Schluß.
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General Wood kam, aber er brachte nicht die Erneuerung des Krieges, sondern er brachte den Frieden. England war erschüttert, die Tapferkeit der Buern, die Niederlagen in den Drakensbergen, die ungeheuren Verluste ihrer Truppen gegenüber so kleinen Scharen der todesmutigen Verteidiger von Transvaal hatten die Regierung der Weltmacht in Bestürzung versetzt. Die Stimme der Gerechtigkeit ward laut in den Herzen der ländergierigen Eroberer.
Während noch die Verwundeten des schrecklichen Kampfes um den Majuba fortgeschafft wurden, um teils im Lazarett des Buernlagers, teils im englischen Lager von Mount Prospect verpflegt zu werden, während noch die Beerdigung der gefallenen Kämpfer vor sich ging, gelangte der Waffenstillstandsantrag der Engländer an den Befehlshaber des siegreichen Heeres. England wollte die Gerechtigkeit der Ansprüche Transvaals anerkennen.
Von Mund zu Munde ging im Buernheere die frohe Nachricht, und freudige Aufregung ergriff die kühnen Männer, welche für die Freiheit des Vaterlandes ihr Leben eingesetzt hatten. Sie kamen in Scharen zusammen und jubelten, sie vereinigten sich um ihre Ältesten und dankten aus frommem Herzen dem Gotte, der die Schlachten lenkt und der ihnen Sieg verliehen hatte. Von Heidelberg und von Pretoria jagten Reiter und Wagen herbei in das Feldlager, und die Frauen und Töchter der Sieger eilten zu ihren Gatten und Vätern, um ihnen für ihren Heldenmut zu danken.
Als der frohe Jubel das Lager erfüllte und ringsum aus froher Brust donnernder Triumphruf zum Himmel aufstieg, schwang sich Pieter Maritz auf Jagers Rücken und erhob die wallende Fahne mit den vier Farben in kräftiger Faust hoch in die Lüfte. Stolz entfaltete der Vierklör seine Schwingen und ließ weithin die zu Ehren gebrachten Farben über die jauchzende Menge hin erglänzen.
»Hoch Transvaal! Hoch die Südafrikanische Republik!« rief er mit mächtiger Stimme, und brausend antwortete dem Ruf ein tausendstimmiges Echo.
In diesem Augenblicke rollte ein leichter schneller Wagen mit halbem Leinenverdeck und von zwei kräftigen Pferden gezogen, an die Menge heran, und das kluge Gesicht mit dem weißen Bart, das Pieter Maritz in Bloemfontein gesehen hatte, zeigte sich. Präsident Johannes Brand kam, um als Vermittler zwischen England und den siegreichen Buern zu dienen. General Joubert ging ihm entgegen und reichte ihm die Hand.
»Hoch die Buern!« rief Pieter Maritz mit gewaltigem Tone.
Präsident Brand warf dem Jüngling mit der Fahne einen Blick zu und mochte ihn wohl erkennen. Er lächelte. General Joubert bemerkte diesen Blick und dieses Lächeln.
»Dies ist einer unserer besten Kämpfer,« sagte er. »Pieter Maritz hat eine gute Stimme. So laut er jetzt den Sieg verkündigt, so laut war auch sein Angriffsruf auf dem Majubaberge. Wir verdanken ihm viel, er hat sich um sein Vaterland verdient gemacht.«
Die Buern ringsum blickten auf den Jüngling und wußten, daß der General die Wahrheit sprach. Pieter Maritz errötete, er war glücklich und stolz.
Da kam ein behendes Pferd heran, auf dessen Rücken sich eine schlanke Frauengestalt wiegte. Pieter Maritz blickte zu ihr hin und erkannte die Buerntochter aus Pretoria, die reizende junge Dame mit dem kastanienbraunen Haar. Er hatte sie niemals ganz vergessen können, und in all dem Lärm der Kriege hatte ihr Bild für ihn immer Farbe behalten. Er sah jetzt, daß sie noch viel lieblicher war, als er es sich gedacht hatte. Sie ritt mit dem freundlichen Lächeln auf ihn zu, das ihm einstmals schon so wohl gefallen hatte, und nahm eine rote Rose von ihrer Brust.
»Dem gefeierten Sieger,« sagte sie, ihm die Blume überreichend. »Nehmen Sie diese Rose als ein Zeichen des Dankes, den wir Frauen den Beschützern unseres Vaterlandes weihen.«
Pieter Maritz nahm die Rose, und ein Gefühl des Glückes, wie er es noch nie gekannt, schwellte seine Brust.
Da fiel sein Blick auf eine schimmernde rote Uniform, die ganz vereinzelt zwischen so vielen dunklen Blusen stand, und auf ein finsteres, trauriges Gesicht. Lord Adolphus Fitzherbert hatte sich, durch das jubelnde Rufen herbeigelockt, dem Wagen des Präsidenten Brand genähert, in welchem auch ein Engländer mitgekommen war. Der Gefangene wollte sich erkundigen, wie es um den Frieden stände.
»O, Adolphus, nicht diese finstere Miene!« rief Pieter Maritz mit herzlichem Tone. »Ich bin so froh, daß ich gern von meiner Freude dir abgeben möchte. Laß mich nicht deine Freundschaft verlieren, wenn auch das Schicksal den Sieg nicht deinem Lande, sondern unserer Sache gegeben hat!«
Der Lord schüttelte abwehrend den Kopf. »Für den Sieger ist es leicht, so zu sprechen,« entgegnete er, »aber ich kann nicht vergessen, welche Demütigung euer Triumph uns auferlegt.«
Pieter Maritz sprang vom Pferde und reichte die Fahne einem Landsmann in seiner Nähe. Er ging auf den Engländer zu und umfaßte seine Schultern.
»O, zürne nicht, Adolphus,« bat er, »laß mich an diesem frohen Tage nicht deiner Freundschaft entbehren!«
Der Lord wollte sich aus den Armen losmachen, die ihn umschlangen, und war doch gerührt durch des Freundes Bitte, da hielt er plötzlich inne und sah mit einem Blick des Erstaunens vor sich hin. Pieter Maritz folgte mit den Augen der Richtung dieses Blicks und stieß einen Ruf freudiger Überraschung aus. Durch das Gewühl der Männer, Pferde und Wagen hindurch bahnte sich eine Gestalt ihren Weg, die er als den alten Missionar erkannte, und das milde Licht der ernsten liebevollen Augen des frommen Mannes strahlte ihm entgegen. Vor dieser ehrwürdigen Erscheinung machte die Menge Platz, und der deutsche Missionar trat auf die beiden Freunde zu.
»Ich sehe euch Arm in Arm trotz Kampf und Blut,« sagte er mit seiner freundlichen Würde, »und ich vertraue darauf, daß eure Freundschaft, die den Krieg überdauert hat, ein gutes Vorzeichen für den Frieden ist. Wenn schon menschliche Liebe so stark ist, wie viel mehr vermag die Liebe Gottes! Sie wird die Völker, die den Boden Afrikas mit ihrem Blute röteten, miteinander versöhnen, und im Lichte des Christentums wird dies Land zu einem gesegneten Felde für den Samen des göttlichen Wortes erblühen.«
DIE BUERNREPUBLIKEN

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