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Versuch einer Ethnographie der Philippinen

Einleitung.

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Die Urbevölkerung der Philippinen bilden die Negritos, welche jetzt nur noch in geringer Individuenzahl über den ganzen Archipel zerstreut sind. Die einwandernden Malaien verjagten die ehemaligen Herren in die unzugänglichen Bergwildnisse der Binnenlandschaften, nur der nördlichste Strich der Ostküste Luzons blieb von der malaiischen Invasion verschont, dort blieben die Negritos im Besitze der Meeresgestade. Die ersten eindringenden Malaien besetzten die Küsten und vermischten sich mit den Negritos zum Theile, indem sie die Weiber der von ihnen Besiegten und Erschlagenen in ihre Hütten aufnahmen. Wenn wir Luzon in Betracht ziehen — über die anderen Inseln liegt zu dürftiges Material vor —, so können als die Nachkommen der ersten malaiischen Einwanderer jene Stämme gelten, welche heute im Innern der grossen Insel wohnen, einst aber die Bewohner der Küsten waren, während die von ihnen gegenwärtig besiedelten Landstriche von Negritos noch eingenommen wurden. Von den meisten dieser Stämme wird oder wurde die Kopfjägerei geübt, wie von den Igorroten, Apayos, Zambalen, Abacas, Isinays, Italonen, Ibilaos, Ilongoten, Ifugaos, Mayoyaos, Guinanen und Calingas, diess ist constatirt; dieselbe Sitte scheint auch bei den Adangs, Gaddanen, Itetapanen, Aripas, Dadayags &c. ausgeübt zu werden oder wurde es in vergangener Zeit, nur von den Bergstämmen der Tinguianen, Catalanganen und Irayas wissen wir bestimmt, dass sie keine Kopfjäger sind. Auch in ihren sonstigen Sitten haben diese Kopfjägerstämme viele Anklänge an die Dayaks von Borneo aufzuweisen. Für Mindanao nennen wir als Repräsentanten dieser Kopfjäger den Bergstamm der Manobos. Dass diese Stämme in einer Zeit eingewandert sein müssen, wo die Negritos viel zahlreicher waren als heute, darauf weist der Habitus so mancher derselben hin, in welchem sich eine sehr starke Dosis von Negritoblut deutlich offenbart, obwohl manche dieser Stämme in Gegenden wohnen, wo heute kein Negrito mehr existirt oder doch in so geringer Individuenzahl, dass eine Beimischung in moderner Zeit nicht im Stande gewesen wäre, den Typus des gesammten Stammes wesentlich und dauernd zu differiren. Diese Bergstämme wären also die Repräsentanten der ersten Periode der Malaieninvasion, und man würde nicht fehlgehen, wenn man die im Centrum Nord-Luzons wohnenden Völker als die Nachkommen der ersten Einwanderer betrachtete, so dass die heute in den Provinzen Nueva Vizcaya, Bontok und Isabela sesshaften Stämme zu denselben gerechnet werden müssten. Die Igorroten, Tinguianen, Apayos &c. sind demnach in einem späteren Zeitabschnitt auf Luzon angelangt, der aber noch in die erste Periode der malaiischen Invasion fällt. In diese zweite Hälfte der ersten Periode wäre jene Beimischung von chinesischem und japanesischem Blute zu verlegen, welche nach Semper u. A. die Igorroten, Tinguianen und Catalanganen in ihren Gesichtszügen documentiren. Später kann sie nämlich nicht erfolgt sein, da dann diese Stämme durch andere Malaien — mit Ausnahme der Zambalen — vom Meere getrennt wurden, und diese letzteren zwar mit Chinesen und Japanesen in Handelsbeziehungen traten, aber diese Berührung wurde durch eine geringe Individuenzahl jener beiden Mongolenstämme vermittelt, so dass sie nicht im Stande war, den Rassentypus zu verändern oder zu differiren.

Auf Sulu scheinen noch andere Malaienstämme eingewandert zu sein: Malaien von Johore und Javanen im Mittelalter, doch bin ich nicht in der Lage gewesen, darüber Studien zu machen, da mir die nöthige Kenntniss des Holländischen vorläufig noch abgeht. Mangkassaren dienten zwar zahlreich in den Kriegen der Sulus gegen die Spanier von 1599–1646 als Söldner in den Heeren dieser Piraten, und haben gewiss auch im Lande Nachkommen hinterlassen, doch fällt diese Blutmengung hier nicht sehr in Betracht. Auch die Ansiedlungen katholischer Ternataner in Marigondon an der Bai von Manila, welche auf Betrieb der Jesuiten, bei der 1661 erfolgten Räumung Ternates durch die Spanier, entstand, ist zu unbedeutend, als dass sie irgend einen Einfluss auf die Tagalen hätte ausüben können.

Nächst den Malaien verdienen die meiste Beachtung die Chinesen, welche besonders im Norden von Luzon sich stark mit den Malaien, insbesondere den Bergstämmen vermengt haben sollen, ob zwar manche und triftige Gründe dagegensprechen, dass vor der Ankunft der Spanier die Chinesen besonders zahlreich gewesen wären; im Gegentheile erst die Ankunft der edlen Castilianer lockte sie in grösseren Mengen nach den Philippinen, der Acapulco-Handel, der so viele chinesische Waaren mit dem in China so hochgeschätzten amerikanischen Silber baar bezahlte, war es, der die Chineseneinwanderung nach unserem Archipel lenkte. Die Spanier fanden bei ihrer Ankunft nirgends Chinesenansiedlungen vor, sondern nur einzelne chinesische Kauffahrer. Die Chinesen haben seit ihrer Niederlassung im Lande durch Erzeugung einer Mischlingsrasse, der Mestizos de Sangley, einen neuen Bevölkerungsbestandtheil den Philippinen zugebracht, der durch seine Intelligenz berufen ist, einst eine grosse Rolle zu spielen.

Die Japanesen traten in ähnlicher Weise wie die Chinesen in dem Archipel auf; seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts aber, wo die letzten derselben Manila verliessen, kamen keine mehr nach den Philippinen.

In den ersten Zeiten der Conquista wurden auch Neger- und Kaffer-Sclaven von portugiesischen Händlern eingeführt; die aber noch unter Philipp II. erfolgte Aufhebung der Sclaverei auf den Philippinen machte diesem Handel zum Glücke ein rasches Ende und ersparte den Indiern die Verseuchung durch Negerblut. Von diesen Schwarzen ist keine Spur mehr vorhanden.

Die Linientruppen, welche die Spanier im XVII. und XVIII. Jahrhundert in Manila und Zamboanga unterhielten, bestanden der Hauptmasse nach aus mejicanischen, zum Theile auch peruanischen Indianern und Mestizen, welche alle mit Tagalinnen sich verheiratheten. Für Manila bedeutet diese Blutmischung bei der geringen Anzahl der Truppen und der starken Bevölkerung so viel wie Nichts, für Zamboanga aber, welches früher eine nur unbedeutende Bevölkerung und eine verhältnissmässig starke Garnison besass, fällt diese Blutmischung stärker in die Wagschale.

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