Drittes Kapitel. Bodenständig.
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Eh' du ein Edelgut vertauscht, Geh still mit deinem Gott zu Rat, Daß er dir in die Seele schreibt, Was seine Huld gegeben hat. Daß Heimatliebe, Heimatbrauch, Daß Treue und Beständigkeit Von Gott, dem Herrn, gesegnet sind Zum großen Werk der Ewigkeit.
Wieder ging ein sonniger Herbsttag zur Neige. Die märkische Heide lag im Goldglanz der Dämmerung, und die purpurnen Wälder rüsteten sich zur Nacht.
Da jauchzten die Geigen durchs Kambacher Haus, und der Brautschleier wehte. Die neuvermählte Gräfin Bühler eröffnete mit ihrem jungen Gatten den Ball. Aller Blicke begleiteten die schönen hochgewachsenen Gestalten durch den kerzenhellen Gartensaal. Die Trauführer mit ihren Damen folgten.
Die Neuvermählten stellten sich in der Mitte des Saales auf, die Paare schlossen einen Ring, und das sogenannte Abtanzen des Brautkranzes begann. Mit verbundenen Augen tastete die junge Frau hierhin und dorthin. Dann schritt sie auf ihre Schwägerin Sibylle zu. Harro Kambach erhielt den Strauß.
Mehr als ein vielsagender Blick folgte dem Paar, das nach tiefer Verneigung vor den Neuvermählten den Abschiedsreigen eröffnete. —
Die Jagdhörner klangen. Die Brautführer schritten, silberne Armleuchter tragend, voran, und, gefolgt von den Gespielinnen, betrat Ilse Bühler zum letzten Male den Raum, den sie als Mädchen bewohnt.
Unten harrte der Viererzug, hinter sich, gleich einer langen funkelnden Kette, die Schar berittener Bauern, die der Tochter des Gutsherrn nach alter Sitte mit brennenden Fackeln bis zur Grenze das Geleit geben sollte.
Über Sumpf und Sand, über des Tieflandes endloser Weite blaute die Mondnacht. Aus dem Hochzeitssaal lockte Walzermusik, und der Wind trug festliche Klänge vom Dorf herauf.
Oben in dem hellen Raum standen die märkischen Edelfräulein in ihren langen seidenen Hofkleidern und leisteten der jungen Frau den letzten Dienst. Kein Wort wurde gesprochen. Sinnender Ernst lag auf allen Gesichtern. Wie ausgewechselt schien die fröhliche Schar.
Dann stand Ilse Bühler im Reisekleid auf der Schwelle. Ein letztes Mal ging ihr Blick durch den freundlichen Raum, darin sie soviel erlebt, Frohes und Trübes. Noch war alles unverändert. Die Uhr tickte, die Blumen blühten am Fenster. Vom Schreibtisch grüßten die Bilder ihrer Lieben, auf der Staffelei stand eine eben vollendete Skizze, eine stille herbstliche Waldstraße. Sie hatte vor der Hochzeit alles einpacken wollen, aber Sibylle hatte gebeten: »Das besorg' ich, wenn du abgereist bist!« Ilse sagte nicht nein. Die schwesterliche Liebe tat der mutterlosen Braut wohl.
Wie ein Traum zog das Leben an der Scheidenden vorüber — —
Ihr Blick fiel auf das Kleid, das sie soeben abgelegt, auf Kranz und Schleier. Sinnend ruhte ihr Auge darauf — das war nun vorüber — ein Schauer durchrann die schöne Gestalt.
Es klopfte. Sie wurde gerufen. Es war Zeit.
Leidenschaftlich umschlang sie Sibylle. Die übrigen Brautjungfern umringten sie. Schweigend küßte sie eine nach der anderen, dann schritt sie ihnen voran die Treppe hinab.
Unten kam das Schwerste. Der Abschied von Vater und Großmutter, von den Brüdern. Unbemerkt hatten sie den Saal verlassen und erwarteten in der Halle die junge Frau. Sogar der alte Erblandmarschall hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz eines Ischiasanfalles noch einmal herunterzukommen. Neben Frau Sabine, die sich auf Harros Arm stützte, stand er über seinen Krückstock gebeugt. Der kleine Eberhard Kambach, ein frischer hübscher Junge, der Ostern konfirmiert werden sollte, wollte Stühle holen, aber die beiden Alten wehrten ab. Ilse käme ja gleich, und sie wollten vom Altan die Abfahrt sehen.
Neben der strammen soldatischen Erscheinung des Oberstallmeisters stand eine Gestalt, die nicht ganz in das Kambacher Gutshaus paßte. Eine überschlanke bildhübsche, aber nicht mehr junge Frau im sehr engen, tief ausgeschnittenen, spitzenüberrieselten türkisblauen Hofkleide. Man fragte sich unwillkürlich, warum eine Dame, die über solch eine Erscheinung verfügte, in ihrer Kleidung nicht wählerischer sei.
»Hinreißend schön, aber nicht vornehm,« hatte der kleine Gardedragoner, der vor wenigen Stunden, in den Anblick der Tochter versunken, auf der Freitreppe gestanden, über Gräfin Bühler geurteilt, und seine Ansicht war die allgemeine. Der alte märkische Adel war für das Halbweltliche noch nicht reif.
Ilse Bühler hatte den Umstehenden Lebewohl gesagt. Hastig küßte sie den kleinen Bruder. »Besuch' mich bald, Bubi!« Ihre Stimme erstickte. Sie wandte sich ab. Im nächsten Augenblick hing sie aufschluchzend am Halse des Vaters. Er preßte sie an sich. In tiefer Bewegung flüsterte er ihr etwas ins Ohr. Da faßte sie sich. Unter Tränen lächelnd beugte sie sich über seine Hände und küßte sie wieder und wieder. Dann nahm sie rasch entschlossen seinen Arm, nickte den Zurückbleibenden noch einmal zu und ließ sich an den Wagen führen.
Dort wartete Wolf Dietrich, der das letzte Lebewohl nicht hatte stören wollen. Nachdem er seiner jungen Frau in den Wagen geholfen, verabschiedete er sich mit fast zu stark betonter, das Förmliche streifender Ehrerbietigkeit von seinem Schwiegervater. Dann stieg er ein.
Der weit zurückgeschlagene Landauer glich einem Rosengarten.
Dankend winkte Ilse den Brautjungfern zu. Ein letzter Händedruck, ein letzter Blick in die Augen des Vaters, und fort ging's, den breiten Kiesweg entlang, der Dorfstraße zu. In langem Zuge folgten die Fackelreiter. — —
Der Hochzeitswagen war längst im Dunkel der Herbstnacht verschwunden, nur die tanzenden Lichter glühten und flimmerten noch auf der Heide. Regungslos stand Herr von Kambach auf den Stufen. Der Himmel hatte sich bewölkt, ein feiner Sprühregen zog über die stillen Lande. Er merkte es nicht. Seine Gedanken waren bei seinem Kinde. Langsam rann ihm eine Träne die Wange herab, und er schämte sich ihrer nicht.
Da legte sich eine Hand auf seinen Arm. Eine schlanke Mädchengestalt in rosa Seide stand im hellen Schein des Lüsters vor ihm. Ein dichter Kranz halb aufgebrochener Rosen blühte im dunklen Haar, eine Reihe echter Perlen umschloß den Hals. Allen anderen Schmuck hatte Sibylle Bühler verschmäht.
»Es regnet,« sagte sie freundlich, und die schönen Augen sahen ihn bittend an. Sie glichen zwei anderen zum Verwechseln. In das Herz seines Kindes hatten diese nachtschwarzen Augen geschaut, und die junge Seele war unter ihrem Blick erschauert. Und nun sahen sie ihn an, diese samtweichen Augen der Bühlers! Aber in denen des jungen Weibes lag eine Ruhe und Klarheit, eine geistige Schönheit, die sich in Wolf Dietrichs Augen nicht widerspiegelte. Und wie so oft schon stieg's in der Seele des Mannes empor: ›Es ist das fremde Blut! Warum mußte Kaspar Heinrich die Firlemont freien!‹ — Aber Sibylle war eine echte Bühler! —
Und es lag etwas Warmes, Väterliches in seiner Art, als er den Arm des jungen Mädchens in den seinen zog. »Ja, Kind, Sie haben recht. Ich bin schon ganz naß!« Er strich über das feuchte Haar.
Jetzt erst gewahrte er, daß sie so, wie sie den Saal verlassen, im ausgeschnittenen Kleide vor ihm stand.
»Menschenkind, sind Sie toll? Schnell! Sie erkälten sich!« Er war wieder ganz der alte Kambach. »Marsch hinauf und zehnmal durch den Saal gewalzt und dann einen Punsch drauf! Verstanden?«
Sie lachte. »Ich habe ja gar nicht im Regen gestanden!«
Aber er ließ nicht locker.
Auf der Treppe begegneten sie dem langen Malwitz.
»Sind Sie schon für den Walzer versagt?« rief er ihm entgegen. »Nein? Gut. So sorgen Sie dafür, daß die Gräfin warm wird!« Und er erzählte ihm Sibyllens Leichtsinn.
Sie aber lehnte alles ab.
»Es wäre schlimm, wenn ein Landmädchen nicht mehr vertragen könnte!« Und sie folgte ihrem Tänzer in den Saal. —
Das Wort von den ›fürstlichen Hochzeiten der Mark‹ bewahrheitete sich wie kein anderes. Was das Land an ererbtem Glanz und Reichtum barg, an hundertjährigem Brauch und edler Sitte, das trat an seinen Ehrentagen aus der Verborgenheit ans Licht und grüßte das Volk. Die schlichten Gutshäuser schmückten sich, als sollten Könige unter ihrem Dache rasten, die fleißigen blonden Landedelfrauen holten Perlen und Gestein aus den Truhen, goldgestickte Stoffe, kostbare Schleier, die ledigen Mägdlein rüsteten stolz das Hofkleid und pflückten im Park die Rosen zum Jungfernkranz.
Fürstlich war auch die Hochzeitstafel. Im äußeren Schmuck, in allem, was sie bot. Vom goldenen hundertjährigen Tafelaufsatz und dem fein gewirkten Wappentuch bis zum kristallenen Kelch und seinem perlenden Inhalt war's fürstliche Gastfreundschaft, die das märkische Hochzeitshaus bot. Das großartigste aber war und blieb der patriarchalische Geist, der diese Gastfreundschaft beseelte. Freite die Herrentochter, so feierte der ärmste Knecht die Hochzeit fröhlich mit, so trank er des Edelmanns Wein und aß seinen Fisch. Kein Kind im Dorf, das nicht seinen Festkuchen erhielt, kein armes Mütterchen, dessen man nicht im Gutshause gedacht.
Park und Gartensaal standen offen. Niemand war ausgeschlossen. Und wer des Schauens müde geworden, der ging in den herrschaftlichen Milchkeller hinüber, wo sich die Paare nach den Klängen der Fidel drehten, und wagte ein Tänzchen.
Waren die festlichen Tage vorüber und die Hochzeitskränze verwelkt, herrschte Ebbe im Säckel des Gutsherrn. Doch gute Ernten füllten ihn wieder, und Treue lohnte die Treue. Ein starker zäher Kitt verband Herrn und Knecht. Denn es war nicht nur preußische Adelsehre, welche diese patriarchalischen wahrhaft fürstlichen Feste gebot, es war die Liebe zur Scholle, zu Volk und Vaterland, die immer wieder einen Markstein am deutschen Lebenswege aufrichtete. — —
Die Nacht war heraufgestiegen. Die letzten Regentropfen hingen an Busch und Baum, die Sterne funkelten. In leuchtender Klarheit stand der Mond über dem Altan.
Drinnen klangen die Geigen. Die Paare schwebten über das Parkett. Eine wunderbare Ruhe lag über dem stimmungsvollen Bilde. Licht, Farbe, Töne schienen sich miteinander zu verschmelzen. Denn hier brannten noch Kerzen in den Kronleuchtern, wahrhaftige Kerzen wie in alter Zeit, als Gräfin Sabine Trach und der junge Kambacher Herr den Hubertusball eröffneten. Daher der zarte Schimmer, der feenhafte Glanz, der den Bildern aus den Tagen Friedrichs des Großen eigen, der das Flötenspiel des königlichen Künstlers mit seinen sanften Lichtern umspielte.
Es war, als hätte die junge Frau, die unten in der Halle in heißem Abschiedsschmerz des Vaters Hände geküßt, ihren Dornröschentraum durch den Hochzeitssaal getragen, und die schönste Blüte sei langsam entblättert. — — —
Sibylle Bühler tanzte den Tischwalzer mit dem Sohn des Hauses. Man hatte die Nachbarskinder an diesem Abend schon öfter beisammen gesehen, — nun tanzten sie auch noch den Tischwalzer zusammen, — die jungen Mädchen begannen zu tuscheln.
Doch die beiden trugen eine solch eherne Ruhe zur Schau, daß der kleine Dragonerleutnant von Dachow, der seine Cousine vergötterte, sich erleichtert sagte, er habe sich gestern mittag wohl geirrt.
Gräfin Brelow aber, die Sibylle seit ihrer Mädchenzeit kannte und liebte, sagte zu ihrem Manne: »Wenn ich nicht wüßte, sie ist die einzige, die ihm dazu verhelfen kann, ein rechter Kambach zu werden, ich würde alles tun, um die beiden Menschen zu trennen! Aber du wirst es erleben, Achim, sie bringt ihn zurecht!«
»So kampflustig?« Er sah sie lächelnd an. Drei Körbe hatte sie ihm gegeben, und nun war sie glückliche Frau und Mutter von sechs Kindern. »Du irrst dich auch manchmal,« sagte er. »Außerdem betonst du doch sonst das Wort bei jeder Gelegenheit ›Ehen werden im Himmel geschlossen‹, und nun denkst du daran, die beiden zu trennen.«
»Ich denke eben nicht daran!« entgegnete sie, mit ihrem kostbaren Spitzenfächer spielend.
»Aber du würdest daran denken, wenn Sibylle nicht Sibylle wäre.«
»Ja, das würde ich.« Sie rückte dicht an ihn heran. »Erinnerst du dich eines großen Marmorbildes in einer früheren Dresdener Kunstausstellung: ›Mann und Weib‹? Sie schlafen. Seite an Seite liegen sie ausgestreckt, — Idealgestalten deutschen Lebens. Ich sagte dir schon damals, daß die Frau Sibylle gleiche; Harro Kambach kannte ich noch nicht! Jetzt weiß ich, wer der Mann ist, — seltsam, — als ob die beiden dem Künstler vor Augen gestanden hätten!«
»Und weil sie jenem Marmorbilde gleichen, sollen sie sich heiraten? Ursel, — nimm's nicht übel!«
»Ja, ja, ich weiß, ich bin eine Schwärmerin! Aber sei nur ganz still. Mein Haushalt geht am Schnürchen!«
»Weil du eine vorzügliche Mamsell hast!«
»Ach was! Hör' zu! — Also erstens ist die Ähnlichkeit geradezu überwältigend. Außerdem habe ich niemals die Ergänzung der Seelen widergespiegelt gesehen, wie in diesen Gestalten!«
»Und deshalb sollen sich Harro Kambach und Sibylle Bühler auch ergänzen, — lieber Schatz!« Er lachte hell auf.
»Sei still, da kommen sie.« Langsam schritten die zwei vorüber, ihrem Platz zu.
Graf Brelows Augen folgten ihnen. »Sie ist überhaupt viel zu schade für ihn,« sagte er. »Zum Glück weiß der Großvater, was für ein Luftikus Kambach ist. Hoffentlich ist die Mutter vernünftig und Sibylle selbst ...«
»Sibylle liebt ihn,« unterbrach die Gräfin ihren Mann. »Zu schade, sagst du, sei sie für ihn?« fuhr sie dann fort. »Gibt's Größeres, als einen Menschen zu Gott zu führen?«
»Wer sagt dir, daß ihr das gelingt? Ist nicht auch die Möglichkeit vorhanden, daß der Mann das Weib von Gott löst?«
»Nein!« rief sie lebhaft, »das ist unmöglich — bei Sibylle? Nein!«
»Gesetzt den Fall, du behieltest recht, Ursel, aber sie brächte ihn trotzdem nicht auf den rechten Weg! Bitte stell' dir diese Ehe vor!«
»Die Hölle auf Erden!« rief sie, und dann faßte sie seine Hand. »Bei uns war's auch nicht immer so, wie's heut' ist!«
Er blickte glücklich auf sie nieder. »Aber jetzt bleibt es wie's ist, nicht wahr? Was wäre ein Brelow ohne das Kreuz?«
Sie hob die strahlenden Augen zu ihm empor. »Darum gönn' ich's auch einem Kambach! Du sollst sehen, Achim, sie bringt es ihm.« — —
Der Kotillon begann.
Harro Kambach verneigte sich vor der schönen Frau.
»Verzeihung, Herr Graf!«
Brelow nickte dem jungen Offizier freundlich zu. Dann erhob er sich, um seiner Frau Platz zu machen.
Ein mit Rosen beladener Wagen wurde in den Saal gefahren. Zwei weißgekleidete kleine Mädchen aus der Nachbarschaft trugen Kissen mit weißen und roten Orden herein.
Der Sohn des Hauses schlang den Arm um seine Dame. Die tanzende Jugend folgte dem eleganten Paar. Offiziere und junge Mädchen drängten nach der Mitte des Saales.
Gräfin Brelow stand mit einer rotweißen Schleife vor dem alten Erblandmarschall. »Darf ich, Erlaucht?«
Sie steckte ihm den Orden an den Frack.
Er neigte den weißen Kopf über ihre Hand. »Wär' ich dreißig Jahre jünger, meine gnädigste Gräfin, so sollten Sie den langen Bühler kennen lernen! Aber das Alter!«
Die braunen Augen sahen den bekannten ehemaligen Prinzessinnentänzer schelmisch an: »Ich komme doch aus Freundschaft, Erlaucht!«
»Das weiß ich!« Er nickte ihr väterlich zu. »Setzen Sie sich zu mir, Ihr Tänzer ist beschäftigt, er wird Sie schon finden!«
Sie nahm an seiner Seite Platz.
»Das ist eine Hochzeit nach meinem Sinn,« begann der alte Herr in aufgeräumter Stimmung. »Die Kambacher verstehen's! Fürstliche Aufnahme, ausgezeichnete Bewirtung, — und doch keine Protzerei, keine Berliner Üppigkeit! Wissen Sie, Gräfin, daß mich die Berliner Gasthofhochzeiten geradezu anwidern. Das gehört sich nicht für einen Landedelmann. Ein echter Junker feiert seine Feste auf der Scholle!«
Sie nickte eifrig. »Das ist ganz meine Meinung, Erlaucht! Wo soll die Bodenständigkeit herkommen, wenn die Landflucht der höheren Kreise überhandnimmt! Meine Verwandten Klemm gehen jetzt für sechs Monate nach Ägypten, nur weil sie sich zu Hause langweilen. Sie sind alle beide kerngesund, es fehlt ihnen nichts als sozialer Sinn und das nötige Pflichtgefühl. Im Frühjahr heiratet die älteste Tochter, die Hochzeit ist natürlich in Berlin. Achim gerät ganz aus dem Häuschen, wenn ich davon anfange. Ich glaube, er ließe sich scheiden, wenn ich auf solche Gedanken verfiele.«
»Das würde ich ihm durchaus nicht verdenken,« sagte der alte Herr. »Landedelfrauen, denen die Heimatliebe und damit der Sinn für das Ererbte fehlt, wissen gar nicht, welch ein Kleinod ihnen anvertraut ist. Die Frau ist die Hüterin der Volksseele, die Beschützerin des Familienlebens, der Sitte. Nirgends aber hat sie so Gelegenheit, ihrem hohen Beruf nachzugehen, wie auf eigenem Grund und Boden; denn keine andere Frau kann unmittelbarer, persönlicher, uneingeschränkter ihren Einfluß ausüben, als die Landedelfrau. Sie begeht darum nicht nur ein Unrecht, sie begeht eine grenzenlose Torheit, wenn sie auf diesen Einfluß verzichtet; denn sie verliert mit ihm die Liebe und Anhänglichkeit ihrer Untergebenen. Die Frau trägt eine Macht auf dem Haupte, gnädigste Gräfin, Sie werden das ja selbst am besten wissen! Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: auf den Gütern, wo die Herrschaft keinerlei persönliche Fühlung mit den Leuten hat, blüht die Sozialdemokratie. Die Frauen und Töchter der Majoratsherren, die niemals auf Erntefesten mittanzen, niemals Krankenbesuche im Dorf machen, mit einem Wort, die die Leute nicht kennen, die schädigen, — das klingt furchtbar hart, aber es ist nun einmal so, — ich sage, die schädigen den Großgrundbesitz. Denn sie beschleunigen durch ihr Verhalten, durch ihren Mangel an Interesse die Landflucht. Die Herrschaft, die den Leuten keine Liebe entgegenbringt, kein Zusammengehörigkeitsgefühl in ihnen weckt, kann auch keine Treue von ihnen erwarten. Aber ich will nicht nur auf die Frauen schelten. Die Schuld des Mannes auf diesem Gebiet ist wahrhaftig nicht die geringere. Vom Hundertsten kämen wir ins Tausendste, wollten wir dem Kapitel Bodenständigkeit nachgehen, wollten wir ›Landflucht und Landsucht‹ mit all ihren gefährlichen Auswüchsen betrachten. Wissen Sie das Neueste? ›Bodenständig ist rückständig!‹ Ein leichtfertigeres Wort ist selten geprägt worden. Gott bewahre uns vor diesem Schmarotzertum, vor dem Spiel mit ererbtem Gut und Besitz, vor der Verachtung von Glaube und Sitte, von Heimatgefühl und Beamtentreue! Lieber will ich ein bettelarmer Edelmann sein, als mit einem jener vaterlandslosen Gesellen an einem Tische sitzen, die nicht etwa durch die Not getrieben, sondern um Geld und Glanz und Genuß das Erbe der Väter an jüdische Grundstücksmakler verschachern!«
Er hatte erregt gesprochen. Hastig fuhr er über die hohe Stirn.
Besorgt blickte sie ihn an.
Er seufzte. »Nirgends haben die Sozialdemokraten leichteres Spiel als da, wo die alten patriarchalischen Verhältnisse nicht mehr bestehen! Wo es nicht mehr Treue um Treue gilt, da sieht es schlimm aus!« Er hielt einen Augenblick inne. Sinnend ging sein Blick durch den Saal. »In unserer Gegend macht sich das noch nicht so fühlbar wie auf manchen anderen Gütern. Zumal Kambach hat ja geradezu einzigartige Verhältnisse, und die dankt es in erster Linie seinen Gutsherren! Hab' ich nicht recht?«
»Ganz gewiß. Die Kambacher sind ein vorbildliches Geschlecht. Haben Erlaucht bemerkt, in wie wunderhübscher Weise heute das ganze Dorf teilnahm? Das Bild während der Trauung wird mir unvergeßlich sein!«
»Gewiß. Diese Hochzeitsfeiern bilden ein wichtiges Stück in der Heimatkunde der Mark. Und Sie haben sehr recht. Gerade die Kambacher Feste haben einen eigenen Reiz. Das ganze Dorf war heute auf den Beinen. Überall begegnete man frohen Gesichtern. Der alte Schenker strahlte, als hätte er seine eigene Tochter verheiratet. — Morgen ist ein großes Volksfest! ›Damit keiner zu kurz kommt!‹ sagt Kambach.«
Gräfin Brelow lächelte.
»Er denkt immer an seine Leute!« —
»Nun, Ursel, du bist in deinem Fahrwasser, dann kann ich ja wieder gehen!« sagte eine bekannte Stimme. »Wenn meine Frau auf patriarchalische Verhältnisse gebracht wird, bin ich nämlich überflüssig, Erlaucht,« wandte sich Graf Brelow an den Erblandmarschall. »Es hat auch nicht den geringsten Zweck, ihr die heutigen sozialen Verhältnisse zu erklären, ich bin und bleibe in ihren Augen ein Umstürzler.«
Graf Bühler lachte. »Sind Sie auch, mein lieber Brelow! Ihre Frau hat ganz recht. Sie vertritt das Alte, Angeborene, während Sie dem Neuen die Tür öffnen. Ich weiß ganz genau, was Sie für die volkswirtschaftliche Selbständigkeit ins Feld führen, weiß auch, daß Zeiten und Menschen sich in mancher Beziehung geändert haben, trotzdem muß ich bei all den an sich gewiß sehr lobenswerten, die Aufbesserung der ländlichen Arbeiterverhältnisse betreffenden Bestrebungen immer wieder an das Breysigsche Wort denken: ›Feste dauernde Bande voll tiefen Glückes werden heute nur zerschnitten, nie neu geknüpft‹.«
Graf Brelow blickte den alten Herrn lächelnd an. »Erlaucht kennen meine Stellung doch! Die altehrwürdigen patriarchalischen Verhältnisse in hohen Ehren! Sie bilden zum großen Teil den Kitt, der unserem ländlichen Volksleben seinen letzten Halt gibt. Selbstverständlich sind Führerschaft und Gebietersinn im allerbesten Sinne notwendig, und darum ist auch das patriarchalische Verhältnis notwendig; denn es schafft nicht nur Bodenständigkeit, es stärkt dem Christentum, stärkt vaterländischem Sinn und Königstreue den Rücken. Ich gebe offen zu: es ist ein alter Führerirrtum, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse mit denen der Masse zu verwechseln. Denn es gibt ein geborenes Herrentum und gibt Kreise, die des Geführtseins nicht nur bedürfen, sondern die bewußt und unbewußt den Führer begehren, die viel lieber gelenkt werden wollen, als selbst die Last und Verantwortung des Lenkens übernehmen. Darin liegt durchaus keine Kraftverminderung für mich, Erlaucht, — im Gegenteil: das Können der Seele, ihr Vermögen wird durch die Führerschaft eines Starken gesteigert.«
Der alte Herr nickte.
»Ja, ja, — aber — trotzdem, ich weiß schon, was kommt!«
»Das schadet nicht. Erlaucht werden es noch einmal hören! Und meiner Frau schadet es auch nicht! — Das, was Erlaucht fordern, und was jeder rechte Gutsherr grundsätzlich erstreben wird, ist die uralte väterliche Form der Herrschaft! Ein gesegnetes Erbe, welches noch heute da ein Segen bleibt, wo das Verhältnis zwischen Herrn und Knecht ein mustergültiges ist. Aber wir haben nicht nur mit dem Durchschnitt, sondern in den meisten Fällen mit Verhältnissen unter dem Durchschnitt zu rechnen. Bühl und Kambach stellen eine Auslese dar — ich wollte, in Dambeck wär's auch so. Den Zeitgeist können wir nicht ändern, aber wir können die Verhältnisse in zeitgemäßer Weise zu bessern suchen. Ich meine nicht, daß das Alte an sich abgewirtschaftet hat, aber daß manche alte Form hinfällig geworden ist und darum mancher Wunsch nach Wandel und Neuschöpfung berechtigt ist, das muß ich gerade in bezug auf die ländlichen Arbeiterverhältnisse anerkennen! Wir dürfen nicht vergessen, daß der Fabrikarbeiter in äußerlich, wenn auch nur scheinbar, freieren Verhältnissen lebt als der Landarbeiter. Letzterer nimmt daher in den Augen des Volkes einen untergeordneteren Platz ein als jener, wenn auch seine Verhältnisse in Wirklichkeit vielleicht die günstigeren sind. Aber das soziale Gefühl spricht bei den Leuten zu stark mit, und wir haben die Pflicht, es zu berücksichtigen, sonst gehen uns vielleicht gerade die Werte verloren, die das patriarchalische Verhältnis vergangener Zeiten geschaffen hat.«
Graf Bühler blickte auf seinen Krückstock nieder. Dann hob er die hellen Augen voll zu dem Sprecher empor.
»Ich glaube, wir wollen im Grunde dasselbe, lieber Brelow,« sagte er freundlich, »nur müssen Sie dem Alter eine gewisse Rückständigkeit zugute halten. Es hängt am alten Brauch, an der alten überlieferten Form. Aber das eine möchte ich aussprechen, und auch Ihre Frau soll's hören: ich glaube nicht, daß die Kambacher und Bühler enger mit ihrer Gutsherrschaft verwachsen sind als die Dambecker!« Er schüttelte dem anderen die Hand. »Trotz allem, was mir am Neuen schwer wird, naturgemäß schwer werden muß, denn wir Alten leben immer in der Vergangenheit, die bekanntlich stets einen Heiligenschein trägt, — trotzdem, oder gerade darum soll das Neue mich mahnen, gerecht zu sein. In der Beziehung muß ich noch von Ihnen lernen, lieber Brelow!«
Die Blicke der beiden Männer begegneten sich klar und fest. Aus Graf Brelows Augen leuchtete helle Freude.
Dann sah er seine Frau an. ›Na, Ursel, was sagst du nun?‹ fragte sein Blick.
Sie nickte ihm herzlich zu. »Sei nur ganz still,« lachte sie, und ein paar Grübchen traten in die rosigen Wangen, »ich schreib's mir hinter die Ohren!«
»Das möcht' ich mir auch ausgebeten haben! — Auf Wiedersehen, Erlaucht!« — Mit einer leichten Verbeugung gegen den alten Herrn schritt er weiter.
Gleich darauf sahen die beiden ihn mit Sibylle Bühler vorübertanzen. — —
Harro stand vor der Gräfin.
»Ja, ja, ich bin Ihnen ausgerückt, Baron,« lachte sie. »Aber hier ist noch Platz, setzen Sie sich zu uns. Nachher kommt noch ein Tänzchen in Ehren!«
Er verbeugte sich gegen den Erblandmarschall. »Gestatten, Erlaucht?«
»Bitte, lieber Harro! Nicht wahr, dies ist ein gemütliches Eckchen, wir sind hier ganz unter uns! — Übrigens sprachen wir gerade von den Vorzügen Ihres Hauses! Die Ohren müssen Ihnen geklungen haben!«
Harro beugte sich vor. Eine Ahnung sagte ihm, was nun kommen werde: die Predigt über den vorbildlichen Landedelmann. Fürchterlich. Aber was half's? Man mußte andächtig zuhören. Hoffentlich tat der alte Herr keine persönlichen Fragen. Er verfügte über eine unversiegbare Gründlichkeit.
»Sie brauchen keine Abhandlung über das Agrariertum zu befürchten,« sagte der Graf mit feinem Lächeln. »Ich habe nur meiner Hochachtung vor dem konservativen Sinn Ihres Vaters Ausdruck gegeben und die Treue bewundert, die in geradezu vorbildlicher Weise das patriarchalische Verhältnis aufrechtzuhalten sucht. Ein Tag wie der heutige zeigt das wahre Bild des Gutslebens. Ich rechne es Ihrem Vater sehr hoch an, daß er den Bitten meines Enkels, die Hochzeit in Berlin zu feiern, nicht nachgegeben hat!«
Harro schwieg.
»Sie scheinen anderer Meinung zu sein,« sagte der Erblandmarschall.
Gräfin Brelow blickte gespannt auf den jungen Offizier.
Der wollte dem ehrwürdigen Gast seines Vaters ungern widersprechen. »Verzeihung, Erlaucht ...« sagte er zögernd, »aber ...«
»Hätten Sie die Hochzeit in Berlin gegeben?« unterbrach ihn Graf Bühler.
»Ja,« erwiderte Harro. »Man muß doch zugeben, daß die Räumlichkeiten unserer Landhäuser für solche Gelegenheiten nicht genügen.«
»Sie haben immer genügt; aber selbst wenn dem so wäre — ist das das allein Ausschlaggebende für Sie?«
Harro zuckte die Achseln. »Was soll denn sonst den Ausschlag geben, Erlaucht? Wir sahen doch heute wieder, daß der Tanzsaal viel zu klein ist! Kambach genügt überhaupt nicht den Anforderungen der Neuzeit. Außerdem ist es nicht mehr Mode, daß der Adel seine Hochzeiten auf dem Lande feiert! Das spricht doch alles mit!«
»So. Aber eins scheint bei Ihnen nicht mitzusprechen: Heimatsitte und Heimatbrauch, patriarchalisches Verhältnis, — mit einem Wort: sozialer Sinn.« Er zog die weißen Brauen in die Höhe. »Der hat freilich nur Wert, wenn er angeboren ist!«
Harro biß sich auf die Lippen. ›Gut, daß uns hier wenigstens keiner hört,‹ dachte er und sah Sibylle Bühler nach, die mit Jaspar Malwitz vorübertanzte.
Der Erblandmarschall beobachtete ihn scharf. »Nehmen Sie's einem alten Mann, der Sie außerdem noch über die Taufe gehalten hat, nicht übel, lieber Harro; aber solche Ansichten gehören sich nicht für einen märkischen Junker und preußischen Edelmann. Leider ist ja das Leben von heute nicht dazu angetan, die Liebe zur Scholle zu stärken, aber den Kambachern steckt sie im Blut. Man urteilt ja, wenn man jünger ist und noch keine Erfahrungen gesammelt hat, anders als ein Mann, der die Höhen des Lebens überschritt, — darum vergessen Sie nicht, was Ihnen heute einer sagt, dessen Tage vielleicht gezählt sind: wer sein Gut nur als Sommeraufenthalt betrachtet, wird nie ein rechter Gutsherr!«
»Verzeihung, Erlaucht, es gibt aber doch Verhältnisse ...«
»Wenn Sie die Schwindsucht bekommen, und der Arzt behauptet, Sie könnten nur in Ägypten genesen, so reisen Sie in Gottes Namen, wenn Ihr Geldbeutel es erlaubt,« rief Graf Bühler. »Meine Frau hat sich unter stark vorgeschrittenen Krankheitserscheinungen in den Bühler Kiefernwäldern erholt — man kann also über diesen Punkt streiten. Daß sie damals ganz gesund wurde, wissen Sie, ebenso, daß sie nicht an der Schwindsucht gestorben ist, — aber wie gesagt, ich will da mit niemand rechten. Das, was ich meine, liegt an ganz anderer Stelle. Es handelt sich nicht um Zwangslagen, es handelt sich um willkürliche Entäußerung von Überlieferung und Besitz. Das erste ist eine Not, das zweite eine Schuld.«
Harro fuhr herum.
»Entäußerung, Erlaucht? Abwesenheit bedeutet doch nicht Entäußerung?«
»Dauernde oder wiederholte längere Abwesenheit läuft schließlich auf Entäußerung hinaus. Darum braucht nicht Grund und Boden verkauft zu werden, es ist etwas Größeres, das mit der Preisgabe des patriarchalischen Verhältnisses verschachert wird: die Volksseele. Ihres Vaters großzügige Auffassung seiner gutsherrlichen Aufgaben ist mir stets vorbildlich gewesen. In den schwersten Tagen hat er nie vergessen, was er seinen Leuten schuldig war. Heute sehen Sie den Dank!«
Harro blickte vor sich nieder. Er erkannte eine Wahrheit in den Worten seines greisen Paten, aber schoß der alte Herr nicht in seinen Einzelforderungen über das Ziel hinaus? Er scheute sich, an dieser Stelle und in diesem Augenblick seinen Widerspruch zu reizen; es war eben stets zu bedenken, daß er Sibyllens Großvater war. Nur eins ärgerte ihn: daß Gräfin Brelow einen so charakterlosen Eindruck von ihm bekam. Es war eine regelrechte Zwangslage, in der er sich befand.
Seine Pflichten als Vortänzer fielen ihm ein. Er zog die Uhr und blickte auf die Gräfin. Der Ball sollte mit einem Huldigungsreigen vor dem Hausherrn und seiner Mutter beschlossen werden.
Ein Regimentskamerad schien ihn zu suchen.
Er erhob sich.
Da klang die alte Stimme noch einmal an sein Ohr: »Sozialer Sinn ist keine Mache, sondern ein kostbares Eigengut aus einem Guß. Wer dies oder jenes Stück Heimatbrauch preisgibt, arbeitet am Verfall des Volkstums. Es geht ums Ganze! Darum ist es nicht nur Verhöhnung des patriarchalischen Verhältnisses, wenn die Tochter eines Landedelmannes ihre Hochzeit in der Großstadt feiert, — es ist ein soziales Verbrechen!«
Die letzten Worte waren mit ungewöhnlicher Schärfe gesprochen. Ein paar junge Mädchen sahen sich um, allgemeines Schweigen herrschte.
Leichenblaß stand der junge Offizier da: »Erlaucht!«
Ein breiter Schatten fiel auf die kleine Gruppe. Er wandte sich um.
Vor ihm stand sein Vater, die Großmutter Kambach am Arm. Ein Blick sagte Harro, daß die beiden den größten Teil der Unterhaltung mit angehört hatten. Ein unsagbar peinlicher Augenblick folgte.
»Nicht wahr, du mußt erst morgen abend wieder in Drachenburg sein?« wandte sich der Oberstallmeister mit undurchdringlicher Miene an seinen Ältesten. »Ich habe vorher noch mit dir zu reden.«
Er ging an ihm vorüber auf Graf Bühler zu.
Von der Galerie riefen die Jagdhörner. Noch einmal schwebte der Reigen durch den Saal. Hochgewachsene Junker, lichte Mädchengestalten verneigten sich vor dem Hausherrn und der greisen Edelfrau.
Dann klang das Halali.
Draußen schlug die Turmuhr halb zwei.
»Nu is det och all wider vorbi,« sagte Franz Schenker, der neben seiner Frau in der offenen Saaltür stand, »aber 's ward och Tid!«