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Topik

Erstes Buch.

Eugen Rolfes translation

Erstes Kapitel.

100a 18Unsere Arbeit verfolgt die Aufgabe, eine Methode zu finden, nach der wir über jedes aufgestellte Problem aus wahrscheinlichen Sätzen Schlüsse bilden können und, wenn wir selbst Rede stehen sollen, in keine Widersprüche geraten⁠[1]⁠.

Demnach müssen wir zuerst erklären, was ein Schluß ist und welches seine verschiedenen Arten sind, damit wir den dialektischen Schluß erhalten. Denn dieser ist es, den wir in der vorliegenden Arbeit suchen.

Ein Schluß ist also eine Rede, in der bei bestimmten Annahmen etwas anderes als das Vorausgesetzte auf Grund des Vorausgesetzten mit Notwendigkeit folgt⁠[2]⁠.

Es ist nun eine Demonstration (Apodeixis), wenn der Schluß aus wahren und ersten Sätzen gewonnen wird oder aus solchen, deren Erkenntnis aus wahren und ersten Sätzen entspringt. Dagegen ist ein dialektischer Schluß ein solcher, der aus wahrscheinlichen Sätzen gezogen wird⁠[3]⁠.

100b 18Wahre und erste Sätze sind solche, die nicht erst durch anderes, sondern durch sich selbst glaubhaft sind. Denn bei den obersten Grundsätzen der Wissenschaften darf man nicht erst nach dem Warum fragen, sondern jeder dieser Sätze muß durch sich selbst glaubhaft sein. Wahrscheinliche Sätze aber sind diejenigen, die Allen oder den Meisten oder den Weisen wahr scheinen, und auch von den Weisen wieder entweder Allen oder den Meisten oder den Bekanntesten und Angesehensten.

Ein eristischer Schluß (Streitschluß) aber ist ein solcher, der auf nur scheinbar, nicht wirklich wahrscheinlichen Sätzen fußt, und ein solcher, der auf wahrscheinlichen oder scheinbar wahrscheinlichen Sätzen zu fußen scheint⁠[4]⁠. Denn nicht alles, was wahrscheinlich scheint, ist es auch. Kein Satz, den man als wahrscheinlich bezeichnet, sieht nur ganz an der Oberfläche so aus, wie es bei den Prinzipien der eristischen Begründungen der Fall zu sein pflegt. Denn der Charakter der Falschheit verrät sich bei ihnen sofort und in den meisten Fällen für solche, die auch nur wenig Überblick haben.

101a 1Der erste der genannten eristischen Schlüsse möge auch Schluß heißen, der andere immerhin eristischer Schluß, aber nicht Schluß, da er zwar dem Scheine nach schließt, aber nicht wirklich.

Außer den verschiedenen jetzt angeführten Schlüssen gibt es noch Fehlschlüsse auf Grund der eigentümlichen Sätze bestimmter Wissenschaften, wie sie in der Geometrie und den ihr verwandten Disziplinen vorzukommen pflegen. Diese Art scheint sich von den genannten Schlüssen zu unterscheiden. Der Pseudograph (Zeichner falscher geometrischer Figuren) schließt weder aus wahren und ersten, noch aus wahrscheinlichen Sätzen. Denn die von ihm verwandten Prämissen fallen nicht unter die Begriffsbestimmung des Wahrscheinlichen: er nimmt zu Vordersätzen weder was Allen, noch was den Meisten, noch was den Weisen, und von den Weisen weder was ihnen Allen, noch was den Meisten, noch was den Berühmtesten wahr scheint, sondern er folgert aus Annahmen, die zwar seiner Wissenschaft eigentümlich, die aber nicht wahr sind. Denn er gewinnt den Fehlschluß, indem er entweder die Halbkreise nicht beschreibt, wie es sein müßte, oder bestimmte Linien nicht so zieht, wie sie gezogen werden müßten⁠[5]⁠.

Dieses mögen denn, im allgemeinen Umriß beschrieben, die verschiedenen Arten der Schlüsse sein. Wir wollen aber überhaupt, wie alles Angeführte, so auch das noch weiter Auszuführende nur so weit, also nur im allgemeinen, behandeln. Denn es ist nicht unser Vorhaben, über irgend eines dieser Dinge genaue Rechenschaft zu geben, sondern wir wollen alles nur im Umriß darstellen, indem es uns für die vorliegende Disziplin vollkommen zu genügen scheint, wenn man sich mit allem Einzelnen in ihr auch nur annähernd bekannt machen kann.

Zweites Kapitel.

Auf das Gesagte mag passend eine Andeutung darüber folgen, für wie viele und was für Dinge diese Kunst nützlich ist.

Sie ist für dreierlei Dinge nützlich: für die Übung, für den Gedankenaustausch und für die philosophischen Wissenschaften.

Daß sie für die Übung nützlich ist, versteht sich von selbst: wenn wir im Besitz einer festen Methode sind, so werden wir einen vorgelegten Gegenstand leichter in Angriff nehmen können.

Und auch für den Gedankenaustausch muß sie nützlich sein. Denn wir werden, wenn wir mit ihr vertraut sind, im Verkehr mit anderen die Meinungen der Menge aufzählen und alles, was uns von der Gegenseite nicht recht gesagt scheint, nicht auf fremde Ansichten, sondern auf die eigene gestützt, widerlegen können.

Endlich ist sie für die philosophischen Wissenschaften nützlich. Denn wenn wir imstande sind, nach beiden Seiten Bedenken zu erheben, werden wir leichter erkennen, was hier und was dort wahr oder falsch ist.

Sie kann uns aber auch für die Erkenntnis dessen nützlich sein, was bei den Prinzipien der Einzelwissenschaften das Erste ist⁠[6]⁠. Hierüber läßt sich auf Grund der besonderen Prinzipien einer gegebenen Wissenschaft unmöglich etwas ausmachen, weil die Prinzipien das erste von allem sind; 101b 1man muß hier vielmehr mit Hilfe der wahrscheinlichen Sätze über den jeweiligen Gegenstand der Sache beikommen. Das ist aber die eigentümliche oder doch ihr besonders zukommende Leistung der Dialektik. Sie ist eine Kunst der Erfindung, und darum beherrscht sie den Weg zu den Prinzipien aller Wissenschaften.

Drittes Kapitel.

Wir werden diese Disziplin vollkommen inne haben, wenn wir sie in der gleichen Weise inne haben, wie man es von der Beredsamkeit, der Heilkunde und ähnlichen Künsten fordert.

Diese Vollkommenheit besteht darin, daß wir unser Vorhaben so weit zur Ausführung bringen, als es möglich ist. Der Rhetor wird nicht in allen Fällen überzeugen und der Arzt nicht die Heilung herbeiführen; wenn er nur nichts von dem, was möglich ist, unterläßt, werden wir schon sagen, daß er seine Wissenschaft gehörig inne hat⁠[7]⁠.

Viertes Kapitel.

Wir müssen nun zuerst sehen, woraus diese Disziplin erwächst. Wir dürften diese Frage genügend beantwortet haben, wenn wir ermitteln, auf wie viele und was für Dinge sich die Disputationen beziehen, mit welchen Gründen sie beweisen und wie wir diese Gründe finden.

Es sind der Zahl nach die gleichen und es sind dieselben Dinge, aus denen die Disputationen erwachsen und um die sich die Schlüsse drehen. Die Disputationen erwachsen aus den Sätzen und das, worum sich die Schlüsse drehen, sind die Probleme. Jeder Satz und jedes Problem bezeichnet aber entweder eine Gattung oder eine Eigentümlichkeit oder ein Akzidenz. Die spezifische Differenz muß man hier, als mit der Gattung verwandt, mit ihr zusammenstellen. Da die eine Eigentümlichkeit das Wesen bezeichnet, die andere nicht, so werde die Eigentümlichkeit überhaupt nach den beiden jetzt genannten Teilen unterschieden, und es heiße der das Wesen bezeichnende Teil Definition, der andere soll dann nach der gemeinsamen Benennung, die wir ihnen gegeben haben, als Eigentümliches, Proprium, bezeichnet werden. So erhellt denn aus dem Gesagten, daß auf Grund dieser jetzt gemachten Unterscheidung im ganzen vier Stücke herauskommen müssen: Proprium, Definition, Genus und Akzidenz.

Es möge aber niemand uns so verstehen, als wäre schon jedes von diesen Stücken, für sich allein genommen, ein Satz oder ein Problem, sondern wir wollen nur sagen, daß die Probleme und Sätze von ihnen kommen und durch sie veranlaßt werden.

Problem und Satz unterscheiden sich durch die Form. Sagt man: Ist auf Füßen gehendes zweibeiniges Sinnenwesen die Definition von Mensch? und: Ist Sinnenwesen Gattung von Mensch? so gibt es einen Satz. Sagt man dagegen: Ist auf Füßen gehendes zweibeiniges Sinnenwesen die Definition von Mensch oder ist sie es nicht? und: Ist Sinnenwesen Gattung von Mensch (oder nicht)? so gibt es ein Problem. Und so auch im übrigen.

Man versteht hiernach, daß Probleme und Sätze sich an Zahl gleich sind. Aus jedem Satz kann man mit Änderung der Form ein Problem machen.

Fünftes Kapitel.

Wir müssen jetzt angeben, was Definition, was Proprium, was Gattung und was Akzidenz ist.

Definition ist eine Rede, die das Wesen anzeigt. 102aMan setzt hier entweder eine Rede an die Stelle eines Wortes oder eine Rede an die Stelle einer Rede. Denn man kann auch manches definieren, was durch eine Rede ausgedrückt ist.

Wer etwas wie immer durch ein Wort erklärt, gibt offenbar keine Definition des Dinges, da jede Definition eine Rede ist. Doch muß man zugeben, daß es sich der Definition nähert, wenn man z. B. sagt: Das sittlich Gute ist das Geziemende. Gleiches gilt für den Fall, daß man erklärt, ob Sinneserkenntnis und Wissenschaft dasselbe oder verschieden ist; denn auch bei den Definitionen besteht die größte Schwierigkeit darin, zu entscheiden, ob Identität oder Verschiedenheit gegeben ist. Wir wollen darum überhaupt alles, was mit den Definitionen unter dasselbe Verfahren fällt, definitiv⁠[8] nennen. Daß das jetzt Angeführte ausnahmslos diesen Charakter hat, versteht sich von selbst. Können wir schulgerecht darüber disputieren, ob etwas dasselbe wie ein anderes oder von ihm verschieden ist, so können wir es auf dieselbe Weise auch mit den Definitionen angehen. Denn wenn wir gezeigt haben, daß es nicht dasselbe ist, haben wir die Definition widerlegt. Freilich kann man das eben Gesagte nicht umkehren. Zur Aufstellung einer Definition genügt der Nachweis der Identität gewiß nicht; wohl aber genügt es vollständig zu ihrer Widerlegung, wenn man zeigt, daß die Identität nicht vorhanden ist.

Eigentümlich, proprium, ist was zwar nicht das Wesen eines Dinges bezeichnet, aber nur ihm zukommt und in der Aussage mit ihm vertauscht wird. So ist es eine Eigentümlichkeit des Menschen, daß er der Grammatik⁠[9] fähig ist; denn wenn er ein Mensch ist, ist er der Grammatik fähig, und wenn er der Grammatik fähig ist, ist er ein Mensch. Niemand nennt eigentümlich, was einem anderen zukommen kann, nennt z. B. den Schlaf eine Eigentümlichkeit des Menschen, auch nicht, wenn der Schlaf zufällig vorübergehend nur ihm zukommen sollte. Würde mithin etwas Derartiges auch eigentümlich genannt, so gälte diese Bezeichnung doch nicht schlechthin, sondern nur zeitweilig und beziehungsweise. Rechtsstehen ist für ein Subjekt zeitweilig eigentümlich, und zweibeinig sein mag ihm beziehungsweise als Eigentümlichkeit beigelegt werden, dem Menschen z. B. mit Beziehung auf Pferd und Hund⁠[10]⁠. Aber es ist klar, daß nichts von dem, was einem anderen zukommen kann, in der Aussage mit seinem Subjekte vertauscht wird. Wenn etwas schläft, braucht es deshalb kein Mensch zu sein.

Gattung ist, was von mehreren und der Art nach verschiedenen Dingen bei der Angabe ihres Was oder Wesens prädiziert wird. Bei Angabe des Wesens prädiziert werden werde von solchem verstanden, was man auf die Frage antworten muß, was das vorliegende Ding ist. So muß man z. B. beim Menschen auf die Frage, was er ist, sagen, er sei ein Sinnenwesen⁠[11]⁠. Zur Frage nach der Gattung gehört auch die Frage, ob etwas mit einem anderen in derselben oder in einer verschiedenen Gattung steht. Eine solche Frage fällt unter dieselbe wissenschaftliche Behandlung wie die Frage nach der Gattung. Haben wir dargetan, daß Sinnenwesen gleichmäßig Gattung von Mensch und Ochs ist, 102bso haben wir dargetan, daß sie in derselben Gattung stehen. Haben wir dagegen gezeigt, daß etwas Gattung des einen ist, aber nicht des anderen, so haben wir dargetan, daß die beiden nicht in derselben Gattung stehen.

Akzidenz ist was keines von diesen ist, nicht Definition, nicht Proprium, nicht Gattung, aber dem Dinge zukommt, und was einem und demselben, sei es was immer, zukommen und nicht zukommen kann, wie es z. B. einem und demselben zukommen und nicht zukommen kann, daß es sitzt. Gleiches gilt von dem Weißen. Nichts hindert ja, daß dasselbe Ding bald weiß, bald nicht weiß ist.

Von den Begriffsbestimmungen des Akzidenz ist die zweite besser. Um die zuerst aufgestellte zu verstehen, muß man zuvor wissen, was Definition, Gattung und Proprium ist, dagegen genügt die zweite für sich, um uns erkennen zu lassen, was das Akzidentelle an sich ist.

Zum Akzidenz wollen wir auch die Vergleichungen von Dingen ziehen, die in irgendeiner Weise von ihm den Namen haben, Vergleichungen, wie sie z. B. in der Frage vorkommen, ob das sittlich Gute oder das Vorteilhafte den Vorzug verdient, ob das Leben nach der Tugend oder ein Leben nach den Eingebungen der Sinnlichkeit genußreicher ist, und dergleichen. Denn bei allen solchen Fragen will man wissen, wem von beiden das betreffende Prädikat eher akzidentell mitfolgt.

Diese Fragen zeigen aber, daß ein Akzidenz stellenweise auch ohne Anstand mit bezug auf bestimmte Subjekte zum Proprium werden kann. So wird das Sitzen, das ein Akzidenz ist, wenn man der einzige Sitzende ist, zum Proprium, und wenn man nicht der einzige ist, wird es gegenüber den nicht Sitzenden den Charakter des Proprium annehmen. Und so kann dann das Akzidenz relativ und stellenweise zum Proprium werden, schlechthin aber wird es kein Proprium sein.

Sechstes Kapitel.

Man bemerke wohl, daß alles über Proprium, Gattung und Akzidenz Gesagte füglich auch von der Definition gelten kann. Wenn man zeigt, daß etwas dem Gegenstande der Definition nicht allein zukommt, und dasselbe ist von dem Proprium zu sagen, oder daß die in der Definition angegebene Gattung nicht die rechte ist, oder daß ein in die Definition aufgenommenes Merkmal nicht zutrifft, und das gelte auch vom Akzidenz, so hat man damit die Definition selbst aufgehoben. So hat denn nach dem eben vorgetragenen Grunde alles, was wir aufgezählt haben, gewissermaßen definitiven Charakter.

Darum darf man jedoch nicht eine gemeinsame Methode für alle Probleme ohne Unterschied fordern.

Einmal wäre eine solche Methode nicht leicht ausfindig zu machen, und dann wäre sie, wenn auch gefunden, ganz unbestimmt und für die vorliegende Aufgabe unverwendbar. Wird dagegen für eine jede der von uns unterschiedenen Gattungen eine eigene Methode angegeben, 103aso läßt sich der jeweilige Gegenstand aus den ihm angemessenen Gesichtspunkten leichter behandeln. So muß man denn, wie vorhin gesagt, unsere Einteilung bloß allgemein verstehen und von dem Übrigen dasjenige in die eine oder in die andere Gattung einbeziehen, was ihr am nächsten verwandt ist. Man bezeichne dieses dann als zur Definition gehörig, zur Gattung gehörig und so fort. So haben wir ja auch das, was wir bereits angeführt haben, so ziemlich an seinem Orte untergebracht⁠[12]⁠.

Siebentes Kapitel.

Zu allererst müssen wir von dem Identischen handeln, und angeben, in wie vielfacher Bedeutung man von ihm spricht⁠[13]⁠.

Das Identische, um es nur in einem allgemeinen Umriß zu beschreiben, scheint drei verschiedene Bedeutungen zu haben. Wir nennen etwas identisch der Zahl oder der Art oder der Gattung nach: der Zahl nach identisch das, was mehr als einen Namen hat, aber nur ein Ding ist, wie Gewand und Kleid; der Art nach, was mehr als eines ist, aber keinen Unterschied in der Art aufweist, wie z. B. Mensch mit Mensch und Pferd mit Pferd identisch ist; denn man nennt solches der Art nach identisch, was unter dieselbe Art fällt. Ebenso nennt man der Gattung nach identisch, was unter dieselbe Gattung fällt, wie Pferd, verglichen mit Mensch.

Wasser aus derselben Quelle scheint sich, wenn es identisch genannt wird, von den genannten Weisen zu unterscheiden. Gleichwohl möge auch solches Wasser mit denjenigen Dingen in einer Reihe stehen, die wie immer identisch genannt werden, weil sie zu einer Art gehören. Alles solches scheint sich verwandt und ähnlich zu sein. Alles Wasser wird allem Wasser der Art nach identisch genannt, weil es eine gewisse Ähnlichkeit hat, und Wasser aus derselben Quelle unterscheidet sich nur dadurch, daß hier die Ähnlichkeit besonders stark hervortritt. Daher wollen wir es nicht von den Dingen trennen, die wie immer identisch genannt werden, weil sie zu einer Art gehören.

Es versteht sich wohl von selbst, daß man allgemein mit identisch besonders das der Zahl nach meint. Aber auch dieses pflegt den Dingen in mehrfachem Sinne zugesprochen zu werden: im eigentlichsten und ersten Sinne, wenn die Identität dem Worte oder der Definition beigelegt wird, wie wenn Kleid mit Gewand, und gehendes⁠[14]⁠, zweibeiniges Sinnenwesen mit Mensch identisch ist; zweitens, wenn sie dem Proprium beigelegt wird, wie das der Wissenschaft Fähige mit Mensch und das von Natur nach oben Steigende mit Feuer identisch ist, und drittens, wenn sie einem Objekte auf Grund seines Akzidenz beigelegt wird, in der Weise z. B., wie sitzend oder gebildet mit Sokrates sich deckt. Alles dieses will das der Zahl nach Eine anzeigen.

Daß dem wirklich so ist, erkennt man am besten an dem Verfahren derer, die die Bezeichnungen der Dinge miteinander vertauschen. Wenn wir aus einer Zahl sitzender Personen eine rufen lassen wollen, ändern wir wohl die Bezeichnung, wenn uns der Beauftragte nicht versteht, in der Erwartung, daß er uns auf Grund eines Akzidenz eher verstehen wird, und befehlen, den Sitzenden oder Plaudernden zu uns zu rufen, natürlich in der Annahme, daß wir Identisches bezeichnen, ob wir nun den Namen oder das Akzidenz nennen.

Achtes Kapitel.

103bDas Identische werde also, wie gesagt, dreifach unterschieden. Was dann aber die Begründungen angeht, so kann ein erster Beweis dafür, daß die vorhin genannten Gattungen es sind, woraus und wodurch und mit Bezug worauf man sie gewinnt, durch Induktion geführt werden⁠[15]⁠.

Wenn man nämlich die Prämissen und Probleme betrachtet, so zeigt sich, daß jede und jedes entweder aus der Definition oder aus dem Proprium oder aus der Gattung oder aus dem Akzidenz genommen ist.

Ein zweiter Beweis wird durch den Syllogismus geführt. Alles, was von etwas prädiziert wird, läßt notwendig entweder die Umkehrung von Subjekt und Prädikat zu oder nicht. Läßt es sie zu, so ist das Prädizierte entweder Definition oder Proprium: gibt es das Wesen des Subjekts an, so ist es Definition, wo nicht, Proprium. Das galt uns ja als Proprium, was zwar mit dem Subjekt vertauscht wird, aber sein Wesen nicht angibt. Läßt es aber die Umkehrung von Subjekt und Prädikat nicht zu, so ist es entweder ein Bestandteil der Definition des Subjekts, oder nicht. Und ist es ein Bestandteil von ihr, so muß es Gattung oder Differenz sein, da die Definition aus Gattung und Differenz besteht; ist es aber kein Bestandteil von ihr, so ist es offenbar ein Akzidenz; denn als Akzidenz bezeichneten wir was weder Definition, noch Gattung, noch Proprium ist, aber dem Ding, von dem man spricht, zukommt⁠[16]⁠.

Neuntes Kapitel.

Nach diesem nun sind die Gattungen der Kategorien zu denen die genannten vier Stücke gehören, anzugeben. Ihrer sind zehn an der Zahl: Was (Quiddität, Wesen), Quantität, Qualität, Relation, Wo, Wann, Liegen, Haben, Wirken, Leiden. Zu einer von diesen Kategorien müssen das Akzidenz, die Gattung, das Proprium und die Definition immer gehören. Denn alle durch sie zustande kommenden Prämissen enthalten entweder eine Aussage über ein Was, oder über eine Qualität oder eine Quantität oder über sonst eine Kategorie.

Es ist aber selbstverständlich, daß der, der das Was angibt, bald die Substanz angibt, bald die Qualität, bald sonst eine Kategorie. Denn wenn er, wo es sich um einen Menschen fragt, erklärt, das Fragliche sei ein Mensch oder ein Sinnenwesen, so sagt er, was es ist, und gibt die Substanz an; und erklärt er, wo es sich um die weiße Farbe handelt, das Fragliche sei weiß oder Farbe, so sagt er, was es ist, und gibt die Qualität an. Und wenn er, wo es sich um die Größe einer Elle handelt, erklärt, das Fragliche sei eine Größe von einer Elle, so wird er in gleicher Weise sagen, was es ist, und gibt die Quantität an. Und mit den anderen Kategorien verhält es sich ebenso: von einem jeden unter sie fallenden Ding gibt man, mag es von sich selbst oder mag die Gattung von ihm ausgesagt werden, an, was es ist. Wenn es dagegen von einem anderen ausgesagt wird, gibt man nicht an, was es ist, sondern man gibt die Quantität oder die Qualität oder sonst eine Kategorie an⁠[17]⁠.

So sind es denn diese und so viele Dinge, um die sich die Disputationen drehen 104aund durch die sie veranlaßt werden. Wie wir diese Dinge aber erhalten und wodurch wir sie finden, müssen wir nach diesem erklären.

Zehntes Kapitel.

Zuerst soll nun bestimmt werden, was ein dialektischer Satz (πρότασις διαλεκτική) und was ein dialektisches Problem ist. Denn man darf nicht jeden Satz und jedes Problem für dialektisch halten. Wird doch kein Verständiger einen Satz aufstellen, den niemand für wahr hält, und ein Problem aus etwas machen, was allen oder den meisten einleuchtet. Das eine bietet keine Schwierigkeit und das andere wird niemand behaupten.

Es ist aber ein dialektischer Satz eine Frage⁠[18]⁠, die entweder allen oder den meisten oder den Weisen und von den Weisen entweder allen oder den meisten oder den Angesehensten glaubwürdig erscheint, ohne (für die gemeine Meinung) unglaubwürdig zu sein. Denn man wird dasjenige als wahr verfechten, was die Weisen dafür halten, falls es nicht den Ansichten der Menge zuwiderläuft.

Zu den dialektischen Sätzen gehört auch was dem Glaubwürdigen Ähnliches behauptet, was dem glaubwürdig Scheinenden Entgegengesetztes verneint wird, und alles, was die Meinungen wiedergibt, die den von den Menschen erfundenen Wissenschaften und Künsten gemäß sind.

Denn wenn es glaubwürdig ist, daß die Wissenschaft des Entgegengesetzten dieselbe ist, so muß es auch glaubwürdig scheinen, daß die Wahrnehmung des Entgegengesetzten dieselbe ist, und wenn es glaubwürdig ist, daß es der Zahl nach nur eine Grammatik gibt, so muß es auch glaubwürdig scheinen, daß es der Zahl nach nur eine Kunst des Flötenspiels gibt, und wenn mehrere grammatische Wissenschaften, auch mehrere Künste des Flötenspiels. Denn alles dieses scheint sich ähnlich und verwandt.

Ebenso muß glaubwürdig erscheinen, was dem glaubwürdigen Entgegengesetztes verneint wird. Ist es glaubwürdig, daß man den Freunden Gutes tun muß, so ist es auch glaubwürdig, daß man ihnen nichts Böses tun darf. Das konträre Gegenteil hiervon wäre, daß man den Freunden Böses tun müßte, das bloß verneinende oder kontradiktorische Gegenteil aber ist, daß man ihnen nichts Böses tun darf. Ebenso braucht man, wenn man den Freunden Gutes tun muß, es nicht den Feinden zu tun. Auch dieses entspricht der Verneinung des Gegenteils; das (eigentliche, konträre) Gegenteil wäre, daß man den Feinden Gutes tun müßte. Und ebenso ist es in anderen dergleichen Fällen. Es wird auch bei der Vergleichung so scheinen, als ob das Gegenteil, vom Gegenteil prädiziert, glaubwürdig oder wahrscheinlich sei, z. B.: wenn man den Freunden Gutes tun muß, muß man auch den Feinden Böses tun. Auch könnte es so scheinen, als ob den Freunden Gutes tun das Gegenteil wäre von den Feinden Böses tun. Ob dem aber wirklich so ist, oder nicht, soll erklärt werden, wenn wir auf die Lehre vom Konträren zu sprechen kommen (unten 2. Buch, 7. Kap., 2. Abs.).

Es ist auch klar, daß alle solche Meinungen, die den Wissenschaften und Künsten gemäß sind, dialektische Sätze abgeben. Man wird solchen Ansichten das Wort reden, die den Leuten vom Fach annehmbar erscheinen, in Sachen der Heilkunde dem, was die Ärzte, in Fragen der Geometrie dem, was die Geometriker darüber glauben, und so fort.

Elftes Kapitel.

104bEin dialektisches Problem (Vorwurf) ist ein Theorem (Forschungsgegenstand), das entweder auf Wahl und Flucht oder auf Wahrheit und Erkenntnis abzielt⁠[19]⁠, sei es unmittelbar oder als Beihilfe zu einem anderen Satz dieser Art, und über das die Menge und die Weisen entweder keine bestimmte Meinung haben, oder jene entgegengesetzt denkt wie diese, oder diese wie jene, oder beide unter sich selbst. Denn die Kenntnis mancher Probleme ist für das Wählen oder Fliehen nützlich, z. B. ob die Lust begehrenswert ist oder nicht; bei manchen dagegen liegt der Nutzen nur im Wissen, z. B. ob die Welt ewig ist oder nicht; und manche haben an und für sich weder für das eine, noch für das andere einen Nutzen, tragen aber zur Lösung solcher Probleme bei. Denn manches wollen wir nicht an und für sich wissen, sondern um eines anderen willen, das wir aus ihm zu erkennen hoffen.

Es gibt auch Probleme, für die man entgegengesetzte Schlüsse hat — denn es kann zweifelhaft sein, ob etwas sich so verhält, oder nicht, weil es für beides glaubwürdige Gründe gibt —, und wieder solche, über die wir, obwohl sie groß und bedeutend sind, nicht Rede stehen können, da wir es für schwer halten, das Warum anzugeben, z. B. ob die Welt ewig ist, oder nicht; denn man mag auch wohl nach so etwas fragen⁠[20]⁠.

So seien denn die Probleme und Sätze in der Art beschrieben, wie wir jetzt getan haben. Eine These aber ist eine paradoxe Meinung eines angesehenen Philosophen, z. B. daß es keinen Widerspruch geben kann, wie Antisthenes behauptete, oder daß, wie Heraklit will, alles sich bewegt, oder daß das Seiende eins ist, wie Melissus sagt. Denn sich um den ersten Besten zu kümmern, der den gewöhnlichen Meinungen Entgegengesetztes aufgestellt hat, wäre einfältig.

Oder Thesen sind Aufstellungen, bezüglich deren wir einen (scheinbaren) Grund haben, der den (gewöhnlichen) Meinungen entgegensteht, z. B. wie die Sophisten sagen, daß nicht alles Seiende entweder geworden oder ewig ist, da wer ein Musiker sei, ein Grammatiker sei, ohne (es) geworden und ohne (es) ewig zu sein. Denn wenn man das auch nicht glaubt, so kann man es doch glauben, weil es einen Grund für sich hat⁠[21]⁠.

Auch die These ist ein Problem; doch ist nicht jedes Problem eine These, da manche Probleme so beschaffen sind, daß wir nach keiner von beiden Seiten eine bestimmte Ansicht über sie haben. Daß aber auch die These ein Problem ist, ist klar. Denn nach dem Gesagten muß über eine These entweder die Menge mit den Weisen geteilter Ansicht sein, oder beide unter sich, da ja die These eine paradoxe Meinung ist. Gegenwärtig aber bezeichnet man durchgängig alle dialektischen Probleme als Thesen. Es soll auch nichts austragen, wie man sie nennt. Denn nicht um neue Namen aufzubringen, haben wir beide so unterschieden, 105asondern um den Unterschied nicht zu übersehen, der zwischen ihnen besteht.

Man soll nicht jedes Problem und jede These untersuchen, sondern nur solche, wo es zur Lösung obwaltender Zweifel der Vernunft bedarf, nicht der Züchtigung oder der gesunden Sinne. Die etwa zweifeln, ob man die Götter ehren und die Eltern lieben soll, oder nicht, bedürfen der Züchtigung, und die zweifeln, ob der Schnee weiß ist, oder nicht, bedürfen der gesunden Sinne. Auch darf man nicht solches dialektisch behandeln, wofür der Beweis nahe oder allzu fern liegt: das eine bietet keine, das andere größere Schwierigkeit, als bloße Übung verträgt.

Zwölftes Kapitel.

Nachdem dieses festgestellt ist, müssen wir angeben, wie viele verschiedene Arten dialektischer Begründungen es gibt. Die eine ist Induktion, die andere der Syllogismus.

Was ein Syllogismus ist, haben wir oben erklärt (1. K.).

Die Induktion aber ist der Aufstieg vom Besonderen zum Allgemeinen, z. B.: wenn der beste Steuermann ist, wer seine Sache versteht, und Gleiches von dem Wagenlenker gilt, so ist auch der Beste überhaupt, wer seine jeweilige Sache versteht. Die Induktion ist überzeugender, deutlicher, sinnlich faßbarer und der Menge vertrauter, der Syllogismus zwingender und für die Widerlegung wirksamer.

Dreizehntes Kapitel.

Die Gattungen, um die die von uns gesuchten Begründungen und Sätze sich drehen und aus denen sie entnommen werden, seien in der Weise festgestellt, wie vorhin (K. 8) angegeben worden.

Der Mittel (Werkzeuge) aber, die uns Syllogismen und Induktionen finden helfen, sind vier: das eine ist die Ermittelung der Sätze, das zweite die geschickte Unterscheidung der mannigfachen Bedeutung der Wörter, das dritte die Auffindung des Unterschiedes der Dinge und das vierte die Aufsuchung ihrer Übereinstimmung.

In gewisser Weise sind aber auch die drei zuletzt genannten Hilfsmittel Sätze. Denn man kann jedes von ihnen so behandeln, daß ein Satz daraus wird, der Satz z. B., daß das Begehrenswerte entweder das sittlich Gute oder das Angenehme oder das Nützliche ist, und: daß der Sinn sich insofern von der Wissenschaft unterscheidet, als man diese nach ihrem Verluste wieder erlangen kann, jenen aber nicht, und: daß das Gesunde sich zur Gesundheit verhält wie das Kräftige zur Kraft. Dem ersten Satz liegt die Mannigfaltigkeit der Bedeutung zugrunde, dem zweiten der Unterschied der Dinge, dem dritten ihre Übereinstimmung.

Vierzehntes Kapitel.

Was nun die Sätze betrifft, so muß man sie in so vielfacher Weise auswählen, wie wir es oben (K. 10) bezüglich des Satzes festgestellt haben, muß also entweder die Meinungen nehmen, an denen alle festhalten oder die Meisten oder die Weisen, und von den Weisen entweder Alle oder die Meisten oder die Angesehensten, oder muß auch die Meinungen nehmen, die den geläufigen entgegengesetzt sind, 105bund die, die in den Künsten und Wissenschaften gelten. Die den geläufigen entgegengesetzten Meinungen muß man aber in dem vorhin angezeigten Sinne aufstellen, d. h. verneinend.

Es ist auch nützlich, sie so aufzustellen, daß man nicht nur wirklich wahrscheinliche auswählt, sondern auch ihnen ähnliche, daß z. B. die Wahrnehmung des Entgegengesetzten dieselbe ist — ist doch die Wissenschaft für beide Seiten des Gegensatzes eine —, und daß wir sehen, indem wir etwas in uns aufnehmen, nicht etwas aussenden (keinen Lichtstrahl). Denn es ist auch bei den anderen Sinnen so. Wir hören, indem wir etwas in uns aufnehmen, nicht etwas aussenden, und ebenso schmecken wir, und so fort.

Man muß auch das, was bei allen oder den meisten Dingen zutage tritt, als Prinzip und geltende These nehmen. Denn diejenigen, die nicht gewahren, daß es sich in einem bestimmten Falle nicht so verhält, sehen so etwas für eine These an.

Man muß seine Sätze auch aus geschriebenen Ausführungen nehmen und die Angaben so machen, daß man sie gesondert über jede Gattung anbringt, z. B. über das Gute oder über das Lebendige, und zwar über alles Gute, angefangen mit seinem Was. Auch muß man die Meinungen der jeweiligen Gewährsmänner als solche bezeichnen, muß z. B. anmerken, daß Empedokles vier körperliche Elemente gelehrt hat. Denn was ein angesehener Mann gesagt hat, wird man einem bereitwillig als haltbare These gelten lassen.

Es gibt, um es nur im Umriß zu sagen, drei Klassen von Sätzen und Problemen: die einen sind ethische, die andern physikalische und die dritten logische (erkenntnistheoretische) Sätze⁠[22]⁠. Ethische sind Sätze, wie, ob man im Falle einer Kollision der Pflichten mehr den Eltern gehorchen soll als den Gesetzen, logische z. B., ob die Wissenschaft der Gegensätze dieselbe ist, oder nicht, physikalische, ob die Welt ewig ist, oder nicht. Ein Gleiches gilt von den Problemen. Was für Sätze je zu einer dieser Klassen gehören, ist begrifflich nicht leicht zu erklären, man muß sie einzeln durch fortgesetzte Induktion kennen zu lernen suchen, indem man sich die obgenannten Beispiele gegenwärtig hält.

Um über solche Sätze und Probleme ein philosophisches Urteil zu gewinnen, muß man sie freilich nach dem Maßstabe der Wahrheit behandeln, um sich aber lediglich eine Meinung über sie zu bilden, ist das dialektische Verfahren am Platz. Man muß aber alle Sätze möglichst allgemein fassen, um sodann aus dem einen Satze viele zu machen, muß z. B. zuerst den Satz nehmen, daß Entgegengesetztes derselben Wissenschaft unterliegt, dann, daß dieses von dem konträr Entgegengesetzten und von dem Relativen gilt. Ebenso muß man wieder diese Sätze teilen, so lange eine Teilung angeht, z. B. daß das Gute und das Böse, das Weiße und das Schwarze, das Kalte und das Warme Einem Wissen untersteht usw.

Fünfzehntes Kapitel.

106aBezüglich des Satzes möge das jetzt Vorgetragene genügen. Was aber dann die mannigfaltige Bedeutung der Wörter angeht, so muß man nicht nur darlegen, was alles auf verschiedene Weise ausgesagt wird, sondern auch die Gründe dafür zu erklären suchen. Man muß z. B. nicht bloß sagen, daß auf eine andere Weise Gerechtigkeit und Starkmut und auf eine andere das Kräftige und Gesunde gut genannt wird, sondern auch, daß man deshalb so verschieden davon spricht, weil das eine selbst eine bestimmte Beschaffenheit hat, das andere sie bewirkt und nicht selbst hat, usf.

Ob ein Wort dem Begriffe nach mehrfach oder einfach gebraucht wird, muß man durch folgende Mittel zu erkennen suchen.

Erstens muß man bei seinem Gegenteil zusehen, ob man verschieden davon redet, mag es nun eine Verschiedenheit im Begriff, d. h. in der Bedeutung, oder im Wort sein. Vieles ist auch schon dem Worte nach verschieden, so ist dem Scharfen (Hohen, Spitzen) in der Stimme das Schwere (Tiefe), in der Raumgröße das Stumpfe entgegengesetzt. Demnach ist klar, daß man vom Gegenteil von scharf mehrfach redet. Wenn aber das, dann auch von scharf (selbst). Denn das Gegenteil wird für jedes dieser beiden verschieden sein. Denn es ist nicht dasselbe Scharfe das Gegenteil von stumpf und von schwer, von beiden aber ist scharf das Gegenteil. Wiederum ist dem Schweren bei der Stimme das Scharfe (Hohe), bei der Raumgröße oder Masse das Leichte entgegengesetzt, so daß man von schwer in mehrfachem Sinne spricht, weil auch von seinem Gegenteil. Ebenso ist dem Schönen an Mensch oder Tier das Häßliche, dagegen dem Schönen an einem Hause das Schlechte entgegengesetzt und demnach schön homonym.

Bei vielen Dingen aber tritt zwar im Wort keine Abweichung hervor, wohl aber zeigt sich bei ihnen sofort ein Unterschied in der Bedeutung, so z. B. bei weiß und schwarz. Man spricht von einer weißen und schwarzen (klaren und unklaren) Stimme und ebenso von der Farbe. So weicht denn beides dem Worte nach gar nicht voneinander ab, aber der Unterschied der Bedeutung tritt hier sofort zutage. Die Farbe wird nicht in demselben Sinne klar genannt wie die Stimme. Das verrät auch die sinnliche Wahrnehmung. Was dem begrifflichen Wesen nach dasselbe ist, fällt unter denselben Sinn, das Helle in Stimme und Farbe aber beurteilen wir nicht mit demselben Sinn, sondern dieses mit dem Gesicht, jenes mit dem Gehör. Ebenso ist es mit dem Scharfen und Stumpfen bei Geschmäcken und bei Körpern, nur daß man dieses mit dem Getast, jenes mit dem Geschmack beurteilt. Auch hier zeigt sich keine Abweichung im Worte, weder bei den genannten Dingen selbst, noch bei ihrem Gegenteil. Denn auch das Gegenteil von beiden heißt stumpf.

Ferner muß man zusehen, ob das eine ein Gegenteil hat, das andere dagegen schlechthin keines. So ist z. B. von der Lust des Trinkens das Gegenteil die Unlust des Dürstens, aber die Lust der Betrachtung, daß die Diagonale mit der Seite nicht kommensurabel ist, hat kein Gegenteil, 106bund so folgt, daß man von der Lust mehrdeutig spricht. Und von der geistigen Liebe ist das Gegenteil der Haß, aber die sinnliche Liebe, die auf leiblicher Funktion beruht, hat kein Gegenteil, und so ist klar, daß Liebe homonym ist.

Ferner muß man bei dem in der Mitte Stehenden achtgeben, ob das eine ein Mittleres hat, das andere keines, oder ob beide ein Mittleres haben, aber nicht dasselbe. Z. B. zwischen weiß und schwarz (hell und dunkel oder tief) steht bei Farben das Braune, bei der Stimme dagegen nichts in der Mitte, und wenn schon etwas, so müßte es die Belegtheit sein, wie denn einige sagen, daß die belegte Stimme zwischen hell und tief in der Mitte stehe. Demnach ist weiß homonym und schwarz desgleichen. Ferner muß man sehen, ob das eine mehrere Mittlere hat, das andere nur eines, wie bei weiß und schwarz. Bei den Farben gibt es da vieles Mittlere, bei der Stimme nur eins, die Belegtheit.

Wiederum muß man bei dem kontradiktorischen Gegenteil achtgeben, ob es mehrdeutig gesagt wird. Denn wenn dieses mehrdeutig gesagt wird, wird auch sein Gegenteil mehrdeutig gesagt werden. So wird z. B. „nicht sehen“ mehrdeutig gesagt: einmal, wenn man kein Gesicht hat, und dann, wenn man nicht aktuell sieht. Wenn aber dieses, so muß auch „sehen“ mehrdeutig gesagt werden; nämlich von „kein Gesicht haben“ ist das Gegenteil eins haben, und von „nicht aktuell sehen“ ist es aktuell sehen.

Auch muß man achtgeben auf das, was Beraubung und Haben besagt. Wird das eine mehrdeutig gesagt, dann auch das andere; wird z. B. αἰσθάνεσθαι (eigentlich durch die Sinne wahrnehmen, aber auch mit dem Verstand erkennen, merken) mit bezug auf Seele und Leib gesagt, so wird auch ἀναίσθητον εἶναι (ohne Empfindung, aber auch ohne geistige Spürkraft sein) mit bezug auf Seele und Leib gesagt werden. Daß sich aber das jetzt Angeführte wie Beraubung und Haben gegenübersteht, ist klar, da ja die Lebewesen von Natur darauf angelegt sind, beide Sinne, den seelischen und den leiblichen, zu haben⁠[23]⁠.

Ferner sind die Umbildungsformen der Wörter (πτώσεις) ins Auge zu fassen. Wenn gerechter Weise (δικαίως) mehrdeutig gesagt wird, wird auch das Gerechte mehrdeutig ausgesagt werden. Es ist in verschiedenem Sinne gerecht, je nachdem man das „gerechter Weise“ verschieden versteht. Wenn man z. B. mit dem Ausdruck „gerechter Weise“ sowohl ein Rechtsprechen nach der eigenen Überzeugung, als ein solches, wie es (nach dem wirklichen Sachverhalt) sein müßte, meint, so meint man das Gerechte ebenso. Auf die nämliche Weise wird, wenn das Gesunde mehrdeutig ausgesagt wird, es auch bei dem Adverbium gesund der Fall sein, wird z. B., wenn bald gesund ist, was die Gesundheit bewirkt, bald was sie erhält, bald was sie anzeigt, auch das Adverbium gesund bald im Sinne von Bewirken, bald von Erhalten, bald von Anzeigen gebraucht werden. Ebenso wird sonst, wenn das Betreffende selbst mehrdeutig ausgesagt wird, 107aauch die von ihm abgeleitete Flexion mehrdeutig ausgesagt werden, und wenn die Flexion, dann auch es selbst.

Achten muß man auch auf die Gattungen der Kategorien, denen ein Wort angehören kann, und sehen, ob sie überall dieselben sind. Denn wenn sie nicht dieselben sind, so ist der Ausdruck offenbar homonym. So ist das Gute bei einer Speise das, was die Lust bewirkt, und in der Heilkunde das, was die Gesundheit bewirkt. Für die Seele dagegen bedeutet es eine Qualität, wie Mäßigkeit, Starkmut oder Gerechtigkeit, und ebenso für den Menschen. Hin und wieder aber bedeutet es das Wann, wie es z. B. das Gute tut, das zur rechten Zeit geschieht. Denn was so geschieht, heißt gut. Oft auch bedeutet es die Quantität, z. B. bei mäßig. Denn auch das Mäßige nennt man gut. So folgt denn, daß gut homonym ist. In derselben Weise ist das Weiße (Helle) bei einem Körper die Farbe (Qualität), aber beim Ton das leicht Hörbare (wirkend). Ähnlich das Scharfe: es bedeutet nicht in allen Fällen dasselbe: ein scharfer (hoher) Ton ist der schnelle (wirkend), wie die mathematische Harmonik lehrt, ein scharfer (spitzer) Winkel der, der kleiner ist als ein rechter (relativ), und ein scharfes (spitzes) Messer das, dessen Klinge in einen spitzen Winkel ausläuft (Kategorie der Qualität).

Achten muß man auch auf die Gattungen dessen, was unter derselben Benennung steht, und sehen, ob sie verschieden und sich nicht untergeordnet sind, wie z. B. Esel in der doppelten Bedeutung von Tier und Zugmaschine. Denn der Begriff des Wortes ist hier verschieden: das eine wird für ein bestimmtes Tier, das andere für eine bestimmte Maschine erklärt werden. Sind sich aber die Gattungen untergeordnet, so brauchen die Begriffe der Wörter nicht verschieden zu sein. So ist für Rabe Tier und Vogel Gattung. Sagen wir nun, der Rabe sei ein Vogel, so sagen wir auch, er sei ein Tier von einer bestimmten Beschaffenheit, so daß beide Gattungen von ihm ausgesagt werden. Ebenso sagen wir, wenn wir den Raben ein geflügeltes, zweibeiniges Tier nennen, er sei ein Vogel; und so werden denn beide Gattungen und ihr Begriff von dem Raben ausgesagt. Das trifft aber bei den sich nicht untergeordneten Gattungen nicht zu: sagen wir Maschine, so sagen wir nicht Tier, und sagen wir Tier, so sagen wir nicht Maschine. Man muß aber nicht nur darauf achten, ob das Vorliegende zu verschiedenen und sich nicht untergeordneten Gattungen gehört, sondern auch das Gegenteil darauf ansehen. Wenn das Gegenteil mehrdeutig ausgesagt wird, dann offenbar auch das Vorliegende.

Es ist auch nützlich, auf die Definition zu achten, die man von dem Zusammengesetzten, wie weißer Körper, weiße (helle) Stimme, erhält. Es muß hier, wenn man das Eigentümliche davon nimmt, derselbe Begriff übrig bleiben. 107bDas ist aber bei Homonymem, z. B. dem jetzt Genannten, nicht der Fall. Das eine wird ein Körper von der und der Farbe sein, das andere eine leicht hörbare Stimme. Zieht man Körper und Stimme ab, so ist das, was bleibt, bei beiden nicht dasselbe. Das müßte aber sein, wenn das von beiden ausgesagte Weiße synonym wäre (d. h. ebenso denselben Sinn hätte, wie es denselben Namen hat).

Oft aber wird man es nicht gewahr, daß sich die Homonymie auch in die Begriffe selbst einschleicht. Man muß daher sein Augenmerk auch auf die Begriffe richten. Wenn man z. B. sagte, das die Gesundheit Anzeigende und Bewirkende sei das im richtigen Verhältnis zur Gesundheit Stehende, so müßte man es damit nicht genug sein lassen, sondern zusehen, was mit dem Ausdruck „im richtigen Verhältnis“ beidemal gemeint war, ob z. B. nicht das, daß das eine seiner Beschaffenheit nach die Gesundheit bewirkt und das andere den Stand des Befindens anzeigt.

Ferner (muß man zusehen), ob etwas nicht nach dem Mehr oder Gleich vergleichbar ist, wie etwa helle Stimme und helles Kleid, scharfer Geschmack und scharfe (hohe) Stimme. Hier läßt sich von hell und scharf je in bezug auf beide Objekte weder sagen, daß es in gleichem, noch daß es in höherem Grade bei ihnen vorhanden ist. Und so folgt, daß hell und scharf homonym ist. Denn alles Synonyme ist vergleichbar: es wird den Dingen entweder in gleichem oder dem einen in höherem Grade beigelegt werden.

Da die verschiedenen und sich nicht untergeordneten Gattungen auch der Art nach verschiedene Differenzen haben, wie z. B. Sinnenwesen und Wissenschaft — denn diese beiden haben verschiedene Differenzen —, so muß man zusehen, ob die gleichbenannten Eigenschaften Differenzen verschiedener und sich nicht untergeordneter Gattungen sind, wie scharf (hell, spitz) bei Stimme und Körper. Denn Stimme unterscheidet sich von Stimme, wie ebenso auch Körper von Körper, durch die Schärfe. Und so folgt, daß scharf homonym ist: es bezeichnet Differenzen verschiedener und sich nicht untergeordneter Gattungen.

Wiederum (muß man zusehen), ob die gleichnamigen Dinge selbst verschiedene Differenzen haben, wie Farbe bei den Körpern und in der Musik (χρῶμα, chromatisch). Die Farbe bei den Körpern hat die Differenz, daß sie das Gesicht zerstreut und sammelt (das Weiße erscheint dem Auge größer, das Schwarze kleiner), aber die Farbe in der Musik hat nicht dieselbe Differenz. Und so folgt, daß Farbe homonym ist: dasselbe hat ja dieselbe Differenz.

Da ferner die Art von nichts (gemeinsam unter sie Fallendem) Differenz ist (muß man sehen), ob von gleichnamigem das eine Art ist, das andere Differenz, wie z. B. das Weiße am Körper eine Art der Farbe, dagegen das Weiße (Helle, Klare) in der Stimme eine Differenz ist. Denn Stimme unterscheidet sich von Stimme dadurch, daß sie hell ist.

Sechzehntes Kapitel.

Was also die Vieldeutigkeit der Wörter angeht, so muß man sie nach diesen und ähnlichen Gesichtspunkten beurteilen. Der gegenseitige Unterschied der Dinge sodann 108amuß sowohl innerhalb der Gattungen selbst betrachtet werden — indem man z. B. fragt, worin sich die Gerechtigkeit von dem Starkmut und die Klugheit von der Mäßigkeit unterscheidet, was alles aus derselben Gattung ist —, als auch aus dem Verhältnisse der nicht allzu weit voneinander entfernten Gattungen, wie z. B. bei dem Unterschiede von Sinneswahrnehmung und Wissenschaft. Bei den weit voneinander entfernten Gattungen sind die Unterschiede ja ganz offenbar.

Siebenzehntes Kapitel.

Die Übereinstimmung muß man einmal bei den in verschiedenen Gattungen stehenden Dingen betrachten, und sich klar werden, daß wie sich Verschiedenes zu Verschiedenem, so Anderes zu Anderem verhält, z. B. wie Wissenschaft zu wißbar, so Sinn zu sinnlich, und wie Verschiedenes in Verschiedenem, so Anderes in Anderem, z. B. wie Gesicht im Auge, so Verstand in der Seele, und wie Meeresstille im Meer, so Windstille in der Luft. Und hier muß man sich besonders in den weit voneinander abstehenden Gattungen üben. Dann wird man die Übereinstimmung auch sonst leichter herausfinden. Dann muß man auch die in derselben Gattung stehenden Dinge betrachten, und sich klar werden, ob allen etwas Identisches zukommt, z. B. dem Menschen, dem Pferde und dem Hunde. Denn soweit ihnen etwas Identisches zukommt, soweit stimmen sie überein.

Achtzehntes Kapitel.

Der Nutzen, den es gewährt, wenn man die Vieldeutigkeit der Wörter in Betracht zieht, liegt einmal in der Klarheit — man wird sich der Bedeutung eines Satzes besser bewußt sein, wenn sich zeigt, in wie vielfachem Sinne etwas gesagt wird —, sodann darin, daß die Schlüsse der Sache selbst gemäß erfolgen und nicht nur auf Worte gehen. Weiß man nicht, in wie vielfachem Sinne etwas gesagt wird, so denkt der Antwortende (Defendent) möglicherweise an etwas anderes als der Fragende (Opponent). Hat sich aber gezeigt, in wie vielfachem Sinne etwas gesagt wird und woran man bei seiner Behauptung denkt, so machte der Fragende sich lächerlich, wenn er nicht hiergegen argumentierte.

Der Nutzen liegt aber auch darin, daß man nicht durch Trugschlüsse hintergangen wird, selber aber den Gegner durch Trugschlüsse hintergehen kann. Sind wir mit den verschiedenen Bedeutungen eines Wortes bekannt, so können wir nicht hintergangen werden, sondern müssen es merken, wenn der Fragende nicht gegen eben das argumentiert, was zur Erörterung steht. Sind wir aber selbst der Fragende, so können wir den Antwortenden hintergehen, wenn er etwa nicht weiß, wie viele Bedeutungen ein Wort hat. Das ist aber nicht überall möglich, sondern nur, wenn von den vielen Bedeutungen die eine wahr, die andere falsch ist. Jedoch gehört diese Weise nicht in die Dialektik⁠[24]⁠. Daher sollen die Dialektiker es durchaus vermeiden, gegen das Wort zu disputieren, es sei denn, daß man den Gegenstand sonst gar nicht erörtern könnte.

Die Auffindung des Unterschieds der Dinge ist von Nutzen einmal, um Schlüsse über Identisches und Verschiedenes zu bilden, und dann, um zu erkennen, was jedes ist. 108bDaß sie für die Schlüsse über Identisches und Verschiedenes von Nutzen ist, ist klar. Haben wir in dem, was zur Erörterung steht, irgendeinen Unterschied aufgefunden, so haben wir gezeigt, daß keine Identität stattfindet. Für die Erkenntnis dessen, was jedes ist, ist sie es auch, weil wir den eigentümlichen Wesensbegriff eines jeden Dinges durch die jeweiligen besonderen Differenzen zu bestimmen und so von anderen Begriffen zu trennen pflegen.

Die Betrachtung der Übereinstimmung ist von Nutzen für die induktiven Begründungen, die hypothetischen Schlüsse und die Angabe der Begriffe. Für die induktiven Begründungen, weil wir durch Anführung einzelner übereinstimmender Fälle das Allgemeine zu beweisen glauben. Es ist ja nicht leicht, induktiv zu schließen, wenn man das Übereinstimmende nicht kennt. Für die hypothetischen Schlüsse, weil es wahrscheinlich ist, daß es sich so, wie in einem von mehreren übereinstimmenden Fällen, auch in den übrigen verhält. Und so werden wir, wo immer wir über eine Reihe verwandter Dinge reichlichen Stoff zur Verfügung haben, zuvor übereinkommen, daß es sich, wie mit ihnen, so auch mit dem Vorliegenden verhält. Haben wir aber dort den Sachverhalt gezeigt, so werden wir hypothetisch auch das Vorliegende gezeigt haben. Denn wir haben für die Führung des Beweises die Hypothese gemacht, daß es sich, wie dort, so auch mit dem Vorliegenden verhält. Für die Angabe der Begriffe endlich ist sie von Nutzen, weil wir, wenn wir beurteilen können, was jeweilig identisch ist, nicht in Verlegenheit darüber sein werden, unter welche Gattung das Vorliegende bei der Begriffsbestimmung zu bringen ist: Gattung muß sein, was von den gemeinsamen Prädikaten am meisten das Wesen ausdrückt. Auch für die Bestimmung sehr voneinander verschiedener Begriffe ist die Betrachtung der Übereinstimmung von Nutzen, die Betrachtung z. B., daß Meeresstille im Meere dasselbe ist wie Windstille in der Luft — beides ist ja Stille —, und daß der Punkt das in der Linie ist, was die Einheit in der Zahl — beides ist ja Prinzip —. Und so werden wir, indem wir das allem Gemeinsame als Gattung angeben, gewiß nicht verkehrt definieren. Auf diese Weise pflegen ja auch wohl tatsächlich die Definierenden die Begriffe zu bestimmen. Sie sagen, daß die Einheit das Prinzip der Zahl und der Punkt das Prinzip der Linie ist. Sie setzen also offenbar die Gattung in das beiden Gemeinsame.

Das wären denn die Hilfsmittel zur Gewinnung von Schlüssen. Die Örter dagegen, für die das Gesagte von Nutzen ist, sind folgende.

Notes in this chapter

Note 1 · Man steht Rede in der Antwort, als Defendent. Die Bildung der Schlüsse, von der unmittelbar vorher verlautet, ist als Sache des Opponenten gNote 2 · Vgl. An. pr. I, 1. 24b 18ff.Note 3 · Die Eigentümlichkeit des dialektischen gegenüber dem apodiktischen Schlusse besteht in keinem formellen Mangel — alle Schlüsse schließen nacNote 4 · Die erste Art eristischer Schlüsse ist materiell, die zweite formell oder zugleich auch materiell falsch. Man vergleiche im Text den folgendNote 5 · Es wäre z. B. ein pseudographischer Schluß, wenn man behauptete, ein Kreis sei doppelt so groß als ein anderer, wenn er einen doppelt großenNote 6 · Der Nutzen der Dialektik für die philosophische Erkenntnis ist also zweifach: sie hilft die Einzelfragen lösen und die Vorfragen zu den einzNote 7 · Da die Dialektik nur Wahrscheinliches ergibt, so braucht sie nicht förmlich zu überzeugen.Note 8 · Griech. ὁρικόν, von ὅρος, Definition. Das Wort ist unübersetzbar, es bedeutet: was definiert oder zur Definition dient oder gehört.Note 9 · Fähig, die Elementarfächer, Lesen und Schreiben, sich anzueignen; vgl. B. 6, K. 5, Absatz 3, 142 b 31.Note 10 · Aber nicht überhaupt; denn auch die Vögel haben zwei Füße.Note 11 · ζῷον heißt nicht Tier, nicht lebendes Wesen und nicht Geschöpf. Tier heißt griech. θηρίον. Die Bedeutung lebendes Wesen ist hier nicht gemeiNote 12 · Aristoteles will sagen, daß die Einteilung in Akzidenz, Genus, Proprium und Definition mangelhaft ist, sofern manches was bezüglich der AuffNote 13 · Vgl. oben, K. 5, Absatz 3.Note 14 · Πεζός geht auf die Art der Fortbewegung, im Gegensatz z. B. zu Fliegen und Schwimmen.Note 15 · Schon zu Anfang des 4. Kap. waren als die Materie, um die die dialektischen Schlüsse sich bewegen, die Definition, das Proprium usw. bezeichNote 16 · Ein Beispiel für den ersten Fall ist der Satz, der die Definition des Kreises ausspricht, für den zweiten Fall der Satz: alles Erschaffene iNote 17 · Definition oder Wesen und wesentliche Prädikate, Gattung und Art, können in allen Kategorien stehen, da die übrigen Kategorien so gut eine DNote 18 · Frage kann auch eine Prämisse bedeuten, die der Opponent durch Fragen gewinnt, bedeutet es hier aber nicht. Ebenso kann πρότασις auch PrämisNote 19 · Theoretische oder praktische Frage.Note 20 · Hier wird die Ewigkeit der Welt als ein unlösbares Problem bezeichnet, wobei aber glaubhaft ist, daß die Unmöglichkeit der Lösung nicht schlNote 21 · Das Sophisma beruht auf dem Schluß: der Musikus kann kein Grammatikus geworden sein; denn da würde ein Akzidenz das Subjekt eines anderen AkNote 22 · Das ist auch die bekannte alte Einteilung der ganzen Philosophie.Note 23 · Beraubung ist nicht dasselbe wie Nichtvorhandensein. Sie ist das Nichtvorhandensein dessen, was man von Natur haben sollte. So ist z. B. derNote 24 · Zu einem solchen Schluß kommt man mit Hilfe der Zweideutigkeit nur dann, wenn die Bedeutung, die man zugrunde legt, nicht gilt. Indessen ist
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