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Versuch einer Ethnographie der Philippinen

II. Malaien. (continued 2)

Reading edition

Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.

Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben (Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.

8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts.

Wo diese beiden den Igorroten naheverwandten Stämme ihre Wohnsitze haben, war mir nicht möglich sicher zu ergründen. Nicht einmal der Name des ersteren Stammes ist sichergestellt, indem Mas (pobl. 14) und nach ihm Bastian (Reisen V, 272) Altabanes schreiben, während Buzeta y Bravo die Schreibweise Altasanes führt. Merkwürdigerweise scheint Dr. Bastian, durch diese verschiedene Schreibweise verleitet, Altasanes und Altabanes für zwei verschiedene Stämme zu halten (vgl. Bastian, Reisen V, 272 u. 274). Altasanen und Ilamuts verehren einen Gott Namens Cabiga und dessen Frau, welche bei Buzeta (Dicc. I, 60) Bujan, bei Mas (pobl. 14) Bujas heisst. Das ist Alles, was wir über diese beiden Stämme wissen. Ihre Wohnsitze sind jedenfalls in der Provinz Nueva Vizcaya zu suchen.

9. Bujuanos.

Die Bujuanos sind ein ebenfalls den Igorroten naheverwandter Stamm in der Provinz Isabela (Scheidnagel 35). Ihre Wohnsitze konnte ich nicht näher ermitteln.

10. Panuipuyes.

Die Panuipuyes oder Panipuyes sind Igorrotenstämme, von denen nichts weiter bekannt ist als der Name (Mas, pobl. 28; Buzeta I, 58). Wohnstätten wahrscheinlich im westlichen Nueva Vizcaya oder Isabela. Vielleicht sind sie nur ein Zweig der Mayoyaos.

11. Isinays.

Die Isinays wohnen am mittleren Rio Agno bis gegen den von den Spaniern Caraballo Sur genannten Gebirgsstock, im westlichen Theile der ehemaligen Provinz Ituy. In ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie den Bergstämmen der nördlichen Nachbarstriche. Zwischen 1715–40 wurden sie zum Christenthume bekehrt (Mozo 40 f.). Im Jahre 1788 gab es noch 3900 wilde Isinays (Mas, pobl. 38). Sie scheinen jetzt ihren Dialekt einzubüssen und vollständig in die Pampangos und Pangasinanen einzugehen.

Mit ihnen naheverwandt scheinen die Jumangis zu sein, die seit Mozo (Misiones 58) kein neuerer Schriftsteller erwähnt.

12. Abacas.

Die kleine Nation der Abacas lebt südlich vom Bergstock Caraballo Sur, in der Umgegend von Caranglan. Ihre Sprache scheint erloschen zu sein, wenigstens machen die spanischen Censuslisten hiervon keine Erwähnung, früher besassen sie aber ein eigenes Idiom, das sich selbst von dem der ihnen sonst in Sitten ähnlichen Italonen unterschied, wie diess Fr. Antolin de Alzaga, der unter ihnen 1702 als Missionär lebte, ausdrücklich hervorhebt (Mozo 20). Von den Italonen, mit denen sie in beständigem Kriege begriffen waren, unterschieden sie sich auch durch die Polygamie, die bei ihnen üblich war (Mozo, l. c.). Sie scheinen Kopfjäger gewesen zu sein, heute sind sie friedliche Christen.

13. Italonen (Italones).

Die Italonen wohnen nördlich vom Caraballo Sur im südlichen Theile der Provinz Nueva Vizcaya, wo auch ihre grösseren Orte Lublub, Bayombon, Dupax &c. liegen. Sie sind erst seit dem Anfange des vorigen Jahrhunderts allmählich zum Christenthum bekehrt worden, das aber nur oberflächlich an ihnen haftet. Im Jahre 1702 zählten sie 52 Dörfer, welche ein nettes Aussehen hatten, ihre Hütten waren von ansehnlicher Grösse. Obwohl sie eifrige Jäger waren und der Fischfang in ihren Bächen und Flüssen reichliche Beute lieferte, so bildete dennoch Reis ihre Hauptnahrung, sie bestellten die Äcker mit Sorgfalt und waren durch Aufspeichern von Reisvorräthen in der Lage, bei etwa eintretenden Missernten der Hungersnoth vorzubeugen (Mozo 19 u. 26). Ob sie andere Hausthiere als den Hund besassen, ist mir nicht bekannt, obwohl manches darauf schliessen lässt, dass der Büffel und das Schwein wenigstens in geringer Zahl gezüchtet oder eingehandelt wurden. Aus Zuckerrohr bereiteten sie ein berauschendes Getränk, Ilang genannt (Mozo 32). Ihre Waffen waren Lanze, Waldmesser und Schild. Ihre unbändige Kriegslust, die gegen ihre sonstige Liebenswürdigkeit (Mozo 19) eigenthümlich abstach, reizte sie zu beständigen Fehden mit den Nachbarstämmen, insbesondere den Abacas und den Balugas, wobei derjenige den grössten Ruhm davontrug, der die meisten Feindesschädel heimbrachte, denn sie waren Kopfjäger (Mozo 32, 35). Diese eigenthümlichen Trophäen wurden in der Hütte sorglich aufbewahrt, nur pflegten sie vorher den Schädel seiner Zähne zu berauben, um damit den Handgriff ihres Hackmessers auszuschmücken (Mozo 22). Ihre Kriegführung beruhte hauptsächlich auf List und Überrumpelung, der offene Kampf, Mann gegen Mann, wurde so sehr als möglich gescheut; am liebsten überfielen sie den Feind in der Nachtzeit (Mozo 34). Die erlittenen Wunden, sowie andere Krankheiten heilten sie durch verschiedene Kräuter, über welche Mozo (Misiones 56) eingehend berichtet. Sie sollen auch das Blut der erschlagenen Feinde getrunken und Theile von deren Hinterhaupte und Eingeweiden roh verzehrt haben, um den Muth des Erschlagenen zu erben (Mozo 32 f.; Mas, pobl. 22). Starb ein angesehener Häuptling, so hüllten sie ihre Waffen zum Zeichen der Trauer ein, und diese Ceremonie nannten sie Magbalata.

Wie bei den Igorroten war auch bei ihnen nur Monogamie üblich, die Ehen konnten nur durch den Tod eines der Gatten gelöst werden (Mozo 19). Kebsweiber neben der Gattin zu halten, war untersagt, auch durften Blutsverwandte keine Ehen untereinander eingehen (l. c.).

Über ihre frühere Religion stehen mir nur die dürftigen Notizen des Augustiners P. Arzaga zur Verfügung. Nach diesen glaubten sie an einen einzigen Gott, der die Guten belohne und die Bösen bestrafe, doch wussten sie nicht zu sagen, in was die Belohnung bezw. Strafe zu bestehen hätte. Dieser Gott hatte nach ihrer Ansicht im Himmel seinen Wohnsitz. Auffallend ist, dass dieser Gott unbeweibt lebt, während sonst alle Bergstämme von Nord-Luzon nur Götterpaare kennen. Sie glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele, was den Schluss zu ziehen gestattet, dass der Ahnencultus ihnen nicht unbekannt gewesen sein mag.

Von diesen erwähnten und dargestellten Bräuchen und Sitten hat sich wenig erhalten, das Christenthum hat ihrem ganzen Leben tagalisches Gepräge verliehen.

14. Ibilaos.

Die wilden Ibilaos wohnen in den Grenzdistrikten von Nueva Vizcaya und Nueva Écija, vom Caraballo Sur gegen Norden und Nordwest ihre Sitze ausdehnend. Bei den Orten Levang, S. Fabian und Tongbon treten sie in unmittelbare Berührung mit den civilisirten Indiern. Sie streichen bis zum Caraballo del Baler hinüber.

Sie sind von kleiner Statur und geringer Körperstärke (Buzeta I, 57). Sie scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern nur von der Jagd und dem Raube sich zu nähren, was vielleicht auf eine starke Beimischung mit Negritoblut zurückzuführen ist. Buzeta und Bravo bezeichnen das Leben, welches sie führen, als ein nur elendes (Buzeta, l. c.).

Wie bei den meisten Bergstämmen Luzons herrscht auch bei ihnen die Sitte der Kopfjägerei (Buzeta I, 57; Mas, pobl. 28). Sie lauern im Hinterhalte auf den Nichts ahnenden Reisenden, den sie mit sicherer Hand mit ihren Pfeilen tödten (Mas, l. c.). Es erinnert diess auffallend an die Negritos. Ihre Pfeile sollen nach Bastian (Reisen V, 274) vergiftet sein, ich weiss nicht, welcher Quelle diese Notiz entnommen ist. Auch sie schmücken ihre Waffen mit den Zähnen der erschlagenen Feinde. Ihre Zahl ist sehr gering (Mas, pobl. 28); am 2. Mai 1851 zählte man in der Provinz Nueva Vizcaya 330 erwachsene unterworfene Ibilaos (Diaz Arenas 515).

Von ihrer Religion ist Nichts bekannt; nach Semper (Erdkunde XIII, 94) „sollen” sie am Caraballo Sur Tempel besitzen, was höchst unwahrscheinlich erscheint.

Einzelne Ibilao-Stämme leben mit den Spaniern in Frieden, besonders jene der Provinz Nueva Écija (Cavada II, 464).

15. Ilongoten (Ilongotes).

Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Príncipe, streifen aber auch nach Nueva Écija herüber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Männern lang getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hüften reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten üblichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander (spiralförmig?) gefügte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper (Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: „Sie gehören mit zu den wildesten Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in beständiger Fehde”. Sie sind leidenschaftliche Kopfjäger (Mas, pobl. 28; Semper, Erdk. XIII, 251). Sie bekämpfen nicht nur die Negritos und fremden Stämme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare Schädelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen Trophäen heimgetragen und an der Thüre des Siegers aufgehängt. Ähnlich wie bei anderen Bergstämmen Luzons wird die Rückkehr einer siegreichen Kopfjägerbande mit grossen Festlichkeiten und Tänzen gefeiert. Semper (l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in Schutz.—Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X, 265). Über ihre Zahl ist mir nichts Näheres bekannt, am 2. Mai 1851 zählte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen diese nicht.

16. Mayoyaos (nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen).

Der von Cavada (I, 82) erwähnte Stamm der Bungananes ist mit den Pungianen identisch.

17. Ifugaos.

Die nächsten Verwandten der Mayoyaos sind die Ifugaos; dieser mächtige Stamm wohnte einst weiter nördlich und wurde erst später zu Ende des XVII. oder Anfang des XVIII. Jahrhunderts nach seinen heutigen Wohnsitzen durch die Gaddanen verdrängt. Sie wohnen heute hauptsächlich am linken Ufer des Magat, südlich und südwestlich von Furao zwischen Mayoyao und Camarag in der Provinz Nueva Vizcaya.

Ihre Religion im Allgemeinen, sowie einzelne Namen ihrer Götter erinnern an die Gotteslehren der Igorroten und anderer Bergstämme Nord-Luzons. Ihr höchster Gott heisst Cabunian, dieser hat zwei Söhne, Sumabit und Cabigat, und zwei Töchter, Buingan und Daunguen, diese Geschwister heiratheten untereinander und wurden so die Erzeuger der Menschen (Mas, pobl. 15). Der Regengott heisst Pati; gebetet wird zu den Dii minores: Balitoc, Piti, Misi, Sanian, Liniantacao, Bangeiz, Sipat, Batacagan, Sadibubu, Dasiasoiat, Capaiat, Dalig; Göttinnen geringeren Ranges waren: Libongan, Libugon und Limoan (Mas, l. c.). Der Ahnencultus scheint auch ihnen nicht unbekannt zu sein.

Die Ileabanes und Ifumangiës, welche Diaz Arenas als in der Provinz Nueva Vizcaya sesshaft anführt, sind Ifugao-Stämme.

18. Gaddanen (Gaddanes).

Die Gaddanen (richtiger: Gad-danen) werden besonders in Missionswerken älteren Datums auch Yogades genannt. Ihr Hauptgebiet ist die Commandancia Saltan, welche von ihnen nahezu ausschliesslich bewohnt wird, von hier dehnen sich ihre Wohnsitze nach den benachbarten Provinzen Isabela, Nueva Vizcaya und Cagayán aus. Man findet sie ebenso bei Gabagan am Rio de Calao, bei Tarnauini, Ilagan, Furao im Stromgebiet des Rio Grande de Cagayán, wie bei Tuao am Rio Chico de Cagayán. Am dichtesten wohnen sie zwischen dem Rio Magat und Rio Chico de Cagayán.

Ihre Hautfarbe ist dunkler, als jene der übrigen Bergstämme Luzons. Sie besitzen einen gedrungenen Körperbau, rundgeformte Augen und eine grosse plattgedrückte Nase (Buzeta I, 56), überdiess sind sie wie die Igorroten schmutzig und unreinlich.

Ihre Hütten stehen auf sehr hohen Pfählen, um der Feuchtigkeit des Erdbodens nicht ausgesetzt zu sein und um feindliche Angriffe zu erschweren, es wird deshalb zur Nachtzeit und in Kriegsgefahr auch bei Tage die Leiter, welche in die Wohnräume führt, aufgezogen. Die Hütten sind aus Holz oder Cogongräsern erbaut (Cavada I, 82).

Ein grosser Theil der Gaddanen ist zum Christenthum bereits bekehrt, wenn auch nur äusserlich. Die heidnischen Gaddanen verehren einen Gottschöpfer Amanolay und dessen Gattin Dalingay (Mas, pobl. 4; Buzeta I, 60), überdiess ist bei ihnen auch der Ahnencultus heimisch (Semper, Erdk. X, 165). Sie sind von sanfteren Sitten als ihre Nachbarstämme.

19. Itetapanen (Itetapanes).

Die Itetapanen wohnen östlich von den Busao-Igorroten und westlich von den Gaddanen, welch’ letzteren sie ungemein ähnlich sind, indem sie gleichfalls eine geringe Körpergrösse und sehr dunkle Hautfarbe besitzen (Ilustr. 1860, p. 285). Auch an Unreinlichkeit können sie mit ihren östlichen Nachbarn wetteifern. Mas (pobl. 26) bezeichnet ihr Äusseres geradezu als widerlich. Durch die runde Formung der Augen unterscheiden sie sich, ebenso wie die Gaddanen, streng von den Igorroten. Buzeta und Bravo schreiben: „Die Itetapanen besitzen den vollen Negritotypus in Körperbau, Farbe und Nasenform, aber in Bezug auf Haare, Augen &c. gleichen sie den Tagalen” und weiter „Es ist ebenso schwierig, sie von ihrem wilden Leben abzubringen, wie die Negritos, mit welchen sie mehr in Bezug auf Charakter, Sitten und Bräuche als im äusseren Habitus Ähnlichkeit besitzen”. Es scheint demnach, dass die Itetapanen eine starke Beimischung von Negritoblut aufzuweisen haben. Auffallend ist bei ihrer Tracht eine Kappe, ähnlich dem Tschako der deutschen Bergleute, nur etwas niedriger. Diese Kappe, sowie alle aus Bejuco-Rohr verfertigten Gegenstände wissen sie lebhaft-roth zu färben, doch hüten sie die Bereitung dieser Farbe als ein strenges Geheimniss, obwohl anzunehmen ist, dass sie durch eine Mischung verschiedener, in ihren Wäldern wachsender Farbehölzer, insbesondere des Sibucao, erzielt wird (Buzeta I, 54). Die Farbe selbst soll unaustilgbar am Bejuco haften. Die Schultern bedecken sie mit einem aus Palmblättern oder Cogongras geflochtenen Kragen, „anaos” oder „anas” genannt (Buzeta I, 54; Ilustracion 1860, 285). Ihre Waffen sind Lanze, Pfeil und die Aliva der Igorroten.

20. Guinanen (Guinanes).

Die Guinanen werden auch Guinaanes, Quinanes oder Quinaanes genannt. Ihre Wohnsitze liegen nördlich von denen der Busao-Igorroten, hauptsächlich auf dem Ostabhange jener Cordillere, welche die Provinz Abra von Cagayán trennt. Das rechte Ufer des Rio Abra und das linke seines Nebenflusses Pusulguan bezeichnen die Westgrenze dieses wilden und kriegerischen Stammes. Der Pueblo Bauang ist eine ihrer grössten und wichtigsten Niederlassungen.

Zu ihrem äusseren Habitus, sowie in ihren Bräuchen ist die nahe Verwandtschaft mit den Igorroten nicht zu verkennen. Ihre unbändige Kriegslust wird durch den Ruhm, den ein beutereicher Kopfjäger geniesst, beständig angefacht, und ihre Nachbarn, besonders die friedlichen Tinguianen haben vor ihnen nicht einen Augenblick Ruhe. Mit der Hinterlist, welche allen Kopfjägerstämmen eigen ist, beschleicht der Guinane sein Opfer, um demselben dann den Kopf abzuschlagen. Ist diess geschehen, so eilt der Sieger mit der bluttriefenden Beute in das heimathliche Dorf, wo die Heldenthat dann durch ein mehrtägiges Trinkgelage gefeiert wird; der Schädel selbst wird als eine kostbare Trophäe sorgfältig aufbewahrt (Ilustracion 1860, N. 12, p. 152). Haben sie keine stammfremden Feinde zu bekämpfen, so führen die einzelnen Dörfer gegen einander Krieg, und zwar in der oben erwähnten Form. Ein Theil der Tinguianen entrichtete ihnen früher Tribut (Mas, pobl. 26).

Sie sind übrigens nicht ohne alle Kunstfertigkeit, in dem Pueblo Bauang verfertigen ihre trefflichen Schmiede ausgezeichnete Aliva-Hackmesser, welche besonders von den Busao-Igorroten gern gekauft werden (Ilustracion 1860, 285); über ihre Religion ist Nichts bekannt.

21. Calauas oder Itaves.

Die Calauas (sprich: Cala-ú-as) wohnen von Santacruz (an einem Zuflusse des Rio Chico de Cagayán) bis Nachsiping am Rio Grande. Sie reichen bis Piat und Tuao im Süden und Malaueg im Norden, nach letzteren Orten werden sie und ihr Idiom auch Malaueg oder Malauec genannt. Bei den nördlichen Stämmen ist der Name Itaves der gebräuchlichere, im Süden aber Calauas. Ihre Tracht erinnert an ihre Nachbarn, die Guinanen, während ihre ganze Lebensweise in’s volle Gegentheil schlägt. Sie sind noch friedfertiger als die ihnen nach Mas (pobl. 28) ähnlichen Gaddanen, und zeichnen sich besonders durch fleissigen Feldbau aus. Nächst Reis wird am intensivsten Tabak gebaut, dessen Anpflanzung sie eine besondere Pflege zuwenden (Buzeta I, 56). Ihr Tabak wird als der beste der Provinz Cagayán bezeichnet, und das will so viel sagen, als dass der Tabak des Calaua-Gebietes der beste der Philippinen ist. Nach der Tabakernte werden die gesammelten Blätter zuerst einem Gährungsprocesse unterworfen, dann aber wieder an der frischen Luft getrocknet. In kleine Ballen gepackt wird dann der Tabak nach Ilócos Sur und Abra eingeschmuggelt (Mas, pobl. 8; Buzeta I, 56).

Religion unbekannt. Sie sind wie die Guinanen noch unabhängig, doch ist in diesem Jahre ein Truppencorps gegen sie abgeschickt worden, um sie zu unterwerfen.

22. Gamunangen und Bayabonanen.

Der Name dieser beiden Stämme findet sich nur an einer einzigen Stelle bei Mas (pobl. 41) vor, nach dieser leben sie in den Bergen östlich und südöstlich von Tuao. Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass sie nur Zweige eines grösseren Stammes, etwa der Dadayag sind.

23. Dadayags.

Die Dadayags oder Dadayas wohnen in der Provinz Cagayan, und zwar am linken Ufer des Mittellaufes des Rio Grande de Cagayan (jedoch nicht unmittelbar an diesem Strome), etwa in der Höhe des Ortes Cabagan. Über ihre Lebensweise ist nichts Näheres bekannt.

24. Nabayuganen (Nabayuganes).

Dieser Volksstamm wird auch nur einzig und allein von Mas (pobl. 41) erwähnt. Sie wohnen im Westen von Malaueg, einem Orte, welcher an einem der nördlichsten Nebenflüsse des Rio Chico de Cagayan liegt. Die Nabayuganen sind im Besitze eines eigenen Idioms. Das ist Alles, was wir gegenwärtig von ihnen wissen.

25. Aripas.

Die Aripas (auch Aribas, Aripanes genannt) wohnen in dem Landstriche südlich von der Vereinigung des Rio Grande und Rio Chico de Cagayán zwischen Nagsiping und Tubang, dann hausen sie auch in dem südlichen Theile jenes Gebirgszuges, welcher die Wasserscheide zwischen dem Stromsystem des Rio Grande de Cagayán und dem Rio Apayo bildet.

Sie sind sehr friedfertiger Natur (Buzeta I, 310). Ein Theil von ihnen giebt den Missionären grosse Hoffnung baldiger vollständiger Bekehrung.

26. Calingas.

Nach Semper (Erdk. X, 256) scheint der Name Calinga eine Collectivbezeichnung „unbekannter” Bedeutung zu sein, da so auch alle die Provinzen Isabela, Cagayán und Nueva Vizcaya bewohnenden Infieles (Heiden) genannt werden, Semper nennt deshalb auch die Irayas Calingas. Ich bezeichne hier mit diesem Namen jenen heidnischen Malaienstamm, welcher in demselben Gebirge wie die Aripas nur mehr im nördlichen Theile wohnt und speciell Calingas genannt wird. Über sie ist wenig bekannt. Sie sollen viel chinesisches Blut in ihren Adern haben (Schadenberg 165). Sie sind kriegerischer als die Aripas. Nach der Zahl der getödteten Feinde ziehen sie Streifen auf ihre Arme (Bastian, Reisen V, 274).

27. Tinguianen.

Die Tinguianen werden auch Itanegas, Tinggianes, seltener Tingues (so bei Morga) genannt. Sie bewohnen ein sehr ausgedehntes Gebiet, welches von Candon in Ilócos Sur sich ungefähr bis zum Mte. Pacsan an der Grenze Cagayans und Ilócos Norte ausdehnt, ja ihre am meisten nach Süden vorgeschobenen Niederlassungen reichen bis Santa Cruz in der Nähe der Punta Darigallos (Namagpacan), so dass sie die Bewohner von drei Provinzen sind, nämlich von Ilócos Sur, Abra und Ilócos Norte. Der an der Küste von Ilócos Sur 1736 begründete Pueblo Santiago war die erste christliche Niederlassung derselben, früher scheinen sie nicht bis zu den Gestaden des Meeres gereicht zu haben, sie gehen hier auch allmählich in die Ilocanen auf, indem sie deren Sprache annehmen, so dass der südliche Theil der Tinguianen unrettbar der Entnationalisirung anheimgefallen ist. Besser erhalten sie sich in den am linken Ufer des Abra liegenden christlichen Pueblos Banguet und Tayun, obwohl auch hier durch ilocanische Zuwanderer Gefahr droht. Die christliche Religion trägt auf den Philippinen am meisten zur Entnationalisirung bei, es trifft bei allen bekehrten Malaien dasselbe Bild ein mutatis mutandis, das wir von den Tagalen entworfen haben.

Bei den Spaniern finden wir die Neigung vor, die Tinguianen für einen von den übrigen Bergstämmen Luzons gänzlich verschiedenen Stamm zu halten, indem sie ihre diessfällige Meinung auf die sehr helle Hautfarbe und ihre grosse Friedfertigkeit hinweisen. Es ist diess ganz ungerechtfertigt, und diese Meinung konnte nur so lange eine gewisse Berechtigung haben, als man eben nur die Igorroten und Apoyaos kannte, welche allerdings durch ihre Grausamkeit und Kriegslust einen grellen Gegensatz zu den gutmüthigen Tinguianen darstellten. Wir haben aber gesehen, dass die Bergstämme Luzons nicht insgesammt Kopfjäger und Bluthunde sind, sondern, dass es vielmehr genug Stämme giebt, die an Friedfertigkeit den Tinguianen in gar Nichts nachstehen. In ihren Sitten und ihrer religiösen Anschauung liegt gleichfalls nichts, was die Meinung rechtfertigen könnte, die Tinguianen seien ein zu der Gesammtheit der nordluzonischen Stämme im Gegensatze stehender Stamm.

Von den benachbarten Igorroten unterscheiden sie sich vortheilhaft durch ihre Reinlichkeit. Charakteristisch bei ihrer Tracht ist die turbanähnliche Kopfbedeckung, welche aus einem langen Stücke Zeug besteht, dessen Enden graciös über Schulter und Rücken fallen. Die Männer tragen eine vorne zuschliessende Jacke, wie sie die chinesische Küstenbevölkerung trägt, und weite Pantalons. Die Weiber gehen in derselben Tracht umher wie jene der Igorroten, nur sind die Kleiderstoffe der ersteren weiss (Buzeta I, 55), während die letzteren dunkelblaue oder blau und weiss gestreifte Zeuge vorziehen. Man sieht also, dass auch hier sich kein Gegensatz zu den Igorroten herausklügeln lässt. Vornehme Frauen tragen Gewänder, welche mit reichgestickten weissen oder rothen Bändern verziert sind (Buzeta, l. c.). Den Kopf umwinden sie mit dem Turban oder einer schmäleren Binde (Buzeta, l. c.; Ilustr. 1860, n. 12, p. 153). Der Unterarm wird vom Ellenbogen bis zum Handgelenke mit Armbändern geschmückt. Dieselben bestehen aus buntfarbigen Glasperlen oder Steinchen, letztere kommen von den Batanes-Inseln her und werden von den Tinguianen auf den Märkten der Pueblos von Ilócos eingekauft (Ilustracion 1860, n. 14, p. 164). Diese Armbänder drücken durch ihre Schwere die Arme wund, die Eitelkeit trägt aber über den Schmerz den Sieg davon. Auch die untere Hälfte der Waden wird mit diesem beschwerlichen Schmucke versehen (Buzeta I, 55; Ilustracion 1860, n. 12, p. 153). Ohrgehänge und Geschmeide aus Kupfer und Silber tragen sie in derselben Weise wie die Igorroten (Scheidnagel 125).

Ein Theil von ihnen ist bereits zum Christenthum bekehrt. Die übrigen haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons; ob sie ausser den Seelen ihrer Vorfahren andere Götter verehren, ist mir unbekannt. Wie alle philippinischen Malaien haben auch sie vor Schlafenden eine grosse Scheu, ihr stärkster Fluch lautet: „mögest du im Schlafe sterben!” (Mas, pobl. 14). Dieser Fluch beruht nach Jagor (Reisen 132) auf dem Glauben, dass, wie schon erwähnt, die Seele im Traume den Körper verlasse.

Ehen werden durch die Eltern vermittelt, sobald sie eine gegenseitige Neigung an ihren Kindern wahrnehmen. Durch einen Trommler—„Batintin” genannt—werden die Hochzeitsgäste eingeladen. Das Hochzeitsfest beginnt schon zeitlich Morgens, es besteht aus einem Schmause und Trinkgelage. Der Speisezettel hat nur Reis und Braten von Schweinen, Rindern und Büffeln aufzuweisen. Die Getränke sind verschiedene aus Zuckerrohr oder Reis bereitete Branntweinsorten. Das Bankett entbehrt auch nicht der Tafelmusik, obwohl sie ausser der Trommel nur zwei Instrumente besitzen, nämlich Flöten aus Rohr und zwei Gattungen Guitarren. Letztere werden aus Rohrstückchen zusammengesetzt und sind dreisaitig, jedoch werden die Saiten nicht aus Thierdärmen, sondern aus den Blattfasern einer weiter nicht genannten Pflanze bereitet. Die Pausen während des Schmauses, an dem die gesammten Bewohner des Dorfes Theil nehmen, werden durch Tanz ausgefüllt.

Abends führt der Angesehenste die Neuvermählten in ihre Hütte, wo sie das Brautbett in Gestalt einer auf den Boden gelegten mächtigen Matte erwartet. Auf die Matte legen sich die jungen Eheleute in der Weise nieder, dass zwischen ihnen ein Raum von zwei Ellen Entfernung frei bleibt, wo sich ein 6- bis 8jähriger Knabe niederlässt, denn bis zum nächsten Tage darf die Ehe nicht vollzogen werden, ja nicht einmal Worte miteinander zu wechseln ist den Gatten erlaubt.

Die Ehen werden leicht und rasch geschieden, man geht zum Dorfältesten oder (in einem bereits spanisch gewordenen Dorfe) zum Gobernadorcillo, der gegen eine Abgabe von 5 Pesos, 2 Büffeln, 2 Schweinen, 2 Cavanen Reis, 2 Tinajas Palmwein die Ehe scheidet. Diese Geldbusse zahlt jener Gatte, welcher die Scheidung beantragt. Die Pönalsumme wird zu einem grossen Festschmause verwendet, an dem wie bei der Hochzeit das ganze Dorf Theil nimmt. Bei einer Scheidung bleiben die Säuglinge der Mutter, die übrigen Kinder werden nach dem Willen jenes Gatten vertheilt, welcher der passive Theil, d. h. der Nichtbeantrager war. Ist aber ein Streit oder gar ein Verbrechen die Ursache der Scheidung, so verliert der schuldige Theil das Recht, über den Verbleib oder die Zuweisung der Kinder zu entscheiden. In diesem Falle muss auch der schuldige Theil die oben erwähnte Geldbusse zahlen, selbst wenn der andere Gatte die Scheidung beantragt. Bei jenen Tinguianen, welche spanische Unterthanen geworden sind, wird mitunter an den Provinzgouverneur appellirt.

Die Reichen schliessen auf diese Weise 15 bis 20 Ehen nacheinander; bei den Armen finden Ehescheidungen selten oder gar nicht Statt, indem sie nicht im Stande sind, jene unumgängliche Geldbusse zu zahlen. Es ereignet sich mitunter, dass ein Mann drei, vier Mal eine und dieselbe Frau heirathet und sich wieder scheiden lässt.

Wird ein Tinguiane krank, so erhält er so gut wie keine Pflege; sobald die Krankheit einen derartigen Verlauf nimmt, dass keine Hoffnung auf Genesung vorhanden ist, so wird der Kranke von den Seinen lieblos verlassen, und muss ähnlich wie der Eskimo sein Leben beschliessen. Kaum hat der Sterbende den letzten Athemzug gethan, so wird auch schon seine Leiche aus der Wohnstätte herausgeschafft und dicht unter der Hütte vergraben. Über dem Grabe werden grosse Steine aufgehäuft. An gewissen Tagen des Jahres werden auf diese eigenthümlichen Grabmonumente Lebensmittel gelegt, damit die Seelen der Verstorbenen ihren Hunger stillen könnten.

Die Namen der Verstorbenen werden von deren Hinterbliebenen nicht mehr genannt, so dass, wenn man einen Tinguianen nach dem Namen eines seiner Ahnen fragt, dieser den Fragesteller an einen Kameraden weist, da er selbst die Antwort nicht ertheilen dürfe. Diese Sitte ist für die spanischen Beamten keine Erleichterung in ihrem Dienste.

Im Jahre 1624 begannen die ersten unglücklichen Versuche der Spanier, die Tinguianen zu unterwerfen, erst seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts drang die spanische Herrschaft immer mehr in die Berge und Thäler jenes intelligenten Stammes vor, bereits 1848 zählte man, nach Diaz Arenas, 8717 Tinguianen, welche die spanische Hoheit anerkannten, während heute nur ein geringer Theil noch seine Unabhängigkeit bewahrt hat. In diesem Theile Luzons breitet sich das spanische Hoheitsgebiet sehr rasch und unblutig aus.

28. Adangs.

29. Apayaos.

Der gefürchtete Kriegerstamm der Apayaos wohnt in den Bergregionen des Stromgebietes des Rio Apayao, ferner in dem nördlichen Theile der Ostabhänge jenes Gebirges, welches die Provinzen Cagayán und Ilócos Norte scheidet. Im Süden reichen sie bis zur Stadt Malaueg (oder Malauec) im Stromgebiet des Rio Chico de Cagayán. Sie werden auch Apayos oder Apoyaos genannt.

Ihre Hütten sind aus Balken einer Cedergattung „Danigga” erbaut, sie ruhen auf sehr hohen Pfeilern, während die Dachbedeckung durch Rohr ähnlich wie in Ilócos hergestellt wird (Mas, pobl. 28). Der Grundriss ist stets viereckig und an den vier Ecken stehen mächtige grosse Pfeiler. Der Fussboden besteht aus glatt zugehauenen Cederdielen, die Zwischenwände sind aus Palmblättern verfertigt. Der Feuerherd ist in einer Ecke der Hauptwohnung angebracht. Wodurch sie sich aber vor allen übrigen Bewohnern Luzons auszeichnen, ist die Sorgfalt, mit der sie das Innere ihrer Hütten ausschmücken, besonders beliebt sind chinesische Krüge und Vasen (Buzeta I, 57). Sie bauen auch Getreide, insbesondere Mais (Buzeta, l. c.). Auch Tabak wird, und zwar im grossen Stile, angepflanzt und damit ein schwunghafter Schmuggel getrieben (l. c.). Sie pflanzen auch einen vorzüglichen Cacao, den sie nach Ilócos exportiren (Mas, pobl. 28; Buzeta, l. c.).

Auch sie sind Kopfjäger. Starb einer, insbesondere ein Vornehmer, so machten sich seine Verwandten auf, um auf die Kopfjagd auszugehen. Je höher im Ansehen der Verstorbene stand, desto mehr Köpfe sollten zum Todtenopfer fallen (Mozo 69; Buzeta I, 306). Sie legen sich dann in einen Hinterhalt, um dann plötzlich den arglosen Reisenden zu überfallen und mit Lanzenstichen zu tödten, worauf sie den Kopf abschneiden, den übrigen Leichnam aber am Orte der Blutthat zurücklassen. Die erbeuteten Schädel werden dann um den Todten aufgestellt, worauf ein Schmaus und Trinkgelage Statt findet, bei welchem viehisch gegessen und getrunken wird. Ist diese lärmende Festlichkeit vorüber, so wird dann erst der Leichnam bestattet, und zwar werden ihm in das Grab Speisen, Getränke und jene Feindesschädel mit hineingegeben (Mozo 69). Heute ist diese grausame Sitte im Abnehmen begriffen, nur die im Quellgebiete des Rio Apayao lebenden Apayaos wollen davon nicht lassen. Viele Apayaos sind bereits spanische Unterthanen geworden.

30. Catalanganen.

Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).

Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260; Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.

Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber von derselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).

Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).

Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).

Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257; Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.; Skizzen 57).

Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).

Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigen Programmpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nur ein Paar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).

Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).

Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).

Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).

Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).

Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).

31. Irayas.

Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen (Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.

Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.

Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hatten Ackerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).

Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).

32. Catabanganen (Catabanganes).

Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.

Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.

Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.

Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.

Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).

Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Haut geritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanes bemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).

Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).

Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung in Jagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).

In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).

Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).

Vicol-Heiden. Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der Insel Masbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden von Isaróg nach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.

Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.

Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167; Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169; Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168; Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).

Die Heiden vom Iriga sind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.

Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.

34. Manguianen (Manguianes).

Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).

35. Mundos.

Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.

Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigen sie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).

Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl. Buzeta II, 103).

36. Carolanen (Carolanos).

Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.

Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an der Küste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.

Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.

Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.

Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188). Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).

Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.

In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich: Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).

Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).

Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.

b) Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte der Coyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98; nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41; Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.

c) Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.

38. Manobos.

Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.

39. Mamanuas.

Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sind zwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llangan zu suchen. Ihre Anzahl ist gering.

40. Tagbalays.

Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalb aber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.

41. Bagobos.

Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.

42. Guiangas.

Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).

43. Vilanen.

Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322; Cavada II, 220).

44. Tagacaolos.

Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo. Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai. Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).

45. Sanguils.

Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).

46. Mandayas.

Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222), am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).

47. Subanos.

Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nicht brauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keine erweiterte Kenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).

48. Manguangas.

Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.

49. Sameacas.

Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nur einen Stamm repräsentiren.

50. Guimbas.

Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden Guimbas Moros guimbas montescos.

Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.

51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.

Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.

Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).

Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.

Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c. in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.

In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.

Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.

Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen” (Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.

Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken. Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).

Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.

Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.

Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.

Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.

Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgt sehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.

Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenen Christen in Batavia betrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.

Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

Notes in this chapter

Note 1 · Pili, eine Art Canarium.Note 2 · Scheidnagel (S. 58) sagt treffend: Obwohl man sich sehr viel Mühe gemacht, sie zu dem Lichte des Christenthums heranzuziehen, so hat man docNote 3 · Der Patianac scheint überhaupt vor allem Nackten seine Macht zu verlieren. Er ist jener Spukgeist, der den Reisenden vom rechten Wege abbrinNote 4 · Barangay ist der Name einer in der Zeit der Conquista gebräuchlichen Schiffsgattung.Note 5 · Bei dem Missbrauch der auf den Philippinen mit dem Namen der Igorroten getrieben wird, ist es kein Wunder, wenn man hie und da von „igorroteNote 6 · Auf den Philippinen ist das Tabaksmonopol eingeführt.Note 7 · Diess scheint ihr ursprünglicher Name zu sein, denn P. Mozo sagt (Misiones, p. 62): „La primera nacion se llama Igolot, y corrompiendo letraNote 8 · Nicht Hirsche wie Bastian (Reisen V, 272) erzählt.Note 9 · Festlichkeiten rein privater Natur, welche mit ihren religiösen Anschauungen gar Nichts zu thun haben, werden Regnas genannt, wenn sie vom gNote 10 · Die Pungianen bei Pungian, die Quianganen bei Quiangan und die Silipanen bei Silipan.Note 11 · Nach Mas, pobl. 27, Rohrstückchen.Note 12 · Mas, pobl. 5 und 12. Buzeta I, 54. Ilustracion 1860, 152.Note 13 · Dass sie nicht feige sind, geht daraus hervor, dass Hügel 1834 unter der Garnison Manila’s auch einige Tinguianen bemerkte, wobei er die NotNote 14 · Diess und das Folgende nach Nr. 22 der Ilustracion 1860.Note 15 · Aus dessen Namen „Adam” gemacht wurde (von den Mönchen).Note 16 · Hauptwaffe der Apayaos.Note 17 · Die Apayaos tragen denselben Lendenschurz wie die Igorroten.Note 18 · Ausnahmsweise ist der Name dieses Gottes in deutscher Orthographie nach Semper’s Schreibweise wiedergegeben.Note 19 · Deutsche Orthographie.Note 20 · In Semper, Erdk. X, 265, wird nur von geraden Linien gesprochen, in den Skizzen, 55, auch von krummen.Note 21 · Falsche Orthographie: Bicol.Note 22 · Nach Buzeta I, 205, besitzen die Vicols ein eigenes Feldmaass, den Pisoson, gleich einer viereckigen Fläche von 100 cast. Brazas Länge und 5Note 23 · Es sind darunter die Piraten gemeint, welche von Sulu und Mindanao aus im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert die Philippinen brandschatzten Note 24 · Man findet oft die falsche Schreibweise Bisayas oder Bisayer, mitunter auf älteren deutschen Karten auch Bissaier.Note 25 · Wohl zu unterscheiden von der gleichnamigen Insel, welche nördlich von Mindanao liegt und gleichfalls von Visayern bewohnt wird.Note 26 · Bellaco spanisch: Spitzbube.Note 27 · Spanisch: Kälberbesitzer.Note 28 · Spanisch: Etwas, was in einer Sache zwei Mal vorkommt oder enthalten ist.Note 29 · Dasselbe gilt von dem Namen Mananapes.Note 30 · Nur indirect benutzt.Note 31 · Gerade kurz vor der Ankunft der Spanier hatten von Moslims bedrängte Bohol-Visayer ihre Insel verlassen und sich in Dapitan auf Nord-MindanaNote 32 · Die häufigsten Krankheiten sind Syphilis, Elephantiasis, Dysenterie und Fieberkrankheiten. Masern-Epidemien sind nicht sehr häufig, sind abeNote 33 · Tänze, welche nur von einem Mädchen getanzt werden, heissen Panjalays; der Kriegstanz führt den Namen: Sayan oder Moro-Moro.Note 34 · Die Mayoyaos oder Mayayaos sind die westlichen Nachbaren der Igorroten, durch die Cordillera Central von diesen getrennt. Sie wohnen in den Note 35 · Ihr Äusseres soll vielfach an die Japanesen erinnern (Buzeta I, 55). Sie bauen zwar Reis, ziehen es aber vor, durch Raub sich zu ernähren. ANote 36 · Ihre Hautfarbe ist, wie einstimmig berichtet wird, sehr hell, die Nase oft adlerartig gekrümmt (Mas, pobl. 13). Allgemein12 wird behauptet, Note 37 · In ihren kleinen Dörfern leben sie in glücklicher Zufriedenheit. Ihre Waffen, die Lanze und eine Axt „Aliva”, deren Eisenfläche Quadratform Note 38 · Die Geburt14 geht ungemein leicht von Statten, die Mutter eilt nach der Reinigung sofort zur gewohnten Arbeit. Die Reinigung besteht darin, Note 39 · Der Name der Adangs hat zahlreiche Variationen und Lesearten aufzuweisen: Adangtas, Adanginos, Adanes, Adamitas. Sie wohnen im nordwestlicheNote 40 · Ein Theil der Apayaos ist bereits christlich geworden (Buzeta I, 306), die übrigen hängen fest an ihrem alten Glauben, der in einem intensivNote 41 · Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auNote 42 · Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie überNote 43 · Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22 und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zuNote 44 · Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II,Note 45 · a) Visayer im engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, CebNote 46 · In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer UnabhängigkeiNote 47 · Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich voNote 48 · Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, SubanoNote 49 · Bei schweren Erkrankungen32 suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, soNote 50 · Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfe
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