen.

Aber er war Aristokrat aus dem Grunde, bis in seine Gewohnheiten hinein. Sein Gesicht hatte einen veredelten Typus angenommen: glattrasiert, feinhäutig, das Haar wie Ludwig Philipp. Dazu trug er eine Brille, kleidete sich immer fein und liebte reine Wäsche. Wenn der Knecht seine Stiefel putzte, mußte er Handschuhe anziehen: dessen Hände hielt der Herr für so schmutzig, daß er sie nicht in seinen Stiefeln haben wollte.

Die Mutter blieb in ihrem Innersten Demokratin. Sie war immer einfach aber rein gekleidet. Die Kinder sollten immer heile und reine Kleider haben, aber nicht mehr. Sie war vertraulich zu den Dienstboten und bestrafte ein Kind, das gegen einen von ihnen unhöflich gewesen war, sofort, ohne den Fall zu untersuchen, auf die bloße Anzeige hin. Gegen Arme war sie immer barmherzig; mochte der eigene Haushalt noch so knapp sein, niemals ließ sie einen Bettler von ihrer Tür gehen, ohne ihm etwas Essen zu geben. Alle alten Ammen, vier Stück, kamen oft auf Besuch und wurden dann wie alte Freundinnen empfangen.

Furchtbar war der Sturm über die Familie dahingefahren, und wie erschrockene Hühner waren die zerstreuten Mitglieder zusammengekrochen; Freunde und Feinde durcheinander; denn sie fühlten, sie hatten sich gegenseitig nötig und sie konnten sich gegenseitig beschützen.

Tante mietete zwei Zimmer der Wohnung ab. Sie war die Witwe eines berühmten englischen Erfinders und Fabrikbesitzers, der ruiniert gestorben war. Sie hatte Witwenpension; von der lebte sie mit ihren beiden Töchtern, die eine feine Erziehung genossen hatten. Sie war Aristokratin, hatte ein glänzendes Haus gehabt, hatte mit vornehmen Leuten verkehrt. Sie hatte ihren Bruder geliebt, seine Ehe aber nicht gebilligt, jedoch seine Kinder zu sich genommen, als der Sturm kam. Sie trug eine Spitzenhaube und ließ sich die Hand küssen. Lehrte die Kinder ihres Bruders gerade auf dem Stuhl sitzen, schön grüßen, sich sorgfältig ausdrücken.

Ihre Zimmer trugen Spuren des früheren Luxus und der zahlreichen und vermögenden Freunde. Ein gepolstertes Jakarandamöbel mit einem gehäkelten Überzug in englischem Muster. Die Büste des verstorbenen Mannes, im Frack der Akademie der Wissenschaften, mit dem Wasaorden. An der Wand ein großes Ölporträt vom Vater in der Majorsuniform der Bürgerwehr. Die Kinder glaubten immer, das sei der König; er hatte nämlich soviel Orden, die sich später aber als Zeichen der Freimaurer herausstellten.

Tante trank Tee und las englische Bücher.

Ein anderes Zimmer wurde vom Bruder der Mutter bewohnt, der am Heumarkt einen Materialwarenhandel hatte; außerdem von einem Vetter, dem Sohn des verstorbenen Bruders des Vaters, der in die Technische Hochschule ging.

In der Kinderstube hielt sich die Großmutter mütterlicherseits auf. Eine scharfe Alte, die Hosen flickte, Kittel ausbesserte, Abc lehrte, wiegte und zauste. Sie war religiös und kam jeden Morgen um acht Uhr, nachdem sie erst in der Klarakirche ihr Morgengebet verrichtet hatte. Im Winter trug sie eine Laterne, denn Straßenlaternen gab es noch nicht und die Argandschen waren gelöscht.

Sie kannte ihre Stellung, liebte den Schwiegersohn und dessen Schwester wahrscheinlich nicht. Die waren ihr zu fein. Der Vater behandelte sie mit Achtung, aber nicht mit Liebe.

In drei Zimmern wohnte der Vater mit seiner Frau und sieben Kindern nebst zwei Dienstboten. Die Möbel bestanden fast nur aus Wiegen und Betten. Kinder lagen auf Plättbrett und Stühlen, Kinder in Wiegen und Betten. Der Vater hatte kein Zimmer für sich, war aber stets zu Hause. Nahm nie eine Einladung von seinen vielen Geschäftsfreunden an, weil er sie nicht wieder einladen konnte. Ging nie in die Kneipe und nie ins Theater. Er hatte eine Wunde, die er verbergen und heilen wollte. Sein Vergnügen war ein Klavier. Die eine Tochter der Schwester kam jeden zweiten Abend, und dann wurden Haydns Symphonien vierhändig gespielt. Nie etwas anderes. Später auch Mozart. Nie etwas Modernes.

Als die Verhältnisse es ihm wieder erlaubten, hatte er später auch noch ein anderes Vergnügen. Er hielt sich Blumen in den Fenstern. Aber nur Pelargonien. Warum Pelargonien? Johan glaubte später, als er älter wurde und die Mutter nicht mehr lebte, seine Mutter immer neben einer Pelargonie oder beide zusammen zu sehen. Die Mutter war blaß, sie machte zwölf Kindbetten durch und wurde lungenkrank. Ihr Gesicht glich wohl den durchsichtig weißen Blättern der Pelargonie mit ihren Blutstreifen, die im Grunde dunkeln und eine beinahe schwarze Pupille bilden, schwarz wie die der Mutter.

Der Vater ließ sich nur bei den Mahlzeiten sehen. Traurig, müde, streng, ernst war er, aber nicht hart; er sah strenger aus, als er war, weil er bei der Heimkehr immer ohne weiteres eine Menge Sachen entscheiden sollte, die er nicht beurteilen konnte. Auch wurde sein Name immer benutzt, um die Kinder in Schrecken zu versetzen. „Wenn Papa das erfährt‟ bedeutete Schläge. Das war gerade keine dankbare Rolle, die man ihm gegeben. Gegen die Mutter war er immer mild. Er küßte sie immer nach der Mahlzeit und dankte ihr fürs Essen. Dadurch gewöhnten sich die Kinder daran, sie als die Geberin aller guten Gaben und den Vater als den aller bösen zu betrachten. Das war ungerecht.

Man fürchtete den Vater. Wenn der Ruf: „Papa kommt!‟ zu hören war, liefen alle Kinder davon und versteckten sich; oder eilten in die Kinderstube, um sich zu kämmen und zu waschen. Bei Tisch herrschte Todesschweigen, und der Vater sprach nur wenig.

Die Mutter hatte ein nervöses Temperament. Flammte auf, wurde aber bald wieder ruhig. Sie war verhältnismäßig zufrieden mit ihrem Leben, denn sie war gestiegen auf der sozialen Stufenleiter und hatte ihre eigene Stellung wie die ihrer Mutter und ihres Bruders verbessert. Sie trank des Morgens Kaffee im Bett; hatte Ammen, zwei Dienstboten, Großmutter zur Hilfe. Wahrscheinlich überanstrengte sie sich nicht.

Für die Kinder war sie aber immer die Vorsehung. Sie schnitt die Niednägel, verband verletzte Finger, tröstete und beruhigte immer, wenn der Vater gestraft hatte, trotzdem sie der öffentliche Ankläger war. Das Kind fand sie kleinlich, wenn sie dem Papa „petzte‟; Achtung wenigstens erwarb sie sich dadurch nicht. Sie konnte ungerecht, heftig sein; zur Unzeit strafen, auf die bloße Anzeige eines Dienstboten; aber das Kind bekam auch Essen aus ihrer Hand, wurde von ihr getröstet; darum war sie beliebt, während der Vater immer ein Fremder blieb, eher ein Feind als ein Freund.

Das war des Vaters undankbare Stellung in der Familie. Aller Versorger, aller Feind. Kam er müde, hungrig, finster nach Hause und wagte, fand er den Fußboden frisch gescheuert und das Essen schlecht bereitet, einen Tadel auszusprechen, so erhielt er eine etwas kurze Antwort. Er lebte in seinem eigenen Hause wie auf Gnade, und die Kinder verbargen sich vor ihm.

Der Vater war mit seinem Leben weniger zufrieden, denn er war hinabgestiegen, hatte seine Stellung verschlechtert, mußte entsagen. Und wenn er die, denen er das Leben gegeben und das Essen schenkte, unzufrieden sah, wurde er nicht froh.

Aber die Familie selbst ist keine vollkommene Einrichtung. Für die Erziehung hatte niemand Zeit; die nahm die Schule da auf, wo die Mägde aufgehört hatten. Die Familie war eigentlich eine Speisewirtschaft, eine Wasch- und Plättanstalt; aber eine unzweckmäßige. Nie etwas anderes als Kochen, Einkaufen, Waschen, Plätten, Scheuern. So viele Kräfte in Bewegung für so wenig Personen. Der Gastwirt, der Hunderte speiste, wandte kaum mehr auf.

Die Erziehung bestand aus Schelten und Zausen, wies hin auf Gebet und Gehorsam. Das Leben empfing das Kind mit Pflichten, nur mit Pflichten, nicht mit Rechten. Aller andern Wünsche durften sich äußern, die des Kindes wurden unterdrückt. Das Kind konnte keinen Gegenstand anfassen, ohne etwas Unrechtes zu tun; nicht umherlaufen, ohne im Wege zu sein; nicht ein Wort äußern, ohne zu stören. Schließlich wagte es sich nicht mehr zu rühren. Seine höchste Pflicht und seine höchste Tugend war: auf einem Stuhle stillsitzen und ruhig sein.

— Du hast keinen Willen, so lautete es immer. Und damit wurde der Grund zu einem willenlosen Charakter gelegt.

— Was werden die Menschen sagen, hieß es später. Und damit wurde sein Selbst angegriffen: er konnte nie er selber sein, war immer abhängig von fremder Ansicht, die sich ändert; traute sich selber nichts zu, ausgenommen in den wenigen Augenblicken, in denen er seine energische Seele unabhängig von seinem Willen arbeiten fühlte.

Der Knabe war äußerst empfindsam. Weinte so oft, daß er deshalb einen besonderen Schimpfnamen bekam. Jeder kleine Tadel verletzte ihn; er war in beständiger Unruhe, einen Fehler zu begehen. Er achtete aber auf Ungerechtigkeiten und wachte über die Verfehlungen der Brüder, indem er hohe Anforderungen an sich selber stellte. Wenn die Brüder nicht bestraft wurden, fühlte er sich tief gekränkt; wenn sie zur Unzeit belohnt wurden, litt sein Gerechtigkeitsgefühl. Darum wurde er für neidisch gehalten. Er ging dann zur Mutter, um sich zu beklagen. Bekam einige Male recht, wurde aber ermahnt, es nicht so genau zu nehmen. Aber man war ja so genau gegen ihn, und es wurde ihm befohlen, genau gegen sich selbst zu sein. Er zog sich zurück und wurde bitter. So wurde er scheu und verschlossen. Verbarg sich ganz hinten, wenn etwas Gutes verteilt wurde, und weidete sich daran, wenn er übersehen wurde. Er fing an, Kritik zu üben und bekam Geschmack für Selbstquälerei. Bald war er melancholisch, bald war er mutwillig.

Sein ältester Bruder war hysterisch; konnte, wenn er beim Spiel geärgert wurde, unter konvulsivischem Lachen, das ihn zu ersticken drohte, niederfallen. Dieser Bruder war der Liebling der Mutter und der andere der des Vaters. Lieblinge gibt es in allen Familien. Es ist nun einmal so, daß das eine Kind mehr Sympathie erringt als das andere; weshalb, ist nicht zu entscheiden. Johan war niemandes Liebling. Das fühlte er und das grämte ihn. Die Großmutter sah es und nahm sich seiner an. Er lernte das Abc bei ihr und half ihr beim Wiegen. Aber er war mit dieser Liebe nicht zufrieden; er wollte die Mutter gewinnen. Und er wurde zutunlich, betrug sich aber so plump dabei, daß er durchschaut und zurückgestoßen wurde.

Es wurde strenge Zucht im Hause gehalten. Lüge wurde schonungslos verfolgt und Ungehorsam auch. Kleine Kinder lügen aber oft aus mangelhaftem Gedächtnis. Was hast du getan? fragt man sie. Es ist vor zwei Stunden geschehen, und das Kind denkt nicht so weit zurück. Da das Kind die Handlung für gleichgültig hielt, hat es sie sich nicht gemerkt. Darum können kleine Kinder lügen, ohne es zu wissen. Darauf muß man achten.

Sie können auch aus Notwehr lügen. Sie wissen, daß sie bei einem Nein frei ausgehen und daß sie bei einem Ja Schläge bekommen.

Sie können auch lügen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es ist eine der ersten Entdeckungen des erwachenden Verstandes, daß ein glücklich angebrachtes Ja oder Nein recht nützlich sein kann.

Das Häßlichste ist, wenn sie sich gegenseitig beschuldigen. Sie wissen, der Fehltritt wird bestraft werden, einerlei an wem. Es kommt also darauf an, einen Sündenbock zu finden. Da hat die Erziehung schuld. Diese Strafe ist reine Rache. Der Fehltritt soll nicht bestraft werden, denn das heißt, noch einen Fehler begehen. Der Übeltäter soll gebessert werden; belehrt werden, um seiner selbst willen den Fehltritt nicht wieder zu begehen.

Diese Gewißheit, daß der Fehltritt bestraft wird, ruft die Furcht beim Kinde hervor, daß es für den Schuldigen gehalten wird; so schwebte Johan in einer beständigen Furcht, man würde irgendeinen Fehltritt entdecken.

Eines Mittags besichtigt der Vater die Weinflasche, die Tante benutzte.

— Wer hat den Wein ausgetrunken? fragt er und sieht sich unter den Kindern um.

Niemand antwortet, aber Johan errötet.

— So, du bist es gewesen, sagt der Vater.

Da Johan niemals das Versteck der Weinflasche auskundschaftet hat, fängt er an zu weinen und schluchzt:

— Ich habe den Wein nicht ausgetrunken.

— Was, du leugnest auch noch!

Auch noch!

— Du sollst was erleben, wenn wir von Tisch aufstehen!

Der Gedanke, was dann geschehen würde, und die Betrachtungen, die der Vater über Johans verschlossenes Wesen fortsetzt, veranlassen Johan, noch mehr zu weinen.

Man steht vom Tische auf.

— Komm, sagt der Vater, und geht in die Schlafstube.

Die Mutter folgt.

— Bitte Papa um Verzeihung, sagt sie.

— Ich habe es nicht getan, schreit er jetzt.

— Bitte Papa um Verzeihung, sagt die Mutter und zaust ihn.

Der Vater hat hinter den Spiegel nach der Rute gegriffen.

— Lieber Papa, verzeih mir, brüllt der Unschuldige.

Jetzt aber ist es zu spät. Das Bekenntnis ist abgegeben. Die Mutter hilft bei der Exekution. Das Kind heult vor Harm, vor Wut, aus Schmerz, am meisten aber vor Schande, vor Demütigung.

— Bitte Papa jetzt um Verzeihung, sagt die Mutter.

Das Kind sieht sie an und verachtet sie. Es fühlt sich allein, verlassen von der, zu der es sich stets flüchtete, um Milde und Trost zu suchen, aber so selten Gerechtigkeit fand.

— Verzeih, lieber Papa, sagt er mit zusammengebissenen lügenden Lippen.

Nun schleicht er in die Küche zu Luise hinaus, dem Kindermädchen, das ihn zu waschen und zu kämmen pflegt, und weint sich in ihrer Schürze aus.

— Was hast du getan, Johan? fragt sie teilnehmend.

— Nichts! antwortet er. Ich habe es nicht getan.

Mama kommt in die Küche.

— Was sagt Johan? fragt sie Luise.

— Er sagt, er habe es nicht getan.

— Leugnet er noch!

Johan wird zurückgeführt, um dazu gezwungen zu werden, zu bekennen, was er nie begangen hat.

Und jetzt bekennt er, was er nie begangen hat.

Herrliche, sittliche Einrichtung, heilige Familie, unantastbare, göttliche Stiftung, die Bürger zu Wahrheit und Tugend erziehen soll! Du angebliches Heim der Tugenden, wo unschuldige Kinder zu ihrer ersten Lüge gezwungen, wo die Willenskraft durch Willkür geknickt, wo das Selbstgefühl von enge wohnenden Egoismen getötet wird. Familie, du bist das Heim aller sozialen Laster, die Versorgung aller bequemen Frauen, die Ankerschmiede des Familienvaters, die Hölle der Kinder!

Seit diesem Tage lebte Johan in ewiger Unruhe. Nicht der Mutter, nicht Luise, noch weniger den Brüdern und am wenigsten dem Vater wagte er sich zu nähern. Feinde überall. Gott kannte er noch nicht anders als durch das Abendgebet. Er war Atheist, wie das Kind ist; aber im Dunkeln ahnte er wie der Wilde und das Tier böse Mächte.

Wer trank den Wein aus? fragte er sich. Wer war der Schuldige, für den er litt? Neue Eindrücke, neue Sorgen ließen ihn bald die Frage vergessen, aber die aufregende Handlung blieb ihm im Gedächtnis haften.

Er hatte das Vertrauen der Eltern, die Achtung der Geschwister, die Gunst des Vaters verloren; Großmutter verhielt sich still. Vielleicht schloß sie aus andern Gründen auf seine Unschuld, denn sie schalt ihn nicht, aber sie schwieg. Sie hatte nichts zu sagen.

Er war wie ein bestrafter Mensch. Bestraft für eine Lüge, die man im Hause so verabscheute, und für Diebstahl, ein Ausdruck, der nicht einmal genannt werden durfte. Hatte sein bürgerliches Ansehen verloren, war eine verdächtige Person; wurde von den Geschwistern verhöhnt, daß er sich habe ertappen lassen.

Und das alles mit seinen Folgen, die für ihn volle Wirklichkeit hatten, beruhte auf etwas, das nicht vorhanden war: das war seine Schuld.

Es herrschte nicht gerade Armut im Hause, aber Übervölkerung. Kindtaufe, Begräbnis, Kindtaufe, Begräbnis. Zuweilen zwei Taufen ohne Begräbnis dazwischen. Das Essen wurde streng eingeteilt und war nicht gerade kräftig; Fleisch gab es nur Sonntags. Trotzdem wuchs Johan doch tüchtig und war seinem Alter voraus.

Er wurde jetzt zum Spielen auf den Hof gelassen. Es war ein gepflasterter Brunnen wie gewöhnlich, in den die Sonne niemals kam. Die Schatten blieben über dem ersten Stockwerk stehen, weiter reichten sie nicht. Ein großer Müllkasten, der einer alten Kommode mit Klappe glich, geteert, aber aufgesprungen, stand auf vier Füßen an der Wand. Spül- und Mülleimer wurden hier ausgegossen, und aus den Rissen rann eine schwarze Sauce auf den Hof. Große Ratten hielten sich unter dem Kasten auf und guckten dann und wann hervor, um in den Keller zu fliehen. Holzställe und Aborte begrenzten die eine Hofseite. Da war schlechte Luft, Feuchtigkeit und kein Licht. Sein erster Versuch, den Sand zwischen den großen Feldsteinen aufzugraben, wurde von dem mürrischen Verwalter unterbrochen. Der hatte einen Jungen. Johan spielte mit ihm, fühlte sich ihm gegenüber aber nie recht sicher. Der Junge war ihm an körperlicher Stärke und geistigem Verstand unterlegen, wußte sich aber immer bei Zwistigkeiten auf seinen Papa, den Verwalter, zu berufen. Seine Überlegenheit bestand darin, eine Autorität auf seiner Seite zu haben.

Der Baron im Erdgeschoß hatte eine Treppe, deren Geländer aus Eisen waren. Das war ein hübscher Ort zum Spielen, aber jeder Versuch, auf das Geländer hinauf zu klettern, wurde von einem herausstürzenden Bedienten vereitelt.

Auf die Straße zu gehen, war streng verboten. Blickte er aber durch den Torweg und nach dem Kirchhof hinauf, hörte er Kinder dort spielen. Er verlangte nicht danach, dabei zu sein, denn ihm war bange vor den Kindern. Wenn er die Gasse hinuntersah, erblickte er das Wasser der Klarabucht und die Waschbrücken. Das sah neu und geheimnisvoll aus, aber er fürchtete sich vor dem See. An stillen Winterabenden hatte er Notschreie von Ertrinkenden gehört, die in den Mälarsee gegangen waren. Das geschah recht oft. Man saß um die Lampe in der Kinderstube. — Still! sagte eine der Mägde. Alle lauschten. Lange, anhaltende Rufe waren zu hören. — Es ertrinkt jemand, sagte einer. Man lauschte, bis es wieder still wurde. Dann wurden Geschichten von Ertrinkenden erzählt.

Die Kinderstube lag nach dem Hof hinaus, und von deren Fenster sah man ein Blechdach und einige Dachkammern. In denen standen alte abgelegte Möbel und anderes Hausgerät. Diese Möbel ohne Menschen wirkten unheimlich. Die Mägde sagten, es spuke dort. — Was ist das, spuken? Das konnten sie nicht sagen, aber ungefähr war es, daß tote Menschen umgingen.

So wurde Johan von den Mägden erzogen, und so werden wir alle von der Unterklasse erzogen. Das ist ihre unwillkürliche Rache, daß sie unsern Kindern unsern abgelegten Aberglauben geben. Dieser Umstand ist es vielleicht, der die Entwicklung in so hohem Grade aufhält, wenn er auch den Klassenunterschied etwas ausgleicht. Warum gibt die Mutter diese wichtigste Aufgabe aus der Hand, während sie doch vom Vater unterhalten wird, um die Kinder zu erziehen? Nur zuweilen betete Johans Mutter das Abendgebet mit ihm, meistens aber war es das Kindermädchen. So hatte dieses ihn ein altes katholisches Gebet gelehrt, das lautete: „Ein Engel ging um unser Haus, er trug zwei goldne Lichter voraus...‟

Wenn es der Traum des Menschen ist, sich von Arbeit zu befreien, so scheint die Frau durch die Ehe diesen Traum verwirklicht zu haben. Darum steht die Familie als soziale Einrichtung der Herde sehr nahe: Männchen, Weibchen und Junge; und nicht eine Stufe über der Horde, da die Sklaven (Diener) hinzugekommen sind. Darum wird man für die Familie (Speiseanstalt) erzogen und nicht für die Gesellschaft, wenn man überhaupt erzogen wird.

Die andern Zimmer lagen nach dem Klarakirchhof hinaus. Über den Linden erhob sich das Schiff der Kirche wie ein Berg, und auf dem Berge saß der Riese mit dem kupfernen Hut, der einen nie ruhenden Lärm vollführte, um den Lauf der Zeit anzugeben. Der schlug Viertel im Diskant und Stunden im Baß. Der läutete Frühgebet um vier Uhr mit einer kleinen Glocke, er läutete Morgengebet um acht Uhr, er läutete Abend um sieben Uhr. Der schlug zehn Uhr vormittags und vier Uhr nachmittags. Der tutete alle Stunden von zehn bis vier Uhr nachts. Der läutete mitten in der Woche bei Begräbnissen, und jetzt während der Cholerazeit läutete er oft. Und Sonntags, o, da läutete er so, daß die ganze Familie weinerlich aussah und niemand hörte, was der andere sagte.

Das Tuten nachts, wenn Johan wach lag, war sehr unheimlich. Am schlimmsten aber war die Feuerglocke. Als er diesen tiefen dumpfen Klang zum ersten Male in der Nacht hörte, bekam er Schüttelfrost und weinte. Das Haus wachte immer auf. — Es brennt! flüsterte einer. — Wo ist es? Man zählte die Schläge und dann schlummerte man wieder ein; Johan aber schlief nicht. Er weinte. Da konnte Mutter aufstehen, ihm die Decke ordentlich zustopfen und sagen: — Sei nicht bange, Gott behütet die Unglücklichen schon! — Das hatte er bisher von Gott nicht gedacht.

Illustration from Der Sohn einer Magd

GROSSVATER ZACHARIAS STRINDBERG Major der Bürgerwehr, dramatischer Schriftsteller 1758-1828 Nach einem Ölbild von Professor Sandberg

Morgens lasen die Mägde im Blatt, es habe im Süden der Stadt gebrannt und zwei Menschen seien im Feuer umgekommen. — Dann war es Gottes Wille, sagte Mutter.

Sein erstes Erwachen zum Leben wurde immer von Läuten und Tuten begleitet. In alle seine ersten Gedanken und Wahrnehmungen läuteten Begräbnisglocken hinein, und sein ganzes erstes Lebensjahr wurde mit Viertelschlägen abgemessen. Heiter machte ihn das wenigstens nicht, wenn es auch seinem künftigen Nervenleben keine bestimmte Farbe gab. Doch wer weiß! Die ersten Jahre sind ebenso wichtig, wie die neun Monate vorher.

Mit fünf Jahren kam Johan in den Kindergarten. Er konnte seine Aufgaben und lernte auswendig. Das Zusammenleben mit den kleinen Freunden und Freundinnen löste die häusliche Einförmigkeit ab; der Verkehr mit Altersgenossen aus andern Gesellschaftsklassen erweiterte seine Gedanken, verscheuchte die monotone Kritik an Geschwistern und Eltern, gab Erziehung.

Wenn er, sehr viel später, an diese Zeit dachte, waren nur noch zwei Erinnerungen von Bedeutung ihm geblieben. Die eine, die später sein Erstaunen erregte, war: ein siebenjähriger Knabe sollte in geschlechtlichem Verhältnis zu einem gleichaltrigen Mädchen stehen. Sein Geschlechtsleben war noch nicht erwacht; er wußte also nicht, um was es sich eigentlich handelte; an das Wort, das den Vorgang bezeichnete, erinnerte er sich. Das Vorkommnis soll übrigens nicht so vereinzelt sein, nach dem, was Ärzte in ihren Büchern berichten, und seine eigenen späteren Beobachtungen, die er an Bauernkindern machte, zeigten, daß die Angabe wenigstens glaubhaft war.

Die zweite Erinnerung war diese: Ein Knabe hatte auf seiner Schiefertafel einen alten Mann gezeichnet und darunter geschrieben: Gott. Dafür wurde er bestraft. Dieser Knabe, der schon Gebete konnte und den Katechismus gelernt, hatte also keine höhern Begriffe von dem höchsten Wesen erworben als den, der durch die Gott Vater vorstellende, den Zehn Geboten vorgedruckte Figur dargestellt wird. Der rechte Gottesbegriff scheint also nicht angeboren zu sein. Wenn er durch die Erziehung erworben werden soll, müßte das offizielle Lehrbuch nicht so niedrige Vorstellungen von einem alten Mann erwecken, der sich nach einer Arbeit von sechs Tagen ausruhen mußte.

Die Erinnerungen der Kindheit zeigen alle, wie zuerst die Sinne erwachen und die lebhaftesten Eindrücke aufsaugen, wie der geringste Hauch die Gefühle in Bewegung setzt; wie später sich die Beobachtungen hauptsächlich auf grelle Ereignisse richten, zuletzt auf moralische Verhältnisse, Gefühl von Recht und Unrecht, Gewalt und Barmherzigkeit.

Die Erinnerungen liegen ungeordnet, ungestaltet gezeichnet wie die Bilder im Thaumatrop; dreht man aber die Scheibe, so schmelzen sie zusammen und bilden ein Bild; ob nun bedeutungslos oder bedeutungsvoll.

Eines Tages sieht er große bunte Bilder von Kaisern und Königen in blau und roten Uniformen, welche die Mägde in der Kinderstube angebracht haben. Er sieht ein anderes Bild, das ein Gebäude vorstellt, das in die Luft gesprengt wird und voller Türken ist. Er hört aus einer Zeitung vorlesen, wie man mit brennenden Kugeln in Städte und Dörfer schießt, in einem entfernten Lande; erinnert sich sogar an Einzelheiten: die Mutter weinte, als von armen Fischern gelesen wird, die mit ihren Kindern aus den brennenden Hütten heraus mußten. Diese Bilder bedeuteten: Kaiser Nikolaus und Napoleon der Dritte, die Stürmung Sewastopols und die Beschießung der finnischen Küste.

Vater ist einen ganzen Tag zu Hause. Man stellt alle Trinkgläser des Haushalts auf die Fensterbänke; füllt die Gläser mit Schreibsand und steckt Stearinlichter hinein. Abends werden alle Lichter angezündet. Es ist warm und hell in den Zimmern. Und Lichter brennen in der Klaraschule und in der Kirche und im Pfarrhaus. Und Musik ist aus der Kirche zu hören. Was war das? Das war die Illumination bei der Genesung König Oscars des Ersten.

Großer Lärm in der Küche. Die Flurglocke hat geläutet, und Mutter ist hinausgerufen worden. Da steht ein Mann in Uniform mit einem Buch in der Hand und schreibt. Die Köchin weint, die Mutter bittet und spricht laut; aber der Mann im Helm spricht noch lauter.

Das ist die Polizei!

Die Polizei, heißt es in der ganzen Wohnung. Die Polizei. Und es wird den ganzen Tag von der Polizei gesprochen. Der Vater wird aufs Polizeirevier gerufen. Soll er verhaftet werden? Nein, er soll drei Reichstaler und sechzehn Schillinge bezahlen, weil die Köchin am Tage einen Aufwascheimer in den Rinnstein gegossen hat.

Eines Nachmittags sieht er, wie man unten auf der Straße die Laternen ansteckt. Eine der Kusinen macht ihn darauf aufmerksam, daß sie ohne Öl und Docht brennen, nur mit einer Metallröhre. Das sind die ersten Gaslaternen.

Er liegt viele Nächte zu Bett, ohne am Tage aufzustehen. Er ist müde und schläfrig. Ein gestrenger Herr kommt ans Bett und sagt, er müsse die Hände unter der Decke halten. Er muß mit einem Löffel etwas Unangenehmes einnehmen; bekommt nichts zu essen. Man flüstert im Zimmer und Mutter weint. Dann ist er wieder aufgestanden und sitzt am Fenster in der Schlafstube. Es läutet den ganzen Tag. Grüne Bahren werden über den Kirchhof getragen. Ein dunkler Knäuel Menschen steht um einen schwarzen Kasten. Totengräber mit ihren Spaten kommen und gehen. Er muß eine Kupferplatte an einem blauen Seidenband auf der Brust tragen und den ganzen Tag an einer Wurzel kauen. Das ist die Cholera von 1854.

Eines Tages geht er mit einer der Mägde weit fort. So weit geht er, daß er Heimweh bekommt und nach der Mama weint. Das Mädchen geht mit ihm in ein Haus. Sie sitzen in einer dunkeln Küche neben einer grünen Wassertonne. Er glaubt, sie werden nie mehr wieder nach Hause kommen. Aber sie gehen noch weiter. An Schiffen und Prahmen vorbei, an einem unangenehmen Hause aus Backsteinen mit langen hohen Mauern vorüber, in dem Gefangene sitzen. Er sieht eine neue Kirche, eine lange Allee von Bäumen, eine staubige Landstraße, an deren Seiten Kuhblumen stehen. Jetzt trägt das Mädchen ihn.

Schließlich kommen sie an ein großes Haus aus Stein; neben dem steht ein gelbes Haus aus Holz, das ein Kreuz trägt; und ein großer Hof liegt da mit grünen Bäumen. Sie sehen weißgekleidete Menschen, die blaß sind, hinken, trauern. Sie kommen in einen großen Saal hinauf, in dem braungestrichene Betten stehen. In den Betten liegen nur alte Frauen. Die Wände sind weißgetüncht, die alten Frauen sind weiß, das Bettzeug ist weiß. Und es riecht schlecht. Sie gehen an einer Menge Betten vorbei und bleiben mitten im Saal an einem Bett rechter Hand stehen. Da liegt eine jüngere Frau mit schwarzem gekräuselten Haar, in weißer Nachtjacke. Sie liegt halb auf dem Rücken. Ihr Gesicht ist abgemergelt, sie hat ein weißes Tuch über Kopf und Ohren. Ihre mageren Hände sind zur Hälfte mit weißen Lappen umwunden, und die Arme schwingen unaufhörlich im Bogen nach innen, so daß die Fingerknöchel sich aneinander reiben. Als sie das Kind erblickt, schlottern Arme und Knie heftig, und sie bricht in Tränen aus. Sie küßt den Jungen auf den Kopf. Dem ist nicht wohl zumute; er ist schüchtern und dem Weinen nahe. — Kennst du Christel nicht wieder? fragt sie. — Er muß es wohl nicht. Und dann trocknet sie wieder ihre Augen. — Sie beschreibt nun dem Mädchen ihre Leiden, und diese holt aus einem Arbeitsbeutel Eßwaren. Die alten Frauen beginnen jetzt halblaut zu plaudern, und Christel bittet das Mädchen, nicht zu zeigen, was es im Beutel hat, denn sie seien so neidisch, die andern. Und darum schmuggelt das Mädchen einen gelben Reichstaler in das Gesangbuch, das auf dem Nachttisch liegt.

Die Zeit wird dem Knaben lang. Sein Herz sagt ihm nichts; nicht, daß er das Blut dieser Frau, das einem andern gehörte, getrunken; nicht, daß er seinen besten Schlaf an diesem jetzt eingesunkenen Busen geschlafen; nicht, daß diese schlotternden Arme ihn gewiegt, ihn getragen haben. Das Herz sagt ihm nichts; denn das Herz ist nur ein Muskel, der Blut pumpt, einerlei, aus welchem Brunnen.

Als er aber beim Abschied ihre letzten brennenden Küsse empfangen hat und endlich, nachdem er sich vor den alten Frauen und der Krankenpflegerin verbeugt hat, aus der Krankenluft herausgekommen ist und unter den Bäumen auf dem Hofe Atem holt, fühlt er eine Schuld; eine schlecht angelegte Schuld, die er nicht anders bezahlen kann als mit ewiger Dankbarkeit und etwas Essen in einem Beutel und einem Reichstaler im Gesangbuch. Und er schämt sich, daß er froh ist, von den braungestrichenen Betten des Leidens fortzukommen.

Das war seine Amme, die fünfzehn Jahre unter Krämpfen und Ausmergelung in demselben Bette lag, bis sie starb. Sein Bild mit der Gymnasiastenmütze wurde ihm von der Leitung des Krankenhauses am Sabbatsberg zurückgesandt. Lange Jahre hatte es dort gehängt, nachdem der erwachsene Jüngling schließlich nur einmal im Jahr ihr eine Stunde unbeschreiblicher Freude geopfert, die für ihn eine Stunde leichter Gewissensqual war. Wenn er auch von ihr Brand ins Blut, Krampf in die Nerven bekommen hatte, empfand er doch eine Schuld, eine repräsentative Schuld, denn persönlich war er ihr nichts schuldig, da sie ihm nichts anderes geschenkt hatte, als was sie verkaufen mußte. Daß sie gezwungen war, ihr Blut zu verkaufen, war das Verbrechen der Gesellschaft. Und als Mitglied der Gesellschaft fühlte er sich gewissermaßen mitschuldig.

Auf dem Kirchhof ist er zuweilen. Da ist ihm alles fremd. Steinerne Keller mit Deckeln, die Buchstaben und Figuren tragen; Rasen, auf den man nicht treten darf; Bäume mit Laub, das man nicht anrühren darf. Großmutter bricht eines Tages einen Zweig ab, aber da kommt die Polizei.

Das große Gebäude, gegen dessen Fundament er immer anstößt, versteht er nicht. Leute gehen aus und ein; Gesang und Musik sind von innen zu hören; die Glocken läuten, und die Uhr schlägt. Es ist geheimnisvoll. Und auf dem östlichen Giebel sitzt ein Fenster, das ein vergoldetes Auge hat. — Das ist Gottes Auge! — Das versteht er nicht, aber es ist jedenfalls ein sehr großes Auge, das weit sehen muß.

Unter dem Fenster ist ein vergittertes Kellerloch. Großmutter zeigt dem Knaben, daß dort unten weiße Särge stehen. — Dort wohnt die Nonne Klara. — Wer war das? — Das weiß er nicht, aber es war wohl ein Gespenst.

Er steht in einem außerordentlich großen Raum und weiß nicht, wo er zu Hause ist. Es ist sehr schön; alles in Weiß und Gold. Eine Musik, wie von hundert Klavieren, singt über seinem Kopf, aber er sieht weder die Instrumente noch den Spielmann. In langer Allee stehen Bänke da und ganz vorn ist ein Gemälde, wahrscheinlich aus der biblischen Geschichte. Zwei weiße Menschen liegen auf den Knien und haben Flügel, und da stehen große Leuchter. Das ist wahrscheinlich der Engel mit den beiden vergoldeten Lichtern, „der um unser Haus geht‟. Und dort steht ein Herr in rotem Rock und kehrt einem still den Rücken zu. In den Bänken beugen sich die Menschen nieder, als ob sie schliefen. — Nehmt die Mützen ab, sagt der Oheim und hält den Hut vors Gesicht.

Die Knaben sehen sich um und erblicken dicht neben sich einen braungestrichenen ungewöhnlichen Schemel, auf dem zwei Männer in grauen Mänteln und Kapuzen liegen; sie haben eiserne Ketten an Händen und Füßen, und Gardisten stehen neben ihnen.

— Das sind Diebe, flüstert der Oheim.

Der Knabe findet es unheimlich, unerklärlich, ungewöhnlich, streng, auch kalt. Das finden die Brüder sicher auch; denn sie bitten den Oheim, gehen zu dürfen, und er geht sofort.

Unbegreiflich! Das ist sein Eindruck von dem Kultus, der die einfachen Wahrheiten des Christentums malen soll. Grausam! Grausamer als Christi milde Lehre. Das mit den Dieben war am schlimmsten. Eiserne Ketten und solche Mäntel!

Eines Tages, als die Sonne warm scheint, ist Unruhe im Hause. Möbel werden gerückt, Schubladen geleert, Kleider verstreut. Am nächsten Morgen kommt eine Droschke und holt sie. Und dann reist man; die einen auf Ruderbooten, die andern in der Droschke.

Am Hafen riecht es nach Öl, Talg und Steinkohlenrauch. Die frischgestrichenen Dampfer leuchten in glänzenden Farben und ihre Flaggen wehen. Karren rasseln an den großen Linden vorbei; das gelbe Reithaus liegt staubig und schäbig neben dem Holzschauer. Er soll auf dem Wasser fahren. Erst aber begrüßen sie den Vater in seinem Kontor.

Der Knabe ist erstaunt, einen fröhlichen, rüstigen Mann zu treffen, der mit braungebrannten Dampferkapitänen scherzt, freundlich und wohlwollend lächelt. Ja, er ist sogar jugendlich und hat einen Pfeilbogen, mit dem die Kapitäne nach dem Fenster des Reithauses zu schießen pflegen. Es ist eng im Kontor, aber sie dürfen hinter die grüne Schranke kommen und hinter einer Gardine ein Glas Porter trinken. Die Buchhalter sind höflich, achtsam, wenn der Vater sie anspricht. Johan hatte den Vater noch nie in seiner Tätigkeit gesehen; nur zu Hause als den müden und hungrigen Familienversorger und Richter, der lieber mit neun Personen in drei Zimmern wohnte als allein in zweien. Er hatte nur den beschäftigungslosen, essenden, zeitunglesenden Vater bei seinen nächtlichen Besuchen im Hause gesehen, nicht den Mann in seinem Tätigkeitskreis. Er bewunderte ihn, fühlte aber, daß er ihn auch jetzt weniger fürchtete; ja er glaubte, daß er ihn einst werde lieben können.

Er hat Furcht vor dem Wasser, aber ehe er sich's versieht, sitzt er in einem ovalen Zimmer in Weiß und Gold, mit roten Samtsofas. Ein so feines Zimmer hatte er noch nie gesehen. Aber alles klirrt und zittert. Er sieht durch ein kleines Fenster und erblickt grüne Ufer, blaugrüne Wellen; Heukähne und Dampfer ziehen vorbei. Es ist wie ein Panorama oder so, wie das Theater sein soll. Auf den Ufern marschieren kleine rote Häuser und weiße, vor denen grüne Bäume mit Blütenschnee stehen; große grüne Flächen mit roten Kühen ziehen vorbei, ganz wie in den Weihnachtsschachteln. Die Sonne macht eine Schwenkung und der Dampfer fährt unter Bäumen mit gelben Fransen und braunen Raupen hindurch, an Landungsbrücken mit bewimpelten Segelbooten; an Hütten, vor denen Hühner picken und ein Hund bellt, vorbei. Die Sonne scheint auf Fensterreihen, die auf dem Boden liegen, und alte Männer und Frauen geben mit Gießkannen und Harken umher. Dann kommen wieder lauter grüne Bäume, die sich aufs Wasser neigen, gelbe und weiße Badehäuser. Ein Kanonenschuß knallt über seinem Kopfe, das Pochen und Zittern hört auf; die Ufer machen Halt; er sieht eine Mauer über seinem Kopfe und Hosen und Röcke von Menschen, sowie eine Menge Schuhe. Er wird die Treppe hinaufgeführt, die ein goldenes Geländer hat, und er sieht ein großes, großes Schloß.

— Hier wohnt der König, sagt jemand.

Das war das Schloß von Drottningholm; die schönste Erinnerung aus seiner Kindheit, die Märchenbücher mitgerechnet.

In einer weißen Hütte oben auf einem Hügel werden die Sachen ausgepackt, und dann rollen sich die Kinder im Grase, in richtigem grünen Grase, in dem keine Kuhblumen wachsen wie auf dem Klarakirchhof. Der Himmel ist so hoch und hell, und Wälder und Meeresflächen grünen und blauen in der Ferne.

Vergessen ist der Müllkasten, das Schulzimmer mit dem Geruch nach Schweiß und Urin; die schweren Kirchglocken dröhnen nicht mehr, die Totengräber sind fort.

Abends aber läutet es in einem kleinen Glockenstuhl, der ganz in der Nähe ist. Er sieht mit Erstaunen die kleine gefällige Glocke, die in der freien Luft schwingt und gerade recht über Park und Buchten singt. Er denkt an die grimmen Bässe im Turme zu Hause, deren dunklen Schlund er einen Augenblick gesehen hat, wenn sie durch die Luken schwangen.

Abends, wenn er müde und frischgewaschen nach allen Schweißbädern einschlummert, hört er das Schweigen in den Ohren klingen; vergebens wartet er darauf, daß die Glocke schlägt und der Turmwächter tutet.

Und am nächsten Morgen erwacht er, um aufzustehen und zu spielen. Er spielt, tagaus, tagein, eine ganze Woche. Niemals ist er einem im Wege, und alles ist so friedlich. Die Kleinen schlafen drinnen, und er ist den ganzen Tag draußen.

Der Vater ist nicht zu sehen. Aber am Sonnabend kommt er hinaus. Dann hat er einen Strohhut auf und ist heiter; kneift die Jungen in die Backen und lobt sie, daß sie gewachsen und braun geworden sind. Er schlägt nicht mehr, denkt das Kind. Es versteht nicht, daß das von etwas so Einfachem abhängen konnte, daß hier draußen mehr Raum vorhanden und die Luft reiner ist.

Der Sommer war glänzend, hinreißend wie ein Zaubermärchen. Unter Pappelalleen Lakaien mit silberbeschlagener Uniform; auf dem See himmelblaue Drachenschiffe mit richtigen Prinzen und Prinzessinnen; auf dem Wege gelbe Kaleschen, purpurrote Landauer und arabische Pferde, die zu vieren vor zügellangen Peitschen liefen.

Und das Schloß des Königs mit dem spiegelnden Fußboden, den goldenen Möbeln, den Kachelöfen aus Marmor, den Gemälden. Der Park mit seinen Alleen, die wie lange, hohe, grüne Kirchen waren; die Wasserkünste mit den Figuren, die nicht zu verstehen waren und wohl aus Märchenbüchern stammten; das Sommertheater, das ein Rätsel blieb, aber als Labyrinth benutzt wurde; der gotische Turm, immer geschlossen, immer geheimnisvoll, ohne eine andere Aufgabe, als das Echo von den Stimmen der Sprechenden wiederzugeben.

Im Park wurde er von seiner Kusine begleitet, die er Tante nannte. Ein eben erwachsenes hübsches Mädchen mit feinen Kleidern und einem Sonnenschirm. Sie kommen in einen Wald, den dunkle Fichten düster machen; sie wandern ein Stück weiter, immer weiter; da hören sie Gemurmel von Stimmen, Musik und das Klappern von Tellern und Gabeln; sie stehen vor einem kleinen Schloß, das keinem andern gleicht. Drachen und Schlangen schlängeln sich vom Dachfirst herab; Greise mit gelben, eirunden Gesichtern blicken mit schwarzen schiefen Augen herunter und haben Zöpfe im Nacken; Buchstaben, die er nicht lesen kann, die etwas gleichen und doch so verschieden von allem andern sind, kriechen am Dachgesims entlang. Unten aber im Schloß bei offenen Fenstern sitzen Könige und Kaiser zu Tisch, essen von Silber und trinken Weine.

— Dort sitzt der König, sagt die Tante.

Ihm wird bange, und er sieht nach, ob er auf den Rasen getreten ist oder etwas Böses tun will. Er glaubt, der König, der schöne, wohlwollende Züge trägt, sieht mitten durch ihn hindurch; und er will fortgehen. Aber weder Oscar I. noch die französischen Marschälle oder russischen Generäle sehen ihn an, denn sie denken jetzt an den Pariser Frieden, der dem orientalischen Kriege ein Ende machen soll. Polizisten dagegen gehen umher wie brüllende Löwen, und an die erinnert er sich nicht gern. Wenn er nur einen sieht, fühlt er sich schuldig und denkt an drei Reichstaler und sechzehn Schillinge.

Er hat indessen die höchste Offenbarung der Macht gesehen, die höher ist als die der Brüder, der Mutter, des Vaters, des Verwalters, des Hauswirts, des Generals mit den Federn, der Polizei.

Es ist ein anderes Mal. Wieder mit der Tante. Sie gehen an einem kleinen Hause neben dem Schloß vorbei. Auf einem sandigen Hofe steht ein Mann in Zivil: Panamahut und Sommeranzug. Er hat einen schwarzen Bart und sieht stark aus. Rings um ihn läuft an einer Leine ein schwarzes Pferd. Der Mann rasselt mit einer Hasenklapper, knallt mit einer Peitsche, gibt Schüsse ab.

— Das ist der Kronprinz! sagt Tante.

Er sah gerade so aus wie ein gewöhnlicher Mensch und war wie Oheim gekleidet.

Ein anderes Mal, im Park, tief im Schatten unter den hohen Bäumen, hält ein Offizier auf einem Pferd. Er grüßt die Tante, hält sein Pferd an, spricht zu Tante und fragt den Knaben, wie er heiße. Der antwortet wahrheitsgemäß, wenn auch etwas schüchtern. Das dunkle Gesicht sieht ihn mit guten Augen an, und er hört ein tiefes, dröhnendes Lachen. Darauf verschwindet der Reiter.

— Das war der Kronprinz!

Der Kronprinz hatte ihn angesprochen! Er fühlt sich sehr gehoben und etwas sicherer. Der furchtbare Machthaber war ja nett.

Eines Tages erfährt er, daß Vater und Tante alte Bekannte eines Herrn sind, der auf dem großen Schlosse wohnt, ein Dreikant auf dem Kopfe und einen Säbel an der Seite hat. Das Schloß erhält ein anderes, freundlicheres Aussehen. Er ist so gut wie bekannt mit denen dort oben, denn der Kronprinz hat mit ihm gesprochen und Papa duzt den Rendanten. Jetzt versteht er, daß die bunten Lakaien unter ihm stehen, besonders als er erfährt, daß die Köchin mit einem abends ausgeht.

Er hat eine Ahnung von der sozialen Abstufung bekommen und entdeckt, daß er wenigstens nicht ganz unten steht.

Ehe er sich's versieht, ist das Zaubermärchen aus. Der Müllkasten und die Ratten sind wieder da; doch macht der Junge des Verwalters keinen Gebrauch mehr von seiner Überlegenheit, wenn Johan das Steinpflaster aufgraben will; denn Johan „hat mit dem Kronprinzen gesprochen‟ und die Herrschaften „haben auf Sommerfrische gewohnt‟.

Der Knabe hat die Herrlichkeit der Oberklasse in der Ferne gesehen. Er verlangt danach, wie nach einer Heimat, aber das Sklavenblut der Mutter erhebt sich dagegen. Aus Instinkt verehrt er die Oberklasse, verehrt sie zu sehr, als daß er zu hoffen wagte, dorthin zu kommen. Und er fühlt, daß er nicht dahin gehört. Aber er gehört auch nicht zu den Sklaven.

Das wird ein Zwiespalt in seinem Leben.

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